__MAIN_TEXT__

Page 1

Ausgabe 53 — 1.2020

Pflege in Bayern Fachzeitschrift für ambulante und stationäre Pflege in Bayern

Eva Hegele

Sabine Mühling-Wechsler

Susanne Krempl

Gewalt in der Pflege – eine andere Perspektive

Gewalt hat viele Gesichter

… Prävention und Aufarbeitung von Gewalt haben eine hohe Priorität


Bildungswerk Irsee www.bildungswerk-irsee.de

Das Bildungswerk Irsee ist das zentrale Bildungsinstitut des Bayerischen Bezirketags, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bezirke, ihrer Gesundheitsunternehmen sowie weiteren Interessenten vielfältige Programme zur beruflichen Fort- und Weiterbildung anbietet. Für unseren Dienstsitz in Kloster Irsee suchen wir zum 1. September 2020

einen Bildungsreferenten (w/m/d) für die Bereiche Pflege & therapeutische Dienste Wir setzen voraus: f f f

eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachkraft mit Berufserfahrung, vorzugsweise im Bereich Psychiatrie, eine akademische Qualifikation durch Abschluss eines Studiengangs im Bereich Pflege oder Humanwissenschaften sowie Berufserfahrung in der Bildungsarbeit.

Ihr Tätigkeitsfeld umfasst: f f f

die Konzeption, Durchführung und Leitung von berufsgruppenspezifischen wie -übergreifenden Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten, die Entwicklung interdisziplinärer Fort- und Weiterbildungsangebote sowie die Mitwirkung am Gesamtprogramm des Bildungswerks.

Die Freude an der Gestaltung und Umsetzung von beruflichen Fort- und Weiterbildungen, die Mitarbeit in einem multiprofessionellen Team, die

Vernetzung mit anderen Trägerschaften sowie die Identifikation mit den Zielen wie Aufgaben des Bayerischen Bezirketags werden vorausgesetzt. Die Vergütung der Vollzeitstelle, die bei Bedarf teilbar ist, richtet sich nach TVöD VKA und umfasst eine attraktive betriebliche Altersvorsorge. Bewerbungen von Menschen mit Schwerbehinderung sind erwünscht. Ihre Bewerbung richten Sie bitte bis zum 1. März 2020 in schriftlicher Form an den Leiter des Bildungswerks, Dr. Stefan Raueiser (stefan.raueiser@kloster-irsee.de), der Ihnen auch als Ansprechpartner zur Verfügung steht.


EDITORIAL

F O T O : P R I VAT

Inhalt 1.2020

Gewalt in der Pflege …

… ist von hoher gesellschafts- und gesundheitspolitischer Bedeutung, nicht zuletzt auch aufgrund der demografischen Entwicklung. Das Thema wurde in den letzten Jahren wissenschaftlich intensiv beleuchtet. Aggression und Gewalt gehören für viele Beschäftigte aus Pflege- und Betreuungsberufen zum beruflichen Alltag. Um einen Überblick über das Vorkommen von Gewalt und Aggression in den helfenden Berufen zu bekommen, wollen wir in dieser Ausgabe über die verschiedenen Formen von Gewalt berichten. Überall, wo der tägliche enge Kontakt zwischen Pflegebedürftigen, Pflegenden und Angehörigen von Abhängigkeit, Frustration und Zeitmangel bestimmt wird, findet Aggression statt. Gewalthandlungen sind meist Ausdruck von Hilflosigkeit, Scham, Ohnmacht, Überforderung und mangelhafter Unterstützung. Beschimpfungen, Drohungen, körperliche Gewalt, sexuelle Belästigungen – die Bandbreite der Vorfälle ist groß, mit denen die Pflegekräfte bei ihrer Arbeit konfrontiert werden. Ich möchte an dieser Stelle aber unbedingt betonen, dass es weit mehr Momente der Freude und positiver Beziehungsgestaltung im täglichen Umgang mit den zu Pflegenden gibt. Die Allermeisten haben das Herz am rechten Fleck! Zum Beginn des neuen Jahres 2020 darf ich allen meinen Anzeigenkunden, Leserinnen und Lesern sowie den Autorinnen und Autoren der einzelnen Ausgaben ein gesundes, erfolgreiches und gutes Jahr wünschen.

04

Pflege/Recht

06

Pflege

08

Pflege

10

Pflege

13

Pflege

15

Pflege

18

Veranstaltungen

Gewalt hat viele Gesichter Gewalt in der Pflege – eine andere Perspektive 13.000 Gründe für strukturelle Gewalt gegenüber Menschen mit Demenz und ihren Pflegenden Sexualität im Alter – „Normalität oder Spannungsfeld?“ Organisationsentwicklung in der stationären Langzeitpflege – Prävention und Aufarbeitung von Gewalt in der Pflege haben eine hohe Priorität Wie ein positiver, konfliktfreier Umgang miteinander gelingt Bildungsmanager Februar 2020 – April 2020

Herzliche Grüße Ihre

Johanna Pleyer

Impressum Herausgeber und Redaktionsleitung

Kooperationspartner

Anzeigen

Johanna Pleyer

Bayer. Hospiz- und Palliativverband

Johanna Pleyer

Heinrich-Heine-Straße 10

bpa-Landesgruppe Bayern

Telefon: 08531 134 673

94060 Pocking

Bürgerinitiative Pro Altenpflege e. V.

E-Mail: info@pflegeinbayern.de

Telefon: 08531 134 673

Deutsche Alzheimergesellschaft,

E-Mail: info@pflegeinbayern.de

Landesverband Bayern

Druck

www.pflegeinbayern.de

Grafische Gestaltung

Würzburg

Jahres-Abo

Manuel Kreuzer

€ 35,00 (€ 20,00 für Schüler/Mitglieder

Büro für visuelle Gestaltung

Haftung

unserer Kooperationspartner gegen Nachweis)

Telefon: 0851 966 999 00

zzgl. MwSt. und Versandkosten

www.mkreuzer.de

Erscheinung

Titelbild

4x jährlich

shutterstock.com, Robert Kneschke

Flyeralarm GmbH

Für Inhalte und Gestaltung kann keine Gewähr übernommen werden. Haftung ist ausgeschlossen. Alle Rechte sind dem Herausgeber vorbehalten.

3


Gewalt hat viele

Gesichter 10.000 ältere Menschen werden laut Statistiken in Europa täglich misshandelt – von Pflegenden, Angehörigen oder anderen Personen. Gewalt kann im Pflegeheim, im Krankenhaus oder zu Hause auftreten. Zudem kann die Gewalt auch von den Pflegebedürftigen selbst ausgehen.

F O T O : P R I VAT

PFLEGE/RECHT

― Sabine Mühling-Wechsler Rechtsanwältin Ludwigstr. 23 | 91126 Schwabach Telefon: 09122 8890655 E-Mail: kanzlei_smw@outlook.de

wehren oder sind vielleicht gar nicht mehr in der Lage, sich zu äußern. Die Weltgesundheits-Organisation WHO definiert Gewalt gegenüber älteren Menschen so: „Unter Gewalt gegen ältere Menschen versteht man eine einmalige oder wiederholte Handlung oder das Unterlassen einer angemessenen Reaktion im Rahmen einer Vertrauensbeziehung, wodurch einer älteren Person Schaden oder Leid zugefügt wird.“ Die Ebenen der Gewalt sind dabei weitreichend. Sie unterteilen sich dabei in

W

körperliche Gewalt → grob anfassen, schlagen, kratzen oder schütteln → unbequem hinsetzen oder hinlegen → unerlaubt oder häufig freiheitsentziehende Maßnahmen anwenden

as man als Gewalt empfindet, hängt von gesellschaftlichen Normen, kulturellen und sozialen Einflüssen und nicht zuletzt von persönlichen Werten ab. Gewalt hat viele Gesichter und fängt nicht erst da an, wo jemand handgreiflich wird und zuschlägt. Gewalt in der Pflege beginnt bereits dort, wo die Pflege mangelhaft ausgeführt wird oder notwendige pflegerische Maßnahmen unterlassen werden. Aber auch Handlungen gegen den Willen des Betroffenen und verbale Attacken stellen Gewalt dar. Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen umfasst alles, was ihnen körperlichen, seelischen oder auch finanziellen Schaden zufügt oder als Eingriff in die Selbstbestimmung pflegebedürftiger Menschen zu werten ist. Gewalt, Konflikte und Auseinandersetzungen sind im Zusammenleben von Menschen immer gegenwärtig, ganz besonders dort, wo Menschen betreut und versorgt werden. Dabei ist es unerheblich, ob die pflegebedürftige Person noch in ihrem eigenen Haushalt lebt oder in einer Pflegeeinrichtung. Vor allem ältere und pflegebedürftige Menschen sind aufgrund ihrer Gesamtsituation besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Sie sind auf die sie Pflegenden angewiesen und können sich nur schlecht oder unzureichend

psychische Gewalt → unangemessen ansprechen: anschreien, schimpfen oder rügen → missachten oder ignorieren → demütigen oder beleidigen → respektlose, despektierliche Sprache Vernachlässigung → schlecht pflegen oder medizinisch versorgen → unzureichend im Alltag helfen → emotionale Bedürfnisse übergehen finanzielle Ausnutzung → unbefugt über persönliches Vermögen verfügen → zu Geldgeschenken überreden oder nötigen → Geld oder Wertgegenstände entwenden

4


PFLEGE/RECHT

intime Übergriffe → Schamgefühle oder Intimsphäre verletzen → sexuelle Andeutungen machen → Intimkontakte verlangen oder erzwingen

grundsätzlich richterlich genehmigungspflichtig, d. h. können und dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn eine richterliche Genehmigung hierfür vorliegt. Eine freiheitsentziehende Maßnahme liegt dann vor, wenn einer sich in einer Anstalt, einem Heim oder einer sonstigen Einrichtung befindenden Person durch mechanische Vorrichtung wie etwa Fixierung, Sedierung oder auf andere Weise über einen längeren Zeitraum oder regelmäßig die Freiheit entzogen wird (§ 1906 Absatz 4 BGB). Eine solche freiheitsentziehende Maßnahme liegt nicht vor, wenn der Betroffene selbst in die Maßnahme einwilligt. Der Genehmigungspflicht des § 1906 BGB unterfallen neben Krankenhäusern, Sanatorien, Alten- und Pflegeheimen auch Einrichtungen des betreuten Wohnens. Eine freiheitsentziehende Maßnahme ist nur zulässig, sofern diese dem Wohl des Betroffenen dient. Zudem muss das anordnende Gericht der Überzeugung sein, dass die Maßnahme, welche häufig durch die Anwendung von Zwang und/ oder Gewalt durchgeführt wird, geeignet ist, die Gefährdungslage herabzusetzen. Auch bei erheblichen Gefahren für die körperliche Unversehrtheit des Pflegebedürftigen selbst sind freiheitsentziehende Maßnahmen zulässig. Bei Eilfällen ist richterliche Genehmigung entbehrlich, muss aber nachgeholt werden. Ein solcher Eilfall liegt vor, wenn sich eine Person unvorhergesehen erheblich selbst gefährdet, sodass ein sofortiges Handeln erforderlich ist und weder die notwendige Einwilligung noch ein richterlicher Beschluss abgewartet werden können. Auch die Hektik und der Druck des Alltags dürfen einen Pflegenden letztlich nicht vergessen lassen, dass aus der faktischen Übernahme von Schutz- oder Beistandspflichten, z. B. in der Pflege, sich eine Garantenstellung ergeben kann. Garanten haben die Pflicht, Schaden von den ihnen anvertrauten Person abzuwenden. Tun sie das nicht, machen sie sich z. B. wegen einer Körperverletzung durch Unterlassen schuldig und können bestraft werden. Pflegende müssen also handeln – ob bei notwendigen Maßnahmen oder beim Beobachten von Gewalt. Jedoch müssen sie sich im rechtlichen Rahmen bewegen. Sowohl das Überschreiten der rechtlichen Grenze zur Gewaltausübung als auch das Wegschauen bei Gewaltanwendung durch andere kann daher zu strafrechtlichen Konsequenzen führen. Wenn Sie Hinweise darauf haben, dass einem Pflegebedürftigen Gewalt widerfahren ist, so müssen Sie eine Abwägung zwischen verschiedenen gesetzlichen Regelungen treffen, u. a. zwischen Ihrer Garantenpflicht und der Schweigepflicht. In Zweifelsfällen sollte das Justiziariat der Ärztekammer oder ein Anwalt zu Rate gezogen werden. Das ist möglich, ohne die Daten der Pflegebedürftigen weitergeben zu müssen. Pflegefachkräfte können sich zudem an die zuständige Ordnungsbehörde wenden. Im stationären Bereich ist das meist die Heimaufsicht.

Rhythmisierung der Tages- und Nachtzeiten → Wecken nach Organisationsbedarf und nicht nach individuellem Bedürfnis, Verabreichung von Schlafmitteln ohne Indikation Wir alle wissen das, liebe Leserinnen und Leser. Es stellt sich also die Frage, warum letztlich dann doch immer wieder die Rede von der Gewalt in der Pflege ist? Die Ursachen sind sehr unterschiedlich und meist handelt es sich um die Summe mehrerer Faktoren. Das können zum einen persönliche Gründe wie z. B. ein hohes Aggressionspotenzial, eigene Gewalterfahrungen, gesundheitliche Probleme oder schlicht ein gestörtes Verhältnis zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen sein. Auch die nicht zu verkennende Überlastung der Pflegenden kann eine Ursache sein. Diese sind zweifelsohne oftmals stark körperlich und psychisch belastet, stehen unter erheblichem Zeitdruck und es fehlt an Personal. Ein Eingriff in die Selbstbestimmung des Pflegbedürftigen stellt jedoch ungeachtet aller Ursachen Gewalt dar – auch wenn diese oftmals nur schwer zu sanktionieren sein wird. Gleichwohl muss sich der Pflegende natürlich nicht Anfeindungen und eigener Gewalt aussetzen. Zu klären ist daher im Interesse aller so schnell wie möglich, wann und auf welche Weise Gewalt in der Pflege „erlaubt“ ist. Es gilt zwar selbstverständlich in der Pflege der Grundsatz der Gewaltfreiheit. Hiervon gibt es jedoch wenige Ausnahmen. So steht dem Pflegenden z. B. gemäß §§ 32 ff StGB im Falle eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffs durch einen Pflegebedürftigen die Verteidigung durch Notwehr und Nothilfe zu. Greift ein Heimbewohner Pflegepersonen oder auch andere Bewohner tätlich an, müssen diese in der Lage sein, sich selber zu schützen und gegebenenfalls zu verteidigen. Dies nennt der Gesetzgeber Notwehr. Ferner sind die Pflegekräfte auch dazu verpflichtet, anderen zu Hilfe zu kommen. Dies wird als Nothilfe bezeichnet. Als äußerstes Mittel des Eigen- oder Fremdschutzes müsste ein aggressiver Pflegebedürftiger ggf. durch eine Fixierung von weiteren Übergriffen abgehalten werden. Voraussetzung hierfür ist, dass eine Notwehrlage besteht und reine Androhungen und darauf gerichtete Maßnahmen zur Prävention nicht ausreichen. Diese Form der Gewalt ist jedoch, wie gesagt, nur bei einem gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff statthaft. Unter den Gewaltbegriff fallen jedoch auch alle freiheitsentziehenden Maßnahmen gemäß § 1906 BGB. Alle freiheitsentziehenden Maßnahmen gemäß § 1906 BGB sind

5


PFLEGE

Gewalt in der Pflege – eine andere Perspektive

F O T O : P R I VAT

Über Gewalt im Gesundheitssystem gibt es in den Medien viele Veröffentlichungen. Vermissen kann man in den Publikationen die Perspektive der Pflegekräfte. Ihre Erfahrungen werden in diesem Artikel in den Fokus genommen, denn manchmal üben auch Bewohner und Angehörige gegenüber Pflegekräften Gewalt aus.

― Eva Hegele Altenpflegerin Lehrerin für Pflegeberufe Gesundheits- und Sozialmanagerin B. A. Referentin für den stationären Pflegebereich der Diakonie Württemberg hegele.e@diakonie-wuerttemberg.de

Gewalt gegen Pflegekräfte Pflegekräfte erleben verschiedene Formen von Gewalt. Sie berichten von zu pflegenden Männern, die sie an Po und Brust anfassen und anzügliche Bemerkungen machen. Manche Pflegerinnen versuchen humorvoll zu reagieren, andere können mit dieser belastenden Situation nicht umgehen. Junge Frauen mit Migrationshintergrund haben teilweise bereits schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Es fällt ihnen schwer, (übergriffige) Bewohner zu pflegen. „Darauf nehmen wir so gut es geht Rücksicht. Wir führen die Kolleginnen langsam an die Pflege heran und schulen sie, mit diesen Männern umzugehen. So erleben sie, dass Pflegekräfte nicht alles dulden müssen“, führt eine Einrichtungsleitung aus. Eine Pflegekraft erzählt von der täglichen Körperpflege bei einer demenziell erkrankten Dame. „Ich war einfach ständig damit beschäftigt, den Händen der Dame auszuweichen, damit sie meine Haare nicht erwischt oder mich zu fassen bekommt. Ich bin laufend nach vorne oder hinten und zur Seite ausgewichen. Das hat sicherlich sehr lustig ausgesehen. Ich kann damit

6

aber gut umgehen, denn nach 29 Jahren Berufserfahrung weiß ich, sie meint mit ihrem Verhalten eigentlich nicht mich! Ich fühle mich nicht geschlagen, deshalb empfinde ich es auch nicht unbedingt als Gewalt. Jungen Mitarbeiterinnen fällt dies aber manchmal schwer.“ Gewaltsituationen werden unterschiedlich empfunden: „Wir sind keine Maschinen und unser Nervenkostüm ist jeden Tag ein wenig anders belastbar. Manchmal stecke ich verbale Angriffe gut weg, an anderen Tagen belasten sie mich sehr,“ erläutert eine Pflegekraft. Eine andere erzählt, dass ihr seinerzeit eine demente Patientin in den Arm gekrallt habe. Im Affekt hatte sie der Dame auf die Finger gehauen, sie war entsetzt über sich. Heute reagiert sie in solchen Situationen gelassener. Bei einer Auszubildenden im ersten Lehrjahr wurde ein Patient nach einem arglosen Geplänkel übergriffig. Als junge Frau war sie mit der Situation überfordert. Was professionelle Distanz ist und wie man sie wahrt, wusste sie damals als Lernschwester noch nicht. Mehrere Pflegekräfte berichten von ähnlichen Situationen, die sie in jungen Jahren erlebt haben. „Als junge


PFLEGE

Kraft ist man auf solche Situationen oft nicht vorbereitet. Es fehlt an Strategien im Umgang und in der Aufarbeitung. Das kommt dann mit der Berufserfahrung.“ Manche Pflegedienstleitungen sehen in ihren Einrichtungen einen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl demenziell erkrankter Männer und der Zunahme sexueller Übergriffe. Meine Frage, ob Alter, Berufserfahrung und Fachlichkeit davor schützen, wird größtenteils bejaht. Demenzielle Veränderungen oder entsprechende Charaktereigenschaften sind zwei Beispiele für Ursachen der Übergriffe. „Hinzu kommt, dass einigen Pflegekräften die Gabe oder der Wille der Reflexionsfähigkeit fehlt, um den eigenen Anteil an einer eskalierenden Situation erkennen zu können.“ Gerade bei ausländischen Pflegekräften scheint Reflektion kein Bestandteil der Ausbildung gewesen zu sein, erfahre ich auf Nachfrage. Missverständnisse zwischen Pflegebedürftigen oder Pflegekräften können harmlose Situationen eskalieren lassen. Auch sprachliche Barrieren, tagesformabhängige Befindlichkeiten und kulturelle Unterschiede bieten Konfliktpotenzial – dies trifft auch für Mitarbeiter*innen in der Hauswirtschaft zu. Sind Pflegekräfte mit Migrationserfahrung häufiger von Gewalt betroffen? Darüber lacht eine PDL herzlich: „Ist das eine ernsthafte Frage? Je nach Einrichtung fallen 70–80 % unserer Pflegekräfte unter diese Definition.“ Anders gefragt: „Gibt es einen erkennbaren (subjektiv empfundenen) Zusammenhang zwischen Gewaltzunahme und dem steigenden Anteil nicht einheimischer Pflegekräfte?“ Einige langjährige Pflegedienstleitungen bejahen dies in Gesprächen, andere sehen keinen Zusammenhang. Angehörige und Gewalt gegen Pflegekräfte Eine Pflegekraft aus dem ambulanten Bereich berichtet von männlichen Angehörigen, die übergriffig wurden, indem sie junge Pflegekräfte mit anzüglichen Bemerkungen begrüßten, bei der Positionierung der zu Pflegenden mithalfen und dabei gezielt körperliche Nähe suchten. Der zuständige Pflegedienstleiter reagierte hier umgehend, es kamen nur noch männliche Pflegekräfte zum Einsatz. Daraufhin kündigten die Angehörigen dem Pflegedienst.

Sehr verletzend empfand eine Pflegekraft die Aussage eines Angehörigen, der ihr vorwarf, zu langsam zu arbeiten. Traurig merkt sie an: „Im Umgang mit an Demenz Erkrankten kann man aber nicht schnell arbeiten, nur sieht das ein Angehöriger nicht, der fachlich keine Ahnung hat.“ Weitere Ursachen für Gewalt ausgehend von Angehörigen können kulturell bedingte Frauenbilder, Sozialisation im Allgemeinen, psychische Erkrankungen und latente Gewaltbereitschaft sein. Ich werde gebeten auf die Bedingungen hinzuweisen, unter denen Pflegekräfte in der stationären Dauerpflege häufig arbeiten müssen. Es fallen Stichwörter wie familienunfreundliche Arbeitszeiten, fehlende Kinderbetreuung, die sich an Schichtzeiten orientiert, hohe Verantwortung, wenig Gestaltungsspielraum, permanenter Zeitdruck, Fachkräftemangel. Wenn man unter diesen Bedingungen arbeiten müsse, sei es nicht verwunderlich, wenn Nervenkostüme blank lägen. Gewaltprävention und verschiedene Möglich­keiten Gewalt zu begegnen Der Arbeitgeber kommt seiner Fürsorgepflicht nach, indem er bekannt gewalttätige Pflegebedürftige nicht aufnimmt und mit dafür sorgt, dass sie an Pflegeheime vermittelt werden, die darauf eingerichtet sind. Berichtet wird von einem Heimbewohner, der sich so verhaltensauffällig zeigte, dass die PDL versuchte, ein zeitweises Einschließen des Bewohners auf seinem Zimmer und eine entsprechende Medikamentengabe richterlich genehmigen zu lassen. Wenn man keine alternativen Handlungsmethoden mehr kennt, stehen am Ende leider drastische Maßnahmen. Gespräche mit Betreuern, Angehörigen und Fachärzten waren erfolglos geblieben, der Antrag scheiterte. Eine sehr belastende Situation für alle. Nach einer Akutaufnahme des Herrn in einer psychiatrischen Klinik erhielt die Einrichtung glücklicherweise Unterstützung. Der Mann konnte schließlich in einer spezialisierten Einrichtung untergebracht werden. Was schützt? Wissen im Bereich Kommunikation und Gesprächsführung - besonders Schulungen in gewaltfreier Kommunikation – sind unbedingt nötig. Dadurch

7

lassen sich viele Situationen entschärfen bzw. entstehen erst gar nicht. Kenntnisse über demenzielle und andere psychische Erkrankungen sind nicht nur für Pflegekräfte, sondern auch für hauswirtschaftliche Kräfte sinnvoll. Kollegiale Beratung ist eine gute Strategie. Kolleginnen und Kollegen unterstützen sich darin, kritische Situationen einzuschätzen und Handlungsalternativen aufzuzeigen. Als PDL oder Case Manager ist es wichtig, Anzeichen für häusliche Gewalt festzustellen, um potenziell gewalttätige Pflegebedürftige erkennen zu können. Erwähnt wird noch, dass Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, das Gewaltpotenzial generell steigt und auch vor der Pflege nicht Halt macht. Wichtig ist, entsprechend gegenzusteuern. „Wir müssen sensibilisieren, erkennen, handeln“ Alle befragten Pflegefachkräfte sind der Meinung, dass es wichtig ist, sich und andere für das Thema Gewalt zu sensibilisieren. Erkennen und hinsehen sind der erste Schritt auf dem Weg zur Vermeidung oder noch besser zur Prävention, d. h. bereits zu Beginn der pflegerischen Ausbildung auf diese schwierigen Situationen vorzubereiten und die Auszubildenden zu begleiten. Das Präventionsprogramm eines Trägers sieht beispielsweise vor, die Mitarbeiter*innen in einer eintägigen Fortbildung von einem Pflegewissenschaftler speziell im Präventionsbereich zu schulen. Führen gute Arbeitsbedingungen zu weniger Gewalt? Eine PDL, die in ihrer Einrichtung keinen Personalmangel erlebt, sieht einen Zusammenhang zwischen guten Arbeitsbedingungen und dem Rückgang von Gewalt. Betriebliches Gesundheitsmanagement voranzutreiben und als Arbeitgeber dadurch ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen, könnte ein interessanter Denkansatz sein. — Der Artikel erhebt keine wissenschaftlichen Ansprüche auf Richtigkeit. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich hier um einen Erfahrungsbericht von Fachkräften handelt, die direkt in der Pflege arbeiten. —


PFLEGE

13.000 Gründe für strukturelle Gewalt gegenüber Menschen mit Demenz und ihren Pflegenden „Das Herz will, aber die Hände können nicht.“

wissen Strategien zu bewältigen. Gewalt zwischen demenziell erkrankten Bewohner*innen eines Pflegeheims untereinanies ist kein Zitat von Jens Spahn. der ist aufgrund des gegenseitigen UnverVielmehr das einer über achtzigjähmögens zur Einsicht und zur Umsetzung gewaltvermeidender Strategien eine berigen Bewohnerin in einer stationären Einrichtung für Menschen mit Desondere Krux. menz. Sie hätte so gerne ihrem MitbewohZum einen verliert der Mensch mit ner geholfen, der verzweifelt versucht, die der Erkrankung meist die Fähigkeit zur Beviel zu kleinen Schuhe anzuziehen, von rücksichtigung gewisser sozialer Verhaldenen er glaubt, es wären seine. Das kann tensregeln – statt gefällig ist er wahrhaftig wütend machen, wenn so etwas Triviales und echt. Dass „das hier ein miserabler wie das Schuhe anziehen nicht mehr geFraß“ ist, ist gefühlt für den einen genau so ― lingt und dann wird man auch noch beobwahr wie für den anderen die gebrüllte Gabi Strauhal Dipl. Soz. Päd. (FH), achtet von dieser feinen alten Dame, mit Aussage, dass „nie einer kommt, wenn man Qualität & Ethik der es sicher schön wäre jetzt spazieren zu jemanden braucht“. Ethikberaterin im Gesundheitswesen gehen. Schon fliegt der Schuh mit beachtDie Mitarbeiter*innen benötigen desGesprächsbegleiterin ACP licher Dynamik Richtung Türe, durch die halb Schulungen zum Krankheitsbild, die AWO Demenz Zentrum Wolfratshausen gerade die Pflegekraft kommt - die das Fähigkeit zur Toleranz, eine große Portion Dilemma ahnte – und trifft. Der Schwung­ Gelassenheit und die Eignung sowie das arm hingegen verfehlt die betagte Mitbewohnerin für dieses Vermögen zur ethischen Auseinandersetzung und SelbstreMal sehr knapp. flexion. Mitbewohner*innen kann man nicht mehr schulen. Da Eine von vielen Situationen, wie sie so und ähnlich in fliegt beim Frühstück schon mal die Tasse über die gedeckte unzähligen Variationen den ganz normalen Alltag in einem Tafel, wenn sich der Tischnachbar lieber die Salami des GePflegeheim für Menschen mit Demenz bestimmen können. genübers vom Teller rupft als die eigene. Generell ist die unGewalt verläuft dabei meist in unterschiedlichen Dimensiomittelbare Bedürfniserfüllung ein bedeutender Aspekt zum nen, schaukelt sich auf oder schließt sich in einem nur schwer aufzubrechenden Kreislauf. Thema Gewalt. Sich ungehemmt zu nehmen, was gefällt, tut auch dem Betroffenen nicht gut, wenn es zu Repressalien kommt. Von der personellen Gewalt … Doch nicht nur zwischen Pflegenden und Bewohner*innen Insbesondere wenn es um sexuelle Bedürfnisse geht, gilt kann es zu Formen von Gewalt kommen. Auch unter den Bees besonders aufmerksam zu sein. Eine ganz wunderbare Newohner*innen selbst entstehen täglich Settings, die von Gebenwirkung des mitunter enthemmten Verhaltens ist die Tatsache, dass es unter demenziell erkrankten Menschen walt geprägt sind, so wie in jeder anderen Einrichtung, in der häufig zu Beziehungen kommt. Die Charta der Rechte für Menschen zusammen kommen (Kindergarten, Schule, Pflegeheim …). Diese Gewalt kann unterschiedliche Gesichter hilfs- und pflegebedürftige Menschen hat das Recht auf die annehmen. Gewaltbeziehungen zwischen Pflegenden oder eigenständige Entscheidung über intime und sexuelle Beziepflegenden Angehörigen und demenziell erkrankten Menhungen und Aktivitäten sowie das Recht auf Rückzug und Privatheit festgelegt. Dies gilt uneingeschränkt natürlich schen sind im Kreislauf der Gewalt je nach Ursache mit geF O T O : P R I VAT

D

8


PFLEGE

auch für Menschen mit Demenz. Allerdings ist der Grat zwischen Fürsorge und Autonomie ein sehr schmaler: Können beide jeweils zum Ausdruck bringen, wenn das Verhalten des anderen als übergriffig empfunden wird? Und kann der andere dies dann verstehen und entsprechend sein eigenes Bedürfnis zurückstellen? Wo müssen wir Pflegenden und Betreuenden uns zurückziehen, um Privatheit zuzulassen und wie weit im Rahmen der Fürsorge Kontrolle ausüben?

Wir als Gesellschaft diskriminieren das Alter schlechthin und die Pflegenden noch dazu. Wir entziehen Osteuropa, den Drittstaaten, den Philippinen u. a. ihre Pflegenden, zerrütten Familien und das dortige Gesundheitssystem, statt den Beruf an sich generell attraktiver zu gestalten, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und somit Menschen langfristig an den Beruf zu binden. Ganz aktuell übertrifft sich Herr Spahn selbst: Mit der Gründung der Deutschen Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe im Dezember 2019, die zwar das löbliche Ziel verfolgt, Anerkennungsverfahren zu entbürokratisieren, darüber hinaus aber auch Pflegefachkräfte u. a. aus Mexiko abwerben will. Ein Verfahren, das in dieser Form dem WHO Verhaltenskodex zur internationalen Anwerbung von Gesundheitsfachkräften widerspricht. Ganz nebenbei verpflichtet uns die Anwerbung zu Recht übrigens auch zur gelingenden Integration, einer Willkommenskultur, die die immer stärker vertretenen rechten Kräfte im Lande beschämender Weise nicht in Aussicht stellen. Dies zeigt eine Gemengelage auf, die Niemandem gegenüber fair ist. Auch für diese Art der Gewalt, über die Landesgrenzen hinaus, darf sich unsere Gesellschaft verantwortlich fühlen. Pflege kostet. Nimmt unsere Gesellschaft deshalb strukturelle Gewalt billigend hin - in einem Land, das 2019 gemessen am Gesamtvermögen international auf Platz 4 des Global Wealth Report steht? Gemessen am Bruttoinlandsprodukt investieren wir nur 1 % unserer Gesamtausgaben in die Pflege – die Skandinavier beispielsweise 2,5 % und dies ohne Pflegeversicherung. Kommerzielle Pflegeheime gibt es dort gar nicht. Die Verwaltung der Pflegeheime obliegt der Verantwortung der Kommunen. Statt auf fünf Bewohner kommt dort eine Pflegefachkraft auf nur zwei Bewohner. Bedingungen, unter denen es sich gut über Gewalt in der Pflege diskutieren lässt. Wer Gewalt in der Pflege verhindern möchte, darf also Pflege an sich nicht verhindern.

Wenn wir von personeller Gewalt sprechen, gibt es immer eine Ursache, einen Nährboden wie etwa Strukturen, die diese Gewalt erst möglich machen, begünstigen oder dulden. Da bedarf es eines sehr sensiblen Teams, das über den Willen, die Fähigkeiten und Möglichkeiten verfügt, gemeinsam unter Berücksichtigung ethischer Prinzipien Lösungen für jeden individuellen Fall zu erarbeiten. Das gesamte Leitungsteam muss mit einem entsprechenden Konzept und einer Haltung, die auch die Mitarbeitenden mittragen, offen für das Thema Gewaltprävention sein. Im Grunde ist dies sehr eng verknüpft mit dem neuen Expertenstandard Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz. Denn Gewalt unter Menschen, die dem stationären Zusammenleben unterworfen sind, kann nur über die vielen komplexen Beziehungen und deren Gestaltung sowie die Gestaltung der Umgebung beleuchtet und gelöst werden. Nicht immer wird diese Lösung gelingen, dann bleibt immer noch die validierende Grundhaltung. … zur strukturellen Gewalt Für all dies braucht es vor allem eines: Ausreichendes und qualifiziertes Personal. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Pflegenden am Limit – sie erfahren von Seiten der Gesellschaft und der Politik ein empörendes Maß an gesellschaftlicher und struktureller Gewalt, welches sie einer Ohnmachtssituation aussetzt: Das Herz will, aber die Hände können nicht. Unsere Gesellschaft wird den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit Demenz nicht gerecht. Sie wird auch den Bedürfnissen der jetzt Pflegenden nicht gerecht. Strukturelle Gewalt kann und darf zwar niemals eine Rechtfertigung für personelle Gewalt sein. Jedoch sabotiert sie einen reflektierten, lösungsorientierten und professionellen Umgang mit Gewalt in der Pflege.

QUELLEN WHO Bericht, 2008 Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege, ZQP Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Prof. Dr. Dr. Rolf D. Hirsch Charta der Rechte hilfs- und pflegebedürftiger Menschen, Bundes­ ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2018 Hermes Intensivpflege, Pflege in aller Welt – Skandinavien WHO Verhaltenskodex zur internationalen Rekrutierung von Gesundheitspersonal Münchner Merkur: Jens Spahn: Pflegeheime sollen leichter an neues Personal kommen, 07.12.2019 Süddeutsche Zeitung: Spahn will Zugang für ausländisches Personal erleichtern, 02.12.2019

ANZEIGE

Die CLA-Krankenpflegepuppe in natürlicher Größe das bewährte, universelle Übungsphantom für die Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege.

CLA 511/1 • Wundkissen mit Wundnaht und Redon-Drainage passend zum rechten Oberschenkel

®

COBU RG ER L EH R MIT T EL AN S TA L T Friedrich-Rückert-Str. 54 96450 Coburg Telefon 0 95 61/85 74 12

Neuheiten für die CLA-Krankenpflegepuppe CLA 411/7 • Bauchdecke mit 5teiligem Stomasatz und Diabetes-Spritzkissen

CLA 530/1• Unterschenkel, rechts, mit 4 Ulcus-crusis-Einsätzen

www.cla.de • info@cla.de Cla1-Anzeige*Ergänz.19'.indd 1

9

29.03.19 09:23


PFLEGE

Sexualität im Alter

– „Normalität oder Spannungsfeld?“

F O T O : P R I VAT

Unabhängig vom Alter: Sexualität und Intimität gehören zusammen zum Leben. Dies möchte der vorliegende Artikel auch gar nicht in Abrede stellen. Stattdessen möchten wir an dieser Stelle das Spannungsfeld beschreiben, mit dem sich Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler konfrontiert sehen, wenn es um das Thema Sexualität im Alter geht.

― Christoph Heuser Pflegemanager (B.A), Gerontologie (M. Sc. cand.) Fachlehrkraft für Gerontopsychiatrie Freiberuflicher Dozent E-Mail: heuser.ch@gmail.com

F O T O : P R I VAT

und

― Silke Schreiter-Taubenheim Schulleitung Berufsfachschule für Altenpflege Erlangen bfz Nürnberg gGmbH E-Mail: silke.schreiter-taubenheim@bfz.de

Z

unächst jedoch etwas mehr Hintergrundinformationen, bevor wir gemeinsam unsere Odyssee antreten können. Sexualität ist der Schlüssel zum erfolgreichen Altern und es gibt kaum eine bessere Schlaftablette als Sex, so zumindest beschreibt es die 76-jährige Elaine White (McAuliffe et al. 2012). Doch was umfasst alles Sexualität? Die WHO definiert Sexualität als alles, was Genderidentität und -rollen umfasst, aber auch sexuelle Orientierung, Erotik, Vergnügen, Intimität, Glaube und Einstellung sowie Beziehungen (WHO 2011). Somit ist Sexualität mehr als nur der reine Geschlechtsakt. Für ältere Menschen ist Sexualität darüber hinaus noch wesentlich mehr. Es umfasst Liebe, Zärtlichkeit und körperliches Begehren wie küssen oder kuscheln (McAuliffe et al. 2012). Sicher ist: Das Thema Sexualität im Alter wird in naher Zukunft weiter zunehmen. Bedenken wir, dass mit der nächsten Generation von Menschen, die älter werden, auch diejenigen vertreten sind, die wir heute als Babyboomer bezeichnen. Also Menschen, die in der Nachkriegszeit geboren wurden. Im Gegensatz zu deren Eltern ist diese Per-

10

sonengruppe mit einem anderen Selbstverständnis von Sexualität aufgewachsen (Stones & Stones 2007). Stichworte wie sexuelle Revolution, sexuelle Selbstbestimmung und die Erfindung der „Anti-Baby-Pille“ haben diese Generationen geprägt. Doch die Begleitumstände des Alterns - damit meinen wir bestimmte Medikamente oder auch Krankheiten – können die Sexualität stark einschränken. Dies bedeutet aber nicht, dass die Wünsche und das Begehren nicht weiter da sind. Um genauer unterscheiden zu können, welche Veränderungen im Alter normal sind und welche krankhaft bedingt, müssen wir uns damit beschäftigen, was der Alterungsprozess mit unserem Körper macht. Bei Männern ändert sich hinsichtlich der Reaktionsfähigkeit im Vergleich zu jungen Jahren nichts. Lediglich mit einer abnehmenden Intensität ist zu rechnen. Bei Frauen ändert sich physiologisch die Dauer und Intensität der Orgasmen im Alter sowie eine verringerte Fähigkeit zur Lubrikation (Heidenblut & Zank 2012). Somit steht körperlich einer genussvollen Sexualität im Alter zuerst einmal nichts im Weg.


PFLEGE

Auch hinsichtlich des Erlebens gibt es nur wenig Unterschiede. So wird berichtet, dass die Häufigkeit des Sexualverkehrs im Alter nur wenig abnimmt. Dies ist jedoch maßgeblich davon abhängig, ob ein Partner bzw. eine Partnerin vorhanden ist (Heidenblut & Zank 2012). Wir passen uns den gegebenen Umständen im Alter an. Haben wir keine Sexualpartnerin bzw. keinen Sexualpartner, dann erscheint uns Sexualität auch weniger wichtig und wenn wir einen Partner haben, mit dem wegen Krankheit kaum bis keine Sexualität möglich ist, dann erscheint uns Sexualität ebenfalls nicht mehr so wichtig (Heidenblut & Zank 2012). Aber wann wissen wir, ob Sexualität und Intimität noch eine Rolle spielen? In den Anamnesebögen in der Langzeitpflege wird so etwas nicht abgefragt (McAuliffe et al. 2012). Ist es unpassend, so etwas zu fragen? Wir inte­ ressieren uns zwar für die verschiedensten Formen der Ausscheidung und für alle möglichen Bedürfnisse, aber fällt es uns wirklich so schwer, Fragen über die sexuelle Gesundheit zu stellen? Dabei könnte diese Frage durchaus das eine oder andere Problem oder Missverständnis lösen. Die Auseinandersetzung und Bearbeitung der Thematik „Sexualität im Alter“ ist fester Bestandteil der theoretischen Ausbildung in der Altenpflege. Im zweiten Ausbildungsjahr beschäftigen sich die Schüler*innen nicht nur mit den zuvor beschriebenen Definitionen zum Thema sowie den altersbedingten Veränderungen und möglichen Einschränkungen, sondern auch mit den Bedürfnissen alter Menschen. In diesem Kontext reflektieren die Schüler*innen Situationen aus ihren praktischen Erfahrungen und analysieren in gemeinschaftlicher Arbeit die Bedürfnisse und Erwartungen der unterschiedlichen Akteure (zu Pflegende, Pflegekräfte, Angehörige, Institutionen) in der Pflege. Die Betrachtung der Ergebnisse führt die Schüler*innen in die Wahrnehmung und Reflexion unterschiedlichster Spannungsfelder. So beschreiben z. B. Schüler*innen einer Altenpflegeklasse, dass ihnen ihr pflegerischer und fachlicher Auftrag sehr deutlich ist, aber das Bewusstsein der eigenen Bedürfnisse in intimen Pflegesituationen mit pflegebedürftigen Personen in der ambulanten und

stationären Langzeitpflege bereits ein Spannungsfeld darstellt. Zudem werden Unklarheiten und auch Unsicherheiten benannt, wenn es darum geht, wie mit einer Situation umgegangen werden kann oder soll, wenn unterschiedlichste Bedürfnisse nach Nähe, Zuwendung und Befriedigung durch pflegebedürftige Personen benannt, gezeigt oder auch durch körperliche Aktivitäten geäußert oder gezeigt werden. In solchen Situationen spüren die angehenden Fachkräfte für Altenpflege deutlich das Dilemma einer z. B. fachlich korrekten Durchführung der Intimpflege vs. dem eigenen Bedürfnis nach Sicherheit und Distanz (vgl. Grond 2011). Die Abbildung 1 verdeutlicht benannte Situationen bzw. Ursachen aus den pflegerischen Erfahrungen der Schüler*innen, welche sie mit den Gefühlen der Bedrängung, Unsicherheit, Überforderung und gleichzeitig mit dem Bewusstsein für die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen (Klienten) und den Kollegen*innen (Pflegeteam) wahrnehmen.

Klienten

Pflegeteam

sexuelle Äußerungen gegebüber Pflegekräften

zu enge Kleidung der Kollegen*innen, setzen Reize

Pflegekräfte

Empfinden pflegerische Handlungen als Störung der Intimsphäre des ­Pflegebedürftigen

Tabuisierung der Thematik, kein offener Austausch gezielte Berührungen bei Pflegekräften

pflegerische Handlungen im Intimbereich erzeugen ungewollt Erektionen nehmen Offenbarungen zu sexuellen Übergriffen nicht ernst

männliche Klienten erfragen und bevorzugen gezielt ­ eibliches Pflege­personal w

bewusstes Zurückhalten von Informationen in Bezug auf sexuell an­näherndes Verhalten von Klienten

Abb. 1 Situationen bzw. Ursachen aus den pflegerischen Erfahrungen der Schüler*innen einer Altenpflegeklasse (eigene Darstellung 2019)

11

pflegerische Handlungen fach- und sachgerecht umsetzen wollen, aber Nähe und Distanz nicht wahren können


PFLEGE

Abbildung 1 macht deutlich, dass die angehenden Fachkräfte ein sehr starkes Spannungsfeld im Umgang mit den Pflegbedürftigen empfinden und sich ein weiteres Spannungsfeld zur Thematik in den Pflegeteams für sie zeigt. Dazu geht aus der Säule „Pflegeteam“ in der Abbildung hervor, dass die Schüler*innen die Erfahrungen machen, dass nicht in allen Pflegeteams die Möglichkeiten zur offenen Thematisierung sexueller Bedürfnisse der Pflege­bedürftigen besteht. Ein Belächeln oder die Äußerungen „nicht ernst nehmen“ scheint den Schüler*innen eine häufige Reaktion der Kollegen*innen. Ebenso werden eher provokante Verhaltensweisen von Kollegen situativ beschrieben, indem sie z. B. bewusst andere Kollegen in Situationen führen, von denen bekannt ist, dass die Klienten die Nähe und Befriedigung durch die Pflegekräfte suchen, um im Nachhinein über die Situation zu lachen. Wie kann und soll man sich da verhalten? Diese Frage wird offen im Raum gestellt und deutlich wird auch, dass sich diese Frage aufgrund der individuellen Wahrnehmung und Situationen nicht pauschal beantworten lässt.

Sexualität im Alter scheint bezogen auf die Bedürfnisse, Intimität, Beziehungen und Wünsche als selbstverständlich. Jedoch kann man bei den beschriebenen Situationen, Herausforderungen und Dilemmata der Schüler*innen nicht die notwendige Offenheit, Sicherheit und einen „normalen Umgang“ als selbstverständlich benennen. In der ambulanten und stationären Langzeitpflege scheint sich durchaus eine Enttabuisierung entwickelt zu haben, welche es jedoch noch stärker zu untersuchen gilt. Im Rahmen der theoretischen Altenpflegeausbildung nutzen Schüler*innen die Möglichkeiten zum Austausch und die damit verbundene Enttabuisierung, jedoch verdeutlichen die Erfahrungen und aufgezeigten Spannungsfelder, dass im beruflichen Alltag Handlungssicherheit und Wohlbefinden wünschenswert sind und somit gefordert wären. Für jeden Akteur in der Pflege bedarf es zur weiteren Enttabuisierung mehr Aufklärung, stärkere Beratung von Klienten und deren Angehörigen, aber auch Supervisionsangebote, offene und vertraute Teamarbeit sowie

einen Leitfaden zum Umgang und Schutz vor sexueller Belästigung für Pflegende. Letztendlich scheint sich die Frage zur SIA, ob „Normalität oder Spannungsfeld?“ nicht einfach aufzulösen. Ein vertrauensvoller Umgang in den jeweiligen Beziehungen, ein guter Wissensstand sowie ein gegenseitiges Verständnis scheinen notwendig für das Wohlbe­ finden aller Akteure in der Pflege (vgl. Grond 2011).

Literatur Grond, E. (2011): Sexualität im Alter. Was Pflegekräfte wissen sollten und was sie tun können. Hrsg.: Brigitte Kunz Verlag. 2., aktualisierte Auflage. Hannover Heidenblut, S. & Zank, S. (2012): Sexualität. In: Angewandte Gerontologie. Interventionen für ein gutes Altern in 100 Schlüsselbegriffen. Hrsg.: Wahl, H. W.; Tesch-Römer, C.; Ziegelmann, J. P., 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Kohlhammer McAuliffe, L.; Nay, R. & Bauer, M. (2012): Sexuality and intimacy. In: Nursing Older Adults. Reed, J.; Clarke, C. & Macfarlane, A. (Ed.). New York: Open University Press Stones, M. & Stones, L. (2007): Sexuality, Sensuality and Intimacy. In: Encyclopedia of Gerontology. Second Edition. Birren, J. E. (Ed.). Amsterdam: Elsevier WHO (2011): Standards für Sexualaufklärung in Europa. Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsbehörden, Expertinnen und Experten. Hrsg.: BzgA. Köln

In Zusammenarbeit mit der Katholischen Stiftungshochschule und der Caritas-Gemeinschaft für Pflege- und Sozialberufe Bayern e.V. findet wieder eine gemeinsame Fachtagung am Mittwoch, 11. März 2020 in München statt:

Neues PflegeWISSEN nutzen – Aus der Hochschule für die Praxis „Ab Freitagnachmittag ist Wochenende…“ – Versorgungskontinuität durch professionelle Zusammenarbeit

25. Fachtagung Psychotherapie und Psychosomatik in der Pflege

Vortrag 1 mit matthias Witti, m. a.:

17. Mai bis 20. Mai 2019 in Kloster Irsee

Ohne interprofessionelle Kommunikation keine intersektorale Nachsorge

Vortrag 2 mit Prof. Dr. Daniel flemming:

Die Jubiläumstagung zeigt mit einem Blick zurück und einem voraus … … die immanent psychotherapeutische Wirkung guter Pflege … die Nutzung der Zusammenhänge von Psyche und Soma … die pflegerischen Alleinstellungsmerkmale in der Behandlung … und Unterstützung beim Aufbau von Recovery-Strategien.

Vortrag 3 mit agnes Bachmann: Professionelle Beratung – Das Top Thema der Zukunft!

forum 1 mit KasPar Pfister: Stationäre Sicherheit – Ambulante Vielfalt

forum 2 mit anna Kaiser, canD. m. sc.:

Diese Tagung präsentiert bekannte zusammen mit aufstrebenden Dozenten in vielerlei Diskussionsrunden, Vorträgen, und Workshops. Der Rückblick auf 25 Jahre erfolgreiches Tagen wird ergänzt durch hoch aktuelle und innovative Angebote zur Weiterentwicklung.

Praxisanleitung neu gedacht

forum 3 mit Prof. Dr. Daniel flemming:

Praktische Beispiele technischer Kommunikationsunterstützung

Vortrag 4 mit miriam Primig: Community Health Nursing

Weitere Informationen und Programm:

Vortrag 5 mit miriam Peters, m. sc.:

Neue Versorgungsformen – Caring Community Bildungswerk Irsee

Anmeldung und nähere Informationen unter: Caritas Gemeinschaft für Pflege- und Sozialberufe Bayern e. V., Lazarettstr. 1a, 80636 München Tel. 089/1895189-0 E-Mail: info@caritas-gemeinschaft-bayern.de

Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags

Klosterring 4 • D - 87660 Irsee Telefon: +49 (0)8341 906-604/-608 Telefax: +49 (0)8341 906-605 E-Mail: info@bildungswerk-irsee.de

12

www.caritas-gemeischaft-bayern.de

Intraprofessionelle Kommunikation: „Die Übergabe“


PFLEGE

Organisations­ entwicklung in der ­stationären Langzeitpflege

Prävention und Auf­ arbeitung von Gewalt in der Pflege haben eine hohe Priorität

F O T O : P R I VAT

GRAFIK 1: PRÜFINSTRUMENT IM ÜBERBLICK

― Susanne Krempl MÜNCHENSTIFT GmbH Hauptverwaltung / Stabsstelle Strategie Pflege und Betreuung Kirchseeoner Str. 3 | 81669 München Telefon: 089 62020323 E-Mail: Susanne.Krempl@muenchenstift.de

Der MDK prüft im Rahmen der Sie uns auf der Besuchen Qualitätsprüfung sechs QualitätsALTENPFLEGE in Hannover: bereiche, darunter vier 24. – 26.03.2020 Halle 21 | Stand D52 personenbezogene Bereiche (1 bis 4) und zwei übergreifende Bereiche (5 und 6).

G

ewalt in der stationären Langzeitpflege ist vielfältig und hat viele Gesichter, manchmal ist sie nicht direkt erkennbar. Gewalt kann auch ganz unbeabsichtigt entstehen – sie fängt nicht erst beim Schlagen an. Das Thema wird noch komplexer, betrachtet man bei der Einschätzung von Gewalt neben der rechtlichen Seite auch die soziale Norm. Das was jeder Einzelne von uns als Gewalt empfindet, hängt von gesellschaftlichen Normen, kulturellen und sozialen Einflüssen sowie unseren persönlichen Werten ab. Entsprechend anspruchsvoll und differenziert, aber dennoch systematisch muss der Umgang mit dem Thema Gewalt in der stationären Langzeitpflege sein, wenn es um Prävention und Aufarbeitung von Fällen geht. Interessant ist, dass „Gewalt in der Pflege“ definiert, vielseitig beleuchtet, analysiert und teilweise erforscht ist und dennoch im Arbeitsalltag von Pflegenden regelmäßig als große Herausforderung benannt wird, welche in der Folge zu hoher psychischer Belastung führt. Zahlreiche Befragungen, Surveys und Studien zeigen, dass Gewalterfahrungen gegenüber Bewohnern und Pflegebedürftigen, aber auch gegenüber Pflegenden ganz offensichtlich zum Pflegealltag dazu gehören. Demnach hat es eine hohe Priorität für Leitungskräfte und auch für Träger, dieses Thema im Rahmen der Organisationsentwicklung zu fokussieren, zum Schutz der Bewohner vor Beeinträchtigungen und körperlichen Schäden aber

Hanseatisch abrechnen. Keine Kündigungsfristen. Fester Ansprechpartner. Auszahlung bereits nach 48 Stunden möglich.

ANZEIGE

13

Einfach. Direkt. Kompetent.

www.as-bremen.de 0421 303 83 149 info@as-bremen.de


PFLEGE

Unternehmen und Vorgesetzte sind demnach gefordert, sich im Rahmen der Personalentwicklung und des betrieblichen Gesundheitsmanagements auch dafür zu engagieren, dass Mitarbeitende aktiv Ausgleichsstrategien wie z. B. Coping-Strategien entwickeln können. Gute Offerten hierfür sind Sport- oder Entspannungsangebote, aber auch sehr individuelle Interventionen wie z. B. Coaching zur Selbstreflektion oder zur Stärkung der Resilienz. Unbedingt gewährleistet muss sein, dass sich Mitarbeitende jederzeit aus belastenden Arbeitssituationen zurückziehen können, ohne dass dies zu negativen Bewertungen führt. Um sich erfolgreich aus fordernden Pflegesituationen herausnehmen zu können ist es wichtig, für Mitarbeitende sogenannte „Inseln der Ruhe“ zu schaffen; Räume, in denen Pflegende, zumindest für kurze Zeit, tatsächlich zur Ruhe kommen können, ohne von Kollegen, Bewohnern oder Angehörigen angesprochen zu werden.

auch, um Mitarbeitende in der Pflege und Betreuung entsprechend zu entlasten. Damit das Thema im Arbeitsalltag entsprechend gesetzt ist, benötigt es als allererstes eine klare Vorgabe der Geschäftsführung zum Thema Gewalt in der Pflege, im besten Fall ist diese Positionierung als Ziel im Leitbild oder im Pflege- und Betreuungskonzept konkret beschrieben. Existiert eine derartige Zielsetzung, z. B. eine „Null-Toleranz-Grenze“ bei Gewalt, so sind Strukturen und Prozess derart zu gestalten und auszurichten, dass dieses Ziel auch erreicht werden kann. Verfahrensanweisungen können exemplarisch die einzuleitenden Schritte beschreiben, was bei Bekanntwerden eines Verdachts oder eines konkreten Vorfalls von Gewalt in der Pflege zu tun ist. Neben derartigen Formalvorgaben werden aber auch systematisierte strukturelle Angebote zur Prävention und Aufarbeitung benötigt.

Aufarbeitung Für eine effektive und auch effiziente Aufarbeitung von Fällen der Gewalt ist es unabdingbar ein Meldesystem für kritische Ereignisse zu implementieren. Dieses betriebliche De­ eskalationsmanagement wirkt aber immer nur dann positiv, wenn im Großen und Ganzen Werte wie Vertrauen, Transparenz und Kommunikation die Haltung der Mitarbeitenden im Unternehmen auf allen Funktionsebenen prägen. Ist dies durch eine erfolgreiche Organisationsentwicklung erreicht, dann wird im Sinne einer unterstützenden Fehlerkultur nicht die Schuldfrage im Mittelpunkt stehen. Jegliche Hinweise auf problematische Vorkommnisse werden ernst genommen und eine offene und kritische Auseinandersetzung kann erfolgen. Nur unter diesen klaren Strukturen können gemeinsam tragfähige Lösungen erarbeitet werden.

Erkennen, was Gewalt ist Gut ausgebildetes Personal ist bei der Prävention von Gewalt in der Pflege von zentraler Bedeutung. Entsprechende Bildungsangebote zum Erkennen von Frühsignalen oder zum Umgang mit Gewalt, Aktionstage, Supervision oder auch Coaching helfen, um für Aggression und Gewalt zu sensibilisieren und um die Handlungssicherheit der Mitarbeitenden zur Vorbeugung und zum Umgang zu stärken. Durch entsprechende Sensibilisierungsmaßnahmen, Fallgespräche und kollegiale Beratung sollte das Ziel verfolgt werden, dass sich Mitarbeitende in der Organisation einig darüber sind, welche Handlungen und Interventionen Formen von Gewalt darstellen können. Körperliche oder sexualisierte Gewalt und verbale Übergriffe werden erfahrungsgemäß gut als Gewalt erkannt. In der Regel besteht hier Einvernehmen bei den Beteiligten, wenn es um die Bewertung und Aufarbeitung geht. Im Versorgungsalltag jedoch sind Gewaltvorkommnisse oftmals getarnt von einer Komplexität an Abläufen und Verhaltensmustern, so dass z. B. Medikamentenmissbrauch, Miss­achtung der Privatsphäre, finanzielle Ausbeutung und Vernachlässigung von Pflegebedürftigen nicht bzw. in unterschiedlicher Ausprägung als Form der Gewalt bewertet werden. Um kongruente Einschätzungen zu erreichen, ist es wichtig, dass Mitarbeitende sich einig sind, wenn es darum geht, Formen der Gewalt zu identifizieren. Dies lässt sich am besten erreichen, wenn im Unternehmen Werte, Spielregeln und grundsätzliche Verhaltensweisen definiert und auch gegenseitig eingefordert werden. Im Rahmen dieses Wertekonstrukts sollten Teams, aber auch Führungskräfte regelmäßig ihre Verhaltensweisen reflektieren.

Fazit Betrachtet man Pflege und Betreuung als respektvolle Begegnung zwischen Menschen mit jeweils individuellen Bedürfnissen und Kompetenzen, so ist es für Träger und Führungspersonal unumgänglich, wirksame Strukturen zur Gewaltprävention zum Wohle beider Seiten, für Bewohner als auch für Pflegende, zu implementieren. Hierzu gehören neben systematisierten Strukturen eben auch die aufrichtige Auseinandersetzung mit Haltung und Werten im Unternehmen. Sensibilisierungsmaßnahmen können nur dann wirksam werden, wenn sie Bestandteil eines umfassenden Präventions- und Aufarbeitungskonzeptes sind. Einzelne, sporadisch gesetzte Maßnahmen erreichen in der Regel keine nachhaltige Wirkung. Prävention und Aufarbeitung von Gewalt müssen Gegenstand der Veränderungen im Zuge einer Organisationsentwicklung sein, denn zur Professionalisierung des Umgangs mit Gewalt tragen auch zwischenmenschliche Kommunikations- und Verhaltensmuster sowie die in der Organisation herrschenden Normen, Werte und Machtkonstellationen bei.

Entwicklung von Ausgleichstrategien Beruflich Pflegende sind in besonderem Maße belastenden Situationen ausgesetzt, die sich aus dem pflegerischen Auftrag und dem Pflegealltag ergeben. Pflegende werden täglich mit der Hilflosigkeit, den Ängsten und Nöten, den Abbauprozessen und körperlichen Leiden der älteren Menschen konfrontiert. Zu dieser emotionalen Belastung kommen weitere Anforderungen durch Wechselschichttätigkeit und körperlich schwerer Arbeit beim Heben und Bewegen von Bewohnern. 14


PFLEGE

Wie ein positiver, konfliktfreier Umgang miteinander gelingt

Praxistipp Kommunikation

Empathie? Wertschätzung? Zuhören? – Genau das sind drei der wichtigsten Grundprinzipien für konfliktfreie Beziehungen am Arbeitsplatz. Wie können Sie diese Grundprinzipien erlernen, praktizieren und für sich nutzen? Wie können Sie diese weiterentwickeln? Unterstützend in diesem Zusammenhang wirkt die ­HARVARD-Methode, die darauf abzielt, alle Gesprächsteilnehmer zu Gewinnern zu machen.

F O T O : P R I VAT

Empathie Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Zahnarzt auf dem Behandlungsstuhl und Sie müssen sich einer unangenehmen Wurzelbehandlung unterziehen. Wahrscheinlich steigt Ihr Stresslevel in diesem Moment auf ein hohes Niveau und Sie rutschen angespannt auf dem Stuhl hin und her. In diesem Moment ist ein guter Zahnarzt darauf bedacht, alles dafür zu tun, dass Sie sich entspannen. Wie macht er das? Er sagt präzise an, was auf Sie zukommt, wann und wie lange es etwa weh tut, dass eine Spritze zwar unangenehm ist, aber den Eingriff für Sie erleichtert. Er versetzt sich also in Ihre Lage und kommuniziert vorausschauend. Genau darauf kommt es bei Empathie an: Es ist die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, seine Gedanken, Emotionen und Persönlichkeitsmerkmale anzuerkennen. Es ist ein Prozess des einfühlenden Verstehens. Wenn Sie einen stressfreien Umgang mit Ihren Kollegen und Vorgesetzten aufbauen bzw. pflegen wollen, versetzen Sie sich ebenfalls in deren Lage. Wechseln Sie Ihre Perspektive und probieren Sie, Ihr Gegenüber besser zu verstehen. Ein ganz einfaches Beispiel: Sie sind ein „Frischluftfanatiker“, doch Ihr Kollege liebt es lieber kuschelig warm. Der Konflikt darüber, wann und wie lange das Fenster an Ihrem Arbeitsplatz geöffnet wird, ist vorgezeichnet. Nun heißt es, sich über die eigenen, konkreten Bedürfnisse auszutauschen, Optionen für eine Lösung des Konfliktes zu formulieren und einen für beide Seiten tragfähigen Kompromiss zu finden. Dieser könnte z. B. sein, dass das Fenster nur dann aufgemacht wird, wenn Ihr Kollege den Raum verlässt, maximal x-mal am Tag. Ganz wichtig ist: Gemeinsam darüber sprechen, sonst bleibt es ein schwelender Konflikt. Am besten, Sie halten Ihren Beschluss nochmals in einem Satz fest („Wir vereinbaren, …“) und stellen damit die Verbindlichkeit dieser Lösung her.

― Monika Sandrock Balanced Solutions Supervision • Kommunikation • Coaching Griechenplatz 15 | 81545 München Telefon: 089 8718758 m.sandrock@balanced-solutions.de www.balanced-solutions.de

Wertschätzung Ein zentrales Bedürfnis von Menschen ist die Wertschätzung. Sie ist nachweislich ein Verstärker, ein Motivationsfaktor allerersten Ranges. Sie ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und Anerkennung und drückt sich aus in Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Interesse und Zugewandtheit.

15


PFLEGE

lassen sich berücksichtigen, indem Emma die Schale und Ben die geschälte Orange bekommt. Beim schnellen Kompromiss mit zwei halben Orangen hätten zwei unzufriedene Kinder die Küche verlassen. Gewinner oder Verlierer - was fühlt sich besser an? Auf diese Frage gibt es wohl nur eine Antwort. Die HARVARD-­ Methode, von dem amerikanischen Rechtswissenschaftler Roger Fisher in den 80er Jahren entwickelt, zeigt, wie bei unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen alle Beteiligten zu Gewinnern werden können:

Ergebnisse aus der Forschung zeigen, dass man nur dann anderen echte Wertschätzung entgegenbringen kann, wenn man sich selbst mag. Dieser eigene Selbstwert wird sogar noch gestärkt, indem man anderen Wertschätzung schenkt; ein Blickkontakt oder auch durch Aussagen wie „Ich möchte Sie gerne verstehen …“, „Es interessiert mich zu erfahren…“ oder „Habe ich Sie so richtig verstanden …“ Und nun die gute Nachricht: Wertschätzung offenbart sich im Alltag schon in kleinen Gesten: Ein Lächeln auch zu Menschen, die man vielleicht nicht so mag; die Hand geben, denn mit einem Händedruck verringern/überbrücken wir die Distanz zum Gegenüber. Besonders wirksam in unserer schnelllebigen Welt ist, sich Zeit für den anderen zu nehmen. Kündigen Sie dies Ihrem Gesprächspartner gegenüber an „Mir ist es wichtig, mit Ihnen über … zu sprechen und dafür möchte ich mir Zeit nehmen.“ Vermeiden Sie in einem solchen Gespräch Störungen von außen, legen Sie Ihr Handy nicht auf den Tisch und widmen Sie sich ganz Ihrem Gesprächspartner. Bei einem Konfliktgespräch ist es hilfreich, wenn Sie sich im Vorfeld alle guten Eigenschaften Ihres Gesprächspartners vor Augen führen. So gehen Sie wesentlich entspannter in das Gespräch, was sich wiederum auf den Verlauf und das Ergebnis auswirkt.

1.

2. 3.

4.

Mensch: Diskutieren Sie sachbezogen und trennen Sie zwischen Mensch und Problem, indem Sie sich nicht auf Ihr Gegenüber „einschießen“, sondern sich auf das Ziel konzentrieren. Interessen: Wägen Sie Ihre jeweiligen Interessen ab, indem Sie „warum“ Fragen stellen. Möglichkeiten: Suchen Sie gemeinsam nach Lösungsalternativen, indem Sie vor der Entscheidung unterschiedliche Wahlmöglichkeiten entwickeln. Seien Sie kreativ. Kriterien: Legen Sie der Entscheidung neutrale Beurteilungskriterien zugrunde. Nur so stellen Sie die Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit Ihrer Lösung sicher.

Schichtpläne und Urlaubszeiten sind in der Pflege oft Gegenstand von Streit und Verärgerungen. Mit der konsequenten Anwendung der HARVARD-Methode lassen sich für alle tragfähige Lösungen erarbeiten. Entscheidend dabei wird die Grundeinstellung eines jeden Mitarbeiters sein: Ich habe Verständnis für die Interessen der Gegenseite, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin. So lassen sich faire Kompromisse finden, die keine Verlierer zurücklässt, sondern alle zu Gewinnern macht.

Aktives und passives Zuhören Grundvoraussetzung für eine gelingende Kommunikation ist das aktive und passive Zuhören. Dazu gehören Blickkontakt, Aufmerksamkeitslaute (ja, hm oder Kopfnicken), Inhalte mit eigenen Worten zu wiederholen (z. B. „Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?“, „Meinten Sie …?“) und die eigene Wahrnehmung über Ich-Botschaften zu formulieren („Ich habe den Eindruck, dass …“, „Es kommt mir so vor, als ob …“, „Ich habe das Gefühl, als ob …“). Oftmals gilt hier: Nicht was gesagt wird ist interessant, sondern vor allem, wie es gesagt wird. Und auch das passive Zuhören gehört dazu: Schweigen zu können und Sprechpausen auszuhalten. Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen und nehmen Sie sich Zeit. Allein die Bereitschaft „Wir nehmen uns die Zeit, diesen Konflikt zu lösen.“ versetzt manchmal schon Berge. Hilfreich kann dabei auch ein „Vermittler“ sein.

Weitere Modelle zur Vertiefung des Themas 5 Axiome der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick, Gordon-Modell von Thomas Gordon, Gewaltfreie Kommunikation (GFK) von Marshall B. Rosenberg, Eisberg-Modell nach Siegmund Freud, das 4-Ohren-Model von Friedemann Schulz von Thun.

Die HARVARD-Methode Zur Veranschaulichung dieser Methode findet man in der Literatur ein einleuchtendes Beispiel: die „Orangen-Geschichte“. Zwei Kinder streiten sich um eine Orange. „Ich will die Orange unbedingt haben.“ Was also tun? Die Orange zerschneiden? Eine Münze werfen? Da kommt die ältere Schwester hinzu und fragt, warum beide die Orange unbedingt haben wollen. Emma will einen Kuchen backen und braucht dazu nur die Schale. Ben hat Durst und möchte nur den frisch gepressten Orangensaft trinken. Die Orange ohne Schale genügt ihm. Nach Klärung der Bedürfnisse ist die Lösung plötzlich einfach und die beiden unterschiedlichen Interessen

16


PR-BERICHT

― Arnulfstr. 30 | 80335 München

Der Patient im Mittelpunkt – Und damit im Weg? Vorbericht zur 5. Transfertagung [e]Health & Society

K

ritisch fokussiert die [e]Health & Society traditionell die beiden Themen Gesundheit und Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der Digitalisierung. Wie in den Vorjahren werden am 19.02.2019 interessante Vorträge im Kontext von Bedarfsgerechtigkeit erwartet. Vor dem Hintergrund gewaltiger Veränderungen des Gesundheitssystems müssen sich die Leistungserbringer dynamischer weiterentwickeln als dies aktuell der Fall ist. Stichworte hierfür sind u. a. die weitere Digitalisierung aller Versorgungs- und Vorsorgeinstitutionen, die systemübergreifende digitale Vernetzung der Akteure, soziale und gesundheitliche Chancengleichheit, die Gesundheitskompetenz in Deutschland sowie gesundheitssystemisch grundsätzliche Fragen zur Mittelverwendung. So wird aktuell täglich ca. eine Milliarde Euro in das Gesundheitssystem investiert, wovon lediglich 1 % in die Gesundheitsförderung, aber 99 % in die Behandlung chronischer bzw. akuter Erkrankungen abfließen. Dies unterscheidet das deutsche Gesundheitssystem zentral von gesundheits­ ökonomisch effizienter und effektiver handelnden europäischen Vergleichsländern. Ein Anlass, den Teilnehmenden der Tagung [e]Health & Society noch mehr die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch zu geben. „Der Patient im Mittelpunkt und damit im Weg?“ bezieht sich vor dem hier skizzierten Hintergrund als provozierende Fragestellung auf Aspekte der Über-, Fehl- und Unterversorgung in der Versichertengemeinschaft und der öffentlichen Hand, dies unter dem Einfluss digitaler Chancen und Risiken. Die von den Teilnehmenden im Vorfeld der Tagung ausgewählten Vortragenden haben daher die Möglichkeit, aus ihrem Arbeitsumfeld heraus Musterlösungen aufzuzeigen, bei denen der Patient im gerade erst abgelaufenen Jahr 2019 besonders im Mittelpunkt stand und finanzielle Ressourcen in dessen Sinne innovativ und effizient eingesetzt wurden.

17

Die Tagung beginnt mit parallelen Veranstaltungen zu drei Fokusthemen: Im ersten Track werden unter der Überschrift „Digitale Gesundheit in europäischen Partnerländern“ Antworten auf die Frage „What is the situation regarding digitalisation in the Healthcare Systems in European Partner Countries?“ gesucht. Parallel dazu geht der Track B „Society – Fokus Bayerische Gesundheitsregionen“ der Frage „Wie wird der Patient Teil des Weges in einer vernetzten, intersektoral arbeitenden Gesundheitsregion?“ nach. Und der Track „Professionals“ sucht Antworten auf die Frage „Der Patient im Mittelpunkt – Und damit im Weg?“ Bis zum Redaktionsschluss stand das Abstimmungsergebnis für die Themen des Nachmittages noch aus. Denn dieses Mal konnten die sich bis zum 30.11. Anmeldenden mit­ entscheiden und den Tagungsverlauf zentral beeinflussen. Aus insgesamt acht Themen wurden durch die Tagungsteilnehmenden vier Themen ausgewählt, die im Februar von renommierten Experten vorgetragen werden. Das Format der vier ausgewählten Themenblöcke ist das vom BR bekannte „Jetzt red i“, so dass die Teilnehmenden sehr dynamisch in die Veranstaltung eingebunden werden. Eines kann im Vorfeld noch verraten werden: Studierende der FOM Hochschule erstellen im Vorfeld der [e]Health & Society Kurz-Videofilme, die vor den vier Vorträgen vor ihrem Vortrag kommentiert werden sollten. Diese Filmchen moderieren das Kernthema der Tagung aus der Perspektive junger Menschen an. Veranstalter der Tagung sind die in München zentral am Hauptbahnhof gelegene FOM Hochschule als Veranstaltungsort, der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen in Bayern, die München Klinik, die Rehaklinik Höhenried und die Barmer Versicherung. Die digitale Anmeldung und weitere Informationen sind über die Homepage www.ehealthandsociety.eu bis zum 18.02.2020 möglich.


BILDUNGSMANAGER

09.–12.02.2020 in Kloster Irsee „Alltag – Sucht – Ausweg“ 21. Fachtagung für Pflege suchtkranker Menschen Bildungswerk des Bayerischen ­Bezirketags Klosterring 4, 87660 Irsee Tel.: 08341 906608 E-Mail: info@bildungswerk-irsee.de www.bildungswerk-irsee.de 12.02.2020 in München Demenz: Verständigung ist wichtig Schwerpunkt: Integrative Validation nach Richard Institut aufschwungalt Auenstraße 60, 80469 München Tel.: 089 50080401 E-Mail: info@aufschwungalt.de www.aufschwungalt.de 12.02.2020 in München Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege für Menschen mit Demenz bpa Landesgeschäftsstelle Westendstr. 179, 80686 München Tel.: 089 890448320 E-Mail: seminare-bayern@bpa.de 12.02.–13.02.2020 in Kloster Irsee Ethische Spannungsfelder in der Psychiatrie Gesundheitspolitischer Kongress der bayerischen Bezirke Bildungswerk des Bayerischen ­Bezirketags Klosterring 4, 87660 Irsee Tel.: 08341 906608 E-Mail: info@bildungswerk-irsee.de www.bildungswerk-irsee.de 13.02.2020 in Würzburg Kommunikation bei Menschen mit kognitiver Einschränkung am Beispiel der Demenz Juliusspital Palliativakademie Juliuspromenade 19, 97070 Würzburg Tel.: 0931 3932281 E-Mail: palliativakademie@juliusspital.de www.palliativakademie.de 17.–18.02.2020 in München Expertenstandards kompakt Grundsätzliches und Querverbindungen – alles, was Ihnen im Alltag hilft Caritas-Gemeinschaft für Pflege- und Sozialberufe Bayern e. V. Lazarettstr. 1a, 80636 München Tel.: 089 18951890 E-Mail: info@caritas-gemeinschaftbayern.de www.caritas-gemeinschaft-bayern.de

Februar — ApRil 2020

18.02.2020 in München Konzepte und Anwendungen zum effektiven Aufbau einer unternehmerspezifischen Digitalisierungsstrategie und deren Unterstützung bpa Landesgeschäftsstelle Westendstr. 179, 80686 München Tel.: 089 890448320 E-Mail: seminare-bayern@bpa.de 06.03.2020 in München Digitale Transformation in der professionellen Pflege Caritas-Gemeinschaft für Pflege- und Sozialberufe Bayern e. V. Lazarettstr. 1a, 80636 München Tel.: 089 18951890 E-Mail: info@caritas-gemeinschaftbayern.de www.caritas-gemeinschaft-bayern.de 11.03.2020 in München Tagespflege bpa Landesgeschäftsstelle Westendstr. 179, 80686 München Tel.: 089 890448320 E-Mail: seminare-bayern@bpa.de 12.03.–13.03.2020 in Kloster Irsee Geschichtswelten: Kämpfe in der Pflege 4. Internationale Tagung für Geschichte der Pflege und Gesundheitsberufe Bildungswerk des Bayerischen ­Bezirketags Klosterring 4, 87660 Irsee Tel.: 08341 906608 E-Mail: info@bildungswerk-irsee.de www.bildungswerk-irsee.de 13.–14.03.2020 in Würzburg Wenn Kinder und Jugendliche Krankheit und Tod begegnen Juliusspital Palliativakademie Juliuspromenade 19, 97070 Würzburg Tel.: 0931 3932281 E-Mail: palliativakademie@juliusspital.de www.palliativakademie.de

18

25.03.2020 in München Praxisnah Konflikten im Team begegnen und diese meistern bpa Landesgeschäftsstelle Westendstr. 179, 80686 München Tel.: 089 890448320 E-Mail: seminare-bayern@bpa.de 20.04.2020 in München Umgang mit Gewalt – De-Eskalation in der (psychiatrischen) Pflege Institut aufschwungalt Auenstraße 60, 80469 München Tel.: 089 50080401 E-Mail: info@aufschwungalt.de www.aufschwungalt.de 20.04.–22.04.2020 in Kloster Irsee Forum Akutpsychiatrie: Aktuelle Herausforderungen nachhaltig lösen Bildungswerk des Bayerischen ­Bezirketags Klosterring 4, 87660 Irsee Tel.: 08341 906608 E-Mail: info@bildungswerk-irsee.de www.bildungswerk-irsee.de 22.04.2020 in Augsburg Vorbehaltsaufgaben sichtbar machen und vertreten Caritas-Gemeinschaft für Pflege- und Sozialberufe Bayern e. V. Lazarettstr. 1a, 80636 München Tel.: 089 18951890 E-Mail: info@caritas-gemeinschaftbayern.de www.caritas-gemeinschaft-bayern.de 28.04.2020 in Straubing Wie sag ich’s – auch wenn es unan­ genehm ist? Konflikthafte Situationen leichter meistern bpa Landesgeschäftsstelle Westendstr. 179, 80686 München Tel.: 089 890448320 E-Mail: seminare-bayern@bpa.de 30.04.2020 in Kloster Irsee „Demenz - mitten im Leben“ 6. Fach- und Begegnungstag Demenz Bildungswerk des Bayerischen ­Bezirketags Klosterring 4, 87660 Irsee Tel.: 08341 906608 E-Mail: info@bildungswerk-irsee.de www.bildungswerk-irsee.de


VORSCHAU

VOR SCH AU auf Heft 54

— Tagespflege – Kurzzeitpflege: Finanzierung etc. — Auslegung des § 39c SGB V in der Praxis

Die Plattform für Pflegeprofis

— Leiharbeit Pflege — Selbständige Tätigkeit als Pflegekraft

Die PFLEGE PLUS 2020 ist mit rund 200 Ausstellern und dem begleitenden Fachkongress die wichtigste Branchenveranstaltung für Management und Fachpersonal in Süddeutschland.

Haben auch Sie Vorschläge zu diesen oder anderen Themen, dann schreiben Sie uns gerne per Post an die Redaktion oder per E-Mail an info@pflegeinbayern.de

Die Ausgabe 2.2020 erscheint am 20. April 2020.

Erleben Sie Innovationen, Trends und neue Lösungsansätze, profitieren Sie vom Austausch mit anderen Experten und sammeln Sie gleichzeitig wichtige Fortbildungspunkte.

Impulse für die Klinik Führungskräfte und Pflegepersonal von Kliniken erhalten auf der PFLEGE PLUS bei interessanten Vorträgen im Forum sowie im begleitenden Fachkongress wertvolle Impulse zu den Themen Palliative Care, stationäre Pflege sowie Umgang mit Demenz.

ANZEIGE

www.pflegeplus-messe.de

#pflegeplus20

26. – 28. MAI 2020 MESSE STUTTGART


53 — 1.202 0 53 — 1.202 Ausgabe Ausgabe

Fachzeitschrift für ambulante und stationäre Pflege in Bayern

Pfl ege in Bayern

Gewalt in

Ausgabe 53 — 1.2020

0

Abonnement

PPPflege fle gee

Fachzeitschr in Bayern ift für ambu näre PflegePflege in Bayern tiostationäre lante un Fachzeitschrift für ambulante und d sta d sta lante un tionäre Pfl ege in Bayer ift für ambu n

Fachzeitschr

ininBBayern ay in Bayeerrnn

Eva Hegele

Susanne Krempl Sabine Sabine Eva Mühl Susanne Sabine beitung er ing-Wechsl und Aufar ing-Wechsl Hegele Krempl Mühling-Wechsler er Mühl … Prävention eine hohe Priorität Susanne Eva lt haben Gewalt hat von Gewa Kremltplhat viele le viele Gewalt in der Pflege – eine andere Gewalt hat viele Gewa … Prävention und Aufarbeitung Hege Gesichter e … Prävention Gesichter Gesichter Perspektive von Gewalt haben eine hohe Priorität – eine ander und Aufar von Gewa der Pflege beitung lt haben Gewalt in eine hohe Perspektive Priorität

der Pflege – eine ander e Perspektive

Seien Sie auch am Puls der Region und abonnieren Sie jetzt! Pflege in Bayern erscheint 4x jährlich. Für nur 35 € pro Jahr (zzgl. MwSt. und Porto) erhalten Sie im Januar, April, Juli und Oktober Wissenswertes und Neuigkeiten rund um die Pflege. Special: Als Mitglieder unserer Kooperationspartner Bayerischer Hospiz- und Palliativverband, bpa-Landesgruppe Bayern und Deutsche Alzheimer-Gesellschaft, Landesverband Bayern erhalten Sie einen Sonderpreis von 20 € pro Jahr (zzgl. MwSt. und Porto).

Ihre Vorteile als Leser: ▸ Sie werden über die aktuelle Pflegesituation in Bayern bestens informiert, ▸ über die Neuerungen aus dem Bayerischen Sozialministerium, ▸ über Fördermittel für bayerische Pflegeeinrichtungen, ▸ über die Altenpflege im Ausland, ▸ Sie können mitreden und mitgestalten, ▸ die Zeitschrift ist für jeden zugänglich und finanzierbar.

Überzeugen Sie sich und klicken Sie zum Probelesen auf www.pflegeinbayern.de

Ja, ich möchte Pflege in Bayern jetzt abonnieren. Vorname / Name

Name der Einrichtung

Straße, Hausnummer

E-Mail

PLZ, Ort

Datum / Unterschrift

Bitte senden Sie den ausgefüllten Coupon an: Kompetenz+Beratung Pflege in Bayern »Leserservice« Heinrich-Heine-Str. 10 • 94060 Pocking oder per E-Mail an info@pflegeinbayern.de

www.pflegeinbayern.de

Profile for Johanna Pleyer

Pflege in Bayern Ausgabe 53  

Pflege in Bayern Ausgabe 53

Pflege in Bayern Ausgabe 53  

Pflege in Bayern Ausgabe 53

Advertisement