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DER PAKT PAKTBOTE MAGAZIN ZUM BUNDESPROGRAMM PERSPEKTIVE 50PLUS | AUSGABE # 7 EDITORIAL

Gut – Besser – Nachhaltig

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achhaltigkeit ist ein facettenreicher Begriff. Nachhaltigkeit meint u.a. „durchschlagend“, „wirksam“, „anhaltend“. Fragt man nach Nachhaltigkeit, so stehen also nicht die kurzfristigen, sondern die langfristigen Folgewirkungen im Fokus. Was heißt es nun im Kontext eines arbeitsmarktpolitischen Programms wie Perspektive 50plus? Oftmals wird anhand von Statistiken gemessen, wie viele Menschen wieder in Arbeit gekommen sind. Doch sind gezählte Integrationen zugleich ein Indikator für Nachhaltigkeit? Welche Aspekte lassen sich darüber hinaus heranziehen, um Nachhaltigkeit zu beschreiben? Perspektive 50plus ist als ein Bundesprogramm gestartet, an dessen Anfang ein Ideenwettbewerb stand, wirksame Ansätze zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit von älteren Langzeitarbeitslosen zu entwickeln. Was mit 62 Grundsicherungsstellen in 2005 startete, wird heute von fast allen Grundsicherungsstellen bundesweit getragen. Was war und ist nun so überzeugend, dass sich eine so breite Beteiligung durchsetzte? Es sind u.a. die Gestaltungsfreiräume, Ansätze zu regionalen Gegebenheiten zu entwickeln, aber auch nach- oder umsteuern zu können. Nach der Einführungsphase wurde schnell klar, dass der Bedarf groß war, Angebote für ältere Langzeitarbeitslose zu schaffen – Angebote, die abseits des Regelgeschäfts neue Wege in der Vermittlungsarbeit und in der Zusammenarbeit sowohl mit den regionalen Partnern als auch mit den Kollegen/-innen der anderen beteilig-

ten Grundsicherungsstellen aufzeigen. Der kontinuierliche Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den beteiligten Akteuren ließ Perspektive 50plus zu einem „Lernenden Programm“ werden. Eine Wachstumsphase nicht nur im geografischen Sinne, auch im Hinblick auf Erfahrungswissen und Erkenntnisse. In der Reifephase haben sich Ansätze in der Aktivierungs- und Vermittlungsarbeit über die Jahre bewährt. Dies wirkte sich nicht nur auf die inhaltliche Ausrichtung konkreter Projektansätze aus, sondern auch auf Strukturen in den Grundsicherungsstellen. So werden in der Personalentwicklung Konzepte umgesetzt, die Teamstrukturen verändern und zur Qualifikation der Mitarbeiter/-innen beitragen, um sie für die Zusammenarbeit mit älteren Langzeitarbeitslosen weiter zu professionalisieren. Was sich als wirksam erweist, wird weitergetragen. Entscheidend dafür sind auch die Netzwerke und Partnerschaften, die das unterstützen. Damit Erprobtes und Erfolgreiches aus der Umsetzung bewahrt wird, werden Wege notwendig wichtige Erkenntnisse sichtbar zu machen und Erfahrungswissen zu transferieren, um somit Lernprozesse aus Perspektive 50plus zu sichern und für andere zugänglich zu machen. Denn das Ende eines arbeitsmarktpolitischen Programms bedeutet nicht zwangsläufig das Erreichen einer Sättigungsphase und die Entscheidung darüber, Bestehendes aufzugeben. Vielmehr beginnt dann die Suche nach Anknüpfungspunkten, um erworbenes Wissen in andere Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik einzubringen.

VOR ORT

TIPPS & TRICKS

NACH GEFRAGT

Allianz 50plus – Der Beschäftigungspakt für Ältere in den Regionen

Drehtüreffekt – Was tun?

Länderübergreifend Handeln für eine gemeinsame Sache

Seite 2–3

Seite 4–5

Seite 6

Was zeichnet die „Nachhaltigkeit von Integrationen“ in der Aktivierungs- und Vermittlungsarbeit aus? Das ist eine zentrale Frage im Rahmen des Jahresschwerpunktthemas 2014 . Rein quantitativ betrachtet, ist eine Integration dann nachhaltig, wenn sich nach einer Phase der Arbeitslosigkeit ein langfristiges und dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis anschließt. Nachhaltig im qualitativen Sinne ist eine Integration gelungen, wenn die neue Arbeit auch existenzsichernd ist und damit bestenfalls den Hilfebezug beendet. Um beide Ziele zu erreichen, sind viele kleine Schritte notwendig. So gibt es in der Aktivierungs- und Vermittlungsarbeit viele Stellschrauben – vor, während und nach einer Vermittlung - , die bedient werden können, um eine besondere Qualität in der Vermittlungsarbeit entstehen zu lassen. Die Diskussion und der Austausch zwischen den Beschäftigungspakten sensibilisieren für das Thema Nachhaltigkeit. Und dadurch wird eine neue Achtsamkeit im Hinblick auf die kleinteiligen Prozesse in der Arbeit mit älteren Langzeitarbeitslosen geschaffen. Lesen Sie in dieser Ausgabe anhand von Beispielen aus der Arbeit der Beschäftigungspakte, wie sowohl durch eine angemessene Aktivierungsarbeit als auch durch Nachbetreuung im Anschluss an eine Vermittlung die Dauer von Beschäftigungsverhältnissen stabilisiert werden kann. Und erfahren Sie mehr darüber, wie Beschäftigungspakte durch Kooperationen untereinander und über die Grenzen von Bundesländern hinweg nachhaltig und dauerhaft die Erfolge ihrer Arbeit sichern.

BEZIEHUNGSARBEIT

Beziehungsarbeit nachhalten durch Nachbetreuung

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VOR ORT WIR SIND HIER:

Begegne jedem Menschen mit derselben Achtung und Wertschätzung Der Beschäftigungspakt „Allianz 50plus“ hat schon früh auf EmpowermentAnsätze gesetzt. Denn nur wenn die Motivation der Arbeitsuchenden stimmt, kann eine erfolgreiche und nachhaltige Vermittlung in eine Beschäftigung gelingen. Dafür ist das Engagement beider Seiten gefragt. Und, es gibt nicht den einen Weg. Vielmehr sind es immer wieder individuelle Lösungen, die gefunden werden müssen. Entscheidend für den Erfolg ist aber auch das Zusammenwirken aller Mitarbeiter/-innen sowohl im Jobcenter als auch bei den Trägern.

Allianz 50plus – Der Beschäftigungspakt für Ältere in den Regionen Der Beschäftigungspakt Allianz 50plus ist eine Partnerschaft der Jobcenter Uckermark, Mecklenburgische Seenplatte Süd, Oberhavel und Hameln-Pyrmont in enger Zusammenarbeit mit regionalen Projektdienstleistern. So unterschiedlich die Verfahrensweisen und örtlichen Gegebenheiten in den vier Regionen auch sind – der länderübergreifende Wissenstransfer und die koordinierte Zusammenarbeit aller Institutionen ermöglichen vielfältige Ansätze und Strategien zur Aktivierung und nachhaltigen Integration älterer Langzeitarbeitsloser.

ZUR WIRTSCHAFTS STRUKTUR DER REGION Arbeitslosenquote 8,0–15,3% Anzahl der ALG II-Empfänger/-innen über 50 Jahre 9.043 Einwohnerzahl 620.767 Hauptwirtschaftszweige Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Tourismus

www.allianz50plus.de

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Nico Schröder, Paktkoordinator von Allianz 50plus des Jobcenters Uckermark

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eit langer Zeit vom Erwerbsleben ausgeschlossen sein – das kann viele Gründe und Ursachen haben. Die Zeit spielt in diesem Fall gegen die Betroffenen. Denn mit längerer Verweildauer in der Arbeitslosigkeit veralten nicht nur fachliche und berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten, auch gesundheitliche Einschränkungen und die Gefahr sozialer Isolation nehmen zu – und das unabhängig vom Alter. Mit dem Fokus auf ältere Langzeitarbeitslose entwickelte „Allianz 50plus“ spezielle Angebote für die Zielgruppe 50plus, insbesondere im Hinblick auf gesundheitliche Aspekte und der Arbeit an der Erwerbsbiografie, die im Betreuungs-

Thomas Greiner, Projektleiter bei der ABW GmbH in der Uckermark

Thomas Elsner, Teamleiter 50plus im Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte Süd

und Beratungsprozess bisher nicht vorgesehen waren. „Spezielle Angebote oder gar Instrumente für die Aktivierung dieser Kundengruppe waren nicht vorhanden. Neben der Installation von Projektteams 50plus in den Jobcentern wurden in Zusammenarbeit mit Trägern Umsetzungskonzepte entwickelt. Das verlief regional unterschiedlich, jedoch mit dem gleichen Ziel: Eine ganzheitliche Aktivierung soll älteren Langzeitarbeitslosen Möglichkeiten eröffnen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen“, sagt Nico Schröder, als Paktkoordinator von Allianz 50plus des Jobcenters Uckermark. „Denn nur mit einem umfassenden Blick kann es gelingen, auf unterschiedlichen Handlungsebenen anzusetzen, um gemeinsam mit den Projekt-

teilnehmenden einen optimistischen und vor allem realistischen Blick für die persönliche Lebenslage zu entwickeln“, ergänzt Thomas Greiner, Projektleiter bei der ABW GmbH in der Uckermark.

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Eine Sichtweise, die sich auch mit dem Anspruch des 50plus-Projekts im Jobcenter Neubrandenburg deckt. In der Zusammenarbeit mit den älteren Langzeitarbeitslosen bedeutet dies neue Wege zu gehen. So sind beispielsweise Dialoggespräche eingeführt worden, in denen Mitarbeiter/innen des Jobcenters und des Trägers gemeinsam mit dem Kunden verbindlich Erstgespräche führen. Das Auftreten als Partner schafft Vertrauen bei den Arbeitsuchenden, dass hier alle gemeinsam an einem Ziel arbeiten.


„Vertrauen zu gewinnen, das ist ein Schlüsselmoment“, bestätigt Herr Elsner, Teamleiter 50plus im Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte Süd. „Das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht. Aber erst dann kann sich Neugierde entwickeln und der Blick wieder öffnen.

„Hier können die Bewerbungsunterlagen online bearbeitet, Videos der Bewerber hochgeladen oder interessante Stellenprofile hinterlegt werden. Oder aber in Lernwerkstätten können sich die Arbeitsuchenden praxisnah ausprobieren. Hier erfahren sie, was die Fähigkeiten und

der ABC-Methode und Aktive Bewältigung von Arbeitslosigkeit (AktivA) schulen lassen. „Besondere Gesprächsmethoden ergeben in kürzester Zeit ein sehr umfassendes Bild über die Situation einer Person, um dann zielorientiert arbeiten zu können“, erläutert Dagmar Priesett, Teamleiterin

tigkeit in den erzielten Fortschritten gestärkt werden“, ergänzt Claudia Janetzko, Fallmanagerin 50plus im Jobcenter Hameln-Pyrmont.

AUSGEPACK T: ORGANISATIONALES ARBEITSVERMÖGEN Ulrike Sohm , Projektleiterin bei der BMD GmbH

Dagmar Priesett, Teamleiterin 50plus im Jobcenter Hameln-Pyrmont

Claudia Janetzko, Fallmanagerin 50plus im Jobcenter Hameln-Pyrmont

Das ist die größte Herausforderung.“

Stärken sind, um sich auf dem ersten Arbeitsmarkt richtig zu orientieren“, beschreibt Frau Sohm Projektleiterin bei der BMD GmbH. Es ist der Mix von Angeboten, die jeder freiwillig wahrnehmen kann. Angebote, die Impulse geben und Handlungsbereitschaft initiieren.

50plus im Jobcenter HamelnPyrmont. „ Die AktivA-Methode wird als Seminar durchgeführt und behandelt Themen wie gesundheitsförderliche Aktivitätenplanung, das konstruktive Denken, die sozialen Kompetenzen und die soziale Unterstützung sowie das systematische Problemlösen. Das bringt eine ganz neue Qualität in die Beziehungsarbeit mit den Arbeitsuchenden.“

Vertrauensvolle Zusammenarbeit, aber auch das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten stärken. Für einige Arbeitsuchende ist es bereits eine große Hürde, die Bewerbung abzuschicken. Allein der Gedanke an eine Absage blockiert. Und um diese Hürden abzubauen, sind kleine Schritte auf unterschiedlichen Wegen notwendig. In der Gruppe kann sich der Einzelne zum Beispiel gemeinsam mit anderen zu Themen austauschen und die eigene Situation mittels entstehender Gruppenprozesse überdenken und verändern. Und auch Angebote wie das EmpowermentPortal motivieren die Teilnehmenden und schulen zugleich deren EDV-Kenntnisse.

So steht jeder Arbeitsuchende vor seinen ganz persönlichen Herausforderungen. Gleiches gilt aber auch für die Mitarbeiter/-innen von Allianz 50plus. Denn die Methodenvielfalt in der Aktivierungsarbeit kann nur von gut ausgebildete Mitarbeiter/innen geboten werden. So hat der Paktpartner Jobcenter Hameln-Pyrmont seine Mitarbeiter/-innen gezielt im Casemanagement (DGCC),

Beschreibt eine Dimension der Beschäftigungsfähigkeit von Menschen im Hinblick auf die Fähigkeit und Kompetenz, sich in Erwerbsorganisationen zu recht zu finden. Dazu gehören u.a. der Umgang mit Kollegen, aber auch mit den Anforderungen von Hierarchien und Konkurrenzdruck. Es ist eine praktische Fähigkeit, um dauerhaft in Beschäftigung zu verbleiben und muss ggf. nach der Arbeitslosigkeit erneut eingeübt werden.

Ein Vorgehen, das mit der Beratungsqualität und der Haltung eines jeden einzelnen Mitarbeiters steht und fällt. „Wenn ich als Beraterin dem Arbeitsuchenden etwas zutraue, erst dann kann ich motivieren und Impulse geben. Vertrauen und Offenheit zu schaffen, braucht Zeit. Aber erst wenn der Mensch mit sich im Reinen ist, kann Nachhal-

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TIPPS & TRICKS

Von der beschäftigungsorientierten Aktivierung über die passgenaue Vermittlung zur individuellen Nachbetreuung

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s ist der sogenannte „Drehtüreffekt“: Ein Projektteilnehmender wurde mit viel Engagement vermittelt und sieht hoffnungsvoll der neuen Tätigkeit entgegen. Doch nach wenigen Monaten oder sogar Wochen sitzt er wieder am Schreibtisch des Vermittlers, weil es mit dem Beschäftigungsverhältnis nicht geklappt hat.

AUSGEPACK T: E XISTENZSICHERNDE INTEGR ATION Existenzsichernd bedeutet eine den Lebensunterhalt sichernde Integration in eine sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit, die bestenfalls die Hilfebedürftigkeit beendet. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese Beschäftigungsverhältnisse tendenziell stabiler sind. (IAB Kurzbericht, 04/2011)

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Die Evaluation von Perspektive 50plus ergab, dass rund ein Drittel der Projektteilnehmenden vor Ablauf einer Beschäftigungsdauer von sechs Monaten wieder arbeitslos ist. Daraus ergibt sich die Vermutung, dass neu aufgenommene Beschäftigungen vor allen in den ersten sechs Monaten gefährdet und noch nicht ausreichend stabil sind. Anlass genug, das Thema „Nachhaltigkeit von Integrationen“ zum Schwerpunktthema 2014 zu benennen. Vor diesem Hintergrund entwickelten zahlreiche Pakte Ansätze und Konzepte, um Integrationen nachhaltig zu sichern. Schon bei der Aktivierung wird der Grundstein für eine langfristige Beschäftigung gelegt. Einige Beschäftigungspakte setzen hier beispielsweise auf spezifische Trainings zur Förderung von Arbeitsfertigkeiten und berücksichtigen Aspekte einer „beschäftigungsorientierten Lebensführung“. Gruppenarbeiten, die gezielt auf das spätere Berufsleben vorbereiten sowie der kontinuierliche Kontakt zu den regionalen Arbeitgebern flankieren die Aktivierung. Ein weiterer wichtiger Baustein im strategischen Ansatz der Beschäftigungspakte ist das passgenaue Matching. Passgenau heißt, ein adäquates Stellenanforderungsprofil für den Arbeitsuchenden zu finden und umgekehrt. Sowohl die detaillierte Kenntnis über die Fähigkeiten des Projektteilnehmenden als auch der Betriebsstruktur und -kultur des zukünftigen Arbeitgebers ist der Schlüssel zum Erfolg.

Nach einer gelungenen Vermittlung in eine Beschäftigung wollen viele ehemalige Arbeitsuchende umgehend dem Jobcenter den Rücken kehren. Doch hier hat es sich bewährt, über Vertrauen und Überzeugungsarbeit den Kontakt aufrechtzuerhalten und Nachbetreuung anzubieten. Über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten steht der Vermittler bei Problemen am neuen Arbeitsplatz weiterhin beratend zur Seite. Manchmal stellt sich erst in der Anfangszeit heraus, welche weiteren Fachkenntnisse am Arbeitsplatz notwendig sind. Oder wie geht man am besten mit Unsicherheiten und Überforderungen am neuen Arbeitsplatz um? Oftmals hilft hier ein vertrauensvolles Gespräch oder die neutrale Position des Vermittlers, um Konflikte zu bewältigen. Den Ursachen für verfrühte Abbrüche von Beschäftigungsverhältnissen auf den Grund zu gehen – dafür erheben viele Beschäftigungspakte in Eigenregie (Interview mit Hagen Rösler in dieser Ausgabe) oder über eine externe Evaluation Daten für eine gezielte Analyse. Das ist ein erster Schritt, um eine eigene Strategie für nachhaltige und dauerhafte Integrationen zu entwickeln und dem „Drehtüreffekt“ entgegenzusteuern.


GOLDENE REGEL Beratung und Begleitung der älteren Langzeitarbeitslosen ist dann erfolgreich, wenn sich nach der Arbeitslosigkeit ein langfristiges Beschäftigungsverhältnis anschließt. Entscheidend dafür ist eine Aktivierungs- und Integrationsarbeit, welche die besonderen Lebensumstände und Möglichkeiten des Einzelnen berücksichtigt. Nicht immer führt der schnellste Weg zum Erfolg. Vielmehr ermöglicht die passgenaue Vermittlung nachhaltige Integrationen.

ARGUMENT • Der Vermittelte: Eine existenzsichernde und langfristige Beschäftigung sichert nicht nur die finanzielle Basis, sondern gewährt auch kontinuierliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. • Jobcenter: Nachhaltige Integrationen stehen für eine qualitativ hochwertige und erfolgreiche Aktivierungs- und Integrationsarbeit. • Der Vermittler: Erfolgserlebnisse bei der Vermittlungsarbeit motivieren Mitarbeiter/-innen in den Jobcentern. • Für Unternehmen: Passende Mitarbeiter/-innen verringern den Aufwand für die erneute Einarbeitung von Mitarbeiter/-innen im Unternehmen.

TO DO – WAS IST ZU TUN? | WOR AN SOLLTE GEDACHT WERDEN? • Integrationsarbeit und Nachbetreuung sollten in einer Hand liegen, am besten bei einem Vermittler, den sowohl die Unternehmen als auch die vermittelten Bewerber gut kennen. • Sorgen Sie für Transparenz der Beratungsangebote während und nach der Vermittlung. Mit einem guten Informationsangebot werben Sie am besten für Ihre Leistungen. • Denken Sie an eine Einverständniserklärung für die Nachbetreuung. Neben der datenschutzrechtlichen Notwendigkeit, die es dem Vermittler erlaubt, den vermittelten Bewerber und Arbeitgeber zu kontaktieren, stärkt sie die Verbindlichkeit des Angebots.

Das steht fest: Nachhaltigkeit steht für die Qualität der Aktivierungs- und Integrationsarbeit und zahlt sich aus – für jeden.

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NACHGEFR AGT

Länderübergreifend Handeln für eine gemeinsame Sache Sabine Braunersreuther, Paktkoordinatorin „50plus in Oberfranken e.V.“, und Christian Dressel, Geschäftsführer Jobcenter Landkreis Sonneberg des Beschäftigungspaktes „AGIL-Aeltere Gehen In Lohn „Perspektive 50plus“ gestalten aktiv die paktübergreifende Partnerschaft.

AUSGEPACK T: NACHHALTIGE INTEGR ATION Einerseits wird unter Nachhaltigkeit die Dauer der Beschäftigung verstanden. Damit ist gemeint, ob ein Beschäftigungsverhältnis z.B. nach drei, sechs oder zwölf Monaten noch besteht. Andererseits ist unter Nachhaltigkeit die existenzsichernde Beschäftigung zu verstehen.

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Bereits seit sieben Jahren kooperieren die Beschäftigungspakte „50plus in Oberfranken e.V.“ und „AGIL-Aeltere Gehen In Lohn „Perspektive 50plus“ über die Landesgrenzen hinaus. Die Zusammenarbeit startete mit der Initiative „Ingenieure 50plus“ und wurde über die Zeit auf gemeinsame Gesundheits- und Mobilitätsprojekte ausgeweitet. Eines ist klar: Erst durch ein gemeinsames Handeln lassen sich zukunftweisende Ideen im Kultur- und Wirtschaftsraum zwischen Rennsteig und Main umsetzen, um den Herausforderungen zu begegnen. Herr Dressel, 40 Prozent der Arbeitslosen im Landkreis Sonneberg sind älter als 50 Jahre. 20 Prozent der Vermittlungen erfolgen bereits länderübergreifend. Wie ist die Zusammenarbeit der Jobcenter organisiert? Ein enger Austausch besteht zwischen den Landkreisen und Städten Sonneberg, Hildburghausen, Coburg, Kronach und Lichtenfels. Es gibt verschiedene regelmäßige Treffen, auf denen Geschäftsführer/-innen und Teamleiter/-innen zusammenkommen. Neuerdings treffen sich die Vermittler/-innen bei den Schulungen für Beratung und Kommunikation. Frau Braunersreuther, ein zentraler Punkt und Erfolgsfaktor in der Vermittlung älterer Arbeitsuchender ist die Ansprache der lokalen und regionalen Unternehmen. Wie ist diese in der Zusammenarbeit mit dem Beschäftigungspakt „AGIL“ abgestimmt? Zentrale Aktionen zur Unternehmensansprache in der Öffentlichkeitsarbeit gestalten wir gemeinsam, wie beispielsweise Werbung über eine regional „fahrende Litfaßsäule“ oder Buswerbung „Gemeinsam für die Beschäftigung Älterer“. Wir sind aber auch gemeinsam auf Messen und Jobbörsen sowie Fachkongressen und Weiterbildungsmessen vertreten. Aktuell nehmen wir auf der Fachkräfte- und Ausbildungsmesse FAMOS in Sonneberg teil, auf der ein gemeinsam erarbeitetes Konzept „Teilnehmerprofile bewerberorientiert und offensiv“ den lokalen und regionalen Arbeitgebern präsentiert wird. Über den Newsletter informieren wir dann über gemeinsame Aktivitäten.

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Nun kann es sicherlich passieren, dass plötzlich der Arbeitsweg ein längerer ist. Welche Möglichkeiten bieten die Beschäftigungspakte, damit eine Beschäftigung nicht am Weg zur Arbeit scheitert. Dressel: Gezielte Förderung der Mobilität ist ein Kernstück der Aktivierungs- und Vermittlungsarbeit. So werden bundeslandübergreifende Fahrgemeinschaften gefördert, gebildet und genutzt. Auch gemeinsame Unternehmensbesuche fördern die Akzeptanz des regionalen Arbeitskräfteaustausches und mildern historisch motivierte intrinsisch verankerte Grenzen. Natürlich wird standardmäßig auch der Erwerb oder Wiedererwerb des Führerscheins, das Auffrischen der Fahrsicherheit und der Fahrzeugerwerb unterstützt. Wie schätzen Sie den Mehrwert des länderübergreifenden Netzwerkes im Hinblick auf eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Region ein? Braunersreuther: Nachhaltigkeit bedeutet für uns, eine klare Zukunftsperspektive für und in der gemeinsamen Region zu haben. Dies gilt wechselseitig für unsere lebenserfahrenen Projektteilnehmenden wie auch für unsere hiesigen – hier angesiedelten – Unternehmen. Mit dem Fokus auf dem gesamten Wirtschaftsraum gelingt es, mehrere Handlungsoptionen für Betriebe bei der Einstellung von Älteren zu erlangen. Gleichzeitig wachsen die Möglichkeiten, den Projektteilnehmenden passgenauere Arbeitsangebote offerieren zu können. Nachhaltigkeit von Integrationen ist ein wichtiges Thema im Bundesprogramm. Wie kann eine solche Zusammenarbeit die Nachhaltigkeit unterstützen? Gibt es konkrete Maßnahmen? Dressel: Nachhaltigkeit war und ist schon immer von besonderer Bedeutung. Unsere


ersten Ansprechpartner sind die Projektteilnehmenden und Unternehmen. Über regelmäßige Befragungen, die für jeden freiwillig sind, haben wir eine wertvolle Feedbackschleife eingebaut. Die Ansprechpartner im Pakt bleiben für die Projektteilnehmenden und Unternehmen auch nach erfolgter Integration erreichbar. Wichtig dabei ist, dass sich die 50plus-Kollegen in der Region geschäftsstellenübergreifend unterstützen, um direkt vor Ort kurze Wege umzusetzen. Netzwerkarbeit lebt entscheidend vom Austausch und kontinuierlicher Kommunikation. Wer sind die wichtigsten Partner in der länderübergreifenden Kooperation, die hier an einem Tisch zusammenkommen? Braunersreuther: Die Partner sind im engeren Sinne die regionalen Jobcenter und die Beschäftigungspakte AGIL und 50plus in Oberfranken. Im weiteren Sinne erfährt die Initiative eine breite Unterstützung über die Landkreise, Kommunen, Wirtschaftsverbände, Hochschule, Kammern, dem WIR-Verein (WIR zwischen Rennsteig und Main e.V.), sowie dem SGB III-Bereich. Lebendiger Austausch findet zu unterschiedlichen Anlässen statt, wie beispielsweise auf dem Wirtschaftsstrategie-Tag 2014 in Coburg, beim Austausch mit den Wirtschaftsförderern im Landratsamt Coburg oder der Mitgliederversammlung des WIR-Vereins in Sonneberg, um nur einige Beispiele zu nennen. Wie haben Sie es geschafft, dass das Netzwerk bereits seit sieben Jahren die Arbeitsmarktpolitik aktiv mitgestaltet? Braunersreuther: Von Anfang an war ein hohes Maß des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung als Fundament vorhanden. Auf diesem aufbauend wurden Arbeitsmarktprojekte wie „Ingenieure 50plus“ oder „Akademiker 50plus“ erfolgreich umgesetzt. Auch in den Folgejahren wurden gemeinsame Projekte initiiert und realisiert. In 2013 wurde dann ein Teil der Zusammenarbeit durch die Beauftragung des Vereins 50plus in Oberfranken mit der Vermittlungsarbeit im Landkreis Sonneberg institutionalisiert.

»Mit dem Fokus auf dem gesamten Wirtschaftsraum gelingt es, mehrere Handlungsoptionen für Betriebe bei der Einstellung von Älteren zu erlangen. Gleichzeitig wachsen die Möglichkeiten, den Projektteilnehmenden passgenauere Arbeitsangebote offerieren zu können.«

Was waren wichtige Erfolge im Rahmen der „Perspektive 50plus“, die vielleicht ohne das Netzwerk nicht möglich gewesen wären? Dressel: Über die Jahre hinweg hat eine deutliche Sensibilisierung für das Thema lebenserfahrene Arbeitsuchende im gemeinsamen Wirtschaftsraum stattgefunden. In der Folge wurden Unternehmen als „Unternehmen mit Weitblick“ gekürt, die vorzugsweise im gesamten Wirtschaftsraum aktiv sind und so auch „Botschafterfunktionen“ übernehmen. Ein Ergebnis daraus ist der erste gemeinsame Wirtschaftsstrategie-Tag für unsere Region, an dem über hundert Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und andere Arbeitsmarktakteure über die Zukunft des Raumes diskutierten. Welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie für den gemeinsamen Wirtschaftsraum? Dressel: Durch die Initiative „Europäische Metropolregion Nürnberg“ findet seit kurzem der Raum vom Rennsteig bis zum Obermain als wichtige wirtschaftliche und kulturelle Einheit Beachtung. Die Aufnahme des Landkreises Sonneberg erfolgte im April 2014. Die durch Bundesländergrenzen gesetzten institutionalisierten Beschränkungen werden somit gelockert und eine gemeinsame Fortentwicklung forciert. Der demografische Wandel und die damit bedingte Arbeitskräftelücke bleibt weiterhin eine Herausforderung. Deshalb kommt dem Beschäftigungspotenzial von Älteren zukünftig in unserem Raum eine besondere Bedeutung zur Arbeits- und Fachkräftesicherung zu.

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NACHHALTIGKEIT& INTEGR ATION

Fachaustausch „Nachhaltigkeit von Integrationen“ Hagen Rösler, Koordinator 50plus im Jobcenter Bremerhaven im Beschäftigungspaktes „Chance 50+ - Aufwind für Ältere“ kennt beide Seiten: Er war viele Jahre in der arbeitgeberorientierte Akquise- und Vermittlungsarbeit tätig und entwickelte im Jahr 2011 ein Konzept zum ganzheitlichen Bewerbercoaching. Seitdem gibt er bundesweit Seminare für Mitarbeiter/-innen in Jobcentern.

Mit einem ersten Workshop in Berlin startete der Fachaustausch zum Schwerpunktthema 2014 „Nachhaltigkeit von Integrationen“. Es ist ein zentrales Ziel von Perspektive 50plus, möglichst viele ältere Langzeitarbeitslose dauerhaft in eine existenzsichernde Beschäftigung zu vermitteln. Denn die nachhaltige und den Lebensunterhalt sichernde Integration in eine Erwerbstätigkeit ist der sinnvollste Weg, um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und an der Arbeitswelt zu erreichen. Insgesamt 34 Beschäftigungspakte haben in diesem Jahr einen Fokus auf das Thema „Nachhaltigkeit von Integrationen“ gesetzt und die Paktarbeit um einen besonderen Ansatz oder ein Projekt erweitert. Auf dem ersten Treffen begann der Austausch zu fünf wichtigen Aspekten des Schwerpunktthemas: • Vorbereitung für die Projektumsetzung: Rahmen schaffen, Prozesse definieren, Ist-Analysen, Kundenwünsche der Arbeitnehmer/-innen und Arbeitgeber/innen, interne Arbeitsgruppenbildung • Aktivitäten vor der Integration: Vorbereitung der Teilnehmer/-innen und Sensibilisierung der Arbeitgeber/-innen • Aktivitäten während der Integration: Förderansätze, passgenaue Vermittlung sowie Beratungsangebote für Arbeitnehmer/-innen und Arbeitgeber/innen • Aktivitäten nach der Integration: Nachbetreuung, Coaching und Konfliktmanagement • Übergreifende und begleitende Aktivitäten wie Netzwerkarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Corporate Social Responsibility (CSR) und Evaluation Eine Erkenntnis war, dass bisher im Programm (z.B. in IMPULS 50plus) Nachbetreuung eher im Sinne eines passiven Angebots praktiziert wurde. In den neuen Konzepten und Ansätzen richten die Pakte die Nachbetreuung stärker proaktiv und strukturiert aus. Nach dem gelungenen Auftakt sind nun weitere Treffen unter Eigenregie der beteiligten Beschäftigungspakte geplant. Der Fachaustausch wird begleitet über das Forum „Nachhaltigkeit“ im Paktservice, in dem Unterlagen hinterlegt sowie Diskussionen zum Thema aktiv geführt und nachverfolgt werden können.

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Herr Rösler, Sie haben in Ihrem Pakt eine Umfrage entwickelt, um mehr über die Ursachen und Gründe zu erfahren. Was waren wichtige Erkenntnisse? Im Pakt erfolgte eine Evaluation aller Integrationen des Jahres 2011 hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Paktintern haben wir uns darauf verständigt, dass eine nachhaltige Integration dann vorliegt, wenn zwölf Monate nach Arbeitsaufnahme weiterhin eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung besteht. Im Jobcenter Bremerhaven lag die Quote bei 62 Prozent. Mit Blick auf diejenigen, die nicht mehr beschäftigt waren, verloren fast 70 Prozent innerhalb der ersten 100 Tage ihren Job. Wie sind Sie vorgegangen und wen haben Sie konkret befragt? Wir führten eine telefonische Befragung durch, da erfahrungsgemäß ein besserer Rücklauf zu erwarten ist. Die Umfrage lief in einem Zeitraum von vier Wochen. Befragt wurden sowohl die betroffenen Bewerber als auch die Arbeitgeber. Wir wollten wissen, aus welchen Gründen ein Beschäftigungsverhältnis nach kurzer Zeit endet. Und ob Arbeitgeber eine beschäftigungsbegleitende Betreuung durch den Arbeitsvermittler des Kunden befürworten oder nicht. Welche Aussagen brachte die Befragung zum Vorschein? Arbeitgeber sahen vor allem unentschuldigte Fehlzeiten, das Verhalten gegenüber Mitarbeiter/-innen und Vorgesetzten sowie die fehlende Meldung über Krankheitszeiten innerhalb der ersten sechs Wochen als die Hauptgründe für das Scheitern von Beschäfti-


gungsverhältnissen. Bei den vermittelten Bewerbern ergab sich folgendes Bild: 40 Prozent der Befragten waren keine Gründe über die Beendigung bekannt, sie hatten auch keine Vermutung oder hatten auch nicht beim Arbeitgeber nachgefragt. Die anderen gaben an, dass Probleme mit Vorgesetzten, Kollegen, Krankheitszeiten und körperliche Überforderung sowie Fehlzeiten z.B. aufgrund von Behördengängen ausschlaggebend waren. Was hat Sie überrascht? Was mich wirklich überrascht hat, ist die Tatsache, dass fehlende Qualifikationen offensichtlich kein Problem auf Seiten der Arbeitgeber darstellt. Auch, dass die fehlende Quantität der Arbeitsleistung nur selten als Kündigungsgrund benannt wurde. Wie haben die Arbeitgeber auf das Angebot der Nachbetreuung reagiert? Nicht einmal zehn Prozent der Arbeitgeber halten eine nachgehende Betreuung durch den Arbeitsvermittler für sinnvoll. Es zeigt sich sogar, dass sich ein Angebot für eine derartige Betreuung als zweischneidiges Schwert herausstellt. Einige Arbeitgeber äußerten ganz klar, dass sie ein solches Angebot misstrauisch gegenüber dem Bewerber machen würde, da dieser einer nachgehenden Betreuung bedarf. Man würde sich dann fragen, was nicht stimmt und ihn besonders kritisch beobachten. Bezeichnend ist auch, dass beide Seiten die Fehlzeiten als Grund benennen. Wie erklären Sie sich das? Die Angaben sind insofern deckungsgleich, dass es zu Problemen kommt, weil der oder die neue Mitarbeiter/-in innerhalb der ersten Tage frei haben will, oder einfach nicht kommt. Hauptgrund sind offene Probleme mit Behörden, häufig mit der Leistungsabteilung der Jobcenter, da kurz nach der Abmeldung in Arbeit der Aufhebungsbescheid ins Haus flattert. Der vermittelte Bewerber, der seinen ersten Lohn aber regulär erst in sechs

Wochen bekommt, steht nun vor einer Situation die ihn psychisch unter Druck setzt und Existenzängste und/oder Verärgerung auslöst. Kunden sehen dies als Steine, die Ihnen in den Weg gelegt werden und geben häufig den Jobcentern die Schuld daran, wenn Sie dann tatsächlich den Job verlieren. Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Umfrage für die weitere Arbeit? Als Sofortmaßnahme haben wir die Schnittstelle zwischen dem Vermittlungs- und dem Leistungsbereich optimiert. Arbeitsvermittler fragen bei einer Arbeitsaufnahme nach dem Zeitpunkt der ersten Gehaltszahlung, um diesen der Leistungsgewährung mitzuteilen, um eine voreilige Leistungseinstellung zu verhindern. Zudem haben wir das bisherige Schulungskonzept für ein ganzheitliches Bewerbercoaching um ein neues Modul „Nachhaltigkeit“ erweitert. Sie legen also verstärkt den Fokus auf die Bewerbersicht? Richtig, denn der Einfluss auf die Arbeitgeber ist nur begrenzt möglich. Deshalb werden die Coachs dahingehend geschult, wie sie die Bewerber gezielt für die ersten 100 Tage im Betrieb sensibilisieren können. Das Thema ist eingebettet in den Gesamtkontext der unterschiedlichen Erwartungen von Familie, Freunden, Vorgesetzten, Kollegen etc., mit denen sich ein Bewerber im Falle einer Arbeitsaufnahme konfrontiert sieht. Ein weiteres Thema ist der Umgang mit Ängsten. Einige wenige Bewerber haben offen zugegeben, dass Ängste vor Versagen, den Vorgesetzten oder Kollegen zu Krankmeldungen geführt haben. Die Tatsache, dass wir immer wieder Bewerber haben, die selbstgesuchte Arbeitsstellen nicht antreten oder sich am ersten Tag krank melden, ließ mich Arbeitsuchende in der Gruppenarbeit ansprechen. Es zeigte sich, dass je nach Dauer der Arbeitslosigkeit und Alter der Betroffenen eine Arbeitsaufnahme mit verschiedensten Ängsten verbunden ist.

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BEZIEHUNGSARBEIT

Beziehungsarbeit nachhalten durch Nachbetreuung Über viele Umwege ist Simona Freund in ihren Heimatort zurückgekehrt. Einst zog sie der Arbeit hinterher, bis sie vor einiger Zeit das Heimweh plagte. Während ihrer Laufbahn hatte sie verschiedenste Positionen inne, von der Außendienstmitarbeiterin im Vertrieb, über die Geschäftsstellenleitung bei einem Verlag bis hin zur Teamleiterin in einem Kommunikationscenter. Seit 2011 ist sie nun im Beschäftigungspakt ‚Vital ab 50’ im vogtländischen Lengenfeld als Vermittlerin und Verantwortliche für die Nachbetreuung engagiert. Im Vergleich zu anderen 50plus Projekten steht die Nachbetreuung im Lengenfelder Programm ganz gezielt im Vordergrund. Bis zu sechs Monate nach der Vermittlung kümmert sich Simona Freund in regelmäßigen Abständen um ihre Kunden um sicherzustellen, dass die Rückkehr ins Arbeitsleben reibungslos verläuft. Dabei weiß Freund, dass der Begriff ‚Nachbetreuung’ für viele zunächst den etwas bitteren Beigeschmack von Kontrolle hat. Um dieses Vorurteil gleich aus dem Weg zu räumen, sagt sie, braucht es ein feines Gespür, viel Fingerspitzengefühl, Geduld und Verständnis. „Man erreicht nichts mit der Brechstange.“ Eine solide Vertrauensbasis sei also die Voraussetzung dafür, dass sich der Kunde für die Nachbetreuung öffne und so auch in der Lage ist, mögliche Konfliktpunkte konstruktiv aus dem Weg zu räumen. Gleiches gilt für den Umgang mit dem Arbeitgeber. Gerade wenn es um Menschen geht, die lange Zeit ohne Beschäftigung gewesen sind und noch in den Anfängen ihres Wiedereinstiegs in den Arbeitsmarkt stehen, bedarf es einer Gewissen Feinfühligkeit. Des Öfteren heißt das auch, dass dem Arbeitgeber klar gemacht werden muss, dass der Kunde möglicherweise noch keine hundert Prozent leisten kann. Nicht selten muss man also versuchen, auf beiden Seiten ein wenig den Druck herauszunehmen und für gegenseitiges Verständnis zu sorgen. Die direkte Nachbetreuung ermöglicht es also mit beiden Parteien in einen Dialog zu treten und möglichen Problemen präventiv auf den Grund zu gehen, einen Konflikt also wenn möglich bereits im Keim zu ersticken. Insgesamt ist sich Simona Freund sicher, dass sich die Nachhaltigkeit der Vermittlung durch den Ansatz der intensiven Nachbetreuung deutlich verbessert hat. Natürlich gibt es auch nach wie vor Entwicklungen, die außerhalb des Einflusses des Jobcenters liegen. Viele der großen Unternehmen aus der Umgebung wandern ab in Gebiete mit einer besseren Infrastruktur. Auf die allgemeine wirtschaftliche Lage habe man letztendlich keinen Einfluss. “Da kann ich als Nachbetreuer auch nichts machen. Da kann ich nur den Arbeitnehmer kontaktieren, Mut machen und sagen: Es liegt nicht an ihnen. Sie haben gute Arbeit geleistet, wir behalten das im Auge, wir versuchen eine Lösung zu finden.” Am wichtigsten erscheint ihr jedoch, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Jeder Partner, vom Jobcenter bis zum externen Bildungsträger spielt dabei eine entscheidende Rolle. „Nur im Team können weiterhin die Erfolge erzielt werden, die wir bisher mit unserem Ansatz erzielen konnten“, davon ist sie überzeugt.

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Reisende Reporter Ein Team aus Redakteur, Filmemacher und Fotograf besucht ausgewählte Beschäftigungspakte und berichtet über einzigartige Geschichten rund um das Bundesprogramm. Es sind bewährte Ansätze, Hintergründe zum Bundesprogramm sowie die Wirkung des Bundesprogramms, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln eingefangen werden.

Station 1: Mannheim Hier treffen die Reisenden Reporter auf Peter Saborowski. Er ist einer der Projektteilnehmenden, der über die Angebote und die Unterstützung des Beschäftigungspaktes Jobintegrationsprogramm 50plus wieder eine Arbeit gefunden hat. Station 2: Gelsenkirchen Die Reisenden Reporter begleiten Dr. Stefan Lob für einen Tag. Er ist Paktkoordinator des Beschäftigungspaktes Best Ager – Erfahrung hat Zukunft und er kennt die Perspektive 50plus seit Beginn. Station 3: Lengenfeld Wie sieht die Nachbetreuung in Unternehmen von ehemaligen Arbeitsuchenden aus und was hat das mit Nachhaltung von Integrationen zu tun. Dieser Frage gehen die Reisenden Reporter im Beschäftigungspakt Vital ab 50 nach. Station 4: Bad Liebenwerda 50plus Punkte nennen sich die dezentralen Anlaufstellen für ältere Langzeitarbeitslose im gleichnamigen Beschäftigungspakt. Was das Besondere an diesen Anlaufstellen ist, zeigen die Reisenden Reporter auf dieser Station. Station 5: Oldenburg Neue Wege in der Vermittlung älterer Langzeitarbeitsloser mit Hilfe-zur-Selbsthilfe-Formaten, wie ‚The Work’. Wie das geht und welche Erfahrungen bereits gesammelt wurden, zeigt eindrucksvoll der Beschäftigungspakt Oldenburg 50plus.

Gehen Sie mit auf eine Reise quer durch Deutschland zu fünf Beschäftigungspakten der Perspektive 50plus www.perspektive50plus.de/aktuelles/reisende-reporter-2014

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Unternehmen mit Weitblick 2014: Ausgezeichnet für eine alters- und alternsgerechte Arbeitswelt

6. bis 15. Juni 2014 Hessens Beschäftigungspakte rocken den Hessentag 2014

Am 10. April 2014 wurden 75 Unternehmen mit Weitblick im Rahmen des Bundesprogramms „Perspektive 50plus - Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ prämiert. Die Unternehmen zeigen mit ihrer Personal- und Unternehmenspolitik Wege in eine alternsgerechte Arbeitswelt auf. Zudem gelingt es ihnen durch ein Miteinander von Alt und Jung einen beidseitigen Wissenstransfer sowie den innerbetrieblichen Kompetenzaustausch in der Belegschaft zu fördern.

Die hessischen Pakte präsentieren ihre erfolgreiche Arbeit mit wechselnden Besetzungen am JobMobil in der „Wirtschafts- und Unternehmensmeile“ des Hessentags sowie im Großzelt der hessischen Wirtschaft mit eigenen InfoVorträgen. 7. Juli 2014 Potenziale nutzen und Barrieren überwinden – Integrationsarbeit mit (älteren) Langzeitarbeitslosen Inhaltlich konzentriert sich die Veranstaltung auf die Frage, welche Barrieren den Beratungsalltag erschweren und welche Erfahrungen für ihre Überwindung hilfreich sein können. In den Fachvorträgen und Workshops der Veranstaltung werden die folgenden Themen aus dem Beratungsalltag diskutiert. www.pakt50plus.de

Ein Großteil der prämierten Unternehmen fördert betriebliche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für ältere Beschäftigte und zeigt insbesondere im Bereich des Gesundheitsmanagements große Anstrengungen, um eine alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung zu realisieren. So engagieren sich beispielsweise viele Preisträger in Kooperation mit ihren Krankenkassen für Betriebssport, Rückenschulungen, Stressmanagement oder andere Präventionsmaßnahmen. Die 75 „Unternehmen mit Weitblick 2014“ stehen stellvertretend für viele regionale Arbeitgeber, die maßgeblich zum Erfolg des Bundesprogramms in der dritten Programmphase beigetragen haben. Auf der feierlichen Veranstaltung am 10. April 2014 im Jüdischen Museum kamen über 300 Vertreter/-innen aus den Beschäftigungspakten und Unternehmer/-innen zusammen, um die Auszeichnung von Frau Dr. Rose Langer, Unterabteilungsleiterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales entgegenzunehmen.

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Ihre Meinung ist uns wichtig! Nur so können wir das Magazin „Paktbote“ weiterentwickeln und den Ansprüchen unserer Leser gerecht werden. Wir freuen uns auf Ihre Resonanz. Ihre Zuschriften sollten sich auf Veröffentlichungen des Bundesprogramms „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ beziehen und möglichst kurz sein. Sollten Sie also Anregungen und Verbesserungsvorschläge für das Magazin haben, freuen wir uns über Ihre E-Mail an paktbote@perspektive50plus.de

www.bmas.de | www.perspektive50plus.de

IMPRESSUM Herausgeber Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 10117 Berlin | Bundesprogramm „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ | Redaktion gsub – Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH Gestaltung studio adhoc, GmbH

Stand Mai 2014

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MAG #1/2014


50plus Paktbote Ausgabe 7