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Peter Roth


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Das Projekt f.0 beschäftigt sich mit kreativen Prozessen zur Aneignung von Welt. Im Mittelpunkt steht der Zustand der Leere und Unbestimmtheit – ein Zustand des ständigen Wechsels zwischen konzentrierter Betrachtung und umherschweifender Suche. Ausgangspunkt für individuelle Entdeckungen am Rande der allgemeinen Aufmerksamkeit – für ungewohnte Perspektiven, um die Dinge mit anderen Augen zu sehen und sich neue Zusammenhänge abseits von scheinbar Vertrautem zu erschließen. Es ist die Neugierde, die uns antreibt. Der Drang, die uns umgebende Welt in allen ihren Formen und Erscheinungen zu verstehen und zu entdecken – fremdes Terrain zu betreten. Eine ständige Suche und ein stetiges Sammeln von Fragmenten und Messpunkten. Gelegentlich bleiben wir stehen und versuchen das Entdeckte zu sortieren und Relvantes zu verarbeiten. Die neuen Fundstücke wollen bewertet und in Relation gebracht werden. Eventuell gewonnene Erkenntnisse müssen fixiert werden. »Entdeckung« meint in unserer Kultur oftmals gleichzeitig vom Entdeckten Besitz zu ergreifen. Es tritt unweigerlich der Wunsch nach Festschreibung und Ordnung an die Stelle der Neugier. »Ordnung ist das halbe Leben«, so heißt es doch. Das erlangte Wissen muss in eine vermittelbare Form gebracht werden. Zu diesem Zweck entwickeln wir theoretische Modelle, schematische Darstellungen von komplexen Zusammenhängen – Karten, Diagramme, Pläne. Diagramme und schematische Zeichnungen lassen sich allgemein als zeichnerische Darstellungen oder Schaubilder definieren. Mit ihnen werden Aspekte der Wirklichkeit beschrieben und über eine abstrahierte, grafische Repräsentation für Dritte verständlich gemacht. Sie ermöglichen eine Analyse und Vermittlung – sie erklären uns die Welt und zeigen uns wo wir stehen. Die Interpretation der Darstellung durch den Betrachter erfolgt entweder aufgrund eines formalisierten Zeichen- oder Notationssystems, dessen Elemente und Regeln sowohl dem Erstellenden und dem Betrachtenden bekannt sind, oder aber die Erschließung von Zusammenhängen findet über einen assoziativen Zugang statt. Dabei werden die


Sachverhalte assoziativ mittels einer abstrahierten, zeichenhaften Darstellung beschrieben und vom Betrachter aufgrund eines assoziativen Interpretationsvorgangs gelesen. Wesentliches Instrumentarium für die Entschlüsselung von schematischen Darstellungen oder Diagrammen sind beigefügte Legenden oder eine beschreibende Zeichen- oder Textebene.

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Ausgangsmaterial für das Projekt f.0 sind ebensolche schematische Darstellungen aus den Bereichen Wissenschaft und Technik. Darstellungen die zum Zweck der Vermittlung von komplexen Zusammenhängen erstellt wurden und deren Form sich am entsprechenden Sachverhalt und der Intention des jeweiligen Erstellers orientiert. Instrumente, die uns die Welt um uns herum in ihren Erscheinungen erklären soll. Ein Umfeld mit fest definierten Bedeutungen und Funktionen, in dem scheinbar kein Platz mehr bleibt für Leerstellen und eigene Entdeckungen – für etwas Neues. Andere Möglichkeiten ergeben sich, wenn man an diesem Punkt absichtlich einen Fehler einbaut. Ein bewusst platzierter Fehler, der Irritation erzeugt und scheinbar fest Definiertes und Vertrautes in seine Bestandteile zerlegt. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit in einem Kontext, der wissenschaftlicher Perfektion, scheinbarer Objektivität und festen Methodiken verhaftet ist. Der besagte Fehler besteht in der bewussten Elimination der Textebene – der Beschriftung und der identifizierenden Zeichen und Symbole. Die schematischen Darstellungen werden von ihrer ursprünglichen Funktion entkoppelt und aus ihrem Kontext gelöst. Es entstehen auf den ersten Blick scheinbar sinnlose grafische Strukturen – ausschließlich formal wirkende, abstrakte, offene Formen. 01 Aus inhaltlicher und formaler Komplexität entstehen leere Gebilde, gewissermaßen Gefäße die gefüllt werden wollen. Die ursprüngliche Bedeutung der Darstellung ist zwar inhärent noch vorhanden, für den Betrachter aber nicht mehr zu entschlüsseln – sie unterliegt nun vollständig der Interpretation des Einzelnen. Die zeichnerischen Darstellungen und Diagramme katalysieren durch ihre Form ihre eigenen Bedeutung – man kann also unter diesem Blickwinkel sehr anschaulich von Diagrammen als »abstrakte Maschinen« sprechen. 02 Durch die Elimination der Textebene reduzieren sich die Zeichnungen


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auf einfache Elemente, wie Punkt, Linie, Fläche Körper und grundlegende Zeichen wie Klammern oder Pfeile. Kleinen Fehlern, Unreinheiten und Ungenauigkeiten bei der Erstellung der Zeichnungen, wie etwa Ausradierungen oder Variationen im Linienduktus, kommt durch die Reduktion vermeintlich eine Bedeutung zu. 03 Es entstehen irritierende Selbstähnlichkeiten, ein Gefühl der diffusen Unschärfe und Orientierungslosigkeit erfasst den Betrachter. Der Begriff »Nullpunkt« beschreibt diesen Moment der diffusen Leere und Unbestimmtheit – der Irritation – als Kristallisationspunkt für etwas Neues, Eigenes. Irritationsfähigkeit ist die wesentliche Vorraussetzung dafür, Neues entwickeln zu können. 04 Leere, Lücken und »weiße Flecken« gelten im westlichen Kulturkreis als Makel – was weiß und leer bleibt beunruhigt uns. 05 Es sind Fehler die ausgemerzt, Wissensdefizite die um jeden Preis beseitigt werden müssen. Wir sehen was wir nicht wissen. Doch es sind ja eigentlich gerade diese Lücken, denen das Potential für die Entstehung von etwas neuem inne wohnt. »Lücken lassen Raum für die Zukunft«. In der japanischen Kunst sind Leere und Unbestimmtheit ein Schlüsselmerkmal: Das Vermeiden absoluter Ideen und Bilder und die Angst vor der gefüllten Fläche. 06 Der Betrachter muss selbst Zusammenhänge und Bedeutungen von Fragmenten und Bildbereichen entschlüsseln. Er bekommt kein vorgefertigtes Gesamtbild, er muss sich die »Welt« vorstellen. Und in diesem Versuch ist er bereits an einem Punkt angelangt an dem ein persönlicher Entwicklungsprozess beginnt; er fängt an, nach etwas zu suchen, er wird kreativ. Das Projekt f.0 widmet sich dieser Schaffung von Leerstellen und Projektionsflächen aus komplexen Zusammenhängen unserer Wirklichkeit und möchte den Moment des Nullpunktes und den Zustand der Leere und Unbestimmtheit erforschen und beschreiben. In ihm wird uns Vertrautes unbekannt und neue Denkbewegungen werden in Gang gesetzt. Eine Suche nach Zusammenhängen wird katalysiert und wir beginnen im Spannungsbereich zwischen dem eigenen Erfahrungsschatz, den


Zeichnungen und fotografischen Fragmenten eigene Vorstellungen und Entwürfe zu entwickeln. Es ergibt sich ein unscharfes Feld aus möglichen Kombinationen, formalen Ähnlichkeiten und assoziativen Eindrücken. Instrumente, die uns eigentlich die Welt erklären sollen, werden zu Objekten der Forschung und Interpretation. Die zeichnerischen Darstellungen werden im Rahmen des Projektes punktuell mit Fotografien kombiniert. Sie zeigen isolierte Objekte und Spuren unserer Alltagswelt, verweisen auf scheinbar vertraute Erscheinungen und Phänomene, die sich meist am Rande unsere Aufmerksamkeit befinden. Es bleibt dabei bewusst offen, ob diese einer Darstellung zur Seite gestellte Fotografie Resultat einer Interpretation der jeweiligen Zeichnung ist, oder eigenständig und für sich stehend eine Beschreibung für den Moment der Leere und Unbestimmtheit darstellt.

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Aneignung von Welt und die Entwicklung einer eigenen Sicht auf die Dinge, die uns umgeben, sind stetige Prozesse, welche kontinuierlich fortlaufen. Es gibt keinen Haltepunkt und kein Ende – es entsteht keine absolute Idee oder ein endgültiges Gesamtbild. Es gibt Phasen der Konzentration, des Sortierens und Ordnens – und Phasen der umherschweifenden Suche. Ein Entwurf, und damit seine Relevanz, ist stark dem Moment verhaftet und ständig in Bewegung. Das Projekt orientiert sich medial an diesem prozessorientierten Charakter. Dieses Buch stellt gewissermaßen die Materialisation einer Momentaufnahme dar. Es beschreibt einen Zustand zu einem gewissen Zeitpunkt. Die konstituierenden Fragmente sind variabel, repositionierbar und endlich. Ebenso ist es das Ziel der räumlichen Präsentation immer neue Kombinationen und Felder auszuloten und diese zum assoziativen Spiel bereitzustellen. Das Projekt befindet sich im Fluss und entwickelt sich ständig weiter. Oder vielleicht auch zurück oder seitwärts. Alles eine Frage der Perspektive. Denn die Entdeckung besteht nicht darin Neuland zu betreten, sondern scheinbar Vertrautes mit anderen Augen zu sehen. 07


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Umberto Eco: Das Offene Kunstwerk. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977

02

Gilles Deleuze: Foucault. Suhrkamp, Frankfurt, 1987 Gilles Deleuze; Felix Guattari: Tausend Plateaus. Merve, Berlin, 1997

03

Emma Dexter: Zeichnen ist menschlich. In: Vitamin Z, Neue Perspektiven in der Zeichnung. Phaidon, Berlin, 2005

04

Niklas Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft. 5. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1997

05

Chris Bezzel: Der weiĂ&#x;e Fleck auf der Landkarte. In: Stephan Berg/Martin Engler (Hrsg.): Die Sehnsucht des Kartographen. Kunstverein Hannover, Hannover, 2003

06

Gian Carlo Calza: Japan Stil. Phaidon, Berlin, 2007

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Zugeschrieben: Marcel Proust Weitere Literaturverweise im Anhang.


Bibliografie

Weiterführende Literatur/Quellen.

Chris Bezzel: Der weiße Fleck auf der Landkarte. In: Stephan Berg/Martin Engler (Hrsg.): Die Sehnsucht des Kartographen. Kunstverein Hannover, Hannover, 2003 Paolo Bianchi/Sabine Folie (Hrsg.): Atlas Mapping. Künstler als Kartographen, Kartographie als Kultur. Turia und Kant, Wien, 1997 Gian Carlo Calza: Japan Stil. Phaidon, Berlin, 2007 Gilles Deleuze, Felix Guattari: Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie. 3. Auflage. Merve, Berlin, 1992 Gilles Deleuze: Foucault. Suhrkamp, Frankfurt, 1987 Emma Dexter: Zeichen ist menschlich. In: Vitamin Z, Neue Perspektiven in der Zeichnung. Phaidon, Berlin, 2005 Gerhard Dirmoser: Vom Nutzen schematischer Zeichnungen. Linz, 2004 http://www.servus.at/kontext/diagramm/00_Link_Plateau.htm (abgerufen am 20.06.2007) Umberto Eco: Das Offene Kunstwerk. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977 Wassily Kandinsky: Punkt und Linie zu Fläche. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente. 8. Auflage. Benteli, Bern 2002. Wolfgang Lotter: Die Gestörten. In: brand eins - Schwerpunkt Ideenwirtschaft. Ausgabe 05/2007. brand eins Verlag, Hamburg, 2007 John Maeda: The Laws of Simplicity. The MIT Press, o.O., 2006 Tomato: Prozess - Ein Projekt von Tomato. Bangert, München, 1996 Edward R. Tufte: The Visual Display of Quantitative Information. 2. Auflage. B&T, o.O., 2001


Abbildungsverzeichnis

Dieses Verzeichnis soll nur dazu dienen

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FF o.T.

Autoren und Entstehungskontexte offen-

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PR Chigurh

zulegen. Es dient nicht zur Kl채rung von

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PR Stecker

Bildbedeutungen und Inhalten.

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A PR Spiegelungen

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B PR Spiegelungen

Die Indizes verweisen auf den jeweiligen

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C PR Spiegelungen

Bogen. Mehrere Bilder pro Bogen werden

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A FF o.T.

in Leserichtung mit A/B/C bezeichnet.

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B FF o.T.

F0 09 080613 0011 A PR Peter Roth

PR Objekt 012-045-2345

F0 09 080613 0011 B PR o.T. F0 09 080613 0013 A

PR Origami

FF Foundphotos, Found-Footage-Archiv

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PR Origami

www.10eastern.com/foundphotos

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PR Colours of Darkness

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PR In-Between

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PR o.T.

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PR o.T.

F0 09 080613 0021 B PR Magnolia F0 09 080613 0021 C

PR o.T.

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PR Baum

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PR Objekt 012-045-5515

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PR Sichtschutz

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PR Objekt 013-055-2565

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PR Objekt 011-015-1301

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PR Fixed

F0 09 080613 0032 A PR o.T. F0 09 080613 0032 B PR o.T. F0 09 080613 0033 A FF o.T. F0 09 080613 0033 B PR Stairway F0 09 080613 0034

PR o.T.

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PR o.T.

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PR o.T.


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PR Objekt 009-025-1564

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PR o.T.

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PR Labor

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PR o.T.

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PR Gelb schweigt anders

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PR o.T.

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PR

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PR Hommage to R.R.

Between Shores


Impressum

Idee, Konzeption und Gestaltung

Dank

Peter Roth, www.peterroth.net

Sabine an Huef Xuyen Dam Susanne Brügger

2. Auflage 2010

Jana Drees

Veröffentlicht als eBook (PDF) unter der

Sigrid und Wilfried Roth

Creative Commons Lizenz: Sie dürfen das

Judith-Anna Czech

Werk zusammenhängend verbreiten,

Annika Janssen

vervielfältigen und öffentlich zugänglich

Nicole Klapperstück

machen. Zu folgenden Bedingungen:

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Namensnennung des Autors (Peter Roth,

Jannis Reichard

www.peterroth.net), keine kommerzielle

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© 2007 Peter Roth Printed in Germany with love.

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Papier

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Schrift

Minion Pro Blender Pro



f.0 zero point – The exploration of Emptiness