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PFLEGE

Auch hinsichtlich des Erlebens gibt es nur wenig Unterschiede. So wird berichtet, dass die Häufigkeit des Sexualverkehrs im Alter nur wenig abnimmt. Dies ist jedoch maßgeblich davon abhängig, ob ein Partner bzw. eine Partnerin vorhanden ist (Heidenblut & Zank 2012). Wir passen uns den gegebenen Umständen im Alter an. Haben wir keine Sexualpartnerin bzw. keinen Sexualpartner, dann erscheint uns Sexualität auch weniger wichtig und wenn wir einen Partner haben, mit dem wegen Krankheit kaum bis keine Sexualität möglich ist, dann erscheint uns Sexualität ebenfalls nicht mehr so wichtig (Heidenblut & Zank 2012). Aber wann wissen wir, ob Sexualität und Intimität noch eine Rolle spielen? In den Anamnesebögen in der Langzeitpflege wird so etwas nicht abgefragt (McAuliffe et al. 2012). Ist es unpassend, so etwas zu fragen? Wir inte­ ressieren uns zwar für die verschiedensten Formen der Ausscheidung und für alle möglichen Bedürfnisse, aber fällt es uns wirklich so schwer, Fragen über die sexuelle Gesundheit zu stellen? Dabei könnte diese Frage durchaus das eine oder andere Problem oder Missverständnis lösen. Die Auseinandersetzung und Bearbeitung der Thematik „Sexualität im Alter“ ist fester Bestandteil der theoretischen Ausbildung in der Altenpflege. Im zweiten Ausbildungsjahr beschäftigen sich die Schüler*innen nicht nur mit den zuvor beschriebenen Definitionen zum Thema sowie den altersbedingten Veränderungen und möglichen Einschränkungen, sondern auch mit den Bedürfnissen alter Menschen. In diesem Kontext reflektieren die Schüler*innen Situationen aus ihren praktischen Erfahrungen und analysieren in gemeinschaftlicher Arbeit die Bedürfnisse und Erwartungen der unterschiedlichen Akteure (zu Pflegende, Pflegekräfte, Angehörige, Institutionen) in der Pflege. Die Betrachtung der Ergebnisse führt die Schüler*innen in die Wahrnehmung und Reflexion unterschiedlichster Spannungsfelder. So beschreiben z. B. Schüler*innen einer Altenpflegeklasse, dass ihnen ihr pflegerischer und fachlicher Auftrag sehr deutlich ist, aber das Bewusstsein der eigenen Bedürfnisse in intimen Pflegesituationen mit pflegebedürftigen Personen in der ambulanten und

stationären Langzeitpflege bereits ein Spannungsfeld darstellt. Zudem werden Unklarheiten und auch Unsicherheiten benannt, wenn es darum geht, wie mit einer Situation umgegangen werden kann oder soll, wenn unterschiedlichste Bedürfnisse nach Nähe, Zuwendung und Befriedigung durch pflegebedürftige Personen benannt, gezeigt oder auch durch körperliche Aktivitäten geäußert oder gezeigt werden. In solchen Situationen spüren die angehenden Fachkräfte für Altenpflege deutlich das Dilemma einer z. B. fachlich korrekten Durchführung der Intimpflege vs. dem eigenen Bedürfnis nach Sicherheit und Distanz (vgl. Grond 2011). Die Abbildung 1 verdeutlicht benannte Situationen bzw. Ursachen aus den pflegerischen Erfahrungen der Schüler*innen, welche sie mit den Gefühlen der Bedrängung, Unsicherheit, Überforderung und gleichzeitig mit dem Bewusstsein für die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen (Klienten) und den Kollegen*innen (Pflegeteam) wahrnehmen.

Klienten

Pflegeteam

sexuelle Äußerungen gegebüber Pflegekräften

zu enge Kleidung der Kollegen*innen, setzen Reize

Pflegekräfte

Empfinden pflegerische Handlungen als Störung der Intimsphäre des ­Pflegebedürftigen

Tabuisierung der Thematik, kein offener Austausch gezielte Berührungen bei Pflegekräften

pflegerische Handlungen im Intimbereich erzeugen ungewollt Erektionen nehmen Offenbarungen zu sexuellen Übergriffen nicht ernst

männliche Klienten erfragen und bevorzugen gezielt ­ eibliches Pflege­personal w

bewusstes Zurückhalten von Informationen in Bezug auf sexuell an­näherndes Verhalten von Klienten

Abb. 1 Situationen bzw. Ursachen aus den pflegerischen Erfahrungen der Schüler*innen einer Altenpflegeklasse (eigene Darstellung 2019)

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pflegerische Handlungen fach- und sachgerecht umsetzen wollen, aber Nähe und Distanz nicht wahren können

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Pflege in Bayern Ausgabe 53  

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