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pig-praxis die Informationsreihe der PIC

ERST DUSCHEN, DANN EINSTALLEN

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KEIMDRUCK

VERRINGERN

Infektionsketten unterbrechen heißt das oberste Gebot in der Schweineproduktion. Darunter soll nicht allein die räumliche Trennung der einzelnen Produktionsbereiche – Stichwort ISOWEAN (s. hierzu auch pig-praxis 4) – verstanden werden. Auch in den einzelnen Produktionsabschnitten kann schon ein Beitrag geleistet werden, den Keimdruck zu reduzieren. Minimierung des Personen-/Tier- und Fahrzeugverkehrs, Schwarz-/Weiß-Prinzip, Rein-Raus-Verfahren mit Reinigung und Desinfektion der Stallabteile etc. Gerade bei der Geburtsvorbereitung spielt die Hygiene eine große Rolle. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß die Abferkelbuchten vor der Neubelegung gereinigt und desinfiziert werden. Gleichzeitig sollte es aber auch selbstverständlich sein, die Sauen vor der Einstallung zu waschen, um Schmutz, Parasiten und Keime als belastende Umwelteinflüsse von den neugeborenen Ferkeln fernzuhalten. Um diese Prozedur auch für größere Sauenbestände arbeitswirtschaftlich günstig zu gestalten, haben sich in der Praxis ‘Sauenduschen’ bewährt.

Wasser Das verwendete Wasser sollte zu einer besseren Reinigungswirkung und einer geringeren Kreislaufbelastung für die Sauen (Auskühlen) auf 35° - 37°C erwärmt sein. Die Erwärmung kann über die betriebseigene Heizungsanlage (Standspeicher) oder auch über Elektrospeichergeräte im Niedrig-Tarif-Bereich erfolgen. Bei kalk- und eisenhaltigem Wasser hilft ein Feinfilter, die Störanfälligkeit der Düsen zu vermindern.

Raumplanung Je nach räumlichen Gegebenheiten bieten sich verschiedene Möglichkeiten, eine Sauendusche in den Stall zu integrieren. Ideal ist ein Raum, der im Bereich zwischen NT- und Abferkel-Bereich liegt, so daß keine zusätzlichen Treibewege anfallen. Möglichst sollte der Sauenwaschplatz als ‘Durchtreibedusche’ eingerichtet sein, um nicht Rückwärtstreiben zu müssen. Bei Kammställen läßt sich i.d.R. im Gang vor der Abferkelung ein Bereich mit Gittern/Gittertoren abtrennen. In Großanlagen mit breiteren Zentralgängen kann z. B. auf einer Länge von ca. 8 m durch eine Mauer 1/3 der Gangbreite dauerhaft abgetrennt und mit Gittertoren verschlossen werden oder auch mit mobilen Gittern, die an den Wänden bzw. im Boden temporär verankert werden können. Sinnvoll ist jedoch, die Oberfläche der Abtrennungen im Tierbereich rauh zu gestalten, um den Selbstreinigungseffekt durch Scheuern zu erhöhen. An Platzbedarf müssen 0,8 - 1,0 m2 je Sau bei 1,25 m Breite (= 2 Sauen nebeneinander) eingeplant werden. Die Abmessungen dürfen den Sauen jedoch nicht erlauben, sich hinzulegen. Um Rüstzeiten zu verringern, planen Sie den Duschraum groß genug für eine komplette Abferkelgruppe. Stellen Sie sicher, daß der Fußboden trittsicher und kotdurchlässig ist, z.B. durch Betonspalten mit 17 bis 19 mm Schlitzbreite oder – komfortabler, sauberer, aber auch teurer – Gußroste mit 18 mm Schlitzbreite.

Lüftung Das warme Wasser und die im Raum stehenden Nebelschwaden können zu einer Kreislaufbelastung für die Sauen führen. Aus diesem Grund müssen Sie für eine ausreichende Be- und Entlüftung sorgen. Ein kleiner, feuchtraumgeeigneter Lüfter schafft hier Abhilfe. Doch achten Sie darauf, daß im Bereich der (nassen!) Sauen keine Zugluft entsteht!


SAUENDUSCHEN

ARBEITSWIRTSCHAFTLICH GESTALTEN

Düsen

Hier einige Beispiele:

Die verwendeten Düsen sollen das Wasser möglichst fein vernebeln. Zum Einsatz können Ölbrenner-, feine Flachstrahl- oder Pralldüsen kommen. Die verschiedenen Düsen besitzen unterschiedliche Vor- und Nachteile: Ölbrennerdüsen + wassersparend: Wasserdurchsatz 10 l/h + gute Nebelwirkung störanfällig gegenüber kalk- und/oder eisenhaltigem Wasser (Verstopfen) +/- Benetzungsradius 40 – 50 cm Flachstrahldüsen + wassersparend: Wasserdurchsatz 15 – 18 l/h bei Magnetventilsteuerung + gute Nebelwirkung störanfällig gegenüber kalk- und/oder eisenhaltigem Wasser (Verstopfen) +/- Benetzungsradius 40 – 50 cm

Bauvariante für 100-Sauen-Betrieb, 1-Wochen-Rhythmus, 6 Sauen/Abferkelgruppe: 1,25 m breit/5 m lang (2 Sauen nebeneinander)

Bauvariante I für 250-Sauen-Betrieb, 1-Wochen-Rhythmus, 12 Sauen/Abferkelgruppe: 1,25 m breit/8 m lang (2 Sauen nebeneinander)

Pralldüsen + störunempfindlich + Benetzungsradius ca. 70 cm (ca. 60 % weniger Düsen nötig) +/- hoher Wasserverbrauch: 110 l/h (durch phasenweises Öffnen mit Hilfe von Magnetventilen auf 10 – 12 l/Sau reduzierbar) Die Plazierung der Decken- und Wanddüsen (Wanddüsen optional) hängt ab von den Abmessungen des „Duschraumes“.

Bauvariante II für 250-Sauen-Betrieb, 1-Wochen-Rhythmus, 12 Sauen/Abferkelgruppe: 1,90 m breit/6 m lang (3 Sauen nebeneinander)

Kosten Die variablen Duschkosten belaufen sich nach Berechnung von Haus Düsse auf 22,4 Pf (Energie + Wasser) je Sau. Dabei wurde von folgenden Einzelkosten ausgegangen: Warmwasserverbrauch je Sau beim Einsatz von 6 Pralldüsen (l)

19,9

Kaltwasserverbrauch je Sau für den HD-Reiniger mit 10 l/min Durchsatz (l) 15,0 Wasserkosten gesamt bei 0,4 Pf/l (Pf) 14,0 Energiekosten für Warmwasserherstellung bei 7 Pf/kWh für Flüssiggas (Pf) 5,1 Energiekosten für HD-Reiniger 5 kW, 1,5 min/Sau

3,3

Energiekosten/Sau gesamt (Pf)

8,4

(top agrar 7/99)

Detail: Wand-/Bodendüse, blechverkleidet zum Schutz vor Beschädigungen


NICHT

NUR SAUBER SONDERN REIN!

Auch die am besten angeordneten Düsen können nicht verhindern, daß in einigen Bereichen wie z. B. Kniefalten, Vorderfußwurzelgelenke, Sprunggelenke, Klauen und Gesäugeleisten hartnäckige Schmutzecken bestehen bleiben. Aus diesem Grund sollten Sie eine abschließende Reinigung bei niedrigem Druck mit dem Hochdruckreiniger vornehmen. Nicht nur sauber son-

dern rein – sollte hier die Devise sein, da durch das Duschen Schmutzteilchen inklusive Keime aufgeschwemmt werden, die in den Abferkelstall getragen würden, wenn sie nicht durch die Endreinigung mit dem Hochdruckreiniger entfernt würden.

Merke Die Hygieneauflagen sind seit dem Inkrafttreten der neuen Schweinehaltungs-Hygieneverordnung für alle Betriebe strenger geworden. Jeder Betriebsleiter sollte deshalb bestrebt sein, das Hygiene- und Gesundheitsniveau in seinem Betrieb möglichst hoch zu halten. Dabei gilt es, auch innerhalb des Betriebes Infektionsketten zu unterbrechen. Gerade im Abferkelstall – der ‘Säuglingsstation’ des Betriebes – kommt es auf ein hohes Hygieneniveau an. Das Waschen der Sauen vor dem Einstallen in den ebenfalls gereinigten und desinfizierten Abferkelstall sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein. Um zeitraubende Handarbeit – gerade in größeren Beständen mit größeren Abferkelgruppen – zu vermeiden, haben sich Sauenduschen bewährt. Eine saubere Umwelt verhilft den Ferkeln zu einem gesünderen Start.

Worauf es ankommt: der Sauendusche an arbeits• Einrichtung • evtl. Düsen im unteren Wandbereich in wirtschaftlich günstiger Stelle zwischen ca. 20 cm Höhe

Stallbereich für niedertragende Sauen und Abferkelbereich

möglichst Platz für eine gesamte, einzustallende Sauengruppe (Verringerung des Arbeitsaufwandes)

Platzangebot: 0,8 - 1,0 m /Sau, • Breite für 2 Sauen nebeneinander 2

(ca. 1,25 m)

• 3 - 3,5 bar Wasserdruck • körperwarmes Wasser • ausreichende Be- und Entlüftung • Deckendüsen maximal 1,50 m hoch

• Abstand der Düsen zur Wand maximal 0,40 m

• trittsicherer, kotdurchlässiger Boden

(Betonspalten mit 17 bis 19 mm Schlitzbreite)

• Wände im Tierbereich mit rauher Ober-

fläche zur Unterstützung des Reinigungseffektes (Kalksandstein, Klinkersteine oder oberflächenstumpfe Fliesen)

• 30 Minuten einweichen,

anschließend Endreinigung mit dem Hochdruckreiniger

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