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Südwestdeutsche Philharmonie konstanz


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EDITORIAL

intendant beat fehlmann

Headline Von Tumulten wird im Zusammenhang mit Musik oft aus vergangenen Zeiten berichtet. Dabei soll es bei Uraufführungen im Saal teilweise sehr lebhaft, eben tumultartig zugegangen sein. Man erzählt von einem der prominentesten Eklats im Zusammenhang mit der Aufführung von Strawinskys Le Sacre du Printemps. Dies ist aber mittlerweile auch schon über hundert Jahre her. Gab und gibt es in der näheren Vergangenheit oder gar der Gegenwart keine solchen Vorkommnisse mehr? Bei Opern­ aufführungen werden manchmal Regisseure oder allenfalls Dirigenten, viel seltener Sängerinnen oder Sänger ausgebuht. Das ist dann aber auch schon die extremste Unmutsbekundung, die im kulturellen Bereich zu vernehmen ist. Hat also die Kunst oder zumindest die Musik an Biss und Relevanz verloren oder hat sich die Gesellschaft dahingehend verändert, dass man sich nicht mehr aufregt? Letzteres wäre dann entweder als Kapitulation gegenüber der Beeinflussbarkeit des Daseins gleichzusetzen oder einer Entwicklung in eine nächste Stufe der Sublimierung, welche keine Kraftworte mehr benötigt, um eine andere Meinung zu bekunden.

Ich empfehle Ihnen, es zu genießen

Aus meiner Sicht nicht neutral verhalten sich zu dieser Frage die Sozialen Medien. Denn auf diesen Kanälen hat jeder die Möglichkeit, seine Meinung äußern zu können und diese fast ungehindert zu verbreiten. Eine Reichweite, die also deutlich über die Dimension einer Konzerthalle hinausgeht. An dieser Stelle ist vielleicht tatsächlich eine Gesellschaftsveränderung zu beobachten. Sich aufregen, sich auslassen geschieht so ja ausschließlich durch das geschriebene Wort. Eine Reaktion folgt direkt durch einen Folgekommentar. Gefühlsregungen werden so zwar öffentlich ausgebreitet aber immer intim verarbeitet. Ein Tumult kann in diesem Kontext höchstens noch an der Stelle von zeitlicher Überlappung zwischen Antwort und Kommentar entstehen. Ansonsten läuft alles zeitlich geordnet und nachvollziehbar ab. Ein richtiges Getümmel kann deshalb ohne unmittelbare menschliche Interaktion nicht entstehen und genau an dieser Stelle kommen aus meiner Sicht die Künste wieder ins Spiel. Denn ein Konzert der Südwestdeutschen Philharmonie können Sie nur live erleben. Dazu müssen Sie mit anderen Menschen zur selben Zeit am selben Ort sein. Ich werde Sie an dieser Stelle nicht zu einer Revolution im Konzertsaal ermuntern, aber ich empfehle Ihnen, es zu genießen, wenn sie etwas erleben, das Ihnen zu denken gibt. Sie wissen dann, dass doch nicht alles selbstverständlich ist und können sich gemeinsam – ohne Filter – mit anderen Menschen eine Meinung bilden und eine Haltung einnehmen. Für mich ein schönes Gefühl, welches ich nicht missen möchte. Ich freue mich deshalb auf Sie und bin gespannt was passieren wird! Ihr Beat Fehlmann


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DIE KONZERTE 6 RÜCKZUG Johan Halvorsens Passacaglia für Violine und Viola gehört zu den Werken  8 DER ALLERKLEINSTE TANNENBAUM Einsam und traurig steht der kleine Tannenbaum  10 TUMULT Franz Joseph Clement veranstaltete am Dienstag, dem 23. Dezember 1806, im Theater an der Wien  19 GENIAL I UND II Den Anfang der Symphonie kennt jeder, er taucht in der Werbung auf  20 WONNE UND FREUDE Lauter Wonne, lauter Freude heißt die Programmtitel gebende Kantate  22 UNLIMITED Gespanntheit, Vorfreude, ein klein wenig Aufregung  24 NEUJAHRS­ KONZERT Die Südwestdeutsche Philharmonie setzt ihren erfolgreichen Kurs fort  30 HIEROGLYPHEN Für manche mögen Noten wie Hieroglyphen wirken  34 WOLFGANG AM SEE I – SALZBURG Es gibt nicht eben wenige Menschen  36 WOLFGANG AM SEE II – PRAG Bei Mozart ist es nun der Fall  38 WOLFGANG AM SEE III – LINZ Keine Frage, Mozart war ein Workaholic  41 NAFTULE UND DIE BREMER STADT­ MUSIKANTEN Der unternehmungslustige Naftule begegnet  42 SINN-FONISCHES PHASTNACHTS­ KONZERT Zurückgekehrt von der letztjährigen Flucht ins Land  44 WANDLUNGEN Es gibt viele Wege in die musikalische Gegenwart  46 HOSIANNA Es gibt Geschichten, die klingen so unglaublich

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MUSIPEDIA

Mit beschränkten Möglichkeiten Die Notation von Musik hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt und perfektioniert. Dabei bedingen sich der musikalische Ausdruck und die Notation auf eine nicht genau zu definierende Art und Weise. Das gängige System zeigt eine klare Präferenz für die Werte Tonhöhe und Dauer. Beide Größen werden in der Darstellung auf fünf Linien sehr präzise dargestellt. Schon deutlich relativer und ungenauer wird die Sachlage im Bereich der Lautstärke (Dynamik). Es gibt zwar Abstufungen, diese bleiben aber relativ. Die Frage ist also: Wie leise ist leise, etwas mehr oder doch noch etwas weniger? Auch Faktoren wie Klangfarbe können im traditionellen System nur sehr approximativ abgebildet werden. Aus diesem Grund sind einige Komponisten der Gegenwart dazu übergegangen, nicht das Resultat, sondern die Produktionsweise des Klanges

abzubilden. Das sieht dann teilweise aus wie auf einem Bauplan von Ikea, zusätzlich versehen mit einer Zeitleiste. Sie müssten sich also beim Zusammenbauen sehr genau an die Zeitangaben halten und die Schrauben nicht langsamer oder schneller eindrehen. Egal wie man es macht, es handelt sich bei Notation von Musik immer um einen Übersetzungsprozess mit unterschiedlichen Qualitäten und beschränkten Möglichkeiten. Auch verhält sich die Systematik der Darstellung nie ganz neutral zum musikalischen Ausdruck. Beides entwickelt sich deshalb in einer Abhängigkeit beständig weiter.

Wie ein Bauplan von Ikea

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KAMMERKONZERT

Donnerstag, 30. November 2017 | 18 Uhr | Tertianum Konstanz Karten: 18 Euro · ermäßigt 14 Euro

Rückzug Johan Halvorsen 1864 – 1935 Passacaglia für Violine und Viola über ein Thema von Georg Friedrich Händel Béla Bartók 1881 – 1945 Sonate für Violine-Solo Sz 117 Tempo di ciaccona Fuga. Risoluto, non troppo vivo Melodia. Adagio Presto PAUSE Dmitri Schostakowitsch 1906 – 1975

Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110 Largo Allegro molto Allegretto Largo Largo

Katharina Vogt violine Johannes Grütter violine Klaus Valcu viola Ilija Andrianov violoncello

Barocke Wucht Johan Halvorsens Passacaglia für Violine und Viola gehört zu den Werken, bei denen man so richtig aus dem Vollen schöpft. Halvorsen, der seine Karriere als 15-jähriger Autodidakt in einem Theaterorchester begann, war ein Mann mit unfehlbarem Gespür für Effekte; hier für die geglückte Kombination aus barocker Wucht, romantischem Parlando und mitreißender Klangraserei. Man könnte daher sagen: Der Kammermusik-Abend beginnt mit einer klassischen Zugabe. Wer sich das dramaturgisch traut, muss etwas Besonderes in der Hinterhand haben. Und in der Tat: Mit Béla Bartóks Sonate für Violine-Solo, geschrieben wenige Monate vor dem Tod des ungarischen Meisters, und Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 c-Moll bringen die Musiker absolute Spitzenwerke der Kammermusik des 20. Jahrhunderts auf die von Halvorsen bereitete Bühne. Halvorsen nutzt mit der Passacaglia ein musikalisches Modell, das im 19. Jahrhundert einen steilen Wiederaufstieg erlebte. Ursprünglich war die Passacaglia ein barocker Tanz, der den Schwung des Dreiertakts mit der melancholischen Emotionalität der Moll-Tonarten mischte – aber irgendwann als altmodisch galt und in Vergessenheit geriet. Heute ist die Passacaglia sein bekanntestes Werk, schon bei der Uraufführung ließ er es sich nicht nehmen, selbst an der Viola zu brillieren. Während Halvorsens Passacaglia in einer von Optimismus geprägten Lebenssituation entstand, schrieb Bartók seine Sonate für Solo-Violine zehn Monate vor seinem Tod, bereits gezeichnet von einer schweren Blutkrebserkrankung. Umso beeindruckender sind die Vitalität und Energie, die auch dieses Werk kennzeichnen. Wer gleich zu Beginn strukturelle Ähnlichkeiten mit Halversons Passacaglia zu hören meint, liegt nicht daneben: Die Chaconne oder Ciaconna ist der Pasacaglia so eng verwandt, dass die Abgrenzungsversuche Gegenstand langwieriger


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Ein klares Statement gegen den Antisemitismus

Fachdebatten sind. Bartóks Passacaglia ist dabei über weite Strecken so gebaut, dass das Thema und dessen darüber liegende Variationen gleichzeitig erklingen – sozusagen eine mono-instrumentelle Mehrstimmigkeit, die extrem hohe Spielanforderungen stellt. Mit Yehudi Menuhin war es allerdings auch ein ganz besonderer Virtuose, für den Bartók die Sonate komponierte – als Auftragsarbeit, mit der Menuhin Bartók in dessen schwieriger Lebenslage unterstützen wollte. Denn nicht nur die Krankheit zerrte an ihm, auch das erzwungene Exil in den USA. Vier Jahre vor der Komposition der Violinsonate war Bartók aus Ungarn geflohen, wo er, gemeinsam mit anderen Prominenten, öffentlich gegen die rassistischen »Judengesetze« protestiert hatte. Schon lange galt er in seinem Heimatland als politischer Opponent, zumal er dem Musikdirektorium der Ungarischen Räterepublik angehört hatte. Anstoß an Bartóks Arbeit nahm auch Konrad Adenauer: Als Oberbürgermeister von Köln ließ er 1926 die Aufführung von Bartóks Ballett Der wunderbare Mandarin aufgrund »sittlicher Bedenken« verbieten. Heute gilt die Violin-Solosonate, Bartóks letzte vollendete Kammermusik, als Klassiker. Den Abschluss macht Dmitri Schostakowitschs bekanntestes Streichquartett, die Nr. 8 in c-Moll, mit der Widmung »in Gedenken an die Opfer des Krieges und Faschismus«. Es ist sein einziges im Ausland geschriebenes Werk und entstand, nachdem der Komponist 1960 auf Einladung der DDR-Regierung das zerstörte Dresden besucht hatte. Allerdings war Schostakowitsch zu diesem Zeitpunkt auch mit anderen Dingen beschäftigt, die ihn schwer belasteten: Zum einen mit seiner Gesundheit, die nicht nur wegen einer Rückenmarkserkrankung, sondern auch durch die Verhöre des stalinistischen Geheimdienstes schwer gelitten hatte. Zum anderen mit seinem aufgenötigten Eintritt in die KPdSU: Schostakowitsch hatte allen Grund, sich auch selbst als Opfer zu fühlen. Und in der Tat schrieb er in einem, erst vor wenigen Jahren bekannt gewordenen

Brief in Bezug auf die Partitur des Streichquartetts: »Man könnte auf seinen Einband auch schreiben: ›Gewidmet dem Andenken des Komponisten‹.« Diese Selbst-Zuschreibung kann man auch hören: Das Streichquartett beginnt mit den Tönen D-ES-C-H, der Signatur des Künstlers. Die autobiographischen Dimensionen sind auch im weiteren Verlauf des Quartetts hörbar: Schostakowitsch zitiert aus seiner ersten und fünften Symphonie, aus seinem Revolutionslied Gequält von schwerer Gefangenschaft, aus seinem Cellokonzert Nr. 1, seiner Oper Lady Mcbeth von Mzensk, die Stalin wegen »linksradikaler Zügellosigkeit« und »kleinbürgerlichen Neuerertums« verbieten ließ, sowie aus dem Klaviertrio Nr. 2, das deutlich hörbar jüdische Musiktraditionen verarbeitet – ein klares Statement gegen den auch in der Sowjetunion grassierenden Antisemitismus. Schostakowitsch komponierte das Streichquartett innerhalb von drei Tagen, auf einer Parkbank des Gästehauses des DDR-Ministerrats im sächsischen Gohrisch. Ungewöhnlich für das Genre, dass es fünf Sätze enthält. Noch unüblicher ist jedoch, dass alle »attaca« miteinander verbunden sind. So entsteht ein weit gedehnter Spannungsbogen, der diesen schon hoch einsteigenden Kammermusikabend wirkungsvoll beschließt. Henning Bleyl


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Luziakonzert

Werke von Schönberg, Martin, Ešenvalds und Hillerud Samstag, 9. Dezember – 20:00 h Sonntag, 10. Dezember – 16:00 h v Münster Konstanz

Anita & Alexandra Hofmann Seelenmomente zur Weihnachtszeit

Mittwoch, 20. Dezember – 19:00 h Münster Konstanz

Silvesterkonzerte

Festliche Trompetengala zum Jahresausklang Samstag, 30. Dezember – 20:00 h Silvester, 31. Dezember – 22:00 h Münster Konstanz

Vorverkauf › Buchkultur Opitz, St. Stephansplatz 45, KN

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SITZ- N K I S S E RT E E KO N Z T U M JETZ

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eduART SITZKISSENKONZERT Samstag, 2. Dezember 2017  |  11, 14 und 16 Uhr Wolkenstein-Saal im Kulturzentrum am Münster Geeignet für Kinder ab 4 Jahren. Karten: Erwachsene 10 Euro · Kinder 5 Euro · Familien 20 Euro

Der allerkleinste Tannenbaum Einsam und traurig steht der kleine Tannenbaum im Wald. Seine großen Brüder wurden alle zum Weihnachtsfest in die Stadt abgeholt, nur er wurde einfach stehengelassen. Dabei möchte er doch so gerne am Heiligabend geschmückt mit Kerzen ein Haus erleuchten. Bald kommen Vogel und Esel vorbei. Mitfühlend stehen sie dem winzigen Bäumchen zur Seite. Dann fängt es plötzlich leise an zu schneien – beste Voraussetzung für ein etwas anderes, ganz besonderes Weihnachtsfest!

»Da begannen der Vogel und der Esel ihr liebstes Weihnachtslied zu singen. Als die anderen Tiere den Gesang hörten, verließen sie ihre Verstecke im Wald und in den Wiesen und machten sich alle auf den Weg. Auch sie wollten dort sein, wo so schön gesungen wurde …«

Anna Hertz schauspielerin Circolo Quartett Kyoko Tanino violine | Pawel Katz violine | Margit Bonz viola | John Wennberg violoncello


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PHILHARMONISCHES KONZERT

Freitag, 8. Dezember 2017 | 19.30 Uhr | Konzil Konstanz | Abo C Sonntag, 10. Dezember 2017 | 18 Uhr | Konzil Konstanz | Abo D Mittwoch, 13. Dezember 2017 | 19.30 Uhr | Konzil Konstanz | Abo A Einführungsvortrag eine Stunde vor Konzertbeginn. Konzertdauer: ca. 110 min. Karten: 48 ∙ 38 · 28 · 18 Euro  |  Inklusive kostenlose -Benutzung zu den Konzerten im Konzil

Tumult Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791

Ouvertüre zu Die Zauberflöte Es-Dur KV 620 Ludwig van Beethoven 1770 – 1827

Violinkonzert D-Dur op. 61 Allegro ma non troppo Larghetto Rondo: Allegro PAUSE Wolfgang Amadeus Mozart

Symphonie g-Moll KV 550 Allegro moderato Andante Menuetto Allegro assai

Kolja Blacher violine und leitung

Der Übermenschliche Franz Joseph Clement (1780 – 1842) veranstaltete am Dienstag, dem 23. Dezember 1806, um 18.30 Uhr im Theater an der Wien »Eine große musikalische Akademie« zu seinem eigenen »Vortheil«. Karten dazu konnte man tagsüber in seiner Wohnung beim Schwarzen Bären erwerben, wozu man sich dort im Haus Nr. 456 in den ersten Stock zu bemühen hatte. Das Programm dieses Konzerts »mit Verstärkung« des Orchesters und einiger Gesangssolisten war bunt gemischt: Zu den acht Programmpunkten zählten drei Werke von Méhul und Cherubini, Stars der Opernszene im revolutionären und postrevolutionären Paris. Außerdem gab es Mozart und Händel, und da Herr Clement ein großer Geiger war, kündigte er laut Programmzettel auch an, »eine Sonate auf einer einzigen Saite mit umgekehrter Violin« spielen zu wollen. Wer mit einem Konzert Geld verdienen wollte, musste dem Affen einfach Zucker geben, auch wenn er dadurch bei der Kritik nicht gut ankam. »Der gebildeten Welt fiel es auf, wie Klement sich zu manchen Schnacken und Possen herabwürdigen konnte, um etwa den Pöbel zu ergötzen«, merkte ein Kritiker süffisant an. Man vergesse im Konzertsaal wie im wirklichen Leben nie: Der »ungebildete Pöbel« sind immer die anderen. Diese »Akademie« wäre heutzutage völlig vergessen, wäre der zweite Programmpunkt nicht die Uraufführung eines Auftragswerks von Clement gewesen: »Ein neues Violin-Concert von Herrn Ludwig van Beethoven« (es sollte sein erstes und einziges bleiben). Diese Zusammenarbeit der beiden kam nicht von ungefähr, denn Clement, Konzertmeister des Theaters an der Wien und auch als Pianist und Dirigent tätig, hatte bereits bei einigen anderen Beet­ hoven-Aufführungen mitgewirkt, unter anderem im April 1805 an der ersten öffentlichen Aufführung von Beethovens 3. Symphonie, der Eroica. Man sagte Clement seitdem ein großes diplomatisches Geschick nach, denn er verstand


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Der ungebildete Pöbel sind immer die Anderen

es, in kritischen Situationen bei Proben und Aufführungen als »virtuoser Mittler zwischen dem grollenden Komponisten und dem murrenden Orchester« zu fungieren. Mit Beethoven zu arbeiten war bekanntlich nicht immer ganz einfach, auch nicht von der menschlichen Seite her. Die Aufführungsbedingungen des Violinkonzerts waren an diesem vorweihnachtlichen Abend alles andere als ideal: Beethoven hatte an dem für seine Verhältnisse sehr schnell entstandenen Werk bis wenige Tage zuvor gearbeitet, so dass an gründliches Probieren vermutlich nicht zu denken war. Dass Clements Geigenspiel mittlerweile als etwas angestaubt galt, weil er mit seiner veralteten Bogentechnik einen eher kleinen, kurzatmigen Ton produzierte, fiel im konservativen Wien nur wenigen auf. Auch das Orchester, das er für diesen Abend zusammengetrommelt hatte, war eine Mischung aus Profis und besseren Laien und hätte unseren heutigen Ansprüchen kaum genügt. Es gibt Zeitgenossen, die behaupten, Clement habe das Werk ohne vorherige gemeinsame Probe mit dem Orchester mehr oder minder vom Blatt gespielt. Das ist aber schwer denkbar, denn einerseits ließ sich Beethoven, der selbst eine Basis-Ausbildung auf Streichinstrumenten genossen hatte, wohl während der Komposition im November 1806 von Clement beraten, so dass jener das Stück von dieser Zusammenarbeit her kannte. Andererseits stellt das Violinkonzert op. 61 (entstanden direkt nach der 4. Symphonie op. 60) in jeder Hinsicht gegenüber den Konzerten etwa Haydns und Mozarts eine Zuspitzung dar: Sowohl die Dauer als auch die musikalischen und technischen Anforderungen sind ganz erheblich gewachsen, so dass es kaum jemand vom Blatt gespielt haben dürfte. Mit diesem op. 61 beginnt nicht umsonst die Reihe der drei Violinkonzerte des 19. Jahrhunderts, die es dauerhaft ins ernste Repertoire schaffen sollten: Beethoven – Mendelssohn – Brahms. In der Kritikerreaktion auf diesen Konzertabend klingt dann nicht zum ersten Mal ein Thema an, das Beethoven

für den Rest seines Lebens begleiten sollte: Beethoven möge doch bitte nicht so kompliziert und modern schreiben. Der Wiener Kritiker Möser forderte, Beethoven solle »seine anerkannten großen Talente gehöriger verwenden« und wieder so gefällig komponieren wie in seiner 1. und 2. Symphonie. Sonst werde das Publikum bei seinen Werken keinen Genuss finden, sondern wie hier im Violinkonzert »durch eine Menge unzusammenhängender und überhäufter Ideen und einen fortwährenden Tumult einiger Instrumente, die den Eingang charakterisiren sollten, zu Boden gedrückt.« Musik von Beethoven ja, heißt das, aber bitte beschränkter, unterhaltsamer, kulinarischer und bloß nicht so schrecklich anspruchsvoll. Klagelieder dieser Art verfolgen bekanntlich fast jede Art wirklich neuer Musik – bis heute. Zum Glück war Beethoven auch auf diesem Ohr gänzlich taub und hat sich bis zu seiner späten Kammermusik immer radikaler über musikalische Konventionen und Publikumserwartungen hinweggesetzt. E. T. A. Hoffmann vereinnahmte ihn denn auch bewundernd und lobte an ihm gerade das, was die rückwärtsgewandte Musikkritik so vehement ablehnte: »Beethovens Musik bewegt die Hebel der Furcht, des Schauers, des Entsetzens, des Schmerzes und erweckt eben jene unendliche Sehnsucht, welche das Wesen der Romantik ist.« So war es denn nicht unlogisch, dass Beethovens Violinkonzert erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, also rund 40 Jahre nach seiner letztlich erfolgreichen Uraufführung, wirklich anerkannt und immer häufiger gespielt wurde. Mozart galt lange als der große Tragische unter den Komponisten: Jung verstorben, einsam im Massengrab verscharrt, bettelarm – und trotzdem heiter, weil von den Göttern geküsst. Mittlerweile hat es etliche Korrekturen an diesem verklärten Bild gegeben: Mozart hat als Starkomponist sehr gut verdient, aber zu seinem Unglück noch mehr ausgegeben. Er wurde nicht in Verlassenheit


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Kolja Blacher

verscharrt, sondern es war ganz einfach nicht üblich, nach dem Trauergottesdienst noch die vielen Kilometer von der Kirche bis zum Friedhof hinter dem Sarg herzulatschen. Und aus dem berühmten Götterkuss wurde bald die nicht minder profitable Mozartkugel. Äußerst populär ist seine Ouvertüre zur Zauberflöte aus seinem Todesjahr 1791 geblieben. Diese Oper zeichnet sich durch eine tolldreiste Mischung aus Zauberposse, Drolligkeit, Feierlichkeit und Humanitätspathos aus und wird oft als Ausdruck freimaurerisch-humanistischer Überzeugungen Mozarts gedeutet: Alle Menschen sind Brüder. In der Ouvertüre ist von der humoristischen Seite des Werks noch nicht viel zu merken, aber auch sie ist ein abwechslungsreicher und doch homogen gestalteter Stilmix:

Von Göttern geküsst

Das eingängigste Thema etwa hat Mozart der Klaviersonate op. 24 Nr.  2 von Muzio Clementi entnommen, aber Mozart zeigt, was wirklich in diesem bei Clementi noch trivialen Material steckt: Er wendet es in einem Fugato von Bachscher Inspiration nach allen Seiten und gewinnt ihm so immer wieder neue Aspekte ab, ohne den Drive zu opfern: So entsteht aus der Fuge der Eindruck einer atemlosen, beschwingten Hatz. Vieles an Mozarts Leben und Schaffen lässt sich durch Forschung vom verklärenden Mythos befreien, manches an ihm hingegen bleibt rätselhaft: Zum Beispiel, wie er es schaffte, seine letzten drei Symphonien im Sommer 1788 in nur rund acht Wochen fertigzustellen. Er schrieb in dieser Zeit neben Musik auch immer wieder Bettelbriefe und berichtete selbst von seinen »schwarzen Gedanken«. Heute würde man sagen, er war (oder gab sich zumindest) depressiv. Das allerdings tat seiner Kreativität keinen Abbruch, denn etwa seine Symphonie Nr. 40 in g-Moll ist ein herausragendes Werk, von dem nicht einmal klar ist, wann es tatsächlich zum ersten Mal aufgeführt wurde.

studierte an der Juilliard School, New York bei Dorothy DeLay und später bei Sándor Végh in Salzburg. Weltweit konzertiert er u.a. mit den Berliner Philharmonikern, den Mün­ chner Philharmonikern, dem NDR Sinfonieorchester, Gewandhausorchester Leipzig, Orchestra di Santa Cecilia und dem Baltimore Symphony Orchestra. Er arbeitete dabei mit Kirill Petrenko, Dmitry Kitajenko, Mariss Jansons und Matthias Pintscher, um nur eine Auswahl zu nennen. Sein programmatisches Spektrum umfasst sowohl Werke für Violine solo von Bach bis Berio, als auch die großen Violinkonzerte des romantischen und klassischen Repertoires, bis hin zu zeitgenössischen Stücken für Violine und Orchester. Als ein neuer Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit haben sich in den letzten fünf Jahren die sogenannten »Play-Lead« Konzerte intensiv entwickelt, z.B. mit dem Melbourne Symphony Orchestra, dem Orchestra Sinfonica di Milano, den Festival Strings Lucerne, dem Jerusalem Symphony Orchestra, der Camerata Bern. Es ist eine Aufführungspraxis, die immer stärker nachgefragt wird. Kolja Blacher hat eine Fülle an prämierten CD-Aufnahmen vorgelegt, u.a. mit Claudio Abbado, mit dem ihn eine lange künstlerische Beziehung aus der Zeit bei den Berliner Philharmonikern und dem Lucerne Festival Orchestra verband. Auf seine Professur in Hamburg folgte vor einigen Jahren der Ruf nach Berlin an die Hochschule für Musik Hanns Eisler. Kolja Blacher spielt die sogenannte »Tritton«-Stradivari aus dem Jahr 1730, die ihm von Frau Kimiko Powers zur Verfügung gestellt wird.

Es ist allerdings auszuschließen, dass Mozart hier »auf Vorrat« komponiert hat, denn er war Berufskomponist und kein Schwärmer. Das denkbar schlichte erste Thema dieser Symphonie, das aus dem Nichts kommend in den Raum gestellt wird, kann man einfach nicht wieder vergessen, wenn man es einmal gehört hat, es ist ein Ohr-Bohrwurm im besten Sinne des Wortes. Genau das könnte es sein, was E. T. A. Hoffmann meinte, als er über Mozart schrieb, den zeichne im Vergleich mit Beethoven »mehr das Übermenschliche, das Wunderbare, welches im innern Geiste wohnt,« aus. Harald Borges


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KURZ VORGESTELLT

Unsere Botschafter an der Uni und der HTWG Konstanz Robert Strom, HTWG Konstanz

Dorit Binder, HTWG Konstanz

Was studierst du eigentlich und seit wann bist du in Konstanz? Ich studiere Wirtschaftssprachen Asien und Management – China an der HTWG im 2. Semester und bin demnach seit Anfang März 2017 hier unten im Süden.

Was ich studiere und wie lang ich in Konstanz bin: Ich studiere Umwelttechnik und Ressourcenmanagement an der HTWG im 5. Semester und lebe nun somit gute zwei Jahre hier im schönen Konstanz.

Was hat dich zur Philharmonie geführt? Der Vorstand des AStAs hat kurz nach meinem Studien­ start um spontane Aushilfe im Konzil gebeten – ich fand die Vorstellung, mit der Arbeit beim Orchester ein wenig Taschengeld zu verdienen, ziemlich cool! – da gibt es definitiv schlimmere Studentenjobs. Was wäre dein Wunschkonzert? Und wo? Angesichts dessen, dass wir beim Mainau Open Air 2017 bis zur letzten Minute im Wasser standen und um das Stattfinden gekämpft haben, wäre es doch wünschenswert, im Sommer 2018 ein erfolgreiches Konzert über die Bühne zu bringen!

Was hat mich zur Philharmonie geführt? Ich habe mich der Philharmonie von Anfang an verbunden gefühlt, da ich mit viel klassischer Musik aufgewachsen bin. Aber wirklich zur Philharmonie geführt hat mich Felix Strasser mit unserer Inszenierung Liebe Macht Nass, bei der ich auch die Musiker ein wenig besser kennenlernen durfte. Was wäre mein Wunschkonzert? Mein Wunschkonzert wäre Beethovens 5. Symphonie. Ich verbinde sehr viel mit dieser Musik und würde mich freuen, sie mal wieder live zu hören. Und wo? In dem neuen Konzerthaus, wenn es denn irgendwann mal kommen sollte . Und vorher fände ich ein Konzert im öffentlichen Raum spannend. Oder aber auf dem Campus der HTWG, als Annäherung an die Studis.

Anna Steinhardt, Uni Konstanz Was studierst du und seit wann bist du in Konstanz? Seit Herbst 2013 bin ich in Konstanz und studiere Politik- & Verwaltungswissenschaft an der Uni. Was hat dich zur Philharmonie geführt? Hauptsächlich die Arbeit für das Kulturticket im AStA. Leider bin ich also erst im letzten Jahr auf das vielseitige Programm der Philharmonie aufmerksam geworden. Was wäre dein Wunschkonzert? Und wo? Jetzt im Winter vielleicht ganz klassisch das Weihnachtsoratorium von Bach in einer Kirche in der Altstadt, nahe dem Weihnachtsmarkt in Konstanz. v.l.: Anna Steinhardt, Robert Strom, Dorit Binder


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60 Freunde unterwegs in Hamburg

»Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine«, schrieb Heinrich Heine nach seinem Aufstieg auf den Brocken im Harz. Was hat das nun mit Hamburg zu tun? Natürlich: Heinrich Heine lebte hier einige Jahre, da sein wohlhabender Onkel Salomon Heine ihn unterstützte, sich zu einem Kaufmann ausbilden zu lassen und ein eigenes Geschäft (für Tücher) zu übernehmen. Allerdings blieb das erfolglos – »hätt’ er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher«, so Salomon. Der weitere Verlauf ist gemeinhin bekannt … Und da Heinrich Heine als Erster Reiseberichte ins Feuilleton gebracht hatte, schließt sich außerdem hier der Kreis.

Kann er nicht ein modisches Haarband tragen? Da die Nachfrage so hoch war, in dieser wunderbaren Stadt ein Konzert in der Elbphilharmonie zu erleben, fuhren wir (nach der ersten Reise im Mai 2017), nun ein zweites Mal nach Hamburg – 60 Freunde der Philharmonie konnten dabei sein. Mit einer harmonischen und immer gut gestimmten Gruppe, hatten wir das große Glück, vier wunderbare Tage in dieser schönen Stadt zu verbringen. Auch dank eines unfassbar belesenen und unterhaltsamen Stadtführers Ronald Lührs, der uns zu Fuß, mit dem Bus und mit dem Schiff durch die Hansestadt führte, erfuhren wir alles mögliche Wissenswerte, unter anderem über Heinrich Heine – aber auch über die diversen Musiker und Komponisten, die in Hamburg miteinander lebten, arbeiteten und stritten. Dazu ein Besuch in der Staatsoper, zur Cavalleria Rusticana/Bajazzo oder dem Freischütz, ein Besuch im Miniaturwunderland, in der Kunsthalle – mit Führung durch die Sammlung – ein Abendessen in einem ursprünglichen Hamburger Fischrestaurant in Övelgönne an der Elbe und als Höhepunkt: ein Konzert in der Elbphilharmonie mit dem Oratorium Die Jahreszeiten. Das Philharmonische Staatsorchester spielte unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Kent Nagano. Da wir zu einem großen Teil dem Dirigenten beim Dirigieren zusehen konnten, weil wir hinter dem Orchester saßen, fragte man sich manches Mal, wie er


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das drei Stunden lange komplizierte Stück mit Orchester, Chor und Solisten zusammenhalten konnte, wo seine lange Haar-Mähne ihm immer wieder ins Gesicht fiel. Kann er nicht ein modisches Haarband tragen wie langhaarige Fußballer auch? Aber ansonsten hatte man drei Stunden Zeit, die Akustik in diesem so außergewöhnlichen und schönen Saal zu genießen und sich die aufwendige Gestaltung ebenso wie natürlich die Musiker in Ruhe anzusehen und ihnen zuzuhören. Nun sind wir schon mitten in den Planungen für die nächste Kulturreise und sind gespannt, wohin die Reise geht … Corinna Bruggaier

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Wir denken in Lösungen Andrea Riegel und Andreas Reinl haben beide in Konstanz studiert und sich dann unabhängig voneinander in unserer Stadt selbstständig gemacht. Während sie im Bereich Grafik und Konzeption engagiert war, hat er sich mit Programmierung beschäftigt. In dieser Zeit sind sich die beiden begegnet. Nebst der privaten Ebene gab es auch bald den Wunsch nach einer gemeinsamen Firma. Entstanden ist a2r Media. Dieser kurze und prägnante Name hilft bei der Wiedererkennung und zwar vom Telefonbuch über die Suchmaschine bis hin zur eigenen Domain. Der Zusatz Media ergänzt die kreative Spielerei mit den Vor- und Nachnamen der beiden und unterstreicht den Kern der Tätigkeit. Etwas ausführlicher beschreibt der Firmenslogan Sehen, Hören, Staunen die Ausrichtung und Ambition dieses Unternehmens. Das Selbstverständnis von a2r Media ist dabei nicht die eines Vermieters von technischem Material, sondern eines umfassenden Dienstleisters für eindrückliche Erlebnisse.

Das Entwickeln von kundengerechten Lösungen steht dabei im Zentrum. Das Tätigkeitsgebiet von a2r Media reicht von Veranstaltungen über Messen bis hin zu Museen. Nebst Licht und Ton ist vor allem auch die Bildtechnik ein wichtiger Schwerpunkt. Auf diesem Gebiet ist das Unternehmen

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2.tag____________________________________________________________________________ Heute können Sie in Ruhe ausschlafen und das Frühstücksbuffet im Hotel genießen. Danach haben Sie noch Zeit zur freien Verfügung in Baden-Baden. Gegen 15.00 Uhr Rückreise.

Kartenaufpreise:

Kat. 2

Kat. 4

Mozart: Die Zauberflöte Cilea: Adriana Lecouvreur

€ 131,€ 171,-

€ 90,€ 120,-

Abf.-Route Radolfzell P - Geisingen P - Donaueschingen P - Titisee - Kirchzarten/Himmelreich P+M - Freiburg

 Cilea: Adriana Lecouvreur

(SZENISCHE OPER mit Anna Netrebko und Yusif Eyvazov)

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de

2 tage 11.-12.7.2018 mozart: Zauberflöte 23.-24.7.2018 Cilea: adriana lecouvreur ab

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299,-

Termin 23.7.2018: E 319,EZ-Zuschlag E 35,–

Im PreIs enthalten: ✔ Fahrt im bequemen Fernreisebus ✔ 1x ÜF im 4****-hotel arcona

lIVInG BatsCharI 8, alle Zimmer mit Bad oder DU/WC (www.batschari8.arcona.de) ✔ 1x abendessen im ristorante Paganini ✔ 1x eintritt in das Festspielhaus (Kat. 7) begrenztes Kontingent ✔ Kurtaxe Nicht im obigen Leistungsblock genannte Eintritte nicht inbegriffen.

(begrenzte Kontingente)

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weit über die Region hinaus erfolgreich tätig. Die sehr komplexe Video-Technik ist dabei ein gutes Beispiel, um die besonderen Qualitäten dieses Betriebs zu erfahren. Die Gestalter beschäftigen sich mit Kameraführung, Schnitt und Drehbuch, während die Techniker die Szene ins richtige Licht setzen und klanglich gut rüberbringen. Der Aufwand ist natürlich erst einmal enorm. Daher haben sich die beiden vor kürzerer Zeit am Rande des Flughafens Konstanz ein Gebäude mit viel Lagerfläche errichtet. Das Kapital, welches für all diese Gerätschaften notwendig ist, ist beträchtlich, und vor allem sind die Komponenten oft schnell veraltet. Ständige Erneuerung und Veränderung sind deshalb die Normalität. Ein Beruf, in dem es einem nie langweilig wird, weil es immer wieder neues zu erfahren und zu entwickeln gibt. Dies liegt den beiden besonders

Es wird nie langweilig

am Herzen. Deshalb möchten sie ihre Firma auch nicht zu groß werden lassen, denn es ist ihnen wichtig, immer wieder selbst Veranstaltungen betreuen zu können. Trotz getrennter Verantwortungsbereiche gestaltet sich die Zusammenarbeit und der Austausch äußerst eng und intensiv, was auch für die Paarbeziehung eine ganz besondere Herausforderung darstellt. Der gemeinsame Unternehmergeist und ihre Disziplin bilden die Grundlage für dieses Erfolgsmodell. Große Herausforderungen begleitet das Paar daher häufig: auch in den Projekten, die wir in der letzten Zeit gemeinsam mit a2r realisieren durften. Ich denke dabei an Headsets, die auch im Wasserbecken der Therme funktionieren müssen oder die Erarbeitung der HSG-Hymne. Alles Ideen und Visionen, die ohne einen kreativen und engagierten Partner nicht realisierbar wären. Als nächstes werden wir gemeinsam die neue Reihe Unlimited umsetzen. Darüber hinaus gibt es aber auch schon einige Ideen, welche die Technik wieder an ihre Grenzen führt und bei deren Umsetzung besondere Lösungen notwendig sein werden. Beat Fehlmann

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Samstag, 24. November 2018 | 20 Uhr | Konzil Konstanz Sonntag, 25. November 2018 | 18 Uhr | Konzil Konstanz

Donnerstag, 4. Juni 2018 | Innenstadt Konstanz weitere Aufführungen bis zum Montag, 9. Juli 2018

Willi Hermann Jubiläumskonzert

La Juive

Der Ticketverkauf für das Willy-Hermann-Jubiläum – 111 Jahre Willi Hermann – hat begonnen. Ein Abend der musikalischen Extraklasse.

Die Oper La Juive von Jacques F. Halévy und Eugène Scribe nimmt als leidenschaftliches Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Toleranz im »Jahr der Religionen« einen ganz besonderen Stellenwert ein. Die Inszenierung spielt am Original-Ort des historischen Geschehens und lässt das Konzil in einem ganz neuen Licht erscheinen. Start des Vorverkaufs am 8. Dezember 2017 Karten: 48 Euro ∙ Frühbucherrabatt 43 Euro (bis 8.2.2018) ermäßigt 28 Euro

Karten: 35 ∙ 30 ∙ 25 ∙ 20 Euro Erhältlich in unserem Kartenbüro am Fischmarkt (Mo – Fr von 9 – 12.30 Uhr) Tel. 07531 900-816 oder: www.philharmonie-konstanz.de anzeige

Karten: Philharmonie-Kartenbüro am Fischmarkt (Mo – Fr von 9 – 12.30 Uhr), Tel. 07531 900-816 oder www.philharmonie-konstanz.de und Konzilstadt Konstanz, Telefon 07531 363-27 0 oder E-Mail: info@konstanzer-konzil.de


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Genial I / II IN 50 MINUTEN KLASSIK ENTDECKEN

Samstag, 9. Dezember 2017 | 18 Uhr | Konzil Konstanz

Samstag, 24. Februar 2018 | 18 Uhr | Konzil Konstanz

Mozart

Best Of

Symphonie Nr. 40, g-Moll, KV 550

In 50 Minuten quer durch die Musikgeschichte

Den Anfang der Symphonie kennt jeder, er taucht in der Werbung auf oder wird als Handy-Klingelton heruntergenudelt. Doch wie geht es weiter, was ist das eigentlich für eine Symphonie, was will uns Mozart damit sagen? Fragen über Fragen, die jeder Dirigent, jeder Musiker, jeder Musikwissenschaftler anders beantwortet. Mozart komponierte die g-Moll-Symphonie im Sommer des Jahres 1788, gemeinsam mit der Es-Dur-Symphonie KV 543 und der C-Dur-Symphonie KV 551, die von der Nachwelt den Beinamen »Jupiter-Symphonie« bekommen hat. Innerhalb von zwei Monaten waren alle drei Werke niedergeschrieben worden, ohne Auftraggeber, ohne Konzertanlass, »einfach so«. Auch in der Wahl der Tonarten sind sie aufeinander bezogen. Der Dirigent Nikolaus Harnoncourt meinte sogar, dass sie eine Einheit bilden und eine uns heute nicht mehr bekannte Geschichte erzählen. Auffallend sind in jedem Fall eine große Unruhe in den beiden Außensätzen und eine große Kühnheit im musikalischen Verlauf, fern aller »mozärtlichen« Süße.

Was ist gut, was hat Bestand, was ist unvergänglich in der Welt der klassischen Musik? Wer bestimmt, was zum »Kanon«, zum »best of« der Musikgeschichte gehört? Sind es die Melodien, die buchstäblich die Spatzen von den Dächern pfeifen? Vivaldis Vier Jahreszeiten oder Mozarts Kleine Nachtmusik, Beethovens fünfte Symphonie oder die kraftvollen Akkorde von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert, Strawinskys Sacre du printemps oder Ravels Bolero, von dem der Komponist behauptete, er enthalte keine Musik? Oft sind es Ohrwürmer, die sich in unsere Gehörgänge graben, aber sind das auch die besten Stücke? Eine neutrale Begriffsbestimmung scheint unmöglich, denn eine Auswahl wird immer subjektiv sein und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und zur großen Klassikwelt gehören ja nicht nur die Orchestermusik, sondern auch die Kammermusik, alles Gesungene, Tanz- und Filmmusik … Lassen Sie sich überraschen, vielleicht gibt es ja so manche Entdeckung?

Kolja Blacher leitung Beat Fehlmann moderation

Ari Rasilainen chefdirigent Peter Herrbold moderation

Texte: Katharina von Glasenapp

Karten: 15 Euro · ermäßigt 11 Euro · Schüler 5 Euro Genial! x 4: 48 Euro Genial! x 1: Familien-Maxi-Paket (2 Erw./4 Kinder) 29 Euro  · Genial! x 4: 95 Euro Genial! x 1: Familien-Mini-Paket ( 1 Erw./2 Kinder) 18 Euro  · Genial! x 4: 53 Euro Freie Platzwahl


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KAMMERKONZERT

Sonntag, 17. Dezember 2017 | 11.15 Uhr | Festsaal Inselhotel Konstanz Karten: 18 Euro  ·  ermäßigt 14 Euro Kombikarte Konzert und Essen: 48 Euro  ·  Kinder essen à la carte Veranstaltungsbüro des Inselhotels, Telefon: 07531 125-466

Wonne und Freude Heinrich Schütz 1585 – 1672

Meine Seele erhebt den Herren aus den Symphoniae Sacrae II SWV 344 Georg Philipp Telemann 1681 – 1767

Tafelmusik

Antonio Vivaldi 1678 – 1741

Aria Domine Deus aus dem Gloria

Georg Friedrich Händel 1685 – 1759

Meine Seele hört im Sehen

aus den Neun deutschen Arien HWV 207 Johann Gottlieb Janitsch 1708 – 1763

Sonata da camera Georg Philipp Telemann

Kantate Lauter Wonne, lauter Freude TWV 1:1040

Ekkehard Creutzburg flöte Karin Dean violine Ilija Andrianov violoncello Thorsten Bleich theorbe Markus Utz truhenorgel Iris-Anna Deckert sopran

Mehr als ein Vielschreiber Lauter Wonne, lauter Freude heißt die Programm­ titel gebende Kantate von Georg Philipp Telemann. Sie beschließt das adventliche Kammerkonzert und ist damit auch ein weiterer Beitrag zum diesjährigen Telemannjahr in Deutschland. Dass Telemann nur ein »Vielschreiber« war, ist lange widerlegt, aber es ist immer wieder schön, auch in den klein besetzten Werken, seine einmalige Kreativität zu entdecken. In den Tafelmusiken ist pure Lebensfreude auf höchstem kammermusikalischen Niveau kompositorisch umgesetzt. Telemann, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Musikdirektor in Hamburg war, reimte: »Diß Werk wird hoffentlich mir einst zum Ruhm gedeien, Du aber wirst den Wehrt zu keiner Zeit bereuen…« War Telemann wesentlich durch französische Einflüsse geprägt, ist Heinrich Schütz ein frühes Beispiel für die Integration des italienischen Stils in die deutsche Musik. Wie Telemann begann Schütz auf Wunsch des Vaters mit einem Jurastudium, welches ihn aber schnell zur Musik und so zum Landgrafen von Kassel führte, der durch ein zweijähriges Stipendium Studien bei Gabrieli in Venedig ermöglichte. Neben dem König von Dänemark, diente Schütz vor allem dem sächsischen Kurfürsten als Hofkapellmeister. Nicht zuletzt durch den dreißigjährigen Krieg kam das Musikleben in Dresden oft zum Erliegen. Mit kleineren Besetzungen kam Schütz den künstlerischen Möglichkeiten der dezimierten Hofkapelle entgegen. Etwa 70 Jahre nach den Symphoniae Sacre I entstand in Venedig das bekannteste und bedeutendste geistliche Werk Vivaldis, das Gloria in D. Obwohl die kleinere Form der Neun deutschen Arien in dem sonst prunkvollen italienisch geprägten Vokalwerk Händels eine Ausnahme bildet, sind diese der »Empfindsamkeit« zugehörigen Arien heute fester Bestandteil des Barockrepertoires für eine Singstimme mit begleitendem Instrument und Basso continuo.


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Eine für die meisten Musikliebhaber unbekannte Größe ist Johann Gottlieb Janitsch. Auch er studierte vorerst Jura. An der Universität in Frankfurt/Oder erhielt er aber bald erste Aufträge für Serenaden und Festmusiken. Beim Kronprinzen Friedrich von Preussen als Kammermusiker angestellt, organisierte er die sogenannten »Freitagsakademien« in Rheinsberg für ein bürgerliches Publikum. In Berlin setzte Janitsch später diese Tradition fort und gehörte so zu den Begründern eines bürgerlichen Musiklebens in Berlin. Ekkehard Creutzburg

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Pure Lebensfreude auf höchstem Niveau


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SONDERREIHE

Sonntag, 17. Dezember 2017 | 18 Uhr | Schänzlehalle Konstanz Karten: 38 · 28 · 18 Euro  |  Unlimited × 3: 78 · 57 · 36 Euro

Unlimited I Symphonic Christmas Wir schenken uns nix Das erfolgreiche Programm der a capella Band VIVA VOCE mit Orchester.

Wir schenken uns nix Gespanntheit, Vorfreude, ein klein wenig Aufregung – die Stimmung vor einem außergewöhnlichen Konzert: VIVA VOCE goes symphonic! Geigen werden gestimmt, Bässe gezupft, Flöten trällern zaghaft und im Auditorium rascheln die Programmhefte… Dann betritt VIVA VOCE die Bühne und alle Geräusche verstummen. Doch bereits bei den ersten Tönen löst sich die Spannung im Publikum. Alle spüren das Besondere dieses Abends. VIVA VOCE und die Südwestdeutsche Philharmonie bieten eine perfekte Mischung aus höchster symphonischer Darbietung und der großen Kunst musikalischer Unterhaltung. Der Titel ist Programm: Wir schenken uns nix. Unter der Leitung von Maestro Enrique Ugarte präsentiert das Orchester zusammen mit den fünf ausgebildeten Sängern klassische Weihnachtslieder in völlig neuem Gewand. Frosty, der Schneemann, hat für dieses Programm den Swing-Mantel gewählt, eine Weihnachtsgans irgendetwas völlig falsch verstanden und auch kulinarische Problemzonen sind kein Tabu. Die Vokalkünstler von VIVA VOCE singen wechselweise peppig, rhythmisch oder besinnlich gegen Konsumterror und Geschenkewahn an. Das Fazit von Unlimited I? Wir schenken uns nix – außer dieses besondere Konzert! VIVA VOCE

Ensemble VIVA VOCE Heiko Benjes | Davon Lugert | Bastian Hupfert Jörg Schwartzmanns  |  Matthias Hofmann Enrique Ugarte dirigent


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Enrique Ugarte geboren in Tolosa, Baskenland, spielt bereits mit vier Jahren Akkordeon. Im Alter von sechs Jahren komponiert er sein erstes Lied, mit sieben Jahren spielt er sein erstes öffentliches Konzert vor 1.500 Zuhörern. Enrique Ugarte studierte Akkordeon, Oboe und Komposition. Als  Dirigent arbeitet Enrique Ugarte mit weltweit renommierten Orchestern.

Was war der Anlass für euch, ein Weihnachtsprogramm zusammen mit einem großen symphonischen Orchester auf die Bühne zu bringen und mit welchen Orchestern seid ihr bereits aufgetreten? Da wir ja nur 5 Leute auf der Bühne sind, stoßen unsere stimmlichen Möglichkeiten irgendwann natürlich an ihre Grenzen. Mit einem symphonischen Orchester gibt es beinahe keine Grenzen mehr. Da sind Höhen und Tiefen dabei, Dynamikunterschiede und Klangspektren, die eine menschliche Stimme nicht erzeugen kann. Für das Publikum ist das einfach ein Hammer, wenn 5 Kontrabässe loslegen oder die Blechbläser los schmettern. Und für uns gilt das gleiche: Auf der Bühne zu stehen und zu wissen, dass im Orchester gleich die Post abgeht, ist unbeschreiblich und für uns die Erfüllung eines lang gehegten Traums.

Wir schenken uns nix heißt der mehrdeutige Titel des Weihnachtsprogramms. Man darf also davon ausgehen, dass ihr euch bei der Umgestaltung der Lieder vor nichts gescheut habt. Woher kamen die Ideen für die neuen Texte, spielen persönliche Erfahrungen, außergewöhnliche Begegnungen oder alltägliche Beobachtungen der Mitglieder eine wichtige Rolle? Ja, natürlich. Wer kennt nicht den Weihnachtsspeck nach den Festtagen, oder auch mal die Verwirrung bei vertauschten Geschenken oder so. Aber auch die ruhigen Momente, die man mit der Familie erlebt, sind Teil des Programms. Bei Wir schenken uns nix haben alle Mitglieder von VIVA VOCE ihre Erfahrungen, Gedanken und Ideen von vergangenen Festtagen in einen Topf geworfen. 

Die Weihnachtslieder, die ihr für euer Programm ausgewählt habt, gehören mittlerweile zum deutschen Kulturgut und werden in ihrer Ursprungsgestalt seit Jahrzehnten unverändert zum Familienfest gesungen. Wie seid ihr auf die ungewöhnliche und zugleich auch sehr gewagte Idee gekommen, traditionelle Weihnachtslieder vollkommen neu umzugestalten und wie hat euer Publikum bislang darauf reagiert? Wir halten es für sehr interessant, das »Traditionelle« mal aufzubrechen. Ein neues Gewand birgt einen Reiz, den man erst erfahren kann, wenn man es mal sieht oder eben hört. Man muss sich nur erst einmal trauen. Natürlich ist es bei einem Motto wie »Weihnachten« nicht ganz ungefährlich, da es sich überwiegend um traditionelles Liedgut handelt, da ist Vorsicht geboten. Aber bei uns geht es ja weiterhin um Stimme und Orchester, was beides auch weihnachtlich und traditionell ist, und nicht um einen DJ am Mischpult. Wir machen ausschließlich positive Erfahrungen.

(Auszug aus einem Interview mit VIVA VOCE)

Für das Publikum ist das einfach der Hammer


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SONDERKONZERT

Mittwoch, 3. Januar 2018 | 19.30 Uhr | Milchwerk Radolfzell | Abo Radolfzell Freitag, 5. Januar 2018 | 19.30 Uhr | Konzil Konstanz Karten Konzil: 54 ∙ 43 · 31 · 20 Euro  |  Milchwerk: 24 · 21 · 18 Euro Weitere Konzerte: Montag, 1. Januar 2018  |  19 Uhr  |  Graf-Burchhard-Halle Frickingen Dienstag, 2. Januar 2018  |  19.30 Uhr  |  Tonhalle Maag Zürich Samstag, 6. Januar 2018  |  20 Uhr  |  Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen Samstag, 13. Januar 2018  |  20 Uhr  |  Stadthalle Singen

Neujahrskonzert SILBERFÄDEN

Gioacchino Rossini 1792 – 1868

Ouvertüre zu Wilhelm Tell Vico Torriani 1920 – 1998

In der Schweiz Zwei Spuren im Schnee Johann Strauß 1825 – 1899

Frühlingsstimmen-Walzer op. 410 Vico Torriani

Arrivederci Roma Johann Strauß

Banditengalopp op. 378 PAUSE

Samuel Zünd, Studien bei Margreet Honig in Amsterdam, bei René Jacobs an der schola cantorum basiliensis und bei Christoph Prégardien an der Zürcher Hochschule der Künste. Mitbegründer des Vokalensembles Zürich. Liederabende und Konzerte in USA und diversen Ländern Europas. Opernproduktionen von Barock bis Moderne unter anderem an den Zürcher Festspielen. Diverse Radio-, CD- und TV-Aufnahmen. Erfolgreich auch in der Unterhaltungsmusikszene mit seinen Gesangsgruppen The Sam Singers, swing4you! und The Voices: Auftritte mit Hazy Osterwald, Pepe Lienhard und Udo Jürgens. Schlager der Goldenen 20er Jahre-Revue mit der Kammerphilharmonie Graubünden. Samuel Zünd ist Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste und der Musikschule Konservatorium Zürich MKZ.

Johann Strauß

Annen-Polka op. 117 Josef Strauß 1827 – 1870

Brennende Liebe Vico Torriani

Silberfäden Johann Strauß

Perpetuum Mobilé op. 257 Vico Torriani

Sieben Mal in der Woche Johann Strauß

Unter Donner und Blitz op. 324

Samuel Zünd gesang Ari Rasilainen chefdirigent Beat Fehlmann moderation

Vico Torriani (1920 – 1998) wurde als Sohn eines Reit- und Skilehrers geboren und wuchs in St. Moritz und Oberrüti AG auf. Nach der Schule lernte er Konditor, Koch und später noch Kellner. Bereits als 15-Jähriger gab er private Konzerte. Später betätigte er sich als selbständiger Gastwirt, unter anderem in Basel und machte sich als Autor von Kochbüchern einen Namen. 1945 siegte er bei einem Talentwettbewerb im Rothus Zürich und tingelte danach durch ganz Europa. 1949 nahm er in der Schweiz seinen ersten Hit Silberfäden unter der Leitung von Cédric Dumont auf. In den 1950er- und 60er-Jahren trat er in zahlreichen Musikfilmen, Operetten- und Musicals auf. Ab 1952 dann im Fernsehen. Zwischen 1967 und 1970 war er über viele Folgen hinweg Showmaster in der Fernsehsendung Der goldene Schuß im ZDF. In den 1970er-Jahren hatte er wieder große Erfolge mit volkstümlichen Melodien. 1995 erhielt er den Bambi Lifetime-Award zusammen mit Caterina Valente und Helmut Zacharias. Im selben Jahr wurde er mit dem Ehren-PrixWalo ausgezeichnet.


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Liebe Konstanzerinnen und Konstanzer, die Südwestdeutsche Philharmonie setzt ihren erfolgreichen Kurs auch weiter fort. Die neue Ausrichtung des Orchesters kommt beim Publikum gut an und macht neugierig, wie die die gestiegene Zahl der AbonnentInnen und die hohe Konzert-Auslastung eindrucksvoll belegen. Besonders freue ich mich darüber, dass das Orchester nun definitiv in die Exzellenz-Förderung des Bundes aufgenommen wurde. Das ist ein großer Erfolg für Intendant Beat Fehlmann, für Dirigent Ari Rasilainen und für alle Musikerinnen und Musiker des Ensembles und beweist: gute Arbeit zahlt sich aus. Dass das Orchester exzellente Leistungen vollbringt, wissen wir in Konstanz schon lange. Es ist schön zu wissen, dass das auch in Berlin wahrgenommen wird.

oberbürgermeister uli burchardt

So wie die Philharmonie ihr Konzept stetig weiter entwickelt, wandelt sich auch das Gesicht unserer Stadt. Wichtigstes Thema bei der Entwicklung unserer Stadt ist die weitere Umsetzung des Handlungsprogramms Wohnen. Primäres Ziel ist, dass Konstanz lebenswert für alle Bevölkerungsschichten und Familien bleibt. Das Gesicht unserer Stadt wird sich wie in der Vergangenheit auch in Zukunft stetig verändern. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Stadt weiter wachsen und gleichzeitig ihren ganz besonderen Charakter erhalten kann und auch wird. Dazu gehört als Pfeiler und Aushängeschild der Kulturstadt Konstanz ganz maßgeblich unsere Südwestdeutsche Philharmonie, die Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Region begeistert. Daher freue ich mich auf die Konzerte des Orchesters im neuen Jahr und wünsche den Gästen wie auch den Musikerinnen und Musikern eine genussvolle und unterhaltsame musikalische Reise durch 2018. Ihr

Uli Burchardt Oberbürgermeister


eduart

Win

Unser eduART stapft zur Winterzeit fröhlich durch den Schnee. Vor lauter Schneeflocken kann man ihn fast schon nicht mehr sehen. Verbinde die Zahlen 1 – 64, dann taucht er wieder auf. Wenn du Lust hast, dann male ihn doch noch bunt an! Im Buchstabenpäckchen auf eduARTs Schlitten verstecken sich fast alle Instrumente unseres Orchesters. Die zu suchenden Wörter wirbeln alle über dem Schlitten durch die Luft. Durchsuche den Buchstabensalat von vorne oder hinten, von oben und unten und auch diagonal. Am besten streichst du die gefundenen Wörter durch. Aufgepasst, die Wörter können sich überschneiden!

Cel lo

Viola

Geige

Pauke

Bratsche

Flöte

e Posaun

Trom mel

Be cke n

Oboe

Triang el K U T H D E J V W

L C H W K C I S F

A J V U T O Q U A

R E A K L V F H G

I P F A C E L L O

Harfe bass Kontra

Fagott N H J R D P R F T

E P O S A U N E T

T U B A E H H X S

T Q T G Q T O T S

E G I E G R W R A

N C E R Y I H O B

Y L X L E A V M A

T E N C E N I P R

F M N O Q G O E T

L M B R Z E L T N

O O X D O L I E O

E Tuba T E R T B G N R W E A K K T H C S N E C A B H K B E

G S P Z A B U T W

Horn

K L A UC J T H V HWU DK T E CO J I Q V S U WF A

R E A K L V F H G

I P F A C E L L O

N H J R D T R F T

E P O S A U N E T

T U B A E H H X S

T E N QGC T I E GE R QGY T R I OWH T RO S AB

Y L X L E A V M A

T E N C E N I P R

F L MM NB OR Q Z GE O L E T T N

OE T OR T XGN DWE OKK L HC I N E E AB OKB

EG B S R P A Z T A S B CU H T EW


nterrätsel


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Vom Musiker zum Coach Werner Engelhard, den meisten Lesern und Konzertbesuchern bekannt als Bassposaunist, spielt seit 1989 in unserem Orchester. Als jüngstes von fünf Kindern hat er sich durch viel Üben Freiräume im Elternhaus verschafft und so die Voraussetzung geschaffen, Profi-Musiker zu werden. Nach 28 Jahren im Musikerberuf hat er nun sein Spektrum erweitert und eine Ausbildung zum Seelenzen­ trierten Coach gemacht. Wieso, weshalb, warum, und vor allem was das ist, lesen Sie hier:

Zuerst mal würde ich gern wissen, wie du auf diese Idee gekommen bist. Findest du deinen Beruf nach so vielen Jahren langweilig? Nein, überhaupt nicht. Die Arbeit in dem exzellenten Orchester macht immer noch jede Menge Spaß, gerade auch mit meinen beiden Kollegen.

Und was hat das mit dir zu tun? Die Männerarbeit hat die Initiation auch für unseren Kulturkreis neu erschlossen. 2007 habe ich an einer Initiation teilgenommen. Da kamen 120 Männer im Alter von 25-55 ein paar Tage zusammen und lernten, sich mit dem eigenen Inneren zu beschäftigen.

Und weshalb kamst du dann zu der Ausbildung? Es gab ein Schicksalsjahr, in dem mein Vater gestorben und meine erste Ehe zerbrochen ist. Das hat mich erstmal aus der Bahn geworfen, mein Lebenskonzept war zerstört. Und doch bin ich auch dankbar dafür, dass ich den Mut hatte, genauer hinzuschauen. Ich habe gemerkt, dass es einfach noch mehr gibt, was ich gern umsetzen möchte … es geht irgendwie um dieses »mehr«. Aber ich wollte dann einfach nach was schauen, das mich weiterbringt. Womit ich mein Defizit auffüllen kann.

Und der Weg zum Seelenzentrierten Coaching? Sechs Jahre später habe ich dann Sabina Wyss aus der Schweiz (Thun) kennenlernen dürfen. Sie hat in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Pionier die dortigen indigenen Kulturen erforscht und diese Weisheiten der heutigen modernen Gesellschaft zugänglich gemacht. Das hat mich angesprochen, so habe ich bei ihr dann meine Ausbildung gemacht.

Dem Leben mehr Leben geben Und was war das dann? Beim Lesen und Schauen und Suchen bin ich auf die Spirituelle Männerarbeit gestoßen. Was ist denn das? Spirituelle Männerarbeit geht von der Beobachtung aus, dass die längst fällige und nötige Emanzipation der Frau auf der anderen Seite eine große Verunsicherung hinterlassen hat. Weil die bisherige jahrhundertealte Rollenverteilung nicht mehr greift, ist der Mann gezwungen, sich neu zu definieren. Erst wenn er imstande ist, sich seine eigenen Wunden, seine Verwundbarkeit und Schwäche einzugestehen, findet er zu seiner Stärke – im Zuge der Initiation. Grob gesagt ist das der Übergang vom alten Denken »die Welt dreht sich um mich« hin zu der neuen Sichtweise »ich bin ein verantwortlicher Teil der Gemeinschaft«.

Seelenzentriertes Coaching ist also was? Es ist ein alltagstauglicher und praxisbezogener Weg, die eigenen inneren Kraftquellen zu entdecken und zu leben, Träume wirklich umzusetzen und mehr und mehr der inneren Stimme zu folgen. Für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion. Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen? Wie geht das? Was lernt man? Vor Ausbildungsbeginn wurden wir selbst ein halbes Jahr lang gecoacht, von den Ausbildungsleitern. Das gab uns die nötige Selbsterfahrung um tiefer von der Ausbildung profitieren zu können. Wie praktisch! Ja, genau. Super zum Kennenlernen. Danach gab es fünf spannende, lehrreiche Wochenendmodule, Supervisionen, Telefonkonferenzen und andere individualisierte Lernmethoden. Und was hast du genau dann gelernt? Kannst du ein konkretes Beispiel nennen? Ich habe gelernt Menschen zu unterstützen, ihre eigene Stärken zu erkennen und zu leben, sowie ihre Schwächen mehr und mehr aufzuarbeiten. Wenn sich Menschen wieder aufs Wesentliche ausrichten können, entsteht Erfüllung, Freude, Erfolg. Seelenzentriertes Coaching geht davon aus, dass die Antwort im Klienten selbst liegt, das finde ich einen enorm wertvollen Ansatz.


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Zum Beispiel: Ein Klient steht, etwa im beruflichen oder privaten Bereich vor einer Entscheidung. Beide Optionen sollen positiv formuliert werden. Dann soll der Klient jeweils in beide Situationen gehen und sie erleben. Ich stelle ihm Fragen, wie er sich fühlt, was in ihm hochkommt oder lebendig wird, wenn er den einen und den anderen Schritt getan hat. Danach spiegele ich ihm seine Reaktion, inklusive Körperhaltung und Mimik.

Wie war die Ausbildung zu realisieren, obwohl du hier voll als Bassposaunist beschäftigt bist? Da bin ich dem Herrn Fehlmann, unserem Intendanten, sehr dankbar. Er hat mir das ermöglicht, dass ich immer einmal ein Wochenende fehlen konnte, wenn ich für Ersatz sorgte. Und konnte dir die Ausbildung etwas bringen für dein tägliches Berufsleben? Im Umgang mit deinen Orchesterkollegen oder der Verwaltung? Ja, in jedem Fall hat mich diese Zeit bereichert. Weil ich selbst achtsam geworden bin mir gegenüber, fällt es mir anderen gegenüber auch leichter. Und wenn ich selbst mein eigenes Potential in gesunder Weise leben kann, kann ich es auch anderen besser zugestehen.

Gibt es für dich einen wichtigsten Moment in der Coaching-Arbeit? Wenn ich bei den Klienten merke, dass sie ihre Ressourcen entdecken und herausholen, um sie auch im Leben einzusetzen. Dieses sich neu erleben und erfahren, das finde ich einfach toll. Und immer wieder zu erleben, dass ich nicht dazu da bin, den Menschen etwas zu zeigen oder zu raten, sondern dass die Antwort immer in den Klienten selbst steckt. Das bringt die Menschen zum Strahlen, löst Freude aus und gibt Vertrauen. Und was machst du jetzt damit? Es ist am besten, wenn Seelenzentriertes Coaching selbst erlebt werden kann. Deshalb biete ich allen Interessenten ein kostenloses, unverbindliches Probe-Coaching an. So können sie am besten rausfinden ob das etwas für sie ist oder nicht. Es ist keine Therapie, sie müssen kein »Problem« haben. Einzige Voraussetzung ist, dass sie ein erfüllteres Leben haben möchten.

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PHILHARMONISCHES KONZERT

Freitag, 12. Januar 2018 | 19.30 Uhr | Konzil Konstanz | Abo B Sonntag, 14. Januar 2018 | 18 Uhr | Konzil Konstanz | Abo E Mittwoch, 17. Januar 2018 | 19.30 Uhr | Konzil Konstanz | Abo A Einführungsvortrag eine Stunde vor Konzertbeginn. Konzertdauer: ca. 100 min. Karten: 48 ∙ 38 · 28 · 18 Euro  |  Inklusive kostenlose -Benutzung zu den Konzerten im Konzil Weiteres Konzert am Freitag, 19. Januar 2018 | 19.30 Uhr | Konzertkirche St. Johann Schaffhausen Karten und Informationen: www.tickets.schaffhauserland.ch

Hieroglyphen Ludwig van Beethoven 1770 – 1827

Jubelnde Befreiung

Allegro Adagio un poco moto Rondo: Allegro

Für manche mögen Noten wie Hieroglyphen wirken, Bilderschriften, die ein Musiker, ein Dirigent in Klang zu übersetzen weiß. Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts haben eine grafische Notation entwickelt, die die Phantasie der Ausführenden entzündet und ihnen einen großen Spielraum der Interpretation lässt. Die Musik, die in diesem Programm erklingt, bedient sich, natürlich, der klassischen Notation, und sie hat viel zu erzählen: Beethoven im klassischen Dialog zwischen einem Solisten und einem Orchester, Prokofjew, indem er sich einerseits verkleidet und im Stile Joseph Haydns komponiert und andererseits einen Leutnant zum Leben erweckt, der nur auf Grund eines Schreibfehlers existiert – gleichsam Hieroglyphen der kyrillischen Schrift. So ist das mit dem Motto über einem Konzertprogramm: Man schafft Zusammenhänge – vielleicht ist aber auch alles ganz anders gemeint? Fest steht, dass auch die reine Instrumentalmusik eng mit der Sprache zusammenhängt, Bilder vor Augen und Ohren des Hörers, der Hörerin entstehen lässt. In Beethovens fünftem Klavierkonzert ist schon die Wahl der Tonart Es-Dur von großer Bedeutung: Es-Dur, die Tonart mit den drei b-Vorzeichen wirkt strahlend, festlich, heroisch – auch Beethovens dritte Symphonie, die Eroica, steht in dieser Tonart – und entspricht dem Widmungsträger, Beethovens Gönner und Schüler Erzherzog Rudolf von Österreich. »Vorhang auf, hier bin ich« scheint der Solist in den ersten Takten des Konzerts zu sagen, ist doch die Musik der Wiener Klassiker immer von einer Theaterhaltung durchdrungen. Dreimal setzt er mit gebrochenen Akkorden, Arpeggien genannt, an, durchmisst die Klaviatur von unten bis oben, öffnet den Raum im Dialog mit dem Orchester und zieht sich dann fürs erste wieder zurück, um dem Orchester den Vortritt für die Vorstellung der Themen zu lassen. Eine Verzierungsfigur – ein sogenannter Doppelschlag – und

Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73

PAUSE Sergej Prokofjew

Symphonie Nr. 1 D-Dur op. 25 »Symphonie Classique« Allegro Larghetto Gavotte: Non troppo allegro Finale: Molto vivace Sergej Prokofjew 1891 – 1953

Leutnant Kijé op. 60 Suite aus der Filmmusik

Kijés Geburt: Andante assai – Doppio movimento – Andante – Allegro – Andante assai Romanze: Andante – Allegretto – Andante come prima Kijés Hochzeit: Allegro fastoso – Meo mosso come prima – Poco più mosso della prima volta Troika: Moderato – Allegro con brio – Moderato – come prima Kijés Begräbnis: Andante assai – Allegro moderato – Meno mosso – Poco meno mosso – Ancora un poco più lento – Andante assai

Alexander Schimpf klavier Yannis Pouspourikas dirigent


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stolze Punktierungen charakterisieren das Hauptthema. Die Gegenwelt dazu bilden die wunderbar lyrischen Episoden, in denen das Soloinstrument in dichte Bläserlinien eingebunden ist. Einerseits zeigen die großzügig abgesteckten Themen Macht und Autorität, andererseits gibt es wunderbar zarte Glöckchenmotive, wenn der Solist in hoher Lage mit den Bläsern korrespondiert. Von größtem Kontrast zum monumentalen Eröffnungssatz ist das Adagio in der von Es-Dur aus weit entfernten Tonart H-Dur mit seinem weich strömenden innigen Gesang, der von den Streichern angestimmt und zweimal variiert wird. Außergewöhnlich ist wiederum der Übergang zum Finale: Am Ende des langsamen Satzes ahnt das Soloinstrument die Dreiklangsbrechungen des Finales gewissermaßen voraus, der Übergang selbst wirkt wie eine jubelnde Befreiung, deren vorwärtsdrängende Energie den ganzen Satz bestimmt und natürlich phantasievoll ausgereizt wird. Vom heldischen Beethovenkonzert zu einem Helden, dessen Geburt, Leben und Tod zwar geschildert werden, der aber nur auf dem Papier existiert – entsprechend ironisch wirkt die Musik.

Ich wollte die Spießer ärgern Wie seine Landsmänner Rachmaninow, Skrjabin und Schostakowitsch war auch Sergej Prokofjew ein hervorragender Pianist, der seine Werke auf ausgedehnten Konzertreisen in Europa präsentierte. Ungefähr ein Drittel seines Gesamtwerks ist dem Klavier gewidmet. Den ersten Unterricht erhielt er bei seiner Mutter, später studierte er an den Konservatorien in Moskau und St. Petersburg, wo Rimski-Korsakow sein Kompositionslehrer war. Zunächst gab sich Prokofjew als junger Wilder: Er verstörte viele, Publikum wie Kommilitonen, mit seinen hämmernden Rhythmen und schroffen Klängen, interessierte sich mehr für die neuen Strömungen der westlichen Musik, wie sie etwa Strawinsky und Debussy vermittelten. Lange Jahre ab 1918 verbrachte Prokofjew als Pianist im Ausland, lernte in Paris den Choreographen Serge Diaghilew kennen, für dessen Ballets russes er mehrere Ballette schuf. 1934 kehrte er wieder nach Russland zurück und wandte sich stilistisch eher einem heiteren Neoklassizismus zu, wie ihn das musikalische Märchen Peter und der Wolf (1936) kennzeichnet. Wie Schostakowitsch musste auch er sich den Vorstellungen der sowjetischen Kulturbehörden beugen, die moderne Töne ablehnte, ihm aber doch einen gewissen Spielraum ließ.

Alexander Schimpf wurde 1981 in Göttingen geboren. Der an der Hochschule für Musik Würzburg bei Prof. Bernd Glemser ausgebildete Pianist wurde unter anderem vom Wiener Kammerorchester, den Dresdner Philharmonikern, den Nürnberger Symphonikern, dem Beethoven-Orchester Bonn als Solist eingeladen. Als Kammermusiker arbeitete Alexander Schimpf mit dem Geiger Christian Tetzlaff, dem Bratscher Nils Mönkemeyer und anderen. Im Herbst 2013 wurde er für seine Verdienste mit dem Bayerischen Kunstförderpreis in München ausgezeichnet. Nach bedeutenden Wettbewerbserfolgen in Bonn (Preis des Deutschen Musikwettbewerbs 2008), Wien (1. Preis im Internationaler Beethoven-Wettbewerb 2009) und Cleveland/USA (1. Preis und Publikumspreis Cleveland International Piano Competition 2011 – als erster deutscher Pianist in der Geschichte dieses Wettbewerbes) konnte er in den vergangenen Jahren eine regelmäßige erfolgreiche Konzerttätigkeit auch jenseits des Atlantiks entfalten. Einladungen zu Klavierabenden und solistischen Auftritten mit Orchestern führten ihn u. a. in die Konzerthäuser Wien und Berlin, die Musik- und Kongresshalle Lübeck, in die Zankel Hall/ Carnegie Hall in New York, den Marinskij-Konzertsaal St. Petersburg, den Großen Saal der Alten Oper Frankfurt, die Beethovenhalle Bonn und den Großen Saal der Philharmonie am Gasteig in München.

Die Filmmusik zu Leutnant Kijé stammt aus der ersten Zeit in den 1930er Jahren, als Prokofjew wieder nach Russland zurückgekehrt war. Eigentlich scheute er sich vor dem Genre Filmmusik, doch war er fasziniert von der satirischen Novelle von Juri N. Tynjanow, die dem Film zugrunde liegt. Die Novelle spielt zur Zeit von Zar Paul I., dem schwächlichen Sohn von Katharina der Großen. In einem Militärbericht missversteht dieser die Worte »Poruchiki zhe …« (»Den Leutnant jedoch …«) als »Poruchik Kizhe« (»Leutnant Kijé«). Das Missverständnis wird nicht ausgebessert, damit beginnt das Leben eines Soldaten, den es gar nicht gibt. Alles, was fortan bei Hofe schiefgeht, wird diesem Menschen in die Schuhe geschoben. Endlich verbannt ihn Väterchen Zar nach Sibirien, doch bei Hofe bleibt alles, wie es war: diplomatische Pannen, Intrigen, Gaunereien …


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Vielleicht ist aber auch alles ganz anders gemeint? Der Zar erkennt, dass er wohl den Falschen nach Sibirien verbannt hat und lässt ihn zurückrufen. Kijé wird befördert und erweist sich als durch und durch pflichtbewusster Offizier des Herrschers. Als dieser ihn ob seiner Verdienste zum General ernennen will, sind die Hofschranzen in Bedrängnis, Kijés »Letztes Stündlein« hat geschlagen: Die Freude über die bevorstehende Gunst, so heißt es, habe den Offizier das Leben gekostet. Mit großem Prunk wird ein leerer Sarg zu Grabe getragen. Prokofjew schöpft aus dem Vollen: Militärmärsche mit Piccoloflöte und großer Trommel klingen wie von Spielzeugsoldaten ausgeführt und werden groß aufgeblasen. In der Romanze mit einem bekannten russischen Volkslied besticht die Instrumentation. Großartig und pompös hebt die Hochzeit an, konterkariert von einem frivolen Spottlied, auch in der Troika stehen Pomp und Ironie direkt nebeneinander. Auch ohne Film, der in Vergessenheit geraten ist, entstehen die Bilder im Kopf. Wenn der Held schließlich zu Grabe getragen wird, werden die Themen der vorhergehenden Sätze zusammengefasst, als zöge das »Leben« der Phantomfigur vorüber: zum letzten Mal winkt das Signal einer Trompete von ferne herüber. Knapp 15 Minuten kurz, spritzig, heiter und doch alles andere als oberflächlich banal ist die »Symphonie ­classique«, die erste der insgesamt sieben Symphonien Prokofjews. Nach der Phase des »jungen Wilden« hält der Komponist der Musikwelt im Jahr 1918 einen anderen Spiegel vor: eine Symphonie im Stile Haydns. »Wenn Haydn heute noch lebte, würde er – so dachte ich – seinen Kompositionsstil zwar beibehalten, aber auch mit Neuem

Yannis Pouspourikas ist seit der Saison 2013/14 erster Kapellmeister des Aalto-Theaters. Er ließ sich am Konservatorium in Genf sowie am Opernhaus Zürich ausbilden und gewann dort den ersten Preis in Orchesterleitung. In Folge wurde er von Sir Simon Rattle als zweiter Kapellmeister beim Glyndebourne Festival engagiert und war in gleicher Position von 2000 bis 2004 an der Opéra National de Paris verpflichtet. 2004 wurde er fester Gastdirigent des Orchestre National de Lyon und war zudem in gleicher Funktion von 2005 bis 2009 beim Orchestre Symphonique de Mulhouse beschäftigt. 2008 wurde er Kapellmeister der Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent und stand unter anderem bei Peter Grimes, Samson et Dalila, Candide, Hérodiade sowie Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny am Pult. Er arbeitet regelmäßig beim Glyndebourne Festival, am Teatro Real in Madrid, Grand Théâtre in Genf, Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und an der Opéra National de Paris. Neben der Oper wird er auch im Symphonischen Repertoire geschätzt und leitete unter anderem das Orchestre de la Suisse Romande, RTÉ National Symphony Orchestra und das Madrid Symphony Orchestra.

bereichern. Diese Art von Symphonie wollte ich schreiben: eine klassische Symphonie, aber keine Stilkopie. Wie es sich so fügte, nannte ich sie denn auch »klassische Symphonie«, und zwar aus verschiedenen Gründen: es war das einfachste; dann tat ich es aus Unbotmäßigkeit, ich wollte die Spießer ärgern; schließlich hoffte ich, dass das Werk wirklich ein Klassiker würde.« Dieser Wunsch hat sich sicher erfüllt, ob sich die Spießer ärgern oder an der geistvollen Musik erfreuen, sei dahingestellt. Haydn, der Meister der überraschenden Wendungen, der im fernen Esterháza seinen eigenen Stil entwickelt hatte, hätte seine Freude gehabt. Zusammen mit der musikalischen Erzählung Peter und der Wolf, die heute in jedem Kinderzimmer vertreten ist und ganz nebenbei die Grundlagen musikalischer Charakterisierungskunst vermittelt, und den Ballettsuiten Romeo und Julia ist die Symphonie bestimmt eines der beliebtesten Werke Prokofjews. Katharina von Glasenapp


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TAKT-ZAHL

STUDIO

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Sonntag, 3. Dezember 2017  |  12 Uhr Studio der Südwestdeutschen Philharmonie

High Noon Musik 2000+: »Space Jump« Klaviertrio & …

Mitglieder hat unser Freundeskreis, Stand November 2017. Seien Sie gern auch mit dabei und erleben Sie exklusive Kulturreisen in wunderschöne Städte Europas, profitieren Sie exklusiv von ermäßigtem Eintritt zu ausgewählten Konzerten, Infos über unser Orchester aus erster Hand und vielem mehr. Gestalten Sie mit Ihrem Engagement die Philharmonie mit und unterstützen unsere Aktivitäten in vielfältiger Hinsicht. Ob ein neuer Flügel, ein Kontrabass, Projekte im Bereich Musikvermittlung oder das Thema Konzertsaal – wir freuen uns über Ihre Ideen ! freundeskreis@philharmonie.de

Wir freuen uns, auch beim letzten Konzert in diesem Jahr Gastgeber zu sein: Dieses Mal steht das Klavier im Mittelpunkt. Zu hören sein werden Werke des türkischen Konzertpianisten FazIl Say, des Schotten James MacMillan und des amerikanischen Grenzgänger John Zorn. Vorneweg präsentieren die Musiker den Aperitif von Ralf Kleinehanding.

Karten und Informationen: www.highnoonmusik.de

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INTERNATIONALE

SCHLOSS

KONZERTE MEERSBURG

26.12.17 18.00 Uhr · Neues Schloss Meersburg, Spiegelsaal

FLEX ENSEMBLE KLAVIERQUARTETT

Kana Sugimura (Violine), Anna Szulc-Kapala (Viola), Martha Bijlsma (Violoncello), Endri Nini (Klavier) Werke von M. Ravel, C. Saint-Saëns, frz. Chansons und Weihnachtslieder

Stadt Meersburg, Abteilung Kultur & Museum, Tickets: 07532/440 400, www.meersburg.de


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SONDERREIHE

Freitag, 26. Januar 2018 | 19.30 Uhr | Festsaal Inselhotel Konstanz Konzertdauer: ca. 115 min. Karten: 38 ∙ 28 Euro  |  Wolfgang × 3 (Wolfgang am See I bis III): 76 ∙ 56 Euro

Wolfgang am See I SALZBURG

Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791

Rock me Amadeus

Allegro Andante Presto

Es gibt nicht eben wenige Menschen, die mit ihrer Geburtsstadt hadern. Warum sollte es bei einer so komplexen Persönlichkeit wie Wolfgang Amadeus Mozart anders sein? Eben. Seinen Beziehungsstatus zu Salzburg würde man heute wohl am ehesten mit »Es ist kompliziert« beschreiben. In einem Brief an seinen Vater hat der Komponist dies auf seine sehr direkte Art deutlich gemacht. Am­ 12. Juli 1783 schrieb er: »Ich hoffe nicht daß es nöthig ist zu sagen, daß mir an salzburg sehr wenig und am erzbischof gar nichts gelegen ist, und ich auf beÿdes scheisse – und mein lebetage mir nicht im kopf kommen liesse, extra eine reise hinzumachen, wenn nicht sie und meine schwester daselbst wären.« Trotzdem kehrt Mozart immer wieder zurück nach Salzburg: 1772 um Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle zu werden, 1779 nimmt er die Stelle des Hoforganisten an, zwei Jahre später kehrt er seiner Heimatstadt den Rücken und siedelt nach Wien um. Familiäre Besuche führen ihn aber auch jetzt noch gelegentlich nach Salzburg. Eine richtige Heimatliebe hat er zu seiner Geburtsstadt aber nie entwickelt. Vielleicht liegt das auch daran, dass er schon in frühen Jahren regelmäßig unterwegs war, um mit seinem musikalischen Talent Geld zu verdienen. Musikwissenschaftler haben mal erforscht, dass er gut ein Drittel seiner 35 Lebensjahre auf Reisen war. In Deutschland war er unter anderem in München, Mannheim, Köln und Berlin zu Gast. Andere Ziele seiner insgesamt 17 Reisen waren London, Paris, Prag sowie diverse Orte in Italien. Diese Tourneen und das ständige Unterwegs-Sein dürften nicht spurlos an dem jungen Mozart vorbei gegangen sein. Sein künstlerisches Talent hat ihn auch eine normale Kindheit und Jugend gekostet. Schon im Alter von vier Jahren konnte er Klavier spielen, mit fünf beginnt er erste Stücke zu komponieren. Nur drei Jahre später schreibt er weitere Klavierkompositionen und Symphonien, mit 12 erhält er

Divertimento D-Dur KV 136

Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert B-Dur KV 595 Bearbeitung für Akkordeon und Orchester Allegro Larghetto Rondo, Allegro

PAUSE

Wolfgang Amadeus Mozart

Adagio und Fuge c-Moll KV 546 Wolfgang Amadeus Mozart

Divertimento B-Dur KV 137 Andante Allegro di molto Allegro assai Wolfgang Amadeus Mozart

Divertimento F-Dur KV 138 Allegro Andante Presto

Vivianne Chassot akkordeon Ari Rasilainen chefdirigent


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Vivianne Chassot

den ersten Auftrag für eine Oper, mit 13 wird er dritter Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle. Ein solches Leben muss Spuren hinterlassen. Auf der Seele und in den Werken. Die Werke dieses Konzerts entstammen aus verschiedenen Epochen seines Lebens. Das Divertimento D-Dur, KV 136 entstand 1772. Mozart lebte in Salzburg und arbeitete als Konzertmeister an der Salzburger Hofkapelle. Um der Enge der Stadt und der Anstellung zu entkommen, reiste er aber weiterhin viel, unter anderem nach Italien und Wien. 16 Jahre liegen zwischen diesem Werk und dem Adagio und Fuge c-Moll, KV 546. Don Giovanni wurde bereits aufgeführt, Cosi fan tutte und Die Zauberflöte werden erst noch kommen. Mozart lebt als freischaffender Komponist in Wien. Ebenfalls in Wien entsteht das Klavierkonzert in B-Dur, KV 595. Es wird das letzte Klavierkonzert von Mozart bleiben. Am 5. Januar 1791 beendet er die Arbeit daran, genau 11 Monate später, am 5. Dezember 1791 stirbt der Komponist im Alter von 35 Jahren.

Ein solches Leben muss Spuren hinterlassen

Mit ihren Interpretationen auf dem Akkordeon hat Viviane Chassot neue Maßstäbe gesetzt. Sie tritt als Solistin und Kammermusikerin weltweit in renommierten Konzerthäusern auf wie Philharmonie Berlin, Gewandhaus Leipzig, Guggenheim Museum New York, Wigmore Hall London, Konzerthaus Wien, Tonhalle Zürich. Sie arbeitete bereits mit Dirigenten wie Simon Rattle, David Zinman, Riccardo Chailly und Heinz Holliger und ist wiederholt Gast bei internationalen Festivals. Als vielseitige Musikerin überschreitet sie stilistische Grenzen: mutig und innovativ verbindet sie Klassik, Jazz, neue Musik und Improvisation. In den vergangenen Jahren spielte Viviane Chassot zahlreiche Uraufführungen und war Gewinnerin des Kranichsteiner Musikpreises. 2015 wurde sie mit dem Swiss Ambassador’s Award London ausgezeichnet.

Lange hielt sich die Legende, dass er zu diesem Zeitpunkt bettelarm gewesen sei. Sein Biograf Gernot Gruber glaubt nicht an diese Version. Er hält das »alte und immer wieder aufpolierte Klischee vom einsamen, von der Gesellschaft verstoßenen, bitterarmen, verzweifelten und von Todesahnungen geplagten Mozart« für »schlichtweg falsch«, wie er gegenüber der Tageszeitung Welt mal erklärte. Gruber meint, Mozart habe über seine Verhältnisse gelebt. Dabei waren seine Einkünfte angeblich gar nicht so schlecht: Sein Jahreseinkommen soll nach heutigem Wert irgendwo zwischen 120.000 und 150.000 Euro gelegen haben. Davon hätte man selbst im feinen Wien gut leben können. Mozart gab das Geld aber mit vollen Händen aus. Für extravagante Kleidung soll er ebenso ein Vermögen verschleudert haben, wie für überdimensionierte Wohnungen samt dazugehörigem Personal. Zudem soll ihn die Spielleidenschaft gelegentlich gepackt haben. Obwohl man längst viel weiß über sein Leben, bleibt das größte Musikgenie aller Zeiten immer noch auch ein Rätsel. Vielleicht hatte es doch der österreichische Sänger Falco am präzisesten getroffen als er in seinem Welthit Rock me Amadeus sang: »Er war Superstar/Er war populär/Er war so exaltiert/Because er hatte Flair/Er war ein Virtuose/Er war ein Rockidol/Und alles rief/Come and rock me Amadeus« Michael Lünstroth


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SONDERREIHE

Samstag, 27. Januar 2018 | 19.30 Uhr | Festsaal Inselhotel Konstanz Karten: 18 ∙ 14 Euro  |  Wolfgang × 3 (Wolfgang am See I bis III): 76 ∙ 56 Euro

Wolfgang am See II PRAG

Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791

Eine Höllenfahrt für Bläser

Bearbeitung für Bläserquintett und Sprecher von Hubert Renner

Bei »Mozart ist es nun der Fall, daß es nur ein Werk von ihm gibt, welches ihn zu einem klassischen Komponisten und absolut unsterblich macht. Dieses Werk ist Don Juan. […] Wenn irgendein anderer Komponist mit Mozart wetteifern wollte, so bliebe ihm nichts anderes übrig, als den Don Juan noch einmal zu komponieren.« Man merkt unschwer, dass Søren Kierkegaard bei der Arbeit an seiner (unverdaulichen) Schrift Die unmittelbaren erotischen Stadien oder Das Musikalisch-Erotische vom Pesthauch der Schwärmerei angeweht wurde. Heutzutage schätzen wir viel mehr von Mozart als allein den Don Giovanni, etwa Klavierkonzerte und Symphonien, und viele Menschen können es gar nicht erwarten, Mozarts Requiem bald einmal wieder zu hören – allerdings möglichst nicht bei ihrer eigenen Beerdigung.

Don Giovanni

Miroir Quintett

miroir quintett Gabriel Ahumada flöte Alexander Hanßmann oboe Erich Born klarinette Yuki Kishikawa fagott Hubert Renner horn Hans Helmut Straub sprecher

Seit 1996 spielen die fünf Solisten in ihrer heutigen Besetzung. Durch kontinuierliches Zusammenspiel haben sie sich in den vergangenen Jahren ein bemerkenswertes Repertoire erarbeitet. Durch sein unbeschwertes Konzertieren unterstreicht das Miroir Quintett, dass künstlerisch anspruchsvolle Musik sehr wohl auch kurzweilige Unterhaltung bietet.


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Hans Helmut Straub

Zu Mozarts Zeiten war Don Juan/Don Giovanni schon längst keine Novität mehr, sondern hatte als literarischer Stoff und Opernvorlage bereits seit mehr als 150 Jahren Hochkonjunktur, hierin der Faust-Sage nicht unähnlich. Molière, Corneille und Goldoni hatten den Stoff auf die Theaterbühne gebracht, Gluck ein Ballett daraus gemacht. Populär geblieben ist aber allein die effektvolle Opernfassung von Mozart und seinem Librettisten Lorenzo Da Ponte. Hubert Renner, Hornist des Miroir-Quintetts, hat diese epochale Opera buffa (komische Oper, jawohl, das ist sie!) für Bläserquintett und Sprecher bearbeitet. »Die Idee für diese Bearbeitung stammt aber nicht von mir. Sie ist vielmehr schon über 200 oder 250 Jahre alt. Sobald damals eine Oper großen Erfolg hatte, wurden die populärsten Stücke daraus für Harmoniemusik bearbeitet. Damals hieß

Diskreter Griff zur Sauerstoffflasche das meistens 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte, also acht Stimmen.« Dieses Opernpotpourri wurde dann zur allgemeinen Unterhaltung im Freien oder bei größeren Gelagen gespielt. Gelegentlich bearbeiteten Komponisten auch eigenhändig ihre Werke für eine solche Besetzung. So schrieb Mozart 1782, also fünf Jahre vor seinem Don Giovanni, über Die Entführung aus dem Serail an seinen Vater: »bis Sonntag acht tag muß meine Opera auf die harmonie gesetzt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat anstatt meiner den Profit davon; […] sie glauben nicht wie schwer es ist so was auf die harmonie zu setzen – daß es den blaßinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht. – Je nu, ich muß die Nacht dazu nehmen, anderst kann es nicht gehen.« Der göttliche Mozart hatte einen durchaus wachen Sinn fürs Geldverdienen – allerdings noch mehr Talent fürs Geldausgeben. Das Problem, das Mozart anspricht, trotz der reduzierten Besetzung ganz ohne Gesang und Streicher die Wirkung der Musik zu erhalten, stellte sich auch bei Renners Bearbeitung. »Ich habe nur fünf Stimmen zur Verfügung, und

wurde in Lähn im Riesengebirge, Schlesien geboren. Aufgewachsen ist er in Bayern. Er nahm Schauspielunterricht bei Ado Riegler in München und arbeitete seit 1962 als Schauspieler in wechselnden Engagements. Die wichtigsten Stationen waren Kassel, Neuwied, Kaiserslautern, Tübingen (LTT) und Freiburg. Seit 1985 war er am Theater Konstanz tätig, seine wichtigsten Rollen dort: Bruder Eichmann, Kreon, Bockerer, König Lear, Nathan, Shylock. Seit August 2006 ist er mit vielen Gastverpflichtungen im Ruhestand. Während der Konstanzer Zeit beschäftigte er sich auch mit Puppentheater, es entstanden mehrere eigene Stücke, die mit selbstgefertigten Puppen aufgeführt wurden.

eine Mozart-Partitur auf fünf Stimmen zu reduzieren, ist eigentlich ein Frevel. Ich schaue die Partitur sehr genau durch, was geht und was nicht. Auch die Mischung soll stimmen, nicht dass am Ende einer meiner Quintett-Kollegen eine ganze Stunde lang nur Begleitung zu spielen hat, der stiege mir sonst aufs Dach. Ich muss das Stück auch erheblich kürzen, denn rund drei Stunden hält das Publikum nicht aus. Und wir Bläser schon gar nicht, denn bei nur fünf Stimmen gibt es für niemanden eine Pause. Das ist ganz anders als in der Orchesterliteratur, wo fast nie alle gleichzeitig spielen. Darum ist für uns auch der Sprecher Hans Helmut Straub so wichtig«. Dessen Einsatz gibt den Musikern nämlich Gelegenheit zu einem gelegentlichen diskreten Griff zur Sauerstoffflasche. Und wo bleibt das große Theater? »Wenn man in eine Mozart-Partitur schaut, wird man so klein mit Hut«, weiß Hubert Renner. »Es ist unglaublich, was Mozart in ein paar Takten alles aufführt.« Er hat seinem Don Giovanni übrigens die Fassung der Prager Erstaufführung zugrunde gelegt, die mit der Höllenfahrt, also »böse«, endet. Wie aber bekommt man eine Höllenfahrt für ein Bläserquintett hin? So ganz ohne Streicher, Posaunen und einen gelegentlichen Schlag auf die Pauke, aber auch ohne Feuerzauber auf der Bühne, viel Maske und dramatische Beleuchtungseffekte? »Dafür muss ich natürlich einige Kunstgriffe anwenden, denn eigentlich funktioniert das nicht mit fünf Bläsern.« Mehr will Renner nicht verraten. Dabei endet bei Mozart doch alles so einfach: Don Giovanni: Ah! – (Er wird von der Hölle verschluckt) Leporello, sein Diener: Ah! Harald Borges


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SONDERREIHE

Sonntag, 28. Januar 2018 | 18 Uhr | Festsaal Inselhotel Konstanz Konzertdauer: ca. 100 min. Karten: 38 ∙ 28 Euro  |  Wolfgang × 3 (Wolfgang am See I bis III): 76 ∙ 56 Euro

Wolfgang am See III LINZ

Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791

Ouvertüre zu Idomeneo KV 366 Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert C-Dur KV 415 Allegro Andante Allegro

PAUSE

Wolfgang Amadeus Mozart

Symphonie C-Dur KV 425 »Linzer« Adagio – Allegro spirituoso Andante Menuetto Presto

Stefan Vladar klavier Ari Rasilainen chefdirgent

Über Hals und Kopf Keine Frage, Mozart war ein Workaholic und perfekt organisiert. Anders lässt sich nicht erklären, warum der 27-Jährige für seine Linzer Symphonie gerade mal sechs Tage brauchte. Mozart unterbrach Ende Oktober 1783 für ein paar Tage seine Rückreise nach Wien in Linz für einen Besuch bei seinem Förderer Graf von Thun, der flugs ein Konzert für seinen Gast organisierte. Der hatte zwar nichts Aktuelles im Gepäck, war Urlaub aber nicht gewöhnt, und so machte er sich »über hals und kopf« an eine neue Symphonie, die pünktlich am 4. November im Linzer Ballhaus erklang. Von Routine keine Spur. Das Konzept des Linzer Meisterwerks: Einerseits gibt es sich feierlich und majestätisch, andererseits wird dies immer wieder unterwandert, hinterfragt, gebrochen. Die langsame Einleitung führt diese Idee als formbildend ein. Sie beginnt mit prächtiger Geste: punktiert, in C-Dur, forte. Dann wird’s sofort melancholisch: piano, in Moll, durch Seufzermelodik und Chromatik. Diese Stimmungswechsel prägen alle Sätze. Im Allegro-Teil des Kopfsatzes wird das erste quirlig-heitere Thema mit einem zweiten Gedanken in e-Moll (statt G-Dur) konfrontiert. Der langsame Satz in Gestalt eines wiegenden, idyllischen Sicilianos im 6/8-Takt wartet überraschend mit feierlichen Pauken und Trompeten und plötzlichen Forte-Einwürfen auf. Das Menuett gibt sich auftrumpfend festlich, dann wieder ganz leise und zart, und sein Trio dudelt entspannt vor sich hin. Das Rondo-Finale beherrscht ein quecksilbriges Hauptthema, dessen freundlicher Gestus aber immer wieder von harten, punktierten Alla-turca-Einwürfen gestört wird.


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Stefan Vladar ist eine der bemerkenswertesten Musikerpersönlichkeiten Österreichs. Als Dirigent und Pianist tritt er regelmäßig in Musikzentren Europas, Amerikas und Asiens auf. Stefan Vladar ist seit 2008 Chefdirigent des Wiener KammerOrchesters, mit dem er weltweit Tourneen unternimmt. Seit fast 20 Jahren ist er der Künstlerische Leiter der »Neuberger Kulturtage«. Stefan Vladar ist Professor für Klavier an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er ist Träger des »Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich«.

In Sachen Dramatik zeigt sich Mozart auch in seinen Instrumentalwerken immer als der erfahrene Opernkomponist. Und das Symphonien-Komponieren befruchtete rückwirkend seine Opern. Wie etwa Idomeneo, komponiert 1781 für München im Auftrag des Kurfürsten Karl Theodors. Da dieser 1778 von Mannheim nach München übergesiedelt war und einen Teil der weltberühmten Mannheimer Hofkapelle mitgebracht hatte, konnte Mozart, auch was die Ansprüche an den Orchesterpart angeht, in die Vollen gehen. In kaum einer anderen Oper arbeitete er so differenziert, so plastisch, so effektvoll mit den unterschiedlichen Orchester-Klangfarben. Kein Wunder also, dass auch die Ouvertüre in ihrer ganzen dramatischen Wucht ein Orchesterglanzstück geworden ist. Wie deutlich zeichnet sie in nur fünf Minuten den Gewissenkonflikt des kretischen, aus dem Krieg heimkehrenden Königs Idomeneo nach, der sich weigert, dem Meeresgott Neptun zum Dank seinen geliebten Sohn Idamante zu opfern – hörbar in der heroisch aufsteigenden Fanfare zu Beginn, in den Energieschüben, in den kraftlosen, lyrisch-klagenden Augenblicken, die nur da sind, um wieder neue Energie nachzuladen. Das ist Drama, das ist Spannung.

Auch das dramatische Potenzial der dreisätzigen Solokonzertform in ihrer Gegenüberstellung von Soloinstrument (Individuum) und Orchester (Kollektiv) vermochte Mozart, selbst Tastenlöwe, voll auszukosten. Die meisten seiner Klavierkonzerte schrieb er für eigene Auftritte. Aber er war auch Geschäftsmann. Besonders in seiner ersten Zeit in Wien, wohin er 1781 aus der lähmenden Enge Salzburgs geflohen war, versuchte er, seine Konzert-Partituren in der Zeitung unters musikliebende Volk zu bringen. So seine ersten drei (von 17) Wiener Klavierkonzerte KV 413 – 415: »3 conzerten, welch man sowohl bey großem orchestre mit blasenden instrumenten, als auch nur a quattro, nämlich mit 2 violinen, 1 viole und violoncello aufführen kann.« Eine Gratwanderung: Einerseits sollen sich diese Konzerte an Profis richten, brillant sein, damit diese in großen Konzertsälen glänzen können, andererseits dürfen sie aber auch nicht zu schwer sein, damit begabte Laien sie im kleineren Rahmen und ohne Bläser aufführen können. Aber Mozart löste auch diese Aufgabe ausgezeichnet. Im Klavierkonzert C-Dur KV 415 verdoppeln die Blasinstrumente meist nur die Stimmen der Streicher. Aber das tut dem lebendigen Dialog zwischen Solo und Orchester, unterhaltenden Kontrasten, melodischem Reichtum und einer üppigen, modulationsreichen Harmonik keinen Abbruch. Verena Großkreutz

Sein Trio dudelt entspannt vor sich hin


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KONSTANZ ERHELLT MOMENTE. Licht kann so vieles. Es zeigt uns den Weg, wenn es dunkel ist. Es sorgt für die richtige Stimmung und weckt angenehme Gefühle. Es ist warm. Manchmal sogar ein echter Romantiker. Das richtige Licht macht den Moment. Wir erhellen die einzigartigen Augenblicke in Konstanz – mit unserer vielseitigen Stromversorgung.

Mehr Konstanz im Leben. Ihre Stadtwerke.


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eduART FAMILIENKONZERT Sonntag, 28. Januar 2018 | 11 Uhr | Festsaal Inselhotel Konstanz Geeignet für Kinder ab 6 Jahren. Karten: Erwachsene 12 Euro · Kinder 6 Euro · Familien 25 Euro

Naftule und die Bremer Stadtmusikanten Ein musikalisches Märchen zwischen Klassik und Klezmer

Der unternehmungslustige Naftule begegnet mit seinem symphonischen Übersetzer Pino auf einer seiner Reisen den vier wohl berühmtesten Flüchtlingen der Weltliteratur. Staunend entdecken sie die besonderen Talente der tierischen Zeitgenossen Esel, Hund, Katze und Hahn und helfen ihnen – natürlich mit tatkräftiger Unterstützung des Publikums – aus lebensbedrohlicher Not. Ins legendäre Bremen gelangen die vier musizierenden Zeitgenossen übrigens nicht, doch selbstverständlich gibt es ein Happy End – mit viel Witz und fetzigem Finale!

Kerstin Klaholz erzählerin Helmut Eisel klezmerklarinette Südwestdeutsche Philharmonie Joonas Pitkänen dirigent


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SINN-FONISCHES PHASNACHTSKONZERT DER KONSCHDANZER FILHARMONIE

Montag, 5. Februar 2018 | 19.33 Uhr | Konzil Konstanz Dienstag, 6. Februar 2018 | 19.33 Uhr | Konzil Konstanz Karten: 54 · 43 · 31 · 20 Euro

Fake News Überraschungsgäste aus TV, Funk und Fasnacht

Tobias Bücklein Leitung

Fake News Zurückgekehrt von der letztjährigen Flucht ins Land der Operette, macht sich Tobias Bücklein dieses Jahr (voll bekleidet) auf die Suche nach der nackten Wahrheit: Liegt sie wirklich im Wein, wie die Lateiner sagen? Vieles spricht dafür. Jedenfalls solange reiner Wein eingeschenkt wird. Bereits zum vierten Mal präsentiert der Konstanzer Kommunikations- und Unterhaltungskünstler den Amüsierwilligen dieser Stadt regionale Themen und musikalische Spitzfindigkeiten. Dieses Mal jedoch führt er nicht nur den Taktstock und mit intelligenter Leichtigkeit durchs Programm, sondern auch noch sein Publikum hinters Licht. Und da wollten Sie doch schon immer mal hin, oder? Hinterm Licht! Das ist da, wo Google und Wikipedia mehr Autorität haben als jeder Lehrer. Wo man sich auf die Versprechungen der Werbung so wenig verlassen kann, wie auf die Echtheit der Mails seiner Bank. Wo auf Twitter Weltpolitik geschrieben wird, aber keiner überprüfen kann, von wem. Und wenn im Progammheft steht: »Mit Überraschungsgästen aus TV, Funk und Fasnacht«, soll man das dann glauben? Oder sind das nur Fake News? Wie gut, dass Tobias Bücklein Ihnen jetzt endlich die Wahrheit präsentiert, Orientierung bietet in dieser schwierigen Zeit. An diesem Abend dürfen Sie Augen und Ohren trauen. Und wenn Bonbon-Papier knistert, dann sind es auf jeden Fall Werther’s Echte. Denn ganz egal, ob Sie Fasnacht leiden können und sinfonische Musik lieben oder nicht. Dieses Konzert wird Ihnen gefallen! Wir haben die ältesten Druckfehler für Sie recherchiert und großartige Komponisten für Sie erfunden. Wir versprechen Ihnen das Blaue vom Himmel, der voller Geigen hängt. Wir posaunen an diesem Abend alles heraus, was uns in den Sinn kommt: Dieser Abend wird ein Höhepunkt für alle, die Lust auf die Verquickung von Philharmonie und Amüsement mit Hirn haben. Ehrlich wahr!

Dieses Konzert wird Ihnen gefallen

Tobias Bücklein ist Kabarettist, Musiker, Moderator und produziert seit vielen Jahren Shows für Unternehmen, die Bühne und das Fernsehen. Er unterhält sich gerne mit interessanten Persönlichkeiten und präsentiert jeden Sonntag eine neue Folge dieser Gespräche unter www.inseldenker.de. Anfang September erschien sein Buch: »Feierkunst – Leuchtende Augen statt hohler Rituale. Wie Sie mit klaren Zielen budgetbewusst feiern.« (ISBN 978-3-86623-584-7)


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KOLU MN E

tobias bücklein

Stille Nacht, (glück)selige (Fas)nacht Viele Dinge haben ja bekanntlich zwei Seiten. Im Moment sind es für mich zwei leere Seiten des TAKT-Magazins, die ich mit Inhalt füllen soll. Mit recht gegensätzlichem noch dazu: Auf der einen Seite geht es um die Konzertankündigung für die Fasnacht, auf der anderen Seite um meine Kolumne, die jahreszeitbedingt dem Thema Weihnacht gewidmet sein soll. Fasnacht und Weihnacht auf einer Doppelseite. Na, das passt ja mal! Obwohl: Eigentlich haben die beiden Feste einiges gemeinsam. Zum Beispiel, dass es sich jeweils um einen Auftakt vor dem eigentlichen Ereignis handelt. Hier die Nacht vor Christi Geburt, dort die Nacht (oder besser die Nächte) vor der Fastenzeit. Und beide Feste teilen das Schicksal, dass sich viele zwar ausgiebig am Hineinfeiern beteiligen, den eigentlichen Grund aber oft aus den Augen verloren haben: Wer freut sich denn an Weihnachten wirklich über Christi Geburt? Und wie viele fasten nach der Fasnacht? Noch eine Gemeinsamkeit: Beide Feste haben einen anarchischen Kern. An der Fasnacht werden gesellschaftliche Hierarchien umgestürzt, alle Menschen sind gleich, die Narren besetzen das Rathaus und der Oberbürgermeister wird geduzt. An Weihnachten wird ebenfalls ein Revolutionär geboren, der auf seine Weise die Machtspielchen dieser Welt zu überwinden sucht. Doch wer denkt schon an so etwas, wenn er O du fröhliche singt… Das Schicksal von Fasnacht und Weihnacht ist, dass ihr ursprünglicher Sinn zunehmend vergessen und durch Rauschzustände ersetzt wird. Unterschiedlich sind dabei die Stimulanzien: An Weihnachten ist es der Konsum, an Fasnacht der Alkohol. Der Konsumrausch allerdings ist der Gesundheit und der Wirtschaft zuträglicher. Deshalb hat sich Weihnachten bundesweit erhalten. Fasnacht dagegen wird nur noch in regionalen Hochburgen ausgiebig begangen. An Fasnacht gibt es für Händler einfach nicht genug zu holen. Keine Geschenkeberge. Kaum Accessoires. Kerzen, Eier oder wenigstens Plastik-Kürbisse in allen Variationen? Fehlanzeige! Ein paar Luftschlangen, Kostüme und

Masken, ja. Jede Menge Alkohol, natürlich. Aber ansonsten ist Fasnacht praktisch genauso unverkäuflich wie Pfingsten. Deshalb schließt der Einzelhandel am Schmotzgen auch lieber gleich seine Pforten. (Wogegen diskutiert wird, ob wir an Heiligabend nicht wenigstens ein paar Stunden shoppen dürfen – Sonntag hin oder her.) Um wieder zu den Gemeinsamkeiten zu kommen: Beide Feste scheitern oft am eigenen Anspruch. Weihnachten steht für Tiefe und Fasnacht für Humor. Aber in Wirklichkeit gibt es oft Oberflächlichkeit oder gar Streit unterm Christbaum und Besoffene auf der Marktstätte.

Fasnacht ist unverkäuflich wie Pfingsten Vielleicht würde ja das umgekehrte Konzept funktionieren? Wenn wir den Humor an Weihnachten und die Tiefe in der Fasnacht suchen würden? Denn natürlich ist Weihnachten zuallererst ein O-du-fröhlicher Kindergeburtstag. Und die Fasnacht hat durchaus ihre tiefen Momente. Dass dieser Spagat funktioniert, hat uns nicht zuletzt Alfred Heizmann vorgemacht, der Spezialist für tiefgründige Narretei, den wir im kommenden Jahr schmerzlich vermissen werden. Vor Jahren dichtete er: »Manchmol hock ich do und denk, der Humor ischt ein Geschenk des Himmels, das den Blick mir weitet für des, was drüben uns bereitet.« Und genau darum geht’s: Wenn nur der Blick geweitet ist, passen auch Fasnacht und Weihnacht zusammen auf eine Seite. Mit Humor und Dankbarkeit im Gepäck haben wir immer Grund zur Freude. Alfred konnte das nicht nur wunderbar ausdrücken, er hat es auch wunderbar gelebt.


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KAMMERKONZERT

Sonntag, 18. Februar 2018  |  18 Uhr  |  Wolkenstein-Saal im Kulturzentrum am Münster Konstanz Karten: 18 Euro · ermäßigt 14 Euro

Wandlungen Wolfgang-Andreas Schultz *1948

Indras Netz – Die Lehrzeit des jungen Sudhana

Der kosmische Blick Ariadnes Verwandlung

Ein Zyklus für Klavier frei nach dem Kegon-Sutra (2012)

Sonate für Viola und Klavier (2015)

Einleitung Die Göttin der Erde Der Schlangen-Dämon Die Freundin der Welt (die Kurtisane) Der Dämon der Mutlosigkeit Die indische Lehrerin Der Erde-Dämon Hier wird noch einmal das Ritual des Anfangs wieder aufgenommen. Der japanische Lehrer (in einem Zen-Garten) Der chinesische Lehrer Der Bodhisattva Maitreya

Krishnas Verwandlungen Fantasie für Flöte und Klavier (2015/2016) UA Im Tempel Im Garten

Hana Gubenko viola Karoline Renner flöte Timon Altwegg klavier Wolfgang-Andreas Schultz werkvorstellung


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Ich war jung, hatte lange Haare und brauchte den Stoff

Zeit zum Umdenken Es gibt viele Wege in die musikalische Gegenwart, und der Komponist Wolfgang-Andreas Schultz hat seine Wege immer wieder ganz bewusst abseits der ausgetretenen Pfade gesucht. Der 1948 geborene Hamburger studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik, danach Komposition bei György Ligeti. Er wurde 1977 dessen Assistent und 1988 selbst Professor für Komposition in Hamburg. Schultz wandte sich schon früh gegen jede dogmatische Begrenztheit des zeitgenössischen Musikbetriebs: »Seit den 50er Jahren ist das Komponieren umstellt von Verboten der Art: Man kann heute nicht mehr ... tonal komponieren, Melodien schreiben, harmonische Klänge verwenden  ... Längst ist es Zeit zum Umdenken. Auch in Deutschland sollte der Weg endlich frei werden für eine Pluralität der Stile.« Sein kompositorischer Ausgangspunkt ist konsequenterweise die musikalische Vielfalt. Sein Ziel ist allerdings nicht eine mehr oder minder verspielte Polystilistik, die verschiedene Elemente wie Zitate nebeneinander stellt, sondern eine echte Verbindung scheinbar unvereinbarer Ausdrucksmöglichkeiten. »Solche Vielfalt bezieht nicht nur die gesamte Tradition der abendländischen Musik potenziell mit ein, von der Gregorianik über Dufay, Bach, Mozart bis hin zu Mahler, Schönberg, Webern, Debussy, Messiaen und Ligeti, sondern auch Anregungen aus der Musik anderer Kulturen wie Indien, Japan, Tibet und dem vorderen Orient.« Es geht Schultz nicht um Abgrenzung, sondern um eine Verschmelzung von Ausdrucksmöglichkeiten zu etwas Neuem. Die Werke des Konzerts sind beispielhaft für diesen Ansatz, denn sie stehen im Bannkreis zwischen abendländischer Tradition und indischer Musik, Philosophie, Mythologie und Religion. Das gilt etwa für die Übernahme dreier indischer Ragas in der Sonate für Viola und Klavier. Diese Ragas sind an einen Grundton gebundene Melodien, die auf der indischen Musik nachempfundenen Skalen beruhen. Ihnen werden vom Klavier drei Gestalten der

westlichen Mythologie entgegengestellt. Der Klavierzyklus Indras Netz erzählt die Wanderschaft des Knaben Sudhana und seine Begegnung mit ihn prägenden Lehren, die in seinem Bewusstsein schließlich gleichzeitig präsent sind – so wie sich die kostbaren Perlen, aus denen Indras Netz geknöpft ist, immer wieder gegenseitig spiegeln. In Krishnas Verwandlungen für Flöte und Klavier schließlich spiegeln die beiden Instrumente den Kontrast zwischen indischer und westlicher Musiktradition wider. Der Gott Krishna, oft als Querflöten-Spieler dargestellt, ist ein großer Liebender und durchläuft hier drei Wandlungen: zum mittelalterlichen Troubadour, zum unglücklich und schließlich zum glücklich Liebenden. Schultz’ musikalisches Indien, das er mit der Seele sucht, ist jenes der ehrfurchtgebietenden Traditionen des Hinduismus und Buddhismus ebenso wie das einer privaten Erfahrung, zu der ihm die westliche Moderne keinen Zugang bietet. Es ist weit entfernt von jenem Indien der Aussteiger der 60er und 70er Jahre, die in den Osten reisten nach dem Motto »ich war jung, hatte lange Haare und brauchte den Stoff.« Die musikalische Verbindung dieser disparaten Elemente und die Aufhebung des kulturellen und historischen Abstands zwischen Ost und West prägen nicht nur die musikalische Sprache dieser Werke. Sie sind auch Teil eines darüber hinausweisenden Anliegens, und zwar der Wiederverbindung der einzelmenschlichen Subjektivität mit der Transzendenz, des Persönlichen mit dem Überpersönlichen. Die Begegnung mit der religiösen Praxis des Ostens lässt uns die philosophischen und menschlichen Voraussetzungen dafür wiederentdecken: »Sich ganz auf das Menschliche einlassen und in seinem Innern Gott suchen – das ist der Weg einer weltzugewandten Mystik.« Nach Meinung des Komponisten könnte das zu einer zentralen Aufgabe des gerade begonnenen Jahrhunderts werden. Harald Borges


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SONDERKONZERT

Sonntag, 25. Februar 2018 | 18 Uhr | Dreifaltigkeitskirche Konstanz Karten: 18 Euro · ermäßigt 14 Euro

Hosianna Urmas Sisask *1960

Benedictio

für gemischten Chor a cappella George Crumb *1929

An Idyll for the Misbegotten für Altflöte und 3 Schlagzeuger Samuel Barber 1910 – 1981

Agnus Dei / Adagio

für gemischten Chor und Streichquartett Claude Vivier 1948 – 1983

Et je reverrai cette ville étrange (1981) für Trompete, Schlagzeug (auch Celesta), Klavier, Viola, Violoncello und Kontrabass Olivier Messiaen 1908 – 1992

Quatuor pour la fin du temps 2Sätze für Violine, Violoncello und Klavier Olivier Messiaen 1908 – 1992

O sacrum convivium

für gemischten Chor a cappella Younghi Pagh-Paan *1945

U-MUL

für sieben Instrumente (1991/92) Altflöte, Klarinette, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Charles Ives 1874 – 1954

The Unanswered Question für Kammerensemble

Philharmonisches Kammerorchester für Neue Musik Vokalensemble UniSono Franz Lang dirigent

Kosmische Harmonien Es gibt Geschichten, die klingen so unglaublich, dass man sie kaum für möglich hält. So wie jene von Olivier Messiaen und seinem Quartett auf das Ende der Zeit. Der französische Komponist war bereits ein anerkannter Musiker der Moderne als er im Sommer 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft gerät. Seine Einheit wurde zunächst auf einem Feld in der Nähe von Nancy festgehalten. Hier trifft Messiaen auf den Klarinettisten Henri Akoka. Der hatte sein Instrument dabei und studierte im Lager unter freiem Himmel ein Solostück ein, das Messiaen für ihn geschrieben hatte. Daraus wird dann später der dritte Satz des berühmten Quartetts. Und damit ist die irre Geschichte noch nicht beendet. Olivier Messiaen schreibt auch im Lager in Görlitz-Moys, heute am Stadtrand des polnischen Zgorzelec gelegen, weiter an seiner Komposition. Am 15. Januar 1941 erklingt in der Theaterbaracke des Lagers erstmals das Quatuor pour la fin du temps. Rund 400 Menschen kommen zu dieser ungewöhnlichen Uraufführung. »Hungernde, frierende Menschen, fern ihrer Heimat – im schlesischen Niemandsland von dieser so wunderbaren Musik fasziniert«, schreibt Michael Ernst in einem Beitrag für die Neue Musikzeitung. Die Musik als Hoffnungszeichen und Hilferuf in einer dunklen Zeit. Gleich einem Hosianna in einer ausweg­ losen Situation. Man muss ein bisschen in dem Buch der Bücher blättern, um die Bedeutung dieses Ausrufes zu verstehen. Zu finden ist dieses Hosianna zum Beispiel im 118. Psalm als ein »Ach, Herr, hilf doch!«, im Judentum ist dieser Psalm ein Höhepunkt der Pessach-Liturgie. Im Evangelium taucht er eher als Jubelruf auf, so zum Beispiel bei Matthäus: »Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!« Wie auch immer man ihn liest, es verbindet sich mit dem Ausruf immer die Hoffnung auf Hilfe und Beistand in schwierigen Momenten. Nicht nur in Psalmen, auch in Liedern taucht die Wendung immer wieder auf und das unterstreicht die Bindung zwischen Musik und Religion.


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Franz Lang

In fast allen Religionen stehen die Künste in enger Verbindung mit Kult und Ritus. Vor allem der Musik kommt eine besondere Rolle hier zu, sie erscheint als »autonome Mittlerin der religiösen Wahrheit«, erklärt der Germanist Dieter Borchmeyer in einem Essay für die Neue Zürcher Zeitung. In der Tat ist die Bindung eng und das auch bis in unsere Zeit. Selbst im säkularisierten 20. Jahrhundert haben sich Musiker unterschiedlicher Couleur Gedanken gemacht über die Beziehung zwischen Musik und Religion. Wie hängen sie zusammen? Was kann das eine in dem anderen ausdrücken? Und ist es heute noch angemessen, religiöse Botschaften in Musik zu verpacken? Die Antworten darauf lauten höchst unterschiedlich. Sie geraten mal abstrakt, wie bei Charles Ives, der in seinem Stück The unanswered question eher nach dem Sinn des Lebens und dem Sinn der überlieferten musikalischen Gestaltungsmittel fragt oder bisweilen auch konkret fast esoterisch anmutend wie in den Arbeiten von Urmas Sisask oder Younghi Pagh-Paan. Die 1945 in Südkorea geborene Pagh-Paan sieht beispielsweise ihre Komposition U-MUL als Auftakt einer Reihe von Stücken, die sich an den Ideen des Maoismus orientieren. Der Brunnen, wie das Werk auch heißt, ist für die Komponistin ein Symbol eines sozialen Verständnisses von Leben: Er ist Zentrum der Verteilung lebensspendenden Guts und zugleich alltäglicher Mittelpunkt der Kommunikation. Die heute in Bremen und Panicale (Italien) lebende Künstlerin fordert mit ihrem Werk zur Besinnung auf ein archaisches Verhältnis von Natur und Mensch auf.

Könige einer sterbenden Welt

wurde 1956 geboren. Er studierte an den Musikhochschulen in Trossingen und München bei Prof. Hermann Gschwendtner. Parallel zu seinem Studium trat er seine erste Stelle am Nationaltheater Mannheim als Pauker und Schlagzeuger an. Ein Jahr später wechselte er zum SWRSinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wo er bis heute als stellvertretender Solopauker tätig ist. Auch als Gast ist Franz Lang mit namhaften Orchestern, wie zum Beispiel den Berliner Philharmonikern und dem Gewandhaus-Orchester zu hören. Seine Lehrtätigkeit nahm er 1980 für sieben Jahre an der Musikhochschule in Saarbrücken auf. Seit 1999 ist Franz Lang Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen, wo er auch das Schlagzeugensemble als Dirigent leitet.

Auch für den Esten Urmas Sisask sind kosmische Harmonien ein wichtiges Thema. Einen Großteil seiner Inspiration bezieht er demnach aus der Astronomie. Sein Kompositions- und Aufführungsstudio befindet sich in einem 1994 eingerichteten Sternenturm im historischen Schloss von Jäneda. Sisask, der heute als einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten seines Landes gilt, hat in seinem Werk vor allem Stücke für gemischte A-cappella-Chöre geschaffen. Der Komponist ist bekennender Katholik und hat auch zahlreiche geistliche Werke geschaffen. Dazu zählt auch sein Benedictio, das in diesem Programm zur Aufführung kommt. Thematisch spielt er hier mit Wiederholungen, die nie ganz identisch sind, sondern weitertragen in neue, hörbar spannende Variationen und so ein Stück weit kompositorisch minimal-art anklingen lassen. Nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika setzen sich Komponisten im 20. Jahrhundert immer wieder mit der Dualität von Religion und Musik auseinander. Bei George Crumb kommt der Natur in diesem Spiel eine besondere Rolle zu. So in seinem Werk An Idyll for the Misbegotten (was so viel beutetet wie »Ein Idyll für die Beladenen«). Seine Gedanken zu dem Werk hat Crumb mal so beschrieben: »Die Menschheit ist in der natürlichen Welt der Pflanzen und Tiere noch illegitimer geworden. Das alte Gefühl der Brüderlichkeit mit allen lebendigen Formen erodiert, allmählich, aber unerbittlich, mit dem Ergebnis, dass sie Könige einer sterbenden Welt geworden sind.« In seiner Musik fordert Crumb die Rückbesinnung auf die Natur, um


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Das Vokalensemble UniSono besteht in seiner jetzigen Form seit dem Jahr 2011. Es setzt sich aus aktiven oder ehemaligen Studenten der Universität Konstanz zusammen. Unter der Leitung von Johannes Heieck erarbeitet das Ensemble mehrere Programme pro Jahr. Ziel ist es dabei, Werke unterschiedlichster Epochen und Stile zu einem homogenen Klangerlebnis zu vereinigen. Einen Arbeitsschwerpunkt bilden dabei die Werke zeitgenössischer Komponisten. Johannes Heieck studierte Deutsch und Geschichte auf Lehramt an der Universität Konstanz und arbeitet derzeit als Lehrer am Marianum Hegne. Seit seiner Kindheit ist er Mitglied in international renommierten Chören wie der Christophorus-Kantorei Altensteig, dem Maulbronner Kammerchor oder dem Jungen Vokalensemble Hannover. Zudem geht er vielfältigen solistischen und Ensembletätigkeiten in Süddeutschland und der Schweiz nach. Seine dirigentische Ausbildung absolvierte er u.a. bei Michael Nonnenmann und Volker Hempfling. Er leitet mehrere Chöre, darunter auch das Ensemble TonArt Andwil-Arnegg und UniSono Konstanz.

das menschliche Leben wieder in Einklang mit der Umgebung zu bringen. Ganz ähnlich klingt das bei dem wahrscheinlich bedeutendsten kanadischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Claude Vivier hat sein Leben damit verbracht, herauszufinden, wer er eigentlich ist und so ist ihm auch seine Komposition Et je reverrai cette ville étrange aus dem Jahr 1981 als Suche geraten: »Wie der Titel schon sagt, ist dieses Stück ein Comeback zu einem bestimmten Ort in meinem Leben, bestimmte Melodien, die irgendwie Teil meiner Vergangenheit sind«, so Vivier. Letztlich sei diese Arbeit »ein Akt der Verzweiflung«, schreibt der Komponist weiter, und zwar »in dem Sinne, dass Schöpfung immer ein Versuch ist, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Melancholie und Hoffnung, um die Kontinuität wiederherzustellen, die das Leben unterbrochen hat.« Viviers Leben war eine rastlose Suche, er war viel auf Reisen in Asien und im Nahen Osten. Studiert hatte der Kanadier unter anderem bei dem vielleicht bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, Karlheinz Stockhausen, in Köln. Das Ende von Viviers Leben war tragisch: In der Nacht vom 7. zum 8. März 1983 wurde er im Alter von gerade einmal 34 Jahren in seiner Wohnung umgebracht. Als Mörder wurde ein 19-jähriger Prostituierter verurteilt. Als Claude Viviers Hymne auf die Rückkehr an einen prägenden Ort seiner Vergangenheit entsteht, ist Samuel Barber bereits tot. Zuvor hatte er das wahrscheinlich berühmteste amerikanische Werk der Klassik geschaffen. Sein Adagio wurde 1945 auch bei der Trauerfeier für Präsident Roosevelt gespielt. Barber hatte seine musikalische

Laufbahn als Organist begonnen, außerdem entwickelte er eine außergewöhnliche Baritonstimme, weshalb er mit 14 Jahren am renommierten Curtis Institute von Philadelphia Gesang zu studieren begann. Aus der Karriere als professioneller Sänger wird aber nichts, Barber bleibt Komponist. Mit einigen gewonnenen Preisen im Gepäck reiste er von Amerika nach Italien, um sich dort weiterzubilden. Barber war ein global denkender Mann und versuchte Brücken zu schlagen zwischen der zeitgenössischen Musik und alten Traditionen, zwischen Amerika und Europa, zwischen Neuem und Bewährtem. Im Jahr 1967 hat Barber sein Erfolgsstück für Chor (mit oder ohne Orgel) bearbeitet und dafür den lateinischen Text des Agnus Dei verwendet. »Vielleicht wollte er damit denjenigen entgegenkommen, die in diesem Werk immer schon einen religiösen Bezug sehen wollten«, vermuten Musikwissenschaftler. Und so bleiben am Ende viele Fragen zum Verhältnis von Musik und Spiritualität offen. Der amerikanische Komponist Charles Ives hat das in seinem Werk The unanswered questions auch künstlerisch umgesetzt. Vor dem Hintergrund von lang gezogenen choralartigen Streicherakkorden, die Ives als »Das Schweigen der Druiden« beschrieb, »die nichts wissen, nichts hören und nichts sehen«, intoniert eine Trompete immer wieder ein fragendes Motiv, die »ewige Frage der Existenz«. Darauf antworten die vier Bläser sechsmal dissonant und zunehmend ungeduldiger und schroffer, bis die Frage am Schluss unbeantwortet stehen bleibt. Michael Lünstroth


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Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Friedrich Schiller

Tief betroffen nehmen wir Abschied von unserem guten Freund und stellvertretenden Vorsitzenden

Felix Strasser Wir trauern, aber sein Lachen ist immer in uns. Wir sind fassungslos, aber wir werden mit seinen Ideen weitergehen. Wir sind dankbar für jede Begegnung und wir werden versuchen, seine Haltung auf unseren Weg mitzunehmen. Wir sind stolz, dass er einer von uns war und nehmen die großen Spuren, die er hinterlassen hat, als Auftrag an. Unsere Gedanken sind bei Ruth Bader und allen Angehörigen. Beat Fehlmann

Intendant südwestdeutsche philharmonie

Wolfgang Müller-Fehrenbach

vorsitzender freundeskreis philharmonie e.v.


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PHILHARMONISCHE KONZERTE | SONDERKONZERTE Südwestdeutsche Philharmonie KAMMERKONZERTE | eduART KONZERTE

Kasse im Stadttheater Konzilstraße 11, 78462 Konstanz Mo bis Fr 10 – 19 Uhr; Sa 10 – 13 Uhr Tel.: 07531 900-150 Theaterkasse@konstanz.de Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz Abo- und Kartenbüro Fischmarkt 2, 78462 Konstanz Mo bis Fr 9 – 12.30 Uhr Tel.: 07531 900-816  |  Fax: 07531 900-12816 philharmonie-karten@konstanz.de print@home · www.philharmonie-konstanz.de

Tourist-Information Konstanz Bahnhofplatz 43, 78462 Konstanz Nur Schalterverkauf April bis Oktober: Mo bis Fr 9 – 18.30 Uhr; Sa 9 – 16 Uhr; So 10 – 13 Uhr November bis März: Mo bis Fr 9.30 – 18 Uhr counter@konstanz-tourismus.de

… und in den Ortsverwaltungen: Litzelstetten, Dingelsdorf, Dettingen-Wallhausen (Schalterverkauf, kein Tausch)

impressum Herausgeber  Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, Fischmarkt 2, 78462 Konstanz Redaktion  Corinna Bruggaier cb, Beat Fehlmann BF, Gesine Mayer-Herrbold gm, Rouven Schöll RS Fotos  Ilja Mess (Titel, 49), Bernd Bühmann (12, Blacher), a2r (16), Michael Vogel (22, VIVA VOCE), Denis Yulov (24, Zünd), Stadt Konstanz/Patrick Pfeiffer (25), Hamza Saad (32, Pouspourikas), Marco Borggreve (35, Chassot) und (39, Vladar), MH Trossingen (47, Lang), SWP und Archiv illustrationen eduart  Susanne Smajić gestaltung  albers mediendesign konstanz  |  Druck  Druckerei Konstanz GmbH  |  auflage 61.000 Exemplare Bild- und Tonaufnahmen der Konzerte durch jede Art elektronischer Geräte sind nur in Absprache und mit Genehmigung der Südwestdeutschen Philharmonie gestattet. Zuwiderhandlungen sind nach dem Leistungsschutz- und Urheberrechtsgesetz (UrhG) strafbar. Wir bitten Mobiltelefone im Konzertsaal auszuschalten sowie während des Konzertes auf Essen und Trinken zu verzichten.

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wein

kultur

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Ein Museum für alle Sinne Öffnungszeiten November bis März: Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11 – 18 Uhr Geschlossen: 23./24./30./31. Dezember, Karfreitag April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 – 18 Uhr Vorburggasse 11 | 88709 Meersburg | info@vineum-bodensee.de Tel.: +49(0)7532-440-260 / -2632 | www.vineum-bodensee.de


Konzert-Termine NOVEMBER 2017 Donnerstag, 30. November 2017 | 18 Uhr Tertianum Konstanz Kammerkonzert RÜCKZUG Werke von Halvorsen, Bartók, Schostakowitsch Katharina Vogt violine Johannes Grütter violine Klaus Valcu viola Ilija Andrianov violoncello DEZEMBER 2017 Freitag, 1. Dezember 2017 | 20 Uhr Dr.-Ernst-Hohner Konzerthaus Trossingen Sonntag, 3. Dezember 2017 | 18 Uhr Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen Verdi: Requiem Vokalensemble Camerata Serena Chor der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen, Nikolaus Henseler dirigent Samstag, 2. Dezember 2017 | 11, 14 und 16 Uhr Wolkenstein-Saal Kulturzentrum am Münster eduART-Sitzkissenkonzert DER ALLERKLEINSTE TANNENBAUM Anna Hertz schauspielerin Circolo Quartett Freitag, 8. Dezember 2017 | 19.30 Uhr  Abo C Konzil Konstanz TUMULT Mozart: Ouvertüre zu Die Zauberflöte Beethoven: Violinkonzert Mozart: Symphonie KV 550 Kolja Blacher violine und leitung Samstag, 9. Dezember 2017 | 18 Uhr Konzil Konstanz GENIAL! I: MOZART Mozart: Symphonie KV 550 Kolja Blacher leitung Beat Fehlmann moderation Sonntag, 10. Dezember 2017 | 18 Uhr  Abo D Mittwoch, 13. Dezember 2017 | 19.30 Uhr  Abo A Konzil Konstanz TUMULT Mozart: Ouvertüre zu Die Zauberflöte Beethoven: Violinkonzert Mozart: Symphonie KV 550 Kolja Blacher violine und leitung Sonntag, 17. Dezember 2017 | 11.15 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz Kammerkonzert WONNE & FREUDE Ausschnitte aus barocken Weihnachtskantaten und Instrumentalmusik Ekkehard Creutzburg flöte Karin Dean violine Ilija Andrianov violoncello Thorsten Bleich theorbe Markus Utz truhenorgel Iris-Anna Deckert sopran

November · Dezember 2017 Januar · Februar 2018

Sonntag, 17. Dezember 2017 | 18 Uhr Schänzlehalle Konstanz UNLIMITED I: SYMPHONIC CHRISTMAS Ensemble VIVA VOCE Enrique Ugarte dirigent Samstag, 23. Dezember 2017 | 19.30 Uhr Tonhalle Maag Zürich [ch] Weihnachtskonzert JANUAR 2018 Montag, 1. Januar 2018 | 19 Uhr  Graf-Buchard-Halle Frickingen Dienstag, 2. Januar 2018 | 19.30 Uhr Tonhalle Maag Zürich [ch] Mittwoch, 3. Januar 2018 | 19.30 Uhr Abo Radolfzell Milchwerk Radolfzell Freitag, 5. Januar 2018 | 19.30 Uhr  Konzil Konstanz Samstag, 6. Januar 2018 | 20 Uhr Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen Neujahrskonzert Samuel Zünd gesang Ari Rasilainen chefdirigent Freitag, 12. Januar 2018 | 19.30 Uhr  Abo B Konzil Konstanz HIEROGLYPHEN Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Prokofjew: »Symphonie Classique« Prokofjew: Leutnant Kijé Alexander Schimpf klavier Yannis Pouspourikas dirigent Samstag, 13. Januar 2018 | 20 Uhr Stadthalle Singen Neujahrskonzert Samuel Zünd gesang Ari Rasilainen chefdirigent Sonntag, 14. Januar 2018 | 18 Uhr  Abo E Mittwoch, 17. Januar 2018 | 19.30 Uhr  Abo A Konzil Konstanz Freitag, 19. Januar 2018 | 19.30 Uhr Konzertkirche St. Johann Schaffhausen [ch] HIEROGLYPHEN Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Prokofjew: »Symphonie Classique« Prokofjew: Leutnant Kijé Alexander Schimpf klavier Yannis Pouspourikas dirigent Sonntag, 21. Januar 2018 | 17 Uhr Viktoria-Hall Genf [ch] Prokofjew: Leutnant Kijé Schostakowitsch: Cellokonzert Prokofjew: »Symphonie Classique« Daniel Müller-Schott violoncello Yannis Pouspourakis dirigent

Freitag, 26. Januar 2018 | 19.30 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz WOLFGANG AM SEE I: SALZBURG Samtag, 27. Januar 2018 | 19.30 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz WOLFGANG AM SEE II: PRAG Sonntag, 28. Januar 2018 | 18 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz WOLFGANG AM SEE III: LINZ Sonntag, 28. Januar 2018 | 11 Uhr Festsaal Inselhotel Konstanz NAFTULE UND DIE BREMER STADTMUSIKANTEN eduART-Familienkonzert Kerstin Klaholz erzählerin Helmut Eisel klezmerklarinette Joonas Pitkänen dirigent FEBRUAR 2018 Montag, 5. Februar 2018 | 19.33 Uhr Dienstag, 6. Februar 2018 | 19.33 Uhr Konzil Konstanz FASNACHTSKONZERT Tobias Bücklein leitung Mittwoch, 14. Februar 2018 | 20 Uhr Aula Magna Universität Fribourg [ch] Donnerstag, 15. Februar 2018 | 20 Uhr Dreispitz Kreuzlingen [ch] Tschaikowski: Violinkonzert Rachmaninow: Symphonie Nr. 2 Soyoung Yoon violine Alexandru Ianos dirigent Sonntag, 18. Februar 2018 | 18 Uhr Wolkenstein-Saal Kulturzentrum am Münster Kammerkonzert WANDLUNGEN Karoline Renner flöte Hana Gubenko viola Timon Altwegg klavier Samstag, 24. Februar 2018 | 18 Uhr Konzil Konstanz GENIAL! II: BEST OF Ari Rasilainen chefdirigent Peter Herrbold moderation Sonntag, 25. Februar 2018 | 18 Uhr Dreifaltigkeitskirche Konstanz HOSIANNA Philharmonisches Kammerorchester für Neue Musik Franz Lang dirigent Vokalensemble UniSono


EIN MARIMBAPHON ZU WEIHNACHTEN Der Freundeskreis unseres Orchesters unterstützt seit vielen Jahren die musikalische Bildungsarbeit im Rahmen der eduART-Reihe sowie die Neuanschaffung. Unser Orchester besitzt bisher kein eigenes Marimbaphon. Dieses Instrument wird in der Orchesterliteratur nicht so häufig eingesetzt. Wenn es jedoch zum Einsatz kommt, dann fast immer so exponiert, dass jeder es auch mitbekommt. Das Marimbaphon ist demnach ein Instrument, das auch für die Vorbereitung einer hochwertigen Aufführung stets wichtig und gewünscht ist.

Die winterliche Spenden-Aktion unseres Vereins dreht sich also um diese Investition. Wer einen Beitrag leisten möchte, ist sehr herzlich eingeladen, sich mit zu engagieren: Bankverbindung: Sparkasse Bodensee IBAN DE45 6905 0001 0000 0454 92 BIC SOLADES1KNZ Stichwort: Marimbaphon Wir danken sehr herzlich und wünschen eine schöne Weihnachtszeit !

Profile for Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

TAKT Winter 2017/2018  

Hier finden Sie alle Informationen rund um unsere Konzerte und Aktivitäten bis Ende Februar 2018.

TAKT Winter 2017/2018  

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