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Zeitung der Studierendenschaft der Philosophischen Fakultät der Uni Köln

philtrat

nummer 104 juli/august 2012

Elite für wen? bnd www.flickr.com/people/mamboman

Die Uni Köln hat den Elite-Zuschlag. Die Exzellenzinitiative fördert Ungleichheit zwischen deutschen Hochschulen, sagen StudierendenvertreterInnen. Krieg in Syrien Die Kämpfe in Syrien werden immer grausamer. Die syrischen Studierenden an der Uni Köln leiden nicht nur unter der psychischen Belastung, sondern haben auch große finanzielle Probleme. Seite 3

Vom Bob zur Pizza Den besten Espresso der Uni gibt es bei Nevio De Zordo. Er verkauft Pizza, Eis und Kaffee auf dem Albertus-Magnus-Platz. Kaum zu vermuten, dass er früher Bob-Weltmeister war. Seite 4

Querkopf & Co Konkurrenz statt Kooperation: Die Exzellenzinitiative fördert nur einige wenige Hochschulen.

Rektor Axel Freimuth hatte allen Grund, die Korken knallen zu lassen. Mit dem steinernen Albertus Magnus und einer großen Flasche Champagner feierte er am 15. Juni vor dem Hauptgebäude den fünffachen Sieg der Uni Köln im Exzellenz­ wettbewerb. StudierendenvertreterInnen hatten die Initiative von Anfang an grundsätzlich kri­ tisiert. Von der Exzellenzinitiative profitie­ re vorrangig die Forschung, während die Lehre außen vor bleibe, so der Vorwurf. »Wir brauchen keine Exzellenzinitative 2.0 – wir brauchen eine tragbare Grund­ finanzierung«, sagt Erik Marquardt vom Freien Zusammenschluss von StudentIn­ nenschaften. Das sieht auch Nina Wein­ brenner so, Studierendenvertreterin in der Engeren Fakultät (EF), dem höchsten

Beschluss fassenden Gremium der Philo­ sophischen Fakultät. »Die Projekte sind in erster Linie auf Forschung ausgelegt, da­ mit haben die Studierenden nur wenig zu tun.« Der einzige Vorteil sei, dass an den Fakultäten nun keine Gelder gekürzt wer­ den müssten. Das wäre notwendig gewor­ den, wenn Köln den Elite-Zuschlag nicht bekommen hätte, um die angestoßenen Projekte weiterführen zu können. An der Philosophischen Fakultät wer­ den allerdings durch die Förderung vier neue ProfessorInnen eingestellt, so Peter Hacke, Mitglied im SprecherInnenrat der Philosophischen Fakultät, dem Ausschuss der Fachschaften. Unklar sei aber noch, in welchem Maße diese in der Lehre tätig sein werden. Fortsetzung auf Seite 2

Ob Bahnhof oder Uni, an vielen Orten in Köln verkaufen Menschen Straßenzeitungen wie den Querkopf. Ziel ist es, dass Menschen sich durch den Verkauf der Zeitungen selbst aus der Armut befreien können. Seite 8

Baustelle Kalk Kalk mausert sich zu einem kulturellen Anziehungspunkt. Die vier Frauen des Kulturvereins Baustelle Kalk und ihre HelferInnen bringen Performances, Literatur und Musik ins rechtsrheinische Köln. Seite 11


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© Naima Wolfsperger

Ouvertüre

Albertus Magnus in Denkerpose: Ist meine Uni Elite?

Christo und Jeanne-Claude wären stolz auf die Uni-Leitung. Fast das gesamte Hauptgebäude hat sie in weiße Planen gesteckt – ganz wie die VerhüllungskünstlerInnen es 1995 mit dem Reichstag taten. Doch das hier ist kein Kunstprojekt, sondern bittere Bau­ stellenrealität. Man hatte sich gerade erst daran gewöhnt, in der Universitätsbibliothek mit Ohrstöpseln zu büffeln. Nun hat sich das Baustellen-Virus auch auf das Philosophikum ausgebreitet. Dessen Dächer werden »energetisch ertüchtigt«, heißt es auf der eigens eingerichteten Webseite zu den Baumaßnahmen an der Uni. Da kann man schon ins Träumen kommen. Feng Shui in der Cafe­ teria? Yoga vor der Vorlesung? Man kann nur hoffen, dass das energetische Gebäudekonzept die Studierenden zu intellektuel­ ler Höchstleistung beflügelt. Jedenfalls dann, wenn die Jahre der Presslufthammer und Akkuschrauber vorbei sind. Dem Philosophikum kann etwas Pflege – um ehrlich zu sein: Veränderung jeder Art – wohl kaum schaden. Wenn die Baumaß­ nahmen die Uni schöner machen, wird sie vielleicht auch äußerlich ihrem Elitestatus gerecht. Der könnte bei Fertigstellung der Bauar­ beiten allerdings schon wieder ausgelaufen sein. So oder so, auf Fenster in den Seminarräumen des Philosophikums müssen die Studierenden dank der besonders tiefsinnigen Gebäudekonstruk­ tion, wohl auch in Zukunft verzichten. Aber wenn es erst einmal so weit ist, dass man sich anstelle des Baustellenlärms wieder über das beständige Brummen der Klimaanlage, über trockene Hälse und rote Augen aufregt, funktionieren vielleicht auch die Drucker in den PC-Pools wieder. Damit sie das noch erleben darf, hängt noch ein paar Semester dran die Redaktion

Fortsetzung von Seite 1 Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass lang­ fristig ein Gefälle zwischen geför­ derten und nicht geförderten Hoch­ schulen entstehen könnte. Während Elite-Hochschulen ihre Forschung durch weiteres Geld verbessern könn­ ten, bliebe für die übrigen Hochschu­ len nur die Aufgabe der Ausbildung. Auch der Allgemeiner Studierenden­ ausschuss (AStA) der Uni Köln sieht diese Entwicklung kritisch, besonders mit Blick auf das Prinzip der Chancen­ gleichheit. Die »Exzellenzinitiative des Bun­ des und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen« gibt es seit 2005. Sie enthält drei Förderlinien: Zukunftskonzepte für die gesamte Uni, Exzellenzcluster, welche bestimmte Themenkomplexe fördern und Gra­ duiertenschulen. Diese bieten Dokto­ randInnen unter anderem finanzielle

Unterstützung. Die deutschen Hoch­ schulen konnten sich mit konkreten Konzepten bewerben. Alle fünf Anträge der Uni Köln wur­ den bewilligt. Für die Studierenden der Philosophischen Fakultät dürfte die artes-Graduiertenschule beson­ ders interessant sein, da sie künftig für alle Promotionen an der Philoso­ phischen Fakultät zuständig sein wird. »In Zukunft sollen sogar auch MasterStudierende gefördert werden und nicht mehr nur Promotionsstudieren­ de«, sagt Weinbrenner von der EF. Die andere Graduiertenschule, die für die nächsten fünf Jahre gefördert wird, ist die Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy. Die beiden Exzellenzcluster fallen in die Berei­ che Pflanzenforschung und Altersfor­ schung. Auch das universitätsweite Zukunftskonzept »Herausforderung von Wandel und Komplexität anneh­

men« wurde ausgewählt. Ziel des Kon­ zeptes ist es, das Forschungsprofil der Uni weiterzuentwickeln und zu stär­ ken. Dazu gehören zum Beispiel Aus­ tauschprogramme und die Förderung der Geschlechtergleichheit. Die Finanzierung läuft bis 2017. Nach dem Ende der Förderung muss die Uni, beziehungsweise die jeweilige Fakultät, ihre Projekte selbst finanzie­ ren, wenn sie weiter bestehen sollen, sagt Weinbrenner. Da somit die Fi­ nanzierung der Projekte auf Dauer nicht sichergestellt ist, bezweifeln Stu­ dierendenvertreterInnen, dass die För­ derung langfristig für exzellente For­ schung sorgt. Es bestehe die Gefahr, dass auf Kosten der Projekte Geld an anderen Stellen abgezogen werde. Es bleiben fünf Jahre Zeit, um zu sehen, welche Folgen der Exzellenzstatus ha­ ben wird. Anna Pavani, Hanna-Lisa Hauge


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Zu Hause ist Krieg Fast täglich erreichen uns neue Schre­ ckensmeldungen von den Kämpfen zwischen dem Assad-Regime und den Rebellinnen und Rebellen in Syrien. Für syrische Studierende, die in Deutsch­ land leben, bedeutet das nicht nur, dass sie rund um die Uhr Angst um das Leben ihrer Verwandten und Freund­ Innen haben müssen. Viele von ihnen sind außerdem in eine finanzielle Not­ lage geraten. »Ich muss jetzt sehr viel arbeiten und konnte in diesem Semes­ ter nicht zur Uni gehen«, sagt Alan Ja­ wich, der in Köln Medizin studiert. Sei­ ne Familie kann ihm kein Geld mehr nach Deutschland überweisen. Bisher hatten seine Eltern einen Teil seines Studiums finanziert. Durch die interna­ tionalen Sanktionen gegen die syrische Regierung sind jetzt alle Geld-Transak­ tionen unmöglich geworden. »Vielen der 43 syrischen Studie­ renden an der Uni Köln fehlt jetzt die finanzielle Basis«, sagt Alexander Su­ chomsky, Sozialreferent des Allgemei­ nen Studierendenausschusses (AStA) der Uni Köln. Die Möglichkeiten des AStA zu helfen seien jedoch leider be­ grenzt. Nur in Ausnahmefällen kann der AStA ein Kurzdarlehen von 300 Euro gewähren. Dies haben einige in Anspruch genommen. Auch das Aka­ demische Auslandsamt steht in Kontakt mit vielen der syrischen Studierenden. Die Uni Köln ruft nun zu Spenden auf. Es sei zwar bereits Geld eingegangen, sagt Karl-Heinz Korn vom Akademi­ schen Auslandsamt. »Die Summe ist aber noch nicht ausreichend.« Immerhin gibt es derzeit einen deutschlandweiten Abschiebestopp für SyrerInnen. Das ist für diejenigen eine Erleichterung, die ihre Prüfungen seit Beginn des Konflikts nicht bestanden haben. Normalerweise müssen aus­ ländische Studierende einen Nachweis über ihre Studienleistungen vorlegen, um ihre Aufenthaltserlaubnis zu ver­ längern. Wie Alan Jawich fällt es vie­ len schwer, sich voll auf ihr Studium zu konzentrieren. »Ich verbringe jeden Tag viele Stunden im Internet, um die Nachrichten zu verfolgen.«

© Die freien syrischen Studierenden an der Uni Köln

Syrische Studierende in Deutschland haben es zur Zeit schwer. Zur Sorge um die Verwandten kommen finanzielle Probleme. Einige von ihnen engagieren sich für ein Ende der Gewalt, obwohl sie sich dadurch in Gefahr begeben.

Im März demonstrierten syrische Studierende vor dem Kölner Dom.

Die Fakultäten gehen unterschied­ lich mit der Situation um. Das Prü­ fungsamt der Mathematisch-Naturwis­ senschaftlichen Fakultät hat syrischen Studierenden zum Teil die nicht bestan­ denen Klausuren nicht als Fehlleistung angerechnet. An der Medizinischen Fakultät, wo viele der syrischen Studie­ renden eingeschrieben sind, wurden hingegen angetretene und nicht be­ standene Prüfungen auch als solche gezählt. So erzählt Alan Jawich, dass er und seine KommilitonInnen zwar gut vorbereitet waren, doch die Nachrich­ ten aus Syrien wühlten sie zu sehr auf und so fielen sie zum Teil durch das Physikum. So bleibt nur noch ein Ver­ such, die Prüfung abzulegen. Einige der SyrerInnen an der Uni Köln haben sich vor einigen Monaten zusammengeschlossen, um gemein­ sam auf die Situation in Syrien auf­ merksam zu machen. Sie gründeten die Facebook-Gruppe »Die freien syri­ schen Studierenden an der Uni Köln.« Dazu gehören auch Jawich und sein Studienkollege Ahmad Al Rawi. »Wir waren natürlich von Anfang an sehr bewegt von dem, was passiert«, sagt Jawich. »Darum haben wir uns ent­ schlossen, etwas in Köln zu machen.« Die syrischen Studierenden haben bei­ spielsweise am Dom eine Demonstrati­ on gegen die Gewalt in Syrien und ei­

nen Flashmob vor der Uni organisiert. »Wir sind nicht an eine Partei oder eine politische Richtung gebunden«, sagt Al Rawi. Er und Jawich haben sich ent­ schieden, auch mit ihrem vollen Na­ men an die Öffentlichkeit zu gehen. Das war keine leichte Entscheidung. Viele der inzwischen ungefähr 20 Stu­ dierenden in der Gruppe haben Angst vor dem verlängerten Arm des AssadRegimes. Jedes politische Engagement der Studierenden kann immer noch eine Gefahr für die Familie in Syrien sein. »Auf unseren Demonstrationen wurden wir fotografiert«, sagt Al Rawi. Es ist wahrscheinlich, dass die Fotogra­ fen Spitzel des Regimes waren, die mit den Fotos die Familien in Syrien unter Druck setzen könnten. Dennoch engagieren die Studie­ renden sich weiter. »Wir brauchen hier auch Leute, die die Bilder und die Vi­ deos aus Syrien erklären können. Das ist eine Aufgabe unserer Gruppe«, be­ tont Jawich. Hanna-Lisa Hauge Spendenkonto

Empfänger: KölnAlumni - Freunde und Förderer der Universität zu Köln Kto.-Nr. 1331339 BLZ 370 700 60 Betreff ID 20 / Syrer in Not


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Gang durch die Uni XXVI: Der Pizza-Pavillon auf dem Albertus-Magnus-Platz

Pizza vom Bobweltmeister

© Naima Wolfsperger

Sie ist schon fast ein Markenzeichen: Die knallrote Ape, ein kultiger italie­ nischer Kleintransporter der Marke Piaggo auf drei Rädern, die jeden Morgen auf den Albertus-MagnusPlatz fährt. Vor dem Pavillon mit der Aufschrift »Espresso – Pizza« macht sie Halt. Der freundliche Mann, der aus­ steigt, ist Nevio De Zordo. Vor mehr als zehn Jahren hat er den Imbiss er­ öffnet. Dieser ist ein echtes Familien­ unternehmen: Neben De Zordos Frau und zwei weiteren Mitarbeitern arbei­ ten auch seine beiden Töchter mit. Frisch zubereitete Pizza, bester Kaffee und im Sommer selbst ge­ machtes Eis – der 69-Jährige weiß, was seine vielen StammkundInnen an der Universität schätzen. Darum kauft er Tomaten, Milch und Rucola täglich frisch ein. Seit rund 50 Jahren ist der gebürtige Italiener in der Sülzer Ga­ stronomie tätig. Als Vierzehnjähriger war De Zordo mit seinen Eltern aus dem Heimatort in den norditalieni­

schen Dolomiten nach Köln-Sülz aus­ gewandert, wo es ihn sein Leben lang hielt. »Köln ist eine sehr schöne Stadt«, findet De Zordo. Erst hatte seine Familie ein Eis­ café auf der Zülpicher Straße, später machten sie auch Pizza, dann ver­ kaufte er Eis in einem kleinen Wagen vor dem Hauptgebäude. Derselbe Eis­ wagen steht auch heute noch auf dem Albertus-Magnus-Platz und kommt im Sommer zum Einsatz. Als schließlich die Uni einen Cafébetreiber suchte, bekam De Zordo den Zuschlag. Da­ mals war das gastronomische An­ gebot auf dem Campus noch klein, erzählt er. Doch die seither entstande­ nen Cafés des Studentenwerks sieht er nicht als Konkurrenz. Frische Pizza gebe es eben nur hier, sagt De Zordo. Ein Markenzeichen des Familien­ unternehmens ist auch Cico, der Spitz mit dem fuchsfarbenen Wuschelhaar. Sein Platz auf den Stufen neben dem Pavillon bildet gewissermaßen den

Mittelpunkt des Uni-Campus, von dem aus er das alltägliche Treiben beobachtet. Der Hund hat sich gera­ de von einer schweren Bissverletzung erholt, wegen der er fünf Operationen überstehen musste. »Zwei Wochen lang war er gar nicht gut dran«, sagt De Zordo. Pünktlich zur Fußball-Euro­ pameisterschaft der Männer im Juni war Cico aber wieder fit – und zeigte sich patriotisch im schwarz-rot-golde­ nen Fan-Dress. Der solide Lebenslauf eines Ga­ stronomen lässt Nevio De Zordos steile Sportkarriere in jüngeren Jahren kaum vermuten. Seit dem 19. Lebens­ jahr war das Bobfahren seine Leiden­ schaft. Mit der Familie verbrachte er die Winter im Heimatort in den Do­ lomiten und trainierte dort. De Zordo hatte Ehrgeiz und Talent: Zweimal brachte er es mit seinem Team im Laufe der Sechziger- und frühen Sieb­ zigerjahre zum Weltmeister, 1972 er­ hielt er bei den Olympischen Spielen die Silbermedaille im Vierer-Bob. Wenn man ihn auf seine sportli­ chen Erfolge anspricht, zeigt sich De Zordo bescheiden. Auf der Preisliste des Cafés ist ein Foto von ihm zu se­ hen, flankiert von einer Italienflagge, darunter eine Liste seiner Auszeich­ nungen. Ein Mitarbeiter hat diese klei­ ne Hommage gebastelt. Wer würde sonst ahnen, hier Pizza und Kaffee von einem ehemaligen Weltmeister serviert zu bekommen? Sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel hat der ehemalige Sportprofi. Für De Zordo war es eine aufre­ gende Zeit, aber mit Mitte dreißig zog es ihn zu seiner Familie und seinem Geschäft zurück. Seine letzte Olym­ piade fuhr er 1976, danach habe er keine Zeit und keine Lust mehr auf das ständige Leben in Hotels gehabt, sagt der 69-Jährige. Die Familie war ihm wichtiger. »Und die Pizza ist wichtig«, sagt er mit einem Augenzwinkern. Johanna Böttges

Früher fuhr Nevio De Zordo einen Bob anstelle der roten Ape.


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Gender studieren

cb flickr.com/people/ivanx

Die Uni Köln hat jetzt ein Zentrum für Gender ­Studies. Auch ein Masterstudiengang ist geplant.

Netzwerken: eine der Aufgaben des neuen Zentrums für Gender Studies in Köln.

Wer »Gender« bei KLIPS in der Ver­ anstaltungssuche eingibt, erhält zwölf Treffer. Sie reichen von »Gen­ derkonstruktionen in der mittelal­ terlichen Literatur« bis zu »South In­ dian Cinema – Gender and Caste Politics«. Es ist eines der charakte­ risierenden Merkmale der Gender Studies, dass sie fächerübergreifend Anwendung finden. Das macht es für Interessierte jedoch schwierig, einen Überblick über die Bandbreite dieses Gebiets zu erhalten. Das neu gegründete Zentrum Gender Studies in Köln, kurz Gestik genannt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Forschung und Leh­ re in Köln im Bereich der Gender Studies zu bündeln und neue Netz­ werke auszubilden. »Die Idee für ein solches Zentrum gab es schon sehr lange«, sagt Dirk Schulz, Dozent am Englischen Seminar und Geschäfts­ führer der neuen Einrichtung. Seit einigen Jahren gebe es ein informel­ les Netzwerk, dem inzwischen etwa 40 ProfessorInnen, wissenschaftliche MitarbeiterInnen und Studierende angehören. »Wir fragten uns, warum gibt es so ein Zentrum noch nicht in Köln?«, sagt Schulz. Gründe für eine solche Einrich­ tung gab es genug. Promovierende oder Studierende, die ihre Abschlus­ sarbeit im Bereich Gender Studies schreiben wollten, vermissten bislang oft Unterstützung, so Schulz. Beson­ ders, wenn sie fächerübergreifende Themen behandeln wollten. »Wir

möchten Orientierungsmöglichkei­ ten geben und dazu alle Fakultäten ins Boot holen«, sagt Dirk Schulz. So soll es ein Forschungskolloquium geben, in dem sich Studierende und Promovierende austauschen können. Langfristig ist auch ein Master im Bereich Gender Studies geplant. Bis sich hierfür Studierende einschreiben können, werden allerdings noch ei­ nige Jahre vergehen. Im Winterse­ mester 2013/14 soll es dafür mögli­ cherweise bereits ein Zusatzzertifikat und Wahlpflicht-Module im Bereich Gender Studies geben. Die Leitung des neuen Zentrums obliegt Susanne Völker, die außer­ dem als Professorin für Methoden der Bildungs- und Sozialforschung mit einem Schwerpunkt in der Gen­ derforschung an der Humanwissen­ schaftlichen Fakultät tätig ist. Wie viele Veranstaltungen in Zukunft angeboten werden können, hängt auch von der Finanzierung ab. Ge­ stik könnte unter Umständen davon profitieren, dass die Universität Köln im Exzellenzwettbewerb gewonnen hat. Die Verhandlungen hierzu liefen zu Redaktionsschluss noch. Als Startschuss organisier­ ten die MitarbeiterInnen und ihre Unterstützer­Innen im Juni eine mehr­ tägige Eröffnungs-Konferenz. Ganz im Sinne der fächerübergreifenden Vernetzung waren ReferentInnen aus allen Fachbereichen und von zahlrei­ chen Hochschulen Kölns eingeladen. Hanna-Lisa Hauge

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Proteste in Québec Québec erlebt seit Februar die bis­ her größten Studierendenproteste Nordamerikas. Sie richten sich ge­ gen die von der Regierung geplan­ te Erhöhung der Studiengebühren und begannen mit einem Boykott der Lehrveranstaltungen an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Laval. Obwohl die Studie­ renden nach den Streiks im März einen Kompromiss mit der Regie­ rung aushandelten, wurden die De­ monstrationen noch heftiger. Der Kompromiss sah vor, die Gebühren um 200 Euro pro Jahr zu erhöhen – viele kanadische Studierende sind aber bereits verschuldet. Der Konflikt verschärfte sich mit der Ein­ führung eines Gesetzes, welches strenge Auflagen für Protestmär­ sche vorschreibt. Die Studierenden bezeichneten dies als »Einschrän­ kung der Meinungsfreiheit” und riefen zu weiteren Protesten auf, die am 22. Mai einen Höhepunkt erreichten, als unangemeldet mehr als eine Viertel Million Menschen in Montréal demonstrierten. (AI)

Kind und Karriere Mit dem Cornelia Harte Mentoring Familie startet im September ein neues Programm zur Familienför­ derung an der Uni Köln. Das von der Gleichstellungsbeauftragten initiierte Programm richtet sich an Studierende und Beschäftigte des akademischen Mittelbaus, die Kinder haben oder Angehörige pflegen. Ihnen soll gegen eine ge­ ringe Gebühr eine berufserfahrene Person als MentorIn zur Seite ge­ stellt werden. Ihre Beratung sowie gezielte Trainings sollen den Ge­ förderten helfen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Das Pro­ gramm startet im September als Pilotprojekt und hat eine Laufzeit von einem Jahr. Es wird durch eine Promotion wissenschaftlich beglei­ tet. Finanziert wird das Projekt von den Fakultäten, dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und dem Strukturfonds zur Erhö­ hung des Professorinnenanteils. Die diesjährige Bewerbungsfrist ist bereits abgelaufen. (JB)


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Mitschraubgelegenheit In der Fahrradwerkstatt des AStA helfen Studierende ehrenamtlich anderen Studierenden, ihre Räder zu reparieren. Sie wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten. deckt habe«, sagt Weymann. »Hier habe ich freundliche Hilfe und gün­ stige Ersatzteile bekommen. Da habe ich mir gedacht: Du kannst auch an­ deren Leuten helfen, ihre Fahrräder wieder heile zu machen.« Das Besondere am Konzept der studentisch verwalteten Werkstatt: Hier wird nicht gegen Geld repariert, sondern fahrraderfahrene Studie­ rende helfen ehrenamtlich anderen Studierenden. Das kaputte Fahrrad abzugeben und repariert wieder ab­ zuholen ist keine Option, sagt Wey­ mann. »Wir können helfen, erklären, zur Hand gehen, aber die Verantwor­ tung und die Initiative liegen bei den Studierenden.« Das Ökologiereferat des AStA hatte im Herbst 2011 das Angebot ins Leben gerufen. Mit ihrem Do-It-

© Johanna Böttges

Platter Hinterreifen, gerissenes Brems­ kabel und bei der Gangschaltung hakt es auch gewaltig: Die Fahrräder, die Kilian Weymann reparieren hilft, haben oft schon bessere Zeiten gese­ hen. Doch Reparaturen sind teuer und fahrradversierte Väter rar. Die wenig­ sten Studierenden haben gelernt, ihr Fahrrad selbst zu reparieren – ein Ver­ säumnis, das schnell zum Geldfresser wird. Um ihnen zu helfen, engagiert sich Weymann in der Fahrradwerk­ statt des Allgemeinen Studierenden­ ausschusses (AStA). Der Student der Theater-, Filmund Fernsehwissenschaften hat schon vor dem Studium gerne an seinem Fahrrad herumgeschraubt. Als er nach Köln zog, fehlten ihm dazu der Platz und das Werkzeug. »Ich war froh, als ich die Fahrradwerkstatt ent­

Yourself-Ethos entspricht die Werkstatt dem Auftrag des Referats, nachhalti­ ge Angebote auf dem Campus zu ver­ breiten. Vergleichbare Projekte laufen in vielen deutschen Hochschulstädten mit Erfolg. Wer selber repariert, lernt auch etwas dabei und kann sich beim nächsten Mal vielleicht schon selber helfen, so der Ansatz. Die Werkstatt befindet sich im In­ nenhof der Unimensa, der vom Zülpi­ cher Wall aus zugänglich ist. In einem kleinen Container lagern Werkzeuge und Ersatzteile, die Studierende zum Einkaufspreis erhalten. Geschraubt wird bei trockenem Wetter auf dem Hof, bei Regen bietet der Container Platz. Die in Anspruch genommene Hilfe ist kostenlos, wer möchte kann ein Trinkgeld in die Kaffeekasse der Ehrenamtlichen geben. Sechs TutorInnen engagieren sich derzeit zwei bis drei Nachmittage pro Woche in der Werkstatt. Für Tu­ tor Matthias Schulz ist die praktische Arbeit mit den Händen ein wichtiger Ausgleich zum theorielastigen Studi­ um. »Hier kann man direkt ein Ergeb­ nis sehen«, betont er. Wer mitmachen will, muss aber kein Mechanikprofi sein. In Workshops mit erfahrenen ZweiradmechanikerInnen lernen Hel­ ferInnen und Interessierte, wie sie klei­ ne und große Schäden beheben. Vor allem aber gilt die Maxime »learning by doing«. Johanna Böttges

Hier packen alle mit an: die Fahrradwerkstatt im Innenhof der Mensa.

Impressum philtrat – Die Zeitung der Studierendenschaft der Philosophischen Fakultät wird vom SprecherInnenrat der Philosophischen Fakultät (Phil-SpRat) herausgegeben.

Khan (FK), Elisa Moll (EM), Nambowa Mugalu (NAM), André Patten (PAT), Anna Pavani (AI), Laura Reina (LR), Sabrina Schmidt (SAS), Cornelia Wienen (CWI), Naima Wolfsperger (NAW).

Redaktion: Johanna Böttges (JB), Sebastian Grote (SG), Julia Groth (JG), Julia Haas (JH), Hanna-Lisa Hauge (HLH, V.i.S.d.P.), Fatima

Mitarbeit: Patrick Gomolka (PG). Redaktionsschluss nächste Ausgabe: 30. August.

Redaktionsadresse: philtrat, c/o Phil-SpRat, Universitätsstr. 16, 50937 Köln. Fon: (0221) 470-26 20, (0221) 470-26 11, Fax: (0221) 41 33 18. E-Mail: philtrat-red@uni-koeln.de. Layout und Satz: Carolin Wedekind, die Redaktion. Druck: Verlag Neuer Weg, Essen. Auflage: 2000.


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Mehr als nur Party Zum 25-jährigen Jubiläum des Erasmus-Programms trafen sich Mitte Juni über 600 Austauschstudierende für ein Wochenende in Köln.

© Katharina Pauli

Stumpfe Sauforgien und kollektives Anbandeln. Beide Klischees kommen schnell zur Sprache, wenn es um das europäische Austauschprogramm Erasmus geht. Dass das Erasmus-Pro­ gramm weit mehr zu bieten hat, zeig­ te das große Erasmus-Jubiläumsfest ESNters Köln. Vom 15. bis 17. Juni kamen internationale Austauschstu­ dierende aus ganz Deutschland für drei Tage in Köln zusammen, um sich über das europaweite StudierendenProgramm auszutauschen, Köln ken­ nenzulernen und natürlich 25 Jahre Erasmus zu feiern. Das Kölner Team des Erasmus Stu­ dent Network (ESN) um die beiden Kölner Studentinnen Lisa Hennes und Valerija Schwarz hatte ein vielfältiges Programm vorbereitet. Los ging es am Freitag mit einer Europa-Messe im Hauptgebäude der Kölner Universität,

auf der interessierten Studierenden der Kölner Hochschulen das ErasmusProgramm näher gebracht wurde. An verschiedenen Ständen warben so ge­ nannte LänderbotschafterInnen – also Studierende, die bereits ein Auslands­ semester im betreffenden Land hinter sich haben – für einen Auslandsauf­ enthalt in »ihrem« Land. Den aus allen Teilen Deutschlands angereisten Gruppen wurden Führun­ gen durch die Domstadt angeboten. »Das Interesse war sehr groß. Wir haben von 10 bis 18 Uhr durchgän­ gig herumgeführt«, freut sich Carsten Bockemühl, einer der Stadtführer vom Kölner ESN-Team. Nach Europa-Messe und Stadtfüh­ rung kamen die über 600 angereisten Austauschstudierenden zum gemein­ samen Abendessen in der Uni-Mensa zusammen. Das Mensa-Team hatte

sich viel Mühe gegeben und zahlrei­ che Kölsche Spezialitäten aufgetischt. Christiane Biehl, Erasmus-Koordina­ torin der Universität zu Köln und Eras­ musbotschafterin Deutschlands für das Jahr 2012, eröffnete das Büfett. Gut gestärkt ging es anschließend weiter zur Responsible Party in den Deja Vu Club im Mediapark, auf der den ganzen Abend kostenlos Wasser ausgeschenkt wurde. Anlässlich der Fußball-Europa­ meisterschaft in Polen und der Ukrai­ ne stellten die OrganisatorInnen für Samstagnachmittag ein großes »Be­ nefiz-Fußballturnier« auf die Beine. »Für jedes erzielte Tor spenden ESN Köln und Education First einen Betrag für einen wohltätigen Zweck«, erklärt Ilona Schimmel von ESN. Aber auch für Nicht-Fußballbegeisterte bot das Sommerfest ein abwechslungsreiches Programm aus Lounge, DJs, Cock­ tails und Wurstbude. Am Abend folgte dann die nächste große ESNters Party im Gallery Club am Neumarkt. Auf der »Glow in the Dark«-Party konnten sich die Feiernden mit bunten Leucht­ farben bemalen. Das große Highlight hatte sich das Kölner ESN-Team aber für Sonntag­ mittag aufgehoben: die 600 ange­ reisten TeilnehmerInnen bildeten un­ ter dem Motto »Europa umarmt den Dom« eine gemeinsame Menschen­ kette um den Dom. Für Sonia Jimenez Murillo und Alex Schulz von der Münchner ESNSektion war es ein rundum gelunge­ ner Ausflug ins Rheinland: »Köln ist viel schöner als wir erwartet haben!« Begeistert von der guten Stimmung zeigte sich auch Valerija Schwarz, Vor­ sitzende von ESN Köln, die nach dem ereignisreichen Erasmus-Wochenende erst mal zur Erholung in »ihr« Eras­ mus-Land Spanien flog. André Patten

Ringelreihe um den Dom: Erasmus-Studierende umarmen den Kölner Dom.


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Die etwas andere Presse Straßenzeitungen schaffen Möglichkeiten für Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie bringen oft mehr als nur ein Stück finanzielle Unabhängigkeit.

©cvbnd www.flickr.com/people/andrebenedix

Philipp betritt die Bahn der Linie 18 am Barbarossaplatz. Es ist ein angeneh­ mer Tag, leicht bewölkt, nicht zu warm, nicht zu kalt. Die Bahn in Richtung Hauptbahnhof ist ansatzweise gefüllt. Als sich die Türen schließen beginnt Philipp mit seiner Arbeit: »Der neue Querkopf, möchten sie einen Querkopf kaufen?« Seine tiefe, kräftige Stim­ me begleitet ihn in Zimmerlautstärke durch den Waggon. »Die Wenigsten zeigen irgendeine Reaktion«, sagt er. »Meistens werde ich einfach ignoriert.« Auf dieser Fahrt verkauft Philipp keine Zeitung, aber er grämt sich nicht, denn der Arbeitstag des 52-Jährigen hat ge­ rade erst begonnen. In den nächsten sechs Stunden wird er versuchen, den Querkopf in der Innenstadt unters Volk zu bringen. Die »Obdachlosenzeitung«, die politisch korrekt Straßenzeitung heißt, fand in den frühen Neunzigerjahren ihren Weg aus Amerika nach Deutsch­ land. Das Konzept ist einfach: Ein sozialer Träger stellt eine Zeitung zur Verfügung, an deren Verkauf die Ver­

käuferInnen mindestens 50 Prozent verdienen. Diese Hilfe zur Selbsthilfe soll nicht nur gegen die Armut helfen. Die Erfahrung, sich selbstständig und aus eigener Kraft etwas finanzielle Unabhängigkeit erarbeiten zu können, soll das Selbstwertgefühl der Betroffe­ nen stärken. Es kann auch helfen, ih­ rem Leben wieder eine gewisse Struktur zu geben. Aber nicht nur obdachlose Menschen dürfen die Straßenzeitun­ gen verkaufen. Alle Menschen, die von Armut betroffen sind, auch wenn sie zum Beispiel (noch) eine Wohnung ha­ ben, sollen diese Möglichkeit erhalten. Die Trägerverbände bieten deshalb neben der Straßenzeitung meist auch ambulante Betreuung an und unter­ stützen beim Kampf gegen drohenden Wohnungsverlust oder helfen mit dem Antragswust der Ämter. Die erste Straßenzeitung Deutsch­ lands, der Bank Express, wurde 1992 in Köln ins Leben gerufen und ist seit 2010 unter dem Namen Draussenseiter mit elf Ausgaben pro Jahr auf den Kölner Straßen erhältlich. Deutsch­

landweit gibt es etwa 40 verschiede­ ne Straßenzeitungen, meist Magazine, die von professionellen JournalistIn­ nen gestaltet werden. Die Inhalte sind sozial orientiert, umfassen aber auch aktuelle Themen verschiedener Art. Die Zeitung soll sich nicht nur über ih­ ren sozialen Charakter, sondern auch über ihre Themen verkaufen. Nicht alle Zeitungen werden von Profis gemacht. So auch der Querkopf: Dieses Projekt lädt alle dazu ein, nicht nur zu verkaufen, sondern auch mit­ zuschreiben und mitzugestalten. Die ZeitungsmacherInnen wollen in ihren Texten einen kritischen, von den allge­ meinen Medieninhalten bewusst un­ abhängigen Blick auf die Welt werfen. »Die Straße mit ihrem tagtäglichen ru­ helosen Treiben ist und bleibt für den Querkopf die wichtigste Quelle der Anregung. Hier gibt es konkrete Er­ fahrung in Hülle und Fülle«, heißt es in der Juniausgabe diesen Jahres. Insgesamt hat sich das Konzept be­ währt. Leider bietet es auch Angriffs­ flächen für Missbrauch: Zeitungen wie Streetworker, StraMax und Straßenträumer gerieten wegen intranspa­ renter Geschäftsgebaren unter Kritik, einige wurden sogar verboten. 2010 zog der Express eine Verbindung von rumänischen QuerkopfverkäuferInnen zu einer »Bettelmafia«, welche horren­ de Gewinne einstreichen würde. Davon will Leo nichts wissen. Der schüchterne Neunzehnjährige steht an einem verregneten Dienstag in einem Hauseingang am Rudolfplatz und wirkt eher als wollte er sich dort verstecken denn eine Zeitung verkaufen. Leo ist vor neun Monaten mit seinen Eltern und seinem Bruder nach Deutschland gekommen, doch die Jobsuche gestal­ tet sich schwieriger als erwartet. Seit acht Monaten verkaufen er und sein Bruder nun den Querkopf, das, sagt er, hält die Vier zumindest über Wasser. Naima Wolfsperger

Immer auf Achse: ein Straßenzeitungsverkäufer in Berlin.


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Erdogan in der Kritik

Grünanlage Alternativen II: Geld anlegen ohne schlechtes Gewissen bei ethisch-sozialen Banken.

+cbnd flickr.com/people/jobim1983

Mit Kinderarbeit, Waffenproduk­ tion und Tierversuchen wollen die meisten nichts am Hut haben. Viele Menschen sind dennoch indirekt in diesen Branchen involviert, ohne es zu wissen. Denn auch »böse« Unter­ nehmen brauchen Kredite von Ban­ ken. Banken, deren Plastikkarten wir täglich in unseren Geldbörsen tra­ gen. Banken, die mit unserem Geld fast jedes Unternehmen bedienen – Hauptsache, der Profit stimmt. Das betrifft nicht nur Großanle­ gerInnen. Auch mit dem Geld, das PrivatanlegerInnen auf ihren Bank­ konten lagern, können diese Un­ ternehmen ihre Geschäfte machen. Wer als StudentIn eine Bafög-Nach­ zahlung bekommt oder Gebühren für einen Dispokredit bezahlt, ver­ sorgt Banken und ihre Kreditneh­ merInnen mit frischem Kapital. Man könnte auch sagen: Das Geld auf den Konten schläft nicht, sondern es arbeitet weiter. Es gibt aber Möglichkeiten zu vermeiden, dass das eigene Geld fragwürdige Projekte unterstützt. Al­

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ternative Banken wie GLS oder Tri­ odos mit differenzierten Kriterien für die Kreditvergabe haben sich bei verantwortungsbewussten Anleger­ Innen etabliert. Insgesamt gibt es in Deutschland vier dieser Banken, die sich ethisch-sozialen Grundsätzen verschrieben haben. Die Ethikbank etwa hat es sich laut ihrer Website zum Ziel gemacht, »durch ihre Anla­ gepolitik Einfluss auf eine nachhalti­ ge Wirtschaftweise zu nehmen.« Auf ihrer Homepage legt die Ethikbank positive und negative Kriterien dar, nach denen sie ihre KreditnehmerIn­ nen auswählt. Unternehmen und Staaten erhalten demzufolge nur dann Geld, wenn sie keine Militär­ waffen herstellen oder vertreiben, keine Atomkraftwerke besitzen oder betreiben und Pflanzen oder Saatgut nicht gentechnisch verändern. Zu­ dem müssen sich die AnwärterInnen besonders für Umwelt, Menschen­ rechte und Gleichberechtigung en­ gagieren. Neben ethischen und ökologi­ schen Kriterien werben diese alter­ nativen Banken mit Transparenz. Die GLS Bank zum Beispiel gibt regelmä­ ßig Auskunft darüber, welche Kredite sie an wen vergeben hat. Auch wo die Bank selbst ihr Geld anlegt, ist einsehbar. Wer in Köln wohnt und eine Gemüsekiste abonniert hat, kann beispielsweise auf der Home­ page der Bank erfahren, dass der Bornheimer Hof Apfelbacher seinen Biokisten-Vertrieb mit Hilfe eines GLS-Kredites finanziert. Je nach An­ lageform können die KundInnen so­ gar selbst bestimmen, ob ihr Geld in die Kultur-, die Gesundheitsbranche oder in regenerative Energien fließen soll. Nachhaltigkeit fängt so schon beim Giro- oder Tagesgeldkonto an. Johanna Böttges, Sebastian Grote

Was hat ein Schaf mit meiner Bank zu tun? Ethisch-soziale Banken investieren unter anderem in nachhaltige Landwirtschaftsprojekte.

In der Türkei ist eine Diskussion über das neue Abtreibungsgesetz entbrannt, das Ministerpräsident Receb Tayyib Erdogan angekündigt hat. Es soll die Möglichkeiten zur Abtreibung drastisch einschrän­ ken. In einer Rede Ende Mai sagte Erdogan, dass es keinen Unter­ schied zwischen dem Töten des Fötus im Mutterleib und dem nach der Geburt gebe. Mit einem neuen Gesetz will er nun das seit 30 Jah­ ren in der Türkei geltende liberale Abtreibungsgesetz abschaffen, wel­ ches Schwangerschaftsabbrüche in den ersten 10 Wochen erlaubte. Angeblich soll die Frist auf vier Wochen gesenkt werden. Konkrete Inhalte des Gesetzesentwurfs waren zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt, sie sollen Anfang Juli ver­ öffentlicht werden. Dennoch gab es bereits Demonstrationen gegen das geplante Gesetz. Die KritikerInnen betonen, dass vor der Aufhebung des Verbots im Jahr 1983 tausen­ de Frauen jährlich bei illegalen Eingriffen gestorben seien. (HLH)

Waffen im Kongo Waffenlieferungen aus aller Welt schüren gewalttätige Konflikte in der Demokratischen Republik Kon­ go. Dies geht aus einem Bericht hervor, den Amnesty International im Juni veröffentlichte. Demnach trügen internationale Waffen- und Munitionslieferungen dazu bei, dass sowohl kongolesische Sicher­ heitskräfte als auch bewaffnete Milizen immer wieder Menschen­ rechte verletzten. Seit 2008 das Embargo gegen die Republik gelockert wurde, gelangten Waffen nahezu unkontrolliert an Regie­ rung und Milizen. Die meisten der eingeführten Waffen stammten aus China, Ägypten, Südafrika, der Ukraine und den USA, so Amnesty. Die Menschenrechtsorganisation forderte die internationale Ge­ meinschaft auf, die anhaltenden Waffenlieferungen zu stoppen. (JB)


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Hungern für Gerechtigkeit Mit einem Hungerstreik kämpft Norbert Denef gegen die Verjährung von Sexualstraftaten. Missbrauchsopfer verlieren nach wenigen Jahren das Recht zu klagen.

cba NieMehrSchweigenMüssen

Norbert Denef trat am 8. Juni in Hungerstreik. Denef ist der Vorsit­ zende des Netzwerk Betroffener von Sexualisierter Gewalt (Netzwerk B), das seit 2010 um die Aufhebung der zivilrechtlichen Verjährungsfrist von Sexualstraftaten kämpft. Mit der dra­ stischen Aktion des Hungerstreiks rea­ giert er auf die Entscheidung der SPDBundestagsfraktion, sich nicht für eine Aufhebung der Verjährungsfristen bei sexualisierter Gewalt einzusetzen. Die gesetzliche Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch Minderjähriger beträgt derzeit im Strafrecht zehn, im Zivilrecht drei Jahre. Mit dem Ablauf der Frist verlieren Betroffene aber nicht nur das Recht Anzeige zu erstatten, Gerechtigkeit und »Schadensersatz« zu fordern. Der Gang an die Öffent­ lichkeit kann eine Verleumdungsklage nach sich ziehen – den Opfern wird also mit der Verjährungsfrist staatlich verordnet, über die Gräuel zu schwei­ gen, die ihnen zugefügt wurden. Die Uhr für die Verjährungsfrist fängt zwar

erst ab dem 18. Lebensjahr an zu tic­ ken, was aber, wenn Scham, Schuld­ gefühl und Angst eine Anzeige, sogar das Aussprechen des Erlebten un­ möglich machen? Denef, der mit seinem Hunger­ streik Aufmerksamkeit erregt, ist selbst »Überlebender« sexualisierter Gewalt. Im Alter zwischen neun und achtzehn wird er von zwei Männern, einem Pfarrer und einem Kirchenan­ gestellten, sexuell missbraucht. Erst nach fünfunddreißig Jahren schafft er es darüber zu sprechen. Nach seinem »Coming-out« 1993 und der Anzei­ ge gegen den ersten Täter vergehen noch einmal zehn Jahre bis zu seiner Anzeige gegen den zweiten Täter. Spätestens nach der Flutwelle der kirchlichen Missbrauchsskandale 2010 dürfte auch Nicht-PsychologIn­ nen klar sein, dass jahrzehntelanges Verdrängen und/oder Schweigen nach einem solchen Erlebnis kein Ausnahmefall ist. Neben Suizidalität, Medikamentensucht, Drogensucht,

Essstörungen und Alkoholismus kön­ nen Depressionen und Identitätsstö­ rungen Folgen sexualisierter Gewalt sein. Dennoch können die Opfer jah­ relang im Alltag »funktionieren« bevor das Erlebte über sie hereinbricht und ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht. Nicht selten folgen Therapi­ en, Arbeitsunfähigkeit und Klinikauf­ enthalte. In seinem Kampf für Opferschutz sprach Denef im Dezember 2011 als Gastredner auf dem Bundesparteitag der SPD. Er forderte die PolitikerInnen auf, sich gegen die Verjährungsfristen einzusetzen. Sein Anliegen wurde auf dem Parteitag einheitlich unterstützt. Ein aktueller Gesetzesentwurf sieht al­ lerdings lediglich vor, die Verjährungs­ fristen zu verlängern. Die Bundestags­ fraktion der SPD ist nicht bereit, diesen zu überarbeiten und sich für eine vollständige Aufhebung einzusetzen. Aber Denef kämpft für Gerechtigkeit, nicht für Kompromisse: Er tritt in Hun­ gerstreik. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen die SPD, sein passiver Wi­ derstand »betrifft alle Parteien«, wie eine Pressemitteilung von Netzwerk B aus dem Juni diesen Jahres erklärt. Norbert Denefs Hungerstreik erregt nicht nur Aufmerksamkeit, sondern motiviert auch MitstreiterInnen, die sich auf der Webseite von Netzwerk B seinem Vorbild anschlossen. Der Deutsche Bundestag lehn­ te 2008 Denefs Petition, die Verjäh­ rungsfrist von Sexualstraftaten im Zivilrecht aufzuheben, ab. Gegen die­ sen Beschluss läuft gegenwärtig eine Beschwerde beim Europäischen Ge­ richtshof für Menschenrechte. Die Be­ schwerde kann unter folgendem Link eingesehen und unterstützt werden: http//netzwerkb.org/beschwerde-eugh Naima Wolfsperger

Gegen eine Verjährungsfrist von Sexualdelikten: Norbert Denef bringt im Jahr 2006 in Delitzsch einen offenen Brief an einer katholischen Kirche an.


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Kunstfestival im Hinterhof Wer die Kalk-Mülheimer-Straße gleich bei der U9-Haltestelle Kalk Post hoch­ spaziert, erwartet hinter der kleinen Glasfensterfront neben Kiosken, Dö­ nerläden und anderen türkischen Kleingeschäften eher das Büro eines Versicherungsvertreters der Allianz, als den Eingang zu einer neuen Spiel­ stätte junger Kunst. Tatsächlich war bis Ende des vergangenen Jahres ein Steuerberater in den Räumen unter­ gebracht. Meryem Erkus, Studentin der Film-/Fernseh- und Medienwis­ senschaften an der Uni Köln hat sich die neue Raumnutzung ausgedacht und kurzerhand den gemeinnützi­ gen Kulturverein »Baustelle Kalk« ge­ gründet. Die Gründung der Baustelle versteht sie als Chance, einen Ort für jene künstlerischen Ansätze zu schaf­ fen, die in Köln zwischen Artheater, Kunstverein, Studiobühne & Co. bis­ lang keinen geeigneten Raum gefun­ den haben. Als Statistin bei Schorsch ­Kameruns »Der entkommene Aufstand« im Köl­ ner Schauspielhaus lernte Erkus An­ fang des Jahres Janina Warnk und Nicole Wegner, beide Studentinnen an der Kunsthochschule für Medi­ en, kennen. Begeistert von der Idee eines neuen, unabhängigen Kunst­ ortes schlossen sie sich dem Vorha­ ben an. Gemeinsam mit Erkus und deren Schwester Fatma, die sich als Kassenwärtin ums Finanzielle im ge­ meinnützigen Baustellenverein küm­ mert, organisieren »die Vier von der Baustelle« seit Februar regelmäßig Ausstellungen, Konzerte, Film- und Performance-Abende. So holte Erkus die international bekannte KurzfilmReihe FutureShorts nach Köln, die nun seit Februar regelmäßig in der Bau­ stelle stattfindet. Nicole Wegner, die im Rahmen ihres Kunststudiums be­ reits einen Film über die AvantgardeMusik-Szene in den USA gedreht hat, kümmert sich um die Konzerte, »die es sonst in Köln nicht geben würde«, sagt sie. Zum besonderen Erlebnis werden die Veranstaltungen durch die unge­ wöhnliche Raumgestaltung. Für jedes

© Alessandro de Matteis

Vier Frauen haben in Kalk ein offenes Atelier geschaffen. Von Kurzfilmen bis zu Konzerten ist hier Platz für jene Kultur, die bislang in Köln keinen Raum fand.

Meryem Erkus in ihrer Baustelle.

Event entwirft Janina Warnk ein pas­ sendes Raumkonzept, an dem sich auch die Outfits der vier Frauen ori­ entieren. Zum Konzert der New Yorker Combo »Talibam! & Sam Kulik disco­ ver AtlantASS« am 13. März wurde die Baustelle so zu einem knallbunten Hinterhof-Atlantis umgebaut und der Eintritt von einer bärtigen Meerjung­ frau in einer Badewanne entgegenge­ nommen. Es ist eine angenehme HinterhofAtmosphäre, bei der sich die unter­ schiedlichsten BesucherInnen treffen. Von Schülerinnen mit Tigerleggins, bunt frisierten KünstlerInnen, interes­ sierten NachbarInnen bis zur Design­ studentin mit Jute-Beutel sind alle ver­ treten. Bei Konzerten geht es durch den Nebeneingang in den Hof, in dem sich die Gäste bei gutem Wetter zwischen

Fahrrädern, Mülltonnen und den Ter­ rassen der ­Nachbarwohnung­en sam­ meln, auf grünen Plastikstühlen sitzen, gemütlich Efes-Bier trinken und selbst­ gemachte Kurkuma-Kekse futtern, die es für ein paar Cent an der Bar gibt. Bereits nach ein paar Monaten ist eine lebendige Plattform für frische künstlerische Ideen entanden, ein Ort »für gemeinsame Ideenfindung und den kreativen Austausch von künst­ lerischen Vorschlägen«, wie es in der Vereinssatzung heißt. Ein Ort für jun­ ge KünstlerInnen, die sich abseits von den gängigen Kunstzirkeln bewegen. Der Verein lädt dazu ein, mitzuwirken und heißt Vorschläge für Kunst- und Kulturprojekte willkommen. André Patten


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You’re welcome und Kummerang: Neue deutsche Lyrik aus dem Kookbooks-Verlag

Sie traxeln mit Wie in vielen Texten junger AutorInnen geht es auch bei Matthias Traxlers De­ büt You’re welcome in weiten Streck­en um die Frage nach dem Wesen der Poesie. Traxlers Antwort bleibt diffus – und natürlich sollte das in einem Ge­ dichtband nicht anders sein. Aber be­ darf es zum x-ten Mal dieser bemüht ästhetischen Sprache? Der Berliner Kookbooks Verlag sagt »Ja« und prägt einen manierierten Lyrikstil, der sich seit Jahrzehnten an der Quadratur des Kreises bemüht, in dem er sich dreht. Bei Traxlers Debüt handelt es sich, wie der Titel bereits nahelegt, um eine Einladung, diese in der jungen deutschen Lyrik dominierende Spra­ che kennenzulernen, sie selbst zu ­entdecken, zu erforschen. Und bis auf ein paar vielschichtig klare Formulie­ rungen, wie »Es ist nur eine Aufregung genannt: vor kurzem« im Gedicht [das Heilige unberechnet], heißt das in er­ ster Linie, die Gedichte bei wiederhol­ tem Lesen neu zu erdenken. Wem das schwer fällt, der kann auf den Blog garderobenmarken.wordpress.com zurückgreifen. Dort ergründen junge AutorInnen der Kookbooks-Berlin-Fa­ milie, unter ihnen Martina Hefter und Tom Bresemann, gemeinsam Traxlers Texte und dichten diese Gedichte fröh­ lich weiter. Sie traxeln mit. Solcher beim ersten Lesen schwer zugänglicher Texte nimmt sich seit 2003 der Berliner Kookbooks-Verlag an. Es sind Texte, die fordern und auf­ fordern. Die LeserInnen sollen nicht bloß mitdenken, sondern neu denken, den vorliegenden Text als Startpunkt für ein eigenes, persönliches Lyrika­ benteuer wählen. Ein für jene dominierende LyrikSprache typischer und weitgehend konventioneller Ansatz ist das Bilden neuer Wörter. Neue Worte werden erst im Kontext zu sinnhaften Begriffen. Isoliert verlieren sich die meisten wie­ der zu sinnfreien Silbenkombinationen – wie in Dagmara Kraus‘ Band Kummerang. Leider ist diese typische ÜberÄsthetisierung von Lauten und Silben mitunter schwer zugänglich und nicht besonders originell. Ein Beispiel für

Mathias Traxler: You’re welcome, Kookbooks 2011, 128 Seiten, 19,90 Euro.

Dagmara Kraus: Kummerang, Kookbooks 2012, 80 Seiten, 19,90 Euro.

eine gelungene Wortschöpfung findet sich dagegen im titelgebenden und eindrucksvollen Gedicht »Kummer­ ang«, das vom »Bumerang« Kummer handelt, der in weitem Bogen davon­ fliegt, bis er in all seiner schmerzhaf­ ten Gewissheit wiederkehrt. Kraus‘ Sprachspiele sind wie beim Kummer-Bumerang mal sofort ein­ sichtig, mal nur über den Klang und Kontext zu erschließen und leider nur in seltenen Fällen einfach und wun­ derbar verwirrend. Es ist keine Fanta­ siesprache, die uns in Gedichten wie »Vermotzling« oder »im blattspelz« begegnet, sondern ein melodisches Silbengewitter, das unbedingt laut gelesen werden sollte. Eine ironischwitzige Ausnahme bildet die lyrische Kontaktaufnahme »M sucht W«: »bin fährten-, eh- und termingerecht, nie nicht verhärmt und garantiert mot­ tenecht.« Leider gelingt das nicht durchgehend, weshalb die Lektüre nach einiger Zeit ermüdend wirkt. Wie für Kraus gilt auch für Traxlers Band: Sie können beide, etwa am Aa­ chener Weiher in der Sonne liegend, immer mal wieder in die Hand ge­ nommen und wunderbar gelesen, nicht aber an einem Stück verschlun­ gen werden. In dieser Sprache kön­ nen sich die LeserInnen nicht verlie­ ren, man kann sie nur erkämpfen. Auch wenn man sich so lang­ sam wieder eine neue Lyrik-Sprache wünscht, näher an den sprachlichen Entwicklungen unserer Zeit, in der kurze, fast-lyrische Texte uns alltäg­ lich in den neuen Kommunikations­ formen von Facebook bis Whatsapp begegnen, sollten doch alle ernsthaft Literaturbegeisterten Daniela Seel und ihrem Kookbooks-Team dank­ bar sein, dass sie sich solch sperriger Texte annehmen, die in den großen Verlagen von MarketingstrategInnen längst weggekürzt wurden. Im Som­ mer am Rhein oder zwischen den Vorlesungen auf der Uniwiese ein paar Gedichte aus dem KookbooksReservoir zu lesen lohnt sich auf jeden Fall eher, als sich an Denis Scheck und die Spiegel-Bestseller zu ketten. André Patten


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Mit Hoppe entwirft Felicitas Hoppe eine Wunschbiografie

Frau Münchhausen In ihrem neuesten Werk beschreibt Fe­ licitas Hoppe die Kindheit eines Mäd­ chens, das aus seiner Geburtsstadt Hameln entführt wird und fortan mit dem Entführer-Vater durch die Welt reist. Das Mädchen soll sie selbst ge­ wesen sein. Hoppe beginnt ihr Buch mit dem Hinweis »Für Familienmitglieder gilt das gesprochene Wort!«. So ist schnell klar, dass Felicitas Hoppes Roman, der durch den einfachen, wie treffen­ den Titel Hoppe autobiografisch an­ mutet, keine Biografie ist. Die Autorin, die in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis erhielt, reimt sich in diesem Roman eine hanebü­ chene Vergangenheit zusammen, die Kinder wie Erwachsene beeindruckt. Die Protagonistin des Romans wird als passionierte Eishockey-Spielerin ohne sonderlich großes Talent, aber mit viel Herzblut gezeichnet. Das jun­ ge Mädchen pflegt eine Leidenschaft fürs Briefeschreiben. Sie schreibt an Personen, die angeblich ihre Familie in Deutschland sein sollen. Die Sehn­ sucht nach einer (anderen) großen Familie spiegelt sich in der Liebe zur Familie ihres prominenten EishockeyKollegen Wayne Gretzky wider.

Durch die korrigierenden Kom­ mentare einer Erzählinstanz, die sich hinter dem Kürzel fh versteckt, wird die Illusion erweckt, es gebe tatsäch­ lich eine Person, welche als ZeitzeugIn die Geschichten ergänzen und richtig zu stellen vermag. Passagen wie: »Zu­ rück vom Hoppetext zu den Fakten« zaubern beim Lesen immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen. Auch die interviewten Personen im Roman, die die junge Hoppe charakterisieren sol­ len, sind klug in Szene gesetzt. Es ist erstaunlich wie die Autorin das Genre der Autobiografie nutzt, verzerrt und den LeserInnen auf energische Art aufzeigt, dass geschriebenes Wort nicht immer auch gleich Wahrheit be­ schreibt. Die Phantasie der Autorin ist beeindruckend. Das Spiel mit Gen­ reerwartungen ebenfalls. An vielen Stellen referiert Felicitas Hoppe auf ihre KritikerInnen und nutzt den Ro­ man als schlagfertige Antwort auf das Feuilleton. Als Lügengeschichte ist Hoppe ganz ausgezeichnet, als Neukonzep­ tion des Genres Biografie amüsant, aber vielleicht doch etwas langatmig. Laura Reina

Felicitas Hoppe: Hoppe, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2012, 330 Seiten, 19,90 Euro.

Revolutionäre Frauen

Über Wachen und Schlafen

Die Autorin Tui Gordon präsentiert in ihrem Buch Revolutionäre Frauen – Biographien und Stencils (edition assem­ blage) dreißig Frauen, die sich auf verschiedenste Arten für ihre Überzeugung eingesetzt haben. Das Buch enthält neben den kurzen Texten zu jeder Frau eine Stencilvorlage, also eine Ausschneidevorlage für Graffiti-SprayerInnen. Die Autorin fordert die LeserInnen auf, die Portraits der Frauen nachts an die Wände zu sprühen. Die ausgewähl­ ten Persönlichkeiten sind teils radikal gegensätzlich. Auf der Suche nach einer Revoluzzerin, die es wie Che Guevara mit einem markanten Bild in die Mainstream-Medien schaff­ te, stößt Gordon an eine Grenze. Sie fragt danach, ob es überhaupt weiblicher Ikonen bedarf und ob die Sortierung nach Geschlechtern nicht den eigentlichen feministischen Anliegen widerspricht. Gordon möchte dieser Diskrepanz mit Ironie begegnen. Die Übernahme der männlichen Iko­ nografie im Che Guevara-Stil soll hier ironisch verstanden werden. Die Kurzbiographien sind allesamt knackig und interessant und führen quer durch die letzten zwei Jahr­ hunderte. (CWI)

Ein Manifest des »systemrelevanten Humors« stellen die fünf Autoren der Lesebühne »Lesedüne« in ihrem Buch Über Wachen und Schlafen (Volant & Quist) vor. Es ist die Spannbreite, die in dieser Anthologie beeindruckt: Au­ ßergewöhnliche Briefwechsel, spöttische Kurzgeschichten, ungewöhnliche Interviews und Gedichte, grafische Spiele, durchbohrende kurze Theaterstücke zwingen geradezu zum Weiterblättern. Mit Humor und kritischem Scharfsinn behandeln die Autoren verschiedene politische und soziale Aspekte un­ serer Gegenwart. Wie auf der Bühne sind sie dabei nie vorhersehbar und nie selbstverständlich. Ihr »post-postironisches Drama der Absurditäten« spielt mit den Wörtern und erzeugt dabei eine durchdringende Gesellschaftskri­ tik. In der beigefügten CD sind die Autoren auch live zu hören: Einfach großartig, was da für eine kreative Energie ausströmt! Den Mythen des heutigen Alltags können die fünf Autoren nur mit einem ketzerischen Lächeln begeg­ nen. Das gilt auch für sie selbst. Foucault hätte sich beim Lesen sicher gefreut. (AI)


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Schweinerei in Gaza Dass ein Fischer ein Schwein aus dem Meer fischt, ist eine ungewöhnliche Vorstellung. Markerschütternd aber ist es für Jaafar, einen Palästinenser aus Gaza. Denn Schweine sind weder in den palästinensischen Gebieten, noch auf israelischem Boden erlaubt. Schließlich gelten sie sowohl im Ju­ dentum als auch im Islam als unrein. Jaafar hat ohnehin meistens Pech im Leben. Selten bringt er Geld nach Hause zu seiner Frau, fängt höchstens mal ein paar Sardinen. Zu seinem all­ täglichen Leid gesellt sich also jetzt ein Schwein, das er unbedingt wieder los­ werden muss. Er schöpft Hoffnung, als er erfährt, dass eine jüdische Siedlerin in der Nähe Schweine züchtet. Durch den Zaun schließen die beiden einen Deal: Schweine-Sperma für Yelenas Säue gegen Geld. Doch es dauert nicht lange, bis die Islamisten von der Sache Wind bekommen. Um nicht als Kollaborateur dazustehen, behauptet Jaafar, dass er geplant habe, mit dem Schwein einen Sprengstoffanschlag zu starten. Die Islamisten verlangen von ihm, dass er die Sache durchzieht, und zwar als »echter« Märtyrer. Während sich die Handlung der Katastrophe zu nähern scheint, findet Jaafars Naivität kein Ende. Mal ist er

© Alamode

In Das Schwein von Gaza kommt ein palästinensischer Fischer in die ­Bredouille, als ihm ein Schwein ins Netz geht.

Wohin mit dem Schwein im Schafspelz? Jaafar ist ratlos.

den israelischen Soldaten ausgeliefert, mal den Islamisten. Doch je absurder das Pech des Fischers, desto deutlicher wird, dass der Regisseur Sylvain Esti­ bal hier eine Fabel auf die Leinwand bringen wollte. Und so passt auch das sehr poetisch anmutende und damit aus der Reihe fallende Ende ins Gan­ ze. Zwar keimt hier Hoffnung auf, aber gleichzeitig bleibt sie in einem unwirk­ lichen Traum gefangen.

Das Schwein von Gaza handelt vom israelisch-palästinensischen Kon­ flikt, schlägt sich aber nicht auf eine der beiden Seiten. Vielmehr bleibt der Film auf der Seite derer, die in diesen Bedingungen gefangen sind. Hanna-Lisa Hauge Das Schwein von Gaza. Frankreich/ Deutschland/Belgien 2011. Regie: Sylvain Estibal. DarstellerInnen: Sasson Gabay, Baya Belal, Myriam Tekaia, u.a. Kinostart: 2. August.

Das Animations-Märchen Merida – Legende der Highlands zeigt, wie stark die Mädchen der Highlands sind

Schottische Bräute tragen Waffen Rote unbändige Mähne, ein fordernder Blick und immer mit Pfeil und Bogen un­ terwegs. Für Merida, das Mädchen mit den Brünhild-Kräften, besteht der Tag aus Felsenklettern und durch die Wäl­ der reiten. Dass es sich bei dem wilden Mädchen um eine Prinzessin handelt, würde man kaum erwarten. Merida ist zwar im heiratsfähigen Alter, würde aber am liebsten für immer Kind blei­ ben und ihr abenteuerliches Leben wei­ terführen. Heiraten kommt da gar nicht in die Tüte! Bei dem dürftigen Angebot an Bewerbern ist das auch kein Wunder. Ganz zum Ärger der Mutter, die eine baldige Trauung mit einem Nachfolger einer der drei anderen Highland-Clans

begrüßen würde. Um die Königin vom Brautwerben abzubringen, sucht Meri­ da die Irrlichter im Wald auf. Denn wer den Irrlichtern folgt kann laut Legende sein Schicksal ändern. Dabei stößt sie auf eine skurrile Hexe, die für gute Be­ zahlung einen Hexentrank mischt. Was dann passiert, ist jedoch alles andere als in Meridas Sinn, denn die Königin wird in eine Bärin verwandelt. Die Hexe ist verschwunden und guter Rat teuer. Aber zum Glück ist Merida keine ge­ wöhnliche Prinzessin... Der 3D-Animationsfilm ist mit al­ len Märchenelementen bestückt au­ ßer einem klassischen Happy End. Die Märchenprinzen, die Hexen und der

hünenhafte König werden karikiert und unterhalten auf eine humorvolle Art und Weise. Authentisch mit schottischem Ak­ zent (in der englischsprachigen Version) führen die Figuren spritzige Dialoge. Der schottische Charme kommt nicht nur durch die bunten Kilts der Clanmit­ glieder (die auch gelüftet werden!) zum Ausdruck, sondern auch durch die be­ eindruckenden Landschaftsadaptionen und die verträumte und zugleich kraft­ voll-authentische Musik. Laura Reina Merida- Legende der Highlands. USA 2012. Regie: Mark Andrews. DarstellerInnen (Stimmen): Kelly MacDonald, Emma Thompson, Billy Connolly u.a. Kinostart: 02. August.


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angeschaut

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© Falcom Media

Cosmopolis

Cosmopolis. Frankreich/Kanada 2012. Regie: David Cronenberg. DarstellerInnen: Eric Packer, Juliette Binoche u.a. Kinostart: 5. Juli.

Eric Packer ist jung, arrogant, unfass­ bar reich – und er hat ein Problem. Zum ersten Mal in seinem Leben hat der Börsenmulti sich verzockt, und nicht zu knapp. Die Millionen purzeln zu Hunderten von seinem Konto. Ein guter Zeitpunkt, um zum Frisör zu fahren. Unter den wachsamen Augen seines Sicherheitschefs begibt sich ­Pa­cker in seiner Limousine auf eine zähe Fahrt durch die Straßen New Yorks. Dabei liest er hier und da Be­ kannte auf, die ihn ein Stück in der Li­ mousine begleiten: MitarbeiterInnen, seinen Leibarzt, die junge Ehefrau, die gealterte Geliebte. Leider gerät nicht nur der Verkehr ins stocken. Auch die viel gepriesenen Dialoge aus Don De­

Lillos Romanvorlage schleppen sich teilweise träge daher. Kryptisch mutet das Gespräch mit seiner Cheftheoretikerin an, die in seinem Auftrag über Geld sinniert. Pa­ckers pseudophilosophische Fra­ gen irritieren: »Woher weißt du, dass du hier im Auto bist und nicht im Büro?« Trotzdem bleibt es interessant. Je mehr sich Packer bei aller Arro­ ganz und emotionaler Glätte in seine Sehnsucht nach dem Absturz hinein­ steigert, desto sehnlicher warten die ZuschauerInnen auf seinen Ausbruch. Und während die Occupy-Protestler­ Innen seine Umgebung in Schutt und Asche legen, sehen wir seinen Amok­ lauf nahen. Johanna Böttges

© Alamode

Sons of Norway

Sons of Norway. Norwegen/ Schweden/ Dänemark/ Frankreich 2011. Regie: Jens Lien. DarstellerInnen: Sven Nordin, Sonja Richter u.a. Kinostart: 5. Juli.

Wie kann der junge Nikolaj seinen Weg finden und erwachsen werden? Rebellion wäre wohl die naheliegen­ de Antwort. Aber was ist, wenn der Vater noch rebellischer ist als der Sohn? Neben dem Leitmotiv der Re­ bellion beschäftigt sich die Adaption des Romanes Theory and Practice des Schriftstellers Nicolaj Frobenius mit der Darstellung einer außergewöhn­ lichen Vater-Sohn-Beziehung. Nach dem Tod der Mutter, ohne ihre strah­ lende Präsenz, sind Magnus und Ni­ kolaj allein: Der Vater ist ein Althippie mit exzentrischen Theorien über das perfekte Leben, aber ohne den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Der Sohn ist orientierungslos, auf der Su­

che nach einer Umgebung, in der er seinen verwirrten Gefühlen einen Sinn geben kann. In den Sex Pistols und im Punk, der als musikalische Offen­ barung die Vororte von Oslo erreicht hat, liegt seine Antwort. Um Abstand zu gewinnen, begeben sich Vater und Sohn auf einen Motorradtrip. Der lässt Nikolaj aber noch tiefer in seine Identitätskrise stürzen. Die gelungene Darstellung des Kampfes dieses sen­ siblen, verwirrten Heranwachsenden bekommt einen besonderen ästheti­ schen Reiz durch farbenfrohe und le­ bendige Momentaufnahmen, die ge­ fühlvoll und ehrlich Nikolajs (innere) Welt wiedergeben. Anna Pavani

© Tobis

To Rome with Love

To Rome with Love. Spanien/USA/Italien 2012. Regie: Woody Allen. DarstellerInnen: Woody Allen, Ellen Page, Penelope Cruz, Alec Baldwin, u.a. Kinostart: 30. August.

Alle Wege führen nach Rom – so auch die Liebesgeschichten der Protago­ nistInnen in Woody Allens neuer Ko­ mödie. In der ewigen Stadt kreuzen sich die Schicksale des jungen Archi­ tekturstudenten Jack, des ehemaligen Opernregisseurs Jerry, des Durch­ schnittsrömers Leopoldo Pisanello und des schon in die Jahre gekom­ menen Architekten John. Jack ver­ liebt sich in die beste Freundin seiner Freundin, die aus Amerika zu Besuch kommt, Jerry besucht mit seiner Frau die Tochter und ihren italienischen Verlobten, John erkennt sich in Jack wieder und Leopoldo Pisanello wird aus heiterem Himmel berühmt. Dazu kommt noch ein frisch verheiratetes

Paar, Milly und Antonio aus Pordeno­ ne, die in ihren Flitterwochen uner­ wartete ­Erfahrungen mit einem Kino­ star und einer Prostituierten machen. Die Kamerabilder, die Rom in ein wunderbares Licht rücken, sind be­ merkenswert und vergleichbar mit der Darstellung von Paris in Midnight in Paris. Bestätigt wird das außerge­ wöhnliche schauspielerische Talent des brillanten und charismatischen Roberto Benigni. Leider verlieren die stereotypen und fast immer vorher­ sehbaren Abenteuer ihren Charme, da sie zumeist auf einer übertriebenen und vorurteilsbehafteten Vorstellung der Dolce Vita basieren. Anna Pavani


panorama

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Abgelichtet III: Das Hauptgebäude im neuen Gewand

© Sebastian Grote

Willkommen an der O2-Uni

Warum nicht auch mal Eigenwerbung machen? Die neue Flatrate für die Uni: Für 218,31 Euro im Semester nonstop studieren bis zum Umfallen. Nur nicht innerhalb der Campuszone, da wird nämlich leider gebaut.

Termine Hardcore im AZ

»Elias« statt Ilias

Ab in die Heide!

37 Grad

Beograd Underground

Kalkbäume

Am Freitag, dem 6. Juli geht es laut her im Autonomen Zentrum in der Wiers­ bergstraße 44 in Kalk. Der für die Reihe Kraake-Konzerte aus den USA angerei­ ste Besuch, die Grindcore-Band Graf Orlock, wird noch durch die Birds in Row und die Arktikabirds unterstützt. Der Eintritt ist frei.

Was passiert, wenn Menschen aufein­ ander treffen? Diese simple Frage ist der Ausgangspunkt für das vierköpfige Tanzkollektiv 37 Grad, Begegnungen von Menschen in der Großstadt zu hinterfragen. Am Freitag, dem 6. und Samstag, dem 7. Juli sind sie im Eh­ renfelder Arkadas-Theater. Eintritt für Studierende: 8 Euro.

Der Chor der Uni Köln gibt am Don­ nerstag, den 12. Juli sein Semesterab­ schlusskonzert. Vom Orchester beglei­ tet, führt der Chor das stimmgewaltige Oratorium »Elias« von Felix Mendels­ son-Bartholdy auf. Romantik und Ba­ rock versprechen Dramatik pur! Beginn ist um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Kunst, Komik, Film und Performance aus Serbien. Das Projekt »Beograd Underground« bringt Belgrads wilde Subkultur-Szene nach Köln Kalk. Am Donnerstag, dem 12. Juli bietet die Baustelle Kalk Gelegenheit die serbi­ sche Kunstwelt kennenzulernen. Mehr Informationen unter: baustellekalkpost.blogspot.de

Am Donnerstag, dem 19. Juli können Frischluft-Fans auf dem »Dellbrücker Heidespaziergang« für zwei Stunden die Flora und Fauna erkunden. Hier kreucht und fleucht so manche bedroh­ te Tierart. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Kiosk am S-Bahnhof Dellbrück. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Mitte August geht es in den Wald nach Kalk! Dann verwandelt die Kölner Raumkünstlerin Janina Warnk die Bau­ stelle Kalk in einen Lindenwald. Nach dem Motto »Der Kalk vor lauter Bäu­ men« gibt es vom Donnerstag, dem 16. bis Sonntag, dem 19. August Perfor­ mances, Konzerte und Ausstellungen. Eintritt frei

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philtrat nr. 104  

Zeitung der Studierendenschaft der Philosophischen Fakultät an der Uni Köln // Ausgabe Juli/August/September 2012

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