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PFLEGE

13.000 Gründe für strukturelle Gewalt gegenüber Menschen mit Demenz und ihren Pflegenden „Das Herz will, aber die Hände können nicht.“

wissen Strategien zu bewältigen. Gewalt zwischen demenziell erkrankten Bewohner*innen eines Pflegeheims untereinanies ist kein Zitat von Jens Spahn. der ist aufgrund des gegenseitigen UnverVielmehr das einer über achtzigjähmögens zur Einsicht und zur Umsetzung gewaltvermeidender Strategien eine berigen Bewohnerin in einer stationären Einrichtung für Menschen mit Desondere Krux. menz. Sie hätte so gerne ihrem MitbewohZum einen verliert der Mensch mit ner geholfen, der verzweifelt versucht, die der Erkrankung meist die Fähigkeit zur Beviel zu kleinen Schuhe anzuziehen, von rücksichtigung gewisser sozialer Verhaldenen er glaubt, es wären seine. Das kann tensregeln – statt gefällig ist er wahrhaftig wütend machen, wenn so etwas Triviales und echt. Dass „das hier ein miserabler wie das Schuhe anziehen nicht mehr geFraß“ ist, ist gefühlt für den einen genau so ― lingt und dann wird man auch noch beobwahr wie für den anderen die gebrüllte Gabi Strauhal Dipl. Soz. Päd. (FH), achtet von dieser feinen alten Dame, mit Aussage, dass „nie einer kommt, wenn man Qualität & Ethik der es sicher schön wäre jetzt spazieren zu jemanden braucht“. Ethikberaterin im Gesundheitswesen gehen. Schon fliegt der Schuh mit beachtDie Mitarbeiter*innen benötigen desGesprächsbegleiterin ACP licher Dynamik Richtung Türe, durch die halb Schulungen zum Krankheitsbild, die AWO Demenz Zentrum Wolfratshausen gerade die Pflegekraft kommt - die das Fähigkeit zur Toleranz, eine große Portion Dilemma ahnte – und trifft. Der Schwung­ Gelassenheit und die Eignung sowie das arm hingegen verfehlt die betagte Mitbewohnerin für dieses Vermögen zur ethischen Auseinandersetzung und SelbstreMal sehr knapp. flexion. Mitbewohner*innen kann man nicht mehr schulen. Da Eine von vielen Situationen, wie sie so und ähnlich in fliegt beim Frühstück schon mal die Tasse über die gedeckte unzähligen Variationen den ganz normalen Alltag in einem Tafel, wenn sich der Tischnachbar lieber die Salami des GePflegeheim für Menschen mit Demenz bestimmen können. genübers vom Teller rupft als die eigene. Generell ist die unGewalt verläuft dabei meist in unterschiedlichen Dimensiomittelbare Bedürfniserfüllung ein bedeutender Aspekt zum nen, schaukelt sich auf oder schließt sich in einem nur schwer aufzubrechenden Kreislauf. Thema Gewalt. Sich ungehemmt zu nehmen, was gefällt, tut auch dem Betroffenen nicht gut, wenn es zu Repressalien kommt. Von der personellen Gewalt … Doch nicht nur zwischen Pflegenden und Bewohner*innen Insbesondere wenn es um sexuelle Bedürfnisse geht, gilt kann es zu Formen von Gewalt kommen. Auch unter den Bees besonders aufmerksam zu sein. Eine ganz wunderbare Newohner*innen selbst entstehen täglich Settings, die von Gebenwirkung des mitunter enthemmten Verhaltens ist die Tatsache, dass es unter demenziell erkrankten Menschen walt geprägt sind, so wie in jeder anderen Einrichtung, in der häufig zu Beziehungen kommt. Die Charta der Rechte für Menschen zusammen kommen (Kindergarten, Schule, Pflegeheim …). Diese Gewalt kann unterschiedliche Gesichter hilfs- und pflegebedürftige Menschen hat das Recht auf die annehmen. Gewaltbeziehungen zwischen Pflegenden oder eigenständige Entscheidung über intime und sexuelle Beziepflegenden Angehörigen und demenziell erkrankten Menhungen und Aktivitäten sowie das Recht auf Rückzug und Privatheit festgelegt. Dies gilt uneingeschränkt natürlich schen sind im Kreislauf der Gewalt je nach Ursache mit geF O T O : P R I VAT

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Pflege in Bayern Ausgabe 53  

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