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1 Von Anja I. Schwarz & Jenny Mathes


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Anja I. Schwarz & Jenny Mathes Big Brother Der Anfang

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Alle Mitglieder der Band sowie des Managements gehören leider nicht uns und sind deshalb für diese Geschichte nur geliehen. Alle Gespräche und Handlungen sind der reinen Fantasie entsprungen und sind nicht wirklich passiert. Alle verwendeten Grafiken gehören ebenfalls Tokio Hotel und werden für dieses Buch nur ausgeliehen. Lea und alle nicht oben genannten zugehörigen Personen sind ebenfalls in der Fantasie entstanden und alle Rechte daran so wie die Rechte an der Geschichte liegen bei uns.

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„Ha, ha! Was für ein Narr ist doch die Ehrlichkeit?“ William Shakespeare ____________________ „Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur darin zurechtfinden.“ Albert Einstein ____________________ „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.“ Urheber Unbekannt __________________ „Der Kummer der nicht spricht, raunt leise zu dem Herzen bis es bricht.“ William Shakespeare ____________________ „Wo kämen wir denn da hin, wenn alle sagten: `wo kämen wir denn da hin`, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.“ Kurt Marti

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Leas Sicht „Ja Mama, der Zug hat 1 Stunde Verspätung! ..jaa…. Muuum ich schaff das schon.. ja gut, ich weiss ja wo ich hin muss, bis dann.“ Seufzend ließ ich das Handy in die Tasche sinken und setzte mich auf eine ziemlich unbequeme Eisenbank neben dem Gleis auf dem eigentlich in fünf Minuten mein Zug fahren sollte. Das war ja mal wieder typisch! Da fährt man einmal im Leben mit der Bahn und genau dann hat sie Verspätung. Und ich hatte natürlich nichts zu lesen mitgenommen. Wieder seufzte ich und lehnte mich zurück an die kalte Metallehne. Zumindest hatte ich jetzt Zeit zum Nachdenken... Und das tat ich dann auch... Ich dachte über Gott und die Welt nach, und versuchte mich abzulenken, aber immer wieder blieben meine Gedanken an dem einen Thema hängen: Mein Stiefbruder. In wenigen Minuten... oder besser gesagt Stunden würde ich ihm gegenüberstehen, zum ersten Mal. Ich war furchtbar aufgeregt, schließlich würden wir demnächst unter einem Dach wohnen. Was war wenn er so ein hässlicher Nerd war oder wir uns gar nicht verstehen würden? Ich bekam auf einmal furchtbare Panik, denn zum ersten Mal dachte ich über die andere Seite nach. Ich hatte mir immer einen großen Bruder gewünscht, deshalb fand ich es auch nicht weiter schlimm, dass wir umzogen, aber was dachte er? Bestimmt war er ein verwöhntes Einzelkind, dass gar keine Geschwister wollte. Er war wahrscheinlich eher wütend, dass ich auf einmal in sein Leben treten würde. Ich bekam Angst, versuchte diese Gedanken jedoch wieder abzuschütteln. Bestimmt war er groß, schlank, muskulös und gut aussehend. Aber würde er sich dann für etwas besseres halten? Wenn er so toll war? Ich dachte daran, wer ich war. Ein völlig normales Mädchen. Und er Superman. Ich lachte leise über mich selbst, er war wahrscheinlich völlig normal, einfach wie man sich einen großen Bruder eben so vorstellt... Und dann kam auch schon mein Zug. Schnell stand ich auf, packte meine Tasche und stieg in den mächtig überfüllten ICE. Noch 2 Stunden, dann würde ich ihn kennen lernen. Gedankenverloren fand ich nach zwei mal auf und abgehen des ganzen Zugs sogar einen Sitzplatz, ließ mich darauf fallen und stöpselte meinen MP3-Player ein. Noch schnell die Lautstärke auf Maximum und schon donnerte die Musik los. „..Menschen suchen Menschen, irgendwo suchst du nach mir..“ sang ich leise mit und schon wieder klebten meine Gedanken an ihm. Noch hibbeliger als vorher drückte ich also auf ein kleines rundes Knöpfchen des handlichen Geräts und schon spielte das nächste Lied ein. „..wir ha`m uns wir ha`m Angst, halten uns an der Hand..“ „Das gibt’s doch nicht!“ murmelte ich, warf den teuren Player achtlos in meine Tasche zurück und blickte mich um. Das ganze Abteil war überfüllt. Überall Menschen die mehr oder weniger Beschäftigt in ihren Sitzen saßen. Ich blickte auf den Mann mir gegenüber. Er war dick, bärtig und hatte eine riesige Zeitung aufgeschlagen. Was er wohl heute noch machen 8


würde? Na jedenfalls nicht seinen neuen Bruder kennen lernen..! Oh Man das war ja wirklich nicht auszuhalten, als würde es nichts anderes mehr geben als das Thema Stiefbruder. Noch eine ganze Weile verblieb ich so mit meinen Gedanken bis schließlich meine Haltestelle angesagt wurde. Zielstrebig stand ich also auf, griff mir meine Tasche und rannte schon fast aus dem Zug. Ich spürte einen frischen Windzug um die Nase als ich den kalten Beton des Bahnsteigs betrat. Wie in Trance führten mich meine Füße aus dem Bahnhofsgebäude in die S-Bahn und dann noch ein paar Ecken weiter durch Magdeburg. Als ich schließlich vor dem großen hellgelb gestrichenen Haus stand atmete ich noch ein letztes Mal Tief ein und aus, dann schloss ich die Tür auf. (Ja, ich hatte schon einen Schlüssel obwohl ich erst zwei mal hier war, aber schließlich würde ich hier ja auch bald wohnen!) „Oh sie ist da!“ hörte ich meine Mutter aus dem Wohnzimmer rufen. Ja, so war sie eben. Mir lag ein Lächeln auf den Lippen. Ich schloss die Haustür hinter mir, zog mir die Schuhe aus, ließ die Handtasche auf den Boden fallen und lief so ruhig ich noch konnte auf die Wohnzimmertür zu. //Wow, nur noch eine Tür trennt mich von meinem neuen Bruder!// schoss es mir durch den Kopf als ich die Hand auf die geschwungene Klinke legte und in das geräumige Wohnzimmer eintrat. „Hallo“ rief ich schief lächelnd in den Raum, begrüßte meine Mutter, und meinen Stiefvater mit einer Umarmung und warf schließlich einen Blick auf die Dritte Person die dort saß. Nein! //oh Gott Lea jetzt drehst du völlig durch, kuck noch mal hin und dann sitzt da jemand völlig anderes..// dachte ich während ich meine Jacke über die Sofalehne schmiss und freundlich meine Hand über den gedeckten Tisch streckte und sie dem jungen Mann der vor mir saß reichte. „Hi, ich bin Georg!“ sagte er und deutete auf den Platz neben mir. „Lea.“ Stellte ich mich vor und setzte mich neben ihn. Ich warf unauffällig einen bösen Blick zu meiner Mutter. Sie hätte mir auch ruhig sagen können das mein mysteriöser neuer Stiefbruder der Bassist meiner Lieblingsband war!

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Georgs Sicht "Ey, chill mal!", rief Tom mir entgegen. Ich lachte, was eher wie ein Grunzen klang, vor allem übers Handy schätze ich mal. "Was denn?" "Tom, das sagst du schon zum tausendsten mal, du bekommst ja auch keine Stiefschwester" "Und wenn schon... Ich hoff mal für dich das sie heiß is..." "Boah, ey Tom... Das ist doch eh verboten..." "Ne, ihr seid ja nicht blutsverwandt" "Und außerdem ist sie noch viel zu jung für mich" "Aber du bist zurückgeblieben.." Ich konnte Toms Grinsen schon fast vor mir sehen "Jaja, ist ja gut. Sie ist bestimmt ganz nett" "Weiß sie denn wer du bist?" "Nein. Natürlich nicht... Was denkst du denn?" "Oh", war alles was Tom sagte "Ähm... Georg. Wann hast du denn vor es ihr zu sagen?" Ich schwieg. "Georg?" "Ja...." "Also?" "Gar nicht" "Waaaas?!" "Ja das sieht sie doch dann, oder?" "Ähm... Georg? Du willst mich doch verarschen oder?" Langsam zweifelte ich an meiner Strategie, hätte ich ihr vielleicht doch irgendwie zu verstehen geben sollen, dass sie mich mehr oder weniger kennt? Ich schüttelte diesen Gedanken ganz schnell ab, es war schon gut so wie es war. "Nein, ich habs ihr nicht gesagt, ja und?" "Ähm.. Vielleicht hasst sie Tokio Hotel und plant ein Attentat auf dich? Oder was wahrscheinlicher ist, sie vergöttert mich und nutzt dich aus... Gibt deine Adresse überall im Internet raus und du wirst gestalkt. Oder ach keine Ahnung, es kann soviel passieren..." "Hast du Angst um mich?" Ich lachte "Nee, aber Angst um mich selbst, Alter du weißt nicht was das für ne Tusse ist" "Naja, zumindest hast du mich jetzt beruhigt, das war ja auch der eigentliche Grund, dass ich angerufen hab..." "Du bist beruhigt??? Hab ich dich nicht gerade eher beunruhigt?" Wieder lachte ich "Nee, ich finds beruhigend, dass selbst ein Tom diese Situation beunruhigend findet" "Naja... Wenn du meinst... Also ich muss dann mal los, Bill ruft schon. Ist ja gut wenn ich dir helfen konnte. Bist ja auch nichts anderes gewohnt von mir" "Ja, Tom. Dankeschön, dass du mir sooooo toll geholfen hast... Was wäre ich nur ohne dich?" Tom ignorierte die Ironie in meiner Stimme gekonnt "Ich hatte halt Mitleid, Hagen" "Jaja, Tschüss!" Ich legte auf, atmete tief durch und ging nach unten. Ich hielt den Atem an, als ich das Wohnzimmer sah. Und ließ die ganze Luft wieder raus - sie war noch nicht da. Ich überlegte ob ich mich hinsetzten sollte um zu warten oder lieber wieder hoch gehen sollte und dort warten sollte, bis sie kam. Aber dann würde sie mich ja nicht gleich sehen. War das gut oder schlecht? Ich grübelte und grübelte, bis ich schließlich beschloss die Münze entscheiden zu lassen. Da ich leider keine finden konnte, beschloss ich einfach den Knopf, der neben mir lag zu schmeißen. Also tat ich das und der Knopf wackelte und... blieb auf der Kante stehen. Ich ärgerte mich, aber bevor ich wieder einen neuen Versuch starten konnte, ging die Tür auch schon auf - Lea war da. Also huschte ich schnell auf die Couch. Und musste enttäuscht feststellen, dass es nur ihre Mutter und mein Dad 10


waren. Also blieb ich sitzen, weil sie sagten, dass sie sicherlich gleich da sein würde. Mein Dad veranstaltete ein paar klägliche Versuche ein Gespräch zu Stande zu bekommen, aber irgendwie waren alle viel zu angespannt um irgendwas zu sagen. Wegen mir, dachte ich, nur weil ich Georg von Tokio Hotel bin und nicht einfach nur Georg. Da ging auch schon die Tür auf und ein junges Mädchen kam herein. Sie war noch keine 16, schätzte ich, aber auch nicht viel darunter. Höflich wie ich nun mal war streckte ich ihr gleich meine Hand hin "Hi, ich bin Georg", sagte ich überflüssigerweise noch dazu. "Lea"; antwortete sie. Ich hielt die Luft an, würde sie gleich mit einem Messer auf mich losgehen, wie Tom es vorher gesagt hatte, oder loskreischen? Doch erst mal geschah gar nichts der gleichen. "Und was machst du so?", fragte ich sie um die Stille zu brechen "Ich geh zur Schule", sie lachte "Leider", fügte sie leise hinzu "Und sonst so? Also machst du irgendeinen Sport? Oder spielst du ein Instrument?" "Ich lass euch dann mal alleine", funkte ihre Mom dazwischen und zwinkerte uns zu. "Was machst du denn so?", fragte sie, als wäre es das normalste der Welt. Ich erstarrte, sollte ich ihr Spielchen mitspielen? Oder kannte sie mich wirklich nicht? Ich bekam Panik. "Ähm... Ich... Ich suche im Moment eine Ausbildung, aber ansonsten... Ich mach ganz gerne Musik." "Ach, was willst du denn mal machen?" "Irgendwas mit Musik..." "Und was spielst du für ein Instrument?" "Bass" "Alleine?" "Ne, ne ich spiel schon in einer Band..." "Ach echt? Das find ich ja mal cool" Entweder sie war eine verdammt gute Schauspielerin, oder... die kannte Tokio Hotel wirklich nicht. Jedenfalls kam ich mir vor wie beim Kreuzverhör. "In welche Klasse gehst du eigentlich?", fragte ich um das Thema zu wechseln. "In die 9." "Und wo?" "Ich geh aufs Werner-von-Siemens-Gymnasium hier, ist bei der S-Bahn Haltestelle Neustadt so weit ich weiß..." "Ja, ich kenn mich da auch so ein bisschen aus" "Kennst du wen der auf der Schule war?" Ich überlegte... eigentlich waren alle Freunde von mir auf der gleichen Schule gewesen wie ich - abgesehen von Bill und Tom natürlich. Also schüttelte ich den Kopf. Sie inspizierte ihre Fingernägel. Ich zählte die Krümel auf dem Kaffeetisch. Es war ein unangenehmes Schweigen, aber ich wusste eben nicht was ich sagen sollte. Ich war auf alles vorbereitet gewesen, nur nicht auf das. Nach einer Weile kamen unsere Eltern und meinten, dass sie Kuchen gekauft hatten, für Kaffe und Kuchen eben. Lea und ich nickten nur, also saßen wir wenig später am Esstisch und aßen süßes Gebäck und redeten miteinander über alles was eben so interessant war. "Und Lea, hat dir Georg schon was über seinen Beruf erzählt?", fragte mein Dad, woraufhin ich ihm einen tötenden Blick zuwarf, ich hatte beschlossen Leas Spiel mitzuspielen, und nicht der Schwächling zu sein, der gleich aufgab. Lea schaute mich fragend an "Georg hat gemeint, dass..." ich unterbrach sie "Ich suche im Moment einen Ausbildungsplatz im Bereich Musik" Mein Dad und Leas Mom schauten mich fragend an, nur Lea tat so, als wäre nichts... Oder wusste sie wirklich nichts über meinen Beruf? Dann schaltete sich ihre Mom wieder ein, gerade als sie ihren Mund öffnete bekam ich wieder Panik, doch aus ihrem Mund kam nur ein "Ach" und dann noch "Du interessierst dich also für Musik?" Ich nickte nur und beschloss ganz schnell das Thema zu wechseln, denn wenn Lea meine Band wirklich nicht kannte, wollte ich das einfach mal ausnutzen und solang es ging genießen, sie würde sowieso spätestens wenn wieder viel los war, merken, dass ich nicht 'nur' ein normaler junger Erwachsener auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle war. Wenn sie wüsste, wer ich wirklich war, würde die Messerattacke vielleicht doch noch kommen. Ich verfluchte Tom, wieso um alles in der Welt konnte er mich immer so leicht beeinflussen? Ich hatte mir doch fest vorgenommen, seine furchteinflößenden Sprüche zu ignorieren. Aber alleine die Vorstellung, dass dieses Mädchen mit dem Engelsgesicht mich von hinten mit einem teuflischen Grinsen erdolchen würde, machte mir Gänsehaut. Ich blickte zu ihr hinüber, sie unterhielt sich mit meinem Vater, doch als sie meinen Blick bemerkte, stockte sie kurz. Ich zuckte fast zusammen, aber dann redete sie einfach ganz normal weiter und schaute woanders

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hin. Dieser Blick, ich wusste nicht wie ich ihn deuten sollte. Ich war verwirrt. Wahrscheinlich würde ich erst mal Gustav anrufen, der wusste bei sowas immer Rat. Und das tat ich auch, sobald 'die Tafel aufgehoben war'.

Leas Sicht: „Na versteht ihr euch gut?“ fragte Georgs Dad und wir nickten synchron. „Na dann ist`s ja gut, weißt du Lea der Georg war schon seit Tagen total hibbeli-“ „Papaaa..!“ Der Bassist warf ihm einen tötenden Blick zu. „Ja ist ja schon gut ich hör ja schon auf! Ich wollte ja nur erklären das ich nur gefragt hab weil du schon seid Ta-“ - „DAAAD!“ Ich musste lachten. „Ist schon gut mir ging`s ähnlich.“ Gestand ich und er nickte nur dankbar mit dem Kopf wobei seine langen zum Zopf gebundenen Haare mitwackelten. Dann unterhielten wir uns eine Weile gar nicht mehr miteinander und als Mum den Tisch fertig abgedeckt hatte verschwand Georg mit einem „Ich hab oben noch was zutun.“ aus dem Wohnzimmer und die Treppe hinauf. //was er wohl macht?// fragte ich mich stumm und blickte auf den nun leeren Platz neben mir auf dem Sofa. Während meine Mutter sich schon wieder mit meinem Stiefvater unterhielt musterte ich noch immer die kleine Delle neben mir die vom sitzen entstanden war und dachte darüber nach ob das alles gerade Wirklichkeit war. Irgendwie war es ja schon ein bisschen lustig, noch vor ein paar Stunden hätte ich fast alles (naja „fast alles“ ist vielleicht übertrieben, aber wenigstens Einiges) gemacht um ihn und seine Bandkollegen nur einmal zu treffen, mir Autogramme zu holen und vielleicht ein Foto mit ihnen zu machen, und jetzt gehörte er plötzlich zu meiner Familie. Komisch, wie das Leben manchmal spielt. Doch auf einmal kam mir ein ganz anderer Gedanke den ich auch prompt aussprach: „Was ist wenn er nur hochgegangen ist weil er mich nicht ausstehen kann? Oh nein er hasst mich bestimmt, oder findet mich kindisch, oder nervig und dumm, oder naiv und hässlich oder..oh!“ Innerlich verpasste ich mir gerade eine schallende Ohrfeige. Hatte ich das gerade wirklich alles laut gesagt? Mum und Georgs Dad blickten sich erst gegenseitig und dann mich komisch an. „Quark! Er hat doch eben zugestimmt dass er dich mag“ sagte meine Mum überflüssigerweise. //..Nein nur das wir uns versteh`n das ist ein Unterschied// dachte ich. „Keine Sorge, er mag dich! Ich bin sein Vater ich kenne ihn lange genug um das einschätzen zu können glaub mir! Er hat sich solche Gedanken gemacht ob ihr euch versteht und wie du auf ihn reagierst weil er ja schließlich.. …arbeitslos ist im Moment und `ne Ausbildung im Bereich Musik sucht!“ Innerlich grinste ich, doch äußerlich verkniff ich es mir und lächelte stattdessen nur leicht und erwiderte: „naja, das ist doch nicht schlimm, die meisten haben `ne kleine Phase Zeit zwischen Schule und Ausbildung, ist doch ganz normal, dafür verurteile ich ihn sicher nicht. Ich find`s aber toll das ich bei ihm das Gefühl hab als würd` ich ihn schon seit Jahren kennen.“ Nun musste ich doch etwas breiter grinsen. Mum blickte mich wissend an und mein lieber Stiefpapa Uwe verstand gar nichts mehr. Der glaubte doch wohl nicht im ernst das ich nicht wusste wer Georg und Tokio Hotel waren oder? Naja, was die konnten, das 12


konnte ich schon lange! Ich entschloss mich also dazu mir so lange nichts anmerken zu lassen bis einer der beiden sich „erbarmen“ würde es mir zu erzählen. Ich weiß ja das ich ziemlich Stur sein kann, aber eigentlich war ich ja im Recht. Wenn meine Mutter mich schon nicht vorwarnte, und Georg und Uwe mir nichts erzählten, dann würde ich eben jetzt ihr kleines Spielchen mitspielen. „Ich geh erstmal schnell das Geschirr abspülen.“ Verabschiedete sich mein Stiefdad mit einem wink aus dem Wohnzimmer und kurz bevor auch meine Mum flüchten konnte rief ich sie zurück und setzte mich neben sie auf das etwas kleinere Sofa auf dem sie schon die ganze Zeit saß. „Was gibt’s denn?“ fragte sie scheinheilig und blickte auf ihre zart rosèfarben lackierten Fingernägel. „Das weißt du doch ganz genau.“ Ich senkte die Stimme und sprach leiser weiter: „Warum in aller Welt sagst du mir nicht das mein neuer Stiefbruder der Bassist von Tokio Hotel ist??“ Mit großen Augen blickte ich sie an, und das kleine Lächeln das sich schon seid 2 Stunden auf meinen Lippen befand, ließ sich immer noch nicht abstellen. „Was hätte ich denn sagen sollen? ‚Lea du kriegst doch `nen neuen Bruder, weißt du, ich will dich jetzt nicht unnötig aufregen, ich weiss ja das du noch lernen musst für die Arbeit morgen, aber der Typ den ich liebe ist der Vater vom Bassisten von Tokio Hotel..’ ?“ Wir lachten beide auf. „Zum Beispiel!“ witzelte ich und verstand nun wenigstens ein bisschen warum sie es mir nicht erzählt hatte, auch wenn ich das immer noch nicht als wirkliche Erklärung oder einen Grund anerkannte. Mum schaltete den Fernseher ein und nach ein bisschen Umherschalten dudelte die Titelmusik von „We are Family“ durch die Röhre. Nix besonderes, das übliche Blabla, Eltern die nicht mit ihren Kindern klarkamen und Kinder die in etwa den IQ eines gerösteten Toastbrots mit Tomate hatten. Gerade als Chantalle (sagt der Name nicht alles?) betrunken von der Polizei aufgeschnappt wurde kam Uwe zur Tür rein, setzte sich neben meine Mutter und legte einen Arm um sie. Ich blickte auf die Uhr. War er tatsächlich eine Dreiviertelstunde lang in der Küche gewesen? Wow, wie schnell doch die Zeit vergeht wenn man sich kleine Pascals und Kevins und Chantalles im TV ansieht.. Ich musste grinsen und mein Blick blieb an meinen „Eltern“ hängen die sich gerade in diesem Moment einen Kuss gaben. Sie waren wirklich ein süßes Paar und das gönnte ich meiner Mutter. Als ich drei war hatte unser Vater uns verlassen, und seitdem war sie alleine gewesen. Nur ein mal hatte sie zwischendurch jemanden gehabt, aber auch der war schneller wieder verschwunden als man schauen konnte und danach war sie wirklich in ein Loch gefallen. Es war schön sie nun wieder so glücklich zu sehen, Uwe war echt in Ordnung, ein für sie liebevoller Mann, ein für mich netter Stiefvater, und sein Sohn war einer der berühmtesten jungen Männer Deutschlands. Ist doch alles nicht schlecht oder? „Lea?“ nuschelte meine Mum zwischen zwei Küssen die ich mir bewusst nicht angesehen hatte. So gern ich Uwe auch hatte, meine Mom mit jemandem knutschen zu sehen wie bei zwei fünfzehnjährigen Teenies – das brauchte ich ja dann doch nicht. „Ja?“ erwiderte ich, doch ich wusste schon was jetzt kam. Aber wohin wollte sie mich denn hier bitte schicken? Ein eigenes Zimmer hatte ich schließlich noch nicht. „Lässt du uns bitte allein?!“ Es war mehr eine Forderung als eine Frage, doch was sollte ich- „Geh zu Georg ins Zimmer, schließlich ist er jetzt dein Bruder.“ Oh nein. Also, nicht das ich das Grundsätzlich ablehnen würde, aber er hatte gesagt das er etwas zutun hatte, und bisher war er nicht wieder nach unten gekommen, also hatte er entweder etwas zutun oder er konnte mich wirklich nicht leiden. Beides jetzt nicht gerade Gründe die mich dazu bringen würden jetzt gerne zu ihm hoch zu gehen. „Die Treppe hoch und dann die letzte Tür links!“ nuschelte Uwe. Gerade wollte ich Einspruch erheben als ich sah wie die beiden auf dem Sofa schon wieder beschäftigt waren. Also griff ich nach meinem Handtäschchen und trottete langsam die Treppe hinauf. Vor eben beschriebener Holztür blieb ich stehen, und höflich wie ich war (oder besser gesagt Schüchtern) klopfte ich, wartete dann einen Moment und öffnete sie ein Stück weit. In dem kleinen aber geräumigen Raum sah ich Georg auf dem Doppelbett sitzen und sich sein Handy ans Ohr halten. „Sorry das ich dich Störe aber Uwe und meine Mum können sich wieder nicht beherrschen und haben mich mehr oder weniger rausgeschmissen 13


und gemeint ich soll hoch kommen und ich hab ja kein eigenes Zimmer und ich konnte ja nichts anderes machen als-“ Da unterbrach er mich auch schon in meinen Erklärungen.

Georgs Sicht: Als ich mich verabschiedet hatte, war ich sofort zu meinem Handy gestürmt und hatte Gustav angerufen, Bill und Tom hätten nur Witze darüber gemacht, dass Lea mich nicht aus den Medien kannte, darauf konnte ich im Moment wirklich verzichten, denn das sie mich nicht kannte, hatte meinem Selbstwertgefühl einen ordentlichen Kratzer verpasst. "Ja?" "Hey, Gustav" "Ah, hey... Wieso... Ach wie ist deine Stiefschwester so? Also an die Gurgel gegangen ist sie dir ja noch nicht, oder erpresst sie dich gerade? Oder wie findet die dich? Hat sie Vorurteile?" Gustav war eigentlich echt ein seeeeehr ruhiger, gelassener Mensch, aber wenn er eine 'Phase' hatte, konnte er echt... nennen wir es gesprächig sein. Und ich war verärgert, dass er diese 'Phase' genau dann hatte, wenn ich einfach einen Zuhörer brauchte. Typisch. "Ja... Das ist es grade, sie kennt mich nicht..." "Wie jetzt?" "Sie hat noch nie was von Tokio Hotel gehört?" "Im Ernst?" "Nee, mein Ernst heißt Horst, weißte..." "Oh", mehr sagte er nicht, nur 'Oh' "Und jetzt?", fragte mein Kollege "Ähm... Deswegen ruf ich ja an?" "Achso..." "Also?" "Was also?" "Oh man Gustav! Was soll ich denn jetzt machen?! Früher oder später wird sie alles rausfinden und dann..." "Dann weiß sie's halt früher oder später?" "Häh? Ich wollte wissen was ich jetzt machen soll..." "Ey, kann ich hell sehen?", fragte er empört "Bleib mal cool. Ich, ach.. keine Ahnung, ich hab mir einfach alles so... anders vorgestellt. Was soll ich denn jetzt in ihrer Gegenwart machen? Einerseits sollte lieber ich es ihr sagen, als das sie's von wem anders erfährt... Andererseits ist es auch mal ganz schön, wenn dich jemand nur als du kennt und nicht als 'Das Anhängsel von Bill und Tom'" "Mhmm" "Und?" "Was 'und'?" "Ja, was mach ich denn jetzt?" "Abwarten." "Abwarten?! Das ist doch nicht dein Ernst oder?" "Du hast mich nach meiner Meinung gefragt!!" Man, Gustav war immer SO schnell aufgekratzt. "Is ja...", da steckte Lea ihren Kopf zur Tür rein. Sie schaute mich schüchtern an, während sie sagte: „Sorry das ich dich Störe aber Uwe und meine Mum können sich wieder nicht beherrschen und haben mich mehr oder weniger rausgeschmissen und gemeint ich soll hoch kommen und ich hab ja kein eigenes Zimmer und ich konnte ja nichts anderes machen als-“ Ich unterbrach sie "Hey, setz dich. Bist hier mehr als willkommen - Schwester" Ich musste grinsen, als ich das sagte. Sie lächelte unsicher zurück und setzte sich auf meinen Schreibtischstuhl. "Hey, ähm, Gustav? Ist grad schlecht... Reden wir später nochmal?" 'Oder lieber nicht', fügte ich gedanklich hinzu. "Jo" war alles was mein Kumpel erwiderte. Dann legte ich auf "Sorry, ich wusste nicht das du telefonierst", meldete sich Lea wieder "Hey, hör auf dich zu entschuldigen!", Ich lachte "Gustav hat eh gerade genervt - also das ist n Freund von mir" Sie grinste. "Und was willst du jetzt machen?", fragte ich so beiläufig wie möglich, während ich Essensreste, die schon lebendiger 14


war als es mir lieb war wegräumte. War ja schon irgendwie peinlich, Klamottenhaufen, Blöcke, Zettel, Stifte, Essen, Getränke, und andere Sachen lagen zerstreut in meinem Zimmer herum. "Was ich gerne machen würde...", sie schien zu überlegen. "Kannst du mir mal ein bisschen die Stadt und deine Freunde vorstellen oder sowas? Also ich kenne hier echt nichts und niemanden..." "Ja, klar. Sollen wir gleich gehen? Ich kann dir ja mal so zeigen, wo man so chillen kann und so, und wir können fragen, ob wer Lust auf einen gemütlichen DVDAbend hat, dann lernst du gleich ein paar Freunde von mir kennen, wenn du willst." Sie zuckte mit den Schultern. "Ist das ein Ja?" Sie lachte "Wenn du so fragst, schon" "Okay, also kannst dir dann gleich wieder die Schuhe und so anziehen" "Was gibt's in Magdeburg überhaupt so zu sehen? Also nichts gegen Magdeburg, aber gibt's da so Sehenswürdigkeiten überhaupt?" Ich grinste "Du würdest dich wundern, wenn du wüsstest, was es alles zu sehen gibt. Ich wollte dir jetzt zwar eigentlich keine Kirchen oder so zeigen, sondern eher so 'praktische' Sachen... Aber - Hey, wenn du lieber sowas siehst..." Ich grinste. Sie schüttelte den Kopf lachend "Ne, das war eher so eine allgemeine Frage..." "Ach so, dann bin ich ja beruhigt...", wir alberten noch ein wenig herum. "Und wo wohnt Gustav? Auch in Magdeburg?", meldete sich Lea wieder. Ich nickte "Ja, hier wohnen eigentlich alle meine Freunde in der Ecke. Außer zwei, aber das interessiert dich sicher alles nicht" "Sonst hätte ich doch nicht gefragt? Oder will mein neuer, großer Bruder mir das nicht sagen?" Ich lachte "Also wenn du alles genau wissen willst: Gustav und Kevin wohnen hier in der Innenstadt eher, wir eben auch. Ansonsten hab ich eigentlich keine so richtigen Freunde, also viele Verwandte und dann noch zwei aus Hamburg, also ursprünglich aus der Nähe von hier, nur halt gaaaanz weit außerhalb, da hinten"; ich deutete nach rechts "Und die wohnen aber jetzt eben in Hamburg..." "Du hast nur 4 Freunde?!" "Ja... Reicht doch, oder?" Sie nickte zögerlich. "Und wie sind die so?" "Wie jetzt?" "Ja, wie die halt so ticken..." Ich nickte. "Und Kevin hat auch ne kleine Schwester, die ist so... ein Jahr älter als du vielleicht... Und Gustav hat ne große Schwester." "Und die anderen beiden sind Einzelkinder" "Ne, Zwillinge"; ich musste mir ein Lachen verkneifen, als ich an Tom, in den XXL-Teilen und Bill, in den engsten Jeans die es gab, vorstellte. "Was?", fragte Lea prompt neugierig. Ich schüttelte den Kopf "Du solltest die aus Hamburg kennenlernen, du würdest dich bestimmt gut mit ihnen verstehen" "Wieso?" "Ach, du musst sie einfach mal kennenlernen . irgendwann..." Ich seufzte, eigentlich hatte ich gar keine Lust, ihr die Stadt zu zeigen... Ich würde mich schön verkleiden müssen und das wiederum würde unangenehme Fragen mit sich bringen und und und... "Gehen wir dann?", fragte Lea. "Ähm... Moment, ich muss mich schnell noch.. umziehen" Verwirrt guckte sie mich an "Soll ich mich auch noch umziehen?" Ich schüttelte übertrieben den Kopf "Ne, ne, das ist bei mir nur, weil... Ja, ich zieh mich halt fürs Weggehen immer anders an und sehe anders aus als zu Hause." Ich lächelte. "Okay, ich muss eh noch schnell aufs Klo", meinte Lea dann während sie sich zur Toilette begab. Ich wiederum suchte in meinem Schrank nach Jogging-Klamotten und stellte fest, dass ich mal wieder aufräumen sollte. Letztendlich fand ich dann doch einen blauen Kapuzenpulli, eine weite Jeans und eine XXL-Sonnenbrille, die das meiste von meinem Kopf unter sich verbarg. Ich überlegte ob ich mir noch einen Schnurbart ankleben sollte, aber das wäre Lea gegenüber irgendwie blöd. Also zog ich mein Cap noch über meinen Pferdeschwanz und wir gingen los, wobei mich Lea natürlich verwirrt ansah. "Ähm... Ich will ja nicht aufdringlich sein, aber wieso versteckst du dich denn so?" "Sag ich dir dann, aber kann ich dich kurz was fragen?" "...Ja?" "Kannst du bitte leise mit mir reden, oder zumindest nicht laut Georg schreien oder sowas?" "Das ist eine Bitte." "Machst du's oder nicht?" "Ja... Wenn's denn unbedingt sein muss, aber im Gegenzug erwarte ich eine Erklärung. Das ist nämlich nicht normal." "Für mich schon", ich grinste, bekam aber nur ein Schnauben zurück. Ich sah allerdings, dass sie auch grinste.

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Leas Sicht: Es war ja schon ein bisschen Süß wie er versuchte mir sein TokioHotel-Dasein zu verheimlichen. Ich war echt gespannt wie er mir dieses verkleiden erklären wollte. Und er hatte gesagt dass er mir Tom und Bill vorstellen wollte. Ich grinste schelmisch vor mich hin während wir gerade an einem Riesigen Einkaufszentrum mit der Aufschrift „Allee-Center“ vorbeiliefen. „Ja das ist dann so das einzig ordentliche Einkaufscenter hier.“ Erklärte er grinsend und schaute mich an. „Na dann auf geht` s!“ beantwortete ich die ungestellte Frage und schon gingen wir durch die großen Türen. Drinnen war alles total überfüllt. Hunderte von Menschen mit bunten Plastiktüten die sich aneinander vorbei drückten. „Wow ist das voll hier!“ stellte ich fest und hatte Mühe Georg nicht in der Masse zu verlieren während er nur auf seine schicke Armbanduhr kuckte. „Ja wir haben auch die `beste` Zeit erwischt, 17 Uhr, Feierabendzeit, ansonsten ist es hier eigentlich nie so voll!“ erklärte er während wir an einem großen Optiker vorbeiliefen. Für mich war das alles hier Neuland. Es klang vielleicht bescheuert, aber ich wohnte in einer Kleinstadt und war aus dieser auch noch nie wirklich raus gekommen, solche riesigen menschenüberfüllten Centren waren deshalb etwas das ich noch nie in dem Maße erlebt hatte. Mein Blick blieb an einem H&M hängen der, wenn man der großen Aufschrift glaubte, ein paar Meter weiter vorne sein musste. Ich freute mich, denn ich liiieeebte H&M-Klamotten. „Georg können wir- ...Georg?“ mit großen Augen blickte ich mich um. Oh nein, ich hatte ihn doch Tatsächlich verloren. Das war ja mal wieder typisch. Wie konnte man denn auch so trottelig sein wie ich? Ich zwängte mich zwischen den Leuten durch und versuchte in der Hoffnung ihn dort zu finden schneller nach vorne zu kommen. RUMS. Ich war volles Rohr gegen eine ältere Frau gelaufen die nun ihre Tasche fallen gelassen hatte und anfing mich anzuschreien. „KANNST DU NICHT AUFPASSEN DU TRAMPEL! EINER ALTEN FRAU DIE TASCHE WEGZUSCHLAGEN, KEINE ACHTUNG MEHR DIE JUGEND VON HEUTE!“ Wow, also wenn alle Leute in der Großstadt so unfreundlich waren wollte ich hier aber nicht wohnen. „Es tut mir Leid!“ nuschelte ich peinlich berührt und krabbelte auf dem Boden rum um der unsympathischen Alten ihre Sachen zusammenzusammeln. Schnell schmiss ich sie zurück in die TegutStofftasche und lief weiter. Wenn ich ja nicht so verdammt klein Wäre würde ich meinen lieben Stiefbruder zwischen all diesen Großstadtriesen ja vielleicht sogar finden. Doch so bestand da wohl keine Chance. Na Super. Ich war also alleine in einem Einkaufscenter mitten in Magdeburg verloren. Von hier aus würde ich nicht mal zurück „nach Hause“ (wenn man es denn so nennen konnte) finden und Georgs Handynummer hatte ich nicht, geschweige denn Guthaben. Verzweifelt blickte ich mich in alle Richtungen um, doch nirgends war er zu sehen. Gerade als ich es aufgeben wollte sah ich ihn ein paar Meter von mir Weg stehen und sich 16


umkucken. Anscheinend suchte er mich auch. Ich bahnte mir einen Weg zwischen den Leuten durch und fiel ihm um den Hals. „Ein Glück“ hauchte ich erleichtert in sein Ohr und war wirklich froh ihn wieder gefunden zu haben. // O.o ..Moment mal..// geschockt ließ ich ihn los und sprang rot werdend einen Schritt zurück. „Sorry ich wollte dich jetzt nicht so umrennen ich bin nur so erleichtert gewesen das ich dich wieder gefunden hab weil ich alleine echt aufgeschmissen gewesen wäre und ehm also ich wollte nicht aufdri-“ „Schon Okay, ein Glück hab ich dich wieder gefunden! Man, man, man, das mit dem Großer-Bruder-sein muss ich eindeutig noch üben, meine kleine Schwester mitten in `na ihr fremden Stadt zu verlieren, oh man..!“ Auch er wurde ein bisschen rot also grinste ich ihn nur süß an und Griff ganz unvermittelt nach seiner Hand. Ich hatte echt Angst ihn hier noch einmal in der Menge zu verlieren, deswegen dachte ich gar nicht mehr darüber nach was ich gerade getan hatte. Nicht nur das er der Bassist von Tokio Hotel war, eigentlich kannte ich ihn ja auch überhaupt nicht und trotzdem hatte ich einfach so seine Hand genommen. Aber immerhin war ich ja jetzt seine kleine Schwester und als diese schien er mich ja zum Glück auch zu akzeptieren. Ich fragte mich was er wohl gerade dachte. Wollte er dass ich ihn loslasse? Freute er sich das wir uns gut verstanden? Mochte er mich denn überhaupt? Vor lauter Trubel hatte ich nun den H&M vollkommen vergessen und wir schlenderten nur noch durch den Nanu-Nana und liefen dann wieder nach draußen auf die Straße. Noch immer hielten wir uns an der Hand und ich dachte gar nicht mehr darüber nach, es war schon mehr oder weniger automatisch, doch nun kam es mir wieder in den Sinn. Sollte ich ihn loslassen? Schließlich war er Georg Listing von Tokio Hotel. Ich wollte nicht von irgendwelchen Grützeln zerfleischt oder von Papparazzis als seine Freundin dargestellt werden oder sonst was, aber bis jetzt war er ja auch nicht erkannt worden. Während wir uns also langsam wieder auf den Heimweg machten probierte ich mich krampfhaft zu entscheiden ob ich ihn loslassen sollte oder nicht. „Ist das nicht der von Tokio Hotel?“ hörte ich plötzlich im Hintergrund eine Stimme, im nächsten Moment begannen mehrere Mädels zu kreischen. „Oh nein ich hab mein Handy daheim vergessen!“ war die schlechte aber drollige Ausrede meines Stiefbruders um loszurennen. „Meine Freundin wollte mich noch mal anrufen!“ erklärte er prustend während ich noch immer seine Hand haltend mit ihm um die nächste Ecke verschwand und schließlich durch ein paar Schleichwege in einen kleinen Park gelang. Erschöpft blieb er stehen und probierte wieder zu Atem zu kommen, doch schon nach einigen Sekunden gingen wir in normalem Tempo weiter in Richtung „Zuhause“. Noch immer hielt ich seine Hand fest und schon wieder überlegte ich ob ich sie loslassen sollte oder nicht. Doch zuerst kam mir nun ein anderer Gedanke, bei dem ich jedoch überlegte ob ich ihn aussprechen sollte. Schließlich wäre es schon einwenig gemein, da ich ja wusste das das eben nur eine Notlüge war. „Ich dachte du musst so dringend Heim wegen deinem Handy?“ sagte ich schließlich doch und verkniff mir mein Grinsen während ich darauf wartete was er sich nun wohl einfallen lassen würde.

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Georgs Sicht: Also gingen wir los zum Allee-Center. Lea schien sehr beeindruckt von den Dimensionen, die für mich völlig normal waren. „Ja das ist dann so das einzig ordentliche Einkaufscenter hier.“, stellte ich ihr das Shopping-Paradies vor. Wir gingen durch den Haupteingang hinein und ich muss sagen, dass es im Nachhinein schon süß war, wie sie sich mit großen Augen umgeguckt hat und gemeint hat: „Wow ist das voll hier!“ Ich schielte daraufhin auf meine Uhr und sagte, dass wir ja auch die 'beste' Zeit erwischt hatten. Typisch Mädchen ließen sie die Klamottenläden nicht kalt, ich hätte es wissen müssen. Ich seufzte "Lea... Du kannst zwar ein bisschen nach Kleidern und so gucken, aber wir sollten schauen, dass wir...Lea?", ich blickte mich um. Na super, auch das noch. Ich Trottel war einfach schnurstracks gerade aus gelaufen, in der Annahme, Lea kannte sich hier perfekt aus, natürlich nicht... Wie denn auch, sie war hier noch nie gewesen. Ich ärgerte mich über mich selbst, ich hatte schon am ersten Tag meinen Job verkackt. "Was würde ich machen wenn ich Lea wäre?", fragte ich laut, was aber im sonstigen Stimmengewirr unterging. "Wenn ich Lea wäre, würde ich einfach stehen bleiben und dumm gucken, oder wie ne Wilde loslaufen und hysterisch kreischen.", beantwortete ich mir selbst die Frage. Da ich sie wohl schon bemerkt hätte, wenn letzteres der Fall gewesen wäre, schloss ich daraus, dass sie wohl noch da stand wo wir uns verloren hatten und beschloss das gleiche zu tun, gerade eben war sie ja noch da gewesen, all zu weit konnte sie nicht sein. Ich blickte mich um, aber ich konnte sie einfach nicht sehen und anrufen auch nicht. Ich kickte mich gedanklich selbst, wie konnte ich Depp auch so naiv und unvorbereitet sein? Ich war ein miserabler Bruder... Plötzlich fiel mir jemand um den Hals und ich bekam einen riesigen Schock, wenn nicht sogar Todesangst, bis sich Leas Stimme meldete "Ein Glück", hauchte sie, woraufhin ich fast Gänsehaut bekam, aber nur fast! Ich hielt einen Moment inne, ich war bisher immer Einzelkind gewesen und hatte keine Ahnung, wie man mit einer jüngeren Schwester umging... Ein Bruder ja, aber eine Schwester, noch dazu eine jüngere? War das etwa so, dass man sich umarmte und sowas? Bill und Tom umarmten sich äußerst selten, aber das war ja auch was völlig anderes, sie waren eineiige Zwillinge und damit auch gleichgeschlechtlich. Gustav und seine Schwester umarmten sich eigentlich nur zur Begrüßung und sowas, aber die beiden sahen sich ja auch so gut wie nie, und sie war seine große Schwester, nicht seine kleine... Außerdem waren Lea und ich ja Stiefgeschwister, zwischen denen eine Beziehung ja.. Wusste Lea eigentlich, dass ich eine Freundin... //Schluss jetzt, Georg! Du bist sowas von versaut... Du magst sie als deine Schwester und solltest dir keine Gedanken über die andere Art der Liebe machen!!// Ich war empört über mich selbst, immerhin hatte sie mich ja nur umarmt //Um den Hals gefallen// meldete sich mein Gedächtnis wieder, aber ich schüttelte nur den Kopf, um alle Gedanken los zu werden. „Sorry ich wollte dich jetzt nicht so umrennen ich bin nur so erleichtert gewesen das ich dich wieder 18


gefunden hab weil ich alleine echt aufgeschmissen gewesen wäre und ehm also ich wollte nicht aufdri-“ , fing Lea plötzlich an, was ich überhaupt nicht verstehen konnte... Sie entschuldigte sich für.. für was eigentlich? Das war doch alles rein geschwisterlich gewesen, oder etwa nicht?! „Schon Okay, ein Glück hab ich dich wieder gefunden! Man, man, man, das mit dem Großer-Bruder-sein muss ich eindeutig noch üben, meine kleine Schwester mitten in `na ihr fremden Stadt zu verlieren, oh man..!“ Sie wurde leicht rot, was total süß an ihr aussah und lächelte mich leicht schüchtern an, ich ohrfeigte mich innerlich für meine kranken Phantasien, ich hatte eine Freundin, war wieviele Jahre älter und sie war meine Schwester UND ich liebte sie NICHT anders als eine Schwester. Aber eigentlich war ja auch gar nicht ich der Schuldige, dachte ich, als sie total entspannt meine Hand in ihre zarte packte. Mal ehrlich: Wenn SIE mich zuerst fast mit ihrer Umarmung umhaute, mich dann mit so einem Gesichtsausdruck anschaute und DANN auch noch meine Hand nahm, also ehrlich, wenn das die Presse mitkriegte... Oh Gott! Die Presse, die wussten doch alle nicht wer Lea war, die würden denken, dass sie meine Freundin war und dann, wenn sie auf irgendeinem Titelblatt drauf war, mit mir - Händchen haltend, wie sollte ich das überhaupt meiner Freundin erklären? Ich runzelte die Stirn, überlegte ob ich ihre Hand einfach los lassen sollte, verwarf den Gedanken aber schnell wieder, weil das einfach übelst gemein wär ihr gegenüber - egal ob Lea das wirklich nur aus rein praktischem Zweck getan hatte oder nicht. Mittlerweile waren wir auf der Straße angekommen, da die Läden einfach so dermaßen überfüllt gewesen waren und wir beide keine Lust hatten, uns das anzutun. Verloren hatten wir uns dank des Händchen-Haltens natürlich nicht, also hatte es doch was Gutes. „Ist das nicht der von Tokio Hotel?“, rief eine Mädchenstimme laut. Ich riss meine Augen weit auf. Warum ausgerechnet jetzt? Wir waren fast daheim und jetzt kamen die Groupies (auch gerne Stalker oder Fans genannt). Ich musste mir dringend eine gute Ausrede überlegen und weglaufen vor allem, denn sonst würde das alles in einem einzigen Desaster enden und darauf konnte ich im Moment gut verzichten.„Oh nein ich hab mein Handy daheim vergessen!“ , rief ich peinlicherweise und sprintete los - mit meinem Handy in der Hosentasche. Wie dämlich konnte ein einziger Mensch eigentlich sein? Da hätt ich auch gleich die Wahrheit sagen können, das wäre um einiges realistischer gewesen (und das will in dem Fall was heißen!!!). Schnell versuchte ich dem Ganzen einen tieferen Sinn zu geben: „Meine Freundin wollte mich noch mal anrufen!“ Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sie wusste, dass ich vergeben war und wieso mein Handy mir so wichtig war, ich war stolz auf meine Fähigkeiten. Panisch blickte ich mich ein paar mal um und als ich die 'Fans' nicht mehr sehen konnte, beschloss ich das Tempo etwas zu mäßigen und schnappte nach Luft, ich war eben auch einfach unsportlich. Lea hielt meine Hand immer noch fest, was mich beruhigte. Die hatte meine Hand nicht einfach fallen lassen, als ich gesagt habe, dass ich eine Freundin habe, also doch REIN geschwisterlich. „Ich dachte du musst so dringend Heim wegen deinem Handy?“, meinte sie plötzlich und grinste mich ein wenig an. Ich wurde leicht rot, glaube ich, denn das war echt....peinlich, irgendwie. Ich stammelte irgendetwas was wie "Handy.....Heim...Freundin...anrufen...unwichtig...Hosentasche...gefunden" , weil ich immer noch ziemlich Atemnot hatte. Jetzt konnte sie sich wirklich nicht mehr zurück halten und lachte laut los "Was?", keuchte ich. Es dauerte einige Minuten bis sie überhaupt in der Lage war, mir zu antworten. Was verdammt nochmal war so witzig an einem halb-erstickenden Stiefbruder? Ich hätte sie ja gefragt, aber ich wollte noch warten, bis mein Atem wieder vollkommen regelmäßig war, sonst würde SIE noch ersticken - am Lachen. "Sorry, aber wollen wir nicht langsam heim? Oder soll ich dich später abholen?" Auf einmal hatte sie ein ernstes Gesicht aufgesetzt "Georg! Was bist du nur für ein miserabler Bruder?" Ich guckte sie mit großen Augen an und hob die Hände unschuldig hoch, woraufhin sie wieder in schallendes Gelächter ausbrach. Ich kam mir vor wie der kleine unnütze Bruder, über den die große Schwester sich den Arsch ab lachte. "Kennst... Kennst du... Axe-Werbung!!! Arm hochheben... Wasserschwall!!", sie lachte schon wieder so sehr, dass sie kaum einen 19


vernünftigen Satz zusammen bekam, als ich dann doch verstand, was sie meinte musste ich auch mit lachen, es war einfach so ansteckend. Wie zwei gestörte, gackernden, besoffenen Hühner machten wir uns auf den Weg zu meinem Wagen, mit dem wir dann heimfuhren, was für ein Tag...

Leas Sicht: Also lachen konnte man ja wenigstens mit ihm. Von Sekunde zu Sekunde mochte ich ihn mehr. Aber warum hatte er mich vorhin die ganze Zeit so merkwürdig angeschaut? //Ach Leaaa, Mensch er ist dein Bruder!// rief ich mir in Erinnerung und grinste erneut. Wir stiegen in den Wagen und fuhren heim. „Also für jemanden der gerade `ne Ausbildung sucht hast du aber `n ganzschön nobles Auto!“ stellte ich fest und hörte förmlich wie es in seinem Kopf zu rattern begann. „Hat Dad mir geschenkt, zum Zwanzigsten!“ Wow, was für ein spendabler Vater.. Naja, um es ihm nicht unnötig schwer zu machen bemerkte ich nur das Uwe aber ein wirklich sehr netter Mann sein musste und schwieg dann. Zuhause angekommen schmiss Georg die Tür zu, dann zogen wir uns Jacken und Schuhe aus und machten uns auf den Weg in sein Zimmer. „Setz dich ich schmeiß `ne DVD rein!“ meinte er und begann seinen Riesigen DVD-Schrank zu durchwühlen. „Okay!“ freute ich mich doch eigentlich hatte ich schon seid einiger Zeit ein kleines Problemchen welches langsam echt dringend wurde. „Ehm Georg.. wo is`n euer - oh verzeih- unser Bad?“ fragte ich also leise da ich mir bei der Frage echt ein wenig bescheuert vorkam. Kurzerhand drehte er sich um, ging durch die Zimmertür nach draußen und bog in den Gang ab, dicht gefolgt von mir. Vor einer Tür nahe der Treppe blieb er plötzlich stehen und drehte sich mit großen Augen zu mir um. „Huch was läufst du mir denn nach ich dachte du wolltest ins Bad? So lange kennen wir uns ja dann auch noch nicht und du bist meine Schwester unso, und eigentlich wollt ich grad was gegen die Riesenbeule in meiner Hose machen solang du im Bad bist..“ Mit einem Schlag lief ich knallrot an und riss die Augen auf. „WAS?“ entfleuchte es mir geschockt und schon sprang ich ein Stück zurück „Es tut mir leid, oh mein Gott ist das peinlich.. OH GOTT.. ich .. oh mein Gott.. es tut mir leid ich geh schon..“ stammelte ich aufgeregt und drehte mich um um in sein Zimmer zurück zu flüchten und vor Scham im Boden zu versinken, doch er Griff sachte an meine Schulter und drehte mich zurück. „Haha dein Gesicht! War nur`n Spaß, hier ist das Bad!“ prustete er nah am Lach-Zusammenbruch und öffnete die Tür „meinst du im Ernst das ich SOWAS zu dir sagen würde?“ „GEORG!!! MAAAAN!“ ich schlug ihm mit der flachen hand gegen die Schulter. „DU BIST SO FIES!“ stimmte ich in sein lachen ein und lies mich von ihm Umarmen. „Tut mir ja leid!“ lachte er woraufhin ich begann ihn durchzukitzeln. „hahaha.. nicht!“ Er versuchte sich zu wehren und sprang schließlich in Richtung seines Zimmers „in Sicherheit“. „Na warte nur bis ich wieder komme!“ drohte ich ihm grinsend und ging nun endlich, wohlverdient, auf Toilette. Als ich das Zimmer wieder betrat lag Georg auf dem Bett und hatte neben sich eine Große Schale voll Chips, Flips, Erdnüsse usw. und zwei Flaschen Fanta stehen. Als er mich ansah begann er erneut zu grinsen. „Du bist fies!“ erwiderte ich, ebenfalls grinsend und ließ mich neben ihn auf die Matratze fallen. „Und was kucken wir?“ - „Irgend` `nen Horrorfilm!“ 20


„Ahja, was `ne Auskunft, meine Güte!“ - „Ja keine Ahung wie der heißt, Tom hat mir den neulich mitgegeben und gemeint der ist gut!“ //ah ja, Tom mag ihn also, na wenn das nicht mal was heißt..// „Wer ist denn Tom? Ich denk du hast hier nur zwei Freunde!“ fragte ich scheinheilig, blickte ihm in die Augen und klang völlig sachlich, interessiert und so, als wüsste ich wirklich nicht von welcher mysteriösen Person er da sprach. „Das ist einer von den Zwillingen aus Hamburg!“ erklärte er und starrte sehr offensichtlich auf den Fernseher um weiteren Fragen auszuweichen. „dann seht ihr euch doch bestimmt voll selten oder, wenn der fast 3 Stunden wegwohnt..?“ Ich wusste ja schon immer das ich fies war.. aber DAS.. naja, ich würde ihn ein bisschen ins Kreuzverhör nehmen, und mal schauen was sich raus finden ließ. „Naja nee, also wir spielen zusammen in so `na kleinen Band!“ antwortete er und deutete auf den Bass der an seinen Schrank gelehnt stand. //Klar, „so `ne kleine Band“ die International alle Preise abgesahnt hat und hinter der Millionen von Fans überall hinterherstürmen..// lachte ich innerlich, blickte ihn aber in Wirklichkeit nur mit großen Augen an und sagte das er mir uuunbedingt mal was von denen Zeigen sollte. „..schließlich bist du ja mein Bruder, ich werd` dann so euer größter Fan, bestimmt der einzige, aber ich stell mich dann im Proberäumchen von euch in die Erste Reihe und kreisch!“ lachte ich und er stimmte mit ein. „Wuhu wir haben sogar schon einen Fan!“ freute er sich dann gespielt und lachte noch mehr. Dann schauten wir wieder auf den Film. Gerade als aus dem Seitengang eines ziemlich düsteren Gruselhauses ein Dämon hervorkam und ich mich mörderisch erschreckte da es so plötzlich passierte und der Fernseher so laut eingestellt war, klingelte sein Handy. Er zog es hervor und blickte auf das Display. „Bill“ Stand da. Meine Augen weiteten sich ein Stück, war ja schon alles ein bisschen komisch irgendwie, oh man, Georg Listing war mein Großer Bruder und wir lagen hier und schauten zusammen DVD. So langsam wurde mir das alles ein bisschen klarer. „Boah was wollen die denn genau HEUTE alle von mir?“ riss mich Georg aus meinen Gedanken. Er klang sichtlich überfordert und auch ein wenig genervt, was ja auch eigentlich zu verstehen war, schließlich war er auch nur ein ganz normaler junger Mann und er war sicherlich froh das ich schon seid Stunden mit ihm unterwegs war ohne durchzukreischen, umzukippen oder ihn nach Autogrammen zu fragen. Ich war mir ziemlich sicher das er froh war das er mit mir trotzdem noch etwas Privatsphäre hatte. Ab jetzt würde ich ihn nicht mehr allzu fies ausfragen, so viel stand fest, das hatte er ja dann doch nicht verdient. „Was morgen?“ Nahm ich plötzlich schemenhaft wahr. „Aber Lea ist- ..Bill du weißt doch da-“ Ich grinste, Bill schien ihn nicht ausreden zu lassen. „Na gut, ..jaa hast ja Recht. Ich frag mal..“ Er hielt sein schickes Handy kurz von seinem Ohr weg und blickte mich an. „Hast du Lust morgen mit mir nach Hamburg zu fahren? Ich mach das dann schon mit unseren Eltern klar..“ fragte er mich und ich war mir nicht sicher ob er wirklich wollte das ich mitkomme. Ich nickte, also sagte er Bill zu und steckte das Handy dann weg. Dann sprachen wir ein paar Minuten gar nicht mehr. „Du Georg..?“ brach ich schließlich das Schweigen. „Mhhn?“ Ich musste grinsen, es sah echt goldig aus wie er da lag, total gebannt auf den Fernseher starrte und den Blick gar nicht richtig abwenden konnte, bis er bemerkte, das ich ihn ansah. Jetzt schaute er mir in die Augen und sein Gesichtsabdruck veränderte sich plötzlich ganz komisch. Seine Züge entspannten sich und auf seinen Lippen lag ein irgendwie stolzes, süßes, einfaches, kleines Lächeln. Man konnte sich richtig darin verlieren, oh man, ich hatte echt Glück gehabt einen so lieben Stiefbruder abzubekommen. Doch ich schob den Gedanken beiseite, während ich noch immer, wie in eigentlich fast jeder Situation, lächelte, um weiter zu sprechen. „.. nur weil ich da bin musst du jetzt nicht dauernd „auf mich aufpassen“ sozusagen, also ich will mich nicht aufdrängen. Wir haben ja noch genug Zeit, du musst mich nicht gleich Morgen mitnehmen. Ich find` bestimmt auch alleine was das ich machen kann, also, ich würd` s dir nicht übel nehmen oder so wenn du mich nicht mit nach Hamburg nimmst!“ sagte ich mit leiser Stimme während ich ihm noch immer direkt in die Augen 21


blickte. Doch nun wendete ich den Blick ab in Richtung Boden, irgendwie kam ich mir ganz schön bescheuert vor. Wie ein Kuchen in einer Kuscheltierfabrik, ein Stein auf einer Wiese, einfach als hätte man mich in ein Bild hineingeworfen in das ich nicht hinein gehörte. Ich hatte Angst Georg zu nerven, oder mich ihm aufzudrängen. Das wollte ich nicht, ich wollte das er mich mag, gerne hat, und als kleine Schwester akzeptiert. Mir vielleicht ab und zu eine kleine Sms mit „grüßen aus L.A.“ zum Beispiel schicken würde und ich wüsste das in seinem Gedächtnis ist, das er irgendwo in Deutschland eine Kleine Schwester hat die Stolz auf ihn ist. Das würde mir vollkommen reichen, und ich hatte echt Angst mir alles zu versauen weil ich zu anhänglich sein könnte oder so.

Georgs Sicht: Gerade saßen wir ganz bequem in meinem Zimmerchen und guckten den Horrorstreifen, der laut Tom ich zitiere "Fettes Kino" sein sollte, als mein Handy klingelte - schon wieder. „Boah was wollen die denn genau HEUTE alle von mir?“ , meinte ich angepisst. Es war aber auch wirklich gruselig, sonst riefen mich weder Bill noch Tom an, wenn wir mal frei hatten. Wieso denn auch? Wir sahen uns eh ununterbrochen und selbst wenn Tom behauptete, ich wäre ohne ihn total down, hielt ich es doch erstaunlich gut ohne die Zwillinge aus, mal ehrlich, es war eher ein Wunder wie ich es aushielt WÄHREND sie da waren. Aber erklär das Mal einem Kaulitz... "Georg! Wieso hast du noch nicht angerufen?! Du wolltest doch gleich... Ähm, warte mal kurz, Tom ist auch hier und er...Was Tom? Lass mich doch EINMAL in Ruhe reden, meine Fresse...", sprudelte Bill drauflos und ich hörte wie Tom versuchte ihm den Hörer aus der Hand zu nehmen. Der Hörer krachte zu Boden, also hielt ich mein Handy etwas weiter weg von meinem Ohr. Dann hörte ich Wortfetzen wie "TOM DU SIEHST IHN DOCH EH MORGEN! DU EGOIST, EY!" "Boah, Bill... Bleib doch mal ruhig" "Kranke Sau" "Heb auf" "Handy" "Du kannst SO peinlich sein" "Boah, heul doch!" "Kranke Sau", das fiel übrigens öfter als zweimal aber irgendwann hatte ich aufgegeben zu zählen. Nach ein paar Sekunden war Tom wohl gegangen und Bill hob den Hörer wieder auf "Alter, Tom kann so ein Arschloch sein, dabei sieht er dich doch eh morgen... Weiß gar nicht was der hat..." „Was morgen?“ Er redete schon wieder drauf los: "Tom hat dir doch gesagt, dass.. Oder etwa nicht?!?! Boah, ey Tom diese kranke Sau! Der hat gesagt, er würde fragen... Arghhhh... Muss ich das wohl machen, weil er zu feige war. Also du kommst morgen nach Hamburg zu uns, ja - Mit Lea, natürlich. Weil wir deine Schwester ja mal kennenlernen wollen und sie uns ja sicherlich mal treffen will und wir mal das Mädel kennenlernen wollen das uns NICHT kennt, Frechheit eigentlich, aber sie ist ja deine Schwester also..." er redete und redete, was mir Lea gegenüber schon peinlich war. . „Aber Lea ist- ..Bill du weißt doch da-“ , versuchte ich mühsam einzuschieben. Nachdem ich noch ein paar mal versucht hatte zu Wort zu kommen und Bill mich jedes mal mit seinen Argumenten niederschmetterte gab ich auf: „Na gut, ..jaa hast ja Recht. Ich frag mal..“ "Ich wusste doch das ich gewinne!" , ich konnte sein Grinsen fast Sehen. Ich fragte Lea, ob sie morgen nach Hamburg wollte und betete innerlich das sie zustimmte, Bill zu überzeugen war ein Ding der Unmöglichkeit. Sie stimmte zu und ich teilte ihm mit, dass er mit uns rechnen konnte. Eine Weile saßen wir schweigend den Film beobachtend vor der Glotze. „Du Georg..?“ Ich grummelte. Als ich ihren Blick dann auf mir spürte, hob ich leicht den Kopf und sah sie an. „.. nur weil ich da bin musst du jetzt nicht dauernd „auf mich aufpassen“ ",Sie sah mir direkt in die Augen. Ich wollte ungläubig den Kopf schütteln, aber dann müssten wir den Blickkontakt 22


brechen und das wollte ich noch nicht. Ich überlegte was ich sagen sollte, war sie genervt von mir und versuchte einfach höflich mir das zu verstehen zu geben... Egal, ich wollte ehrlich mit ihr sein "WAAAAS?! Natürlich kommst du mit! Außer du willst nich... Aber mir macht das doch total Spaß mit dir zusammen zu sein..." Ich stockte "Also du weißt schon wie ich das mein", schob ich zögerlich hinterher. "Na gut... Ich war nämlich noch nie in Hamburg und ich würd echt gern mal, wenns dich echt nicht stört..." "Ach Quatsch mit Soße!", ich grinste sie an, der Film war vergessen... Gleich am nächsten Morgen in der Früh fuhren wir mit meinem Wagen los, unsere Eltern freuten sich über den 'kinderlosen' Tag. "Georg?! Wo bleibst du denn?!", rief mein Dad von unten, er verabschiedete sich gerade von Lea. "Ich komm ja schon!", ich stürmte die Treppe hinunter und befand mich dann auch schon vor allen 3 die auf mich warteten. Dann gab's noch 1000 Abschiedsbussis und irgendwelche Ratschläge, die ich großzügig überhörte. "Also wir packens", verabschiedete ich mich zum 1000 mal und sie tätschelten Leas Wange zum 1000 mal. Ich gähnte Endlich, 1000 Stunden später fuhren wir los. "Wer ist denn dieser Bill genau?", fragte Lea plötzlich. Ich schaute sie verwirrt an. "Wie, wer ist er?" "Naja, ist er groß, klein, blond, schwarzhaarig,..." "Also rein äußerlich"; zwinkerte ich ihr zu, woraufhin sie leicht rot wurde. "Er ist 20, also ich denk mal das ist dir dann doch ein kleinwenig zu alt, oder?" "Ähm... Ich meinte ja nur..weil, ach du verarscht mich nur wieder, du weißt doch genau was ich meine", überlegen grinste sie mich an. "Also er ist so um die 1 Meter 90 würde ich mal sagen, hat schwarze Haare, von Natur aus sind sie aber, Achtung, jetzt kommts: Straßenköterblond. Er hat so braune Augen, ist schlank, sehr schlank sogar. Er hat... 4 Tattoos und 2 Piercings. Sein 10 Minuten älterer Zwillingsbruder sieht ihm gar nicht ähnich, er schminkt sich nicht, hat die Haare aber auch schwarz gefärbt und zu Cornrows geflochten. Tom trägt weite Hip Hop-Sachen und ist sehr... nennen wir es selbstbewusst. Auch groß und schlank und hat ein Piercing. Hab ich was vergessen?" "Bill hat doch 3 P...", sie biss sich auf die Zunge, nachdem sie das so heraus gerufen hatte. "3 was?" Sie schüttelte den Kopf "Sorry", murmelte sie nur. '3 P?' P konnte alles heißen, mir fiel zwar natürlich als erstes das eine ein, aber da das biologisch gesehen ----und für so gebildet hielt ich sie auf jeden Fall- unmöglich war, schloss ich daraus, dass sie etwas anderes gemeint hatte. 3 P....? Was war P...? Ich hatte keine Ahnung und so, wie Lea sturr nach vorne schaute, hatte sie wohl auch nicht vor mich einzuweihen. Naja, mir war es relativ egal, versuchte ich mir zumindest einzureden. Ich kannte das Mädchen neben mir erst seit gestern und sollte sie doch von Bill meinen was sie wollte, Bill würde das sowieso herzlich egal sein. Meine Schwester war sehr still geworden, was mich zwar verwunderte, aber ich musste der Straße meine gesamte Aufmerksamkeit schenken und fuhr deshalb angespannt, aufgeregt und übermüdet Richtung Hamburg. Ich fragte mich, was wohl Bill und Tom zu Lea sagen würden, oder noch viel wichtiger, was würde Lea zu den beiden komischen Vögeln sagen? Früher oder später würde sie ja herausfinden, dass ich doch recht viel mit denen zu tun habe. Ich hatte insgeheim Angst vor ihrer Reaktion, wie es eben so war, wenn man Menschen, die man alle sehr gerne mochte einander vorstellte, man hoffte eben, dass alles passen würde. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn der ausgehungerte Tom Lea blöd anmachen würde. Es war verrückt, ich kannte sie wirklich erst seit einem einzigen Tag, aber ich fühlte mich schon voll und ganz als ihr großer Bruder. Wieso? Lea war ein nettes Mädchen und alles, aber ich empfand irgendwie etwas für sie, was ich nicht genau definieren konnte. Nein! Liebe nicht, zumindest nicht in dem Sinne, ich hatte ja immernoch eine Freundin. Aber der Gedanke daran, dass irgendjemand meiner Schwester etwas tun würde, machte mich krank. Ich blickte zu ihr herüber, sie war mittlerweile eingeschlafen. Sie hatte ein engelhaftes Gesicht, aber trotzdem dieses freche Grinsen nicht verloren. Eine Haarsträne fiel in dieses Gesicht hinein, doch bevor ich mich noch mehr auf ihr Gesicht konzentieren konnte, hupte es hinter mir. Erschrocken fuhr ich zusammen und stellte fest, dass ich gerade auf dem besten Weg war, einen Unfall zu bauen. Ich riss das Lenkrad herum, woraufhin Lea 23


aufwachte und schrie, ich war zu steif um zu schreien. Das letzte was ich wahrnahm war ein silberner VW - und danach die Leitplanke vor dem Fenster. Ich schaute panisch zu Lea, die aber nur heftig atmend auf ihrem Sitz saß und sich an der Tür festkrallte. "Lea? Alles in Ordnung?", hörte ich mich fragen. Sie schluckte und nickte dann schnell. "Hast du Schmerzen?" sie schüttelte den Kopf "Oh Gott. Lea es tut mir so leid! Ich hätte besser... Ich bin für dich verantwortlich! Oh Gott. Oh Gott. Oh Gott", nuschelte ich nur immer wieder Kopf schüttelnd, bis ein ADAC eintraf. Der stellte natürlich Totalschaden fest und ließ Lea und mich glücklicherweise auch relativ schnell gehen, als sie merkten, dass es uns recht gut ging. Leider konnten sie uns zwar in die Stadt fahren, aber nur ans andere Ende, weil noch ein Unfall passiert war, allerdings eben in die genau entgegengesetzte Richtung, von wo wir hinwollten. Ich musste wohl oder übel Tom anrufen, Bills Karre war ja ebenfalls Schrott. Naja, zumindest würde sich dann ein Kaulitz nicht über mich lustig machen. Nach wenigen Minuten war mein heißgeliebtes Auto auch schon weg. Lea und ich waren beide viel zu baff um etwas zu sagen. Dann war Tom auch schon mit Bill im Gepäck bei der Autobahnratsstätte, bei der Lea und ich warteten... Ihr Grinsen war auf 100 Meter Entfernung klar und deutlich zu sehen – peinlich.

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Leas Sicht: Nun stand ich also mit Georg an der Raststätte. Ich wollte gar nicht wissen was passieren würde wenn unsere Eltern davon erfahren würden. Aber zum Glück war ja nichts passiert, und Georg hatte sich sofort um mich gesorgt. Wirklich niedlich. Ich wusste nicht wieso, schließlich kannte ich ihn erst seit ein paar Stunden wirklich aber ich hatte ihn schon vollkommen in mein Herz geschlossen. Ich fühlte mich als wäre ich mit ihm groß geworden und als hätte ich schon mit ihm im Sandkasten gesessen früher. Doch er war der berühmte TokioHotel-Star, trotz allem, auch wenn mir das mittlerweile egal war, für mich war er einfach nur noch mein Großer Bruder Georg und der Beste Große Bruder den man sich vorstellen konnte, da war ich mir Sicher. Ein weiterer Grund für mich, ihm nicht zu erzählen das ich Tokio Hotel liebte und echt viel über die vier Jungs wusste. Vorhin hatte ich mich ja schon beinahe verschwatzt, das war echt gerade noch mal gut gegangen. Ich überlegte wie es werden würde wenn er wüsste dass ich TH mochte. Würde er sich freuen oder würde er mir vielleicht nichts mehr erzählen und auf abstand gehen, aus angst das ich es ausplaudere? Bei dem Gedanken schüttelte es mich richtig also lenkte ich mich schnell ab in dem ich den Blick über den Platz schweifen lies. „Da kommen sie!“ grummelte Georg der gerade etwas Rot anlief. Ich blickte auf den schicken Sportwagender langsam auf uns zufuhr. Man merkte das die Situation meinem süßen Stiefbruder ziemlich unangenehm war. Als ich es schließlich nicht mehr aushielt nahm ich seine Hand kurz und drückte sie leicht, während ich ihn anlächelte. Schon entspannten sich seine Züge. „Ich hab dich lieb!“ formte ich ohne nachzudenken stumm und ließ ihn dann wieder los. Nun schlug aber doch mein Herz. Der Wagen fuhr zu uns ran und hielt schließlich auf einem Parkplatz neben uns. Wow, darin saßen doch tatsächlich Bill und Tom Kaulitz. Das war irgendwie schon alles ziemlich unreal. Aber ich durfte mir jetzt nichts anmerken lassen. Die Türen öffneten sich und die beiden auffälligen Gestalten stiegen aus.

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Toms Sicht: Die ganze Fahrt über hatten Bill und ich ständig zwischen „Ach du scheiße!“ und einem ausgeprägtem Lachkrampf gewechselt. Auch wenn wir jetzt nur noch grinsten war es ja doch schon echt Glück das den beiden nichts passiert war, und mein kleines Brüderchen freute sich aber doch das Georg ihn jetzt nicht mehr wegen seinem Totalschaden aufziehen konnte, da es ihm ja jetzt selbst passiert war. „Hier ist es Tom!“ machte Bill mich aufmerksam und schon schwenkte ich nach rechts ein und fuhr etwas langsamer auf den Parkplatz. „Da drüben stehen sie!“ setzte Bill fort und wedelte mit seinem dünnen tätowierten Ärmchen vor meinem hübschen Gesicht rum. „Jaja, wenn du nicht willst das wir gleich auch nen Totalschaden am Wagen haben, dann nimm jetzt gefälligst deinen Arm aus meinem Blickfeld!“ murrte ich da es mich wahnsinnig machte wenn man so rumfuchtelte während ich fuhr. „Ganz ruhig, reg dich ab!“ meinte mein Brüderchen und zog seinen Arm samt Lederjacke aus meinem Gesicht. „Du meine Güte, das is` aber `ne Süße Kleine!“ stellte ich fest als ich mir das Mädchen neben Georg, das Lea zu sein schien, genauer ansah. „Tom jetzt verschreck sie ja nicht mit `na blöden Anmache!“ warnte mich Bill doch ich grinste nur. „ Haa sie gefällt dir, ich lach mich kaputt!“ – „Was? Ich hab doch nur-“ – „Geoooorg pass auf deine Schwester auf, Bill ist scharf auf sie!“ – „haha! Tom! Nimm dich ja zusammen! Du bist der der gesagt hat das sie ne „süße Kleine“ ist!“ – „Du hast es Gedacht, unzwar anders als ich, das ist was völlig anderes!“ - „Woher willst du denn wissen was ich-“ Gerade als ich ihn freundlichst darauf hinweisen wollte das ich ihn seit zwanzig Jahren kenne und sein Zwilling bin brach Bill den Satz ab und wir begannen schallend zu lachen. Doch inzwischen waren wir direkt vor unserem Bassisten angekommen, also parkte ich und schaltete den Motor aus. „Benimm dich Tom!“ mahnte mich „Mutti“ noch eben und dann stiegen wir aus. Lässig schlappte ich um das Auto herum. ���Naa Hagen, wo hasten dein Auto gelassen?“

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Bills Sicht: Der Anruf, dass Georg und seine kleine Schwester einen Unfall gehabt hatten und es den beiden gut ging, hatte bei Tom und mir wahre Stimmungsschwankungen ausgelöst und so war auch die Autofahrt zum Parkplatz, wo die beiden auf uns warteten recht abwechslungsreich. Mein Bruder hatte wie immer nur Scheiße im Kopf. Als wir dann langsam ankamen, Tom und ich eine kleine... Auseinandersetzung war zu hart aber sagen wir Meinungsverschiedenheit hatten, sah ich Georg und seine Lea auch schon da stehen und... Wow, Lea war echt hübsch. Vielleicht hatte Tom doch Recht gehabt, Georg vorzuwarnen, dass ich scharf auf sie war aber nur vielleicht, also eher nicht. Tom fand sie auch toll... Der fand eh alles toll, was nicht bei 3 aufm Baum war. „Naa Hagen, wo hasten dein Auto gelassen?“, meinte mein Bruder neben mir betont lässig. Das war aber nicht wegen Lea, Tom war immer so, leider. Ich nickte Georg und dem Mädchen kurz zu und stellte mich vor: "Hey! Du bist Lea, ne? Ich bin Bill und der Verrückte neben mir ist Tom" "Und ich bin 10 Minuten älter", meinte er erhobenen Hauptes, dass 'Verrückte' beachtete er nicht. Ich stöhnte auf und wollte schon drauflos meckern, aber ich beließ es dann doch beim Aufstöhnen, ich wollte schließlich nicht gleich wie ein altes Ehepaarteil klingen. "Hey, Bill. Hey, Tom", meinte sie schüchtern und versteckte sich fast ein wenig hinter Georg woraufhin er - typisch Georg - sich beschützend aufstellte. Ich zog belustigt eine Augenbrauer hoch. "Ähm.. Also was wollen wir jetzt machen?", lenkte er vom Thema ab. "Mäcces?", fragte ich und versuchte nicht zu auffällig zu Lea rüber zugucken, war ja peinlich genug, dass Tom sie mit seinen Blicken verschlang. Als ob das nicht auffällig genug wäre, spielte er noch komplett übertrieben mit seinem Piercing herum. Ich könnte jetzt auch auf meinem Zungenpiercing herum lecken, dass würde viel attraktiver als Toms Lutscherei aussehen, aber so bill-ig war ich eben einfach nicht. Also setzten wir uns langsam in Bewegung und erreichten auch gleich das Fast Food. Es duftete nach Fleisch und Pommes, es war echt schwer kein Fleisch zu essen, vor allem weil Georg absolut keine Rücksicht auf uns nahm und sich gleich 3 Burger bestellte. Ich nahm nur Pommes und einen Salat, woraufhin mich Lea fragend ansah: "Du willst auf den leckeren Burger verzichten?" Ich zuckte die Schultern und nickte "Den Tieren zu liebe" Sie schaute mich verwirrt an, ich lächelte peinlich berührt und Tom, Tom gackerte laut herum "Den..den Tieren... Oh Gott Bill! Wie naiv bist du eigentlich!", er erstickte fast an seinem Lachen und hatte schon Tränen in den Augen. "Ähm... Tom? DU bist auch Vege..." Er hörte mir nicht zu, er war zu sehr mit seinem Lachanfall beschäftigt. Nach kurzer Zeit atmete er tief ein und aus und meinte dann zwischen einem neuen Lachanfall hervor gepresst "Ich nehm nen Cheeseburger und...", meinte Tom. Ich erstarrte. Als ich wieder aufgewacht war, blickte ich meinen Bruder streng an "Nein! Du bist Vegetarier und du wirst auch schön dabei bleiben!" Tzz, nur wegen einem Mädchen unser Versprechen brechen... An die verwirrte Kassiererin 27


gewandt meinte ich: "Er nimmt einen Veggie-Burger und einen Salat. Was willst du trinken Tom?" Ich bemühte mich höflich zu bleiben und erst zu Hause oder zumindest auf der Toilette aus zu ticken. Tom starrte mich wiederum ungläubig an. Dann wurden seine Augen zu schmalen Schlitzen, als er mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf mich zeigte und knurrte: "DU hast mir gar nichts zu sagen, ich entscheide alleine was ich nehme". Dabei kam er mir immer näher. Ich presste an die überforderte Kassiererin gewandt heraus, dass Tom ein Mineralwasser dazu wollte. Da tickte Tom aus, beleidigte mich immer und immer wieder, schubste mich, woraufhin ich natürlich zurückschimpfte und schubste. Dann krachte ich gegen einen der Luftballonhalter, der nachgab und einfach umfiel. Erschrocken guckte ich Tom an, der grinste nur und meinte überlegen "Schwächling". Auch das ließ ich nicht auf mir sitzen, woraufhin ein typischer Kaulitz-Streit ausbrach. Und Kaulitz-Streite sind immer krass. "Sind die immer so?", hörte ich Lea leise fragen. Georg antwortete, dass das praktisch Tradition war. Ich verdrehte die Augen. Irgendwann kamen immer mehr Leute zusammen um Tom und mir beim Kloppen zu zu schauen. Ich beachtete sie nicht. "HÖRT SOFORT AUF!", schrie Lea plötzlich, woraufhin Tom und ich erstarrten - niemand hatte uns was zu sagen, nicht mal Georgs süße Schwester. Normalerweise hätten Tom und ich zusammen verbal zurückgeschlagen, und gemeint, dass der Streit vorbei ist wenn WIR ihn beenden. Aber jetzt war es nicht normal. Tom und ich waren verknallt. Während ich versuchte es zu vertuschen, weil es einfach sinnlos war, machte sich Tom keine Mühe, unauffällig zu bleiben, er rappelte sich schnell auf und meinte total cool: "Du hast recht Lea. Das war erbärmlich von Bill und mir. Danke, dass du mich gestoppt hast, sonst könnte Bill jetzt wahrscheinlich nicht mehr laufen. War echt mutig von dir", er grinste sein Checkergrinsen und fügte dann noch hinzu: "Ich steh auf mutige Frauen" und spielte mit seinem Piercing herum. Ich brach währenddessen noch auf dem Boden liegend in schallendes Lachen aus und zeigte auf Tom "Tom!...To..Tom... Du bist so... so.. peinlich... ey..."; ich musste so sehr lachen, dass mein Bauch mir schon weh tat. Mein Bruder funkelte mich an. Lea war rot im Gesicht und Georg legte seinen Arm beschützend um Lea. Als er merkte wie ich ihn immer noch lachend ansah, zog er den Arm schnell zurück und murmelte, dass er doch auf seine kleine Schwester aufpassen müsse. "Dem", Georg deutete auf Tom "Überlass ich sie nicht. Das wäre das verantwortungsloseste was ich tun könnte in meiner Rolle als großer, beschützender Bruder" Tom grinste: "Ich bin auch gaaaaanz vorsichtig" Georg wurde rot, vor Scham und auch vor Wut... "Tom! Sag mal..." Lea immer röter werdend stand nur geschockt da und beobachtete das Ganze. "Mensch, Georg. Sie ist doch kein Kind mehr.." "Sag mal tickst du noch sauber Tom?!" "Muss ich dich jetzt erst um Erlaubnis fragen, ob ich deine Schwester flachlegen darf oder was?", Tom grinste siegessicher. Während Georg auf meinen 'kleinen' Bruder losging, beschloss ich meine Gelegenheit zu nutzen und ging zu Lea. "Wenn die streiten dauert das immer ne Weile, wollen wir uns ein bisschen raus setzen und die Sonne genießen?" "Das sagt ja genau der richtige" "Was?" "Na, das die beiden lange und heftig streiten... Das vorhin war ja auch nicht ganz ohne", sie zeigte auf eine kleine Beule die ich bekommen hatte. Ich grinste "Tom und ich sind Zwillinge - Das ist unser Job sich zu streiten" Und damit gingen wir raus an die frische Luft.

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Leas Sicht: Oh man, hatte ich mir das eingebildet oder hatte Tom mich jetzt zum wiederholten male angeflirtet? //Nein Lea, das bildest du dir ein, Tom Kaulitz dich anflirten? Lachhaft!// Bei der Auswahl an Mädels die er hatte.. Na gut, da waren schon ein paar echte Dummchen dabei, und sicherlich auch einige die schlechter aussahen als ich, aber ich war ein ganz normales Durchschnittsmädchen, und ich kannte haufenweise Mädels die besser aussahen als ich, wie groß seine Auswahl dann wohl war, wollte ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. "Muss ich dich jetzt erst um Erlaubnis fragen, ob ich deine Schwester flachlegen darf oder was?" Geschockt weiteten sich meine Augen und ich lief noch röter an als zuvor. Wollte er mich etwa flachlegen??? Aber nein, das hätte er ja dann bestimmt nicht so gesagt, wäre ja sinnlos gewesen das vorher schon rauszuposaunen, das würde ihm ja alles versauen, bestimmt wollte er Georg nur Provozieren. Süß war Tom ja schon irgendwo, aber, neeein..! Und wie er sich hier bis jetzt angestellt hatte war ja auch irgendwie so „naja“ gewesen. Zwar schon drollig aber die Klopperei mit Bill hätte nicht sein müssen. Auch wenn er danach sofort aufsprang und sich entschuldigte, was ja echt süß war, jetzt belagerte er sich mit meinem großen Bruder. Ohne dass es den Beiden auffiel kam Bill von der Seite angetapst "Wenn die streiten dauert das immer ne Weile, wollen wir uns ein bisschen raus setzen und die Sonne genießen?" Er wurde ein bisschen Rot um die Nase doch ich nickte und wir gingen los "..Das sagt ja genau der richtige" schob ich kurz bevor wir die Tür erreicht hatten ein. "Was?" "Na, das die beiden lange und heftig streiten... Das vorhin war ja auch nicht ganz ohne" Er blieb kurz stehen und grinste mich an. „Tom und ich sind Zwillinge – Das ist unser Job sich zu streiten!“ sagte er dann und grinste noch breiter. „Hast du davon öfters mal so schicke Beulen?“ lachte ich da das Horn an seiner linken Stirnseite immer größer wurde. „Ähm..“ fing Bill an doch im nächsten Moment machte es `KLATSCH` und direkt vor uns war ein ziemlich übergewichtiger, nein, das war kein Ausdruck mehr, sagen wir einfach: ein ziemlich fetter Junge auf einer Apfeltaschenverpackung ausgerutscht und lag nun nach einer schwungvollen Vorwärtsrolle mit den Beinen an der Glasscheibe des Gebäudes und mit dem Hinterkopf in seinem Eis mit Schokoladensoße das ihm aus der Hand gefallen war. Wir versuchten echt uns zusammenzureißen aber wir brachen nach nicht mal zwei Sekunden in schallendes Gelächter aus. Verdattert stand der Junge auf, lief rot an und drehte sich um um zum Parkplatz zu seinen Eltern zu rennen. Die ganze Zeit achtete ich auf das Eis in seinen Haaren welches langsam an seinem Hals nach unten lief. Als wir uns wieder halbwegs gefangen hatten liefen wir zurück zu Toms Auto, und Bill, der sich Toms Schlüssel eingesteckt hatte, öffnete den Wagen. Wir öffneten die Hintertüren und ließen uns auf die Rückbank fallen. Die Sonne schien mir ins Gesicht und es war vollkommen Windstill. Während ich meinen Freshwrap auspackte packte Bill seine XXL-Packung Pommes aus und begann sie nach einander immer 29


mit einem Ende in Majo zu tauchen und sie dann in seinen Mund verschwinden zu lassen. Ich schaute ihm einen Moment lang zu, dann packte ich den Wrap wieder weg und schlürfte stattdessen nur einmal kurz an meiner Fanta. „Was`n los?“ Bill musterte mich mit hochgezogener Augenbraue. „Ach ich komm mir doof vor mit dem Ding wenn du so vegetarisch isst und so..“ gestand ich und auf sein Gesicht legte sich für zwei Sekunden lang ein undeutbarer Ausruck, bevor sein Strahlen größer wurde als ich es je zuvor gesehen hatte. „Oh Kleine, musste nicht, ist kein Problem, Georg und so essen ja auch Fleisch, das ist kein Problem..!“ Wir lächelten uns erneut an. Er blickte mir tief in die Augen und ich hatte das Gefühl ich würde jede Sekunde das Gleichgewicht verlieren und aus den Latschen kippen, so hypnotisiert war ich von seinem Blick. Er hatte so wunderschöne, tiefbraune, leuchtende Augen, und das leichte Make-up mit dem perfekten Lidstrich rundete das ganze so ab, das er einfach nur noch vollkommen wirkte. So, als wäre er nicht von dieser Welt. //Mein Herz kämpft, gegen mich, wie ein Alien in mir..// schoss es mir durch den Kopf und erst jetzt merkte ich wie wir uns gerade angestarrt hatten. Schnell wich ich seinem Blick aus und musterte meine relativ klein geratenen aber sehr gepflegten schönen Hände. „Schöne Hände hast du!“ stellte er fest. „Schöne Fingernägel hast du!“ erwiderte ich und griff im gleichen Moment auch schon unbewusst nach seiner Hand. Ich nahm sie locker in meine und zog sie ein Stück zu mir ran um mir seine Nägel genauer anzuschauen. „Wow die sind ja wirklich absolut perfekt!“ Das faszinierte mich irgendwie, wir konnte man nur so makellose Hände haben, und das auch noch als Mann. Wooow! Ich ließ meine Hand wieder nach unten auf den Sitz fallen, während ich meine Finger immer noch mit seinen verstrickt hatte. Ich merkte gar nicht das ich gerade mit Bill Kaulitz händchen hielt, es passierte irgendwie ganz unterbewusst. Als es nach einigen Sekunden klick machte und ich gerade meine Hand zurück ziehen wollte zog er meine Hand etwas fester aber immer noch sehr zart in seine und zog sie so wie ich zuvor näher an sein Gesicht. „Deine Gefallen mir aber auch! Machst du das selbst?“ er schien wirklich begeistert, dabei hatte ich nur einen ganz einfachen schlichten Nagellack aufgetragen. „Danke!“ Erneut grinste ich ihn an eh ich weiter sprach: „Ja, professionell machen lassen ist zu teuer, das kann ich mir nicht leisten.. Aber es geht ja auch so ganz gut.“ Gerade als er unsere Hände wieder nach unten auf den Sitz gleiten ließ gingen die Vordertüren auf und während Tom einstieg reichte mir Georg zuerst einen Rucksack hinter. Also ließ ich Bills Hand los und nahm den großen dunkelblauen Ranzen zu mir hinter. „Der passt nicht in der Kofferraum, da der liebe Herr seinen ganzen Kram wieder im Auto rumfliegen lassen hat!“ stellte Georg gerade fest als ihm Tom auch schon ins Wort fiel: „ Ich hatte ja auch nicht erwartet das Georg seinen Wagen zerschrottet und so Hübsche Junge Frauen wie dich kann ich ja nicht so lang draußen an einer Autobahn stehen lassen, sonst hätte ich natürlich aufgeräumt!“ Er grinste mich frech an und mir fiel auf wie er an seinem Piercing rumspielte. Komisch. Tat er das Heute nicht irgendwie schon die ganze Zeit andauernd? „Bill, lässt du mich hinter?“ fragte Georg, der um das Auto herum gelaufen war und nun neben seiner offenen Tür stand. „Willst du das wir zu dritt hinten sitzen?“ fragte der Schwarzhaarige mit großen Augen woraufhin mein liebes Brüderchen nur etwas merkwürdig schaute. „Ähm nein, ich dachte du gehst vor!“ Mein Blick ging zwischen Bill und Georg hin und her. Georg der darauf drängte das Bill endlich ausstieg und Bill der sich irgendwie schwer Tat. Ohne nachzudenken mischte ich mich ein. „Geoooorg? Kann ich neben Bill sitzen bleiben? Wir haben uns grad sooo gut unterhalten!“ Ich blickte ihm mit einem unwiderstehlichen Dackelblick plus einem kleinen Lächeln an und nachdem er den etwas verwundert dreinblickenden Bill noch einmal kritisch gemustert hatte nickte er schließlich und stieg auf der Beifahrerseite neben Tom ein. Als wir losfuhren schnallte ich mich noch schnell an und versuchte dann den großen Rucksack in den Fußraum zwischen mir und Bill zu quetschen, was sich jedoch schwieriger gestaltete als ich dachte. „Hilfst du mir mal?“ fragte ich meinen Sitznachbarn etwas schüchtern und sofort griff er mit dazu und zusammen schafften wir es dann doch das Monstrum von Tasche nach unten zu drücken. Dabei hatten 30


sich unsere Hände die ganze Zeit immer wieder wie Zufällig berührt. Aber warum dachte ich darüber eigentlich nach?

Bills Sicht: Wir kannten uns erst seit ein paar Minuten, und trotzdem kam es mir so vor, als würde ich Lea schon ewig kennen. Es war so..vertraut zwischen uns. Ich fragte mich, ob es daran lag, dass ich in ihrer Gegenwart Bill war und nicht der Sänger von Tokio Hotel. Eigentlich kannte ich alle anderen, die mich so sahen seit über 10 Jahren. Ich war verwirrt. Kopfschüttelnd schob ich die wirren Gedanken beiseite und schaute zu Lea rüber, die neben mir im Auto saß. Vorhin hatten wir noch über einen sagen wir... sehr kräftig gebauten Jungen gesehen, der einen Hang zur Tollpatschigkeit hatte und jetzt saßen wir hier im Auto und schwiegen. Das war so schnell gegangen...irgendwie. Tom würde mich jetzt auslachen und sagen, ich wäre verliebt und die Zeit verging im Flug und überhaupt hatte ich einen Knall. Aber Tom war nicht da, deshalb blieb es ruhig. Vorsichtig packte Lea ihren leckeren Snack aus, während ich mich mit Pommes zu Frieden geben musste. Als ich sah, wie sie ihn nachdem sie alles schön ausgepackt hatte, einfach wieder einpackte, stutzte ich. „Was`n los?“ Sie schaute weg und wurde leicht rot. „Ach ich komm mir doof vor mit dem Ding wenn du so vegetarisch isst und so..“ Ich wunderte mich, dass sie sich über sowas Gedanken machte. Also grinste ich schnell meine größte Grinse, die die Fotografen immer liebten „Oh Kleine, musste nicht, ist kein Problem, Georg und so essen ja auch Fleisch, das ist kein Problem..!“ Hatte ich sie eben echt Kleine genannt?! //Pff//, dachte ich mir //Tom besabberte sich wenn sie vor ihm steht.// Ich schaute ihre Hände an, darauf achtete ich prinzipiell sehr, obwohl ich bei Lea eine Ausnahme gemacht hätte, sie hätte mit den grausigsten Händen kommen können und ich hätte sie für wunderhübsch empfunden. Aber ihre Hände waren total gepflegt und hübsch. „Schöne Hände hast du!“ stellte ich fest. „Schöne Fingernägel hast du!“ , konterte sie grinsend. Und nahm meine Hand, woraufhin ich einen kleinen Schlag spürte, ein Kribbeln. Sie inspizierte meine Nägel genauestens und kam zu dem Entschluss, dass meine Nägel perfekt waren. Ich gab das Kompliment natürlich gleich zurück und fragte, ob die ihre Nägel selbst machte. „Ja, professionell machen lassen ist zu teuer, das kann ich mir nicht leisten.. Aber es geht ja auch so ganz gut.“, meinte Lea dann noch. Stimmt, sie hatte ja begrenztes Budget, im Gegensatz zu mir, obwohl ich meine Nägel auch größtenteils selbst machte, ich konnte es auch einfach so gut, dass ich niemanden mehr ran lassen wollte. Wäre ja auch irgendwie tuntig... „Der passt nicht in der Kofferraum, da der liebe Herr seinen ganzen Kram wieder im Auto rumfliegen lassen hat!“ , hörte ich Georg von außen und schimpfte innerlich. Wieso musste Georg immer zum ungünstigsten Zeitpunkt kommen? Der Kerl hatte ja das Taktgefühl von 'nem Toast. : „ Ich hatte ja auch nicht erwartet das Georg seinen Wagen zerschrottet und so Hübsche junge Frauen wie dich kann ich ja nicht so lang draußen an einer Autobahn stehen lassen, sonst hätte ich natürlich aufgeräumt!“, na super. Tom war auch da. Ich verfluchte ihn innerlich, bestimmt hatte er bemerkt, dass Lea und ich weg waren und wollte mein 31


Liebesglück zerstören. Als ob das nicht genug wäre, schmeißt er sich gleich noch an sie ran. Ich hoffte nur, dass Lea nicht darauf eingehen würde. Nachdem ich zu sehen musste, wie Tom peinlicherweise schon wieder mit seinem Piercing rumsabberte, meldete sich Lea noch mal zu Wort. Ich hatte schon Angstgehabt, dass sie wirklich auf Toms billige Anmachversuche reagierte, aber sie ignorierte es einfach. Beziehungsweise sie sah es, wurde rot und schaute schnell zu Georg.„Bill, lässt du mich hinter?“ fragte Georg, und ich erwachte aus meinen Überlegungen. Natürlich würde ich nicht vor gehen, schließlich war ich brav und machte Lea nicht an - nicht so offensichtlich wie Tom jedenfalls und überhaupt, wieso sollte ich? Also tat ich auf dumm. „Willst du das wir zu dritt hinten sitzen?“ fragte ich ihn gespielt überrascht. Ich sah wie Georg mich leicht belustigt anschaute, wenn ich nicht wüsste, dass Georg sowas nie rallte, würde ich denken, er hätte mich durchschaut. Aber wie gesagt, Georg ist bei sowas nicht sehr helle. „Ähm nein, ich dachte du gehst vor!“, meinte er mit einem leicht fragenden Blick. Ich überlegte gerade fieberhaft nach Argumenten, nicht aufstehen zu müssen und gerade als ich anfangen wollte mit Schmerzen, dass ich nicht aufstehen kann, musste ich erschreckt feststellen, dass Georgs Schwester mich wohl auch gerne da behalten hätte: „Geoooorg? Kann ich neben Bill sitzen bleiben? Wir haben uns grad sooo gut unterhalten!“ Ich war irgendwie überrascht - positiv natürlich. Und mein Grinsen wurde noch breiter, als ich Tom, mittlerweile auf dem Fahrersitz angekommen, durch den Rückspiegel sah und sein Blick war echt... Eifersüchtig aber sowas von, innerlich feierte ich ne fette Party und gratulierte mir selbst mehrmals. Feuerwerke inklusive, die wurden in meinem Bauch abgeschossen. Georg nickte nur und stieg ein. Man, man, man. Der Kerl war innerhalb von einem Tag (!) zum richtigen Muttertier geworden. Is ja nicht so als ob sie gerade ihre Mutter gefragt hatte, ob sie sich zusammen mit 'nem fremden 60-jährigen Mann aus dem Internet um 23.00 Uhr treffen wollte. Unser Bassist sollte mich mittlerweile gut genug kennen und wissen, dass ich seiner Schwester nichts böses wollte und mich einfach nur nett unterhielt - ich hieß ja schließlich nicht Tom... In Gedanken versunken nahm ich die Stimme von dem Mädchen neben mir wahr: „Hilfst du mir mal?“ Ich schreckte auf. Ich griff sofort zu der Tasche, die sie zu verstauen versuchte. Nach einer Weile hatten wir es geschafft, die hin zupacken und meine Hände prickelten immer noch an den Stellen, an denen sie mich eher zufällig berührt hatte. Tom funkelte mich nach wie vor durch den Rückspiegel an. Man, sollte der doch machen... Die restliche Fahrt dröhnte Tom uns mit Hip Hop runter, was ja angeblich auch zur Gattung der Musik gehören soll, aber ich kann keinerlei Parallelen feststellen, bei bestem Willen, das war einfach nur grauenhaft. Das wird wahrscheinlich die ganze Zeit in der Hölle gespielt. Im Himmel kommt dann Kings of Leon und sowas. Auf jeden Fall nicht DAS. Aber die Musik war viel zu laut, um Tom irgendwas zu zu brüllen, und so eine Szene wie gerade eben wollte ich Lea nicht nochmal bieten. Verbissen schaute Tom auf die Autobahn. Ich rollte die Augen, er fuhr wie eine gesenkte Sau und brachte uns alle in Lebensgefahr, aber das war ich gewohnt. Das war Tom. Wenn er wütend war, oder neidisch, oder beides, fuhr er so. Er fuhr sogar immer schnell, aber nur in so einer Situation fuhr er SO schnell. Ich schaute wieder zu Lea rüber, die nervös mit ihren Fingern rum spielte. Sie griff gerade in ihre Tasche und zog ihren Ipod heraus. Sie drückte irgendwelche Tasten. "Was hörst du?", fragte ich neugierig. Sie wurde rot und zögerte. "Ähm.. äh", sie stotterte irgendwas von "Kennst du eh nicht" und packte ihn weg. Ich hielt ihre Hand fest, wie in Trance. "Kann ich mal hören, ich bin immer offen für Neues", ich lächelte sanft - glaube ich. Sie riss die Augen auf... "Ja.. Äh... Ja klar..." Sie drückte wieder irgendwelche Tasten herum. Dann hielt sie mir zögernd einen Kopfhörer hin. Ich lächelte und steckte ihn mir ins Ohr. "Danke", hörte ich mich flüstern. Sie wurde wieder rot. Das sah einfach total süß aus. Ich musste grinsen. "Was?", fragte Lea, als mir Klänge an die Ohren drangen, die ich kannte. "Nichts... Nur, also ich kenn die Musik"; ich grinste breiter. Lea wurde röter. Sie stammelte:"Echt?" Natürlich kannte ich den Song. Es war Nena. Wer kannte 'Nur geträumt' denn nicht? Ich hätte sowieso jeden Song erkannt, ich hätte Nenas Stimme auch erkannt unter 1000, aber sie musste mir ausgerechnet einen der 32


bekanntesten Nena Hits vorspielen. Wenn es 'Rette mich' oder von mir aus 'Fragezeichen' gewesen wäre, hätt ich sie ja verstehen können, aber so? "Das ist Nena", meinte ich überflüssigerweise. Sie nickte nur. Und murmelte, dass sie nicht wusste, dass ich Nena kannte. Ich grinste "Find ich cool, dass du Nena hörst. Ich höre gerne Nena, also sie war praktisch auch meine erste Berührung mit der Musik. Sie hat mich zur Musik gebracht, nur wegen ihr bin ich...", Tom unterbrach mich laut "Bill! Wir sind gleich da!", schrie er. Erschrocken zuckte ich zusammen, er hatte recht. Ich konnte es ihm nicht übel nehmen, dass er zugehört hatte, und außerdem hatte er nebenbei bemerkt unseren Arsch gerettet. Ich hätte sonst unser kleines, süßes Geheimnis schneller raus, als Tom einen dummen Spruch bringen konnte. Und das will was heißen. Die restliche Fahrt war still, und wir waren natürlich nicht 'gleich da' es war noch gut ne halbe Stunde bis wir in Hamburg angekommen waren und dann noch zu uns, dauerte nochmal was. Georgs Sicht: „Bill, lässt du mich hinter?“ fragte ich, als Tom und ich am Auto angekommen waren. Bill und Lea hatten sich einfach verpisst. Vielleicht bin ich wahnsinnig, aber schon nach so kurzer Zeit, fühle ich mich verantwortlich für Lea. Sie ist noch jung und naiv. Ich bin groß, stark und weise. Ich muss sie doch beschützen. Ich kenne Bill ja schon ewig und weiß, dass er ihr niemals weh tun würde, aber zu zweit alleine in einem Auto zusammen auf der Rückbank. Das ist schon so einiges passiert. Wieso war Bill überhaupt einfach mit Lea gegangen? Lea war meine Schwester, er hatte ja Tom. Wollte er mir mein Glück nicht gönnen? Wollte er Lea einfach einen weiteren Streit ersparen? Oder.... Ich wollte gar nicht daran denken, war Bill etwa in Lea... verliebt?! //Pff//, dachte ich // Und wenn schon, ICH bin ihr Bruder und ich werde nicht zulassen, dass sie verletzt wird.// Bill antwortete auf meine Aufforderung. In seiner Weise. Ich hätte es wissen müssen, ich kannte den Kerl einfach schon zu lange. „Willst du das wir zu dritt hinten sitzen?“ Tat er überrascht. Ich schnaubte und sah ihn belustigt an. Aber ich spielte sein Spielchen mit. Er war ein Freund und einem Freund half man, und überhaupt, was bildete ich mir ein? Bill und Lea? „Ähm nein, ich dachte du gehst vor!“, antwortete ich locker. Ich hatte nie behauptet, dass ich es ihm leicht machen würde, sich an meine Schwester ran zu schmeißen, was er aber wahrscheinlich sowieso nicht vor hatte. Ich war verwirrt. „Geoooorg? Kann ich neben Bill sitzen bleiben? Wir haben uns grad sooo gut unterhalten!“ Geschockt schaute ich Lea an. Hatten sich jetzt etwa zwei Freunde gegen mich verbündet?! Klar, ich kannte Lea noch nicht lange, aber ich hätte nicht gedacht... Bill und Lea? Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Was zum Teufel hatten die denn im Auto gemacht?!

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Leas Sicht: „Machs dir bequem!“ sagte Tom, der um mich herumwuselte und deutete auf die Riesige modisch aussehende, ausgezogene Couch auf der auch schon Bill und Georg Platz gefunden hatten. Während Tom also wieder in die Küche verschwand ließ ich mich zwischen die Beiden aufs Sofa fallen und streckte mich ein mal kurz aus. „Boah bin ich k.o.!“ seufzte ich dazu und ließ nun meinen Kopf auf eins der vielen weichen Kissen sinken. „Und ich erst!“ stimmte mein Großer Bruder mir zu und auch Bill nickte. „ Naja, nach der Fahrt ja kein Wunder..!“ grummelte er und ich konnte mir ein grinsen nicht verkneifen. „Naja, wäre das Durchschnittstempo nicht gefühlte 240 km/h gewesen, wär`s doch ganz schön gewesen.“ Und mehr ungewollt, oder besser gesagt unbedacht, hatte ich ihm auch schon frech zugezwinkert. Damit er nicht bemerkte wie mir nun ein bisschen Röte die Röte ins Gesicht stieg drehte ich mich zu Georg um nach ca. 0,4 Sekunden Reaktionszeit „IHHH!“ zu kreischen und aufzuspringen. „Was ist denn?“ geschockt und sich halb die Ohren zuhaltend blickte mich mein ziemlich verpennt aussehender Stiefbruder an. „Daaaa!“ Zögerlich deutete ich auf den getragenen Tanga der nun unter dem Kissen auf dem ich eben gelegen hatte herausschaute. Eigentlich war das zwar kein Grund gleich so ein Fass aufzumachen aber ich hatte mich eben erschrocken und ein bisschen widerlich war es ja schon auf so etwas zu liegen. Mein Gott, wer weiß wem der gehörte.. Bill, der aus seinem Sichtwinkel nichts sehen konnte hob das Kissen an um gleich darauf beinahe an die Luft zu gehen. Sein Kopf lief vor Wut, Ekel und Scham knallrot an und man konnte sehen wie er sich zusammenreißen musste um Tom jetzt keine Runterzuhauen. „Entschuldigt mich mal kurz!“ presste er heraus und schon entschlüpfte er, alle Türen hinter sich schließend, ebenfalls in Richtung Küche, aus der man kurz später trotzdem einige Wortfetzen wahrnehmen konnte. Sachen wie: „DU KRANKE SAU!“ .. „HAST DU DENN ÜBERHAUPT KEIN SCHAM- ODER EKELGEFÜHL?“ und „WIE KANN MAN SOWAS DENN ÜBERSEHEN?“ schallten ins Wohnzimmer. Kurz darauf nur ein „NEIN“ und ein drohendes „TOM KAULITZ WENN DU NICHT WILLST DAS..“ doch der Rest des Satzes war hier im Wohnzimmer nicht mehr zu verstehen. Ein paar Sekunden später kam Tom ziemlich rot um die Wangen hinein geschlichen und beseitigte das „Überbleibsel“. Einige Minuten später hatten wir es uns wieder auf dem Sofa bequem gemacht. Gerade kam der HipHopper als letzter noch lässig ins Wohnzimmer zurück gelaufen, in den Armen hatte er eine riiiiesige Schüssel voller Süßkram und Chips. Er stellte sie auf den kleinen weißen Couchtisch und ließ sich dann schwungvoll zwischen Georg und mich fallen, obwohl hinter Bill noch massig Platz war. „Tom, du siehst doch das hier kein Platz mehr für dich ist!“ motzte Georg sogleich genervt woraufhin der angesprochene nur grinste. „Warum, ist doch kuschelig!“ Sein grinsen wurde noch breiter, während es bei Georg wohl grade Klick machte. „Vergiss es! Finger weg von ihr, los mach dich ab!“ wetterte er. „Schon gut schon gut, mach 34


mal Locker!“ winkte Tom ab und stützte sich auf den rechten Arm, schwang dann sein Bein über mich, so das er praktisch halb auf mir lag, lächelte mich an und ließ sich dann auf die andere Seite fallen. Sofort legte Georg seinen Arm um mich und zog mich fast schon beschützend ein Stück näher an sich heran. „Komm schon ich werd` sie schon nicht Umbringen!“ Tom funkelte meinen „Beschützer“ böse an und Georg starrte ignorierend zum Fernseher hin. Nur Bill der etwas abgewandt von uns lag blickte träumerisch in den Raum hinein, warf Tom aber ebenfalls immer mal wieder leicht säuerliche Blicke zu. Das Streitgespräch erstarb in einem Minutenlangen schweigen, nur die Geräusche des Fernsehers waren zu hören. Nach einer Weile spürte ich wie sich eine kühle Hand langsam auf meinen Hosenbund legte und ein Zeigefinger anfing gaaanz kleine sanfte Kreise auf meinem, durch das hochgerutschte T-Shirt leicht freigelegten Hüftknochen zu ziehen. Durch diesen kühlenden Punkt lief mir ein kleiner Schauer über den Rücken. Mein Blick wanderte langsam von den Fingerspitzen, über die Hand und den Arm hinauf zu Toms Gesicht. Ein Fehler, absolut, denn jetzt war mir endgültig kalt, da er mir mit einem leichten Lächeln auf den Lippen tief in die Augen sah. Er hatte die gleichen schönen Augen wie sein Zwillingsbruder Bill, so tiefbraun, und leuchtend, und einfach so unglaublich viel aussagend. Georg war mittlerweile eingeschlafen und seine Arme hatten sich etwas gelockert, das nutzte Tom aus und legte nun sachte, aber bestimmt seinen schlanken Arm um mich herum. Ich war unentschlossen was ich nun tun sollte! Er war ja schon irgendwie.. süß.. aber trotzdem fühlte ich mich unwohl, einfach weil ich wusste das Bill neben uns lag. Tom zog mich ein Stück näher an sich heran, so dass ich seinen warmen Atem im Nacken spüren konnte. Verdammt, merkte er denn nicht dass ich darauf nicht einging? Andererseits wehrte ich mich aber auch nicht! Ich konnte ihn einfach nicht wegstoßen, es ging einfach nicht. Vorsichtig setzte ich meine Hand an seine mich noch immer streichelnde und Umfasste sie sanft, um sie ein bisschen zur Seite zu schieben. Doch gerade als ich sie loslassen wollte Griff er danach und verstrickte seine Finger mit meinen. Oh mein Gott! Meine Augen weiteten sich ein Stück, was er aber nicht sehen konnte da sein Kopf etwas oberhalb von meinem Lag. Schnell zog ich die Hand von seiner los und strich mir durch mein Pony, damit es wenigstens halbwegs so aussah als hätte ich sie deswegen weggezogen. Als ich damit fertig war, legte ich sie jedoch so hin dass er nicht mehr drankommen konnte. Wieder schob sich seine Hand auf meinen Hüftknochen. In meinem Kopf ratterte es, wie sollte ich bloß aus dieser Situation herauskommen? PLING! „Bill du musst mir uuunbedingt mal die Nägel machen!“ meinte ich einfach plötzlich und setzte mich auf um Toms Armen zu entkommen. „Ähm..“ begann Bill, doch dann sah er seine Chance sich an seinem Bruder zu „rächen“ (was ich aber nicht bemerkte) und stand auf. „Komm mit, ich zeig dir mal was ich alles da hab!“ sagte er und während ich mich Endgültig von Tom löste und ebenfalls aufstand, verschwand Bill kurz ins Nachbarzimmer und kam mit einem Mittelgroßen Täschchen voller Schminkzeug, Haarpflege- und Nagelprodukten zurück. „Das ist.. Viel!“ Stellte ich fest und strahlte ihn an. Er lächelte ebenfalls glücklich aussehend zurück und während ich nun die vielen verschiedenen Produkte durchkuckte bekam ich gar nicht mehr so wirklich mit was Bill und Tom machten. Ich war auch einfach so erleichtert dieser Situation eben gerade noch so entkommen zu sein. Wollte Tom mich etwa wirklich ins Bett kriegen? Mir kam der Gedanke an den Tanga von vorhin wieder in den Sinn. Uäh, das war echt eklig, je mehr ich darüber nachdachte desto abstoßender fand ich es. „Ich weiß auch nicht, lass dir was einfallen!“ meinte ich plötzlich so in den Raum und Folgte Bill nach einigen Sekunden in den Nachbarraum, der wohl sein Zimmer sein musste. Dort setzte ich mich ihm gegenüber an einen kleinen Tisch. „Danke!“ platzte es mit einmal aus mir heraus. Bill sah mich an und Verstand. Er lächelte zufrieden und Griff dann nach meiner Hand um mit einem Säuberungstuch sanft den noch vorhandenen Lack von meinen schön gefeilten Nägeln zu wischen. Mein Bauch begann leicht zu kribbeln, wow, das war wirklich viel

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schöner als die schlechte Anmache von Tom eben. Sogleich fühlte ich mich 1000 mal wohler als eben gerade. ..Was Bill wohl gerade dachte?

Bills Sicht: Gleich als wir nach der halsbrecherischen Fahrt zuhause eingetroffen waren, hatte ich mich aufs Sofa gepflanzt und Georg war mir gleich hinter her gefolgt. Tom kam mit Lea im Schlepptau auch relativ schnell hinterher und nachdem mein kleiner großer Bruder ihr gesagt hatte, dass sie sich bequem machen soll. „Boah bin ich k.o.!“ stöhnte das Mädchen und legte sich halb hin. Georg pflichtete ihr bei und auch ich konnte dem nur zustimmen: „ Naja, nach der Fahrt ja kein Wunder..!“ „Naja, wäre das Durchschnittstempo nicht gefühlte 240 km/h gewesen, wär`s doch ganz schön gewesen.“ // Ja//, wollte ich schon fast sagen //Aber nur weil ich neben dir sitzen durfte// Als ob sie das gehört hatte, zwinkerte sie mir zu, oder hatte ich mich getäuscht? Lea würde mir doch nicht zu zwinkern, oder? Andererseits, sie hat sich ja auch dafür eingesetzt, neben mir sitzen bleiben zu dürfen. Also ich zog daraus einfach mal, dass sie mich auch mochte - sehr. Vielleicht hat auch mein Selbstbewusstsein damit zu tun. Ich weiß nur, dass ich sie auf jeden Fall mag und zwar sehr, sehr gerne. Ich würde fast sagen, ich wäre verliebt, aber mit dem Gedanken konnte ich mich irgendwie noch nicht ganz anfreuden. Ich wusste nicht wieso, aber es war einfach so... fremd „IHHH!“, kreischte Lea plötzlich und ich schreckte so zusammen. Was war denn? „Was ist denn?“ , fragte Georg ganz leicht angenervt, aber wirklich nur ganz leicht und wahrscheinlich nur, weil er gerade dabei gewesen war, ins Land der Träume zu verschwinden. Seine Schwester riss die Augen auf, dass ich Angst hatte, sie würden gleich rausfallen. Angewidert deutete sie auf das Kissen auf unserer schicken Designercouch, wo sie gerade noch gelegen hatte.„Daaaa!“ Und was ich da sah... Wenn Tom neben mir gewesen wäre in dem Moment... Er wäre tot gewesen, ich schwöre, er wäre auf der Stelle mausetot. Denn da blitzte doch tatsächlich ein Überbleibsel von der vergangen Nacht hervor. Lautstärkemäßig hatte ich zwar sowieso alles mitbekommen, wahrscheinlich sogar die Nachbarn, aber das musste ja wohl nicht ausgerechnet Lea mitbekommen. Zu spät, sie hatte den Tanga schon entdeckt und uns lautstark darauf aufmerksam gemacht. Und jetzt würde Tom mal ordentlich was zu hören bekommen - von mir! Ich spürte wie ich rot wurde, vor Wut. Obwohl ich mich auch ein wenig für meinen Bruder schämte. Das was er da fabriziert hatte war 1. Total ekelhaft und dazu noch auf unserer Couch in unserem Wohnzimmer. 2. Gegen die Regeln, aber dass hatte ich heute morgen schon mit ihm geklärt. Die Couch gehört schließlich uns beiden und wenn er so einen Drang hat, soll er doch bitte in sein Zimmer gehen, da kann er von mir aus auch ein TangaMuseum aufmachen, aber nicht hier. Punkt. Wenn das Mama gewesen wäre... Aber Lea war mindestens genauso schlimm, wenn nicht schlimmer. Und 3.Ist es verdammt noch mal unsere Couch „Entschuldigt mich mal kurz!“ versuchte ich möglichst ruhig zu sagen, aber man hörte, dass ich auf 180 war. Nicht umsonst. Ich ging zur Küche, wo Tom war und irgendwas machte. „DU KRANKE SAU!“ , warf ich ihm als erstes an den Kopf. Erschrocken schaute er 36


mich an. "Ganz ruhig Bill. Was ist passiert? Will Lea nichts von dir...?" Ich riss die Augen auf, war dass sein Ernst? Hatte er das gerade echt gesagt? "TOM DU VERDAMMTER *beep*. WENN DUS SCHON NICHT LASSEN KANNST JEDE ZU VÖGELN DANN MACHS ZUMINDEST NICHT AUFM SOFA JA! DU BIST SO BILLIG, ICH SCHÄME MICH RICHTIG FÜR DICH! MAMA HAT UNS NICHT SO ERZOGEN! SIE WÄRE JETZT MEGA ENTTÄUSCHT VON DIR..." Jetzt wurde auch Tom laut "SAG MAL? WAS IS LOS BILL? WIESO BIST DU AUFEINMAL SO.." Ich musste ihn unterbrechen. "DA FRAGST DU NOCH?!", meine Stimme überschlug sich. "BILL? WAS.IST.LOS?!" "KANNST JA DEINE POPP-FREUNDIN FRAGEN, NACHDEM DU IHRE UNTERWÄSCHE VON UNSERER COUCH ENTFERNT HAST!" Erschrocken schaute er mich an und meinte kleinlaut, dass wir das doch schon heute morgen geklärt hätten "JA SCHLIMM GENUG, IN UNSERER WOHNUNG AUF UNSERER COUCH UND DANN NOCH DEN TANGA LIEGEN LASSEN WENN WIR BESUCH KRIEGEN, DU PERVERSE DRECKSAU!" "BILL?! DAS IS DOCH KEIN DING ALTER. NUR WEIL DU SO KEUSCH LEBST..." Ich unterbrach ihn "NUR WEIL ICH NICHT SO SCHWANZGESTEUERT BIN WIE DU!" "MACH MAL HALBLANG." Ich schüttelte den Kopf. „HAST DU DENN ÜBERHAUPT KEIN SCHAM- ODER EKELGEFÜHL?“ "MAAAAN, IS JA GUT JETZT BILL. ICH HABS HALT MAL ÜBERSEHEN. Okay, ich frag die Weiber jetzt auch immer vorher wie laut die stöhnen - zufrieden?", meinte er ruhig. Der Kerl wollte mich doch verarschen. „WIE KANN MAN SOWAS DENN ÜBERSEHEN?“ , schrie ich wieder drauf los. "Bill. DU verstehst das nicht, du..." JETZT war das Fass übergelaufen. "ICH VERSTEH DICH ALSO NICHT HMM? GUT, DANN BIN ICH NICHT MEHR DEIN BRUDER. MIT SOWAS WIE DIR WILL ICH NICHT VERWANDT SEIN!!!!!!" Tom riss erschrocken die Augen auf. "EY?! SAG MAL GEHTS NOCH?" "ICH NEHMS ZURÜCK WENN DUVERSPRICHST NIE WIEDER EIN MÄDEL ZUM *beep* IN UNSERE WOHNUNG ZU HOLEN:" herausfordernd sah ich ihn an, seine Antwort war ein lautes, bestimmtes "NEIN“ Ich fing an mit drohen „TOM KAULITZ WENN DU NICHT WILLST DAS ICH AUSZIEHE, DANN VERSPRICHST DU MIR DAS UND GEHST JETZT RAUS UND HOLST DIE SCHEIßE!" Tom schaute mich panisch an und schrie nochmal ein lautes, deutliches "NEIN" Ich wurde ruhiger, weil ich wusste, dass ich gewonnen hatte. Allein schon an Toms Gesichtsausdruck war das abzulesen."Tom. Du gehst da jetzt raus, und versprichst mir, dass du zum *beep* nicht mehr ins Wohnzimmer gehst sondern nur noch in dein Zimmerchen...“, meinte ich zischend. Das Tom in der ganzen Wohnung SexVerbot hatte, war dann wohl doch ein klein wenig zu viel verlangt und auch völlig übertrieben, das wusste ich, aber keine Groupies auf dem Sofa war eindeutig nicht zu viel verlangt. Wenn ich da frühstücke, will ich weder einen Tanga noch sonstige Spuren von Toms Erlebnissen finden. Der Gedanke, wie viele Mädchen schon durch unsere Wohnungstüre rein und raus sind, ist schlimm genug. Um etwas Nachdruck zu verleihen, meinte ich noch, dass Lea absolut 'not amused' gewesen war und vermutlich sofort gehen würde, wenn mein Bruder das nicht sofort wieder wegräumen würde. Er schlich dann also raus und nahm mit spitzen Fingern die Unterwäsche und entsorgte sie sonstwo. Vielleicht auch in seiner TangaSammlung in seinem Zimmer - wenn er sowas besaß. Vielleicht würde er auch bald ein Museum aufmachen, mir war das relativ egal. Einige Minuten später hatten wir es uns wieder auf dem Sofa bequem gemacht. Tom hatte Knabber zeug gebracht und ließ setzte sich dann zwischen das frischgebackene GeschwisterPärchen. Oder er plumpste, das passte besser. Natürlich war neben mir noch genug Platz für 3 Toms, aber er wollte neben Lea. Sie tat mir leid, das musste für sie gerade wirklich SEHR unangenehm sein, vor allem nach der Tanga-Sache. Also ich wäre an ihrer Stelle sofort aufgesprungen, aber sie blieb ruhig sitzen. Ich hoffte einfach, dass sie das aus reiner Schüchternheit und nicht wegen irgendwelchen Gefühlen gemacht hatte. „Tom, du siehst doch das hier kein Platz mehr für dich ist!“,meinte Georg genervt. Mittlerweile musste selbst 37


er gerafft haben, was hier passiert, vor allem bei Tom. Tom grinste nur wieder sein Checkergrinsen „Warum, ist doch kuschelig!“ Und endlich schien selbst der lahme Hagen zu blicken, was Tom hier abzog. „Vergiss es! Finger weg von ihr, los mach dich ab!" „Schon gut schon gut, mach mal Locker!“ meinte mein Zwilling betont lässig und ich sah zu, wie er sein Bein um meine Lea schwang. Innerlich verkrampfte sich mein Herz. Warum tat er mir das an? Klar, wir standen immer auf die gleichen Mäddels, aber er musste ja nicht immer so... direkt sein. Was mir allerdings noch mehr zu schaffen machte, war, dass Lea noch ganz ruhig da saß und noch nicht schreiend davon gelaufen war. Spätestens nach der Sache eben, war doch absolut klar, dass Tom ein One-night-Stand-Typ war. Er würde ihr das Herz brechen. Alles in mir wollte, dass ich den Blick sofort abwendete, aber ich konnte einfach nicht. Wie hypnotisiert starrte ich auf die Szene vor mir. Tom, der sein Bein um sie geschwungen hatte. Georg, der beschützende den Arm um sie legte. Tom, der seinen Galgenhumor zum Ausdruck brachte, Tom, der Georg Blicke zu warf, Georg, der sich darum nicht kümmerte. Stille. Ich schaute zum Fenster, dann wieder zu meinem Bruder. Alle saßen unverändert da, bis auf, dass sich Toms Hand den Weg zu Leas Hüfte durchgekämpft hatte. Ich hätte kotzen können, Tom war eine miese Sau. Ich schaute schnell weg, in der Hoffnung, dass das fiese Ziehen in meinem Herzen aufhörte. Stille. Nur ab und zu das rascheln von Tom und Lea aus war zu hören. Auch wenn es mich brennend interessierte, schaute ich nicht rüber. Sicherheitshalber. Ich versank in Tagträumen. „Bill du musst mir uuunbedingt mal die Nägel machen!“ , meinte Lea dann plötzlich. Erschrocken zuckte ich zusammen und schaute rüber. Unverändert saßen die beiden da. „Ähm..“ , ich war sichtlich verwirrt. Als ich jedoch ihren bittenden Gesichtsausdruck sah, stimmte ich natürlich sofort zu, schließlich musste Tom noch leiden. Ich nahm sie mit in meine Welt, voller Haarspray, Nagellack, Schminke, Schmuck, Kleidung, Gürteln, Schuhen, Hosenträgern, usw. Sie schien recht angetan von all meinem Zeug was sich angesammelt hatte, ganz anders als Tom der mich immer wieder Messie nannte. Auf ihre Aufforderung hin nahm ich ihre Hand in meine, es prickelte wieder so schön wie vorhin im Auto. Es gab mir wie eine Ewigkeit vor, als wir im Auto saßen. Toms Auto. Aber ich verdrängte ihn, dass hier, Lea und ich, das fühlte sich richtig an, so echt. Er liebte sie sowieso nicht, oder zumindest nicht so, wie ich es tat. Ich wog ihre zerbrechlich aussehende Hand in meiner. Sei hatte lange Finger. Auch wenn es mir schwer fiel, mich von ihr abzuwenden, griff ich nach einem Nagellackentferner und fing an langsam und vorsichtig den Lack auf ihren Fingernägeln zu entfernen. "Du machst das so... vorsichtig. Ich hab noch nie nen Jungen gesehen, der sich so gefühlvoll um einen Fingernagel kümmert", sie lächelte. //Oh nein..//, dachte ich //Das hier ging in die falsche Richtung...// Ich stellte gleich klar:"Falls das deine Frage ist, nein ich bin nicht schwul, da muss ich dich enttäuschen.", Ich lächelte sie an. "Hey, du hättest mich enttäuscht, wenn du das Gegenteil gesagt hättest." Ich hielt die Luft an. Das war doch mal eine Aussage, oder nicht? Vorsichtig machte ich an ihren Fingern weiter. "Welche Farbe willst du denn? Oder mehrere?" Sie schien zu überlegen. "Kommt drauf an, was wir hier noch so machen, heute." Sie grinste, ich schaute sie verwirrt an. Sie stotterte:"Also, ich weiß nicht... ob wir heute noch weg gehen, oder so..." Ich seufzte. Zu gerne würde ich mit ihr alleine Essen gehen, aber das ging schon mal nicht, weil wir ja... Also.. Irgendwie, wir waren ja nicht verliebt... Glaube ich... Also.. Sie.. in mich.... Oder sowas in die Art und überhaupt, ich wollte gar nicht wissen, wie gut sich die Bild verkaufen würde, wenn auf der Titelseite ein fettes Foto von Lea und mir beim romantischen Abendessen mit der Überschrift 'Tokio-Bill verarscht seine Fans' oder sowas in die Richtung erscheinen würde. Nein, das ging einfach nicht. Außer wir gingen zu unserem kleinen Stamm-Italiener um die Ecke, wo eh nur lauter Spießer aßen. Zu viert dann aber natürlich. Andererseits konnte ich auf Tom gut verzichten. Und wenn ich sie nicht einlud, würde er mir zuvorkommen. "Was hältst du davon wenn wir heute Abend Essen gehen?", hörte ich mich sagen. Sie sah mich 38


überrascht an. Ich hielt die Luft in meinen Lungen und ließ sie erst wieder raus, als sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit machte. "Nur wir beide?", fragte sie leise. Nervös spielte ich mit einem meiner Ringe herum und schaute mich im Raum um "Ähm...", ich blickte nach unten, dann fasste ich den Mut und sah ihr direkt in die Augen, denn ich weiß, dass KaulitzAugen einfach unwiderstehlich sind, dass merke ich selbst wenn Tom mich anschaut, wenn er was will. Dann hauchte ich: "Wenn du willst... Dann gehen nur wir beide zusammen." Sie lächelte und schaute peinlich berührt nach unten und nickte "Wäre.. Wäre mal ganz cool, ja..." Sie war nervös "Ähm.. Also welche Farbe?" "Kommt ganz drauf an was du anziehen willst, Lea", ich lächelte wieder. Sie schien wieder nachzudenken. "Ich hab nichts schönes mitgenommen..." "Stimmt, du bist ja auch so schön", //Oh mein Gott, das hast du doch nicht wirklich gesagt, oder?!//, schoss es mir durch den Kopf. Lea wurde sofort rot uns stammelte irgendwas von Danke und das ich auch schön wäre. Ich grinste. "Lass mal schauen was du dabei hast." "Okay....", sie holte ihre Tasche schnell und leise, sodass unsere Brüder nichts mitbekamen. Ich schaute durch ihr Zeug durch, bis mir ein wunderschönes Teil in die Hände fiel, ein Oberteil. Es war ein altes Placebo T-Shirt, dass als trägerloses Kleidchen umfunktioniert worden war. So konnte man kaum mehr erkennen, dass es früher wahrscheinlich ein halbes Zelt gewesen war. An den Seiten waren Einschnitte gemacht worden, sodass alle paar Zentimeter ein langer, waagerechter Schnitt kam. Die Ärmel waren raffiniert abgeschnitten, sodass sie nur den gesamten Oberkörper durch das Loch, welches eigentlich für den Kopf gedacht war, durchstecken musste und das Shirt schon als trägerloses Kleidchen umfunktioniert war. Dazu packte ich eine Netzstrumpfhose aus, die schon ziemlich kaputt aussah. Besser gesagt noch, solche Designerteile kosteten ein kleines Vermögen für 'normale' Menschen. "Aber, das ist doch bestimmt klein und. romantisch und..", sie stockte "Romantisch hab ich grade aber nicht laut gesagt oder?", erschrocken schaute sie mich an und ich musste lachen. "Hey, ich hab dich nicht gefragt, ob du mit mir Essen gehen willst, damit du dich anpasst, sondern weil du bist, wie du bist und ich dich genau so mag und nicht anders. Wer sagt denn überhaupt, dass Placebo nicht romantisch sind, hm?" Sie grinste immer noch rot "Ähm.. ja, ich ... ich dachte, das wäre so... abgehoben oder so." //Abgehoben?// "Wie kommst du denn auf sowas?" "Ach, ähm.. Naja, ihr wohnt nicht gerade in einem ärmlichen Viertel, Tom hat einen Audi, du trägst Klamotten, die ...teuer aussehen, hast Tonnen von Kosmetika...", fing sie an aufzuzählen. "Okay, okay... Schon gut, aber der Gast ist König, vergiss das nicht." Ich grinste. "So, Lea und jetzt geh mal ins Bad, zieh dich an und dann gehen wir, wenn du willst kannst du auch noch Schmuck von mir haben, ja?" Ihre Augen strahlten. "Ja!" Sie grinste auch mit und nachdem ich ihr das Bad gezeigt hatte und ihr ein paar Kettchen ausgeliehen hatte, verschwand sie im Bad.

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Georgs Sicht: „Tom, du siehst doch das hier kein Platz mehr für dich ist!“, meinte ich genervt zu dem Vollidioten, der sich gerade mit voller Wucht zwischen Lea und mich geschmissen hatte. Auch Tom genannt übrigens. Musste er sich da einmischen? Er antwortete nur breitgrinsend: „Warum, ist doch kuschelig!“ Was? Alter, der war doch nicht schwul, oder? //Nee, aber er mischt sich ja wohl auch kaum wegen dir ein, sondern eher wegen deinem Schwesterchen//, meldete sich mein Gehirn zu Wort, als der Groschen fiel. Man, typisch, dass ich sowas immer als letztes sah. Tom wollte mich nicht nerven - zumindest nicht hauptsächlich, sondern sich einfach schööön an Lea ranschmeißen... „Vergiss es! Finger weg von ihr, los mach dich ab!“, fauchte ich „Schon gut schon gut, mach mal Locker!“ Tom schlang sein Beinchen unauffällig um das kleine Mädchen. So eine perverse Sau. Ich schickte ihm tötende Blicke. Vielleicht war es übertrieben, sonst hätte ich da drüber gelacht und mit Tom Sprüche gerissen, aber es war meine Schwester, die er hier so billig anmachte, verdammt! Aus purem Reflex legte ich meinen Arm um Lea und rückte an sie heran, als ob ich sie so vor Liebeskummer schützen konnte. „Komm schon ich werd` sie schon nicht Umbringen!“ Tom schickte mir meine Blicke zurück. Wir stritten uns still um Lea, oder eher wegen Lea. Stumm und ohne einen Ton von uns zu geben warfen wir uns Ausdrücke an den Kopf und ohne uns zu rühren, rissen wir Lea hin und her und fauchten uns an, wie Wildtiere, aber nur im Kopf.

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Toms Sicht: Tja Tommylein, geschafft! Bill lag hinter mir und ich war mir sicher das er mich dafür hasste das ich zwischen ihnen lag, aber Lea war halt einfach auch ne Süße Maus, was erwartete er denn von mir, schließlich war ich auch nur ein Mann! Schon vor ein paar Minuten war Georg eingeschlafen, doch erst jetzt merkte man das er sich wirklich im Tiefschlaf befand, denn seine Arme die er völlig übertrieben um sie geschlungen hatte, lockerten sich. Ich musterte stumm erst ihn und dann Leas schönes Gesicht, wobei mir auffiel das ich schon wieder an meinem Piercing spielte, wie immer eigentlich, wenn mir jemand gefiel, das hatte ich mir irgendwie angewöhnt. //Na dann zeig mal was du kannst// dachte ich. Ein letztes mal blickte ich in ihr süßes Gesicht und sah wie sie aufmerksam dem Film zusah, dann legte ich ganz langsam und sanft meine Hand an ihre Hüfte. Das Beste war, das ihr T-Shirt ein Stück hoch gerutscht war und man nun freien Blick auf ihre zarte Haut hatte. Ich setzte die Spitze meines Zeigefingers so sanft ich konnte darauf und begann langsam kleine Kreise zu ziehen. Dabei blickte ich nun ununterbrochen in ihr Gesicht, schließlich wollte ich nicht den richtigen Moment verpassen! Wenn es gut lief würde ich sie ja vielleicht jetzt schon in einen Kuss verwickeln können. Jetzt passierte es, ich spürte ihren Blick, der an meinen Arm entlang wanderte und an meinem Gesicht hängen blieb. Hach wie ich meine Kaulitz-Augen doch liebte, ich merkte ständig wie nützlich sie doch waren! Ich erwiderte ihren Blick und versank fast in ihren ebenfalls unendlich schönen Augen. Wow, also wenn das nicht mal ein wunderhübsches Mädchen war! Ich spürte dass jetzt der richtige Zeitpunkt war und legte einen Arm um sie, wobei ich näher an sie heranrutschte. Na das war doch schon mal `ne ganz Gute Ausgangsposition! Ich atmete ihren angenehmen Duft ein und schloss einen Moment lang die Augen. Meine Güte, ich wette, das Bill sich gerade schwarz ärgerte hinter mir. Ein bisschen fies war ich ja schon, aber wenn ich nun mal die Mädels ins Bett kriegte und nicht er, pech gehabt! Ihre Hand legte sich an meine und drückte sie sanft ein Stück zur Seite. Unbefangen ergriff ich sie und schlang dabei meine Arme noch etwas enger um sie. Sie wehrte sich nicht und ich begann mit dem Daumen über ihren Zeigefinger zu streicheln, doch nun ließ sie meine Hand los um sich Ihr Pony aus dem Augen zu streichen, also schob ich meine kühlen Finger wieder an ihre Hüfte zurück. Ich war kurz davor meine Lippen an ihren Hals zu setzen, da setzte sie sich plötzlich auf. „Bill du musst mir uuunbedingt mal die Nägel machen!“ Das war jetzt nicht ihr Ernst oder? Hatte ich eigentlich schon mal erwähnt wie sehr ich meinen Zwilling manchmal verfluchte? //Bill wehe du-// „Ähm..“ //reiß dich zusammen!// „Komm mit, ich zeig dir mal was ich alles da hab!“ //BILL!// am liebsten hätte ich mich umgedreht und ihn erschlagen, aber Leider war er schon aufgestanden. Schweren Herzens ließ ich Lea also aufstehen und kurz darauf verschwand sie mit meinem kleinen Bruder in sein Zimmer. 41


Leas Sicht: Ich verschwand ins Bad und schloss die Tür hinter mir ab. Dann zog ich mir mein Shirt über den Kopf und legte es zur Seite. Mein Blick fiel in den Ganzkörperspiegel. Ob ich wohl eine Chance bei Bill hatte? Ich trat etwas näher an den Spiegel heran und schaute auf das Mädchen das ich darin sah. Mit meinen 1,66m hatte ich wohl Durchschnittsgröße, meine Beine waren lang und auch wenn ich mit meinen Oberschenkeln nicht 100%ig zufrieden war, boten sie doch einen schönen Übergang zu Hüfte und Taille. Ich drehte mich ein bisschen hin und her. Mein Po hatte die passende Größe zum Rest des Körpers und auch mein Busen war weder zu klein noch zu groß, „eine Schöne Hand voll“ eben, wie mein bester Kumpel gerne sagte, warum auch immer er das tat, aber das war ja jetzt auch egal. Ich legte die Hand auf meinen Bauch. Eigentlich war ich ja ganz froh mit meinem Körper, ich hatte eine schöne Taille, und einen relativ flachen Bauch. Ich war nicht dürr, wirklich nicht, aber ich hatte einfach ein gesundes Maß gefunden. Das lag vielleicht auch daran das ich laut meines BMI`s Idealgewicht hatte. Eigentlich komisch das ich im Moment so zufrieden mit mir war, normalerweise war ich da viel kritischer. Ich lief einen Schritt zur Seite und stellte mich vor das Waschbecken, über dem ein weiterer, kleinerer Spiegel hing. Zielstrebig griff ich nach der Haarbürste die wohl Bill gehören musste und kämmte meine relativ kurz geschnittenen Haare. „mal schauen was er so im Angebot hat..!“ murmelte ich vor mich hin, als ich auch schon das Kokoswachs in den Händen hielt. Lustig, er hatte anscheinend denselben Geschmack wie ich! Ich zog schnell mein Selbstdesigntes Kleidchen über und begann dann Meine Haare zu stylen. Nicht zu übertrieben, aber eben schon ein bisschen schick, so, wie ich es eben immer trug. Ich akzentuierte ein Paar einzelne Blonde Strähnchen und steckte die Haare an der Rechten Seite etwas hinters Ohr, wobei ich aber darauf achtete das vor dem Ohr noch eine lange schön geschwungene Strähne hing, welche perfekt mit meinem dort auslaufenden Pony harmonierte. Noch eben ein bisschen zurechtgezupft – Fertig! Als nächstes streifte ich die schon leicht durchgelaufene Hose von meinen schlanken Beinen (ein Glück, das Jahrelange tanzen hatte ja doch Vorteile gebracht!) und griff zielstrebig nach der Strumpfhose die Bill rausgesucht hatte. Bill hatte sie rausgesucht, wenn man darüber nachdachte dann, keine Ahnung, er war einfach irgendwie perfekt, er hatte die gleichen Interessen wie ich, war Modebewusst, Schlank, Gutaussehend, Talentiert, und einfach unglaublich süß, einfach zu schön um wahr zu sein, fast so wie einer von diesen Träumen, so wie man sich zum Beispiel vorstellte wie es sein würde wenn man mit seinem Superstar Zeit verbringen konnte. Ein grinsen legte sich auf mein Gesicht und mein Herz schlug ein bisschen schneller: Stimmt ja, er war ja gar nicht einfach Bill, sondern auch der Sänger von Tokio Hotel! Vor lauter Gefühlswirrwarr und neuen Eindrücken hatte ich das doch tatsächlich für einen Moment vergessen. Gedankenverloren zog ich zügig die schicke Strumpfhose über und rückte das Kleid zurecht, dann trat ich wieder vor den Spiegel. 42


Ich wusch mir mein Gesicht, vorsichtig, um meine Frisur dabei nicht wieder zu zerstören, und trocknete es mit dem flauschigen weißen Handtuch das neben mir hing wieder ab. Dann begann ich ein leichtes makeup aufzulegen, allerdings wirklich nur ganz leicht, da ich ja nicht aussehen wollte wie ein Püppchen oder ein zwölfjähriger Teenager der sich völlig überschminkte. Nach dem ich einen durchsichtigen, aber etwas glänzenden Lipgloss aufgetragen hatte wendete ich mich meinen Augen zu. Ich entschied mich für ein Dunkles, kräftiges Blau welches ich sparsam auftrug, dazu setzte ich ein bisschen schwarze Schminke die leicht schimmerte, so das es schon bald einer modernen Variante von Smoky eyes glich. Als ich fertig war betrachtete ich mich noch einmal peinlich genau im Spiegel. Es sollte wirklich alles perfekt passen, ich konnte mich unmöglich vor Bill blamieren! Meine Haare saßen relativ gut, meine Augen gefielen mir und die kleine Stupsnase passte hervorragend in mein Gesicht. Ich rückte mein Kleid noch ein wenig zurecht und ging dann an meine Tasche, um mein Shirt und die Hose von eben einzupacken und da ich ja zu diesem Outfit keine Chucks tragen konnte, fischte ich von weiter unten ein paar schicke schwarze Highheels. Ein glück das ich die noch dabei hatte! Ich legte noch den Schmuck den Bill mir geliehen hatte um und betrachtete mich dann schon das x-te Mal im Spiegel. Ich drehte mich auf meinen nicht allzu hohen Absätzen hin und her und befand mein Outfit schließlich für Perfekt, also nahm ich meine Tasche und ging durch den Flur zurück zu Bills Zimmer. Vor seiner Tür angekommen rückte ich noch mal sicherhaltshalber mein Kleid zurecht dann klopfte ich. „Kann ich reinkommen?“ fragte ich zur Sicherheit noch mal nach da ich ihn jetzt wirklich nicht beim Umziehen stören wollte oder ähnliches. Obwohl, ich hatte mir im Bad so viel Zeit gelassen das er wahrscheinlich eher zwischendurch eingeschlafen war als das er sich jetzt noch umzog. „Ja, klar!“ ertönte die Süße Stimme von drinnen, also öffnete ich zaghaft die Tür und trat hindurch. Hoffentlich würde es ihm gefallen! Er musterte mich von oben bis unten und blickte mich an als würden ihm gleich die Augen rausfallen. War das jetzt ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen? Ich wurde ein bisschen rot um die Nase und drehte mich ein bisschen hin und her, damit er mich einmal rundherum ankucken konnte. Bills Augen wurden immer größer. „Und, wie findest du`s“ nuschelte ich verlegen und schaute einmal auf mich herunter und dann wieder zu ihm. Doch warum reagierte er nicht? „Bill?“ hakte ich nach und er zuckte kurz zusammen und lief dann rot an „Was? Oh ja, ..ich find`s super!“ stammelte er und seine Gesichtsfarbe wurde noch Tomatenähnlicher. Ich lächelte glücklich und trat an ihn heran. „Du gefällst mir auch! ..Also.. deine Sachen mein ich ..!“ plapperte ich zusammen und fing dann an zu grinsen, wobei ich vermutlich auch gerade etwas Gesichtsfarbe annahm. „Ich sag mal eben Georg bescheid ja?“ meinte ich also um die entstehende Stille zu unterbrechen und er nickte. Ich drehte mich um und lief einmal quer durch den Flur und schließlich ins Wohnzimmer. „Georg?“ fragte ich, doch er schlief noch immer Seelenruhig. Tom hingegen blickte mich mit großen Augen an. „Wow, das sieht ja heiß aus!“ rutschte ihm raus und schon legte sich ein grinsen auf sein Gesicht. „Danke, ich will gleich mit Bill weggehen!“ erwiderte ich und plötzlich verzog sich sein grinsen und es sah nun mehr aus als würde er einfach seine Lippen zusammenpressen. Was war denn mit ihm los? Ich ging allerdings nicht weiter darauf ein sondern kniete mich nur aufs Sofa und lehnte mich vorsichtig über Georg und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Georg..“ sagte ich behutsam und rüttelte leicht an ihm. Tatsächlich öffnete er seine Augen und musterte mich einmal von oben bis unten. „Was gibt’s denn?“ fragte er müde und rieb sich zum wach werden einmal über die Augen. „Ich geh jetzt noch mal mit Bill weg okay? Kannst also weiter pennen, ich wollt`s dir nur sagen!“ ich lächelte mein unwiderstehlichstes Lächeln und blickte ihm mit einem Hundeblick an. „Mit Bill?“ Georg kratzte sich am Kopf, schien aber froh zu sein das ich nicht mit Tom wegwollte und fragte nur weiter „..wohin?“ Bill der im Türrahmen angelehnt stand antwortete für mich „Zu unserem Stammitaliener, essen!“ Die Augen meines Großen Bruders weiteten sich ein Stück. „Zu zweit? Bill was ist wenn die Pre- ähh wenn die 43


preee..digt in der Kirche ausfällt, dann.. gibt’s ja keine.. ähh..“ Oh ja, beinahe hätte er sich verplappert, und jetzt lief er rot an. „Die Predigt?“ Bill hatte es mitgekriegt, musste aber trotzdem grinsen. „Wie kommst du denn jetzt darauf? Du gehst doch gar nicht in die Kirche! Naja egal, wir gehen schon nicht umsonst zu unserem kleinen Stammitaliener, da haben wir wenigstens ein bisschen unsere Ruhe, weil ähh, alle anderen Restaurants hier rundrum sind ja wohl mehr so Fastfoodrestaurants!“ Ich blickte zwischen den Beiden hin- und her, da mischte sich Tom ein. „Ich hab auch hunger!“ sagte er und ich sah aus dem Augenwinkel wie Bill ihm einen tötenden Blick zuwarf. „Wir bringen dir was mit!“ knurrte der jüngere seinem Zwilling zu doch Tom ging nicht weiter darauf ein, sondern schüttelte nur den Kopf. „Zu dritt isses doch eh lustiger!“ warf er ein und setzte sich auf. Ich rollte mit den Augen, doch dann kam mir eine Idee. Würde ich eben ein bisschen Psychologie zusammen mit den Waffen einer Frau verwenden. Ich setzte mich flink mit dem Blick zu ihm gerichtet auf seinen Schoß, so das ein Bein links von seinen, und eins rechts davon lag und legte die Arme um seinen Hals. „Wir führen da eh nur Frauengespräche über Nagellack und so, das interessiert dich bestimmt nicht, aber wir können ja danach noch was zu dritt machen!“ hauchte ich mit meinen Lippen nur wenige Zentimeter vor seinen und blickte im dabei tief in die Augen. Wie erwartet gab er sich geschlagen. „Okey, aber.. dann beeilt euch!“ nuschelte er und kam mit seinem Gesicht langsam näher. „Okay, machen wir, viel spaß noch!“ meinte ich und sprang von seinem Schoß auf und auf Bill zu, so das Tom nur noch verdattert hinter mir herkuckte. „Lea?“ rief Georg noch einmal und ich drehte mich um. Er seufzte. „Viel Spaß, und bleibt nicht zu lange Weg! ..Bill? Wehe du passt nicht auf sie auf!“ „Danke!“ ich grinste ihn an und der Schwarzhaarige neben mir nickte nur „Keine Sorge, ich lass sie nicht aus den Augen!“ wir traten in den Flur und während ich mir meine Jacke anzog grinste Bill mich nur breit an. „Das war fies!“ sagte er auf die Sache mit Tom bezogen. „..einfach nur Taktisch ausgereift!“ berichtigte ich ihn und wir verließen grinsend das Haus und stiegen draußen ins Auto. Nach ein paar Minuten fahrt hatten wir das kleine gemütliche Restaurant erreicht und uns einen Tisch ganz hinten in der Ecke gesucht. Eine langstielige Kerze brannte und warf ein schönes romantisches Licht. Nachdem wir uns etwas zu essen ausgesucht und die Karten beiseite gelegt hatten trafen sich unsere Blicke und schon wieder versank ich total in seinen Augen. „Schön hier!“ nuschelte ich also und blickte mich schnell einmal im ganzen Restaurant um.

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Georgs Sicht: Kaum waren Lea und Bill weg, wandte ich mich auch schon an Tom. "Alter, kannst du mal mir mal bitte erklären, was DAS sollte?", meinte ich angespannt und versuchte nicht laut zu werden, ich wollte nicht unbedingt das Lea das hörte, vor allem weil Tom früher oder später mit fäkalen Ausdrücken um sich schmeißen würde. "Die Alte ist heiß, man", meinte der Junge neben mir lässig "Bitte?! 'Die Alte' ist meine Schwester, Tom! Haste gelitten oder was?" "Ey, reg dich ab. Du bist ja voll das Muttertier." "Du bemutterst deinen Alten aber auch" "Meinen Alten?", Tom schmunzelte. "Du meinst doch nicht Bill oder?", er fing an zu lachen "Mmmmein..meinen Al..Alten..haha", er hielt sich den Bauch "Ist ja gut jetzt. Aber wir wissen beide, dass du keine Zeit für eine Beziehung hast." "Aber Bill, oder was" Grimmig schaute er mich an. "Nein, ich will auch nicht das Bill sich Lea krallt..." "Wieso sitzt du dann hier so ruhig, Bill könnte sich oben schon lang an ihr vergangen haben" "Hat er aber nicht", antwortete ich ruhig. Tom zog seine Augenbraue hoch. "Und außerdem, Tom. Du willst eh keine Beziehung, du willst dich nicht festlegen. Das ist vollkommen okay so, aber dann schmeiß dich nicht an meine Schwester ran." "Halb-Schwester." "Ist doch egal..." "Ja und.. Kann dir doch egal sein, ob ich sie länger als eine Nacht will oder nicht." "Ich will nicht das du sie verletzt" "Vielleicht will sie ja auch nur.." "Schluss jetzt!", unterbrach ich ihn. "Georg, alter Freund. Du hast selbst eine Freundin neben der Karriere, willst du mir das vorenthalten?" "Nein, aber ich will, dass du dir erst mal bewusst wirst, was das bedeutet. Du musst immer für sie da sein, musst bereit sein, alles aufzugeben, wenn sich die Lage ändert. Darfst nur sie haben, keine andere - Egal ob deine Freundin davon wissen wird oder nicht. Du hast Verantwortung." "Tzzz, Verantwortung, das sagt genau der Richtige." "Ey, Tom. Ich will dir nichts schlechtes, aber stell dir mal vor, du würdest ein Mädchen kennen, das sich an Bill ran schmeißt. Und du wüsstest auch, dass das Mädchen einen Ruf als extreme Schlampe hat..." Er unterbrach mich "Ich bin keine Schlampe!!! Bill und ich sind Zwillinge und überhaupt...." "Nein, Tom. Hör mir zu. Würdest du das Mädchen an Bill ranlassen, selbst wenn du die Vorahnung hättest, dass sie Bill benutzen will? Würdest du Bill das antun?" "Du weißt was ich von Lea will." "Ich weiß was du sagst, was du von Lea willst.", verbesserte ich ihn. Er brummte. "Verstehst du was ich meine?" Wieder nur ein Brummen. "Man, Tom. Es gibt so viele Weiber da draußen die alles tun würden um in die Wohnung zu kommen. Nimm doch eine von denen..." Ich flüsterte "Aber nicht Lea." Stille. Nach einer Weile antwortete Tom mir dann doch: "Na gut. ABER! Wenn von ihr aus was kommt, darf ich ran und wenn du mir das verbietest, dann musst du's Bill auch verbieten!" Ich grinste, das war so typisch Bill und Tom, dass es schon fast wieder untypisch war, weil es IMMER stimmte. "Ja, klar Tom. Wenn sie sich vor dir strippt kann ich nichts dagegen tun, dann darfst du. Ansonsten gelten für Bill die gleichen Regeln, ist doch logisch." Ich klopfte ihm auf die Schulter. Wenig später war ich eingeschlafen und wurde erst wieder durch Leas Stimme geweckt. 45


„Georg..“ Sie versuchte mich sanft aufzuwecken - wie süß. Ganz vorsichtig und verschlafen fing ich an zu versuchen, meine Augen zu öffnen. „Was gibt’s denn?“ „Ich geh jetzt noch mal mit Bill weg okay? Kannst also weiter pennen, ich wollt's dir nur sagen!“ Sie lächelte mich ganz scheinheilig und flehend an. Sie sah atemberaubend schön aus. Wenn ich keine Freundin gehabt hätte... Sie hätte wahrscheinlich 3 Verehrer. //Was denkst du überhaupt für ne Scheiße//, ermahnte ich mich. Ich konnte Tom irgendwie ein ganz klein wenig verstehen. Dann dachte ich über das Gesagte nach. //Lea und Bill? Alleine? Gerade hieß es noch, Lea geht mit nirgend wem irgendwas machen. Ausnahme?// „Mit Bill?“ //Zumindest nicht mit Tom.// dachte ich missmutig. „..wohin?“ „Zu unserem Stammitaliener, essen!“, antwortete Bill lässig, der im Türrahmen stand und ebenso schick angezogen war. Nicht fein, aber schick und unauffällig natürlich. War Bill wahnsinnig geworden? Ohne Bodyguards? Er achtete doch sonst immer darauf, dass die Presse nicht mitbekam. Und natürlich auf Sicherheit „Zu zweit? Bill was ist wenn die Pre- ähh wenn die preee..digt in der Kirche ausfällt, dann.. gibt’s ja keine.. ähh..“ , versuchte ich ihn davon abzubringen, was sowieso unmöglich war. Aber mit so einem Rumstottern wurden meine Chancen auch nicht höher. Ich spürte wie ich warm im Gesicht wurde. Peinlich, peinlich. Und dann auch noch vor meiner wunderhübschen, attraktiven, kleinen Schwester... Peinlich... //Wenn jetzt jemand darauf eingeht, dann...// „Die Predigt?“ //Bill würde ich bei nächster Gelegenheit umbringen. Da muss mich jemand dran erinnern. Bill ist praktisch schon tot. Und zwar schneller als er Monsun singen kann//, dachte ich knurrend. Als ob er sich seinen Tod noch schneller herbei wünschte, schob er noch hinterher: „Wie kommst du denn jetzt darauf? Du gehst doch gar nicht in die Kirche! Naja egal, wir gehen schon nicht umsonst zu unserem kleinen Stammitaliener, da haben wir wenigstens ein bisschen unsere Ruhe, weil ähh, alle anderen Restaurants hier rundrum sind ja wohl mehr so Fastfoodrestaurants!“ „Ich hab auch Hunger!“, mischte sich Tom plötzlich ein. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Einerseits war es ja gut, wenn Tom mitging, weil sein Bruder dann nicht alleine mit Lea war und es wohl weniger Gelegenheiten geben würde, in denen sich Bill an meine Schwester ranschmiss. Andererseits, wenn Tom dabei wäre... Ich wollte gar nicht daran denken. Zum Einen würde das Ganze hundertprozentig in einer Streiterei wenn nicht sogar in einer Prügelei zwischen den Zwillingen enden und ich hatte keine Lust, die beiden später bei der Polizei einsammeln zu müssen, das hatten wir schon mal gehabt und dann war da natürlich noch, dass Tom keine Gelegenheit ausließ, um Lea so nah wie nur irgendwie möglich zu kommen. Ich vertraute seinem Versprechen nicht ganz. Umso erleichterter war ich als Bill das säuerlich ablehnte: „Wir bringen dir was mit" „Zu dritt isses doch eh lustiger!“, konterte Tom. Mit großen Augen musste ich zusehen, wie MEINE Lea sich Arsch wackelnd zu Tom begab , sich breitbeinig auf seinen Schoss setzte und ihn verführerisch ansah. Ich dachte ich seh nicht richtig MEINE Lea... Wollte die jetzt vor Bill und mir mit Tom rummachen oder was?! Ich wollte gar nicht hinschauen. Dann hauchte sie: „Wir führen da eh nur Frauengespräche über Nagellack und so, das interessiert dich bestimmt nicht, aber wir können ja danach noch was zu dritt machen!“ Tom schaute sie an, als wolle er sie gleich auffressen. Er hatte diesen gierigen Blick, den ich nur allzu gut kannte... Leider. Zumindest erbarmte er sich, halbwegs vernünftig zu antworten:„Okey, aber.. dann beeilt euch!“ Für einen Moment sah es aus, als würden sie sich küssen. Ich machte mich auf alles gefasst, als sie plötzlich aufsprang und sich an Bill wendete. „Okay, machen wir, viel Spaß noch!“ „Lea?“, rief ich. „Viel Spaß, und bleibt nicht zu lange Weg! ..Bill? Wehe du passt nicht auf sie auf!“ „Keine Sorge, ich lass sie nicht aus den Augen!“ , versprach mir Bill, während Tom mich nur ungläubig anstarrte. Als die beiden im Flur waren, fauchte Tom: "Ich dachte, wir hatten eine Abmachung." Seine Augen waren zu Schlitzen geformt. Ich zuckte die Schultern. "Ich halte sie ein." Tom schnaubte und wandte sich dem Fernseher zu.

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Bills Sicht: Der Abend würde bestimmt total schön werden. Ich freute mich innerlich wie ein Schnitzel in der Pfanne, als ich daran dachte, wie ich alleine mit Lea im Kerzenschein saß und wir lecker aßen. Und genau saßen wir jetzt wenig später da. Eine rote Kerze spendete uns ein wenig Licht, sodass wir die Speisekarte gerade noch lesen konnten. Der Laden war klein, aber fein, wie man so schön sagt. Er was perfekt für uns beide. In rot gehalten, rustikal und gemütlich eingerichtet und die Preise waren auch in Ordnung, obwohl ich mir darum ja eh keine Sorgen machen musste. Ich nahm immer das gleiche hier. Eine Pizza Margherita. Früher hätte ich Hawaii genommen, aber seitdem Tom und ich dieses Vegetarier-da-sein angefangen hatten, musste ich mich mit einer Pizza Margherita zufrieden geben. Ich schlug die Karte zu. "Was willst du denn trinken?", fragte ich beiläufig. Ich wusste noch nicht einmal wie alt sie war, dementsprechend wusste ich nicht ob sie überhaupt schon Alkohol trinken durfte. Beziehungsweise, über 16 war sie auf jeden Fall, ich wusste nur nicht welchen Alkohol sie schon trinken durfte. "Ich hätte Lust auf einen Wein", meinte sie dann leicht provokant und grinste mich an. Ich seufzte. War es eine Beleidigung zu fragen, ob sie das überhaupt schon durfte? "Ich hab Georg versprochen auf dich aufzupassen." "Ist ja gut, ich mag eh keinen Wein, nur Fruchtwein", sie lächelte. "Können wir einen Pflaumenwein nehmen, Bill?" Ich zögerte, eigentlich war es ja kein Ding, sie durfte Wein trinken und Pflaumenwein war ja sowieso kein richtiger Wein, wie ich fand. Wo war also das Problem? Ich nickte. Wir bestellten also den Wein, der dann auch kam. "Danke Bill", hauchte Lea plötzlich. Ich war verwirrt "Kein Ding. Danke, dass ich diesen unvergesslichen Abend mit dir erleben darf" Stille. Ich wusste kaum etwas über Lea, weder ihr Alter, noch ihre Interessen, ihre Ausbildung oder irgendetwas anderes über ihr Leben. Genauso wenig wusste sie über mich. "Bill..." "Lea...", fingen wir gleichzeitig an. Ich lachte leise. "Ladys first" "Nee, fang du ruhig an!" sagte sie in ihrer üblichen leisen Tonlage und schaute mich interessiert lächelnd an. "Ähm.." //scheiße Bill, hättest dir ja ruhig auch mal vorher überlegen können was du ihr jetzt sagst!// Das war wieder mal Typisch für mich, ich hatte ein Talent für solche Sachen. "Hast du eigentlich auch noch andere Geschwister?" war das erste was mir einfiel, und da ich nicht noch länger überlegen wollte sprach ich es auch sofort aus. "Nein, nur Georg. Aber ich hab mir immer einen großen Bruder gewünscht, passt also super.." sie grinste ihr übliches grinsen und riss mich damit wie schon den ganzen Tag lang, sofort in ihren Bann. "Ja, mit Georg hast die da auch ne ganz gute Partie gemacht, er ist ja jetzt schon total beschützerisch." "Ich weiß, das finde ich super, wir haben uns von Anfang an so gut verstanden. Zuerst hatte ich ja riesenangst das mein großer Bruder irgendwie so`n riesen Nerd sein würde oder mich nicht leiden könnte oder so, aber zum Glück ist das ja nicht so, er stellt mich ja sogar schon seinen Freunden vor.." Sie zwinkerte mir Keck zu und strich sich eine nach vorne gefallene 47


Haarsträhne aus dem Gesicht. "..und.. wie findest du seine Freunde so?" Hatte ich das gerade gesagt? //Super Bill, jetzt hält sie dich für so`n verklemmten Freak der sich den ganzen Tag Pornos im Internet reinzieht und Zwölfjährige Mädchen nach Sextreffen fragt..// warf ich mir an den Kopf und musste feststellen das ich wohl langsam völlig am Rad drehte, während sie nur ein bisschen Rot um ihr hübsches Stupsnässchen wurde. "Nett, so wie ich euch bis jetzt kennen gelernt habe.. Tom ist ein bisschen.. naja.. sagen wir.. stürmisch.. Aber er ist glaube ich ein echt lieber Kerl wenn man ihn richtig kennt.. Und du.. ja du.. Du hörst Nena und trägst Nagellack!" Meine Augen weiteten sich, okey, also war ich in ihren Augen kein Pädophiler Freak sondern eine Schwule Transe, Super! "..das find ich Super!" sprach sie dann jedoch weiter und ich atmete hörbar auf. "Ich finds klasse das du nicht so angepasst bist, gut aussehen tust du auch und wir sind auf einer Wellenlänge, ist doch spitze!" Sie klang fast ein bisschen schwärmerisch und ich fühlte mich echt geschmeichelt. "Danke, kann ich nur wiedergeben.." Gerade als sie sich bedanken wollte, kam unser Essen auch schon. Mit großen Augen sah sie die riesige Lasagne an. "Das schaff ich aber nicht alles...", murmelte sie. "Ach, das hab ich wohl vergessen zu sagen, hier gibt's immer riesige Portionen..." Ich grinste. "Na dann... Guten Appetit..", meinte sie nur. "Ja, dir auch" Und schon fing ich an die Pizza zu schneiden. Hier aß zwar niemand mit den Fingern, aber das war mir relativ egal, Pizza war dazu da, um sie mit den Fingern zu essen. Also nahm ich die Scheibe in die Hand und aß sie genießerisch. Auch Lea schien das Essen zu schmecken. "Und was machst du so?", fragte sie mich. Ich überlegte. Was machte ich denn so, außer berühmt sein? "Ähm... Ich.. Ich arbeite in einem Musikgeschäft hier in Hamburg. Is so ein Laden für Musikinstrumente... Und du?" "Ich geh noch zur Schule, leider." Ich grinste, Schule war wohl nicht so ihr Ding. "Auf welche gehst du denn? Ich hab ja auch mal in Magdeburg gewohnt... Also bei Magdeburg." "Das Werner-vonSiemens-Gymnasium" Ich nickte. Den Namen hatte ich schon mal gehört aber ich konnte ihn keinem Gebäude zuordnen. "Und was sind so deine Lieblingsfächer?", versuchte ich den Smalltalk weiter zu führen. Sie sah mich überrascht an "Bill, du willst doch jetzt nicht ernsthaft mit mir über Schule reden?" "Warum nicht?", ich zuckte mit den Schultern. Sie schmunzelte: "Wie lange bist du schon mit der Schule fertig?" Ich schluckte. "Wie meinst du das?" "Wie lange hast du schon einen Abschluss, beziehungsweise wie lange ist es her, dass du zur Schule gegangen bist und das ganze live miterlebt hast" "Na hör mal... So alt bin ich dann doch wieder nicht... 2 Jahre habe ich jetzt schon meinen Abschluss. Falls du dir errechnen willst, wie alt ich bin, helfe ich dir: 20." Sie sah mich mit großen Augen an. Sie hatte wunderschöne Augen. "20? Ich bin... 18." Sie lächelte. Ich zog eine Augenbraue hoch. "18? Du bist also schon 18? Dann hast du ja jetzt bald Abitur oder?" Sie wäre bei mir zwar locker als 18 durchgegangen, aber mir war gerade wieder eingefallen, dass Tom und ich uns ja schon errechnet hatten, wie alt sie war. Ist schon blöd, wenn der große Bruder Rundmails mit irgendwelchen erbärmlichen Witzen herumschickt und man die Mail-Adressen von allen anderen sieht. Noch besser wird's, wenn man eine Email-Adresse hat, die ungefähr so aussieht Lea.Mausi1994 @ ********.** Die beiden hatten es uns einfach zu leicht gemacht. Ich grinste, auch wenn wir uns nicht mit so Technik-Kram auskannten, wir waren schlaue Bürschchen. Ich schaute wieder zu Lea, die leicht rot war. "Naja, also...", sie stockte. Ich hätte jetzt auch einfach sagen können 'Du bist noch keine 18, oder?' aber ich tat wiedermal auf naiv und war gespannt, was sie sich so einfallen lassen würde. "Ich bin noch nicht ganz 18, also bald bin ich 18." Gespielt überrascht fragte ich:"Also bist du erst 17.. Normalerweise gebe ich mich ja nicht mit so jungen Mädchen ab" Sie schüttelte den Kopf "16" meinte sie leise, als ob sie es mehr für sich als für mich gesagt hatte. Ich tat geschockt: "16? Um Himmels Willen!" Sie sah mich beschämt an. "Sind ja nur 4 Jahre", murmelte sie hoffnungslos. Dieses Date war zwar bis jetzt nicht so wirklich romantisch unsererseits gewesen, aber das würde noch kommen, da war ich mir sicher. Um das romantische in ihr wachzubekommen, nahm ich ihre Hand, die auf der roten Tischdecke lag in meine:"Hey, Lea." Ich ließ ihre Hand kurz los um 48


ihr Kinn zu heben. "Was sind schon irgendwelche Zahlen? Es sind einfach nur Zeichen, die irgendwas beschreiben. Aber dich", ich sah ihr direkt in die Augen. "Dich kann man nicht beschreiben mit solchen Zeichen. Weder mit Buchstaben noch mit Zahlen. Jedes Wort wäre eine Beleidigung." Sie wurde rot "Wow", meinte sie nur. Es war kaum zu übersehen, dass ich verliebt war. Ich machte auch kein Geheimnis draus, solange ich mich nicht so billig wie Tom benahm, sollte Georg sich nicht aufregen. Er war ja selbst verliebt in seine Freundin. Ich verdrängte ihn. Ich verdrängte Tom. Alles was hier zählte waren Lea und ich. Ich und Lea. Lea und ich. Lea Kaulitz. // Bist du jetzt völlig übergeschnappt?! Bill!!! Du drehst voll am Rad!//, meldete sich mein besserwisserischer Gehirnteil. Auch ihn verdrängte ich. "Du... Ich finde dich auch sehr... attraktiv", meinte Lea schüchtern und schaute ihre Hände an. Ich musste zugeben, dass mein Selbstbewusstsein durch so was durchaus steigen konnte. Und das tat es auch. "Dankeschön", hauchte ich und hoffte inständig, dass sie das ernst meinte und nicht nur als Norm, an die man sich halten musste empfand. Die Pizza hatte ich mittlerweile fertig gegessen und auch Lea schien satt zu sein. Die halbe Portion Lasagne stand noch vor ihr. "Willst du noch einen Nachtisch?", fragte ich Lea, als unsere Teller abräumte. Sie hielt sich ihren nicht vorhandenen Bauch. "Ich bin sooo voll, Bill" Der Kellner grinste uns an: "Es gibt einen neuen Eisbecher auf unserer Karte", verschwörerisch schaute er mich an. //Eis ist immer gut//, dachte ich und fragte nach. "Ist ein Pärchen-Eisbecher 'Ti amo' " Lea und ich wurden rot. Sie fing an zu stottern:"Wir.. Wir sind nur.. Freunde... Und außerdem bin ich satt" sie klang schon fast ein wenig... patzig. Im gleichen Moment hatte ich angesetzt:"Ja, den nehmen wir" Grinsend sah uns der Italiener an: "Also ich denke... ihr beide sehr schönes Paar zusammen. Und für Eis immer Platz. Rutsch runter. Plumps und weg!", er hatte ein breites Lächeln. Zögerlich nickte Lea. Ich sah sie besorgt an:"Aber du musst nicht mehr essen als du kannst" Wenn sie hier im Restaurant platzte, wäre ich tot, Georg würde mir zu erst Toms Klamotten anziehen und mich dann nicht sehr würdevoll sterben lassen. Wenn ich starb, dann wollte ich unbedingt meine Klamotten anhaben und wenn schon nicht meine, auf jeden Fall nicht Toms, ein würdevoller Abgang war doch nicht zu viel verlangt oder? Das musste ich gleich in mein Testament mit ein beziehen. Ach halt, ich hatte ja noch gar keins! //Schluss jetzt//, dachte ich. Lea hatte mittlerweile versichert, dass sie nur soviel essen würde, wie sie konnte und damit was 'Ti amo' bestellt. Als er an den Tisch kam, der Eisbecher, dachte ich, ich würde vor Scham im Boden versinken. //Man er heißt nicht umsonst 'Ti amo' du Horst//, dachte ich mir. Aber wer dachte denn schon bei so einem unschuldigen Namen an einen XXL-Eisbecher, mit Herzchen-Stiel, Herzchen-Löffeln, Herzchen-Fähnchen, ... Sogar die rote Soße auf dem Vanilleeis war herzförmig aufgespritzt worden. Na, HERZlichen Dank. Langsam nahm ich den einen Löffel in die Hand. Lea tat das selbe mit dem anderen. "Ihr euch füttern müsst", meinte der Kellner und ich starrte ihn nur ungläubig an. Er wollte doch nicht ernsthaft, dass Lea und ich uns fütterten?! Also so dicke waren wir ja auch noch nicht. Wir wollten uns einen schönen Abend machen und uns näher kennenlernen und nicht so ein kitschiges Eis verfüttern. //Du hast es dir ausgesucht//, schoss es mir durch den Kopf. Da musste ich wohl durch. Also auf in den Kampf, in dem sich Lea und Bill mit Liebeseis bekleckern!

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Leas Sicht: Der Kellner verschwand wieder nach hinten und ich musterte den riesigen Eisbecher. „Der ist ..krass.“ bemerkte ich. „Ja ich wusste ja nicht das-“ Ich legte meinen Zeigefinger sanft auf seine wie ich feststellte traumhaft weichen Lippen und brachte ihn so zum schweigen. „Du musst dich nicht entschuldigen!“ sagte ich und griff nach dem Löffel. „Mhhhn..“ machte ich als ich mir den ersten bissen auf der Zunge zergehen gelassen hatte und Bill stimmte mit einem kleinen lächeln zu. Nach etwa fünf Minuten legte ich den Löffel beiseite und legte die Hand auf meinen Bauch. „Boaaah ich krieg nichts mehr runter!“ stöhnte ich und ließ mich an die Rückbank fallen. Bill grinste mich breit an. „Was?“ fragte ich ihn doch er richtete sich nur wieder dem Eis zu und spachtelte noch schnell ein paar bissen in seinen Mund, ehe er den restlichen Becher ein Stück über den Tisch nach hinten schob und den Löffel weglegte. „Soo.. Satt!“ war alles was er sagte. „Wollen-“ fing er dann an, doch in diesem Moment kam der Kellner von eben wieder und schwenkte über uns einen Mistelzweig umher. „Müsse küsse unter die Zweige!“ grinste er in gebrochenem Deutsch und blickte uns abwartend an. „Ehm, das ist aber schon unsere Sache ja..“ meinte Bill leicht empört doch ich grinste nur. Der Mann war Italiener, der würde nicht aufgeben! Ich hatte eine Italienische Freundin und die war genauso. „Müsse geben eine Kuss fur die Junge Lady!“ freute sich der Kellner erneut und wackelte, um seinen Satz zu verstärken, noch ein wenig mit dem künstlichen Plastikmistelzweig umher. „Lass gut sein der gibt nicht auf!“ sprach ich nun endlich meinen Gedanken aus und drückte Bill dann einen ganz sanften kleinen Kuss auf die Wange. Augenblicklich lief er rot an während der schwarzhaarige Kellner sich nur weiter freute. „Sehr schön, sie beide schönes Paar, schönes Paar!“ Er klatschte in die Hände und wollte sich dann abwenden doch Bill rief ihn zurück „Wir würden dann jetzt auch gerne bezahlen!“ Der Italiener drehte sich zurück, griff nach dem Eisbecher und nickte. Er brachte den nur Halbleeren Becher weg und kam wenig später mit einer schwarzen Geldbörse und einem Umschlag wieder. Bill öffnete den Umschlag, sah kurz auf den Preis und steckte dem Italiener dann einen Fünfzigeuroschein zu und mit einem „Stimmt so.“ stand er auf und gab mir, ganz der Gentlemen, meine Jacke, bevor er seine Anzog. Der Kellner bedankte sich und wünschte uns noch einen schönen Abend bevor er hinter seinen Tresen verschwand. Ich bewegte mich auf die Tür zu, dicht gefolgt von Bill. Nach etwa einer Viertelstunde waren wir wieder bei ihm daheim angekommen. Vor der Tür griff ich nach seiner Hand und zog ihn kurz zurück. „Danke!“ formte ich wortlos und lächelte ihn an. Ohne nachzudenken legte er seine Arme um mich und zog mich schüchtern ein Stück an sich. Ich schlang ebenfalls meine dünnen Ärmchen um ihn und wir drückten uns. „Danke dir!“ nuschelte er ganz nah an meinem Ohr, so dass mir einfach nur noch total kalt wurde. Wir lösten uns wieder voneinander und gingen nach drinnen wo uns auch schon Georg und Tom erwarteten. Georg sah mehr als erleichtert aus, dass ich noch lebte und glücklich aussah. Nur 50


Tom schaute grimmig drein. Er würdigte mich keines Blickes. Was hatte ich ihm denn bitte getan? Ich war nun mal keine billige Schlampe, was war daran denn bitteschön so falsch? Aber bitte, ich war nicht auf ihn angewiesen, ich hatte ja jetzt Bill. Ich erschrak über meine Gedanken. Ich hatte Bill? Was sollte das denn schon wieder? Die Unruhe in meinem Bauch wurde wohl doch nicht etwa von kleinen Babyraupen ausgelöst, oder?! Bill und Georg redeten gerade über das Essen beim Italiener. Irgendwann wandte sich Tom an mich, weil er wahrscheinlich selbst einsah, wie dämlich die ganze Situation gerade war. "Und habt ihr Spaß gehabt?", fragte er gelangweilt und verletzt. Ich nickte und inspizierte wieder einmal meine Fingernägel. Er schnaubte "Habt ihr euch schön rum geleckt und..." Bill unterbrach ihn:"Tom! Lass den Scheiß." Er sprach beherrscht aber doch bestimmt, wandte sich dann aber wieder Georg zu. "Tzzz", meinte Tom nur. "Was ist denn los?" ich war selbst überrascht, dass ich so direkt fragen konnte. "Was los ist?", er funkelte mich an. "Vielleicht das du mich erst heiß machst und es dann vorziehst meinen Bruder zu..." Ich unterbrach ihn, ich wollte gar nicht hören, was er noch sagen wollte. "Hey, Tom. Ich mag euch beide. Was ist denn so schlimm mit einem Freund mal Essen zu gehen?" "Vielleicht, dass Bill das nicht ohne Hintergedanken gemacht hat?" Bill schaltete sich wieder ein:"Ich kann auch gut für mich selbst reden" "Tom, was ist denn los? Wieso bist du auf einmal so... kalt zu mir?" "Ähm.. Ich habs dir grad versucht zu erklären, Lea..." Er wirkte immer abweisender, irgendwas lief hier gewaltig schief. Ich versuchte es ein wenig aufzulockern:" Ich weiß ja selbst, wie toll ich doch bin, aber das du es nicht mal ein paar Stunden ohne mich aushältst... Also ich muss schon sagen..." Ich erwartete ein Schnauben von Tom oder einen Spruch wie 'Das hättest du wohl gerne' aber er blieb still. "Tom?" "Ja verdammt!" "Hey, ich hab dir nichts getan..." "Du bist mit meinem Bruder statt mit mir ausgegangen, reicht das nicht?!", schrie er. Ich saß wie erstarrt da. War keine Antwort auch ein Ja? Wenn dem so war, deutete ich seine nicht vorhandene Reaktion von vorhin einfach mal als Ja. "Tom, ich glaub wir sollten reden." Ich stand auf und nahm den Kerl am Arm. Verdutzt guckte er mich an, folgte dann aber doch bereitwillig. Brav. Im Flur angekommen blickte ich ihn an. „Können wir in dein Zimmer gehen?“ fragte ich da ich ja nicht wusste hinter welchem der vielen Türen sich sein Zimmer versteckte. Er nickte, und stampfte voraus. Am ende des Ganges öffnete er seine Tür, trat stumm hindurch und stellte ein gedimmtes angenehmes Licht ein. Ich folgte ihm und schloss die Tür hinter mir. Er stand etwas unbeholfen vor mir und wusste nicht wo er hinschauen sollte, doch sein Blick war kalt und verletzt. „Tom..“ flüsterte ich fast, so das es klang wie ein flehen. „Was?“ Er klang gereizt. Oh man, warum in aller Welt konnten Männer einfach nicht mit ihren Gefühlen umgehen? ..GEFÜHLEN? Ehm.. ach erstmal schauen was das Gespräch wohl bringen würde. „Das wollte ich eigentlich gerade dich fragen!“ sagte ich sanft und probierte leicht zu lächeln um ihn etwas zu erweichen. Tatsächlich wurde sein Blick etwas heller, dafür aber auch gleich doppelt so verletzt. „ Das ist halt scheiße wenn man so sitzen gelassen wird..!“ fing er an und fuchtelte hilflos mit seinen dünnen Ärmchen in der Luft rum. „Tom.. ich.. wir waren doch nur was essen!“ setzte ich an, obwohl uns beiden klar war das es eben nicht NUR essen war, auch wenn natürlich nichts passiert war. „Küsst er denn wenigstens gut?“ pampig schmiss Tom sein Cappie von einer Kommode. „TOM!“ platzte es lauter als beabsichtigt aus mir heraus und er zuckte zusammen. Was dachte der denn von mir? Diesen Gedanken sprach ich auch aus: „Sag mal was denkst du denn eigentlich von mir? Ich kenne ihn doch noch gar nicht richtig, ich bin nicht einfach mal so für eine Nacht zu haben!“ „Du.. ich.. was hat Bill denn was ich nicht habe?“ nun blickte er mir direkt in die Augen. „Er.. du.. warum denkst du denn überhaupt das.. Tom!“ ich brachte keinen ordentlichen Satz zustande, wir waren doch nur etwas essen gewesen! „Als wir noch auf dem Sofa lagen sahst du nicht so aus als wärst du so sonderlich interessiert an Bill gewesen..!“ „Du hast mich ja auch total überrumpelt! Hättest du mal ein bisschen aufgepasst hättest du vielleicht auch gemerkt das ich nicht darauf eingegangen bin!“ Rums, das hatte gesessen. Mit großen Augen blickte er mich an. In mir zog sich etwas zusammen, eigentlich hatte ich nicht so gemein sein wollen, ich mochte ihn 51


schließlich! „Du wolltest es, zumindest ein bisschen, du hast mich angekuckt wie.. wie..“ Er wusste nicht wie er weiter sprechen sollte und sackte ein wenig in sich zusammen. „Tom ich-“ „Nein, geh.. geh wieder zu Bill!“ er wurde noch kleiner doch seine Stimme klang fest. Ich konnte ihn so nicht sehen, dafür war ich einfach zu gutmütig. Hey warum machte ich mir überhaupt solche Gedanken? Naja egal, ich lief auf ihn zu und blieb vor ihm unschlüssig stehen, dann umarmte ich ihn. Dankbar schlang er seine muskulösen Arme um mich und seufzte auf, während ich mich einfach nur noch schlecht fühlte. Also entweder er war ein verdammt guter Schauspieler, oder ich war ihm wirklich nicht egal! „Du zitterst ja..!“ murmelte ich besorgt und fing an ihm gaaanz vorsichtig über den Rücken zu streicheln, fast so als hätte ich Angst ihm dabei schmerzen zuzufügen. Doch plötzlich schwang die Stimmung um, seine Arme wurden fester und sein Zittern hörte auf, dann zog er seinen Kopf ein Stück zurück und blickte mich mit glänzenden Augen an. Oh nein, das würde garantiert nicht gut ausgehen! Seine Lippen waren leicht geöffnet und er blickte mich kurz abschätzend an. Ich sah in seine wunderschönen braunen Seelenspiegel die durch das leichte glänzen noch unwiderstehlicher waren. Dann spürte ich plötzlich seine Hände auf meinem Po und ehe ich mich versah hatte er auch schon seine Lippen auf meine gedrückt. Oh nein das passierte doch jetzt nicht wirklich oder? Geschockt riss ich die Augen auf und registrierte das er seine geschlossen hatte. Er hob mich leicht an, drückte mich an sich, lief ein paar kleine Schritte und ließ sich dann mit mir auf das Bett fallen. Vor lauter Schreck wusste ich überhaupt nicht wie mir geschah, als er nun auch noch anfing seine Lippen auf meinen zu bewegen. Als ich spürte wie seine Zunge gegen meine Lippe stupste schaltete sich mein Verstand allerdings endlich wieder ein. Geschockt drehte ich den Kopf weg. „TOM!“ Unschuldig blickte er auf mich hinab und biss auf sein Piercing. „Ich.. nur einen Kuss ..bitte..!“ Was sollte ich denn jetzt tun? Ich wollte ihn nicht, ich fand doch Bill süß und nicht seinen Bruder. Doch sollte ich ihm das jetzt so sagen? Das ging einfach nicht! „Tom.. ich bin nicht der Typ Mädchen für-“ Noch immer lag er auf mir und nun streichelte er leicht über meine Wange. „Ich weiß!“ unterbrach er mich. „..aber jetzt haben wir uns doch eh schon geküsst.. Es ist doch nur einmal!“ Was erwartete er denn von mir? Ich war doch in Bi- Moment.. ich war in Bill verliebt? War ich das denn wirklich? Ja, na gut, war ich, das musste ich mir wohl eingestehen. Ob das jetzt ein Problem mehr oder eins weniger war konnte ich nicht einschätzen. „Tu mir nicht an das entscheiden zu müssen!“ traurig und verwirrt trafen sich unsere Blicke. „Gut dann übernehm` ich das!“ Und schon hatte er seine Lippen wieder mit meinen verschlossen. Doch sollte ich darauf eingehen? Alles in meinem Kopf schrie nach einem NEIN, aber er tat mir einfach so wahnsinnig Leid! Andererseits war das ein Grund um erstrecht nein zu sagen, denn wie würde es danach aussehen? Verdammt ich wollte doch seinen kleinen Bruder, konnte er das nicht einfach einsehen? Nein, konnte er nicht, wie ich feststellte, da er jetzt begann seine Lippen gegen meine zu bewegen. Bevor ich irgendwie darauf reagieren konnte hörte man ein leises Klick, und plötzlich stand Georg in der Tür. „Lea wir.. LEA?“ Seine Augen weiteten sich mindestens genauso weit wie meine und ich drückte Tom heftig von mir, richtete mich auf, und lief meinem nun fluchtartig den Raum verlassenen Bruder hinterher. „Na ganz Toll!“ warf ich Tom, der verdattert auf dem Bett zurückblieb an den Kopf und rannte den Flur entlang wo ich Georg schließlich einholte. „Warte! Das.. das war nicht.. nicht wie es aussah!“ Ich packte ihn am Arm als hätte ich Angst er würde weglaufen und Bill geradewegs davon erzählen, nein, das musste nun wirklich nicht sein.

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Georgs Sicht: "Boah, wieso muss Tom immer so eifersüchtig sein?", kotzte sich Bill beim mir aus, nachdem Lea und Tom verschwunden waren um zusammen zu reden. Tom war wirklich sehr eifersüchtig, noch nie hatte ich ihn so verletzt und wütend gesehen, und das auch noch wegen MEINER Schwester, ich war irgendwie ein klein wenig stolz. Bill schüttelte den Kopf "Wieso müssen wir denn auch immer auf die gleichen stehen?" "Ihr seid Zwillinge", meinte ich schultern zuckend und überhörte einfach mal, dass Bill ziemlich direkt angedeutet hatte, dass er auf Lea stand. "Aber ich war zuerst bei Lea.", meinte Bill patzig. "Ihr seid zusammen gekommen." Er schnaubte. "Aber ICH hab sie damals zum Auto gebracht." Damals - das war gerade heute gewesen. Die Zeit verging schon wieder so schnell. Zu schnell? "Wen meinst du mag sie mehr?" Ich seufzte. "Wer ist der bessere? Wer kann besser zeichnen, Fahrrad fahren, schwimmen. Bill, das ist Kindergarten." "Beantworte mir doch einfach meine Frage..." "Ich weiß doch auch nicht wen ich mehr mag. Im Moment definitiv dich übrigens, aber langzeitig gesehen weiß ich es nicht, will es nicht wissen und weiß erst Recht nicht, was Lea denkt. Wir sind keine Zwillinge, ja?" Stille. Schon wieder. "Wollen wir noch eine DVD schauen?", fragte ich. "Klar, wird auch langsam Zeit, dass die da drinnen fertig werden." Bill sprang auf und war gerade auf dem Weg zu Toms Schlafzimmer, als ich ihn an der Schulter hielt. "Bill? Lass mich das besser machen." "Aber..." Ich sah ihn flehend an. Er murmelte ein Okay und schon schob ich ihn wieder in Richtung Wohnzimmer. Ich würde das hier klären. Zaghaft klopfte ich an der Tür. Keine Antwort. Also machte ich die Tür einfach auf und hoffte nicht gerade dann reinzuplatzen, wenn Lea sagte, dass sie nichts für Tom empfand und dieser sich weinend in ihren Armen vergrub. Doch nichts dergleichen fand ich vor. Viel, viel schlimmer. Das Versprechen zwischen Tom und mir war, wie erwartet wertlos für ihn. So hing er gierig über meiner Schwester, die auf seinem Bett lag und küsste sie. Er. Küsste. Sie. Eine Sicherung in mir brannte durch, ich vergaß, was ich ihnen hatte mitteilen wollen. Wie angewurzelt blieb ich stehen. Erst als Lea Sekunden später begriff, was hier gerade lief, konnte ich mich abwenden. Sie drückte Tom gewaltsam von sich und meinte noch irgendwas zu ihm, woraufhin ich nur weiter lief, aus dem Zimmer, weg von der Szene. Es war nicht so sehr Lea, die mich enttäuschte, Lea konnte machen was sie wollte, dass war ja doch nicht alles mein Ding. Aber Tom! Er hatte doch versprochen, dass er es nicht tun würde. Und Lea hatte von sich aus nichts in die Wege geleitet, da war ich mir absolut sicher. Sie wollte nur mit ihm reden, ER wollte mehr. Ich kochte innerlich, Tom war hinterlistiger als ich gedacht hatte. Wenn er jemanden begehrte, setzte er alles in Bewegung um diesen Jemanden zu bekommen. Ich hätte es besser wissen müssen. Ich hörte, wie Lea mir hinterherlief. Im Endeffekt war es mir egal sie trug schließlich auch irgendwie... nicht Schuld, aber trotzdem, ganz In Ordnung war es von ihr auch nicht, darauf einzugehen, besonders, wenn der große Bruder es nicht duldet. Der große Bruder war selbst redend ich. 53


Lea rief mir irgendetwas hinterher, doch es interessierte mich kein Stück. Erst als sie mich am Arm packte fuhr ich herum. "Waaas?", schrie ich wütend. Sie sah mich mit großen, verängstigten Augen an. Und wimmerte:"Bitte sag es ihm nicht." "Wem denn?", meinte ich überflüssigerweise, da stand Bill schon im Türrahmen und im anderen Türrahmen, gegenüber, stand Tom, der wohl gerade aus seinem Zimmer herausgehen wollte. Und in der Mitte: Lea und ich. Bill sah uns verwirrt an. "Was ist denn hier los?" Tom schaute beschämt zum Boden. "Tom", ich zeigte auf ihn, "Hat gerade mit Lea... 'geredet' " Vollendete ich den Satz und murmelte noch:"Auf seine Weise". Skeptisch sah Bill seinen Bruder an. "Geredet? Wo ist denn dann das Problem? Hat sich Tommy nicht eingekriegt, dass es mal ein Mädchen gibt das er NICHT haben kann.", zischte er. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. "Nur weil du dich nicht traust Pisser. Ich bin einen Schritt weiter als du." Er streckte seinem jüngeren Bruder die Zunge raus und verdrückte sich stolz im Wohnzimmer. Lea sah ziemlich fertig aus, verwirrt, verzweifelt, traurig, fertig eben. Ich legte meinen Arm um sie und schaute, wie Bill reagierte. Bill schien Toms Aussage auch nicht kalt zu lassen, obwohl er nicht so zitterte wie Lea. Ich versuchte meine Schwester zu beruhigen. "Shhh... Das ist nicht so schlimm, Lea..." Bill schnaubte, "Nicht so schlimm?" Er schaute dem Mädchen in meinen Armen direkt in die Augen. "Ich habe dir vertraut Lea, ich habe gedacht du wärst anders. Aber anscheinend bist du genauso ein e Schlampe wie die anderen. Ich dachte ich wäre in dich verliebt, aber ich habe mich in dir getäuscht. Du bist so billig, dass du mir schon leid tust, ey." Lea weinte, zuerst nur ein paar Tränen aber dann fing sie an laut zu schluchzen immer und immer wieder. Ich sah ihn fest an:"Bill. Bitte, lass sie einfach, okay? Sie hat Tom selbst weggestoßen." "Aber erst nach dem sie mit ihm rumgemacht hat. Sie ist ne Nutte, genau wie alle anderen, die Tom im Bett hatte. Seh's doch einfach ein Georg, dein Engelchen will nur mit meinem Bruder *beep*. *beep*. *beep*. *beep*. *beep*. Immer nur das eine." Er machte auf dem Absatz kehrt und ging raus an die frische Luft. Lea war vollkommen aufgelöst, ich versuchte sie zu trösten, der Hass auf sie war natürlich augenblicklich verflogen. Ich kannte Tom gut genug um zu wissen, dass er gerne und gut die Gefühle anderer manipulierte. Er war einfach so unverschämt, dass man wehrlos war. Ich war enttäuscht von Tom und von Bill, dass er die Fähigkeiten seines Bruders nicht mit bedachte. Und letztendlich war ich sauer auf mich selbst, mir hätte klar sein sollen, dass Tom in einem Zimmer alleine mit Lea nicht einfach 'reden' würde. Aber jetzt war es zu spät.

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Leas Sicht: Mit jedem Wort das Bill zu mir gesagt hatte war mein Herz in noch kleinere Stücke zerbrochen. Schutzsuchend klammerte ich mich an meinen großen Bruder der mich mit seinen Starken Armen einfach nur festhielt und mir leicht durchs Haar strich. „ich.. ich bin keine Schlampe Georg!“ schluchzte ich und brach bei dem Gedanken daran, das Bill das wirklich von mir dachte, noch mehr in Tränen aus. „Ich weiss..“ murmelte er nur leise und schon klammerte ich mich noch fester an ihn. Ich heulte, und heulte, und heulte, und es wollte einfach nicht mehr aufhören. Plötzlich kam Tom in den Flur. Ich sah ihn nicht, da ich vor lauter Tränen sowieso verschwommen sah und weil ich mein Gesicht immer noch im Georgs T-Shirt gedrückt hatte, doch ich hörte ihn und seinen lässig schlürfenden Gang. Dann plötzlich legten sich zwei warme Männerhände auf meine Schultern. Ich befreite mich aus den Armen meines Bruder und schubste Tom heftig von mir. „Verpiss dich! Deinetwegen hasst Bill mich jetzt! Nur DU bist Schuld, hörst du? NUR DEINETWEGEN HASST ER MICH JETZT!“ mit einem Rums war ich auf die knie gesunken und vergrub heulend das Gesicht in den Händen. Auf meinen roten Wangen zeichneten sich blau-schwarze Make-up spuren ab und soeben war ein Absatz von meinen Geliebten Highheels abgebrochen, doch das war mir egal. Ich wollte nichts mehr, nur noch, dass Bill zurückkommen und mich in den Arm nehmen würde. Stattdessen kniete sich Georg zu mir nieder und zog mich erneut in seine durchtrainierten Arme. Erneut legte sich eine Weitere Hand an meinen Körper, diesmal jedoch unter mein Kinn. Ich war kurz vorm platzen vor Wut. Schwungvoll verpasste ich Tom eine schallende Ohrfeige und begann erneut ihn anzuschreien. „LASS MICH DOCH EINFACH IN RUHE!“ „Nein, ich.. warum denn? Jetzt steht uns Bill wenigstens nicht mehr im Weg, mhh?“ Tom hatte einen aufmunternden klang in der Stimme. Das meinte er doch jetzt nicht ernst oder? „ICH WÜNSCHTE DU WÜRDEST MIR NICHT IM WEG STEHEN! ICH HASSE DICH! ICH WÜNSCHTE ICH HÄTTE DICH NIE KENNEN GELERNT..“ ich schrie so laut das ich das Gefühl hatte man hätte es durch ganz Hamburg hören müssen. Toms Augen wurden größer. „Du hasst mich nicht!“ sagte er so ruhig er konnte und suchte den direkten Blickkontakt mit mir. „Ich will dich nicht mehr sehen Tom!“ es war fast schon ein flehen. Georg zog mich, wahrscheinlich eher unbewusst, noch näher an sich heran. „Ich versteh euch Frauen einfach nicht, du kannst doch auch mit mir glücklich sein! Eben hast du dich auch nicht gewehrt!“ - „Du hast mich angebettelt Tom!“ – „Du hast mich dich küssen lassen!“ – „VERPISS DICH!“ – „Aber-“ – „GEH!“ – „Lea, bitte ich-“ Nun mischte sich Georg ein. „Lass sie jetzt sofort in Ruhe Tom!“ zischte er und hob drohend die Faust. „Ist ja gut ist ja gut!“ schreckte der Hopper zurück und stand auf. „Denk darüber nach Lea!“ meinte er Leise. „Toooom..!“ Georg sprach bedrohlich leise und das schien der angesprochene zu merken da er sich umdrehte und in sein Zimmer ging. Ich fand es wahnsinnig süß von meinem großen Bruder, das er so toll für mich da war, aber darüber konnte ich mir gerade 55


keine großen Gedanken machen. „ Warum tut er mir das an Georg?“ fragte ich mit großen Augen und blickte hilfesuchend zu ihm hinauf. Er schien nicht zu wissen was er antworten sollte, denn er gab mir einfach nur einen stummen Kuss auf die Wange und zog mich noch enger in seine Arme. „Ich will nicht das .. das.. das..“ ich konnte nicht mehr sprechen, es tat einfach zu sehr weh. Oh man ich kannte Bill doch erst seit ein paar Stunden, wie hatte er mir in dieser kurzen Zeit SO mein Herz stehlen können? „Psshhht!“ machte Georg und streichelte einfach weiter sanft durch mein Haar. Mein schluchzen wurde lauter und noch herzzerreißender, bestimmt hatte ich jetzt für immer alles versaut, und er würde mich nie wieder anschauen wollen. Er war bestimmt diese eine ganz große Liebe in meinem Leben und nur wegen Tom war jetzt alles kaputt. Na gut, ein klein wenig war ich schon auch Schuld, aber ich war einfach nur so am Boden zerstört, ich wollte doch nur das Tom nicht mehr traurig ist und dafür musste ich mir jetzt vielleicht die Liebe meines Lebens versaut haben? Toll, na danke. Mal wieder sah ich ein dass ich einfach viel zu gutmütig war. Aber es war ja wohl auch nicht zu erwarten gewesen das es gleich SO laufen würde. „Ich will zu Biihiiihiiihiiill..!“ Ich krallte meine Fingernägel in Georgs Rücken. „Oh süße..!“ flüsterte er leise und mit gebrochener Stimme. Erschrocken blickte ich hoch. Ihm lief doch tatsächlich eine Träne über die Wange! Ein kleines Lächeln legte sich in mein verheultes Gesicht, er hatte eine Träne auf der Wange, weil es MIR schlecht ging, WOW! Ich küsste die Träne zitternd weg und umarmte ihn erneut. „Danke..“ flüsterte ich, immer noch verzweifelt, aber nun irgendwie ruhiger. „Hey, .. du bist doch meine Schwester!“ Ich spürte am klang seiner Stimme sein sanftes Lächeln. Kurz genoss ich die Geborgenheit die von ihm ausging, dann löste ich mich von ihm und stand auf. „ich.. ich will mit ihm reden.“ Stotterte ich völlig verheult, rückte mein nun zerknittertes Kleid ein bisschen zurecht und lief Barfuß, da meine Schuhe ja kaputt waren nach draußen in den Garten wo ich ihn auch schon stehen sah. „..B… Bill?“ flüsterte ich schon fast. Meine Stimme war zittrig und die kalte Abendluft fröstelte mich. Doch er reagierte nicht. Ich biss mir fest auf die Zunge um nicht schon wieder laut aufzuschluchzen, trat ein Stück näher und fragte noch mal: „Bill?“ Nun drehte er sich um. Alles in mir zog sich zusammen. Er schaute mich so kalt und verletzt an das mir fast schlecht wurde, seine Augen waren rot. „Was?“ fragte er gereitzt und seine plötzlich gar nicht mehr so strahlenden braunen Seelenspiegel funkelten mich an. „Ich wollte.. ich.. ich wollte das mit Tom nicht.. bitte Bill.. du.. du musst.. du musst mir glauben!“ Wieder brach ich in Tränen aus. „Das hättest du dir vorher überlegen müssen, werd` glücklich als sein Spielzeug für die Nächsten beiden Nächte!“ Ich schluchzte. Er blickte mich wütend an. „..was hätte ich denn machen sollen? Ich.. ich wollte nur.. mit ihm … reden… und.. und.. er hat.. mich geküsst.. und .. ich hab ihn doch weggeschubst! Bitte Bill! BITTE!“ Ich vergrub das Gesicht in den Händen. Warum musste immer bei mir alles schief gehen? Ich verfluchte mich, Tom und diese ganze beschissene ungerechte Welt. Er hatte gesagt ich wäre eine Schlampe. // `Nur weil du dich nicht traust du Pisser. Ich bin einen Schritt weiter als du.`// hallte es in meinem Kopf wider. Und wie er recht hatte: //DU bist einen riesigen Schritt weiter darin gekommen mir mein Leben zu zerstören!// dachte ich während ich noch immer bitterlich weinte. // `Du bist so billig, dass du mir schon Leid tust, ey.` // Es wiederholte sich. Immer und immer wieder. `du bist so billig`, `du bist so billig` , `du bist so billig`, //DU BIST SO BILLIG LEA// Wehrlos schmiss ich mich vor ihm auf die Knie. „Ich bin nicht Billig!“ schrie ich schon fast, in einem schrillen, schmerzvollen Ton, so als würde er meine Gedanken gehört haben.

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Bills Sicht: Ich war so wütend auf Tom und auf Lea, auf mich, auf alle, auf die ganze Welt. Wie oft hatten Tom und ich das schon gehabt?! Immer verlieben Tom und ich uns in die gleichen, nur mit dem Unterschied das ich sie liebe und Tom sie nur ausnutzt und ihnen weh tut. Immer streiten wir uns. Immer gewinnt Tom. Und immer bricht er ihr das Herz. Aber Tom hat auch immer versprochen, dass wenn es wirklich die richtige ist, die Liebe meines Lebens, dann würde er seine Bedürfnisse hinter stellen und sie mir überlassen. Er hat es mir geschworen. Und jetzt hat er seinen Schwur gebrochen. // Wieso?! //, fragte ich mich immer wieder, // Wieso muss ausgerechnet Lea auf ihn herein fallen - Warum Lea?!?!// Warum war Lea denn auch so naiv und glaubte Tom jedes Wort?! Tom ist ein verlogener Mistkerl, was die Liebe angeht. Er ist mein Bruder und ich liebe ihn auch, aber er ist ein Arsch. Und Lea weiß es, aber sie macht es trotzdem. Sie verletzt sich selbst und mich. Ich fühlte mich elend, hilflos und schwach. Meine Füße trugen mich, ich lief schnell, obwohl ich keine Ahnung hatte wohin mich meine Beine trugen, bis ich plötzlich im Garten angekommen war. Heftig atmend blickte ich mich um und ging etwas weiter. Ich fühlte mich alleine gelassen und von der Welt verarscht. Normalerweise hätte ich jetzt mit Tom geredet, aber wenn ich ihn jetzt sehen würde, könnte ich für nichts garantieren und ich wollte meinem Bruder nicht nochmal den Arm brechen. Oder doch? Ich verwarf den Gedanken schnell wieder, das würde mir Lea auch nicht herbringen. Ich seufzte. Lea liebte mich nicht. Dumpf hörte ich von Innen Stimmen. Leas Stimme. Ich seufzte wieder. Ich liebte sich doch. Ich hörte wie sie Tom anschrie, //Geschieht ihm Recht//, dachte ich, musste aber feststellen, dass selbst das mir nichts brachte. Sollte sie Tom doch anschreien, Tom würde sie trotzdem rumkriegen. Und dann hatte ich wieder die Arschkarte. Wie immer. Ich versank in Selbstmitleid und bekam gar nicht mit, dass sich die Lage im Haus beruhigte. Vielleicht tat es Lea ja wirklich ein wenig Leid... Aber nein, sie hatte Tom geküsst. Sollte es ihr doch leid tun, ich ließ mich nicht verarschen. Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich gar nicht merkte, wie Lea sich von hinten anschlich. „..B… Bill?“, erklang eine zittrige Stimme. Ich ignorierte sie und starrte stur gerade aus. "Bill?", fragte die zögerliche Stimme wieder. Wütend fuhr ich herum: „Was?“ Ich spürte wie mir heiße Tränen die Wangen hinunter liefen. Hastig wischte ich sie weg, mir war gar nicht aufgefallen, dass ich geweint hatte. „Ich wollte.. ich.. ich wollte das mit Tom nicht.. bitte Bill.. du.. du musst.. du musst mir glauben!“ Lea sackte etwas zusammen und weinte unaufhörlich. Wenn ich nicht wütend auf Tom und sie gewesen wäre und sie mich nicht so mies hintergangen hätte, täte es mir leid. Ich würde sie in den Arm nehmen, ihr beruhigende Worte zu sprechen und sie solange festhalten, bis alle ihre Tränen versiegt waren. Aber es war nicht so. Ich war sauer. Kalt sah ich sie an: „Das hättest du dir vorher überlegen müssen, werd` glücklich als sein Spielzeug für die Nächsten beiden Nächte!“, meinte ich monoton und gleichgültig. Flehend blickte sie zurück. Doch ich blieb hart. „..was hätte ich denn machen 57


sollen? Ich.. ich wollte nur.. mit ihm … reden… und.. und.. er hat.. mich geküsst.. und .. ich hab ihn doch weggeschubst! Bitte Bill! BITTE!“ Ich blieb hart. Sie war nur ein Mädchen, das mir das Herz gebrochen hatte. Sie hatte es nicht verdient. Trotzdem tat es mir unendlich Leid, sie so leiden zu sehen. Es war stille. Mal wieder. „Ich bin nicht Billig!“, schrie Lea plötzlich. Ich schreckte zusammen und erinnerte mich an meine harten Worte. Ich zögerte. Was sollte ich denn darauf antworten? "Das war nicht so gemeint", murmelte ich einfach, fast in der Hoffnung, sie würde es nicht hören. Sie hörte es. "Du hast es aber so gesagt verdammt!" Langsam kehrte die Wut zurück: "Jetzt schieb du mir nicht den schwarzen Peter zu. DU hast Tom geküsst, nicht ich. DU hast mich hintergangen. Und jetzt wirfst du mir vor, dich in meiner Wut billig zu nennen?! Ich glaub ich spinn ey - Du BIST billig. Wenn du so weitermachst!" Sie sah mich mit verschwommenen Augen an. "Bitte"; hauchte sie nur, doch ich schüttelte den Kopf. "Nein, Lea. Nichts bitte. Du hast mir weh getan und selbst wenn ich wollte, könnte ich dir nicht einfach so verzeihen, dass musst du einsehen. Werd mit Tom glücklich für eine Nacht. Mit mir kannst du das nicht machen, nicht mit mir." Ich drehte mich eiskalt um und ließ sie draußen stehen. Vielleicht war das asozial von mir. Vielleicht war ich kein Stück besser als sie. Vielleicht war ich ungerecht. Vielleicht hatte ich Lea verletzt. Vielleicht konnte sie nichts dafür. Vielleicht hätte ich ihr doch noch eine zweite Chance geben sollen. Zu viele vielleichts. Drinnen angekommen lief ich gleich mal schön Georg in die Arme. //Scheiße//, dachte ich nur und versuchte ihm aus dem Weg zu gehen, was aber natürlich unmöglich war. "Schön hier geblieben mein Freundchen.", meinte er streng. Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern und blieb stehen. "Was?" "Bill, du klärst das jetzt mit ihr und Tom. Wir sind genau einen Tag hier und ich hab keinen Bock das wir hier die ganze Zeit nur streiten und n schlechter Vibe ist. Besonders weil wir ja bald auf Tour sind und wir Lea dann länger nicht sehen" Er seufzte. "Sie ist dir echt ans Herz gewachsen, oder?" Er nickte stumm. "Also was ist?", fragte er schließlich. "Redest du mit Lea?" "Nein", meinte ich knapp. "Bill", er sah mich streng an. "Was?!" "Du redest mit ihr... JETZT!" Ich zuckte zusammen. "Was soll ich denn mit ihr reden? Ich hab ihr schon gesagt, dass sie mich verletzt hat und sie mir Zeit geben muss. Was erwartest du eigentlich von mir?! Soll ich ihr jetzt nen Antrag machen oder was?!" "NEIN! Bill ich will einfach, dass zwischen euch wieder alles in Ordnung ist. Ob ihr jetzt Freunde seid oder ein Paar ist mir scheißegal. Von mir aus müsst ihr auch keine Freunde sein, aber ich will nicht, dass ihr auf Kriegsfuß seid!" "Und wenn schon.. Is ja nicht meine Schuld..." "Bill, du bist unmöglich. Es ist nicht mehr rückgängig zu machen, sie hat sich bei dir entschuldigt und es tut ihr auch wirklich leid, dass weiß ich. Also sei mal nicht so nachtragend..." Ich tickte aus, kaum kam das Mädchen in unser Leben geschneit, redete einer meiner besten Freunde SO mit mir!!! "MENSCH GEORG!! MERKST DU ÜBERHAUPT NOCH WAS?! DU WARST EINER MEINER BESTEN FREUNDE UND JETZT SCHLÄGST DU DICH EINFACH SO AUF IHRE SEITE. ICH WAR MIT IHR ESSEN UND KEINE 10 MINUTEN SPÄTER MACHT SIE MIT TOM RUM!!! UND ICH SOLL NICHT NACHTRAGEND SEIN?! SAG MAL SPINNST DU JETZT KOMPLETT?!" "Bill. Bleib mal locker, ja. Ich kann dich ja verstehen, aber du kennst Tom doch..." "ALSO IST ALLES TOMS SCHULD!! JAJA, IMMER SIND ALLE ANDEREN SCHULD!" "Bill.... Ich will mich da nicht einmischen, aber.." "DANN LASS ES VERDAMMT NOCH MAL!!", rief ich während ich in mein Zimmer verschwand. Na super, jetzt war ich mit Tom, Lea und Georg verkriegt... Ich legte mich auf mein Bett und holte mein Notizbuch. Schnell schrieb ich drauf los, der Stift flog nur so über das graue Papier und ließ schwarze Spuren zurück. Schon nach kurzer Zeit war der Song fertig - zumindest die Idee. Ich seufzte. Langsam ließ ich den Block wieder unter meinem Kopfkissen verschwinden. Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Ich schreckte hoch. Wer klopfte denn bitte an meiner Tür? Richtig, alle 3 waren sauer, es könnte also jeder sein, obwohl Tom nicht klopfen würde, er würde einfach herein stürmen und mir eine runter hauen. Nochmal klopfte es an der Tür, dieses mal zaghafter. 58


Genervt rollte ich die Augen. Konnte ich denn nicht einmal meine Ruhe haben? Es wussten doch alle, dass es mir gerade scheiße ging. "Kann ich rein kommen?", fragte eine zögerliche Stimme.

Toms Sicht: „Gut, ich schau dann jetzt erstmal kurz bei Bill vorbei, mal kucken was sich machen lässt!“ sagte Gustav und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. „Warum denn? Der kriegt sich eh nicht ein, Bill ist `nen Mädchen das wissen wir doch beide!“ – „Du hast das Mädel geküsst das er liebt, verstehst du ihn denn nicht ein bisschen?“ – „Schon mal dran gedacht das ich vielleicht auch Gefühle habe?“ fragte ich gereizt und verschränkte die Arme vor der Brust. Unser Drummer blickte mir in die Augen und fing plötzlich lauthals an zu lachen „DER war gut Tom!“ gluckste er, er verstummte allerdings als er sah wie sich meine Gesichtszüge verdunkelten. „..Moment.. Du willst mehr als eine Nacht?“ Er schaute mich an wie ein Auto, während ich nur einen kleinen Schmollmund zog. „..ich find` das nicht witzig Gustav!“ murmelte ich, noch immer mit verschränkten Armen und stand auf. „Ach sie wird sich schon richtig entscheiden!“ aufmunternd lächelte er mir zu, dann verließ er Das Zimmer. Gustavs Sicht: Vor Bills Zimmertür blieb ich stehen, um einen Moment nach eventuellen Geräuschen von drinnen zu hören, doch es war absolut Still. Also klopfte ich. Keine Antwort. Erneut klopfte ich. Keine Antwort. Ich versuchte es noch ein drittes Mal. „Kann ich rein kommen?“ fragte ich zögerlich. Eine Weile passierte nichts, dann schwang die helle Holztür schwungvoll auf und vor mir stand ein ziemlich scheiße aussehender Bill. Seine Haare waren zerwuschelt, seine Klamotten knitterig und sein Gesicht total aufgequollen und verschmiert mit Make-up. „Was denn? Willst du mir auch erzählen wie scheiße ich doch bin?“ Ich drückte ihn von der Tür weg, schloss sie hinter mir und setzte mich mit ihm aufs Bett. „Nein, aber ich dachte du würdest vielleicht reden wollen!“ antwortete ich nun und blickte in seine rot unterlaufenen Augen. Einen Moment lang blieb mein gegenüber still sitzen, schien mit sich zu kämpfen, dann brach ein erster herzzerreißender Schluchzer aus ihm heraus und im nächsten Moment hatte er seine Arme um mich geschmissen und sein nasses Gesichtchen in meinem T-Shirt vergraben. „Shhht..“ machte ich leise, während ich ihn richtig in meine Arme zog und anfing ihn wie ein Kleinkind leicht hin- und herzuwiegen. Ich würde ihn zu nichts zwingen, wenn er reden wollte, dann sollte er anfangen, aber ihn jetzt etwas zu fragen würde aussichtslos sein. Nach etwa zwanzig Minuten blickte ich auf meine Armbanduhr. Es hatte sich bis jetzt noch absolut gar nichts an unserer Situation geändert. Ein bitterlich weinender Bill, ein sanftes gedimmtes Licht im Raum, mein immer feuchter werdendes T-Shirt und ich, wie ich da saß, und ihn leicht hin- und herwiegte. Angespannt kaute ich auf meiner Unterlippe rum. Es war anstrengend die Starke Schulter spielen zu müssen, aber er war einer meiner Besten Kumpels, also war es natürlich keine Frage dass ich für ihn da war. „Tom ist ein Arschloch!“ Bill krallte 59


seine Fingernägel in meinen Rücken und richtete seinen Blick ein wenig auf um irgendeine Art der Zustimmung zu bekommen. Ich war erleichtert, jetzt würden wir endlich vorankommen! „Willst du es mir nicht erstmal genauer erzählen?“ Es war mehr eine Aufforderung als eine Frage. Der Schwarzhaarige rückte sich ein bisschen auf meinem Schoß, auf den er geklettert war zurecht, dann setzte er zum Sprechen an. „Er hat sie angezickt und sie hat mit ihm rumgemacht, das ist alles. Da gibt’s nicht viel zu erzählen!“ Wieder schluchzte er. „Er weiß das ich in sie verliebt bin Gustav! Und trotzdem hat er es gemacht!“ – „Er hat mir gesagt das er auch Gefühle für sie hat, und, wie soll ich das sagen.. es klang ziemlich Ernst, ich.. ich glaube da ist echt was dran!“ – „Ach das ist doch lachhaft, er wollte einfach heute Nacht wieder eine zum fi****! ..und SIE hat mitgemacht Gustav, ich bin so.. enttäuscht!“ Ich seufzte. „Er hat sie geküsst Bill, es ging nicht von ihr aus.“ – „Aber sie hat mitgemacht!“ erwiderte der Sänger pampig und wischte sich trotzig die Tränen aus dem Gesicht. „ich weiß.. aber sie ist jung, ihr seid nicht zusammen, und du weißt doch wie Tom ist! Ich hab mit ihm gesprochen, und man hat schon an seinen Erklärungen gehört das er sie überrumpelt hat!“ versuchte ich ihn aufzumuntern, und tatsächlich, er wurde ein bisschen ruhiger und ein klitzekleines Lächeln war zu sehen. „Du musst sie kennenlernen Gustav, sie ist wunderschön und klug und witzig und-“ – „Und Warum sprichst du dann nicht noch mal mit ihr und lässt es dir erklären?“ Die Antwort war uns beiden klar, weil er zu stolz und zu verletzt war. Ich blickte auf die Uhr. „Du Bill, es tut mir leid, aber ich muss noch auf meine Nichte aufpassen, Franziska will noch ins Kino und ich hab`s ihr Versprochen..“ Meinte ich und er nickte zögerlich und stieg von mir runter. „Wow, sag mal hast du zugenommen?“ stichelte ich grinsend als die „Last“ von meinen Beinen genommen wurde und stand ebenfalls auf. „Hey!“ So hatte ich es gerne. Auch wenn er mir gerade gegen die Schulter schlug, er hatte ein grinsen auf dem Gesicht. „Klär das mit ihr und Tom, Bill!“ meinte ich, drückte ihn dann noch mal aufmunternd und ging. Leas Sicht: Ich saß im Wohnzimmer und hatte mich gerade ein bisschen eingekriegt. Das erste Mal seid etwa zwei Stunden konnte ich wieder halbwegs ruhig Atmen. Angespannt klammerte ich mich an meinem Wasserglas fest. Es war kalt und die Eiswürfel die darin rumschwammen klirrten beim aneinandertreiben leise. Ich hatte die Beine angezogen und saß auf dem Sofa auf dem ich vorhin den Tanga gefunden hatte. Oh man, da hatte Bill mich noch gern gehabt. Ich seufzte und nahm einen großen Schluck. Ich wusste weder wo Georg abgeblieben war, noch was Bill oder Tom machten. Ich saß einfach nur da, und blickte ins Leere. Eigentlich hatte mein Brüderchen nur schnell irgendetwas aus Toms Auto holen wollen, doch nun war er schon über Fünfzehn Minuten lang weg. Mich störte das nicht weiter. Normalerweise hätte ich mich verloren oder unwohl gefühlt, so ganz alleine, doch im Moment spürte ich nur schmerzen. Es war mittlerweile halb Zwei, ich war völlig übermüdet und ausgepowert von dem anstrengenden Tag, vom vielen Weinen hatte ich Kopfschmerzen, mir war heiß und mir Taten sämtliche Glieder weh. Außerdem schien ich mir Vorhin, als mein Absatz abgebrochen war, den rechten Fuß angeknackst zu haben. Das Fußgelenk war angeschwollen und genauso rot wie mein Gesicht. Wie ich aussah wollte ich mir gar nicht vorstellen. Bestimmt hatte ich verschmierte Schminke im ganzen Gesicht und völlig zerzottelte Haare, doch darüber konnte ich mir im Moment keine Gedanken machen. Wenn nur diese verdammten Kopfschmerzen nicht wären! Meine Schläfe pochte richtig. Bum.. Bum.. Bum.. Ich zog die Arme noch enger um die an den Körper gezogenen Beine und- „Lea?“ Ich zuckte Merklich zusammen und drehte meinen Kopf zur Seite. Mit großen Augen und fragendem Blick sah ich ihn an. Ich musste wirklich hilflos und verletzt, einfach wie fehl am Platz aussehen wie ich so da saß. Ganz Zusammengekauert auf dem riesigen ausgezogenen Sofa, in einem Großen noblen 60


Raum, mit verheultem Gesicht und sich an ein Wasserglas klammernd. Sicherhaltshalber wollte ich das Glas wegstellen, doch nun brauchte ich etwas zum festhalten..

Bills Sicht: Auch wenn ich auf Georg und Gustavs Worte sonst nicht viel gab, dieses mal musste ich mir selbst eingestehen, dass sie recht hatten. Ich musste mit Tom und Lea reden - vor allem mit Lea natürlich. Einerseits war ich wütend auf sie, aber andererseits - und der Teil überwog mittlerweile - wollte ich sie einfach nur für mich haben, bevor Tom wieder dazwischen funkte. Ich wollte das Mädchen, das ich liebte in meinen Armen zu halten und wissen, dass sie mir gehörte. Also stand ich gleich auf, nachdem Gustav gegangen war und ging ins Wohnzimmer, wo ich Lea vermutete. Ich wusste nicht was ich sagen sollte und wollte mir auch gar nichts zurecht legen. Es sollte ehrlich und aufrichtig sein. Kurz stand ich nur da, als ich eine gekrümmte Gestalt auf der Couch kauern sah. Lea. Ihr Kleid war zerknittert, ihre Schuhe waren weg, ihre Haare waren total durcheinander und ihre Schminke war im ganzen Gesicht verteilt. Sie sah trotzdem süß aus. Wie immer. Ich überlegte kurz was ich tun sollte, beschloss aber dann einfach Frontalangriff zu machen. Wenn ich noch lange hier herum stand, würde ich vermutlich wahnsinnig werden oder einfach auf dem Absatz kehrt machen. // Du ziehst das jetzt durch//, sprach ich mir innerlich Mut zu. Langsam zählte ich von 10 runter... //4...3...2...1...// "Lea?" Sie schreckte ein wenig zusammen. Ihre Knöchel waren schon weiß, so stark klammerte sie sich an das Glas Wasser in ihrer Hand. Vorsichtig machte ich einen Schritt auf sie zu. Einen Schritt in die richtige Richtung, hoffte ich. Langsam setzte ich mich auf die Couch, neben Lea. Sie saß unverändert dort. Wir mussten erbärmlich aussehen. Beide komplett fertig, übermüdet, verheult, zerzottelt, traurig. Ich wusste nicht wo ich meine Hände hin tun sollte. Unentschlossen spielte ich mit einem meiner vielen Ringe - mal wieder. Langsam hob ich meinen Arm um die Tom-Masche an zu wenden. Ich streckte ihn und legte ihn auf die Lehne. Langsam ließ ich ihn dann auf Leas Schultern gleiten, was sie gar nicht zu registrieren schien. "Lea...", fing ich an. "Es...Es... Ich hätte nicht so hart sein dürfen... Glaube ich." Sie drehte ihren Kopf ein wenig und sah mir in die Augen "Hat Georg dich geschickt?" Ich zögerte "Er hat mir dazu geraten... Ja. Aber er hat mich nicht gezwungen, er hat gesagt es wäre besser, wenn ich mit dir reden würde, aber er hat mich nicht geschickt und ich denke er hat auch nicht darauf gehofft, dass ich mich entschuldigen würde. Aber ich mach's trotzdem... Es tut mir Leid, Lea." Ich stockte. Was würde sie dazu sagen? Ich hatte etwas Angst. "Bill... Mir tut es auch leid, ich hätte es nicht zulassen dürfen. Ich weiß auch, dass du das jetzt nicht einfach abhaken wirst. Aber ich will, dass du weißt, dass es mir leid tut und ich es bereue. Ich liebe Tom nicht und ich will auch nichts von ihm. Weder eine Nacht, noch ein Jahr. Ich... Ich liebe nur.... eine Person." Sie schaute mich scheu an und ich nickte nur. "Ich kann es nicht einfach ignorieren. Wir kennen uns seit einem Tag und ich hab mich Hals über Kopf in dich verliebt und du machst mit meinem Bruder rum. Das ist einfach krass. Aber ich will das einfach vergessen und nochmal neu anfangen..." Ich wusste, dass es der perfekte Punkt war 61


um die 3 Wörter zu sagen. Wir kannten uns zwar wirklich erst einen Tag und im Grunde genommen waren wir noch nicht einmal gute Freunde, sondern eher flüchtige Bekannte, aber.. Manchmal reicht eben auch schon ein Tag. "Was... Was ist das jetzt...Zwischen uns?", fragte Lea ziemlich direkt. Ich blickte hoch in ihre wunderschönen Augen und zuckte mit den Schultern. "Was ist denn von deiner Seite aus? Wen magst du lieber?" Ich sah sie fordernd an. Ich wollte Fakten. Wenn sie doch eher auf Tom stand... Ich wollte gar nicht daran denken... "NEIN! Bill, ich liebe dich!", platzte es aus ihr heraus. Gleich wurde sie rot und fing an zu stottern: "Ich... Ich..." "Shhh", ich legte ihr die Finger auf die Lippen. Der Moment schien perfekt, magisch. "Ich dich auch", hauchte ich nur, bevor ich mich langsam zu ihr herüber beugte.

Leas Sicht: Ich war wie gelähmt. Langsam kam er näher. Ich konnte bereits seinen Atem auf meiner Haut spüren als ich es endlich schaffte mich ihm zumindest dieses letzte Stück langsam entgegen zu bewegen. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, dann spürte ich endlich seine unendlich weichen Lippen auf meinen. Nur ganz sanft und zärtlich. Er gab mir einen kurzen Kuss, dann wich er ein paar Millimeter zurück, nur um meine Lippen erneut mit seinen zu verschließen. Ich schloss die Augen, in meinem Bauch schien alles zu explodieren vor Glück und mir wurde schlagartig total warm. Vorsichtig begann er seine Lippen gegen meine zu bewegen. Ich ging darauf ein und legte reflexartig meine Arme um ihn herum. Es fühlte sich einfach nur so unendlich gut an seine Nähe zu spüren, bei ihm zu sein, und zu wissen dass er mir verziehen hatte oder dass er mir zumindest noch eine Chance gab, und das er mich liebte. Mich! Er schloss mich ebenfalls in seine Arme und zog mich sanft an sich. Ich genoss seine Nähe und die unglaublich wohltuende Wärme die von ihm ausging. Dann spürte ich wie seine Zunge sachte gegen meine Lippen stupste, woraufhin ich diese öffnete. Unsere Zungen berührten sich, erst zaghaft, dann immer mutiger und intensiver. Sie spielten ein unglaublich Vertrautes zärtliches Spiel und ich spürte wie seine weichen Hände über meinen Rücken strichen, während er mich nun noch etwas fester in seine Arme schloss. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, und es war der absolut beste Kuss den ich bis je erlebt hatte. Nach gefühlten Stunden lösten wir uns wieder voneinander, und grinsten uns glücklich an. Sein Lächeln war absolut unwiderstehlich und wir hielten uns noch immer ganz fest in den Armen. Er ließ mich nicht los, und dafür war ich ihm unglaublich dankbar. Erneut legte ich meine Lippen auf seine und gab ihm einen Kuss. „Du machst mich zum glücklichsten Menschen auf der ganzen Welt!“ säuselte ich und erntete gleich noch einen Kuss. „Wenn du wüsstest wie glücklich du mich machst..!“ flüsterte er gegen mein Ohr und dann hielten wir uns eine ganze Weile einfach nur in den Armen. Nach einigen Augenblicken musste ich leise gähnen. „Wollen wir ins Bett gehen?“ nuschelte Bill, der ebenfalls müde zu sein schien und ich nickte. Widerwillig ließ er mich kurz los um aufzustehen, griff dann aber sofort nach meiner Hand und schlenderte voraus in sein Zimmer, wo noch immer verschiedene Nagellackfarben auf dem Tisch standen. „Warte ich geb` dir ein paar Schlafsachen!“ meinte er fröhlich und hüpfte fast schon zum Schrank, aus dem er ein schönes bequemes schlabbriges Shirt und eine Boxershort herausholte und sie mir schließlich in die Hand drückte. „Ich geh mir nur kurz das Gesicht waschen!“ erklärte ich und fragte mich wie ich wohl aussehen musste, verheultes, völlig verschmiertes Gesicht, und ein dermaßen glückliches grinsen auf den Lippen. Naja, egal. Ich legte meine kribbelnde Hand an den Türgriff und wollte ihn gerade nach unten drücken, da schlossen sich zwei warme Arme von hinten um mich und er knabberte leicht an meinem Ohr, woraufhin er entschuldigend kleine Küsschen darüber verteilte. Ich stand da wie erschlagen, schloss die Augen und genoss einfach nur was er mit mir anstellte. „Ich will mich doch nur 62


noch `nen bisschen hübsch machen gehen..“ grinste ich schließlich. „..noch hübscher? Wie soll ich das denn bitte verkraften? Denk dran ich bin auch nur ein Mann!“ – „Ach du bist ein Quatschkopf!“ Ich musste lachen. „Aber ein verliebter Quatschkopf!“ berichtigte er mich und stimmte mit ein. „Aww.. Ich liebe dich!“ säuselte ich. „Ich liebe dich auch!“ bekam ich zur Antwort. Dann ließ er mich los und ich lief fix ins Bad, wo ich mein Gesicht sauber wusch, meine Haare kämmte und mich umzog. Ich betrachtete mich im Spiegel. Wow, so sah also das Mädchen aus dass er heute zum glücklichsten Menschen der Welt gemacht hatte, so sah also das Mädchen aus das er liebte. Ich bekam das grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht heraus. Schnell überprüfte ich ob auch alles saß wie es soll, dann griff ich meine Sachen und rannte zurück in Bills Zimmer. Schwungvoll schmiss ich die Tür hinter mir zu, ließ meine Sachen auf meine Tasche fallen und schaltete dann das Hauptlicht aus. Jetzt brannte also nur noch das kleine Nachtlicht in der Ecke neben dem Kopfteil des Bettes. Mein Schatz hatte sich ebenfalls frisch gemacht, umgezogen und schon in das große Doppelbett gelegt. Er hob die Decke ein Stück an und bedeutete mich, mich zu ihm zu legen. In meinem Magen kribbelte alles, es war einfach unbeschreiblich. Ich kletterte über die leere Betthälfte und legte mich dann neben ihn. Er ließ die Decke runter und legte die Arme um mich. Ich schmiegte mich an ihn wie ein kleines Kätzchen und fühlte mich so unglaublich sicher und gut aufgehoben, ein Glück hatte er mir eine Chance gegeben! Spätestens nach diesem Erlebnis hier würde ich mich wohl nie wieder von ihm trennen können. „Krieg ich `nen Kuss?“ hörte ich ihn plötzlich fragen. Ich blickte nach oben und zog ihn ein wenig zu mir runter um seiner Bitte nachzukommen. Unsere Lippen berührten sich. Nein, jetzt war ich nicht mehr müde, dazu hatte ich viel zu viel Adrenalin im Körper. Ihm schien es ähnlich zu gehen. Eine ganze Weile lagen wir so auf dem Bett als ich plötzlich im Hintergrund ein Geräusch wahrnahm. „Bill hast du meine Schwester ge- Oh.“ Georg blickte uns groß an. Bill löste sich von mir und rutschte ein Stück von mir herunter, jedoch ohne sich von mir auch nur ein Stück wegzubewegen und synchron drehten wir unsere Köpfe in seine Richtung. „Hab ich.. was verpasst?“ fragte der Bassist noch immer etwas geschockt. Ich grinste. „Warte mal!“ murmelte ich meinem Bill (hach wie wunderschön das doch klang, MEIN Bill, ich hätte den ganzen Tag darüber nachdenken können) zu und drückte ihm einen Kurzen Kuss auf den Mund, dann stand ich auf und hüpfte über das Bett zu meinem Bruder. „Er hat mir verziehen und ja, den Rest kannst du dir ja denken, wir sind zusammen!“ Ich grinste ihn überglücklich an und umarmte ihn. „Danke dass du eben so für mich da warst!“ murmelte ich dann während er ebenfalls seine Arme um mich legte. „Kommst du dann mit rüber? Wir sollten uns langsam hinlegen!“ – Bill klinkte sich in das Gespräch ein – „Ich dachte eigentlich dass sie heute Nacht hier bei mir bleibt.“ Georgs Augen weiteten sich. „A-“ „Bitte!“ Ich blickte ihn mit einem Dackelblick an „..biiiiiitte!“ wiederholte ich mich. Er schien zu überlegen. „..Aber eure Tür bleibt einen Spalt offen! Und Lea: Ich hör`s aus dem Wohnzimmer wenn ihr irgendetwas anstellt!“ meinte er schließlich im Mutterton und lächelte mich an. „Ach Georg, wir sind doch grade erst zusammen gekommen! ..Naja, Gute Nacht dann!“ ich gab ihm einen Gute Nacht – Kuss auf die Wange und knuddelte mich dann zurück in Bills Arme. „Nacht Georg!“ sagte der Schwarzhaarige und wendete sich dann wieder mir zu. Er lächelte. „Ich kann`s irgendwie echt nicht glauben. Ich bin seid 5 Jahren alleine, und dann kommt einfach mal so so ein kleiner Wirbelwind in mein Leben und bringt alles durcheinander!“ sein Blick wurde noch etwas liebevoller als vorher schon während er glücklich seufzte. Schon zum gefühlten tausendsten Male heute legte ich meine Lippen auf seine.

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Bills Sicht: Lea lag in meinen Armen. Lea! Noch vor wenigen Minuten hatte ich es für unmöglich gehalten, sie überhaupt noch einmal fühlen zu können. Jetzt lag sie in meinen Armen... Ich sah zu ihr herab. Sie machte mich zum glücklichsten Menschen der Welt. Dieses Mädchen raubte mir den Verstand. Sie sah so zart und zerbrechlich aus in meinen Armen. Ich hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, denn sie schlief wahrscheinlich schon und ich wollte sie nicht wecken. Es war ein sehr langer Tag gewesen, vielleicht sollte ich auch langsam ins Land der Träume abdriften. Obwohl, mein Traum hatte sich ja eigentlich schon erfüllt. Ich musste grinsen. "Was?", fragte Lea leise. "Ich dachte du schläfst?"Ich kraulte ihren Rücken, worauf hin sie schnurrte. "Wie könnte ich neben dir einschlafen?" Ich lachte leise über Leas Kommentar. "Du solltest aber langsam schlafen.", ich hörte nicht auf sie zu streicheln. Sie schmiegte sich an mich. Ihr Kopf, der auf meiner Brust lag, hob und senkte sich durch meine Atemzüge. Ihre wunderschönen Augen waren geschlossen und sie hatte ein zaghaftes Lächeln auf ihren Lippen. Sie war einfach wunderschön. Sie war mein Engel. Sie war mir heilig. Ich würde sie nie wieder los lassen. Nie wieder. Nie wieder. Nie wie.... Ich war eingeschlafen. "Bill", drang eine gedämpfte Stimme an mein Ohr. Ich hatte eine Art Déjà-vu. Doch dieses mal war es nicht Gustav, sondern ganz eindeutig Toms Stimme. Ich sah zu Lea hinüber, die immer noch schlief und sah dabei verdammt süß aus. Langsam öffnete Tom die Tür und flüsterte leise: "Bill... Wir müssen Georg überraschen... Das haben wir schon ewig nicht mehr gemacht. Weißt du noch als wir 13 waren und ...", sein schelmisches Grinsen verschwand und eine wütende Fratze nahm stattdessen sein makelloses Gesicht ein. Er starrte auf das schlafende Häufchen neben mir, dass nebenbei bemerkt immer noch total süß aus sah und schickte mir anschließend tötende Blicke zu. "Du bist so ein scheiß Mistkerl Bill", murmelte er. "Du hast keine Ahnung, wie es mich verletzt hat, dass niemand mir Gefühle zugetraut hat, aber das, Bill. DAS übertrifft alles." Er sprach immer noch leise, um Lea nicht zu wecken, aber ich merkte, dass er sich schon sehr beherrschen musste um mir nicht gleich an die Gurgel zu gehen. "Lass uns das lieber draußen klären, Tom." Mir war zwar klar, dass das eine heftige Prügelei bedeutete und Tom war auch wenn ich es nicht zugeben wollte, doch ein ganz klein wenig stärker als ich. Trotzdem wollte ich das nicht hier klären, wo Lea das sofort mitbekommen würde. Ich wollte unser frisches Glück nicht sofort zerstören und dafür würde ich einiges in Kauf nehmen. Fordernd sah Tom mich an, auch er wusste wohl was das bedeutete. Wir verabredeten uns gedanklich und gingen in sein Zimmer. Ich setzte mich auf sein Sofa und er auf sein Bett. Einen Moment war es Stille. Totenstille. Die Stille vor dem Sturm. "Warum?", fragte er einfach und blickte mir in die Augen. Es brach mir das Herz ihn so leiden zu sehen, seine wunderschönen braunen Augen, in denen sich langsam Tränen sammelten, seine Lippen, die nach unten hingen, sein trauriger Gesichtsausdruck, ein leeres Gesicht. Ich seufzte. "Tom, ich wusste doch nicht, dass sie dir mehr als einen..." "Nein", Tom 64


schnaubte schaute seine Hände an und sprach weiter: "Du hast es verdammt genau gewusst. Aber du warst zu egoistisch um mir auch eine Chance zu lassen." Er sah mir direkt in die Augen, sein schmerzverzerrtes Gesicht machte mir Gänsehaut. "Tom... Ich... Ich liebe sie doch", hauchte ich. Eine einsame Träne bahnte sich den Weg über meine Wange. "Ich hab dir vertraut, Bill... Du hast mich gehasst und mich fertig gemacht, weil ich sie geküsst habe. Ich will gar nicht wissen was für perverse Sachen DU mit ihr gemacht hast", seine Worte waren hart, direkt und kalt. Ich stand langsam auf und setzte mich neben Tom auf das bett und legte meinen Arm um ihn. Still schluchzte er ein wenig. Es musste wirklich schlimm sein - wirklich RICHTIG schlimm. Tom heulte nie. "Scheiße", murmelte ich und lehnte mich an Toms Schulter. "Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße", wiederholte ich immer wieder. Dann war wieder Stille. "Verficktes Leben!", schrie Tom plötzlich als er auf sprang. Der Sturm war gekommen. Ich sah mich schon mit einer gebrochenen Nase im Krankenhaus liegen und hoffte, dass Tom ein wenig Gnade haben würde, weil wir ja bald auf Tour waren und ich unmöglich mit einem dicken Gips im Gesicht auftreten konnte. Ich nahm Toms Arm und stürzte mich mutig wie ich war in den Kampf. "LASS MICH LOS BILL!" Wieder einmal seufzte ich nur und stand ebenfalls auf. Verdutzt guckte Tom mich an. "Los, du willst mich sicherlich wieder verprügeln. Können wir vielleicht die albernen Beleidigungen am Anfang lassen und gleich zum Hauptteil übertreten. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit" Tom knurrte: "Musst dich wohl noch von Lea be.." "Halt's Maul Tom" Seine Augen wurden zu Schlitzen. "Heul doch. Wenn ich zu dir *beep* sagen will, dann sag ich das auch du *beep*", er grinste.

Toms Sicht: „..dann sag ich auch du *beep*“ Bill wurde vor mir etwas kleiner und wich vorsichtshalber ein Stück zurück. Jaa, er hatte Angst vor mir, und die sollte er auch haben! Wie konnte er mir das nur antun? Sicher, jetzt hatte sie sich für ihn entschieden, aber er hat mich von vornherein so Fertig gemacht und JETZT nur ein paar Stunden später, war er sogar mit ihr zusammen, da hatte ich doch wohl erstrecht das Recht ihm böse zu sein oder? „Tom ich versteh ja das du-“ „WAS? WAS VERSTEHST DU?“ brüllte ich gereizt dazwischen. „EINEN SCHEIß VERSTEHST DU!“ ich ballte meine Hände zu Fäusten um nicht sofort völlig auszurasten. Hey, warum wollte ich mich eigentlich zusammenreißen? Ich war doch im Recht! Bill antwortete irgendetwas doch meine Gedanken schwiffen zum gestrigen Tag ab, wie ich meine Lippen auf ihre gelegt hatte.. einfach traumhaft! ..Und jetzt war BILL mit ihr zusammen. Mein Gott, da findet man ein mal ein ganz besonderes Mädchen und dann so was. Bill! Mein eigener Bruder! Und das schlimmste war das ich jetzt bestimmt ständig ertragen musste wie sie sich küssen und wie er ihr extra um mich zu ärgern zumurmeln würde wie sehr er sie doch liebte. „Arschloch!“ Mein Bruder kuckte erst überrascht und fing dann dümmlich an zu grinsen. „WAS?“ – „Du stellst dich zwei Minuten hin wie ne Wachsfigur und dann.. DAS!“ jetzt lachte er.. „haha.. `Arschloch!´ hahaha..“ äffte er mich nach und brach in einen völlig übertriebenen Lachkrampf aus. Ein Fehler! „Ich find das..“ Hörbar atmete ich tief ein und wieder aus „nicht lustig..!“ – „Haha, nee hast Recht ich auch nicht.. haha..“ //Ja provozier mich nur du Wichser!// kalt drehte ich mich um, schloss einmal kurz die Augen und atmete Tief durch. //Nicht ausrasten Tom, nicht ausrasten, nicht..// „BILL VERDAMMT ICH HASSE DICH!“ mit viel Schwung wirbelte ich herum, packte ihn am Kragen und drückte ihn Hart gegen die Wand. Tja, jetzt lachte er nicht mehr! Seine Augen waren vor Schreck geweitet und er hob seine schwächlichen Ärmchen schützend vor den Oberkörper. „..es.. es tut mir leid Tom!“ Fest biss ich mir auf die Unterlippe während eine einzelne Träne sich langsam den Weg über meine Wange bahnte. 65


Mit voller Kraft schlug ich ihm meine Faust in den Bauch. „Ouu“ war alles was das `Etwas` vor mir von sich gab während es sich nun auf dem Boden zusammenkrümmte. „Manchmal hasse ich dich so abgrundtief!“ murmelte ich leise ehe ich ihn wieder hoch zog und erneut gegen die Wand drückte. Bill hielt sich noch immer den Bauch, nun mit tränenden Augen. „Tom du Arsch!“ ächzte er und probierte mich weg zu drücken, doch ich war nun mal einfach Stärker als er und konnte ihn so relativ Problemlos festhalten. „LASS MICH LOS!“ Langsam schüttelte ich mit dem Kopf. „TOM!“ „WAS????“ „DU SOLLST MICH LOSLASSEN!!“ „NEIN!“ RUMS! Mit viel Schwung hatte Bill sein knie zwischen meine Beine gerammt. „AUU!“ schrie ich und knickte ein Stück zusammen. DAS hatte echt gesessen. „Als hätten wir so was nötig Tom! Sie liebt nun mal mich, was kann ich denn schon dazu?“ „DU WEISST DAS ICH SIE AUCH LIEBE!“ – „TU NICHT SO ALS HÄTTEST DU NICHT JA ZU IHR GESAGT!“ – „ ICH BIN DAS ERSTE MAL RICHTIG VERLIEBT UND DU MACHST ES KAPUTT!“ - „HALLO? SIE LIEBT MIHIICH! NICHT DICH! NUR WEILS MAL EIN MÄDCHEN GIBT DAS DER GROßE TOM KAULITZ NICHT HABEN KANN EY, DAS KOTZT MICH AN!“ - „DU KOTZT MICH AN!“ Mittlerweile war ich wieder aufgestanden und nun durfte mein ach so toller Bruder erstmal richtig schön meine Faust spüren. „AU DU ARSCH!“ und Rums hatte ich ebenfalls seine Faust im Gesicht. Wütend verengten sich meine Augen zu schlitzen und schon wenige Momente später lagen wir auf dem Boden und wälzten uns umher wie Fünftklässler die sich um ein Modellauto stritten. Wir hatten uns lange nicht mehr SO gestritten wie jetzt gerade, an die letzte so heftige Prügelei konnte ich mich eigentlich kaum zurückerinnern, das musste wohl schon Jahre zurückliegen. Gerade lag er auf mir und kratzte mit seinen langen lackierten Fingernägeln tiefe Striemen in meine Arme um mir anschließend einen Faustschlag gegen`s Kinn zu verpassen. Mit einem Aufschrei schubste ich ihn schwungvoll von mir runter um mich erneut auf ihn zu werfen und mich ausgiebig dafür zu „bedanken“. Nach einer Weile bekam Bill endlich mein rechtes Handgelenk zu fassen und genau in diesem Moment öffnete sich die Zimmertür. „To- Was macht ihr denn???“ Geschockt ließ die immer noch verschlafen aussehende Lea ihr Handy auf den Boden fallen wo es in mehrere Kleinteile zersprang. „FUCK!“ Mit noch größeren Augen blickte sie zwischen den überresten ihres Handys und uns hin und her. Schnell sprang ich auf und hob die 4 Teile ihres LGs auf um es einigermaßen zusammenzusetzen und ihr wiederzugeben. „Danke..“ murmelte sie, legte es auf die Kommode und drückte mich hinunter aufs Bett. „SITZEN BLEIBEN!“ sagte sie mit gehobener Stimme und verschwand aus dem Zimmer. Mein kleiner Bruder lag noch immer unverändert auf den Boden und blickte musternd auf den Fleck auf dem Lea eben gestanden hatte. Seine Lea. Meine Augen füllten sich mit Tränen. //Jetzt bloß nicht heulen sie kommt gleich wieder!// redete ich mir ein und so schaffte ich es gerade noch mich am Riemen zu reißen und den riesigen Kloß in meinem Hals runterzuschlucken. Nun kam sie wieder in den Raum gestürzt und begann vorsichtig das kleine Rinnsal aus Blut das an meiner Stirn herunter lief abzutupfen. „Was habt ihr zwei nur wieder angestellt?“ fragte sie mit ihrer süßen Stimme und strich mit der anderen Hand leicht über meine Wange. Wow, wie wunderschön das doch kribbelte. Genießerisch schloss ich die Augen und vergaß schon fast dass mir gerade eigentlich so gut wie alles wehtat. Bill war anscheinend in den letzten Jahren um einiges Stärker geworden.. „Guten Morgen erstmal mein Schatz!“ zerstörte mein blöder kleiner Bruder diesen schönen Moment in dem er diesen kleinen Engel Namens Lea von mir zog und ihr einen heuchlerisch zärtlichen Kuss auf die Lippen drückte. Am liebsten hätte ich gekotzt. Glücklich genoss sie mit geschlossenen Augen diesen kurzen Kuss und drückte Bill dann neben mich auf die weiche Matratze. „Guten Morgen, du genauso, WARUM in aller Welt prügelt ihr euch?“ abschätzend sah sie uns an. Sie sah einfach traumhaft gut aus, ein wirklich wunderschönes junges Mädchen, doch mein Bruder, der das natürlich so gar nicht zu schätzen wusste wie immer nörgelte nur rum. „..und warum verarztest du Tom und nicht mich?“ mit einer Schnute blickte er von unten herab in ihre 66


schönen Augen. „..das gibt’s nicht echt! Du gehst mit dem Hübschesten Mädchen das ich je gesehen habe und eifersüchtelst wegen so was rum!“ platzte es aus mir heraus und sofort blickte ich krampfhaft auf den Boden. „Danke Tomi!“ Lea lächelte und wendete sich dann wieder Bill zu. „Er stand nun mal gerade vor mir! Ich liebe dich mein Kleiner, das weißt du doch!“ säuselte sie, legte ihre Hände auf seine Wangen, ging in die Knie und drückte ihm erneut einen wahnsinnig zärtlichen Kuss auf die Lippen. Schon vom zukucken wurde ich fast wahnsinnig, wie hielt Bill das bloß aus ohne sie sofort aufzufressen? „Ich.. brauch mal meine Ruhe!“ stotterte ich und deutete auf die Tür. „Komm Süße!“ mit gerümpften Näschen aber schon um einiges ruhiger als vorhin griff mein Zwilling ihre Hand und zog sie mit sich aus dem Zimmer heraus.

Bills Sicht: Tom und ich haben uns gestritten. Mal wieder. Und natürlich ging es dabei nur um Lea , Lea und nochmal Lea. Wieso konnte er nicht einfach einsehen, dass man gegen Liebe machtlos ist. Da konnte er noch soviel um sich schlagen wie er wollte und selbst wenn es ausnahmsweise mal ihn getroffen hätte - das wage ich allerdings zu bezweifeln, selbst dann änderte sich die Lage nicht, weil seine Liebe nicht erwidert werden würde. Lea liebte mich. Ich liebte Lea. Wo war also das Problem? Unter dem neidischen Blick meines Bruders, waren Lea und ich Händchen haltend aus dem Zimmer stolziert. Ich wollte sie sowieso für mich alleine haben, nachdem Tom unsere gemeinsame Nacht ja so unsanft gestört hatte. Sie zog mich wieder zu mir ins Zimmer. "Und... Geht's wieder?", fragte Lea mitleidend. Ich nickte. "Was macht ihr denn auch immer? Das habt ihr doch nicht nötig, oder?" "Lea... Das... Sorry, aber das kannst du glaube ich nicht verstehen... Nimm mir das nicht übel, aber Tom und ich brauchen das. Wir müssen uns einfach immer wieder ordentlich die Fresse polieren um zu merken, was wir an einander haben." Sie zog ihre Augenbraue hoch. "Aha. Nein, das kann ich echt nicht verstehen." Ein Grinsen breitete sich bei ihr aus, was ich auch gleich erwiderte. "Aber lassen wir Tom doch schmollen" Ich hauchte ihr einen Kuss auf den Mund und setzte mich auf die Couch. "Hey", sie hielt mein Handgelenk. Überrascht drehte ich mich um, doch ehe ich zu Wort kommen konnte, spürte ich auch schon ihre warmen Lippen auf meinen. Zaghaft aber sie lagen auf meinen. Ich schmunzelte, das war MEINE Lea. Ich zog sie näher an mich heran und sie legte mir ihre Hand in den Nacken, während meine auf ihrer Hüfte ruhte. Langsam begann sie, ihre Lippen zu bewegen und als sie diese leicht geöffnet hatte, ergriff ich auch schon meine Chance. Wir verfielen in einen leidenschaftlichen Kuss, und ich genoss den Moment einfach unendlich... Ihre Lippen schmeckten so lecker und ihr Atem war frisch und jung, so wie sie. Ich kam mir auch kein Stück pervers vor, obwohl ich gerade mit einem Mädchen rummachte, die noch nicht einmal volljährig war. Tief atmete ich ein, den Geruch ihres Körpers und fühlte sie. Ich nahm alles an ihr gezielt wahr. Ihre weiche Haut, die mein Bruder gestern Abend zu meinem Entsetzen gestreichelt hatte, ihre vollen Lippen, die ich schmecken durfte, einfach alles an ihr. Leider löste sie sich viel zu schnell wieder von mir, woraufhin ich nur genervt seufzte. "Hat dir gefallen, was?", stellte sie breit grinsend fest. Ich gab das natürlich gleich zurück und fing an sie an der Hüfte erst 'zufällig' zu streifen und dann immer offensichtlicher zu massieren, bis ich in eine Kitzel-Attacke überging. Sie verzog ihren schönen Mund. "Ich bin nicht kitzelig" "Neeeein, natürlich nicht", ich streckte ihr die Zunge raus. Und ging richtig auf sie los. Nach kurzer Zeit schon, konnte sie einfach nicht mehr ernst bleiben und fing lauthals an zu lachen. "Bitte, Bill... Hör aus! Bitte!" "Was kriege ich dafür?" Sie wurde ernst "Was immer du willst" "Ich will eine Einschränkung, weil ich weiß, dass ich nicht alles mit dir machen darf." Sie 67


schien zu überlegen. "Naja, also wenn du willst... Kriegst du ein Bussi von mir", sie sah mich herausfordernd an. Ich tat so, als würde ich überlegen. "Nur ein Bussi?" , versuchte ich es mit einem Schmollmund in Kombination mit Hundeblick. "Nur ein Bussi." "Na gut, weil du's bist... Aber auf den Mund" Sie nickte und kam mir langsam näher, um mir einen Kuss zugeben, den ich mir ja auch verdient hatte. Dann klopfte es an der Tür - Schon wieder!!! "Nein", nuschelte ich, als Lea mir mein 'Bussi' aufdrückte. Schnell nutzte ich das aus und zog sie wieder an mich heran um mir das zu holen, was ich wirklich verdient hatte. Sie schien natürlich nichts dagegen zu haben - nur derjenige der an der Tür stand war wohl nicht so ganz einverstanden, denn das Klopfen wurde immer ungeduldiger, bis die Tür schließlich aufgerissen wurde. Lea und ich unterbrachen zwangsläufig unsere Tätigkeit. Wir waren beide ziemlich angepisst und der da draußen konnte sich ziemlich sicher sein, mal ordentlich die Meinung gegeigt zu kriegen. Immer klopfte es an meiner Tür. Nie war mal Ruhe, dabei war das hier doch gerade mein wohlverdienter Urlaub! Und in meiner Zimmertür stand Gustav - wieder. Ich hatte so eine Art Déjà-vu. "Maaaan Gustav. Ich war grad so schön dabei!", nörgelte ich. Gustav grinste nur: "Scheint sich ja alles eingerenkt zu haben. Ich geh dann mal nach Tom gucken, dem geht's bestimmt nicht so gut grad..." "Was machst du eigentlich hier??? Du fährst doch jetzt nicht jeden Tag nach Hamburg raus oder?!", ich war ein klein wenig empört. Er lachte: "Nene, ich bin doch grad eh hier, bei ...." "Richt der dann mal schöne Grüße von mir aus, ja. Und geh mal zu Tom, der sucht dich bestimmt schon" Ich musste lachen, Tom wäre zwar jetzt sicherlich lieber alleine, aber Lea und ich brauchten die Zweisamkeit ganz, ganz dringend. "Du Bill", nuschelte sie, während wir in einen Kuss verwickelt waren "Hm?" "Ich... Du wohnst in Hamburg... Ich wohn in Magdeburg...Was soll aus uns werden? Ich geh noch zur Schule...", sie wurde ernst. Ich rückte ein Stück von ihr weg, um ihren ganzen Körper bewundern zu können. Sie wusste ja gar nichts von den ganzen anderen Problemen, die noch 1000mal größer waren. Ich war der Leadsänger von Tokio Hotel. Ich war Bill Kaulitz, dessen Leben die gesamte Welt verfolgte. Und dieser Bill, er durfte keine Freundin haben. Ich seufzte. "Was ist denn, Schatz?" Ich schüttelte den Kopf. "Es ist weitaus schwerer als du denkst..." Fragend sahen mich diese wunderschönen Augen an. "W..Was ist denn noch?" Ich schüttelte wieder den Kopf. "Ach... Nichts" Zur Bestätigung bekam sie noch einen kleinen Kuss von mir aufgedrückt, ehe ich aufstand. "Bill? Was..Wieso gehst du denn jetzt?" "Ich.. Ich muss schnell was klären. Es ist nichts gegen dich, ehrlich." "Warum? Kann das nicht warten?" "Nein... Aber Lea, versprich mir eins." Ich nahm ihr einzigartiges Gesicht in die Hände, während sie mich erwartungsvoll ansah. "Versprich mir, dass du niemals vergisst, dass ich dich liebe. Und nichts wird meine Liebe für dich ändern - Nichts." Ich sah sie ernst an. Sie schluckte. "Ich... Ich liebe dich auch Bill... Für immer." "Wenn du dich da mal nicht täuscht." Mit diesen Worten stand ich auf und verließ das Zimmer. Ich musste zu Tom. Ich musst herausfinden, was ich tun sollte, schließlich konnte ich Lea nicht ewig anlügen. Besonders weil wir uns eine Weile nicht sehen könnten. Und wie soll ich ihr denn dann bitte erklären, dass ich mit der berühmtesten deutschen Band auf Europatour bin? Lieber jetzt gleich klären und aus dem Weg schaffen. Bevor sie es von jemand anderem erfährt... Andererseits, wollte ich unsere Liebe wirklich riskieren? Könnte das nicht noch etwas warten? Zumindest bis nach der Tour? Ich schüttelte den Kopf. Ich musste mit Tom reden, der wusste immer Rat bei sowas. Vor seiner Tür angekommen stockte ich... Sollte ich wirklich? Er war wahrscheinlich noch sauer wegen Lea und mir... Was sollte ich denn nur tun? Gustav wollte ich nicht fragen und Georg erst recht nicht... Blieb also nur Tom. //Ach was. Er ist dein Zwilling! Er ist dazu verpflichtet dir zu helfen!//, dachte ich und klopfte todesmutig an seiner Tür. Das war doch schon mal ein guter, netter Anfang - ich hatte zum ersten mal in meinem ganzen Leben bei ihm geklopft und war nicht einfach rein gestürmt! //Na dann, auf in die Höhle des Löwen//

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Toms Sicht: Wer war das denn jetzt? Gustav war der einzigste der klopfte und der war gerade gegangen. Todtraurig lag ich quer auf meinem Bett und starrte die Wand an. Warum war alles so ungerecht zu mir? Ich musste mich zwingend ablenken und mir einen Groupie schnappen. Und ich würde sie auf dem Wohnzimmersofa vögeln, die ganze Nacht lang! Egal was Bill sagte, das musste er mir lassen. Erneut ein klopfen, oh ja, das hatte ich ja vor lauter Miesepetrigkeit fast vergessen. „Ja“ rief ich, den Blick noch immer an die Wand gerichtet, und schon öffnete sich die Tür, schloss sich wieder und schon am Gang hörte ich wie mein Zwilling in mein Zimmer tapste. Sachte ließ er seinen schlanken Körper neben mich auf das Bett sinken. Regungslos blieb ich liegen, wenn er herkam und sogar klopfte (wow das war wohl so ziemlich das erste mal das er das je getan hatte..) dann wollte er wohl irgendwas, also sollte er auch anfangen. „Tomi.. ich brauch mal deinen guten Rat!“ Seine Stimme klang sanft und irgendwie ängstlich. Langsam drehte ich meinen Kopf in seine Richtung. „Ach ja? Wenn du Probleme hast bin ich also wieder der Arsch der dir helfen soll ja?“ Der Satz war ziemlich böse gemeint aber durch unseren Augenkontakt war ein einziges gekränktes verweichlichtes wischwasch aus meinem Mund gekommen. „Ach Tomiii..!“ noch bevor ich mich wehren konnte hatte er seine dünnen Ärmchen um mich geschlungen und mich fest an sich gedrückt, so wie wir es immer taten wenn es einem von uns nicht gut ging. „Bill!“ quengelte ich doch er dachte nicht daran mich loszulassen, nein, stattdessen drückte er mir sogar einen Kleinen Kuss auf die Wange. Etwas verweichlicht blickte ich in seine schönen Augen die meinen so verdammt ähnlich waren und schon musste ich mir wieder auf die Lippe beißen um nicht Augenblicklich loszuheulen. //Tom reiß dich zusammen, was ist nur los mit dir, sie ist nur ein ganz normales Mädchen..!// ..unzwar eins das mir innerhalb weniger Augenblicke wirklich ALLES genommen hatte. Jegliche Selbstbeherrschung, jegliches Machodasein, alles was unromantisch und untreu sein könnte, alles, einfach alles was ich so lange einfach als ganz normal befunden hatte. Entsetzt musste ich feststellen dass ich schluchzend in den Armen meines Bruders hing. „shhht.. es ist gut Tomi, es ist ja gut!“ murmelte er beruhigend und zog mich noch fester an sich. Ich schlang meine Arme fest um seinen Körper und ließ meinen Kopf zitternd auf seine Brust sinken. Das letzte Mal das ich so geweint hatte war- , ja, wann war das? Das letzte mal das es mir so schlecht ging war als Bill plötzlich Abends seine Stimme verloren hatte, aber damals hatte ich nicht geweint, weil ich stark sein wollte für ihn, für uns beide, aber das letzte mal das ich so geweint hatte war wohl als sich unsere Eltern getrennt hatten. ..über was für sinnlose Sachen man sich doch Gedanken machen konnte! „Bleib hier, die Schatten woll`n mich holen, doch wenn wir geh`n dann geh`n wir nur zu zweit. Ich will da nicht allein sein, lass uns gemeinsam, in die Nacht, irgendwann wird es Zeit sein, lass uns gemeinsam..“ Leise sang er unser Lied. UNSER Lied. Wir hatten es zusammen 69


geschrieben und es verband uns mehr als jeder andere Song. Ein weiterer besonders Herzzerreißender Schluchzer brach aus mir heraus. Ich liebte Bills Stimme, und ich liebte ihn, meinen Zwilling. „..in die Nacht.“ Heulte ich weiter. Oh man, was für ein Gefühlschaos. Ich wusste gar nicht was ich zuerst denken, fühlen oder spüren sollte. Sachte aber bestimmend wurde ich nach oben gezogen, bis mein Gesicht auf der Höhe von Bills war. Er wischte die Tränen aus meinem Gesicht und drückte seine Lippen auf meine. Ich konnte gar nicht anders als es zu erwidern. „Es tu-“ „Bshh!“ ich legte meinen Finger auf seinen Mund. „Sag es nicht..“ murmelte ich weiter und setzte mich wieder ordentlich hin. „Also, was willst du?“ fragte ich schließlich nach einigen Augenblicken als ich mich etwas beruhigt hatte um die aufkommende Stille zu durchbrechen. „..ich weiß nicht was ich machen Soll. Und du hast immer einen Guten Rat für mich, wenn ich nicht weiter weiß.. Ich muss .. ich.. soll ich ihr .. wie..“ Bill kam ins Stottern doch ich wusste was er von mir wollte, war ja klar, schließlich waren wir Zwillinge. Ja, er und SEINE Lea. Meine Mundwinkel wanderten ein Stück nach unten doch ich wollte nicht noch weiter rumflennen, ich wollte nicht schwach sein, ich bin nicht schwach, nein nicht ich, nicht Tom Kaulitz, nicht der Tom Kaulitz den ich bis gestern noch gekannt hatte. „Tu ihr ja nicht weh..“ setzte ich an. „..du musst es ihr auf jeden Fall sagen Bill, aber such dir einfach eine passende Gelegenheit. Nimm sie in deine Arme, küss sie, sag ihr das du sie liebst, schau ihr in die Augen wenn sie dir Antwortet, dann siehst du, ob du es ihr sagen kannst oder nicht, du wirst es spüren… und lieber du sagst es ihr als das sie es von jemand anderem mitkriegt. Außerdem musst du ihr ja erklären warum sie nicht allen ihren Freundinnen von ihrem Freund aus Hamburg erzählen kann!“ Nervös blickte mein Kleiner Bruder mich an. „Bill, sie ist intelligent, sie ist so hübsch sie ist so klug.. sie .. sie wird dich verstehen und zu dir halten, sie.. sie liebt dich nun mal!“ Der letzte Satz war mir wirklich schwer gefallen, doch ich hatte ihn tatsächlich halbwegs Gut über die Lippen gebracht.

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Bills Sicht: "Wow", sagte ich einfach nur. Tom hatte weder gelacht noch war er wütend. Er hatte mir geholfen. // Natürlich hat er das, er ist ja auch DEIN Tom und nicht irgendein Tom//. Er tat mir natürlich leid, aber Tom wäre nicht Tom, wenn Tom nicht so tomig reagiert hätte. Gedankenkotze. "Danke, Tom" Er nickte nur. Dann kehrte das tomige Grinsen zurück "Für dich doch immer Billy, einfach 01379 00 400 und schon ist der Kummeronkel dran" Da musste sogar ich lachen, obwohl ich eigentlich so nervös war, schließlich würde ich meiner großen Liebe gleich beichten, dass meine Persönlichkeit im Prinzip eine einzige Lüge ist. Ich hatte noch keine Ahnung wie ich das ganze anstellen sollte, aber ich hatte schon mal den Segen vom großen Bruder, das war doch auch was wert, oder? "Also", Tom war wieder ernst "Willst du es gleich machen?" Ich nickte stumm. Kurz und schmerzlos war es wohl am besten, aber was sollte ich denn sagen 'Hey, Lea. Ja, übrigens, ich wollte dir da noch schnell sagen, dass ich weltberühmter Sänger bin, ne. Hast du ein Problem damit mit Paparazzi belagert zu werden? Nein, oder. Hab ich mir schon gedacht, aber keine Angst, ich werd dich eh nie als meine Freundin bezeichnen, also keiner wird das zwischen uns erfahren, ist doch super!' Ich schüttelte den Kopf. Das musste spontan kommen. Wenn das Schicksal es wollte, würde es klappen. Und das Schicksal würde bestimmt auf meiner Seite sein. Ich setzte mich aufrecht hin, wischte mir einmal quer übers Gesicht, zog die Nase hoch und lächelte Tom an "Auf geht's", meinte ich und stolzierte zur Tür. Tom grinste: "So kenn ich dich Bill. MEIN Bruder." Er klopfte mir auf die Schulter und ich sah ihn dankbar an. Solche beruhigenden Worte können oft Wunder wirken, denn in mir tobte ein Orkan. Mir schossen tausend Dinge in den Kopf, die dagegen sprachen, ihr jetzt die Wahrheit zu sagen. Sie würde vielleicht ausrasten, um sich schlagen, weinen, einfach nur am Boden zerstört sein, mich hassen, mich für einen verlogenen Dreckskerl halten. Bevor ich meine Meinung ändern würde, drückte ich die Klinke hinunter und trat in den Flur. Meine Beine trugen mich über den Holzboden und ehe ich mich versah, befand ich mich auch schon im Wohnzimmer, wo Lea auf dem Sofa saß und sich irgendeinen Horrorfilm ansah. Sie bemerkte mich gar nicht, also ging ich näher an sie heran und packte sie sanft am Hals. Sie kreischte natürlich gleich drauflos und zu meiner Begeisterung kreischte sie etwas, was wie:" Bill komm her! Ich will noch nicht sterben" klang aber es kann auch sein, dass ich mir das nur einbildete, weil das Ganze wirklich ein paar Oktaven zu hoch für mein Gehör gewesen war. Ich lockerte meinen Griff und schwang mich neben sie auf die Couch. Sie verdrehte die Augen und atmete aus "Ach DU schon wieder" Ich sah sie mit meinem Hundeblick an "Soll ich dir Tom herholen oder was?", meinte ich patzig. Sie überlegte kurz, was ich ausnutze um sie in einen leidenschaftlichen Kuss zu verwickeln. Nach einiger Zeit löste ich mich langsam von ihr uns beschloss mit etwas Smalltalk anzufangen. "Und was guckst du?" "Saw" "Ach, du bist ja langweilig", ich grinste und sie schlug mich sanft in die Seite. "Ich bin ja auch ein Mädchen" Lea streckte ihre Zunge heraus. 71


"Soso" Mir fiel wieder ein wieso ich hier war, doch ich wusste beim besten Willen nicht, wie ich anfangen sollte. "Lea", ich beschloss es schnell zu machen und wurde ernst. Sie nicke mit großen Augen "Ich... Ich glaube... Nein, ich weiß... Lea", ich holte tief Luft "Ich liebe dich", erwartungsvoll sah ich sie an. Ihr besorgter Ausdruck verschwandt "Ich dich auch" Lea lächelte und küsste mich wieder. //Und jetzt?! Toller Plan, Tom. Echt ey, HAMMER.// Ich schloss die Augen und versuchte zu überlegen. Immer wieder schoss mir ein Wort durch den Kopf: //Schnell. Schnell. Schnell! Schnell! Schnell!! Schnell!! SCHNELL!!!// Ich hörte die Uhr lauter ticken als sonst und keuchte auf. Nur eine Uhr. "Lea, würdest du mich lieben, egal wer ich bin?" Fragend sah sie mich an "Ich liebe den Bill, den ich vor mir habe. Was.. Was meinst du?" "Okay, okay... Das war ne dumme Frage..." "Nein, Bill. Was wolltest du damit sagen?" Ich seufzte. "Würdest du... Würdest du mich auch lieben... genauso lieben... wenn ich.... wenn ich anders wäre?" "Anders?" "Anders eben" "Was meinst du denn mit 'anders' ?" "Naja... Wenn ich dir etwas verschwiegen hätte zum Beispiel?" "Was hast du mir verschwiegen?", sie wurde ernst. Ich schaute nach unten "Ich hab dich zuerst was gefragt" Lea schüttelte ihren Kopf "Es... Es kommt drauf an. Wenn du mir verschwiegen hast, dass das zwischen euch nur ne Wette ist... Ich weiß nicht ob ich dich dann noch genau SO lieben würde" Sie schaute mir direkt in die Augen "Wenn du mir verschwiegen hättest, dass du ein Massenmörder bist. Ich würde dich genau SO lieben. Wenn du Kinder hättest, ich würde dich genau SO lieben. Wenn du mir verschwiegen hättest, dass du tot krank bist, ich würde dich genau SO lieben", ihre Stimme wurde immer schneller, sodass die Worte ineinander verschwammen und ich Mühe hatte ihren Sätzen zu folgen. "... Ich würde dich lieben, wenn du dumm wärst, ich würde dich lieben wenn du arm wärst, wenn du steinreich wärst. Ich würde dich lieben, wenn du mir nicht gesagt hättest, dass du drogenabhängig bist, dass du von 1.000.000. Mädchen geliebt wirst, dass du" Sie stockte. und ich packte sie am Arm. "Du würdest mich genauso lieben, wenn ich von 1.000.000 Mädchen geliebt werden würde?" Sie nickte lahm. Ich zählte 1 und 1 zusammen und sprang auf. "Woher weißt du es?", meinte ich ruhig. Sie blickte beschämt nach unten. "Was weißt du alles?! Seit wann?! Von wem?!" Stille. "ANTWORTE MIR VERDAMMT!", ich riss ihr Kinn in die Höhe, sodass sie in meine feuchten Augen sehen konnte. Sie wimmerte. "Bill... Bill", flehte sie, doch sie wurde immer wieder vom Schluchzen unterbrochen. Ihre Stimme bebte. "Du hast es die ganze Zeit über gewusst oder?! DU VERDAMMTE NUTTE! DU HAST UNS ALLE VERARSCHT!", Ich ließ meine Hand fallen. Wie gerne würde ich ihr jetzt eine rein hauen? Ich schreckte selbst vor mir zurück. Ich war kein Schlägertyp. Ich schlug Mädchen sowieso nicht. Ich verachtete Männer, die das taten. Ich zog meine Hand blitzschnell hinter meinen Rücken. "Was ist denn hier...", Tom, der gerade in den Raum getreten war stockte. "Ach du Scheiße", murmelte er, als er eilig auf Lea zuging, die tränenverschmiert wimmerte, dass es ihr leid tat. Er warf mir einen tötenden Blick zu, woraufhin ich nur schuldbewusst den Kopf hängen ließ. Ich verließ den Raum schleichend, hin und hergerissen zwischen Wut, Schuldbewusstsein, Scham und... Wut. "Bill", rief sie mir noch leise hinter her, aber Tom zischte nur, dass es besser wäre, wenn ich jetzt ging. Ich ging. Mein Zimmer fühlte sich leer an. Kahl. Traurig. Monoton. Sinnlos. Ich schmiss mich auf das Bett. So mussten sich Leute fühlen, bevor sie sich ritzten. Der Kick des Schmerzes. Aber ich hatte keine Lust auf hässliche Narben. Tom würde Georg alles sagen und wahrscheinlich auch noch lebhaft dazu dichten, wie ich Lea eiskalt mit der flachen Hand auf die Wange geschlagen hatte und sie heulend zusammen gebrochen war, während ich einfach weiter auf sie eindrosch. So würde Tom das Ganze erzählen. Und ich wäre tot. Tot für sie, für Georg und... und für mich. Ich wusste nicht einmal, ob ich noch sauer auf sie war. Schließlich hatte sie uns die komplette Zeit verarscht. Eiskalt. Aber dann fragte ich mich wieder, ob alles gelogen war. Ich summte leise: 'Unsere Träume waren gelogen und keine Träne echt.' Genauso fühlte ich mich gerade... 'Komm und rette mich, ich verbrenne innerlich. Komm und rette mich, rette mich...' 1000 Fragen schossen mir durch den Kopf... //Wer hatte es ihr gesagt? Oder wusste sie es aus den Medien? War sie Fan oder Hater? Wie konnten wir 72


nur so naiv sein und glauben, sie hätte noch nie einen Fernseher, einen PC, Zeitung, Radio oder sonst was gesehen? Lachte sie sich gerade den Arsch über uns ab? Was machte Tom mit ihr? Passte Tom besser zu Lea? War ich Schuld? Hasste sie mich? Hasste Georg mich? Wusste sie ALLES? Was war das zwischen uns? Und vor allem: Liebte sie mich wirklich?//

Leas Sicht: „..shht.. Was ist denn los?“ Seine Stimme klang warm und einfühlsam. Verzweifelt klammerte ich mich an ihn und heulte hemmungslos in sein T-Shirt. Was war nur los mit mir, ich heulte so gut wie nie, nur hier tat ich es ständig. Naja, ist ja auch nicht alltäglich das man mit Weltstars- Verdammt, so eine Scheiße! Toms Umarmung war vollkommen. Es tat so unendlich gut ihn in diesem Moment bei mir zu haben, auch wenn ich mich trotz der warmen Arme um mich und der streichelnden Hand auf meinem Rücken nicht beruhigen konnte. „Was hätte ich denn sagen sollen?“ mit nassen geröteten Augen sah ich ihn an. „Ich.. ich.. was.. ich kann doch nicht..“ Es war zwecklos, ich konnte einfach keinen ordentlichen Satz zusammenbringen. Zu sehr schwirrten die Gedanken in meinem Kopf hin und her. Wie ein Mörder der auf einer Verfolgungsjagd vor der Polizei flüchtete, und mein Kopf wurde als die überfüllte Autobahn und Fluchtstrecke misshandelt. Tom hielt meinem Blick stand, sah mir immer noch tief in die Augen. Sein Blick war unergründlich, und es lag mindestens genauso Gefühl darin wie in meinem. Er sah so.. verstehend aus, und mitleidend.. und.. irgendwie auch nicht-verstehend und.. besorgt .. und.. irgendwie so Wahnsinnig unterstützend. „Du.. du weißt es.“ Es war mehr eine Aussage als eine Frage, doch er blieb ruhig, und verständnisvoll, irgendwie, als könnte er es nachvollziehen, oder als würde er zumindest versuchen es zu tun. Zitternd nickte ich. „Was hätte ich machen sollen? `hallo georg, du bist doch der bassist meiner Lieblingsband, Cool das du jetzt auch mein Bruder bist, aber keine Sorge ich bin kein Grützel, ach und hallo Bill und Tom, ja klar kenne ich alle eure Lieder, und ja ich war vor drei Wochen auf eurem Konzert, war super, wollen wir Freunde sein?´“ Meine Stimme überschlug sich fast, obwohl ich immer wieder schluchzen musste. „..was.. was hättet ihr denn von mir gedacht???“ Mit einmal musste einfach alles raus, und da Tom nun mal derjenige war der mich gerade schützend in seinen Armen hielt, ließ ich es eben an ihm Raus, was Georg über alles sagte wollte ich mir gar nicht erst vorstellen und Bill hasste mich jetzt bestimmt, also was blieb mir denn auch über? In mir platzte ein Meer aus Emotionen auf das sich in Worten und mit makeup vermischten Tränen entlud. „ Du musst mich doch auch verstehen..“ setzte ich erneut an, und es klang beinahe als wäre er derjenige gewesen der mich eben als Nutte beschimpft hatte, doch ich wusste mich nicht besser auszudrücken, und es war mir auch egal, er würde mich schon verstehen. „..er.. er ist mein Bruder, und .. ich wollte.. ich wollte IHN kennenlernen… Bassist das ist eben.. das ist eben sein Beruf.. aber… aber ich wollte doch einfach.. ich … ich wollte doch nur.. und es war doch auch nicht wichtig das… und er wollte mir seine Freunde vorstellen.. und.. wir haben uns doch gut verstanden.. es hat mich ja keiner gefragt.. und.. es war mir doch auch egal… ich… ich fand es schon komisch am anfang aber… aber… bill war so.. und du.. und … und… und ich hab gar nicht mehr daran gedacht das… er war so .. es war mir egal weil.. ich hab mich so wohl gefühlt in seinen Armen das ich dachte das…“ Behutsam 73


legte Tom seine Lippen auf meine und drückte einen winzigen aber dennoch mehr als gefühlvollen Kuss darauf ehe er mich näher an sich zog. „Es ist okey.“ Sagte er dann einfach und alles was ich noch tun konnte war mein Gesicht in seiner Halsbeuge zu vergraben und einfach alles rauszulassen. Ich fühlte mich so verloren, so einsam, so hilflos, so.. schuldig.. und Tom war mein letzter Strohhalm, an den ich mich verzweifelt klammern musste um nicht zu ertrinken. „Ich liebe doch ihn.. der Sänger von Tokio Hotel ist mir egal.. ich .. ich will doch IHN.“ War alles was ich nach einiger Zeit mehr oder weniger stillen Weinens von mir geben konnte. „Shht.. ich weiß, Kleine, ich weiß.. er.. er liebt dich, wirklich, über alles, aber wenn man jahrelang so im Licht steht wie wir, dann ist es schwer sich fallen zu lassen, gib ihm ein bisschen Zeit, er wird dich verstehen, es ist einfach nur schwer für ihn. Er hat sich noch nie so schnell verliebt, und dann stürzt er sich nach fast 6 Jahren in eine Beziehung und dann reagiert man eben mal über! Es wird alles wieder gut, ich verspreche es dir.“ Seine Stimme war so unglaublich beruhigend, und jedes einzelne Wort hatte mir gut getan. Er hatte es mir versprochen, es würde doch auch gehalten werden oder? Auch wenn ich innerlich ruhiger wurde, und mein Herz nun nicht mehr ganz so stark blutete, reagierte ich äußerlich mehr als panisch. „Wir sind nicht mal zwei Tage zusammen und er hat mich schon zum zweiten mal `NUTTE` schreiend hasserfüllt angekuckt.. ich.. ich mache alles falsch.. ich bin ein einziger Fehler ich… es hat doch eh keine Chance mit ihm.. ich.. ich mache einfach alles kaputt.. ich bin so dumm ich..“ Tom griff nach meinen Handgelenken und zwang mich damit aufzuhören um mich zu schlagen. Ich hatte um mich geschlagen? Egal, ich spürte den vorsichtigen, aber bestimmten Griff um meine Gelenke und Toms Blick in meinem Gesicht. Verzweifelt ließ ich mich auf die Knie sinken und zwang ihn damit mich loszulassen. Die Tür öffnete sich und Georg kam herein. „Was.. Was ist denn hier los???“ geschockt drückte er Tom weg und schmiss sich neben mich. „Lea? Süße was ist los?“ Ich blickte verheult zu ihm hoch. Zu meinem Bruder, der mich jetzt bestimmt hassen würde. „OH GOTT GEORG!“ schluchzte ich und brach noch mehr in Tränen aus. „wa- Tom?“ Hilfesuchend blickte er zu dem Hopper nach oben während ich mich auf dem Boden zusammenrollte. “ich will einfach nur noch sterben.. lasst mich einfach sterben.. “ In einen Heulkrampf verfallen und von schweren Schluchzern unterbrochen wippte ich leicht auf dem Boden hin und her während meine heißen Tränen auf den schön gemusterten Laminatboden tropften.

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Georgs Sicht: Vom Wohnzimmer drangen laute Stimmen an meine Ohren. Also da musste ich doch mal schauen, was los ist... Was ich dann da sah, schockte mich doch, ich sah nur noch Bill in sein Zimmer trotten. Ich ging weiter ins Wohnzimmer, wo ich dann Tom und Lea sah. Er hatte sie am Handgelenk gepackt. „Was.. Was ist denn hier los??? Lea? Süße was ist los?“ Sie sah mich ängstlich an, ihre Augen voller Tränen und schmerzverzerrt. „OH GOTT GEORG!“ , schrie sie und kauerte sich auf dem Boden zusammen. „wa- Tom?“, ich kam mir vor wie im falschen Film. Gerade noch waren Bill und Lea die Turteltäubchen schlecht hin gewesen und jetzt.... Ihre Stimme riss mich zurück in die Realität. “Ich will einfach nur noch sterben.. lasst mich einfach sterben.. “ Geschockt riss ich die Augen auf und hoffte, dass Tom irgendwas machen konnte. Lea lag heulend auf dem Boden, wie ein nasser Sack, leblos, während sich ihr Rücken immer wieder in unregelmäßigen Abständen hob und senkte. Herzzerreißende Schluchzer begleiteten das alles noch, sodass sie wirklich nichts anderes mehr war als ein Häufchen Elend. Wie in Trance stand ich auf, ging zu ihr und hob sie. Lea ließ es geschehen. In meinen Armen trug ich sie in Toms Zimmer und legte sie behutsam ins Bett, wo sie immer weiter weinte, heulte, schluchzte, und einfach nur vor sich hin vegetierte. Ich hatte kurz versucht mit ihr zu reden, aber es war zwecklos und ich wollte sie nicht unnötig nerven. Also ließ ich mich erschöpft auf die Wohnzimmer-Couch fallen, wo Tom wie hypnotisiert den Teppich anstarrte, als wollte er ihn beschwören. "Also, Tom. Was habt ihr jetzt schon wieder angestellt?" Er antwortete nicht, sondern murmelte einfach immer wieder zu sich selbst "Sie weiß es. Sie weiß es." Ohne den Blick zu heben. "Was weiß sie?", ich kam mir langsam echt vor wie in einer Psychiatrie - und ich war der Psychologe. Er starrte mich plötzlich an, sodass ich erschrak. "SIE WEIß DAS DU BASSIST BEI TOKIO HOTEL BIST! SIE WEIß WER TOKIO HOTEL IS! WAS WIR MACHEN! SIE WEIß ALLES!!!!" Geschockt starrte ich ihn an, während es in meinem Hirn ratterte. Okay, das ergab irgendwie alles Sinn. Bill, wütend, traurig, enttäuscht auf seinem Zimmer und Lea komplett fertig und schuldbewusst plus hilflos in Toms Zimmer. Ich schloss die Augen und zählte bis 10. "Sie weiß alles?" Tom nickte. "Woher wieso weshalb?" Er erklärte mir, wie Bill ehrlich sein wollte und keine Lügenbeziehung anfangen wollte, wie er vollkommen wütend aufgesprungen war, wie Tom wütend war, wie Lea vollkommen aufgelöst war und erklärt hatte, warum sie uns alle so krass belogen hatte. Alles. "Und.... Was ist jetzt mit Bill und ihr?", fragte ich zaghaft, obwohl ich die Antwort im Prinzip schon wusste. "Naja... Also wie ich Bill kenne, will er erst mal für sich sein. Ich denke mal, dass die Beziehung, wenn man die überhaupt so nennen konnte, jetzt in nächster Zeit auf Eis liegt. Wir sind ja dann eh auf Tour und Lea kann ja den Schulstoff nicht einfach versäumen und so... Ich werd aber auf jeden Fall versuchen, Bill umzustimmen. Es wär doch schon schöne Scheiße, wenn die sich jetzt bekriegen und dann so auseinander gehen." Er grinste: 75


"Vor allem weil Bill dann auf der Tour alle Töne versemmelt" Ich schmunzelte. "Also was machen wir jetzt?" Er zögerte kurz. "Ich werd jetzt mal zu ihm gehen und du... DU kannst ja irgendwie Fernsehen gucken oder so... Ich glaube nicht, dass Lea reden will. Die hat ja auch ziemliche Schuldgefühle uns gegenüber. Aber wenn du rüber gehst, dann sag ihr bitte auch von mir, dass ichs ihr nicht wirklich übel nehme. Es war zwar für uns Scheiße, aber an ihrer Stelle hätte ich wahrscheinlich das gleiche gemacht." Ich nickte stumm und beschloss gleich, zu meiner Schwester zu gehen. Ich war enttäuscht und fühlte mich hintergangen, aber sie war meine Schwester und ich wollte so etwas das Verhältnis nicht zerstören lassen. Tom stand auf und ging zu Bill. Die beiden würden jetzt ein Zwillingsgespräch führen. Die beiden hatten es gut, sie waren nie alleine und konnten sich stumm verständigen. Die beiden würde nichts auseinander bringen. Nichts auf der ganzen Welt. Lea und mich konnte so einiges auseinander bringen und ich würde mich jetzt ganz schön beweisen müssen, obwohl wir uns erst seit wenigen Tagen kannten. "Lea?", zaghaft klopfte ich an die Tür. Keine Antwort. Langsam öffnete ich die Tür und trat in das abgedunkelte Zimmer. Sie hörte laut Musik und schrie ins Kopfkissen. Ich atmete tief ein und ging einen Schritt auf sie zu, ihr Rücken zu mir gewandt, lag sie da und schrie und weinte und tat mir leid. Die Musik konnte ich klar und deutlich erkennen, obwohl sie Kopfhörer benutzte. //Wenn die noch nicht taub ist....// Ein flehender Ton lag in der Stimme des Sängers, die ich nur zu gut kannte. Ich schüttelte den Kopf. 'Unsere Träume waren gelogen und keine Träne echt. Komm sag, dass das nicht wahr ist... Sag es mir jetzt. Vielleicht hörst du irgendwo, mein SOS im Radio. Rette mich...' Sie schreckte auf und riss sich die Kopfhörer aus den Ohren. "WAAAS?! BIST DU JETZT AUCH NOCH GEKOMMEN UM MIR ZU SAGEN WAS FÜR NE NUTTE ICH DOCH BIN?!", schrie sie und brach gleich wieder heulend zusammen. Sie erstickte fast an ihrem Schluchzen, hatte ich das Gefühl. Bills Stimme klang immer noch weiter, von unter der Decke. Langsam setzte ich mich neben sie "Geh...Geh... Geh weg...Georg... Geh!", schluchzte sie immer wieder leise. Ich streichelte ihr über den Rücken. "Shhhh... Lea...Shhhh" Nach 20 Minuten hatte sie sich weitgehend beruhigt und ich beschloss die Stille zu brechen. "Lea?" "Mhmm" "Willst du reden?" Keine Antwort. "Würdest du es mir zu liebe sagen?" Stille. Ich wollte sie zu nichts drängen, deshalb stand ich auf und ging aus dem Zimmer. "Georg", hörte ich eine leise Stimmte, als ich gerade die Tür schließen wollte. Glücklich kam ich wieder rein. Und setzte mich. "Ich... Ich habe es gewusst. Ich weiß wie mies das ist und ich kann auch verstehen wenn ihr mich jetzt alle hasst. Es war hinterfotzig von mir und ich bereue es. Ich hab euch eiskalt belogen." "Nein, Lea. Wir haben dich eiskalt belogen. Ich hab dich bezüglich meines Berufs belogen. Du hast nicht gelogen, du hast niemals eine Unwahrheit gesagt, du hast uns einfach etwas verschwiegen. Ich bin schuld. Und ich werde dich niemals hassen, vor allem nicht wegen SOWAS..." "Bitte hass mich einfach, ich habs nicht anders verdient... Lass mich einfach sterben...", flehte sie. "Es ist wegen Bill, oder?" Keine Antwort. "Ich bin nicht Bill, ich weiß nicht was in ihm vorgeht und ich kann ihn auch nur begrenzt beeinflussen, aber ich glaube, er hat auch unheimliche Schuldgefühle. Und du musst wissen, dass Bill unheimlich stur, verbissen und dickköpfig ist. Gib ihm einfach Zeit." "Er hasst mich", meinte sie trocken. "Er liebt dich" Sie schüttelte den Kopf. "Bitte geh jetzt Georg." "Du versprichst mir aber, andere Musik zu hören, ja? Wenn du jetzt seine Stimme hörst, macht das alles nur noch viel, viel schlimmer. Versuch an was anderes zu denken. Du weißt ja: Zeit heilt alle Wunden." "Das kann ich nicht versprechen. Ich liebe ihn", sie sah mir direkt in die Augen "in Ewigkeit"

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Leas Sicht: „in Ewigkeit.“ Georg blickte mich groß an. Ich griff nach meinen Kopfhörern. „Ich will nach Hause Georg.“ Sagte ich ruhig und biss mir auf die Unterlippe. Nein, ich wollte nicht nach Hause, ich wollte in Bills Zimmer rennen und mich in seine Arme schmeißen und seine wundervollen warmen weichen Lippen auf meinen spüren und mich wohl fühlen und glücklich mit ihm sein und.. „Verdammt ich hab alles kaputt gemacht“ Nun heulte ich wieder. „Ich ruf uns ein Taxi.“ Sagte Georg nur, dann begann er sowohl seine als auch meine Sachen zusammenzupacken damit ich Zeit hatte mit mir selbst klar zu kommen und mich vielleicht zu beruhigen. Doch natürlich tat ich nichts von alledem sondern stöpselte nur meine Kopfhörer ein und hörte mir die wunderschönste Stimme an die ich je gehört hatte. „..du bist und warst und wirst nie wieder alles sein, ich bin und war und werd` nie wieder glücklich sein, lass mich, verlass mich , endlich, ich hasse di-“ plötzlich wurden mir die Kopfhörer aus den Ohren gerissen. „Hör jetzt auf, du tust dir nur selber weh!“ bestimmend packte Georg meinen Mp3Player in seinen dunkelblauen Rucksack. Den Rucksack den ich mit Bill hinter Toms Sitz gequetscht hatte. Unsere Hände hatten sich dabei berührt, und alles hatte gekribbelt. Ich seufzte und schluchzte anschließend herzzerreißend. „Was wenn ich mir wehtun will?“ „Warum solltest du das wollen?“ „Weil ich es verdient habe.“ „Lea..“ doch er brach den Satz ab und verschwand stattdessen aus dem Zimmer. „Ich gehe ein Taxi rufen, beruhig dich ich bin in Zehn Minuten wieder da.“ Er hatte verstanden dass ich gerade meine Ruhe brauchte und ich war ihm dankbar. Kurz überlegte ich, dann lief ich zu meiner Tasche und nahm einen Block und einen Stift heraus. „Lieber Bill.. Ich weiß dass es nicht richtig von mir war, euch und vor allem dir nicht zu sagen, dass ich alles weiß.. das ich Weiß, was für ein Leben du führst, und, das du von tausenden Mädchen begehrt wirst, und das du vermutlich in Geld schwimmst. ..Aber ich wollte einfach dich kennenlernen.. nicht die Identität aus dem Fernsehen, und ihr seid nun mal die Besten Kumpels meines Bruders, da, ich...ich wollte... ich.. es war mir egal dass ihr bekannt seid, dass ihr eigentlich ein vollkommen anderes Leben führt. Zuerst war es schon ein bisschen.. komisch.. aber.. dann haben wir uns Unterhalten und du warst so.. besonders und… ich hab mich einfach so wohl bei dir gefühlt. Bei meinem Bill und nicht bei dem Sänger von Tokio Hotel. Und ich hab` gar nicht mehr darüber nachgedacht das.. Bill, ich kann mir vorstellen dass es schwer für dich ist, sich fallen zu lassen und mir wieder zu Vertrauen… aber ich… ich hab es wirklich nicht böse gemeint ich hab einfach nicht darüber Nachgedacht. …Ich war so Dumm und jetzt wirst du mich wahrscheinlich nie wieder sehen wollen, aber ich will, dass du mir glaubst, nein, dass du weißt, dass ich dich wirklich liebe, über alles. 77


Bitte denk darüber nach, und gib mir noch eine Chance. Bitte Bill, bitte! ..Ich kann es verstehen, wenn du erst darüber nachdenken musst… Aber bitte, Verzeih mir… versuch mich auch zu verstehen. Ich habe mich noch nie so wahnsinnig wohl gefühlt wie in deinen Armen. Ich liebe dich ♥“ Ich hatte immer wieder bittere Tränen auf die Karierte Seite vergossen, doch zum Glück war die Schrift nicht verschmiert, also faltete ich das Blatt mit zitternden Händen zusammen, als Georg auch schon rein kam. „Das Taxi ist da Süße.“ Geknickt stand ich auf und lief auf meine Tasche zu doch er nahm sie und murmelte nur etwas wie „Lass mich das machen.“ Ich schritt durch den Flur und dann die Treppe hinunter. Mit einem verbitterten Blick zog ich meine Schuhe und die Jacke an die mein Brüderchen mir reichte. Gerade als er die Tür öffnete kam Tom die Treppe hinunter gehechtet. „Hey, was wäre ich für ein Gastgeber wenn ich mich nicht bei euch verabschieden würde?!“ Er grinste schief und schlug mit Georg ein. „Wir sehen uns, Hagen!“ Dann ging er auf mich zu und legte seine Arme um mich. „Mach`s Gut Kleine!“ sagte er in einer sehr leisen sehr ruhigen Stimme und strich sanft über meinen Rücken. Ich hatte meine Arme ebenfalls locker um ihn geschlungen und ich war wahnsinnig froh dass wenigstens einer der beiden Zwillinge noch mit mir sprach. Tom zog seinen Kopf ein Stück zurück und sah in meine Augen. „Ich will dass du weißt das du zu mir kommen kannst wenn irgendwas ist okay?“ Er sprach noch immer leise und ein sanftes lächeln hatte sich auf Seine Lippen gelegt während er unauffällig irgendetwas Kleines in die Hosentasche schob. Fest biss ich auf meine Unterlippe. Bill wollte sich nicht von mir verabschieden. Der Ältere Zwilling schien zu verstehen an was ich dachte, denn er schüttelte nur leicht mit dem Kopf und zog mich wieder an sich heran. „Lass ihm einfach etwas Zeit!“ flüsterte er und anstatt mich zu beruhigen brach ich wieder vollends in Tränen aus. Verzweifelt klammerte ich mich an ihn und drückte mein Gesicht so fest in sein weites Printshirt das mir fast die Luft wegblieb. „Ich will nicht dass er mich hasst!“ schluchzte ich herzzerreißend ohne mich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Toms Arme legten sich noch ein wenig fester um mich, und seine linke Hand streichelte leicht durch mein ohnehin schon völlig zerzaustes Haar. In diesem Moment wünschte ich mir nichts mehr, als Bill noch einmal zu sehen, mich von ihm zu verabschieden. Meine Gedanken schweiften ab. Wäre ich nicht so bescheuert gewesen würden wir jetzt noch hier bleiben, und wenn wir heute Abend gefahren wären hätte Bill mich fest in seine Arme geschlossen, mir einen seiner Unwiderstehlichen Küsse auf die Lippen gehaucht und mir gesagt das er mich liebt und das er mich vermissen würde. Eine Schöne Vorstellung, und etwas das ich wohl niemals erleben dürfte. Wenn ich ihn nur wenigstens noch mal sehen könnte! Doch im Moment sah ich gar nichts, da mein nasses Gesicht noch immer in Toms T-Shirt vergraben war, und so bekam ich natürlich auch nicht mit wie Bill oben am Treppenabsatz Stand und im Türrahmen versteckt, bedacht darauf, ja nicht gesehen zu werden, die Szene überblickte. Ich fühlte Toms harte, durchtrainierte, männliche Brust an meinem Wangenknochen und die Weiten Ärmel seiner Jacke um mich herum. Draußen hupte es. Langsam zog ich meinen Kopf zurück, drückte mich noch ein letztes Mal an meinen „Beschützer“ und bewegte mich dann auf die Tür zu die Georg schon geöffnet hatte. Während er nach dem auf dem Boden liegenden Ranzen griff, lief ich hinter ihm entlang und steckte, unbemerkt von allen anderen, da ich ja von meinem Bruder verdeckt wurde, den Brief in Bills Jackentasche. „Ciao Tom!“ Ein Schluchzen und ich war nach draußen verschwunden und ins Taxi eingestiegen. Die ganze Fahrt über sprach ich kein Wort und daheim angekommen verschwand ich in Georgs Zimmer (ein eigenes hatte ich ja nicht), wo ich mich aufs Bett schmiss und den Rest des Tages mit leerem Blick an die Decke schaute.

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Erst am späten Abend öffnete sich die Türe und Georg kam herein. „Ich dachte du schläfst schon.“ „Pff, wie könnte ich?“ Fragte ich mit Tränenerstickter Stimme. Stumm kam er zu mir, legte sich aufs Bett und nahm mich in seine starken, muskulösen Arme. „Nicht.. ich will nicht schon wieder heulen..“ nuschelte ich noch ehe erneut eine dicke Träne über meine Wange lief und ich mich an seine Brust schmiegte. Sanft wiegte er mich hin und er, und ich hielt meine brennenden Augen geschlossen, bis ich schließlich, nach einer Zeitspanne die ich nicht einschätzen konnte, ins Land der Träume abgedriftet war.

Als ich am nächsten Morgen, oder eher gesagt Mittag, die Augen aufschlug ging es mir schlicht und einfach beschissen. Ich löste mich aus Georgs Armen, die sich noch immer schützend um mich gelegt hatten, und verschwand ins Bad, wo ich erstmal meine Sachen von mir streifte und unter die warme wohltuende Dusche trat. Nach mindestens einer Stunde stellte ich das heiße Wasser aus und griff nach einem der flauschigen weißen Handtücher aus dem Regal. Gerade als ich beginnen wollte mich abzutrocknen viel mir ein Zettel auf der Unweit meiner Klamotten auf dem Boden lag. Ich griff danach und hielt ihn näher an mein Gesicht. Hübsche Handschrift, dünner, schwarzer Edding. “Hey Kleine, Meld dich doch einfach mal bei mir. Tom“ Darunter stand eine Handynummer. Ich wickelte mich in das Handtuch ein und setzte mich auf den Boden um der dichten Nebelwolke aus Wasserdampf die mich einhüllte zu entkommen. Ich griff nach meinem Handy und lehnte mich an der Duschwand an während ich die Telefonnummer in das flache Gerät tippte und speicherte. Kurz überlegte ich, dann ging ich auf „Nachricht schreiben“ und begann zu tippen. „Hey Tom. Ich bin`s Lea. Wollte nur das du meine Nummer hast.“ Ich drückte auf senden und ließ den Kopf nach hinten gegen die Duschwand sinken. Das war verrückt. Völlig Verrückt. Geradezu Abnormal. Ein undeutbares Grinsen schob sich auf meine Lippen. Er hatte mir seine Handynummer gegeben, unglaublich. Noch immer lächelnd schüttelte ich den Kopf, als auch schon mein Handy vibrierte. „Ein Glück, du meldest dich! Wie geht`s dir? Tom“ Ich smilte das kleine Gerät an und drückte auf „Antworten“. Völlig verrückt, wirklich, jetzt antwortete er mir auch noch. „Den Umständen entsprechend. War grade duschen. Du schreibst mir, ich lache, ich glaube ich werde verrückt..“ Ohne zu überlegen Sendete ich und schlug mir im Nächsten Moment mit der flachen Hand auf die Stirn. Das war ja mal echt schlimm.. mehr als das.. das hatte ich doch nicht wirklich ge„Na wenigstens etwas Gutes löse ich in dir aus ;) Tom“ 79


Oh man, der war ja lustig. Doch ich wurde wieder ernst denn der Gedanke an Bill kam zurück. Ich zögerte einen Moment, doch dann rang ich mich durch nach ihm zu fragen. „..was ist mit Bill?“ Das war alles was mir einfiel. Gespannt klammerte ich mich an meinem Handy fest, und wartete darauf dass es endlich vibrierte. Nach gefühlten Stunden, und eigentlichen Zwei Minuten passierte es endlich, und natürlich schmiss ich das gute Ding erstmal schön auf die nassen Fliesen. Ich schüttelte den Kopf über mich selbst, hob es auf und öffnete die Kurznachricht. „Er ist ein alter Sturkopf, verschanzt sich in seinem Zimmer und hört ganz furchtbare Musik. Lass ihm Zeit..“ Ich seufzte. Na wenigstens startete er zuhause keine Hasstiraden auf mich. Ich wusste nicht warum aber Tom wirkte furchtbar beruhigend auf mich. „..mhhn..“ ..war alles was ich zurück schrieb.

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Toms Sicht: Konnte ich es mir wirklich leisten „Hdl“ unter meine SMS zu schreiben? War das fehl am Platz? //Warum nicht gleich „Ild“ du Idiot?// Ich verlachte beides und blickte auf mein Handy. „..mhhn..“ //..warum eigentlich nicht, sie weiß doch, das du sie ..magst.. // Noch immer kam ich nicht damit klar, plötzlich verliebt zu sein, doch ich wollte nicht wie der unerfahrene Siebtklässler von Nebenan wirken und außerdem war sie eh hoffnungslos in meinen Bruder verschossen. Manchmal verstand ich Bill einfach nicht. Eigentlich konnte ich Lea`s Entscheidung (wenn man es denn so nennen konnte) nichts zu sagen nachvollziehen. Wir hatten sie ja auch nicht danach gefragt. Aber Bill war Stur, das war er schon immer und das würde er wohl auch immer bleiben. Doch wie konnte man so ein Engelswesen von sich fern halten? Wenn ich an seiner Stelle wäre, ich schwöre, ich würde sie keine Sekunde aus den Augen lassen geschweige denn aus den Armen. Ich würde sie so viel ich könnte sehen wollen und mich jede gemeinsame Sekunde mit ihr an sie schmiegen wie ein kleines Kätzchen das lange keiner mehr gestreichelt hatte. Bedächtig fuhr ich mit der Zunge über meine Lippen und den kleinen schwarzen Halbring darin. Die Lippen mit denen ich sie geküsst hatte. Ich seufzte. “..lass dich nicht hängen! Ich kann es nicht haben wenn du traurig bist. Hdl Tom“ Ich kniff die Augen zusammen und überwand mich schließlich meinen Daumen auf die Taste sinken zu lassen und abzusenden. „Oh Gott.. Das hast du nicht ernsthaft geschrieben Tom?“ Fragte ich mich sofort selber und war schon am überlegen ob ich nicht etwas wie „oh war nicht an dich“ hinterher simsen sollte. Aber das würde alles nur noch schlimmer machen. „..Das hier ist einfach nur Musik um durch den Tag zu kommen, dein Morgen`s Frühaufsteh-, Auf`m Weg zur Arbeit- Song..“ dröhnte es los und ich drückte schnell irgendeine Taste damit der Ton ausging, denn ich fühlte mich als würde ich gerade etwas verbrochen haben. Ich wurde etwas rot und öffnete die Nachricht. „haha, du bist süß, weißt du das? :P Hdal Lea“ Ein grinsen legte sich auf meine Lippen. Ich wusste dass sie es nicht „so“ meinte, aber trotzdem gefiel mir diese SMS unwahrscheinlich gut. Mit neuem Selbstbewusstsein begann ich sofort wieder zu Tippen. Eigentlich war ich ja kein SMS-Schreiber, aber das hier war ja auch nicht „eigentlich“. „Verarsch mich nicht ;b Hdl Tom“

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„Traust du mir das etwa zu? Hdl Lea“ „…mhhn, ich weiß nicht.. Hdl Tom“ „..Zonk. Das war die Falsche Antwort, sie fallen zurück auf 500 Euro. ;D Hdl Lea“ „Kann ich auch einen Kuss von der Moderatorin haben? xD Hdl Tom“ „Nein, aber mein bezaubernder Kollege Georg würde das sicher gerne übernehmen.. Hdl Lea“ „Oh nein ich verzichte.. Hdl Tom“ „..jetzt hat er sich schon so gefreut! ;D Hdl Lea“ „Hey, ich hatte mich auch schon gefreut! Hdl Tom“ „ :-* ..zufrieden? Hdl Lea“ „..Nein.. :P Hdl Tom“ „..didelüdümm. Tja Liebe Leute die Show ist leider zuende.. Hdl Lea“ „Naaaiieeen xD Hdl Tom“ „Du bist ein Spinner, weißt du das? xD“ „Wäre ich ein Spinner könnt ich mir ja meine Klamotten selbst machen, das wüsste ich doch ;D“ „Ich sag`s Doch.. Spiiiinnerle..!“ „Püh *zunge rausstreck*“ „..Das sag ich meinem Großen Bruder! xD“ „Mach doch! Sag ich`s eben meinem Kleinen Bruder dann können sie sich hauen ;D“ Ich klickte auf Senden, und im nächsten Moment versuchte ich es noch rechtzeitig abzubrechen, doch zu spät. Ich schlug mir mit der Flachen Hand gegen den Kopf. //Wie kann man nur SO BLÖD sein??// ..und zu allem übel antwortete sie nicht mehr! Es war schon Fünf Minuten her das ich ihr geschrieben hatte, und mit jeder Sekunde blickte ich panischer auf das Handy. „Bitte Klingel, bitte klingel, bitte klingel, komm schon! Los! Komm schon! Klingel! Biiitte!“ beschwor ich das Ding, doch alles was ich vernahm war die Schreckliche Musik aus Bills Zimmer und seinen Lauten Gesang dazu. Da ich es einfach nicht mehr aushielt griff ich zu dem noch immer nicht klingelnden Ding und wählte ihre Nummer. Nach zweimal Tuten nahm sie ab, sagte aber nichts. „Lea? Hör mal es tut mir leid ich wollte nicht.. Lea?“ Oh nein, jetzt weinte sie auch noch! Ich fühlte mich schrecklich, wahnsinnig schrecklich, wie ein Mann der einem Kleinkind seinen Lolly wegnahm und als ob das nicht schon reichte zu allem übel auch noch dessen Lieblingspuppe 82


zerstörte und den Familienhund überfuhr. „Bitte.. nicht weinen ich.. Bitte nicht weinen Lea..!“ flehte ich schon fast während ich meine Finger krampfhaft in das Handy Krallte. „Es tut mir Leid, ehrlich!“ versuchte ich es erneut, doch unverändert nahm ich nur ein herzzerreißendes (mehr als das.. es tat wirklich fast schon körperlich weh, so schlimm klang es) Schluchzen wahr. Und ich war Schuld. Vielleicht sollte ich ins Kloster gehen. Oder in ein Schwulenhaus. Da würden sich ganz viele komische Tucken in pinken Stringtangas an meinen Hals werfen, mich an ein schmuddeliges Bett fesseln und danach würde ich mich nie wieder hinsetzen können, aber wenigstens würde ich dann nicht ständig mein Talent ausleben so wunderbaren Engeln wie Lea wehzutun. Das lag mir aber auch im Blut. Ich schüttelte schon zum wiederholten Mal an diesem Tag meinen Kopf und verwarf diese freakige Idee. „Lea?“ setzte ich ein viertes Mal an. „..bitte hör auf, das bricht mir echt das Herz, ich will nicht das du weinst weil ich Trottel wieder nicht Nachgedacht habe!“ Einen Moment war es Still am anderen Ende des Hörers, dann war wieder ein Schluchzen zu hören, welches mir fast die Kehle zuschnürte, so tief verletzt klang es, und langsam fühlte ich mich wirklich überfordert. Wie ein bekloppter lief ich in meinem Zimmer auf und ab und hatte die üble Befürchtung das Ich wohl bald den Boden unter mir durchgelaufen haben musste. //Ganz ruhig bleiben Tom, ganz ruhig bleiben, Oh mein Kaktus ist eingegangen.. Tooom.. okey.. gaanz ruhig// „Ist.. ist schon Okay!“ hörte ich plötzlich ihre zittrige Stimme und blieb so abrupt Stehen das der Kleine Teppich unter mir nachgab und nach Vorne rutschte. Mit einem Lauten RUMS lag ich also längelang auf dem Fußboden und mein Cappie war mir Tief ins Gesicht gerutscht, so dass ich nichts mehr sehen konnte. Rot werdend, so als hätte sie es sehen können, schob ich es wieder an die richtige Stelle. „bist du.. bist du Sicher?“ fragte ich zögerlich und erntete nur einen weiteren lauten Schluchzer. Gerade fing ich an noch mal ernsthaft über das Schwulenhaus nachzudenken da vernahm ich wieder ihr zarte Stimme, die vom Weinen ganz kaputt klang. „Es ist ja nicht deine Schuld. Ich hab`s Selbst verbockt. Erst hat er mich von sich abhängig gemacht und jetzt will er mich nie wieder sehen! Am besten ich leg mich in mein Bett, mach die Augen zu, und hoffe das ich nieeee wieder aufwache.“ „Ach quatsch, er beruhigt sich wieder! Ich verspreche es dir!“ „Ich liebe ihn wirklich Tom, das weißt du doch oder?“ fragte sie zögerlich. Ich schluckte und es bildete sich ein Dicker Kloß in meinem Hals. „Ja.“ Sagte ich dann und versuchte meine Stimme so fest wie möglich klingen zu lassen.

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Bills Sicht: "Und jetzt bist du weg...Kommst nicht mehr...Freunde sein fällt uns so schwer...", eine stille Träne lief meine Wange hinunter, während Nena aus meinem CD-Player sang. Schnell griff ich nach der Fernbedienung für das Gerät um weiterzuschalten. Eine Liebeskummer-CD, die ich Tom mal gebrannt hatte, als wir 14 waren. Bessergesagt, Andi hat sie gebrannt, aber es war meine Idee. Doch das nächste Lied machte alles noch viel, viel schlimmer. Tom hatte damals immer geschimpft, wie ich das hätte drauf packen können... "Every night in my dreams, I see you, I feeeeeheeel you. That is how I know you go on..." Bevor ich das Zimmer überflutete, schaltete ich weiter... Diesesmal gefiel mir die Musik und ich lehnte mich zurück an die kalte Wand. Die Beine auf dem Bett angewinkelt, die Füße die auf der Decke standen und sie hinein krallten, weit von einander entfernt, die Knie, die sich leicht berührten, alles fühlte sich fremd an, obwohl ich so oft so da gesessen hatte... früher... vor Lea in mein Leben kam... Als ich diesen Namen auf meiner Zunge spürte, zitterte ich schon wieder. Ich zitterte, als ob die Erde beben würde, obwohl es nur mein Herz war, das so bebte und zu bersten drohte. Dabei war es doch schon längst zerbrochen... Und überhaupt, mein Herz, ich hatte doch gar keines mehr. Es war schon längst in Leas Besitz. Ich atmete tief aus, um nicht aufzuschluchzen. Was war nur aus mir geworden? Ein seelisches Wrack. Dabei war doch sie an allem Schuld! Ich hatte mich fallen lassen, zum ersten Mal seit 'Durch den Monsun' jemanden an mich heran gelassen und dann das. Sie hatte mich hintergangen verdammt nochmal. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich fühlte mich verraten. Ich liebte sie doch! Wieder brachen Tränen aus mir heraus, Tränen der Wut, der Enttäuschung, der Trauer. 'Du bist, und warst, und wirst nie wieder alles sein. Ich bin und war und werd nie wieder glücklich sein... Ich hasse Dich!', damals, als ich dieses Song geschrieben hatte... Ich hatte keine Ahnung gehabt, was für starke Worte das waren und für welche starken Gefühle diese Worte standen... Wie wahr sie doch waren. Ich konnte nicht ohne sie leben, aber mit Lea, war das Leben im Moment kein Stück besser. //Du bist einfach so verdammt stur//, sagte meine eine Hälfte, doch die andere widersprach: // Sie hat dich verletzt...// Wieder einmal hin- und hergerissen zwischen zwei Seiten. Vielleicht, vielleicht hätte ich ihr früher vergeben können, wenn ich nicht so dickköpfig wäre, aber ich war einfach noch nicht dazu bereit, ihr komplett zu vertrauen, mich noch einmal hundertprozentig fallen zu lassen und ihr das jetzt vorzuspielen, war einfach nicht fair. Sie hatte jemanden verdient, mit dem sie eine Zukunft hatte... Mit mir hatte sie keine Zukunft, ich war kein normaler Mensch... 'Höchstens menschenähnlich' hatte ich einmal in einem Interview gesagt... Oder lief ich nur vor der Liebe weg? Was war Liebe überhaupt? Ich war schon so lange nicht mehr verliebt gewesen... Ich wusste nicht mehr was verliebt sein bedeutete? War ich vielleicht wirklich nur verliebt in sie? Oder war das alles wahre Liebe? Der einzige der mir jetzt helfen konnte, war Tom... Ich stand langsam auf, wischte die letzten Tränen weg und straffte die Schultern. Vor Toms Tür zögerte ich dann kurz... "Tom?", fragte ich leise, wie ich es immer getan hatte, als wir klein waren. 84


Ich erinnerte mich nur zu gut daran, als unsere Eltern sich jeden Abend gestritten hatten, Tom und ich wach in unseren Betten lagen, ängstlich, unwissend, naiv... Damals war ich oft so heran geschlichen und hatte bei ihm geklopft. Mit meinem Teddy unter dem Arm war ich dann hereingekommen und hatte mich zu Tom ins Bett gelegt. Ich wünschte mir, ich könnte so, wie damals einfach hereinkommen und die Welt da draußen vor der Tür lassen. Aber diesesmal, diesesmal waren es nicht die Probleme unserer Eltern, die mich belasteten, sondern meine... Meine eigenen Probleme. Langsam öffnete ich die Türe und fühlte mich wie damals, ich sah Tom schon vor mir in seinem Schlafanzug im Bett liegend, die Augen weit offen und ängstlich, genau wie ich. Doch heute lag er nicht in seinem Bett, er lag auf dem Boden, mit dem Handy in der Hand, er telefonierte... Gerade lauschte er angestrengt der Stimme am anderen Ende... Ich versuchte genau hin zu hören um zu entziffern, worum es ging. "Bill?!", schreckte mein Bruder auf einmal auf und ich machte einen Sprung zurück. "Ich... Bill... Wie... wie geht's dir?" Ich schluckte hart... Und versuchte etwas zu sagen, doch es gelang mir nicht, beim besten Willen. "Bill... Ich...", doch er wurde unterbrochen, von dem Gesprächspartner am Handy: "Tom? Tom?!", rief sie... Tom starrte auf das Handy in seiner Hand, ich starrte hinterher... Erstarrt im ersten Moment "Tom, du übelster Verräter", zischte ich... Kaum hatte ich Stress mit Lea, schmiss er sich an sie ran... Ich war doch noch mit ihr zusammen... oder? Überhaupt, er hatte nicht das Recht, mit Lea zu telefonieren. Aber ich fühlte mich zu schwach um etwas zu unternehmen, so sackte ich nur zusammen und fing an alles, was sich aufgestaut hatte raus zulassen, all die Tränen, den Schmerz... Irgendwann musste ich auf dem Boden eingeschlafen sein, denn am nächsten Morgen wachte ich auf und fand mich dort wieder. Schlagartig war alles wieder präsent, Tom, der mit Lea telefonierte, ich, heulend auf dem Boden, wütend und traurig, liebte und hasste sie zugleich. Ich blickte mich um, um zu sehen, ob Tom schon wach war, doch sein Bett war leer. Schon wieder fielen mir alle in den Rücken, Tom und Lea, die zwei Menschen in meinem Leben, die mir am meisten bedeuteten. Ich zog meine Beine eng an, sodass ich in Embryohaltung wieder einschlief... Ich wollte nie wieder aufwachen. Die nächsten Tage waren kein Stück besser. Seit dem Vorfall am Handy, hatte ich Tom nicht mehr gesehen, ich war Tag und Nacht in meinem Zimmer, Jalousien unten und dröhnte mich mit Musik zu. Gegessen hatte ich auch schon ewig nicht mehr, doch ich hatte auch einfach kein Bedürfnis dazu. Ich war zwar glücklicherweise noch nicht so weit, Selbstmord zu begehen, aber ich wusste nicht, wie lange es dauern würde, bis ich auch vor dem nicht mehr zurückschreckte. Es war traurig, zu sehen, wie schnell eine heile Welt zerbrechen kann. Die Sache mit Tom war zwar nichts neues, aber es tat trotzdem immer wieder weh, wenn Tom so eiskalt handelte. Still weinend fiel ich wieder einmal in einen unruhigen Schlaf.

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~Zeitsprung: 2 Wochen später~

Georgs Sicht: //So geht das nicht weiter, Lea macht sich selbst kaputt. Da muss Bill einmal sein verdammtes Ego überwinden und ihr verzeihen. //, dachte ich, als ich wieder einmal aus Leas Zimmer kam, wo sie die ganze Zeit vor sich hin vegetierte. Es brach mir das Herz, sie so zu sehen und ich hatte beschlossen, mit Tom zu reden, wenn Bill sich nicht bis heute Abend meldet. Natürlich meldete er sich nicht. Es war ja auch noch seine große Liebe, die sich hier totweinte. "Ja?" "Hey Tom, hier is Georg" "Mhmmm Was gibts denn?" "Wie gehts denn Bill?" Seufzen "Mhm. Nicht gut. Ich... Ich weiß nicht, hab ihn seit Mittwoch nicht mehr gesehen." "Wieso?" "Hat sich im Zimmer eingesperrt.... Er hat mitbekommen, wie ich einmal mit Lea telefoniert habe." "Autsch. Wieso telefonierst du überhaupt mit ihr?" "Oh, Big Brother... Ich wollte nur schauen, wies hier geht." "Was machen wir jetzt?" "Wie... was machen wir jetzt?" "Ich schau nicht mehr zu, wie Lea so leidet Entweder Bill kriegt mal seinen Arsch hoch, oder ... Es gibt kein oder. Bill muss seinen Arsch hochkriegen." "Und wie soll ich das bitte machen? Du willst deine Schwester schützen und ich meinen Bruder." "Du willst du nicht ernsthaft behaupten, dass es deinem Bruder gut geht, so wie jetzt alles steht." Zögern "Nein... Du hast recht..." "Also?" "Ich schau mal ob ich mit Bill reden kann, okay?" "Gut. Man, Tom. Was ist nur mit den beiden los? Sie lieben sich doch? Wozu den Stress?" "Ich kann beide Seiten verstehen. Beide haben Scheiße gebaut, nur Bill braucht halt länger um das einzusehen. Außerdem ist es für ihn ein derber Rückschlag. Er hat praktisch damit die Bestätigung bekommen, dass es unmöglich für ihn ist, eine normale Beziehung zu führen... Er hat sich zum ersten mal fallen gelassen und wurde verletzt... Verstehst du?" Ich nickte... "Ähm.. ja" Stille. "Okay, also ich ruf dich dann nochmal an, wenns was Neues gibt, ja?" "Jo... Tschau!" "Tschau" Tut. Tut. Tut. Seufzend ließ ich den Hörer sinken. Hoffentlich renkte sich das alles wieder ein... Hoffentlich. Wenn nicht... Ich wollte gar nicht daran denken.

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Bills Sicht: "Bill... Mach mal auf" Ich knurrte. "Wieso", meinte ich monoton und versuchte so stark wie möglich zu klingen, doch ich brach wieder in Tränen aus. "Weil ich mit dir reden muss..." "Ach, willst du mir jetzt sagen, dass du mit Lea zusammen bist?! Schön für dich... Verpiss dich!" "Nein, Bill! Lass mich doch einfach mal schnell rein, ja? Es hat was mit Lea zu tun... Mit Lea und dir. "Was denn?" "Bill... Du musst mir ihr reden." Diese einfachen Worte ließen mich zusammen schrecken... Ich sollte mit ihr reden? Wieso? Warum nicht sie? Ich konnte doch nicht einfach mit ihr reden. Tom müsste eigentlich wissen, dass das nicht funktionierte. "Bill, mach mal auf... Bitte!" "Nein", meinte ich entschlossen. "Bill... Okay, ich hab mit Georg geredet und Lea geht es echt nicht gut, er hat Angst, dass sie gleich von der nächsten Brücke springt... Willst du das?" "Wer sagt denn, dass ich nicht auch gleich von der nächsten Brücke spring", ich verschränkte die Arme vor der Brust. Pfff. "Ich", meinte Tom einfach. "Ich weiß, dass du mir das nicht antun würdest, weil du wüsstest, dass du damit auch mich umbringen würdest... Würdest du mich umbringen wollen?" Ich antwortete nicht. "Bill, würdest du das tun?" "N..Nein", ich senkte den Blick, obwohl er mich nicht einmal sehen konnte. "Wann wirst du mit ihr reden?" "Morgen.", ich hatte zwar keine Ahnung, wie ich das hinkriegen sollte oder was ich sagen sollte, aber ich betete, dass wir wieder zu einander finden würden... Ich liebte sie doch. ~Am nächsten Morgen~ Missmutig öffnete ich die Augen. Ich hatte die halbe Nacht nicht geschlafen sondern mich nur hin- und hergewälzt, so wie schon die restlichen 14 Tage davor, und so wie jeden Morgen fühlte ich mich dementsprechend. Normalerweise hätte man mich so ganz alà Billy the kid eher Billy the Bedman nennen können, schließlich konnte ich um 20 Uhr ins Bett gehen und musste mir am nächsten Tag um 20Uhr trotzdem noch einen Wecker stellen um aufzuwachen. Wie war es eigentlich möglich das ich überhaupt noch am leben war, bei dem wenigen schlaf der letzten Wochen? Vielleicht war ich ja auch gar nicht mehr am leben, sondern an Schlafentzug gestorben, und jetzt in der Hölle weil ich es mit Lea verbockt hatte, und dafür musste ich jetzt für immer hier eingesperrt bleiben und heulen und „My heart will go on“ hören und noch weniger schlafen und irgendwann würde ich Augenringe haben bis unters Kinn und dann würde der Teufel kommen und mich ungeschminkt vor ein Millionenpublikum stellen. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen als mein liebreizender Bruder wie ein bekloppter gegen die Tür hämmerte. „AUFSTEHEN BILL WIR MÜSSEN NACH MAGDEBURG! ..LOOOS HOCH MIT DIR!...BILL?“ „Ich bin nicht da!“ quengelte ich missmutig, doch er ließ nicht locker. „Na looooos!“ „Nein.“ „Du hast es mir versprochen.“ „Einen Scheiß hab ich! Ich fühl mich noch nicht bereit dazu also lass mich!“ 87


Nach einer Halben Stunde gehämmere und gerufe hatte er es schließlich aufgegeben, eigentlich untypisch für ihn, aber äußerst erfreulich da ich dringlichst aufs Klo musste. Vorsichtig drehte ich den Schlüssel im Schloss um, öffnete die Tür und tapste schnellen Fußes bis ans Ende des Flurs und ins Bad wo ich mich erleichterte. Mich schon viel besser fühlend drückte ich auf die Spülung, wusch mir die Hände und öffnete die Badtür einen Spalt weit. Ich schob den Kopf durch die Tür und späte nach links und rechts, fast wie in einem Superagentenfilm, nur das die Leute da für gewöhnlich schicke Anzüge und schwarze Sonnenbrillen trugen anstatt von engen Schwarzen Boxershorts und Puschelhausschuhen.. Da die Luft rein war sprang ich katzenartig durch die Tür und rannte wie angestochen quer über den Flur und in mein Zimmer wo ich sofort die Holztüre zudrückte und sorgfältig zweimal Abschloss. „Das hast du dir so gedacht, was?“ fragte mit einmal eine Stimme hinter mir und nachdem ich mich mörderisch erschrocken hatte drehte ich mich um und blickte schuldbewusst in das Siegessichere grinsen meines großen Bruders. „So leicht linkst du mich nicht!“ setzte er dann fort ehe er mir ein paar meiner Klamotten, die er anscheinend rausgesucht hatte, reichte und mich zwang mich anzuziehen, wobei er mich mit kritischen Augen und Wachmannblick beäugte. „Boah willste `n Passfoto?“ maulte ich und streckte ihm meinen wohlgeformten Prachthintern entgegen um in meine Hose zu schlüpfen. „Als hätte ich noch keins..“ schmunzelte mein bekloppter Bruder nur. Boah ich könnte kotzen. Wenn ich hier liegen und vor mich hin leiden wollte dann war das doch wohl meine Sache! „Los, auf zum Auto, ich komme auch mit, hier ist dein Mantel!“ „Ich komme gleich nach!“ „Bill? ..na gut, aber wehe du bist nicht in zwei Minuten unten.“ Gutgläubig stapfte Tom nach unten und ich ließ mich wieder aufs Bett zurückfallen. Als wäre er ein Monster schmiss ich meinen schönen teuren Mantel von mir und blickte hinterher wie der schöne geschmeidige Stoff flog und auf dem Boden landete. Mit dem Gürtel nach oben und dem Papier in der Tasche. Papier in der Tasche? Moment! „BILL WO BLEIBST DU DENN?“ hörte ich meinen Bruder von unten rufen. „ICH KOMM NICHT MIT!“ rief ich patzig und erhob mich ehrfürchtig vom Bett um nachzuschauen was sich da in meiner Tasche verbarg. Vermutlich nur irgendein Alter Einkaufszettel, aber egal. Ich nahm das karierte Faltblatt zwischen meine geschmeidigen Finger, faltete es langsam auf und las: „Lieber Bill.. Ich weiß dass es nicht richtig von mir war, euch und vor allem dir nicht zu sagen, dass ich alles weiß.. das ich Weiß, was für ein Leben du führst, und, das du von tausenden Mädchen begehrt wirst, und das du vermutlich in Geld schwimmst. ..Aber ich wollte einfach dich kennenlernen.. nicht die Identität aus dem Fernsehen, und ihr seid nun mal die Besten Kumpels meines Bruders, da, ich...ich wollte... ich.. es war mir egal dass ihr bekannt seid, dass ihr eigentlich ein vollkommen anderes Leben führt. Zuerst war es schon ein bisschen.. komisch.. aber.. dann haben wir uns Unterhalten und du warst so.. besonders und… ich hab mich einfach so wohl bei dir gefühlt. Bei meinem Bill und nicht bei dem Sänger von Tokio Hotel. Und ich hab` gar nicht mehr darüber nachgedacht das.. Bill, ich kann mir vorstellen dass es schwer für dich ist, sich fallen zu lassen und mir wieder zu Vertrauen… aber ich… ich hab es wirklich nicht böse gemeint ich hab einfach nicht darüber Nachgedacht. …Ich war so Dumm und jetzt wirst du mich wahrscheinlich nie wieder sehen wollen, aber ich will, dass du mir glaubst, nein, dass du weißt, dass ich dich wirklich liebe, über alles. Bitte denk darüber nach, und gib mir noch eine Chance. Bitte Bill, bitte! ..Ich kann es verstehen, wenn du erst darüber nachdenken musst… Aber bitte, Verzeih mir… versuch mich auch zu verstehen. Ich habe mich noch nie so wahnsinnig wohl gefühlt wie in deinen Armen. Ich liebe dich ♥“

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//Was bin ich nur für ein Idiot?// Schoss es mir plötzlich durch den Kopf als ich auch schon mit offenem Mund den Brief in meine Hosentasche schob, den Mantel aufhob und die Treppe runter und an meinem überrumpelten Bruder vorbeistürmte. „Was hat dich denn gebissen?“ „Ich muss zu Lea!“ „Soll ich nicht-“ „Nein geht schon!“ „Fühlst du dich im Stande zu fahren?“ Völlig außer Atem ließ ich den Motor an. „Ja!“

Leas Sicht: „Komm Schon Lea, gib dir einen Ruck, es bringt doch nichts wenn du ewig hier-“ „Lass mich einfach in Ruhe Georg, ich will nicht mit dir sprechen, gestern nicht, jetzt nicht, und morgen auch nicht!“ schluchzend drückte ich mein Gesicht zurück in die weichen Kissen während mein großer Bruder nur verzweifelnd seufzend aufstand. „So geht das aber nicht weite-“ „Geh einfach okey? ..Bitte“ Ein leises Klicken machte mir deutlich das er gegangen war. Ich drückte auf den kleinen PlayKnopf meines Mp3-Players und stellte `Rette mich` auf Dauerschleife. Da die Lautstärke auf Maximum gestellt war und ich so schon genug Kopfschmerzen hatte ließ ich die Kopfhörer einfach neben meinem, bzw. Georgs, Kopfkissen liegen. Verdammt warum um alles in der Welt hatte ich es nur kaputt gemacht? …ich hatte es doch tatsächlich geschafft in nicht mal zwei Tagen meine große Liebe, vielleicht sogar meine Bestimmung kennen zu lernen UND wieder zu vergraulen. Und nicht mal leise vor mich hin leiden durfte ich! Andauernd kam meine Mutter rein, oder Georg, und, auch wenn sie es nur gut meinten, jedes mal schickte ich sie raus, und kaum Zehn Minuten später standen sie wieder im Raum. Normalerweise hätte ich abgeschlossen doch nach den ersten 6 Tagen hatte Georg im passenden Moment den Schlüssel genommen und eingesteckt, und bis jetzt hatte ich ihn nicht wieder gesehen. „..komm sag das das nicht Wahr ist, sag es mir, vielleicht hörst du irgendwo, mein S.O.S. im Radio, hörst du mich? Hörst du mich nicht? Komm und rette mich..“ lief es durch den Kopfhörer. „Oh Gott Bill..“ brach es aus mir heraus. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen und ich zog die Beine an den Körper sodass ich in Embryonalhaltung und an mein Kissen gekrallt dalag und zitternd vor mich hinwimmerte „..warum .. komm zurück Bill..“ schluchzte ich ins Leere und ließ meinen Tränen mal wieder freien Lauf. Verdammt wieso wurde das einfach nicht besser? Normalerweise ging es mir bei Liebeskummer immer nach spätestens zwei Tagen einschanzen wieder gut, jetzt lag ich schon seit 14 Tagen hier auf dem Bett und heulte immer noch wie ein Schlosshund. An den Gefühlen hatte sich nichts, aber auch gar nichts geändert, obwohl, ich glaube es ist eher noch schlimmer geworden… Ein Klicken verriet mir das Georg wieder da war. Verdammt konnte er mich denn nicht einfach in Ruhe lassen? „Geh raus Georg!“ wimmerte ich und klammerte mich noch fester an mein Kissen hinter dem nur ein Teil meines Gesichts hervorlugte. „..ich will aber nicht gehen.“ Ich riss die Augen auf. Da stand er. Bill. Er war hier. Langsam und mit gequältem Blick setzte er sich auf die Bettkante. Alles in mir drängte danach ihm um den Hals zu fallen, ihn nieder zu knutschen und nie wieder los zu lassen, doch ich traute mich nicht. Vielleicht wollte er mir ja auch nur sagen dass es endgültig aus war mit uns und ich deswegen aufhören sollte rumzuflennen, weil er mich ja eh nie zurücknehmen würde. Fast schon ängstlich rückte ich ein Stückchen von ihm Weg und drehte mich zu ihm. „Bill..“ flüsterte ich zwischen zwei Schluchzern und zitterte dabei so sehr das das ganze Bett unter 89


mir mitvibrierte. In mir schrie alles nach ihm. Er war wirklich hier, direkt vor mir, und ich konnte seine Nähe nicht mehr genießen. Er würde mich nie wieder so in die Arme nehmen wie in Hamburg, und mir zuflüstern wie sehr er mich liebte. Ich würde nie wieder ganz nah an ihn gekuschelt und vollkommen glücklich einschlafen können. Ich würde nie wieder seine Lippen auf meinen spüren. Und jetzt heulte ich auch noch hemmungslos vor ihm, bestimmt würde er nachher Tom erzählen was für eine Blöde Memme ich doch war und das er sich schämte mit mir zusammen gewesen zu sein. Ja, ich schaffte es doch tatsächlich mich mit meinen Gedanken noch weiter runter zu ziehen, und nun noch mehr zu weinen. „…Bill..“ schluchzte ich nur noch mal und wünschte mir einfach nur noch seine Nähe. Ich wollte wieder bei Meinem Bill sein. Bills Sicht: Da lag sie. Meine Lea, mein kleiner Engel, und sie weinte bitterlich, wegen mir. //Verdammt Bill du dämlicher Idiot.. Sie. Weint. Wegen. DIR. // „..Bill..“ schluchzte sie nun schon zum zweiten Mal. Mein Herz zog sich krampfhaft, ja fast schon schmerzhaft zusammen. //tu was du Idiot du kannst sie doch nicht einfach nur dumm anstarren… Los, jetzt mach schon was! Tu was verdammt// etwas unbeholfen strich ich mir eine Strähne aus dem Gesicht, holte ein letztes Mal tief Luft und überlegte wie ich anfangen sollte. „Lea..“ ich schnappte noch einmal nach Luft und überlegte, doch alles was dann aus meinem Mund kam war: „Ich liebe dich!“ Mit großen Augen blickten wir uns an, und ihr schluchzen wurde immer lauter während sie sich in Embryonalstellung auf dem Bett zusammenkugelte und noch immer stark zitterte. „Es tut mir so leid… wirklich… es tut mir so leid…“ wimmerte sie und ich war endgültig überfordert. Ich verstand sie und ihre Sichtweise ja, und so schlimm war es ja irgendwo gar nicht, und ich war schließlich einfach auch nur ein blöder viel zu stolzer Idiot, aber sie hatte mich ja auch verletzt, ich fand es eben nicht einfach mich auf Leute einzulassen, und es dann so schnell zu tun und so hintergangen zu werden war eben einfach ein rückschlag. Aber hatte sie mich denn überhaupt hintergangen? "Shhhh", ich streichelte ihr über den Rücken. "MIR tut es Leid... Ich hätte nicht so reagieren dürfen und meinen Stolz einfach mal vergessen sollen... Verzeichst du mir?" Für einen Moment war es still, Lea schluchzte nicht mehr, ich hielt die Luft an und die Welt schien still zu stehen. Mein Herz schlug so laut, dass ich mir fast sicher war, sie würde es hören... Langsam verzog sich ihr Gesicht, von Tränen gezeichnet zu einem sanften Lächeln "Ich liebe dich auch, Bill" Es war einer dieser magischen Momente, alles war wieder gut, meine Lea war bei mir und liebte mich... Als unsere Gesichter sich näherten und ich ihren Atem deutlich spüren konnte, trafen sich unsere Lippen und ich wusste, dass diese Entscheidung die beste meines Lebens gewesen war. Lea und ich gehörten zusammen. Ich war Tom unendlich dankbar, dass er mich gezwungen hatte, dass Lea mir den Zettel geschrieben hatte, dass ich hier sein konnte, dass Lea mir verziehen hatte, dass..."Hey Lea! Deine Mom hat grade gesagt, dass...", ich blickte auf... Georg stand in der Tür und sah uns geschockt an... "Bill da ist", murmelte er mit hochrotem Kopf. "Ach nee... Herr, lass es Hirn regnen...", grummelte ich säuerlich. "Naja, ich war kurz weg und dann als ich wieder kam, hat sie gleich gemeint, dass du da wärst und ich wollte es Lea sagen und..." "Hagen, lass dir eins gesagt sein: Du rallst immer alles wenn's eh schon zu spät is..." "Ja, aber..." "Lass stecken" Verwirrt guckte er von mir zu Lea und zurück. //Hat der Kerl das Denken verlernt oder warum verpisst der sich nicht?!// "GEORG! Maaaan zu wem soll ich denn sonst gehn wenn ich zu euch komm... Verpiss dich endlich und hol aufm weg dein Hirn ab, dass hast du wohl mal wieder irgendwo liegen lassen..." Ich war tierisch angepisst... Es war grad so schön mit Lea und dann platzt Moritz rein... Der hat ja echt gar kein Taktgefühl... meint der, dass ich komm und mit seinem Vater ein Kaffee-Kränzchen zu halten oder was?! Verletzt schaute er mich an und grummelte sowas wie: "Wir waren auch mal befreundet" und ging. Lea lag 90


einfach nur da und sagte nichts. Ich beschloss das einfach zu ignorieren und beugte sich wieder zu ihr runter, doch sie drückte mich sanft ein wenig weg "Du warst fies, er wollte mir doch nur helfen" Jetzt guckte ich verwirrt... "Er is einfach so reingeplatzt..." "Er ist mein großer Bruder" Was sollte das denn jetzt?! "Ich bin dein Freund?!", meinte ich patziger und lauter als gewollt... und fügte murmelnd hinzu "war dein Freund..." und senkte den Blick. "Hey...", meinte sie sanft "Hälst dus nicht mehr als ein paar Tage mit mir aus?" Ich schmunzelte "Soll ich dir jetzt nen Heiratsantrag machen?" Sie überlegte kurz und grinste dann "Wenn du dir nicht zu fein bist, dich vor mir hinzu knien", herausfordernd schaute sie mich an. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, promt kniete ich vor meiner Geliebten und nahm ihre Hand in meine. Gerade rückte ich mir passende Wort zurecht, als die Tür aufflog. Ich knirscht meine Zähne, schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Vorsichtig drehte ich meinen Kopf in Richtung Tür und machte meinen Mund schonmal auf, um Hobbit mal ordentlich die Leviten zu lesen, was mir dann aber im Hals stecken blieb... "Tom?!" Hinter meinem Bruder stand Georg der gleich los sprudelte: "Sorry, er stand auf einmal vor der Tür, ich hab versucht ihn aufzuhalten, aber er ist einfach an mir vorbei gestürmt... Ich kann nix dafür!" Lea meldete sich leise: "Tom ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt.." Doch ich musste sie unterbrechen: "Ach, nein, Tom... Komm doch ruhig mal rein..." verwirrt blickte er mich an, irgendwie war alles seeehhhr verwirrten gerade... "DAMIT DU UNS BEIM RUMMACHEN ZU GUCKEN KANNST! VERPISS DICH ALTER!", schrie ich. "Ey, Billy..." "Nenn mich nicht Billy", knurrte ich zurück. "Sind wir bei der Hochzeit eingeladen?", fragte Georg dazwischen. "RAUS! ALLE BEIDE!", wütend war ich aufgesprungen, zeigte auf die Tür, in der sie standen und nahm diese in die Hand um sie zu zu knallen, doch Tom stellte seinen Fuß dazwischen: "Ihr heiratet? Achja, stimmt, kein Sex vor der Ehe, ne Billy" Jetzt war entgültig eine Sicherung durchgebrannt zuerst der Brief, der Selbsthass, dann der Kuss, dann Georg und jetzt Tom. Im Tunnelblick, den ich immer hatte, wenn ich mich mit Tom stritt, griff ich wahllos nach einem Gegenstand hinter mir und schlug kräftig zu. Ich wusste selbst nicht wieso ich SO krass reagierte, aber Toms Checkerblick bei seiner letzten Bemerkung hatte mir wahrscheinlich einfach den Rest gegeben... In den schönsten Momenten meines Lebens funkten die 2 dazwischen. Ich hörte und sah nichts mehr um mich herum, schlug einfach nur auf meinen Bruder ein, spürte seine kläglichen Versuche sich wehren kaum, bis mich zwei Hände grob packten und zum Bett zerrten. "Alter, haste gelitten?!", Georgs Lieblingssatz. Immernoch total außer Atem und komplett im Rausch schlug ich wild um mich, aber er war stärker. Es dauerte sicherlich 10 Minuten bis ich mich wieder ein wenig beruhigt hatte. Langsam wurde ich klarer im Kopf. "Lass ihn einfach mal...", meinte eine sanfte Stimme hinter mir. Der feste Griff lockerte sich und ich hörte, wie die Tür hinter uns ins Schloss fiel. Ich kam wieder zu Bewusstsein, sah in ein verheultes Gesicht - Leas Gesicht: "Wieso musst du dich immer beweisen?", fragte sie leise. "Lea... Bitte, wir sind doch grade erst wieder zusammen... Es war ein Ausrutscher, Tom und ich müssen uns halt mal gegenseitig die Fresse polieren.." Sie unterbrach mich:"Ihr müsst euch gegenseitig die Fresse polieren?! Du hast mit einer Vase auf ihn eingedroschen, dass ist weitaus mehr als ein 'sich gegenseitig die Fresse polieren'!", die Worte, die gerade noch in meinem Mund gelegen hatten, sprach sie voller Abscheu aus und fügte noch leise hinzu: "Die Vase fand ich übrigens sehr schön..." Ich seufzte... //Versteh mal einer die Frauen... Die scheiß Vase war bestimmt mal bei Ikea im Angebot...// "Ich kauf sie dir nochmal" "Nicht alles kann man kaufen, Bill. Liebe zum Beispiel" Todernst ruhte ihr Blick auf mir. "Was soll das denn jetzt?" Sie schwieg "Geld ist rational, Bill und Rationalität hat absolut gar nichts mit Liebe zu tun, dass müsstest du doch eigentlich am besten wissen" Ich runzelte die Stirn. Hatte Tom mir nicht mal das Langenscheidt 'Frauen - Deutsch, Deutsch - Frauen' Lexikon geschenkt? Wo verdammt war es, wenn man es brauchte?! "Ich geh mal nach Tom gucken...", murmelte sie und stand auf. Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen und folgte ihr, um zu 91


sehen, wie übel ich Tom dieses mal erwischt hatte. Langsam ging ich die Treppe hinunter, ängstlich, vor dem was mich erwartete. Als ich Tom sah, keuchte ich erschrocken auf. Früher hätte ich 'Sieg' geschrien, stolz, dass ich Tom ein einziges mal geschlagen hatte, Wort wörtlich, aber dieses mal brachte mir die Stärke keine Befriedigung, eher im Gegenteil. Sein Anblick erinnerte mich an den von Gustav, als ihm irgendein Penner eine Bierflasche übergezogen hatte. Sein rechtes Auge war lila angeschwollen, überall im Gesicht hatte er Schnittwunden, seine Hand blutete und mit der nicht verwundeten Hand, hielt er sich einen Eisbeutel zwischen die Beine, während Leas Mom ihn verarztete... "Das ich es in meiner Arztkarriere zum Promi-Doc schaff hätte ich auch nicht gedacht", murmelte sie, während sie recht professionell mit flinken Handbewegungen, meinen kleinen großen Bruder mumifizierte. Vorwurfsvoll schaute Georg mich an, Tom und Lea würdigten mich keines Blickes, wobei es bei Tom wohl eher daran lag, dass seine Sicht durch das geschwollen Gesicht stark eingeschränkt war... //Das wird wohl noch ein Nachspiel haben//, dachte ich zerknirscht. Mit meinem Bruder ist nicht zu spaßen...

Leas Sicht: „Ouuu“ quietschte Tom in einem ziemlich schrillen Ton während meine Mutter gerade seine Hand mit einem desinfektionsmittelgetränkten Tuch abtupfte. Scharf zog er die Luft ein. Ohne groß zu überlegen setzte ich mich neben ihn und nahm seinen Kopf in meine Hände. Sachte drehte ich ihn in meine Richtung und zwang ihn somit mich anzusehen. „Was machst du denn eigentlich hier?“ fragte ich dann in einem ruhigen Ton während mein Rechter Daumen zart über seine geschundene Wange strich. „Ich wollte nur schauen ob Bill auch wirAUU!“ Mit schmerzverzerrtem Gesicht hatte er seine Hand zurückgezogen, fast so als wollte er sie beschützen. Ich wendete den Blick nicht ab, blickte ihm nur stetig weiter in die Augen als er sie wieder geöffnet hatte. Ich schob ihn ein Stück nach hinten, sodass er den Eisbeutel loslassen konnte und nahm seine eiskalte Hand in meine. Ich übte einen leichten Druck auf sie aus, der ihm nur deutlich machen sollte, dass ich da war. Bei ihm. Tatsächlich entspannte er sich ein bisschen und schien es fast nicht zu merken als meine Mutter erneut nach seiner anderen Hand griff. „..und sonst.. wie.. wie war dein Tag?“ fragte ich, nun doch etwas unbeholfen, um ihn abzulenken. „Bevor mein Bruder mich mit `na Vase verkloppt hat eigentlich ganz gut… lange geschlafen und so..“ Ich lächelte. „Die Arme Vase..“ Nun grinste ich. „HEY!“ auch auf den Lippen meines Gegenübers machte sich ein lächeln breit. „Fertig!“ stellte meine Mum fest und alle fünf Augenpaare wanderten synchron auf Toms Hand die nach einem einzigen professionell aussehenden Mulletwas aussah. „..danke!“ murmelte Tom und beäugt das `Etwas` kritisch näher. Dann gab er ein glucksendes Geräusch von sich und riss die Augen auf. Etwa Zehn Sekunden lang saß er einfach nur Still da, und außer das ich meine Hände weggenommen hatte traute sich keiner auch nur einen Zuck zu machen. „BOAH BILL DU VOLLSPAST!“ platzte es mit einmal aus Tom heraus und ich war mir sicher das ich Tränen in seinen Augen hatte glänzen sehen während er aufsprang und Bill mit voller Wucht mit sich auf den Boden riss. Mein Süßer Billy hob schon schützend die Arme vor den Kopf, gefasst darauf jetzt eine Tracht Prügel zu erhalten wie noch nie zuvor, doch nichts dergleichen passierte. Alles was Tom, der auf der Hüfte seines Bruders thronte tat, war Bills Arme von seinem Gesicht zu schieben und ihn groß anzusehen. Mit einer flinken Bewegung zog er seine bandagierte linke Mullhand hervor und hielt sie direkt vor sein Gesicht. „..so und jetzt sag mir mal wie ich damit in Vier Tagen beim Tour Kick-off Gitarre spielen soll!“ Seine Stimme klang ruhig, verletzt, und tränenerstickt. 92


Bill öffnete den Mund, schloss ihn jedoch sofort wieder. Tom blickte unaufhörlich von oben auf ihn herab. „sag`s mir!“ forderte er noch einmal, diesmal fast flüsternd. „Ich.. Tom..“ war alles was er als Antwort bekam. „..und ich wollte DIR helfen!“ Toms Stimme klang fast schon verachtend und tief verletzt, aber nicht körperlich, sondern psychisch. Er war wirklich wahnsinnig enttäuscht von seinem Bruder, und das hatte er wohl noch nie so offen gezeigt wie in diesem Moment. Er zog die Nase hoch und stand dann kopfschüttelnd auf, den Blick immer auf seine Hand gerichtet. „oha verdammt was soll ich denn jetzt machen?!?“ fragte er sich fast stumm selbst. Er klang wirklich verzweifelt, fast so als hinge sein Leben davon ab. Ihm musste wohl echt wahnsinnig viel an der Tour liegen. „Tom?“ „mhhn?“ „Ich hab dich lieb!“ war alles was mir einfiel als ich meine Arme um ihn schlang und ihn erstmal richtig knuddelte. Fast wie einen Teddy. Nur das Teddys sich nicht so hilfesuchend an einen klammern.. Bills Sicht: Ich stand einfach nur da und starrte auf die Szene, die sich mir bot, Lea engumschlungen mit Tom. Meine Freundin und mein Bruder, mal wieder. Okay, zugegeben, ich hatte Tom echt über erwischt und ich wäre an seiner Stelle auch total wütend auf mich, aber er sollte Lea da raus lassen. Okay, zugegeben, Lea hat ihn umarmt aber warum zur Hölle wollen mich die beiden immer so rasend eifersüchtig machen? Sie wissen doch, dass ich bei sowas immer ausraste. Ich versuchte mich unter Kontrolle zu halten, um nicht schon den nächsten unkontrollierten Fehler zu machen, am Ende würde Tom noch im Rollstuhl auf der Bühne spielen, wobei das mit dem Arm schon schlimm genug ist... Was David wohl dazu sagen würde... Lea ließ sich von meinem Räuspern jedenfalls nicht irritieren, sondern streichelte Tom mehr oder weniger munter weiter. "Ähm...Lea?" wütend sah Tom mich an und auch Lea schenkte mir nun ihre Aufmerksamkeit. //Scheiße was sag ich jetzt?!// "Ähm...Äh... Könntest du... Kannst du Tom und mich mal kurz alleine lassen?" //Bill, ey du bist ja SOWAS von SAU dumm. Alleine mit Tom in dem Zustand in einem Raum... Da gibt's ja gleich die nächste Prügelei...// Sie schaute kurz zu Tom, der mich überlegen und gelangweilt ansah, nickte dann jedoch und verschwand. Ich daraufhin, blieb erst einmal stehen und kratzte mich am Kopf. Er lachte leicht: "Was ist denn Bill", er sprach voller Verachtung und Hass. Ich zitterte ein wenig, setzte mich dann jedoch mit Tom auf die Couch. Schloss die Augen und atmete tief ein, als alles aus mir heraus sprudelte: "Es tut mir leid Tom, ich wollte dich wirklich nicht verletzen, bei mir ist einfach eine Sicherung durchgebrannt. DU kannst nichts dafür, die letzten Tage waren einfach so stressig für mich, aber es ist auf keinen Fall in irgendeiner Art und Weise deine Schuld, aber bitte... Bitte Tom!", unbewusst griff ich nach seiner Hand, die er aber gleich wieder weg zog. "Bitte lass Lea da raus. Sei sauer auf mich, ignorier mich, aber lass Lea... Bitte" Er grinste nur weiterhin und schien kein Stück bewegt von meinen Worten: "Kann ich was dafür, dass ich so unwiderstehlich bin im Gegensatz zu dir und sie gleich zu mir rennt. Alter, bei dir fehlt ihr einfach das Männliche, ist so. Die braucht nen richtigen Kerl." Das musste ich erst mal sacken lassen...Er setzte noch einen drauf: "Außerdem hat eure Beziehung doch eh keine Zukunft... Bill, du weißt genauso gut wie ich, dass deine große Liebe immer die Musik war und immer sein wird, da hat ein Mädel einfach keinen Platz. Du warst schon immer derjenige von uns beiden, der die Mädels zwar verzaubert hat, aber dann doch keine Zeit für sie hatte. Du bist einfach nicht der Typ für sowas. Du wünscht dir die große Liebe und alles, aber du hast keine Zeit dafür und dann stellt sich noch deine Eifersucht in den Weg. Das passt einfach alles nicht zusammen bei dir. Mit der Einstellung wird das nie was Bill... Manche Leute sind einfach nicht dazu bestimmt, ihre große Liebe zu treffen... Lea 93


hat jemanden verdient, mit dem sie Zukunft hat." Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, wie tief mich das traf. Normalerweise gab ich einen Scheiß auf solche Aussagen, aber irgendwas in mir drinnen sagte, dass Tom recht hatte. Lea und ich, dass passte einfach nicht. Sie verstand sich sowieso viel besser mit Tom und mit mir stritt sie sich öfter, als das wir ein glücklich verliebtes Paar waren. Ich hatte sie nicht verdient, ich würde ihr das Leben nur zur Hölle machen, mit den ganzen Fans und dem Rummel und Stress. Ich hatte mir immer vorgenommen, wenn die richtige kommen würde, würde ich alles stehen und liegen lassen, um bei ihr seien zu können und würde alles sorgfältig planen, dass sie überall mitfahren konnte... Das alles war in der Theorie so einfach, aber in der Praxis war es schwer, jemandem so das Leben zu nehmen. "Danke, Tom. Du hast mir die Augen geöffnet..." Stille. "Ich werde das, was ich falsch gemacht habe, wieder gut machen..." Ich schluckte den Kloß im Hals hinunter und stand auf, ohne Tom in die Augen zu sehen. Ich war ein schlechter Mensch, die beiden Menschen, die mir am meisten bedeuteten, quälte ich am meisten. Ich ging raus und setzte mich auf eine Parkbank. Zum Glück sah ich so verwest aus, dass mich niemand erkannte, eher rümpften sie die Nase und hielt mich für einen Penner. Ich zog mein Songbuch, in dem ich immer alle Gedanken und Gefühle festhielt aus meiner Hosentasche und dazu einen Stift, der zu dem Büchlein gehörte. Ich schrieb und schrieb. Ich wusste noch nicht einmal was ich da genau schrieb, oder wofür... Dann riss ich ihn aus, denn dieser Text war nicht dazu bestimmt, von 10000 kreischenden Mädchen gehört zu werden. Wie in Trance bewegte ich mich, vollkommen automatisch...Das nächste woran ich mich erinnere, ist, dass der Brief weg war das ich in die Nacht sah.

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Georgs Sicht: Das musste ich erst einmal verarbeiten, der Streit, die Vase, Tom, Bill, Lea... Es war einfach alles so furchtbar schnell gegangen und jetzt saßen wir da. Lea und Tom zusammen, Bill, der etwas... //Lea und Tom?!?!?!// mein Kopf schnellte zurück zu den beiden und ich fasste mir an den Kopf. Das war doch nicht ihr ernst?! Ich mag Lea wirklich sehr gerne, sehe mich als den großen Bruder, sie die kleine Schwester, genau wie ich es, wenn ich mal Papa bin auch haben wollte, aber jetzt gerade. Oder war Tom schuld? Völlig egal, jedenfalls waren sie sich doch recht nah und das in Bills Gegenwart... Eigentlich ja gar kein Problem, aber so wie die Zwillinge im Moment auf einander zu sprechen waren, konnte das nichts Gutes bedeuten, spätestens in ein paar Minuten wird Bill Amok laufen mit seiner vollkommen übertriebenen, krankhaften Eifersucht, handelte es sich wirklich nur noch um Minuten, wenn nicht sogar Sekunden! Die Zeitbombe war sozusagen am ticken und da ich nicht mit bekleckert werden wollte, beschloss ich mich in mein Zimmer zu verkriechen und meine Freundin anzurufen, was ich eh hätte schon ewig machen müssen. Sie war natürlich überglücklich, mal wieder von ihrem Freund zu hören und ich was überglücklich mal wieder von meiner Freundin zu hören. Wir unterhielten uns eine gefühlte Ewigkeit über Privates, Eltern, Freunde und was ich sonst noch so verpasste. Irgendwann hörte ich, wie Lea zaghaft an meiner Tür klopfte. Stumm setzte sie sich neben mich und wartete, bis ich mit meiner Freundin zu Ende telefoniert hatte. Irgendwann legten wir auf und ohne Lea zu fragen, rückte sie gleich mit der Antwort raus: "Sie streiten sich schon wieder wegen mir" und verzog ihr wunderschönes Gesicht. Ich verdrehte die Augen. Bill und Tom waren immer schon streitsüchtig gewesen, aber DAS übertraf alles. Konnten sie es nicht einen Tag aushalten ohne zu streiten?! "Was war eigentlich vorher mit Tom und dir?", platzte es aus mir heraus. Sofort bereute ich die Worte und versuchte, meine Reaktion zu begründen:" Weißt du... Ich soll mich da wirklich nicht einmischen und ich versuche auch mich rauszuhalten aus eurer Beziehung, aber Bill, Tom und ich kennen uns eben schon seit über 10 Jahren und wir sind eben auch gut befreundet, weil wir einfach schon so viel zusammen durchgemacht haben. Ich weiß, dass Bill verdammt eifersüchtig ist. Es ist wirklich schon krank bei ihm und durch den ganzen Erfolg und alles hat sich das irgendwie noch verstärkt, hab ich das Gefühl..." Sie unterbrach mich: "Ich weiß, dass ich das nicht hätte machen sollen, aber ich wusste ja auch nicht, dass sie dann gleich wieder anfangen sich zu kloppen. Meine Güte, ey, die sind doch zwei erwachsene Männer!" Sie schaute bedrückt zu Boden. "Hey", ich hob ihren Kopf "Es ist nicht deine Schuld. Merk dir einfach fürs nächste mal, dass Bill schon bei der kleinsten Berührung austickt und besonders wenn sie sich gestritten haben, solltest du Tom noch nicht mal mit dem Arsch anschauen." Sie lächelte. "Okay... Was mach ich denn jetzt?" "Erst mal bleibst du hier ruhig sitzen, okay? Wenn du jetzt wieder zu denen ins Wohnzimmer gehst, ziehen die dich da mit rein oder was weiß ich... Die beiden sind echt unberechenbar, wenn sie sich streiten. Hast du ja heute schon mal gesehen." Lea nickte leicht:"Meinst du, Tom macht das nur, um Bill zu ärgern?" "Was?", fragte ich verwirrt. "Naja, er... Er schaut mich immer so an und.... Ach keine Ahnung." 95


Langsam guckte sie mich an und ich entwich ihrem Blick. Ich wusste genau, dass Tom das nicht nur machte, um Bill zu ärgern, Lea wusste es auch, ganz sicher! "Du weißt denk ich auch, dass wenn es so wäre, dass er Bill nur ärgern will, dann würde er nicht so abgehn, wenn du Tom umarmst." "Ach.... Wieso muss alles immer so kompliziert sein!" "Wieso? Ignorier Tom doch einfach... Oder hast du ein Problem damit?" Sie zögerte... "Naja.. Nein... Aber, ja.. Nein, eigentlich ja nicht... Nur..." Sie wurde unterbrochen, von einem lauten Knall, die Haustüre war ins Schloss gefallen, aber heftig! Das hatte nichts Gutes zu bedeuten, wie gesagt die beiden sind unberechenbar, wenn es ums streiten geht! Leas Sicht: Seit nunmehr 2 Stunden saß ich mit Georg und Tom auf dem Sofa, und es lief irgendein elendlanger schlechter Film. Schon die ganze Zeit hatte ich das Gefühl das Tom mich beobachtete und ich war mir sicher dass er in den letzten Minuten näher an mich herangerutscht war. //einfach ignorieren Lea, hör auf Georg, und ignorier ihn einfach...// Krampfhaft starrte ich auf den Fernseher. //Bloß nicht wegkucken, bloß nicht wegkucken, bloß nicht-// Erschrocken zog ich meine Hand von seiner Weg und atmete schnapphaft ein, vermied es jedoch ihn anzuschauen. „`tschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken!“ flüsterte Tom und griff erneut nach meiner Hand. Wieder zog ich sie weg. „Lass das Tom!“ sagte ich ruhig, sodass Georg davon nichts mit bekam. „Ich wollte mich eigentlich auch nur bedanken, du warst vorhin so lieb zu mir. Du bist echt ne tolle Freundin, solche Freunde hab ich leider viel zu wenig..“ Mit einem traurigen blick schaute er auf seine Füße. „Ach Tom, ist schon okey!“ entgegnete ich etwas weicher und streichelte einmal sanft über seine Wange, dann wandte ich mich wieder von ihm ab und blickte weiter auf den Fernseher. Er legte ganz unverhohlen seinen Arm um mich und übte einen leichten Druck auf mich aus um mich an ihn zu ziehen. Das meinte er doch nicht ernst oder? Ich mochte ihn ja gerne, aber er und Bill würden sich nur noch mehr streiten wenn ich das jetzt gutheißen würde und ich wollte Bill nicht schon wieder „verlieren“. Eigentlich konnte man ja denken es wäre ein Traum, wenn Bill und Tom von Tokio Hotel auf einen standen, aber das war es ganz und gar nicht, aber man konnte ja auch nicht ahnen das SOLCHE Probleme auftreten. Mit einem „Hör bitte auf!“ wand ich mich aus seinen Armen und rückte von ihm weg. „Warum denn?“ fragte er fassungslos, „Das weißt du doch genau, ich bin mit Bill zusammen und ich will mich nicht schon wieder mit ihm streiten!“ Tom murmelte erst etwas unverständliches dann wurde er wieder etwas lauter. „Wir wissen doch beide das das bei ihm krankhaft ist, willst du dir das gefallen lassen? Dann viel Spaß du darfst mit keiner männlichen Person mehr sprechen, nicht mal mit Georg, so entwickelt er sich noch, davon kannst du mal schön ausgehen!“ „Lieber Das als das ich ihn verliere!“ „Ja lass dich nur zum Sklaven machen, du bist doch nicht sein Eigentum!“ regte sich Tom auf, während Georg sich nur an seinem Bier verschluckte und mich etwas verletzt ansah. Den Hopper ignorierend klopfte ich meinem Bruder auf den Rücken und umarmte ihn dann kurz. „So war das nicht gemeint, Du bist doch mein Lieblingsbruder, ich würde dich um nichts in der Welt wieder hergeben.“ Lächelte ich und er schien etwas beruhigt. Dann kehrte wieder Ruhe ein. Tom starrte mich die ganze Zeit völlig vernarrt an, Georg war begeistert vom Film und ich saß da und machte mir tierische Sorgen um Bill. „Wann kommt er wieder, was denkt ihr?“ Fragte ich in die Runde. „Mach dir keine Gedanken Maus, er wird schon nicht mehr all zu lange wegbleiben, sein Autoschlüssel und alles sind ja noch hier!“ Georg hatte wirklich eine wahnsinnig beruhigende Art, und dafür war ich ihm dankbar. „Außerdem hast du ja auch noch mich!“ witzelte Tom, doch man merkte das er es eben nicht NUR als Spaß sah. Ich sah ihn prüfend an. „Ich bin wenigstens nicht dauernd eingeschnappt, und ich liebe dich genauso!“ platzte er heraus, um sich im nächsten Moment hart auf die Lippe zu beißen. „ich 96


meine.. ich.. also..“ Und nun wurde er Rot. Er hatte die drei Worte nicht sagen wollen, es war einfach passiert. Ich wurde vollkommen weich, das war einfach zu süß, aber ich versuchte es zu verbergen. „Ach Tom!“ sagte ich nur lächelnd und blickte dann wieder auf den Fernseher um die ganze Situation irgendwie abzubrechen. Zusätzlich rutschte ich unauffällig ein Stück näher an Georg ran, ich wollte mich wirklich nicht noch mehr mit Bill streiten müssen wenn er wieder käme. „..Warum gibst du mir keine Chance?“ fragte Toms etwas bedrückte Stimme und man merkte das er sich damit nicht abfinden konnte und wollte. „Ich liebe Bill!“ sagte ich einfach gerade heraus. „Aber …warum? Wir sind Zwillinge, sooo Unterschiedlich sind wir nicht und ich bin doch auch nett zu dir, und mit mir hast du dich im gegensatz zu ihm noch nicht gestritten!“ „Er hat einfach dieses besondere etwas. Ich habe.. Tom ich hab dich gern, aber ich habe mich nun mal in Bill verliebt!“ „..und wenn das mit euch vorbei ist, würdest du mir dann eine Chance geben?“ Jetzt fühlte ich mich an die Wand gedrängt. „Wenn da Gefühle entstehen würden..“ „Bitte!“ „Tom ich bin mit Bill zusammen!“ „Ja, aber-“ Klick. „BILL!“ Sofort sprang ich auf, rannte auf ihn zu, legte meine Arme um ihn und drückte stürmisch meine Lippen auf seine. „Wo warst du nur?“ flüsterte ich anschließend, mein Gesicht nur Millimeter von seinem entfernt. „Wir müssen uns trennen Lea..“ Sagte seine sehr leise, sehr traurige Stimme. „Was?“ Ich riss die Augen auf, nahm aber nur seine Hand und warf Tom mit böser Vorahnung einen tötenden Blick zu während ich Bill die Treppe hoch und in Georgs Zimmer zog, wo wir uns auf dem Bett platzierten. Er saß mir gegenüber, und man sah in seinem Gesicht wie sehr sein Herz blutete. Ich holte tief Luft. Seine Hand ließ ich nicht los. „erklär`s mir!“ murmelte ich dann. „Ich.. ich liebe dich, aber ich hab einfach keine Zeit für eine Beziehung, du hast jemanden verdient mit dem du eine Zukunft hast.“ Ich dachte einen Moment lang darüber nach. „Hat Tom dir das gesagt?“ Die Antwort darauf, wusste ich eigentlich schon. Er nickte. „Aber er hat ja Re-“ „Shht..“ Sanft legte ich meinen Zeigefinger auf seine Lippen. Völlig selbstverständlich drückte ich ihn nach hinten in die Kissen, legte mich neben ihn, zog die Decke über uns und kuschelte mich an ihn. „Nimm mich in den Arm!“ flüsterte ich nachdem mein ziemlich fertiger Freund noch immer keine Anstalten machte es zu erwidern. Abschätzend sah er mich an, dann legten sich wie automatisch seine Arme leicht um mich. Sofort rutschte ich näher an ihn heran. Sein Atem ging langsam. Bedrohlich langsam. Er wirkte fast ängstlich. „Was hat Tom nur mit dir angestellt?“ sprach ich leise meinen Gedanken aus. Der blick in seine Augen bereitete mir nur noch mehr sorgen. Er sah aus als würde er gefesselt sein und darum bitten dass man ihn endlich befreit. Ich beschloss dass einfach so gut es ging zu ignorieren, irgendwann würde er schon wieder warm werden. Zärtlich legte ich meine Hand auf seine Hüfte und schob sie unter sein Shirt. Sanft strich ich immer wieder seinen Rücken hinauf und hinab, zog auf seinem Bauch kleine Kreise mit dem Zeigefinger und kraulte mit der anderen sanft seinen Nacken, wobei ich kein Stück von ihm wegrutschte. Schnell entspannte er sich ein wenig, schloss seine Arme wieder weicher und enger um mich, und ich glaubte einen Moment lang sogar fast ein lächeln auf seinen Lippen erkannt zu haben. Mein Gesicht legte ich an seine Halskuhle. Ich setzte ein paar zärtliche Küsse auf die empfindliche haut und rückte dann wieder mit dem Gesicht an seins heran. Er bewegte sich mir entgegen, verzerrte sich nach einer zärtlichen Berührung, brauchte sie einfach so sehr wie noch nie zuvor. Ich ließ meine Lippen auf seine sinken und hauchte einen Kuss darauf. „Du bist der mit dem ich eine Zukunft haben will, und kein Anderer. Auch wenn es Probleme gibt, ich liebe dich Bill, und ich will dass du dir das nie mehr von irgendwem ausreden lässt! Ich will Dich, und nicht Tom! Wir wissen beide das ich ihn hätte haben können, aber ich will DICH, okay?“ Stille. Erwartend sah ich ihn an. Als antwort bekam ich ein kleines nicken. Erleichtert seufzte ich auf und kuschelte mich wieder an ihn. „Na ein Glück haben wir das geklärt. Ich liebe dich! So und jetzt Lächel’ wieder, ich halte es nicht aus dich so zu sehen!“ Er schmunzelte. „..ach und jetzt kannst du plötzlich lachen?“ fragte ich

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grinsend. Er versuchte noch an sich zu halten doch plötzlich prustete er los. „..Das ist einfach nur zu geil, SO eine Situation und du schmiegst dich an mich und willst das ich lächle..“ Er war einfach so liebenswürdig, am liebsten hätte ich ihn sofort aufgefressen. „Tja Ziel erreicht, du lachst!“ Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit legte er seine Lippen von sich aus auf meine und begann sie sachte und fast schon schüchtern auf meinen zu bewegen.

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Neue Stadt, neue Schule, neuer Stiefvater, und vor allem: endlich kein Einzelkind mehr! Fast sechzehn Jahre lang war Lea ein Einzelkind, doch jetzt würde sich alles ändern, denn Uwe, der neue Mann im Leben ihrer Mutter hat einen Sohn. Alles was Lea weiß ist das Er etwas älter ist als Sie, und als Sie Ihn schließlich kennen lernt fällt Sie aus allen Wolken. Warum hat ihre Mutter Sie DARAUF nicht vorbereitet? Schneller als Sie es sich zu träumen wagt schlittert Lea in eine völlig neue Welt hinein, die wohl mindestens genauso viele Vor- wie Nachteile hat, denn ihr Bruder ist nicht einfach irgendwer, und auch seine Freunde sind Ihr nicht gerade unbekannt.

99 Eine Geschichte zwischen Liebe, Spannung und neuen Erfahrungen, oder auch:


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Big Brother - Der Anfang!