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Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst 5/2011

November

aps

Foto: pressmaster – Fotolia.com

Wir gestalten zukunft

und das jeden tag Problemkind Erziehung

Rückblick GÖD-Forum

Gedanken zum Weltlehrertag


Impressum

„aps“ ist die Zeitschrift der Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fent­licher Dienst. He­raus­ge­ber: Ge­werk­ schaft Öf­fent­licher Dienst. Medieninha­ber und Ver­leger: GÖD Wirtschaftsbetriebe GmbH., Teinfaltstraße 7, 1010 Wien. Chefredaktion und für den Inhalt verantwortlich: Rudolf Mayer (Ltg.), Paul Kimberger, 1010 Wien, Schenkenstr. 4/V, Tel.: 01/534 54-435. Redaktion, Pro­duk­tion, Konzeption und Anzeigenverwaltung: Mo­dern Ti­mes Me­di­a Ver­lags­ges.m.b.H., 4020 Linz, Büro Wien: 1030 Wien, Lagergasse 6/2/35, Tel.: 01/513 15 50. Hersteller: Nieder­öster­rei­chi­sches Presse­haus Druck- und Verlags­ ges.m.b.H., Gutenberg­straße 12, 3100 St. Pölten. Verlagsort: Wien. Herstellungsort: St. Pölten. DVR-Nr.: 0046655. Na­ment­lich ge­kenn­­zeich­nete Bei­trä­ge stel­len die Mei­nung des Au­tors dar, die sich nicht mit der Mei­nung der Re­dak­tion dec­ken muss.

editorial

inhalt

3 Seite des Vorsitzenden service 5 Leistung gewinnt: der IV-Teacher’s-Award gewerkschaft 8  Rückblick GÖD-Forum bildung 12 Problemkind Erziehung interview

Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fen­t­­licher Dienst, 1010 Wien, Schenken­ straße 4/V. Te­l.: 01/534 54-435 Fax: 01/534 54-452 E-­Ma­il: aps@goed.at Bü­ro­zei­ten: Mon­tag bis Do­nner­s­­tag von 7.30 bis 16.30 Uhr, Frei­tag von 7.30 bis 13.30 Uhr. Ko­sten­lo­se In­for­ma­tion für Mitglie­der der GÖD, Gewerk­ schaft Pf­licht­schul­lehrerinnen und Pflichtschullehrer.

Rudolf Mayer

Um die Zukunft gestalten zu können, die Kinder auf das Leben vorbereiten zu können, sie für die Arbeitswelt fit machen zu können, ist es notwendig, dass die Dienstgeberseite endlich erkennt, was Sinn und Aufgabe der österreichischen Schule ist. Wenn Schulentwicklung ein Beitrag zu einer qualitativen Verbesserung der Arbeit an der Schule sein soll, muss – auch wenn es manche „Schulexperten“ partout nicht sehen wollen – erkannt werden, dass diese Arbeit bei den Schülerinnen und Schülern, also im Unterricht, ankommen soll und nicht auf Nebenschauplätzen, die sich leider immer mehr zum Hauptbetätigungsfeld und Tummelplatz der „Kreativen“ und „Wichtigen“ entwickeln.

Wann erkennen diese vorhin Genannten, dass Evaluationen, Umfragen und Erhebungen, … wohl einen Beitrag zur Entwicklung leisten, ein Zuviel hoff: „Zurück zur Intuition!“ davon zwar die administrativen Arbeiten der Lehrerinnen und Lehrer erheblich vermehrt, aber die gastkommentar Zeit für das Wesentliche mindert. 14 Bestsellerautor Michael Winter-

16 Wo Lehrer wirklich Hilfe

Info

Liebe Leserin, lieber Leser!

brauchen schule 17 Gedanken zum Weltlehrertag 20 „Weil ma fad is!“ 22 Frische Luft in Klassenräumen! 24 Diensttausch

Leistungsbereitschaft, Leistungsorientiertheit, Zu­ verlässigkeit, Qualität, Respekt vor Mitmenschen, solidarisches Handeln, soziale Verantwortung, Disziplin und Ordnung – alles wesentliche Grundpfeiler für ein Leben in Gemeinschaft und Gesellschaft – in Gegenwart und auch in Zukunft! Da wir Lehrerinnen und Lehrer Zukunft gestalten, fordern wir Zeit für das Wesentliche, Zeit für qualitätsvolles Unterrichten! „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten!“ (Willy Brandt)

Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 7. 11. 2011 Beiträge senden Sie bitte per E-Mail (aps@goed.at) an die Redaktion.

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Ihr Rudolf Mayer aps • Ausgabe 5_2011


seite des vorsitzenden

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der 16. GÖD-Bundeskongress ist Geschichte. Die Hauptthemen waren … • der Gehaltsabschluss 2012 für alle Öffentlich Bediensteten (bei Redaktionsschluss und Druckfreigabe unseres „APS-Magazins“ fordert GÖDVorsitzender Fritz Neugebauer eine faire und gerechte Anhebung unserer Bezüge um 4,65 %, IHS-Chef Bernhard Felderer polemisiert in populistischer „Wirtshaustischmentalität“ über eine Nulllohnrunde und die Bundesregierung war bis zu diesem Zeitpunkt zu keinem Angebot bereit). • die Weiterentwicklung der Öffentlichen Verwaltung (prominente Wirtschaftskapitäne wie der „Bildungsvolksbegehrer“ Hannes Androsch orten hier bis zu 30 Milliarden Euro (!!) Einsparungspotential – so ganz nebenbei bemerkt kostet diese aber nur 21 Milliarden Euro (!!) – freie Assoziationen unter dem Motto „Wer bietet mehr“ könnte man meinen, und dem Gewinner dieses Einsparungspokers winkt ein Rechtsstaat, dem die Luft ausgeht). • die Wiederwahl unseres GÖD-Vorsitzenden Fritz Neugebauer (herzliche Gratulation zu einem Wahlergebnis von 85,59 % - es wäre in diesen schwierigen Zeiten mehr als unklug gewesen, auf seine gewerkschaftliche Erfahrung und sein politisches Gewicht zu verzichten). • weit über 500 Anträge unter dem Motto „Vernunft hat einen Namen – GÖD“ (es sei wieder einmal darauf hingewiesen, dass die Gesetze – und das vergessen manche immer wieder – nach wie vor von den Abgeordneten im Parlament beschlossen werden und nicht von den Delegierten bei Gewerkschaftskongressen). • das Bildungsvolksbegehren (mit 383.820 Stimmen oder 6 % der Wahlberechtigten blieb es deutlich hinter den geäußerten Erwartungen von – und vor allem auch durch – „Bildungspharisäer“ Hannes Androsch). • die europäische Wirtschafts- und Finanzkrise (in seiner eindrucksvollen Festrede sagte Bundespräsident Heinz Fischer, man müsse die Staatsverschuldung reduzieren, aber nicht auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Öffentlich Bediensteten).

Die Neue Mittelschule Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur schickte kurz vor Redaktionsschluss

und Druckfreigabe unseres „APS-Magazins“ die Gesetzesnovellen zur Implementierung der Neuen Mittelschule in das Regelschulsystem im Rahmen des Gesetzwerdungsprozesses in Begutachtung. Eine erste Analyse ergab eine Reihe von sehr positiven Ansätzen, die man nur begrüßen kann, aber auch einige unerwartete Mängel, die in der jetzt laufenden Begutachtungsphase unbedingt zu beheben sind.

Paul Kimberger Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer

PLUS-Punkte: • Eine rasche Überführung der Neuen Mittelschule ins Regelschulsystem. • Das Ende der Dreiteilung (Hauptschule – Neue Mittelschule – Allgemeinbildende Höhere Schule) im Bereich der Schule der 10 bis 14-Jährigen. • Eine Verbesserung der Position der bisherigen Hauptschule (dieses Ziel wird mit diesem Gesetzesentwurf leider nur teilweise erreicht!). • Zusätzliche 6 Stunden pro Klasse mit mehr Möglichkeiten des flexiblen Einsatzes moderner Unterrichtsformen. • Eine Konzeption der 5. und 6. Schulstufe ohne Selektionsdruck und unterschiedlicher Lehrplanausweisung. • Die Möglichkeit verschiedener Differenzierungsformen, bei denen jedoch noch sicher zu stellen ist, dass die Entscheidung, welche dieser Formen zum Einsatz kommen, schulautonom zu treffen ist. • Die Verpflichtung zum Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern Höherer Schulen wurde mit Blick auf die zu erwartende Personalknappheit und eine individuellere standortbezogene Schulentwicklung gelockert.

MINUS-Punkte: • Manche der im Schulversuch gemachten ministeriellen Versprechungen bezüglich Gleichstellung der Neuen Mittelschule mit Allgemeinbildenden Höheren Schulen (Zeugnisse, Lehrpläne, Berechtigungen, … ) werden nicht eingehalten. • Nicht akzeptabel sind unterschiedliche Lehrpläne an der Neuen Mittelschule und der Unterstufe der Allgemeinbildenden Höheren Schule für die vertiefende Allgemeinbildung. Außerdem muss für Schülerinnen und Schüler an der Neu3


en Mittelschule, die das Ziel der vertiefenden Allgemeinbildung erreichen, weiterhin der Zusatz „… wurde nach dem Lehrplan des Realgymnasiums beurteilt“ im Zeugnis vermerkt werden können. • Ein breit gefächertes Angebot an Pflichtgegenständen muss auch Geometrisches Zeichnen und Ernährung und Haushalt beinhalten. • Auf die zusätzlichen 6 Stunden pro Klasse wird nur in den Erläuterungen hingewiesen, ein Vermerk über Ressourcen für den verpflichtenden Förderunterricht fehlt gänzlich. • Eine Verankerung der regionalen Kompetenzteams und der Lerndesigner am jeweiligen Schulstandort ist weder organisatorisch noch finanziell im Gesetzesentwurf enthalten. • Statt eines im Gesetzesentwurf nicht klar definierten Schülerportfolios sollte in Verbindung mit den Bildungsstandards ein „Talentecheck“ als differenzierte Leistungsbeurteilung in standardisierter Form (zusätzlich zur Ziffernnote) durchgeführt werden. • Bei der Bewilligung eines 10. und 11. Schuljahres fehlt die Einbindung der zuständigen Lehrerinnen und Lehrer in den Entscheidungs- und Bewilligungsprozess. Ich möchte darauf hinweisen, dass meine „PLUSMINUS-Punkte“ natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben und die tatsächliche Beurteilung der vorgeschlagenen Gesetzestexte auch dadurch erschwert wird, dass wichtige Ausführungsbestimmungen (Lehrpläne, Gehaltsgesetz, Leistungsbeurteilungsverordnung, schulzeitliche Regelungen, … ) noch nicht vorliegen. Abschließend taucht aber auch - wahrscheinlich nicht nur für mich - wieder die Frage auf, warum man Schulversuche macht, wenn dann offensichtlich bewährte Maßnahmen nicht ins Regelschulsystem übernommen werden. Ein herzliches Danke Am Ende dieses Kalenderjahres möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, allen, die unseren gemeinsamen Einsatz für die mehr als 70.000 Lehrerinnen und Lehrer an den Pflichtschulen in Österreich mittragen, mitgestalten und unterstützen, sehr herzlich zu danken: • Meinen Kolleginnen und Kollegen in der Bundesleitung der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer für die gute Zusammenarbeit. • Den Vorsitzenden der Lehrergewerkschaften und Zentralausschüsse mit ihren Bundesländer- und 4

Initiativantrag Der IV-Teacher’s Award wird 2011/2012 zum vierten Mal ausgeschrieben und es werden damit neuerlich jene Lehrerinnen und Lehrer ausgezeichnet, die heraus­ ragende pädagogische und fachliche Leistungen vollbringen und öffentliche Vorbilder für die Schulentwicklung Österreichs sind.

Initiativantrag an den GÖD-Bundeskongress: Die Unterzeichneten fordern die GÖD auf, alles zu veranlassen, um die Fürsorgepflicht des Dienstgebers gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern gesetzlich besser zu verankern. Die Gesellschaft überträgt der Schule und damit den Lehrerinnen und Lehrern immer mehr Aufgaben. Das dafür notwendige zusätzliche Personal stellt der Dienstgeber aber nicht zur Verfügung, womit es zu einer immer stärkeren Belastung bis hin zur gesundheitlichen Beeinträchtigung der Lehrerinnen und Lehrer kommt. Der Dienstgeber wird aufgefordert, das neben dem Lehrpersonal notwendige Fachpersonal im administrativen, psychologischen, sozialen und medizinischen Bereich in ausreichender Zahl zusätzlich den Schulen zuzuweisen. Nur so können Lehrerinnen aps • Ausgabe 5_2011


Foto: violetkaipa - Fotolia.com

und Lehrer von T辰tigkeiten, die nicht in ihren Aufgabenbereich fallen, derzeit aber von ihnen ausge端bt werden m端ssen, entlastet werden. F端r die Bundesleitung 10 Paul Kimberger Vorsitzender

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...kommt es an! 17

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Die Industriellenvereinigung bittet heuer zum vierten Mal jene Lehrerinnen und Lehrer vor den Vorhang, die herausragende pädagogische und fachliche Leistungen vollbringen und damit Vorbilder für die Schulentwicklung Österreichs sind.

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Preisträger 2010 Die beiden folgenden Projekte aus dem APS-Bereich konnten beim IV-Teacher’s Award 2010 jeweils einen ersten Platz erringen. Grundstufe: „Kinder schlagen Brücken“ Mazedonien-Projekt Regina Holzer Allgemeine Sonderschule Krems Kurzbeschreibung des Projekts: Im Rahmen eines zweijährigen KreativSozial-Projekts organisieren die SchülerInnen und LehrerInnen den Transport von nicht mehr benötigten Schulmöbeln (die Schule zieht um) an eine bedürftige Schule in Kumanovo (Mazedonien). v. l. n. r.: Mag. Monika Kircher-Kohl (Infineon), Mag. Bernhard Reisner (MIBA AG), SC Kurt Nekula (bm:ukk), Regina Holzer (ASO-Krems), Dr. Gerhard Riemer (IV)

Sekundarstufe 1 „Der NMS – der Natur-macht-SpaSS-Park“ Irene Brandstetter Neue Mittelschule Zurndorf, Burgenland Kurzbeschreibung des Projekts: Die Ökologiegruppe legt ein Biotop und einen Barfußpark (Sinnespark, Gehen auf verschiedenen Materialien als sinnliches Erlebnis) an. Die Planung erfolgte fächerübergreifend (Mathematik, Werkerziehung, Biologie, Chemie usw.). Die Gruppe kümmerte sich auch um die Genehmigung und um finanzielle Unterstützung seitens der Gemeinde. links: Arbeiten am Barfußpark

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gewerkschaft

Links: Paul Kimberger, Vorsitzender der Bundesvertretung, spricht einleitende Worte zur Begrüßung. Rechts: Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff erklärt in seinem Vortrag tiefenpsychologische Zusammenhänge.

RÜCKBLICK GÖD-Forum Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer hat in Kooperation mit der GÖD anlässlich des Welttages der Lehrerinnen und Lehrer am 6. und 7. Oktober 2011 zwei pädagogische Tage mit dem international bekannten deutschen Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff im Rahmen einer Sitzung der erweiterten Bundesleitung abgehalten.

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Höhepunkt der pädagogischen Tage war eine Abendveranstaltung am 6. Oktober im Wiener Hotel Marriott unter dem Motto „Tyrannen müssen nicht sein“, in Anlehnung an einen Bestseller Winterhoffs.

Einleitende Worte von Paul Kimberger Der neue Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer, Paul Kimberger, stellte fest, dass Österreichs Pflichtschullehrerschaft bei der Mitgestaltung der Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen immer mehr Verantwortung übernimmt. Dazu braucht sie pädagogisch und organisatorisch die besten Rahmenbedingungen und die richtigen Werkzeuge. Lehrerinnen und Lehrern erscheint es nämlich zunehmend notwendig, den ihnen anvertrauten Kindern Grenzen zu setzen. Erziehen heißt eingreifen und dazu sind Grenzen notwendig. Kon-

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Am Podium diskutierten Fritz Neugebauer, Paul Kimberger, Thomas Bulant, Moderator Walter Böhm, Fritz Enzenhofer, Johann Studencki und Michael Winterhoff (v. l. n. r.).

Paul Kimberger, Vorsitzender der Bundesvertretung, konnte neben zahlreichen Ehrengästen eine große Anzahl von Lehrerinnen und Lehrern begrüßen, die einen äußerst spannenden und sehr interessanten Vortrag miter­leben durften und dies auch mit Begeisterung zum Ausdruck brachten.

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gewerkschaft

sequenterweise müssen Pädagoginnen und Pä­ dagogen effektive Möglichkeiten haben, „Stopp“ zu sagen, wenn diese Grenzen überschritten werden.

Aggression und Gewalt Etwa 5% der Schülerinnen und Schüler und oft auch deren Eltern sind laut Kimberger Problemfälle, die den anderen 95% immer größere Schwierigkeiten bereiten. Dabei sind nicht die sogenannten „kleinen Lauser“ gemeint. Es gibt da zunehmend „größere Kaliber“, die Aggression und Gewalt in unseren Schulen verbreiten. Mit „sogenannten“ Verhaltensvereinbarungen, die meist nur von einer Seite eingehalten werden, kommt man hier nicht weiter. Fehlverhalten von Kindern muss Konsequenzen nach sich ziehen. Diese dienen nicht nur ihrem eigenen Schutz, sondern auch den vielen Kindern und Jugendlichen, die unter den Disziplinlosigkeiten einiger weniger schwer zu leiden haben! Kimberger fordert daher klare gesetzliche Spielregeln über die gesamte pädagogische Bandbreite, mehr Individualisierung, Konzentration auf das Wesentliche 10

und den massiven Ausbau von Unterstützungssystemen in unseren Schulen.

wie Kinder behandelt werden, können sie in einem positiven Sinn lebensfähig werden“, so Winterhoff.

Winterhoff analysiert Fehlentwicklungen

Kinder werden beziehungsunfähig

Der Bonner Kinderpsychiater und Bestsellerautor Dr. Michael Winterhoff zeigte in seinen Ausführungen psychische Fehlentwicklungen im Kleinund Schulkindbereich auf und nannte einen Hauptgrund dafür, dass Kinder aus dem Ruder laufen: Der emotionale Missbrauch unserer Kinder unter dem Deckmantel eines partnerschaftlichen Umgangs wird zur Anfrage an die kulturelle Lebensfähigkeit unserer Gesellschaft – Zündstoff für eine grundlegende gesellschaftliche Debatte. Wenn die Ideologie von „Kindern als Partnern“ nicht beendet wird, werden Kinder und Erwachsene krank und sich gegenseitig hassen. Michael Winterhoff stellte in seiner überraschenden wie erschreckenden Analyse diesen emotionalen Missbrauch unserer Kinder dar und belegte ihn mit vielen anschaulichen Beispielen. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Nur wenn unsere Kinder wieder

„Bildung setzt Erziehung voraus. Die Erziehung kann aber nicht zur Gänze von uns Lehrern übernommen werden“, brachte Kimberger das Problem auf den Punkt. Psychiater Dr. Michael Winterhoff setzt sich mit Erziehung tiefenpsychologisch auseinander: Die Ursache der weit verbreiteten Probleme sieht er in einer gravierenden Fehl- oder gar Nichtentwicklung im emotionalen Bereich. Die meisten Kinder, die der erfolgreiche Buchautor in seiner Praxis behandelt, seien gut erzogen, aber hoch gestresst. Er beobachtet bei seiner Arbeit, dass Kinder im Gegensatz zu vor 20 Jahren heute weniger begeisterungsfähig seien, langsamer reagieren und meist nicht wissen, warum sie einen Termin bei ihm haben. Die Konsequenzen für ihr Handeln sind ihnen nicht klar. „Ich mache das seit 27 Jahren, und es wird immer verrückter“, beschreibt Winterhoff die alarmierende aps • Ausgabe 5_2011


Bild links: Paul Kimberger und Fritz Neugebauer nach einer gelungenen Veranstaltung Bild rechts: Moderator Walter Böhm, Michael Winterhoff, Paul Kimberger und Stephan Maresch

Entwicklung. Kinder, die zu ihm kommen, machen die Erfahrung, dass „es knallt, es knallt, es knallt“, und wissen gar nicht, warum. Er attestiert den Kindern und Jugendlichen Symptome, die einer allgemeinen Beziehungsunfähigkeit ähneln. Viele weisen Defizite in grundlegenden sozialen Kompetenzen auf und scheitern immer häufiger an der Integration zunächst in den schulischen Klassenverband, später in das Arbeitsleben.

Eltern halten Druck nicht stand Verantwortlich für diese Defizite sind gesellschaftliche Fehlentwicklungen, aufgrund derer Eltern verlernt haben, für ihre Kinder ein klares Gegenüber zu sein: ein Gegenüber, das für eine gesunde Entwicklung der kindlichen Psyche und Persönlichkeit eine unbedingt notwendige Voraussetzung wäre. In einer Gesellschaft, die sich immer mehr auflöst, in der Orientierung und Sicherheit fehlen, dazu live im Halbstundentakt Krisennachrichten herabprasseln, kann es dazu kommen, dass das Gehirn auf Katastrophenalarm umschaltet.

Eltern klammern sich als Folge darauf, überzeichnet gesagt, an den Gedanken: Wenn mich draußen keiner liebt, soll mich wenigstens mein Kind lieben. Der permanente Druck, das „Unter-StromStehen“, dem Eltern ausgesetzt sind, überträgt sich auf den Nachwuchs. Immer mehr Erwachsene befinden sich dadurch in gravierenden, unbewussten Beziehungsstörungen gegenüber ihren Kindern, so Winterhoff. Er unterscheidet zwischen drei Ausformungen. Erstens: Das Kind wird als Partner behandelt, als kleiner Erwachsener. Das Weltbild des Kindes ist so veranlagt, dass es meint, das Beste zu sein und alles zu können. In Konflikten haben immer die anderen Schuld. Zweitens: Der Erwachsene gerät in Abhängigkeit vom Kind, da er von diesem partout geliebt werden will. Drittens: Das Kind wird vom Erwachsenen als Teil seiner selbst wahrgenommen, Eltern und Kind gehen eine Symbiose ein, die nötige Distanz, um Probleme zu erkennen, existiert nicht mehr. Auf die Kinder haben diese Beziehungsstörungen fatale Auswirkungen:

Die emotionale Basis der Psyche entwickelt sich nicht. Sie erkennen keine Struktur, können Reize nicht filtern oder keine Zusammenhänge erkennen und entwickeln kein Unrechtsbewusstsein. „Die Kinder erkennen nicht, dass sie im Unterricht sitzen und sich dort anders verhalten müssen. Das ist kein Erziehungs-, sondern ein Filterproblem“, so Winterhoff. Was kann man gegen diese gravierenden Entwicklungen tun? „Man kann den Hebel wieder auf Normalbetrieb stellen“, gibt Winterhoff Hoffnung. Kinder sollten zuallererst als Kinder gesehen werden – nicht im abwertenden, sondern im schutzbringenden Sinn. Zweitens sollte seiner Meinung nach das Wissen der LehrerInnen um den Bereich der Entwicklungspsychologie erweitert werden. Zu guter Letzt fordert Winterhoff eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die abseits vom symptomorientierten Denken nach Lösungen sucht: LehrerInnen nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. 11


bildung

Problemkind Erziehung Wenn wir Kinder nicht erziehen, sind Kinder chancenlos. Oder, anders formuliert, setzt Bildung nicht Erziehung voraus? Auf vielfachen Wunsch das Referat von Paul Kimberger, dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft PflichtschullehrerInnen und Pflichtschullehrer, im Rahmen des GÖD-Forums mit Dr. Michael Winterhoff.

Unfähige Eltern Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder einfach in der Schule abgeben und dann neun, zwölf oder sechzehn Jahre später perfekt ausgebildete, gut erzogene, leistungswillige, motivierte und sozial denkende Menschen zurückbekommen. Sind die Kinder doch einmal daheim, dann lässt man sie durch Computer oder Fernsehapparat betreuen. ­Viele Eltern widmen dem Nachwuchs zu wenig Zeit und Zuwendung, dafür umso mehr Geld (wegen dessen Erwerb sie dann noch weniger Zeit haben). Sie wagen auch kaum noch, den Kindern durch konsequente „Neins“ Grenzen zu setzen. Viele Kinder werden heute nicht mehr erzogen, viele Eltern sind unfähig, nicht willens oder – wegen Berufstätigkeit – nicht in der Lage, ihre Kinder zu erziehen. Und eine wachsende Zahl von Eltern scheint ihre Gleichgültigkeit und „Nicht-Erziehung“ mit Liberalität und Toleranz zu verwechseln.

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Schule überfordert Die Schule ist mit dem Ergebnis dann überfordert oder gar nicht mehr in der Lage, den vernachlässigten, abgeschobenen, verzogenen, verwöhnten, vaterlosen, überindividualisierten oder gewalttätigen Jugendlichen (mit ADS, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) Bildung zu vermitteln. Nur zaghaft hat hingegen die notwendige Debatte begonnen, dass anstelle der Kuschelschule mit Maturagarantie objektive Leistungsmessungen nötig sind, damit die Schüler das Lernen wieder ernster nehmen. Bildung setzt Erziehung voraus. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Wenn Eltern klug erziehen, sind Kinder chancenreich. Erziehungsarbeit soll und muss natürlich auch zu Hause stattfinden, sodass diese nicht erst von uns Lehrkräften nachgeholt werden muss und uns daher für die eigentlichen Kernaufgaben zu wenig Zeit bleibt. Kinder sind heute nicht durch die schulischen Inhalte, sondern durch die außerschulischen überfordert. Bildung und Erziehung muss also als gemeinsame Aufgabe verstanden werden (= Ziel). Und Erziehen heißt für mich eingreifen, Grenzen setzen, Orientierungen geben und Werte vermitteln. Für mich als Lehrer, Gewerkschafter, aber auch Vater eines 21-jährigen Sohnes bedeutet gesunder pädagogischer Hausverstand, jene pädagogischen und erzieherischen Mittel einsetzen zu können, um die tagtäglichen Herausforderungen im Lebensraum „Schule“ (= Spiegelbild der Gesellschaft) zeitgemäß, zukunftsorientiert und modern bewältigen zu können.

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Wir haben viele großartige Kinder, die gut erzogen sind. Wir haben überwiegend Eltern, mit denen es ein Vergnügen ist, zusammenzuarbeiten. Aber wir haben auch Problem­ fälle – Tendenz steigend. Und unter diesen Problemfällen leiden wir alle: Schüler, Eltern und Lehrer. Aber wir haben auch ein wachsendes Problem: die Erziehungsdefizite unserer Kinder. Eltern wie Schule schieben sich gegenseitig die Schuld an der Krise zu – und, provokant gesagt, sie haben beide recht. Denn in Wahrheit versagen beide.

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Das beinhaltet Beziehungsarbeit, Zeit für Zuwendung, Erwerb von sozialen Schlüsselqualifikationen, verstärkte Zusammenarbeit mit Betreuungslehrern und Schulpsychologen, Ressourcen für Zusatzangebote und Fördermaßnahmen, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstbewusstsein, Identität und die Unterstützung der Eltern in ihren manchmal sehr schwierigen Erziehungssituationen. Das bedeutet aber auch eine klare Ab­sage an jene pädagogischen Romantiker, die uns Lehrerinnen und Lehrer als Feindbilder sehen, unseren Kindern damit nichts Gutes tun (erziehen jetzt schon die Kinder ihre Eltern!?) und damit nicht nur uns Lehrern, nein, unserer ganzen Gesellschaft Schaden zufügen, weil Schule eben nicht die Reparaturwerkstätte für alle gesellschaftlichen Fehlentwicklungen sein kann.

Was ist falsch daran, … … unseren Kindern Werte wie Fleiß, Pflichtbewusstsein, richtiges Benehmen oder Verlässlichkeit beizubringen (Sekundärtugenden)? ...  versäumte Pflichten nachholen zu ­lassen? ... wenn die Klassen-/Schulkonferenz einen Ausschluss beschließen und exekutieren kann? ... an Time-out-Klassen, an mehr Betreuungseinheiten? … kleinere Klassen, mehr LehrerInnen und den massiven Ausbau von Unter-

stützungssystemen zu verlangen? ...  Verhalten, Leistung, Fehlstunden, … wieder im Zeugnis zu dokumentieren? ... an Spielregeln in der Schule, die im Sport oder auch im Straßenverkehr ganz selbstverständlich sind? … vermehrt in der Frühkindpädagogik anzusetzen? ... die Eltern an ihre Pflichten (auch mit Sanktionen!) zu erinnern? ... die Mehrheit vor einer verhaltensoriginellen Minderheit zu schützen? Es geht um die gesamte pädagogische Bandbreite von Erziehungsmaßnahmen. Erziehen heißt begleiten und führen. Gewaltfrei, aber nicht machtlos. Kinder sind gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt. Ohne Leitlinien und Grenzen werden Kinder orientierungslos, verängs­ tigt und aggressiv. Wenn wir Eltern und Lehrer als „Führungskräfte“ nicht dafür sorgen, dass wir respektiert werden, werden wir unter Umständen verachtet. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam die pädagogisch-erzieherischen Herausforderungen – nebenbei gesagt ein Thema, das die Gesellschaften seit tausendenen von Jahren bewegt – zeitgemäß, modern und zukunftsorientiert bewältigen werden. Und bewusst schließe ich mit der Bemerkung, dass Schülerdisziplin natürlich auch durch Lehrerkompetenz gefördert wird.

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interview

Zurück zur Intuition! Der Bonner Kinderpsychiater und Bestsellerautor Michael Winterhoff über gestresste Eltern, gefühllose Kinder, ausgebrannte Lehrer und die heilsame Wirkung eines Waldspaziergangs. Von Doris Helmberger. Das Interview erschien am 13. Oktober 2011 in „Die Furche“. Mit seinen Bestsellern über die drohende Tyrannei verhaltensauffälliger Kinder hat Michael Winterhoff für Debatten gesorgt. In seinem neuen Buch plädiert er für einen Ausstieg aus dem „Katastrophenmodus“. Doris Helm­ berger bat den Autor zum Gespräch.

Herr Winterhoff, wenn man als Mutter oder Vater Ihre Bücher liest, könnte man leicht in Depression verfallen. Etwas provokant gefragt: Ist denn im Vergleich zu früher in Erziehung und kindlicher Lebenswelt wirklich nichts besser geworden? Michael Winterhoff: Natürlich hat sich manches verbessert! Die 68er haben die große Errungenschaft des Querdenkens mit sich gebracht. Vorher gab es nur rein traditionelles Denken: Die Kinder hatten zu funktionieren und mussten sich nach den Eltern richten. Durch die 68er wurde es möglich, Kinder als Kinder zu sehen, auch in ihrer Persönlichkeit. Es wurde wichtig, ­Dinge mit Kindern und Jugendlichen zu besprechen.

Wobei Sie aber in Ihrem ersten Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ gerade diese Partnerschaftlichkeit als Grundübel ausgemacht haben … Winterhoff: Als Kinderpsychiater bin ich nicht befasst mit der Frage: Wie erziehe ich mein Kind? Sondern ich bin 14

seit 27 Jahren immer dann gefragt, wenn etwas nicht funktioniert. Und wenn wir früher in einer Klasse nur zwei bis vier auffällige Kinder hatten und das heute völlig anders ist, muss sich insgesamt etwas verändert haben. Ich prangere auch keinen partnerschaftlichen Erziehungsstil an, aber heute glaubt man, schon kleine Kinder mit Reden und Begreiflichmachen erziehen zu können. Doch Erziehung im eigentlichen Sinn beginnt erst mit drei Jahren. Davor brauchen Kinder vor allem Ruhe und Orientierung.

Genau an dieser Ruhe mangle es, konstatieren Sie in Ihrem neuen Buch. Winterhoff: Ja, viele Erwachsene sind immer hochgedreht und merken es nicht einmal. Früher hat man gearbeitet und war gestresst, aber zu Hause war man entspannt. Doch heute ist zwischen Arbeit und Freizeit kein Unterschied mehr. Man rast gewissermaßen auf den Tod zu. Zusätzlich ist die Psyche vieler Menschen durch die permanente Konfrontation mit Krisen- und Katastrophennachrichten sozusagen auf „Katastrophenmodus“ umgestellt. Sie ruhen nicht mehr in sich, sondern sind nur noch nach außen gerichtet und versuchen gleichsam, zu überleben. Wenn nun Kinder ständig diesen Stress erleben, führt das dazu, dass ihre emotionale Entwicklung stagniert.

Mit welchen Folgen? Winterhoff: Viele Kinder und Jugendliche sind einfach nicht mehr in der Lage, Strukturen zu erkennen: Ich bin in einer fremden Umgebung! Ich sitze in einem Unterricht! Und weil sie den Lehrer nicht als Lehrer erkennen, sind sie respektlos wie kleine Kinder. Die Probleme in den Schulen rühren meiner Ansicht nach ja nicht daher, dass die Kinder nicht erzogen sind, sondern dass sie nicht entwickelt sind. Viele Jugendliche haben auch überhaupt kein Unrechtsbewusstsein. Die stehlen einfach und verstehen gar nicht, dass sie etwas falsch machen. Dabei stammen immer mehr aus besten Familien! Viele haben eine pure Zerstörungslust. Lehrer werden attackiert, Kinderärzte gebissen, Gleichaltrige gemobbt oder niedergeschlagen. Es ist keine Empathie vorhanden, keine Fähigkeit, sich in andere hineinzufühlen.

Folgt man Ihrer Analyse, dann befinden sich Lehrerinnen und Lehrer mit ihrer Pädagogik auf verlorenem Posten … Winterhoff: Die Probleme der Kinder, von denen ich spreche, lassen sich tatsächlich nicht pädagogisch beheben. Letztendlich wünsche ich mir von der Schule ein erweitertes pädagogisches Know-how, damit unsere Kinder sich dort, außerhalb ihrer Familien, so entwickeln können, dass sie wieder eine aps • Ausgabe 5_2011


klassische Schulreife erlangen. Wir haben heute in Deutschland 46 Prozent nicht arbeitsfähige Schulabgänger. Um das zu ändern, müssen wir aber investieren. Wir brauchen einen höheren Personalschlüssel, kleinere Klassen und mehr Sozialpädagogen an den Schulen. Ich würde mir prophylaktisch auch für alle Kinder verpflichtend und ganztägig ein Vorschuljahr wünschen – mit acht bis zwölf Kindern pro Gruppe.

Das klingt nach Zukunftsmusik, die Burn-out-gefährdete Lehrer von heute wohl nicht mehr hören werden … Winterhoff: Ich habe tatsächlich Sorge, dass die Politik die Lehrer sträflich verschleißt. Wir lassen sie sitzen mit einem Problem, das sie nicht lösen können. Das ist für mich letztendlich auch eine gesamtgesellschaftliche Misshandlung der Kinder.

Die Lösung, die Sie vorschlagen, setzt bei den Eltern an. Um ihre Intuition wiederzufinden und den Hebel von Katastrophen- auf Normalbetrieb umzustellen, sollten sie fünf Stunden ohne Ziel und Handy in den Wald gehen. Im Alltag berufstätiger Eltern wohl kaum zu realisieren … Winterhoff: Wenn man das so sieht, ist man schon im Problem drin. Das Beste wäre, man würde fünf Tage in ein Klos­ ter gehen: kein Fernseher, kein Internet,

kein Buch, nichts. Aber jeder würde sagen: Fünf Tage habe ich nicht Zeit. Unsere Psyche baut eben Schutzmauern auf, sie versucht immer, den Zustand zu erhalten, in dem wir ste­ cken. Würde man sich auf dieses Experiment einlassen, würde man merken, dass wir die unfreiesten Menschen sind im ­Hamsterrad, denn wir können uns selbst nicht mehr aushalten. Aber irgendwann würde man eine Ruhe erleben, die man sich vorher gar nicht mehr vorstellen konnte. Und dann ­würde es einem gelingen, schon mit einer wöchentlichen Yogastunde oder einem wöchentlichen längeren Waldspaziergang diese Erfahrung zu wiederholen.

Diese innere Ruhe würde verhaltens­ auffällige Kinder prompt „kurieren“? Winterhoff: Ja. Ich habe erst kürzlich eine Mutter mit fünf Kindern bei mir gehabt, bei der die ganze Familie kopfgestanden hat. Und eines Tages ist sie völlig verändert bei mir gewesen und hat mir plastisch geschildert, dass ihre Kinder plötzlich freundlich geworden sind und sie wahrnehmen. Sie hat dazu allerdings einen anderen Weg als den Wald oder Yoga gewählt. Aber wenn man sich über drei Wochen jeden Tag eine Dreiviertelstunde in eine Kirche setzt, ist man irgendwann an demselben Punkt.

Buchtipp: Lasst Kinder wieder Kinder sein Oder: Die Rückkehr zur Intuition. Von Michael Winterhoff, Gütersloher Verlagshaus 2011. 205 Seiten, gebunden, 20,60 euro Ratschläge eines Streitbaren Die Reaktionen auf Michael Winterhoffs Erstlingswerk „Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung der Kindheit“ (2008) waren geteilt: Die einen hatten das Gefühl, dass erstmals jemand den Finger in die W ­ unde legte; andere stießen sich schon am plakativen Titel und unterstellten W ­ interhoff eine reaktionäre Grundhaltung. In den beiden folgenden Büchern – „Tyrannen müssen nicht sein. Warum Erziehung allein nicht reicht“ (2009) und „Persönlichkeiten statt Tyrannen. Oder: Wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen“ (2010) – hat der 56-jährige Bonner Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie zweifacher Vater seine These vertieft, wonach die zunehmenden Auffälligkeiten unter Kindern und Jugendlichen eine Folge von Beziehungsstörungen der Erwachsenen seien. Sein jüngstes Opus „Lasst Kinder wieder Kinder sein!“ nimmt nun die Gesamtgesellschaft in den Blick und beschreibt mögliche Auswege für Eltern, um angesichts der Getriebenheit im „Katastrophenmodus“ gegenzusteuern und die eigene Intuition wiederzufinden.


gastkommentar

Wo Lehrer wirklich Hilfe brauchen Lehrer fordern zu Recht mehr Erziehungsmittel, meint Anneliese Edlinger. Der Artikel erschien am 28. September 2011 in den „OÖ Nachrichten“.

Mehr als 35 Jahre ist es her, dass Klaus, ein zugegeben schwieriger Klassenkollege, vor den Augen von uns Mitschülern vom Geografielehrer eine schallende Ohrfeige bekommen hat. Mucksmäuschenstill war es in der Klasse, wir alle waren entsetzt und eingeschüchtert. Und auch wenn sich der betroffene Lehrer im Nachhinein für sein Ausrasten entschuldigt hat, in Ordnung war sein Verhalten keinesfalls. Ebenso wenig wie das jenes Direktors, der sich nun vor Gericht wegen seines Gewaltausbruchs gegenüber einem Volksschulkind verantworten muss.

Überforderung Beleuchtet werden muss aber die Frage, warum Lehrer (Gott sei Dank in sehr seltenen Ausnahmefällen) Schüler misshandeln. Zentraler Punkt dabei ist stets die Überforderung des Pädagogen. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer unberechenbar wird, wenn er überfordert ist, kann den Lehrerberuf nicht ausüben. Dazu sind die Herausforderungen, die Lehrer heutzutage bewältigen müssen, zu umfangreich. Lehrer müssen längst nicht mehr nur Wissen vermitteln, sie müssen Kinder erziehen, ihnen Sozialverhalten vorleben, kurzum verantwortungsvolle Menschen aus ihnen formen. Denn Faktum ist, dass immer mehr Eltern dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen können oder wollen und sie einfach an die Schule delegieren. Angesichts der Fülle von Herausforderungen, vor denen Lehrer neben ihrer Hauptaufgabe, dem Unterrichten, stehen, ist es verständlich, dass sie mehr Rechte im Schulalltag einfordern.

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Es geht um die Zukunft

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Wenn ein Schüler laufend stört, muss es möglich sein, ihn stundenweise aus dem Klassenverband zu nehmen. Nicht weil er bestraft werden soll, sondern weil der Rest der Klasse ein Recht auf konzentrierten Unterricht hat. Ebenso sollten Eltern, die ihren Kindern in schulischen Belangen jede Unterstützung verweigern, stärker (auch finanziell) in die Pflicht genommen werden. Das muss als letztes Mittel erlaubt sein – schließlich geht es um nichts Geringeres als unsere Kinder und deren Zukunft.

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Gedanken zum Weltlehrertag „Schule – das ist für viele Kinder die einzige Chance, der Armut zu entkommen. Nur wer lesen, schreiben und rechnen kann, darf Hoffnung auf eine besser bezahlte Arbeit haben. Die Stärkung des Bildungsbereiches ist deshalb die Schlüsselaufgabe unserer Arbeit!“ Von Dr. Günther Friedrich Vorsitzender des Zentralausschusses – APS Tirol

Ein neues Lehrerdienstrecht, die Neue Mittelschule, Bildungsstandards, mo­dulare Oberstufe und Zentralmatura dominieren die derzeit laufende Bildungsdebatte. Zum Thema Dienstrecht wurde zwischen den Verhandlungspartnern Stillschweigen vereinbart. Eine sinnvolle Entscheidung, wenn man sich erinnert, mit welch absurder Sensationsgier die Medienvertreter vor den Verhandlungstüren auf Ergebnisse lauern. Offenbar in der Hoffnung, ein neues Dienstrecht würde endlich auch uns Lehrern zeigen, was Arbeiten bedeutet. Im Ranking der Stammtischthemen spielt die Lehrerarbeitszeit ja seit jeher eine herausragende Rolle. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Schlagzeile „Unsere Lehrer arbeiten nur 2 Stunden amTag“ vom vergangenen August in einem österreichischen Boulevardblatt. Das Blatt nennt sich „Österreich“ und genießt seit einigen Jahren eine bevorzugte Behandlung des Bildungsministeriums, was Inseratenaufträge betrifft … Das Stillhalteabkommen hätte man sich allerdings sparen können, da es bis jetzt noch keine Verhandlungen gibt, die diese Bezeichnung auch verdient hätten. Umfangreiche „Arbeitsaufträge“ für die gewerkschaftlichen Verhand-

ler und die Weigerung des Ministeriums, konkrete Unterlagen und Zahlen auf den Tisch zu legen, entpuppen sich zunehmend als Hinhaltetaktik. Freuen kann sich allerdings eine Unternehmensberatungsfirma, deren 25-seitiges „Gutachten“ zu einem neuen Lehrerdienstrecht dem Bildungsministerium über 300.000 Euro wert war! Wenn es dann tatsächlich einmal zu konkreten Verhandlungen kommt, sollten auch Lösungen für jene Themenbereiche diskutiert werden, die die Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer im Rahmen einer Plakataktion in den vergangenen Monaten präsentiert hat und die ich anlässlich des letzten „Weltlehrertages“ in Erinnerung rufe.

ZEIT FÜR DAS WESENTLICHE: UNTERRICHT HAT VORRANG Hier wäre der Blick nach Finnland, verbunden mit einer tabulosen und entideologisierten Diskussion über die Gesamtschule, tatsächlich einmal angebracht. Lehrerinnen und Lehrer brauchen wieder mehr Zeit für ihre ureigenste Aufgabe – das Unterrichten. Ein viel zu großer Teil einer Unterrichtsstunde muss für Ordnungs- und Disziplinierungsmaßnahmen aufgewendet werden. Administrative Arbeiten (Listen schrei-

ben, Geld einsammeln, den Hausübungen nachbetteln, …) beanspruchen zu viel der gesamten Arbeitszeit auf Kosten der wertvollen Zeit für Unterrichtsund Erziehungsarbeit. Der Wert einer Schule darf nicht weiter an ihrer Medienpräsenz gemessen werden. Das erfordert vielfach auch eine Abkehr vom mancherorts herrschenden Projektwahnsinn und den Mut, sich im Sinne einer verlässlichen Schule wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Wir benötigen dringend interne und externe Unterstützungssysteme. Für die Nachmittagsbetreuung braucht es ausgebildete Freizeitpädagogen und den Ausbau des Hortwesens. Fort- und Weiterbildung müssen schwerpunktmäßig und qualitativ hochwertig die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neurobiologie und Lernforschung vermitteln. Aufgabengebiet und Berufsbild von Lehrern und Leitern sind eindeutig und verbindlich zu definieren. Was die SchulleiterInnen betrifft, herrscht im Ministerium offenbar überhaupt die Meinung, dass diese für alles zuständig sind, was nicht ausdrücklich jemand anderem zugewiesen ist. Wenn unsere LeiterInnen nicht von diversen Belas­ tungen freigespielt werden, wird sich die effiziente Umsetzung gesetzlicher 17


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ZEIT FÜR DAS WESENTLICHE – RECHT AUF RESPEKT – SCHUTZ DER Vorhaben, wie z. B. des vom Dienstgeber eingeforderten Qualitätsrahmens für jede Schule, schwierig gestalten.

RECHT AUF RESPEKT – LEHRER/-INNEN DÜRFEN GRENZEN SETZEN Kaum redet man von „Erziehung“,„Grenzen setzen“ oder mehr „Durchgriffsrechten“, kommt postwendend der Vorwurf der „schwarzen Pädagogik“. Niemand will zurück zur Prügelstrafe! Tatsache ist aber, dass es unumgänglich ist, den Schülern beizubringen, dass die eigene Freiheit dort endet, wo die Freiheit des anderen beginnt. Wenn die Kinder diese Einstellung nicht schon in die Schule mitbringen – und das kommt leider immer öfter vor –, ist es Teil unseres Erziehungsauftrages, diese Werte zu vermitteln. Wird zu Hause in der Familie respektlos über Schule und Lehrer gesprochen, spiegelt sich das im Verhalten der Kinder in der Schule wider. Vereinbarungen sind gut – aber nur dann, wenn sie auch eingehalten werden und wenn die Nichtbeachtung von Regeln und Abmachungen auch Konsequenzen

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hat. Unter permanenten Disziplinlosigkeiten einzelner Schüler leiden ja nicht nur die Lehrpersonen, sondern vor allem auch die Mitschüler, die eigentlich einen Anspruch auf ungestörten Unterricht haben sollten. Vorschläge von Lehrerseite gibt es genug: von der Wiedergutmachung mutwillig angerichteter Schäden bis zum Nachholen versäumter Pflichten in der Schule, von Time-out-Klassen bis zu finanziellen Folgen für Eltern, die konsequent und bewusst ihre Mitwirkungspflichten vernachlässigen. Auf Time-out-Klassen angesprochen, verweist die Ministerin allerdings auf die Schule der Zukunft, in der dann auch Sozialarbeiter und Psychologen im Team mit den Lehrern arbeiten sollen. Wo bleibt eigentlich hier der vom Minis­ terium in letzter Zeit immer wieder eingeforderte Mut zur Gleichzeitigkeit von Reformen?

RECHT AUF SCHUTZ DER GESUNDHEIT LehrerInnen haben – so wie andere ArbeitnehmerInnen – ein Recht auf Schutz der Gesundheit. Das reicht von

notwendigen Maßnahmen im Bereich des Bedienstetenschutzes – der im Lehrerbereich übrigens noch in den Kinderschuhen steckt – über Lärmschutzmaßnahmen bis hin zu vorbeugenden Maßnahmen im psychischen Bereich. Dazu braucht es ein Arbeitsinspektorat und selbstverständlich Sanktionen für den Dienstgeber bei Nichteinhaltung der Bestimmungen. Was kränkt, macht krank. Selten spürt man den Wahrheitsgehalt dieses Satzes deutlicher als in Zeiten regelmäßig wiederkehrenden medialen Lehrer­ bashings. Mangelnde Wertschätzung und die oftmals gezielt und systematisch betriebene Herabwürdigung unserer Arbeit verursachen bei vielen ein permanentes psychisches Missbehagen. Dieses negative Gefühl ist mit Sicherheit ein wesentlicher Grund für die steigende Burn-out-Rate im Lehrberuf. Man wird es nämlich kaum mehr los, nicht in der Freizeit und häufig auch nicht mehr in den Ferien! Krank macht auch die Ohnmacht, mit der man der Respektlosigkeit mancher Schüler und Eltern ausgeliefert ist.

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R GESUNDHEIT – SICHERHEIT UND GUTE ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN Da „von oben“ diesbezüglich keine ­Hilfe zu erwarten ist, heißt es, bei Überschreitung strafrechtlicher Grenzen auf den gewerkschaftlichen Rechtsschutz zu vertrauen. In Anbetracht eines regulären Pensionsantrittsalters von 65 Jahren sollte es für den Dienstgeber eine Selbstverständlichkeit sein, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass die Zahl derer, die krank, ausgebrannt und enttäuscht vorzeitig das Berufsfeld verlassen, nicht von Jahr zu Jahr größer wird.

SICHERHEIT UND GUTE ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN Wie in anderen Berufszweigen braucht es auch für den Lehrberuf ein klares Anforderungsprofil. Derzeit orientieren sich die gesellschaftlichen Ansprüche häufig noch an vagen und idealisierten Bildungszielen. Die in der Öffentlichkeit bestehenden Stereotype haben längst jeden Bezug zur Realität verloren. Deshalb ist Aufklärung wichtig. Den angehenden Studenten muss ein realistisches Berufsbild des Lehrers vermittelt werden.

Eine gleichwertige Ausbildung aller LehrerInnen auf Masterniveau bildet einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Aus ideologischen und vor allem finanziellen Gründen scheint allerdings „der Bachelor“ der Lehrer der Zukunft zu werden. Antworten auf die Fragen internationaler Berechtigungen nach dem Lehramtsstudium fehlen derzeit noch genauso wie klare Richtlinien für die nötigen Nachgraduierungen. Sicherheit in unserer beruflichen Tätigkeit bietet eine praxisnahe Ausbildung, in der die Verinnerlichung von Lerntheorien und Lernpraktiken ebenso wichtig ist wie die Vermittlung fundierter Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Kommunikation, Konfliktlösung und Rhetorik. Für diejenigen, für die der Lehrberuf – aus welchen Gründen immer – nicht das Richtige ist, gilt es Ausstiegsszenarien zu schaffen. Die oft verhängnisvolle Fessel „einmal Lehrer – immer Lehrer“ muss im Interesse aller Schulpartner durch attraktive Umstiegsmöglichkeiten gelöst werden. Pragmatisierungen wird es aus populis­

tischen Gründen in Zukunft vielleicht nicht mehr geben. Wie immer man es dann aber auch nennen wird – wir brauchen als LehrerInnen auch in Zukunft den Schutz eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses und Rahmenbedingungen, auf die wir uns auch langfristig verlassen können. Derzeit laufende Bemühungen des Ministeriums, den Lehrberuf für bereits im privatwirtschaftlichen Berufsleben Stehende attraktiv zu machen, sind – etwa, was deren Einsatz in speziellen Bereichen der polytechnischen Schule betrifft – durchaus positiv zu sehen. Ob sich allerdings die in diesem Zusammenhang angedachte pädagogische „Schnellsiederausbildung“ mit „rund zwei Semestern“ mit der Forderung nach mehr Professionalität im Lehrberuf in Einklang bringen lässt, ist eine andere Frage. Grund, den Weltlehrertag tatsächlich zu feiern, werden wir jedenfalls erst dann haben, wenn ideologische und finanzielle Gründe nicht länger das verhindern, was eigentlich für unser Bildungssystem getan werden müsste!

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„Weil ma so fad is“ Gedanken über Beziehungsstörungen anlässlich des Welttages der LehrerInnen. Von MMag. Dr. Thomas Bulant, Vors.-Stv. Während die Leseerziehung Wiens SchülerInnen und LehrerInnen heuer zu Schuljahresbeginn in Atem hielt, stand Wiens Bevölkerung unter dem Druck einer Luftdruckpistole. Zwei 20jährige Schulfreunde zielten wahllos auf Menschen. Helmut Qualtinger legte den beiden Tätern bereits vor einem halben Jahrhundert Gerhard Bronners Text als Erklärung für ein unverständliches ­Verhalten in den Mund: „Weil ma so fad is …“

Keine Menschen Michael Winterhoff, deutscher Kinderpsychologe und Erfolgsautor, beklagt bei vielen Jugendlichen die Nichtbildung der „Nervenzelle Mensch“. Menschen werden nicht als Menschen wahrgenommen. Ihre Gefühle, ihre individuellen Rechte, ihre Würde sind ausgeblendet. Menschen werden gegenständlich behandelt, sie werden zum „Zielobjekt für die lustgesteuerte Aggressivität“ mancher Jugendlichen. In jedem menschlichen Hirn wird ein Lesezentrum gebildet. Ganz zufällig ordnen sich einige Nervenzellen einzelnen Buchstaben zu. Eine Nervenzelle muss immer wieder aktiviert werden, um ihre Funktion erfüllen zu können. Daher bedarf die Lesekenntnis permanenter Übung nach vielen mutierten Vorlagen. Auch die Nervenzellen, die unser soziales Verhalten lenken, funktionieren nach dem dualen Prinzip: Der Reizaufnahme folgt ein Kennen oder Nichtkennen. Bei einer Veranstaltung der Pflicht20

schullehrerInnengewerkschaft in Wien anlässlich des Welttages der ­LehrerInnen (vgl. Bericht in dieser „aps“-Ausgabe) strich Michael Winterhoff besonders die Bedeutung der Eltern für die Aneignung gesellschaftlich relevanter psychischer Funktionen durch die Kinder hervor. Der emotionale Bezug ist dabei von großer Bedeutung. Jede/-r LehrerIn hat schon die Erfahrung gemacht, dass Kinder zuerst für die Bezugspersonen, später für ihre Zukunft lernen. Winterhoff hält die Spiegelung für die wesentlichste Erziehungsmaßnahme. Positive und negative Reaktionen des Erziehenden helfen dem Kind sein eigenes Verhalten durch die Augen anderer zu erkennen und sich zu einem „zoon politikon“ zu entwickeln. Diese notwendigen Entwicklungsschritte ab dem Vorschulalter werden nach Untersuchungen Winterhoffs durch die Beziehungsstörungen der Partnerschaftlichkeit, der Projektion und Symbiose verhindert. In der Partnerschaftlichkeit sieht Winterhoff den Fehler der Zwangsbefreiung der Kinder aus der untergeordneten Rolle zu einem falschen Zeitpunkt, wenn Kinder noch die Orientierung als Schutzraum ihrer Entwicklungsmöglichkeiten benötigen. In der Projektion ordnen sich Eltern dem Kind unter. Viele LehrerInnen wissen aus Erlebnissen bei der Gangaufsicht, dass viele SchülerInnen das Ende eines Gesprächs von Erwachsenen nicht abwarten und bedürfnisgesteuert mit ihrem Verlangen unterbrechen. LehrerInnen müssen dieses Verhalten spiegeln

und dem Kind Einhalt gebieten, um die Projektion nicht zu verstärken. In der Symbiose verschmelzen die Psyche der Eltern und jene des Kindes. Der Satz „Mein Kind macht so etwas nicht“ ist eine oft gehörte Schutzbehauptung von Eltern. Das Unglück des Kindes ist das Unglück des Erwachsenen, der zwischen sich selbst und dem Kind nicht mehr unterscheidet.

Rückkehr in die Kindheit Die größte pädagogische Aufgabe für LehrerInnen ist heute jene konsequente Haltung, die es SchülerInnen ermöglicht, psychisch am Gegenüber des/der LehrerIn zu erwachsen. Erst dann haben pädagogische Konzepte zur Vermittlung von Kulturtechniken und sozialen Kompetenzen eine Chance. Diese Konsequenz in der Erziehungsarbeit kostet sehr viel Kraft. Disziplinarmaßnahmen, auch wenn man auf sie morgen nicht verzichten kann, um die Bedeutung von gezogenen Grenzen zu verstärken, waren gestern eine Marscherleichterung autoritärer Konzepte, Kinder in künstliches Anpassungsverhalten zu zwingen. Winterhoff forderte in Wien keine strengere Erziehung, sondern die Wiederherstellung der Beziehungsfähigkeit unserer Kinder. Dafür muss die Gesellschaft die LehrerInnen und Eltern bestärken, im Sinne einer Rückkehr der Kinder in die Kindheit zu handeln anstatt in Diagnose und Delegierung zu flüchten, wenn die Konvertierung der Kinder in kleine Erwachsene auf Probleme stößt. aps • Ausgabe 5_2011


Bei der Arbeit sekkiert di der Master und die andern verbogenen G’fraster, … und auf d’Nacht, wenn der Mensch wieder frei is und die scheußliche Arbeit vorbei is, dann fangt’s erst an, was mach ma dann? Weil dann is uns fad! Und mit der Zeit, da kriagst a Idee, und du zerlegst einen Cafetier, … und fahrst ohne Führerschein durch an Bam. Und wenn a Schmier erscheint, haust eam z’samm. Und hast das alles erledigt, is das Resultat: fad! Nächsten Tag steht des groß in der Zeitung, und dann spürst du erst deine Bedeutung: Deine Hand ist am Pulsschlag der Stadt. Du spielst weiter die harmlosen Stückeln, doch nach zwei Dutzend Zeitungsartikeln samma durt, wo ma warn: Es is fad (ganz fad)! Michael Winterhoff vertritt die These, dass viele Jugendlichen im frühkindlichen Narzissmus stecken geblieben sind. Eltern und Erziehungsinstitutionen begründen beziehungsweise verstärken durch Partnerschaftlichkeit oder Symbiose mit Kindern deren psychischen Entwicklungsstillstand. Aufgrund ihrer Beziehungsunfähigkeit sind viele Kinder nicht mehr lern- und leistungsbereit, sie agieren lustorientiert. „Kann ich nicht, mag ich nicht.“ Herausforderungen in der Schule werden ausgeblendet,

wie man ein erfolgloses Computerspiel abdreht.

Der Abwärtsspirale entkommen Im Hamsterrad der Methodenvielfalt und Schulversuche versuchen LehrerInnen, gegen die negativen PIRLS- und PISA-Ergebnisse anzukämpfen. Die Versuchung für die Öffentlichkeit ist groß, die Arbeitsleistung der LehrerInnen schuldig zu sprechen. Aber wie soll man einem Kind das Lesen beibringen, wenn es in seiner psychischen Entwicklung im Kleinkindalter eingefroren worden ist, soziale und motorische Fähigkeiten fehlen, sich in ein Unterrichtsgeschehen einzufinden? Als LehrerInnen können wir nicht sagen: „Geht uns nichts an.“ Als LehrerInnen und Lobby für die Kinder müssen wir Rahmenbedingungen einfordern, die es uns ermöglichen, dem Kind als älteres Gegenüber entgegenzutreten, an dessen Individualität das Kind seine eigene formen kann. LehrerInnen sollen einerseits fordernd und Strukturen vorgebend handeln, andererseits einen liebevollen Zugang zu Kindern pflegen. Das ist kein Widerspruch, sondern die einzige Chance, einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale zu entkommen. „Wer führt, muss Menschen mögen.“

Ein Ausblick Ich bin mit Winterhoff einer Meinung, dass in der ganztägigen Schulform ein

Lösungsansatz steckt, weil sie eher jene zeitlichen und inhaltlichen Verfügungsmöglichkeiten bietet, mit denen Lehrerpersönlichkeiten Orientierung für die Kinder aufzeigen und einfordern können. Die in Halbtagesschulen üblichen Diskussionen mit Eltern und Kindern, ob man als Pädagoge in seinem Erziehungsstil zu konsequent ist, nerven hingegen. Den Vorwurf „Unfähige LehrerInnen brauchen zusätzliche Disziplinarmaßnahmen“ können wir dann links und rechts liegen lassen. Schulbehörde und Politik müssen jedoch die gegenwärtigen kontraproduktiven Aufbewahrungsstätten ausmerzen. Das skandinavische Ganztags- und Gesamtschulsystem ist auch deshalb so erfolgreich, weil dort Kinder Kinder und LehrerInnen LehrerInnen sein dürfen. Eine pädagogische Raumarchitektur ist dabei eine große Stütze. Das Geld für den Umbau der SchülerInnen- und LehrerInnenräume darf also in die Hand genommen ­werden!

Reaktionen an thomas.bulant@goed.at 1 Michael Winterhoff: Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Gütersloh 2008 2 vgl.: Der Mensch ist ein zoon politikon – ein soziales, auf Gemeinschaft angelegtes und Gemeinschaft bildendes Lebewesen. In: Aristoteles, Politik 3 aus Helmut Qualtingers „Weil ma so fad is“ (Text und Musik: Gerhard Bronner) 4 Andreas Salcher

Schreibwettbewerb

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FRISCHE LUFT in Klassenräumen! Nach wissenschaftlichen Publikationen von O. Fanger wird das menschliche Wohlbefinden von der wahrgenommenen Luftqualität beeinflusst. Von Mag. Romana Deckenbacher, Bundesfrauenreferentin GÖD/APS-Mitglied des ZA Wien APS Die Gesamtheit der chemischen Luftinhaltsstoffe wirkt zusammen mit der thermischen Umgebung (Lufttemperatur, Strahlungstemperatur, Luftbewegung und Luftfeuchte) auf den Menschen ein. Die resultierende Luftqualität wird als akzeptabel oder weniger akzeptabel wahrgenommen, wobei verschiedene Personen naturgemäß unterschiedliche Beurteilungen abgeben. Gute Luft in Räumen, eine zwingend notwendige Voraussetzung für das persönliche Wohlbefinden, steht jedoch oftmals im Gegensatz zur Problematik des Energiesparens. Diesen Umstand haben die meisten LeserInnen spätestens dann persönlich wahrgenommen, wenn zur Vermeidung von Schimmelbildung in privaten Wohnungen eine entsprechende Belüftung unumgänglich wäre, diese sich aber in der kalten Jahreszeit in einer überhöhten Strom- oder Fernwärmerechnung niederschlägt.

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Luftdichte Gebäude Im Hinblick auf die wachsende Abhängigkeit von Energieimporten sowie Probleme im Zusammenhang mit dem zunehmenden Treibhauseffekt ist natürlich eine Verringerung des Energieverbrauchs auch im öffentlichen Bereich natürlich ein Gebot der Stunde. Selbst unter Berücksichtigung des Klimaschutzes sollte unser Ziel jedoch nicht Lüftungsvermeidung lauten; man sollte sich am Ziel einer bedarfsgerechten Lüftung ausrichten. Neue Gebäude – auch solche ohne mechanische Lüftungsanlagen – werden im Sinne der präventiven Energieeinsparung grundsätzlich „luftdicht“ entworfen. Während beispielsweise in alten und nicht sanierten Gebäudebeständen Luftwechselraten von bis zu 2 und mehr zu finden sind, beobachtet man in Niedrigenergie- und Passivhäusern Luftwechselraten von teilweise weniger als 0,2/h. Das bedeutet, dass der Luftaustausch ohne

bewusstes Zutun des Menschen durch „Lüften“ oder Einsatz von mechanisch/ elektronischen Systemen zur Luftverbesserung erheblich reduziert wird. Ein niedriger Luftwechsel hat jedoch nicht nur energetische Vorteile. Die Konzentration an Luftbeimengungen steigt mit abnehmender Luftwechselrate bei gleichbleibender Emission signifikant an. Dichte Gebäude ohne kontrollierte Lüftungsanlagen wären daher anders zu nutzen als entsprechende Gebäude mit einer hohen Luftwechselrate. Wenn man nun davon ausgeht, dass nur schadstofffreie bzw. -arme Baustoffe und Einrichtungen zum Einsatz kommen und auch keine anderen Emissionsquellen vorliegen, hängt die Lufthygiene in einem Klassenraum primär von der Außenluftqualität und den Stoffwechselprodukten der SchülerInnen und LehrerInnen ab. Hierunter fal-

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len im Wesentlichen CO2, Geruchs- und Botenstoffe und Feuchtigkeit. Mit zunehmender Konzentration dieser stoffwechselbedingten Luftbeimengungen stellen sich Befindlichkeitsstörungen, wie z. B. Geruchsbelästigung und gegebenenfalls Konzentrationsstörungen ein. Da es nicht möglich ist, diese Befindlichkeitsstörungen nur einer Substanz oder einer Stoffgruppe zuzuordnen, hat man Kohlendioxid (CO2) als entscheidendes Mess­ kriterium festgelegt.

Da bleibt die Luft weg Wenn sich beispielsweise zehn Menschen in einem 60-Kubikmeter-Raum befinden, der luftdicht abgeschlossen ist, passiert Folgendes: Jeder Mensch atmet pro Minute rund acht Liter Luft ein und wieder aus, jeder also pro Stunde etwa einen halben Kubikmeter. Auf die gesamte Sauerstoffmenge (O2) hat das recht wenig Einfluss – nach einer Stunde ist der O2-Anteil in der Luft von 21 auf lediglich 20,3 Prozent gesunken. Aber der Kohlendioxidgehalt hat sich dabei mehr als verzehnfacht: von 0,03 auf 0,5 Prozent. Das ist zwar noch nicht letal, aber es beeinflusst eindeutig unser Wohlbefinden. Die CO2-Konzentrationen stellen laut fachärztlichen Informationen mit großer Wahrscheinlichkeit kein akutes gesundheitliches Risiko dar. Sie sind allerdings ein wichtiger Indikator für die Luftqualität und weisen darauf hin, dass der

Luftaustausch in der überwiegenden Zahl der Klassen wahrscheinlich unzureichend ist. Untersuchungen in deutschen Schulen bestätigen diese Zahlen und dokumentieren, dass im Tagesverlauf (9–15 Uhr) aufgrund unzureichender Lüftungsaktivitäten in den Pausen und Freistunden die CO2-Konzentration stetig zunimmt und sich ab 14 Uhr bei gesundheitlich bedenklich hohen Werten stabilisiert.

Nur „kippen“ reicht nicht Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass z. B. 2–3 Fenster auf „Kippstellung“ während einer kurzen Pause ausreichen, um die Luftqualität in einem akzeptablen Bereich zu halten. Allerdings sind diese minimalen Lüftungsaktivitäten immer noch besser als überhaupt keine Fenster zu öffnen. Unzureichende Lüftungsaktivitäten, z. B. durch nur einzelne auf Kippstellung geöffnete Fenster in den Pausen, führen dazu, dass im weiteren Verlauf des Schultages CO2-Konzentrationen erreicht werden, die leistungsbeeinträchtigend sind. Da diese Veränderungen in der Regel am späten Vormittag mit weiteren Störfaktoren zusammentreffen (Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit aufgrund von allgemeiner Müdigkeit oder unzureichender Nahrungszufuhr), ist eine deutlich abnehmende Lernbereitschaft der SchülerInnen gegen Mittag nicht unerwartet. Dass eine höhere Luftaustauschrate die Leistungsfähigkeit positiv beeinflusst, konnte in verschiedenen wissenschaftli-

chen Untersuchungen bestätigt werden. Demnach sollte in einem Klassenraum (25 Schüler) auch bei kühler Witterung innerhalb von knapp 10 Minuten die gesamte Raumluft mittels Stoßlüftung einmal komplett ausgetauscht werden. Stoßlüftungen in Pausen könnten unter dem Blickwinkel einer ausreichenden Luftqualität substituiert werden, indem die Fenster auch während des Unterrichts in Kippstellung gebracht werden. Sofern die Fenster aufgrund sehr niedriger Außentemperaturen oder deutlich wahrnehmbarer Lärmbelastung während der Schulstunden geschlossen bleiben, ist auch während der kurzen Pausen eine Stoßlüftung dringend notwendig. Als Konsequenz aus diesen Erkenntnissen wurden die Schulklassen in den meisten skandinavischen Ländern durchgängig mit Lüftungsanlagen ausgestattet.

Vorausdenkend bauen Es ist es daher ein erstrebenswertes Ziel, dass bei der Planung, Auslegung und Sanierung von Schulgebäuden neben den energetischen Aspekten vermehrt auch lufthygienische Kriterien berücksichtigt werden. Dazu müssen den verantwortlichen Planern, aber auch SchulleiterInnenn und LehrerInnen Konzepte für Lösungsmöglichkeiten angeboten werden. Wir werden uns weiterhin nicht nur um „frischen Wind“, sondern auch um FRISCHE LUFT in den Klassenräumen bemühen!

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