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Nr. 10

November 2009

FAKT

Forensik aktuell Nachbarschaftstage am 12. und 13. Dezember

Liebe Leserinnen und Leser, am 24. September hat Minister Karl-Josef Laumann das Gebäude an der Dahlingstraße an das Niederrhein Thera­ piezentrum Duisburg gGmbH/NTZ übergeben. Für uns war das ein Tag großer Freude. Nach Dr. Günther Wienberg Thomas Sopp neun Jahren Planung übernehmen wir in Duisburg jetzt end­lich konkret Verantwortung, zuerst für das Klinikgebäude. Hier ist kein „Luxusknast“ entstanden, sondern ein architektonisch ansprechender Bau, in dem man sich trotz sicherheitsbedingter Einschränkungen wohlfühlen kann. Das wünschen wir jedenfalls denen, die hier in Kürze leben und arbeiten werden. Das Gebäude ist aber „nur“ die äußere Hülle für das, was in diesen Räumen ab Januar 2010 geschehen soll: ein sicherer und therapeutisch wirksamer Maßregelvollzug. Dafür werden am Ende rund 150 Mitarbeitende auf mehr als 120 Vollzeitstellen sorgen. Mehr als 80 davon sind bis heute eingestellt. Viele haben bereits Berufserfahrung im Maßregelvollzug, in der Psychiatrie oder in der Suchthilfe. Anfang Januar übernehmen wir Verantwortung für bis zu 100 drogenabhängige Rechtsbrecher. Die meisten dieser Patienten werden aus der Forensik in Bedburg-Hau nach Duisburg verlegt. Die übrigen Patienten werden direkt aus dem Justizvollzug übernommen. Schon nach wenigen Wochen wird das NTZ voll belegt sein. Dass es einen therapeutisch wirksamen und sicheren Maßregel­ vollzug in Duisburg geben wird, dafür gilt es vielen zu danken. Wir danken der Landesregierung und Herrn Minister Karl-Josef Laumann für das Vertrauen, dass sie in das NTZ und seine Träger setzen, dem Landesbeauftragten für den Maßregelvollzug Uwe Dönisch-Seidel mit seinem Team für die konstruktive Zusammen­ arbeit, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW sowie der Köster Bau AG und deren Subunternehmer. Schließlich: Ein herzliches Dankeschön auch an unsere Mitarbeitenden, die die Planungen und deren Umsetzung engagiert und qualifiziert begleitet haben. Den Mitarbeitenden, der Geschäftsführung und den künftigen Patienten des NTZ wünschen wir Glück auf und Gottes Segen! Bevor es richtig losgeht, haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, anlässlich der Nachbarschaftstage am 12. und 13. Dezember Gelegenheit, das NTZ zu besichtigen und sein Konzept und die Mitarbeitenden kennen zu lernen. Dazu laden wir Sie ganz herzlich ein. Bis dahin! Mit den besten Grüßen aus Bielefeld

Dr. Günther Wienberg Aufsichtsrat-Vorsitzender

Thomas Sopp Aufsichtsrat

Therapiezentrum öffnet seine Tore für interessierte Besucher Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren began­ nen die Bauarbeiten für das Niederrhein Therapie­ zentrum Duisburg (NTZ). In der Folgezeit waren hunderte von Handwerkern damit beschäftigt, das 42.000 Quadratmeter große Grundstück an der Dahlingstraße in Hohenbudberg in einen modernen und sicheren Klinikstandort zu verwan­ deln. Am 1. Januar 2010 kann nun nach intensi­ ven Vorbereitungen offiziell die Arbeit beginnen. Doch wie muss man sich diese Arbeit genau vor­ stellen? Welche Therapie-Bedingungen wurden dort konkret geschaffen? Wer sich dafür interes­ siert, schaut am besten einfach mal rein. Am 12. und 13. Dezember öffnet das NTZ seine Tore und lädt zu zwei „Nachbarschafts­tagen“ ein. Die Bezeichnung wurde ganz bewusst gewählt, denn das Therapiezentrum legt großen Wert auf ein gutes Neben- und Miteinander. Bei der

Planung und Entstehung waren aus dem unmit­ telbaren Umfeld verständlicherweise immer wie­ der Sorgen zum Ausdruck gebracht worden. Ein Blick „hinter die Kulissen“ soll nun helfen, letzte Zweifel auszuräumen und Ängste zu nehmen. Das NTZ ist an beiden Nachbarschaftstagen von 10 bis 15.30 Uhr geöffnet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden die Besucher in kleinen Grup­ pen durch die Klinik führen und ihnen wichtige Erläuterungen geben. Auch die Klinikleitung – vertreten durch Dr. Bernhard Wittmann, Andrea Piccenini und Lettie Theunissen-Schuiten – wird den Gästen für Fragen zur Verfügung stehen. Eine Anmeldung zu den Besuchertagen ist nicht erforderlich. Deshalb kann es aus organi­satori­ schen Gründen – je nach Andrang – zu Warte­ zeiten im Eingangsbereich kommen.

Das NTZ-Leitungsteam im FAKT-Interview

„Wir sind in jeder Hinsicht sehr gut vorbereitet!“ Der Count-Down läuft: Mit Beginn des neuen Jahres wird das neue Niederrhein Therapie­zentrum Duisburg mit seiner Arbeit beginnen. Seit Wochen schon bereitet sich das NTZ-Personal intensiv auf den bevorste­ hen­den Klinikalltag vor. Im FAKT-Interview nehmen der ärztliche Geschäftsführer, Dr. Bern­­hard Wittmann, die kaufmännische Ge­­schäftsführerin, Andrea Piccenini, und die Leiterin des Pflege- und Pädagogischen Dienstes, Lettie Theunissen-Schuiten, zu ak­tuellen Fragen Stellung.

Im Januar 2010 geht der Betrieb im NTZ los. Wie weit sind die Vorbereitungen? Piccenini: Die Vorbereitungen laufen planmäßig und sind jetzt in der Schlussphase angekommen. Die Ausstattung der Klinik mit Möbeln und son­ stigem Inventar stand zuletzt auf dem Programm. Das ist nun auch weitestgehend abgeschlossen. Dinge wie die Lebensmittelzulieferung und die Wäscheversorgung mussten auch noch geregelt werden. Wir sind zuversichtlich, dass bis zu den „Nachbarschaftstagen“ Fortzetzung auf Seite 2 ➥


Fortzetzung von Seite 1 ➥ am 12. und 13. Dezember die letzten Punkte abgehakt werden können, damit die Besucher dann einen möglichst realistischen Ein­ druck bekommen. Die Atmosphäre der Einrichtung hat ja einen wesentlichen Einfluss auf das Gelingen der Therapie. Das kann man dann an beiden Tagen sicher gut nachvollziehen.

Dr. Wittmann: In erster Linie geht es in der Therapie um die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln. Eine hochbelastete Lebens­ geschichte oder höchst schwierige Lebensumstände können Fehlverhalten in gewisser Weise erklären, aber unter keinen Umständen entschuldigen. Die Patienten müssen lernen, dass sie auch unter miss­ lichen Umständen nicht zu Straftaten greifen müs­ sen, dass es immer eine legale Wahl gibt. Das dauert mitunter lange, im Durchschnitt sicherlich zwei bis drei Jahre.

Mit wie vielen Patienten wird das NTZ anfangen, und wie lange wird es bis zur vollen Belegung dauern? Dr. Wittmann: In der ersten Januarwoche werden etwa 85 Patienten aus Bedburg-Hau zu uns kom­ men. Bis Ende Januar dürfte dann auch der Aufnah­ mebereich angesichts der jetzt schon bestehenden langen Warteliste voll sein. Etwas länger wird es mit der Entlassvorbereitungsstation dauern, weil wir die entsprechenden Patienten hier auch erst noch näher kennen lernen müssen.

Nach dem NTZ geht es im Normalfall wieder nach draußen. Wie werden die Patienten auf die „Wirklichkeit“ vorbereitet? Theunissen: Die Behandlung im Maßregelvollzug soll den Patienten dazu befähigen, ein Leben ohne Drogen und Straftaten in der Gesellschaft zu führen, also die Wiedereingliederung. Deshalb sind Locke­ rungen ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Sie richten sich nach den erreichten Therapiefort­ schritten und der Minderung der von den Patienten ausgehenden Gefährlichkeit. Jeglicher Aufenthalt der Patienten außerhalb der Klinik bedarf der beson­ deren Genehmigung.

Ist das Personal schon komplett? Wie gestalten sich die Vorbereitungen für die Mitarbeiter? Piccenini: Das Personal wird in den unterschied­ lichen Berufsgruppen stetig aufgebaut. Bis zum Eintreffen der Patienten werden die Stellen fast vollständig besetzt sein. Alle wichtigen Abläufe werden geprobt, auch direkt mit den zuständigen Einrichtungen der Feuerwehr und der Polizei.

Nach dem Maßregelvollzugsgesetz sind die Ein­richtungen verpflichtet, Lockerungen zu gewähren, sobald und soweit der Zustand des Patienten es zulässt. Lockerungen sind kein Freizeitvergnügen, sondern mit jedem Ausgang und jeder Beurlaubung sind Ziele verbunden, die mit dem Patienten verbind­ lich vereinbart werden. Auch Zeiten, Aufenthaltsorte und Wege werden strikt vereinbart. Der Entschei­ dung für oder gegen eine Lockerung geht ein fest­ gelegter Entscheidungsprozess voraus. Wenn die Genehmigung erteilt wurde, wird ein Patient immer mit begleiteten Ausgängen beginnen. Diese Ausgän­ ge werden durch die Mitarbeiter des Pflege- und Pädagogischen Dienstes und des Sozialdienstes vor­ bereitet und begleitet. Diese Beschäftigten werden bei Auffälligkeiten Ausgänge unmittelbar abbrechen oder ganz untersagen. Lockerungsmaßnahmen können mit Auflagen und Weisungen verbunden werden. Verstöße gegen sol­ che Weisungen berechtigen dazu, die Lockerungen aufzugeben bzw. die Patienten in die Klinik zurück­ zuführen oder die Festnahme zu veranlassen. Nach mehreren erfolgreichen begleiteten Ausgängen wer­ den unbegleitete Ausgänge genehmigt, wobei auch hier die Zielsetzung und Kontrolle sehr wichtig sind. Sie sehen: Beim Weg zurück in die Gesellschaft müs­ sen die Patienten viele Hürden überwinden. So ohne Weiteres funktioniert das nicht.

Auf einen hohen Sicherheitsstandard wurde bei der Ausstattung der Gebäude und der Einzäunung des Geländes sehr großer Wert gelegt. Der transparente Zaun (Bild unten) kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich um ein kameraüberwachtes Gelände handelt (Bild oben).

Wie ist das Personal zusammengesetzt, welche Tätigkeiten gibt es im Einzelnen? Piccenini: Das Personal setzt sich aus unterschied­ lichen Berufsgruppen zusammen: Pflegekräfte und pädagogische Kräfte gehören dazu, Ärzte, Psycho­ lo­gen und Sozialarbeiter. Außerdem werden die Be­reiche Technik, Hauswirtschaft, Werkstatt und Ergotherapie durch spezielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgedeckt. Sport- und Bewegungsthe­­­ra­peuten haben wir ebenfalls eingestellt. Bei der Aus­wahl legen wir natürlich Wert auf Erfahrungen im Bereich Psychiatrie und Forensik. Viele der neuen Kolleginnen und Kollegen sind auch mit der Suchtund Drogenproblematik vertraut – das ist bei uns ja auch von elementarer Bedeutung. War es schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden? Piccenini: Probleme, geeignetes Personal zu finden, hatten wir eigentlich nicht. Dadurch, dass unsere Einrichtung neu in Betrieb genommen wird, war und ist das Interesse an einer Mitarbeit sehr groß. Man hat hier das Gefühl, etwas mitbestimmen und mit­ gestalten zu können. Das scheint ein wesentlicher Aspekt zu sein.

Sicherheit ist ein zentraler Punkt im NTZ. Wie wird sie gewährleistet? Ist der Sicherheits­stan­ dard höher als anderswo, weil man bei einem Neubau ja von vornherein besser planen kann? Dr. Wittmann: Der bauliche Sicherheitsstandard ist zweifellos auf höchstem Niveau. Aber Sicherheit stützt sich immer auf mehrere Pfeiler. Ein zentraler ist dabei die konsequente Therapie und die Mitarbeit der Patienten. Auf beide Aspekte werden wir uns in besonderer Weise konzentrieren. Glücklicherweise verfügen wir über ein in der Forensik ausgesprochen erfahrenes therapeutisches Leitungsteam. Die Sicher­ heit der Beschäftigten ist da in ebenso guten Hän­ den wie die der Anwohnerinnen und Anwohner und sonstigen Bürgerinnen und Bürger. Theunissen: Für die Sicherheit sind natürlich alle Mitarbeiter mitverantwortlich, wenn ich das noch ergänzen darf. Sicherheit entsteht durch Kommuni­ kation. Man redet über alles, was auffällt. Und man muss die Techniken und Abläufe beherrschen. Aber das war ja wichtiger Teil der Vorbereitungen. Wie muss man sich die Therapie vorstellen? Was geschieht mit den Patienten?

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Der Aufwand, der in einer Einrichtung wie dem NTZ betrieben wird, ist enorm. Welche Erfah­ rungen gibt es bezüglich der Therapieerfolge? Dr. Wittmann: Aus dem westfälischen Landesteil wurde kürzlich eine große Untersuchung über entlassene Patienten vorgestellt. Danach begehen etwa 60 Prozent der Patienten in einem Zeitraum von drei Jahren nach Entlassung überhaupt keine Straftaten mehr. Und die Straftaten der Rückfälligen sind deutlich weniger schwerwiegend als vorher. Und die Erfahrungen zeigen, dass durch eine kon­ sequente Nachbetreuung nach der Entlassung diese Raten noch deutlich gesenkt werden können. Piccenini: Wir haben deshalb schon in der Planungs­ phase intensive Kontakte zu Nachsorgeeinrichtungen aufgebaut. Ein entsprechendes Nachsorgekonzept ist Teil des Klinikkonzeptes. Wir sind also in jeder Hinsicht sehr gut vorbereitet!


Schlüsselübergabe durch das Land

Ab Januar werden die Patienten sicher und effektiv behandelt Nach Dortmund, Essen und Köln ist Duisburg die vierte neue Maßregelvollzugseinrichtung, die das Land NRW gebaut hat. Zwei weitere in Herne und Münster sind im Bau; damit werden die bisherigen Kliniken deutlich entlastet. Das Niederrhein Therapie­ zentrum Duisburg sei ein wichtiger Baustein der vom Land angestrebten Regionalisierung und Dezentrali­ sierung des Maßregelvollzugs. Karl-Josef Laumann: „Der Landgerichtsbezirk Duisburg verfügte bisher über keine eigenen Maßregelvollzugsplätze, obwohl von hier aus eine überdurchschnittlich hohe Zahl drogenabhängiger Straftäter in den Maßregelvollzug eingewiesen wurde. Behandelt wurden diese Men­ schen meist in der kleinen Gemeinde Bedburg-Hau an der hölländischen Grenze.“

Mit der offziellen Schlüsselübergabe Mitte September ist der erste Schritt für die Aufnahme des Betriebs in der Forensik gemacht. Im Bild (v.l.) Minister Karl-Josef Laumann, Uwe-Dönisch-Seidel (Landesbeauftragter für den Maßregelvollzug), Dr. Günther Wienberg (Vorstand v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel) und Karsten Gebhardt (Vorsitzender des Vorstands Ev. Johanneswerk) als Träger­ ver­treter, sowie die Geschäftsführung der neuen Einrichtung Letti Theunissen-Schuiten, Andrea Piccenini und Dr. Bernhard Wittmann.

Geplant war der offizielle Akt der Klinikübergabe in den noch leeren Räumen der künftigen Werkstatt. Aber am 24. September 2009, dem Tag der Schlüs­ selübergabe, schien die Sonne über Duisburg-Hohen­ budberg so freundlich, dass der Festakt kurzer­hand nach draußen auf die Freifläche zwischen Sport­platz und Werkstatt verlegt wurde. Bei spätsommerlich freundlichem Wetter waren rund 100 Gäste ins Nie­ derrhein Therapiezentrum Duisburg an der Dahling­ straße gekommen. Den beiden Klinikbetreibern Johanneswerk und Bethel wurden an diesem Nach­ mittag vom Land Nordrhein-Westfalen die Schlüssel für die Klinikgebäude übergeben. Landesarbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann und der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug Uwe Dönisch-Seidel hatten einen symbolischen Schlüssel mitgebracht. Den bekamen Dr. Günther Wienberg, Vorstand v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel, und Karsten Gebhardt, Vorstandsvorsitzender Ev. Johanneswerk, überreicht. Die beiden diakoni­ schen Unternehmen, jeweils mit Hauptsitz in Biele­ feld, werden das Niederrhein Therapiezentrum Duis­ burg (NTZ) in Form einer gemeinnützigen GmbH gemeinsam betreiben. Damit ist zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen der Betrieb einer forensischen Klinik an freie Träger gegangen, wie Minister Lau­ mannn in seiner Ansprache betonte. Eine zweite Klinik, die zurzeit in Münster im Bau ist, wird künftig ebenfalls privat betrieben werden.

Im Niederrhein Therapiezentrum Duisburg werden ab Januar 2010 insgesamt 100 drogenabhängige Patienten behandelt. Die dafür notwendigen rund 150 Mitarbeitenden werden überwiegend bis No­vember dieses Jahres ihren Dienst aufgenommen haben. Bereits im Jahr 2001 haben die Planungen und ersten Gespräche für den Bau des NTZ begon­ nen. Der Bau hat rund 27 Millionen Euro gekostet. An die neunjährige Planungs- und Bauphase erin­nerte Dr. Günther Wienberg bei der Übergabe. „Jetzt wird es ernst“, so Dr. Wienberg, „in diesen sehr gelungenen Gebäuden werden wir ab Januar sicher und effektiv Patienten behandeln.“ Der Maß­ regelvollzug sei eine gesellschaftlich sehr notwendige Aufgabe. Es gehe dabei auch um die Wahrung der Menschenwürde der künftigen Patienten; die Men­ schenwürde sei schließlich unteilbar. „Als diakonische Träger sehen wir hier auch eine zutiefst christliche Aufgabe“, so Wienberg. Dr. Günther Wienberg wird künftig dem Aufsichtsrat der NTZ gGmbH vorstehen. Karsten Gebhardt benannte das NTZ als erfolgrei­­ches Beispiel für eine ‚public private partnership’. „In einem teilweise umstrittenen Projektfeld ist hier eine gute Arbeit gelungen. Nach der ersten, der Bau­ phase, kommt jetzt die zweite, die Betriebsphase“, so Gebhardt. „Auch diese zweite Phase wollen wir hier in Transparenz mit Ihnen in Duisburg gestalten.“ Karsten Gebhardt bedankte sich auch bei den An­­ wohnern, die die Aufgabe des Maßregelvollzugs mit diesem Standort auf sich genommen hätten.

Dicht umlagert von Medienvertretern war Dr. Bern­hard Witt­mann, der ärtzliche Geschäftsführer; hinten im Bild Andrea Piccenini, für den kaufmännischen Part zuständig. Foto Unten: Ein Bild mit Symbolcharakter: Minister Karl-Josef Lau­mann (l.) übergibt erstmals eine forensische Einrichtung an private Träger. Neben ihm Dr. Günther Wienberg und Karsten Gebhardt.

„Die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und das Ev. Johanneswerk sind diakonische Träger von europäischem Rang und untadeligem Ruf. Beide haben langjährige und umfassende Erfahrungen bei der Behandlung und Wiedereingliederung von psy­ chisch Kranken und Suchtkranken“, so Minister KarlJosef Laumann. Er wies zugleich darauf hin, dass die Klinik und die Trägergesellschaft dem Maßregelvoll­ zugsrecht des Landes unterworfen seien und auch künftig unter der Aufsicht des Landesbeauftragten für den Maßregelvollzug stünden. Das neue Betreibermodell habe aber auch einen ge­­ sellschaftlichen Aspekt: „Mit diesem Schritt wird die Verantwortung unserer gesamten Gesellschaft für den Maßregelvollzug deutlich.“ Die evangelische Kir­ che in Westfalen bekenne sich seit Jahren in beson­­ ders entschiedener Weise zu dieser Verantwortung, auch in schwierigen Zeiten, lobte Minister Laumann.

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Schließlich lobte Uwe Dönisch-Seidel den Dialog mit der Bevölkerung in Duisburg während der Planungsund Bauphase. Hier hätten die Träger und Mitglieder des Planungsbeirates vorbildlich gearbeitet, Informa­ tionen weitergeleitet und so Verständnis gefördert.


Foto: Dirk Bannert

Wichtiges Bindeglied zur Öffentlichkeit Die Mitglieder des Klinik-Beirates kamen Ende Oktober zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Sie waren in der 25. und letzten Sitzung des Pla­ nungs-Beirates benannt worden. Das neue Gre­ mium be­steht aus insgesamt 25 Personen und versteht sich laut Geschäftsordnung als „wichti­ges Binde­glied zur Öffentlichkeit“. Die Besetzung spiegelt dies wider. Kommunal­politiker und Nach­­bar­ schafts­­vertreter gehören dem Klinik-Beirat eben­so an wie Vertreter der heimischen Wirt­schaft, der niedergelassenen Ärzteschaft, der Polizei, der Justiz, der Kirchen und der örtlich tätigen Wohl­ fahrts­verbände. Etwa einmal im Vierteljahr wird sich das Gre­mium treffen, um seine beratende Funktion für das Niederrhein Therapienzentrum Duisburg wahrzunehmen. Zum Vorsitzenden des Beirates wurde Pfarrer Thomas Gregorius (l.), Dia­ koniepfarrer des Kirchenkreises Moers, gewählt. Harald Jochums (2.v.l.) wurde sein Stellvertreter.

Politische Stimmen bei der Schlüsselübergabe

Landesminister und Oberbürgermeister sind zuversichtlich:

Maßregelvollzugsklinik hat Vertrauen verdient NRW-Gesundheits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann: „Psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter leben mit und neben uns, in unseren Städten und Gemeinden, in unserer näheren oder weiteren Nachbar­ schaft. Deshalb tragen wir alle gleichermaßen Verantwortung für ihre sichere Unterbringung und wirksame Behandlung.“ (…) „Ich bin überzeugt: Die neue Maßregelvollzugsklinik in Duisburg hat ihr Vertrauen verdient. Aber ich bin mir auch bewusst: Sie wird sich dieses Vertrauen täglich neu verdienen müssen. Der vertrauensvolle und offene Dialog mit der Nachbarschaft und der gesamten Bürgerschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Deshalb möchte ich dem Planungsbeirat in besonderer Weise danken, der die Planungsphase konstruktiv und engagiert begleitet hat. In dem Beirat waren verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Ins­ titutionen vertreten, auch die benachbarte Eisenbahnsiedlung. Ich hoffe, dass auch zukünftig der Beirat ein Bindeglied zwischen der Klinik und der Bürgerschaft ist und das Zusammenleben hier einmal so selbstverständlich wird wie beispielsweise in Bedburg-Hau. Hoffnungsvoll bin ich hier in Duisburg auch deshalb, weil Rat und Verwaltung sich von Anfang an gegenüber dem Vorhaben des Landes konstruktiv verhalten haben.“ Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (Bild links): „Wir müssen bei allen Vorbehalten feststellen, es sind unsere Mitmenschen, die hier behandelt werden. Es ist unsere Pflicht, sie zu therapieren und möglichst wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Fragezeichen angesichts der Klinik werden sicherlich weniger, wenn die Arbeit hier Normalität geworden ist. Die Transparenz der Umzäunung ist gut, sie kann sinnbildlich stehen für die Arbeit und das Miteinander mit der Bevölkerung.“

Das Leitungsteam

Andrea Piccenini, Dr. Bernhard Wittmann (Geschäftsführung) Dahlingstr. 250, 47229 Duisburg Tel. 02065 8900-0 Fax 02065 8900-1099 E-Mail: info@ntz-duisburg.de

Thomas Sopp, Aufsichtsrat Schildescher Str. 101, 33611 Bielefeld Tel. 0521 801-2200 Fax 0521 801-2209 E-Mail: thomas.sopp@johanneswerk.de Elke Wemhöner, Öffentlichkeitsarbeit Schildescher Str. 101, 33611 Bielefeld Tel. 0521 801-2560 Fax 0521 801-2569 E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@johanneswerk.de

v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel Dr. Günther Wienberg, Aufsichtsrat (Vorsitzender) Königsweg 1, 33617 Bielefeld Tel. 0521 144-5330 Fax 0521 144-5392 E-Mail: guenther.wienberg@bethel.de Jens U. Garlichs, Presse + Kommunikation Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld Tel. 0521 144-3512 Fax 0521 144-2274 E-Mail: presse@bethel.de

Impressum Herausgeber: Geschäfsführung NTZ Duisburg Dahlingstr. 250, 47 229 Duisburg

Dr. Bernhard Wittmann (57), ärztlicher Geschäftsführer des NTZ, ist ein erfahrener Spezialist auf forensischem Gebiet. Der gelernte Facharzt für Psychiatrie und Psychosomatische Medizin war vorher viele Jahre ärztlicher Direktor des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie in Marsberg, wo ebenfalls männliche drogenabhängige Patienten auf der Grundlage von § 64 StGB behandelt werden.

Andrea Piccenini (49), kaufmännische Geschäftsführerin im NTZLeitungsteam, hat ihre beruflichen Wurzeln in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, einem der beiden Träger der Klinik. Die Diplom-Pädagogin und Betriebswirtin hat vor ihrem Wechsel nach Duisburg bereits einige verantwortliche Positionen im DiakonieBereich innegehabt.

Lettie Theunissen-Schuiten (40) ist für den Pflege- und Pädagogi­ schen Dienst im NTZ verantwortlich. Sie hat bereits viel Erfahrun­ gen im Umgang mit schwierigen und straffällig gewordenen Menschen sammeln können. Seit 1995 arbeitete sie in der Forensischen Psychiatrie in den Niederlanden, zuletzt in verschiedenen leitenden Positionen.

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Redaktion und Gestaltung: v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel Presse + Kommunikation Fotos: Reinhard Elbracht, Paul Schulz v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel Presse + Kommunikation FAKT wird kostenlos verteilt. Weitere Anfragen unter: E-Mail info@ntz-duisburg.de FAKT im Internet: www.ntz-duisburg.de


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