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Illustration: istock, bearbeitet: AD

Gewerkschaft Öffentlicher Dienst / Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer; Schenkenstraße 4/5, 1010 Wien, Österreich; Tel.: +43 (0)1/534 54-435, Fax: +43 (0)1/534 52-452; kontakt@pflichtschullehrer.at; www.pflichtschullehrer.at

2/2014_April

Vertrauen in die Lehrerinnen und Lehrer sollte das langfristige Fundament bilden

Aufgepasst (Seite 11)

Gewalt an Österreichs Schulen

vorgestellt (Seite 14)

Informiert (Seite 18)

Teach For Austria

Das Schulunterrichtsgesetz im Schulalltag


Info

Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­licht­schul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fen­t­­licher Dienst, 1010 Wien, Schenken­straße 4/V Te­l.: 01/534 54-435, Fax: 01/534 54-452, E-­Ma­il: aps@goed.at www.pflichtschullehrer.at Bü­ro­zei­ten: Mon­tag bis Do­nner­s­­tag von 7.30 bis 16.30 Uhr, Frei­tag von 7.30 bis 13.30 Uhr Ko­sten­lo­se In­for­ma­tion für Mitglie­der der GÖD, Gewerkschaft Pf­licht­schul­lehrerinnen und Pflichtschullehrer

editorial –2–

mit leidenschaft für unsere lehrer/innen Martin Höflehner

inhalt

aktuell

Liebe Leserin, lieber Leser! Im Rahmen der durch das Datenleck entbrannten ­vielen Diskussionen über Testungen jeder Art bekam ich von einer Wiener Volksschuldirektorin ein Schreiben mit ihren Gedanken dazu, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Testen, testen, testen … Was besonders wundert, ist die Tatsache, dass unsere Lehrpläne sehr detailliert und genau nach zur Verfügung stehenden Minuten pro Fach nicht zu überziehende Testungszeiten für schriftliche Überprüfungen vorgeben, es mit einem „BIFIE-Gesetz“ aber möglich ist, diese Zeiten um Vielfaches zu überschreiten: TIMSS: neun Stunden!!!, BIST: fünf Stunden!!!, Wiener Lesetest: mindestens eine Stunde etc. Wie ist es vereinbar, unsere Schülerinnen und Schüler solch einem „Testfieber“ auszusetzen, wenn es eigentlich einen gut durchdachten Schutz vor genau solchem Testwahnsinn in unserer Leistungsbeurteilungsverordnung gibt? Testsituation bleibt schließlich Testsituation, egal ob „nur“ ein persönlich abrufbares Testergebnis oder eine Note darunter steht. Oder kann man inzwischen nicht mehr davon ausgehen, dass sich bei der Verfassung einer Leistungsbeurteilungsverordnung kluge Köpfe mit profundem pä­dagogischem Hintergrund eine Menge Gedanken im Sinne unserer Kinder gemacht haben? Im Magazin finden Sie einige Auszüge aus den Standardüberprüfungen M 4 und E 8 mit den Links zu den entsprechenden Bundes- bzw. Länderberichten des BIFIE. Nutzen Sie bei Interesse die Möglichkeit, sich ein Bild über die vielfältigen Auswertungen zu machen. Ich freue mich über Ihre Gedanken zu den unterschiedlichsten Testungen, da diese ja von den Lehrerinnen und Lehrern in Österreich sehr unterschiedlich gesehen werden (martin.hoeflehner@goed.at).

Martin Höflehner

3

Seite des Vorsitzenden

aktuell

6 Pressespiegel 8 Bildungsstandards Englisch, Mathematik

service

11

Gewalt an Österreichs Schulen?!

12

Physische Verletzungen

information

14

Teach For Austria

16

Zynisch, aber wahr!

18

Das Schulunterrichtsgesetz im Schulalltag

23

Der GÖD-Rechtsschutz – eine Serviceleistung

exklusiv für Mitglieder

24 Diensttausch

Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 12.  5.  2014 Beiträge senden Sie bitte per E-Mail (aps@goed.at) an die Redaktion.

Impressum

„aps“ ist die Zeitschrift der Gewerkschaft Pf­licht­schul­leh­rerinnen und Pf­lichtschul­leh­rer in der Ge­werk­schaft Öf­fent­licher Dienst. He­raus­ge­ber: Ge­werk­schaft Öf­fent­licher Dienst. Medieninha­ber und Ver­leger: GÖD Wirtschaftsbetriebe GmbH., Teinfaltstraße 7, 1010 Wien. Chefredaktion und für den Inhalt verantwortlich: Martin Höflehner (Ltg.), Paul Kimberger, 1010 Wien, Schenkenstraße 4/V, Tel.: 01/534 54-435. Redaktion, Pro­duk­tion, Konzeption und Anzeigenverwaltung: Mo­dern Ti­mes Me­di­a Ver­lags­ges.m.b.H., 4020 Linz; Büro Wien: Lagergasse 6/2/35, 1030 Wien, Tel.: 01/513 15 50. Hersteller: Nieder­öster­rei­chi­sches Presse­haus Druck- und Verlagsges.m.b.H., Gutenberg­straße 12, 3100 St. Pölten. Verlagsort: Wien. Herstellungsort: St. Pölten. DVR-Nr.: 0046655. Na­ment­lich ge­kenn­­zeich­nete Bei­trä­ge stel­len die Mei­nung des Au­tors dar, die sich nicht mit der Mei­nung der Re­dak­tion dec­ken muss.


Paul Kimberger Paul Kimberger Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer Pflichtschullehrer aktuell seite des vorsitzenden

mit leidenschaft für unsere lehrer/innen

Erfolg oder Misserfolg? Seit der Einführung wird über Erfolg und Misserfolg der Neuen Mittelschule diskutiert.

Die Forderungen nach schnellen Evaluationsergebnissen sind berechtigt. Es wird nämlich erst nach einer vollständigen Auswertung und Analyse aller Daten möglich sein, seriöse Schlüsse zu ziehen und die Frage zu beantworten, ob das Modell „Neue Mittelschule“ zu einem Mehrwert bei schulischen Ergebnissen führt und insgesamt auch mehr Chancengerechtigkeit für alle bringt. Mit Strukturreformen alleine wird man allerdings unsere Schule(n) auch nicht besser machen, genauso wenig wie mit Dauerbevormundung, umjubelten Äußerlichkeiten und übertriebenem Aktionismus. Tatsächlich hängt es vor allem von den Lehrerpersönlichkeiten ab, von ihrem Zusammenspiel, ihrem Engagement, von ihrem fachlichen und pädagogischen Können, ob Schule gelingt – im Normalbetrieb wie auch bei all dem, was über das solide Unterrichten im Alltag hinausgeht. Schule bzw. Schulpolitik wird sich außerdem viel stärker mit außerschulischen Rahmenbedingungen beschäftigen müssen, wenn sie leisten will, was sie leisten soll. Das ist längst überfällig. Es bedeutet nämlich einen gravierenden Unterschied, ob man in einer Klasse unterrichtet, in der fast nur Kinder aus bildungsnahen Familien sitzen oder die Situation einer babylonischen Versuchsanordnung gleicht. Migration, Integration, Verhaltensauffälligkeiten und die vielfach fehlenden Voraussetzungen durch das Elternhaus sind eben nicht nur pädagogische Dauerbrenner, sondern vor allem sozial- und gesellschaftspolitische Herausforderungen. Beim Gesetzgeber stößt man damit aber seit vielen Jahren auf taube Ohren.

Wenn man fragt, wie es anderen Bildungssystemen gelingt, mehr zu erreichen, dann gibt es darauf eine klare Antwort: mehr Autonomie! Es gibt zwar lockere Rahmenregelungen, aber weder staatliche Dauerbevormundung noch ein Kontrollregime mit Tests, Rankings und anderen Druckmitteln. Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern und das soziale Umfeld arbeiten zusammen. Lehrkräfte können sich mehr auf den Unterricht konzentrieren, weil sie durch pädagogisches und technisches Personal unterstützt werden. Wo die Ergebnisse nicht stimmen, wird nicht gedroht, sondern mit zusätzlichen Ressourcen gezielt gefördert. Diese Aspekte sollten auch bei der Weiterentwicklung der Neuen Mittelschule beachtet werden und bedeuten für mich, dass … • der Ausbau bzw. die Weiterführung der Neuen Mittelschule wie vorgesehen fortzusetzen ist; • die vom Unterrichtsministerium zusätzlich zur Verfügung gestellten Ressourcen (sechs Wochenstunden pro Klasse) auch in Zukunft sicherzustellen sind; • der Einsatz dieser sechs Wochenstunden pro Klasse für qualifiziertes Teamteaching und leistungsorientierte Differenzierungsformen Verwendung finden muss. • alle Schulstandorte zusätzlich ein frei verfügbares Stundenkontingent für Fördermaßnahmen und Schwerpunktbildungen brauchen; • die Leistungsfeststellungen und -beurteilungen in den differenzierten Pflichtgegenständen in der 7. und 8. Schulstufe (grundlegende/vertiefte Allgemeinbildung) vereinfacht werden müssen; • die zusätzlich zum Jahreszeugnis bzw. zur Schulnachricht eingeführten ergänzenden differenzierenden Leistungsbeschreibungen (EDL) und der Kinder-Eltern-Lehrer-Gespräche (KEL) in die Entscheidungskompetenz der Lehrerinnen und Lehrer zu legen sind;

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„Politiker sollten stärker den Praktikern an den Bildungseinrichtungen zuhören und sich die Probleme schildern lassen, anstatt Studie um Studie in Auftrag zu geben, in der man sich Zahlen dann so zurechtbiegt, wie es ins jeweilige (partei-)politische Programm passt.“ (Michael Winterhoff, Buch „SOS Kinderseele. Was die emotionelle und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet – und was wir dagegen tun können“, Seite 197) –4–

• wir ein international vergleichbares und etabliertes Unterstützungspersonal im pädagogischen, sozialen und administrativen Bereich dringend brauchen; • eine Reduktion von Verwaltung und Bürokratie, ganz besonders auch für Schulleiterinnen und Schulleiter, längst überfällig ist; • eine pädagogische Unterstützung im Bereich der Grundstufe eins bei einer Klassenschülerzahl ab 20 Schüler/innen vorzusehen ist und damit in heterogenen Klassen die Möglichkeit geschaffen wird, eine zweite Kollegin bzw. einen zweiten Kollegen unterstützend einsetzen zu können (Stärkung der Volksschule); • sich die sonderpädagogischen Ressourcen für Talenteförderung und Defizitbehebung am tatsächlichen Bedarf orientieren müssen.

die Teilnahme an der TALIS-Studie abgesagt wurde? Die OECD befragt in dieser Studie Lehrerinnen und Lehrer nach Arbeitsbedingungen, Unterrichtsmethoden und Schulressourcen als sinnvolle Ergänzung zu anderen Studien wie PISA, PIRLS und TIMSS. Wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen der Pädagoginnen und Pädagogen untersuchen zu lassen, dann fehlt das Geld, dann schweigen Bildungsexperten. Wenn aber Studien ausgesetzt werden, deren Ergebnisse möglicherweise neuerlich Munition für den Nationalsport „Lehrerbashing“ gesammelt werden könnten, ist die „Entrüstung“ riesengroß!

Von verschiedenen Seiten wurde mit Recht darauf hingewiesen, dass die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule erfolgt ist, ohne die Ergebnisse der Evaluierungen abzuwarten. Die jetzt vereinzelt gemachten Vorschläge, die Neue Mittelschule vorzeitig zu stoppen, laufen Gefahr, diesen Fehler zu wiederholen.

Ihr

Pharisäer! „Bitte setzen Sie sich ein, dass dieser Testwahn ein Ende hat! Wir wollen unsere Kinder in Lebenskompetenz unterrichten und nicht, wie man immer wieder neu erfundene, völlig lebensfremde Testsysteme überlebt.“ Das ist eine von unzähligen, fast gleichlautenden Reaktionen, die mich in den letzten Wochen erreichten.

Paul Kimberger

www.pflichtschullehrer.at

Die Diskussion über Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von teuren und immer neuen Testungen muss meiner Meinung nach jetzt dazu führen, dass mit einer vernünftigen, datenbasierten Schulentwicklung das Auslangen gefunden wird und im Gegenzug dazu mehr Geld für Unterricht und vor allem auch für dringend benötigtes Unterstützungspersonal für unsere Kinder zur Verfügung gestellt werden kann. Reaktionen bitte an: paul.kimberger@goed.at Das kollektive Aufheulen von „Bildungsexperten“ und Bildungspolitikern unseres Landes zur Absage der Teilnahme an PISA und Co. ist nicht nur für mich mehr als skurril. Wo waren denn all diese „Entrüsteten“, als im Jahr 2013

Besuchen Sie auch die Webseite der Gewerkschaft Pflichtschullehrer und Pflichtschullehrerinnen unter www.pflichtschullehrer.at.


Österreichischer Schulleiterkongress 6. November 2014 Wien

Schulen gehen in Führung

Fotos: fotolia.de | © 51601236 by Rido

is zum Jetzt noch b anmelden, 30.06.2014 abatt sichern Frühbucherr € sparen! und über 50

NEU:

espräche

Round-Table-G

Österreichs Schulleiterinnen und Schulleiter treffen sich am 6. November 2014 zum zweiten Mal in Wien. Können wir auch mit Ihnen rechnen? Folgende Top-Themen erwarten Sie:

• Schulische Qualitätsentwicklung – Kernaufgabe von Schulleitung • Führung und Personal • Schule und Unterrichten neu denken

Hier diskutieren Sie themenbezogen in Kleinstgruppen direkt und intensiv mit einem Top-Experten und anderen Direktorinnen und Direktoren. Sie profitieren damit aus erster Hand von den Best-Practice-Erfahrungen und tauschen sich zu definierten Themen aus. Weitere Infos zu diesem neuen Format folgen.

Hier eine Auswahl der Top-Referenten, die Ihnen mit zwei Hauptvorträgen und zahlreichen Praxiskursen Grundlagenwissen und

praktische Anwendungshinweise für Ihre tägliche Arbeit vermitteln werden.

Franz Neumeyer

Bettina Zeidler

Ulrike Krug

Dr. Mag. Michael Sörös

O. Prof. Dr. Mag. Herbert Altrichter

Dr. Armin Lohmann

Univ.-Prof. Dr. Mag. Univ.-Prof. DDr. MMag. Ulrike Greiner Michael Schratz

MAS, MSc., MBA Josef Oberneder

angefragt Mag. MinR Edwin Radnitzky

Martin Höflehner

Prof. Dr. Rolf Arnold

MMag. Elke Samhaber

Prof. Dr. Roland Fritz

Prof. Dr. Stephan G. Huber

Univ. Doz. HR Mag. Dr. Markus Juranek

Weitere Informationen und Anmeldung unter:

www.österreichischer-schulleiterkongress.at Infohotline: 0800 - 293153

Eine Veranstaltung von:

Mag. Silke Rogl


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Pressespiegel „Die Presse“, Print-Ausgabe, 20. 3. 2014 Wieder das übliche Gesudere der selbst ernannten Bildungsexperten Von Rudolf Taschner

Das Aussetzen von PISA und aller anderen standardisierten Testverfahren, auf welch krude Namen sie auch immer getauft sein mögen, ist ein Befreiungsschlag. Es war hart, aber zugleich wahr, was einst Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über Leute hat verlauten lassen, die sich berufen fühlen, mit guten Ratschlägen hausieren zu gehen: Das, was man in Österreich gewöhnlich zu hören bekommt, sei das „übliche Gesudere“ von notorischen Besserwissern. Bestätigt sieht man dies nach der Entscheidung der Bildungsministerin, in nächster Zeit die zentral gesteuerten Kompetenzprüfungen an den Schulen auszusetzen. Ein doppelbödiges Klagen darüber hat sie sich damit eingehandelt. Doppelbödig deshalb, weil den meisten Klagenden mit der Entscheidung der Ministerin eben das weggenommen wurde, was sie am liebsten tun: anhand von Tests, bei denen Österreichs Kinder und Jugendliche – so wollen es die Miesepeter – per definitionem schlecht abschneiden, ihr Gejammer über die ach so schlechte Schule ertönen zu lassen. Selbst beim letzten PISA-Test, bei dem jedenfalls in Mathematik eine beachtliche Verbesserung erzielt worden war, hörte man nicht auf, die Ergebnisse, wo es nur ging, madig zu machen. Und jetzt soll das plötzlich ein Ende haben? Umso mehr Anlass für die Defätisten, eine noch lautere Elegie anzustimmen. So weit hergeholt der Anlass des Datenlecks beim famosen BIFIE dafür freilich sein mag, die Entscheidung des Aussetzens von PISA, TIMSS und aller anderen standardisierten Testverfahren, auf welch krude Namen sie auch immer getauft sind, ist ein Befreiungsschlag, der nur guttun kann. Dass der PISA-Macher Andreas Schleicher gereizt warnt, man könne moderne Bildungssysteme „nicht im Blindflug steuern“, zeigt nur, dass die OECD nervös wird, wenn ein Land vom PISA-Zirkus aussteigen will.

Aktuell

Würde das nämlich Schule machen, droht einer ganzen Truppe von selbst ernannten Experten der Verlust ihres schönsten Spielzeugs. Und dass Günter Haider, dem es einst gelang, sich durch PISA bekannt, ja sogar ministrabel gemacht zu haben, mit Verve seine Bereitschaft erklärt, von seinem Institut aus die Tests durchzuführen, zeigt nur: Bei diesem Trubel ist viel Geld im Spiel und einiges zu gewinnen. Nur die Schüler und die Lehrer, die bei den Tests eingespannt werden, ziehen keinen Nutzen daraus. Denn niemand erfährt, wie sie oder er persönlich abgeschnitten hat, ob sie oder er testkonform unterrichtet hat. Österreich drücke sich, so hört man von den Meckerern, vor dem internationalen Vergleich. Natürlich stimmt das überhaupt nicht. Wir können uns gar nicht vor der Konkurrenz mit anderen Ländern drücken, weil der Erfolg unserer Wirtschaft allein auf dem Wissen und Können derer beruht, die – jedenfalls in der überwiegenden Zahl – in unseren Schulen gelernt haben. Wenn die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich 8,9 Prozent beträgt, sie hingegen in Finnland mehr als doppelt so hoch ist und 19,4 Prozent beträgt, tröstet das Lob der OECD über Finnlands Schulsystem wenig. Nicht die Kompetenzprüfungen sorgen dafür, dass in Schulen gut unterrichtet wird, sondern die in ihnen tätigen Lehrer. Kann man sich auf sie verlassen, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen ihrer Aufgabe nachkommen, erübrigt sich die Fülle der Tests. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, lautet der Einwand. Er ist berechtigt. Doch es genügt, in einem angemessenen Maß zentral zu überprüfen, wie gut unterrichtet wird. Und es wäre besser, man zöge nicht internationale Formate dazu heran, die mehr kosten, als sie wert sind, sondern erstellte für unser Land zugeschnittene Vorlagen für Prüfungen. Am besten teilzentral: Basale Aufgaben kommen von außen, weiterführende vom Lehrer der Klasse. Und jenen Schwarzmalern, die auch hier eine Quelle für ihr Klagen wittern und monieren, dies sei provinziell, sei kühl erwidert: Selbstbewusst sollten wir den anderen Ländern der OECD zeigen, welche Aufgaben unseren Schülerinnen und Schülern gestellt werden und dass die meisten von ihnen sie souverän zu lösen verstehen.


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Aktuell

„Salzburger Nachrichten“, Online-Ausgabe, 5. 2. 2014, 5.33 Uhr Nur die Lehrer können es richten Von Alfred Pfeiffenberger

Mehr Vertrauen in die Lehrerschaft würde möglicherweise das ständige Gefasel über eine Bildungsreform überflüssig machen. Man kann es schön langsam nicht mehr hören. Dieses ständige Gejammere, dass ein Teil der österreichischen Kinder am Ende der Schullaufbahn nicht ausreichend lesen, rechnen und schreiben kann. Seit Jahren werden die Mädchen und Buben regelmäßig getestet. In Wirklichkeit ändert sich an den Ergebnissen nicht viel. Auch durch die Einführung der Neuen Mittelschule nicht. Die Kinder dort bringen ungefähr die gleichen Leistungen wie die Kinder in den Hauptschulen. Die vielen Millionen Euro, die in die Neuen Mittelschulen investiert worden sind, haben anscheinend noch nicht den gewünschten positiven Effekt gebracht. Damit es nicht falsch verstanden wird: Es ist eine Katastrophe, wenn etwa zehn Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler nach acht Jahren Unterricht grundlegende Kulturtechniken nicht beherrschen. Vor allem auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt, auf dem schlechter ausgebildete Menschen immer weniger Chancen haben.

Aber möglicherweise haben die schlechten Ergebnisse damit zu tun, dass die österreichische Bildungspolitik mehr oder weniger auf der Stelle tritt. Vor allem, weil die Politik seit Jahrzehnten in ideologische Grabenkämpfe verstrickt ist. Während die SPÖ das Heil in einer Gesamtschule sieht, verteidigt die ÖVP die Langform des Gymnasiums und damit das differenzierte Schulsystem. Statt dieser Diskussion und des Versuchs, mit ständigen Tests alle Schulen über einen Kamm zu scheren, wäre es vielleicht einmal angebracht, mehr Vertrauen in die Direktorinnen und Direktoren und in die Lehrerschaft zu haben. Die Damen und Herren sind schließlich dafür ausgebildet, Kindern etwas beizubringen. Die meisten von ihnen wollen das auch. Keiner weiß wohl besser als die Lehrerinnen und Lehrer, was die einzelnen Mädchen und Buben können, welche Defizite sie haben, wo man sie unterstützen muss. Wenn man den Schulen dann noch die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellt, diese Defizite zu beheben, den Direktoren die Möglichkeit einräumt, gute Lehrer zu belohnen und schlechte aus der Schule zu entfernen, und dann noch öffentlich macht, in welchen Schulen gut gearbeitet wird und in welchen nicht, dann besteht eine reale Chance, dass die Leistungen der Kinder besser werden – ohne ständig das gesamte Schulsystem in Frage zu stellen.


aktuell

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Bildungsstandards Englisch 8. Klasse HS/NMS/AHS

Auffälligkeiten: • Der geringe Punkteunterschied zwischen den Bundesländern. • Die Positionierung von Wien, das bei bisherigen Testungen an wenig prominenter Stelle gelegen hat. Eine Fremdsprache weist naturgemäß andere Gesetzmäßigkeiten als Mathematik und Deutsch auf. Zudem kommt eine ungleich höhere Durchdringung mit AHS in Wien als in den Bundesländern (über 50 %) vor. • Das durchgängig gute Abschneiden der AHS; das ist in Anbetracht der selektiven Schüleraufnahme und des geringeren Migrationsanteils nicht anders zu erwarten. • Das unerwartet gleiche Abschneiden der mit höheren Ressourcen bedachten NMS wie der HS. In die Stichprobe konnten nur NMS aufgenommen werden, die bereits der „ersten bzw. zweiten Generation“ angehören. Diese Schulen fanden sich überproportional im mit schwierigen Rahmenbedingungen versehenen städtischen Bereich. Darüber hinaus haben diverse pädagogische Innovationen noch keinen numerischen Niederschlag gefunden. • Die Englischkompetenz der Jugendlichen hängt stark vom Bildungsniveau der Eltern ab. • Je höher die formale Bildung der Eltern, umso höher die Englischkompetenz der Jugend­ lichen. • Zwischen Jugendlichen, deren Eltern maximal Pflichtschulabschluss haben, und Jugend– lichen, deren Eltern eine tertiäre Ausbildung haben, liegen 125 Punkte Differenz in Englisch. Seitens des Ministeriums wird außerdem folgender Effekt hervorgehoben: „Die Neue Mittelschule punktet vor allem im Bereich der Chancengleichheit“, so Heinisch-Hosek. Der Unterschied zwischen Mädchen und Buben und zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund ist bei gleichem Sozialstatus in dieser Schulform kleiner. Dies würde bedeuten, dass Migranten an diesen Schulen besser gefördert werden als an Hauptschulen.

Grafik: Standardüberprüfung 2013 Englisch, 8. Schulstufe – Bundesergebnisbericht, Seite 34 – Abbildung 13: Hör-, Lese- und Schreibkompetenz in Punkten

Englischkompetenz 4. Klassen AHS/HS/NMS – Punkteschnitt

Grafik: Standardüberprüfung 2013 Englisch, 8. Schulstufe – Bundesergebnisbericht, Seite 86 – Abbildung 46: Englischkompetenz nach Punkten in den Bundesländern


aktuell

mit leidenschaft für unsere lehrer/-innen

Außerdem ein erfreuliches Ergebnis: Österreichs Schüler/-innen besuchen gerne die Schule!

Grafik: Standardüberprüfung 2013 Englisch, 8. Schulstufe – Bundesergebnisbericht, Seite 22 – Tabelle 6: Wohlbefinden der Schüler/-innen

Die Schülerleistungen in der Standardüberprüfung 2013 haben sich im Vergleich zur Baseline-Testung 2009 im Hören und Lesen deutlich verbessert. Das österreichweite durchschnitt­ liche Ergebnis liegt 2013 mit 536 Testpunkten in Hören und 524 in Lesen deutlich über dem Ergebnis von 500 Punkten in der Baseline-Testung bei jeweils etwas größerer Leistungsstreuung. Beim Schreiben zeigt sich keine relevante Veränderung – mit 495 Punkten ist der Mittelwert in der Standardüberprüfung 2013 im Vergleich zur Baseline-Testung 2009 nahezu unverändert. Beim Sprechen ist eine sehr deutliche Verbes-

serung von 500 auf 577 Punkte zu beobachten. Hier ist aber aufgrund der kleinen Stichprobengröße zu beiden Zeitpunkten zu berücksichtigen, dass die Messung weniger präzise bzw. der Messfehler größer ist. Wir verweisen überdies auf folgende Downloads: Landes­ ergebnisberichte Standardüberprüfung Englisch 2013, 8. Schulstufe (https://www.bifie.at/node/2492) sowie ­Bundesergebnisbericht Standardüberprüfung Englisch 2013, 8. Schulstufe (https://www.bifie.at/node/2490).

Bildungsstandards Mathematik 4. Klassen Volksschule Bei den Tests wurden im Frühjahr 2013 rund 74.000 Volksschüler der vierten Klasse im Fach Mathematik geprüft. • Im Bundesländervergleich schnitt in Mathematik dabei Ober­österreich (545 Punkte), gefolgt von Niederösterreich (544) und Salzburg (541), am besten ab. • Der Österreich-Schnitt liegt bei 533 Punkten. • Am unteren Ende lagen Kärnten (520) und Wien (519). • Die geringste Punktezahl zeigte sich in Vorarlberg (514). (Häufig wird die Frage gestellt, weshalb gerade aus diesem Bundesland das Inter­esse an der allgemeinen Einführung der Gesamtschule deutlich artikuliert wird.) Zitat aus dem offiziellen Ergebnisbericht des BIFIE: „Besonders viele Kinder mit hohen Mathematikkompeten-

zen (Stufe 3) gibt es am Ende der Grundschule mit 14 Prozent in Oberösterreich und Niederösterreich.“ (Standardüberprüfung 2013, Bundesergebnisbericht, Seite 60) • Es ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen Bildung der Eltern und Mathematikkompetenz der Schüler/-innen erkennbar. • Der Unterschied zwischen Kindern mit formal niedrig und sehr hoch qualifizierten Eltern beträgt 126 Punkte. • Schüler/-innen ohne Migrationshintergrund sind österreichweit um 64 Punkte besser (545 vs. 481 Punkte). Bezieht man den Sozialstatus der Eltern ein, reduziert sich die Differenz auf 34 Punkte.

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aktuell

Die Schülerleistungen in der Standardüberprüfung 2013 haben sich im Vergleich zur Baseline-Testung 2010 deutlich verbessert. Das österreichweite durchschnittliche Ergebnis liegt 2013 mit 533 Testpunkten deutlich über dem Ergebnis von 500 Testpunkten in der Baseline-Testung bei ähnlicher Streuung. Die Kompetenzzuwächse zwischen 2010 und 2013 sind in allen Kompetenzbereichen deutlich erkennbar. Besonders große Verbesserungen sind in der allgemeinen mathematischen Kompetenz „Modellieren“ sowie in den inhaltlichen Kompetenzen „Arbeiten mit Zahlen“ sowie „Arbeiten mit Operationen“ zu verzeichnen. In etwas mehr als der Hälfte der Schulen haben mindestens 80 Prozent der Schüler/-innen die Standards erreicht oder übertroffen. In weniger als fünf Prozent der Schulen erreicht weniger als die Hälfte der Schüler/-innen die Standards.

Ein interessantes Detail: Im Allgemeinen zeigen Buben in Mathematik bessere Testergebnisse. Im Besonderen: • 83 Prozent der einheimischen Buben erreichen (oder übertreffen) die Standards. • 55 Prozent der Mädchen mit Migrationshintergrund erreichen (oder übertreffen) die Standards. Neben den Bundesländerauszählungen hat jede Schule ihre eigenen Ergebnisse zurückgemeldet bekommen. Der Wert der Bildungsstandards liegt nicht zuletzt in der Chance auf Weiterentwicklung schul- und klassenspezifischer didaktischer Ansätze. Wir verweisen überdies auf folgende Downloads: Bundesergebnisbericht M4 (https://www.bifie.at/ node/2489) sowie Landesergebnisbericht M4 (https://www.bifie. at/node/2491).

Grafik: Standardüberprüfung 2013 Englisch, 8. Schulstufe – Bundesergebnisbericht, Seite 34 – Abbildung 13: Hör-, Lese- und Schreibkompetenz in Punkten

Allgemeine Bemerkungen Sieht man die Ergebnisse aus dem Blickwinkel der Grundkompetenzen an, kann man mit Sicherheit sagen, dass diese sowohl in Englisch (8. Schulstufe) als auch in Mathematik (4. Schulstufe) – systemisch gesehen – gut bis sehr gut vermittelt werden. Wenn in den VS ein hoher Prozentsatz aller Schüler/-innen die Standards erreicht, muss man von einer sehr „verlässlichen Schule“ sprechen. Sieht man sich das Ergebnis in Englisch im Detail an, dann

zeigt sich, dass die Schüler/-innen die Standards in den Bereichen Sprechen, Hören und Lesen in einem hohen Ausmaß erreichen. Einzig in der Textproduktion sieht das Ergebnis etwas anders aus. Das mag daran liegen, dass im Hinblick auf leistungsschwächere Schüler/-innen der Schwerpunkt im Fremdsprachenunterricht auf jene Bereiche gelegt wird, die die Schüler/innen im „Alltag der Sprachanwendung“ am meisten brauchen. Wenn Sie auf Reisen sind und Ihr Hotel nicht finden, welche Kompetenzen brauchen Sie denn dann wirklich?


STEPHAN MARESCH Bundesorganisationsreferent der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer, Vorsitzender des Zentralausschusses der Wiener Landeslehrerinnen und Landeslehrer – 11 –

service

Gewalt an Österreichs Schulen?! Suchen Sie in Archiven von österreichischen Zeitungen Berichte über Vorfälle, in denen Lehrerinnen und Lehrer von Schülern tätlich angegriffen worden sind. Sie werden – fast – nichts finden. Eigentlich könnte man also erleichtert die beruhigte Schlussfolgerung ziehen, dass das offenbar in Österreichs Schulen kein Thema ist. Meine Erfahrungen als Personalvertreter zeigen aber ein anderes Bild. Wir sind zwar vielleicht von Amokläufen, wie in anderen Ländern geschehen, entfernt, und die große Mehrheit der Kollegenschaft würde es nicht im Entferntesten als notwendig erachten, die in der Früh ins Schulhaus hereinströmenden Kinder von einem Security-Dienst nach Waffen und anderen gefährlichen Gegenständen durch­ suchen zu lassen.

gewalt (k)ein Thema Trotzdem häufen sich sehr ernst zu nehmende Berichte der Kolleginnen und Kollegen, die massiv Gewalt durch Schüler/innen ausgesetzt sind. Die mir bekannten Vorkommnisse zeigen, dass es keine Verallgemeinerung gibt, von welchen Kindern oder Jugendlichen Gewalt ausgeht. Die Gewaltbereitschaft Erwachsenen, in unserem Fall Lehrpersonen gegenüber beschränkt sich nicht auf bestimmte Altersgruppen oder ein Geschlecht. Sehr oft wird über Vorkommnisse mit einzelnen Schülerinnen und Schülern gesprochen, von deren Fehlverhalten sich Mitschüler/-innen distanzieren, doch oft gibt es Mitläufer oder organisierte Gruppen, die die Lehrerin oder den Lehrer als Opfer wählen. Erlebte Gewalt gegen sich spüren Kolleginnen und Kollegen in Form von verbalen Übergriffen, psychischer und physischer Gewalt. Lehrer/-innen werden mit Gegenständen – vom Radiergummi bis zum Zirkel – beworfen, auch Berichte über „Ausras­ ter mit Schlägen“ erreichen uns. Verprügelte Lehrer/-innen erzählen von notwendigen ärztlichen Behandlungen, weil Blutergüsse und Platzwunden versorgt werden müssen. Warum diese furchtbaren Vorkommnisse nicht den Weg in

die Zeitungen finden, lässt sich nur vermuten. Viele Kolleginnen und Kollegen scheuen sich aus Scham, scheinbar beruflich versagt zu haben, mit diesen unangenehmen Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Oft kommt es nicht einmal schulintern zu einer einigermaßen vollständigen Klärung. Viele Lehrerinnen und Lehrer nehmen Abstand von polizeilicher Verfolgung der Straftaten ihrer Schüler/-innen, um dem Kind oder Jugendlichen nicht zu schaden und um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Das Lehrer/-innenImage in Österreichs Medien erzeugt anscheinend zusätzlich die Befürchtung, der Lehrerin bzw. dem Lehrer eher eine Teilschuld zuzuweisen, als sie bzw. ihn als Opfer zu sehen. Anscheinend hält sich auch das Interesse der Schulbehörden in Grenzen, Gewalt gegen Lehrer/-innen zu thematisieren. Es wäre ein Irrglaube, diese Probleme auf Großstädte und da auf einzelne Schulstandorte zu reduzieren. Erfahrungsgemäß sind Lehrer/-innen in Ballungszentren häufiger davon betroffen. Dass sich Lehrer/-innen als Opfer von Aggressionen der Schüler/-innen an die Personalvertretung und Gewerkschaft wenden, zeigt, dass ihnen sonst kaum Hilfe angeboten wird. Der schulpsychologische Dienst des jeweiligen Landes- bzw. Stadtschulrats bietet zwar im Bedarfsfall Beratung auch für Lehrer/-innen an, aber körperliche Gewalt kann man eigentlich nur auf polizeilichem Weg verfolgen. Dieser Schritt löst in Wahrheit das Problem nicht, schon gar nicht dann, wenn man am nächsten Schultag den Täter wieder in der Klasse unterrichten muss! Ich denke, dass sich kein Dienstgeber erlauben kann, derart folgenschwere Ereignisse zu bagatellisieren, schon gar nicht zu ignorieren bzw. die Kolleginnen und Kollegen sowie die Schulen damit alleine zu lassen. Lehrer/-innen, die Erfahrungen von Gewalt durch Schüler/-innen machen mussten, laufen Gefahr, in eine ihre Existenz bedrohende Situation zu geraten. Zu leicht wird die Grenze der eigenen Belastbarkeit überschritten; Angst, Frust und Burn-out können die Folge sein, wenn sich Lehrer/-innen als Opfer von Gewalt nicht verstanden fühlen und nicht ausreichend betreut werden. Der Gesetzgeber ist gefordert, rasch Maßnahmen zu treffen und Pädagoginnen und Pädagogen Hilfe in ver­schiedenster, hilfreicher Form zukommen zu lassen. Reaktionen bitte an: stephan.maresch@goed.at


CHRISTIAN RAMETSTEINER MITGLIED DER ERWEITERTEN BUNDESLEITUNG DER GEWERKSCHAFT PFLICHTSCHULLEHRERINNEN UND PFLICHTSCHULLEHRER ZENTRALAUSSCHUSS NIEDERÖSTERREICH – 12 –

Service

Informationen zum Lehrer/-innenschutz

PHYSISCHE VERLETZUNGEN Ein Lehrer bzw. eine Lehrerin wird in Ausübung seines bzw. ihres Dienstes physisch verletzt.

OHNE Fremdeinwirkung Meldung im Dienstweg mit Unfallhergang (Ort/Zeit). Weiters ist eine Meldung mittels Formblatt (auf der jeweiligen Website erhältlich) an die zuständige Krankenkasse erforderlich. DURCH FREMDEINWIRKUNG (Schüler/-in) – prinzipiell egal, ob „absichtlich“ oder „nicht“. Dies stellt vorab NICHT der Lehrer bzw. die Lehrerin fest. Meldung im Dienstweg plus Kurzprotokoll des Unfall­ hergangs (Ort/Zeit). Wenn Arzt oder Krankenhaus aufgesucht werden muss, muss jede Verletzung vom Arzt angezeigt werden. Es ist rechtswidrig, den Arzt zu ersuchen, die Anzeige nicht zu tätigen. Anzeige bei der Polizei notwendig oder nicht? NEIN! Persönliche Anzeige bei der Polizei ohne Arzt oder Krankenhaus möglich. Klärung der Amtsverschwiegenheit für Aussagen bei Arzt, Krankenhaus oder Polizei. Die Pflicht zur Verschwiegenheit wird durch die ­Verpflichtung zu einer amtlichen Mitteilung (AMTSHILFE) verdrängt. Problematik bei diesen Angaben: Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Bei Klärung der Eskalationsursache können Fragen wie Einhaltung der Aufsichtspflicht, Ursachen der Eskalation etc. durch den Dienstgeber und eventuell durch Exekutive relevant werden. Informationspflicht für die Erziehungsberechtigten: JA, SOFORT durch die Schulleitung (siehe Notfallplan, den es in jeder Schule geben muss!). Präventiv: Tätigkeit von schwangeren Kolleginnen im APS-Bereich: Mutterschutz hat Vorrang! Meldung der Schwangerschaft im Dienstweg wird so ausgesetzt. Die Schulleitung ist verpflichtet, in Absprache mit der Lehrerin präventiv bei einem bekannten

Gefahrenpotenzial entsprechende – zum Schutz der Schwangeren – Maßnahmen zu setzen, z. B. Begleitlehrereinsatz, Wechsel des Einsatzes der Pädagogin etc. Diese Vorgangsweisen sind mit der Schulbehörde erster Instanz zu akkordieren.

PSYCHISCHE VERLETZUNGEN Psychische Verletzungen und psychische Überforderung im Lehrberuf können für Lehrer/-innen zu einem existenzbedrohenden Problem werden. Immer häufiger geraten vor allem auch sehr engagierte Lehrkräfte ins Burn-out und wissen nicht mehr, an wen sie sich in ihrer Verzweiflung wenden können. Spannungen im Lehrkörper, pädagogisch übermäßig stark herausfordernde Schüler/-innen und konfliktreiche Lehrer-Eltern-Kontakte können Lehrer/-innen gefühlmäßig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führen. Oft hilft ein Gespräch mit Fachleuten, um sich selbst Klarheit über die weiteren Schritte zu verschaffen, die den Ausweg aus der scheinbaren Sackgasse einleiten könnten. Die Abteilungen der Landesschulräte und des Stadtschulrates für Wien „Schulpsychologie-Bildungsberatung“ bieten seit mehreren Jahren schulpsychologische Telefonberatung an. Auf der Webseite www.schulpsychologie.at/ unter „QUICKINFOS“ – „Schulpsychologische Beratungsstellen“ können geeignete Ansprechpersonen in den jeweiligen Bundesländern kontaktiert werden. Die Gespräche werden selbstverständlich vertraulich behandelt, und auf Wunsch kann auch anonym Kontakt aufgenommen werden. Dieses Serviceangebot steht auch Erziehungsberechtigten sowie Schülerinnen und Schülern zur Verfügung. Sicherlich sind im pädagogischen Aufgabenbereich psychische Belastungen zu erwarten. Grenzen sind dort zu ziehen, wo es an den Bereich der Kriminalität herankommt wie z. B. Verleumdungen und Beschuldigung von sexuellen Übergriffen. Grundsätzlich muss der Leh-


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Service

rer sich seiner Verpflichtung zur Amtsverschwiegenheit bewusst sein. Auch die Verpflichtung zur Einhaltung des Dienstweges darf nicht außer Acht gelassen werden, es sei denn, der Dienstvorgesetzte ist Teil des Belastungsszenarios (z. B. Mobbing durch den Direktor!). Bekommt eine Lehrkraft Kenntnis von einer strafrechtlich relevanten Tatsache im Schulbetrieb, so besteht die Verpflichtung, dies zur Anzeige zu bringen (hier ist der Dienstweg einzuhalten). Die Grenze ist dort zu ziehen, wo Kolleginnen und Kollegen zu Unrecht strafrechtlicher bzw. krimineller Handlungen bezichtigt bzw. beschuldigt werden. Mobbing ist ein strafrechtlich relevanter Tatbestand, hier sei insbesondere auf die akut steigende Gefahr des Cybermobbings verwiesen. Jegliche Form von Gewalt muss entschieden abgelehnt werden. Bei Konflikten innerhalb der Schule sollte immer zuerst versucht werden, die Probleme durch Einbindung der Schulaufsichtsorgane zu lösen, Streitigkeiten und Be­ schimpfungen, die außerhalb des Schulgebäudes im „öffentlichen“ Raum stattfinden, sollten wie Nachbarschaftsstreitigkeiten nach dem ABGB geregelt und gehandhabt werden. In diesem Fall sei auf die Möglichkeit des für Gewerkschaftsmitglieder kostenlosen Rechtsschutzes verwiesen (siehe Seite 23). Die Schulpsychologie ist weisungsfrei und zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet, solange sie nicht mit strafrechtlich relevanten Tatsachen konfrontiert wird. Sie kann aber keine langfristige psychologische Behandlung für Lehrer/-innen anbieten. Scheint eine längere psychotherapeutische Behandlung notwendig, so sollte sich die betroffene Lehrkraft dies durch einen Arzt ihres Vertrauens verordnen lassen, denn dann übernimmt die Krankenkasse auch Teile der Kosten. Im Besonderen sei auf die Verpflichtung des Frühinformationssystems verwiesen, das jeden Lehrer verpflichtet, schon zu Beginn von krisenhaften komplexen Verhaltensauffälligkeiten durch die rechtzeitige Information

der Erziehungsberechtigten Maßnahmen zur Lösung der Probleme zu ergreifen. Zur Unterstützung im Vorfeld können Beratungslehrer/-innen im Dienstweg angefordert werden. Die Verhaltensnote als Teil des erzieherischen Instrumentariums sollte dann nur am Ende eines pädagogisch verantwortungsvoll gesteuerten Prozesses stehen und nicht als willkürliches Druckmittel gegen verhaltens­ auffällige Schüler/-innen eingesetzt werden. Die Personalvertretung (Dienststellenausschuss bzw. Zentralausschuss) kann natürlich jederzeit kontaktiert werden, um weitere Vorgangsweisen in einem gemeinsamen Gespräch abzuklären. Auch die Personalvertretung ist zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet, bei Wunsch wird Anonymität garantiert.


Mag. Romana Deckenbacher Bundesfrauenreferentin der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer – 14 –

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Teach For Austria Seit September 2013 bin ich Mentorin einer jungen Kollegin, die im Rahmen von „Teach For Austria“ in einer NMS in Wien unterrichtet. Sie soll Unterstützung erhalten, um Veränderungen zu bewirken, neue Perspektiven zu gewinnen, ihr Leadership zu reflektieren und zu entwickeln und ihre Visionen zu realisieren. Dieses Mentoring ist eine vertrauliche Beziehung zwischen zwei gleichberechtigten Partnerinnen und Partnern, die persönliches Wachstum als gemeinsames Ziel verbindet. So versuche ich, zur persön­ lichen und beruflichen Entwicklung beizutragen, in dem ich Wissen, Erfahrungen und gewonnene Erkenntnis teile. Wir treffen uns in regelmäßigen Abständen, um uns auszutauschen, Ziele zu konkretisieren und ein Netzwerk aufzubauen.

vorgestellt von Fellow Nicole Jungmann Als ich im März 2012 auf die Bildungsinitiative „Teach For Austria“ aufmerksam wurde, konnte ich mir noch nicht viel unter dem Projekt vorstellen. Ich war zu diesem Zeitpunkt mit meinem Masterstudium der Kultur- und Sozialanthropologie fast fertig. Während meines Studiums hat es mich immer wieder zum Bildungsbereich hingezogen. Auch in meiner Masterarbeit befasse ich mich mit Multikulturalität im Klassenzimmer. Nebenbei arbeitete ich als Bildungsreferentin für verschiedene Organisationen und besuchte regelmäßig Schulklassen oder Freiwilligen­ projekte, wo ich Workshops leitete oder begleitete. Schnell war mir klar, dass ich mich mit den Anliegen von Teach For Austria identifizieren konnte, und somit bewarb ich mich als sogenannter „Fellow“. Die Chance, Verantwortung zu übernehmen, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Eineinhalb Jahre später weiß ich nun, dass der Entschluss, mich bei Teach For Austria zu bewerben, zu den besten Entscheidungen meines Lebens zählt. Warum? Das möchte ich gerne erklären.

Teach for Austria Teach For Austria wurde 2011 von Walter Emberger gegründet, um bessere Bildungs- und Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien zu schaffen.1 Dazu sollen Hochschulabsolventinnen und -absolventen als Fellows für zwei Jahre als vollwertige Lehrkräfte an Schulen arbeiten. Durch ihr Engagement tragen sie zur Vision von Teach For Austria – einer exzellenten Bildung für alle, unabhängig von der Bildung und dem Einkommen der Eltern – bei. Die Idee dazu stammt von der US-Amerikanerin Wendy Kopp, die vor 24 Jahren den Grundstein zu der heute weltweiten Bildungsbewegung Teach For All legte. Heute gibt es Schwesterorganisationen in 32 Ländern. Das Auswahlverfahren und die pädagogische Ausbildung der Fellows sind sehr anspruchsvoll, um auf den Einsatz als Lehrkräfte bestens vorbereitet zu sein. Während des zweijähri-


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Nicole Jungmann ist eine von 24 Fellows, die an dem Projekt „Teach For Austria“ ­teilnehmen.

gen Schuleinsatzes werden die Fellows von einem Trainer/innenteam begleitet und erhalten laufend Fortbildungen. Und wie, könnte man fragen, profitieren die Fellows davon? Diese erhalten neben einer zweijährigen Leadership-Ausbildung nicht nur wertvolle Führungserfahrungen, sondern sollen auch langfristig als „Teach For Austria“-Alumni auf allen gesellschaftlichen Ebenen für gerechtere Bildungschancen eintreten. Aus über 400 Bewerbungen zähle ich nun zu jenen 24 ­Fellows, die als erster Jahrgang im September 2012 als Lehrende in Wien und Salzburg gestartet sind. (Mittlerweile haben im September 2013 32 weitere Fellows ihren spannenden ersten Schultag erlebt.)

Ein Fulltime-Job Ich unterrichte in einer Neuen Mittelschule in Wien-Meidling2 die Fächer Deutsch, Geografie, Musik, Informatik und Technisches Werken, und eines kann ich mit Sicherheit sagen: Es ist ein Fulltime-Job! Meine Schülerinnen und Schüler sind mir schon nach der ersten Schulwoche so sehr ans Herz gewachsen, dass ich gar nicht anders kann, als mich mit Leib und Seele dafür einzusetzen, dass sie – obwohl sie nicht die besten Startbedingungen haben – ihr volles Potenzial entfalten können. Natürlich bedeutet das für mich auch, viel Zeit in die Planung, Vor- und Nachbereitung meiner Stunden und Reflexion (alleine oder mit meiner Trainerin von Teach For Austria) investieren zu müssen. An dieser Stelle ist es mir auch wichtig zu sagen, welch großartigen Job die Lehrerinnen und Lehrer meiner Schule (und natürlich im Allgemeinen) leisten, und mich für ihre unermüdliche Unterstützung und die herzliche Aufnahme in ihr Team bedanken. Persönliche Förderung Was ist es nun, was ich in meiner Zeit als Fellow mit meinen Schülerinnen und Schülern erreichen möchte? Eine der größten Herausforderungen ist es natürlich, die Sprach- und

Lesedefizite aufzuholen, woran wir intensiv arbeiten. Meinen Fokus sehe ich aber eher bei den sogenannten „soft skills“. Mir ist es wichtig, dass meine Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Stärken und Schwächen erkennen (Selbsteinschätzung) und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Unser „Motto“ lautet: Meine Arbeit ist erst dann gut genug, wenn ich das Gefühl habe, mein Bestes gegeben zu haben. Nicht aufzugeben, sondern Ausdauer und Durchhaltevermögen zu beweisen, ist für mich ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung meiner Schülerinnen und Schüler auf das Leben nach der NMS. Meine eigene und die Vorbildwirkung anderer (ich habe unter anderem Malala Yousafzai oder Martin Luther King in meinen Lehrplan aufgenommen) sollen dazu beitragen, dass diese Jugendlichen ihre Ziele erreichen. Die Arbeit als Lehrerin an einer Neuen Mittelschule im 12. Bezirk hat mein Leben grundsätzlich nicht vereinfacht, und es gibt Tage, an denen ich unzufrieden aus der Schule gehe. Trotzdem habe ich die Entscheidung, mich für dieses Programm zu bewerben, noch keine Sekunde bereut. Teach For Austria hat es mir ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit enorme Verantwortung zu übernehmen, Zukunftsperspektiven zu schaffen, Hindernisse in Chancen zu verwandeln und jeden Tag über mich hinauszuwachsen. Diese Erfahrungen wünsche ich mir auch für meine Schülerinnen und Schüler! Infos unter: www.teachforaustria.at

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Das Risiko eines Schulabbruchs steigt bei einem Kind aus „bildungsfernem“ Elternhaus um das Fünffache. Die Chance auf einen Universitätsabschluss ist bei Akademikerkindern 16-mal höher als bei Kindern, deren Eltern einen Pflichtschulabschluss haben. 2 Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch liegt in meinen Klassen bei ungefähr 90 Prozent.


Claudia WolfSchöffmann Mitglied der Bundesleitung 10 Information

Zynisch, aber wahr! Sind Sie auch gerade dabei, Ihren Entwicklungsplan zu entwickeln? Entwicklungshilfe bei planlosem Verhalten bietet die Homepage des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Frauen)! Sofern Ihnen aber das Warum und das Wohin der Veränderung nicht einleuchtend erscheinen und auch der intendierte Nutzen und die Notwendigkeit unerkennbar bleiben, fragen Sie bitte Ihren Qualitäts­manager in der Bildungsregion vor Ort oder Ihren Qualitätsbeauftragten. Suchen Sie den Dialog und bilden Sie eine Führungskoalition auf und zwischen allen Hierarchieebenen des Bildungssystems. Nur so können notwendige bildungspolitische Vorgaben (z. B. die flächendeckende Implementierung kompetenzorientierter Lehrpläne sowie eines kompetenzorientierten Unterrichts durch Realisierung der Bildungsstandards und der darauf abgestimmten Prüfungen) in der schulischen Praxis umgesetzt werden. Und wenn Sie immer noch der Meinung sind, dass es viel effizienter wäre, einfach „mehr Unterstützungspersonal“ in Form von Sozial­ arbeitern, Psychagogen, Coaches, Kinderpsychologen etc. an die Schulen zu entsenden, dann haben Sie den Sinn eines zentralistisch geführten Systems leider nicht verstanden! Erkundigen Sie sich bitte auf der Homepage des BMBF, fragen sie einen x-beliebigen Schulexperten oder lesen Sie folgenden Artikel von Egyd Gstättner.

Ich qualitätssichere nicht, ich arbeite … Seit überall das „kompetenzorientierte Qualitätsmanagement“ wuchert, wird alles schwächer, schlechter, miserabler. Von Egyd GSTÄTTNER Ich bin eines der letzten Lebewesen auf diesem Planeten ohne Qualitätsmanagement – und das mit voller Absicht. Ich evaluiere nicht, ich dokumentiere nicht, und ich sitze auch niemals in Sitzungen oder Konferenzen. Alle Menschen, die ich kenne und die das tun (müssen), jammern mir vor, wie unglücklich sie das macht. Die Gebildeten verwenden dann immer die Begriffe „Entfremdung“ und „Selbstentfremdung“ und erklären, dass das „Qualitätsmanagement“ die Menschen von ihrem Tun (ihrer Arbeit) entfremdet, aber auch von ihren Mitmenschen. Vor lauter Tätigkeitsberichtschreiben kommen diese Menschen nicht mehr zu den Tätigkeiten, geschweige denn zur Tat. Mit Ausnahme der Worthülsner und Papperlappisierer verfehlen alle ihre Berufe. Vor lauter Evaluieren und Dokumentieren kommen die Pflegerinnen und Pfleger nicht mehr zum Pflegen, die Lehrer nicht mehr zum Lehren, die Ärzte nicht mehr zum Behandeln, die Wissenschaftler nicht mehr zum Forschen, die Dienstleister nicht mehr zum Dienst­leisten, die Katholiken nicht mehr zur Nächstenliebe, die Sozialisten nicht mehr zum Sozialsein.

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Egyd Gstättner

Das Geisterschiff Ein Künstlerroman

280 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen ISBN 978-3-7117-2001-6 EUR 22,90

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Alle stöhnen, alle füllen unablässig irgendwelche elendslangen kleingedruckten Listen und Fragebögen aus, die kein Mensch jemals lesen wird. Alle diese stumpf­ sinnigen (Kompetenzsicherungs-)Listen und (Qualitätssicherungs-)Fragebögen füllen sie im Namen einer mystischen Pseudoobjektivierung aus, die nichts anderes ist und sein kann als ziselierte Subjektivität – bloß damit jedes banale Büro heute „Kompetenzzentrum“ heißen kann: Millionen und Abermillionen verschlingende heiße Luft.

Erzwungene Wichtigtuerei Vor lauter erzwungener Wichtigtuerei kommen die Menschen nicht mehr dazu, irgendetwas Wichtiges zu tun, vor lauter Bedeutungsheuchelei nicht mehr zu irgend­ etwas Bedeutendem, vor lauter Arbeitsschauspielerei nicht mehr zu einer Arbeit und vor lauter Selbst-PR nicht mehr zu sich selbst! Nie haben Verwaltung und Vergewaltigung ähnlicher geklungen! Noch nie war in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens so oft und so penetrant von „Qualität“ und „Kompetenz“ die Rede, während Qualität und Kompetenz überall dramatisch nachlassen, weil man sich – Folge der Entfremdung – in seinem Leben als Mensch nicht mehr wiedererkennt. Selbst gebastelte Witztitel Es fängt in der Schule an: Mathematikschularbeiten sind heute Schwedenrätsel: Man darf nicht mehr rechnen, sondern nur noch ankreuzen, ob eine vorgegebene Rechnung richtig oder falsch ist. Die pädagogische Botschaft ist klar: Sei unproduktiv! Sei unkreativ! Sei passiv! So standardisiert, bist du am leichtesten zu verwalten bzw. zu unterjochen! Jede vormals sinn- und identitätsstiftende Tätigkeit wird durch den steigenden Grad der Entfremdung als unsinnig und belastend empfunden. Somit bewirkt das überall eingeführte Qualitätsmanagement genau das Gegenteil dessen, wozu es eigentlich eingeführt wurde – nämlich dass alles schwächer, schlechter, miserabler wird und die Menschen unzufriedener und unglücklicher. Glück und Zufriedenheit können in dieser dekadenten Bürokratengesellschaft freilich keine Kriterien mehr sein. Ich verweigere alle Spezialseminare sämtlicher Spezial­ referenten mit selbst gebastelten Witztiteln (Lebensqualitätsdesigner, Megametatrainer …). Ich verweigere

Ein kluger Künstlerroman: Ein Secessionist mit großen Sehnsüchten Ein Mann sucht im Süden sein Glück – der erfolgreiche Maler Josef Maria Auchentaller aus dem Kreis der Wiener Secessionisten entflieht dem Trubel der Großstadt und zieht in ein kleines Fischerdorf an der österreichischen Adria. Es ist eine Insel außerhalb der Zeit, die vom Untergang Österreich-Ungarns, dem Ersten Weltkrieg, dem italienischen Faschismus und dem Zweiten Weltkrieg nur am Rande berührt wird. Dort beginnt er langsam in den Schatten seiner Frau zu gleiten, als diese ein Hotel eröffnet und er bald hauptsächlich Werbepostkarten malt. Sein ganzes Herz hängt an der geliebten Tochter. Er will nicht wahrhaben, dass sie den Freitod gewählt hat, will nicht wahrhaben, dass seine Frau ihn betrügt und seine Karriere versandet, einzig der Tod ist ihm allgegenwärtig: Kollegen, Freunde, Bekannte sterben der Reihe nach, und er selbst sehnt sich nach dem eigenen. Fast vierzig Jahre verbringt er so auf seinem Geisterschiff. Ohne ihn wäre die Wiener Secession nicht das, wozu sie wurde: Auchentaller war Gründungsmitglied der Künstlergruppe – und doch ist er heute ihr unbekanntester Vertreter. Egyd Gstättner erzählt voll Esprit ein Künstlerleben im Abseits und erweckt den romantisch Todessehnsüchtigen noch einmal zum Leben.

Career Workshops und wertorientierte Kompetenzanalysen, Initiativbewerbungen oder Selbstpräsentationen. Das Netzwerken überlasse ich den Fischern in Grado. Ich bin keine Ich-AG, ich bin ich. Keine Aktie. Keine Gesellschaft. Ich grundkompetenzorientiere mich nicht. Ich qualitätssichere nicht. Ich evaluiere nicht. Ich dokumentiere nicht. Ich organisationsentwickle nicht. Ich schaffe ein Werk. Egyd Gstättner (geb. 1962) studierte Germanistik und Philosophie. Er ist Schriftsteller und Essayist. Sein neuestes Buch: „Das Geisterschiff. Ein Künstlerroman“ (Picus).

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MMag. Dr. Thomas Bulant stellvertretender Vorsitzender der gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und PFlichtschullehrer – 18 –

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Das Schulunterrichtsgesetz im Schulalltag 2. Teil: Leistungsbeurteilung ist Lehrer/-Innenkompetenz – Eine Serie zu Orientierung und Rechtssicherheit im Lehrberuf.

40 Jahre Leistungsbeurteilung gemäSS Schulunterrichtsgesetz Am 1. September 1974 ist das Schulunterrichtsgesetz zu Fragen des Unterrichts und der Erziehung in der Schule in Kraft getreten. 40 Jahre später ist dieses Gesetzeswerk, um viele Novellierungen erweitert, noch immer nicht spannend wie ein Krimi, aber weiterhin die maßgebliche Norm für die gesetzeskonforme Gestaltung des Schul­ lebens. Es zahlt sich für uns Pädagoginnen und Pädagogen aus, über die wesentlichen Bestimmungen Kenntnis zu haben, damit wir nicht durch das Gewohnheitsrecht („Des hamma scho’ immer so g’mocht“) fehlgeleitet werden, sondern durch das geltende Recht Orientierung und Rechtssicherheit in Konfliktsituationen erfahren. Und gerade die Leistungsbeurteilung kann einen als Lehrer/-in in „Teufels Küche“ bringen. Mit diesem Part der sechsteiligen Serie zum Schulunterrichtsgesetz kann die Beschäftigung insbesondere mit der auf das Schulunterrichtsgesetz aufbauenden Leistungsbeurteilungsverordnung (LBVO) nicht ersetzt werden, der Beitrag ist aber der Versuch, grundlegende Missverständnisse und Fehlorientierungen zum Thema Leistungsbeurteilung zu korrigieren. Die Leistungsbeurteilung ist ein pädagogisches Gutachten Das Schulunterrichtsgesetz (SchUG) definiert die Leis­ tungsbeurteilung als ein Gutachten zur Gesamtleistung eines Schulkindes für ein Schuljahr. Lehrer/-innen erstellen demnach ein Leistungsgutachten, das sie kurz und prägnant im klassischen Sinne mit einer Jahresnote

wiedergeben. Dafür haben Lehrer/-innen Befunde einzuholen, die vom Gesetz als Leistungsfeststellungen bezeichnet werden. Diese sind nicht aufgrund ihrer Prüfungsform, sondern aufgrund der Anzahl, des inhaltlichen Umfangs, des Schwierigkeitsgrades und des Prüfungszeitpunkts in der Gesamtschau zu gewichten. Die Jahresbeurteilung ist keine Mittelwertberechnung, sondern die Bewertung der Leistung durch einen Vergleich mit dem jeweiligen Beurteilungsmaßstab. Die Festsetzung des Maßstabes liegt in der Verantwortung des Pädagogen bzw. der Pädagogin. Im SchUG wird die Rolle des Sachverständigen ganz klar den Lehrerinnen und Lehrern zugeteilt:

§ 18 (1) *) Die Beurteilung der Leistungen der Schüler in den einzelnen Unterrichtsgegenständen hat der Lehrer durch Feststellung der Mitarbeit der Schüler im Unterricht sowie durch besondere in die Unterrichtsarbeit eingeordnete mündliche, schriftliche und praktische oder nach anderen Arbeitsformen ausgerichtete Leistungsfest­ stellungen zu gewinnen. Nicht den Eltern, nicht dem Klassenvorstand, nicht der Schulleitung, sondern allein den einen einzelnen Gegenstand unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrern obliegt die Kompetenz der Leistungsbeurteilung. Das Gesetz sieht auch keine partizipierenden Prozesse demokratischer Organe wie der Klassenkonferenz vor. Wer den Pädagogen nun als willkürlich agierenden „Gott Kupfer“ (Friedrich Torberg, „Der Schüler Gerber“) sieht, der irrt gewaltig. Gemäß Artikel 18 unserer Bundesverfassung darf die gesamte staatliche Verwaltung nur auf Grund der Gesetze


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ausgeübt werden. Jedes hoheitliche Handeln, und Lehrer/innen vollziehen die Leistungsbeurteilung aufgrund von SchUG und LBVO, ist in die rechtsstaatliche Konstruktion so eingebunden, dass der einzelne Staatsbürger auch vor Willkür geschützt ist und widersprechen (§ 71) kann.

Die Grundsätze der Leistungsbeurteilung Bei der Wahl und dem Einsatz verschiedener Leistungsfeststellungen gibt das Gesetz den Lehrer/-innen nachfolgende Kriterien vor: 1) Die Auswahl wird einerseits durch das Alter und den Lernfortschritt von Schülerinnen und Schülern, andererseits durch die Erfordernisse des Unterrichtsgegenstandes und die Anforderungen des Lehrplans beziehungsweise durch den Stand des Unterrichts bestimmt. 2) Leistungsfeststellungen sind im Regelfall in das Unterrichtsgeschehen einzubinden und gleichmäßig über den jeweiligen Beurteilungszeitraum zu verteilen. 3) Durch Noten ist die Eigenständigkeit von Schülerinnen und Schülern in der Bewältigung von Aufgaben zu bewerten. Demnach sind vorgetäuschte Leistungen nicht zu beurteilen. Leistungsbeurteilung ist nie etwas Punktuelles, sondern bildet stets einen Prozess ab. So sind alle schriftlichen und grafischen Leistungen einmalig mit neuer Aufgabenstellung zu wiederholen, wenn die Leistungen von mehr als der Hälfte der Schüler/-innen mit „nicht genügend“ zu beurteilen sind. Die bessere Leis­ tung zählt. 4) Mit Ausnahme von Schwerpunktschulen sind mangelnde Anlagen bei der Leistungsbeurteilung in Bewegung und Sport, Bildnerischer Erziehung sowie in Musik-

und Werkerziehung bei erwiesenem Leistungswillen zu berücksichtigen.

Leistungsfeststellungen und Informationsfeststellungen sind nicht dasselbe Alle Leistungsfeststellungen dienen der Evaluation von Schülerleistungen mittels eines Messinstruments, das durch die LBVO legitimiert ist. Über den Einsatz einzelner Leistungsfeststellungen wie Schularbeiten in Anzahl und Umfang geben die Fachlehrpläne Auskunft. Die Leistungen sind durch fünf Beurteilungsstufen abzubilden. Sie differenzieren laut § 18, Abs. 2 im Erreichen von Lernzielen und in der Durchführung von Aufgaben bezüglich Eigenständigkeit und selbstständigem Umlegen auf neuartige Aufgaben. Eine Leistung wird z. B. mit „sehr gut“ beurteilt, wenn in der eigenständigen Aufgabenbewältigung deutlich weit über das Wesentliche hinaus ohne Anleitung gearbeitet worden ist. Das Wesentliche wird von dem Lehrer bzw. der Lehrerin mit Bezug auf Lehrplan und Stand des Unterrichts definiert. In den Paragrafen 3 bis 10 der LBVO finden wir eine übersichtliche Auflistung aller Leistungsfeststellungen beziehungsweise die Auskünfte, in welchen Schularten auf welche Art und Weise sie zum Einsatz kommen. Während mündliche Prüfungen (auch auf Wunsch von Schülerinnen und Schülern) erst ab der 5. Schulstufe erlaubt sind, können schriftliche Prüfungen mit Ausnahme von Bewegung und Sport, Bildnerischer Erziehung, Geometrischem Zeichnen und Werkerziehung unter Berücksichtigung der allgemeinen Grundsätze auf allen Schulstufen erfolgen. Zu diesen im Klassenbuch dokumentierten Leistungsfeststellungen gehören Diktate und Tests, die ein in sich abgeschlossenes


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Stoffgebiet abprüfen. Schularbeiten sind nicht die zentrale Leistungsfeststellung, gehören aber zu den am meisten reglementierten (§§ 7 und 16 LBVO).

Sind schriftliche Wiederholungen und Lernzielkontrollen genauso wie Tests in Anzahl und Dauer beschränkt? Diese Frage ist ein Dauerbrenner in Lehrerkonferenzen und ganz klar mit „Nein“ zu beantworten. Im Unterschied zu Tests dürfen sie auch in Schularbeitsgegenständen stattfinden, weil sie als Informationsfeststellungen eingesetzt werden. Diese dienen Lehrerinnen und Lehrern ebenso wie Schülerinnen und Schülern als Feedback in der Leistungsdiagnostik und steuern das Lernen, das Lehren und die Unterrichts- sowie Prüfungsvorbereitung. Da sie in der LBVO (§ 1, Abs. 2) explizit als Leistungsfeststellung ausgenommen sind, sind sie nicht mit den in der LBVO angeführten Beurteilungsstufen zu bewerten, und sie dürfen nicht als Befund für die Leistungsbeurteilung herangezogen werden. Mitarbeit, zentrales Element der Leistungsbeurteilung Die Feststellung der Mitarbeit des Schülers bzw. der Schülerin im Unterricht umfasst den Gesamtbereich der Unterrichtsarbeit in den einzelnen Unterrichtsgegenständen und erfasst: • in die Unterrichtsarbeit eingebundene mündliche, schriftliche, praktische und grafische Leistungen, • Leistungen im Zusammenhang mit der Sicherung des

Unterrichtsertrages einschließlich der Bearbeitung von Hausübungen, • Leistungen bei der Erarbeitung neuer Lehrstoffe, • Leistungen im Zusammenhang mit dem Erfassen und Verstehen von unterrichtlichen Sachverhalten, • Leistungen im Zusammenhang mit der Fähigkeit, Erarbeitetes richtig einzuordnen und anzuwenden. Bei der Mitarbeit sind Leistungen, die Schüler/-innen in Alleinarbeit erbringen, und Leistungen in der Gruppenund Partnerarbeit zu berücksichtigen. Der Grundsatz der Individualbeurteilung bleibt aufrecht. Die LBVO sieht keine Kollektivnote vor. Einzelne Leistungen (punktuelles Feststellen der Mitarbeit) im Rahmen der Mitarbeit sind nicht gesondert zu benoten. Das Gesetz spricht von einer ständigen Beobachtung der Mitarbeit im Unterricht. Aufzeichnungen über diese Leistungen (z. B. in kodierter Form: +, –, 1, 0 …) sind so oft und so eingehend vorzunehmen, wie dies für die Leistungsbeurteilung erforderlich ist. Über die Art und Häufigkeit gibt es keine Vorschriften. Sie sollten eine Vielzahl von Leistungsdaten und Leis­tungsarten umfassen. Weiters ist von Lehrerinnen und Lehrern zu beachten, inwieweit sie Mitarbeitsleistungen objektiv erfassen können, denn die im Unterricht wahrgenommenen Interaktionen können aufgrund der unterschiedlichen Positionierung einzelner Schüler/-innen im Beziehungsgeflecht von Lehrenden und Klasse auch unterschiedlich bewertet werden. Um dem bewusst entgegenzuarbeiten, sind Aufzeichnungen am besten am Stundenende zu führen. Die Beurteilung


mit leidenschaft für unsere lehrer/-innen

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erfolgt erst zu Semesterende, wenn die Aufzeichnungen zu einem Gesamtbild in Form einer Mitarbeitsnote zu verdichten sind.

Was ist bei „Hausübungen als Teil der Mitarbeit“ zu berücksichtigen? Lehrer/-innen können, müssen aber Hausübungen nicht aufgeben. Der Sinn von Hausübungen liegt in der Festigung von Lerninhalten und Erarbeitung von Aufgaben ohne Hilfe anderer. Da es unkontrollierbare Faktoren wie Eltern, Abschreibverhalten etc. gibt, sind Hausübungen eher ein Mittel der Lernsteuerung als der Leistungsbeurteilung. Bei der Vergabe von Hausübungen ist die Belastbarkeit der Schüler/-innen mit Rücksicht auf die übrigen Unterrichtsfächer und die Schulveranstaltungen sowie das „Bearbeitungsverbot“ an Samstagen, Sonn-, Feier- und Ferientagen zu beachten. In Schulen mit Fachlehrersys­ tem obliegt die Koordination dem Klassenvorstand (§ 54). Beurteilung der äuSSeren Form und des Verhaltens in der Schule § 14 LBVO zählt sowohl für die Volksschule als auch für die Sekundarstufe die Gegenstände auf, in denen die äußere Form Bestandteil der Leistung in der Leistungsbeurteilung ist. Dazu zählen unter anderem Schreiben, Werkerziehung, Geometrisches/Technisches Zeichnen sowie Ernährung und Haushalt. Die grundsätzlichen Vorgaben zur „Verhaltensnote“ finden sich in § 18 LBVO. Eine Beurteilung erfolgt demnach nur in der Schulnachricht und im Jahreszeugnis der 5. bis 7. Schulstufe, ausgenommen der Schüler bzw. die Schülerin verlässt infolge der Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht die Schule. Mit vier Beurteilungsstufen von „sehr zufriedenstellend“ bis „nicht zufriedenstellend“ wird wiedergegeben, inwieweit das persönliche Verhalten und die Einordnung in die Klassengemeinschaft den Anforderungen der Schulordnung entsprechen. Beurteilungsskala auf der 7. und 8. Schulstufe in der Neuen Mittelschule Die Unterscheidung in „vertieft“ bzw. „grundlegend“ findet ausschließlich bei der „Benotung“ statt. Sie hat keine Auswirkung auf die Durchführung von Leistungsfeststellungen sowie das Unterrichtssetting und teilt Schülerinnen und Schülern auf keinen Fall zwei Qualitäten zu. § 14a LBVO regelt den Wechsel innerhalb des neuen Schemas:

 

 

Grundlegende     Allgemeinbildung       Sehr  Gut   Gut   Befriedigend   Genügend   Nicht  Genügend  

Vertiefte   Allgemeinbildung   Sehr  Gut   Gut   Befriedigend   Genügend        

Schüler/-innen, die nicht einmal mit „genügend“ nach den   Gesichtspunkten der vertieften Allgemeinbildung benotet werden können, sind nach den Anforderungen der grundlegenden Allgemeinbildung zu beurteilen. Bei Schülern und Schülerinnen, die die Anforderungen im Bereich der grundlegenden Allgemeinbildung mindestens mit „gut“ erfüllen, hat die Beurteilung nach den Anforderungen der vertieften Allgemeinbildung zu erfolgen. Prinzipiell werden alle Schüler/-innen in allen Klassen grundlegend und vertieft unterrichtet. Der Zugang zu allen Lernmöglichkeiten soll für alle Schüler/-innen sichergestellt werden. Unterschiedliche Aufgabenstellungen nach grundlegender bzw. vertiefter Allgemeinbildung sind bei Leistungsfeststellungen nicht vorzusehen. Die Differenzierungsform im Unterricht wird durch die Lehrer/-innen in Deutsch, Mathematik und lebender Fremdsprache in Koordination mit der Schulleitung gewählt (§ 31a: Unter anderem sind die Förderung in temporär gebildeten Schülergruppen oder in Förder- und Leistungskursen oder das Teamteaching möglich.)

Immer Ärger mit dem Fleck? Die Jahresbeurteilung und ihre Rechtsfolgen Das SchUG orientiert die Rechtsfolgen einer Leistungsbeurteilung nicht an der Beurteilungsstufe, sondern an der Aufstiegsberechtigung in die nächsthöhere Schulstufe. § 25, Abs. 1 Ein Schüler ist zum Aufsteigen in die nächsthöhere Schulstufe berechtigt, wenn er die Schulstufe erfolgreich abgeschlossen hat. In folgenden Fällen hat ein Schulkind eine Schulstufe abgeschlossen: 1) Im Jahreszeugnis sind alle Pflichtgegenstände positiv beurteilt.

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2) Das Jahreszeugnis weist im Wiederholungsfall ein „nicht genügend“ in einem Gegenstand auf, der vor der Wiederholung zumindest mit „befriedigend“ beurteilt worden ist. 3) Das Jahreszeugnis weist ein „nicht genügend“ auf, wird aber mit Aufstiegsklausel versehen, wenn • derselbe Pflichtgegenstand nicht schon auf der vorangegangenen Schulstufe mit „nicht genügend“ beurteilt worden ist • und dieser Gegenstand in einer höheren Schulstufe dieser Schulart vorgesehen ist • und die Klassenkonferenz dem Schüler auf- grund der Leistungen in den anderen Gegen- ständen Leistungsreserven bescheinigt. Ohne Rücksicht auf die Jahresbeurteilung sind Schüler/innen der 1. Schulstufe, Schüler/-innen von Volksschulen und Sonderschulen ohne Rücksicht auf die Beurteilung in Musikerziehung, Bildnerischer Erziehung, Schreiben, Werkerziehung, Ernährung und Haushalt sowie Bewegung und Sport sowie Schüler/-innen mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf oder Schüler/-innen, die einen Sprachförderkurs besucht haben, wenn dies für den Schüler bzw. die Schülerin insgesamt eine bessere Entwicklungsmöglichkeit bietet, zum Aufsteigen berechtigt. In den beiden zuletzt genannten Fällen entscheidet die Klassenkonferenz gemäß § 20 Abs. 6. Wiederholungsprüfungen dürfen in maximal zwei Pflichtgegenständen abgelegt werden. Als Checkliste für gesetzeskonforme Wiederholungsprüfungen sind § 23 SchUG und § 22 LBVO heranzuziehen. Fallbeispiel 1: Ein Schüler hat in der NMS ein „nicht genügend“ in Mathematik. Er bekommt die Klausel zum Aufsteigen. Er könnte trotzdem eine Wiederholungsprüfung machen. Ist diese positiv, dann bekommt er ein neues Zeugnis, in dem die Jahresbeurteilung bestenfalls mit „befriedigend“ erfolgen kann. Vorteil: Sollte im nächsten Jahr dieser Gegenstand wieder negativ benotet sein, kann er trotz negativer Beurteilung aufsteigen (wenn es keine zweite negative Beurteilung gibt). Geht die Wiederholungsprüfung negativ aus, kann er trotzdem aufsteigen, darf aber im nächsten Jahr in diesem Gegenstand kein „nicht genügend“ mehr haben.

Fallbeispiel 2: Eine Schülerin hat zwei „nicht genügend“, sie kann zu zwei Wiederholungsprüfungen antreten. Fällt eine negativ aus und eine positiv, dann entscheidet die Klassenkonferenz über das Aufsteigen. Bei der Entscheidung zum Aufsteigen wird auch geprüft, ob die Leistungen in den übrigen Pflichtgegenständen eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht gewährleisten. Fallbeispiel 3: Ein Schüler wiederholt eine Schulstufe. Er hat im Wiederholungsjahr erneut ein „nicht genügend“ in einem Pflichtgegenstand. Hat er aber diesen Gegenstand im Vorjahr zumindest mit einem „befriedigend“ abgeschlossen, erhält er die Berechtigung zum Aufsteigen!

Sonderfall „Nicht beurteilt“ Nach § 20, Abs. 2 tritt dieser ein, wenn ein längeres Fernbleiben des Schülers bzw. der Schülerin eine sichere Beurteilung unmöglich macht. Das Gesetz nennt keine prozentuelle oder absolute Mindestanwesenheit. Das heißt, ein Schüler kann auch wenig, aber gezielt fehlen. Eine zu dokumentierende Feststellungsprüfung nach den Regeln von Wiederholungsprüfungen ist die Folge. Die Verständigung vom Prüfungstermin hat zwei Wochen zuvor zu erfolgen. Bei ungerechtfertigtem Nichtantritt ist ins Jahreszeugnis „nicht beurteilt“ einzutragen. Eine negativ abgelegte Prüfung führt zu einem „nicht genügend“ im Zeugnis. Ein gerechtfertigter Nichtantritt führt zu einer Nachtragsprüfung. Die Erziehungsberechtigten sind gemäß § 19 mittels Schulnachrichten, Elternsprechtagen oder Einzelaussprachen über den Leistungsstand ihres Kindes zu informieren. Mit dem Frühwarnsystem sind die Eltern ab November beziehungsweise April hinsichtlich eines drohenden „Flecks“ zu alarmieren und zu einem Beratungsgespräch hinsichtlich der Fördermöglichkeiten einzuladen. Alles Weitere zum Regelwerk für den Schulalltag in einer der nächsten Ausgaben der „aps“. Sie müssen unbedingt lesen, wie es weitergeht. Reaktionen und Fragen bitte an: thomas.bulant@goed.at *) Bei Gesetzeszitaten ohne Angabe des Gesetzeswerks ist immer das Schulunterrichtsgesetz gemeint.


Ju CHRISTOPH LIEBHART MEDIENREFERENT DER GEWERKSCHAFT PFLICHTSCHULLEHRERINNEN UND PFLICHTSCHULLEHRER MICHAEL WEBER ZENTRALAUSSCHUSS APS OBERÖSTERREICH 1-12

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Der GÖD-Rechtsschutz – eine Serviceleistung exklusiv für Mitglieder Der GÖD-Rechtsschutz erstreckt sich auf alle Angelegenheiten des Berufslebens und deckt ein breites Leistungsspektrum ab: • Rechtsberatung und Vertretung vor Gerichten, Ämtern und Behörden • Vertretung in Dienstrechtsverfahren • Vertretung in Zivilverfahren mit dienstlichem Zusammenhang • Vertretung bei Arbeits- und Sozialgerichtsverfahren • Verteidigung in Strafverfahren • Verteidigung in Disziplinarverfahren • Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshofbeschwerden

Bei welchen juristischen Problemen kann ich den GÖD-Rechtsschutz in Anspruch nehmen? GÖD-Mitglieder erhalten in allen Angelegenheiten, die mit dem Dienstverhältnis in unmittelbarem Zusammenhang stehen, Rechtsschutz. Ausnahmen sind Rechtsstreitig­keiten zwischen Gewerkschaftsmitgliedern – hier wird grundsätzlich kein Rechtsschutz gewährt. Ich bin doch schon versichert. Wofür soll das gut sein? Die GÖD bietet ihren Mitgliedern einen speziell auf die Anforderungen des Öffentlichen Dienstes zugeschnittenen Rechtsschutz. Schließlich lassen sich leider nicht alle Ausei­ nandersetzungen und Konflikte im Guten lösen, und so kann es passieren, dass Lehrer/-innen den Rechtsweg beschreiten müssen, wenn sie z. B. mit Beschuldigungen von Seiten der Eltern konfrontiert werden. Wann kann ich den GÖD-Rechtsschutz in Anspruch nehmen? Für Auskünfte und Beratungen stehen die Juristinnen und Juristen der GÖD ab dem Beitritt zur Verfügung. Nach sechsmonatiger Mitgliedschaft (Beitragswahrheit) kann der GÖDRechtsschutz in Anspruch genommen werden. Voraussetzung ist lediglich, dass der Rechtsschutzfall nicht vor dieser Frist entstanden ist. An wen kann ich mich im Bedarfsfall wenden? • Zuerst setzen Sie sich mit Ihrer zuständigen Personal- bzw. Gewerkschaftsvertreterin bzw. Ihrem zuständigen Personal- bzw. Gewerkschaftsvertreter in Verbindung. Von ihnen

bekommen Sie ein Rechtsschutzansuchen, das Sie ausgefüllt zurück an die gewerkschaftliche Landesleitung schicken. • Sie können das Rechtsschutzansuchen auch im Service­ bereich der GÖD-Homepage (www.goed.at) herunterladen. • Ganz wichtig ist die Angabe einer Telefonnummer, unter der Sie erreichbar sind, sowie eine kurze Darstellung Ihres Falles auf höchstens einer halben DIN-A4-Seite, in der Sie erklären, was passiert ist und was Ihr Anliegen ist. • Ihr Ansuchen wird an die GÖD-Zentrale in Wien weiterge­ leitet, wo entschieden wird, ob Ihnen Rechtsschutz gewährt wird. • Eine Juristin bzw. ein Jurist der GÖD-Rechtsabteilung nimmt anschließend Kontakt mit Ihnen auf, um das weitere Vor­ gehen zu besprechen.

Was muss ich dafür bezahlen? Gar nichts oder einen Teil der Kosten, das liegt in Ihrer Hand: Nachdem Ihr Rechtsansuchen bewilligt wurde, können Sie wählen, ob Sie einen von der GÖD vermittelten Vertrauensanwalt oder einen selbst gewählten Anwalt mit dem Fall betrauen wollen. Entscheiden Sie sich für einen GÖD-Vertrauensanwalt, ist der Rechtsschutz zur Gänze kostenlos. Wenn Sie sich lieber von einem selbst gewählten Anwalt vertreten lassen möchten, stellt dies auch kein Problem dar: Sie erhalten einen Beitrag für die entstandenen Kosten, sie werden aber nicht zur Gänze übernommen. Übrigens: Selbst wenn ein Prozess ungünstig ausgeht, übernimmt der GÖD-Rechtsschutz allfällige Kosten. Dies können Rechtsanwaltskosten, die Kosten des Gegners, aber auch Sachverständigen- und Gerichtsgebühren sein. Wie stehen die Chancen, zu meinem Recht zu kommen? Ziemlich gut, wenn man die Jahresberichte der GÖD-Rechtsabteilung studiert: In bis zu 80 Prozent der Fälle wurden z. B. bei Strafverfahren Freisprüche oder sogar die Einstellung der Verfahren erreicht. Im Bereich Verwaltungsgerichtshofbeschwerden wurde in 60 Prozent der Fälle eine Aufhebung der angefochtenen Bescheide erreicht. Insgesamt erstritt der GÖD-Rechtsschutz in den letzten Jahren Summen von mehreren Millionen Euro an Nachzahlungen für die Mitglieder. Folglich stehen für Sie die Chancen nicht schlecht, dass auch Sie zu Ihrem Recht kommen!

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Berichtigung: Sieger der Kategorie Pflanzen ist Franz Stütz Im Artikel „2. Fotowettbewerb der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst“ in der „aps“-Februar-Ausgabe Foto: Franz Stütz

1/2014 ist uns ein Malheur passiert: Wir haben einen Nachnamen vertauscht. Der Sieger in der Kategorie Pflanzen muss Franz Stütz heißen. Wir bitten dieses Missgeschick zu entschuldigen und gratulieren an dieser Stelle allen Siegern noch mal herzlich!

Telefonische Adressenberichtigung: 01/534 54-131 oder 132 P. b. b., Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien, GZ 03Z035304M


aps Magazin 02/2014