ph akzente 3/2012: Campus

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Herzlichen Glückwunsch – die Lehrerinnen- und Lehrerbildung ist den Künsten ein Jahr voraus! Die ZHdK wünscht allen Studierenden und PHZH-Angehörigen gutes Ankommen und einen gelungenen Start im

«Dead Poets Society»

«Macht euer Leben aussergewöhnlich!» Die Enge der fünfziger Jahre dominiert in einem Eliteinternat in Vermont. Als ein unkonventioneller Englischlehrer die Schüler begeistert, hat das tragische Folgen. «Dead Poets Society» spiegelt den Konflikt zwischen den innigsten Wünschen des Individuums und den Erwartungen von gesellschaftlicher Konformität. | Michael Prusse

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as macht eine gute Lehrperson aus? Was ist die Bedeutung von Konformität? Diese Fragen kann man sich stellen, während Dead Poets Society über den Bildschirm flimmert. Es gibt Filme, die einen solchen Eindruck hinterlassen, dass man sie sich immer wieder ansehen kann. Was wir in der Schule lernen, hängt sehr stark von den Traditionen, Normen und kulturellen Gegebenheiten einer Gesellschaft ab. In Charles Dickens Roman Hard Times, dessen Anfang in einer Schulstunde spielt, wird ein Duo infernale bestehend aus einem Parlamentsabgeordneten und einem Unternehmer gezeigt, welche das Lernen in der Schule schlicht auf Fakten zu reduzieren wünscht. Die Definition eines Pferdes hat dann wenig mit der Lebensrealität der Kinder zu tun, sondern beschränkt sich auf faktische Merkmale: «Vierbeiner. Grasfressend. Vierzig Zähne, genauer: 24 Backenzähne, vier Eckzähne und zwölf Schneidezähne. Fellwechsel im Frühling. In sumpfigen Ge-

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bieten auch Abstossen der Hufe. Hufe hart: benötigen Hufeisen.»

Pauken als Mittel zum Erfolg Die Welton Academy in Vermont proklamiert, ähnlich wie von Charles Dickens beschrieben, eine Erziehung zum Nützlichen und Faktischen. Schon die vier Säulen, die der Rektor in der Jahreseröffnungszeremonie zelebriert – Tradition, Ehre, Disziplin, Exzellenz – zeigen auf, dass diese Institution etablierte Werte pflegt. Eltern von zukünftigen Anwälten, Ärzten und Ingenieuren schicken ihre Söhne in dieses Internat. Im privilegierten Ambiente befinden sich keine Ghetto-Kinder, die einer Lehr­ person die Hölle heiss machen. Das Setting des Internats führt zu einem Beziehungsgeflecht zwischen Lehrern und Schülern sowie den Schülern untereinander, das deutlich enger ist als an einer vergleichbaren Tagesschule. Pauken ist das Mittel zum Erfolg. Dafür sorgen die treuen Gehilfen des Rektors Nolan – sein Lehrerkollegium. Natürlich gibt

es subtile Subversionen – die Schüler transformieren das Motto, das nun mit Travestie beginnt und mit Exkrement endet; die Schule selbst wird in «Hellton» umgetauft. Der Film beginnt mit dem traditionellen Eröffnungsritual, begleitet von Dudelsackklängen und dem Anzünden von Kerzen – das «Licht des Wissens» verbreitet sich so durch den Raum. In diese leicht verstaubte Welt platzt der Englischlehrer Keating, gespielt von Robin Williams, der seinen Schülern beibringen möchte, das Leben bewusst anzugehen («Carpe diem!» wird schon in der ersten Lektion vermittelt). Ein weiteres bemerkenswertes Zitat stammt ebenfalls aus einer frühen Lektion. Keat­ ing erklärt seiner Klasse, warum der Mensch Lyrik liest und schreibt: «We don’t read and write poetry because it’s cute. We read and write poetry because we are members of the human race. And the human race is filled with passion. And medicine, law, business, engineering, these are noble pur-

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