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Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer in der Gewerkschaft Ă–ffentlicher Dienst September

aps

Foto: walter riegler

4/2010

Ein erfolgreiches SChuljahr 2010/11 Aufruf zum dritten Fotowettbewerb!

Bildungssystem in Finnland, Teil 2


editorial

Impressum

„aps“ ist die Zeitschrift der Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fent­licher Dienst. He­raus­ge­ber: Ge­werk­ schaft Öf­fent­licher Dienst. Medieninha­ber und Ver­leger: GÖD Wirtschaftsbetriebe GmbH., Teinfaltstraße 7, 1010 Wien. Chefredaktion und für den Inhalt verantwortlich: Rudolf Mayer (Ltg.), Walter Rieg­­ler, 1010 Wien, Schenkenstr. 4/V, Tel.: 01/534 54-435. Redaktion, Pro­duk­tion, Konzeption und Anzeigenverwaltung: Mo­dern Ti­mes Me­di­a Ver­lags­ges.m.b.H., 4020 Linz, Büro Wien: 1030 Wien, Lagergasse 6/2/35, Tel.: 01/513 15 50. Hersteller: Nieder­öster­rei­chi­sches Presse­haus Druck- und Verlags­ ges.m.b.H., Gutenberg­straße 12, 3100 St. Pölten. Verlagsort: Wien. Herstellungsort: St. Pölten. DVR-Nr.: 0046655. Na­ment­lich ge­kenn­­zeich­nete Bei­trä­ge stel­len die Mei­nung des Au­tors dar, die sich nicht mit der Mei­nung der Re­dak­tion dec­ken muss.

Info

Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fen­t­­licher Dienst, 1010 Wien, Schenken­ straße 4/V. Te­l.: 01/534 54-435 Fax: 01/534 54-452 E-­Ma­il: aps@goed.at Bü­ro­zei­ten: Mon­tag bis Do­nner­s­­tag von 7.30 bis 16.30 Uhr, Frei­tag von 7.30 bis 13.30 Uhr. Ko­sten­lo­se In­for­ma­tion für Mitglie­der der GÖD, Gewerk­ schaft Pf­licht­schul­lehrerinnen und Pflichtschullehrer.

inhalt

Liebe Leserin, lieber Leser!

Rudolf Mayer

3 Seite des Vorsitzenden aktuell 4 Informationsreise in den Norden länder 10 Kriminelle Hauptschüler und Gymnasium für alle? aktuell 12 Der große Pflichtschul lehrerInnen-Fotowettbewerb 3 thema 14 Zukunft passiert! Die Zukunft ist jetzt! service 17 Das neue Perner-Buch thema 18 Die Helden des Septembers aktuell 20 Verhaltensauffällige Schüler: Was tun? gastkommentar 22 Wer Disziplin missachtet, verhindert Bildung! 24 Diensttausch

„Wir haben keine Schulkrise, wir haben eine Gesellschaftskrise. Die Schule ist bloß der Spiegel der Gesellschaft. Die Gesellschaft steckt in der großen Sinnkrise und versucht, diese durch Spaß, Leistung, Konsum, Sucht, Disziplinlosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Materialismus, Suche nach Sündenböcken etc. etc. zu betäuben. Und wenn die Beruhigungsmittel wieder einmal nachlassen und der Schmerz zurückkommt, dann ist die Politik am Zug. Dieser fällt so einiges ein, was die Schule machen könnte, damit die Gesellschaft wieder ins Lot kommt, und überfrachtet und überfordert sie mit immer mehr und neuen Aufgaben. Die Schule sollte eigentlich der Dekadenz unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen haben, statt ihre Lächerlichkeiten unkritisch zu übernehmen oder in ein Zukunftswolkenkuckucksheim (z. B.: „Neues Haus des Lernens“) zu fliehen. Wenig hilfreich in der zu einem beträchtlichen Ausmaß herbeigeredeten Krise ist das Nachplappern von bis zur Unerträglichkeit strapazierten Begriffen wie Kreativität, Integration, Teamfähigkeit, Motivation, lebenslanges Lernen, Innovation, Kompetenz, Projekt, eigenverantwortliches Lernen etc. Diese sollte man lieber den Experten für nichtssagende Formulierungen und unverbindliche Sprechblasen überlassen: den Bildungspolitikern. Nicht, dass in den Schulen alles in Ordnung wäre, bei Gott nicht. Aber die Schulkrise ist …“ Zitiert aus: TATORT PÄDAGOGIK Alles Reform – oder was? von Gottfried Wagner Alles Gute, einen guten Start und ein erfolgreiches Schuljahr 2010/2011!

Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 27. 9. 2010 Beiträge senden Sie bitte auf Diskette oder per E-Mail (aps@goed.at) an die Redaktion.

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Ihr Rudolf Mayer aps • Ausgabe 4_2010


seite des vorsitzenden

Handschlagqualität? Das Jahr 2009 war für uns Lehrer wahrlich kein Honiglecken. Über Monate wogte ein gewaltiger Arbeitskampf, bei dem gegen alle Logik einer vernünftigen Beschäftigungspolitik ausgerechnet im Schulbereich ein gewaltiges Arbeitslosenproblem eröffnet werden sollte. Es war nicht ein Mangel an Beschäftigungsmöglichkeit im Lehrberuf, wie er in einigen Unternehmen zu Monaten der Kurzarbeit führte. Zehn- bis zwölftausend Arbeitsplätze wollte man streichen und im Bildungsbereich sparen, den man vor der Nationalratswahl vor allem in der SPÖ noch als den Kernbereich für den zukünftigen Wohlstand in unserem Land bejubelt hatte.

Walter Riegler, Vorsitzender der Bundesvertretung Pflichtschullehrer

Einige Monate später – die Motivationsskalen in den Lehrerzimmern waren mittlerweile in die Kellerräume verlängert worden – endete die wohl größte österreichische „Werbekampagne“ in der zweiten Republik für den Lehrberuf mit einem Kompromiss. Mit einem Maßnahmenbündel an Einsparungen, die aber zum Teil in freiwilligen Entscheidungen der Kollegenschaft (siehe z. B. die Altersteilzeit) begründet waren, kauften sich Österreichs Lehrerinnen und Lehrer von der wahnwitzigen Idee frei, dass die österreichische Bundesregierung enorme Geldmittel zur Absenkung der Arbeitslosenzahlen einsetzte und einzig im Lehrerbereich partout der gegenteilige Weg beschritten werden sollte. 50.000 neue Lehrerinnen und Lehrer braucht Österreich in den nächsten Jahren. Während die Wirtschaft in den Medien auf den drohenden Lehrlingsmangel mit der Ankündigung reagierte, es werde bald wieder „das Gratis-Moped für die Unterschrift unter den Lehrvertrag“ geben, sieht die Werbung des Herrn Bundeskanzler um die „Besten der Besten jedes Maturajahrgangs“ für den Lehrberuf etwas anders aus: Lehrerinnen und Lehrer sollten seiner Meinung nach mit einigen Stunden mehr Unterricht auch ihren Beitrag zum Budgetdefizit leisten. Hatte der Bundeskanzler in der Hitze des Sommers etwa darauf vergessen, dass der Kompromiss des Vorjahres keine einjährige Angelegenheit war, sondern eine Dauerleistung auslöste? Da von seinem Vorschlag ja offensichtlich auch alle schon im Dienst stehenden Lehrerinnen und Lehrer betroffen sein sollten (im Gegensatz zu BM Schmied, die mehr Unterrichtsleistung nur für zukünftige Lehrerinnen und Lehrer umsetzen will), wird man bezüglich der „Motivationsskalen“ in alten Schulgebäuden problemlos mit vorhandenen 2. Kellergeschoßen das Auslangen finden. Den Besten der Besten des diesjährigen Maturajahrgangs bleibt zum Adrenalinabbau wohl nur die Möglichkeit, unter frenetischem Jubelgeheul die Portale der pädagogischen Hochschulen zu stürmen. Die mir von der Öffentlichkeit und den Medien zuerkannte Rolle des Betonschädels und ewigen Neinsagers werde ich wohl so schnell nicht loswerden.

Bildung – Fenster zur Welt

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TEIL 2:

Informationsreise in den Norden

Mitglieder der ARGE Lehrer (Walter Riegler, MMag. Dr. Thomas Bulant, Martin Höflehner – APS, Mag. Eva Scholik – AHS, Mag. Roland Gangl und HR Dkfm. Helmut Skala – BMHS) besuchten von 21. bis 27. März Finnland und Schweden, um sich vor Ort ein Bild vom Schulsystem zu machen. Nachbetrachtungen über Arbeitsbedingungen und den Stellenwert der Schule in der Gesellschaft. Von Martin Höflehner, Besoldungsreferent der BV 10

Das Schuljahr & der Lehrplan Das Schuljahr hat überall in Finnland denselben Umfang. Das Schuljahr umfasst 190 Tage zwischen Mitte August und Anfang Juni. Die Schulen sind an fünf Wochentagen geöffnet. Es besteht eine lokale Autonomie in Bezug auf zusätzliche Ferien. Der nationale Unterrichtsplan lässt Spielraum für lokale Unterschiede. Zur Klassenstärke gibt es keine Bestimmungen. Die Unterrichtsgruppen um­fassen für gewöhnlich Schüler der gleichen Altersgruppe. Aber bei Bedarf können auch Schüler verschiedenen Alters gemeinsam unterrichtet werden, vor allem in kleinen Schulen. Der nationale Unterrichtsplan wird vom Finnischen Zentralamt für Unterrichtswesen erstellt, er enthält Ziele und Bewertungskriterien. Innerhalb dieses Rahmens legen Schulen und Gemeinden ihren eigenen Unterrichtsplan fest, der die lokalen Bedingungen berücksichtigt. LehrerInnen können Unterrichtsmethoden und Unterrichtsmaterial selbst wählen. 4

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aktuell

Ruusutorppa School

behörde in Espoo ein regionaler Lehrplan erstellt und am 12. 5. 2004 veröffentlicht. Die Ausformung für die Schule erfolgte anschließend durch die Schulkommission und ist ständigen Veränderungen und notwendigen Anpassungen unterworfen. Der schuleigene Lehrplan der Ruusutorppa School enthält viele fächerübergreifende Inhalte und umfasst auch Ausflüge und Exkursionen, die jedoch so organisiert werden müssen, dass den SchülerInnen bzw. deren Eltern daraus keine Kosten erwachsen.

Bewertung ist Teil der täglichen Schularbeit

Ruusutorppa School Für die in Teil 1 als Beispiel dienende Ruusutorppa School in Espoo bedeutet dies, dass der von der Nationalen Schulbehörde am 16. 1. 2004 veröffentlichte Kernlehrplan die Grundlage bildet. Auf dieser Basis wurde von der lokalen SchulBildung – Fenster zur Welt

Die jeweiligen Klassen- bzw. FachlehrerInnen führen auf der Grundlage der Ziele des Unterrichtsplans die Evaluierung durch. Evaluierung ist Teil des Schulalltags und mindestens einmal pro Jahr wird zu jedem Schüler ein Bericht erstellt. Es kann auch mindestens einmal pro Schuljahr ein Zwischenbericht erstellt werden. In der Ruusutorppa School gibt es einen Zwischenbericht im Dezember und einen Bericht über die Leistungen am Ende des Frühjahrssemesters (Anfang Juni). Bis einschließlich der 5. Schulstufe gibt es nur verbale Beurteilungen und keine Tests oder Prüfungen. Mindestens einmal im Schuljahr setzen sich der/die SchülerIn, BegleiterIn (LehrerIn, ist während der gesamten Schulzeit AnsprechpartnerIn), Klassen- bzw. FachlehrerIn zu einer Aussprache über die Leistungen zusammen. Soferne die Notwendigkeit gegeben ist, nehmen an diesem Gespräch auch VertreterInnen der Tagesbetreuung und VertreterInnen der Gruppe teil, die

*The student welfare group an der Ruusutorppa School: Diese Gruppe besteht aus dem Direktor, dem stellvertretenden Direktor, einem Schulpsychologen, einer Krankenschwester, dem/der Klassen- bzw. FachlehrerIn, SonderschullehrerIn und dem/der LehrerIn, welche/-r den/die SchülerIn durch die Schullaufbahn begleitet. Zu den Hauptaufgaben dieser Gruppe gehören: • Herausfinden von SchülerInnen, die dringend Hilfe und Unterstützung benötigen; • wenn nötig, diese SchülerInnen an einen Arzt/eine Ärztin oder an SpezialistInnen für Testungen zu überweisen; • aufgrund der Ergebnisse die weiteren Unterstützungsmaßnahmen zu planen, durchzuführen und zu begleiten. Ein Erfolg ist laut Aussage von Dir. Partanen nur dann wirklich möglich, wenn alle Beteiligten zu jedem Zeitpunkt genau wissen, wer wann was unternimmt!

sich um das Wohlergehen der SchülerInnen kümmert (the student welfare group*). Ergebnisse werden kontinuierlich sowie ab der 6. Schulstufe auch mittels Tests beurteilt, die von den LehrerInnen erarbeitet werden. Über den erfolgreichen Abschluss der neunjährigen Gesamtschule wird ein Zeugnis erteilt, weiterhin ein Zusatzzeugnis über das absolvierte fakultative 10. Schuljahr. 5


aktuell

Fotos: Walter Riegler

Anmerkung:

Ausbildung und Gehälter der Lehrer(Innen) Vorschulunterricht In den Kindertagesstätten obliegen Unterricht und Betreuung hauptsächlich KindergartenlehrerInnen (mindes­ tens Bachelor of Education, spezialisiert auf frühkindliche Erziehung und Unterricht) und SozialerzieherInnen, zusätzlich stehen KinderpflegerInnen, KinderkrankenpflegerInnen und sonstige Fachkräfte der Kinderpflege und -erziehung zur Verfügung.

Grundunterricht und gymnasiale Oberstufe In den ersten sechs Jahren des Grundunterrichts wird der Unterricht von KlassenlehrerInnen erteilt, in den letzten drei Jahren sowie in der Sekundarstufe II von FachlehrerInnen. KlassenlehrerInnen haben einen Mastergrad (Master in Education Sciences) und FachlehrerInnen einen Mastergrad in ihrem jeweiligen Unterrichtsfach sowie in Pädagogik.

Bruttogehälter 2010: KlassenlehrerInnen: zwischen 2.350 und 3.120 Euro FachlehrerInnen in der Sekundarstufe I: zwischen 2.460 und 3550 Euro FachlehrerInnen in der Sekundarstufe II: zwischen 2.630 und 3.920 Euro 6

DirektorInnen müssen eine Masterausbildung, Berufserfahrung und ein Diplom für Administration und Ma­ nagement haben. Sie unterliegen nicht mehr dem Dienstrecht der LehrerInnen, sondern haben eine 40-Stunden-Woche und normalen Urlaubsanspruch (keine Ferien!).

Bruttogehälter der DirektorInnen 2010: Grundschule: zwischen 3.390 und 4.760 Euro Sekundarstufe II: zwischen 4.140 und 5.250 Euro

Berufliche und höhere Bildung Je nach Einrichtung und Fach wird bei Berufsschul- und FachhochschullehrerInnen entweder • ein entsprechender höherer (oder postgraduierter) akademischer Grad oder • ein entsprechender Fachhochschulabschluss oder • die höchstmögliche Qualifikation in ihrem eigenen Fachbereich, mindes­tens 3 Jahre Berufserfahrung und ein abgeschlossenes Pädagogikstudium vorausgesetzt.

Hochschule Hochschullehrer müssen im Allgemeinen einen Doktorgrad oder einen postgraduierten akademischen Grad vorweisen können

Der gesellschaftliche Stellenwert des Lehrerberufes in Finnland lässt sich daraus ablesen, dass es für einen Studienplatz als KlassenlehrerIn etwa 10 BewerberInnen gibt.

SEKUNDARSTUFE II Die meisten SchülerInnen setzen nach der Pflichtschule ihre Ausbildung fort. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Gesamtschule kann die Ausbildung auf der allgemeinbildenden und/oder berufsbildenden Sekundarstufe II fortgesetzt werden. Etwas mehr als 90 % aller SchülerInnen setzen ihre Schullaufbahn entweder in der allgemeinbildenden oder der berufsbildenden Sekundarstufe II fort. Finnland ist bestrebt, eine etwa gleiche Verteilung auf die beiden Typen zu erreichen. In den ländlichen Gebieten ist dieser Gleichstand fast erreicht, im Zentralraum um Helsinki besuchen derzeit noch mehr SchülerInnen die allgemeinbildende Sekundarstufe II. Es zeichnet sich jedoch auch hier ein Trend in Richtung der berufsbildenden Sekundarstufe II ab und man hofft, in den nächsten Jahren den Gleichstand zu erreichen. Die Auswahl für die allgemeinbildende Sekundarstufe II erfolgt hauptsächlich auf der Grundlage der Schulzensuren. Für die berufsbildende Sekundarstufe II erfolgt die Auswahl dagegen auch auf der Grundlage von Arbeitserfahrung (bei älteren StudentInnen), sonstigen entsprechenden Kriterien sowie evenaps • Ausgabe 4_2010


aktuell

Von links nach rechts: Ms. Maarit Saarenkylä mit unserer Delegation Arbeitsraum für Holzbearbeitung Arbeitsraum für Holzzuschnitt

tuellen Aufnahme- und Eignungsprüfungen. Obwohl das Studium kostenlos ist, müssen sich die StudentInnen an den Kosten für das Unterrichtsmaterial beteiligen. Mit dem Abschluss der allgemeinbildenden oder berufsbildenden Sekundarstufe II wird die Hochschulbefähigung zuerkannt.

Allgemeinbildende Sekundarstufe II Das finnische Zentralamt für Unterrichtswesen legt Unterrichtsziele und -inhalte für Fächer und Studieneinheiten der allgemeinbildenden und berufsbildenden Sekundarstufe II fest. Auf der Grundlage des nationalen Unterrichtsplans erstellt jeder Bildungsträger einen lokalen Unterrichtsplan. Dank der Modulstruktur der Sekundarstufe II können Studenten Bildungsgänge der allgemeinbildenden und berufsbildenden Sekundarstufe II kombinieren. Für die allgemeinbildende Sekundarstufe II sind laut Unterrichtsplan drei Jahre vorgesehen, sie kann aber auch innerhalb von 2 bis 4 Jahren absolviert werden. Der Unterricht ist klassenlos. Jeder Kurs muss absolviert werden und nach Abschluss der erforderlichen Anzahl von Kursen wird ein Abschlusszeugnis erteilt.

Nationale Reifeprüfung Die allgemeinbildende Sekundarstufe II wird mit einer nationalen Reifeprüfung abgeschlossen, die vier obligatorische Prüfungen umfasst: Muttersprachen, Bildung – Fenster zur Welt

eine Fremdsprache, Mathematik oder allgemeinbildende Fächer (human- und naturwissenschaftliche Fächer). Die StudentInnen können auch fakultative Fächer in die Reifeprüfung aufnehmen. Sie erhalten nach der erfolgreichen Absolvierung der Reifeprüfung und des gesamten Unterrichtplans der Sekundarstufe II ein Zeugnis, auf dem die absolvierten Prüfungen, Stufen und Zensuren der Fächer angeführt sind. Auch die StudentInnen der berufsbildenden Sekundarstufe II haben die Möglichkeit, die Reifeprüfung zu absolvieren.

Berufliche Aus- und Fortbildung Die Berufsbildung umfasst sieben Sektoren, 52 Berufsqualifikationen mit insgesamt 112 verschiedenen Studienprogrammen. Der Ausbildungsumfang beträgt 3 Jahre (120 Studienwochen). Jede Berufsausbildung umfasst mindes­ tens 20 Studienwochen Ausbildung am Arbeitsplatz, Kurse in den Kernfächern, z.  B. Sprachen und Wissenschaften, und Wahlfächer. Die Ausbildung beinhaltet weiterhin Studienberatung und eine Abschlussarbeit. Die Bildungsgänge sind sowohl obligatorisch als auch fakultativ. Wissen und Fähigkeiten der Studenten werden nach Abschluss einer jeden Studieneinheit bewertet. Nach dem Abschluss aller Studiengänge des individuellen Studienplans wird ein Befähigungszeugnis erteilt.

Seit dem Jahr 2006 wird in alle Berufsausbildungsgänge der Sekundarstufe II ein Nachweis über die Beherrschung praktischer beruflicher Fertigkeiten integriert. Diese Nachweise entsprechen praktischen Arbeitssituationen, die von der ausbildenden Institution und Vertretern der Wirtschaft oder des Handwerks geplant, implementiert und bewertet werden. In diesen praktischen Arbeitssituationen demonstrieren die Lernenden, in welchem Maße sie die Ausbildungsziele erreicht haben. Die Wahl der Bildungsgänge und der Ausbildungsfortschritt richten sich nach dem individuellen Ausbildungsplan des Einzelnen.

Beispiel für eine berufsbildende Sekundarstufe II: – the Joint Authority of Education in Espoo Region Omnia ist eine vielschichtige Bildungseinrichtung, die berufsbildende Ausund Fortbildungen an zehn Standorten in der Gegend um Espoo (Bezirke Espoo, Kirkkonummi und Kauniainen) anbietet. Das Angebot richtet sich sowohl an Jugendliche, die die Pflichtschule gerade absolviert haben, als auch an Erwachsene mit oder ohne abgeschlossene Berufsausbildung. 7


aktuell

Es werden 20 verschiedene vollständige Berufsausbildungen und viele verschiedene berufliche Qualifikationen, Zusatzausbildungen, berufsbegleitende ergänzende Ausbildungen, Lehrlingstrainings und Workshops für Jugendliche angeboten.

Omnia beinhaltet • Berufsbildende Sekundarstufe II • Zentrum für Erwachsenenbildung* • Lehrlingstrainingszentrum • Jugendworkshops

* ERWACHSENENAUS- UND FORTBILDUNG Alle Bildungsgänge von Gesamtschule bis Hochschule, die auf junge Menschen ausgerichtet sind, werden auch für Erwachsene angeboten. Einige Bildungseinrichtungen konzentrieren sich ausschließlich auf Erwachsenenbildung. Erwachsenenbildung wird auch in Form von Ausbildung am Arbeitsplatz angeboten. Erwachsene haben das gleiche Anrecht auf Bildung der allgemeinbildenden und berufsbildenden Sekundarstufe II sowie auf den Abschluss der Reifeprüfung wie junge Leute. Kompetenzbasierte Qualifikationen Im Rahmen des für Erwachsene konzipierten, kompetenzbasierten Qualifikationssys­ tems können Erwachsene flexibel einen Berufsabschluss machen. Das System ermöglicht den Nachweis von fachlichen Fähigkeiten in Kompetenzprüfungen, unabhängig davon, wie die Fähigkeiten erlangt wurden, ob im Beruf oder Studium oder durch Freizeitinteressen. Die Ausbildung erfolgt auf der Grundlage von persönlichen Studienplänen, die für jeden Studenten erstellt werden. Es gibt drei Stufen von kompetenzbasierten Qualifikationen: berufsbildende Sekundarstufe II, berufliche Weiterbildung und Berufsspezialisierung. Die Voraussetzungen für eine kompetenzbasierte Qualifikation werden vom Finnischen Zentralamt für Unterrichtswesen festgelegt. Organisation und Aufsicht des Systems obliegen dagegen dem Dreierausschuss, dem Vertreter von ArbeitnehmerInnen, ArbeitsgeberInnen und Bildungspersonal angehören. Das System der kompetenzbasierten Qualifikation spiegelt die Prinzipien des lebenslangen Lernens wider. Der Staat fördert das Prinzip des lebenslangen Lernens auch durch Finanzierung von Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Diese Einrichtungen sind weitgehend autonom und können frei über Methoden, Ziele und Zielgruppen der Bildung bestimmen.

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Omnia bietet zusätzlich auch Studien in Englisch, die einen Abschluss der berufsbildenden Sekundarstufe II in verschiedenen Sozial- und Gesundheitsberufen ermöglichen und sich vor allem an Personen richten, deren Muttersprache nicht Finnisch ist. Aber auch finnischen StaatsbürgerInnen mit entsprechenden Kenntnissen in Englisch stehen diese Ausbildungen offen. In einem von Ms. Maarit Saarenkylä, International Coordinator, geführten Rundgang durch eines der Ausbildungszentren erhielten wir viele weiterführende Informationen und konnten uns von der hervorragenden Ausstattung der Arbeitsstätten überzeugen.

HÖHERE BILDUNG Höhere Bildung wird von Hochschulen und Fachhochschulen angeboten, die fachorientierte höhere Bildungseinrichtungen sind. Beide Sektoren haben ihr eigenes Profil; in Hochschulen liegt der Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Forschung und Lehre, Fachhochschulen sind dagegen mehr praxisorientiert.

Hochschulbildung Die finnische Reifeprüfung verleiht die allgemeine Hochschulreife. Die Hochschulreife besitzen außerdem Absolventen von Fachhochschulen, Absolventen der berufsbildenden Postsekundarstufe oder Absolventen einer mindestens dreijährigen Berufsausbildung. aps • Ausgabe 4_2010


aktuell

Von links nach rechts: Arbeitsraum für Zimmererarbeiten Arbeitsraum für die Verlegung von Pflastersteinen Arbeitsraum für Gartengestaltung

Hochschulen können auch Bewerber zulassen, die im Rahmen der offenen Universität die für die Aufnahme an der jeweiligen Hochschule erforderlichen Bildungsgänge absolviert haben. Es besteht für alle Studienrichtungen ein Numerus clausus. Da die Zahl der BewerberInnen höher ist als die Zahl der Studienplätze, erfolgt die Auswahl auf der Grundlage verschiedener Kriterien.

Fachhochschulbildung

Allgemeine Vorraussetzung für die Aufnahme an Fachhochschulen ist der Abschluss der berufsbildenden oder allgemeinbildenden Sekundarstufe II, d. h. die folgenden Bewerber sind für ein Fachhochschulstudium befähigt: Absolventen der Reifeprüfung oder der allgemeinbildenden Sekundarstufe II, Bewerber mit Berufsabschluss (oder Berufsqualifikation der Postsekundarstufe), Bewerber mit einer entsprechenden internationalen oder ausländischen Qualifikation. Die Auswahl der Fachhochschulbewerber erfolgt hauptsächlich auf der Grundlage von Schulergebnissen und Arbeitserfahrung, in vielen Fällen auf der Grundlage von Aufnahmeprüfungen.

Ein Examensabschluss dauert drei bis sechs Jahre Entsprechend dem Examenssystem der Hochschulen ist es möglich, mit einem niedrigeren oder höheren akademiBildung – Fenster zur Welt

Einige Anmerkungen von Ms. Maarit Saarenkylä: • •

• •

Es besuchen mehr Mädchen als Buben das College, ein Teil der jungen Männer zieht es vor, direkt in die Arbeit (Hilfsarbeiter) zu gehen. Die Drop-out-Rate im College liegt bei ca. 20%, in verschiedenen Wellen, manche wollen einfach nur Geld verdienen, manche wollen sich nicht dem Ordnungs- und/oder Zeitrahmen unterwerfen; viele finnische Jugendliche haben eine Alkoholproblem (und das immer früher). Etwa 10 bis 15 % von Omnia (abhängig von den Berufen) gehen weiter in Richtung Fachhochschule oder Universität. Die LehrerInnen brauchen eine Berufsausbildung und einen Uni-Grad – auch hier wird wieder erwähnt, dass die LehrerInnenausbildung in Finnland extrem gut ist. Es gibt zwei Zeugnisse beim Verlassen von Omnia (eines für Theorie, eines für Praxis – diese weisen des Öfteren große Unterschiede auf). In Finnland werden alle Skills als Ganzes überprüft – Einzelprüfungen gibt es nur theoretischen Gegenständen –, Selbstevaluation ist sehr wichtig.

schen Grad abzuschließen. Der akademische Grad Bachelor (180 ECTS-Studienpunkte) kann in drei Jahren abgeschlossen werden und der Mastergrad (120 ECTS-Studienpunkte) in zusätzlichen zwei Jahren, insgesamt fünf Jahren. Außerdem bieten Hochschulen weiterführende Studien, die mit dem Lizenziat oder Doktorat abgeschlossen werden. Ein Fachhochschulstudium kann je nach Studienrichtung innerhalb von dreieinhalb bis vier Jahren oder mit einem Studienpensum von 210–270 ECTS-Studienpunkten abgeschlossen werden. Der Student erhält nach Abschluss des Studiums ein Examenszeugnis. Einige Fach-

hochschulen bieten seit dem 1. August 2002 Versuchsprogramme für weiterführende Studien. In der nächsten Folge: Schweden

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Kriminelle Hauptschüler und Gymnasium für alle …? Als ich die Aussage der Wissenschaftsministerin – „Warum eigentlich nicht Gymnasium für alle?“ – vernahm, war mein erster Gedanke: Endlich sagt jemand in kürzestmöglicher Form, worum es eigentlich geht: Über dem Schuleingangstor darf nicht Hauptschule, nicht Neue Mittelschule oder Kooperative Schule, nicht Polytechnische Schule oder – Gott behüte! – gar Sonderschule stehen. Dr. Günther Friedrich, Vorsitzender des Zentralausschusses der Tiroler PflichtschullehrerInnen

Nein, Gymnasium muss das Gebäude heißen, vor dem die Eltern täglich ihre Kinder abliefern! Dann endlich hat alles seine Richtigkeit und Ordnung.

Genug der Polemik! Die Wirklichkeit ist schlimm genug. „Hauptschule fördert Jugendkriminalität“, lautete vor Kurzem eine Schlagzeile. Der Besuch einer Hauptschule wird darin als gleich gefährlich für die Entwicklung eines Jugendlichen dargestellt wie Alkoholkonsum und Gewalt durch die Eltern. Dass deutsche Krimnologen über ihre Erfahrungen berichten oder aus Studien ihre – zum Teil sicher berechtigten – Schlüsse ziehen, sei ihnen unbenommen. Zu behaupten, diese Erfahrungen ließen sich eins zu eins auf Österreich umlegen, zeigt zumindest von Unkenntnis der österreichischen Schulsituation. Aber wir wissen ja gerade aus der letzten Zeit, dass mangelndes Wissen noch kaum jemanden davon abgehalten hat, sich als Bildungsexperte zu outen. In einigen deutschen Bundesländern, in denen es noch die Hauptschule gibt, hat man es geschafft, aus dieser Schulart tatsächlich Restschulen zu machen. Die müssen nun in Konkurrenz zu den Realschulen und den Gymnasien als gesellschaftliches Auffangbe­cken für alles ­Problembehaftete herhalten und 10

genießen daher einen dementsprechenden Ruf. Hauptschule in Österreich ist also nicht gleich Hauptschule in Deutschland! Allerdings bemühen sich unsere Politiker derzeit nach Kräften, auch diese Unterschiede auszugleichen!

Wasch mir den Pelz! Die Gefahr, dass aus einer geplanten Zwischenlösung – genannt Neue Mittelschule – nach bewährter österreichischer Tradition eine aus Kostengründen abgespeckte Dauerlösung werden könnte, ist groß. Die ÖVP fordert mit eigenartiger Vehemenz die Einführung neuer Schulstandorte für die NMS, ist offensichtlich aber nicht bereit, einen weiteren Schritt in Richtung gemeinsamer Schule zu machen. Bei gleichem finanziellen Aufwand hätte man auch in die ausgezeichnet arbeitenden Hauptschulen investieren, deren Vorzüge stärken und damit auch in Ballungsgebieten eine echte Konkurrenz zur AHS schaffen können. Das wollte man offenbar nicht. Um die AHS aus der Debatte herauszuhalten und um Zeit zu gewinnen, kam das Modell der NMS gerade recht. So nach dem Motto: Wasch mir den Pelz! … Die SPÖ scheint sich – wohl oder übel – mit einem Teilerfolg zufrieden zu geben

und sonnt sich im Gefühl, das von ihr viel kritisierte differenzierte Schulsys­ tem um eine neue Schulart bereichert und damit noch differenzierter gemacht zu haben. Unterm Strich haben wir derzeit eine Situation, in der die Schulleiterinnen und Schulleiter der NMS mit ihren Lehrerkollegien oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit an der standortbezogenen Umsetzung dieses Modells arbeiten, zugleich aber einer völlig ungewissen schulpolitischen Zukunft entgegensehen. Wir haben VolksschullehrerInnen, die nach wie vor jährlich dem ungeheuren Noten- und Zeugnisdruck ausgesetzt sind und zwischen der Forderung nach Notenwahrheit und dem Elternvorwurf, den Kindern den Lebensweg zu verbauen aufgerieben werden.

Klarheit schaffen! Wir haben verunsicherte Hauptschulen, die nicht zuletzt durch Aktionen und Schlagzeilen wie oben angeführt um ihr bisher ausgezeichnetes Image fürchten. Wo bleibt eigentlich die Reaktion, wo bleibt die bildungspolitische Verantwortung unserer Entscheidungsträger? Warum macht man, wenn man selbst offensichtlich nicht mehr vor und zurück kann, das Thema einer gemeinaps • Ausgabe 4_2010


länder

Foto: Andrejs Pidjass - Fotolia.com

samen Schule auf der Sekundarstufe I nicht zum Gegenstand einer bindenden Volksabstimmung und entledigt sich so der Verantwortung? Hat man Angst vor der Antwort auf die Frage: Will die österreichische Bevölkerung die Abschaffung der Hauptschule, der Sonderschule, der polytechnischen Schule und natürlich auch der AHS und dafür eine gemeinsame Schule für alle 10- bis 15-Jährigen? Bildung – Fenster zur Welt

Wichtig ist, dass endlich Klarheit geschaffen wird. Was dabei herauskommt, ist zweitrangig. Dafür, dass Unterrichts- und Lernerfolg nicht in erster Linie von der schulischen Organisationsform, sondern von vielen anderen Faktoren abhängen, gibt es genügend internationale Beispiele und sollte sich inzwischen auch bis zu den militantesten Bildungs­ideologen durchgespro-

chen haben. Fraglich ist jedoch, ob die Politik je bereit sein wird, die in einer gemeinsamen Schule unabdingbare tiefgreifende innere Differenzierung durch Bereitstellung der erforderlichen Mittel zu gewährleisten. Die Aussage der Bildungsministerin, für eine gemeinsame Schule würden nicht mehr Lehrkräfte gebraucht, lässt jedenfalls die Alarmglocken schrillen! 11


Der große PflichtschullehrerInnenIm Schuljahr 2008/09 haben wir mit unserem Fotowettbewerb begonnen. Da das Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen bei unserem zweiten Versuch nicht nachgelassen hat, sondern im Gegenteil noch mehr Fotos von noch mehr Teilnehmern eingesendet wurden, findet heuer der Fotowettbewerb 3 statt.

Fotos: Walter Riegler

Ein digitaler Fotowettbewerb mit drei Themen: Der Mensch • Monochrom • Kontraste Natürlich ist die Betreuung des Fotowettbewerbes nicht eine meiner vordringlichen beruflichen Tätigkeiten. Ich darf Ihnen aber versichern, dass der Arbeitsaufwand dafür nicht von Bedeutung ist und dass ich es gerne mache, weil ich selber auch gerne fotografiere. Daher freue ich mich jetzt schon auf viele Einsendungen, tolle Bilder und viel Lob von den drei „Profis“, die auch heuer wieder die Jury bilden werden und die Qualität unseres Wettbewerbes schon beim letzten Mal lobend erwähnt haben.

• Monochrom – nicht nur klassische Schwarz-WeißAufnahmen, auch Fotos in Blautönen, Braun, Gelb, … sind erwünscht. • Kontraste – nach der Theorie von Itten gibt es allein sieben verschiedene Farbkontraste. Hell-dunkel, kaltwarm, Farbe-an-sich-Kontrast, Qualitätskontrast, Quantitätskontrast, Komplementärkontrast, Simultan­ kontrast. Vergessen Sie dabei nicht, dass ein Foto auch inhaltliche Kontraste haben kann.

Unsere Themen haben wir sehr weit gesteckt:

Es wird wieder Jurysieger und die Besten des Mitgliedervotings geben. Wie schon im Vorjahr in jedem Themenbereich und zusätzlich wird von der Jury auch noch ein Gesamtsieger aus allen drei Bereichen ermittelt.

• Der Mensch – vom Porträt über Schnappschüsse, Situationen aus dem Alltag, dem Berufsleben, Fotos von Urlaubsreisen, … 12

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wettbewerb

-Fotowettbewerb 3

Teilnahmebedingungen Am „Großen PflichtschullehrerInnen-Fotowettbewerb 3“ können alle PflichtschullehrerInnen und Pflichtschullehrer teilnehmen, die Mitglied der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer sind, sowie im Ruhestand befindliche Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer, die Mitglieder der Bundesvertretung Pensionisten in der GÖD sind. Rechte am Bild Mit der Einsendung erklärt der Einsender, dass er Urheber der Bilder ist und diese frei von Rechten Dritter sind. Ansprüche Dritter erfüllt der Einsender. Haftung Für auf dem Postweg verlorene oder beschädigte Sendungen können wir keine Haftung übernehmen. Veröffentlichung Eine Veröffentlichung der Bilder erfolgt ausschließlich im Rahmen der Berichterstattung und Eigenwerbung über und für den PflichtschullehrerInnen-Fotowettbewerb 3. Anderweitige Veröffentlichungen erfolgen nur nach vorheriger Absprache mit dem jeweiligen Fotografen. Einverständnis Mit der Einsendung erklärt sich der Teilnehmer mit den Teilnahmebedingungen einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Gleichzeitig lade ich alle Fotointeressierten ein, sich die Bilder ab 5. Dezember im Internet unter www.pflichtschullehrer.at/ anzusehen. Gewerkschaftsmitglieder können sich zusätzlich einloggen und am Voting teilnehmen. Gönnen Sie aber auch sich selbst die Freude, Ihre schöns­ ten Fotos der interessierten Kollegenschaft in ganz Österreich zu präsentieren. Machen Sie mit! Ich freue mich auf Ihre Einsendung! Mit freundlichen Grüßen Walter Riegler Vorsitzender Bildung – Fenster zur Welt

Einreichung der Bilddaten Pro Teilnehmer können zu jedem Thema fünf Werke eingereicht werden. Die Digitaldateien (jpg) sind ausschließlich auf CD einzureichen. Der Dateiname besteht aus dem Bildtitel. Dateigröße: mindestens 1.600 x 1.200 dpi, idealerweise sollten die Daten im Format 20 x 30 / 300 dpi (entspricht 3.543 x 2.362 Pixel) vorliegen. Bitte legen Sie Ihrer Einsendung unbedingt ein Blatt mit Ihrem vollständigen Namen, Adresse, Gewerkschaftsnummer und den auf der CD gespeicherten Bildtiteln bei! Einsendeadresse Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer, Schenkenstraße 4/5, 1010 Wien Einsendeschluss 30. November 2010, Datum des Poststempels Jury Die Jury besteht wie im Vorjahr aus dem internationalen Wettbewerbsfotografen Manfred Lang, Franz Matzner, dem Ehrenvorsitzenden des VÖAV, und Elisabeth Liedl, MVÖAV, ÖGPh. Die Entscheidungen der Jury und beim Publikumsvoting sind unanfechtbar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Zukunft passiert! Die Zukunft ist jetzt! Für soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist Bildung die Grundvoraussetzung. Die UNESCO erinnert am 8. September an die Bedeutung von Alphabetisierung und Erwachsenenbildung. Sie ist federführend für die UN-Weltdekade der Alphabetisierung (2003–2012). In diesem Zeitraum soll weltweit für alle Menschen ein Umfeld geschaffen werden, das die Alphabetisierung und den Erwerb von Grundfertigkeiten fördert. Von Brigitta Hawelka, Volksschullehrerin, Bundesvertretung Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer, Personalvertreterin im 8. IB in Wien Ein UNESCO-Programm lautet: „Education for all“. Dieses soll dazu beitragen, die Bildungs- und Lernbedürfnisse bis 2015 zu steigern. Etwa 20 % der Weltbevölkerung können weder lesen noch schreiben. 77 Millionen Kinder wachsen ohne Schulbildung auf. Ziel der UNESCO ist es, dass diese Menschen die Grundkenntnisse des Lesens und Schreibens erlernen. Überlegungen müssen selbstverständlich bezüglich der Fortschritte bei der Alphabetisierung gestellt werden. In der letzten Zeit haben sich diese durch das Bevölkerungswachstum verringert. Steigt die Geburtenrate weiter, so werden im JAHR 2015 noch immer 710 Millionen Menschen weder LESEN NOCH SCHREIBEN können. Das Bildungsprogramm der UNESCO (Quelle: UNESCO-Bildungsprogramm): Bildung ist eine Grundvoraussetzung für die Verbesserung der Lebensqualität, für die Überwindung von Armut, für die Erreichung der Chancengleichheit der Geschlechter, die Verringerung der Kindersterblichkeit und des Bevölkerungswachstums, für nachhaltige Entwicklung und letztendlich für Frieden und Demokratie. Bildung soll dazu befähigen, aktiv und selbstbestimmt am öffentlichen Leben teilzunehmen und Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen. Bildungsqualität misst sich nicht allein an der Erfüllung von Leistungsstandards. Für 14

die Österreichische UNESCO-Kommission ist sie geknüpft an Werte wie Toleranz, Solidarität, Verständnis für den anderen und Achtung der Menschenrechte, die für das friedliche Zusammenleben im 21. Jahrhundert unabdingbar sind. Der ganzheitliche Bildungsbegriff der UNESCO und die Anforderungen an Bildung werden in den „vier Säulen des Lernens“ (Delors-Bericht, 1996) definiert: • Lernen, Wissen zu erwerben (learning to know) • Lernen zu handeln (learning to do) • Lernen für das Leben (learning to be) • Lernen miteinander zu leben (learning to live together) In ihrem jährlichen Weltbildungsbericht misst die UNESCO die Fortschritte in der Bildung im internationalen Vergleich. Alle drei bis vier Jahre richtet sie die Weltkonferenz der BildungsministerInnen aus.

Was können wir Pädagoginnen und Pädagogen dazu beitragen? Was brauchen wir? Viele LehrerInnen und Kindergartenpäda­ goginnen/Kindergartenpädagogen sind sich dessen bewusst, dass geeignete Lehrund Lernmaterialen bezüglich Alphabetisierung zur Verfügung gestellt werden müssen, aber auch eine qualifizierte Ausund Weiterbildung. Es sind deshalb die Lehrenden an den pädagogischen Hoch-

schulen, Fachhochschulen, Universitäten usw. gefordert, sich dieses Themas anzunehmen. Von uns wird immer mehr verlangt. Um sich aber auch mit dieser wichtigen Aufgabe auseinanderzusetzen (wie mit so vielen anderen), fehlt es an Zeit, Geldmittel, aber auch an LehrerInnen – MuttersprachenlehrerInnen, die die SchülerInnen auch in ihrer Erstsprache (Teamteaching!) unterrichten. Er werden immer mehr SchülerInnen in verschiedene Schulstufen eingestuft, die auch in ihrer Erstsprache weder schreiben noch lesen können. Die Alphabetisierung sollte primär in der Erstsprache erfolgen, um dann leichter die Zweitsprache zu erlernen. Für Spitzenleis­ tungen braucht es Talent und Zeit. Schnelligkeit nützt überhaupt nichts! Der Dienstgeber sollte sich dessen bewusst sein.

Die Zukunft ist jetzt! Motivierte und qualifizierte L ­ ehrerInnen helfen Vertrauen, kritisches Denken, Selbstwertgefühl, Teamfähigkeit, Wertschätzung und Zuversicht zu schaffen. Für Sie gefunden: • Das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung – bifeb – bietet einen Lehrgang „Basisbildung und Alphabetisierung“ an. Dieser Lehrgang hat universitären Charakter, dauert zwei Jahre (2011–2012) und bietet Aus- und Weiterbildung für Basisbildungs- und Alphabetisierungsaps • Ausgabe 4_2010


thema pädagogInnen an. Die Zielgruppen sind PädagogInnen, ErwachsenenbildnerInnen, SozialarbeiterInnen und BeraterInnen. Der erfolgreiche Abschluss des Lehrgangs wird mit einem Diplom mit der Bezeichnung „Akademische Basisbildungs- und Alphabetisierungspädagogin“ oder „Akademischer Basisbildungs- und Alphabetisierungspädagoge“ bestätigt (BGBl. II Nr. 152 § 6 vom 31. Mai 2005). Weitere Informationen unter: www.bifeb.at • Kurse für Aus- und Weiterbildung von TrainerInnen in der Basisbildung und Alphabetisierung werden auch unter www.alphabetisierung.at angeboten. AnsprechpartnerInnen für Anfragen und Beratung gibt es in jedem Bundesland. Am 5. 10. 2010 – dem „Welttag der LehrerInnen“ (ein Beschluss von UNESCO, ILO und EI – Education International) – sollen durch Aktivitäten bei den Regierungen, den PolitikerInnen und der Bevölkerung das Bewusstsein für unsere Berufsgruppe sensibilisiert werden.

Der Zusammenhang zwischen den beiden Welttagen? UNESCO und ILO (International Labour Organisation) sind überzeugt, dass der Beruf der LehrerInnen der wichtigste

Beruf der Welt ist. Zum ersten Mal wurde am 5. 10. 1994 der „World Teacher’s Day“ von UNESCO und EI proklamiert. Ein wesentliches Anliegen der internationalen LehrerInnenbewegung ist die Umsetzung des freien Bildungszugangs für alle Kinder der Welt. Durch den Zusammenschluss der ehemaligen Internationalen Vereinigung der Freien LehrerInnengewerkschaften und der ehemaligen Weltvereinigung der LehrerInnenorganisation wurde EI im Jahre 1993 gegründet. Die GÖD ist eine der Gründungsorganisationen. Die Zahl der Mitglieder liegt bei über 30 Millionen LehrerInnen in 166 Ländern.

Gründungsgedanke von Education International: Ziel ist es, die Anerkennung der gewerkschaftlichen Rechte der LehrerInnen und aller im Bildungswesen Tätigen zu bewahren bzw. anzustreben und sich im Weiteren für Frieden, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechte einzusetzen.

Die beste Investition für die Zukunft sind Investitionen in Bildung! Für die österreichischen Lehrerinnen und Lehrer bedeutet hohe Bildungsqualität • mehr Zeit für die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern und für deren indi-

viduelle Förderung • gesetzliche Verankerung der KlassenschülerInnenhöchstzahl 25 ohne Überschreitung; • umgehender Ausbau der Förder- und Integrationsmaßnahmen; • Bereitstellung von Schulraum und entsprechender Ausstattung zur Verbesserung der Unterrichts- und Bildungs­ qualität; • Verbesserung der LehrerInnenausbildung – Master-Studien für alle LehrerInnen; • Arbeitsplatzsicherheit auch für ­junge LehrerInnen und Anhebung der Anfangsgehälter; • Bereitstellung der erforderlichen Budgetmittel; • keine Reformen zu Lasten einzelner LehrerInnengruppen. (Quelle: Veröffentlichung der ARGE LehrerInnen zum Welttag der LehrerInnen 2007 – Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam für hohe Bildungsqualität und soziale Gerechtigkeit) LehrerInnen sind der Motor beim Aufbau einer gerechteren und demokratischen Gesellschaft und schrecken nicht davor zurück, sich mutig und beispielhaft für die Verteidigung und Förderung von Menschen- und Gewerkschaftsrechten einzusetzen.

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Was sagte schon Voltaire? „Ich bin nicht deiner Meinung. Ich werde aber alles tun, damit du sie sagen kannst.“

Bildung – Fenster zur Welt

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Die Helden

des Septembers Der Festspielsommer ist zu Ende, „Jedermann“ geht wieder zur Schule. Von MMag. Dr. Thomas Bulant, Vors.-Stv.

Prolog: In den letzten Wochen hatten Eltern, die ein Schuljahr lang ihr Kind vor den Schultoren abgegeben haben, ohne jemals nachzufragen, wie sich ihr Sprössling ent­ wickelt, ausreichend Zeit, die ersehnten Ferien gemeinsam mit ihren Kindern zu verbringen. Neun Wochen waren die lieben Kleinen nun von ihren Eltern bei Laune zu halten und rund um die Uhr zu beschäftigen. Auch wenn Ferienspie­ le und Freizeitorganisationen Unterstüt­ zung anboten, die LehrerInnen haben gefehlt. Die ganztägigen Alleinunterhal­ ter, die neben Lesen und Einmaleins auch für das Erlernen von Tischmanieren und Schuhe zubinden verantwortlich sind, hatten hingegen neun Wochen Zeitaus­ gleich, um das vergangene Schuljahr zu verarbeiten und für das kommende Kräf­ te zu sammeln. Während die Vorbereitungen der Lehre­ rInnen für das nächste Schuljahr begon­ nen haben, vollzogen die Familien den generalstabsmäßig geplanten Sommerab­ lauf: Familie, Freunde und Freizeitorgani­ sationen waren eingespannt, um Woche für Woche abzuspulen. In welchem Monat soll man den großen Familienurlaub plat­ zieren, um den Nachwuchs grauer Haa­ re gering zu halten? Zuerst die pubertäre Unzufriedenheit, danach der sommerli­ che Höhepunkt – oder vielleicht umge­ kehrt? Was ist, wenn Petrus heuer verrückt spielt und das Freibad um die Ecke buch­ stäblich ins Wasser fällt? 18

Nicht wirklich einfacher hatten es Fami­ lien, deren Kinder während der Schulzeit schon in Ferienlaune waren. Sie hatten nun in den Ferien zu lernen. Die „Glücks­ gefühle“ der Eltern stiegen ins Unermess­ liche, wenn sie sich nun mit ihren Kindern schulisch beschäftigen durften. Drohte gar eine Wiederholungsprüfung, wur­ de der Sommerurlaub zugunsten teurer Nachhilfestunden gekürzt oder gespritzt. In solchen Situationen kamen selbstkriti­ sche Eltern zur Einsicht, wie toll doch die Beratungs- und Zusammenarbeitsange­ bote der LehrerInnen während des Schul­ jahres gewesen wären. Die großen Ferien sind für alle Beteiligten jedes Jahr die Chance, das in zwei Mona­ ten nachzuholen, was sie in zehn Monaten missen mussten.

1. Akt: Für beste Laune ist zu Schulbeginn im Sep­ tember gesorgt. Alle Schulpartner freu­ en sich, dass man einander wieder sieht. Neugierde, Engagement und Erleichte­ rung treffen aufeinander. Und bald stel­ len sich die alle Jahre wiederkehrenden Fragen: Warum werden unsere Kinder immer unsportlicher und leiden an Über­ gewicht? Warum sind Leistungswille und Kreativität der SchülerInnen den selbst sinkenden Anforderungen nicht mehr gewachsen? Warum nehmen verbale und körperliche Gewalt zu? Die Medien sind auch aus dem Som­ merschlaf zurückgekehrt und fragen die

Schule und die Politik nach ihren Kon­ zepten. Und schon sind alle wieder für die Kinder verantwortlich, nur nicht ihre eigenen Eltern.

2. Akt: Die LehrerInnen sind sich der Probleme bewusst. Projekte werden somit geplant und in die Wege geleitet. Mit ungeheu­ rem Idealismus glaubt man daran, heuer den Stein der Weisen gefunden zu haben. Dem bequemen Bekenntnis vieler Schü­ lerInnen „Kann ich nicht, daher will ich nicht“ wollen die LehrerInnen ein „Kann ich nicht, daher lerne ich“-Programm entgegensetzen. Die Kinder sind im Sep­ tember aufnahmebereit. Die gesunde Jause in der großen Pause ergänzt die aps • Ausgabe 4_2010


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thema

Epilog: LehrerInnen mit einigen Jahren Dienster­ fahrung kennen das gerade beschriebene Stück, das sich jedes Schuljahr wieder­ holt. Die starren Strukturen, die unseren Schulen durch die österreichische Ver­ ordnungskultur gegeben sind, errichten Grenzen für unsere Gestaltungsspiel­ räume. Die Feinde der talentierten Schü­ lerInnen und engagierten LehrerInnen sind oftmals identisch: Desinteresse an der funktionierenden Schule, sobald es um die Übernahme von Mitverantwor­ tung geht. Probleme, die nicht gelöst werden können, gibt es nicht. Die Schu­ le als Spielball für Gesellschaft, Politik und Medien. gymnastischen Elemente in der Mathe­ matik-Stunde. Die Interessen- und Bega­ bungsförderung versucht die einzelnen Talente auszuloten. Die Peer-Mediations­ kurse starten. Das „Schulwerk’l“ läuft. Die Eltern kön­ nen sich in die Anonymität der Stadt zurückziehen, ihre Kinder sind versorgt.

3. Akt: Die Tragödie lässt nun nicht mehr ­lange auf sich warten. Das System Schule muss von null auf hundert gebracht werden. Die SchülerInnenverwaltung, Qualitäts­ forderungen von höherer Stelle und angeforderten Dokumentationen behin­ dern nun das Tagwerk der PädagogInnen. Mancherorts fehlen LehrerInnen. Mehr­ Bildung – Fenster zur Welt

dienstleistungen sind notwendig, um die Grundqualität, Pflichtunterricht und Erziehung, leisten zu können. Die Lehre­ rInnen sind ausreichend damit beschäf­ tigt, die soliden Grundmauern für ein Haus des Lernens aufzuziehen. Die Kern­ inhalte der Lehrpläne und die Interak­ tionsfähigkeit zwischen den Schulpart­ nern sind die Qualitätsziele von heute und morgen. Die „Stukkaturwünsche“ (Qua­ litätsvereinbarungen) von Vorgesetzten werden im Schulalltag zum unverstande­ nen Fremdkörper. Die ersten Kranken­ stände stellen sich Ende September ein. Sie belasten das System Schule von einer weiteren Seite. Viele LehrerInnen wun­ dern sich, wie schnell der Elan vom Sep­ temberbeginn verloren gehen kann.

LehrerInnen sind jedoch Optimisten. Die Hoffnung auf veränderte Rahmen­ bedingungen lebt. Zu Schulbeginn star­ ten wir daher mit all unserer Kraft und unserem Gestaltungswillen. LehrerIn­ nen sind die Helden des Septembers.

MMag. Dr. Thomas Bulant ist Lehrer an einer Kooperativen Mittelschule in Wien. Der promovierte Politikwissenschaftler, Publizist, Historiker und Päda­ goge übt derzeit die Funktion des Vorsitzenden-Stellvertreters in der PflichtschullehrerInnengewerkschaft aus. Reaktionen an thomas.bulant@goed.at 19


Verhaltensauffällige SchülerInnen: Was tun? Auf die handlungskompetente Lehrperson kommt es an!1 Von OStR Prof. Dr. Josef Grubner

Im vorliegenden Text wird – ausgehend von den gegenwärtig hinlänglich bekannten schwierigen schulischen Verhältnissen – versucht, das Bewusstsein zu schärfen, dass es sich bei den als Hilfe für praktisch tätige PädagogInnen angebotenen Lösungsversuchen fast ausschließlich um psychologisch bzw. psychotherapeutisch bedeutsame Konzepte handelt.

Neben dem feststellbaren Trend zur Pathologisierung kindlich abweichen­ den Verhaltens kommt es wegen der Indienstnahme durch professionsfrem­ de – insbesondere durch psychologisch bzw. therapeutisch relevante – Aufgaben unweigerlich zur Überforderung der LehrerInnenschaft. Es macht nämlich einen Unterschied aus, ob im Rahmen von Verhaltensmodifikation von Kli­ entInnen (Sprache der PsychologInnen und PsychotherapeutInnen) gesprochen wird oder ob im pädagogischen Denken und Handeln von SchülerInnen die Rede ist. Die methodisch unterschiedlichen Zugänge zur vermeintlich selben Klien­ tel sind zu sehen und zu respektieren. Die hin und her gebeutelte LehrerInnen­ schaft wird ohne ausreichendes Unter­ stützungspersonal allein gelassen und sie befindet sich in der Gefahr, ihre urei­ gene und hoch spezialisierte pädagogi­ sche Arbeit aus dem Blickfeld zu ver­ lieren. Was wir brauchen, sind wieder handlungskompetente Pädagoginnen und Pädagogen und die dafür dringend ­notwendigen strukturellen Rahmenbe­ dingungen.

Ein Blick auf die Schule Die Schule und mit ihr die LehrerInnen stehen gegenwärtig vor einer besonderen Herausforderung. In unzähligen wissen­ schaftlichen bzw. halbwissenschaftlichen 20

Veröffentlichungen ist uns in den letz­ ten Jahren einzureden versucht worden, wir brauchten eine tiefgreifende Verän­ derung in unseren Schulen, und der Ruf nach dem „Neuen Lernen“ bzw. nach einer „Neuen Lernkultur“, wobei man es insbesondere auf neue Kommunika­ tionsformen und -strukturen abgese­ hen hatte, ist unüberhörbar geworden. Gleichzeitig lässt sich allerdings feststel­ len, dass viele LehrerInnen zunehmend und massiv unter Stressbelastungen lei­ den, dass es viel schwieriger geworden ist zu unterrichten und dass viele Kinder bzw. SchülerInnen gewalttätiger als frü­ her und viele Eltern weniger kooperativ sind.2 Neben dem bekannten Lamento bei Sokrates „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widerspricht ihren Eltern, legt die Beine übereinander und tyrannisiert ihre Lehrer“3 werden bisweilen auch die markanten „Fallbei­ spiele“ aus dem Jahr 1844 bemüht.4 Da gab es einen Buben, namens Hans, der immer in die Luft schaute und diese Himmelsorientierung mit einem Sturz ins kalte Wasser bezahlen musste. Der Blick nach vorne, so die Moral von der Geschichte, ist allemal besser als jener ins Wolkenkuckucksheim. Der Friederich wiederum war ein ganz Böser, weil ständig aggressiv und unbe­ rechenbar. Auch er entgeht der gerechten

Strafe nicht. Wer wie Kaspar seine Sup­ pe, wahrscheinlich mit Gemüse, nicht essen will, der stirbt. So einfach hat man sich das damals gedacht. Schaukeln und Zappeln sind einfach verboten, weil da mitunter der gedeckte Tisch abgeräumt werden kann. Und wenn es doch passiert, weil es unweigerlich passieren muss, dann verschwindet das Kind – aus dem Bild. Die Moral der Geschichte ist einfach gestrickt: Wer schlimm, unruhig, unbe­ rechenbar oder schlicht nur neugierig ist, wird in Tinte getaucht, ertrinkt, ver­ brennt, verliert seine Daumen oder wird vom Wind einfach verweht. Die Radika­ lität des „Struwwelpeter“ ist wohl gruse­ lig und die bekannten Praktiken werden wohl zu recht der „Schwarzen Pädago­ gik“ zugerechnet.5 Übrig bleibt im Diskurs aber ein Bewusstsein der Ohnmacht gegenüber abweichendem Verhalten. Was man alles rechtens nicht mehr darf, das weiß man. Was man rechtens darf, das hilft nicht (mehr). Dabei geht es gegenwärtig noch um eine andere (pädagogische) Herausfor­ derung: Das Kind und auch die Schü­ lerInnen „verschwinden“ zunehmend als Kind bzw. als SchülerInnen. Sie wer­ den zu „PartnerInnen“ im Erziehungs­ prozess hochstilisiert und damit wird – so meine These – das LehrerIn-Schü­ lerIn-Verhältnis empfindlich gestört, aps • Ausgabe 4_2010


aktuell

wenn nicht überhaupt unmanövrierbar gemacht. Aggressive, unruhige, lernunwillige SchülerInnen gibt es noch immer, und glaubt man LehrerInnen, aktuellen Stu­ dien und Medienberichten, so werden sie nicht weniger. So spricht die erst jüngst erschienene Perner-Studie „Stress bei Lehrkräften“6 von einer deutlichen Erhöhung der Zahl der schwierigen SchülerInnen in nö. Schulen: Während die Anzahl der schwierigen SchülerIn­ nen pro Klasse früher ein bis zwei Kinder waren, ist es heute oft mehr als ein Drit­ tel. Zudem wird offen ausgesprochen, dass heute mehr SchülerInnen offenen Widerstand gegen die LehrerInnen­ schaft leisten und dass die verbale Gewalt gegen die Lehrer zugenommen hat. Die LehrerInnenschaft fühle sich inhaltlich und didaktisch gut ausgebildet, oft fehlt aber das Wissen und Können zur spon­ tanen „Störungsabwehr“7. Mittlerweile gibt es eine unüberschaubare Anzahl an Lösungsansätzen, deren gemeinsamer Nenner im vollmundigen Versprechen von Verbesserungen zu liegen scheint.

Ein Blick auf vorgeschlagene Ansätze Die bestmögliche Vermeidung von „Stö­ rungen“ aller Art in unseren Schulen dürfte auf den ersten Blick ein durchaus sinnvoller Ansatz sein. Die Störungsar­ mut des Unterrichts ist zweifellos eine der wesentlichen Gelingensbedingun­ gen von Unterricht überhaupt. Aus dem scheinbar guten Rat, Störungsabwehr zu lernen, lässt sich der vorläufige Schluss ziehen, die moderne Lehrperson müsse mit „psychologischen Tools“ ausgestattet werden, dann würde ihre Arbeit in den Schulen schon wieder gelingen. Tatsäch­ Bildung – Fenster zur Welt

lich werden in den letzten Jahren qua­ si als „Soforthilfeaktion“ für gestress­te LehrerInnen je nach Erscheinungsbild der Klientel und der vorhandenen Res­ sourcen diverse „Anti-Programme“, die vermeintlich auf psychologischen Wirk­ mechanismen fußen, von verschiedenen Stellen angeboten. Die Palette reicht von (privaten, teuren) Selbstverteidigungsoder Mobbingkursen über Schulangebo­ te wie „Buddy“, „Faustlos“, „Ich schaff ’s“ oder „Aufgschaut“, weiß u. a. sogar der „Spiegel Special“8 zu berichten. Interes­ sant scheint auch das Konzept der „PRO­ vokativpädagogik“ zu sein. Unter dieser Bezeichnung firmiert ein relativ jun­ ger Lehrgang an der Donau-Universität Krems.9 In der Lehrgangsbeschreibung wird auf die „neue Schulsituation“ verwiesen: Das Unterrichten würde immer schwie­ riger werden, viele SchülerInnen zeigten originelle Verhaltensweisen und „dieser Veränderung muss Rechnung getragen werden: verhaltensoriginelle SchülerIn­ nen brauchen verhaltensoriginelle Leh­ rerInnen mit einem reichen Repertoire an provokativ-sozialtherapeutischen Techniken zur Bewältigung provokan­ ter Situationen … wie Transformati­ on, Deeskalation und Salutogenese in schwierigen Unterrichts- und Betreu­ ungssituationen.“10 Das möglicherwei­ se „gut gemeinte“ Ansinnen, „verhaltens­ originelle SchülerInnen brauchten ver­ haltensoriginelle LehrerInnen“ scheint für den ersten Augenblick „schick“ gewählt zu sein. Wie gedenkt man aber, aus dieser „originellen Spirale“ wieder herauszukommen? Oder hat man die­ se Hoffnung schon fahren gelassen? Als schnelle Symptombehandlung mag die­

1D  ie folgenden Gedanken stützen sich im Wesent­ lichen auf den Aufsatz von Josef Grubner und Heribert Schopf: „Wenn du das noch einmal machst, dann …!“ Lösungen zu schulischen Ver­ haltensauffälligkeiten kennen wir! Kennen wir? Von Täuschungen und Enttäuschungen, in: Erwin Rauscher: (Hg.): Schulkultur. Schuldemokratie, Gewaltprävention, Verhaltenskultur, Baden 2009, S. 366–383 2 v gl. Perner 2007 3h  ttp://www.gierhardt.de/schulsprueche.html <http://www.gierhardt.de/schulsprueche.html> [10. 8. 2009] 4 vgl. Hoffmann 1979 5 vgl. Rutschky 1977 6 vgl. Perner 2007 7 v gl. PA Sobotka: Schüler gezielt fördern – Lehrer bei der täglichen Arbeit unterstützen, in: http://www. kreativakademie-noe.at <http://www.kreativakade­ mie-noe.at/> [16. 7. 2009] 8 vgl. Spiegel Special 7/2008, S. 74 9 v gl.: http://www.donau-uni.ac.at/de/studium/pro­ vokativpaedagogik/index.php [20. 7. 2009] 10 http://www.haltgewalt.at/projekte/schule/provoka­ tionspaedagogik.html [20. 7. 2009] 11 v gl. http://gemeinsam <http://gemeinsam/> gegen Gewalt .at/de/lehrer/programme.php [18. 7. 2009]

ser Ansatz möglicherweise dienlich sein, ob dies allerdings zur „Norm schulischen Handelns“ hochstilisiert werden darf, bleibt mehr als fraglich!

Anti-Gewalt-Programme Ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen die Gewalt in unseren Schulen wurde im Rahmen des „Schulpartner­ dialogs 2008“ in Wien vorgestellt, die „Wirksamkeit“ dieser Programme wird sogar garantiert.11 21


gastkommentar Zur bedingten Hilfestellung psychologischer bzw. psychotherapeutischer Konzepte Die schier unüberschaubar gewordenen psy­ chologischen bzw. ­ psychotherapeutischen Konzepte samt dem psychotechnischen Know-how versprechen die Lösungen, welche man der Pädagogik offensichtlich nicht mehr zutraut. Dies ist nicht weiter verwunderlich, weil im erziehungswissenschaftlichen Diskurs seit Jahrzehnten u. a. das Autoritätsthema samt seinen Zentralbegriffen weitgehend tabui­ siert wird. Wenn in der Erziehung – und sie dürfte wohl nach wie vor das angepeilte Ziel der oben angesprochenen Maßnahmen sein – nicht mehr von klarer Orientierung bzw. von schulischer Disziplinierung gesprochen wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn Leh­ rerInnen der irrigen Ansicht erliegen, man könne in der Schule „macht- und führungs­ los“ arbeiten. So wundert es auch nicht, dass sich das Voka­ bular ändert. Der Trend zur Psychopathologi­ sierung kindlich abweichenden Verhaltens hat zur Folge, dass es zu Verschiebungen der Ter­ minologie und des wissenschaftlichen Zugriffs gekommen ist. Der/die auffällige SchülerIn ist nun nicht mehr schlimm oder schwierig, für ihr/sein abweichendes Verhalten gibt es ja kategorisierende Begriffe: verhaltensauffällig, verhaltenskreativ, verhaltensoriginell. Aber ist damit auch schon eine befriedende schu­ lische bzw. pädagogisch erwünschte Lösung gegeben? Im zweiten Teil wird der Versuch unternom­ men, eine pädagogische Antwort auf das Problem verhaltensauffälliger Schülerin­ nen und Schüler zu skizzieren. Denn nach­ haltige Lösungen dürften sich nur von neu­ en – das pädagogische Geschäft ermöglichen­ den – Rahmenbedingungen und von wieder „handlungsfähigen“ Lehrpersonen erwarten lassen.

OStR Prof. Dr. Josef Grubner ist Vizepräsident der Interessenvertretung der nö. Familien. E-Mail: jgrubner@utanet.at

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Wer Disziplin missachtet, verhindert Bildung! Disziplin ist nicht zeitgemäß. Sie hat mit Macht und Herrschaft zu tun und steht im Widerspruch zum Dogma des „lustbetonten Lernens“. Doch Denken erfordert Disziplin. Von Marian Heitger

Vor wenigen Tagen war in der „Pres­ se“ ein Artikel über die Notwen­ digkeit von Leistungsdruck und Chancengerechtigkeit zu lesen. Es wäre jedoch durchaus an der Zeit, über die Forderung nach Disziplin wieder nachzudenken. Das ist nicht zeitgemäß; zu sehr ist dieser Begriff in den Diktaturen missbraucht worden. Disziplin hat mit Zwang zu tun, und der, so die öffentliche Meinung, hat in der Praxis der Pädagogik nichts zu suchen, denn hier geht es um Selbstbestimmung und Freiheit; auch das Lernen soll lustbetont sein, und die zeit­ genössischen Menschenfreunde hören nicht auf, diese irrtümliche Botschaft allenthalben zu verkün­ den, obwohl ein jeder weiß, dass Lernen anstrengend und mühsam sein kann. Leichtfertig wird der im Begriff der Disziplin enthal­ tene Zwang in Gegensatz zu dem umfassend honorierten Begriff der Toleranz gebracht. Man übersieht geflissentlich, dass Toleranz selbst den Begriff der Disziplin fordert, wenn sie sich nicht selbst aufheben will. Im Übrigen geht es in der Pädago­ gik nicht um Toleranz, man muss lernen, den anderen nicht nur zu ertragen, sondern auch Achtung vor

dem anderen und dessen Meinung zu haben, und Integration ist weder Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen und dessen Meinung noch vorurteilshafte Ablehnung, sondern die Bereitschaft und wohl auch die Fähigkeit, sich gewaltfrei mit ihm auseinandersetzen zu können.

Disziplin als Finnlands Erfolgs­rezept Aber zurück zu den eitlen und auch scheinheiligen Verächtern der Disziplin. Als der österreichische Außenminister unter anderem auch Finnland besuchte und sich erwartungsvoll nach dem Rezept des offensichtlichen Erfolgs in den Schulen erkundigte, erwarteten wohl fast alle die bei uns herrschen­ de frohe Botschaft, dieser sei der Folge des hierzulande immer wie­ der beschworenen Schulsystems zu verdanken. Weit gefehlt, der Diskus­ sionspartner verwies auf die Diszi­ plin in den Schulen und vielleicht auch im Umgang miteinander. Vielleicht sollten unsere Schönred­ ner und vor allem die Feministin­ nen unter ihnen sich einmal selbst in eine Klasse stellen oder zumin­ dest den Lehrern zuhören, wie sie unter den Beleidigungen und ver­ ächtlich machenden Verbalinjurien

aps • Ausgabe 4_2010


leiden, unter den Beschimpfungen vor allem aus der Fäkalsprache, denen vor allem die jüngeren Lehrer, aber nicht nur diese ausgesetzt sind. Die Sprachkultur dieser Zeitung – und auch ein gewisses Schamgefühl, sofern unsere Gesellschaft sich dem noch verpflichtet fühlt – ver­ bietet es, die Flegeleien und vor allem die sexuellen Anpöbelungen wörtlich wiederzugeben. Disziplinlosigkeit zeigt sich gleicherma­ ßen im Verhalten. Weder Pünktlichkeit noch Einhaltung einer gegebenen Ord­ nung ist gefragt. Eine aggressive Sprache begleitet ein Verhalten, das häufig einen geordneten Unterricht nicht zulässt. Es ist realitätsfremd und scheinheilig zugleich, wenn die Nichtbetroffenen dann noch von Lehrern erwarten, guten Unterricht zu geben und, wie man kürz­ lich lesen konnte, auch noch Vorbild zu sein. Gegen all das ist nicht nur nichts einzuwenden, wohl aber wirkt es zynisch, wenn man ihnen gleichzeitig die Mittel aus der Hand schlägt, um eine Situation, auch wenn es sein muss, mit Zwang zu sichern, die einen geordneten Unterricht erst möglich macht.

Um modernes Image besorgt? Es ist allerdings richtig, dass Disziplin noch keine Haltung und auch keine Einsicht verbürgt. Aber auch ein so auf Freiheit und Mündigkeit bedachter Den­ ker wie Kant räumt der Disziplinierung in der Pädagogik eine besondere Bedeu­ tung ein. Sie müsse dem Willkürwillen der jungen Menschen Einhalt gebieten, erst dann könne er sich „moralisieren“. Unsere Bildungspolitiker und die die öffentliche Meinung beherrschenden sog. Bildungsexperten propagieren

Bildung – Fenster zur Welt

genau das Gegenteil. Unverdrossen erklä­ ren sie, anstrengende Aufgaben seien zu vermeiden, Schulnoten abzuschaffen und das Wiederholen einer Schulstufe zu verbieten. Da helfen auch nicht die Klagen über die mangelnde Ausbildung der Schulabgänger, nicht die Meldungen über zunehmende Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, über Randalierer. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf, was sich nicht dem Zeitgeist unterwirft. Da mögen die Fakten noch so deutlich sprechen. Disziplin ist ein Unwort, und wer sie for­ dert, ist lieblos und verstockt. Gleichzei­ tig fordert man Leistungsstandards, an den Universitäten wird ein enges Netz von Disziplinierungsmöglichkeiten ge­knüpft, und Evaluationen üben dau­ ernde Kontrolle aus. Entweder erkennt man die Widersprüche nicht oder man ist feige und eitel um sein modernes Image besorgt. Diszipliniertes Denken ist zu einem Unwort geworden. Man verschweigt oder will nicht einsehen, dass gerade dies das Fundament für eine gute Bildung und auch Ausbildung ist. Disziplinierung des Denkens bedeutet zunächst, nichts für wahr zu halten oder zu behaupten, was man nicht begründen kann. Sie fordert gleichzeitig, die vorgebrachten Argumente zu überprüfen, nicht dem Irrtum zu erlie­ gen, die mehrheitlich vertretene Meinung garantiere schon deren Richtigkeit. Disziplinierung der Sprache folgt der des Denkens. Sie ist nicht nur ein Moment vernünftiger Verständigung, sie ist Aus­ druck einer Haltung und bezogen auf den Staat Ausdruck seiner Kultur, und sie wirkt auf diese zurück.

Jede Pflichtverletzung wird gefeiert Disziplin hat mit Zwang und Herrschaft zu tun. Diese ist für Sicherheit und Ord­ nung auch in den Bildungseinrichtun­ gen unabdingbar. Wer jene missachtet, verhindert die Möglichkeit von Ausbil­ dung und Bildung. Geradezu grotesk ist es, wenn gleichzeitig Pädagogen und Bildungspolitiker von der Machbarkeit des ausgebildeten oder gar gebildeten Menschen träumen und den versteck­ ten Zwang durch Evaluationen und ständige Kontrolle empfehlen. Dieser ist allerdings anonym – und deshalb umso gefährlicher. Jede Institution kennt Gesetze, die ein­ gehalten werden müssen, wenn not­ wendig mit Zwang; in der Straßenord­ nung, beim Steuerzahlen, bei der Wahr­ nehmung von Dienstpflichten usw. Die Schule macht in dieser Hinsicht kei­ ne Ausnahme. Wenn man den Lehrern die Möglichkeit nimmt, Disziplin, auch wenn es gar nicht anders geht, mit Zwang und Sanktionen durchzusetzen, werden alle Reformen nichts bringen. Aber es ist auch widersprüchlich, vom Lehrer die Vermittlung eines Bewusst­ seins von der Notwendigkeit von Diszi­ plin zu erwarten, wenn die Öffentlich­ keit und der Boulevard jede Pflichtver­ letzung als kreative Abschaffung von Tabus feiern – nur um die ökonomi­ schen Gewinne zu steigern. Dieser Artikel erschien am 24. Mai 2010 in der „Presse“. Buchtipp: Bertsche, Oliver: Erziehungswissenschaft als Systematische Pädagogik. Die prinzipienwissenschaftliche Pädagogik Marian Heitgers. 2010, 432 Seiten, ISBN 978­-3-89913-780-4

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Diensttausch Wien nach NÖ

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APS REISEN 2011 Marokko

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NÖ nach OÖ

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Warschau - Masuren - Allenstein Oberländer Kanal - Danzig Gdingen - Zoppot - Marienburg Thorn - Lodz - Krakau

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www.moser.at

APS_2010_04  

Aufruf zum dritten Fotowettbewerb! Bildungssystem in Finnland, Teil 2 September Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer...

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