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Computer&Technik

NZZ am Sonntag § 15. August 2010

Online-Forum für jedermann

Was Youtube für Videoclips ist, sind sogenannte Dokumenten-Portale für digitale Texte und Präsentationen: Websites, die jedermann nutzen kann, um Dateien ins Web hochzuladen und anderen Nutzern zum Lesen oder Downloaden anzubieten. Zu den bekannteren Portalen gehören Docstoc, Issuu und Scribd. Als Pionierin dieses Social Publishing genannten Trends gilt die kalifornische Firma Scribd, die ihren Dienst 2007 mit dem nicht ganz unbescheidenen Anspruch lanciert hat, das «geschriebene Wort zu befreien». Das Portal hat nach eigenen Angaben jeden Monat über 50 Millionen Leser und arbeitet auch mit Buch- und Medienverlagen zusammen wie etwa der «New York Times» oder Random House. Ebenfalls aus Kalifornien stammt das Portal Docstoc, das 20 Millionen Dokumente bereitstellt. Mit monatlich 11 Millionen Besuchern zählt auch das dänische Portal Issuu zu den Grossen. Letztes Jahr wurde es vom Magazin «Time» in die Liste der 50 besten Websites aufgenommen.

ILLUSTRATION: ANDREA CAPREZ

Dokumenten-Portale ermöglichen das Publizieren von eigenen Texten im Web. Von Claude Settele

Viele Themenbereiche

Beim reichen Fundus an digitalen und digitalisierten Dokumenten ist nicht nur die schiere Zahl an Titeln eindrücklich. Es gibt auch kaum einen Themenbereich und eine Publikationsform, die nicht vertreten ist. Man findet Bücher, wissenschaftliche Arbeiten, Anleitungen, Werbebroschüren, Reiseführer, Vorträge wie auch vollständige Magazine und Zeitungen. Zahlenmässig dominieren die englischsprachigen Publikationen, doch finden sich immer mehr Titel in weiteren Sprachen, darunter Deutsch. Die Bandbreite ist gross, das Angebot kontrastreich: So findet man Goethes Briefe aus der Schweiz, den neusten Prospekt von Otto’s, ein Traktat zum Thema «Postmoderne und Physik» ebenso wie die Ausgaben von «Blick am Abend» oder «NZZ campus». Im Unterschied zur typischen Darstellung von Texten im Web präsentieren die Online-Publisher die Dokumente im Original-Layout, wie sie in gedruckter Form vorliegen oder digital gestaltet worden sind. Hierzu verwenden sie verschiedene Techniken (siehe Kasten). Alle Anbieter setzen auch auf Funktionen, die von sozialen Netzwerken bekannt sind. Je nach Portal kann man Texte Freunden weiterempfehlen, in Facebook oder Twitter bekanntmachen, Texte kommentieren und bewer-

Blättern wie in einem Buch Die Publishing-Portale gebrauchen unterschiedliche Techniken, um die Grenzen der klassischen WebseitenDarstellung zu sprengen. Meist nutzen sie das Dateiformat Flash, das von Adobe entwickelt wurde und die Darstellung der Dokumente im Original-Layout ermöglicht. Wie vom Papier gewohnt, blättert man durch die Seiten, was bei eingeschaltetem Ton sogar mit dem typischen Geräusch untermalt wird. Bei käuflichen Titeln wird auch das mit einem Rechteschutz ausgestattete Format Adobe Digital Editions eingesetzt. Für das Hochladen werden diverse Dateiformate akzeptiert, die anschliessend für das Portal aufbereitet werden. Mehr oder

weniger Standard sind PDF, TXT, Word, Excel und Powerpoint, einige akzeptieren auch ePub, den offenen Standard für elektronische Bücher. Das iPad taugt nur theoretisch als Lesegerät für solche Publikationen, da Apple das Flash-Format auf seinem Tablet nicht unterstützt. Apple will den kommenden Web-Standard HTML5 unterstützen, der für die grafische Darstellung und Einbindung von MultimediaElementen neue Perspektiven eröffnet. Scribd hat sich als erstes Portal für HTML5 entschieden. Viele Elemente des neuen Standards werden von den neusten Versionen der Browser Firefox, Safari, Chrome und Opera unterstützt. (set.)

Notebook Markt («Understanding Captcha-Solving Services in an Economic Context»). Das Ganze sei eine gut entwickelte, hoch kompetitive Industrie geworden, in der täglich Millionen von Captchas geknackt würden. (mid.)

Android vor iOS

Die Spammer lagern ihr Geschäft in Billiglohnländer aus: Sie bezahlen Tausende von Hilfskräften, damit diese Captchas abtippen, jene verformten Buchstaben, die man abschreiben muss, um Zugang zu Websites und Newslettern zu erhalten. In einer neuen Studie beschreiben Marti Motoyama und seine Kollegen von der University of California diesen neuen

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Probleme mit Urheberrechten Da Anwender beliebige Dokumente hochladen können, sind Konflikte mit Urheberrechten programmiert. Zwar weisen die Betreiber auf die Copyright-Problematik hin, doch durch das automatische und sofortige Hochladen haben sie keine Kontrolle über die Aktionen der Anwender. So findet man mitunter auch Bücher als PDF-Datei zum Herunterladen, welche der Verlag immer noch verkauft. Um sich zu finanzieren, nutzen die Dokumenten-Plattformen verschiedene Einnahmequellen. Neben Wer-

bung bieten einige Betreiber Abonnements mit erweiterten Services an, zu denen etwa unbegrenzter Speicherplatz oder der werbefreie Zugang zu den Publikationen gehört. Seit Amazon auch Bücher in elektronischer Form verkauft, ist die Akzeptanz für das Bezahlen von Texten im Web gestiegen. Davon versuchen nun mehrere Portale zu profitieren und bieten ihre Websites Verlegern und auch einzelnen Autoren als Verkaufsplattform an. So haben im Frühjahr bekannte US-Verlage über 250 000 Titel bei Docstore eingestellt. Zu finden sind hier aber auch viele «professionelle Dokumente» etwa für Juristen, Wissenschafter, Techniker oder Finanzspezialisten, die man nicht bei Amazon findet und schon gar nicht im Buchladen um die Ecke.

Tipp der Woche

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Abtipper von Beruf

ten, einer Themengruppe beitreten oder Mitteilungen anderer Benutzer abonnieren. Manche Sites erlauben es auch, Dokumente in eigene Websites oder Blogs zu integrieren.

Vergangene Woche haben wir an dieser Stelle von einer Prognose berichtet, nach der das Handy-Betriebssystem Android von Google in zwei Jahren häufiger verkauft werden soll als das iPhone-Betriebssystem iOS. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner ist diese Marke schon jetzt erreicht. Weltweit betrage der Anteil von Android unter den Smartphones 17,2 Prozent. iOS komme nur auf 14,2 Prozent. Auf Platz 1 hält sich vorläufig noch das Betriebssystem Symbian von Nokia mit 41,2 Prozent, allerdings mit fallender Tendenz. In den USA liegen Android-Smartphones schon heute vor Symbian-Handys und vor den Blackberrys der kanadischen Firma Research in Motion. (hir.)

Apple schliesst Lücke Apple hat eine Sicherheitslücke geschlossen, die das iPhone und den iPod mit dem Betriebssystem iOS4 und den iPad betrifft. Die sogenannte «Jailbreakme»-Lücke wird auch von Programmen genutzt, die die Sperre der Apple-Produkte aufheben, um nicht von Apple zugelassene Software installieren zu können. Hacker könnten die Schwachstelle aber auch ausnutzen, um über präparierte Websei-

ten Malware auf die Geräte zu übertragen. Die Updates von Apple schliessen die Lücke, heben gleichzeitig aber auch ein eventuell durchgeführtes Jailbreak wieder auf. (hir.)

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Batterien im Stromnetz Lithium-Ionen-Akkus, die in mobilen Elektronikgeräten zu finden sind und in Zukunft auch in Elektroautos, könnten auch in elektrischen Netzen als Energiepuffer eingesetzt werden – zum Beispiel in Netzen, in denen Energie aus Windkraft- und Solarstromanlagen eingespeist wird. In den USA ist jetzt ein erster grösserer Auftrag an den Hersteller A123 Systems vergeben worden. Die Akkus der Firma sollen ab nächstem Jahr in einer Windkraftanlage in West Virginia eingesetzt werden, um dort Leistungsschwankungen auszugleichen. (hir.)

Datenschutz beim Surfen Internetnutzer verraten den Betreibern von Websites und Online-Werbefirmen mehr persönliche Daten, als ihnen lieb ist. Möglich machen dies sogenannte Cookies und Beacons. Das sind Dateien, die die besuchten Websites auf den privaten PCs speichern. Besonders heikel sind dabei Cookies von Drittfirmen. Sie erhöhen nicht die Funktionalität der Website, sondern sollen das Surfverhalten der Nutzer verfolgen, was die Anzeige personalisierter Werbeinserate erlaubt. Je besser die Personalisierung, desto höhere Preise für Werbeinserate lassen sich erzielen. Wer sich dagegen wehren möchte, muss in die Einstellungen des Browsers eintauchen und die Anwendung von Cookies unterbinden. Vollkommen abschalten sollte man sie aber

nicht, weil dann einige Webseiten nicht mehr funktionieren. Die Cookies von Drittfirmen jedoch – und vor allem um diese geht es beim Ausschnüffeln – kann man deaktivieren. Im Internet Explorer geht das so: Im Menu «Extras - Internetoptionen Datenschutz» wählt man entweder die Einstellung «Mittelhoch». Damit werden Cookies von Drittanbietern (zu Deutsch: Werbeunternehmen) blockiert, die keine Datenschutzrichtlinie angeben. Noch besser: Man klickt auf «Erweitert», wählt «Automatische Cookiebehandlung aufheben» und sperrt alle Cookies von Drittanbietern. Bei anderen Browsern gibt es ähnliche Einflussmöglichkeiten. Die gewählten Einstellungen bleiben auch beim Neustart des Browsers erhalten. (hir.)


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