__MAIN_TEXT__
feature-image

Page 1

TA K T /3

»Das Magazin zur Spielzeit«

2 0 19/ 2 0


MEDIENPARTNER

TRÄGER UND ZUSCHUSSGEBER

PARTNERORGANISATIONEN

SPONSOREN

Farbenmarkt Farbengroßhandel

Digital genießen Bequem informiert mit unserer App „SÜDKURIER Digitale Zeitung“ und immer aktuell mit unserer App „SÜDKURIER Online“ – jetzt testen:

sk.de/abo


EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde der Südwestdeutschen Philharmonie, in der Mitte der Spielzeit 2019/2020 möchte ich zurückblicken und einige Gedanken zur gesellschaftlichen Bedeutung und Zukunft unserer SWP mit Ihnen teilen. Es war die erste Spielzeit der neuen Intendantin Insa Pijanka. Eine aufregende Saison mit einer Vielzahl von kleinen und großen, bis hin zu fantastischen Riesenprojekten, unter anderem im Rahmen der Exzellenzförderung. Auf diesen Klangkörper, der sich in verschiedensten Formaten einem begeisterten Publikum präsentiert hat und uns mit allen Sinnen hat spüren lassen, was in ihm steckt, können wir stolz sein. »Daheim im Lustschloss« hat gezeigt, welche Energie, Freude und welchen Gemeinschaftssinn dieses Orchester versprühen kann. Und welche Botschaften mit klugen Inszenierungen ausgesendet werden. Sie lassen uns innehalten, nachdenken und spüren, wie wichtig auch in der Kunst klare Bekenntnisse im aktuellen aufgeheizten politischen Klima sind, die zunehmend verloren gehen. Zum Beispiel für Achtsamkeit, Respekt, Rücksichtnahme und Zusammenhalt. Zugegeben: Musik spricht erst einmal unsere Genuss- und Gefühlsebene an. Eine oft zitierte Plattitüde ist: Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Na ja. Geht's konkreter? Ich glaube, es ist oft umgekehrt: Ihre Sprache ist zwar universell, sie wird weltweit in Rhythmen, Noten und Melodien gefasst. Wird Musik gespielt, braucht es fürs Zuhören

»Philharmonie ist Heimat: Wurzeln und Flügel für die Stadtgesellschaft.«

3

Dr. Andreas Osner

keine Grammatik, keine Vokabeln, keine Codes – wir lassen die Musik einfach auf uns wirken und genießen sie. Das macht Musik als essenzieller Teil unseres friedlichen Zusammenlebens in der heutigen Zeit aber auch unkonkret und angreifbar. Denn ihre Aussagen sind beim Hören erst einmal kognitiv schwer zu fassen. Will sagen, was ich im Konzert höre, landet, wenn ich ehrlich bin, doch erst einmal im Bauch. Der Weg bis in meinen Kopf: »Was will uns der Komponist damit sagen?« oder »Was bedeutet das für meine Art zu handeln und das Zusammenleben in Frieden und Freiheit?«, ist dann noch ganz schön weit. Ist die »Klassik« diesbezüglich nicht das falsche Genre? Ist sie nicht elitär, also nur für die oberen sozialen Schichten geschaffen worden? Nein! Denn viele Darbietungen der Philharmonie sind meiner Ansicht nach oft politisch und gesellschaftlich relevant. Viele der großen Komponisten waren in der Zeit, in der sie lebten, Revolutionäre oder Systemkritiker, die für ihre Kunst von den Herrschenden benachteiligt oder gar geächtet wurden. Andere lebten in einer Zeit, in der freie Meinungsäußerung bereits möglich war. Sie mussten mit ihrer Musik nicht zwangsläufig zu Dissidenten werden, waren aber dennoch herber Kritik bis hin zum Spott ausgesetzt. Intendantin Pijanka hat in ihren Konzerteinführungen und Beiträgen immer wieder auf das Politische in der klassischen Musik hingewiesen. Ich denke, dass auch Menschen, die der Klassik nicht so zugeneigt sind, diesen Erkenntnissen einiges abgewinnen können. Nehmen wir einen »Klassiker«, Beethovens Neunte Symphonie. Wie kaum ein anderes Werk ist sie Projektionsfläche politischer Ideale und Weltanschauungen


4

EDITORIAL

geworden. Seit 1972 ist die Freudenmelodie des vierten Satzes nach Worten eines anderen Freigeistes – Friedrich Schiller – die Europahymne und damit Symphonie der Einheit Europas. Eine brüchige Einheit, wie wir gerade erleben müssen. Die Musik bekommt in diesem Kontext eine ganz neue Brisanz. Denn sie zeigt uns eine Vision, die auch über 200 Jahre nach der Uraufführung aktueller ist denn je. Und jetzt kommen die Inszenierungen und Publikationen der Philharmonie im Rahmen der Exzellenz. Beispielsweise im Lustschloss-Projekt »Daheim – eine Odyssee«: Mit einer klugen, aufwendigen Kombination eines professionellen Klangkörpers mit anderen Chören, Orchestern und der größten Schule in Konstanz hat die SWP diese Inszenierung unter das Dach »Was bedeutet für mich Heimat – und wo finde ich sie?« gestellt. Eine Frage, die in einem verunsicherten Deutschland, wo gut integrierte Geflüchtete abgeschoben werden und diejenigen, die bleiben dürfen, mal auf herzliche Freundschaft, mal auf Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus stoßen, mehr als interessant ist. Eine Frage, die auch im krisengeschüttelten Europa dringend eine internationale Antwort braucht, die nicht »Exit« heißen kann. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an die hintergründig-launigen Einführungen zum Thema »Daheim« von Oliver Wnuk denke, und empfehle Ihnen unbedingt die Lektüre des damaligen SonderTAKTs 7/2019 mit den dort enthaltenen 22 individuellen Definitionen städtischer Promis, was denn »Heimat« für sie bedeutet! Meine Botschaft lautet: Musik – und erst recht klassische Musik – kann auch politisch sein, sie ist gesellschaftlich relevant und trägt zum Zusammenhalt bei. Hoffentlich ist sie im Jahr der Exzellenz 2019 auch bei den Skeptikern gegenüber der sogenannten »Hochkultur« angekommen: Wenn ein Orchester wie unsere Philharmonie die Musik so spielt wie zum Beispiel im Lustschloss und wenn es weiter Neues, ungewohnt Verbindendes und Grenzen Einreißendes ausprobiert, dann entsteht nicht nur Begeisterung, sondern auch eine neue positive Kraft in unserer Gesellschaft. Das Projekt »Daheim – eine Odyssee« war eine großartige Veranstaltung in diesem Sinne und sie hat auch beim Publikum breite Begeisterung ausgelöst. Es war ein Leuchtfeuer im Repertoire des Orchesters, das zeigt, was es kann – aber auch für alle ein Kraftakt. Vor den vielen Beteiligten kann die Stadt nur den Hut ziehen. Was lernen wir daraus? Ich möchte drei Folgerungen mit Ihnen teilen:

1. Das Projekt »Daheim – eine Odyssee« hat nach meiner Ansicht gezeigt, was in unserem Orchester steckt, wenn man ihm die Chance gibt, nicht nur musikalische, sondern auch soziale bzw. politische Themen zu spielen. Es hat bewiesen, dass es nicht nur super Unterhaltung abliefern oder hochkarätige Klassik spielen kann, sondern auf ganz eigene Weise wichtige Botschaften über unser Miteinander in Vielfalt setzen kann. 2. Klassische Musik ist eben nicht nur eine Darreichungsform der sogenannten »Hochkultur« für eine begrenzte Zielgruppe. Auch ein Orchester kann (und muss) politisch sein. Kluge Formate und die Vermittlung der Musik können wichtige Beiträge zu gesellschaftlichen Debatten leisten. 3. Konstanz braucht ein Konzerthaus, auch wenn dies nicht kurzfristig realisierbar ist. Der Spielort im Sommer 2019 – das Lustschloss – hat es einmal mehr bewiesen: Das Orchester verdient eine neue bauliche Heimat – die Stadt braucht sie. Nicht nur aus Gründen der Auslastung, sondern weil die Südwestdeutsche Philharmonie damit breitere Schichten erreichen und stärker in unsere Gesellschaft hineinwirken könnte. In diesem Sinne wünsche ich der Stadt, dass unsere Südwestdeutsche Philharmonie weiterhin viele spannende Projekte und Konzerte gestalten darf, und spreche allen Beteiligten innerhalb und außerhalb der SWP meinen Dank für ihre außerordentlichen Leistungen aus.

Dr. Andreas Osner Bürgermeister

»Auch klassische Musik ist politisch und gesellschaftlich relevant.«


I N H A LT

Konzerte

PHILHARMONISCHE KONZERTE Neuland Ekstase Wirklichkeit? Illusion! KAMMER- / INSELKONZERTE Strukturen II > Strukturänderung Erstaunt Sehnsuchtsvoll Das Horn … wie Mozart es liebte! UNLIMITED zoff voices

6 22 34

11 22 30 46

VON MEISTERKURS BIS KL ASSIK AM SEE Junge Meister – Stars von morgen Bruckner V

33 41

  –   K O N Z E R T E Peter und der Wolf Ottos Mops

13 38

Gut zu wissen 28

GENIAL IV Traum

10

SPECIAL! LichtSinfonie Grenzgänger

12 42

5

Weihnachtsoratorium – eine Nachlese Blattbaukurs mit Hanstoni Kaufmann Backstage – Kinderseite Bücklein Kolumne Konzertkalender Vorverkaufsstellen

14 16 18 26 37 48 50

Anzeige

LECKER VON A BIS Z

www.edeka-baur.de

n

e u a h c s n Rei


6

Neuland Konzertdauer ca. 120 Minuten

KONZIL KONSTANZ Mittwoch, 4. März 2020 _ 19.30 Uhr Freitag, 6. März 2020 _ 19.30 Uhr Sonntag, 8. März 2020 _ 18 Uhr

Konzerteinführung Jeweils eine Stunde vor Beginn im Studio der Philharmonie mit Carolin Bergmann (gilt auch für Einzelkarten).

Gustav Mahler 1860–1911 Blumine

Johannes Brahms 1833–1897 Violinkonzert D-Dur op. 77 1. Allegro non troppo 2. Adagio 3. Allegro giocoso, ma non troppo vivace

PA U S E

Jean Sibelius 1865–1957 Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 43 1. Allegretto – Poco allegro – Tranquillo, ma poco a poco ravvivando il tempo all’allegro – Poco largamente – Tempo I – Poco allegro 2. Tempo andante, ma rubato – Poco allegro – Molto largamente – Andante sostenuto – Andante con moto ed energico – Allegro – Poco largamente – Molto largamente – Andante sostenuto – Andante con moto ed energico – Andante – Pesante 3. Vivacissimo – Lento e soave – Tempo primo – Lento e soave – attacca 4. Finale: Allegro moderato – Moderato assai – Meno moderato e poco a poco ravvivando il tempo – Tempo I – Largamente e pesante – Poco largamente – Molto largamente

Emmanuel Tjeknavorian Violine Ari Rasilainen Chefdirigent KONZIL KONSTANZ KARTEN €

52

Kategorie

1

41 30 19 2

3

4

Die Busfahrt zum Konzert innerhalb von Konstanz ist kostenlos.


PHILHARMONISCHES KONZERT

NEULAND

7

»Ich bin Komponist, kein Hellseher.« Die Lebensgeschichte des Johannes Brahms (1833– 1897) wäre ohne seine Begegnung mit Joseph Joachim (1831–1907) vermutlich etwas anders verlaufen. Joseph Joachim, ein aus Ungarn stammendes Wunderkind auf der Geige, hatte schon früh den musikalischen Olymp erklommen. Er war allerdings kein Teufelsgeiger von zweifelhaftem musikalischen Geschmack, der wie Paganini oder Sarasate um jeden Preis seine umwerfenden technischen Fähigkeiten zur Schau stellte, sondern ein ernst zu nehmender Musiker. Als er 1844 – also in einem Alter, in dem andere Jungs gerade den Fußball und das Smartphone oder die Mädchen für sich entdecken – in London Beethovens weitgehend vergessenes Violinkonzert unter dem Dirigenten Mendelssohn Bartholdy spielte, soll das gar zur dauerhaften Wiederentdeckung dieses Beethoven-Werkes geführt haben. Einige Jahre später, 1853, wurde Joachim Konzertmeister in Hannover, ein Untertan des Welfenkönigs Georg V. also. Der wiederum war einer der zahlreichen Schorses (wie »Georg« in der Stadt an der Leine ausgesprochen wird) auf dem hannöverschen Thron, und er sollte der letzte werden, denn 1866 eroberte Preußen das Welfenreich und machte der dortigen Herrlichkeit ein Ende, sodass Joachim nach Berlin umzog … aber all das gehört nun wahrlich nicht hierher. In ebenjenem Jahr 1853 lernte Joachim den jungen Brahms kennen, der als Klavierbegleiter eines ungarischen Violinvirtuosen in Hannover Station machte. Joachim erkannte schnell, welch Vogel ihm da über den Weg flatterte, und schickte den Jüngling zuerst zu Franz Liszt nach Weimar und dann zu Robert Schumann nach Düsseldorf. Der Rest ist bekannt: Schumann zündete einen publizistischen Turbo, der Brahms im deutschsprachigen Raum schlagartig bekannt machte. Brahms und Joachim blieben zeitlebens Freunde (von einigen Zerwürfnissen einmal abgesehen), und Brahms suchte immer wieder Joachims Rat. Damit stand Brahms nicht allein, denn Joseph Joachim half 1866 etwa auch Max Bruch bei seinem berühmten Violinkonzert op. 26 und ist dessen Widmungsträger. Eine solche Zusammenarbeit ist nicht gänzlich ungewöhnlich, da sich Komponisten nicht mit den Möglichkeiten eines jeden

Instruments auskennen können und daher gelegentlich Zeug schreiben, das sich auf dem entsprechenden Instrument einfach nicht vernünftig spielen lässt – oder Klangmöglichkeiten nicht nutzen, weil sie sie nicht kennen. Als der 45-jährige Brahms sich an sein Violinkonzert machte, kündigte er es Joachim mit den typisch brahmsschen Worten an, er hoffe, Joachim habe »ein Stündchen Zeit«, die Violinstimme durchzusehen. Aus Joachims Antwort vom 24.08.1878 ist bekannt, dass Brahms anfangs noch ein viersätziges Werk plante, es entstand dann aber ein ganz traditionell dreisätziges Stück. Natürlich bot Joachim seinem Freund sofort seine Hilfe an, ließ aber nach Durchsicht der Violinstimme (die Orchesterbegleitung lag ihm noch nicht vor) auch schon einige vorsichtige Zweifel anklingen: »Herauszukriegen ist das meiste, manches sogar echt originell violinmäßig – aber ob man's mit Behagen alles im heißen Saal spielen wird, möchte ich nicht bejahen, bevor ich's im Fluss mir vorgeführt.« Will heißen: Das Zeug ist selbst für einen Weltklassegeiger wie Joachim verdammt schwierig zu spielen, und spröde Musik ist's auch – also alles andere als ein Selbstläufer. Am 01.01.1879 wurde das Violinkonzert in Leipzig uraufgeführt: Brahms dirigierte und Joachim spielte die Solovioline (nicht immer ganz fehlerfrei, was für die Schwierigkeit des Werkes spricht). Ein durchschlagender Erfolg wurde es nicht auf Anhieb, was kein Wunder ist, denn vor allem der erste Satz ist ein eher herber symphonischer Brocken – nicht ein Konzert für die Geige, sondern gegen die Geige, wie ein Scherzbold bemerkt haben soll. Großgeiger Sarasate weigerte sich gar, das Stück überhaupt zu spielen, weil er keine Lust habe, tatenlos auf der Bühne herumzustehen, während die Oboe (im zweiten Satz) die einzige Melodie des ganzen Stückes spiele. Joachim schrieb dazu später in seiner Violinschule: »Der Vortrag dieses ebenso schwierigen wie bedeutenden Konzertes bietet dem Spieler eine besonders interessierende Aufgabe durch die Notwendigkeit intimsten Zusammenwirkens mit dem

»


8

»

gleichberechtigten Orchester. Der Vortragende muss genau empfinden, wo er zu dominieren und wo er sich unterzuordnen hat. Strenges Festhalten am Takte und gleichwohl freie Gestaltung des Ausdrucks, Zurücktreten, ohne jedoch zur Unbedeutendheit herabzusinken, diese scheinbaren Gegensätze soll er zu vereinbaren wissen.« Diese weisen Wort gelten auch heute noch. Damit bleibt nur noch eine Frage zu beantworten: Wie war es eigentlich, mit Brahms befreundet zu sein, der ja im Ruf stand, gelegentlich etwas herb zu reagieren? Vermutlich nicht gewöhnungsbedürftiger, als menschliche Freundschaften nun einmal zu sein pflegen. Am 07. Mai 1877 hatte Brahms seinen 44. Geburtstag, und Joachim bekam ausgerechnet an diesem Tag einen Sohn, wie er an Brahms schrieb. Brahms' Antwort in Hinblick auf den neuen Erdenbürger im Hause Joachim fiel eindeutig aus: »Das Beste kann man ihm in dem Fall nicht mehr wünschen – nicht geboren zu werden.«

Wo er ist, ist Provinz?

Jean Sibelius (1865–1957) hat nicht als Einziger das Kunststück fertiggebracht, als Komponist des 19. Jahrhunderts im 20. Jahrhundert zu leben, aber er war unter diesen unzeitgemäßen Komponisten sicher einer der langlebigsten. Nicht zu beneiden hingegen war seine Frau Aino (1871–1969), denn ihr Gatte war nicht nur schon früh Finnlands berühmtester Komponist, sondern kam auch mit dem Geld nicht zurecht und trank ziemlich viel. Als sie ihn, der zu einem mehrtägigen Zechgelage in einem Nobelhotel weilte, fragen ließ, wann er denn nach Hause zu kommen gedenke, habe der lallende Göttergatte ihr ausrichten lassen, er sei Komponist und kein Hellseher – so will es zumindest die Legende.

»Im Lärm des Parteienkampfes war den komischen Orchesterklängen nichts mehr zu hören.« Finnischer Nationalkomponist hört sich nach einem feinen Beruf an. Wer aber glaubt, Sibelius sei das Originalgenie aus den Wäldern gewesen, das sich fern der musikalischen Zentren einen eigenen, finnischen Weg bahnte, irrt: Sibelius studierte in Berlin und Wien, unter anderem bei den damals berühmten Karl Goldmark und Robert Fuchs, und war von der Musik Bruckners, Beethovens und Wagners beeindruckt. Seine 2. Symphonie op. 43 wurde nach der Uraufführung am 08. März 1902 in Helsinki unter der Leitung des Komponisten noch einmal überarbeitet und am 10. November 1903 in Stockholm in der endgültigen Fassung präsentiert. Sie entstand zwischen 1900 und 1902 in Italien und Finnland und erfreut sich bis heute größter Beliebtheit, zumal sie auch vor großen Gesten nicht zurückschreckt. Nur der amerikanische Kritiker Virgil Thomson konnte sie nicht ausstehen: »Ich halte dieses Werk für unsagbar vulgär, selbstgefällig und provinziell.«

»Komische Orchesterklänge«

So wie Brahms anfangs noch an ein viersätziges Violinkonzert dachte, dann aber bei der Dreisätzigkeit blieb, hatte auch Gustav Mahler (1860–1911) mit der Form seiner 1. Symphonie zu kämpfen. Er stellte eine erste Fassung, noch als Symphonische Dichtung, 1888 fertig. Nach einigen Aufführungen entschloss er sich dann, einen Satz aus der Symphonie zu entfernen, sodass schließlich eine klassisch viersätzige Symphonie entstand, die 1896 uraufgeführt wurde. Diese Symphonie stieß aber nicht nur auf Zustimmung, sondern wie fast alles Neue auch auf heftige Feindschaft, und so notierte denn Karl Kraus: »Im Lärm des Parteikampfes war von den komischen Orchesterklängen nichts mehr zu hören.« Am Ende all der Umarbeitungen hatte Mahler also einen Satz übrig: »Blumine«, so genannt nach Jean Paul’s »Herbst-Blumine oder gesammelte Werkchen aus Zeitschriften«, also einer Art Blütenlese. Um 1800 wollten rigide Sprachreiniger das Deutsche unbedingt von allen Fremdwörtern befreien und suchten selbst für antike Götternamen eine deutsche Übersetzung. Jean Paul nahm sie beim Wort und lachte sich hörbar schlapp, als er diesen germanisierenden Wirrköppen die Übersetzung der Obstgöttin Pomona als Obstine, der Liebesgöttin Venus als Huldine und der Blumengöttin Flora als Blumine vorschlug. Harald Borges


PHILHARMONISCHES KONZERT

NEULAND

9

Emmanuel Tjeknavorian

Violine

Gefeiert als »ein Ausnahmetalent« (Der Tagesspiegel), hat sich der Geiger und Dirigent Emmanuel Tjeknavorian innerhalb kürzester Zeit zu einem der gefragtesten Musiker seiner Generation entwickelt.

Concert Hall Organisation, »Great Talent« des Wiener Konzerthauses sowie Stipendiat der Orpheum Stiftung spielte er in den vergangenen Spielzeiten in den renommiertesten Konzertsälen Europas.

Als Teil eines neuen Exklusiv-Vertrages mit Berlin Classics erscheint im Februar 2020 sein zweites Album, welches die Violinkonzerte von Jean Sibelius und seinem Vater, Loris Tjeknavorian, mit dem HR Symphonieorchester unter Pablo Gonzales, beinhaltet. Sein Debüt-Album, »Solo«, erschienen bei Sony Classical, stieß auf hohe Anerkennung und erhielt 2018 den OPUS Klassik-Preis.

Seit September 2017 moderiert er monatlich eine eigene Radio-Show: »Der Klassik-Tjek« auf Radio Klassik Stephansdom. Zahlreiche Sender berichteten über den jungen Wiener, so war er bereits in Titel, Thesen, Temperamente und der Tagesschau (ARD), Capriccio (BR), der Kulturzeit (3sat), im ORF2 und in »Stars von morgen« mit Rolando Villazon (ARTE) zu sehen.

Emmanuel Tjeknavorian zog erstmals internationale Aufmerksamkeit auf sich, als er beim Internationalen Jean-Sibelius-Violinwettbewerb 2015 für die beste Interpretation des Violinkonzerts von Jean Sibelius sowie als Gewinner des zweiten Preises ausgezeichnet wurde. Seitdem führen ihn Einladungen zu den weltweit führenden Klangkörpern.

Er spielt auf einer Violine von Antonio Stradivari, Cremona, 1698, die ihm freundlicherweise von einem Gönner der Londoner »Beare's International Violin Society« zur Verfügung gestellt wurde.

Er ist regelmäßiger Gast bei namhaften Festivals und gewann mehrfach Preise. Besonders waren seine Auftritte bei der Salzburger Mozartwoche und beim Festival de Paques in Aix en Provence, wo er auf Mozarts eigener »Costa-Geige« spielte. Als »Rising Star« der European


10

GENIAL IV

TRAUM

GENIAL IV Traum KONZIL KONSTANZ S a m s t a g , 7. M ä r z 2 0 2 0 _ 1 8 U h r

Gustav Mahler 1860–1911 Blumine Jean Sibelius 1865–1957 Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Carolin Bergmann Moderation Ari Rasilainen Chefdirigent

Träume erscheinen uns flüchtig, realitätsfern und manchmal ängstigen sie uns. Wenn wir nachts in die Traumwelt abtauchen, passieren oft merkwürdige Dinge: Das Gehirn vertauscht Personen und Orte, nimmt uns mit auf eine Zeitreise und lässt Traum- wie auch Albtraumszenarien entstehen. Naturgesetze und Logik gelten hier nicht mehr. Erwachen wir, bleibt uns meist nur die trübe, subjektive Erinnerung. Viele Kompositionen haben eine ähnliche Wirkung auf uns. So lesen wir über den Schlusssatz von Sibelius' zweiter Symphonie: »Die letzten, hymnisch strahlenden Takte sind kaum auszuhalten. Nach dem Schlussakkord dieser traumartigen Symphonie des Glücks muss man erst erwachen.« Eine Reise nach Italien brachte die Inspiration für Sibelius' zweite Symphonie. Doch trotz der traumhaften Umgebung, in der viele Ideen herangereift sind, war der Süden keineswegs nur ein Paradies für den Komponisten. Er war nach wie vor ruhelos und vermisste zudem seine Heimat. Die Zweite ist heute Sibelius' beliebteste Symphonie. Einerseits ist sie eine große romantische Symphonie, die brillante Klangschöpfungen und energiegeladene Höhepunkte besitzt, andererseits wendet sie sich ab vom trutzigen Moll der Ersten hin zu einer lichteren, humaneren Expressivität. »Die höchste Glut der freudigsten Lebenskraft und die verzehrendste Todessehnsucht: Beide thronen abwechselnd in meinem Herzen«, schreibt der 19-jährige Gustav Mahler. Die innere Zerrissenheit, die starken Kontraste sind charakteristische Merkmale seiner Musik. Euphorie und Todesnähe, Tragik und Groteske – emotionale Extreme auf dichtestem Raum prägen die Symphonien. Schon in der ersten Symphonie ist dieser typische Mahler’sche Tonfall deutlich zu erkennen. Zunächst hatte die Symphonie in D-Dur fünf Sätze und für eine Aufführung in Hamburg gab ihr Mahler den Titel »Titan, eine Tondichtung in zwei Abschnitten« und ein Programm. »Jugend-, Zucht- und Dornenstücke« hieß der erste Teil mit den Sätzen »Frühling und kein Ende«, »Blumine« und »Mit vollen Segeln«. Der zweite Teil »Commedia humana« enthielt die Sätze »Ein Totenmarsch in Callot’s Manier« und »Dall’inferno al paradiso«. Wenige Jahre später hat Mahler die Titel wieder verworfen und den zweiten Satz »Blumine« gestrichen. Der »Blumine«-Satz fiel also Mahlers berüchtigter Selbstkritik zum Opfer – mit der Begründung, er habe diese »Jugend-Eselei« seines Helden entfernt. »Ich möchte es betont wissen, dass die Symphonie über die Liebesaffäre hinaus ansetzt; diese liegt ihr zugrunde – respektive sie ging im Empfindungsleben des Schaffenden voraus. Aber das äußere Erlebnis wurde zum Anlass und nicht zum Inhalt des Werkes.« Denn entstanden war der Satz 1884 »über Hals und Kopf« innerhalb von zwei Tagen – in einer Zeit, als Mahler unglücklich in die Sopranistin Johanna Richter verliebt war. Ein Liebestraum, der sich erst viele Jahre später mit der – durchaus nicht konfliktarmen – Ehe mit Alma Schindler verwirklichen sollte. Insa Pijanka

KONZIL KONSTANZ

FAMILIEN-MAXI-PAKET

FAMILIEN-MINI-PAKET

GENIAL

(2 Erwachsene/4 Kinder)

(1 Erwachsener/2 Kinder)

GENIAL

GENIAL

15 € / erm. 11 € / Schüler 6 €

Freie Platzwahl

29 €

18 €


INSELKONZERT

STRUK TURÄNDERUNG

Programmänderung des Inselkonzerts »Strukturen II« in:

Strukturänderung

11

FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ Sonntag, 15. März 2020 _ 11.15 Uhr

Programmänderung! Ludwig van Beethoven 1770–1827 Streichquartett Nr. 6 B-Dur op. 18 Allegro con brio Adagio ma non troppo Scherzo – Allegro La Malinconia. Adagio – Allegretto quasi Allegro – Adagio – Allegretto PA U S E Acht Jahreszeiten Antonio Vivaldi 1678–1741 Die vier Jahreszeiten op. 8 Nr. 1–4 (1725) Astor Piazzolla 1921–1992 Die vier Jahreszeiten von Buenos Aires (1964–1970) Vivaldi: Frühling (Allegro – Largo – Allegro) Pizzolla: Verano Porteño Vivaldi: Sommer (Allegro – Adagio – Presto) Pizzolla: Otoño porteño Vivaldi: Herbst (Allegro – Adagio – Allegro) Pizzolla: Invierno Porteño Vivaldi: Winter (Allegro – Largo – Allegro) Pizzolla: Primavera Porteña

Circolo Quartett Kyoko Tanino Violine Pawel Katz Violine Margit Bonz Viola John Wennberg Violoncello

FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ KARTEN

18 / erm. 14 Euro

KOMBIKARTE *  50 Euro (Inselkonzert und Essen / Kinder essen à la carte) Veranstaltungsbüro des Inselhotels, Telefon 07531 125-466 * Kombikarte gilt für das Inselhotel


12

ibis konstanz


FAMILIENKONZER T

13

FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ Sonntag, 22. März 2020 _ 11 und 15 Uhr

Peter und der Wolf

AB 6 JAHREN

Ein symphonisches Märchen für Sprecher und Orchester von Sergej Prokofjew (op. 67) Peter und der Wolf erzählt die Geschichte von Peter, von der Ente, vom Wolf, der die Ente frisst, vom kleinen geschickten Vogel, mit dessen Hilfe Peter den Wolf schließlich fängt, und von den Jägern, die den Wolf in den Zoo bringen. Marko Simsa und die Südwestdeutsche Philharmonie führen das junge Publikum spielerisch an musikalische Zusammenhänge heran. Im ersten Teil schließen die Zuseher Bekanntschaft mit dem Symphonieorchester. Die musikalischen Motive von Peter, dem Großvater und allen anderen »Mitwirkenden« geben Einblicke in die Möglichkeiten des Orchesters und die Besonderheiten der Soloinstrumente. Im zweiten Teil erzählt Marko Simsa die bekannte Geschichte zur Musik von Sergej Prokofjew.

Marko Simsa Erzähler Erke Duit Dirigent Susanne Smajić Illustration Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

KARTEN Kinder 6 / Erwachsene 12 / Familien 25 Euro / Freie Platzwahl

Aus »Peter und der Wolf – Das musikalische Märchen von Sergej Prokofjew«, illustriert von Susanne Smajić © Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2019.


14

KARIN DE AN _ STIMMFÜHRERIN _ 2. VIOLINE SWP

»Durch das Mitsingen von den Chorälen habe ich bei unserem Publikum ein viel intensiveres und mitempfundenes Zuhören bemerkt. Die Begeisterung, ein aktives Miterleben und so viele leuchtende Augen haben uns bei der ganzen Aufführung mit solch einem musikalischen Gedankenaustausch (Zwiegespräch, Dialog) eine ganz besondere Freude gegeben.« KA RI N DE AN

»Für mich als Chorsänger war das Sing-Along-Konzert eine außerordentlich schöne Erfahrung. Das gemeinsame Musizieren mit einem professionellen und großartigen Orchester, wie wir es hier in Konstanz haben, ist für einen Sänger immer ein Highlight. Diese Freude mit dem Publikum nicht nur passiv, sondern mit der aktiven Teilnahme zu teilen, hat das Erleben dieser großartigen Musik noch größer gemacht. Der einzige Wermutstropfen war, unseren charismatischen Chorleiter während des Konzerts teilweise nur von hinten zu sehen.«

ARUN RAMAKRISHNAN _ BACH-CHOR _ TENOR

ARU N RAM AKR ISHN AN

SIMONE BÜHLER-K OHLER

KO NS TA NT IN WO LF F

SIMONE BÜHLER-KOHLER _ BACH-CHOR _ SOPRAN

»Ich fand das Sing Along total klasse. Es hat großen Spaß gemacht, gemeinsam mit der ganzen Kirche die Choräle zu musizieren.«

MICHAEL STADTHERR _ DIRIGENT

»Für mich war das Sing Along mit dem WO ein sehr besonderes Konzert. Ich fand es sehr berührend, mit dem ganzen Publikum die Choräle zu singen, und konnte die Freude all der vielen Menschen spüren, auf diese Weise in Kontakt mit Bach zu kommen.«

»Auf der Bühne hörte ich – ehrlich gesagt – vom singenden Publikum relativ wenig. Ich war eingebettet im Wohlklang des Orchesters und des Chores. Aber ich sah die strahlenden Gesichter, jedes Mal, wenn sich unser Dirigent zum Publikum umdrehte.«

»Für den BachChor war es auch eine neue Erfahrung, bei einem Konzert die Choräle mit Publikumsunterstützung zu singen. Und wir auf dem Podest mussten mit der Rückseite unseres Dirigenten vorliebnehmen, da er sich dann zu den SängerInnen im Kirchenschiff umdrehte – was für uns aber kein Problem war. Und vor allem Zuhörende auf der Orgelempore sprachen hinterher von einem großen Klangerlebnis. Eine ganze Kirche singt!«

RR MI CH AE L STA DT HE

»Dolby Surround beim ersten Konstanzer Sing Along in der Lutherkirche – ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten, das noch lange in Erinnerung bleiben wird!«

CHRISTIAN SCHROFF _ BACH-CHOR _ BASS CH RI ST IA N SC HR OF F

KONSTANTIN WOLFF _ BASS-SOLIST

URSUL A HAAKE _ BACH-CHOR _ ALT


NACHLESE

W E I H N A C H T S O R AT O R I U M

15

Weihnachtsoratorium zum Mitsingen – eine Nachlese Der barocken Denkweise folgend, die Choräle innerhalb einer Kantate der Gemeinde zuzuordnen, entstand die Idee, Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium nicht nur konzertant aufzuführen, sondern – im Sinn von »Musikvermittlung für alle« – das Publikum musikalisch einzubinden. Kurz: Alle waren herzlich eingeladen, im Konzert in die Choräle mit einzustimmen und das Weihnachtsoratorium zu einem gemeinsam gestalteten Erlebnis zu machen.

Die Tage um den 4. Advent waren gefüllt mit Konzerten rund um die Kantaten 1–3. Außer der konzertanten Aufführung und dem Sing Along erklang das Weihnachtsoratorium zweimal in einer Fassung für Kinder, und zwar stets in einer restlos ausverkauften Lutherkirche, die uns den Raum für dieses weitgefächerte Angebot gab. Michael Stadtherr leitete die Aufführungen und sah sich in der Adhoc-Probe vor dem Konzert fast 200 Sängern im Kirchenraum gegenüber – ein Publikumschor, in dem jedes Alter vertreten war, sowie jeder Erfahrungsgrad des Chorsingens. Schüler saßen neben Senioren, Einsteiger fanden sich neben Sängern, die in ihre viel benutzte Chorpartitur gar nicht mehr schauen mussten. Das Weihnachtsoratorium zum Mitsingen eröffnete nicht nur auf allen Seiten völlig neue Hörperspektiven – Bach-Chor und Orchester waren überrascht und berührt von dem Klang, der plötzlich aus dem Kirchenschiff zurückkam und sich mit dem ihren verband. Viele Mitsänger konnten das Werk neu erleben oder sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen. Und in der Planungsphase durften wir als Organisatoren durch die Korrespondenz mit den vielen Mitsängern unser Publikum mit allen Ideen, Wünschen, Geschichten ganz anders und neu kennenlernen.

AN JA BR AN DT

»Ich habe die vom Publikum mitgesungenen Choräle wie Gemeindegesang in einem sehr feierlichen Gottesdienst empfunden. Eine besondere und festliche Atmosphäre erfüllte die Lutherkirche.« ANJA BRANDT _ TROMPETERIN _ SWP

Susanne Schlegel-Creutzburg

ALMUTH BREINLINGER AUS RADOLFZELL _ SÄNGERIN

»Ein herzliches ‚Danke’ für das so schön gelungene Sing-Along-Weihnachtsoratorium! Meine Mitsängerinnen im Sopran rund um mich waren hellauf begeistert und würden sich riesig freuen, in diesem Jahr bei etwas Ähnlichem wieder dabei sein zu dürfen. Diese Form des gemeinsamen Gesangs spricht einfach an und wir waren doch zumeist beileibe nicht ganz Ungeübte. Nochmals Kompliment für die gute Idee und danke schön!« IM PUBLIKUMSCHOR

EGON SCHWÄR _ BACH-CHOR _ TENOR »Das Sing Along war für mich der Höhepunkt! Wenn alle Stimmen gemeinsam mit dieser wunderbaren Musik die ganze Kirche erfüllen, untermalt durch die zarten Klänge der Philharmonie, wünscht man sich, das Konzert würde nie enden.«

EMMA JONNER _ SCHÜLERIN DES ELLENRIEDER GYMNASIUMS »Das Weihnachtsoratorium versetzte einen sehr in die Weihnachtsstimmung. Da unsere Generation nicht oft so Musik hört, könnte man denken dass das Oratorium für uns etwas langweilig wird, doch da wir durch das Mitsingen eingebunden waren, hat es mir sehr viel Spaß gemacht.«

MAURIN SCHMIDT _ SCHÜLER DES ELLENRIEDER

»Bei so einem großen Werk mitmachen zu dürfen fand ich toll, weil wann hat man schon die Gelegenheit, zusammen mit einem tollen Chor an so einer Aufführung mitzuwirken? Ein Angebot, auf das ich sofort wieder eingehen würde …« GYMNASIUMS

MAU RIN SCH MID T


16

Blattbaukurs mit Hanstoni Kaufmann Ein Symphonieorchester ist eine Gemeinschaft von hoch spezialisierten Experten. Innerhalb dieses Teams besteht immer wieder der Bedarf nach noch spezielleren Weiterbildungen, die ans Exotische grenzen können und die weltweit nur von wenigen Personen mit dem entsprechenden Wissen und Können vermittelt werden können. Eine dieser Personen ist der Schweizer Klarinettist Hanstoni Kaufmann, der seit 35 Jahren Spezialist für Klarinettenblattbau ist und sich dieser Tätigkeit in internationalen Kursen und als Autor von Fachliteratur widmet. Das Exzellenz-Projekt Trainee bot die Gelegenheit, Hanstoni Kaufmann zu einem zweitägigen Workshop einzuladen und den Kammermusiksaal der Musikschule Konstanz an diesem Wochenende in eine Blattbauwerkstatt und einen Raum des Klangerforschens und der Wissensvermittlung zu verwandeln. Die aus Schilfrohr gefertigten Blätter, die flexibler Bestandteil von Klarinette (und Saxophon) sind, werden in der Regel aus industrieller Serienproduktion bezogen. Diese Fertigungsprozesse beinhalten aufgrund von Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit ein natürliches Maß an Qualitätseinbußen. Die Schwingungsverhältnisse des organi-

schen Baumaterials sind jedoch abhängig von der Wuchsrichtung und Dichte des Schilfrohres. Da so ein Rohr in regelmäßigen Abständen Wachstumsknoten aufweist, zu denen hin sich die Holzdichte verändert, ist die genaue Materialkenntnis eine der Grundvoraussetzungen für den eigenen Blattbau. Kaufmann bot den Klarinettisten der SWP und der Musikschule Konstanz und weiteren Gästen eine Einführung in die individuelle Fertigung von Blättern, in Techniken, Werkzeugkunde, Optimierungsprozesse etc. unter der Prämisse »Ein perfektes Blatt offeriert Spielsicherheit und folgt den musikalischen Intentionen des Spielers«. Susanne Schlegel-Creutzburg

»Der Blattbaukurs von Hanstoni Kaufmann war mir

vor einiger Zeit bereits von anderer Seite wärmstens empfohlen worden, so fuhr ich denn recht neugierig, aber auch etwas skeptisch nach Konstanz, mit einem reichlichen Vorrat an Konzepten im Kopf, was das Bearbeiten von gekauften Blättern angeht, und mit völliger Verständnislosigkeit dafür, dass es möglich sein sollte, mehr oder weniger von Hand Blätter anzufertigen, die dann am Ende auch funktionieren. Wie sehr bin ich nach und nach im Verlauf dieses Kurses eines Besseren belehrt worden! Es hat sich wohl gezeigt, dass meine bisherigen Ideen über das Nacharbeiten von Blättern nicht unbedingt verkehrt waren, aber was die handwerklichen Verfahren angeht, habe ich alle meine bisherigen Methoden fallen gelassen und Hanstonis Techniken übernommen. Ich bin Hanstoni sehr, sehr dankbar für all sein Wissen und seine Hilfe – das macht das Leben als Klarinettist viel glücklicher und zufriedener. Das Anfertigen neuer Blätter von Grund auf steht als Projekt für die Zukunft auf meiner Agenda. Summa summarum: Der Blätterbaukurs war eines der einschneidensten Erlebnisse in meinem Klarinettistendasein!« Thomas Reil, Klarinettist aus Uhingen


EXZELLENZ

B L AT T B A U K U R S B E I H A N S T O N I K A U F M A N N

17

das Ausgangsmaterial und dessen Eigenschaften und Strukturen zu erfahren. Ich betrachte die neuen Blätter seitdem vorab noch etwas genauer. Auch die Blattbearbeitung, das dafür verwendete Material und die Herangehensweise fand ich sehr interessant. Einige Bearbeitungsmethoden kannte ich noch nicht und habe sie seit dem Kurs auch schon mit Erfolg ausprobiert.«

»Ich habe Herrn Hanstoni Kaufmann schon vor zwei Jahren bei einem Blattbaukurs in der Schweiz kennengelernt. Sofort ist mir aufgefallen, dass Hanstoni ein äußerst liebenswerter Mensch und ein ausgezeichneter Pädagoge ist und dass selbst unbegabte Schüler, wie ich einer bin, etwas bei ihm lernen. Vom Ergebnis des damaligen Kurses war ich so begeistert, dass ich mir vornahm, Hanstoni mit meinen Klarinettenkollegen zusammenzubringen. Ich bedanke mich bei allen, die mitgeholfen haben, dass dieser Kurs im Dezember 2019 stattfinden konnte.«

Ralph Brodmann, Klarinette, Musikschule Konstanz

Erich Born, Klarinette SWP

»Sehr interessant fand ich, noch mehr über das Blatt bzw.

Anzeige

Turm zur Katz Kulturzentrum am Münster Wessenbergstr. 43 78462 Konstanz

Tel.: +49‡.‡7531‡.‡900‡2900 Mail: turmzurkatz@konstanz.de Facebook: Turm zur Katz Instagram: turmzurkatz

AIGA RASCH & DIE DREI ???

14.02. → 26.04.2020

GEHEIMNIS IM TURM

Öffnungszeiten und Preise: Di → Fr 10‡–‡18 Uhr Sa & So 10‡–‡17 Uhr 3‡€, erm. 2‡€ (1. So im Monat frei)


BIO

18

Auf ein Wort ... mit Vera Gvozdenac und Patrick Schön

VERA GVOZDENAC ist geboren und aufgewachsen in Ex-Jugoslawien. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre in Serbien und sammelte ihre ersten Berufserfahrungen in Belgrad. Seit mehreren Jahren lebt sie in Deutschland und arbeitet auch hier als Bilanzbuchhalterin. Ihre vielseitige Berufserfahrung führte sie in die unterschiedlichsten Branchen von Industrie über Bildung bis hin zur SWP, wo sie seit Dezember 2019 als Bilanzbuchhalterin arbeitet. Klassische Finanzbuchhaltung, alle Vorgänge, die sich in Zahlen fassen lassen.

Liebe Kollegen, können Sie uns einen besonders herausfordernden Moment Ihrer Tätigkeit beschreiben, damit wir uns ein Bild machen können?

STELLE

PIJANKA

GVOZDENAC Für mich war die größte Herausforderung, beruflich in Deutschland neu

zu starten, in kürzester Zeit, ein Jahr nach dem Zuzug, fachlich und sprachlich hier Fuß zu fassen.

Churchills no sports oder selbst aktiv?

SCHÖN Joggen für die Ausdauer, Fitness für die Kraft – beides für den Kopf. GVOZDENAC In der Ruhe liegt die Kraft …

Kaffee oder Tee?

Lieblingsrückzugsraum?

GVOZDENAC Kaffee natürlich.

GVOZDENAC Belgrad.

Frühstück?

CD oder Konzert?

GVOZDENAC Lieber bisschen länger schlafen.

GVOZDENAC CD ist ein Andenken, aber ein Konzert bringt neue Freu(n)de.

Balkonien oder Reise?

Warum lieben Sie Ihren Job?

GVOZDENAC Reisen bildet, hört man, also immer gern Reisen, wenn sich die Mög-

GVOZDENAC Die tägliche Abwechslung der Aufgaben macht den Job nie eintönig.

SCHÖN Kaffee.

SCHÖN Ja bitte!

SCHÖN Reise.

SCHÖN Frische Luft.

SCHÖN Konzert.

SCHÖN Kundenkontakt, Seesicht.

lichkeit ergibt.

Schönster Platz in Konstanz?

Bestes/ungewöhnlichstes Erlebnis im Job? SCHÖN Kommt noch.

SCHÖN Die Schmugglerbucht mit den Kindern.

GVOZDENAC Bei einer internationalen Schule die Herausforderung der Verwaltungs-

GVOZDENAC Die Insel Mainau.

leitung zu übernehmen und gemeinsam mit Kindern, Eltern und Lehrer durch Schuljahre »zu wachsen«.

Bester Platz auf der Welt/schönste, nachhaltigste Erinnerung? Sie sind beide neu bei der SWP. SCHÖN An der Seite meiner Familie. Erste Eindrücke? GVOZDENAC Die Strände von Cartagena bis Santa Marta, Kolumbien.

Bestes denkbares Kopffreibekomm-Programm? SCHÖN Sport, anschließend saunieren. GVOZDENAC Musik.

SCHÖN Tolles Team, nette Kundschaft.

GVOZDENAC Wundervolle kollegiale Atmosphäre verbunden mit der Möglichkeit, die Musik bei spannenden Konzerten zu genießen.

Lieblingsinstrument? SCHÖN Violine.

See, Berge oder Meer?

SCHÖN Den See als die Heimat, die Berge für den Wintersport und das Meer für

den Sommerurlaub. Ich wähle alle drei! GVOZDENAC Sommer, Sonne, Palmenstrand.

GVOZDENAC Gitarre.

Früher Vogel oder Nachteule? SCHÖN Früher Vogel.

GVOZDENAC Nachteule – eindeutig.


B A C K S TA G E

P AT R I C K S C H Ö N U N D V E R A G V O Z D E N A C

19

BIO PATRICK SCHÖN, 1994 in Schwäbisch Hall geboren und aufgewachsen. Nach der mittleren Reife absolvierte er die Ausbildung zum Bürokaufmann. Nach dem Umzug nach Konstanz arbeitete er als Verkaufsberater. Die nächsten Etappen waren ein Jahr Elternzeit und schließlich seit Januar 2020 das Abo- und Kartenbüro bei der Südwestdeutschen Philharmonie.

STELLE Die Aufgaben umfassen den Verkauf und die Reservierung von Einzelkarten und Abonnements. Betreuung der Stamm- und Neukunden und die Administration und Verwaltung der Veranstaltungen in den verschiedenen Ticketsystemen.

Anzeige

S o n n ta g , 2 9 . M ä r z 2 0 2 0 , 17 U h r St. St e p h a n S k i rc h e ko n Sta n z

J o h a n n

Se ba St i a n

bac h

M A R K U S paSSion Torso BW V 247 miT gesprochenen Te x Ten

i r i S - a n n a D e c k e r t, S o p r a n | J e n n i f e r g l e i n i g , a lt | bertholD SchinDler , tenor e l i S a b e t h a U e r , S p r e c h e r i n ( e va n g e l i S t ) | t o M a Sz ro ba k , S p r ec h e r ( J e S U S ) ba ro c ko rc h e St e r l a ba n Da , aU gS b U rg | ko n Sta n z e r k a M M e rc h o r | M i c h a e l aU e r , l e i t U n g K a r t e n z u : 4 2 | 3 4 | 2 6 u n d 18 E u r o V o r V e r K a u f : B u c h K u lt u r o p i t z , S ü d K u r i E r M E d i E n h a u S , t o u r i S t i n f o r M at i o n K o n S ta n z u n d r E S E r v i x . d E w w w . k o n S t a n z e r k a M M e r c h o r . D e


20

Erstaunt »Je mesbais de vous mon cueur«

Höfische Chansons aus der Feder von Antoine Busnoys ca. 1430–1492

Ensemble »Il Cigno« Grace Newcombe Sopran, gotische Harfe Sarah van Cornewal Renaissancetraversflöte Ulrike vom Hagen Viella, Blockflöten Peter Achtzehnter Viella

GEWÖLBEKELLER DER HISTORISCHEN STADTBIBLIOTHEK RADOLFZELL / MARKTPLATZ 8 / 78315 RADOLFZELL Freitag, 20. März 2020 _ 19.30 Uhr

Kammerkonzert

In Kooperation mit der Stadtbibliothek im österreichischen Schlösschen, Fachbereich Kultur, Radolfzell

»Bel acueil« »Cy dist on benedicite« »En voyant sa dame« »Je mesbais de vous, mon cueur« »Soudainement mon cueur a pris« »En tous les lieux« PA U S E »Joie me fuit« »Ja que lui ne si attende« »Je ne puis vivre« »A que ville est abhominable« »Vous marchez au bout du pied«

GEWÖLBE DER STADTBIBLIOTHEK RADOLFZELL KARTEN

18 / erm. 14 Euro

Philharmonie / Telefon 07531 900 21 50/ Theaterkasse / Tourist-Information / Ortsverwaltungen / Tourismus- und Stadtmarketing Radolfzell GmbH / Bahnhofsplatz 2 / 78315 Radolfzell / Freie Platzwahl


KAMMERKONZERT

E R S TA U N T

Die Bedeutung des französischen Komponisten und Dichters Antoine Busnoys (ca. 1430–1492) ist vor allem von der jüngeren musikwissenschaftlichen Forschung wieder erkannt worden.

chen Aufwand hergestellt wie die sogenannten »Stundenbücher«, illustrierte Gebetbücher für Fürsten, Adlige und hohe Beamte. Es existieren nicht allzu viele biografisch gesicherte Daten über Anthoine de Busnes/Antoine Busnoys, jedoch zeugen Anstellungen an St. Martin de Tours, am Hofe Karls des Kühnen von Burgund und Kaiser Maximilians I. von einer bemerkenswerten Karriere. Er trat auch immer wieder als Dichter in Erscheinung und verfasste die Texte zahlreicher Chansons selbst. Feinsinnig, elegant, hintergründig, bissig – die Palette an Attributen für Busnoys Lieder ist sehr groß und vermag auch im 21. Jahrhundert noch das Ohr des Zuhörers zu kitzeln.

Sein Name findet sich in Chansonniers im franko-flämischen Raum und in Norditalien über einer beträchtlichen Anzahl von weltlichen höfischen Liedern. Busnoys Kompositionskunst wurde von der musikalischen Fachwelt des 15. Jahrhunderts aufs Höchste gepriesen und seine Lieder waren beim höfischen Publikum aller Wahrscheinlichkeit nach sehr beliebt. Die Chansonniers galten als kostbarer Luxusartikel für die höheren Gesellschaftskreise. Einige davon wurden mit ähnlichem künstlerischen und kunsthandwerkli-

21

Peter Achtzehnter

Anzeige

i ORGELMUS K 2020 ZUR MARKTZEIT IN DER ST . GEBHARDSKIRCHE

Jeweils am 1. Samstag im Monat von März – September 11.30 Uhr | 30 Minuten Orgelmatinée | Eintritt frei PROGRAMM 2020 7. März

Eva-Maria Rusche ORGEL Marco Ambrosini NYCKELHARPA

4. April

Thomas Kuhlmann KARLSRUHE

2. Mai

Alexander Seidel ZÜRICH (CH)

6. Juni

Elisabeth Berner DIETIKON (CH)

4. Juli

Nicolas Borner KREUZLINGEN (CH)

1. August

Philipp Christ SUHL

5. September

Simon Nadasi DIETIKON (CH)

PETERSHAUSER ORGELKULTUR


22

Ekstase

Konzertdauer ca. 120 Minuten

KONZIL KONSTANZ F r e i t a g , 2 7. M ä r z 2 0 2 0 _ 1 9 . 3 0 U h r Sonntag, 29. März 2020 _ 18 Uhr Mittwoch, 1. April 2020 _ 19.30 Uhr

Konzerteinführung Jeweils eine Stunde vor Beginn im Studio der Philharmonie mit Insa Pijanka (gilt auch für Einzelkarten).

ÖFFENTLICHE GENERALPROBE KONZIL KONSTANZ F r e i t a g , 2 7. M ä r z 2 0 2 0 _ 9 . 3 0 U h r

Richard Wagner 1813–1883 Vorspiel zur Oper Parsifal WWV 111 Gustav Mahler 1860–1911 Rückert-Lieder 1. Blicke mir nicht in die Lieder 2. Ich atmet’ einen linden Duft 3. Um Mitternacht 4. Liebst du um Schönheit 5. Ich bin der Welt abhanden gekommen

PA U S E

Richard Wagner Vorspiel zur Oper Die Meistersinger von Nürnberg WWV 96 Vorspiel zur Oper Lohengrin WWV 75 Tristan und Isolde Vorspiel und Liebestod WWV 90

Dorothea Röschmann Sopran Ari Rasilainen Chefdirigent

KONZIL KONSTANZ KARTEN €

52

Kategorie

1

41 30 19 2

3

4

Die Busfahrt zum Konzert innerhalb von Konstanz ist kostenlos.


PHILHARMONISCHES KONZERT

23

E K S TA S E

»Löse von der Welt mich los.«

Die Ouvertüre zu einer Oper führt meistens die Themen und beteiligten Persönlichkeiten der darauffolgenden Handlung ein, im Opernhaus holt sie gleichsam den Hörer und die Hörerin ab, führt sie vom Alltag ins Theater, sie öffnet den Raum, ist manchmal ein Konzentrat der Oper – entsprechend vielgestaltig können die Ouvertüren sein. Richard Wagner fand dafür besondere Wege: »Parsifal«, sein letztes Musiktheaterwerk, heißt schon anders, nämlich »Bühnenweihfestspiel«. Als einziges Werk für das Festspielhaus von Bayreuth und die dortige außergewöhnliche Akustik komponiert, spiegelt es die Suche nach dem Gral bzw. dem »reinen Toren«, der die Situation der Gralsritter und den verwundeten Amfortas »erlösen« kann. Ein stetes Streben, Schreiten und Sehnen bestimmt das Vorspiel, unisono geführte Streicher, warme Horn- und Posaunenklänge, lichte Holzbläser oder markante Signalrufe der gesamten Blechbläsergruppe führen auf das Bühnenweihfestspiel hin. Einige der schönsten und bekanntesten Lieder von Franz Schubert, Robert Schumann oder Gustav Mahler gehen auf Gedichte von Friedrich Rückert zurück, dem 1788 im fränkischen Schweinfurt geborenen Dichter, Orientalisten, Übersetzer und Sprachwissenschaftler. Allein 44 Sprachen machte er sich zu eigen, sodass er tief in deren Poesie eintauchen konnte. Er übertrug nicht nur Lyrik aus dem Orient ins Deutsche, er ließ sich auch von den fernöstlichen Reimformen für seine eigene Dichtung inspirieren. In einer Sendereihe des SWR zum 150. Todestag sagte Antonie von Schönfeld: »Friedrich Rückert hat eigentlich über alles geschrieben und gedichtet, was das Leben betrifft: Über die Liebe, Gefühle, Freud und Leid, über religiöse Themen, über Lebensphilosophie, die Natur, die Heimat und über den fernen Orient – es ist von allem etwas dabei. Zu diesem weiten Spektrum an Themen zeigt Rückerts Werk eine große Vielfalt an Formen: Neben Naturgedichten stehen politische Zeitgedichte, neben Liebesgedichten Lehrdichtungen, die an Barock à la Gryphius denken lassen, neben schlichten Liedern

in volksliedhaftem Ton steht östliche Mystik und ferne Fantasie, neben Märchendichtungen Alltagsverse – da wundert es nicht, dass sich so viele Tonsetzer von diesem Dichter angesprochen gefühlt haben: Rückerts Sprachgefühl und Formbeherrschung bedeutet für den Musiker Vielfalt in jeglicher Hinsicht.« Gustav Mahler hatte ja eine enge und fruchtbare Beziehung zum Lied, sei es in Vertonungen nach Gedichten aus der Sammlung »Des Knaben Wunderhorn«, sei es in den »Liedern eines fahrenden Gesellen« auf eigene Texte, die tragisch oder heiter im Geiste in der Nachfolge von Franz Schubert stehen. Lieder oder Liedzitate durchziehen auch die ersten vier Symphonien. Auch die Rückert-Vertonungen von Gustav Mahler, entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gehören zu den großartigsten Werken dieses Komponisten, durch die der Dichter gerade für Liedfreunde unsterblich geworden ist. Anders als bei anderen Texten, wo Mahler gern einmal eingegriffen hat, hat er hier Rückerts Sprache und Formen beibehalten. Für die fünf Rückert-Lieder gibt es keine bestimmte zyklische Reihenfolge, wohl aber Abfolgen, die sich eingebürgert haben. »Liebst du um Schönheit« steht eigentlich nicht mit den anderen vier Liedern in Verbindung, es ist eine frühe Liebesgabe Mahlers an seine spätere Frau Alma Schindler. In drei Strophen ermahnt der Dichter sein Gegenüber, nicht auf Äußeres zu achten (Schönheit, Jugend, Schätze), sondern nur um der Liebe willen zu lieben. Der Komponist fasst diese ersten Strophen ganz schlicht, um in der letzten Stimme und Orchester aufblühen zu lassen. Ganz zart in einem feinen Gespinst der Holzbläserlinien hebt das »Ich atmet‘ einen linden Duft« an, die Betonung des Vokals »I«, die Alliterationen von Linde, leis, liebe, linde oder Lindenduft schaffen einen atmosphärischen Klangraum voller Duft, Transparenz und Farbenreichtum. »Blicke mir nicht in die Lieder« tritt mit einem für Rückert typischen Sprachspiel recht kraftvoll spielerisch und burschikos auf: Der Dichter spricht vom Unbehagen, seine noch unfertigen Zeilen den neugierigen Blicken anderer Menschen preiszugeben und vergleicht sein Dichten mit dem fleißigen Treiben der Bienen – auch ihr Honig kann erst gekostet werden, wenn die Wabe fertig gebaut ist. In Mahlers Komposition sind Sprachwitz und Gewimmel eingefangen in unablässig in sich kreisenden Figuren. Auch in »Um Mitternacht« und dem entrückten »Ich bin der Welt abhanden gekommen« erleben wir Mahler in seinem persönlichsten Ausdruck oder, wie Christian Wildhagen es ausdrückt, den »Inbegriff von Mahlers künstlerisch-philosophischer Auseinandersetzung

»

»Blicke mir nicht in die Lieder.«


24

»

mit dem eigenen Dasein, mit Tod und Leben. … Die Gattung des Kunstlieds (wird) zu einem Gefäß für religiöse Überzeugungen und letzte Fragen. ›Um Mitternacht‹ beschwört erneut das unerschütterliche Vertrauen auf Gott, der in der größten Finsternis, in Leid, Kampf und Schmerz, dem Suchenden die Verheißung eines neuen Tages – der Auferstehung – gewährt. ›Ich bin der Welt abhanden gekommen‹ formuliert schließlich Mahlers künstlerisches Credo: Es kündet von der Gewissheit, dass der Mensch im ›Lieben‹ wie im produktiven Schaffen eine höhere, allem irdischen ›Getümmel‹ enthobene Form des Seins und der Erkenntnis erreicht.« Nicht melancholisch verschattet, wie es manchmal zu hören ist, sondern geborgen in einer wunderbaren verinnerlichten Glückseligkeit. Anders im Charakter als andere Vorspiele ist Richard Wagners Ouvertüre zu »Die Meistersinger von Nürnberg«: Sie spiegelt das geschäftige Treiben der Lehrbuben und Meistersinger, die lärmend durch die erste Szene in der Kirche wirbeln. Ebenso klingen die zarten Motive der Liebesgeschichte von Eva Pogner und Walther von Stolzing an, andere verweisen auf die Schlussansprache des Hans Sachs »Verachtet mir die Meister nicht!« – und die genial komponierte Prügelfuge zum Ende des zweiten Akts klingt auch schon an! Diese Ouvertüre ist sicher die »klassischste« unter den WagnerVorspielen – wer Gelegenheit hat, eine Aufzeichnung der aktuellen Inszenierung der Bayreuther Festspiele von Barrie Kosky zu sehen, wird eine höchst musikalische und anspielungsreiche Deutung erleben, die Familie Wagner im Salon der Villa Wahnfried zeigt. In die vergeistigte Welt des Gralsritters Lohengrin (er ist der Sohn von Parsifal) führt wiederum das Vorspiel zu diesem Werk: Mehrfach geteilt scheinen die flirrenden Streicher vom Himmel herabzuschweben, sacht grundiert von den Themen der Bläser. Die Gralserzählung aus dem dritten Akt »In fernem Land, unnahbar euren

»Verzückung, Rausch, Ekstase.«

Schritten« wird hier vorweggenommen, sie erzählt ja von der Taube, die vom Himmel kommt. Die zarten, irisierenden Klänge des Vorspiels lassen noch nicht ahnen, welche Dramen sich um Elsa und ihren Retter Lohengrin, um das Frageverbot (»Nie sollst du mich befragen …«), um die Intrigen der finsteren Gegenspieler Ortrud und Telramund abspielen werden. Ein aufspringendes Sextintervall, das wieder zurücksinkt und in einen geheimnisvollen, vieldeutigen Akkord mündet – das ist der Beginn von »Tristan und Isolde«, der berühmte »Tristanakkord«, der sich, immer wieder verwandelt, in einer einzigen großen Geste der Sehnsucht durch die »Handlung in drei Aufzügen« zieht. Tristan und Isolde sind durch ihre Vorgeschichte schicksalhaft aneinandergebunden, Richard Wagner schuf für die beiden Liebenden seine sicherlich sinnlichste Musik. Auch in »Isoldes Liebestod«, dem flammenden Schlussgesang, den Isolde an der Seite des verstorbenen Tristan anstimmt, bietet Wagner noch einmal alles an Orchesterfülle und Farbenreichtum auf, was Streicher, Holzbläser und Blechbläser vermögen. Der Text ist fast nebensächlich, meist ist er eh nicht zu verstehen, doch die Musik spricht von Verzückung, Rausch, Ekstase, außer sich sein, von endgültiger Vereinigung im Tod. Gänsehautklänge im Konzil! Mahler war übrigens ein großer Wagner-Dirigent und brachte seine Werke oft an der Wiener Staatsoper zur Aufführung, besonders zu »Tristan und Isolde« hatte er eine intensive Beziehung. Katharina von Glasenapp


PHILHARMONISCHES KONZERT

E K S TA S E

25

Dorothea Röschmann

Sopran

Dorothea Röschmann, geboren in Flensburg, wurde 2017 von der Deutschen Staatsoper Berlin zur Kammersängerin ernannt, wo sie viele Jahre lang Ensemblemitglied war. Sie war seit 1995 regelmäßig bei den Salzburger Festspielen zu Gast, wie auch an der Wiener Staatsoper, Bayerischen Staatsoper München, Semperoper Dresden, dem Royal Opera House Covent Garden und in Berlin. Als herausragende Mozart-Interpretin bekannt, hat sie sich in letzter Zeit in neuen Rollen versucht, so als Ariadne, Elisabeth/Tannhäuser an der Dresdener Semperoper und in Glucks Alceste an der Bayerischen Staatsoper München. Konzert-Highlights der letzten Zeit beinhalten die Wesendonck-Lieder mit Robin Ticciati/Deutsches Symphonie-Orchester Berlin und mit Karina Kanellakis/Orchestre de Paris und Wozzeck (Marie) mit Daniel Harding/Berliner Philharmoniker und dem Bayerischen Rundfunk Orchester, München. 2019 sang sie Tove/Gurre-Lieder mit Jonathan Nott/Tokyo Symphony Orchestra, die Rückert-Lieder mit Rafael Payare/ San Diego Symphony, Bergs Sieben frühe Lieder mit Sir Simon Rattle/ London Symphony Orchestra und Beethoven Choral Fantasy mit Louis Langrée/Cincinnati Symphony. Als erfolgreiche Lied-Interpretin ist sie in der Londoner Wigmore Hall, Amsterdam’s Het Concertgebouw, Wiener Konzerthaus und in Antwerpen, Lissabon, Madrid, Köln, Brüssel, Oslo sowie auf den Festivals in Edinburgh, München und Schwarzenberg aufgetreten. 2109 sang sie mit Daniel Barenboim im Pierre Boulez Saal, Berlin. Sie ist aufgetreten mit Mitsuko Uchida beim Luzern Festival und tourte durch die USA, Höhepunkt dort war ein Rezital in der New Yorker Carnegie Hall. Die Live-Aufnahmen in der Wigmore Hall gewannen 2017 den Titel ,Best Solo Vocal Album’ bei den Grammy Awards. Anzeige

Sa 28. Märzǀ| 20 Uhr | vineum bodensee | Veranstaltungssaal

HEISSE THEKE

FRL. KNÖPFLE UND IHRE HERRENKAPELLE Musik und Kabarett mit der Karlsruher Kulttruppe Tickets 15,– € / 10,– €

Sa 25. Aprilǀ| 20 Uhr | vineum bodensee | Veranstaltungssaal

DAS GOLDENE ZEITALTER DES JAZZ EIN ABEND MIT DEM LAJOS DUDAS TRIO Lajos Dudas – Klarinette, Philipp van Endert – Gitarre Jochen Büttner – Perkussionsinstrumente Tickets 15,– € / 10,– €

GRAMM DER BEGLEITPRO TELLUNG SONDERAUSS Die

19 20er in RSBUZukRG Mn EE unft? einer besseren

Visio

Sa 9. Maiǀ| 20 Uhr | vineum bodensee | Veranstaltungssaal

UND DER HAIFISCH, DER HAT ZÄHNE BRECHT UND DIE FRAUEN, EINE HOMMAGE Christiane Nothofer – Text und Gesang Ulrich Pakusch – Klavier Tickets 15,– € / 10,– €

WEIN KULTUR GESCHICHTE MEERSBURG

Tickets: Gästeinformation Meersburg, Tel: 075 32 440-400, info@meersburg.de vineum bodensee, Meersburg, Tel: 07532 440-2632, info@vineum-bodensee.de www.vineum-bodensee.de


26

t r e i z a p s n i e r e H

Ich finde es toll, dass die Menschen aus verschiedenen Nationen kommen. (Theo, 5. Kl.)

H abt ihr schon mal am Fischmarkt gestanden oder an der

Bahnschranke am Konzil und habt gehört, wie aus dem Haus mit der Nr. 2 Musik tönt? Manchmal klingt es wie ein Bienenschwarm, manchmal hört man nur eine einzelne Posaune Es hat schön geklingt. oder – ein Symphonieorchester. Dann probt die Südwest(Janne, 2. Kl.) deutsche Philharmonie.

D

as Orchester spielt im Jahr ungefähr 150 Konzerte – vom großen Symphoniekonzert bis hin zum kleinen Kammer- oder Kindergartenkonzert, mal sitzen siebzig Musiker auf der Bühne, mal auch nur zwei. Aber egal, wie viele es sind – man muss die Musik gut vorbereiten, und so finden in jedem Jahr mehrere Hundert Proben statt.

I mmer wieder kommen auch Gäste zu den Orchesterproben.

Im Januar hatten wir einen ganz besonderen Besuch: Die Gesamtschule Gottlieben war im Probenstudio zu Gast. In dieser Schule werden Kinder von der 1. bis zur 6. Klasse gemeinsam unterrichtet, und jeder der Schüler spielt ein Musikinstrument! An dem Tag hat das Orchester mit Dirigierstudenten aus Stuttgart gearbeitet, und wie die Kinder das fanden, könnt ihr hier lesen.

Ich finde es gut, dass Sie so Angebote für Klassen machen und dass es hinten im Raum eine Bühne gibt, wo wir heute draufgesessen sind und alle gut nach vorne sehen konnten. (Elea, 6. Kl.)

Mich haben die Violinen sehr beeindruckt, wie verschieden sie die Töne ausdrücken können. Man hat gemerkt, dass jeder sein Bestes gibt. (Moana, 6. Kl.) Mich hat es beeindruckt, dass die Instrumente so gut zusammenpassen, auch wenn sie ganz verschieden sind. (Elea, 6. Kl.) Ich fand es sehr spannend, wie die Südwestdeutsche Philharmonie probt. Ich denke, dass die Lieder sehr schwierig zu spielen sind. (Svea, 4. Kl.)

Es waren alle so lustig und nett. Mich hat diese Musik sehr berührt. Ich könnte mir vorstellen, bei so einem Orchester mitzuspielen. (Mads, 5. Kl.)


27

KINDERSEITE Ich finde die Musik schön und dass es sehr schön getönt hat. (Elena und Florence, 1. Kl. und Gian, 3. Kl.)

Seid ihr neugierig geworden? Ich habe gedacht, dass mir langweilig wird, aber bei einer so schönen Musik ist es zum guten Glück nicht passiert. (Vince, 2. Kl.)

Ich finde es toll, dass es zwei Gruppen Violinen gibt, dann können die einen hoch und dramatisch spielen und die anderen tiefer. (Pia, 5. Kl.)

Für Schulgruppen besteht die Möglichkeit, den Orchestermusikern bei einer Probe einmal ganz aus der Nähe auf die Finger zu schauen. Info dazu über die Musikvermittlung der SWP susanne.schlegel-creutzburg@konstanz.de

Wer kennt diese Instrumente?

Tragt die Instrumentennamen in die passenden Kästchen ein.

1 4 Auch unsere musikalische Schweinedame ist dabei – wer erinnert sich noch an ihren Namen?

4

5 3

2

2

3

5

Lösungswort

1

2

3

4

5

(ö=oe, ß=ss, Lösung auf Seite 50)

1


28

SCHÄNZLEHALLE KONSTANZ Sonntag, 5. April 2020 _ 18 Uhr

zoff voices Rund 30 Sängerinnen aus Konstanz werden das Publikum mit Popsongs aus fünf Jahrzehnten begeistern. Martin Deufel (dr), Pit Drefahl (bs), Ad Schwarz (git), Thomas Schwabe (p), Dirk Werner (p) & Arno Haas (saxes) Begleitband Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz Michael Dixon Dirigent Ralph Abelein, Philipp Claßen, David Friedli, Jörg Iwer, Marius Kirsten, Andreas Preponis, Stephan Schelens, Stefan Zenth & Dirk Werner Arrangements Dirk Werner musikalische Gesamtleitung Insa Pijanka, Julia Fuchs, Dirk Werner Konzertmoderation

UNLIMITED III Orchestrale Popmusik mit den zoff voices Den Namen »zoff’n’orchestra« erfand der damalige Intendant Christian Lorenz, der Anfang 2008 zusammen mit Dirk Werner und den zoff voices eines der ersten CrossOver-Projekte der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz ins Leben rief. Zwei ausverkaufte Konzerte und die CD »zoff voices – Neuland!« bewiesen schon damals: Ein klassisches Orchester kann auch Popmusik! Diese Spur wurde von Beat Fehlmann aufgenommen und führte zu viel beachteten Konzerten auf dem Uni-Campus mit Moonbootica, Peter Fox, Max Herre und Joy Denalane. Insa Pijanka verfolgt mit der Sonderreihe »Unlimited« diese Idee konsequent weiter. Nicht nur das großartige Queen-Projekt, auch »A swingin‘ Christmas« zeugen von einer so erfolgreichen wie eleganten Öffnung der SWP hin zu populären Musikstilen. Mit »zoff’n’orchestra 2.0« wird an diesem Abend die Neuauflage der ersten Zusammenarbeit eines regionalen popmusikalischen Gesangvereins mit einem klassischen Profi-Orchester präsentiert. Songs aus fünf Jahrzehnten zeigen ein breites, vielseitiges und gegensätzliches Spektrum der Popmusikstile: Stücke der Beatles und Beach Boys treffen auf Filmmusik, Hip Hop, Rock 'n' Roll, Mainstream Pop und Big Beat bis hin zu Alternative Rock. Das Publikum wird die Songs durchaus (er-)kennen, klar. Aber es wird auch Ungewohntes zu Gehör bekommen. Denn Dirk Werner hat bei der Wahl der Arrangeure auf erfahrene, aber bewusst auch auf junge Arrangeure und Filmkomponisten gesetzt. Deren unterschiedliche Herangehensweisen an ihre Arrangements werden diesem Abend zusätzlich eine große stilistische Bandbreite bescheren.

SCHÄNZLEHALLE KONSTANZ KARTEN €

  38

Kategorie

1

28 2

18 3

6 Schüler

Mit Michael Dixon als Dirigent können sich die Musiker und die zoff voices auf einen »alten Bekannten« freuen: Dixon dirigierte bereits das erste Projekt »zoff’n’orchestra« im Jahr 2008. Die Vorzeichen sprechen somit für einen unterhaltsamen Abend. Mission impossible und History repeating werden den Anfang geben – mehr wird nicht verraten.


UNLIMITED III

ZOFFVOICES

zoff voices

Er folgreicher Show- und Wettbewerbschor Die zoff voices wurden als Chor der Konstanzer Mädchenrealschule Zoffingen (daher der Name) zu einem bekannten Konstanzer Chor. Seit zwanzig Jahren ist Dirk Werner Chef der Zoffies. Gewohnt, bei ihren Auftritten instrumental höchstens mit Saxophon, Klavier und Gitarre begleitet zu werden, ist es etwas ganz Besonderes für die zoff voices, mit Orchester auftreten zu können.

MICHAEL DIXON Dirigent _ Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz Michael Dixon erhielt seine musikalische Ausbildung am State University College, Fredonia, N. Y., an der Southern Illinois University, Carbondale, und an der Indiana University School of Music in Bloomington, Indiana. 1984 gastierte er erstmals in Deutschland. Von 1986 bis 1989 übernahm er die Leitung von »Cats« in Hamburg, Amsterdam und Paris. Als Musikdirektor war er von 1991 bis 1996 am Theater Lüneburg tätig. Seit 1996 ist Dixon Professor für Gesang im Studiengang Musical/Show an der Universität der Künste Berlin. Seit einiger Zeit tritt er auch wieder als Sänger in viel beachteten Konzerten auf und musiziert mit verschiedenen Orchestern in Berlin, Hamburg, Essen, Hof und in Konstanz.

DIRK WERNER Musikalische Gesamtleitung _ Chorleiter der zoffvoices Dirk Werner hat sich über die letzten zwei Dekaden als erfahrener Chorleiter, Musizierlehrer und Arrangeur seinen Platz am Bodensee erobert. Er unterrichtet Popgesang und leitet neben den zoff voices auch den POPChor Untersee, den POPChor Konstanz sowie die X-Tonics. Daneben betreut er viele andere Chöre, Vokal- und sonstige Ensembles. Außerdem ist er Leiter der Band Dirk Werner & seine WunderBunt AG sowie des Duos raad&werner.

29


30

Sehnsuchtsvoll FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ Sonntag, 5. April 2020 _ 11.15 Uhr

Cellogruppe der Südwestdeutschen Philharmonie John Wennberg Ruslan Malkov Berenike Derbidge Ilija Andrianov Huizhen Chen Johanna Kreuzhuber

Edvard Grieg 1843–1907 Aus Holbergs Zeit, Suite, op. 40 (Arr. Gwyn Seymour) Prélude Sarabande Gavotte/Musette Air Rigaudon Francesco Geminiani 1687–1762 Concerto grosso in d-Moll, op. 5 Nr. 12 La Follia (Arr. Gwyn Seymour) Heitor Villa-Lobos 1887–1959 Bachanias Brasileiras Nr. 5 Sulkhan Tsintsadze 1925–1991 Sachidao (Arr. Ruslan Malkov) Béla Bartók 1881–1945 Sechs Rumänische Volkstänze Sz. 56 (Arr. Gwyn Seymour) Der Tanz mit dem Stabe – Jocul cu bâta (Molto moderato) Gürteltanz – Brâul (Allegro) Der Stampftanz – Pe loc (Moderato) Horn-Tanz – Buciumeana (Andante) Rumänische Polka – Poargâ Româneasca (Allegro) Schnell-Tanz – Maruntel (Allegro – Allegro vivace)

FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ KARTEN

18 / erm. 14 Euro

KOMBIKARTE *  50 Euro (Inselkonzert und Essen / Kinder essen à la carte) Veranstaltungsbüro des Inselhotels, Telefon 07531 125-466 * Kombikarte gilt für das Inselhotel


INSELKONZERT

SEHNSUCHTSVOLL

Zurück in die Gegenwart Beschwingt vom Neoklassizismus und dessen Rückgriff auf alte Formen ging Edvard Grieg (1843–1907) ans Werk, als ihn 1884 der Auftrag erreichte, Musik für das Fest zum 200. Geburtstag des großen dänisch-norwegischen Denkers, Gelehrten und Dichters Ludvig Holberg zu schreiben. Unter anderem komponierte er für diesen Anlass die Klaviersuite »Aus Holbergs Zeit«, die er später für Streichorchester instrumentierte. Seine Hommage an Holberg brachte eine raffiniert konzipierte »Suite im alten Stil« hervor, die der Epoche, in der Holberg lebte, gerecht wurde. Grieg entschied sich für die Form der rhythmisch befeuerten französischen Orchestersuite. Fünf barocke Satztypen greift der romantische Komponist in seinem Opus 40 auf. Drei kommen im Gewand beliebter alter Tänze daher: als Sarabande, Gavotte mit Musette und als Rigaudon. Hinzu kommt – als eine Art nicht tänzerisches Intermezzo – eine Air. Dem Ganzen stellte Grieg ein Präludium als Einleitung voran. Ein Rückgriff ganz anderer Art trieb Francesco Geminiani (1687–1762) an, als er 1726 seine zwölf Concerto grossi op. 5 herausgab. Denn sie sind allesamt keine eigenen Kompositionen, sondern lediglich Orchesterbearbeitungen der zwölf Sonaten für Solovioline und Generalbass op. 5 von Arcangelo Corelli aus dem Jahr 1700. Den krönenden Abschluss dieser Sammlung stellt die Nummer 12 in d-Moll dar: das Thema »La Follia« und seine 23 Variationen. Unter Follia verstand man damals einerseits einen wilden portugiesischen Tanz, andererseits eine harmonisch-melodische Formel, die gerne als Thema für groß angelegte Instrumentalvariationen verwendet wurde. Besonders beliebt wurde ein Thema namens »Les Folies dʼEspange«, das von einem Musiker namens M. Faninel stammen soll. Es ähnelt in seinem langsamen Dreiertakt, seinem punktierten Rhythmus und seiner Melancholie der gesitteten Sarabande. Dieser barocke Schlager fand unzählige Male Verwendung als Variationen-Thema. Und Corellis befeuerte mit seinem extrem virtuosen Variationszyklus die Popularität nochmal um einiges. Er wurde von zahl-

31

reichen Komponisten für andere Besetzungen bearbeitet. Geminiani offenbarte in seinem Arrangement für Streicher und Cembalo seine ganze Instrumentationskunst, arrangierte mal im Tutti-Satz, im Concertino oder solistisch. Er zielte des Öfteren auf räumliche Effekte, setzte auf eine besondere Verzierungskunst, und oft wirkt seine Fassung noch viel wilder und emotionaler als die Vorlage. Seiner Liebe zur Musik von Johann Sebastian Bach verlieh Heitor Villa-Lobos (1887–1959) in seinen »Bachianas Brasileiras« Ausdruck. Er gilt als Begründer der brasilianischen klassischen Musik. Villa-Lobos war ein musikalisch experimentierfreudiger Autodidakt, der zu einer ganz eigenen, bunt schillernden, vielschichtigen Musiksprache gefunden hat. Als junger Mann reiste er jahrelang durch Brasilien, lernte populäre und indigene Musik kennen. Viele seiner Kompositionen sind deshalb folkloristisch inspiriert. So auch die »Bachianas Brasileiras«, neun Suiten, die er zwischen 1930 und 1945 für unterschiedliche Besetzungen komponierte. Er übertrug darin barocke harmonische und kontrapunktische Verfahren auf die brasilianische Musik. Nr. 5 verlangt neben einem Celloorchester eine Sopranstimme. Im ersten Satz (Adagio) singt der Sopran in den Rahmenteilen Vocalisen, die Celli spielen staccato eine Passcaglia im 5/4-Takt dazu. Im schnelleren Mittelteil wird es arios. Vertont ist dort ein Gedicht von Ruth Corrêa, eine Art Nocturne, in dem die »Saudade«, die Sehnsucht, zur ihrem Recht kommt. Dem zweiten Satz (Dansa. Martelo), ein schneller Tanz im Zweiertakt, liegt ein Gedicht von Manuel Bandeira zugrunde, das von den Vögeln des Cariri-Gebirges berichtet, die unschwer aus der Musik herauszuhören sind. Auch die Miniatur »Sachidao« des georgischen Komponisten und Cellisten Sulkhan Tsintsadze (1925–1991) ist inspiriert von der Folklore – ein rhythmisch mitreißender Tanz, den der Komponist 1950 in der Sammlung »Fünf Stücke für Cello und Klavier« publizierte. Mit kunstvollem Ernst ging auch Béla Bartók (1881–1945) in seinen Rumänischen Volkstänzen vor, die er auf seinen langen Reisen durch den Balkan Dorfmusikern abgelauscht und dann aufgeschrieben hat – vom Stab-Tanz über Rund-, Stampf- und Kettentänze bis hin zu rhythmisch Komplexerem wie der Polka (Nr. 5), die ständig zwischen 2/4- und 3/4-Takten wechselt. Bartók veröffentlichte seine kleine Klaviersuite 1915. Es folgte 1917 ein Arrangement für kleines Orchester. Verena Großkreutz


Anzeige

32

PAssions konzert J. s. BAch: JEsU, mEInE FREUdE | F. lIszT: VIA cRUcIs

KARFREITAG | 10. ApRIl 2020 | 17 UhR | lUThERKIRchE JUlIA KATTERFEld | sprecherin sTEFFEn BAlBAch | Bariton mEchThIld plAcKE | Cello csABA-zsolT dImén | kontrabass EVA-mARIA RUschE | orgel BAch-choR KonsTAnz mIchAEl sTAdThERR | Leitung VoRVERKAUF: 30/24/18/12 € bei Buchkultur opitz, stephansplatz und www.reservix.de WEITERE InFoRmATIonEn: www.kultur-forum-lutherkirche.de


VON MEISTERKURS BIS KL ASSIK AM SEE

J U N G E M E I S T E R – S TA R S V O N M O R G E N

33

Junge Meister – Stars von morgen Violinkonzerte mit den Preisträgern des Internationalen Violinfestivals junger Meister Lindau Sergej Prokofjew 1891–1953 Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 19 I. Andantino II. Scherzo. Vivacissimo III. Moderato

KONZIL KONSTANZ Samstag, 18. April 2020 _ 19.30 Uhr GRAF-ZEPPELIN-HAUS FRIEDRICHSHAFEN Sonntag, 19. April 2020 _ 19 Uhr

Stephen Waarts Violine

Jean Sibelius 1865–1957 Violinkonzert d-Moll op. 47 1. Allegro moderato 2. Adagio di molto 3. Allegro ma non tanto

KONSTANZ WOLKENSTEINSAAL Mittwoch, 15. April 2020 _ 19.30 Uhr VIOLINRECITAL mit ausgewählten jungen Meistern

Cosima Soulez Larivière Violine Nähere Informationen www.konzertverein.com Pause

Johannes Brahms 1833–1897 Violinkonzert D-Dur op. 77 1. Allegro non troppo 2. Adagio 3. Allegro giocoso, ma non troppo vivace Ioana Cristina Goicea Violine

Ari Rasilainen Chefdirigent KARTEN €

32 24 18 14

Kategorie

1

2

3

4

(Diese Preise gelten für das Konzert im Konzil Konstanz.)


34

Wirklichkeit? Illusion!

Konzer tdauer ca. 110 Minuten

KONZIL KONSTANZ Freitag, 24. April 2020 _ 19. 30 Uhr Mittwoch, 29. April 2020 _ 19.30 Uhr MILCHWERK RADOLFZELL Dienstag, 28. April 2020 _ 19.30 Uhr GRAF-BURCHARD-HALLE FRICKINGEN Sonntag, 26. April 2020 _ 19 Uhr Kar ten und Informationen in der Saisonbroschüre auf Seite 79.

Konzerteinführung Jeweils eine Stunde vor Beginn im Studio der Philharmonie mit Insa Pijanka (gilt auch für Einzelkarten).

Aulis Sallinen * 1935 Palace Rhapsodie op. 72 für Holzbläser und Orchester Aulis Sallinen * 1935 The Nocturnal Dances of Don Juan Quixote op. 58 für Violoncello und Streichorchester Pause Richard Strauss 1864–1949 Don Quixote, Fantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters op. 35, TrV184 für großes Orchester 1. Introduktion: Mäßiges Zeitmaß – Don Quichotte verliert über der Lektüre der Ritterromane seinen Verstand und beschließt, selbst fahrender Ritter zu werden 2. Thema. Mäßig – Don Quichotte, der Ritter von der traurigen Gestalt 3. Maggiore – Sancho Pansa 4. Variation I: Gemächlich – Abenteuer an den Windmühlen 5. Variation II: Kriegerisch – Der siegreiche Kampf gegen das Heer des großen Kaisers Alifanfaron 6. Variation III: Mäßiges Zeitmaß – Gespräch zwischen Ritter und Knappen 7. Variation IV: Etwas breiter – Unglückliches Abenteuer mit einer Prozession von Büßern 8. Variation V: Sehr langsam – Die Waffenwache 9. Variation VI: Schnell – Begegnung mit Dulzinea 10. Variation VII: Ein wenig ruhiger als vorher – Der Ritt durch die Luft 11. Variation VIII: Gemächlich – Die unglückliche Fahrt auf dem venezianischen Nachen 12. Variation IX: Schnell und stürmisch – Kampf gegen vermeintliche Zauberer 13. Variation X: Viel breiter – Zweikampf mit dem Ritter vom blanken Mond 14. Finale: Sehr ruhig – Wieder zur Besinnung gekommen

KONZIL KONSTANZ KARTEN €

52

Kategorie

1

41 30 19 2

3

4

Die Busfahrt zum Konzert innerhalb von Konstanz ist kostenlos.

Klaus Valcu Solo-Viola Torleif Thedéen Violoncello Ari Rasilainen Chefdirigent


PHILHARMONISCHES KONZERT

WIRKLICHKEIT ? ILLUSION!

35

Zwischen Dichtung und Wahrheit Miguel de Cervantes berühmter Roman vom Ritter Don Quixote und seinem Knappen Sancho Pansa zählt zur Weltliteratur. Ursprünglich als Satire auf die Ritter-Romane gedacht, erlebte das Werk schon kurz nach Erscheinen im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts großen Erfolg. Wer hätte damals vermutet, dass der Ritter von der traurigen Gestalt und sein treuer Gefährte einmal musikalisch zu Ehren kämen? Das Konzert macht mit zwei einschlägigen Vertonungen des Don-Quixote-Stoffes bekannt. Einmal von Richard Strauss und zum anderen vom 1935 geborenen finnischen Klassiker der Moderne, Aulis Sallinen. Am berühmtesten mag die Tondichtung von Richard Strauss sein. Ursprünglich vertonte sie Strauss im Kontext seines Zyklus »Ein Heldenleben« und erweiterte damit seine Tondichtungen über literarische Gestalten wie »Don Juan« und »Till Eulenspiegel«. 1898 wurden Strauss' »Phantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters für großes Orchester op. 35« in München uraufgeführt. Mit viel Klangfantasie und raffinierter Instrumentation nähert sich der Komponist der Gestalt des Ritters Don Quixote. Strauss‘ Opus ist nicht ohne Weiteres auf eine Form festzulegen. Einerseits zeigt das Werk Züge von Programm-Musik, andererseits sind es Orchester-Variationen und zum Dritten sind konzertante Züge festzustellen für Violoncello und Viola. Das Violoncello versinnbildlicht gleichsam den Don Quixote, stellt seinen Charakter mit einem stolz, ja gravitätisch gespreizten Thema vor. Viola und Bass-Klarinette bringen mit einem derben Motiv den Knappen mit dem vollen Bauch (sancho pansa) humorvoll ins Spiel. Dem Solo-Cellisten werden virtuose bis ausgesprochen lyrische Episoden abverlangt. Eröffnend erklingt eine Orchesterexposition, die den in seinen Wahnvorstellungen versponnenen Ritter zeichnet, offenbar ist Don Quixote tief in die Lektüre versunken, ein singendes Oboen-Motiv kündet von der Prinzessin Dulcinea, zu deren Verehrung sich der Edle in Abenteuer stürzt. Dann

»Der Ritter von der traurigen Gestalt.«

wird das ritterliche Cello-Solo erstmals vorgestellt. Es folgen 10 Episoden aus dem Ritter-Roman in 10 Variationen. Eine plastische, ja kantig dramatische Sturmmusik gelingt Strauss, um das Bild vom Kampf des Quixote mit den Windmühlen, die der Ritter für Riesen hält, zu evozieren. Nach dieser begegnet der Ritter einer Schafherde, die er gar für ein feindliches Heer hält, und stürzt sich Hals über Kopf ins Schlachtgetümmel. Das Blöken der Herde wird mit Überblasen der Holz- und Blechbläser und dem Einsatz von Dämpfern humorvoll hervorgehoben. Lustige Dialoge zwischen Cello und Bratsche entfalten sich bei der Variation über das Gespräch zwischen Ritter und Knappen. Melancholie verströmen die Variation über die Prozession der büßenden Mönche. Auch die Variation über die Nachtwache Quixotes in rostiger Ritterrüstung stellt ein klagendes Violoncello vor. Während der Begegnung mit den Bauernmädchen, in der Illusion des Ritters sind es freilich Prinzessinnen, lässt Strauss sogar spanisch folkloristische Motive anklingen. Hurtige Orchester-Bilder bringt die Fahrt durch die Lüfte. Besonders poetisch gelingt die nächtliche Bootsfahrt, zauberhafte lyrische Gesänge des Violoncello in einer Barcarole erdichtet Strauss hier. Recht kriegerisch geht es wieder beim Kampf mit den Bettelmönchen und mit dem Ritter vom blauen Mond zu. Endlich kehrt Don Quixote, seiner Abenteuer müde, friedlich in sein Haus in der Mancha zurück. Wieder erklingt das ritterliche Thema, und zart schillernde SchlussAkkorde lassen den Ritter von der traurigen Gestalt in die Ewigkeit entschweben. Anders geht Aulis Sallinen den Don-Quixote-Stoff an. Auch bei dem finnischen Komponisten der Gegenwart spielt das Solo-Cello eine wichtige Rolle. Der OrchesterApparat beschränkt sich auf Streicher. Sallinens Tondichtung entstand 1983 und trägt den Untertitel »The Nocturnal Dances of Don Quixote«. Offenbar inspirierte das abenteuerlich Fantastische der Gestalt des Ritters von der traurigen Gestalt den finnischen Komponisten zu einer Folge von nächtlichen Tänzen, die teils spukhaft anmuten mögen. Der Solo-Part des Violoncellos ist mit virtuosen Doppelgriffen gespickt und teils eng mit den rhythmisch-tänzerischen Strukturen der Streicher verwoben. Dem Hörer mag dabei überlassen bleiben, sich das skurrile Paar aus Ritter und Knappen von einem Abenteuer zum nächsten tanzend vorzustellen. Dagegen spielt Aulis Sallinens »Palace Rhapsody« von 1996 in einem ganz anderen Bereich. Hier wirkt eine insbesondere im 18. Jahrhundert beliebte Tradition der Bearbeitung von Opern für die sogenannte Harmonie-Musik mit herein. Ähnlich wie es zur Zeit Mozarts, Salieris und Haydns üblich war, beliebte Opernmelodien auf Bläserkammermusik zu übertragen, verfuhr auf seine Weise Sallinen mit seiner Oper »Palace«. In der »Palace Rhapsody« reiht Sallinen die Hauptmelodien seines Bühnenwerkes rhapsodisch aneinander. Die Oper wird praktisch in ein modernes »Bläser-Divertimento« umgeformt. Es ist nicht unbedingt notwendig, die ganze Oper Sallinens zu kennen. Die Musik sorgt auch ohne Kenntnis der Handlung für ihren Effekt und mag bestenfalls auf das Bühnenwerk neugierig machen. Hans-Jürgen Becker

»


36

PHILHARMONISCHES KONZERT

»

WIRKLICHKEIT ? ILLUSION!

Torleif Thedéen

Cellist

Torleif Thedéen ist einer der renommiertesten Musiker Skandinaviens und hat 1985 drei der prestigeträchtigsten Cellowettbewerbe der Welt gewonnen. Seitdem musiziert er nicht nur regelmäßig mit den führenden Orchestern Skandinaviens, sondern auch mit bedeutenden Orchestern  in aller Welt wie unter anderem London Philharmonic, Royal Philharmonic, City of Birmingham Symphony Orchestra, BBC Philharmonic, mit den Philharmonischen Orchestern von Moskau, Prag, Amsterdam und Rotterdam, Tokyo Metropolitan Orchestra, den Wiener Symphonikern sowie dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin, unter Dirigenten wie Esa-Pekka Salonen, Neeme Järvi, Franz Welser-Möst, Leif Segerstam, Paavo Berglund, Eri Klas und Gennady Rozhdestvensky. Als leidenschaftlicher Kammermusiker musiziert Torleif Thedeen regelmäßig in bedeutenden Konzertsälen wie der Wigmore Hall in London, Carnegie Recital Hall in New York, im Concertgebouw Amsterdam, Salle Pleyel Paris, Sydney City Hall, der Berliner Philharmonie sowie im Konzerthaus Berlin und ist Gast renommierter Festivals in Schleswig-Holstein, Salzburg, Utrecht, Prager Frühling, Dubrovnik, Helsinki, Kuhmo, Bath, Bordeaux, Bergen, Stavanger sowie des Martha Argerich Kammermusikfestivals in Lugano und  des Verbier Festivals. Seit 1986 hat er zahlreiche CDs – mit Standardrepertoire und auch mit zeitgenössischer Musik -  für BIS aufgenommen. Seine CD mit den beiden Schostakowitsch-Cellokonzerten wurde 1995 mit dem Cannes Classical Award ausgezeichnet, seine im Jahr 2000 erschienenen Aufnahmen der Bach-Solo-Suiten fanden weltweit große Beachtung (Editor’s choice im BBC Music Magazine, November 2001). Er hat außerdem die CelloWerke von Schnittke, Brittens drei Solo-Suiten sowie die Cellokonzerte von Dvorak, Lalo, Schumann, Elgar, Saint Saens, Bloch, Kokkonen, Lutoslawski und Penderecki aufgenommen, für cpo das Cellokonzert von Dmitri Kabalewsky mit der Radiophilharmonie Hannover. Gemeinsam mit Janine Jansen und Maxim Rysanov nahm Torleif Thedeen bei DECCA eine CD mit Werken von Schönberg und Schubert auf. Eine enge Zusammenarbeit verbindet Torleif Thedeen mit seinen Musikerfreunden Janine Jansen, Martin Fröst, Maxim Rysanov, Lawrence Power, Roland Pöntinen, Itamar Golan und Polina Leschenko. Von 1992–1996 hatte Torleif Thedeen eine Professur am Royal Conservatory of Music in Kopenhagen inne, seit 1996 ist er Professor am Royal Conservatory of Music in Stockholm.


BÜCKLEIN KOLUMNE

37

TOBIAS BÜCKLEIN ist Kabarettist, Musiker, Moderator und produziert seit vielen Jahren Shows »mit Hirn und Humor« für Unternehmen, die Bühne und das Fernsehen. Als DieserDad präsentiert er auf YouTube beliebte Videos zu Themen wie Nachhaltigkeit, Energiewende und Elektromobilität. Nach »Feierkunst« (2017) erschien im November 2019 sein zweites Buch: »Willkommen in Neuland – Ein Reisebericht durch YouTube, Instagram & Co. für Eltern und Digital Immigrants«.

Was ich nicht ändern kann, muss ich neu betrachten.

Das Konstanz meiner Kindheit hieß Petershausen. Präzise gesagt: Petershausen-West. Hier liegen zwischen Luisenstraße und Taborweg alle meine bisherigen fünf Wohnorte in einem Gebiet von maximal 1,5 km Durchmesser. Hier habe ich mein gesamtes bisheriges Leben (abgesehen von 5 Jahren Musikstudium in Trossingen) verbracht. Das nennt man wohl Heimat. In diesen vergangenen 52 Jahren hat sich Petershausen sehr stark verändert. Dort, wo ich mit sieben Jahren Fußball spielte, steht heute das neue Klinikum. Wo ich mit vierzehn als Rockmusiker auf der JuZe-Bühne in der Klosterkaserne stand, ist heute die Polizei untergebracht. Das Seerhein-Center veränderte seit den 80ern unsere Einkaufsgewohnheiten. Der Schreibwarenladen Holzwarth wich der Volksbank-Filiale, und sogar die beliebte Eisdiele Pampanin verkauft ihre Leckereien heute ein paar Meter weiter als zu Kinderzeiten. Kaum etwas ist geblieben, wie es war. Das Autohaus Hardenberg, das Gelände von Farben-Gradmann und der Petershauser Bahnhof wurden neu bebaut. Die Rieter-Werke beherbergen inzwischen eine Kirchengemeinschaft sowie mein Lieblingslokal »Wohnzimmer«. Und rund um die Industriebrache der Firma Herosé entstand die »urbane Kante« mit zahlreichen Wohnungen, Restaurants, Geschäften und sogar einer Moschee. Ganz Petershausen hat sein Gesicht in den letzten 50 Jahren verändert. Ganz Petershausen? Nein! Ein weithin sichtbares Symbol architektonischen Übermuts hat

alle Veränderungen überlebt und prägt nach wie vor den ansonsten traumhaften Anblick, der sich mir bei täglichen Spaziergängen vom Bismarckturm hinunter auf Stadt und See bietet: Ausgerechnet das Fernmeldehochhaus hat alle Veränderungen unbeschadet überlebt. Ausgerechnet diese 80 Meter hohe Bausünde, die ein Postkartenmotiv der Seestraße mit Morgensonne und Blick nach Westen praktisch unmöglich gemacht hat! Wenn es doch wenigstens ein Windrad wäre, dann könnte man damit Strom erzeugen … Das Telekom-Hochhaus ist für mich ein Symbol. Ein Symbol für Dinge, die mich stören, aber die sich nicht ändern lassen. Natürlich wird das Gebäude komplett umgebaut und auf sinnvolle Weise neu genutzt. An der optischen Beeinträchtigung im Stadtbild wird das jedoch wenig ändern. Sich mit Kleinigkeiten zu arrangieren ist leicht. Aber ein 80 Meter hoher Klotz im Stadtbild einer der schönsten Städte Deutschlands ist keine Kleinigkeit. Es erfordert eine Antwort, die größer ist als Verdrängung. Was ich nicht ändern kann, muss ich neu betrachten. Es gibt keine andere Chance. Und dafür brauchen wir Kunst. Wenn am 14. März Künstler und Musiker die »LichtSinfonie« im und ums »Telekom-Hochhaus« inszenieren, geht es genau darum: die Chance, etwas Unveränderliches neu zu betrachten. Und dahinter steht nichts weniger als ein künstlerisches Grundstatement: Kunst darf und soll uns den Kopf (oder das Ohr) verdrehen und uns auf andere Betrachtungsmöglichkeiten hinweisen. Das ist ihre Aufgabe. Auch wenn sie stattdessen oft genug lieb gewonnene Gewohnheiten abfeiert oder im Gegenteil ambitioniert auf den »richtigen Weg« oder die »richtige Haltung« verweisen will – was immer das ist. Ich bin gespannt, was die »LichtSinfonie« mit meiner Wahrnehmung von Petershausen machen kann. Fast noch mehr gespannt bin ich allerdings, was die Aufführung mit meiner Wahrnehmung von Beethovens 5. Symphonie machen kann. Sie ist zwar nicht hässlich, aber mindestens so monumental und in der Wahrnehmung festgefahren wie das Fernmeldeamt. Spannend! Tobias Bücklein


38

SITZKISSENKONZERT

WOLKENSTEIN-SAAL IM KULTURZENTRUM AM MÜNSTER Sonntag, 26. April 2020 _ 11, 14 und 16 Uhr

AB 6 JAHREN

Eine schräge und vergnügliche Reise durch die Welt der Musik und Poesie für Kleine und Große. Otto hat Geburtstag und alle warten auf das Geburtstagskind. Aber, ogottogott, Ottos Mops goht‘s nocht so got – Ottos Mops kotzt! Olso word nochmol fleißog geöbt, damat nachhar aach allas klappt: Ständchen und Gedichte! So begeben wir uns alle zusammen auf eine herrlich dämliche Reise durch die weite Welt der Poesie und Musik. Werden wir neben Zauberlehrling, Erlkönig und mancherlei Getier auch Otto und seinem Mops begegnen?

Kolibri Geschichten Quintett Prisca Maier Schauspielerin Cornelius Nieden Schauspieler Margit Bonz Viola Alexander Messmer Akkordeon Christine Baumann Harfe

KARTEN Kinder 5 / Erwachsene 10 / Familien 20 Euro Freie Platzwahl


FUSION

39

SAVE THE DATE KONZIL KONSTANZ Mittwoch, 29. Juli 2020 _ 19.30 Uhr

Die Südwestdeutsche Philharmonie gemeinsam am Notenpult mit Constancia Classica und den Bläsern der Musikschule Konstanz.

Werke von Beethoven / Tschaikowski / Arutjunjan / Márquez

Damian Klein Violoncello Andre Schoch Trompete Jascha van der Goltz Dirigent Sorin Dumitru Dirigent

KARTEN Kinder 6 / Erwachsene 12 Euro

Anzeige

meersburger meersburger

konzert gesprache gesprache

in memoriam Hans Zender

SYMPOSION TEIL 1 18. April | 15:30 Uhr ÖFFENTLICHE GENERALPROBE 19. April | 10:00 Uhr SYMPOSION TEIL 2 UND DICHTERLESUNG 19. April | 14:30 Uhr

KONZERT So 19. April | 20:00 Uhr ENSEMBLE MODERN UND INTERNATIONALE ENSEMBLE MODERN AKADEMIE SALOME KAMMER (Sprecherin, Sängerin) Werke von Hans Zender und Nikolaus Brass

Symposion und Öffentliche Probe: Eintritt frei Tickets Konzert: 23,– € / 21,– € Gästeinformation Meersburg, Kirchstr. 4 Tel +49 (0)75 32-440-400 info@meersburg.de, www.meersburg.de

18. / 19. April 2020

vineum bodensee Vorburggasse 11, Meersburg Tel: +49(0)7532 440-2632 info@vineum-bodensee.de www.vineum-bodensee.de

WEIN KULTUR GESCHICHTE MEERSBURG


Anzeige

40

Moskauer Kathedralchor Sergei Rachmaninoff Vespern / All-Night Vigil Mittwoch, 18. März – 19.00 Uhr – Münster Dirigent Nicolay Azarov

Passionskonzert Thomas Gabriel – Christi Kreuz vor Augen UA – Neuvertonung der Matthäus-Passion Karfreitag, 10. April – 20.00 Uhr – Münster Evangelistin Lena Sutor-Wernich, Stuttgart Christus Clemens Morgenthaler, Freiburg Vokalensemble Konstanz Münsterorchester Konstanz Thomas Gabriel, Klavier und Band Dirigent Steffen Schreyer

Vorverkauf › Buchkultur Opitz, St. Stephansplatz 45, KN

› reservix

Medienpartner


VON MEISTERKURS BIS KL ASSIK AM SEE

41

BRUCKNER V

Bruckner V

V

Einmal möchte ich sie auch hören

Es gibt nicht viele Komponisten, deren Musik stellenweise so schön ist, dass sie schmerzt. Anton Bruckner (1824–1896) gehört definitiv zu diesem auserlesenen Kreis. Seine Motette »Ave Maria« schwebt über den trüben Wassern des menschlichen Geistes, und bei den Tönen seines »Locus iste« muss selbst ein Stein sich zu blühen bequemen. Ein Spötter hat gar einmal bemerkt, er falle gern auf der Stelle tot um, wenn garantiert sei, dass die Wiener Philharmoniker an seinem Grabe ein Adagio von Bruckner spielten – bei dieser Musik werde er nämlich gleich wiederauferstehen. Trotzdem ging dem kauzigen Meister mit der Attitüde des Provinzlers das Komponieren (wie das Leben selbst) nicht immer leicht von der Hand. Es wird überliefert, er habe nach seinen eigenen Worten seine V. Symphonie »nicht um 1000 Gulden« noch einmal schreiben wollen. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Musikeranekdoten etwa denselben Wahrheitsanspruch wie Einträge ins Poesiealbum haben: Sie wollen vor allem Gefallen erregen.

Ein Stiefkind

Bruckner arbeitete an seiner V. Symphonie, mit rund 75 Minuten Spieldauer einem echten Schlachtross, wohl zwischen Februar 1875 und Mai 1876 und brachte noch bis 1878 Korrekturen an. Damit entstand die V. etwa zeitgleich mit der I. und II. von Brahms und der IV. von Tschaikowski, doch stand sie lange in deren Schatten. Es war für Bruckner eine äußerlich glückliche Zeit, denn er hatte gerade eine lang ersehnte Stelle an der Universität erhalten. Er wusste durchaus, wem er dafür zu danken hatte, und widmete seine neue Symphonie Karl Ritter von Stremayr (1823–1904), dem damaligen Unterrichtsminister. Für ihren Schöpfer wurde die V. aber regelrecht zum Stiefkind, denn er konnte sie nie von einem Orchester gespielt hören. Die späte Uraufführung 1894 in Graz, die einzige zu seinen Lebzeiten, konnte er krankheitshalber nicht mehr besuchen – was vielleicht auch ein Glück war, denn der Dirigent der Uraufführung, Franz Schalk, hatte das Werk sehr gründlich »verbessert«, aus dem

Finale über 100 Takte gestrichen und in die Instrumentierung eingegriffen. Die Neue Zeitschrift für Musik attestierte Schalks Fassung später »eine kleinliche Furcht vor Dissonanzen«. Franz Schalk (1863–1931) hatte wie sein Bruder Joseph (1857–1900) bei Bruckner studiert, sich mit ihm befreundet und eine Laufbahn als Berufsmusiker eingeschlagen. Vor allem Franz setzte sich als Dirigent sehr für Bruckners Werk ein, kannte aber keine Gnade, wenn es darum ging, den Brucknerschen Notentext zu verändern und zu kürzen oder im eher unsicheren Bruckner Selbstzweifel zu verstärken, die ihn zu zeitraubenden Umarbeitungen einiger Symphonien veranlassten. So liegen die Symphonien I–IV jeweils in mehreren Fassungen von Bruckners Hand vor, während es von der V. nur eine einzige gibt. Schalk fertigte zudem zusammen mit dem Dirigenten Ferdinand Löwe (1865–1925) Bearbeitungen zahlreicher Bruckner-Symphonien für zwei Klaviere an. Dies ist vermutlich die einzige Fassung, in der Bruckner sein Werk jemals gehört hat. Der Meister selbst versuchte zwar nach der erfolgreichen Uraufführung in Graz, eine »richtige« Aufführung mit Orchester in Wien zu arrangieren, aber der Plan scheiterte. Sein Wunsch, »einmal möchte ich sie auch hören«, ging damit nicht in Erfüllung, und erst 1935, beinahe vier Jahrzehnte nach Bruckners Tod, erklang das zu diesem Zeitpunkt ziemlich vergessene Stück erstmals in der Originalversion von Bruckner, die sich auf Anhieb durchsetzte.

MÜNSTER KONSTANZ Samstag 2. Mai 2020 _ 19.30 Uhr

Anton Bruckner 1824–1896 Symphonie Nr. 5 B-Dur WAB 105

Marcus Bosch Erster Gastdirigent

Der Hit in den Fußballstadien

Heute ist Bruckner öfter zu hören, und einige Töne aus seiner V. haben leicht abgewandelt eine Popularität gelangt, von der Bruckner nichts ahnen konnte – er starb ein halbes Jahr nach der Gründung des Fußballclubs Hannover 96 und dreieinhalb Jahre vor der Gründung von Bayern München. Zu seiner Zeit war beileibe noch nicht abzusehen, welche Zuschauermassen der Fußball eines Tages anziehen würde. Wenn es heutzutage im Stadion hoch hergeht, erklingen immer wieder Schlachtgesänge nach dem Riff des Songs »Seven Nation Army« der Band »White Stripes«. Und dieses Riff gleicht – ob dies Jack White, dem Autor des Liedes, nun bewusst gewesen sein mag oder nicht – wie ein Ei dem anderen einem Thema aus Bruckners Symphonie Nr. V. Harald Borges

KARTEN €

42 35 27 18

Kategorie

1

2

3

4


42

KONZIL KONSTANZ Samstag, 9. Mai 2020 _ 19.30 Uhr

Sonderkonzert im Rahmen des Bodenseefestivals. Mehr Informationen finden Sie unter bodenseefestival.de

GRENZGÄNGER

Wolfgang Amadeus Mozart 1756–1791 Zwischenaktmusiken aus Thamos, König von Ägypten, KV 345 (366a) Jacques Ibert 1890–1962 Concertino da Camera für Saxophon Pause Darius Milhaud 1892–1974 Scaramouche op. 165 b György Ligeti 1923–2006 Concerto Românesc Wolfgang Amadeus Mozart Symphonie Nr. 41 C-Dur, KV 551 Jupiter 1. Allegro vivace 2. Andante cantabile 3. Menuetto, Allegretto 4. Molto allegro

Asya Fateyeva Saxophon Paul Meyer Dirigent Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

»Mit großem Vorteil in jeder Art von Musik verwendbar.« KARTEN €

32 24 18 14

Kategorie

1

2

3

4

György Ligeti, 1923 als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern in Dicsőszentmárton (Siebenbürgen) geboren, war einer der bedeutendsten Komponisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war ein Avantgardist, komponierte jedoch frei von festgelegten ästhetischen Richtungen, gehörte keiner Schule an und scherte sich weder um stilistische Grenzen noch darum, was man als zeitgenössischer Komponist zu tun und vor allem zu lassen habe. Sein Concert Românesc schrieb er 1951 als 28-Jähriger in Budapest. Das Stück war ihm eine Herzensangelegenheit: »Das vorliegende viersätzige Orchester-Konzert basiert auf einer Vielzahl rumänischer Volksmelodien … Das Concert Românesc spiegelt meine tiefe Liebe zur rumänischen Volksmusik und zur rumänischsprachigen Kultur schlechthin wider.« Eine Portion Pragmatismus war bei der Komposition allerdings auch im Spiel, Ligeti rückblickend: »Diese Orchesterkomposition war eines der ,Camouflage-Stücke‘, mit denen ich mich der aufoktroyierten ,Sozrel‘-Diktatur zu entziehen versuchte. Obwohl einigermaßen konform, entpuppte sich das Stück als ,politically incorrect‘ infolge einiger verbotener Dissonanzen. Für den heutigen Hörer ist kaum nachvollziehbar, dass solche milden tonalen Scherze als staatsgefährdend deklariert wurden.« Nur eine Orchesterprobe war dem Stück vergönnt, bevor es konfisziert wurde. Nach dem Ungarn-Aufstand 1956 flüchtete Ligeti, wurde auch geografisch zum Grenzgänger und lebte unter anderem in Österreich, Deutschland und in den USA, wo das Concert Românesc 1971 zu seiner arg verspäteten Uraufführung kam. Das Saxophon ist ein musikalischer Grenzgänger par excellence. Erfunden wurde dieses vergleichsweise junge Instrument, das wie die Klarinette ein Rohrblattinstrument ist, 1840 von dem Musiker und findigen belgischen Instrumentenbauer Adolphe Sax, der es für den Einsatz in Symphonieorchestern und Militärkapellen vorsah. Hector Berlioz lobte das neue Instrument als »mit großem Vorteil in jeder Art von Musik verwendbar« – als hätte er den Genre-Wechsel des Saxophons schon vorausgeahnt, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Jazz und der sogenannten U-Musik abgeworben wurde und bis heute meist dort verortet wird. Dabei ist das Saxophon dem »klassischen« Metier nie ganz verloren gegangen. Seine Möglichkeiten und Fähigkeiten als Grenzgänger zwischen musikalischen Welten wussten die französischen Komponisten Ibert und Milhaud bestens zu nutzen. Iberts 1935 entstandenes Concertino ist ein mal tänzerisches, mal melancholisches, rhythmisch und harmonisch höchst vertrackt angelegtes Solokonzert, das unter anderem durch jazzige Synkopen seinen besonderen Drive erhält. Geschrieben hat es Ibert für Sigurd Raschèr, den führenden »klassischen« Saxophonisten des 20. Jahrhunderts. Als Milhaud 1937 »Scaramouche« aus schon vorhandenen eigenen Kompositionen zunächst für zwei Klaviere (später auch für Saxophon und Orchester arrangiert) »zusammenkleisterte«, wie er es selbst ausdrückte, ahnte er nicht, dass er damit seinen größten Coup landen würde. Virtuosität und Innerlichkeit verbinden sich mit Elementen des Jazz, des Ragtime sowie brasilianischer Folklore in diesem Stück über jene Figur der Comedia dell’Arte, die Milhaud so charakterisierte: »Scaramouche ist der König der Aufschneider, ein Intrigant, der seinen Mitmenschen das Fell über die Ohren zieht … Er gebärdet sich als unwiderstehlicher Liebhaber und bucht jede Niederlage als Sieg.«


GRENZGÄNGER

Mozart hat das Saxophon um gut 50 Jahre verpasst. Hätte er Musik für Saxophon geschrieben oder es in seine Symphonien einbezogen? Gut vorstellbar, denn er liebte bekanntlich die Klarinette, insbesondere die Bassettklarinette und das Bassetthorn, deren Klang dem des Saxophons durchaus nahekommt. 1788 komponierte er seine letzte Symphonien. Wer ihr den bis heute marketingwirksamen Beinamen »Jupiter« gab, ist nicht bekannt und auch nicht, was genau dahintersteckt. Der Bezug auf den gigantischen Planeten bzw. den römischen Göttervater könnte sowohl auf die Strahlkraft und Erhabenheit dieser Symphonie verweisen als auch auf deren kompositorische Vollkommenheit, insbesondere in der kontrapunktisch einzigartig ausgearbeiteten, alle Grenzen sprengenden grandiosen Schlussfuge des Finales. Zur Demut gegenüber den Göttern mahnt der ägyptische König Thamos am Ende des gleichnamigen Schauspiels von Tobias Freiherr von Gebler, für das Mozart 1773 seine einzige Schauspielmusik schrieb. Das fünfaktige Drama, das ganz dem klassischen Spiel aus Machtgier, Weisheit und einer unglücklichen Liebe mit Happy End folgt, geriet schon zu Mozarts Lebzeiten in Vergessenheit – der meinte allerdings ganz selbstbewusst: »Es müsste nur blos der Musick wegen aufgeführt werden.« Die von ihm komponierten Zwischenaktmusiken zum »Thamos«-Schauspiel sind in diesem Konzert im Konzil zu hören. Andrea Hechtenberg

43

Asya Fateyeva Saxophon

»Eine Sensation für die Musikwelt«, schwärmte die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Asya Fateyeva, 1990 auf der Krim geboren, widmet sich als klassische Saxophonistin einem breiten Repertoire. Dazu gehören neben Originalwerken für ihr Instrument auch Werke aus dem Barock, der Klassik und der Romantik. Als Tenorsaxophonistin gehörte sie als ständiges Mitglied zum renommierten Alliage-Quintett. Seit 2014 unterrichtet die Wahl-Hamburgerin als Dozentin klassisches Saxophon an der Musikhochschule Münster. Asya Fateyeva spielte mit zahlreichen Orchestern. So etwa unter der Leitung von Vladimir Fedoseyev mit den Wiener Symphonikern im Musikverein Wien. Mehrfach musizierte sie mit den Moskauer Virtuosen. Sie gastierte bei dem Tschaikowski Rundfunksymphonieorchester und der Ukrainischen Nationalphilharmonie, bei dem Staatlichen Symphonieorchester Istanbul und dem Symphonieorchester Giuseppe Verdi Milano. Hinzu kommen Auftritte mit Orchestern aus Bochum, Bonn, Frankfurt/ Oder und Kassel. Großen Anklang fanden ihre Konzerte bei Festivals in Colmar, Fermo, Köln, Moskau und Sankt Petersburg sowie bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und dem Musikfest »Spannungen« in Heimbach. Die Basis ihrer Ausbildung bildet der Musikunterricht in ihrer Kindheit und Jugend: Als Sechsjährige begann die Tochter eines Profi-Fußballers mit Klavierunterricht, mit zehn Jahren brachte ihr Lilija Russanowa die Tradition der französischen Saxophon-Schule nahe. Es folgten Studien am berühmten Gnessin-Institut in Moskau, Meisterkurse im französischen Gap und schließlich 2004 der Umzug nach Deutschland. Ihre Ausbildung vereint die russische Tradition des seelenvollen Musizierens mit der klassischen Schule des französischen Saxophon-Spiels. Nach zwei Jahren als Jungstudentin bei Professor Daniel Gauthier an der Hochschule für Musik in Köln begann Asya Fateyeva mit 17 Jahren ihr reguläres Studium. Studienaufenthalte in Frankreich gaben wichtige Impulse.

Paul Meyer

Dirigent

Paul Meyer zählt zu den herausragendsten Klarinettisten weltweit und konzertiert regelmäßig mit den großen Orchestern in Europa und den USA, in Fernost und Australien. Er ist Widmungsträger von über 20 Welturaufführungen, unter anderm den Konzerten von Penderecki, Berio, Corigliano, Thierry Escaich, Qigang Chen oder Michael Jarrell, die Paul Meyer in Salzburg, Amsterdam oder Wien ins Leben rief und die seither im Repertoire sind.

»


40

»

Neben seiner solistischen Karriere ist Paul Meyer seit 1988 international als Dirigent tätig. Er ist Gründer der Orchestre de Chambre d’Alsace, war Assistent von John Crewe beim Northern Junior Philharmonic in England und wurde 2007 von Myung Whun Chung zum »Associate Chief Conductor« des Seoul Philharmonic Orchestra ernannt, dessen internationales Profil er vor allem mit französischem  Repertoire und Werken von Roussel, Dukas und Saint-Saëns prägte. Paul Meyer ist Mitbegründer der dortigen Orchesterakademie für junge Nachwuchskünstler. Von 2009 bis 2012 war Paul Meyer Chefdirigent des Tokyo Kosei Wind Orchestra und arbeitet seither mit namhaften Orchestern wie dem Orchestre Philharmonique de Radio France, dem Orchestre Philharmonique de Nice, der Staatskapelle Weimar, den Hamburger Sinfonikern, dem Royal Flemish Philharmonik, Brussels Philharmonic, Tokyo Philharmonic Orchestra, Danish Symphony Orchestra oder auch dem Münchner Kammerorchester. Sein bisheriges künstlerisches Schaffen ist auf mehr als 50 CD-Einspielungen bei führenden Labels dokumentiert, darunter DGG, Sony, RCA, EMI und Virgin; hierfür wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wie zum Beispiel Fono-Forum, Diapason d’Or, Choc du Monde de la Musique, Gramophon und Grammy Awards. Nennenswert sind für uns vor allem seine Einspielungen als Dirigent mit der Camerata Padova (Klavierkonzerte von Mozart und Haydn mit JM Luisada), mit dem Royal Philharmonique de Liège (Werke von Darius Milhaud), dem Brussels Philharmonic (Werke von Corigliano & Carter), mit der Staatskapelle Weimar (Cellokonzert Elgar & Walton) sowie Hornkonzerte verschiedener Epochen mit dem Stuttgarter Kammerorchester und die sehr erfolgreiche CD »Bolero de Meyer« mit dem Tokyo Kosei Orchestra. Preisgekrönt ist seine Reihe von Play-Conduct- Einspielungen mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne. Paul Meyer ist seit 2012 »Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres« und Mitbegründer des »Festival International de Musique de Salon de Provence«. 

Anzeige

21.-24. Mai 2020, Meersburg Do Do 21.05. 23.05. || 20 20 Uhr Uhr Renaissancesaal Renaissancesaal Burg Meersburg Meersburg Burg

DROSTE-POETRY-SLAM Droste-Literaturtage

junge Poetinnen und Poeten· junge Poetinnen und Poeten DROSTE-POETRY-SLAM slammen um die die Gunst Gunst des des Publikums Publikums slammen um

Sa 25.05. | 20 Uhr Veranstaltungssaal

VON LÄNDERN UND MENSCHEN Droste-Literaturtage Musik von Clara Schumann, DAS LIEBEN DER ANDERENJiří Bezděk, Frédéric Bolli und Holmer Becker. Lyrik von Monika Hähnel, Karla Erbová, Lesung mit Silke Knäpper Annette von Droste-Hülshoff u.a. Romana Feiferliková (Mezzosopran) Droste-Literaturtage Vera HABEN MüllerováNÄMLICH (Klavier) ENTENFÜSSE SIE

Fr 22.05. | 20 Uhr Fürstenhäusle Meersburg So 26.05. | 11 Uhr

Deutsche Balladen mit Bernhard Stengele LICHTSCHATTENGEWÄCHSE accompanied by Paul Amrod at the piano Lesung mit Ulrike Schäfer und Christian Bekmulin Veranstaltung des Internationalen Bodenseeclubs / nur Abendkasse Droste-Literaturtage

Veranstaltungssaal Sa 23.05. | 20 Uhr vineum bodensee So 26.05. | 18 Uhr Veranstaltungssaal Neues Schloss Meersburg

Eine Revuette über Claire Waldoff Droste-Literaturtage Anne SimmeringDROSTE und Harald Rutar LIEDERLICHE

Fr Fr 22.05. 24.05. || 17:30 19:30 Uhr Uhr vineum bodensee Fürstenhäusle Veranstaltungssaal Meersburg

So 24.05. | 11 Uhr vineum bodensee Veranstaltungssaal

LITERARISCHES FRÜHSTÜCK HEUT‘ GEHEN WIR MORGEN ERST INS BETT

LITERARISCHES FRÜHSTÜCK ...DENN ES GEHT EIN NEUES LEBEN AN Goethes „Italienische Reise“ Sonja Koppelhuber (Mezzosopran), Christian Schmidt (Lesung), Ulrich Pakusch (Klavier)

Tickets:Information: Meersburg Tourismus, Stadt Meersburg, Tel: +49Abteilung (0)7532 Kultur 440-400 & Museum · www.meersburg.de vineum Tel: bodensee, +49 (0)7532 Tel: +49 440-260 (0)7532· www.meersburg.de 440-260 / -2632 · www.vineum-bodensee.de

droste

literatur tage


Anzeigen

Städtereise nach Tallinn, Riga und Vilnius Europäisches Flair, hanseatischer Chic, feinster Jugendstil und dazu eine gute Portion Lässigkeit – im Baltikum weht seit dem Beitritt in die EU ein frischer Wind. Ihre Studiosus-Reiseleiterin weiß, wo der besondere Mix aus Tradition und Moderne am besten zu erleben ist: In Estlands Hauptstadt Tallinn treffen wir aufs Mittelalter und bestaunen Skurriles in einer Apotheke. Wenn Sie möchten, nimmt Sie Ihre Reisleiterin mit auf einen Ausflug zum Nationalpark Lahemaa. Wir schnuppern Meeresluft bei Pärnu, entdecken den Jugendkult in Riga und eine beinahe italienische Lebensfreude in Vilnius, dem „Rom des Ostens“. Dank der zentral gelegenen Hotels sind Sie stets mittendrin – und können zwischendurch auf eigene Faust losziehen.

Von Museum bis Wochenmarkt – wir setzen Ihre Traumstadt in Szene. 7 Tage für die drei Schönen des Baltikums Tallinn, Riga und Vilnius 6 Übernachtungen mit Frühstück, Termine Mai-August, zentrale Hotels, Ausflüge zubuchbar, speziell qualifizierte Studiosus-Reiseleitung, u.v.m., Flug ab/bis Zürich Unser Preis p. P. ab

1.345,- €

Schritt für Schritt ein Land entdecken mit Studiosus und Reiseland Reisebüro GmbH Neugasse 9 • 78462 Konstanz • Tel.: 07531 908710 E-Mail: konstanz.neugasse@reiseland.de www.reiseland-reisebuero-konstanz.de Reiseland GmbH & Co. KG • Osterbekstr. 90a • 22083 Hamburg Studiosus Reisen München GmbH • Riesstraße 25 • 80992 München


46

Das Horn … wie Mozart es liebte!

MUSIKSCHULE KONSTANZ BENEDIKTINERPLATZ 6 _ 78467 KONSTANZ S o n n t a g , 1 0 . M a i 2 0 2 0 _ 1 7. 0 0 U h r

Wenzeslaus Leopold Kohl * 1753 (Todesjahr unbekannt) Quartett Nr. 3 op. 3 für Horn, Violine, Viola & Violoncello in F-Dur 1. Allegro moderato 2. Adagio 3. Rondo allegretto Ludwig van Beethoven 1770–1827 Streichtrio op. 9 Nr. 3 in c-Moll 1. Allegro con spirito 2. Adagio con espressione 3. Scherzo. Allegro molto e vivace 4. Finale. Presto Wolfgang Amadeus Mozart 1756–1791 Quintett in Es-Dur KV 407 für Horn und Streichquartett 1. Allegro 2. Andante 3. Rondo allegro

Andrew Hale Naturhorn Sofía Roldán Cativa Violine Irene Oesterlee Viola Peter Achtzehnter Viola Ulrike vom Hagen Violoncello

MUSIKSCHULE KONSTANZ KARTEN

18 / erm. 14 Euro

Philharmonie / Theaterkasse / Tourist-Information / Ortsverwaltungen Telefon 07531 900 21 50 / Freie Platzwahl


KAMMERKONZERT

DAS HORN …

47

Dies himmlische Instrument … Der Klang des Horns, die Möglichkeit, in Fanfaren kraftvoll zu schmettern, aber auch in großen Atembögen zu singen, bestimmt die Werke des heutigen Konzertabends. Dabei kann man auch Entdeckungen machen, denn der Komponist des ersten Werks ist wohl nur Hornisten bekannt. Wenzeslaus Leopold Kohl kam 1753 in Böhmen zur Welt, war Sängerknabe in Prag, studierte Waldhorn und muss auf diesem Instrument große Fähigkeiten entwickelt haben. Zu dieser Zeit hatte das Horn ja noch keine Ventile, der Hornist hatte also nur die Naturtonreihe zur Verfügung und konnte sich mit Spieltechniken wie dem Stopfen behelfen. Ab 1784 wirkte Wenzeslaus Kohl als erster Hornist am französischen Königshof in Paris. Hier veröffentlichte er im Jahre 1802 eine Reihe von Quartetten für Horn und Streichtrio, sein Todesjahr ist nicht bekannt. Das Thema im dritten Satz des heute gespielten Quartetts wird den Kennern von Mozarts Hornkonzerten bekannt vorkommen: Gut möglich, wie Andrew Hale vermutet, dass das Thema ein bekanntes Jagdstück oder ein Lied aus Böhmen war. Bevor Ludwig van Beethoven sich mit seiner Gruppe von sechs Werken op. 18 die Gattung des klassischen Streichquartetts eroberte, schuf er in den 1790er-Jahren eine Reihe von Streichtrios mit Violine, Viola und Violoncello. Doch sind die Streichtrios op. 3 und op. 9 zweifellos von großer Dichte und kompositorischer Meisterschaft. Das dritte Werk von op. 9 ist getragen von jener c-Moll-Dramatik, die Beethoven auch in anderen Werken dieser Tonart (Klaviersonate op. 13 »Pathétique«, 3. Klavierkonzert, 5. Symphonie …) einsetzt: leidenschaftlich, aufgewühlt, kontrastreich, mit nur kurzen Aufhellungen im langsamen Satz und im Menuett und reich an fast orchestraler Wucht. Wolfgang Amadeus Mozart pflegte enge Freundschaften zu hervorragenden Bläsern, denen er auch Werke zudachte. So ist das Hornquintett KV 407 im Jahr 1782 für Joseph Leutgeb entstanden, der wie Mozart aus Salzburg stammte und in der Wiener Hofkapelle engagiert war. Für ihn sind auch die vier höchst anspruchsvollen Hornkonzerte komponiert. Die ungewöhnliche Besetzung für Horn und ein Streichquartett mit zwei Bratschen kommt dem dunkleren Klang des Horns entgegen und verleiht dem Quintett einen intimen Charakter. Die Ecksätze wirken parodistisch-humorvoll – Mozart spottete gern liebevoll über den etwas einfältigen Verstand Leutgebs-, umso versöhnlicher ist der Mittelsatz, ein inniges Andante. Der Mozartforscher Alfred Einstein charakterisiert es als »Liebesdialog zwischen Horn und erster Geige«. Das Horn hat den Vorrang gegenüber den Streichern, sodass das Werk einer Sonate oder einem weiteren Konzert nahekommt. Katharina von Glasenapp

»Leidenschaftlich, aufgewühlt, kontrastreich.«


48

Konzertkalender

März 2020 bis Mai 2020

MÄR Z 2 020 Philharmonisches Konzert

Mi tt woch, 4 . Mä r z 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uh r Frei tag, 6 . Mär z 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uh r S onntag, 8. Mär z 2 0 2 0 _ 18 Uh r

Abo A Abo C Abo E

Neuland

e duART Familienkonzer t

FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ S o n n t ag , 2 2 . Mär z 2 0 2 0 _ 11 u n d 1 5 Uh r

Peter und der Wolf Ab 6 Jahren

Werke von Mahler / Brahms / Sibelius Emmanuel Tjeknavorian Violine Ari Rasilainen Chefdirigent

→ Seite 6

Marko Simsa Erzähler Erke Duit Dirigent Susanne Smajić Illustration Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

→ Seite 19

Genial IV

KONZIL KONSTANZ S ams tag, 7. Mär z 2 0 2 0 _ 18 Uh r

Philharmonisches Konzert

KONZIL KONSTANZ Frei t ag , 2 7. Mär z 2 0 2 0 _ 9. 3 0 Uh r Frei t ag , 2 7. Mär z 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uhr S o n n t ag , 2 9. Mär z 2 0 2 0 _ 18 Uh r Mi tt wo c h , 1 . A p ri l 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uhr

Traum

Werke von Mahler und Sibelius Carolin Bergmann Moderation Ari Rasilainen Chefdirigent

→ Seite 10

ÖGP * Abo B Abo D Abo A

STADTHALLE SINGEN S am s t ag , 2 8 . Mär z 2 0 2 0 _ 2 0 Uh r

Ekstase

GRAF-ZEPPELIN-HAUS FRIEDRICHSHAFEN Mi tt woch, 11 . Mär z 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uh r D onner s tag, 12 . Mä r z 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uh r

Werke von Wagner und Mahler Dorothea Röschmann Sopran Ari Rasilainen Chefdirigent

Cranko: Der Widerspenstigen Zähmung

→ Seite 22

APR I L 2 0 2 0 Ehemaliges Fernmeldegebäude Moltkestraße / St.-Gebhard-Platz S ams tag, 1 4 . Mä r z 2 0 2 0 _ 18 Uh r (o f f i z i e l l e r B e g i n n)

FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ S o n n t ag , 5. A p ri l 2 0 2 0 _ 11 .1 5 Uhr

Die LichtSinfonie

Sehnsuchtsvoll

→ Seite 12

Kammerkonzert

Werke von Francesco Geminiani / Edvard Grieg / Heitor Villa-Lobos / Kammerkonzert

FESTSAAL INSELHOTEL KONSTANZ S onntag, 1 5. Mär z 2 0 2 0 _ 11.1 5 Uh r

Sulkhan Tsintsadze / Belá Bartók Cellogruppe der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz

Programmänderung: Konzert Strukturen II wird zu

Strukturänderung

→ Seite 30

Unlimited III

Werke von Beethoven / Vivaldi / Piazzolla Circolo Quartett

→ Seite 11

SCHÄNZLEHALLE KONSTANZ S o n n t ag , 5. A p ri l 2 0 2 0 _ 18 Uhr

zoff voices

→ Seite 28

Kammerkonzert

GEWÖLBE DER STADTBIBLIOTHEK RADOLFZELL Frei tag, 2 0. Mär z 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uh r

KONZIL KONSTANZ S am s t ag , 18 . A p ri l 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uhr

Erstaunt

GRAF-ZEPPELIN-HAUS FRIEDRICHSHAFEN S o n n t ag , 19. A p ri l 2 0 2 0 _ 19 Uhr

»Je mesbais de vous mon cueur« Höfische Chansons aus der Feder von Antoine Busnoys ca. 1430–1492 Ensemble Il Cigno

→ Seite 20

Junge Meister – Stars von morgen

Violinkonzerte mit den Preisträgern des Internationalen Violinfestivals junger Meister Lindau Stephen Waarts Violine Cosima Soulez Lariviere Violine Ioana Cristina Goicea Violine Ari Rasilainen Chefdirigent

→ Seite 33


KONZERTKALENDER

MÄRZ 2020 – MAI 2020

49

M AI 2 0 2 0 Philharmonisches Konzert

KONZIL KONSTANZ Fre i tag, 24 . A pri l 2 02 0 _ 19. 3 0 Uh r Mi tt w och, 2 9. A pri l 2 02 0 _ 19. 3 0 Uh r

Abo C Abo A

MILCHWERK RADOLFZELL Die n s tag, 2 8. A pri l 2 02 0 _ 19. 3 0 Uh r

Abo R

MÜNSTER KONSTANZ S am s t ag , 2 . Mai 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uh r

Bruckner V Marcus Bosch Erster Gastdirigent

→ Seite 37

GRAF-BURCHARD-HALLE FRICKINGEN S o n n t ag, 26. A pri l 2 0 2 0 _ 19 Uh r

KONZIL KONSTANZ S am s t ag , 9. Mai 2 0 2 0 _ 19. 3 0 Uhr

Wirklichkeit? Illusion!

Konzert im Rahmen des Bodenseefestivals GRENZGÄNGER Werke von Ligeti / Ibert / Milhaud / Mozart

Werke von Sallinen und Strauss Klaus Valcu Solo-Viola Torleif Thedéen Violoncello Ari Rasilainen Chefdirigent

→ Seite 34

Asya Fateyeva Saxophon Paul Meyer Dirigent Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

→ Seite 38

e duART Si t zkissenkonzer t

WOLKENSTEIN-SAAL IM KULTURZENTRUM AM MÜNSTER S o n n tag, 26 . A pri l 2 02 0 _ 11, 14 un d 16 Uh r

Kammerkonzert

MUSIKSCHULE KONSTANZ S o n n t ag , 10 . Mai 2 0 2 0 _ 1 7 Uhr

Ottos Mops

Das Horn ... wie Mozart es liebte!

Ab 6 Jahren

Kolibri Geschichten Quintett

→ Seite 38

Werke von Kohl / Beethoven / Mozart Andrew Hale Naturhorn Johannes Grütter Violine Irene Oesterlee Viola Peter Achtzehnter Viola Ulrike vom Hagen Violoncello

→ Seite 46 Anzeige

schloss internationale

So 3. Maiǀ| 18 Uhr | Neues Schloss Meersburg | Spiegelsaal

SALON BEETHOVEN – LES PASSIONS DE L’AME

Mitglieder des Orchesters für Alte Musik Bern Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 1 in C-Dur, Op. 21 und Symphonie Nr. 2 in D-Dur, Op. 36

Sa 16. Maiǀ| 19 Uhr | vineum bodensee | Veranstaltungssaal

GRENZGESCHICHTEN: IN VINO MUSICA EIN WANDELKONZERT MIT WEINVERKOSTUNG Werke von J. S. Bach, G. Sollima, L. Bernstein u. a.

So 17. Maiǀ| 18 Uhr | Neues Schloss Meersburg | Spiegelsaal

VISION STRING QUARTET · ARTIST IN RESIDENCE Werke von L. v. Beethoven, G. Bacewicz, F. Mendelssohn Bartholdy

INFORMATION: Abteilung Kultur & Museum der Stadt Meersburg Vorburggasse 13, 88709 Meersburg Tel: +49 (0)7532 440-2620 kulturamt@meersburg.de · www.meersburg.de VERANSTALTUNGSORT: Spiegelsaal im NEUEN SCHLOSS MEERSBURG Schlossplatz 12, 88709 Meersburg

KARTENVORVERKAUF: Gästeinformation Kirchstraße 4, 88709 Meersburg Tel: +49(0)7532 440-400 www.reservix.de

konzerte meersburg


50

VORVERKAUFSSTELLEN

Kasse im Stadttheater 1 Öffnungszeiten Di bis Fr 10 – 19 Uhr // Sa 10 – 13 Uhr Konzilstraße 11 // 78462 Konstanz Telefon 07531 900 21 50 theaterkasse@konstanz.de Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz  2 Abo- und Kartenbüro Öffnungszeiten Mo bis Fr 9 – 12.30 Uhr Fischmarkt 2 // 78462 Konstanz Telefon 07531 900 28 16 philharmonie-karten@konstanz.de abo@konstanz.de www.philharmonie-konstanz.de Tourist-Information Konstanz 3 Nur Schalterverkauf Öffnungszeiten November bis März Mo bis Fr 9.30 – 18 Uhr Öffnungszeiten April bis Oktober Mo bis Fr 9 – 18.30 Uhr // Sa 9 – 16 Uhr // So 10 – 13 Uhr Bahnhofplatz 43 // 78462 Konstanz counter@konstanz-info.com Für Konzerte im Milchwerk  Tourismus- und Stadtmarketing Radolfzell GmbH Bahnhofplatz 2 // 78315 Radolfzell Telefon 07732 81 500 info@radolfzell-tourismus.de www.reservix.de Ortsverwaltungen Litzelstetten, Dingelsdorf, Dettingen-Wallhausen (Schalterverkauf, kein Tausch) Jederzeit bequem von zu Hause print@home www.philharmonie-konstanz.de

IMPRESSUM Herausgeber Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz // Fischmarkt 2 // 78462 Konstanz Redaktion Insa Pijanka // Susanne Schlegel-Creutzburg Illustrationen Susanne Smajić // Fotografie 9 Uwe Arens // 11 Victor Marin // 25 Harald-HoffmannSony-Entertainment // 36 Felix Broede // 37 privat (Bücklein) //43 Neda Navaee (Asya Fateyeva) Gestaltung Abschnitt eins GmbH // Druck Druckerei Konstanz GmbH // Auflage 70.000 Exemplare

Bild- und Tonaufnahmen der Konzerte durch jede Art elektronische Geräte sind nur in Absprache und mit Genehmigung der Südwestdeutschen Philharmonie gestattet. Zuwiderhandlungen sind nach dem Leistungsschutz- und Urheberrechtsgesetz (UrhG) strafbar. Wir bitten, im Konzertsaal Mobiltelefone auszuschalten sowie während des Konzerts auf Essen und Trinken zu verzichten. Im Sinne der Lesbarkeit verwenden wir für alle Geschlechter eine einheitliche Schreibweise.

Lösungen von Seite 27


Anzeige

KONSTANZ STARTET DEN MORGEN. Ein guter Start in den Tag beginnt mit Kaffee, Toast, gekochten Eiern oder was auch immer der eigene Geschmack verlangt. Und mit einer umweltfreundlichen Portion Ökostrom. Frisch für Sie zubereitet und über Steckdosen serviert, begleitet unsere Stromversorgung nicht nur das Frühstück, sondern auch den ganzen Tag. Guten Appetit.

Mehr Konstanz im Leben. Deine Stadtwerke. www.stadtwerke-konstanz.de


Bodenseeforum auรŸergewรถhnlich

Profile for Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

TAKT 3 - 2019/2020 | Südwestdeutsche Philharmonie  

TAKT 3 - 2019/2020 | Südwestdeutsche Philharmonie  

Advertisement