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iben Schreuns! Siect@political

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Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) ist ein Thinktank, der Poesie, Menschenrechtsthemen und Aktionskunst miteinander verschweißt, um aus Europa eine humanitäre Supermacht zu formen, die ihrem humanistischen Anspruch gerecht werden kann. Grundanliegen ist eine humanitäre Kurskorrektur der Gegenwart im Lichte zukünftiger Geschichtsbücher. Es geht darum, eine große digitale wie mediale Öffentlichkeit für den Schutz von Menschenleben zu gewinnen. Das ZPS will, wie der Bundeskanzler Franz-Kevin Wegener es im Jahre 2029 ausdrückt, „diese Zeit zwingen, etwas Gutes zu tun!“ Politische Schönheit ist moralische Schönheit: Warum nicht eine Brücke von Afrika nach Europa bauen? Warum nicht eine Allegorie über die Verletzlichkeit der eigenen Zivilisation bauen (11. September 2001)? Warum nicht Massensterben verhindern, wenn wir die Mittel dazu in Händen halten? Das ZPS ist nach dem Prinzip der Menschheit organisiert: viele denken, manche handeln. Deshalb besteht der Taktgeber aus einem Thinktank, dessen Einfälle eine Kerntruppe in die Tat umsetzt. Der Auftrag: Ahnungen politischer Schönheit in Wissen umbauen (“Ahnungsarchitektur“). Dabei haben sie Phänomene wie den Kniefall Willy Brandts oder den Rücktritt des Altministers Christian SchwarzSchilling angesichts eines Genozids im Blick. Menschenrechtsorganisationen haben ein Problem: die klassischen Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit versagen. Das Zentrum für Politische Schönheit ist der Teil einer Antwort auf diese Problematik. www.politicalbeauty.de


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01 Theater Der Himmel über Lethe / Seite 5 - 11 Die Überläufer / Seite 12 - 14

02 Kunst Krematorium II und III / Seite 15 - 19 Bergungsarbeiten auf Lethe / Seite 20 - 22 Die Re-Formation der Geschichte / Seite 23 - 26

03 Zivilgesellschaft

AuSSerparlamentarische Opposition heute! Die APO des 21. Jahrhunderts wird von den Künstlern übernommen. Ihre Aktionen verbreiten sich rasend

Das Forum der verlorenen Hoffnungen / Seite 27 - 29

schnell über YouTube und soziale Netzwerke.

Europa - Der Kontinent der Melancholie / Seite 30 - 31

BERLINER ZEITUNG

14. Jahrestag Srebrenica / Seite 32 - 35 Die Stiftungsaktion / Seite 36 Eine Brandschrift / Seite 37 - 39 Memorandum Of Understanding / Seite 40

04 SOCIAL IMPACT Facebook, YouTube & Co. / Seite 41

05 Mitgliederprofile

/ Seite 42 - 44


01 Theater Der Himmel über Lethe Das 45minütige Theaterstück „Der Himmel über Lethe“ besuchten an vier Aufführungsabenden weit über 1.000 Zuschauer. Im Mittelpunkt steht eine weitgehend unbekannte Sitzung des Krisenstabes der UNO, die am Vorabend der Katastrophe stattfindet. 40 NATOFlugzeuge kreisen am 10. Juli 1995 über der Adria und warten auf ihren Einsatzbefehl aus dem UNO-Hauptquartier – bis ihnen der Treibstoff ausgeht. General Bernard Janvier (Force Commander der UN-Truppen in Bosnien-Herzegowina und Leiter des UN-Krisenstabes) verzögert seine Unterschrift unter den Einsatzbefehl der NATO-Luftstreitkräfte um mindestens vier Stunden. Die Sitzung ist das Schlüsselglied in der Kette des Versagens auf westlicher Seite.

Hintergrund: Die acht Teilnehmer der Sitzung wurden auf vier reduziert. Das Skript beruhte auf den Recherchen des amerikanischen Journalisten und Pulitzer-Preisträgers David Rohde, den Analysen von Professor Hajo Funke, der Klageschrift Axel Hagedorns gegen die Vereinten Nationen, ICTY-Protokollen und dem NIOD-Report der niederländischen Regierung.

„Srebrenica stellt die größte Schande in der Geschichte der Vereinten Nationen dar.“ (Kofi Anan, 15.11.1999)

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Der größte Hohn für die Opfer eines Genozids dürfte die Verweigerung sein, aus ihrer Ermordung zu lernen. Aus der Erfahrung heraus, dass Menschen sich bei der Nennung von Genozid-Ereignisorten (wie „Srebrenica“, „Ruanda“ oder „Tschetschenien“) bereits dem Thema gegenüber verschließen, obschon sie so gut wie nichts darüber wissen, wurde während der gesamten Aktion auf den Namen der ostbosnischen Stadt verzichtet. Srebrenica’ wurde kurzerhand als der Polit-Thriller inszeniert, der er bis zum 10. Juli 1995 auch war. An jenem Abend entschieden sich die Verantwortlichen jedoch, in einem anderen Genre zu enden. Politiker irren in unseren Augen, wenn sie fordern, nicht zu vergessen. Um zu vergessen, muss man einmal gewusst haben. Die Realität wurde zumindest im Fall Srebrenica nie gewusst: 40 NATOFlugzeuge kreisen einsatzbereit über der Adria, während die Schutzzone von serbischen Truppen umstellt und angegriffen wird. Das Theaterstück lotet das humanitäre Vakuum einer Leerstelle in der politischen Willensbildung aus: was gedenken wir als Gesellschaft, gegen den nächsten Genozid zu unternehmen? Diese Frage wurde bis heute nicht ernsthaft entschieden. Es fehlt an jeder ernsthaften Diskussion, ob diese Gesellschaft bereit wäre, zur Verhinderung eines


Genozids Krieg zu führen. Das Schweigen eines Kartells aus Intelligenz, Presse und Politikern führt dazu, dass diese Frage im Ernstfall nebenher entschieden oder aus Versehen beantwortet wird. General Bernard Janvier (Force Commander der UN-Truppen in Bosnien-Herzegowina und Leiter des UN-Krisenstabes). Der Berater Janviers: Thierry Moné (gespielt von Max Woelky). Der Chef des UNPlanungsstabes: Oberst Harm de Jonge (Nina van Bergen). Verantwortlich für die Luftoperationen: Oberst Jean-Rene Robert (Marita Hueber). --------------------------------------------------„Mit politischem Theater im öffentlichen Raum wollen er und seine zwölf ständigen Kollegen auf Tragödien in der Welt aufmerksam machen. Sie fordern Notinseln für afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer und warnen vor einem Jahrhundert der Genozide, schlimmer noch als das letzte. Völkermord und Massensterben sind meistens ihre Themen.“ Die Welt

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Die Premierengäste überschreiten zu Beginn die „Grenze zur Sprachlosigkeit“ (Bodenmarkierung).

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Die Verbindungsoffiziere der Luftwaffe fordern ein schnelles Handeln. Sie haben w채hrend der Sitzung 40 Kampfflugzeuge in der Luft, die Srebrenica verteidigen sollen.

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Wir spielen Hasan Nuhanovics Aussage, wie Tausende Menschen in Srebrenica in den Himmel schauen und vergeblich auf NATO-Flugzeuge warten.


Der echte Krisenstab der Vereinten Nationen tagte am 10. Juli 1995 um 19.50 Uhr im UN-Hauptquartier in Zagreb, Kroatien.

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Am Tag darauf fällt die erste UN-„Schutzzone“ der Welt und die größten Massaker auf europäischem Boden nach dem Zweiten Weltkrieg beginnen.

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Die Überläufer

„Unsere Technologie. Unsere Technik. Unser Wissen. Geschichte, meine Damen und Herren. Unsere Überlegenheit, auf die wir uns so viel einbilden. Das alles ist heute wertlos geworden.“ Franz-Kevin Wegener „Ich werde diese Zeit zwingen, etwas Gutes zu tun“, versprach Bundeskanzler Franz-Kevin Wegener in seiner Antrittsrede vor dem Deutschen Bundestag 2029. Diese Zeit erscheint in „Die Überläufer“ gekommen. Nachrichtenfetzen entführen die Zuschauer an den Schauplatz eines Genozids im Jahre 2032. Wort- und Berichterstattungen laufen auf eine verzweifelte Rede des Bundeskanzlers Franz Kevin Wegener zu. Es ist viel passiert in dieser Welt: einem Ayatollah wurde der Friedensnobelpreis verliehen, ein zu Wohlstand gelangter Irak griff in saudischer Koalition die Vereinigten Staaten von Amerika an, ein Deutscher ist erstmals UN-Generalsekretär und Guttenberg stieg auf zum Bundespräsidenten. Das Zentrum für Politische Schönheit gibt in „Die Überläufer“ erstmals einen Akt politischer Schönheit den Blicken der Öffentlichkeit frei. Einen Tag vor den Bundestagswahlen 2009 uraufgeführt, zeigt „Die Überläufer“ einen Bundeskanzler, wie er sein könnte. Der Berater Janviers: Thierr y Moné

„Setzen Sie sich mit dem Recht des Stärkeren für das Recht der Schwächeren ein. Unsere Abwesenheit ist es, die diese Menschen rechtlos macht.“ Franz-Kevin Wegener

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(gespielt von Max Woelky)


„Das deutsche Volk war über weite Strecken ein Volk von Flüchtlin-

technologische Überlegenheit in den Dienst von Humanität

gen.“ Franz-Kevin Wegener

stellen?“ KULTURZEIT, 3sat

„Die heftigsten Spannungen für die Zukunft einer Nation resultieren nicht aus Einwanderern, sondern aus unterlassener Hilfeleistung.“ Franz-Kevin Wegener

--------------------------------------------------„Schauspieler Max Woelky, der aussieht wie James Dean!“ Berliner Zeitung „Das Theater zeigt vor, was in der Politik eigentlich möglich wäre und das ZPS hofft, dass die Realität es dann nachspielt.“ Theater Der Zeit „Kunst kann in Momenten der höchsten Krise durchaus gute Antworten liefern.“ Der Tagesspiegel “Die Aktionskünstler rechnen bis zum Ende des Jahrhunderts mit Genoziden, neben denen das 20. Jahrhundert wie ein ’Zeitalter der Barmherzigkeit‘ aussehen werde. Das erinnert an die Streitigkeiten der Historiker, ob der Holocaust ein einmaliges Ereignis war oder nicht. Demographische wie politische Explosionen in Afrika und Asien würden demnächst dieselbe Frage stellen, mit der das Zentrum für Politische Schönheit seine Zuschauer heute vorkonfrontiert: herumstehen oder

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Die Opferbilanzen des 20. Jahrhunderts werden gegen die des 21. Jahrhunderts gehalten, um zu fragen: welche Vorkehrungen wurden gegen Genozide getroffen?


Der CNN-Berichterstatter (Eckhard M端ller) Die ZDF-Afrikakorrespondentin (Marita Hueber)

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02 KUNST

wäre!“ Stuart G. Erdheim: Could the Allies Have Bombed AuschwitzBirkenau? (Holocaust and Genocide Studies)

Krematorium II und III Einladung zur innovativsten Messe für junge Kunst: zum Berliner Kunstsalon. Das Zentrum für Politische Schönheit wendete sich erstmals mit einer Ausstellung dem Holocaust zu. Thema war die Frage: Warum wurde Auschwitz nicht bombardiert? Im April 1944 entkamen Rudolf Vrba und Alfred Wetzler aus Auschwitz. Ihr Bericht erreichte alle westlichen Hauptstädte. Aber von Erschütterung keine Spur. Nach Juli 1944 sprach man zwar hinter vorgehaltener Hand nicht länger von „Arbeitslagern“. Ab Juli 1944 bombardierte die alliierte Luftwaffe alle möglichen strategischen Ziele rund um das Vernichtungslager. Aber die Krematorien blieben unangetastet. Auch die Bahnschienen zwischen Ungarn und Polen wurden nicht Ziel von Bombardierungen. Ohne sie hätten Deportationen diesen Ausmaßes niemals stattfinden können. Mit den „Lethe-Bomben“ wendet sich das ZPS gegen das Vergessen aller Opfer von unterlassener Hilfeleistung in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern.

„Die wohl außergewöhnlichste ‚fotografische Position‘ auf dem diesjährigen Berliner Kunstsalon!“ (Ausstellungskatalog Berliner Kunstsalon) „Wären Krematorium II und III in Birkenau bombardiert worden, hätte man 75 Prozent der Tötungskapazitäten zerstört. Zu einem Zeitpunkt, an dem ein Wiederaufbau schwierig bis unmöglich gewesen

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„Auschwitz wurde von Soldaten befreit!“ Marieluise Beck im Bundestag


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Es besteht kein Grund zur Hoffnung, dass das 21. Jahrhundert

Art. 30 Subjektive Tatbestandsmerkmale

die Schrecken des 20. nicht übertreffen wird: die globale Bevölkerungsexplosion, der technologische Fortschritt und die mangelnde

1. Sofern nichts anderes bestimmt ist, ist eine Person für ein der

Bereitschaft der westlichen Welt, Bevölkerung in fernen Weltteilen

Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs unterliegendes Verbrechen

zu schützen, dürfte in Asien und Afrika bis zur Mitte des Jahrhun-

nur dann strafrechtlich verantwortlich und strafbar, wenn die

derts zu kriegerischen “Black Outs“ führen. Wie kann dieses Mas-

objektiven Tatbestandsmerkmale vorsätzlich und wissentlich

sensterben aufgehalten werden? Wie reagiert man auf Genozid?

verwirklicht werden.

Wie können wir aus der Geschichte lernen? Die Genozide der Vergangenheit müssen, um wirklich verhindert zu werden, politisch rekonstruiert werden: wo liegen die Fehler? Warum wurden die Hochöfen in den NS-Vernichtungslagern nicht bombardiert? Warum intervenierte der Westen nicht in Ruanda?

2. «Vorsatz» im Sinne dieses Artikels liegt vor, wenn die betreffende Person a) im Hinblick auf ein Verhalten dieses Verhalten setzen will; b) im Hinblick auf die Folgen diese Folgen herbeiführen will oder ihr bewusst ist, dass diese im gewöhnlichen Verlauf der Ereignisse eintreten werden.

Warum ließ er “Bosnien“ vor seinen Augen geschehen?

3. «Wissen» im Sinne dieses Artikels bedeutet das Bewusstsein, Das ZPS verfolgt die narrative Strategie, Geschehen radikal als

dass ein Umstand vorliegt oder dass im gewöhnlichen Verlauf

menschliches Tun auszulegen. Genozide sind entgegen der gängi-

der Ereignisse eine Folge eintreten wird. «Wissentlich» und

gen Erzählungen niemals ungewollte Zu-/Unfälle. Genozide sind

«wissen» sind entsprechend auszulegen.

stets politisch gewollt, besiegelt und geschützt. Das Rom-Statut des Internationalen Strafgerichtshofs aus dem Jahre 2002 erklärt in Artikel 30 (Abs. 3), dass das Wissen um genozidale Vorgänge und das Ausbleiben entsprechender Gegenmaßnahmen seitens einer Regierung bereits das Verbrechen von Genozid darstellt.

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--------------------------------------------------“Genozide vor allem in Afrika werden die Weltgeschichte des 21. Jahrhunderts bestimmen, da ist sich das Zentrum für Politische Schönheit sicher.“ Die Tageszeitung “‚Mir graut vor dem historischen Urteil über unsere Zeit‘, sagt eines der Mitglieder. Kein Augenzwinkern, kein schiefes Lächeln schwächt diesen Satz ab. Wenn zukünftige Generationen fragen, was wurde zu Anfang unseres Jahrhunderts getan, um das Unglück zu verhindern, möchte das Zentrum für Politische Schönheit Teil der Antwort sein.“ Die Tageszeitung

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Bergungsarbeiten auf Lethe

Das Zentrum für Politische Schönheit barg NATO-Bomben aus dem Fluss des Vergessens (Lethe), die nicht zur Verteidigung der internationalen „Schutzzone“ Srebrenica eingesetzt wurden. Der Fund wurde vom 8.-10. Juli 2009 vor dem Brandenburger Tor und am 11. Juli 2009 vor dem Deutschen Bundestag ausgestellt. Die NATO-JDAM-Bomben hatten eine Länge von sieben Metern und waren an der Unterseite der F16-Kampfflugzeuge montiert. --------------------------------------------------„Viele Passanten schauten hin, als die Gruppe bei einer Mahnwache vor dem Brandenburger Tor meterlange Attrappen von Nato-Bomben aufstellte.“ Der Tagesspiegel ---------------------------------------------------

Das ZPS stellte sog. ’Lethe-Bomben‘ in den öffentlichen Raum, um die öffentliche Debatte zu erzeugen, die tatsächlich bislang nie stattgefunden hat: „Hier sind die Mittel, die das Leben von Menschen retten. Denken Sie bitte ernsthaft nach, ob sie bereit sind, sie einzusetzen. Welche genozidalen Folgen die kategorische Ablehnung in der Vergangenheit hatte.“ Bosnien und insbesondere Srebrenica scheinen sagen zu wollen: „Ja, Genozide sind gravierend.“ Aber einen Krieg zu führen sei wesentlich gravierender. Vor die Wahl gestellt: „Genozid“ oder „Krieg“, hat man sich mal eben für „Genozid“ entschieden. Die Konsequenzen aus dieser Entscheidung hat man sich nie vorgelegt. Das holen wir jetzt nach.

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--------------------------------------------------“Wir wollen dieser Gesellschaft die Frage stellen, was sie gegen den nächsten Genozid zu tun gedenkt.“ ZPS


Die NATO-JDAM-Bomben (7m L채nge) sind an den Unterseiten der F16-Kampfflugzeuge montiert.

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Die Re-Formation der Geschichte

--------------------------------------------------„Furioser Auftakt eines Kunstprojektes!“ rbb

2009 haben wir einen Anschlag auf den Deutschen Bundestag verübt. Zehn Thesen wurden ans Hauptportal des Deutschen Bundestages angeschlagen. Im Anschluss vereidigten wir die Warteschlange vor dem Bundestag zu (zukünftigen) Heldinnen und Helden. Der postheroische Zustand Deutschlands scheint überkommen. Die Amtsübernahme begann um 11.30 Uhr mit anschließender Pressegesangskonferenz. Da kein namhafter deutscher Autohersteller bereit war, uns einen Wagen für die Auftritte zur Verfügung zu stellen, reisten wir kurzerhand mit Pferd an.

„Aktivisten besetzten heute morgen 45 Minuten die Treppe vor dem Bundestag.“ 104.6 RTL „Ein Anschlag auf den Bundestag - mit Thesen!“ Bild „Sie sagen, sie kämpfen gegen die Vertreibung der Schönheit im Lande.“ Deutschlandfunk „Gesellschaftsritter!“ Der Tagesspiegel „GroSSe Visionen und Lebensziele sind den Mitgliedern des Zentrums für Politische Schönheit nicht fremd. Während die Sehnsüchte ihrer Generation um Karriere, Weltreise und Familie kreisen, ist es ihr erklärtes Ziel, Genozide zu verhindern. Nachdem sie dafür nahe liegende Wege wie Entwicklungshilfe, Politik oder Wissenschaft ausgeschlossen haben, lautet die Strategie Aktionskunst.“ die tageszeitung

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Thesenanschlag nicht mĂśglich: Das Hauptportal des Bundestages besteht aus Glas, Stahl und Granit.

Währenddessen bringt der Pressesinger die Lage am Boden gesanglich unter Kontrolle.

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Zeh n These n 1. In jedem Menschen steckt eine tiefr Schönen. 2. Alles Große wird aus Sehnsucht

eichende Sehnsucht nach dem

herausgeboren.

Ursachen, sondern auch von 3. Menschen werden nicht nur von Vollkommenheit sind Ziele. Zielen bewegt. Schönheit, Größe und die beiden Pole, zwischen 4. Schönheit und Hässlichkeit sind das Leben elementar abspielt.

denen sich

die se sich das Herz.“ – Daraus ziehen 5. „Ein jeder wärmt auf andere Wei rerwä z überhaupt nicht mehr zu Modernen den Schluss, sich das Her eit sind die menschlichen Erfahrunmen. Ohne das Erlebnis von Schönh gen unvollständig. wie Entomologen mit Schmetterlin6. „Dieser behandelt Schönheit so, , nagelt es fest, und nachdem dessen gen umgehen. Er fäng t das arme Tier nur noch ein lebloser Kör per prächtige Farben verblichen sind, liegt dann Ästhetik.“ (Goethe) aufgespießt da. Und das nennt sich sie aufzugeb 7. Hof fnungen sind nicht dazu da,

en.

was wir fühlen. 8. Was wir wissen, hängt davon ab, funden hat, begeht 9. Eine Seele, die keine Schönheit emp Selbstmord. 10. Seelen ohne Poesie sind eine une

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emotionalen

ntdeckte Form der Geistesk rank heit

.


03 ZIVILGESELLSCHAFt Das Forum der verlorenen Hoffnungen Das Zentrum für Politische Schönheit errichtete im Wahlkampf 2009 ein imaginäres Bergwerk vor dem Kanzleramt, um die unterdrückten Hoffnungen, Wünsche und Ziele Deutschlands „abzubauen“. Vor allem Künstler, Kriegsopfer und Flüchtlinge waren gefordert. Ein Aufruf erging bundesweit an über 1.000 Kulturinstitutionen und Hilfswerke (Literaturwerkstätten, Flüchtlingswerke, Galerien, Verlage, Vereine, Stiftungen). Das ZPS ergriff die historische Chance, die Lücke zu füllen, die die Politik mit einem völlig uninspirierten Wahlkampf hinterlassen hatte. Künstler, Einwanderer und Vertriebene sprangen ein und sollten betreiben, was jeder echten politischen Willensbildung vorangehen muss: Sehnsuchtsbildung. Nicht „Interessen“, „Meinungen“ oder ein blindgefasster „Wille“ kann im Zentrum der Politik stehen, sondern nur unsere verschütteten Ideale, unterdrückte Wünsche und verloren gegangene Hoffnungen. – Die Rohstoffe der Zukunft. --------------------------------------------------„AuSSerparlamentarische Opposition heute! Die APO des 21. Jahrhunderts, so scheint es, wird von den Künstlern übernommen. Ihre Aktionen verbreiten sich rasend schnell über YouTube und soziale Netzwerke und verschaffen den Akteuren eine Öffentlichkeit, die es so vor vierzig Jahren nie hätte geben können.“ Berliner Zeitung

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Der Redenschreiber der Kanzlerin, Matthias Graf von Kielmansegg, schaut spontan vor dem Kanzleramt vorbei.

Ver waiste Flüchtlingskinder von Xenion, einer Berliner Hilfsorganisation, verlasen ihre Wünsche und Sehnsüchte für die Zukunft.


Ruch nennt das einen patriotischen Akt; er fordert Schrift„Noch jede große Zivilisation hat irgendein Denkmal

steller, bildende Künstler und andere Kreative auf: „Hallo,

der Großzügigkeit oder Wohlfahrt der Geschichte hinterlassen.“

hilf mal deinem Land.“ In seinem Tonfall schwingt bei solchen

Frankhelm Weber, Fraktionsvorsitzender CDU/CSU im Jahre 2034

ÄuSSerungen keine Ironie mit, Ruch ist es ernst. Die Tageszeitung „Die Idee hätte besser nicht sein können!“ der Freitag „Das Zentrum für Politische Schönheit baut „Ahnungsarchitektur“ dort auf, wo auch die Kanzlerin sie nicht mehr übersehen kann. Beim Forum der verlorenen Hoffnungen soll das Volk vor dem Kanzleramt ein imaginäres Bergwerk errichten, in dem unterdrückte oder enttäuschte Sehnsüchte zu Tage gefördert werden.“ Der Tagesspiegel „Schriftsteller, Denker und Künstler stehen in der Pflicht, den Politikern auszuhelfen und das politische Vermächtnis unserer Zeit zu formulieren.“ Presseerklärung des ZPS „Was wollen er und seine Mitstreiter? Um zu verhindern, dass künftige Historiker unsere Zeit aburteilen, müssten ‚die vergrabenen Ideale geborgen, die verschütteten Wünsche freigelegt und die verlorenen Hoffnungen wiedergefunden werden’, sagt Ruch. Das seien die ‚Rohstoffe für unsere politische Zukunft’.“ Der Freitag

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Die verlorenen Hoffnungen werden von einem Podest aus CDU- und SPD-Wahlprogrammen vorgetragen.

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Europa - Der Kontinent der Melancholie

Die politische Melancholie erkletterte bei den Europawahlen am 7. Juni 2009 neue Höchststände. Das Zentrum für Politische Schönheit schickte sie deshalb in die Wahlkabine der Bundeskanzlerin. Man unterhält sich die Zeit mit „Melancholie und Gesellschaft“, einem Klassiker, in dem es um den verhinderten Zugang zur Macht und vom Handeln abgeschnittene Menschen geht. Der Mensch sei aber ein „auf Handlung angewiesenes Wesen“, so Wolf Lepenies. „Melancholie stellt sich [...] als verhinderter Zugang zur Welt und ihrer Bewältigung dar und bedeutet das Zurückwerfen des Menschen auf eine Situation, in welcher ihm Welt entzogen wird.“ Wolf Lepenies „Wofür werden wir stehen, wenn man am Ende des 21. Jahrhunderts auf unsere Zeit blickt? Womit werden wir in die Geschichtsbücher eingehen?“ Ruch hebt die Augenbrauen. „Mit der Abwrackprämie? Mit Mindestlöhnen?“ Wenn es so weiter gehe, wohl am ehesten als die Generation, die nichts mehr wollte.“ Berliner Zeitung --------------------------------------------------„Politikkunst!“ die Tageszeitung „Aktion gegen Politikverdrossenheit!“ ZDF

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Der Aufruf des Zentrums für Politische Schönheit an die Kanzlerin.


Die politische Melancholie schleppt sich hinter der Kanzlerin her – ins Wahllokal.

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14. Jahrestag „Srebrenica“

Am 14. Jahrestag des Massakers von Srebrenica gedachte das Zentrum für Politische Schönheit der Opfer und initiierte wie organisierte die EU-weit größte Gedenkveranstaltung. Es ging um ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Genozids und um ein Eingeständnis der Schuld Europas für das, was in Bosnien zwischen 1992 und 1995 geschehen ist. Eine Aktion in Zusammenarbeit mit:

Weitere Unterstützer: Tilman Zülch, Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker, Seine Exzellenz, Tomislav Limov, der Botschafter von Bosnien-Herzegowina in Berlin Prof. Dr. Hajo Funke (Freie Universität Berlin): „Srebrenica hätte verhindert werden können!“ --------------------------------------------------Die Tagesschau kam und die bosnischen Medien zeigten sich stark beeindruckt von den Solidaritätsbekundungen aus Deutschland. „Politische Schönheit? Diesen scheinbaren Gegensatz hat der Aktionskünstler und Menschenrechtler Philipp Ruch im Zentrum für Politische Schönheit vereint. Das ZPS ist ein Thinktank, der zehn weltpolitische Probleme ins Zentrum rücken will, die von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend ignoriert werden.“ tip berlin „Bomben-Attrappen statt Parteifähnchen: Das ZPS demonstriert lieber gegen die Untätigkeit der UN in Srebrenica.“ Berliner Zeitung „Die Künstler beabsichtigen, die Erosion der Erinnerung an Srebrenica einzufrieren!“ Novi List

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Die Unterstützer Von links nach rechts: Hans-Christian Schmid (Filmemacher), Aiman A Mazyek (Generalsektretär des Zentralrats der Muslime), Tilman Zülich (Präsident GfbV), Prof. Dr. Hajo Funke (FU- Berlin), Saša Stanišic,

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Cem Özdemir (Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen), Juli Zeh (Schriftstellerin), Erwin Aljukic (Schauspieler), Prof. Dr. Herfried Münkler (HU-Berlin)


Die Stiftungsaktion --------------------------------------------------„Der Vorschlag, drei Menschen mit eigenen, aktuellen Fluchterfahrungen in den Stiftungsrat aufzunehmen, ist also durchaus als ernst gemeint zu verstehen. Man habe sich in Deutschland etwas zu sehr daran gewöhnt, dass Vergangenheitsbewältigung nie etwas mit der gegenwärtigen politischen Lage zu tun hat und haben darf.“ netzpolitik.org

„Wir versuchen, die Stiftung in die Gegenwart zurückzukatapultieren.“ Dr. Robert Eckhäuser, Pressesprecher der Stiftung

Das Zentrum für Politische Schönheit besetzte zu Weihnachten 2009 interimistisch die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung und gab in einer Pressemitteilung die Erweiterung des Stiftungsrates um drei „Personen mit aktuellem Flüchtlingshintergrund“ bekannt. Zudem wolle man fortan auch die Interessen der weltweit über 42 Millionen Flüchtlinge wahrnehmen. Die größte deutsche Nachrichtenagentur dpa, die zweitgrößte polnische Tageszeitung, sowie zahlreiche deutsche Onlinemedien (ARD, FAZ, TOnline) druckten die Nachricht. Drei Tage später meldeten sich Berlins hochrangigster Kulturpolitiker André Schmitz und Altminister Christian Schwarz-Schilling zu Wort und erhoben unter Nachdruck die Forderung, nicht nur Deutsche in einer Stiftung zu beschäftigen, der es um europäische Versöhnung geht.

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Eine Brandschrift Vier Thesen über den Umgang der deutschen Medien mit Menschenrechtsthemen. (Von Philipp Ruch) These 1: Menschenrechtsorganisationen finden in den deutschen Medien kein Gehör. Alle Menschenrechtsorganisationen kämpfen mit demselben Problem: die klassischen Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit versagen ihnen unter der Hand. Pressemitteilungen werden nicht gelesen, hartnäckiges „Lobbying“ versandet im Nichts, sogar Interventionen in den Chefredaktionen führen nur zu Verlegenheitsgesten. Die Berichterstattung über die Belange und Interessen von Krieg, Hunger und Verfolgung betroffener Menschen findet im besten Falle noch an der Medienperipherie statt. Journalistinnen und Journalisten erstatten ihrer Gesellschaft keinen Bericht mehr. Dadurch wird eine ganze Gesellschaft in den Zustand von Ahnungslosigkeit versetzt. Beispiel: Am 7. Januar 2010 warnten 140 Menschenrechts- und Hilfsorganisationen vor einem Krieg im Süden Sudans. Am selben Tag vermeldete die UNO ein Massaker an 139 Zivilisten in einem Dorf im Südsudan. Die klassischen Muster für eine breit gefächerte Medienberichterstattung waren gegeben. Die deutsche Presse reagierte, mit ehrenwerten Ausnahmen wie dem Glocalist, dem Online-Angebot der Süddeutschen Zeitung und dem Berliner Kurier, mit Schweigen. Die Öffentlichkeitsarbeit von 140 Hilfsorganisationen konnte nichts ausrichten gegen die Selektionskriterien der deutschen Medien. Darauf müssen wir reagieren.

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These 2: Berichterstattung ist die mündigste Form der Erziehung. Im selben Moment, in dem sich ein bis dato gänzlich unbekannter Fußballspieler der Nationalmannschaft im Herbst 2009 vor einen Zug wirft, verhaften Fahnder des BKA sozusagen im Schatten Ignace Murwanashyaka. Der Fall ist spektakulär: Murwanashyaka war Chef ruandischer Paramilitärs im Kongo. Er organisierte und steuerte die FDLR, so der Name der Truppen, von Mannheim aus. Jahrelang. Die deutschen Behörden versuchten, ihn wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsbestimmungsrecht dranzukriegen. Das ist so, wie wenn man einem Mörder den Prozess wegen unbezahlter Abfallgebühren machen wollte. Die Geschichte des Fußballspielers landet auf den Titelseiten, der tote Nationaltorwart wird posthum zur Galionsfigur Deutschlands verklärt. Berichte über die erste Festnahme eines auf deutschem Staatsgebiet gefassten internationalen Kriegsverbrechers, nach den Bestimmungen des Völkerrechts, landete im hinteren Teil der Zeitungen. Fernsehsender zogen erst Monate später nach und mussten alle Aufnahmen aus dem Kongo mit „Archiv“ überschreiben. Weder Justiz noch Journalisten haben die Ungeheuerlichkeit genozidaler Kriegsführung wirklich verstanden. Im Kongo sind in den vergangenen dreizehn Jahren mindestens fünf Millionen Menschen gestorben. UNO, Human Rights Watch und Amnesty International warnten die Behörden ab 2001. Aber die Justiz interessierte sich nicht für Ignace Murwanashyaka. Und die Medien, die auf die Behörden hätten Druck ausüben können, auch nicht. Wir beklagen uns nicht über die Boulevardmedien: Die „seriösen“ Medien haben jedes Maß für ausgewogene Berichterstattung verlo-

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ren. Sie berichten über 13 Tote in Fort Hood, nicht aber über 138 Tote in Guinea (Massaker vom 28. September 2009). Sie berichten über fünf Opfer der Schweinegrippe, nicht aber über 50.000 Tote, die die weltweit grassierende „Hungergrippe“ Tag für Tag fordert. Unnötig Gestorbene. Wir hätten ihren Tod verhindern können. Die medialen Auswahlkriterien kommen in den Augen aller, die sich für die Menschenrechte einsetzen, einer Kriegserklärung gleich. Worüber einer Gesellschaft Bericht erstattet wird, ist eine Form der Erziehung. Womöglich die dezenteste. Was lernt ein Jugendlicher über den Wert des Menschen aus der Presse? Was ihm vorgelebt wird, ist dies: dass 13 Tote in Amerika „irgendwie“ mehr wert sind als 130 Tote in Guinea. Dass der Tod eines bis dato völlig unbekannten und unbedeutenden Nationalspielers der Fußballmannschaft „irgendwie“ berichtenswerter ist als der Tod von 100 Menschen am Tag, die vor der „Festung Europa“ ertrinken. Deutschland ist der drittgrößte Waffenhändler der Welt. Im Wahlkreis des Chefs der CDU/CSU-Bundestagsfraktion befindet sich ein Unternehmen, dass die zweitmeistgebrauchte Waffe nach der Kalaschnikow produziert. „Made in Germany“ bedeutet in den Krisengebieten dieser Welt eben nicht „BMW“ oder „Mercedes“, sondern „G3“: ein deutsches Sturmgewehr. Die Medien tanzen wie ein afrikanischer Stamm um die Fetische „CDU“ und „SPD“ (die sie mit Politik verwechseln). Politik ist die höchste Form der Kunst, hat Schiller einmal gesagt. Die Politiker dieses Landes sind in ihrem Fetischismus unerträglich: sie opfern sich monatelang für die weltweit 25.000 Angehörigen des Volksstammes „Opel“ auf, anstatt diese Energien in unser aller Zukunft zu investieren.


Lange vor der „Finanzkrise“ sagte ein deutsches Mädchen, gefragt danach, wie sie die Zeit empfinde, in der sie lebe: „Seit ich denken kann, herrscht Krise.“ Uns würden die Gefühle dieses Mädchens heute, drei Jahre und siebzehn Krisen später, interessieren. Die Quittung für diesen Exzess, diese Hysterie, diese journalistische Maß-, Regel- und Verantwortungslosigkeit wird uns alle erreichen, wenn diese Generation politische Entscheidungen zu treffen hat. Eine Aufgabe, die von heutigen Politikern keineswegs beispielhaft vorgelebt wird. Wenn die Jugendlichen des reichsten und mächtigsten Landes der EU, eines Landes, dessen wirtschaftliche Leistung sich seit 1960 verdreifacht hat, überzeugt sind, in einer instabilen ökonomischen, politischen oder mentalen Welt zu leben, worin befinden sich geschätzte drei Milliarden der Weltbevölkerung, die von Hunger, Tod und politischem Wahnsinn verfolgt werden? These 3: Selbst Tiere werden von Deutschland politisch besser geschützt als Menschen. Es ist eine unausgesprochene Tatsache, dass im Jahre 2010 in Deutschland selbst Tiere politisch besser geschützt werden als Menschen. Es erinnert an den Zoo von Sarajevo, wo während der dreijährigen Belagerung ein Gorilla von einem serbischen Scharfschützen erschossen wurde. Der Tod des Gorillas brachte eine mediale Lawine ins Rollen, die 11.000 Tote Bosnierinnen und Bosnier zuvor nicht in Gang bringen konnten. „Gorilla müsste man sein“, zitiert auch Hans Christoph Buch seinen ruandischen Fahrer 1994. „Heute geht es ihnen besser als uns Menschen; sie leben in Reservaten, sind vor Wilderern geschützt und bekommen regelmäßig zu fressen.“ Dieser Nachrichtenselektionsmechanismus kommt einer Kriegserklärung gleich.

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Ein Teil der Schuld liegt in der Natur der Sache: Menschenrechtsverletzungen, bei denen so viel mehr als „Rechte“ verletzt werden, müssen zunächst dokumentiert werden, sich den Weg aus der politischen Zensur bahnen. Danach erschöpfen sich die Kräfte der etablierten Menschenrechtsorganisationen. Amnesty International versendet als Gegenstrategie Briefe aus den reichsten Weltteilen an die Diktatoren der Welt. Human Rights Watch schreibt erstklassige Berichte. Aber keine dieser Organisationen trägt „Wissen“ auf die Strasse. Keine hat es geschafft, beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Präzedenzklage einzureichen gegen die EU-Mitgliedsstaaten wegen gezielter Tötungen zur „Sicherung“ der Außengrenzen. Keine Organisation ist auf die Idee gekommen, Rettungsinseln für die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer zu bauen. These 4: In Deutschland fehlt ein „Greenpeace“ der Menschenrechte. Wenn einen die Nachrichtenselektionsmechanismen anwidern, hat man zwei Möglichkeiten als Menschenrechtler: Entweder weiterhin an den Bildungsauftrag von Journalisten appellieren, dass Menschen tagtäglich sterben, gerade weil wir nichts dagegen unternehmen. Oder die Journalisten bedienen mit Lärm, Sensation und Hysterie. Eine eigentümliche Verbindung, wie sie Greenpeace in den 1990ern für die Umweltthemen erfolgreich vorgelegt hat. Deutschland besitzt heute die umtriebigsten Umwelt- und Tierschützer. Fehlt da nicht etwas?


Memorandum Of Understanding Das Zentrum fĂźr Politische SchĂśnheit hat einen ad hoc MaĂ&#x;nahmenplan in Form eines Arbeitspapiers zusammengestellt, der die wichtigsten Vorkehrungen gegen Genozide auflistet. Das Papier soll als Memorandum of Understanding bis 2012 von der Bundesregierung unterzeichnet werden.

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--------------------------------------------------“Innerhalb von zwei Jahrzehnten werde es Völkermord in nie dagewesenen Ausmassen in Afrika geben. Aber in Deutschland

YouTube Videoaufrufe gesamt 17.000 (97 % zwischen 25-34 Jahre)

kümmere das niemanden, weil alle mit der Rettung von Opel beschäftigt seien.“ Novi List

04 Social Impact

2. Email-Verteiler

Facebook, YouTube & Co.

Newsletter-Abonnenten 5.500

Das kommunikative Herz des Zentrums für Politische Schönheit besteht 1.) aus den zahlreichen Freunden, Zuschauern und Sympathisanten und 2.) aus den Email-Verteilern.

Presse 800 Politik 700 Kulturinstitutionen 900 Blogs 200 Humanitär 3.000 Stiftungen 1.500 Galerien 1.000 Bosnien 2.200 Kongo 800

1. Social Networks Facebook Nina van Bergen 3.500 Philipp Ruch 1.900 Breaking News Erschütterung 1.800 Fangruppe 2.800 (Total 10.000) Twitter 500 Myspace 550 Gesamt Social Networks 10.150

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www.politicalbeauty.de (seit Mai 2009) Besucher (Unique Visitors) 138.602 Pageloads 592.598


05 MItgliederprofile

Lara Stepanovic, geb. 1978, ist freie Art Direktorin mit bosnischem Migrationshintergrund. Sie begann nach der Waldorfschule in Berlin ihren be-

Philipp Ruch, geb. in Dresden, Deutsche und Schweizer Staatsbürgerschaft, studierte von 2003 bis 2009 bei Prof. Herfried Münkler politische Theorie und bei Prof. Volker Gerhardt Philosophie, daneben Geschichte, Kulturwissenschaft und Germanistik. Zuletzt arbeitete er am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Forschungsbereich Geschichte der Gefühle (Prof. Ute Frevert). Für seine politische Arbeit dankte ihm zuletzt der Außenminister Bosnien-Herzegowinas in der größten Tageszeitung des Landes (Oslobodenje). Von 2001 bis 2003 leitete er in Zürich die Kinofilm-Kampagnen von Roman Polanskis „Der Pianist“ und Takeshi Kitanos „Dolls“ (Frenetic Films Zürich). Bei der Zwischennutzung des Palasts der Republik in Berlin gründete und kuratierte er 2004 und 2005 das Kunstfilmfestival Die Nacht der 7 Traurigkeiten. Ruch ist zudem Autor mehrfach gefeierter Experimentalfilme und Gründer des Zentrums für Politische Schönheit.

ruflichen Weg mit informationstechnischen Ausbildung, studierte später Mediendesign und arbeitete u.a. bei Christoph Schlingensief, in Werbeagenturen, Verlagen und für den SPD-Wahlkampf 2009. Sie half im vergangenen Jahr zwei Monate vor Ort beim Aufbau einer Schule in Kenia und lehrte in Äthiopien Englisch und den Umgang mit dem PC. Sie ist übrigens für die Gestaltung dieser Pressemappe verantwortlich.

Firas Sabbagh, in erster Linie Mensch, halb Palästinenser, halb Deutscher. Studierte Tonstudiotechnik und Mediengestaltung. 2 Jahre Chefcutter von Al Jazeera Deutschland, bevor er als Soundingenieur, Kameramann und Produzent zum ZPS kam. Schon in jungen Jahren legte er sich durch naives Aussprechen von Gedanken mit Autoritäten an. Dabei entwickelte sich seine Berufung herauszufinden, warum die meisten nach der Wahrheit fragen, sie jedoch nicht hören wollen

Mensud Bjelosevic, geb. in Freiburg/Breisgau, lebte von 1983–1992 in Sarajevo, freier Mitarbeiter u.a. für Novartis Pharma Basel, Tent Event, Parkhotel Adler, Samsung. Als Projektleiter arbeitet er derzeit für ein renommiertes Berliner Eventunternehmen und betreut u.a. Italia Cinema, SAECO, SMACK und die italienische Botschaft. Bjelosevic ist der organisatorische Mastermind des Zentrums für Politische Schönheit.

oder ausflippen wenn man sie ihnen schenkt.

Stefanie Talaska, geb. 1985, Marketingchefin des Zentrums Für Politische Schönheit. Studium der Linguistik und Gender-Studies in den Bereichen Medienkommunikation, Gesprächsanalytik und Subjektkonstitution. Als strategische Planerin und Markenberaterin berät sie hauptberuflich erfolgreich Unternehmen. Seit diesem Jahr leitet sie die Marketingkampagnen mit Blick auf Aufmerksamkeits- und Reichweitenstärke sowie Kohärenz.

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Tania Mourinho, geb. 1974, studierte von 1997

glied des Kumulus e.V., wo er Projekte in den Bereichen Demokratie und

bis 2004 Comunication Graphique und Szenographie

Entwicklungspolitik in Deutschland leitet, darunter das größte deutsche

an der Kunsthochschule „La Cambre“ in Brüs-

Schulprojekt zur letzten Bundestagswahl („Juniorwahl“) und die United

sel und an der Kunsthochschule „Weissensee“ in

Nations Interagency Initative („Chasing the Dream“).

Berlin. Als Meisterschülerin wurde sie von Prof. Matthias Gubig und Prof. Alex Jordan betreut. Die

Karzan Chindari, Schauspieler und Autor, ge-

Nafög-Stipendiatin begann 2005 mit der Konzepti-

boren in Duhok (Kurdistan-Nordirak). Seit 1990 in

on und Leitung EU-finanzierter, interdisziplinärer

Deutschland. Aufgewachsen in Lübeck, beruft sich

Projekte, wie „Ehrensache“ (2005, 2006) und „Heimatsache“ (2007). Seit

auf seinen Ur-Ur-Urgroßvater, von dem niemanden

2007 arbeitet sie als Dozentin an dem ESB Mediencollege in Berlin und lei-

wusste, woher er kam. Er soll jüdische Wurzeln ge-

tet ebenfalls verschiedene Workshops. Tania Mourinho war an zahlreichen

habt haben, wurde Moslem, Scheich und einer der

Ausstellungen beteiligt – u. a. mit dem Zentrum für Politische Schönheit im

reichsten Menschen im Dorf. Er soll sogar Kriege

Berliner Kunstsalon. 2009 wurde sie zum Festival International de l‘Affiche

geführt haben. Chindari, das sind zwei Wörter: Chin

et du Graphisme nach Chaumont eingeladen und hält seitdem Vorträge über

- Blut. Dar - Schuld. Blutschuld. Und die glaubt er zu haben, wenn er nichts

politische Verantwortung im Bereich Design.

gegen Unmenschlichkeit unternimmt.

Nina Moser, geb. 1982 in der Schweiz. Schau-

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spielerin. Seit 2006 wohnhaft in Berlin, wo sie die

Susanne Schmidt, seit 1976 in Berlin. Erzie-

Filmschauspielschule besuchte. Hauptdarstellerin

herin, Autorin, Stadtführerin, Mutter zweier Kinder

für Filme in ZDF und 3sat. Neben der Schauspielerei

und graue Eminenz des ZPS. Sie sagt: „Die verlo-

vollführt sie Vertikaltuchakrobatik und interessiert

rene politische Würde kann mit Kreativität, Poesie

sich für Politik, Menschen und Gesundheit. Sie ist

und Mut wiedergefunden werden. Holen wir uns die

die informelle Bundeskanzlerin Deutschlands und

Nächstenliebe zurück. Ich vertraue dem unbeding-

irritiert Menschen mit durchdringender Schärfe.

ten Wunsch nach Frieden.“

Sascha Müller, Diplom-Volkswirt beim GTZ

Devid Mrusek, geb. in Frankfurt/M., Studium

Um-weltprogramm in Kolumbien, Berater der Dele-

der Chemie in Zürich und Berlin. Kollegiat des

gation der Europäischen Kommission bei der UNO in

Theodor-Heuss-Kollegs (Robert Bosch Stiftung).

New York, sowie in unterschiedlichen mehrjährigen

Autor in studentischen Publikationen und Gründer

Studien- und Forschungsaufenthalten in Latein-

mehrerer Initiativen zur Förderung von Vorhaben

amerika. Derzeit Promotion in Wirtschaftswissen-

an der Schnittstelle zwischen politischer und zivil-

schaften am Lateinamerika-Institut. Vorstandsmit-

gesellschaftlicher Bildung („Politik ist eine Kunst“).


Stephan Müller, geb. 1981 in Rüdersdorf bei

Florian Pischetsrieder, geb. 1980 in Mün-

Berlin. Sein Film „Fliegenpflicht für Quadratköpfe“

chen, studierte 2000-2008 an der Bauhaus-Univer-

gewann im In-und Ausland über 50 Preise. Im Jahr

sität Weimar und am Illinois Institut of Technology

2004 begann er sein Studium an der Hochschule für

in Chicago. Studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl

bildende Künste Hamburg. Seit 2006 arbeitet er als

für Geschichte und Theorie der Architektur unter

freier Regisseur und dreht Musikvideos, Image-

Prof. Kurt W. Forster in Weimar. Abschluss mit dem

filme und Werbeclips. 2008 erfuhr er die Ehre in

Diplom der Architektur bei Prof. Kari Jormakka an

die Jury beim renomierten Animationsfilmfest in

der BUW 2008 mit Auszeichnung. Mitarbeit bei Ben van Berkel/ UNStudio

Annecy(fra) berufen zu werden und entschied zusammen mit Matt Groe-

in Amsterdam 2006/2007. Seit 2009 Mitarbeit bei Silvia Gmür Architekten

ning (Simpsons) und Richard Williams (Roger Rabit) über die Vergabe der

in Basel. 2009 Gründung vom Büro für Architektur OFA mit Moritz Agné zur

Filmpreise.

Projektierung eines Auftrags des Zentrums für politische Schönheit in Berlin. Stipendium Leonardo da Vinci, DAAD. Studienabschluss ausgezeichnet mit dem Baumeister-Stipendium 2008

Moritz-Philipp Yoffrey August Agné, geb. 1981, seit Dezember 2008 im Architekturbüro Silvia Reto Gmür Architekten in Basel. Von 2001 bis

Jobst C. Wellenkamp, einer von drei Rechts-

2007 Studium der Architektur an der Bauhaus Uni-

anwälten des Zentrums für Politische Schönheit.

versität Weimar. 2005 absolviert er ein 6monatiges

Geb. 1974. Studium Rechtswissenschaft Bonn, Lau-

Praktikum im Architekturbüro Christian Kerez in

sanne, Master of Arts, Mandate im Bereich Vertrieb

Zürich. Mit dem Projekt der Umnutzung einer alten

(Marketing), Mode, Künstler.

Fabrikhalle in ein Großraumbüro gewann er den Lettischen Architekturpreis.

Peter Ahlhorn, geb. 1985 in Lübeck, machte sich nach seinem Schulabschluss 2004 an einige investigative Ermittlungen bei der Bundeswehr (2004 - 2005) und bei der Polizei (2006). Danach widmete er sich den Sozialwissenschaften - unter anderem Psychologie und Sozialpädagogik.

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Š 05/2010

Portfolio 2009  

Zentrum für Politische Schönheit

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