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PFLEGE

Gewalt in der Pflege – eine andere Perspektive

F O T O : P R I VAT

Über Gewalt im Gesundheitssystem gibt es in den Medien viele Veröffentlichungen. Vermissen kann man in den Publikationen die Perspektive der Pflegekräfte. Ihre Erfahrungen werden in diesem Artikel in den Fokus genommen, denn manchmal üben auch Bewohner und Angehörige gegenüber Pflegekräften Gewalt aus.

― Eva Hegele Altenpflegerin Lehrerin für Pflegeberufe Gesundheits- und Sozialmanagerin B. A. Referentin für den stationären Pflegebereich der Diakonie Württemberg hegele.e@diakonie-wuerttemberg.de

Gewalt gegen Pflegekräfte Pflegekräfte erleben verschiedene Formen von Gewalt. Sie berichten von zu pflegenden Männern, die sie an Po und Brust anfassen und anzügliche Bemerkungen machen. Manche Pflegerinnen versuchen humorvoll zu reagieren, andere können mit dieser belastenden Situation nicht umgehen. Junge Frauen mit Migrationshintergrund haben teilweise bereits schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Es fällt ihnen schwer, (übergriffige) Bewohner zu pflegen. „Darauf nehmen wir so gut es geht Rücksicht. Wir führen die Kolleginnen langsam an die Pflege heran und schulen sie, mit diesen Männern umzugehen. So erleben sie, dass Pflegekräfte nicht alles dulden müssen“, führt eine Einrichtungsleitung aus. Eine Pflegekraft erzählt von der täglichen Körperpflege bei einer demenziell erkrankten Dame. „Ich war einfach ständig damit beschäftigt, den Händen der Dame auszuweichen, damit sie meine Haare nicht erwischt oder mich zu fassen bekommt. Ich bin laufend nach vorne oder hinten und zur Seite ausgewichen. Das hat sicherlich sehr lustig ausgesehen. Ich kann damit

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aber gut umgehen, denn nach 29 Jahren Berufserfahrung weiß ich, sie meint mit ihrem Verhalten eigentlich nicht mich! Ich fühle mich nicht geschlagen, deshalb empfinde ich es auch nicht unbedingt als Gewalt. Jungen Mitarbeiterinnen fällt dies aber manchmal schwer.“ Gewaltsituationen werden unterschiedlich empfunden: „Wir sind keine Maschinen und unser Nervenkostüm ist jeden Tag ein wenig anders belastbar. Manchmal stecke ich verbale Angriffe gut weg, an anderen Tagen belasten sie mich sehr,“ erläutert eine Pflegekraft. Eine andere erzählt, dass ihr seinerzeit eine demente Patientin in den Arm gekrallt habe. Im Affekt hatte sie der Dame auf die Finger gehauen, sie war entsetzt über sich. Heute reagiert sie in solchen Situationen gelassener. Bei einer Auszubildenden im ersten Lehrjahr wurde ein Patient nach einem arglosen Geplänkel übergriffig. Als junge Frau war sie mit der Situation überfordert. Was professionelle Distanz ist und wie man sie wahrt, wusste sie damals als Lernschwester noch nicht. Mehrere Pflegekräfte berichten von ähnlichen Situationen, die sie in jungen Jahren erlebt haben. „Als junge

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Pflege in Bayern Ausgabe 53  

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