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Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst 6/2009

Dezember

aps

Foto: Miredi - Fotolia.com

DANKE

allen Wählerinnen und Wählern Neue Gehalts- & Zulagentabellen

Die Ergebnisse der PV-Wahl 2009


Impressum

„aps“ ist die Zeitschrift der Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fent­licher Dienst. He­raus­ge­ber: Ge­werk­ schaft Öf­fent­licher Dienst. Medieninha­ber und Ver­leger: GÖD Wirtschaftsbetriebe GmbH., Teinfaltstraße 7, 1010 Wien. Chefredaktion und für den Inhalt verantwortlich: Rudolf Mayer (Ltg.), Walter Rieg­­ler, 1010 Wien, Schenkenstr. 4/V, Tel.: 01/534 54-435. Redaktion, Pro­duk­tion, Konzeption und Anzeigenverwaltung: Mo­dern Ti­mes Me­di­a Ver­lags­ges.m.b.H., 4020 Linz, Büro Wien: 1030 Wien, Lagergasse 6/2/35, Tel.: 01/513 15 50. Hersteller: Nieder­öster­rei­chi­sches Presse­haus Druck- und Verlags­ ges.m.b.H., Gutenberg­straße 12, 3100 St. Pölten. Verlagsort: Wien. Herstellungsort: St. Pölten. DVR-Nr.: 0046655. Na­ment­lich ge­kenn­­zeich­nete Bei­trä­ge stel­len die Mei­nung des Au­tors dar, die sich nicht mit der Mei­nung der Re­dak­tion dec­ken muss.

Info

Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fen­t­­licher Dienst, 1010 Wien, Schenken­ straße 4/V. Te­l.: 01/534 54-435 Fax: 01/534 54-452 E-­Ma­il: aps@goed.at Bü­ro­zei­ten: Mon­tag bis Do­nner­s­­tag von 7.30 bis 16.30 Uhr, Frei­tag von 7.30 bis 13.30 Uhr. Ko­sten­lo­se In­for­ma­tion für Mitglie­der der GÖD, Gewerk­ schaft Pf­licht­schul­lehrerinnen und Pflichtschullehrer.

inhalt seite des vorsitzenden

3 Gebrochene Versprechungen am laufenden Band aktuell 4 Die Ergebnisse der PV-Wahl 2009 8 Cui bono? Wozu ein neues Dienstrecht? 10 Der große Pflichtschul lehre­rInnen-Fotowettbewerb 2

service 12 Neue Gehalts- & Zulagentabellen 16 Kinderbetreuungsgeld (KBG Stand 12/09) thema 18 Gesetzliche Sanktionsmöglich­ keiten (in) der Schule serie

editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Rudolf Mayer

Ich möchte mich auf diesem Wege für die großartige Wahlbeteiligung (78 % der Lehrerinnen und Leh­ rer haben von ihrem demokratischen Wahlrecht Gebrauch gemacht) bei allen Wählerinnen und Wählern aufrichtig bedanken. Ein Beweis dafür, dass Personalvertretung und Gewerkschaft nicht nur toleriert, sondern in höchs­ tem Maße anerkannt sind. Vor allem aber dafür, dass die erfolgreiche Arbeit dieser beiden Organisatio­ nen respektiert und honoriert wird. Ein Auftrag, die im § 2 Abs. 1 des Bundes-Personal­ vertretungsgesetzes – PVG klar geregelten Aufga­ ben im Interesse der Bediensteten zu wahren und zu fördern. § 2 (1) Die Personalvertretung ist nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Bundesgesetzes berufen, die beruflichen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Interessen der Bediensteten zu wahren und zu fördern. Sie hat in Erfüllung die­ ser Aufgaben dafür einzutreten, dass die zugunsten der Bediensteten geltenden Gesetze, Verordnungen, Verträge, Dienstordnungen, Erlässe und Verfügun­ gen eingehalten und durchgeführt werden. Selbstverständlich werden wir uns – gestärkt durch diesen hohen Vertrauensbeweis – auch weiterhin nach bestem Wissen und Gewissen diesen Aufgaben stellen, um Ihrem Auftrag gerecht zu werden. Für das Jahr 2010 wünsche ich Ihnen Gesundheit, Freude an und Erfüllung in Ihrem Beruf. „To be a teacher is to be forever an optimist.“ Philip Bigler, „Teacher of the Year“ 1998

21 Auch ein Kind ist, was es isst 24 Diensttausch

Alles Gute,

Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 14. 1. 2010 Beiträge senden Sie bitte auf Diskette oder per E-Mail (aps@goed.at) an die Redaktion.

2

Ihr Rudolf Mayer aps • Ausgabe 6_2009


seite des vorsitzenden

Gebrochene Versprechungen am laufenden Band Mit schöner Regelmäßigkeit wird von den Verantwortlichen des Unterrichtsministeriums bei geplanten gesetzlichen Änderungen das Blaue vom Himmel herab versprochen – mit schöner Regelmäßigkeit werden diese Versprechungen gebrochen. Wer erinnert sich nicht an die Beteuerungen zum Thema Bildungsstandards: keine ­Auswirkungen auf die LehrerInnenbeurteilung, kein Schulranking mit den Bildungs­ standards!

Gerechtfertigtes Misstrauen In allen Besprechungen hat die Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflicht­ schullehrer diese heiklen Punkte angesprochen und stets wurde uns treuherzig versichert, dass man selbstverständlich nie im Leben daran denken würde, … In unserer Stellungnahme anlässlich der Gesetzwerdung der Bildungsstandards fand sich dazu folgende Textstelle: Grundsätzlich besteht kein Einwand, wenn es um Transparenz, Objektivität und Vergleichbarkeit bzw. um die Qualitätsverbesserung der österreichischen Schulen geht. Da es zu diesem Thema bisher nur Informationsveranstaltungen und keine Verhandlungen gab und im Gesetz nur die Möglichkeit, Bildungsstandards zu verordnen, festgeschrieben werden soll, möchten wir hier unseren Standpunkt erläutern. Zusätzlich erschwert ist unsere Stellungnahme durch die Tatsache, dass derzeit ein Gesetz begutachtet werden soll, das im September 2008 in Kraft treten soll, jedoch die im Text angekündigte Verordnung derzeit nicht vorliegt. Von großer Bedeutung für unsere Zustimmung oder Ablehnung sind • Form und Art, in der die Standards erhoben werden sollen, • die Zugriffsrechte auf die Ergebnisse der Standards (wer in welcher Form), • die Sicherstellung, dass die Ergebnisse weder für die Beurteilung von Schülerinnen und Schülern noch von Lehrerinnen und Lehrern herangezogen werden, • die Sicherheit, dass die Ergebnisse in keiner Form für Rankings herangezogen ­werden, • die Sicherstellung, dass die Standards ausschließlich der Weiterentwicklung des öster­ reichischen Schulwesens dienen, • und die Sicherstellung, dass der durch die Bildungsstandards entstehende Arbeitsauf­ wand mit dem im LDG verankerten Jahresnormmodell kompatibel ist. Außerdem möchten wir anmerken, dass eine Erhebung der Standards auf der 4. und 8. Schulstufe nicht sinnvoll sein kann, da in diesem Fall die Schülerinnen und Schüler anschließend die Schule verlassen und eine weitere Arbeit basierend auf den Ergebnissen der Standards nicht mehr möglich ist.

Walter Riegler, Vorsitzender der Bundesvertretung Pflichtschullehrer

Nie im Leben ist manchmal ganz schön kurz In einem Schreiben vom 31. 10. 2009 teilt das bifie mit, wie die Ergebnisrückmeldung zu erfolgen hat: „Teil 1 des Berichts enthält das aggregierte Gesamtergebnis der Schule. Dieser Bericht ist öffentlich einsehbar und dem SGA zur Kenntnis zu bringen.“ Das bifie – dem Ministerium unterstellt – ist für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens zuständig. Einen Namen gemacht hat es sich unter anderem mit Klagesdrohungen gegen SchülerInnenvertreter sowie dem Versuch, SchülerInnen bei Testungen ungeniert über deren Elternhaus auszufratscheln. Nun werkt man an den Bildungsstandards. Bildung – Fenster zur Welt

3


Personalvertretungswahlen 2009 Wahlergebnisse Zentralausschüsse Von Martin Höflehner, Besoldungsreferent

Wien

„Wahlberechtigte“

„Abgege- „Ungültibene Stim- ge Stimmen“ men“

„Gültige Stimmen“

„wiener lehrerInnen öaab-fcg-clw“ Stimmen

Mandate

FSG-ZV Stimmen

Mandate

apflug Stimmen

Mandate

2004 10841 7418 309 7109 2453 4 3598 5 1058 1

%

68,43

4,17

95,83

34,51

50,61

14,88

2009 11477 7341 263 7078 3047 5 2831 4 1200 1

%

Differenz in %

Salzburg 2004

4959

%

2009

„Wahlberechtigte“

4958

%

Differenz in %

Kärnten 2004

5041

%

2009

„Wahlberechtigte“

4877

%

Differenz in %

4

63,96

3,58

96,42

–4,46

„Abgegebene Stimmen“

„Ungültige Stimmen“

„Gültige Stimmen“

43,05

40,00

16,95

8,54

–10,61

2,07

clv-fcg-öaab Stimmen

Mandate

Stimmen

Mandate

Stimmen

Mandate

102

4151

85,76

2,40

97,60 62,01 20,72 17,27

3951

70 1,77

3881

2773 6

„Ungültige Stimmen“

408 0

717 1 700 1

98,23 71,45 10,51 18,04

–6,07

„Abgegebene Stimmen“

860 1

Grüne & UL/UG

4253

79,69

2574 5

slö-fsg

„Gültige Stimmen“

9,44 –10,21

ÖLB-FCG Stimmen

Mandate

978 2

SLÖ-FSG Stimmen

Mandate

AUF-Lehrer Stimmen

Mandate

4064

168

3896

80,62

4,13

95,87 25,10 69,46 5,44

3794

163

3631

77,79

4,30

95,70 29,14 65,19 5,67

1058 2

–2,83

2706 5

0,76

2367 5

212 0 206 0

4,04 –4,27

0,23

aps • Ausgabe 6_2009


aktuell

Vorarlberg

„Wahlberechtigte“

2004

% %

2004

„Wahlberechtigte“ 2063

% 2009

2097

%

Differenz in %

Tirol

68,55

„Wahlberechtigte“

56,88

„Deine PV FCG – CLV – ÖAAB“

„Gültige Stimmen“

98 3,78

3959 2252

Differenz in %

Burgenland

„Ungültige Stimmen“

3787 2596

2009

„Abgegebene Stimmen“

22 0,98

Stimmen

2498

„Ungültige Stimmen“

1705

56

82,65

3,28

1698

63

80,97

3,71

„Ungültige Stimmen“

2230

1002

%

76,98

2009 6790 4930

%

Differenz in % Bildung – Fenster zur Welt

72,61

2,63

1444

3

1228

„Gültige Stimmen“ 1649

2,74

FCG-APS Stimmen

FSG-SLÖ

Mandate

4 3

711 2

Stimmen

-2,74

Grüne

Mandate

842 3

Stimmen

Mandate

96 0

96,72 43,12 51,06 5,82 1635

752

2

883

3

nicht kandidiert

96,29 45,99 54,01 0,00

„Gültige Stimmen“

2,88

FCG Stimmen

Mandate

2,94 –5,82

SLÖ-FSG Stimmen

Mandate

TLI-UG Stimmen

Mandate

333 0 1022 1

97,37 73,12 6,61 20,27

71 4859 3767 7 1,44

2

Mandate

99,02 44,93 55,07

2004 6725 5177 136 5041 3686 7

Stimmen

96,22 42,19 57,81

–1,67

„Abgegebene Stimmen“

Mandate

1054

–11,67

„Abgegebene Stimmen“

„Freie LehrerInnen FSG – Unabh. – SLV/VLI“

157 0

935 1

98,56 77,53 3,23 19,24

–4,37

4,41 –3,37 –1,03

5


aktuell

Niederösterreich

2004

„Wahlberechtigte“

„Abgegebene Stimmen“

12993

%

2009

13173

%

Differenz in %

Oberösterreich 2004

„Wahlberechtigte“

13487

Differenz in %

Steiermark 2004

9252

%

2009

„Wahlberechtigte“

8865

%

Differenz in %

6

APS-AAB-FCG Stimmen

FSG-SLÖ

Mandate

Stimmen

UG

Mandate

Stimmen

2273 2

Mandate

Mandate

11573 8160 9

92,86

4,08

95,92 70,51 19,64 4,14 5,71

12168

727

11441 9389

92,37

5,97

94,03 82,06 17,94

2052

0

Stimmen

492

9

479

Sonstige

12065

„Abgege- „Ungültibene Stim- ge Stimmen“ men“

13826

%

„Gültige Stimmen“

661

0

nicht kandidiert nicht kandidiert

2

-0,49 11,56 -1,71 -4,14 -5,71

%

2009

„Ungültige Stimmen“

11453

283

„Gültige Stimmen“

clv-fcg-öaab Stimmen

Mandate

11170 6665

7

slö-fsg Stimmen

Grüne & UL/UG

Mandate

2321

2

Stimmen

Mandate

2184 2

82,84

2,47

97,53 59,67 20,78 19,55

11320

185

11135 7965

83,93

1,63

98,37 71,53 12,82 15,65

9

1427

1

1743 1

1,10 11,86 –7,96 –3,90

„Abgegebene Stimmen“

„Ungültige Stimmen“

„Gültige Stimmen“

FCG Stimmen

Mandate

4218 5

FSG Stimmen

Mandate

Stimmen

Mandate

7957

281

7676

86,00

3,53

96,47 54,95 25,89 19,16

7556

280

7276

85,23

3,71

96,29 59,68 22,95 17,37

4342 6

–0,77

1987 2

UG

1670 2

1471 2 1264 1

4,73 –2,93 –1,79

aps • Ausgabe 6_2009


aktuell

Bildung – Fenster zur Welt


Cui bono?

Die Krise des österreichischen Bildungssystems besteht darin, dass die alte Schule bereits gestorben ist und die neue noch nicht geboren werden konnte. Die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, unter denen Kinder heute aufwachsen, konfrontieren unsere Schulen mit Herausforderungen, auf die das geltende Dienstrecht keine Antworten gibt. Gedanken im Vorfeld der Dienstrechtsverhandlungen von MMag. Dr. Thomas Bulant. MMag. Dr. Thomas Bulant ist Politikwissenschaftler und Historiker, unterrichtet als Hauptschullehrer in Wien Favoriten und übt die Funktion des Vorsitzenden Stellvertreters in der PflichtschullehrerInnengewerkschaft aus.

D

as Engagement und die hohe Lei­ stungsbereitschaft vieler Pflicht­ schullehrerInnen sichern an vie­ len Standorten pädagogische Oasen in der bildungspolitischen Wüste Österreich. Viele oftmals einander widersprechende Wegweiser lassen SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen zwischen den Sanddü­ nen herumirren. Schulgesetzgebung und Dienstrecht sind veraltete Landkarten. Die einzelne Oase verheißt den Schulpartnern Sicherheit. Dabei erfüllen PädagogInnen an sie herangetragene Aufgaben, die dem Dienstrecht fremd sind. Dienst nach Vorschrift würde jenen Qua­ litätsverlust verstärken, den die Politik durch ihre endlosen ideologischen Gra­ benkämpfe und als Effi­ zienzsteigerung getarnte Einsparge­lüste seit rund einem Jahrzehnt zu verantworten hat.

„HÜ fehlt!“ Die qualifizierte Öffentlichkeit kennt die Probleme, die Eltern und SchülerInnen mit höheren Schulen haben. Eine oftmals durch tendenziöse Berichterstattung ver­ stärkte Unzufriedenheit hat ihre Ursachen einerseits in der falschen Schulwahl vieler Erziehungsberechtigter, andererseits in der falschen Schwerpunktsetzung der univer­ sitären Lehrerausbildung. Politik und Medienwelt haben jedoch fast keine Ahnung von den Problemen, die Ele­ mentar- und Pflichtschulpäda­ gogInnen 8

bewältigen müssen, weil andere ihre Hausaufgaben nicht erledigt haben: Die Integrationspolitik wird nur unter dem Sicherheitsaspekt erörtert. In der außer­ schulischen Jugend- und Erziehungsar­ beit gehen der Schule verbreitet die Part­ ner verloren. Jeder Flexibilisierung der Arbeitszeiten folgt eine wirtschaftspoliti­ sche Feierstunde, ohne die sozialen Aus­ wirkungen einzuberechnen. Kinder sind einsam. Eine Lobby für sie ist außerhalb der Schulen selten vorhan­ den. PädagogInnen können die Defizite vieler SchülerInnen nicht negieren. Vor­ schreibungen des kognitiv dominierten Lehrplans sind reiner Hohn, wenn man die vielfältigen Bedürfnisse von Kindern einer Klasse betrachtet. Die Beziehungs­ arbeit und die Erziehungstätigkeit domi­ nieren die Tagesordnung. Dabei werden wir PflichtschullehrerInnen zumeist auch allein gelassen.

Am Anfang stehen Aufgaben und Kompetenzen Wenn sich nun im Dezember Interessenund Dienstgebervertreter zusammenfin­ den, um über ein neues Dienstrecht zu verhandeln, sollten sie zuerst einmal über die Zieldefinitionen nachdenken: Welche Aufgaben haben österreichische Pädago­ gInnen im 21. Jahrhundert zu erfüllen? Zu welchen Kompetenzen müssen sie durch Aus- und Fortbildung befähigt werden?

In welcher Form wird die Wertschätzung pä­ dagogischer Arbeit zum Leitprinzip politischen Handelns? Ein neues Dienstrecht darf nicht auf dem Wüstensand vergangener J­ahre errichtet werden. Die als Bildungsreform getarnten Einsparungsdiktate der finanzpolitisch Verantwortlichen dieser Republik sind klar abzulehnen. SchülerInnen und Leh­ rerInnen brauchen ein tragfähiges Fun­ dament klarer bildungspolitischer Ziel­ setzungen und abgesicherter Ressourcen. Die Erfahrungen vergangener Jahrzehnte haben uns gezeigt, wie leicht man in den Sanddünen versinken kann. Zu Beginn der Verhandlungen wird ein Katalog pädagogischer Aufgaben zu erstel­ len sein. Als nächster Schritt folgt ein Kom­ petenzabgleich, um die Anforderungen für die zukünftige Aus- und Fortbildung definieren zu können. Inwieweit die gel­ tenden Dienstrechte befriedigende Ant­ worten auf die Herausforderungen geben, wird sich als nächstes weisen. Daraus ent­ wickelt sich das Arbeitsprogramm der Verhandlungspartner: Was müssen wir den Päda­gogInnen zur Verfügung stellen, damit sie die an sie gestellten Aufgaben für alle Schulpartner zufriedenstellend erfül­ len können? Wer die Diskussion über das Ausmaß der Unterrichtsverpflichtung oder die angespannte Budgetlage beginnt, setzt die Schulen einem weiteren Wüsten­ sturm aus. aps • Ausgabe 6_2009

Foto: moxduul - Fotolia.com

Wozu ein neues Dienstrecht?


aktuell

Elementar- und Grundschul­ pädagogInnen sollten mehr als OberstufenlehrerInnen verdienen Diese Kolumne hat mit der Frage begon­ nen, wem ein neues Dienstrecht nützen soll. Viele Antworten sind möglich, eine pro Schulpartner möchte ich in das Zen­ trum der weiteren Erörterung stellen. Eltern sollen mit ihren Kindern Sicher­ heit in Fragen der Bildungsqualität erhalten. Dies ist über eine Optimierung der Betreuungsdichte durch vermehrtes Teamteaching und der Betreuungsqua­ lität aufgrund einer vollakademischen Ausbildung aller PädagogInnen auf Master-Niveau möglich. Der Bachelor sichert die humanwissenschaftliche und didaktische Basis für den Lehrberuf, der Master erzielt die für die jeweilige Alters­ gruppe notwendige Fachausbildung. Elementar- und PflichtschulpädagogIn­ nen dürfen erwarten, dass der bildungs­ politische Skandal Österreichs durch ein neues Dienstrecht ein Ende findet: „Je jünger die Kinder sind, desto geringer sind die Weiterqualifizierungs­chancen und die Besoldung ihrer ­LehrerInnen. Dafür haben sie jedoch die höchste Unterrichtsverpflichtung und Arbeits­ belastung.“ Aus dem neuen Dienstrecht muss ersichtlich sein, dass die Einrich­ tungen der Kleinkindpädagogik und der Pflichtschulen das Fundament des Bildungsweges eines jeden Kindes sind. Die Aufwertung dieser pädagogischen Arbeitsfelder ist die wesentlichste Ziel­ Bildung – Fenster zur Welt

setzung der vor uns stehenden Verhand­ lungen. Der Dienstgeber wird gewinnen, wenn er sich sicher sein kann, dass die den Schu­ len verordneten bildungspolitischen und gesellschaftspolitischen Aufgaben auch erfüllt werden können. Daher wird das Ministerium gut beraten sein, sich nicht in allgemein gehaltenen Willenskund­ gebungen zu äußern, sondern sich mit­ tels konkreter Aufgabendefinitionen für die an Schulen arbeitenden Menschen zu positionieren. Diese Chance haben die Bil­ dungsverantwortlichen jedoch nur, wenn die Lehrerbildungsreform gelingt und bil­ dungsfremde Tätigkeiten konsequent aus­ gelagert oder durch externe SpezialistIn­ nen vor Ort professionalisiert werden.

Die Würde des Menschen Viele LehrerInnen und LeiterInnen sind derzeit Getriebene der Schuladministra­ tion, obwohl sie vorrangig als ExpertIn­ nen für Unterricht und Erziehung zum Einsatz kommen sollten. Wenn ein neu­ es Dienstrecht den Schulen einen Quali­ tätsschub ermöglichen soll, hat es unsere Schulen von Anordnungsunkultur, über­ bordender Bürokratie und Dokumenta­ tionswahnsinn zu befreien. Derzeit wer­ den viele LeiterInnen zu Schreibkräften und LehrerInnen zu Bildungsbuchhal­ tern degradiert. Gleichzeitig züchten wir im gesamten Schulbetrieb eine pseudo­ wissenschaftliche Laiengesellschaft heran, die ohne sozialwissenschaftliche Grund­

ausbildung „auf Teufel komm heraus“ dokumentiert, evaluiert, in Wirklichkeit aber nur eine unkonzertierte Papierflut produziert. Den meis­ten Beteiligten blieb dazu die Sinnfrage bisher unbeantwortet. Professionalität heißt auch, dass die Eva­ luation allen wissenschaftlichen Kriterien folgt. Dem bifie wurden dafür ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Filialbetriebe an den Schulen sollten wir uns sparen, die pädagogischen und psy­ chosozialen Herausforderungen an die LehrerInnen sind ausreichend. Wenn uns die Gesellschaft zum Zentrum von Unterricht und Erziehung macht, ist die Partnerschaft mit den Erziehungs­ berechtigten nicht außer Acht zu lassen. Eine Kompetenz- und Aufgabenvertei­ lung zwischen Elternhäusern und Schulen bedingt auch eine zielführende Aufteilung der Rechte bei Erziehungs- und Bildungs­ maßnahmen. Wir können Verantwortung für Kinder nur mittragen und sie fördern, wenn uns das System nicht behindert, sondern starke Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Dienstrechtsverhandlungen hätten eine neue Qualität, wenn all jene Fragen, die auf diesen Seiten angeführt worden sind, erörtert und einer Lösung zugeführt wer­ den. Oasen könnten zusammenwachsen. Das Vordringen der Wüste würde gestoppt werden. Ein zweiter Aschermittwoch wür­ de uns nur mehr dann drohen, wenn sich die Politik dazu verirrt, die Würde des Menschen mit Füßen zu treten. 9


I

m Schuljahr 2008/09 haben wir mit unserem ersten Fotowettbewerb einen Versuch gestartet, die Kreati­ vität unserer Kollegenschaft der Öffent­ lichkeit zu präsentieren. Die Zahl der TeilnehmerInnen, die Qualität der Fotos, die große Anzahl an Personen, die die Fotos auf unserer Homepage angesehen haben, und der gelungene Abschluss­ abend haben uns mutig gemacht. Wir haben den Bewerb 2 angekündigt und die Bedingungen durch Themenstellung aus unserer Sicht noch verschärft. Leider ist uns die Formulierung zum Bereich Natur nicht perfekt gelungen. Eigent­ lich wollten wir nur Pflanzen- und Tier­ fotos unter dem Überbegriff Natur. Da dann aber doch einige TeilnehmerInnen auch Landschaftsfotos einsandten und es keine Zeit mehr für Aufklärung und Austausch der Fotos gab, haben wir uns in Absprache mit der Jury entschlossen, diese erweiterte Auslegung des Fotothe­ mas zuzulassen. Vor einigen Tagen ist mit Ende Novem­ ber die Einreichfrist abgelaufen. Hatten wir im Vorjahr etwas mehr als fünfhun­ dert Fotos, so sind es diesmal fast ein­ tausendeinhundert Bilder, die die Jury zu bewerten hat. Diese tagt am 15. Dezem­ ber 2009, zwei bis drei Tage später wird dann das Mitgliedervoting möglich sein. Die Möglichkeit, ihre Favoriten mit einem Sternchen auszuzeichnen, besteht bis Ende Februar 2010. Wie auch im Vorjahr wird es Jurysieger und die Besten des Mitgliedervotings geben. Diesmal allerdings in jedem The­ menbereich und zusätzlich wird von der Jury auch noch ein Gesamtsieger aus allen drei Bereichen ermittelt. Die Merkur-Versicherung und die ÖBV  (Österreichische ­Beamten-Versi­ cherung) haben sich wieder als Sponso­ ren für diesen Wettbewerb zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die diesmal am Fotowett­ bewerb teilgenommen haben. Gleich­ zeitig lade ich alle Fotointeressierten ein, sich die Bilder im Internet unter www.

10

pflichtschullehrer.at/ anzusehen, was die FotokünstlerInnen, die Gernfotografie­ rerInnen eingesendet haben. Gewerk­ schaftsmitglieder können sich zusätzlich einloggen und am Voting teilnehmen. Mit freundlichen Grüßen Walter Riegler Vorsitzender

aps • Ausgabe 6_2009


Der große PflichtschullehrerInnen-

Fotos: Walter Riegler

Fotowettbewerb 2

Ein digitaler Fotowettbewerb mit drei Themen: Natur – Pflanzen und Tiere Makro Architektur

Bildung – Fenster zur Welt

11


Gehaltsabkommen für 2010 Gehälter steigen staffelwirksam zwischen 0,94 und 1,23 %!

Die Gehälter der BeamtInnen und Vertragsbediensteten sowie der Bediensteten mit einem ­Sondervertrag steigen staffelwirksam ab 1. Jänner 2010 zwischen 0,94 % bei den höchsten und 1,23 % bei den niedrigsten Gehältern! Alle Gehälter werden um 0,9 % und dann um 4 Euro erhöht. Die Zulagen, Nebengebühren und Vergütungen werden ab 1. Jänner 2010 um 0,9 % erhöht!



Von Martin Höflehner, Besoldungsreferent

Gehalts- und Zulagentabellen 2010 ab 1. 1. 2010

DIENSTZULAGEN Pragmatisierte Lehrer/INNEN und Vertragslehrer/INNEN I L pragm. Dienstverwendung

Ghst. EURO

Vtl. I L EURO GEhG

1. Volksschullehrer/INNEN L2a1 an HS, SS, PTS mit Lehramtsprüfung für betreffende Schulart Differenz zwischen L2a1 u. L2a2 „L2a1 an HS, SS, PTS ohne Lehramtsprüfung für betreffende Schulart“ 1.–9. 72,50 76,10 ab 10. 83,70 88,00 2. LEHRER/INNEN und LEITER/INNEN an HS, SS (mit HS-Lehrplan), PTS

§ 59/5 § 60/1/1a

Leistungsdifferenzierter Unterricht (D, M, Ib. Fremdspr.) § 1 Schülergruppe 57,30 60,20 2 od. mehr Schülergr. im selben Unterrichtsgegenstand 71,40 75,20 2 od. mehr Schülergr. in verschiedenen Unterrichtsgegenständen 85,90 90,20 FACHKOORDINATOR/IN an Schwerpunkthauptschulen KoordinatorIn der Unterrichtstätigkeit der LehrerInnen in D, M, Ib. Fremdspr. § 5–11 Schülergr., 1–3 Schulstufen 57,30 60,20 5–11 Schülergr., 4 Schulstufen 71,40 75,20 ab 12 Schülergr., 1–3 Schulstufen 71,40 75,20 ab 12 Schülergr., 4 Schulstufen 85,90 90,20 FachkoordinatorIn an Schwerpunkthauptschulen 85,90 90,20 § LEITER/IN (und prov. LEITER/IN) – HS, SS (mit HS-Lehrplan), selbstständige PTS § weniger als 60 Schülergruppen 57,30 60,20 mindestens 60 Schülergruppen 71,40 75,20 LEITER/IN (und prov. LEITER/IN) – sonstige APS mit angeschl. PTS 28,90 30,30 § 3. SCHÜLERBERATER/IN an HS §

59b/1/1

59b/1/2

59b/3 59b/1/3 59b/1/4 59b/4

1–4 Klassen 67,40 70,80 5–7 Klassen 84,30 88,40 8–9 Klassen 101,10 106,20 10–12 Klassen 112,30 118,00 13–15 Klassen 123,50 129,80 16–18 Klassen 134,90 141,60 mehr als 18 Klassen 146,10 153,50 SCHÜLERBERATER/IN an SS § 59b/5 2 Klassen der 5.–9. Schulstufe 22,20 23,20 3 Klassen der 5.–9. Schulstufe 29,40 31,00 4 Klassen der 5.–9. Schulstufe 36,70 38,60 5 Klassen der 5.–9. Schulstufe 42,30 44,30 6 Klassen der 5.–9. Schulstufe 47,80 50,30 7 Klassen der 5.–9. Schulstufe 53,30 56,00 mehr als 7 Klassen 58,90 61,90

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aps • Ausgabe 6_2009


service Dienstverwendung Ghst. EURO EURO GehG SCHÜLERBERATER/IN an PTS § 59b/6 1–2 Klassen 44,90 47,10 3–4 Klassen 67,40 70,80 5–6 Klassen 89,90 94,30 7–8 Klassen 112,30 118,00 9–10 Klassen 134,90 141,60 11–12 Klassen 157,30 165,20 13–14 Klassen 179,70 188,70 15–16 Klassen 202,20 212,20 17–18 Klassen 224,70 235,80 19–20 Klassen 247,20 259,60 mehr als 20 Klassen 269,70 283,10 4. LEHRER/INNEN für Werkerziehung Ghst. L3 an HS, SS, geprüft 1.–5. 80,50 84,70 § 58/5/3, 6 6.–11. 113,40 119,00 ab 12. 161,10 169,10 L3 an PTS, geprüft 1.–5. 120,40 126,40 6.–11. 153,20 160,70 ab 12. 200,90 210,90 L2b1 an HS, SS, geprüft 1.–5. 24,20 25,40 6.–11. 33,90 35,50 ab 12. 48,20 50,80 L2b1 an PTS geprüft 1.–5. 36,10 37,90 6.–11. 45,80 47,90 ab 12. 60,10 63,20 L3 an HS, SS ungeprüft 47,40 49,90 § 60/3/1 L3 an PTS, ungeprüft 87,30 91,60 L2b1 an HS, SS ungeprüft 14,20 14,80 § 60/4 L2b1 an PTS ungeprüft 26,10 27,30 5. RELIGIONSLEHRER/INNEN Ghst. L3 an HS, SS ungeprüft 47,40 49,90 § 60/3/2 L3 an PTS 87,30 91,60 L2b1 an HS, SS 14,20 14,80 § 60/4 L2b1 an PTS 26,10 27,30 L2a1 an HS, SS, PTS ungeprüft 1.–9. 72,50 76,10 § 60/1/1b ab 10. 83,70 88,00 6. FREMDSPRACHENLEHRER/INNEN Ghst. L2b1 an HS 72,50 76,10 § 58/4 L2b1 an PTS 132,80 139,50 L3 an HS 1.–5. 80,50 84,70 § 58/5/1, 6 6.–11. 113,40 119,00 ab 12. 161,10 169,10 L3 an PTS 1.–5. 120,40 126,40 6.–11. 153,20 160,70 ab 12. 200,90 210,90 L3 geprüft: Erhöhung der DZ um 45,00 47,30 §§ 58/6 u. 115/1 1.–5. 125,70 131,90 6.–11. 158,40 166,40 ab 12. 206,10 216,40 L2a1 an HS, SS, PTS ungeprüft 1.–9. 72,50 76,10 § 60/1/1c ab 10. 83,70 88,00 7. Abteilungsunterricht an VS und SS an VS- oder SS-Klassen in mehrkl. VS (SS) 80,50 84,70 § 59a/1/1 an ungeteilten einkl. VS (SS) und in geteilten Klassen zweikl. VS (SS) 122,00 128,10 § 59a/1/2 an geteilten einkl. VS (SS) 167,50 175,90 § 59a/1/3 8. PRAXISSCHULLEHRER/INNEN L2a1 (VL, RL) an VS Differenz zwischen L2a1 u. L2a2 § 59a/2–5a L2a2 (VL, RL) an VS (Differenz zw. L2a2 und L1) zweijähriger Überstellungsverlust, mind. jedoch 96,90 101,80 L2a2 (HL, SL, PTL) an HS, SS, PTS (Differenz zw. L2a2 und L1) zweijähriger Überstellungsverlust, mind. jedoch 96,90 100,90 L3 (RL an APS, FremdsprachenlehrerInnen an VS und HS) Differenz zw. L3 u. L2b1 L 2b1 (LfWE und RL an APS, FremdsprachenlehrerInnen an HS und PTS) Differenz zw. L3 u. L2a1 „L2a1 (FremdsprachenlehrerInnen) an VS und HS Unterricht im halben Umfang“ Differenz zw. L2a1 u. L2a2, jeweils halbe Dienstzulage 9. Betreuerzulage 31,40 § 63a 10. Vergütung für die Klassenführung bei LANDESLEHRER/INNEN 78,30 § 61c

Bildung – Fenster zur Welt

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service Dienstverwendung VERTRAGSLEHRER/INNEN II L

Euro

Vertragsbed. Gesetz

l2a1 an HS, SS, PTS je Jahres-Wo-Std. 38,40 § 44a/4/1 l2b1 an HS, SS je Jahres-Wo-Std. 38,40 l2b1 an PTS je Jahres-Wo-Std. 70,30 Lehrer, die in D, M bzw. Ib. Fremdspr. leistungsdiff. Unterricht leiten: § 44b/1 1 Schülergruppe oder Klasse jährl. 685,90 2 oder mehr Schülergr. oder Klassen im selben Gegenst. jährl. 857,10 2 oder mehr Schülergr. oder Kl. in verschied. Gegenst. jährl. 1.029,80 Abteilungsunterricht: VS, SS – Unterricht mit mehreren Schulstufen: § 44a/8/1 in mehrklassigen VS, SS je Jahres-Wo-Std. 41,60 in ungeteilt einklassigen VS, SS je Jahres-Wo-Std. 63,40 in geteilt einklassigen VS, SS je Jahres-Wo-Std. 87,00 LEHRER/INNEN für WE § 44a/1/3 l3 an HS, SS geprüft 57,20 l3 an PTS 78,00 l2b1 an HS, SS geprüft 17,30 l2b1 an PTS 23,40 l3 an HS, SS ungeprüft 25,10 § 44a/5 l3 an PTS 45,90 l2b1 an HS, SS ungeprüft 7,60 l2b1 an PTS 13,70 RELIGIONSLEHRER/INNEN § 44a/5 l3 an HS, SS geprüft 25,10 l3 an PTS 45,90 l2b1 an HS, SS 7,60 l2b1 an PTS 13,70 Betreuerzulage 31,70 § 63a Vergütung für die Klassenführung 79,00 § 44e

LEHRER/INNEN

VERTRAGSLEHRER/INNEN

1 1.448,30 1.599,50 1.738,90 1.859,30 - 2.260,30 2 1.471,30 1.628,30 1.791,30 1.915,70 2.081,60 2.260,30 3 1.494,10 1.656,30 1.843,30 1.972,30 2.154,20 2.260,30 4 1.517,00 1.685,60 1.896,40 2.028,60 2.225,80 2.451,10 5 1.539,80 1.716,50 1.948,80 2.084,90 2.329,40 2.641,80 6 1.575,50 1.799,00 2.055,20 2.198,00 2.502,80 2.832,90 7 1.631,30 1.883,00 2.165,50 2.334,80 2.676,90 3.024,00 8 1.689,40 1.968,30 2.275,20 2.471,00 2.850,60 3.214,60 9 1.751,40 2.054,00 2.400,80 2.628,40 3.024,20 3.405,90 10 1.815,90 2.138,70 2.526,60 2.785,90 3.198,00 3.597,10 11 1.881,10 2.223,80 2.652,40 2.943,60 3.371,70 3.787,60 12 1.946,90 2.340,80 2.777,80 3.100,90 3.545,60 3.978,60 13 2.012,10 2.456,80 2.904,40 3.258,30 3.719,30 4.169,60 14 2.077,80 2.573,70 3.029,60 3.416,00 3.893,00 4.360,60 15 2.169,00 2.689,90 3.155,60 3.573,40 4.066,90 4.551,40 16 2.259,70 2.793,60 3.266,20 3.713,40 4.240,80 4.805,20 17 2.349,90 2.901,20 3.382,10 3.859,70 4.415,10 5.059,70 17+Daz 2.485,20 3.062,60 3.555,95 4.079,15 - 18 - - - - 4.656,30 5.313,60 18+Daz - - - - 5.018,10 5.694,45

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Gehaltsstufe

Gehaltsstufe

Verwendungsgruppe L 3 L 2b 1 L 2a 1 L 2a 2 L 1 LPH lph l 1 Euro

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19

E ntlohnungsgruppe l 2a 2 l 2a 1 l 2b 1 l3 Euro

2.357,30 2.131,00 1.938,20 1.811,80 1.655,50 1.487,80 2.357,30 2.200,30 1.996,60 1.865,80 1.685,80 1.513,30 2.357,30 2.269,70 2.054,90 1.920,10 1.717,70 1.538,00 2.555,60 2.346,70 2.113,40 1.974,60 1.750,00 1.563,30 2.754,40 2.513,30 2.171,50 2.028,80 1.783,90 1.588,60 2.953,10 2.688,20 2.290,70 2.139,60 1.871,80 1.627,90 3.151,20 2.863,20 2.433,10 2.254,40 1.961,40 1.688,60 3.349,90 3.032,30 2.574,90 2.367,80 2.050,60 1.753,60 3.549,40 3.207,00 2.738,60 2.498,20 2.139,30 1.821,00 3.749,30 3.386,70 2.902,30 2.629,20 2.228,30 1.889,50 3.949,20 3.545,60 3.067,80 2.761,70 2.316,60 1.958,80 4.150,40 3.719,30 3.233,20 2.893,30 2.438,40 2.026,70 4.350,40 3.893,00 3.397,90 3.026,00 2.560,40 2.096,20 4.550,70 4.066,90 3.563,10 3.158,40 2.681,90 2.165,70 4.751,30 4.240,80 3.728,30 3.290,30 2.803,40 2.260,40 5.030,50 4.409,20 3.874,90 3.405,50 2.910,90 2.355,00 5.296,30 4.629,00 4.029,40 3.528,10 3.023,30 2.448,40 5.562,30 4.629,00 4.193,50 3.659,00 3.143,50 2.542,30 5.827,10 4.958,10 4.343,80 3.777,60 3.252,80 2.636,10

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service Fachinspektoren neu

Schulaufsichtsbeamte neu Gehalts-

Gehalts-

stufe

Verwendungsgruppe SI 1 SI 2 Euro

stufe

Verwendungsgruppe FI 1 FI 2 Euro

1 2 3

5.619,40 4.707,20 6.145,90 5.304,50 6.814,60 5.812,10

1 2 3

4.495,60 3.777,30 4.924,00 4.245,70 5.458,50 4.654,40

LEITER/INNEN von Unterrichtsanstalten Dienst- zulagen- gruppe LPA I II III IV V L1 I II III IV V L 2a2 I II III IV V „l 2a1“ I L2b1 II III IV V L3 I II III IV V VI

in den Gehaltsstufen 1 bis 8 9 bis 12 Euro

ab der Gehaltsst. 13

809,30 864,80 918,20 728,00 778,90 826,40 647,00 691,90 734,60 565,80 605,30 643,60 485,40 518,30 550,30 2 bis 9 10 bis 13 ab GSt.14 721,60 771,40 818,80 649,40 694,90 737,00 576,90 617,60 655,10 504,60 540,00 573,60 433,10 462,40 491,20 1 bis 8 9 bis 12 ab GSt.13 329,90 356,70 384,20 270,60 291,90 314,20 217,40 233,90 250,20 181,90 195,00 208,50 151,40 162,50 173,70 256,70 280,40 302,10 216,50 235,00 250,80 180,70 195,40 208,90 150,70 164,00 173,70 108,70 117,10 125,00 1 bis 10 11 bis 15 ab GST 16 203,60 207,70 221,30 150,70 156,10 167,40 141,40 144,70 153,60 101,70 104,50 110,90 70,90 72,30 76,10 49,30 51,90 56,20

Erzieher/innenzulage Verwendungs- Zulagenstufe gruppe 1 2 3 4 5 L 1 L 2a L 2b L 3

424,90 466,70 537,30 607,60 678,10 379,70 409,50 464,90 530,10 597,40 307,90 352,00 400,40 414,20 439,40 270,90 284,30 309,70 337,60 365,90

VERTRAGSLEHRER/INNEN Entlohnungsschema II L Entlohnungs- gruppe

lph 2.145,60 I 1.642,80 II 1.556,40 III 1.478,40 l 1 IV 1.285,20 IVa 1.345,20 IVb 1.375,20 V 1.232,40 l 2a 2 1.086,00 l 2a 1 1.014,00 l 2b 1 891,60 l 3 813,60

LEITER/INNEN v. Unterrichtsanstalten §106 LDG Verwendungs- gruppe L 2a 2

Bildung – Fenster zur Welt

Unterrichtsgegenstände für jede Jahresder Lehrverpflichtungs- wochenstunde gruppe Euro

Dienst- in den Gehaltsstufen zulagen- 1 bis 8 9 bis 12 ab 13 gruppe Euro I II III IV V VI

529,30 492,90 405,70 361,40 242,90 202,30

565,50 527,40 434,50 386,50 259,40 216,10

600,50 559,60 460,70 410,90 275,30 229,60

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service

gesetzliche Regelungen ab 1. Jänner 2010 (Quelle: http://www.bmwfj.gv.at/Familie/FinanzielleUnterstuetzungen/Kinderbetreuungsgeld/Seiten/default.aspx , http://www.goed.at/12508.html)

Kinderbetreuungsgeld (KBG Stand 12/09)

Standen für den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes bisher drei Bezugsvarianten zur Auswahl, so erhalten Eltern ab 1. 1. 2010 die Möglichkeit, aus fünf Varianten auszuwählen. Zusammengestellt von Irmtraud Fian, M. Ed.

Wer hat Anspruch? Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld haben Eltern für ihr Kind (Adoptivkind, Pflegekind), sofern für dieses Kind Anspruch auf Familienbeihilfe besteht. Das Kind muss im gemeinsamen Haushalt leben und der maßgebliche Gesamtbetrag der Einkünfte des Elternteils, der den Antrag stellt, darf im Kalenderjahr 16.200 Euro nicht übersteigen (Zuverdienstgrenze).

Zu den Pauschalvarianten/monatlich: a) Bezug bis zum 30. und 36. Lebensmonat (bei Inanspruchnahme durch beide Partner) zu je 436 Euro b) Bezug bis zum 20. und 24. Lebensmonat (bei Inanspruchnahme durch beide Partner) zu je 624 Euro Bezug durch einen Elternteil

c) Bezug bis zum 15. und 18. Lebensmonat (bei Inanspruchnahme durch beide Partner) zu je 800 Euro NEU: d) Bezug bis zum 12. und 14. Lebensmonat (bei Inanspruchnahme durch beide Partner) zu je 1.000 Euro NEU: einkommensabhängige Variante/ monatlich: e) Bezug bis zum 12. und 14. Lebensmonat (bei Inanspruchnahme durch beide Partner) von 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens (mindestens 1.000 Euro und maximal 2.000 Euro pro Monat); ein Zuverdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze ist möglich.

Wie berechnet sich die Anspruchsdauer? Wahlmöglichkeit zwischen fünf Bezugs-

Teilung mit zweitem Elternteil:

modellen für Geburten ab 1. 10. 2009 und erstmaligem Ansuchen um Kinderbetreuungsgeld ab 1. 1. 2010, wobei auch vorgeschriebene Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen nachgewiesen werden müssen (siehe Tabelle). Die Wahl des Bezugsmodells ist bei der ersten Antragstellung zu treffen. Diese Entscheidung ist auch für den zweiten Elternteil bindend und kann nicht mehr abgeändert werden. Ein gleichzeitiger Bezug durch beide Elternteile ist nicht möglich, ein zweimaliger Wechsel ist zulässig. Für Anträge, die bis zum 31. 12. 2009 gestellt werden, stehen weiterhin die bereits vorhandenen Pauschalvarianten (a, b, c) zur Verfügung. Einmal beantragt, ist ein späterer Umstieg in eines der neuen Modelle (d, e) nicht möglich.

Betrag: ~ Monat

Zuschlag Mehrlingsgeburt

Pauschalvarianten a) bis 15. Lebensmonat

bis 18. Lebensmonat

~ 6 800,–

~ 6 400,–

b) bis 20. Lebensmonat

bis 24. Lebensmonat

~ 6 624,–

~ 6 312,–

c) bis 30. Lebensmonat

bis 36. Lebensmonat

~ 6 436,–

~ 6 218,–

Neu ab 1. 1. 2010: d) bis 12. Lebensmonat

bis 14. Lebensmonat

6 1.000,–

~ 6 500,–

einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld Neu ab 1. 1. 2010: e) bis12. Lebensmonat

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bis 14. Lebensmonat

80 % vom Wochengeld (mindestens 6 1.000,–, maximal 6 2.000,–)

keiner

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Flexibilisierung der Zuverdienstgrenze für alle Pauschalvarianten (a–d) Als Alternative zur bestehenden Zuverdienstgrenze von 16.200 Euro pro Jahr wird ab dem Kalenderjahr 2010 wahlweise auch ein relativer Zuverdienst von 60 Prozent der Einkünfte im Jahr vor der Geburt ohne KBG-Bezug, mindestens 16.200 Euro, möglich sein.

Vom Antrag zur Auszahlung Der Antrag wird an jene Krankenversicherung, bei der der/die LehrerIn zuletzt versichert war, gestellt, und von dort erfolgt auch die Auszahlung. Dies geschieht jedoch nicht automatisch, es muss darum angesucht werden.

Regelung für Alleinerziehende in Härtefällen Alleinerziehende und besonders Frauen, die in einer akut schwierigen Situation sind, erhalten in allen

Bezugsva­rianten zusätzlich zwei Monate länger Kinderbetreuungsgeld. Das ist etwa dann der Fall, wenn der Partner verstirbt, schwer erkrankt, im Gefängnis ist, aber auch wenn Frauen von Gewalt in der Partnerschaft betroffen sind und der Partner polizeilich weggewiesen wurde. Weiters sollen auch Alleinerziehende mit einem monatlichen Einkommen von unter 1.200 Euro und einem laufenden Unterhaltsverfahren das verlängerte Kinderbetreuungsgeld erhalten.

Zuverdienstgrenze beachten Übersteigt das Jahreseinkommen die Zuverdienstgrenze von 16.200 Euro oder den höheren individuellen Grenzbetrag, so ist jener Betrag zurückzuzahlen, der die Zuverdienstgrenze übersteigt (Einschleifregelung). Wird nicht während des gesamten Kalenderjahres Kinderbetreuungsgeld bezogen (gilt vor allem zu Beginn und zum Ende des Bezugs), so ist für die Berechnung der Zuverdienstgrenze von 16.200 Euro jenes Einkommen heranzuziehen, das in jenem Zeitraum, in dem Kinderbetreuungsgeld bezogen wurde, angefallen ist. Dieses Einkommen ist auf einen Jahresbezug umzulegen.

Verzicht bei Gehaltsüberschreitung

Foto: jeecis – fotolia.com

Sollte der Kinderbetreuungsgeld beziehende Elternteil beispielsweise während eines Jahres eine Gehaltserhöhung haben, es unerwartet zu Überstunden kommen oder aus anderen Gründen das Einkommen die Zuverdienstgrenze überschreiten, so kann monatlich im vorhinein auf das KBG verzichtet werden. Innerhalb von sechs Monaten kann der Verzicht widerrufen werden und es erfolgt eine Nachzahlung des Kinderbetreuungsgeldes.

Bildung – Fenster zur Welt

Beihilfe zum Kinderbetreuungsgeld Voraussetzung ist die Zuerkennung von Kinderbetreuungsgeld. Die Beantragung erfolgt beim Krankenversicherungs­ träger.

Wer kann die Beihilfe beantragen? • Die Beihilfe kann von einkommensschwachen Familien und Alleinerziehenden beantragt werden. • Die Beihilfe beträgt monatlich 180 Euro. • Die Beihilfe wird als Überbrückungshilfe für ein Jahr gewährt. • Alleinerziehende dürfen bis zur Geringfügigkeitsgrenze (357,74 Euro monatlich) dazuverdienen. • Bei einkommensschwachen Familien darf der Elternteil, der Kindergeld bezieht, bis zur Geringfügigkeitsgrenze (357,74 Euro monatlich) dazuverdienen, für den zweiten Elternteil gilt eine jährliche Einkommensgrenze von 16.200 Euro (1.035 Euro monatlich). • Wenn die Beihilfe gewährt wird, muss sie nicht mehr zurückgezahlt werden. Es sei denn, die Einkommenssituation ändert sich, während die Beihilfe bezogen wird, wie das auch bei allen anderen Sozialleis­tungen der Fall ist. (­Quelle: http://www.bmwfj.gv.at) Diese Auflistung stellt nur einen Überblick dar. Für detaillierte Auskünfte stehen Ihnen die zuständigen Krankenversicherungsträger zur Verfügung. Weiters finden Sie Antworten zur Neuregelung unter „Fragen und Antworten zum neuen Kinderbetreuungsgeld“ auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend: http://www.bmwfj.gv.at/ Familie/FinanzielleUnterstuetzungen/ Kinderbetreuungsgeld/Seiten/default. aspx

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thema

Gesetzliche Sanktionsmöglichkeiten (in) der Schule Diesmal sollen die wichtigsten vom Gesetzgeber vorgesehenen Sanktionsmöglichkeiten im Mittelpunkt stehen, um Wege aufzuzeigen bzw. in Erinnerung zu rufen, wie man disziplinlosem Verhalten von Schülerinnen und Schülern rechtlich abgesichert und wirksam begegnen kann.  Von HOL Dr. Mag. Jörg Spenger

Die VERORDNUNG ÜBER DIE SCHULORDNUNG ergänzt hier noch um folgende Maßnahmen: Ermutigung, Anerkennung, Lob, Dank Grundsätzlich stellt der Gesetzgeber also zunächst auf die Verstärkung des positiven Verhaltens von Kindern ab. Das macht auch Sinn, da Belohnung, wie 18

man auch aus der Lernpsychologie und Verhaltenstherapie weiß, ein „mächtigeres“ Werkzeug der Verhaltensmodifikation ist als Strafe. Dennoch: Mit Lob und Anerkennung kommt man in der Praxis oftmals schnell an seine Grenzen bzw. zum steinigen Untergrund in der Erziehung und so braucht es eben auch ein Repertoire für „härtere“ Fälle.

zeit oder auch das Schreibenlassen einer Strafarbeit, wird vom Gesetzgeber nicht als nachträgliche Erfüllung versäumter Pflichten angesehen, ist also nicht zulässig und sollte allein deshalb schon von

§ 8 dieser Verordnung sieht folgende Sanktionen bei Fehlverhalten vor: Aufforderung, Zurechtweisung, Erteilung von Aufträgen zur nachträglichen Erfüllung versäumter Pflichten, beratendes bzw. belehrendes Gespräch mit dem/der SchülerIn (auch unter Beiziehung der Erziehungsberechtigten), Verwarnung. Insbesondere das Erteilen von Aufträgen zur nachträglichen Erfüllung versäumter Pflichten wird gelegentlich zu einem Nachsitzen in der Schule oder zu sonstigen „Strafarbeiten“ (z. B. Abschreiben der Hausordnung) verwendet. Wichtig ist allerdings, dass es sich bei dieser „compensation time“ um ein „pädagogisch sinnvolles Nachsitzen“ handelt, dass also der/die SchülerIn einen klaren Arbeitsauftrag hat und dieser in einem deutlichen und erkennbaren Zusammenhang zu dem Versäumtem steht. Ein bloßes Nachsitzen, etwa in Form des Absitzens schuldhaft versäumter Unterrichts-

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unächst zu den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen über die zulässigen Erziehungsmittel, die im Wesentlichen aus dem Schulunterrichtsgesetz und aus der Verordnung über die Schulordnung zitiert sind: Gemäß § 47 (1) SchUG hat der/die LehrerIn im Rahmen der Mitwirkung der Schule an der Erziehung der SchülerInnen (§ 2 des Schulorganisationsgesetzes) „in seiner Unterrichts- und Erziehungsarbeit die der E ­ rziehungssituation angemessenen persönlichkeits- und gemeinschaftsbildenden Erziehungsmittel anzuwenden, die insbesondere Anerkennung, Aufforderung oder Zurechtweisung sein können. Diese Maßnahmen können auch vom Klassenvorstand und vom Schulleiter (Abteilungsvorstand), in besonderen Fällen auch von der Schulbehörde erster Instanz ausgesprochen werden. Der erste Satz gilt auch für Erzieher im Betreuungsteil an ganztägigen Schulformen.“

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thema LehrerInnen aus Gründen des „Selbstschutzes“ nicht praktiziert werden. Dazu kommt noch, dass die betreffenden SchülerInnen beaufsichtigt werden müssen, was ja für einen selbst unter Umständen ein „Hierbleiben“ bedeutet bzw. im Falle der Beaufsichtigung durch KollegInnen durchaus den Unmut dieser erregen könnte. Nicht immer sind es ja die liebsten ZeitgenossInnen, die da zusätzliche und dazu noch gratis „Förderung“ bekommen. Manchen der betroffenen Eltern soll das aber gar nicht so unrecht sein, wenn ihre Kinder länger in der Schule bleiben, hört man bis­ weilen … Eine weitere Möglichkeit, die allerdings erst angewendet werden sollte, wenn die oben angeführten Erziehungsmittel (erfolglos) durchgeführt wurden (am besten nachweislich!), und die schon eine stärkere Sanktion bedeutet, ist

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etwa das Versetzen in eine Parallelklasse gem. § 47 (2) SchUG. Darüber hinaus gilt: „Wenn mit einer solchen Maßnahme nicht das Auslangen gefunden werden kann, kann die Schulkonferenz (bei Schulen, die in Fachabteilungen gegliedert sind, die Abteilungskonferenz) die Stellung eines Antrages auf Ausschluss des Schülers (§ 49 Abs. 2) androhen.“

Suspendierung und Ausschluss eines/ einer SchülerIn Dazu führt § 49 (1) SchUG näher aus: „Wenn ein Schüler seine Pflichten (§ 43) in schwer wiegender Weise verletzt und die Anwendung von Erziehungsmitteln gemäß § 47 oder von Maßnahmen gemäß der Hausordnung erfolglos bleibt oder wenn das Verhalten eines Schülers eine dauernde Gefährdung von Mitschülern oder anderer an der Schule tätigen Personen hinsichtlich ihrer Sittlich-

keit, körperlichen Sicherheit oder ihres Eigentums darstellt, ist der Schüler von der Schule auszuschließen. An allgemein bildenden Pflichtschulen ist ein Ausschluss nur zulässig, wenn das Verhalten des Schülers eine dauernde Gefährdung von Mitschülern oder anderer an der Schule tätigen Personen hinsichtlich ihrer Sittlichkeit, körperlichen Sicherheit oder ihres Eigentums darstellt und die Erfüllung der Schulpflicht gesichert ist.“ Die Maßnahme des Ausschlusses ist sicherlich die letzte Möglichkeit, falls „nichts mehr geht“, sie wird allerdings in der Regel auch nur sehr zögerlich eingesetzt. Außerdem dauert es meistens sehr lange, bis – wenn überhaupt – von dieser Maßnahme Gebrauch gemacht wird, leider manchmal erst dann, wenn schon etwas passiert ist – frei nach dem Motto: „Es muss erst etwas passieren, bis etwas passiert!“ Der Ausschluss ist also derzeit aufgrund der geübten Praxis für das erziehliche Tagesgeschäft wahrscheinlich keine besonders hilfreich Maßnahme, außer er würde konsequenter und nicht so übervorsichtig eingesetzt. In Fällen, wo SchülerInnen noch schulpflichtig sind, ist ein Ausschluss im Prinzip gar nicht möglich, hier tritt anstelle dessen zunächst einmal die Möglichkeit der Suspendierung. Für SchülerInnen der Hauptschule oder der polytechnischen Schule etwa, die die Schulpflicht bereits erfüllt haben (die z. B. gerade ein freiwilliges 10. Schuljahr absolvieren), ist der Ausschluss jedoch zulässig. Eine relativ rasche Möglichkeit des Schutzes von MitschülerInnen und LehrerInnen vor „unzähmbaren“ SchülerInnen ist sicherlich, wie schon gesagt, die Suspendierung. Dazu der entsprechende Gesetzestext gem. § 49 (3) SchUG: „Die Schulbehörde erster Instanz hat bei Gefahr im Verzug auszusprechen, dass der Schüler vom weiteren Schulbesuch suspendiert wird. Die Suspendierung darf mit höchstens vier Wochen bemessen werden; sie ist unverzüglich aufzuheben, sobald sich im Zuge des Verfahrens ergibt, dass die Voraussetzun19


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gen nach Abs. 1 nicht oder nicht mehr gegeben sind. Der Schüler ist berechtigt, sich während der Suspendierung über den durchgenommenen Lehrstoff regelmäßig zu informieren. Am Ende eines Unterrichtsjahres ist dem Schüler Gelegenheit zur Ablegung einer Feststellungsprüfung gemäß § 20 Abs. 2 zu geben, soweit eine Beurteilung wegen der Dauer der Suspendierung sonst nicht möglich wäre.“ Für Schulveranstaltungen (und schulbezogene Veranstaltungen) gibt es wiederum die Option des Ausschlusses: Hier besteht gem. § 13 (3) SchUG also die ­Möglichkeit, SchülerInnen nach Anhörung der Klassenkonferenz von der Teilnahme an einer Schulveranstaltung auszuschließen. Exekutierendes Organ ist in diesem Fall die Schulleitung. Ein Ausschluss darf allerdings nur dann erfolgen, „wenn auf Grund des bisherigen Verhaltens des Schülers eine Gefährdung der Sicherheit des Schülers/der Schülerin oder anderer Personen mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist“. Etwas, das in der Regel, wenn es entsprechende Aufzeichnungen gibt, durchaus leicht zu belegen sein wird. Wieder hängt dies allerdings auch von der Bereitschaft der Schulleitung ab, den Ausschluss auszusprechen.

Individuellere Betreuung in Sonderschulen Eine andere Option wäre gem. § 49 (9) SchUG die Möglichkeit der Einleitung eines Verfahrens gem. § 8 des Schulpflichtgesetzes 1985 (also ein Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs). Manchmal ist es tatsächlich im Sinne des „kleinsten gemeinsamen Schadens“ notwendig, einzelne Kinder einer individuelleren Betreuung „zuzuführen“, wie sie etwa in sonderpä­dagogischen Zentren bzw. Sonderschulen eher als in der Regelschule gewährleis­tet ist. Auch wenn Worte wie Integration und Inklusion derzeit 20

hoch im Kurs stehen, im Prinzip auch zu Recht, gibt es im Schullalltag immer wieder Situationen, in denen man zum Allgemeinwohl einfach entsprechende Schritte setzen muss, um den MitschülerInnen und auch den LehrerInnen ein menschenwürdiges Lernen und Lehren zu ermöglichen. Leider werden diese für die Betroffenen unzumutbaren Situationen immer zahlreicher, wie die Berichte aus der Praxis zeigen. Eines sollte in der täglichen Erziehungsarbeit stets berücksichtigt werden: Körperliche Züchtigung, beleidigende Äußerungen und Kollektivstrafen sind verboten. Das ist zwar für manche KollegInnen nicht ganz leicht aus- und manchmal auch durchzuhalten, denn im Grunde muss man sich lange Zeit vieles von den SchülerInnen gefallen lassen (das geht von Verbalattacken bis zu körperlichen Angriffen), jedoch geht der Gesetzgeber von einer Erwachseneneinsicht aus, die dieses „Zahn um Zahn, Aug um Aug“ wohl zu Recht verbietet, auch wenn einem nicht selten danach gelüstet, wenn man bedenkt, was sich manche Kinder tagtäglich herausnehmen. Aber im Falle eines Disziplinarverfahrens bzw. einer Anklage ist man dann in der Regel nur „zweiter Sieger“. Vieles wäre zu den gesetzlichen und pädagogischen Sanktionsmöglichkeiten noch zu sagen, speziell auch aus Sicht der Erziehungswissenschaft und der Psychologie, lassen Sie mich aber schließen mit einem Zitat von Alfred Schirlbauer, das sehr schön zeigt, welche Bedeutung Disziplin und Erziehung seit jeher haben (aus: Die Moralpredigt, Wien: 2005, S. 95; 100): „Der pädagogische Zeitgeist (…) erlaubt es zwar zu sagen, worum es in der Erziehung früher gegangen ist, nämlich um die Disziplinierung (Ordnung/ Hierarchisierung) der Individuen. Er erlaubt es aber nicht zu sagen, daß (!) es auch heute deswegen noch darum geht, weil es pädagogisch vielleicht um nichts anders gehen kann, eben weil der

Begriff der Erziehung (als Zucht) ohne sein telos (der Disziplinierung) nicht zu haben ist, sich auflösen würde. (…) Keine Pädagogik entkommt also – so das Resümee unserer Überlegungen – ihrem strukturell gegebenem Zweck – für Ordnung zu sorgen: für Ordnung im Denken (die Fächer, die Wissenschaften, die Disziplinen) und für Ordnung in der Praxis (des privaten wie öffentlichen Lebens).“ Ich wünsche Ihnen die Kraft und das Durchhaltevermögen, Ihren SchülerInnen diese notwendige Disziplin und Ordnung im Interesse ihrer Lebensbewältigung zu vermitteln.

HOL Mag. Dr. Jörg Spenger, Erziehungswissenschaftler und Bildungsforscher, Mitarbeiter im Department 1 (Kindheitsund Jugendwissenschaft) an der PH NÖ, Lektor am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, Trainer in der Führungskräfte- und Lehrerausbildung des Bundesministeriums für Inneres 1 Bundesgesetz über die Ordnung von Unterricht und Erziehung in den im Schulorganisationsgesetz geregelten Schulen (Schulunterrichtsgesetz 1986 – SchUG), online im Internet: http://www.bmukk.gv.at/schulen/recht/gvo/ schug.xml 2 Verordnung des Bundesministers für Unterricht und Kunst vom 24. Juni 1974 betreffend die Schulordnung, online im Internet: http://www.bewegung.ac.at/uploads/ media/Verordnung_des_Bundesministers_01.pdf 3 Möglicherweise ist der Grund der, dass viele Erkenntnisse der Lernpsychologie und Verhaltenstherapie oft aus Einzelsettings (sei es mit Tieren und Menschen) stammen und nicht aus Gruppensituationen abgeleitet wurden; somit sind sie darauf auch nur begrenzt übertragbar und möglicherweise nicht so effektiv, wenn Gruppendynamiken und -phänomene auftreten. 4 vgl. Erwin Rauscher: Verhalten vereinbaren – Schulkultur im Dialog. Wien, 2003, S.31 5 Die Eltern vieler meiner Schüler, die ich z. B. vor 17 Jahren in meinem ersten Dienstjahr als Lehrer an einer polytechnischen Schule länger „hier bleiben“ ließ, haben mich dafür „geliebt“ – davon bin ich heute noch felsenfest überzeugt! Ich selbst war eher frustriert, da wir in der Regel bis ca. 17.00 Uhr Unterricht hatten und ich noch eine Stunde anhängen „durfte“! Aber was tut man denn nicht alles, wenn man ernst genommen werden und konsequent sein möchte – besonders als Junglehrer. 6 Bundesgesetz über die Schulpflicht (Schulpflichtgesetz 1985), online im Internet: http://www.bmukk.gv.at/ schulen/recht/gvo/schulpflichtgesetz1.xml

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ERNÄHRUNG

Was mit der klassischen Spinatverweigerung im Trotzalter beginnt, treibt in den modernen Essgewohnheiten der „Kids“ ungeahnte ernährungsphysiologische Blüten. Fast könnte einem der e­ igene Bissen im Halse stecken bleiben, wenn man ohnmächtig zusehen muss, was der Nachwuchs in sich hineinstopft. Immer häufiger gewähren Eltern in falsch verstandener Liberalität dem Kind von klein auf „Ernährungsautonomie“.

Auch ein Kind ist, was es isst Von Dr. Heinz Zangerle, Psychologe, Psychotherapeut, gerichtlich beeidigter Sachverständiger

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orgens vor dem Schulbesuch kann man sie beobachten: Meist ohne Frühstück im Bauch erstürmen sie, ehe sie sich in den Schulbus quetschen, noch schnell scharenweise den Supermarkt. Mit dem Euro – der Mutter statt des verschmähten Jausenbrotes eilig abgefordert – ist der Jausenkauf angesagt. Ziel des morgendlichen Beutegangs ist aber weder Wursttheke noch Obstregal. Der kleine Konsument ist auf eine spezielle Sorte von Jausen-Eck hinkonditioniert. Sein Revier ist das, schon von weitem süßlich riechende Areal der „Riesen-Chocolate-Chews“, der „King-Gigant“-Schleckpulver in Plas­ tikschläuchen, der knallrot-klebrigen

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thema „Zu­ckerspaghetti“ und der „Cola-Lollys“ mit Kaugummifüllung. Wie magisch ziehen ihn auch die „fruchtigen Bären“ an, die „Cola-Fläschchen“, „Kinderschokoladen“, „Kinderpinguis“ und die picksüßen „Dreh-und-trink“-Säftchen im Plastikpack … Besonders brave Kinder verirren sich in Befolgung mütterlicher Ratschläge gelegentlich und greifen in die Regale der – laut TV Werbung – gesunden Süßigkeiten „mit der Extra-Portion Milch“.

Pausensnacks mit der Extra-Portion Milch? Was nehmen Kinder eigentlich zu sich, wenn sie statt des ungeliebten Pausenbrotes meist mehrmals am Tag die auf dem Markt befindlichen Kindersüßigkeiten konsumieren? Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) analysierte die Zusammensetzung sowie Inhaltsstoffe von insgesamt 22 Kindermilch-, Schokolade- und Topfencremeprodukten. Das sind jene von der Nahrungsmittelindustrie mit dem ernährungsbewussten Mascherl von „gesund“ und „natürlich“ angepriesenen Zwischenmahlzeiten. Das Ergebnis der Untersuchungen: Außer der Verpackung ist fast nichts kindgerechter oder gesünder als bei anderem Naschwerk. Die Tester bezeichnen die Produkte wörtlich als „ernährungswissenschaftlichen Wahnsinn“, da keines der untersuchten Produkte den von Er­­ nährungswissenschaftlern empfohlenen Werten entsprach. Statt der gesunden Zutaten wie Ballaststoffe oder Kalzium waren umso mehr Fett und Zucker enthalten. Besonders ein Milchriegel, der als „ideale Zwischenmahlzeit“ angepriesen wird, hat es in sich: 38 Prozent Fett, 34 Prozent Mono- und Disaccharide, 9 Prozent Eiweiß, der Rest besteht aus Wasser, Stärke und Mineralstoffen.

Süßigkeiten wie aus dem Chemielabor Unter dem Deckmantel ernährungsbezogener Werbeslogans werden nichts als herkömmliche Naschereien angeboten, die kaum hochwertige Nährstoffe enthalten. Ein Kinder-Pingui setzt sich 22

aus zwei Teelöffeln Fett, aber nur einem Löffel Milch zusammen, und Kinderjoghurts enthalten zwei- bis dreimal mehr Zucker als nach den Richtlinien empfohlen. Das selbst zubereitete Käsebrot und eine Orange dagegen haben nur ein Prozent Fett und sieben Prozent Zu­cker, dafür aber 89 Prozent Mineralstoffe, Wasser und Stärke. Wie direkt aus dem Chemielabor liest sich der „Beipackzettel“, sprich die winzig klein gedruckte und dadurch nahezu unlesbare Zutatenliste des bei Kindern besonders beliebten „Lolly“-Lutschers: Zucker, Glukosesirup, Kaugummibasis, Zitronensäure, künstliches Aroma, Farbstoffe E-124, E-150, Antioxidationsmittel BHT E-321. Was nicht beschrieben wird, das sind die Nebenwirkungen dieser Mixtur.

Und was gibt’s zu Mittag? Die als Zwischenmahlzeiten verzehrten süßen Snacks der angeführten Sorte sind allerdings nur die eine Seite kindlicher Ernährungsgewohnheiten. Auch die Essgewohnheiten der Kinder zu den Hauptmahlzeiten unterliegen einem dras­ tischen Wandel. Nicht nur, dass die Frage danach, „was es heute zu essen gibt“ immer häufiger unbeantwortet bleibt, weil immer seltener zu Hause gekocht wird. Auch was dann letzten Endes am Tisch steht, ist zunehmend von einseitigen Kindervorlieben bestimmt: Würs­ tel, Pommes, garniert mit der Überdosis Ketchup, dazu süße Säfte oder Cola. Wenn mittags niemand da ist, steht das Tiefkühlmenü vor der Mikrowelle; zur Belohnung oder zum Geburtstag lädt man zu McDonald’s. Jugendliche essen am liebsten Fast Food, Gesundes ist unbeliebt. Einer Studie der WHO zufolge tendieren Kinder, je älter sie werden, zu ungesunder Nahrung wie Hamburger und Süßigkeiten. Die schlechten Speisegewohnheiten Jugendlicher zeigen sich an den „Wegwerfquoten“: Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren verschmähen fast drei Viertel des mittäglichen Gemüses am Teller. Gleichaltrige Burschen verspeisen dop-

pelt so viel. Bei der meist süßen Nachspeise sind sich dann alle wieder einig – sie wird restlos vertilgt. Die dargestellten E ­ssgewohnheiten lassen an den kürzlich von einem ­ deutschen Nachrichtenmagazin veröf­ fentlichten Horrorbefunden über den Gesundheitszustand der Kinder wenig Zweifel. „Zu viel Junkfood und zu wenig Bewegung“, warnen die Berichte, führten dazu, dass sich erschreckend viele in bemitleidenswerter Verfassung mit Symp­ tomen wie Fettsucht, Allergien, krummen Rücken und durch Jodmangel vergrößerten Schilddrüsen befinden. Nach der Studie ist jedes fünfte Kind übergewichtig. Spitzenwerte hinsichtlich der Folgen ungesunder Ernährung wurden in den USA – dem Trendsetter des schnellen Essens – ermittelt. Bei jedem dritten Kind unter fünf Jahren fanden Kardiologen bereits fettreiche Ablagerungen an den Gefäßwänden, die später zu Arterienverkalkung führen. Die Zahl der übergewichtigen Sechs- bis Elfjährigen ist in den letzten anderthalb Jahrzehnten um 54 Prozent angestiegen.

Zu viel Süßes schon fürs Baby Die Entwicklung ungesunder Ernährungsgewohnheiten beginnt beim Kleinkind. Unnötigerweise werden schon Babys enorme Zuckermengen in Form von süßen Tees und Säftchen verabreicht. Überbesorgte Eltern glauben, ihren Nachwuchs beim geringsten Anzeichen körperlichen Unwohlseins durch das Nukelfläschchen mit süßem Inhalt beruhigen zu müssen. Dass sie damit bereits erste und oftmals entscheidende Weichenstellungen für das spätere Trinkund Ernährungs-, manchmal sogar von Suchtverhalten des Heranwachsenden bewirken, ist vielen nicht bewusst. Wie schwer es schon bei Kleinkindern ist, gegen ihre Sucht nach Ungesundem anzugehen, wissen viele Eltern aus leidvoller Erfahrung. Nicht umsonst sind Kinder eine der Hauptzielgruppen der Lebensmittelindustrie. Schätzungsweise gehen mindestens ein Fünftel des Taschengeldes – bei jüngeren Kindern aps • Ausgabe 6_2009


thema meist noch mehr – für Süßwaren drauf. Der Gruppendruck verstärkt die vorhandenen Vorlieben.

Die Frustesser Ungesunde Ernährungsgewohnheiten, Übergewicht, überhöhte Cholesterinwerte stehen in engem Zusammenhang mit den Lebensbedingungen der Kinder. Sie können nicht richtig beurteilt werden, ohne den Blick auf die Erscheinungsformen des „modernen“ Kinderalltags zu richten. Überspitzt formuliert: Viele Kinder können sich nur durch „Fressen“ psychisch schadlos halten. Nur durch orale Ersatzbefriedigung gelingt ihnen der Ausgleich für ihren krank machenden Alltag und ihre ungestillten Bedürfnisse nach Wärme und Kontinuität in befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen. Als Produkte einer immer aggressiveren Konsumwelt sind gerade Kinder besonders anfällig für Außensteuerung ihrer Bedürfnisse durch Werbung und gedankenlosen Zeitgeist, der sich in Essgewohnheiten niederschlägt. Oft ist es ihr Alltag, der sie krank macht; im Frustessen setzen sie ein Signal ihrer unbefriedigten Sehnsucht nach Selbstbewusstsein.

Essen – kein Erziehungsthema? Doch mit Analysen und Erklärungen zur Lage an der kindlichen „Ernährungsfront“ ist es nicht getan. Die Elterngeneration darf sich nicht aufs Lamentieren über den scheinbar missratenen Nachwuchs fehlernährter, fernsehgeschädigter, nervender und womöglich auch noch gewalttätiger kleiner Bestien beschränken. Vielmehr müsste sie sich fragen, ob es Zusammenhänge zwischen ihren Formen der (Nicht-)Erziehung inklusive eigener Vorbildwirkung und dem Essverhalten der Kinder gibt. Viele Eltern haben nämlich längst eine Art Gegenstrategie entwickelt: Sie machen die Kinder allein verantwortlich für falsches Essverhalten. – Wohlwissend, dass sie selbst es waren, die in falsch verstandener Liberalität dem Kind von klein auf „Ernährungsautonomie“ gewährt Bildung – Fenster zur Welt

und damit jegliche Entscheidung über die Nahrungsauswahl überlassen haben. Sie wurden allerdings bald von der Eigendynamik und Macht kindlicher Verselbstständigung in einem Bereich überrascht, der wie kaum ein anderer ungeeignet für freie (Kindes-)Entscheidungen ist. – Ein Kind ist jedenfalls überfordert, wenn es entscheiden soll, was es wirklich braucht, wenn es isst.

Was auf den Tisch kommt, wird gegessen!? Nein, damit soll nicht der Familie als Gehorsamszuchtverein für gesundes Essen und einer zwanghaften Iss-denTeller-leer-Mentalität das Wort geredet werden! Sehr wohl aber einem Abgehen vom vielfach herrschenden resignativen Ernährungs-Laisser-faire. Denn wesentliche, ­entwicklungspsychologisch entscheidende Prägungen dessen, was und wie ein Mensch isst, passieren in der Kindheit. – Leider ist mit passivem Schweigen der Eltern, Schokolade im Kindermund, dem picksüßen Snack in der Schultasche die Gesundheit häufig beim Teufel! Was Eltern in jedem Fall zu tun bleibt, ist die aktive Auseinandersetzung mit dem Nachwuchs in Ernährungsfragen. Statt ohnmächtig-passivem Schweigen könnte also pädagogischer Handlungsbedarf bestehen, wenn der TV-informierte Junior wieder einmal sein Jausenpaket unberührt in der Tasche verschimmeln lässt und sich vorzugsweise mit den werbewirksam angepriesenen „Köstlichkeiten“ der oben beschriebenen Sorten stärkt. Und nicht nur dann, wenn es um die Frage Fast Food oder Traditionsmenü geht, sondern auch, wenn der Pubertierende zwar meilenweit für einen Hamburger rennt, aber niemals ein vegetarisches Restaurant betreten würde.

Die Küchenkultur bröckelt Die Ernährungsgewohnheiten der Kinder sind längst Abbild ihrer Elterngeneration geworden, einer Generation, der zunehmend die Lust am Kochen vergeht. Wolfram Siebeck, der bekannte

Koch-Kritiker des deutschen Wochenmagazins „Die Zeit“ beobachtet eine rasant zunehmende Tendenz zum indus­ triell vorgefertigten Schnellgericht aus Tiefkühltruhe und Mikrowelle. Er sieht bei den Massenproduzenten „Granulatstreuer“ und „Protein-Alchemisten“ am Werk, die mit ihren „Kunstprodukten“ ausgezogen sind, „die mampfende Mehrheit ihres kulinarischen Verstandes zu berauben“. – Womit angedeutet ist, dass die Ursachen für die Ernährungsmisere mancher Kinder häufig sehr naheliegend sind.

Autor: Dr. Heinz Zangerle, Psychologe und Psychotherapeut in freier Praxis in Innsbruck, Dozent an der Päd. Hochschule Tirol. Der Beitrag stammt aus seinem „Praxishandbuch Erziehung“, Verlag Ueberreuter, Wien 2006.

KINDERERNÄHRUNG • Essenszeiten, Essrituale Der zerbröckelnden Küchenkultur gegensteuern – einmal täglich ein gemeinsames Essen mit Kindern! • Wenig Zucker Finger weg von zuckerhaltigen Getränken! • So wenig Fast Food wie möglich Bei abwechslungsreicher Mischkost ist gegen einen gelegentlichen Konsum nichts einzuwenden. • Täglich die „Fünf“ 1. Milch, Milchprodukte 2. Vollkorn-, Getreideprodukte 3. Obst 4. Gemüse, Rohkost, Salat 5. Fleisch, Geflügel oder Fisch • Reduziertes Quantum Bei wenig Bewegung und überhöhter Energiezufuhr Gefahr von Übergewicht und unkontrollierter Hyperaktivität. Nur begrenzte Ernährungsautonomie!

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aktuell

Diensttausch Wien nach NÖ Pragm. VS-Lehrerin sucht TP im nördl. Waldviertel. Tel.: 0664/650 11 81 Pragm. VS-Lehrerin sucht TP ab sofort. Tel.: 0650/869 16 19

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