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Jahrgang 51

D e r A u f k l ä r e r Der Auf k l ä r e r

Jahrgang 49

Ausgabe Juni 2014

Ausgabe Juni 2012

Mitteilungsblatt Kameradschaft AufklBtl 6 „Holstein“ und seiner Traditionsverbände Mitteilungsblatt Kameradschaft Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ und seine Traditionsverbände

Online Ausgabe „Der Aufklärer“ Teil I - Übungen und Einsätze

E U T I N E R B ATA I L LO N I S T I M E I N S AT Z

Kernfähigkeiten

Aufklärung aus einer Hand Der Spieß 2./ 6 sagt Tschüß Kameradschaftstreffen Lesen Sie in dieser Ausgabe

DER MILITÄRATTACHÉ Oberstleutnant i.G. Schmidt informiert

TOTE UND VERLETZTE Hermann Sott berichtet aus 1968

WIR GEHÖREN DAZU San-Bereich und Fahrausbildung

Bataillonsübungen


Aufklärung aus einer Hand Das Motto: „Viel sehen ohne gesehen zu werden“

November 2013, Truppenübungsplatz Bergen, es sind knappe Null Grad Celsius und ein scharfer Ostwind weht den Teilnehmern der Brigadeweiterbildung „Fähigkeiten der Heeresaufklärungstruppe“ entgegen. Für die Teilnehmer ist es ungemütlich, für die durchführenden Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ wird es eine Herausforderung. Ein pompöses Gefechtsbild Es wird nicht knallen und es wird nicht rauchen. Die Zuschauer, die sich auf der Schießbahn 9 eingefunden haben und nun erwartungsvoll von erhöhter Stellung auf das Gefechtsfeld blicken, werden ein Stück weit enttäuscht sein, denn die Aufklärungstruppe führt keine großen Gefechte. Ein pompöses Gefechtsbild ist für die Aufklärungstruppe schlichtweg untypisch. Es soll das alte Grundprinzip der Aufklärung „Viel sehen ohne gesehen zu werden“ verbunden mit dem Leitsatz „Aufklärung aus einer Hand“ dargestellt werden. Was sich im ersten

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Moment wie ein Zitat aus der alten Tigerfibel anhört, entspricht bei näherer Betrachtung nicht nur dem Motto der Aufklärungstruppe, sondern stellt eine besondere Metapher für die Fähigkeiten dieser Truppengattung dar. Im Folgenden soll hier dargestellt werden, wie das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ diese Aufklärung aus einer ‚Hand‘ in der modernen Praxis einsetzt um der Operationsführung die geforderten Informationen zu liefern. Zu Beginn jedes Einsatzes, egal ob als gemischte Aufklärungskompanie oder als geschlossenes Bataillon, steht die Frage, welche Fähigkeiten in welchem Umfang benötigt werden. Dies gilt umso mehr, . . . da ein umfangreiches Spektrum an Aufklärungssystemen zur Verfügung steht, mit dem der Führer der Aufklärungskräfte in der Lage ist, flexibel auf den Informationsbedarf der Truppe zu reagieren.

Gleich den Fingern einer Hand, stehen dem Kompaniechef oder Bataillonskommandeur unterschiedliche Fähigkeiten zur Verfügung. Das Aufklärungsradar, die Feldnachrichtenkräfte, die bodengebundene Spähaufklärung, die luftgestützte Aufklärung seien hierbei die vier Finger der Aufklärungshand und das Element Informationsverarbeitung und Auswertung stelle man sich als Daumen vor. Mithilfe dieser Finger legt der Kommandeur fest, wie seine ‚Aufklärungshand‘ nach Informationen greift. Dieses soll den Teilnehmern der Weiterbildung anhand der Lage „IED Fabrik“ gezeigt werden, bei dem die Aufklärungssysteme Informationen über eine Widerstandsgruppe in einem fiktiven Einsatzland gewinnen. Mit Strahlen und Tönen Zunächst wird den Zuschauern das Panzeraufklärungsradar „PARA“ mit dem System „RASIT“ vorgeführt. Es

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Der FN-Trupp im Gelände dient der Überwachung von Räumen mit einer Aufklärungstiefe von bis zu zwanzig Kilometern. Bei der Ausnutzung der maximalen Aufklärungstiefe kann es einen Sektor von circa zehn Kilometern Breite überwachen. Freund-Feind Das Radarsystem, in dem Transportpanzer Fuchs verbaut, erfasst sich bewegende Ziele auf dem Gefechtsfeld und im bodennahen Luftraum. Es wird als Gruppe zu zwei Fahrzeugen eingesetzt, wobei eine Trennung der Gruppe ohne gegenseitige Sicherung möglich ist um eine durchgehende Überwachung von Geländeabschnitten sicherzustellen. Eine Freund-

Feind-Kennung ist dabei nicht möglich, was die Nutzung des Systems in Einsätzen wie Afghanistan sehr einschränkt. Im Bataillon werden die Radarträger derzeit im Schwerpunkt zur Aufklärung in der Tiefe des feindlichen Raumes eingesetzt. Ziel ist es, Bewegungen rechtzeitig zu erkennen um den anderen Sensoren Vorlaufzeit für die Identifizierung zu geben. Im Rahmen der Vorführung klärt die Radargruppe auffällige Fahrzeugbewegungen zu einem einzeln stehenden Gehöft auf. Dem Publikum wird der typische Dopplerton des Radargerätes vorgespielt. Dies

sorgt für Erheiterung, denn das Pfeifen, Summen und Brummen, das aus dem Radarsignal erzeugt wird, nimmt man zunächst als Störung der Funkanlage wahr. Dem erfahrenen Radarbediener . . . hingegen gibt es Auskunft über Art und Stärke des Feindes. Und so – obwohl bereits die ersten Gelenke dieses Fingers steif geworden sind – leistet das System gerade in einem symmetrischen Bedrohungsumfeld – Panzer gegen Panzer – noch sehr wertvolle Dienste. Dies konnte der Radarzug zuletzt im Februar im Gefechtsübungszentrum nachweisen, als er ganze Kompanien mit Kettenfahrzeugen

aufklärte. Mensch und Gespräch Für den Kampf Panzer gegen Panzer nicht geeignet, schlägt in einem Umfeld wie Afghanistan die Stunde der Feldnachrichtenkräfte mit ihren FN-Trupps in der Stärke von einem Offizier und zwei Feldwebeln. Diese gewinnen Aufklärungsergebnisse durch zielorientierte Gesprächsführung, Befragung von Personen, Sichten und Auswerten von Dokumenten und Material. Darüber hinaus sind sie befähigt, detaillierte Einsatzraum- und Objektbeschreibungen zu erstellen. Hierbei sind besonders eine ausgeprägte kulturelle Kompetenz und Sprachkenntnisse erforderlich.

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Bataillon

Einsatz mit längerer Isolationsphase Im Feindgebiet, ist eine umfassende Vorbereitung und langfristige Planung notwendig

Der leichte Spähtrupp sitzt ab Um jedoch gesicherte Erkenntnisse zu erlangen, braucht es einen intensiven Vertrauensaufbau zu den Kontaktpersonen. Dieser langwierige Prozess kann Wochen oder Monate in Anspruch nehmen. Daher müssen die Soldaten der Feldnachrichtenkräfte wieder und wieder Fühlung zu den gleichen Stellen und Personen halten um ein umfassendes Lagebild zu gewährleisten. Kurzum: Der Faktor Mensch ist der entscheidende und dabei knallt und raucht es erst recht nicht. So muss gerade bei diesem eher unspektakulären Teil der Vorführung, bei dem ein fiktives Gespräch eines FN-Trupps mit einem Dorfpolizisten gezeigt wird, betont werden, dass sich dieser Finger der Aufklärungshand zu einem lebenswichtigen Faktor in der modernen militärischen Informationsgewinnung entwickelt hat. Dieses wird in der dargestellten Lage umso deutlicher als den Zuschauern das Ergebnis des Gespräches mit der Kontaktperson mitgeteilt wird: Dem ansässigen Dorfpolizisten . . . sind demnach mehrere fremde junge

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Männer aufgefallen, die radikale Parolen gegen die deutsche Bundeswehr verbreiten. Dieses Beispiel ist typisch für den Einsatz in instabilen Regionen. Ohne die Informationen der FN-Kontakte können Zusammenhänge selten in ihrer Komplexität erfasst werden. Innerhalb des Bataillons liegt der derzeitige Fokus der FN-Kräfte auf dem Kosovoeinsatz. Zu Land … In der bodengebundenen Spähaufklärung, bleiben die klassischen Spähtrupps ein vertrautes Kernelement der Aufklärungstruppe. Ein vergleichsweise neues‚ Fingerglied‘ sind die leichten Spähgruppen. Diese 8 Soldaten starken Gruppen – bestehend aus zwei Trupps mit jeweils einer Stärke von je drei Soldaten und zwei weiteren Soldaten auf einem Transportfahrzeug – werden zur stationären oder beweglichen Aufklärung zu Fuß in unwegsamen Gelände eingesetzt. Die Infiltrationstiefe der abgesessenen Trupps beträgt circa zwei Kilometer im Feindesland. Die leichte Spähgruppe ist in der Lage, bis zu 5 Tage autark aus Verstecken Zielaufklärung zu be-

treiben oder strategisch wichtige Punkte zu überwachen. Ein Trupp ist dafür mit einem Fernrohr, einem Wärmebildgerät und leichten Handwaffen ausgestattet. Für einen Einsatz dieser Kräfte mit einer längeren Isolationsphase im Feindgebiet, ist eine umfassende Vorbereitung und langfristige Planung notwendig. Deshalb ist die leichte Spähgruppe in einem hochbeweglichen Gefecht nur bedingt einsetzbar. Innerhalb des Bataillons wird die ‚leichte Späh‘ zusätzlich zu dem klassischen Auftrag zur Verstärkung oder Sicherung der anderen Aufklärungskräfte eingesetzt. Der Spähtrupp auf dem . . . leichtgepanzerten Spähwagen „FENNEK“ wird häufig als das Charakteristikum der Aufklärungstruppe wahrgenommen, zumal der FENNEK die Fähigkeitslücke des Spähpanzers LUCHS aus der ehemaligen Panzeraufklärungstruppe schließt. Hohe Mobilität, hervorragende Aufklärungsfähigkeiten bei Nacht und schlechter Sicht, sowie eine effektive Bewaffnung mit der 40 mm Granatmaschinenwaffe oder . . .

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Bataillon

Luftgestütze Aufklärungssysteme Feindfahrzeuge und Bilder können qualifiziert aus der Luft aufgenommen werden

dem Maschinengewehr MG 3 zeichnen ihn aus. Das Herzstück des Systems ist die Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung, kurz BAA. Der Sensorkopf der BAA kann an einem Stativ ausgefahren oder per Kabel vom Fahrzeug abgesessen genutzt werden. Dieses ermöglicht die Aufklärung aus der Deckung heraus. Die BAA umfasst ein Wärmebildgerät, eine Tagsichtkamera und einen Laserentfernungsmesser, mit dem exakte Koordinaten im Gelände bestimmt werden können. Zeitgleich werden die erfassten Daten in eine digitale Lagekarte übernommen und bei Bedarf per Datenfunk über das „Führungsinformationssystem Heer“ an jede gewünschte Führungsebene übermittelt.

müssen. Ein Spähtrupp ist in der Lage, je nach Gelände, einen Radius zwischen zwei und fünf Kilometern zu überwachen. Dazu kann der Spähtrupp mit den Subsystemen ‚Bodensensorausstattung‘ und der Nahbereichsdrohne ALADIN (Abbildende Luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich) Bodenvibrationen von Feindfahrzeugen oder Bilder aus der Luft aufzeichnen. Bei diesem Hightech-Automobil ist es nicht verwunderlich, dass das versammelte Führerkorps der Panzergrena-

dierbrigade 41 den Spähtrupp mit großen Augen auf dem Weg von der Tribüne bis in das Gefechtsbild verfolgt. Schon eher für Verwunderung sorgt es, als der Spähtrupp heimlich in einem Stichweg verschwindet und nicht mehr auffindbar ist. Als der Spähtruppführer sich schließlich mit einer Leuchtpatrone aus dem Spähtruppziel zu erkennen gibt, ist die Verwunderung darüber, wie heimlich still und leise der Spähtrupp im Gelände agieren kann, perfekt. Dazu werden Bild- und Videoaufnahmen von

Der Spähtrupp wird grundsätzlich zu zwei oder bei Bedarf auch zu drei Fahrzeugen eingesetzt und kann ebenfalls bis zu 5 Tage autark in der Tiefe des Raumes operieren. Bevorzugt wird der FENNEK im Versteck zur Beobachtung eingesetzt, doch insbesondere als beweglicher Spähtrupp kann er alle seine Stärken ausspielen. Die technisch gute Ausstattung der Aufklärungsanlage ermöglicht es, aufgeklärte Hochwertziele auch direkt mit Artilleriefeuer zu bekämpfen, ohne das altbekannte „Einschießen im Sehstreifen“ durchführen zu

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Im Verbund aus der in die Bundeswehr eingeführten unbemannten Aufklärungsdrohne KZO und einem Wirkmittel „Harop“ des Herstellers IAI ausgelegt. Während das mit einem hochwertigen Kamerasystem bestückte KZO („Kleinfluggerät Zielortung“) in dieser Kombination für die Aufklärung und Identifikation von Zielen zuständig sein wird, übernimmt das Fluggerät Harop als Waffe die präzise Bekämpfung des zugewiesenen Feindobjekts und zerstört sich dabei selbst.

Übergabe IED LUNA 1 dem bereits erwähnten Gehöft auf einer Leinwand eingespielt. Das Lagebild der Vorführung spitzt sich dabei zu: Es ist zu sehen, wie eine Gruppe junger Männer Granaten in einen Wagen verladen und verkabeln. Für die Fennekbesatzungen im Bataillon ist und bleibt die Spähaufklärung der Kernauftrag. Gleich in welchem Einsatzgebiet Auge am Feind gefordert ist, Der FENNEK ist die beste Wahl der Aufklärungsmittel um präzise Informationen über Art, Stärke und Verhalten der Feindkräfte zu gewinnen. … und in der Luft Die luftgestützten Aufklärungssysteme LUNA und KZO teilen sich den letzten Finger der Aufklärungshand. Die „Luftgestützte Unbemannte Nahaufklärungs-Ausstattung“, kurz LUNA, ist das kleinere Glied dieses Fingers. Diese Drohne, die sowohl autonom über Autopilot als auch manuell geführt werden kann, hat eine Reichweite von bis zu 80 km und eine Flugzeit von bis zu sechs Stunden. Gestartet wird das Fluggerät über ein Startkatapult. Die Landung erfolgt an einem Landeschirm oder in einem speziellen Fangnetz. Durch die Farbvideo- oder Infrarotkamera ist eine Echtzeitaufklärung bei Tag und Nacht möglich. Das System LUNA . . . wird eingesetzt um frühzeitig Informationen über Art, Stärke und Verhal-

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ten feindlicher Verbände zu gewinnen. Eine punktuelle Überwachung oder die Zusammenarbeit mit Patrouillen gehört im Rahmen von Stabilisierungsoperationen ebenso zu den Aufgaben des Systems. Dazu besteht die Möglichkeit mit zwei Kontrollstationen für einen begrenzten Zeitraum bis zu zwei Drohnen gleichzeitig einzusetzen. In allen Fällen liegt der entscheidende Vorteil der Drohnenaufklärung in der schnellen Verfügbarkeit von ausgewertetem Bildmaterial ohne Gefährdung der eigenen Truppe. Starke Abhängigkeit Das System LUNA erlaubt es zusätzlich, mit einer mobilen Mitschauanlage das Bildsignal für den Führer einer Patrouille zur Verfügung zu stellen. Während in Stabilisierungsoperationen in der Regel gesichert gestartet und kontrolliert gelandet werden kann, ist in einem Gefecht mit hoher Intensität mit erheblichen Verlusten an Drohnen zu rechnen. Besonders zu beachten gilt es, dass das System LUNA in starker Abhängigkeit von Umwelteinflüssen steht. Windstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit grenzen die Einsatzfähigkeit ein. Der große Vorteil an dem System ist,

Start KZO2 und KZO-Antenne dass es ab bestimmten Flughöhen weder zu sehen noch zu hören ist. Das „Kleinfluggerät Ziel Ortung“, kurz KZO, ist das große Fingerglied bzw. der große Bruder und hat eine Eindringtiefe von bis zu 100 km, wobei die Flugdauer bis zu 4 Stunden betragen kann. Ausgestattet ist KZO mit einer Infrarotkamera, mit der das System ebenfalls Aufklärung bei Tag und Nacht erlaubt. Der Start erfolgt vom Startfahrzeug mit einem Booster – einer Art aufsteckbaren Rakete, die kurz nach dem Start abfällt. Die Landung erfolgt über einen Fallschirm an der Drohne. Grundsätzlich können zwei Drohnen im überschlagenden Einsatz von einer Bodenkontrollstation gesteuert werden. Das System KZO . . . wird ebenso wie das System LUNA in der Tiefe des Raumes zur frühzeitigen Lageaufklä-

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Bataillon

Ergebnisse laufen zusammen Der Informationsverarbeitung kommt eine wesentliche Rolle zu

rung gegen feindliche Verbände oder im Rahmen der unmittelbaren taktischen Aufklärung für Patrouillen in Stabilisierungsoperationen eingesetzt. Im Gegensatz zu LUNA ist das System KZO unempfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen, unterliegt jedoch ebenfalls witterungsbedingten Einschränkungen. Dieses war auch der Grund, weshalb die eine oder andere Erwartungshaltung auf der Weiterbildung enttäuscht werden musste. So durften beide Drohnensysteme aufgrund der Windverhältnisse nicht fliegen. Glücklicher Weise konnten bereits in den vorhergehenden Tagen Videomitschnitte der Drohnenkameras für die Lagefortentwicklung aufgezeichnet werden. So kann der Spähtrupp im Lagebild ‚IED-Fabrik‘ aus der Deckung nicht weiter aufklären, als sich der Wagen mit den Granaten in Bewegung setzt. Der Start der KZO-Drohne konnte daraufhin, wie beschrieben, nicht gezeigt werden, doch konnten den

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Teilnehmern immerhin die eindrucksvollen Videomitschnitte gezeigt werden, auf denen die jungen Männer die verkabelten Granaten vom Wagen abladen und an einer Kreuzung vergraben. Innerhalb des Bataillons werden die Drohnensysteme vorwiegend für die Aufklärung in der Tiefe eingesetzt. Gleichzeitig sind sie das ideale Mittel um bei sogenannten beweglichen Hochwertzielen, wie aufgeklärten Selbstmordattentätern oder nachrückenden feindlichen Kräften, Fühlung zu halten. Informationen festhalten. Die vier Finger der Aufklärungshand wurden nun vorgestellt. Dabei wurde gezeigt, wie die einzelnen Finger je nach Lage, ihre Stärken ausspielen, aber auch Schwächen mit sich bringen. Gemeinsam ergänzen sie sich und liefern Koordinaten, Bilder und Tonaufzeichnungen. Es fehlt allerdings noch der Daumen – bekanntlich der

Teil der Hand, der etwas umschließen und greifen kann. Auch in der Aufklärungstruppe . . . gibt es einen‚ Daumen‘ und dieser hat wie der menschliche Daumen einen ganz eigenen Puls. In der Zelle Informationsverarbeitung und Auswertung, kurz ZIVA, laufen alle Informationen aus dem Gefechtsfeld zusammen und werden analysiert. Bei der Fülle an Daten kommt der Informationsverarbeitung heutzutage eine wesentliche Rolle zu. Sichten, ordnen, verknüpfen – hier ist Denkarbeit gefordert. Erst wenn Infos sich ergänzen und geprüft wurden, ergibt sich ein verlässliches Lagebild. Die ZIVA ist somit . . . unverzichtbarer Bestandteil eines Gefechtstandes geworden. Sie kann unmittelbar die benötigten Lageinformationen für die Operationsführung bereitstellen und Informationen vor dem Hintergrund bisheriger Aufklärungsergebnisse

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Bataillon

Aufklärung aus einer Hand Die vier Finger der Aufklärungshand wurden vorgestellt

Das Funktionspersonal mit seinen Einsatzgeräten zeitnah bewerten. In dem dargestellten Szenario, lagen gesicherte und in sich schlüssige Informationen über eine Bombenfabrik, eine Terrorgruppierung und zuletzt einen geplanten Sprengstoffanschlag vor. Hieraus kann zunächst eine detaillierte Warnung an alle Einsatzkräfte ergehen. Im Weiteren kann der Führer der Kampftruppe vor Ort wie auch der Kommandeur im Gefechtstand präzise Entscheidungen treffen, wie mit der Lage umzugehen ist.

Finger von der Hand zu trennen, bedeuten Lücken in der Informationsgewinnung. Um dies zu verhindern, müssen Aufklärungskräfte aus einer Hand geführt werden. Nur mit dem Gesamtkonzept können militärische Führer ein umfassendes und gesichertes Lagebild gewinnen.

Dies wurde den Teilnehmern der Weiterbildung – wie bei den Aufklärern üblich ohne Knall und ohne Rauch – gezeigt! Redaktion Hauptmann Wenzel

Warum spricht man . . . nun von der Metapher der einzelnen Finger und Aufklärung aus einer Hand? Man stelle sich vor, man möchte einen Ast ergreifen. Mit einem Finger ist dieses schier unmöglich. Mit zwei Fingern kann man ihn vielleicht bewegen, aber die volle Kontrolle gewinnt man erst, wenn die ganze Hand kraftvoll zupackt. Gleiches gilt für die Fähigkeiten der Heeresaufklärungstruppe. Jeder Sensor ist für sich in der Lage, Aufklärungsergebnisse zu liefern, doch erst im Verbund aller Aufklärungssysteme gelingt es, die einzelnen Stärken hervorzuheben und die Schwächen der anderen zu überbrücken. Das ist die Leistung der modernen . . . Aufklärungstruppe. Sie hat es geschafft unterschiedlichste Arten der Informationsgewinnung unter einen Hut zu bringen, bzw. in dem Verbund „Aufklärung aus einer Hand“ zu vereinen. Einzelne 10

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Übung: SERE Level B Eine gute praxisorientierte Ausbildung „Behind Enemy Lines“ so war der Titel und das Thema der diesjährigen Durchschlageübung der 3./ Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“. Vom 17.10. – 23.10.2013 konnten die Übungsteilnehmer in über einhundert Stunden ihr erlerntes Wissen praxisorientiert anwenden. Hubschrauber nimmt Soldaten innerhalb der Übung auf Am Anfang steht wohl immer erst einmal die Theorie, in diesem Fall hieß das „Unterrichtung in die Geheimnisse des SERE Level B“. Das war nämlich das Ausbildungsziel der ganzen Übung. Zur Abwechslung gab es mal keine bunte Urkunde sondern ein Lehrgangszeugnis ausgehändigt. Wie erwähnt musste auch in diesem Fall ein solides Wissensfundament geschaffen werden, um danach in die eher praxisorientierte Ausbildung zu starten. Damit meine ich, jeder Teilnehmer tötet seine Forelle und nimmt sie anschließend aus. Danach musste diese auch noch irgendwie zubereitet werden, das hieß: Feuer machen. Aber wie bei strömenden Regen, all dies wurden den Übungsteilnehmern beigebracht. Und weil die Witterung es gerade so anbot, stand auch die Wassergewinnung auf dem Stundenplan. So hatten wir

Notfallplanung und das kollektive Rucksackpacken. Die Übungsteilnehmer mussten schnell feststellen, dass in den Berghaus-Rucksack eine ganze Menge Ausrüstung reinpasst. Mit dem Ergebnis, dass der Rucksack ein recht ordentliches Gewicht bekommt, hinzu kamen noch das Gewehr und die Kampfmittelweste mit der Kampfbeladung. Übungsbeginn. Donnerstag 0600 aufsitzen, nicht in ein Luftfahrzeug sondern in einen KOM, Fahrziel unbekannt, außer für den Fahrer und den Leitenden. Und plötzlich hält der KOM mitten im brandenburgischem Nirgendwo. Übungslage: „heli down in an enemy area, absitzen“. Noch ein nettes Winken vom Leitenden und der KOM verschwindet hinter der nächsten Kurve. Ab jetzt sind die drei Trupps auf sich alleine gestellt. Der erste Auftrag über

Es folgte die Befehlsausgabe in Auszügen für die Übungstage. Lage: Feindlage: eine gegnerische Aufklärungskompanie im AOO, Gliederung, Art und Stärke unbekannt. Eigene Lage: in der jeweiligen Teilfähigkeit im Trupprahmen im Einsatzland eingesetzt. Auftrag: Verlegung als PAX mittels Lufttransport in ein anderes Feldlager. Durchführung: Luftfahrzeug zur befohlenen Zeit besteigen und anschnallen… an einem Vormittag gleich drei der vier Überlebensprioritäten ausgebildet (Nahrung, Feuer, Wasser). Die Vierte, Bau einer Unterkunft, kannte hoffentlich noch jeder aus seiner AGA. Es folgte das kollektive Kopfnicken. Also weiter, Erkunden einer Hubschrauberlandezone sowie das Signalisieren des eigenen Standortes mittels verschiedener Signalmittel stand auch noch auf dem Stundenplan. Daraufhin begannen die Trupps die

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Funk lautete: “Go to SARDOT, asap.“ Und genau an diesem Punkt wartete das Leitungspersonal mit zwei Schlauchbooten auf die Trupps, die einen Teil der Marschstrecke mit diesen Booten zurücklegen konnten. Also „Leinen los“ und flussabwärts die Schwarze Elster rudern. Bis es schließlich hieß: “So weit die Füße tragen“. Bei der ganzen erlebnisorientierten Übung darf nicht vergessen werden, in welcher Feindlage die

Trupps sich bewegen. Das bedeutet: Bewegungen in der Nacht und Leben im Versteck tagsüber. Denn die feindliche Aufklärungskompanie war auch schon in Form von zwei Spähtrupps auf Spähwagen Fennek und zwei leichten Spähgruppen auf Transportpanzer Fuchs - im Raum unterwegs. Die Übung war also erfolgreich gestartet, alle Akteure mit ersten Aufträgen versehen und im Übungsraum unterwegs. Dies war ein guter Zeitpunkt für den Leitenden, sich in den Übungsgefechtsstand zu begeben und von dort aus weiter die Fäden zu ziehen. Schließlich war er nicht nur der Leitende, sondern stellte gleichzeitig auch den Joint Personnel Recovery Manager dar, also den Soldaten, der die versprengten Trupps sicher durch das feindbesetzte Gelände leiten soll. Gleichzeitig steuerte der Kompaniechef der 3./6 die Feindteile. Übungslage, Patrouillen- und Spähtruppbefehle sowie die Aufträge an die versprengten Trupps mussten sinnvoll koordiniert werden, so dass sich den Übungsteilnehmern ein stetiges Lagebild präsentierte. Nebenbei nutzte der Kompaniechef auch die Chance für seine persönliche Dienstaufsicht, um den Übungsteilnehmern im Zweifel mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. In diesem Zusammenhang darf auch nicht vergessen werden, dass hierbei nicht nur die Versprengten beübt wurden, sondern auch die gegnerischen Aufklärungskräfte in ihrem Aufgabenspektrum. Nach einigen Tagen spitzte sich die Lage dramatisch zu. Die versprengten Trupps hatten im Bereich des Übungsplatzes Holzdorf Feindberührung und waren gezwungen, einen Teil ihrer Aus

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rüstung zurückzulassen. Die letzten Tage mussten also mit einem Minimum an Komfort und Verpflegung bewältigt werden. Keine leichte Aufgabe, die aber alle Übungsteilnehmer mit Bravour meisterten. Bis der Tag sechs begann, am Horizont tauchten zwei deutsche Air Medevac Hubschrauber auf. Kein Zufall, denn die Trupps hatten zuvor einen 9-Liner Medevac Request abgesetzt. Natürlich taten sie das nur aus Übungsgründen. Die Verletzten wurden sicher mit dem neuesten Hubschrauber der Bundeswehr abtransportiert, der Rest der Trupps bekam den ältesten Helikopter als Taxi: die Bell UH-1D. Aber egal, nach sechs sehr fordernden Tagen war der Heimflug ins Lager eine schöne Belohnung. Die Heeresflieger aus Faßberg waren also auch ein Teil der Übung, sie unterstützten mit sechs NH 90 als Air Medevac und drei Bell UH-1D für die Extraction der Trupps vom Boden. Nach der Aufnahme wurden alle Übungsteilnehmer ins Lager „Homeland“ verbracht wo nicht der Spieß mit Essen wartete, son-

Hubschrauber im Landeanflug während der Übung dern ein Humintteam für das Debriefing eigener Kräfte. Fast Übungsende, Vollzähligkeit, Nachbereitung, essen, duschen, schlafen. Am nächsten Morgen, auf den KOM aufsitzen und diesmal ohne STOP nach Eutin zurück. Übungsende. Ich bedanke mich bei allen Mitwirkenden für die tatkräftige Unterstützung, besonders bei der 3./6 Leitkompanie, der 2./6 für die zwei hochmotivierten Spähtrupps, den Heeresfliegern aus Faßberg und für die besondere Unterstützung, der Kameraden aus Holzdorf. Ohne eine derartige Unterstützung ist solch eine Übung nicht durchführbar. Vielen Dank.

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Hauptmann Tino Bochert

Erklärungen Abkürzungen: SERE Level B: NATO standardisierte Ausbildung AGA Allgemeine Grundausbildung AOO Operationsgebiet PAX Passagier KOM Omnibus SARDOT Notfallaufnahmepunkt Extraction Aufnahme von isoliertem Personal

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Bereits Schiller sagte einst „Früh übt sich, was ein Meister werden will.“ Diesem Ausspruch näher als wir dachten, begaben sich am 03. März dieses Jahres zahlreiche Soldaten unseres stolzen Bataillons auf den Weg in die Letzlinger Heide, um am Gefechtsübungszentrum beübt zu werden. Für viele der Teilnehmer waren kaum zwei Wochen seit dem letzten GÜZ-Durchgang im Februar vergangen. GÜZ 05/14

Übungsdurchgang des flexiblen Kräftedispositivs Dieses Mal stand jedoch nicht das Aufklärungsbataillon im Focus sondern die ISR-Kompanie. Eine solche Kompanie umfasst alle Teilfähigkeiten mit ihren Sensoren: Bodengebundene Spähaufklärung mit Spähtrupps (Spähwagen FENNEK) und leichten Spähgruppen (FUCHS, WOLF), Gesprächsaufklärung mit Feldnachrichtentrupps (EAGLE), Radaraufklärung mit technischen Aufklärungstrupps (FUCHS), luftgestützte abbildende Aufklärung mit unbemannten Luftfahrzeugen (KZO und LUNA) und weitere Sensoren wie die Drohnen ALADIN, MIKADO und die Bodensensor-Ausstattung BoSA. Die ISR-Kompanie, geführt von Hauptmann Pleintinger, Chef der Roten Zwoten, wurde im Rahmen des flexiblen Kräftedispositivs unserer Panzergrenadierbrigade 41 beübt. Was mag dieses Wortungetüm bedeuten, mag sich der ein oder andere nun fragen. Besagte Einheit stellt eine Eingreifreserve un16

serer 1. Panzerdivision dar, die im Fall der Fälle einsatzbereit für alle möglichen Szenarien sein soll. Doch dieses Dispositiv besteht natürlich nicht nur aus Aufklärungskräften sondern ebenso aus zwei kampfkräftigen Infanteriekompanien, einer Pionier-, einer Logistik- und einer Stabs- und Versorgungskompanie und hat summa summarum in etwa die Stärke eines Bataillons. Mechanisierte Divisionen Die Lage, die unseren Übungsdurchgang umsponn, sah kurz gefasst ein Afghanistan-Szenario vor. Militärischer Erkennungsdienst und mechanisierte Divisionen standen bei der Feindlagebeurteilung also nicht im Vordergrund, sondern Irreguläre Kräfte, sogenannte Insurgents. Hauptbedrohung bestand folglich aus Hinterhalten und möglichen Anschlägen mit IED. Ein Szenario, das im Vorfeld aufgrund der Schwerpunktsetzung auf die Grundsätze der Spähaufklärung in der Operationsart Angriff gegen reguläre Truppen, nicht beübt wurde. Dennoch ging die aus Kräften aller Kompanien zusammengestellte Einheit

voller Tatendrang und Motivation an’s Werk. Die Ausbildung im GÜZ . . . war in zwei Bereiche unterteilt: Nach Anmarsch und obligatorischem Einrüsten mit den Duellsimulationssystemen begann die Einsatzübung I, die drei Tage währte: Hier wurden die Soldaten auf Ausbildungsgruppen verteilt, denen die Themen Marsch mit Fahrzeugen in Kolonnen und Verhalten bei Hinterhalten und Anschlägen jeglicher Art nähergebracht wurden. Die sich anschließende Einsatzübung II sah wiederum den Marsch mehrerer größerer Marschbänder vor, denen unsere mit LSG, Radar-, Pionier- und sogar einem Scharfschützentrupp verstärkten Spähtrupps voraus aufklärten. Nach Abschluss bezog das flexible Kräftedispositiv eine FOB, eine Forward Operating Base. Von hier aus wurde der Angriff auf die Grenzstation vorbereitet – eine Einrichtung, die vermutet von mehreren bis zu 50 feindlich gesinnten Aufständischen gehalten wurde. Dem Angriff voraus rollten wiederum unsere Späher und stellten im Verbund mit den unbe Der Aufklärer


Übung

Aufklärung und Überwachung Nur durch geregelte Übungen kann man vorankommen

mannten Luftfahrzeugen eine lückenlose Aufklärung und Überwachung des Angriffsziels sicher. Nach erfolgreichem Angriff und Nehmen der Grenzstation wurde der nächste Hot Spot die Ortschaft Hottendorf angegriffen. Auch hier war der Auftrag dem Angriff voraus aufzuklären und den Raum südlich der Ortschaft so zu überwachen, dass ein erfolgreiches Nehmen dieser InsurgentHochburg gewährleistet wurde. Dieser ebenfalls erfolgreiche Angriff beendete die Einsatzübung II und unseren GÜZDurchgang. Flexible Kräftedispositivs Nach einer dem GÜZ typischen, umfangreichen Auswertung und dem Rückmarsch aller Aufklärungskräfte an den Heimatstandort lässt sich der Aufenthalt in und um das Lager Planken wie

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folgt resümieren: Wie der Kommandeur des flexiblen Kräftedispositivs abschloss, wird das Dispositiv in seiner derzeitigen Zusammenstellung und seinem Trainingszustand mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zum Einsatz kommen. Einsatzübung II Bevor ein solcher Combat-Ready-Zustand erreicht ist, müssen definitiv noch mehrere Trainingseinheiten absolviert werden. Nichtsdestotrotz haben die 6erAufklärer gute Ergebnisse erzielt. Vor Allem in der Einsatzübung II stellte die ISR-Kompanie ihren Wert unter Beweis, indem sie eine lückenlose Aufklärung gewährleistete, wie auch der Brigadekommandeur feststellte. Somit war auch dieser GÜZ-Durchgang eine lohnende und gewinnbringende Erfahrung für unsere Sensoren und unser Ba-

taillon. Jedoch gilt für die Zukunft, um das erreichte Niveau zu halten und sich weiterhin zu steigern: Gemäß Goethe, um den Bogen zu seinem Weggefährten Schiller zu schließen, muss Übung nämlich regelmäßig stattfinden, denn „Nur durch geregelte Übung kann man vorankommen.“

Oberleutnant Leschonski

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