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Mediterrane Köstlichkeiten

mit griechischen Wurzeln

Z e i t u n g

Montag, 4. Juli 2011 Marienstraße 104 // 30171 Hannover – Südstadt Tel.: (0511) 81 76 00 // www.eliniko-hannover.de

Nr. 153 • 27. Woche • Preis 1,40 €

HannoverscHer anzeiger von 1893

Tee und Trachten: 200 000 Besucher feiern in Aurich den Tag der Niedersachsen / S. 7

Starkes Duo: Nach dem Sieg über Davis Hayes sind die Klitschkos ohne Konkurrenz / S. 21 Thomas

Viele Ziele: Welche Last-Minute-Reisen Experten ab Hannover-Flughafen empfehlen / S. 15

Zuletzt ging alles verblüffend schnell, kein Finanzminister der Euro-Gruppe musste eigens nach Brüssel. In einer Telefonkonferenz gaben die Ressortchefs frisches Geld für Griechenland frei – nachdem sich das Parlament in Athen zuvor zu weiteren drastischen Sparmaßnahmen und zur Privatisierung von Staatsunternehmen verpflichtet hatte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde auch über die Freigabe informiert. Europa bekommt jetzt zumindest eine Atempause. In den vergangenen Monaten boten Treffen der Finanzminister stets Anlass für wilde Gerüchte an den Kapitalmärkten. Steht Griechenland vor dem Rauswurf aus der Euro-Zone? Zerfällt die Währungsunion? Diesen Spekulationen ist zunächst der Boden entzogen. Auch über die Eckpunkte eines zweiten Rettungspakets für Griechenland besteht jetzt grundsätzlich Einigkeit – allein die Details der Beteiligung des privaten Sektors europaweit abzustimmen erfordert noch Aufmerksamkeit. In gut einer Woche wird zudem der Vertrag für den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) durch die EU-Finanzminister seinen letzten Schliff erhalten, bevor er von allen 27 EU-Staaten zu ratifizieren ist.

„Wenn die Sonne sich nicht zeigt, dann zeigen wir dem grauen Himmel eben unsere Sonnenblumen“, mögen sich diese gut gelaunten Schützinnen gestern beim Ausmarsch zum 482. Schützenfest in Hannover gedacht haben. Der wenig sonnigen Bilanz half das indessen nicht: Nur gut 100 000 Zuschauer kamen aufgrund des schlechten Wetters. P Seite 16 und 17

Heute in der HAZ Jobcenter lehnt Nachhilfe ab Hannover: Drei bedürftige Kinder der IGS Roderbruch, deren Eltern Nachhilfe aus dem Bildungspaket beantragt hatten, haben Ablehnungsbescheide vom Jobcenter bekommen. Begründung: Die Erstklässler könnten nicht sitzen bleiben. Seite 13

Kein Alkohol am Bahnhof Hannover: Probephase für drei Monate: Am Wochenende ist am Bahnhof in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr erstmals kein Alkohol verkauft worden. Die Kundschaft – meist junge Nachtschwärmer – reagierte irritiert. Seite 14

800 Gäste beim Jawort Welt im Spiegel: Das Fürstenpaar von Monaco hat nun auch seine kirchliche Hochzeit gefeiert. Fürst Albert II. und Charlene gaben sich am Sonnabend im Ehrenhof des Palastes das zweite Jawort. 800 Gäste waren dabei. Seite 8

Neuer Kredit für Athen Wirtschaft: Die Finanzminister im EuroRaum haben Griechenland eine Atempause verschafft. Sie gaben am Sonnabend einen neuen Kredit in Höhe von 12 Milliarden Euro für das krisengeschüttelte Land frei. Seite 9

Bayer entschädigt US-Bauern Wirtschaft: Nach langem Rechtsstreit über gentechnisch veränderten Reis hat die Agrarsparte des Bayer-Konzerns mit US-Landwirten eine Einigung erzielt und sich zur Zahlung von bis zu 516 Millionen Euro bereit erklärt. Seite 9 Lottozahlen: 7, 10, 16, 19, 22, 40 (24) Superzahl: 8 Spiel 77: 7 4 1 4 6 3 0 Super 6: 1 9 8 6 4 1 toto/ 6 aus 45: Ziehung erst am Dienstag (Ohne Gewähr)

Djokovic ganz oben Sport: Novak Djokovic ist die neue Nummer 1 der Tenniswelt. Der Serbe schlug im Finale des Turniers von Wimbledon den Spanier Rafael Nadal in vier Sätzen. Bei den Frauen siegte Petra Kvitova (Tschechien). Seite 23

Seite 7 /18

Verbraucher / Finanzen

Seite 10

Medien / TV

Seite 11

Täglich (fast) alles

Seite 12

Gesundheit

Seite 19

20° 13°

Meist stark bewölkt und gebietsweise Regen. Wind überwiegend schwach aus Seite 12 Nordwesten.

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Europa, was nun? Von M ich a el M. G rüter

Schützen suchen die Sonne

Rätsel

´ Nac h d e r ak ute n K r i se

Boom beflügelt Berlin: Steuern runter

CDU-Spitze berät heute / Im Bund sinkt die Neuverschuldung / Probleme mit Niedersachsens Etat Von M ich a el M. G rüter und K laus WallbauM Berlin/Hannover. Deutschlands Arbeitnehmer können zum 1. Januar 2013 mit einem etwas höheren Nettoeinkommen rechnen. Nach einer am Sonntag erzielten Vereinbarung der Parteichefs von CDU, CSU und FDP sollen vor allem kleine und mittlere Einkommen von einer Steuersenkung profitieren. Zudem wird auch eine Senkung der Sozialabgaben geplant. Bereits an diesem Mittwoch werde die Bundesregierung bei ihrer Kabinettssitzung einen entsprechenden Grundsatz-

beschluss fassen, die Einzelheiten werde man bis zum Herbst ausarbeiten, sagte FDP-Sprecher Wulf Oehme am Sonntag. „Ziele sind Steuersenkungen, eine Senkung der kalten Progression und eine Senkung der Lohnzusatzkosten.“ Beflügelt werden die Pläne durch wachsende Steuereinnahmen, die deutlich über den offiziellen Schätzungen liegen. Zugleich hat sich wegen der rückläufigen Arbeitslosigkeit die Lage quer durch alle Sozialsysteme entspannt. Die CDU-Spitze will sich am heutigen Montag in Berlin mit dem Thema Steuersenkungen befassen. Noch vor wenigen Tagen hatten mehrere Regierungs-

chefs der Union aus den Ländern dafür geworben, Steuersenkungen erst nach einem nachhaltigen Abbau der Verschuldung in Betracht zu ziehen. Für die SPD kritisierte der stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende Joachim Poß das Vorgehen der Koalition: „Es geht nur darum, den Bürgerinnen und Bürgern kurz vor der Sommerpause den Weihnachtsmann zu schicken.“ Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) klang in jüngsten Äußerungen zu diesem Thema dämpfend: „Denjenigen, die angesichts guter Steuereinnahmen unglaubliche Spielräume sehen, rate ich zur Vorsicht.“

■ Arbeitsagentur kann bis zu 17 000 Stellen sparen

■ Beiträge für Rente könnten künftig sinken

■ Krankenkassen liegen im Plus

Berlin (rtr). Wegen der anhaltend guten Konjunktur und der sinkenden Arbeitslosigkeit wird die Bundesagentur für Arbeit in den nächsten Jahren massiv Stellen streichen. „Wir werden bis 2015 rund 10 000 Stellen abbauen – wenn unser Verwaltungsrat grünes Licht gibt“, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Wochenende. Sollte sich der Arbeitsmarkt besser entwickeln als erwartet, könnten in den nächsten Jahren sogar bis zu 17 000 Stellen wegfallen, fügte ein BA-Sprecher hinzu. Derzeit beschäftigt die Bundesagentur für Arbeit rund 115 000 Mitarbeiter. Jetzt sollen Stellen von Mitarbeitern, die in Rente gehen, nicht wieder besetzt und befristete Arbeitsverträge nicht verlängert werden.

Berlin (afp/dpa). Der rentenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, hält wegen der guten Arbeitsmarktlage eine Senkung des Rentenbeitrags für möglich. Denkbar sei zum 1. Januar 2013 eine Reduzierung von gegenwärtig 19,9 Prozent auf 19,2 bis 19,4 Prozent des Lohns. „Das ist eine erfreuliche Nachricht für Arbeitnehmer und Unternehmen“, sagte der CDU-Politiker. Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel forderte unterdessen eine sogenannte „Sockelrente“ zur Verhinderung von Altersarmut: Nach 35 oder 40 Jahren Vollzeitarbeit solle ein Rentner mehr erhalten als die heutige Grundsicherung, „die ja nichts anderes ist als Hartz IV im Alter“.

Berlin (dpa). Gedämpfte Ausgaben und konjunkturbedingt sprudelnde Einnahmen bescheren den rund 150 deutschen gesetzlichen Krankenkassen derzeit Überschüsse in Milliardenhöhe. Bis Ende des Jahres könnte der Gesundheitsfonds eine Reserve von 6,9 Milliarden Euro aufgebaut haben. Der Präsident des Bundesversicherungsamts, Maximilian Gaßner, betonte jedoch am Wochenende, fünf Milliarden Euro seien davon bereits verplant, unter anderem für eine Rücklage. Gaßner sagte, die Kassen sparten derzeit auch an Stellen, „wo es vernünftiger wäre, wenn sie bestimmte Ausgaben tätigen würden“. Beispiele dafür seien Präventionsleistungen.

Ein Minus für Ihre Majestät

In Großbritannien trifft die Kürzungspolitik der Konservativen auch das Königshaus Von M ich a el P ohl

A

ngesichts einer historisch hohen Staatsverschuldung Großbritanniens nach den zurückliegenden Krisenjahren sieht Premierminister David Cameron keine Alternative mehr zu einem knallharten Kurs für sein Land: Alle Briten sollen den Gürtel enger schnallen. Wirklich alle? Die britischen Steuerzahler müssen auch für große Teile des mitunter nicht ganz unumstrittenen Lebensstils der Königsfamilie aufkommen. Deshalb fällt jetzt einmal mehr ein kritischer Blick auf die Krone: Ließe sich nicht auch dort etwas sparen? Schon das frühere Labour-Kabinett hatte nie einen Zweifel daran gelassen, dass es das Königshaus für überfinanziert hielt. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit etwa ließ der Sozialdemokrat Tony Blair die in die Jahre gekommene Lieblingsjacht von Prinz Philip, die „Britannia“, außer Dienst stellen – als deutliches Zeichen. In den Sommermonaten musste die Queen schließlich auch noch gegen Eintrittsgeld Besuchergruppen Einzug in ihr Allerheiligstes gewähren, den Buckingham-Palast. Sollte die Queen geglaubt haben, unter der neuen konservativen Koalition werde man sie in Ruhe lassen, hat sie

sich getäuscht. Der konservative Schatzkanzler George Osborne kündigte an, er werde die staatlichen Zuwendungen für den königlichen Haushalt bis zum Jahr 2015 um rund neun Prozent kürzen – auf 39 Millionen Euro. Das neue Gesetz sei ein Kompromiss, sagte Osborne. „Es wägt zwischen dem Interesse ab, dass unsere Königin ordentlich finanziert wird, um ihre öffentlichen Pflichten zu erfüllen, und dem Interesse des Steuer-

„Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“? Königin von England. afp

zahlers, der ein gutes Preis-LeistungsVerhältnis fordert.“ Künftig wird das Königshaus auch nicht mehr aus unterschiedlichen Töpfen bedient – etwa für Reisen und Gebäude –, sondern nur noch mit einem Gesamtbetrag, der unter anderem an die wirtschaftliche Entwicklung des staatlichen Immobilienunternehmens Crown Estate gekoppelt ist. Selbst aus den Reihen der Konservativen hagelte es nach Bekanntwerden der Vereinbarung Kritik. Wer von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis spreche, lasse das Königshaus aussehen „wie etwas, das man im Supermarktregal gekauft hat“, empörte sich etwa der ToryPolitiker Jacob Rees-Mogg in der Zeitung „Independent“. Der Labour-Abgeordnete Paul Flynn forderte hingegen in der BBC, die royalen Zuschüsse an Renten und Inflation zu koppeln: „Wir müssen von der königlichen Familie dieselbe finanzielle Disziplin fordern wie von den Ärmsten in der Gesellschaft.“ Unterdessen quellen Internetforen über vor immer neuen Sparvorschlägen für die Queen. Manche meinen, „die Hüte“ seien überflüssig, andere bieten Geld für „die Pferde“ – „bevor sie zum Schlachtpreis weggehen“. Wieder andere raten dazu, Hochzeiten in Zukunft „noch weniger pompös zu feiern als im Fall von Kate und William“.

Zugleich aber verbreitet Schäubles Ministerium gute Nachrichten von der Finanzfront: Der Boom erlaube es, schon für 2015 einen annähernd ausgeglichenen Haushalt zu planen – ein Jahr früher als von der neuen Schuldenbremse in der Verfassung vorgeschrieben. Für das nächste Haushaltsjahr sieht Schäuble bei Ausgaben auf dem Vorjahresniveau von 306 Milliarden und Einnahmen von 278,9 Milliarden eine Neuverschuldung von 27,2 Milliarden Euro vor. Das sind 4,3 Milliarden weniger als noch im März veranschlagt wurden. Damit sei die geplante Neuverschuldung 2012 aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie die tatsächliche Kreditaufnahme im Jahr 2008, die als Vorkrisenniveau gilt. Die Wirtschaft wächst derzeit erheblich schneller als von der Bundesregierung angenommen: Alle Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen angehoben, das Institut für Makroökonomie geht sogar von einem Vier-Prozent-Wachstum aus wie zuletzt nach der deutschen Einheit im Jahr 1991. Auch in Niedersachsen sinkt im Etat 2012 die Neuverschuldung – aber nicht stark genug, um einen Verstoß gegen die Landesverfassung zu vermeiden. Juristen der Landesregierung sagen jedoch, Vorrang habe die Neuregelung der Schuldenvorschriften im Grundgesetz; danach genüge eine stetige Senkung der neuen Schulden, der früher übliche Vergleich zwischen Schulden und Investitionen sei nicht mehr entscheidend. P Kommentar P Möllrings Rechtsproblem

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Wulff stößt in der Koalition auf Unverständnis Hamburg (afp). Die Kritik von Bundespräsident Christian Wulff am Vorgehen von Union und FDP bei der Energiewende stößt in der schwarz-gelben Regierungskoalition auf Unverständnis. „Die FDP hat den demokratischen Meinungsbildungsprozess, den der Bundespräsident anmahnt, bereits vollzogen“, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Sabine LeutheusserSchnarrenberger dem „Hamburger Abendblatt“. Die FDP habe sich auf ihrem Parteitag in Rostock intensiv mit der Energiewende beschäftigt. „Wir haben uns sehr viel Zeit genommen, um den Atomausstieg zu diskutieren und darüber als Partei zu entscheiden.“ Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) betonte, es habe noch nie eine so breite politische Debatte in so kurzer Zeit gegeben wie zur Neuformulierung des Energiekonzepts. In der Union sei „eine intensive Diskussion bis in alle Kreisverbände“ gelaufen. Die Bundestagsfraktion sei „intensiv wie kaum zuvor bei einem großen Projekt“ eingebunden gewesen. Wulff hatte mit Blick auf den Atomausstieg und die Euro-Krise den Bedeutungsverlust der Parlamente beklagt, welcher das Vertrauen der Bürger in die Politik schwinden lasse.

Merkels Linie: Solidarität plus Stabilität Wie soll es nun weitergehen? Und vor allem: Welche Lehren muss Europa über den Tag hinaus aus den aktuellen Krisen ziehen? In Deutschland findet ein Teil der jetzt kommenden Debatte vor dem Bundesverfassungsgericht statt: Am morgigen Dienstag will das höchste deutsche Gericht über die Klagen von Euro-Skeptikern gegen das erste Rettungspaket für Griechenland und den provisorischen Rettungsschirm verhandeln. Die Kläger monieren eine fehlende rechtliche Grundlage für Kredithilfen und das Unterlaufen des Haushaltsrechts des Bundestages. Im ersten Punkt lässt sich eine Berechtigung der Klage nicht bestreiten. Die EUStaatschefs folgten dem Motto „Not kennt kein Gebot“. Allerdings werden die Richter beachten, dass mit der Ergänzung der EU-Verträge durch den ESM die Rechtsbasis nachgeliefert wird. Beim zweiten Punkt, der parlamentarischen Beteiligung, bemühen sich Regierung und Bundestag, einen Weg zu finden, der sowohl den Kontrollrechten der Abgeordneten gerecht wird als auch den künftigen Rettungsschirm handlungsfähig belässt. Man wird sehen, ob aus Karlsruhe sachdienliche Hinweise kommen. Jenseits aller rechtlichen Betrachtungen jedenfalls ist die Bilanz der Rettungsbemühungen nicht mit „schlecht“ zu bewerten. Zeitweilig sah es in zugespitzten Debatten so aus, als hielte die Kanzlerin im reichen Deutschland ihr Portemonnaie fest geschlossen. Im Ergebnis aber hat Angela Merkels sture Haltung dazu beigetragen, dass der Grundsatz „Solidarität erfordert Solidität“ Eingang in die Konstruktion der Rettungsschirme gefunden hat. Mittlerweile gibt es für diese Linie europaweit Beifall. Schwächelnde Staaten haben nur dann Anspruch auf Hilfe der Starken, wenn sie sich bis an die Grenze ihrer Kräfte anstrengen. Die Europäische Zentralbank beobachtet in den EU-Staaten erhebliche Konsolidierungsanstrengungen. Deutsche Stabilitätspolitik war in Europa noch nie so wenig umstritten.

Barrosos Beitrag: Neue EU-Finanzsteuer Doch auch die Bedeutung der Solidarität wird nun noch einmal unterstrichen. Eine Europäische Union, die in der Welt von morgen mit Ländern wie China und Indien auf Augenhöhe verkehren will, wenn es um Klimafragen, Menschenrechte, Bodenschätze oder die Weltfinanzordnung geht, darf an ihrem inneren Zusammenhalt keinen Zweifel aufkommen lassen. Kein Staat darf fallen gelassen werden, wenn dessen eigene Kräfte nicht ausreichen, sich aus der Schuldenlast zu befreien. Solidarität ist auch gefragt in den Verhandlungen über die finanzielle Vorausschau der EU für die nächsten sieben Jahre. Üblicherweise arten sie zu einem Hauen und Stechen jeder gegen jeden aus. Das wird sich auch diesmal nicht vermeiden lassen. Allerdings gilt es, das gemeinsame Interesse zu befördern, die wirtschaftlichen Spannungen schrittweise zu verringern. Wachstumspolitik steht hier gegen Strukturerhaltung. Eine Finanztransaktionssteuer zugunsten der EU, wie sie Kommissionspräsident José Manuel Barroso vorschlägt, wäre ein doppelter Fortschritt: Sie könnte erstens den sozialen und zweitens den europäischen Zusammenhalt festigen. Die Bundesregierung hat an dieser Stelle noch zu keiner überzeugenden Linie gefunden. Sie sollte künftige Gelegenheiten nutzen, um deutlich zu machen, dass Europa auch für Deutschland mehr ist als die Summe nationaler Egoismen.


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Politik

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

steuersenkungen

Inland

Nicht Schwarz-Weiß

Gegen Facebook-Partys Berlin: Nach zahlreichen Fällen von aus dem Ruder gelaufenen Facebook-Partys fordern mehrere Landesinnenminister ein rigoroses Vorgehen der Behörden. „Wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, müssen FacebookPartys im Vorweg verboten werden“, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann. Fänden solche Massenaufläufe bereits statt, müssten sie mit Platzverweisen aufgelöst werden. NordrheinWestfalens Innenminister Ralf Jäger äußerte sich ähnlich. Bei einer Gefahr müsse die Kommune aktiv werden. dpa

D

andere ansIcht zu Leutheusser-Schnarrenberger: „Öffnung ist ein schwaches Wort für das, wozu Leutheusser-Schnarrenberger ihre Partei auffordert. Sie plädiert, leicht verschleiert, für einen weitgehenden Kurswechsel, damit die FDP inhaltlich wieder für die SPD interessant werden kann. Nur ist überaus fraglich, ob sie damit wirklich die Stimmen gewinnt, die notwendig sind, um auch machtpolitisch wieder ins Spiel zu kommen. Die Gefahr ist jedenfalls nicht gering, dass die Partei dabei weniger abtrünnige Wähler zurückgewinnt als diejenigen zu verschrecken, die der FDP trotz allem bislang noch die Stange gehalten haben. In der Zukunft, in die Leutheusser-Schnarrenberger blickt, liegt für die FDP vorerst nur Nebel.“

Zur person Sabine LeutheusserSchnarrenberger, Bundesjustizministerin, rudert zu neuen Ufern. Die stellvertretende FDP-Parteivorsitzende empfiehlt ihrer Partei eine Öffnung zur SPD. „Die FDP darf sich nicht einseitig auf die Union ausrichten“, sagte sie dem „Hamburger Abendblatt“. SPD-Chef Sigmar Gabriel reagierte skeptisch, die CSU irritiert. Leutheusser-Schnarrenberger versicherte, die FDP sei ein verlässlicher Koalitionspartner. „Aber Fakt ist: Das Parteienspektrum verändert sich.“ Bis auf die Linkspartei orientierten sich inzwischen alle an der Mitte. „Scheuklappen helfen da nicht.“ In den Ländern hätten die Liberalen immer auch mit anderen als der Union koaliert. Schnittmengen zwischen SPD und FDP gebe es in der Außen- und Verteidigungspolitik, sagte die Bundesjustizministerin. SPD-Chef Gabriel sagte, die FDP sei nicht mehr sozialliberal. „Das Problem ist, dass Frau Leutheusser-Schnarrenberger in ihre Partei hineinruft und kein Echo haben wird.“ Die FDP habe sich „auf eine neue marktradikale Partei verengt“. dpa

tomIcek

Viele Arme in Berlin Berlin: Zehntausende Kinder sind in der Stadt Berlin von Armut betroffen oder bedroht. Wie eine Parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus ergab, leben insgesamt 168 967 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in einem „Hartz IV“-Haushalt - also mit Bezug von Arbeitslosengeld II. Die meisten Betroffenen wohnen in den Bezirken Mitte und Neukölln. „Die Kinderarmut ist in Berlin nach wie vor dramatisch hoch“, sagte der CDU-Sprecher Gregor Hoffmann. Gegenmaßnahmen blieben SPD und Linke schuldig. dpa „Eine globale Herausforderung“: Umweltminister Norbert Röttgen, Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane am Sonntag in Berlin.

dpa

Merkel: Klimaschutz ist unzureichend Kanzlerin mahnt beim Petersberger Klimadialog entschlosseneres Handeln an

Von G eorG I sm a r Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel befürchtet, dass die Durchschnittstemperatur der Erde ohne stärkere Klimaschutzverpflichtungen um mehr als zwei Grad ansteigt. „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass das, was jetzt auf dem Tisch liegt, nicht ausreicht“, sagte Merkel am Sonntag in Berlin beim zweiten Petersberger Klimadialog, an dem Vertreter von rund 35 Staaten teilnehmen. Die Kanzlerin kritisierte die freiwilligen CO2-Minderungsziele als nicht ausreichend. Sie machte klar, dass Deutschland und die EU für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll eine einzige rechtsverbindliche Nachfolgevereinbarung anstreben. „Wir sind entschlossen, mutig voranzugehen.“ Mit dem zweitägigen Klimadialog soll der nächste UN-Klimagipfel Ende des Jahres im südafrikanischen Durban vorbereitet werden. Umweltminister Norbert Röttgen nannte die Begrenzung des Klimawandels eine Menschheitsaufgabe. „Im Kern gibt es dafür nur eine globale Antwort, weil es eine globale Herausforderung ist.“ Der Minister sagte, ein großer Durchbruch sei in Durban nicht zu erwarten. Es gehe letztlich um die Frage, wie das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll weltweit ausgedehnt werden könnte, womöglich unter anderem Namen und mit neuen Regeln.

Das Kyoto-Protokoll von 1997 ist das bisher einzige Regelwerk mit verbindlichen CO2-Minderungszielen. Klimasünder wie die USA sind aber nicht einbezogen, zudem läuft es 2012 aus. Daher kommt einem umfassenderen Abkommen die entscheidende Rolle im Kampf gegen die Erderwärmung zu. „Wir alleine können das Problem nicht lösen“, betonte Röttgen mit Blick darauf, dass die EU nur rund 15 Prozent der weltweiten Emissionen verursacht. Trotz aller anderen Probleme dürfe es

beim Klimaschutz keine Pause geben, sagte Merkel. Die klimaschädlichen Emissionen würden sich weiter sehr besorgniserregend entwickeln. „Der Fortschritt ist bisher eher eine Schnecke“, sagte Merkel. Es müsse klar werden, wie es nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls weitergeht. „Nicht handeln kommt uns mit Sicherheit teurer“, machte Merkel klar. „Der Klimawandel kennt keine Grenzen. Er betrifft jedes Land.“ Die EU erhöhte bei dem Treffen den Druck auf Staaten wie die USA und Chi-

Erderwärmung um sechs Grad? Potsdam (dpa). Der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber hält eine Erderwärmung um sechs Grad für möglich, sollte sich bis 2020 nichts Entscheidendes beim Klimaschutz tun. Der Meeresspiegel würde dann um „viele Meter“ steigen, warnte Schellnhuber. Der Physiker und Direktor des PotsdamInstituts für Klimafolgenforschung hat wenig Hoffnung, dass das international angestrebte Ziel, die Klimaerwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen, noch erreicht werden kann. „Man kann dieses Ziel immer noch erreichen. Aber dann müsste in diesem Jahrzehnt viel geschehen. Der Scheitelpunkt der Treibhausgas-Emis-

sionen müsste weltweit bis 2020 überschritten werden. Das erscheint außerordentlich schwierig“, sagte er. Der Wissenschaftler glaubt nicht, dass es gelingen wird, für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll bald eine Anschlussvereinbarung zu finden. „Wenn wir nüchtern analysieren, was nach dem Klimagipfel in Kopenhagen an nationalen Maßnahmen versprochen wurde, dann kommen wir bis 2100 auf drei bis vier Grad. Aber die Erwärmung würde danach nicht aufhören. Nach unseren Szenarien sind wir auf einem Kurs, der bis 2300 auf sechs Grad Erderwärmung oder mehr führen kann. Das wäre eine völlig andere Welt“, mahnte Schellnhuber.

Dresdener Datenskandal weitet sich aus Sachsens Ministerpräsident räumt Fehler bei der Auswertung von Handydaten ein Von P etra s trutz Dresden. „Heute schon telefoniert?“ Wo immer sich in Dresden Politiker oder Journalisten dieser Tage treffen, spielt der Satz voller Anspielungen eine Rolle. Die sächsische Handydaten-Affäre um das angeblich massenhafte Ausspähen von Bürgern hat inzwischen ungeahnte Ausmaße angenommen. Ein verärgerter Ministerpräsident, ein deprimierter Innenminister, ein strafversetzter Polizeipräsident, heftiger Schlagabtausch im Landtag – das ist die Bilanz der vergangenen Tage. Und ein Ende der Diskussion über politische Verantwortung, Gewalt bei Demonstrationen, Pressefreiheit und die Überwachung von Telefongesprächen ist nicht abzusehen. Begonnen hatte alles mit einer umstrittenen Demonstration gegen Neonazis im Februar. Verfechter friedlicher Blockaden hatten bundesweit zum Widerstand gegen genehmigte Aufzüge von Rechten in Dresden mobilisiert. Am Rande der Proteste am 19. Februar aber eskalierte die Gewalt. Mehr als 100 Polizisten wurden bei Übergriffen verletzt,

Demonstrationsteilnehmer im Februar – ihre Daten wurden gespeichert. dpa als Extremisten von links und rechts aufeinandertrafen. Mit richterlicher Genehmigung wurden im Nachhinein massenhaft Handydaten ausgewertet, um Gewalttäter dingfest zu machen. Aber: Ins Visier gerieten auch friedliche Blockierer, unter ihnen bekannte Politiker von Linken, SPD und Grünen sowie Journalisten. Seit nunmehr zwei Wochen tobt eine Debatte um das angebliche Ausspähen

na, verpflichtende Maßnahmen für weniger CO2-Emissionen nicht weiter zu verzögern. Auf das Konto der beiden Staaten gehen rund 45 Prozent der globalen Emissionen. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard machte klar, dass die EU-Staaten nur dann bei einer zweiten Verpflichtungsrunde des Kyoto-Protokolls mitmachen würden, wenn klar ist, was die anderen Staaten machen werden und ab wann. Röttgen wertete es als positives Signal, dass auch China und die USA ihre Chef-Klimaverhandler nach Berlin geschickt haben. „Alle sind da, in deren Händen es liegt, dass der Prozess weitergeht.“ Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane betonte, schon der Petersberger Dialog 2010 sei hilfreich gewesen für die Vorbereitung des Klimagipfels in Cancún. Der erste Klimadialog fand vergangenes Jahr auf dem Bonner Petersberg statt und gab dem Treffen den Namen. In dem mexikanischen Badeort konnten anschließend Leitplanken zur Erreichung eines neuen Klimaschutzabkommens verabredet werden. Zudem wurde das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, offiziell festgeschrieben. Aber anders als von Röttgen gehofft konnte sich die EU nach Cancún nicht darauf einigen, das Ziel von 20 Prozent weniger Emissionen bis 2020 auf 30 Prozent zu erhöhen.

„Bundeswehr ist nicht effizient“ Berlin (afp). Die Bundeswehr arbeitet im Vergleich zu anderen westeuropäischen Armeen offenbar äußerst ineffizient. Die Ausgaben pro Soldat im Einsatz lägen bei der Bundeswehr mit 5,16 Millionen Euro dreimal so hoch wie im EU-Durchschnitt, berichtete die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Zahlen der Europäischen Verteidigungsagentur EDA. Während die Zahl der einsatzfähigen deutschen Soldaten bei 7000 liege, seien es in Großbritannien 22 000 und in Frankreich 30 000 Soldaten. Hinter jedem Bundeswehrsoldaten im Einsatz stünden 35 Soldaten und 15 zivile Mitarbeiter in Deutschland im Grundbetrieb und zur Unterstützung. Bei den Franzosen seien es acht Soldaten und zwei zivile Mitarbeiter, bei den Briten neun und vier, EU-weit 16 und vier. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte die Zahlen zunächst nicht kommentieren. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will im Zuge der geplanten Reform den Schwerpunkt von der Landesverteidigung auf ein internationales Engagement und damit mehr Auslandseinsätze verschieben.

von Bürgern. Sachsens Regierung erfuhr nach eigenem Bekunden erst aus der Zeitung von der umstrittenen Datenerhebung. Nachdem Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) einen internen Bericht angefordert hatte, kamen scheibchenweise immer neue Details ans Licht. Das hatte die Entlassung von Dresdens Polizeipräsident Dieter Hanitsch zur Folge. Zunächst war von 138 000 Datensätzen die Rede, vier Tage später schließlich von mehr als 800 000 weiteren. Obwohl Ministerpräsident Tillich bereits vor Wochenfrist Fehler eingeräumt und Reparaturbedarf an der Strafprozessordnung angemeldet hatte, lässt die Opposition nicht locker. Offen ist, inwieweit die Staatsanwaltschaft Dresden noch einmal in den Fokus der Kritik rückt. Sie hatte zwar die Verwendung von Daten gestoppt, die friedliche Blockierer der Anti-Nazi-Demonstration betrafen – allerdings zu spät, wie Tillich urteilte. Die Staatsanwaltschaft bedauerte inzwischen, dass „konkrete Ermittlungshandlungen“ durch Presseberichte bekannt geworden seien. dpa

Panzer nach Saudi-Arabien Berlin: Die Bundesregierung hat einem „Spiegel“-Bericht zufolge erstmals die Lieferung schwerer Kampfpanzer nach Saudi-Arabien genehmigt. Der Bundessicherheitsrat habe vor wenigen Tagen den Weg für den Export von modernen „Leopard II“-Panzern in das autoritär geführte Land frei gemacht. Die Saudis hätten Interesse an mehr als 200 Exemplaren. Der deutschen Rüstungsindustrie winkt damit ein Milliardengeschäft. Die Bundesregierung wollte den Bericht unter Hinweis auf die Geheimhaltungspflicht nicht kommentieren. dpa

Schönte Bahn die Kosten? Stuttgart: Neuer Streit um die Kosten des umstrittenen Bahnprojekts „Stuttgart 21“: Nach einem „Spiegel“-Bericht hat die Bahn die Zahlen seit 2002 geschönt. Das gehe aus Unterlagen der Deutsche-BahnTöchter DB Projektbau und DB Netz hervor. Die Bahn wies die Vorwürfe zurück: Sie seien „haltlos“. Angeblich legen Vermerke, Protokolle und Berechnungen aus den Jahren 2002 bis 2010 den Schluss nahe, dass bereits vor zwei Jahren bahnintern die Kosten für den Bahnhofsumbau mit weit über 4,5 Milliarden Euro berechnet wurden. dpa

Keine Mehrheit für Rot-Grün Berlin: Leichter Abwärtstrend für die Grünen in der Wählergunst: Zum zweiten Mal in Folge büßen sie beim Emnid-„Sonntagstrend“ im Auftrag der „Bild am Sonntag“ einen Prozentpunkt ein und kommen nun auf 21 Prozent. Die SPD verharrt den Angaben der Zeitung zufolge bei 26 Prozent. Damit hätte Rot-Grün derzeit keine Mehrheit mehr. Die Union konnte laut Umfrage um zwei Punkte zulegen und erreicht 34 Prozent. Die FDP büßt einen Punkt ein und kommt auf fünf Prozent. Die Linkspartei erreicht unverändert acht Prozent. dpa

Brandenburg lockt Beamte Potsdam: Brandenburgs rot-rote Regierung will Beamte aus anderen Bundesländern wieder mit einer Prämie in den Osten locken. In einem Referentenentwurf für Finanzminister Helmuth Markov (Linke) sei eine sogenannte Ausgleichszulage bei Dienstherrenwechsel enthalten, sagte Ministeriumssprecherin Ingrid Mattern. Demnach sollen Beamte und Richter, die aus besser bezahlenden Ländern nach Brandenburg wechseln, die Differenz zu ihren höheren Ursprungsbezügen als Zuschlag erhalten, der später schrittweise abgebaut werden soll. dpa

Streit um Kundus-Bericht Berlin: Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) hat die Koalitionsbewertung zur Kundus-Affäre als „unrichtig und unanständig“ kritisiert und eine Überarbeitung gefordert. Im Entwurf für den Abschlussbericht zum Bombardement zweier von Taliban entführten Tanklaster mit zahlreichen Toten in der Nähe des nordafghanischen Kundus wird der einstige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entlastet. Verantwortlich seien Staatssekretär und Generalinspekteur. dpa

B l I c k p u n k t l I n k s pa r t e I

Absage an Antisemiten – aber neuer Streit Von K laus Wallbaum Berlin/Hannover. Eigentlich ist es als Signal der Versöhnung gedacht. Der Vorstand der Linkspartei, ein 44-köpfiges Gremium, hat am Wochenende den Programmentwurf für die Partei ergänzt: Jeder Art von Antisemitismus und Rassismus, Unterdrückung und Krieg müsse man entschieden entgegentreten, heißt es darin jetzt. Ein Satz, der Einigkeit hervorrief: 37 Mitglieder stimmten mit Ja, nur zwei mit Nein und einer mit Enthaltung. Eine gute Basis also für den Parteitag Ende Oktober, der das Parteiprogramm endlich beschließen soll. So geschlossen der Vorstand der Partei nach dieser Abstimmung auch wirkte, hinter den Kulissen brodelt es weiter. Wie jetzt bekannt wurde, leistete sich der umstrittene Linken-Vorsitzende Klaus Ernst offenbar in einer Sitzung der Bundestagsfraktion einen verbalen Ausfall, der nun neuen Konfliktstoff in die ohnehin

schon von Auseinandersetzungen geplagte Linkspartei bringen könnte. Sogar von der Gefahr einer Spaltung der Partei ist die Rede. Der zu polternden Reaktionen neigende Ernst hatte vor wenigen Wochen den Vorsitzenden des Umstritten in der Zentralrats der Ju- Linkspartei: Klaus dpa den, Dieter Grau- Ernst. mann, wegen dessen Kritik an der Linkspartei gerüffelt. Graumanns Vorwurf des verbreiteten Antisemitismus in der Linkspartei sei eine „Diffamierung“, der Zentralratsvorsitzende solle „die Niederungen der Parteipolitik verlassen“. Daraufhin hatte sich der Sachse Leutert dann in einem Interview über Ernst beschwert, was dieser wiederum zum Anlass nahm für ei-

dpa

ie schwarz-gelbe Koalition möchte sich mit einem freundlichen Signal an die Bürger in die Sommerferien verabschieden – nach dem Motto: Die letzten Regierungsmonate mögen vielleicht etwas verwirrend ausgefallen sein, für 2013 aber planen wir wieder etwas Übersichtliches und Schönes: eine Senkung von Steuern und Abgaben. Schon geraten einige Oppositionelle in Hechelatmung: Nun sei aber das Ende der finanzpolitischen Solidität erreicht; wer Steuern senke, bremse den Schuldenabbau. Das klingt mitunter so, als dürfe es nach dem Sozialdemokraten Hans Eichel, der zuletzt per Stufenplan die Steuern senkte, nie wieder Steuersenkungen in Deutschland geben. Doch das Thema entzieht sich einer schlichten Schwarz-Weiß-Debatte. Natürlich ist der Schuldenabbau überfällig. Erreichen wird man ihn aber nur mit geringer Arbeitslosigkeit. Bill Clinton hat einst in den USA vorgeführt, wie beides zusammen geht: Steuern senken, Schulden zurückzahlen. Am Ende seiner Amtszeit standen Haushaltsüberschüsse. Entscheidend ist eben nicht allein der Steuersatz als solcher, entscheidend ist die Frage, wie viele Menschen als Arbeitnehmer Steuern zahlen – und wie viele von Sozialtransfers leben, weil sie keine Arbeit haben. In diesem zentralen Punkt erlebt Deutschland gerade verblüffende Veränderungen. Weil der Arbeitsmarkt sich besser entwickelt als erwartet, kommen positive Wechselwirkungen in Gang. Die Rentenversicherung nimmt mehr ein als gedacht – und braucht weniger Zuschuss aus Steuergeldern. Die Krankenversicherung blickt auf Überschüsse. Und die gigantische Bundesagentur für Arbeit kann endlich in nennenswertem Umfang Personal abbauen – mit dem Effekt, dass auch auf diesem Feld eine Entlastung der Arbeitnehmer zumindest in den Bereich des Möglichen rückt. M at thia s K och

nen Wutausbruch: Leutert, so soll Ernst in einer minutenlangen Attacke gesagt haben, besitze gar nicht die „Lebensleistung“, um jemandem wie Ernst die Leviten zu lesen. Etwa 20 Bundestagsabgeordnete des Reformerflügels aus dem Osten sollen daraufhin empört den Saal der Bundestagsfraktion verlassen haben. Der Vorfall zeigt nun: Es fällt der Linkspartei, allen mit großer Mehrheit gefassten Beschlüssen zum Trotz, gar nicht so leicht, sich von den Israel-Kritikern in den eigenen Reihen zu distanzieren. Vor allem bei westdeutschen Linken ist die Abgrenzung von Israel und die Unterstützung auch der radikalen und gewaltbereiten Palästinenser weitverbreitet. Graumann drückte es so aus: „Der alte antizionistische Geist der DDR spukt noch in der Partei.“ Der zweite Konflikt dreht sich um Ernst, der sich mit seiner Kritik am Sachsen Leutert einmal mehr als arroganter Westdeutscher präsentierte, der die Le-

bensleistung der in der DDR aufgewachsenen Parteifreunde nicht anzuerkennen imstande ist. Dies könnte die Karriere des Parteichefs der Linken schneller beenden als ihm lieb ist. Seit gut einem Jahr nun führen Ernst und die Ost-Berlinerin Gesine Lötzsch die Linkspartei, sie tun dies in der Nachfolge von Oskar Lafontaine und Lothar Bisky. Doch nicht ansatzweise haben beide die Autorität ihrer Vorgänger erreicht, vielmehr gelten beide als Duo der Pannen, Versäumnisse und Fehler. Lötzsch galt anfangs noch als starke Figur, bis sie mit ihrem Bekenntnis zum Kommunismus viele Anhänger in der eigenen Partei schwer enttäuschte. Beim Parteitag im Oktober könnten die Konflikte ausbrechen, denn der Programmentwurf ist in vielen Teilen nicht so unumstritten, wie es die Abstimmung über die Israel-Passage jetzt glauben macht. Ein neuer Vorstand der Linken soll dann im Juni 2012 gewählt werden. Ob Ernst sich so lange hält, ist offen.


Blick in die Zeit

NR. 153 · MONTAG, 4. JULI 2011

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Speisen und Spekulationen auf hohem Niveau

Aus Schwarz wird Grün

Dominique Strauss-Kahn genießt die Freiheit – doch nur jeder zweite Franzose wünscht sich sein Comeback

Von DaV iD s. s chulz unD ulriK e K olterm ann

Ein CSU-Ortsvorstand wechselt zur Ökopartei Von PatricK G u y ton

rtr, dpa, afp

Hollande sprach als Erster aus, was viele denken: „Nichts sollte Dominique Strauss-Kahn hindern anzutreten“, sagte New York/Paris. „Das waren sehr er. Konkret bedeutet dies, die Frist für freundliche, fröhliche Menschen“, berich- die Kandidaten der Vorwahl vom 13. Juli tet der Koch des „Scalinatella“ über die um ein paar Wochen zu verschieben. Nach prominenten Gäste des New Yorker No- dem ursprünglichen Plan wollten die belrestaurants. „Der Service, den sie ge- Sozialisten im Oktober bestimmen, wer nossen, war unglaublich“, staunt Silvia von ihnen den Wahlkampf gegen Sarkozy Grottola, gleichfalls Gast des Edelitalie- aufnehmen soll. Aber ist diese Kandidaners in Manhattans Upper Eastside, über tur Strauss-Kahns überhaupt realistisch? den Aufwand am Nachbartisch. „Jedes Einerseits hätte er im Fall eines FreiMal, wenn etwas serviert wurde, waren spruchs zumindest Zeit für einen neuen da fünf oder sechs Kellner.“ Job, da sein IWF-Posten bereits an LaDoch es liegt ganz gewiss nicht allein garde vergeben ist. Andererseits fragen am bekanntermaßen exzellenten Service sich die Linken, ob sie einen Kandidaten des „Scalinatella“, dass das prominente – und die Franzosen einen Präsidenten – Paar so gut gelaunt ist. Denn immerhin wollen, der eine solche Geschichte hinter handelt es sich um das erste Dinner in sich hat. Zumal ja noch niemand weiß, wiedergewonnener Freiheit, das Domi- wie diese Affäre tatsächlich endet. nique Strauss-Kahn mit seiner Frau Anne Was Strauss-Kahn selbst über seine Sinclair an diesem Freitagabend genießt Zukunft denkt, hat er bislang für sich be– nachdem erheblihalten. Er wartet den che Zweifel an der nächsten GerichtsHauptzeugin für den termin in New York Vergewaltigungsveram 18. Juli ab. Dass dacht gegen den früseine Anwälte versuheren Chef des Interchen würden, die Annationalen Wähklägerin zu diskredirungsfonds (IWF) tieren, stand schon aufgetaucht sind. früh fest. Falls sie, Strauss-Kahn wie es heißt, auch bei wäre vielleicht schon ihrem Asylantrag geviel länger wieder schummelt hat, befrei – wenn die Überdeutet dies aber noch setzung eines Telelange nicht, dass sie Pasta mit Trüffeln in fröhlicher Runde: fonmittschnitts aus eine Vergewaltigung Im „Scalinatella“ hat das Ehepaar einem seltenen westerfunden hat, meinen Strauss-Kahn mit Freunden die afrikanischen Diaauch manche Anhänlekt nicht bis zum ger Strauss-Kahns. Freilassung gefeiert, in Paris müssen Für den Fall, dass vergangenen MittPräsident Sarkozy und Sozialistenchefin er tatsächlich freigewoch gedauert hätte. sprochen wird, werIn dem Telefonat der Aubry wieder mit DSK rechnen. den in Frankreich Zeugin mit einem aber schon mal die kriminellen Freund Karten neu gemischt: soll das aus Guinea Hollande setzt sich stammende Zimmernach Ansicht von Bemädchen davon geobachtern für eine sprochen haben, Kandidatur von Geld aus der angeb„DSK“ ein – weil er lichen Oralsex-Versich gegen ihn wohl gewaltigung mit bessere Chancen ausStrauss-Kahn zu rechnet als gegen schlagen. „Keine Parteichefin Martine Angst, der Typ hat Aubry. Die wäre daeine Menge Geld – gegen vielleicht sogar ich weiß, was ich tue“, aufrichtig erleichtert zitiert die „New York über ein Ende der Times“ die angebliVorwürfe gegen che Aussage der Strauss-Kahn, die sie 32-Jährigen. „einen Albtraum“ Kein Wunder, dass nannte. Denn viele am Wochenende Speglauben ihr ohnehin kulationen ins Kraut nicht, dass sie tatschießen – nicht nur sächlich die nächste darüber, ob StraussPräsidentin FrankKahn nun ganz unreichs werden will. schuldig ist, sondern Grund zur Freude hat Christine Lagarauch über die Frage, ob der Franzose, der vor der Affäre als aussichtsreichster Prä- de, Strauss-Kahns Nachfolgerin an der sidentschaftskandidat der Sozialisten IWF-Spitze. Sie war zwar schon vor der galt, vielleicht auch Opfer einer politi- Affäre als Kandidatin im Gespräch, für schen Intrige ist. Während Strauss-Kahn den Fall, dass „DSK“ sein Mandat wegen und seine Frau in Manhattan am Sonn- des Wahlkampfs in Frankreich vorzeitig abend die ihnen vor ihrer Wohnung in aufgeben würde. Aber wer weiß, ob sie es Tribeca auflauernden Fotografen ab- dann auch tatsächlich geworden wäre. Einstweilen kann der Freigelassene schütteln und durchs Museum of Modern Art schlendern, spekulieren in Paris seinen wiedergewonnenen Spielraum gelängst Gegner und Parteifreunde über nießen. Er muss dabei, wenn er denn ein reines Gewissen hat, keine Enthüllungen ein Comeback von „DSK“. Dabei hatte sich in Frankreich schon mehr fürchten, wohl aber mit den höchst viel verändert, seit Strauss-Kahn in aufmerksamen Reportern in New York leHandschellen abgeführt worden war: Die ben. Manches Detail über seine FreizeitKandidatenfrage bei den Sozialisten ist gestaltung war dort in den Zeitungen ungeklärt, klar ist hingegen, dass Präsi- schon nachzulesen – bis hin zur Speisedent Nicolas Sarkozy seine beste Ministe- folge beim Italiener „Scalinatella“. Da rin Christine Lagarde verliert, weil die bestellte der 62-Jährige Pasta mit TrüfFinanzexpertin Strauss-Kahn an der feln für 100 Dollar (knapp 70 Euro), beIWF-Spitze ablöst. Nun ist nicht ausge- richten die „New York Daily News“, insschlossen, dass „DSK“ doch noch gegen gesamt belief sich die Rechnung für das „Sarko“ antritt. Bei den Sozialisten Ehepaar und ein befreundetes Paar auf herrscht darüber helle Aufregung, bei rund 600 Dollar. Und das Boulevardblatt den Franzosen sind die Meinungen ge- zitiert die Restaurantbesucherin Silvia teilt: Knapp die Hälfte (49 Prozent) wür- Grottola auch mit einer Prognose dazu, de ihn nach einer Umfrage der Zeitung wie Anne Sinclair wohl mit dem Trubel „Le Parisien“ gern wieder als Politiker in um ihren Mann umgeht: „Das Lächeln auf ihrem Gesicht hat mir genügt, um zu Paris sehen, 45 Prozent sind dagegen. Der frühere Sozialistenchef François wissen, dass sie bei ihm bleibt.“

Auf dem Weg ins Museum of Modern Art: Dominique Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair beim Verlassen ihrer Wohnung in Tribeca.

afp

Staatsanwalt zwischen allen Stühlen Von F ranK h errm ann Washington. Kaum darf Dominique Strauss-Kahn seinen goldenen Käfig verlassen, setzt der Mann, der ihn anklagt, schon zu einer Verteidigungsrede an. In eigener Sache. Ein Staatsanwalt, sagte Cyrus Vance junior, habe nun mal die Pflicht, „zu tun, was richtig ist“. Dieser Pflicht komme er nach, „ohne Furcht und ohne Gefälligkeiten, wo immer das hinführen mag“, sprich: was immer die Ermittlungen an Erkenntnissen ergeben. Es ist die Begründung einer Rolle rückwärts, die den Bezirksstaatsanwalt Manhattans in die Bredouille bringt. Noch im Mai hatten Vance und seine Kollegen in schneidigen Sätzen vorgetragen, warum sie Strauss-Kahn für schuldig hielten. Kein Zweifel war zu hören, wenn es um die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers ging, des Zimmermädchens aus Guinea, das der 62-Jährige zum Oralsex gezwungen ha-

ben soll. Jetzt muss sich Vance Universität in Washington auf den Vorwurf gefallen lassen, eine außenpolitische Karriere er habe allzu hastig eine Klaverzichtete. ge zusammengeschustert. Stattdessen fing er im Büro Es ist der erste große Fall, Morgenthaus an. Als er ihn im in dem er sich bewähren muss. Amt beerbte, versuchte er Lange hat er im Schatten rasch, eigene Akzente zu setzweier übermächtiger Vaterzen, „den Schwächsten und figuren gestanden. Die eine ist Verwundbarsten der Gesellsein leiblicher Vater, Cyrus schaft beizustehen“. Im verVance senior, der den Präsigangenen September gründedenten John F. Kennedy und te er ein „Special Victims Lyndon B. Johnson als Vertei- Unter Druck: Anklä- Bureau“, das die Ermittlundigungsexperte diente und ger Cyrus Vance jr. rtr gen bei Sexualverbrechen, unter Jimmy Carter US-AuKindesmisshandlungen und ßenminister wurde. Die andere hat das häuslicher Gewalt koordiniert. KomproAmt, das er im Januar 2010 übernahm, misslos, versprach Vance, wolle er sich nachhaltiger geprägt als irgendwer sonst. für Opfer von Vergewaltigungen einsetRobert M. Morgenthau war 35 Jahre lang zen. Gloria Steinem, die Feministin, geBezirksstaatsanwalt, seit 1975, eine der hörte zu seinen Fans. Umso härter trifft legendären Figuren der Stadt New York. ihn, dass der Fall Strauss-Kahn nun zum Von seinem Vater versuchte sich Vance Bumerang zu werden droht. Im Moment junior zu lösen, indem er nach dem Stu- sitzt Vance zwischen allen Stühlen, spädium in Yale und an der Georgetown- tere Wendungen nicht ausgeschlossen.

Ein Stromriese vor dem Sieg in Wolfsburg

Wer liefert künftig den Strom? Das Tauziehen wirft ein Schlaglicht auf Konzessionsvergaben – die jetzt in Hunderten Kommunen bevorstehen Von K laus Wallbaum Wolfsburg. In der Stadt Wolfsburg fällt nächsten Donnerstag eine wichtige Entscheidung: Wer bekommt den Zuschlag für die Stromversorgung in den Umlandgemeinden? Dies könnte ein Tag des Sieges für den Großkonzern e.on werden, der monatelang im Hintergrund für seine Tochter LSW gewirkt hat und die Fortsetzung des Vertrages sichern will. Gegenwärtig ist für e.on die Konstellation besonders günstig. Jahrelang hatten die Stadtwerke, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, um diesen Stromauftrag geworben – gegen die LSW, in der e.on den Ton angibt. Inzwischen deutet vieles auf den Zuschlag für die LSW hin. Die Stadtwerke sind, wie ein Insider sagt, „diskreditiert“ – sturmreif geschossen durch monatelangen internen Streit und Vorwürfe, über die schließlich die gesamte alte Führung stürzte. Die neuen Herren sind Leute, die mit e.on gut können. Bundesweite Schlagzeilen löste im vergangenen Jahr der Wirbel um Markus Karp aus, den bisherigen Vorstandschef der Stadtwerke. Er soll einen engen Mitarbeiter angewiesen haben, aus den Stadtwerken heraus für die CDU Wahlkampf zu machen. Die Justiz ermittelt, und manches spricht gegen Karp, der offenbar Grenzlinien überschritten hat. Tatsache ist aber auch: Als Karp im November 2010 bei den Stadtwerken abgelöst wurde, muss das ein Freudenfest für

Bewerber mit guten Chancen – die Konzernzentrale von e.on in Düsseldorf. e.on gewesen sein – denn der Manager war landesweit einer der heftigsten Verfechter eigenständiger Stadtwerke, er wollte den e.on-Einfluss zurückdrängen. Sein Engagement ging über Wolfsburg hinaus, auch mit Nachbarkommunen wurde gesprochen, etwa mit Königslutter. Sechs kleine Stadtwerke wurden in der Nachbarschaft gegründet. Hunderte von Konzessionen für Strom und Gas laufen in diesen Monaten in Niedersachsen aus, um Wolfsburg herum sind es allein 90. In vielen Fällen treten kommunale Unternehmen mit ihrer Be-

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dpa

werbung gegen e.on oder von e.on beherrschte Tochterfirmen an. Da ist in Wunstorf von unlauteren Werbemethoden die Rede, da fühlen sich die Stadtwerke Uelzen von Konkurrenten in Misskredit gebracht, in Springe und im Weserbergland sind Kommunalpolitiker von e.on-Angeboten verunsichert. Nirgendwo aber tobt der Streit so stark wie in Wolfsburg, und die Ermittlungen gegen Karp bringen nun immer mehr Details ans Licht. Die besondere Konstellation bei den Stadtwerken begünstigt diesen Konflikt: 2005 haben sich die Stadt-

werke und die LandE, eine das Wolfsburger Umland versorgende e.on-Tochter, zur LSW zusammengeschlossen – e.on hält an dem Unternehmen die Mehrheit von 57 Prozent. Nun sind Stadtwerke und LSW eng miteinander verzahnt, LSW ist Dienstleister für die Stadtwerke bei Personal und Computertechnik, LSW muss auch eine Pacht an die Stadtwerke für das Stromnetz zahlen. Doch hier beginnen die Merkwürdigkeiten: Der Pachtzins der LSW liegt aus Sicht der Stadtwerke mit elf Millionen Euro jährlich viel zu niedrig. Der von den Stadtwerken in die LSW entsandte Geschäftsführer Frank Kästner hatte das offenbar zu verantworten, der Aufsichtsrat der Stadtwerke wollte ihn im Sommer 2010 wegen angeblich zu großer Nähe zu e.on abberufen. Dazu kam es nicht. Seit wenigen Wochen nun ist Kästner der neue starke Mann bei den Stadtwerken. Die alte Führung unter Karp hatte im Sommer 2009 noch den Mut besessen, die Stromversorgung für die Stadtverwaltung und die Verwaltung der Stadtwerke auszuschreiben. Nicht LSW kam zum Zuge, sondern die weitaus günstigere Energieversorgung im baden-württembergischen Offenburg. Dies war eine schallende Ohrfeige an die LSW und e.on – denn damit war bloßgestellt, dass die Preise des Energieversorgers in der Region um bis zu 20 Prozent überhöht gewesen waren. Über Karp, der e.on mit diesem Schritt düpiert hatte, wurden kurz danach anonyme Schreiben verschickt

mit dubiosen Vorwürfen. Karp jedoch ließ sich nicht einschüchtern und setzte einige interne Überprüfungen bei den Stadtwerken in Gang. Diese brachten neue Merkwürdigkeiten zutage – Vorgänge, die allesamt die Stadtwerke schwächten. Schon im Jahr 2000 etwa hatten die Stadtwerke ein Unternehmen erworben, das Klimatechnik herstellt und wartet. Der Preis von sechs Millionen Euro soll damals sechsfach überhöht worden sein, heißt es heute. Im Sommer 2010 sollten Wirtschaftsprüfer die Schwachstellen in den Stadtwerken ausloten. Dabei kam heraus, dass die Stadtwerke kaum einen Überblick darüber haben, wie die an die e.on-Tochter LSW ausgelagerten Dienstleistungen abgewickelt werden. Mehrere Personen bei den Stadtwerken, die noch oder inzwischen wieder an entscheidenden Stellen tätig sind, verweigerten sich damals der Mitarbeit an dieser Analyse. Außerdem gehen Prüfer Hinweisen nach, die LSW habe ihre Personalkosten von rund 30 Millionen Euro für ihre 600 Mitarbeiter intern so verschoben, dass diese der Stromnetz-Gesellschaft zugeordnet werden – und damit den Stromkunden aufgebürdet werden können. Politisch ist in Wolfsburg derzeit verkehrte Welt. Während die SPD landesweit für die dezentrale Energieversorgung wirbt, ist der SPD-Vertreter im Stadtwerke-Aufsichtsrat der wichtigste Streiter für die starke Rolle von e.on – und die CDU wirbt für die Stadtwerke.

Ruhmannsfelden. Mehr als 30 Menschen quetschen sich unter urigem Holzgebälk auf den Bänken der Dorfgaststätte. Die trägt den völlig unbayerischen Namen „Osteria La Vita“, eine bayerische Wirtschaft gibt es in der kleinen Marktgemeinde Ruhmannsfelden nicht mehr. Viel merkwürdiger als der italienische Name dieser Schenke ist aber die Versammlung, die darin stattfindet. Bis vor Kurzem noch hätten die Veranstaltungsbesucher nicht gemeinsam getrunken, denn sie haben sich politisch bekämpft. Doch jetzt, da hier bärtige Altgrüne auf gediegen-ländliche Konservative treffen, ist die Stimmung freudig und aufgekratzt. Von einem „historischen Ereignis“ spricht Christine Bickel, GrünenVorsitzende im Landkreis Regen, während man mit kleinen Weingläsern anstößt,indenengrüngefärbterOrangensaft gereicht wird. „Es ist, als käme ein Kind neu in eine Patchworkfamilie.“ Da bleibe eben gar nichts, wie es war. Das gilt an diesem Abend, an dem fast der komplette CSU-Ortsvorstand Ruhmannsfeldens bei den Schwarzen aus- und bei den Grünen eintritt und damit ein neuer Ortsverein der Ökopartei entsteht, gewiss in ganz besonderer Weise. Denn Ruhmannsfelden, eine 2000-Einwohner-Gemeinde 20 Kilometer nördlich von Deggendorf, liegt in einer „Von und mit Stammregion der der Natur zu Christsozialen. Ihnen gehört Bürgerleben ... meister Josef Brunner an, seit 27 Jahren im Amt, ehrenamtlich. Früher fuhr die CSU hier 75 Prozent der Stimmen ein, im Gemeinderat gab es weder SPD noch Grüne, neben den Christsozialen stellen nur zwei freie Wählergruppierungen noch Mitglieder. Ruhmannsfelden liegt im Bayerischen Wald, hier gibt es viel Natur und wenig Reichtum, im Dorfzentrum steht manches Geschäftslokal leer, direkt am Marktplatz wird ein kleines heruntergekommenes Haus zum Verkauf feilgeboten. Junge Männer mit Baseballkappen erfreuen sich am Aufheulen eines getunten Motors. Doch nichts bleibt, wie es war. Der neue Grünen-Ortsverein ist der erste im ganzen niederbayerischen Landkreis. Gaby Englmeier nimmt an der Neugründung ebenso teil wie Roland Geiger und Helmut Seitz. Das waren im Dorf bislang bekannte CSU-Größen. „Von und mit der Natur zu leben ist konservativ, und es ist grün“, sagt nun der 46-jährige Geiger. Wie konnte es zu einer solchen Entscheidung kommen? Dass eine CSU-Führungscrew die Fronten wechselt und als Team bei der Ökopartei andockt? Fragt man die Neugrünen und die verbliebenen Altchristsozialen, bekommt man in Ruhmannsfelden zwei gegensätzliche Geschichten zu hören. In der einen suchen jüngere, dynamische Kräfte die Erneuerung der Partei und den personellen Wechsel. Wieder und wieder stoßen sie gegen die Betonwand einer CSU von vorgestern. Am Ende werden sie handstreichartig aus allen Positionen ausgebootet. Doch sie sind der Ansicht, dass sie ihre kommunalpolitische Arbeit auch als Grüne fortsetzen können – vielleicht sogar besser, ohne Hürden. Diese Geschichte erzählt von einem politischen Signal, vielleicht von einer Zeitenwende. Was konservativ ist und was grün, das scheint im Freistaat immer weiter zu verschwimmen. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat ... ist dazu beigetragen, ebenso die Abkehr konservativ der Union von der und grün“ Atompolitik und die Wahl Winfried Kretschmanns zum ersten grünen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg. Die andere Geschichte handelt von einer selbstsüchtigen, machtgierigen Frau. Gaby Englmeier schart Anhänger um sich und kämpft immer und immer wieder gegen die anderen in der Ruhmannsfeldener CSU. Sie widerspricht, intrigiert, spaltet und hat doch wenig Ahnung von den Sachthemen. Es ist ein Dauermachtkampf, den die traditionellen, älteren Kräfte um Bürgermeister Brunner für sich entscheiden. Tradition gegen Irritation, Hausmacht gegen Moderne? „Wir wollten junge Leute in die Politik bringen“, sagt Gaby Englmeier, sie habe „mit der CSU grüne Ideen verwirklichen“ wollen. Und genüsslich breitet die große, stämmige Frau die Geschichte von Brunners an einer tschechischen Universität mit fremden Textteilen erschlichenen Diplomtitels aus. „Er ist gelernter Bauzeichner und wurde wegen der Diplomarbeit als Betrüger verurteilt“, berichtet Roland Geiger. Kein Zweifel, in Ruhmannsfelden wird allerhand schmutzige Wäsche gewaschen, es geht nicht nur ums große Ganze, sondern auch um kleinlichen Streit, um persönliche Intrigen und Besitzstände, um Neid und Missgunst. Aber Geiger, der eine Firma für Finanzdienstleistungen betreibt, CSU-Kassenwart war und als Grünen-Mitglied in drei Jahren fürs Amt des Bürgermeisters kandidieren will, betont, dass es ihm um die politische Sache geht. „Der Ort muss energieautark werden“, fordert er, „wir wollen nicht mehr abhängig sein von den großen Konzernen.“ Auch soll die heimische Landwirtschaft gestärkt, sollen lokale Produkte verkauft werden. Und nicht nur für die Touristen strebt er an, dass in Ruhmannsfelden wieder eine bayerische Gaststätte eröffnet.


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Politik

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

Thailänder wählen Frau an die Spitze

ThAilAnd

Die Abrechnung

I

m Grunde spielt es keine Rolle, wie hoch der Wahlsieg der thailändischen Puea Thai, der Partei des 2006 von den Militärs gestürzten Premierministers, ausfällt. Jedenfalls ist mit diesem Urnengang klar, dass die Mehrheit der Wähler des Landes bereit ist, die seit dem Putsch regierende Elite Thailands gegen die Familiendynastie der Shinawatras einzutauschen. Das Votum scheint ziemlich eindeutig. Yingluck, die Spitzenkandidatin und jüngste Schwester des ehemaligen Telekommunikationstycoons Thaksin aus dem Norden des südostasiatischen Königsreichs, trat schließlich mit dem Wahlspruch an: „Thaksin denkt, die Puea Thai setzt um.“ In der nahen Zukunft dürfte Thaksin wieder zu einem Dreh- und Angelpunkt werden. Denn Thailands unheilige Allianz von Militärs, Beamtentum, Monarchie und Demokratischer Partei ließ im Wahlkampf wenig Bereitschaft zu einem Kompromiss mit dem Mann erkennen, mit dem sie lediglich Misstrauen verbindet. Thaksin drängte seinerseits während seiner Amtszeit von 2001 bis 2006 systematisch Gegner und Kritiker aus den Schlüsselpositionen. Dennoch besitzt das Königreich nur dann eine Chance, wenn die politischen Kontrahenten endlich bereit sind, Wahlergebnisse zu akzeptieren. Die Wahl war eine Abrechnung mit dem Putsch von 2006. Wenn nun mit zweifelhaften Tricks und Manövern wieder versucht werden sollte, das Ergebnis auf den Kopf zu stellen, dann könnten die Thailänder die Geduld verlieren. W illi G ermund

Zur Person afp

Alexander Lukaschenko, Weißrusslands Präsident, hat die Opposition vor einem Aufstand gegen seine Herrschaft gewarnt. Bei einer Militärparade zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit sagte Lukaschenko, anders als etwa in Georgien oder der Ukraine werde es in seinem Land keine „farbige Revolution“ geben. Angesichts der massiven Polizeipräsenz blieben die angekündigten Oppositionsproteste während der Rede aus. Lukaschenko nahm die teilweise bizarre Parade von fast 4000 Soldaten mit 160 Fahrzeugen ab, die eine Demonstration militärischer Macht mit Elementen einer Vorführung des weißrussischen Breakdanceteams verband. afp

Ausl And Mladic schwänzt vor Gericht Den Haag: Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic will seiner für heute geplanten zweiten Anhörung vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal fernbleiben. Mladic wolle weder vor dem Gericht erscheinen noch auf schuldig oder unschuldig plädieren, sagte sein Anwalt. Grund sei, dass das Tribunal noch nicht darüber entschieden habe, wer seine Verteidigung übernehmen solle. Zudem habe Mladic die gegen ihn erhobene Anklage noch nicht ganz gelesen. afp

Schwester des gestürzten Ministerpräsidenten siegt

Lob und Kritik: Vor Athens Botschaft in Tel Aviv danken einige Israelis für die Blockade der Gaza-Schiffe, andere fordern deren freie Fahrt. afp

Wird ein Schiff kommen?

Nahostquartett: „Eskalation“ durch Flottille / Gaza-Aktivisten: „Sabotage“ Von Daniel a lex anDer S ch acht

G

aza, wir kommen“, verkündeten noch vor einer Woche die Aktivisten, die Hilfsgüter am Strand von Gaza anlanden wollen. Doch ihre „Freiheitsflottille“ hat hohe Hürden zu überwinden: Am Wochenende wurde eines der Schiffe, die US-amerikanische „Audacity of Hope“, im Hafen von Piräus festgehalten und der Kapitän verhaftet. Die italienisch-niederländische „Stefano Chiarini“ liegt bereits im Hafen von Korfu fest, ein weiteres Schiff wird in Kreta festgehalten. Damit entspricht Athen dem jüngsten Appell des Nahostquartetts, die Aktivisten zu „entmutigen“. Denn von der Flottille sei eine „Eskalation“ der Gewalt zu befürchten – wie 2010, als beim gewaltsamen Stopp der Schiffe durch Israel neun Menschen starben. Israels Regierung äußerte sich zufrieden mit dem griechischen Vorgehen, ein Sprecher der Aktivisten zeigte sich „schockiert und überrascht“. Der schwedische Autor Henning Mankell nennt Athens Schritte „einer Schande“. Wie Mankell, der 2010 an der Aktion teilgenommen hatte, konnten auch die

anderen Gaza-Aktivisten schon seit Wochen ahnen, dass die Aktion diesmal auf größere Hindernisse stoßen würde – auf diplomatischer wie auf technischer Ebene. Das erste Signal dafür gab es bereits Mitte Juni, als Bülent Yildirim, Chef des islamistischen Verbandes IHH, erklärte, die 2010 nach Gaza entsandte „Mavi Marmara“ werde diesmal nicht teilnehmen. Als Grund gab er durch Israelis verursachte Schäden an dem Schiff an – Defekte, die es indes nicht verhindert haben, die „Mavi Marmara“ bei Dreharbeiten zum antiisraelischen Streifen „Tal der Wölfe – Palästina“ einzusetzen. Auch auf einem anderen Schiff wollte Yildirim nicht an der Aktion teilnehmen. Dazu sei er „spirituell“ zu sehr mit der „Mavi Marmara“ verbunden, versicherte er der Zeitung „Hürriyet“. In türkischen Regierungskreisen ist dagegen zu hören, dass die Enthaltsamkeit der IHH auf politischen Druck zurückgeht. „Recep Tayyip Erdogan war schon im vergangenen Jahr nicht glücklich mit der Aktion“, sagt ein hoher Beamter aus Ankara, der den türkischen Premier unverhohlen als Populisten schildert. „Angesichts der israelischen

Gaza-Blockade wollte er nichts gegen die Solidaritätsaktion sagen.“ Vor allem durch den arabischen Frühling und auch durch die israelische Lockerung der Blockade hat sich die Lage in Gaza geändert. Deshalb, aber auch weil Israelis wie Griechen angeboten haben, die Güter der Flotte über Israel nach Gaza zu transportieren, haben die Gaza-Aktivisten jetzt ein Legitimationsproblem. Wenn es nur um Hilfslieferungen geht, ist der konfliktfreie in einigen Fällen nicht nur der sichere, sondern auch der schnellere Weg der Güter nach Gaza. Denn manches Schiff ist technisch nicht zum Auslaufen in der Lage: Bei der Jacht „Juliano“ soll die Schiffsschraube angesägt sein, die irische „Saoirse“ soll mit Motorschaden im türkischen Hafen Göcek liegen. In beiden Fällen beklagen die Aktivisten „Sabotage“ durch Israels Geheimdienst Mossad. „Es ist noch nicht vorbei“, sagte „Free Gaza“-Sprecher Adam Shapiro gestern. „Unsere Schiffe werden nach Gaza segeln.“ Ungehindert segeln im Mittelmeer bisher indes nur Schiffe, die in Frankreich und Spanien gestartet sind – und es damit bis Gaza noch weit haben.

Bangkok (afp). Fünf Jahre nach dem Sturz des früheren thailändischen Regierungschefs Thaksin Shinawatra kehrt dessen Partei an die Macht zurück: Mit Thaksins Schwester Yingluck Shinawatra an der Spitze fuhr seine Partei Puea Thai bei der Parlamentswahl am Sonntag einen Sieg ein. Aus Dubai rief Thaksin das in politische Lager gespaltene Land zur Versöhnung auf. Wie die Wahlkommission in Bangkok am Sonntagabend mitteilte, konnte die Puea Thai mit 254 der 500 Mandate rechnen und hätte damit die absolute Mehrheit. Die Demokraten des amtierenden Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva kamen auf lediglich 164 Sitze. Vejjajiva räumte seine Niederlage ein. Thaksin, der 2006 vom Militär gestürzt wurde und Vor einem „harten wegen einer dro- Job“: Yingluck Shidpa henden Gefängnis- nawatra. strafe wegen Korruption in Dubai im Exil lebt, gelang mit seiner Partei bei der Parlamentswahl ein fulminantes Comeback. Er ist weiterhin vor allem bei der Landbevölkerung sehr beliebt. Seine Anhänger, die sogenannten Rothemden, hatten vergangenes Jahr mit Massenprotesten den Rücktritt von Abhisit gefordert. Bei Zusammenstößen mit dem Militär starben damals mehr als 90 Menschen. „Alle Parteien müssen die Entscheidung des Volkes respektieren, sonst kann unser Land keinen Frieden erreichen“, sagte Thaksin telefonisch dem thailändischen Fernsehen. Seiner Schwester, die nun vom Parlament zur ersten Regierungschefin Thailands gewählt werden dürfte, gratulierte Thaksin in einem Telefonat. Er habe ihr gesagt, sie habe einen „harten Job“ vor sich, sagte Yingluck vor jubelnden Anhängern in Bangkok. Die 44-jährige Geschäftsfrau ist ein Neuling auf der politischen Bühne. Thaksin hatte sie erst vor Kurzem zur Spitzenkandidatin seiner Partei gemacht. Offen blieb, ob Thaksin eine Rückkehr anstrebt. Die Puea Thai hatte während des Wahlkampfs eine Amnestie für verurteilte Politiker vorgeschlagen, was als Indiz dafür gewertet wurde, dass dem Parteichef die Rückkehr ermöglicht werden soll.

Republikaner rügen Abzug Washington: Der einflussreiche republikanische US-Senator John McCain hat die von Präsident Barack Obama vorgestellten Pläne zum Abzug der US-Truppen aus Afghanistan scharf kritisiert. Diese unterliefen „alle Mühen und Opfer seit dem Beginn des Einsatzes“, sagte er am Sonntag in Kabul dem US-Sender CNN. Der von Obama geplante rasche Abzug aus dem Land sei „ein unnötiges Risiko und von niemandem in der Armee empfohlen worden“. afp

Streit mit den Kosaken Kiew: Ein erbitterter Streit um ein Holzkreuz hat auf der ukrainischen Halbinsel Krim zu blutigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und russischstämmigen Kosaken geführt. Die Kosaken wollen das Aufstellen eines Kreuzes durchsetzen, was von den Behörden aber als „Provokation“ untersagt worden war. Es handele sich um Nationalisten, die „Politik statt Religion“ im Sinn hätten, zitierten Medien in Kiew am Sonntag einen Behördensprecher. dpa

Gaddafi droht Europa mit Krieg Tripolis (dpa). Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat vor Tausenden seiner Anhänger gedroht, Krieg nach Europa zu tragen. Sollte die Nato ihre Angriffe nicht einstellen, könnten Libyer wie Heuschrecken über Europa herfallen. „Eure Häuser, Büros, Familien würden legitime militärische Ziele werden, so, wie ihr unsere Häuser angegriffen habt“, zitierte die britische BBC Gaddafi. Wenn sich die Nato nicht zurückziehe, werde das großartige libysche Volk den Staaten des Bündnisses eine Katastrophe bescheren, drohte er weiter. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte bei einem Besuch in Madrid, statt dem Westen mit Militärschlägen zu drohen, sollte Gaddafi die Attacken gegen die eigene Bevölkerung einstellen und den Übergang zu einer demokratischen Ordnung auf den Weg bringen. Kampfflugzeuge der Nato bombardierten am Wochenende weiter Ziele in Tripolis.

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Kultur

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Einkäufer: „Ich fand’s ehrlich gesagt überexposed.“ Stilist: „Die Boys-Collection aber fand ich richtig schön. Man hätte es editorialtechnisch allerdings noch mehr pushy machen können.“ Einkäufer: „Das Pushy? Oder Golfthema finde ich catchy? ausgereizt. Sorry, aber jeder hasst Golf. Irgendwie fand ich’s diesmal nicht catchy, sondern kitschig. Ich fand außerdem, dass es auch nicht wirklich teuer aussah.“ Stilist: „Die Art, wie drapiert wurde, fand ich studentisch, ehrlich. Manche finden es ja halsbrecherisch schön, aber ich find’ das nicht. Auf den Punkt gebrachter guter Geschmack sieht anders aus.“ Einkäufer: „Irgendwie fand ich’s auch ein bisschen zu arabisch.“ Stilist: „Es gibt heutzutage das Problem, dass es entweder super abgefahren ist oder super kommerziell, da gibt’s wenig dazwischen.“ Einkäufer: „Irgendwann ist das total basic geworden. Die Leute haben ein Teil von dem Label im Kleiderschrank und wollen nicht noch ein zweites oder drittes.“ Stilist: „Das Layering aber find’ ich wirklich dark und twisty, vor allem bei den Basic-T-Shirts. Und es hat so eine Die Mode und intelligente Weichdie Sprache heit.“ Einkäufer: „Diese ganze Bomberjackenlinie mit gestrickten Hosen und Boots fand ich anfangs komisch. Dann hab’ ich mir’s mehrfach angeschaut, und da fand ich, es machte richtig Sinn.“ Stilist: „Ich fand in den Wintersachen zu wenig Down-to-earth-Mentalität. Die Wintersachen gaben mir wenig Emotion. Bei den ganzen Sneakers und Jeans mit hässlichen Extremwaschungen fehlte mir der Effekt des Neuen.“ Einkäufer: „Ich habe viele sehr strange Sachen von Dior gehabt. Sie gingen auch irgendwie immer. Am Ende aber gingen sie schwächer.“ Stilist: „Ja, irgendwann hat das halt jeder im Schrank.“ (aufgezeichnet von jdb)

„Jugend denkt“ sucht Teilnehmer Noch bis zum 30. Juli haben Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren Gelegenheit, sich an dem Philosophiewettbewerb „Jugend denkt“ der Stiftung Kulturregion Hannover zu beteiligen. Sechs Wettbewerbsfragen stehen zur Auswahl: Was ist Menschenwürde? Was ist Zeit? Sollte Neuro-Enhancement erlaubt sein? Kann aus einem bösen Motiv eine gute Tat hervorgehen? Gibt es eine moralische Verpflichtung der Natur gegenüber? Was macht echte Freundschaft aus? Eine dieser Fragen soll ausgewählt und in einem Aufsatz von maximal fünf DIN-A4-Seiten beantwortet werden. Zu gewinnen ist unter anderem eine Sprachreise. Bewerbungsformular und Informationen gibt es unter www.jugenddenkt.de. rom

Abschied von Bernhard Heisig Mit einer Trauerfeier im Dom von Havelberg (Sachsen-Anhalt) haben Familie, Freunde und Bekannte am Sonnabend Abschied vom Maler Bernhard Heisig genommen. Heisig galt als einer der bekanntesten Künstler der DDR. Er starb am 10. Juni im Alter von 86 Jahren in seinem Wohnort Strodehne an der Havel in Brandenburg. In der DDR hatte er mit Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer die sogenannte Leipziger Schule begründet. Sie vertraten die moderne Malerei in den siebziger und achtziger Jahren. Zu Heisigs Werken gehören neben Bildern zum Thema Krieg auch Porträts wie beispielsweise von Altbundeskanzler Helmut Schmidt. dpa

Wader/Wecker beim Filmfest ausgezeichnet Die Dokumentation „Wader/Wecker – Vater Land“ von Rudi Gaul über die Liedermacher Hannes Wader und Konstantin Wecker hat beim Filmfest München den Publikumspreis gewonnen. Ebenfalls verliehen wurde am Sonnabend der One Future Preis der Interfilm-Akademie. Er ging an das ägyptisch-deutsche Drama „Cairo Exit“. Den Ehrenpreis vergab die Akademie posthum an den Schauspieler, Filmemacher und Aktivisten Juliano Mer-Khamis. Der Direktor des Friedenstheaters im Flüchtlingslager von Dschenin im Westjordanland war Anfang April von einem maskierten Mann erschossen worden. dpa

Mit Milch und Zucker

Mit neuem Theater aus Norwegen, der Schweiz, dem Iran und den USA endeten am Wochenende die Theaterformen in Hannover.

Die Hannoversche Hofkapelle in Herrenhausen Von g ünteR H elMs

Von R a in eR Wagn eR

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ine „Melodie der Gesten“ will Velma erklingen lassen. Diese Melodie beginnt leise und endet laut, denn hinter Velma verbergen sich drei frankoschweizer Musiker, die es gern ordentlich rocken lassen. Aber die Elektropopband aus Lausanne spielt nicht nur Musik, sondern auch mit Musikern und ihren Ritualen. Also zeigen sie mit „Velma Superstar“ zum Abschluss des Theaterformenfestivals in der gut besuchten Staatsoper ein Ballett der Bedeutsamkeiten. Da stimmt sich links ein Streichquartett ein, und da steht in der Mitte ein Chor bereit (den Velma auf seinen Tourneen jeweils vor Ort aus Freiwilligen rekrutiert). Der Dirigent kommt, verbeugt sich – und das war’s erst mal. Die Sängerin erscheint und verbeugt sich. Man dankt und schwankt. Und geht ab. Kehrt wieder. Ad libitum heißt das in der Musik: nach Belieben. Aber beliebig ist das gar nicht, sondern feinsinnig durchchoreografiert. Das alles ist als Musiktheaterform nicht wirklich neu, weil die Musikgeschichte durchaus die Selbstreflexion des eigenen Tuns (oder auch Nichttuns) kennt: von Haydns „Abschieds“-Sinfonie mit dem durchkomponierten Abgang der Musiker bis zu John Cages „4.33“, in dem in drei Sätzen nichts gesagt und erst recht nichts musiziert wird. „Velma Superstar“ wirkt dagegen verspielter, ist ein Divertimento zwischen Nachahmung und Nachäffung. Die Endlosschleifen kommen ins Stocken und ins Trudeln, es gibt Zeitlupe und Beschleunigung – und manchen Anlass zum Juxen. Langsam schleichen sich Töne ein. Und die stumme Sängerin (Arantxa Martinez), die zunächst nur durch ihre Körperhaltung beim Beifallsempfang aufgefallen war, gackert wie ein Huhn: mit virtuoser Beweglichkeit. So kommt das Geschehen immer mehr ins Trudeln, ins Tänzeln, das zu einem Musette-Tänzchen führt. Alles verschiebt sich. Aus Mitmachern werden Beobachter, aus Betrachtern werden Fans. So gleicht dieser kurze und kurzweilige Abend einer Minimalkomposition zum Thema Erfindung und Selbstfindung. Dann wird es laut, Christophe Jaquet singt, Christian Garcia traktiert die Gitarre, und Stéphane Vecchione darf endlich mehr zum Klingen bringen als nur den einen oder anderen Triangel. Aber ob „Headbanging“ oder das edle Senken des Kopfes bei der Verbeugung der Sängerin: Ohne Kopfarbeit funktioniert Musik vielleicht als Gefühlssache, aber nicht als Geschäft.

Die Gesten des Geschäfts: „Velma Superstar“

... und: Action! Von R onald M ey eR -a Rlt

D

ie beiden Brüder sind ganz unterschiedliche Wege gegangen: Der eine fing mit Drogengeschichten an und kam ins Gefängnis, der andere wurde Künstler. Eines aber hat Gator und Zachary Oberzan immer verbunden: ihr Interesse an Actionfilmen mit Jean-Claude Van Damme. Als Kinder haben sie Szenen aus den Kickbox-Filmen nachgespielt und das dann auf Videos festgehalten. Dass dieses „Re-enactment“, das sie da betrieben haben, eine künstlerische Tätigkeit ist, die im Theater ein paar Jahrzehnte später sehr beliebt werden würde, konnten sie damals noch nicht ahnen. Irgendwann war die Zeit der Nachspielerei zu Ende. Gator musste ins Gefängnis, und Zachary begann eine Karriere als Theaterschaffender. Zwanzig Jahre später – Gator ist mittlerweile wieder draußen – trifft sich sein Bruder mit ihm, und beide spielen noch einmal die alten Szenen nach. Sie kopieren also Van Damme und sich selbst. Das Filmmaterial präsentierte der amerikanische Performer Zachary Oberzan nun in „Your Brother. Remember?“

Fahrstuhl zum Erfolg

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it der letzten Aufführung von „Die Erfindung des Fahrstuhls“ im holländischen Pavillon auf dem Expo-Gelände endete gestern die zwölfte Ausgabe des Festivals Theaterformen, bei dem knapp zwei Wochen lang 20 Theaterproduktionen von Künstlern aus 19 Ländern zu sehen waren. Den Angaben der Veranstalter zufolge hatte das Festival mehr als 15 000 Besucher, die Auslastung der 86 Theatervorstellungen lag bei 90 Prozent. Anna Rispolis Inszenierung auf dem Expo-Gelände, eine Eigenproduktion des Festivals, gehörte zu den Publikumsmagneten. Alle elf Vorstellungen waren

Lieber

ausverkauft. Ähnlich beliebt war Brett Baileys südafrikanischer „Orfeus“ mit fünf ausverkauften Vorstellungen. Anja Dirks, deren Vertrag als künstlerische Leiterin der Theaterformen soeben um zwei Jahre bis 2014 verlängert wurde, sagte gestern: „Wir freuen uns sehr darüber, dass das Publikum das Angebot so begeistert angenommen hat. Auch die Künstler waren beeindruckt von der großen Offenheit und den Begegnungen auf dem Festival.“ Die 13. Ausgabe des Festivals Theaterformen findet vom 31. Mai bis 10. Juni 2012 in Braunschweig statt. rom

auf der Cumberlandschen Bühne. Ein wunderliches bis wunderbares Werk war das, mehr Dokumentarfilm als Theater, aber sehr anrührend. Wir sehen zwei Brüder – und was die Zeit aus ihnen gemacht hat. Die kleine Performance, die eigentlich nur eine charmant begleitete Filmvorführung ist, stimmt nachdenklich: Man denkt an die (eigene) Vergänglichkeit und wundert sich, wie Zufälle einen Lebensweg verändern können. Dieses Filmtheaterstückchen ist eine ziemlich große Kleinigkeit. Das Gegenteil, nämlich lautes, grelles und sehr aufgeblasenes Theater, zeigte die norwegische Gruppe „De Utvalgte“ im Ballhof. In „Drømmen“ geht’s um einen alternden Theaterkünstler, der nie recht erfolgreich war und jetzt einer älteren Frau die Füße massiert. Bald schon riecht das Theater nach Fußcreme. Der Schauspieler lamentiert über die Ungerechtigkeit der Welt und ist neidisch auf die alte Frau, die ein Haus am Meer besitzt. Auf der Bühne stehen Couch, Bett, Sessel, Bad und WC. Bald ist klar: Wenn jedes Ding einmal benutzt worden ist, dann würde die Vorstellung zu Ende sein. Und so war’s dann auch. Bis dahin aber wurde langatmig und weinerlich räsoniert und lamentiert. Erstaunlich eigentlich, dass Alte-LeuteTheater so pubertär sein kann. Gar nicht erstaunlich war dagegen, dass der Hauptdarsteller irgendwann die Hosen herunterlässt.TheaterleuteverwechselnNacktheit ja gern mal mit Hingabe. Wenn die Darsteller der – fast zeitgleich spielenden – iranischen „Mehr Theatre Group“ Gelegenheit gefunden hätten, das norwegische Stück zu sehen, wären Welten aufeinandergeprallt. Denn während der norwegische Hauptdarsteller auf der Bühne sein Geschlecht von einer Kollegin berühren ließ – und sich auch mal auf der am Rand der Spielfläche aufgestellten Toilette niederließ, agierten die Schauspielerinnen aus dem Iran in

Oberzan

N

Ballett der Bedeutsamkeiten

INITIAl

eulich beim Modepreis Hannnover 2011 im Design Center an der Expo-Plaza kommen zwei Ichfindse miteinander ins Gespräch. Der eine Stilist aus der deutschen Stadt A, der andere Einkäufer aus B. Beide trinken LitschiBionade. Der Insidertalk dreht sich um die jüngsten Modeschauen und -kollektionen von Prada, Dior & Co.

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

Filmtheater: „Your Brother. Remember?“ landestypischer Kleidung: Ihre Haare waren stets von Kopftüchern bedeckt. In der Produktion „Wo warst Du am 8. Januar?“ erzählte Regisseur Amir Reza Koohestani von einem Soldaten, der wegen eines Schneesturms seine Kaserne nicht mehr erreicht und außerhalb übernachten muss – wobei ihm die Dienstwaffe abhandenkommt. Mehrere Menschen wollen die Pistole in ihren Besitz bringen, um ihre Probleme zu lösen. Gegen Ende tritt eine Künstlerin auf, die ein Bild aus Blut malen will. Sie wirft einen mit Blut gefüllten Beutel auf den Boden. Eine über der Bühne angebrachte Kamera nimmt den Blutfleck auf und präsentiert ihn auf der Leinwand in XXL. Und die Zuschauer wissen: Hier geht es auch um eine Revolution, die niedergeschlagen wurde. Die „Mehr Theatre Group“ präsentiert eine ganz besondere Theaterform: Telefontheater. Fast alle Dialoge (und wortreiche Dialoge gibt es jede Menge) finden am Handy statt. Auffällig: Bei allen Diskussionen über den Verbleib der Waffe und über die Vorschläge, was man mit ihr alles anstellen könnte, erheben die vier Schauspielerinnen und zwei Schauspieler kaum die Stimme. Es sind leidenschaftliche, aber – für unsere Verhältnisse – leise Diskussionen.

Ein Theaterformen-Spezial auf

Mit Engels- und Vogelzungen

Hermann Nitsch verkitscht bei den Münchner Opernfestspielen Messiaens „Franziskus“-Oper, die aber musikalisch glänzt Von R a in eR Wagn eR

D

ie Gleichung war wohl doch zu simpel, um aufgehen zu können. Olivier Messiaens mystische „Franziskus“-Oper wurde in München von Hermann Nitsch auf die Bühne gebracht, dem Erfinder des „Orgien-Mysterien-Theaters“. Doch die erste Premiere der diesjährigen Opernfestspiele geriet dann weder orgiastisch noch mysterienhaft, sondern eher peinlich bis langweilig. Gerettet wurde der Abend aber durch eine festspielreife musikalische Leistung. Immerhin stand mit Münchens Generalmusikdirektor Kent Nagano ein Messiaen-Kenner am Pult, der 1983 dem Meister bei der Uraufführung seiner Oper in Paris als Assistent gedient hatte. Olivier Messiaens „Saint François d’Assise“ ist ein kontemplatives Glaubensbekenntnis, erzählt von einem bekennenden Katholiken und leidenschaftlichen Ornithologen, dem der Vogelprediger Franziskus besonders am Herzen liegen musste. Allerdings sind diese acht „franziskanischen Szenen“ (so der Untertitel) mehr eine tönende Ikonensammlung als spannendes Musiktheater. Der Weg des frommen Mannes zum Heiligen zieht

sich hin: Vier Stunden Musik sind da zu bewältigen. Und zu bebildern. Die Uraufführung in Paris glich einem Zug durch die einschlägigen Kapitel der Kunstgeschichte, dem wollte in München Staatsopernintendant Nikolaus Bachler vermeintlich zeitgenössischere Bilder entgegensetzen, doch der 73-jährige Österreicher Hermann Nitsch ist auch schon Geschichte. Vor 16 Jahren hatte er bei seinem Operndebüt mit Massenets „Hérodiade“ an der Wiener Staatsoper erstmals gezeigt, dass ein Aktionskünstler nicht zwingend „Action“ auf die Bühne bringt. In Farbe im Spiel: „Saint François d’Assise“ in München. München bietet er erneut viel Stehtheater, aber ein bisschen mehr wohl eher den Kitschorgien, die er auf den Selbstzitate, Schüttbilder gab es damals Bühnenrundhorizont projizieren lässt. auch, jetzt kommen noch ein paar FilmNitsch lässt seine gewohnten Rituale bilder mehr seiner Blut-und-Hoden-Ri- praktizieren: Nackte Männer in Kreuzituale dazu, bei denen Akteure mit bluti- gungspose werden mit Blut und anderen gen Eingeweiden hantieren. Das ist ei- Flüssigkeiten übergossen und wieder gegentlich sehr gestrig, bringt aber dennoch reinigt und wieder übergossen und wieein paar Premierenbesucher dazu, erst der gereinigt und so fort. den Blick und dann sich selbst abzuwenDas alles hat nur im siebten Bild leidden. Aber der Protest, den Nitsch am lich Sinn, wenn Franziskus auf dem Weg Schluss entgegennehmen musste, galt zum Heiligwerden selbst die Stigmata er-

leiden will und soll. Ansonsten aber ist das alles nur egomanisches Selbstzitat. Ebenso wie die Schüttbilder, die besonders im Finale gewaltig nerven, weil das Planschen der Farbkleckser den ätherischen Engelsgesang stört, den Christine Schäfer berührend (wenn auch nicht ganz so silbrig, wie zu erhoffen war) intonierte. Paul Gay ist ein gestandener Franziskus, eher erfolgsorientiert als abgeklärt. Die Mönchsbrüder sind treffend besetzt, der Staatsopernchor lässt sich auch durch Nitschs Kostüme (die Rückkehr der Querstreifen) nicht irritieren. Ebenso wenig wie die Bläser des Staatsorchesters, die in ähnlich bunter Montur auf der Bühne sitzen. Kent Nagano musiziert mit ihnen die komplexe Partitur so leuchtend, als habe er jeden Firnis weggewischt. So kunstgewerblich, zwischen süßem und saurem Kitsch schwankend die Bühnenerzählung ausfällt, so glanz- und kunstvoll gerät in München die musikalische Umsetzung. Bayerische Staatsoper / Wilfried Hösl dpa/lby

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Noch einmal heute und am 10. Juli.

Im Ring Barock des NDR greift normalerweise die Radiophilharmonie im Galeriegebäude Herrenhausen zu den Noten. Nun machte sie (wie auch in der kommenden Saison geplant) auf dem Konzertpodium Platz für die auf historische Instrumente spezialisierte Hannoversche Hofkapelle. Angeführt von Konzertmeisterin Anne Röhrig startete sie gleich behände mit Johann Bernhard Bachs 4. Orchestersuite, die wie die 4. Suite seines Vetters Johann Sebastian ebenfalls auf unbekümmertes D-Dur setzt. Der Verzicht auf Pauken und Trompeten (mit denen der berühmte Verwandte auf pompöse Klänge zielt) gibt gleich dem Anfang duftige Züge – für die Hannoversche Hofkapelle der Auftakt für viel pointierten musikalischen Feinschliff. Da wurde nicht nur der vorletzte Satz („La Joye“ – Die Freude) zum puren Hörgenuss. Worauf der kanadische Flötist Brian Berryman gleich im nächsten Werk mit fingerfertiger Virtuosenkunst konterte. Kaum zu glauben, dass dieses D-DurFlötenkonzert von Johann Joachim Quantz erst in neuerer Zeit entdeckt wurde. Doch so waren die Sitten: Friedrich der Große hielt seinen Hofkomponisten Quantz an der kurzen Leine. Dessen Werke waren für den flötenden König und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und verschwanden deshalb nicht selten in dunklen Archiven. Mit seinem Soloauftritt bewies der regelmäßig in der Hannoverschen Hofkapelle mitwirkende Berryman nach der CD-Einspielung 2010 nun auch live, wie mitreißend, differenziert und feinnervig er dieses Juwel der Flötenliteratur angeht. Schade nur, dass danach Anne Röhrigs Präsentation von Bachs Violinkonzert EDur abfiel. Im Ring Barock des NDR darf man mehr solistische Präsenz erwarten. Den schnellen Ecksätzen fehlte die lupenreine Intonation, dem langsamen Satz hätte auch im Orchester etwas weniger Nüchternheit gutgetan. Doch gegen Mattigkeit gibt es ja ein Mittel: Kaffee! Dem setzte Johann Sebastian Bach in seiner Kaffeekantate ein Denkmal. Anke Briegel (Sopran), Florian Lohmann (Tenor) und Albrecht Pöhl (Bass) stolzierten mit vokaler Wonne durch die Geschichte kleiner Nickligkeiten zwischen Vater Schlendrian und Tochter Liesgen. Es konnte nur drei Sieger geben: die Tochter, den Kaffee und die Zuhörer im sehr gut besuchten Galeriegebäude.

Nervöser Solist Roderic von Bennigsen beim Sommerfestival Von UlRik e e beRle „Ein gutes Omen“ und „dass die inspirative Musik uns alle in eine andere Welt führen“ solle, erhoffte sich Festivalintendant Roderic von Bennigsen bei seiner Begrüßung zum Eröffnungskonzert des 16. Sommerfestivals auf dem Rittergut Bennigsen. So war es auch, jedenfalls in Schuberts „Unvollendeter“ und in Brahms 2. Sinfonie, die die Philharmonie Krakau unter ihrem Chefdirigenten Pawel Przytocki in klaren Linien, präzisen StreicherBläser-Abwechslungen und kraftvollen Tuttistellen präsentierte. Mysteriös der dunkle Cello- und Kontrabassanfang der „Unvollendeten“, der das Publikum sofort in eine andere Welt zog, hervorragend die runden Pizzikati, die den Satz strukturierten und ein Fundament für das ganze Orchestergebäude zementierten. Darauf konnten die Violinen ihre perfekt artikulierte Achtelbewegung des eher getragen interpretierten Kopfsatzes bauen, die die klangschön ausgestalteten Holzbläsersoli leuchten und sich entwickeln ließen. Diese Intensität ging im zweiten Satz leider kurzzeitig verloren, nachdem die Solooboe offensichtlich im Notentext verrutscht war. Kurze Unruhe, aber rasche Rückkehr in ein beseeltes Ende. In der Brahms-Sinfonie gelangen vor allem der dritte und vierte Satz außerordentlich, der Solohornist konnte an den heiklen Stellen überzeugen, und die vertrackten brahmsschen Gegenrhythmen spielten die Musiker mit Leichtigkeit und Routine. Zwischen diese beiden Sinfonien platzierte sich Hausherr Roderic von Bennigsen als Solocellist für die Elégie op. 24 von Gabriel Fauré und für das Cellokonzert e-Moll von Antonio Vivaldi in einer Bearbeitung von Paul Bazelaire. Die Elégie, dem Wortursprung nach ein griechisches Klagelied, gab zum Klagen Anlass: Bennigsen interpretierte das Stück – in seiner Anlage eigentlich kammermusikalischintim – überaus expressiv. Seine manieriert wirkenden hörbaren Lagenwechsel, sein lautes Aufschlagen auf die Saiten und die unsaubere Intonation, besonders bei großen Sprüngen, konnte auch das klangschön begleitende Orchester nicht wettmachen. Im Vivaldi-Konzert setzten sich die Probleme fort: Bennigsen interpretierte das viersätzige Werk wie eine romantische Schmonzette, er verhedderte sich im zweiten Satz, unterbrach das Orchester und ließ neu beginnen. Verwirrtes Blättern beim Dirigenten und im Orchester, ein desaströser Wiedereinstieg, der rund 20 Takte dauerte, bis alle die Reprise wiedergefunden hatten, und ein noch nervöserer Solist waren die Folge. Ein Glück, dass das Orchester den Konzertabend mit seinen Sinfonien rettete.


Niedersachsen

NR. 153 · MONTAG, 4. JULI 2011

Ein bewusster Regelverstoß – von Staats wegen

kurz gemeldet Polizei beendet Taxi-Irrfahrt Bad Fallingbostel: Nach einem Besuch auf der Hamburger Reeperbahn sind zwei britische Soldaten an den falschen Taxifahrer geraten. Der im afghanischen Kabul geborene Mann brachte die Soldaten nicht zurück in die Kaserne nach Bad Fallingbostel, sondern landete mit den Männern nach einer langen Irrfahrt in einem 500-Seelen-Dorf in SchleswigHolstein. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, hatte der Afghane in blindem Vertrauen auf sein kaputtes Navigationsgerät Hamburg auf der Autobahn 7 Richtung Norden verlassen. Nach 75 Kilometern kam es zum Streit. Die Polizei schlichtete nach einem Notruf des Fahrers. Der fuhr zurück nach Hamburg. Von da aus nahmen die Briten dann lieber den Zug. lni

Im Traktor über die A 31 Lingen: Ein 75 Jahre alter Landwirt und sein Enkelsohn sind am Wochenende mit Traktoren und Heuanhängern über die Autobahn 31 bei Lingen gefahren – bis sie von Polizisten angehalten wurden. Den verdutzten Beamten erklärte der Großvater, dass er sich verfahren habe. Sein Enkel sei ihm aus Unwissenheit mit dem zweiten Traktor gefolgt. Außer einer Anzeige wegen unerlaubten Benutzens der Autobahn erwartet beide Männer jetzt noch ein weiteres Strafverfahren – weil sie mit mehr als 40 Stundenkilometern unterwegs waren, ihre Anhänger dafür aber nicht zugelassen sind. lni

CDU will Urwahl Hannover: Im kommenden Jahr werden CDU-Mitglieder mitentscheiden können, wer für die Union in den Landtag einziehen soll. Der Landesvorstand der CDU in Niedersachsen hat in seiner jüngsten Sitzung vorgeschlagen, die CDU-Landtagskandidaten ab sofort grundsätzlich in Urwahl aufzustellen. Dies soll Mitte August auf einem Parteitag in Hameln beschlossen werden. Es sei großartig, dass die CDU so engagierte Mitglieder habe, meinte CDU-Generalsekretär Ulf Thiele: „Deshalb bauen wir die Möglichkeiten innerparteilich mitzuentscheiden kontinuierlich aus.“ r.

Reif für die Insel Cuxhaven: Deutschlands kleinste bewohnte Insel, Neuwerk vor Cuxhaven, hat wieder einen neuen Postboten. Joachim Wichmann, Postzusteller im Cuxhavener Hafen, hat zum 1. Juli die Aufgabe übernommen. Sein Vorgänger ging in Pension. Zwar hat die zu Hamburg gehörende Insel nur 25 Haushalte, sie wird dennoch in den Sommermonaten sechsmal, in den Wintermonaten zwei- bis dreimal pro Woche von Cuxhaven aus mit Post versorgt – wenn es die Witterung zulässt. Neuwerk ist 13 Kilometer vom Festland entfernt. Die Insel im Wattenmeer ist nur tideabhängig zu erreichen. epd

Ursache für Brand in Porta Westfalica weiter unklar Porta Westfalica (lni). Die Ursache für den Großbrand im Lager eines Abfallentsorgers in Porta Westfalica an der Grenze zu Niedersachsen ist weiter unklar. In den nächsten Tagen sollen Sachverständige mit der Ursachenforschung beginnen, sagte ein Sprecher des Abfallentsorgungsunternehmens am Wochenende. Auch die Schadenshöhe ist noch offen. Vier Feuerwehrleute wurden leicht verletzt. Auf dem Gelände des Entsorgers waren Freitagmorgen Kunststoffballen in Brand geraten. Bis zu 300 Feuerwehrleute waren im Einsatz, die Bundeswehr schickte zum Löschen zwei Hubschrauber aus der Bückeburger Heeresfliegerschule. Wegen des Großbrandes musste die nahe gelegene Bahnstrecke zwischen Hannover und Bielefeld gesperrt werden, zahlreiche ICEs wurden großräumig umgeleitet. Es kam zu erheblichen Verspätungen im Bahnverkehr. Aber auch der Autoverkehr wurde erheblich beeinträchtigt. Über dem Lager stand den ganzen Tag eine riesige schwarze Rauchwolke, die gegen Mittag auch das 17 Kilometer entfernte Rinteln in Niedersachsen erreichte. Messungen von Luft und Löschwasser ergaben aber keine Schadstoffbelastungen. Nach dem Löschen des Feuers waren am Freitagabend in der Nacht zum Sonnabend vorsorglich Brandwachen eingesetzt worden. Ein Auflodern neuer Brandnester blieb aber aus.

Regierung will mehr Schulden machen als Investitionen tätigen, auch wenn dies laut Verfassung nur in Notzeiten erlaubt ist Von K laus WallBauM

lässig zur Abwehr einer Wirtschaftsstörung. Da die Steuereinnahmen derzeit aber sprudeln, der Arbeitsmarkt floriert und die Wirtschaft brummt, kann von einer Störung keine Rede sein – die Regierung kann sich daher kaum glaubhaft auf die Ausnahmevorschrift berufen. Nun steckt Finanzminister Hartmut Möllring in einem Dilemma: An neuen Krediten peilt er für nächstes Jahr 1,6 Milliarden Euro an, das sind 350 Millionen Euro weniger als in diesem Jahr. Die Investitionen betragen aber nach der bisherigen Finanzplanung weniger als 900 Millionen Euro. Wenn es dabei bliebe, würde die Summe der Neuverschuldung die der Investitionen um rund 700 Millio-

Hannover. Wenn die Landesregierung heute und morgen in einer Klausurtagung den Haushalt für das nächste Jahr aufstellt, begibt sie sich auf verfassungsrechtlich dünnes Eis: Ein Verstoß gegen Artikel 71 der Landesverfassung gilt als wahrscheinlich. In Regierungskreisen heißt es aber, dieser Vorgang sei gleichwohl „hinnehmbar“, weil man sich durch eine Bestimmung im Grundgesetz abgesichert sieht. Artikel 71 der Landesverfassung sieht vor, dass die Summe der neuen Schulden nicht höher sein darf als die Summe der Investitionen. Ausnahmen sind nur zu-

nen Euro überschreiten, was laut Artikel 71 unzulässig wäre. Zwar deuten sich einige Erhöhungen von Investitionen an, beispielsweise für den Straßenbau. Der Betrag von einer halben Milliarde Euro, heißt es in Regierungskreisen, werde aber auf jeden Fall zwischen neuen Schulden und Investitionen liegen. Die Juristen der Landesregierung haben geprüft und abgewogen – und hinterher Entwarnung gegeben. Tatsächlich könne man den Verstoß gegen die Landesverfassung tolerieren, heißt es intern. Das Grundgesetz nämlich habe inzwischen die „Schuldenbremse“ beschlossen, die allen Ländern von 2020 an neue Kredite verbietet. Hinzu komme der neue

Stimmung pur trotz kühler Winde Von h eiK e M anssen

festigkeit auch über ein gerüttelt Maß an Spontaneität verfügen, stellt Menno ort, wo der Wind weht, dort ist Keller unter Beweis. Der Leiter des BüAurich. Das kleine Städtchen ros des Auricher Bürgermeisters Hansmitten in Ostfriesland war bis Werner Windhorst (!) wird bei der offigestern die „heimliche Hauptstadt des ziellen Eröffnungsveranstaltung am Landes Niedersachsens“. Für Ostfrie- Sonnabend von der Schlagersängerin sen war das schon immer klar. Umso Mary Roos unverhofft auf die Bühne mehr freute es sie, gebeten. Keller als der Landesvamacht dort als Geter David McAllissangs- und Tanzter bei der offizielpartner eine für len Eröffnung zum Ostfriesen unerTag der Niederwartet lockere Fisachsen (TdN) am gur, sehr zur FreuSonnabend dies in de der anwesenden großer Runde verPolitiker in der erskündete. Da störte ten Reihe, unter ihes nicht, dass schon nen LandtagspräAmtsvorgänger sident Hermann Christian Wulff Dinkla, Innenmivor ein paar Jahren nister Uwe SchüWinsen an der nemann, WissenLuhe zur „heimlischaftsministerin chen Hauptstadt“ Johanna Wanka Niedersachsens und der ehemalige ausgerufen hatte, Innenminister natürlich am Tag Offenherzig: David McAllister und Ehefrau Heinrich Bartling. der Niedersachsen. Dunja mit Bauchtänzerin Ashanti. dpa (3) Ob er denn ein Fan Seit 30 Jahren von Mary Roos sei, gehört dieses Fest wurde Menno Kelzum festen Termin ler später gefragt. im Kalender eines Seine Antwort: jeglichen Minis„Jetzt schon.“ terpräsidenten. Auf einen andeAurich war bereits ren Auftritt hatten in der zweiten Aufsich viele Zuschaulage des TdN 1982 er besonders geGastgeberin der freut. Die Sängerin Landesshow. OstNina Hagen sollte friesen mögen Gäsals im Programmte. Meist gibt es heft angekündigter dann Tee und Überraschungsmanchmal auch gast auf einer der schlechtes Wetter. acht Bühnen neben Wobei das mit dem Landesbischof Rolf Wetter so eine SaMeister auftreten. che ist. Auch wenn Hagen sagte einen es am Festwochen- Mitreißend: Mary Roos holt den Auricher Tag vorher ab, doch ende bei Tempera- Menno Keller mit auf die Bühne. die Kirche kam turen um die 14 auch gut, vielleicht Grad teilweise orsogar besser, ohne dentlich windig die Künstlerin aus, wurde, konnte das die vor ein paar die Feierlaune insJahren das Chrisbesondere bei den tentum für sich Einheimischen entdeckt hat. Für kaum trüben. sie sprang der eheWind – den mag malige „Deutschman in Ostfriesland sucht den Suland. Wind bringt perstar“-Sieger Geld und ArbeitsThomas Godoj ein. plätze. Spätestens Mehr als 200 000 seit der beschlosBesucher sind laut senen EnergiewenPolizeiangaben in de ist das bislang Aurich zu Besuch eher industrieargewesen. Und alle me, von Arbeitslohaben sich gut besigkeit gebeutelte nommen, nur neun Ostfriesland im Traditionell: Rund 140 Gruppen beteiligen Einsätze hatte die Aufwind. So hat sich am großen Trachtenumzug. Polizei, weniger als der Windkraftanan einem normalen lagenhersteller Enercon seinen Fir- Wochenende in Aurich. mensitz in der Kleinstadt und sichert Beim Tag der Niedersachsen macht Beschäftigung für 4500 Menschen aus es die Mischung der 400 Aussteller und der Region. Gleichsam nebenbei hat Vereine sowie der vielen Darbietungen. das Unternehmen die Gewerbesteuer- Da bekam der Shanty Chor „Blaue einnahmen der Stadt in jüngerer Zeit Jungs“ aus Aurich ebenso reichlich Apvervielfacht, was Aurich jetzt in die plaus wie die schwarzhaarigen Mädels glückliche Lage versetzt hat, die Orga- von den „Line Dancern“ aus Wolfsburg. nisation des diesjährigen Tages der Nie- Apropos Mischung: Bünting oder Thiedersachsen zu übernehmen. Dass Ost- le. Kein Gast durfte Aurich verlassen, friesen neben einer erwiesenen Sturm- ohne zumindest eine Tasse Tee mit

Von M ich a el B. B erger

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Teegenuss in alten Trachten: Sigrid Bernhard (von links), Dieter Neuendorf, Frank Tinnemeyer und Ingrid Albrecht aus Stade zeigen den Ostfriesen, wie es geht. Brauer Kluntje und „Rohmwulkje“ aus Sahne getrunken zu haben. Die in Ostfriesland hoch geschätzte Teezeremonie erschloss sich allerdings nicht jedem. Einer Frau aus Hameln entfuhr beim Anblick der kleinen, filigranen Teetassen ein „Die Pfütze trink ich schnell im Stehen aus.“ Natürlich gab es auch diesmal wieder den Trachtenumzug am Sonntag mit mehr als 140 Gruppen mit rund 3000 Teilnehmern. Und nicht alles mutete auf den ersten Blick niedersächsisch an, was dort in Aurich die Straßen entlangtanzte. Rukiye Duyar-Jansen hob sich beispielsweise mit ihrer türkischen Folkloregruppe deutlich von anderen, zumeist beeindruckenden Trachtengruppen ab. Aber auch das ist die Mischung in Niedersachsen. Die Ostfriesen und ihr niedersächsischer Innenminister Uwe Schünemann sind zumindest überdurchschnittlich zufrieden mit dem Fest in Aurich. Hier geht eben doch mehr als nur der Wind. Eine Bildergalerie unter

Tragen Sie die Zahlen von 1 bis 9 so in das Diagramm ein, dass in jeder Zeile, jeder Spalte und jedem fett umrandeten Gebiet jede Zahl genau einmal vorkommt.

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er Tag der Niedersachsen geht auf eine Initiative des langjährigen niedersächsischen Innenministers Wilfried Hasselmann zurück. Ein jährlich an wechselnden Orten ausgetragenes Landesfest sollte nach Überzeugung des CDU-Politikers bei den Niedersachsen eine über das Landsmannschaftliche hinausgehende niedersächsische Identität festigen. Niedersachsen war als Bundesland erst 1946 auf Bestreben der britischen Besatzungsbehörden entstanden. Erstmals wurde der Tag der Niedersachsen 1981 in Celle gefeiert. Veranstalter des Festes ist das niedersächsische Innenministerium, die Organisation obliegt weitgehend der Ausrichterstadt. Den nächsten Tag der Niedersachsen wird eine Kommune im Südosten des Landes ausrichten – Duderstadt. hma

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Die Auflösung finden Sie in der morgigen Ausgabe.

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2012 ist Duderstadt dran

Hannover. Ende dieser Woche ist Ralf Meister, der Nachfolger Margot Käßmanns, als hannoverscher Landesbischof 100 Tage im Amt. Schon jetzt lässt sich sagen, dass der Theologe „ein Bischof auf Achse“ ist. Denn er hat in den ersten drei Monaten an die 70 000 Kilometer zurückgelegt, hat Kirchengemeinden im Harz ebenso besucht wie sozialdiakonische Zentren in Cuxhaven. Dabei habe er die Weite Niedersachsens, wie er sagt, gleich in mehrfacher Hinsicht „erfahren“. „Da fahren Sie etwa durch eine traumhafte Landschaft und kommen nach Dahlenburg, einem 4000-Einwohner-Städtchen im Landkreis Lüneburg, wo Sie die Folgen von Landflucht und Armut auf dem Land mit Händen greifen können“, berichtet der Bischof, der aus Berlin nach Hannover gewechselt ist. In Dahlenburg hat er unter anderem ein Sozialkaufhaus besucht – und ist dort Auf Erkundungswie in Cuxhaven auf tour: Landesbischof Zustände gestoßen, Ralf Meister. dpa die man eher in Neukölln vermuten würde. Deshalb werde ihn die Armut auf dem Lande weiter beschäftigen: „Da gab es schon berührende Szenen.“ Auf die Folgen von Landflucht ist er auch bei Besuchen im Harz gestoßen – und auf eine ebenso große Erwartungshaltung an die Kirche. Er habe dabei die Erfahrung gemacht, wie wichtig doch der Satz sei, man solle die Kirche im Dorf lassen. „Solange es geht, arbeiten wir, trotz aller notwendigen Strukturveränderungen, daran, die Kirche im Dorf zu lassen, wenigstens die Gebäude.“ Der frühere Berliner Generalsuperintendent hat angekündigt, alle 56 Kirchenkreise in der größten deutschen Landeskirche zu besuchen. In elf ist er bereits gewesen, hat unzählige Gespräche geführt und gepredigt. Im Frühherbst will er eine der bekanntesten abgelegenen Ortschaften Niedersachsens aufsuchen – Gorleben. „Ich werde noch vor dem nächsten CastorTransport Gorleben besuchen – mit anderen.“ Er selbst ist gespannt darauf, wie sich der in Berlin vereinbarte Atomausstieg („dieser Konsens ist doch ein riesiger Schritt auch zur Befriedung“) auf die Lage vor Ort auswirkt. Meister erwartet nicht, dass mit dem Ausstieg alle Großproteste aus der Welt sind, setzt aber darauf, dass auch die Kirche Plattformen zur Diskussion bietet. „An diesem Konsens weiterzuarbeiten, auch zu vermitteln, ist eine Aufgabe der Kirche.“ Auch bei der Weiterentwicklung der Offshore-Technologie, beim Streit um die Frage der Stromtrassen, sieht er die Kirche in einer möglichen Mittlerrolle. Geradezu berührt ist Bischof Meister von der Wertschätzung, die er bei seinen Besuchen erfahre – volle Kirchen, freudige Stimmung. „Die Weite, in der hier das Bischofsamt wahrgenommen wird, ist eine ganz andere als in Berlin“, sagt der Bischof. Als er in der Dahlenburger Johanniskirche gepredigt habe, habe man ihm gesagt, der letzte Bischof habe sie 1948 besucht – „das war noch Hanns Lilje“. Diese Woche ist der Bischof wieder unterwegs, an der Leine und im Solling.

endStück

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fen – doch das Bild sei verfälscht, denn die neuen Bundesländer könnten die Hilfen aus dem Solidarpakt nutzen. Trotz der verfassungsrechtlich schwierigen Grundlage dürfte die Haushaltsklausur der Landesregierung in diesem Jahr relativ entspannt laufen. Von intern heftig umstrittenen Sparoperationen ist vorher nichts bekannt geworden, das Streitthema Lehrerstellen dürfte sich nicht zuspitzen. Erwartet wird auch, dass die Regierung womöglich einen Durchbruch in einem seit Jahren umstrittenen Thema schafft, der Neuordnung der öffentlichen Versicherungen. Dies könnte eine kräftige Mehreinnahme für das Land mit sich bringen.

Landesbischof Ralf Meister zieht nach 100 Tagen Bilanz

200 000 feiern den Tag der Niedersachsen in Aurich

S152

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Grundgesetz-Artikel 143 d, der allen Ländern eine allmähliche Absenkung der Neuverschuldung auferlegt – sodass sie dann 2020 keine neuen Kredite benötigen. Damit, so lautet die Auffassung in Kreisen der Landesregierung, sei den Ländern eine kontinuierliche Absenkung der eigenen Ausgaben vorgeschrieben, und die alte Koppelung der Kreditaufnahme an die Höhe der Investitionen in der Landesverfassung könne außer Acht gelassen bleiben. Im Übrigen hätten alle westdeutschen Flächenländer das gleiche Problem; sie seien alle nicht in der Lage, ihre Kredite auf das Niveau der schon abgesenkten Investitionen zu drücken. Nur im Osten könne man das schaf-

„Die Kirche sollte schon im Dorf bleiben“

Sudoku

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HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

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D D A

Bei diesem Sudokuähnlichen Rätsel müssen die Buchstaben A, B, C und D jeweils ein einziges mal in jeder Spalte und jeder Zeile eingetragen werden. Die Buchstaben an den Rändern geben den ersten Buchstaben an – je nachdem aus welcher Richtung sie auf die Rätselgrafik zeigen.

A155

0 0 2 2 2 1 6 4 2 3 8 4 7 6 5 1 9

1 1 1 2 2 3 4 3

5 7 6 9 3 1 4 2 8

4 1 9 5 8 2 7 6 3

1 8 3 7 6 9 2 5 4

6 9 2 3 5 4 1 8 7

7 4 5 2 1 8 3 9 6

9 6 4 1 2 3 8 7 5

8 5 1 6 4 7 9 3 2

3 2 7 8 9 5 6 4 1

Die Lösungen der Rätsel von Sonnabend. A156

4 7 3 6 9 8 5 1 2

6 5 2 8 7 4 1 9 3

8 6 9 1 3 2 7 4 5

2 3 6 7 1 5 9 8 4

3 4 7 5 6 9 8 2 1

9 2 8 3 5 1 4 6 7

7 1 4 9 8 3 2 5 6

5 8 1 4 2 7 6 3 9

1 9 5 2 4 6 3 7 8


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Welt im Spiegel

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

b o U l e va r d Die andere Hochzeit

Caroline (mit Hut) kam mit Tochter Alexander, Stéphanie hatte Sohn Louis Ducruet sowie ihre Töchter Camille Gottlieb und Pauline Ducruet mitgebracht.

Eine Geste gegen alle bösen Trennungsgerüchte: Albert von Monaco küsst seine Charlene, nachdem am Sonnabend nun auch die Kirche der Verbindung ihren Segen gegeben hatte. rtr(2) / dpa/ afp

Charlotte Casiraghi wird Mutter Caroline immer ähnlicher. Model Naomi Campell erschien mit ihrem Milliardärsfreund Vladimir Doronin. rtr(2) / dpa/ afp

Flüchtig geküsst und echt geweint

Albert und Charlene feiern ein Hochzeitsfest der Superlative – und die Braut rührt die Monegassen Von A xel V eiel

M

itternacht ist längst vorbei, der Sonntag angebrochen, als seine Hoheit Albert II. doch noch Order gibt, „das Meer in Brand zu setzen“. So haben der fürstliche Feuerwerker Jacques Couturier und sein ihm zur Hand gehender Sohn Joseph jedenfalls beschrieben, was zum krönenden Abschluss des zweitägigen Hochzeitsfests am Port Hercule passieren würde. Es regnet Sterne vom Himmel. Leuchtblumen zerstäuben zu Sprühregen. Herzen erstrahlen feuerrot am Firmament. Und zum Schluss schimmert der ganze Nachthimmel, ja ganz Monte Carlo in den Landesfarben rot und weiß. Ein Gutteil der Monegassen, die an der zum Palast hinaufführenden Avenue de la porte neuve das Spektakel anschauen wollten, waren noch vor Beginn des Feuerzaubers unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Gerüchte machten die Runde, der auf den Casinoterrassen mit 500 Gästen dinierende Fürst habe vergessen, dass er seinen Untertanen für 23.30 bis 24 Uhr ein Feuerwerk versprochen hatte. Diejenigen freilich, die ausgeharrt haben, dürfen einen dieser märchenhaften Momente der Fürstenhochzeit erleben, die zwar zwei Tage lang als großes Spektakel daher kam, aber eben nur selten grandios oder märchenhaft war. Wobei die märchenhaftesten wie peinlichsten Augenblicke erst ein paar Stunden zurückliegen. Am späten Sonnabendnachmittag war es gewesen, bei der kirchlichen Trauung: Im Ehrenhof des Palasts schreitet Charlene am Arm des Vaters unter Schatten spendenden Sonnensegeln dem Altar entgegen. „Magnifique, magnifique“, entfährt

es einem zur Feier des Tages mit rot-weißem Halstuch erschienenen Monegassen, „großartig, großartig“. Das durch Seidentüllschleier schimmernde makellose Madonnengesicht der Braut, ihr dann und wann aufscheinendes liebevolles Lächeln, die von Giorgio Armani entworfene körpernahe Satin- und Seidenrobe mit der rekordverdächtig langen Schleppe: Der ehemalige Schwimmstar gibt die Fürstin in Vollendung. Aber dann kommt Albert in Carabinieri-Uniform. Er wirkt überhaupt nicht verliebt. Nicht ein Hauch von Rührung zeichnet sich auf dem Gesicht des Mannes ab, der mit absolutistischer Machtfülle die Geschicke seines zwei Quadratkilometer großen Reiches bestimmt. Immerhin gelingt der Hochzeitskuss diesmal besser als bei der standesamtlichen Trauung. Er ist zwar wieder kurz und flüchtig, aber weniger verrutscht. Dafür verfehlen sich dann beim gegenseitigen Überstreifen der Hochzeitsringe die Hände der Brautleute. Draußen vor dem Palast sind Albert und Charlene auf Riesenbildschirmen in unterschiedlichen Fenstern zu sehen, was den Eindruck noch verstärkt: Zwischen den beiden stimmt etwas nicht. Sollte Albert tatsächlich, wie gewöhnlich gut unterrichtete Klatschkreise zu wissen glauben, zum Ärger von Charlene ein drittes uneheliches Kindes gezeugt haben? Was der im Publikum sitzende Modeschöpfer Karl Lagerfeld von all dem hält, ist nicht zu erraten. Seine Gesichtszüge sind undurchdringlich, die Augen hinter Sonnenbrillengläsern verborgen. Das Model Naomi Campbell wünscht dem Paar politisch korrekt „alles Glück der Welt“. Und der bei Hochzeiten und Todesfällen

regelmäßig zusammenkommende, skandalerprobte Hochadel ist ohnehin nicht so leicht zu erschüttern. Die Blicke der Fürsten, Prinzessinnen und Könige signalisieren mal freundliche, mal gelangweilte Anteilnahme. Auf den Großbildschirmen wird die Marke des Wagens herangezoomt, in dem die Brautleute ein Bad in der Menge zu nehmen gedenken. Werbewirksam kommt der Hochzeitssponsor zur Geltung, ein Glück, das zuvor auch schon dem Hersteller des Füllfederhalters zuteilgeworden war, mit dem Albert und Charlene den Bund fürs Leben besiegelt haben. Das hat wenig mit Hochzeitsromantik zu tun. Aber dann, inmitten des Inszenierten, bricht sich das Authentische Bahn. Die kirchliche Trauung ist vorbei. Albert und Charlene sind im offenen Hybridauto vorbei an Fähnchen schwenkenden Unterta-

nen zur Kapelle gelangt, in der die Fürstin der Heiligen Dévote, der Schutzherrin von Monaco, „traditionsgemäß den Brautstrauß darreichen will“, wie einem Kommunique des Palasts zu entnehmen ist. Um eine blutjunge Tradition geht es, beruht sie doch schlicht darauf, dass die von Alberts Vater Rainier gefreite Hollywoodikone Grace Kelly 1956 als erste und bisher einzige Fürstenbraut ihr Blumengebilde in der Kapelle abgelegt hat. Marie-Clotilde Würz-de Baets und ihre elfjährige Tochter Juliette erwarten das frisch getraute Paar vor dem Altar. Unbekümmert, fast ausgelassen singen sie drauflos, freuen sich an ihren Stimmen. Der Einbruch des Echten nach all der Etikette, dem von Protokollzwängen geprägten Hochzeitszeremoniell, ist mehr, als Charlene verkraften kann. Tränen rinnen ihr über die Wangen. Irritiert über die

Ernst August blieb der Feier fern Alberts Schwester Caroline feierte ohne ihren Ehemann. Zwar soll Ernst August Prinz von Hannover zur Hochzeit eingeladen gewesen sein, doch erschienen ist er nicht. Bereits seit Längerem machen in Boulevardmedien Gerüchte über eine Krise in der Beziehung der beiden die Runde – eine offizielle Bestätigung einer Trennung gab es bisher nicht. In der ZDF-Dokumentation „Ein Abend für die Grimaldis“ deuteten nun aber auch Ernst Augusts Bruder Heinrich und der Modeschöpfer Karl Lagerfeld Schwierigkeiten an, die sich im Laufe der 1999 geschlossenen Ehe ergeben

Cornflakes

hätten. Heinrich schloss dabei jedoch nicht aus, dass sich die beiden auch wieder zusammenraufen könnten. Auch ohne Ernst August war das Haus Hannover gut bei der Trauung und den Partys in Monaco vertreten: Nicht nur die gemeinsame Tochter von Caroline und Ernst August, die elfjährige Alexandra, auch seine beiden Söhne aus erster Ehe, Ernst August (27) und Christian Heinrich von Hannover (26) feierten mit. Caroline war im Übrigen nicht die Einzige, die nur mit ihren Kindern zur Hochzeit erschien, auch ihre Schwester Stéphanie kam ohne männlichen Begleiter. ce

nicht vorgesehene sentimentale Einlage blickt Albert zur Braut hinüber und versucht sie zu beruhigen, indem er leise das Lied mitsingt. Die Monegassen, die das Ganze auf Großbildschirmen verfolgen, sind nun erst Recht hingerissen von ihrer Fürstin, die sich nun auch noch als sehr empfindsam erweist. Und doch ist die Hochzeit nicht nur ein Wechselbad der Gefühle. Eine Konstante gibt es auch. Es ist die Größe. Eine astronomische Zahl toppt die andere. 20 000 Perlmutttropfen und 30 000 Goldperlen schmücken das Hochzeitskleid der Braut. Für das Diner zeichnet Alain Ducasse verantwortlich, der Koch, der weltweit die meisten Michelinsterne erhalten hat. Der Elektromusiker Jean Michel Jarre hat rekordverdächtige 85 000 Zuschauer in Bann gezogen. Mehr als das Zweieinhalbfache der Bevölkerung Monacos ist das. Man kann Albert viel vorwerfen, aber nicht, dass er über die Hochzeit seine Amtspflichten aus dem Blick verloren hätte. Monaco ist eine Marke. Die umworbene Kundschaft, die Reichen und Schönen, verlangen das Maximale. Und der Fürst handelt danach. Weil dem Herrscher die 500 Menschen fassende Kathedrale nicht groß genug erschien, hat er sich nicht einmal gescheut, Erzbischof Bernard Barsi an den Sitz weltlicher Macht zu zitieren und die Hochzeitsmesse im provisorisch überdachten Palasthof zelebrieren zu lassen. Nicht zu vergessen, was Monacos Tourismusbeauftragter Michel Bouquier das „Feuerwerk des Jahrhunderts“ nennt. Vier Tonnen entzündliches Material sind dabei in die Luft geflogen. Videos und Bilder zur Hochzeit auf

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Verglichen mit dem royalen Pomp der Familien Windsor und Grimaldi war es so eine Art AntiHochzeit: Das britische Topmodel Kate Moss (37) hat dem Rockgitarristen Jamie Hince (42), am Freitag in einer Dorfkirche in den südwestenglischen Cotswolds das Jawort gegeben. Moss trug bei der Hochzeit ein ärmelloses weißes Kleid und die blonden Haare unter einem langen Schleier offen. Wie die „Vogue“ berichtete, wurde ihr mit Stickereien verziertes, leicht transparentes Hochzeitskleid von dem umstrittenen Modeschöpfer John Galliano entworfen. Der frisch angetraute Ehemann des Topmodels, der Gitarrist der Band The Kills, trug einen hellblauen Anzug. Unter den Brautjungfern war auch Moss’ achtjährige Tochter Lila Grace, die aus einer früheren Beziehung der 37-Jährigen stammt. Nach der 45-minütigen Trauzeremonie küssten sich Moss und Hince unter dem begeisterten Applaus der Gäste. Schließlich stieg das Paar in einen Rolls-Royce und fuhren begleitet von einem Lied der Rolling Stones davon. Moss hatte Datum und den Ort ihrer Hochzeit bis zuletzt streng geheim gehalten. Sicherheitsabsperrungen in der Nähe ihres Hauses in den Cotswolds sowie ein riesiges Festzelt im Garten des Anwesens ließen jedoch kaum noch Zweifel daran, dass die Feier dort stattfinden würde. Unter den Gästen der dreitägigen Party waren die Schauspieler Jude Law und Rhys Ifans, Paul McCartney, die Designerin Stella McCartney sowie Mick Jones von der Punkband The Clash. Shirley Bassey und Iggy Pop sollen für das Paar gesungen haben. dpa/afp die GlücKSSPir ale endziffern euro 9 10 02 20 482 50 1033 500 82 750 5000 607 837 100 000 775 762 100 000 Prämienziehung: Die Losnummer 3 644 230 und 7 304 068 gewinnen 7500 Euro monatlich als „Sofortrente“. ard - FernSeHloT Terie endziffern Gewinne 9 156 670 Haus oder 1 000 000 077 608 100 000 18 066 10 000 6090 100070 10 b i n G o – U m w e lT l o T T e r i e Gewinnzahlen: 07; 17 19 20 21 26 30; 33 35 37 43; 46 52 55 56 57 58; 62 64 68 70 73 bingo-Quiz: Ziehung 1: 9651 24933 Ziehung 2: 9655 14483 Ziehung 3: 9670 16622 Ziehung 4: 9677 49428 Ziehung 5: 9686 33514 bingo-Quoten: Gewinne Gewinnklasse 1: 0-mal 784 265,70 Euro Gewinnklasse 2: 33-mal 2263,20 Euro Gewinnklasse 3: 33-mal 2263,20 Euro Keno vom Sonnabend Gewinnzahlen: 3, 8, 10, 11, 17, 25, 26, 27, 30, 32, 33, 36, 39, 42, 44, 47, 60, 63, 64, 67 Plus 5: 9 8 2 3 4 Keno vom SonnTaG Gewinnzahlen: 6, 7, 10, 12, 15, 17, 23, 30, 36, 41, 46, 49, 50, 55, 57, 59, 62, 67, 69, 70 Plus 5: 1 5 5 8 9 ohne Gewähr

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nun Auc h m o d E R AT o R I n

Wirtschaft

HAZ-Serie: Wie lässt sich die im Alter drohende Finanzlücke schließen? P Seite 10

Die Sängerin Judith Holofernes über Schönheitswahn, Feminismus und Fernsehen P Seite 11

SEITE 9 – monTAG, 4. julI 2011 – nR. 153

Griechenland bekommt wieder Geld

BöRSEnwochE

Zinsschritt erwartet

D

er Aktienmarkt hat eine erfreuliche Woche hinter sich. Da das griechische Parlament dem Sparpaket zugestimmt hat und die Staatspleite angewendet werden konnte, fassten die Anleger wieder Vertrauen in die Börse. Der Deutsche Aktienindex (Dax) beendete die Handelswoche mit einem Plus von mehr als 4 Prozent. In den kommenden Tagen dürften sich solche positiven Impulse von außen nicht wiederholen. Allerdings haben einige Marktteilnehmer die Hoffnung, dass es sich um eine Trendwende handelt. Nach der weitgehenden Stagnation des Dax in den Vorwochen, so meinen sie, könne der Index wieder zulegen. Wichtige Unternehmensdaten stehen in dieser Woche nicht an. Der Blick der Anleger wird sich daher auf Konjunkturindikatoren sowie auf die Europäische Zentralbank (EZB) richten. Die EZB dürfte am Donnerstag entscheiden, den Leitzins zu erhöhen. Ein weiterer Trippelschritt um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent wird erwartet. Dies ist zu wenig, um die immer noch robuste Konjunktur in Deutschland aus dem Tritt zu bringen. Allerdings bleibt die Sorge, dass die Zinsschritte die Erholung in den südlichen Ländern des EuroRaums erschweren könnten. Am Freitag geben die USA die Arbeitslosenzahlen für Juni bekannt – ein wichtiger Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung in der größten Volkswirtschaft der Welt. Auf die Daten schauen die Börsianer mit Nervosität, da die Konjunkturerholung in den Vereinigten Staaten auf tönernen Füßen steht. M artin D owiDeit

kuRz GEmEldET Millionenkosten für Ergo Düsseldorf: Der Versicherungskonzern Ergo kalkuliert nach dem Skandal um fehlerhaft ausgestellte Riester-Verträge mit Entschädigungskosten in Höhe von bis zu 6 Millionen Euro. „Nach unseren Erhebungen sind rund 12 000 Versicherte betroffen. Wir rechnen mit Kosten dafür von 5 bis 6 Millionen Euro“, sagte Ergo-Chef Torsten Oletzky der „Wirtschaftswoche“. Zu den Fehlern in den Konditionen der Riester-Verträge sei es nicht „aus Absicht gekommen, sondern weil 2004/2005 beim Nachdruck eines Formulars aus Versehen alte Kostensätze übernommen wurden“. Die 2010 von Ergo übernommene Versicherung Hamburg-Mannheimer hatte Riester-Verträge falsch berechnet. afp

Finanzminister der Euro-Länder geben Milliardenkredit frei / Wachstumsplan gefordert

Von C hristi an B öhmer und a ndré s ta hl Brüssel/Athen/Berlin. Die Finanzminister im Euro-Raum haben Griechenland eine Atempause verschafft. Sie gaben am Sonnabendabend einen neuen Kredit in Höhe von 12 Milliarden Euro für das krisengeschüttelte Land frei. Das Geld soll bis Mitte Juli in Athen eintreffen – gerade rechtzeitig, um die drohende Pleite abzuwenden. Nun wird unter Hochdruck an dem weiteren und bis zu 120 Milliarden Euro schweren Rettungsplan gearbeitet. Aus dem laufenden Hilfsprogramm der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen insgesamt 12 Milliarden Euro fließen. 8,7 Milliarden Euro entfallen auf die Europäer, 3,3 Milliarden Euro auf den IWF. Eine Sprecherin des Währungsfonds signalisierte in Washington, dass einer Freigabe des IWF-Beitrags nichts mehr im Wege stehe. Insgesamt summieren sich die bisherigen Hilfen damit auf 65 Milliarden Euro. Der Rettungsplan von Europäern und IWF läuft seit Mai 2010. Griechenland war damit als Erstes an den internationalen Finanztropf gekommen; später folgten Irland (85 Milliarden Euro) und Portugal (78 Milliarden Euro). Mit dem neuen Kredit dürfte Griechenland bis zum Herbst über die Runden kommen, hieß es in Brüssel. In Athen forderte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos von seinen Landsleuten: „Nun kommt es darauf an, dass die Sparbeschlüsse des griechischen Parlaments rechtzeitig und wirkungsvoll in die Tat umgesetzt werden.“ Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rief die Griechen auf, die am Donnerstag beschlossenen Pläne zügig voranzutreiben. Die Bedingungen zur Einbeziehung von Banken und Versicherungen in das neue Paket sollten in den „kommenden Wochen“ festgelegt werden, hieß es in einer Erklärung der Minister. Eine europaweite Lösung für eine freiwillige Verlängerung der Laufzeiten von Staatsanleihen ist kompliziert. Die privaten Banken und Versicherer aus Deutschland wollen sich mit 2 Milliarden Euro daran beteiligen. Bis 2014 fällige Anleihen sol-

Gewerkschaft erreicht wieder Zuwachs

Parthenon-Tempel auf der Akropolis: Die Euro-Länder lassen Griechenland nicht im Stich und haben einen neuen Kredit freigegeben. len erneut in Griechenland investiert werden. Die staatlichen Abwicklungsbanken der HRE und WestLB sollen nach Schäubles Angaben weitere 1,2 Milliarden Euro beisteuern. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, kritisierte, die ausgehandelte Beteiligung der Finanzwirtschaft sei „kein substanzieller Beitrag für eine faire Lastenverteilung zwischen öffentlicher und privater Seite“. Zu der Unterstützung Griechenlands gebe es für die Europäer keine Alternative, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann dem „Spiegel“. „Sich auf einen Plan B einzulassen bedeutet, sich eine Kapuze aufzusetzen und mit 200 Stun-

denkilometern auf der Autobahn zu fahren.“ Eine Insolvenz Griechenlands hätte größere Auswirkungen als seinerzeit die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, warnte er. Der Beitrag anderer europäischer Banken und Versicherer ist noch offen. Der Schuldensünder Griechenland wird nach Einschätzung von EuroGruppen-Chef Jean-Claude Juncker einen Teil seiner Souveränität verlieren. „Es ist wahr, die Souveränität der Griechen wird massiv eingeschränkt“, sagte Luxemburgs Premier dem Magazin „Focus“. Griechenland habe jahrelang vom Euro profitiert. „Es hat durch eigenes Verschulden einige Dinge ins Rutschen gebracht. Und wenn man die jetzt wieder

dpa

mit vereinten Kräften in Ordnung bringt, müssen die Griechen auch verstehen, dass eine kollektive Antwort nötig ist“, meinte Juncker. „Wir zwingen die griechische Politik mit deren Einverständnis zu einer totalen Kurskorrektur.“ Schäuble forderte zur Stärkung der griechischen Wirtschaft eine Art europäischen Marshallplan. „Entscheidend ist, dass Europa stärker als bisher bereit sein muss, Griechenland dabei zu unterstützen, Wachstum zu generieren.“ Hier lägen auch „beträchtliche Aufgaben und Chancen für die deutsche Wirtschaft“. Nach Überzeugung der deutschen Industrie benötigt das Land ein langfristidpa ges Investitionsprogramm.

Bayer bietet US-Bauern halbe Milliarde Euro Vergleich mit Anwälten von 11 800 Landwirten im jahrelangen Streit über Gen-Reis in den Vereinigten Staaten Von maximilian haupt

Metronom-Streik beendet Hamburg: Die Kunden der Uelzener Bahngesellschaft Metronom können aufatmen. Die Lokführer haben ihren jüngsten Streik beendet. Der Ausstand sei gestern um 18 Uhr zu Ende gegangen, teilte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Abend mit. Wegen des dreitägigen Arbeitskampfes seien etwa 400 Züge nicht gefahren. In den vergangenen Wochen hatte die GDL immer wieder Metronom-Züge bestreikt. Hintergrund sind gescheiterte Tarifverhandlungen über bundesweit einheitliche Standards. dpa/e

6700 neue Mitglieder in der IG Metall

Monheim (dpa). Mit der Zahlung von mehr als einer halben Milliarde Euro an amerikanische Reisbauern will Bayer CropScience einen jahrelangen Rechtsstreit über Gen-Reis beenden. Das Tochterunternehmen des Chemiekonzerns Bayer einigte sich am Freitagabend in St. Louis (Missouri) mit den Anwälten von 11 800 Landwirten auf einen Vergleich. Dies teilte der Bayer-Konzern am Sonnabend in Leverkusen mit. Bei 17 weiteren Klägern – Händlern, Organisationen und Unternehmen –

steht eine Einigung noch aus. Bayer CropScience bietet Landwirten in den USA, die zwischen 2006 und 2010 Langkornreis angebaut haben, eine außergerichtliche Einigung an. Dafür stünden bis zu 750 Millionen Dollar bereit (516 Millionen Euro), erklärte das Unternehmen. Voraussetzung ist, dass am Ende die teilnehmenden Bauern zusammen 85 Prozent der Anbaufläche von Langkornreis in den Vereinigten Staaten repräsentieren. Die Farmer haben 90 Tage Zeit, ihre Ansprüche geltend zu machen. Durch den Vergleich will sich der Konzern auf einen Schlag mit den meisten

Klägern außerhalb der US-Gerichte einigen. Vorausgegangen war eine lange Auseinandersetzung über gentechnisch veränderten Reis. Bayer CropSciene hatte durch den Kauf einer amerikanischen Firma, die den Gen-Reis testweise angepflanzt hatte, auch die Verantwortung für diese Produkte übernommen. 2005 wurden Spuren davon in Reislieferungen aus dem Süden der USA entdeckt. Die Europäische Union verhängte daraufhin Importbeschränkungen für Reis aus den USA, obwohl er als unbedenklich eingestuft worden war. Wegen der Einnahmeausfälle verklagten Farmer,

Händler und Unternehmen Bayer CropScience auf Schadensersatz. Man sei der Überzeugung, im Umgang mit dem gentechnisch veränderten Reis verantwortlich gehandelt zu haben, betonte Bayer CropScience. Ein Ende des Rechtsstreits liege aber im Geschäftsinteresse des Unternehmens. In den vergangenen Jahren gab es bereits mehrere Prozesse. Zuletzt wurde Bayer Ende März in Arkansas zur Zahlung von insgesamt 136 Millionen Dollar verurteilt. Die Strafe wurde inzwischen auf 12,8 Millionen Dollar verringert. Geklagt hatte eine Reismühle. dpa

Hannover (dis). Die IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gewinnt nach schwierigen Jahren wieder mehr Mitglieder. Im ersten Halbjahr 2011 seien in den beiden Bundesländern mehr als 6700 Beschäftigte eingetreten – doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, teilte die Gewerkschaft am Sonntag mit. Unter den Neuzugängen seien viele Leiharbeiter. Berücksichtigt man auch die Austritte und Sterbefälle, fällt die Bilanz ebenfalls positiv aus: Unter dem Strich sei die Zahl der IG-Metall-Mitglieder um 0,6 Prozent höher als Ende 2010, hieß es. Insgesamt 267 000 Personen gehören in dem Bezirk der Metallgewerkschaft an, davon 232 000 in Niedersachsen und 35 000 in SachsenAnhalt. „Während die Menschen aus anderen Organisationen wie Parteien und Kirchen austreten, konnte die IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mehr Menschen von einer Mitgliedschaft überzeugen“, sagte Bezirksleiter Hartmut Meine. Auch zahlreiche junge Beschäftigte schlössen sich der Gewerkschaft an: Mehr als 30 Prozent der neuen Mitglieder seien Auszubildende und Jugendliche. „Nach ausgesprochen schwierigen Jahren, die vor allem mit der massiven Deindustrialisierungeinhergingen,konnte die bereits 2010 eingeleitete Trendwende im ersten Halbjahr 2011 auch in Sachsen-Anhalt ausgebaut werden“, sagte Meine. Die Beschäftigten seien angesichts eines sich abzeichnenden Fachkräftemangels nicht länger bereit, Niedriglöhne zu akzeptieren. Viele träten deshalb in die IG Metall ein. Drei der 20 größten IG-Metall-Verwaltungsstellen in Deutschland liegen im Bezirk Niedersachsen/Sachsen-Anhalt: Wolfsburg ist mit mehr als 76 100 Mitgliedern bundesweit an erster Stelle. Die Verwaltungsstelle Hannover hat über 36 200 und Salzgitter-Peine über 31 500 Mitglieder.

Weber nennt Gründe für Wechsel zur UBS Frankfurt (dpa). Der frühere Bundesbankchef Axel Weber hat seinen Wechsel zur Schweizer Großbank UBS damit begründet, dass es dabei „keine Interessenkonflikte“ mit seinem früheren Amt gebe. Ihm sei bei seiner Entscheidung für die UBS wichtig gewesen, dass weder Bundesbank noch Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht das Schweizer Institut kontrolliert hätten, sagte Weber dem „Spiegel“. Außerdem gehöre die Bank nicht zum Euro-Raum. Der Volkswirt war auch als Nachfolger von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann gehandelt worden. Andere Angebote als das der UBS habe es aber nie gegeben, sagte Weber: „Es gab nie andere formale Vertragsverhandlungen oder Offerten.“ Ein Job bei der UBS lässt sich nach Webers Einschätzung mit der früheren Tätigkeit vereinbaren.

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7 bis 22 Uhr für Sie geöffnet. Bitte beachten Sie die Aushänge am Markt.

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10

Verbraucher / Finanzen

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Altersvorsorge ohne Fachchinesisch

Nicht alle löschen den Radau D

as laute Rauschen im Langstreckenflugzeug ist auf ein leises Säuseln reduziert. Stattdessen erklingt in angenehmer Lautstärke Antonin Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ aus dem Kopfhörer. Wer so entspannt nach Amerika fliegt, nutzt einen geräuschreduzierenden Kopfhörer: ein Kopfhörersystem, das die Umgebungsgeräusche per Mikrofon aufnimmt, Gegenschall erzeugt und damit den TEST Lärm am Ohr „löscht“. DER Die Stiftung WarenW O C H E test hat 13 geräuschmindernde Kopfhörer geprüft. Doch nur drei klingen und dämpfen gut: Bose Quiet Comfort 15 für 350 Euro, Creative Aurvana X-Fi für 168 Euro und der Testsieger Panasonic RPHC700 für 158 Euro. Guten Klang bietet sonst nur noch der JVC HA-NC250 (121 Euro). Doch dessen Reduktion arbeitet recht dürftig. Interessant hierbei: Eine gute Geräuschreduktion erreichten im Test nur ohrumschließende Kopfhörer. Ohraufliegende Modelle bekamen für diese Funktion nur ausreichende Noten – darunter auch der 271 Euro teure Sennheiser PXC 310 BT. Die Geräuschreduktion benötigt Energie. Deshalb nutzen die Kopfhörer Batterien oder Akkus. Der Sennheiser arbeitet nur neun Stunden, dann ist der Akku leer. Bose mit der besten Geräuschminderung kommt auf 26 Betriebsstunden, das reicht für sehr lange Flugreisen. Bis auf einen akzeptieren alle geprüften Kopfhörer herkömmliche Batterien oder Akkus der Bauformen AA (Mignon) oder AAA (Micro). Am Bose-Modell haben die Tester geprüft, ob der Betrieb mit Akkus

Testsieger: Panasonic RP-HC700. statt Primärbatterien Nachteile bringt. Das war nicht der Fall: Handelsübliche NiMH-Akkus (Kapazität: 700 mAh) halten genauso lange wie Primärbatterien. Beim Bose und bei den geprüften Modellen von Monster und Sony ist der Ersatzakku doppelt wichtig: Denn während alle anderen Modelle ohne Strom wenigstens noch als normale Kopfhörer funktionieren, schalten die drei bei zu geringem Stromfluss einfach ab. Dann geht gar nichts mehr. Plötzlich und unerwartet ohne Kopfhörer könnten auch die Nutzer des JVC dastehen. Der hat eine Schwachstelle an der Hörmuschelbefestigung. Den Falltest aus 1,80 Meter Höhe hielt er nicht stand. Bei den anderen Modellen ging schlimmstenfalls das Batteriefach auf oder das Ohrpolster ab – alles mit wenigen Handgriffen reparabel. Bei aller Geräuschreduktion sollte es natürlich auch nach außen hin leise sein. Jeder kennt das nervende Gezischel, wenn der Nachbar im Flugzeug oder Zug schlecht dämmende Kopfhörer verwendet. Selbst von den Modellen mit guter Geräuschminderung behalten nur Panasonic und Sony das Tonprogramm weitgehend für sich. Creative und Monster lassen die Umsitzenden mithören. td Der komplette Test ist im Juliheft der Zeitschrift „Test“ nachzulesen.

VON A LBRECHT S CHEUERM ANN

D

ie Anbieter von Altersvorsorgeverträgen sind sich weitgehend einig: Die Bereitschaft, langfristig für das Alter vorzusorgen, hat in den vergangenen Jahren nachgelassen. Die möglichen Gründe dafür sind zahlreich: Mal wird auf die Folgen der Krise verwiesen oder auf die unsicheren Zukunftsaussichten der jungen Leute, mal auf schlechte Erfahrungen mit Finanzprodukten oder auf die Verunsicherung durch negative Berichte in manchen Medien. Was auch immer die Gründe für die Zurückhaltung sind, an der Begründung für die Altervorsorge gibt es nichts zu rütteln: Wer im Alter ein einigermaßen

sorgenfreies Leben haben will, muss sich rechtzeitig darum kümmern. Die gesetzliche Rente allein dürfte in vielen Fällen künftig nicht mehr ausreichen. Private Vorsorge für das Alter ist heute daher unbedingt notwendig. Viele junge Leute verschließen jedoch vor dieser Einsicht die Augen. Mit 30 kommt einem das ganze Thema noch sehr fern vor. Später ist schließlich noch genug Zeit, sich um solche Sachen zu kümmen, denken viele. Allerdings dürfte dann oft der Zug abgefahren sein. Wer erst dann mit der Vorsorge für den Ruhestand anfängt, wenn dieser in Sicht ist, kommt in der Regel zu spät. So viel Geld verdient kaum jemand, um in wenigen Jahren ein Kapital aufzubauen, das dann ein nen-

nenswertes Zubrot zur Rente sichert. Dass es häufig an der Bereitschaft zur Vorsorge mangelt, dürfte aber noch einen anderen Grund haben: Viele halten das Thema für ausgesprochen kompliziert – und um komplizierte Themen machen die meisten Menschen einen Bogen. Zu dieser Einschätzung hat auch die Finanzbranche beigetragen. Gerne wird suggeriert, dass die Altersvorsorge zu schwierig ist, als dass der Normalbürger sich selbst ein Bild machen könnte. Da kommen dann die „Berater“ ins Spiel, die jedoch nicht von der Beratung, sondern vom Verkauf von Versicherungen oder sonstigen Finanzprodukten leben. Nicht dass die Beratungsleistungen dieser Vermittler deswegen grundsätz-

1,00 PSD Bank Hannover 1,00

1,00 1,75 Hannoversche Volksbank – 1,35 hanvb-direkt.de

0,17 1,84 0,51 0,17 1,39 1,45 1,39 0,43 0,83

Arcor 01058 Arcor 01012telecom* Hitfon* priotel* Hitfon* Arcor Arcor

Gespräche in die Mobilfunknetze (auch Wochenende und Feiertage) 0 bis 24 Uhr priotel* 0 10 68 5,69 01021 YooCall*

0 10 70 0 10 58 0 10 70 0 10 12 0 10 32 0 10 68 0 10 32 0 10 70 0 10 70 0 10 21

0,63 1,95 0,63 0,94 1,43 1,73 1,41 0,45 0,85 5,80

Wochenende und Feiertage Ortsgespräch (eigener Vorwahlbereich) 0 bis 7 Uhr Tele2 0 10 13 7 bis 19 Uhr Arcor 0 10 70 19 bis 24 Uhr Tele2 0 10 13

0,22 0,85 0,41

Arcor Star79* Arcor

0 10 70 0 10 79 0 10 70

0,85 1,49 0,85

Ferngespräch 0 bis 7 Uhr 7 bis 19 Uhr 19 bis 21 Uhr 21 bis 24 Uhr

0,22 0,95 0,57 0,60

Arcor 01052telecom* Arcor Arcor

0 10 70 0 10 52 0 10 70 0 10 70

0,95 1,36 0,95 0,95

So lesen Sie die Inlandstelefontariftabelle Call-by-Call ist nur über die Deutsche Telekom und einige Preselection-Anbieter möglich. In der Tabelle finden Sie zur angegebenen Tageszeit günstige Anbieter für Inlandstelefonate. Um billiger zu telefonieren, wählen Sie bei

Ferngesprächen erst die Netzvorwahl des Anbieters, dann die Ortsvorwahl und dann die gewünschte Rufnummer. Bei Telefonaten innerhalb des eigenen Ortsnetzes muss die Ortsnetzvorwahl nicht mitgewählt werden. * Anbieter mit Tarifansage

Stand: 3. Juli 2011; Quelle: www.billiger-telefonieren.de (ohne Gewähr)

– Tel.: (05 11) 1 22 10

2,40

1,75

– Tel.: (05 11) 9 66 53 70

2,45

1,75

Postbank** 3,33

1,60

2,45 Tel.: (0 18 03) 04 05 00

2,55

postbank.de

3,33 1,65 Santander Consumer Bank 1,55 2,10 santander.de

1,55 Targobank** 2,30

4,00

4,00

Tel.: (0 18 03) 00 00 85 00

2,00

2,30 Deutsche Bank –

3,30

2,50 2,00

deutsche-bank.de –

3,30 Tel.: (0 18 18) 10 00

2,25

2,00

Hypovereinsbank – hvb.de

2,60 Tel.: (0 18 05) 556116

2,10

targobank.de

1,95

2,25 Tel.: (0 18 02) 87 78 77

2,25

1,95

2,25

* Anlagensicherheit bis 100 000 Euro; es wird nur der beste Anbieter mit reduzierter Anlagesicherheit gelistet. ** Tagesgeld nur für Neukunden/ Neuanlagen. Zins mit Internetadresse gilt nur bei Online-Kontoführung. Quelle: FMH-Finanzberatung; Stand: 30. Juni 2011

werden also noch der Krankenversicherungsbeitrag von 8,2 Prozent und 1,95 Prozent (Kinderlose: 2,2 Prozent) für die Pflegeversicherung abgezogen. Und je nach Höhe der Rente, der sonstigen Einkünfte und des Zeitpunktes des Rentenbeginns wird eventuell auch noch Einkommensteuer fällig. Wer genau wissen will, was er an Rente zu erwarten hat, sollte einen Blick in die Renteninformation werfen, die einmal jährlich den Versicherten zugesandt wird. Bei den Zukunftsaussagen handelt es sich

Rente mit 67 rückt näher

Montag bis Freitag

1,45

psd-hannover.de 1,00

Ü

Da die Menschen im Durchschnitt immer älter werden, hat der Gesetzgeber in Deutschland beschlossen, dass die Arbeitnehmerin Zukunft später in Rente gehen soll. Die sogenannte Regelaltersgrenze steigt von derzeit 65 Jahren auf 67 Jahre – allerdings nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise. Los geht es nächstes Jahr. Dann steigt die Altersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung für den Geburtsjahrgang 1947 auf 65 Jahre und einen Monat. Wer erst 1948 geboren ist, muss schon 65 Jahre und zwei Monate alt werden, um den Ruhestand genießen zu können – und so weiter. Ab dem Jahrgang 1958 steigt die Altersgrenze sogar um zwei Monate pro Jahr, sodass für alle 1964 oder später geborenen die Rente mit 67 gilt. Aber keine Regel ohne Ausnahme: Wer nämlich 45 Jahre Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann

1,60

2,40 Tel.: (05 11) 3 00 00

sparkasse-hannover.de

VON A LBRECH T S CH EU ERM A NN ber die Basis ihrer Altersvorsorge müssen sich Arbeitnehmer in Deutschland keine Gedanken machen: Sie müssen stets bei der gesetzlichen Rentenversicherung angemeldet sein, den Beitrag teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Beamte haben im Alter sogar eine Pension zu erwarten, ohne dass sie selbst dafür Beiträge zu entrichten hatten. Anders dagegen Selbstständige, Gewerbetreibende und Unternehmer: Sie müssen sich in der Regel eigenverantwortlich um ihre Altersvorsorge kümmern – und gerade in dieser Gruppe sind die Lücken in der Altersvorsorge nach Untersuchungen besonders groß. Aber auch die Renten, die Arbeitnehmer zu erwarten haben, sind überschaubar. Derzeit beträgt in Westdeutschland die sogenannte Standardrente 1224 Euro. Dafür muss man aber 45 Jahre lang regelmäßig Beiträge in durchschnittlicher Höhe eingezahlt haben. Und ein gut verdienender Angestellter, der ebenfalls 45 Jahre lang ein Gehalt an oder oberhalb der Bemessungsgrenze (derzeit 5500 Euro monatlich) kassiert hat, kommt auf 2215 Euro. Dieser Fall dürfte jedoch nur extrem selten vorkommen. Die tatsächlich gezahlte Altersrente für langjährige Versicherte im alten Bundesgebiet beträgt derzeit im Durchschnitt für Männer nur rund 1000 Euro, für Frauen nicht einmal 600 Euro. Bei diesen Zahlen ist zu bedenken, dass es sich um Bruttowerte handelt – davon

1,80

Sparkasse Hannover 0,75

weiterhin mit 65 seinen Job an den Nagel hängen. „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ heißt das im Rentendeutsch. Auch Erziehungszeiten werden hier berücksichtigt. Wer also im Alter von 20 Jahren ins Berufsleben eingestiegen ist und ununterbrochen beschäftigt war, braucht für den Ruhestand nicht bis zum 67. Geburtstag zu warten. Das gilt übrigens auch dann, wenn die 45 Jahre erst irgendwann nach der Vollendung des 65. Lebensjahrs, aber vor der Regelaltersgrenze erfüllt sind. Wie bisher gilt: Wer will und sich dies leisten kann, darf weiterhin schon mit 63 Jahren Altersrente beantragen. Allerdings kostet das richtig Geld: Die bis dahin „verdiente“ Rente wird künftig um einen pauschalen Abschlag von 14,4 Prozent zusammengestrichen, wenn eigentlich erst mit 67 Feierabend wäre. ash

aber nur um Prognosen. Niemand weiß der Länder (VBL) zahlen und bekommen heute genau, wie sich die Rentenzahlun- dafür später eine zusätzliche Rente. gen in den nächsten 20 oder 30 Jahren entNicht wenige Ruheständler verfügen wickeln. Ebenso wenig lässt sich die Geld- auch über ein schon abbezahltes Eigenentwertung vorhersagen – und diese ent- heim oder eine Eigentumswohnung, soscheidet darüber, was die Rente wirklich dass sie mietfrei wohnen können. Die erwert ist. sparte Miete senkt natürlich auch den moEs ist also eine Rechnung mit vielen Un- natlichen Geldbedarf. bekannten. Klar ist Und dann gibt es jedoch so viel: Für die auch noch die Grupallermeisten Arbeitpe von Menschen, die A LT E R S V O R S O R G E nehmer fällt die gedank Erbschaften setzliche Rente erheboder großen Sparfleilich niedriger aus als ßes über eine gewisdas Erwerbseinkomses Geld- oder Immomen. Das heißt nicht, bilienvermögen verdass die Differenz fügen, um den Ruhezwischen den beiden stand mit Zinsen, Werten vollständig Kapital- oder Mietdurch private Vorsorerträgen aufzupolsge ausgeglichen wertern. Wer jedoch » 1. Die Rentenlücke den muss. Häufig lasnicht in den eigenen 2. Betriebl. Altersversorgung sen sich im Alter bevier Wänden lebt und stimmte Ausgaben im Alter im Wesentli3. Riester-Rente senken. Zum Beispiel chen nur die Zahlung 4. Basis-Rente brauchen Arbeitnehder gesetzlichen Ren5. Investmentfonds merehepaare keine tenversicherung zu zwei Autos mehr, um erwarten hat, muss zur Arbeit zu kommen. Auch sind die Kin- sich rechtzeitig mit dem Thema Altersvorder in der Regel aus dem Haus und verdie- sorge befassen. nen schon ihr eigenes Geld. Die Deutsche Rentenversicherung bieDennoch dürfte bei den meisten Men- tet im Internet unter www.deutsche-renschen eine mehr oder weniger große Lücke tenversicherung.de umfangreiche Inforzwischen der zu erwartenden gesetzlichen mationen zum Thema, darunter auch eiRente und dem Einkommen klaffen, das nen Rentenrechner, mit dem man sich die man im Alter benötigt. Generelle Aussa- zu erwartende Rente ausrechnen kann. gen über die Größe dieser Lücke sind nicht Nächste Woche geht es in der Altersvormöglich. Zum Beispiel müssen Arbeitnehsorge-Serie um die betriebliche Altersvermer des öffentlichen Dienstes Beiträge an sorgung. die Versorgungsanstallt des Bundes und

Anbieter

0 10 13 0 10 70 0 10 13 0 10 13

Anbieter (regional)

Abstand von Gehalt und Rente ist oft sehr groß

ERSTES ANGEBOT ZWEITES ANGEBOT Vorwahl Cent/Min. Anbieter Vorwahl Cent/Min. Anbieter

0 10 13 0 10 68 0 10 54 0 10 68 0 10 13 0 10 13

Im ersten Teil geht es heute um die Frage, warum man überhaupt Altersvorsorge betreiben muss und wie groß der Bedarf ist.

Internet: dabbank.com DAB bank** 2,60 1,70 3,05 Santander Direkt Bank** Inter.: santander-direkt.de 2,50 2,10 3,20 Internet: bankofscotland.de Bank of Scotland* 2,40 2,80 4,00 Tel.: 01802/642234 NIBC direct * 2,40 2,80 3,80 Internet: akf24.de akf bank * 2,40 2,70 3,80 Tel.: (0 18 03) 22 42 23 Volkswagen Bank** 2,20 2,00 3,00 Tel.: (0 18 02) 78 45 78 ING-DiBa** 2,20 1,75 2,75 Internet: 1822direkt.com 1822 direkt** 2,25 1,70 2,30 Internet: cosmosdirekt.de CosmosDirekt – Internet: oyakankerbank.de Oyak Anker Bank 1,90 2,25 3,15

sparda-h.de 1,30

ZIEL / ZEIT

Ortsgespräch (eigener Vorwahlbereich) 0 bis 7 Uhr Tele2 0 10 13 7 bis 19 Uhr Star79* 0 10 79 19 bis 24 Uhr Tele2 0 10 13

lich schlecht sind – viele von ihnen sind gut ausgebildet und machen durchaus einen ordentlichen Job. Dennoch: Altersvorsorge ist keineswegs so schwierig, dass der Nichtfachmann vor lauter Fachchinesisch und höherer Mathematik kapitulieren muss. Jeder kann und sollte sich selbst ein Bild von den Möglichkeiten, den Vorund Nachteilen der verschiedenen Altersvorsorgeformen machen und sich damit eine solide Basis für die eigene Entscheidung schaffen. Wir wollen dabei mit einer Artikel-Serie helfen.

Sparbrief 4 Jahre

Eine Lücke ist meist zu schließen

T E L E F O N TA R I F E W E LT W E I T

Tele2 Arcor Tele2 Tele2

Anbieter (überregional) Tagesgeld Festgeld 10 000 Euro 12 Monate

Sparda-Bank Hannover Tel.: (0 18 05) 25 09 05 00 1,00 1,80 2,40

T E L E F O N TA R I F E D E U T S C H L A N D W E I T

Tele2 priotel* 01054 Telecom* priotel* Tele2 Tele2

GUTHABENZINSEN

Gesetzliche Rente reicht oftmals nicht mehr / Neue Serie soll bei Entscheidung helfen

13 geräuschmindernde Kopfhörer im Test

Ferngespräch 0 bis 7 Uhr 7 bis 9 Uhr 9 bis 18 Uhr 18 bis 19 Uhr 19 bis 21 Uhr 21 bis 24 Uhr

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

Ägypten (00 20) Hitfon* LineCall* Mobil: LineCall* Albanien (0 03 55) Hitfon* 01098telecom* Mobil: Hitfon* Algerien (0 02 13) Hitfon* 010012 Telecom* Mobil: Hitfon*

Vorwahl Cent/Min. 0 10 32 0 10 67 0 10 67 0 10 32 0 10 98 0 10 32 0 10 32 01 00 12 0 10 32

Argentinien (00 54) LineCall* 0 10 67 OneTel* 0 10 86 Mobil: 01098telecom* 0 10 98 Armenien (0 03 74) Hitfon* Star79* Mobil: Hitfon*

0 10 32 0 10 79 0 10 32

Aserbaidschan (0 09 94) Hitfon* 0 10 32 priotel* 0 10 68 Mobil: 01012telecom* 0 10 12 Australien (00 61) LineCall* 0 10 67 01098telecom* 0 10 98 Mobil: 01098telecom* 0 10 98 Bahamas (00 12 42) 01026telecom* 0 10 26 Hitfon* 0 10 32 Mobil: 01097telecom* 0 10 97 Belgien (00 32) LineCall* 01098telecom* Mobil: LineCall*

0 10 67 0 10 98 0 10 67

5,43 6,30 5,85

Bolivien (0 05 91) Hitfon* 01012telecom* Mobil: Hitfon*

Vorwahl Cent/Min. 0 10 32 0 10 12 0 10 32

2,90 3,48 11,90

Bosnien-Herzegowina (0 03 87) Hitfon* 0 10 32 LineCall* 0 10 67 Mobil: 01021 YooCall* 0 10 21

5,06 5,29 18,00

Brasilien (00 55) LineCall* OneTel* Mobil: LineCall*

0 10 67 0 10 86 0 10 67

1,35 1,60 5,78

Bulgarien (0 03 59) 01012telecom* 0 10 12 01098telecom* 0 10 98 Mobil: 01021 YooCall* 0 10 21

6,37 6,50 9,73

Chile (00 56) LineCall* Hitfon* Mobil: Hitfon*

0 10 67 0 10 32 0 10 32

Vorwahl Cent/Min.

5,29 5,38 8,38 7,93 8,60 10,70

Frankreich (00 33) LineCall* 010012 Telecom* Mobil: LineCall*

2,00 2,35 5,35 2,88 2,88 5,40 1,85 2,16 2,86

9,89 9,90 16,84 1,75 1,88 5,94

Dänemark (00 45) LineCall* 010012 Telecom* Mobil: OneTel

3,40 4,15 3,05

Ecuador (0 05 93) Hitfon* 010012 Telecom* Mobil: Hitfon*

0 10 32 01 00 12 0 10 32

7,05 7,48 12,37

1,70 1,97 5,85

Estland (0 03 72) 010012 Telecom* 01097telecom* Mobil: Hitfon*

01 00 12 0 10 97 0 10 32

2,42 2,42 11,90

0 10 67 01 00 12 0 10 86

Anbieter Finnland (0 03 58) Hitfon* 01097telecom* Mobil: LineCall*

China (00 86) LineCall* 010012 Telecom* Mobil: LineCall*

0 10 67 01 00 12 0 10 67

Zinssatz (in %) bei 100% Auszahlung, 60% Beleihung und Festschreibung für 5 Jahre 10 Jahre 15 Jahre nom./eff. nom./eff. nom./eff. Ärzteversorgung Tel.: (05 11) 3 80 11 89 4,10 / 4,17 4,20 / 4,28 Calenberger Kreditverein Tel.: (05 11) 30 76 40 3,80 / 3,88 4,30 / 4,39 – Commerzbank Hannover Tel.: (05 11) 36 62 11 11 3,30 / 3,39 3,74 / 3,82 4,43 / 4,54 Deutsche Bank Tel.: (05 11) 3 65 25 45 3,34 / 3,39 3,81 / 3,88 4,39 / 4,48 Hannoversche Volksbank Tel.: (05 11) 12 21 66 65 3,50 / 3,59 3,85 / 395 – Hypo Vereinsbank Tel.: (05 11) 3 66 42 43 3,19 / 3,24 3,68 / 3,74 4,11 / 4,19 ING-DiBa Tel.: (01 80 2) 22 94 44 3,65 / 3,71 4,05 / 4,13 4,40 / 4,49 PSD Bank Hannover Tel.: (05 11) 9 66 53 69 3,45 / 3,51 3,70 / 3,76 4,30 / 4,39 Santander Bank Tel.: (05 11) 3 66 30 3,45 / 3,51 3,94 / 4,01 4,81 / 4,92 Sparda-Bank Hannover Tel.: (0 18 05) 25 09 05 00 3,45 / 3,51 3,80 / 3,87 4,40 / 4,49 Sparkasse Hannover Tel.: (05 11) 30 00 66 66 3,49 / 3,55 3,83 / 3,90 4,41 / 4,50 per Internet

3,30 / 3,35

3,64 / 3,70

4,22 / 4,30

Vermittler Dr. Klein & Co. Tel.: (0511) 85 15 85 3,22 / 3,27 3,73 / 3,79 4,12 / 4,20 www. hanvb-direkt.de Tel.: (05 11) 12 21 12 25 3,15 / 3,20 3,67 / 3,73 4,02 / 4,14 www.volkswagenbank.de Tel.: (01 80) 3 77 47 77 3,10 / 3,14 3,68 / 3,74 4,02 / 4,09 Stand: 29. Juni 2011 (ohne Gewähr)

TELEFONAUSKUNFT

A bis I (Landesvorwahl in Klammern)

Anbieter

HYPOTHEKENZINSEN

1,59 1,75 1,49 1,55 1,69 7,70

Die Tarife der jeweiligen Anbieter für Telefonauskünfte setzen sich aus einem einmaligen Verbindungsentgelt

0 10 32 0 10 97 0 10 67

2,90 3,18 6,20

und fortlaufenden Gesprächskosten mit unterschiedlichen Taktzeiten zusammen. Um die Preise besser vergleichen zu können, sind in der Tabelle die Kosten für unterschiedliche Verbindungsdauern aufgelistet. Die

0 10 67 01 00 12 0 10 67

1,40 1,60 5,90

Griechenland (00 30) LineCall* 0 10 67 OneTel* 0 10 86 Mobil: 010012 Telec.* 01 00 12

1,49 1,75 6,30

Großbritannien (00 44) LineCall* 0 10 67 01098telecom* 0 10 98 Mobil: 01021 YooCall* 0 10 21

1,25 1,38 6,00

Indien (00 91) LineCall* 010012 Telecom* Mobil: LineCall*

0 10 67 01 00 12 0 10 67

2,15 2,30 2,30

Indonesien (00 62) Hitfon* 01098telecom* Mobil: LineCall*

0 10 32 0 10 98 0 10 67

2,90 3,26 3,40

(Fortsetzung nächste Woche) Stand: 1. Juli 2011 Quelle: www.billiger-telefonieren.de (ohne Gewähr) So lesen Sie die Auslandstelefontariftabelle In der Tabelle finden Sie günstige Call-by-Call-Anbieter für Anrufe in ausländische Festnetze sowie für Telefonate mit Kunden ausländischer Mobilfunknetze. Wählen Sie zuerst die Netzvorwahl des Anbieters, dann die Vorwahl des Landes und dann die gewünschte Rufnummer. Für Gespräche mit Kunden deutscher Mobilfunknetze, die sich mit ihrem Handy im Ausland aufhalten (Roaming), gilt der nebenstehende Inlandstarif. Die (zum Teil erheblichen) Mehrkosten für die Weiterleitung der Verbindung ins Ausland muss der angerufene Handybesitzer selbst tragen. * Anbieter mit Tarifansage

durchschnittliche Verbindungsdauer für ein Auskunftsgespräch ist eine Minute.

Anbieter Nummer

So viel kosten (in Cent) 30 Sek. 1 Min. 2 Min. 3 Min.

11883 Telecom 11 8 93

58

58

116

174

11813 GmbH 11 8 13

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59

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01051 Telecom 11 8 28

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78

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01051 Telecom 11 8 27

89

89

178

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Fred 11811 11 8 11

120

120

219

318

D2 Vodafone 11 8 88

123

123

165

207

01058 Telecom 11 8 58 149

149

298

347

Tele2 11 8 98

158

158

316

474

Deutsche Telekom 11 8 83 178

178

356

534

Quelle: www.billiger-telefonieren.de (ohne Gewähr)

Immer aktuell im Internet: www.haz.de/telefontarife


Medien

NR. 153 · MONTAG, 4. JULI 2011

ZDF zeigt erotische Filme Reihe startet mit „Vicky Cristina Barcelona“ Von Jenn y T obien

Z

um vorerst letzten Mal lädt das ZDF zu seinen „Sommernachtsphantasien“. Den Auftakt der erotischen Filmreihe macht heute (22.15 Uhr) Woody Allens „Vicky Cristina Barcelona“. Die knisternde Beziehungskomödie, mit Pénelope Cruz und Woody-Allen-Muse Scarlett Johansson erzählt von einer turbulenten Dreiecksbeziehung und besticht durch viel Wortwitz. Insgesamt stehen in den nächsten Wochen sechs Filme auf dem Programm, fünf davon sind TV-Premieren. Danach wird die alljährliche, 1992 ins Leben gerufene Reihe eingestellt. Mit „Vicky Cristina Barcelona“ drehte Woody Allen erstmals einen Film komplett in Spanien. Im Mittelpunkt der Dreier-Beziehung stehen die Bardem und Johansson beiden jungen tiim Film von Woody Al- telgebenden len. ZDF Frauen Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Johansson). Vicky ist verlobt und wird in Kürze heiraten, Cristina dagegen ist noch auf der Suche nach dem richtigen Mann fürs Leben. Um sich eine kleine Auszeit vom Alltag in den USA zu gönnen, reisen die beiden nach Barcelona, wo die Urlaubsidylle schnell von einem Mann durchkreuzt wird. Javier Bardem als Maler Juan Antonio fordert die beiden selbstbewusst zu einem Dreier im Bett auf. Richtig Fahrt gewinnt „Vicky Cristina Barcelona“ dann, als Pénelope Cruz als Juans eifersüchtige und äußerst temperamentvolle Exfrau Maria Elena auftaucht. An den darauffolgenden fünf Montagen stehen weitere „Sommernachtsphantasien“ auf den Programm: Am 11. Juli ist „Deception – Tödliche Versuchung“ mit Hugh Jackman und Ewan McGregor zu sehen, am 18. Juli „Verführerisches Spiel“. Am 25. Juli folgt „Die Affäre“, am 1. August „Toy Boy“ mit Ashton Kutcher und am 8. August „Eine Nacht in Rom“. Die Erotik-Reihe startete vor 19 Jahren. Das Aus für die „Sommernachtsphantasien“ begründet das ZDF mit dem mangelnden Angebot an guten, erotischen Filmen.

„Sitze länger in der Maske als Männer “ Von morgen an führt Judith holofernes bei arte durch die Reihe „Summer of Girls“. Die Wir-sind-Helden-Sängerin über Schönheitswahn, Feminismus und Fernsehen.

Erfolg vom Aussehen herrührt. Pop funktioniert mit attraktiven Merkmalen nun mal besser. Es gibt zwar Ablenkungsmanöver wie die Gossip-Sängerin Beth Ditto, aber so ein dickes Feigenblatt hat sich Pop schon immer gehalten. Ein Problem hat er mit Frauen, die ganz normal aussehen.

Frau Holofernes, der „Summer of Girls“ handelt nicht von Mädchen, sondern erwachsenen Musikerinnen. Wie reagieren Sie selbst auf die Bezeichnung „Girl“? Mit Protest! Aber auch, weil Girl so nach neunziger klingt. Damals glaubten ja selbst Feministinnen, es sei okay, Frauen Girls zu nennen, solange es mit fünf „r“ geschrieben wird.

So wie Sie? In gewisser Weise, aber man betrachtet mich nicht so. Vier Wochen nach der Geburt meines Sohns war ich auf der Aftershowparty vom „Echo“, also zu einem Zeitpunkt, wo Heidi Klum längst wieder Unterwäsche präsentiert. Ich dagegen hatte ein Sackkleid an, in dem gar nichts von mir zu sehen war – auch nicht die 15 Kilo Mehrgewicht. Da fragte mich ein Journalist, wie ich es geschafft hätte, schon wieder so schlank zu sein. Ich hab gesagt: komm mit auf’s Klo, ich zeig dir meinen Kängurubauch – und dass er genau von dem schreiben soll, weil ich auf keinen Fall an diesem Mythos beteiligt sein will, Frauen müssten nach der Geburt aussehen, als hätte ihr Kind im Blumentopf gekeimt.

Sind Sie denn Feministin? Ich fühle mich einer feministischen Tradition verbunden, nenne mich deshalb aber nicht Feministin. Das klingt, als sei es das Einzige, was mich definiert, wie ein Beruf. Das Wichtigste ist, dass Frauen nicht denken, Feminismus betreffe sie nicht; gerade in meinem Metier ist das Geschlecht alles andere als egal. Das zeigt sich besonders, wenn Musikerinnen, die sich für unfassbar emanzipiert halten, in alte Verhaltensmuster zurückfallen, sobald Kinder kommen. Bei Ihnen auch? Ja, Kinder zu kriegen macht unsichtbare Grenzen sichtbar. Mein Mann und ich sind gleichberechtigt, wie überhaupt möglich, da sogar unser Arbeitsplatz identisch ist. Trotzdem erntet Pola …

Und, hat er’s geschrieben? Nein! Das zeigt, wie groß der Wille zum übermenschlichen Ideal ist. Ich definiere mich mehrheitlich über das, was ich tue, nicht das, was ich darstelle; zu erleben, wie schlecht ich mich dennoch fühle, wenn ich zwischendurch aussehe, als hätte ich zwei Kinder gekriegt, hat mich wirklich erschreckt.

Ihr Mann und Schlagzeuger. … ständig Schulterklopfen für identische Erziehungsarbeit, die mir folglich vom Konto abgezogen wird, als würde ich mich drücken. Wenn einer von uns ein Interview gibt und nebenan schreit unser Baby beim anderen an der Schulter, werde nur ich gefragt, wie ich mich dabei fühle. Da fehlt jede Anerkennung eines stinknormalen Zustandes zweier moderner Menschen, die sich arbeitsteilig um den Nachwuchs kümmern. Gespräche mit Fremden über mein Leben beginnen stets damit, wie besonders es sei. Insbesondere im Pop. Wie oberflächlich ist der insgesamt? Solange Oberfläche kreativ und selbstbestimmt ist, finde ich das großartig. Aber Frauen lernen eben eher als Männer ihre Grenzen kennen, sobald sie mit Inhalten über die Oberfläche hinauszugehen versuchen. Besonders in den Medien. Wo ich für eine Talkshow viel länger in der Maske sitze als Männer. Ich könnte zwar die Einzige sein, die sich da verweigert, aber natürlich aussehen zu wollen, heißt in diesem Kontext, beschissen auszusehen. Unter den Hochglanzfassaden der anderen Gäste entspräche ungeschminkte Normalität in der Digitalbildsprache totaler Verwilderung.

Und zwei Jahre nach der letzten Geburt macht arte Sie zur Moderatorin. Wegen Ihrer Kompetenz oder doch eher der Optik? Gerade, weil arte ein so toller Sender ist, hab ich mich auch gefragt, ob da nur jemand dachte: ,Die ist doch so jung und … peppig.‘ Ich hoffe aber, sie fanden, dass ich für ein interessanteres Frauenbild stehe als viele, die sonst so moderieren.

Judith Holofernes wurde mit ihrer Band „Wir sind Helden“ vor acht Jahren mit dem Hit „Guten Tag“ bekannt. Ab Dienstag moderiert sie im Kulturkanal arte. dpa Und deshalb verweigern auch Sie sich nicht? Doch, im Rahmen des Möglichen. Wenn ich für eine Sendung meine Lieblingsorte in Berlin zeigen soll, setze ich schon durch, dass ich nicht an jedem ein anderes Kleid anhabe, dass Inhalte im Vordergrund stehen. Dafür musste ich erst mal lernen, anderen Schwierigkeiten machen zu können. Aber das war ein langer Weg.

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HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Wäre der für Wir sind Helden so erfolgreich verlaufen, wenn die schöne Frontfrau nicht am Mikro stehen, sondern hinterm Schlagzeug sitzen würde? Dazu fällt mir ein Beispiel ein. Unter befreundeten Musikern merke ich immer wieder, dass die sich unsere Erfolgsdifferenz schön saufen über die Tatsache, dass ich eine Frau bin. Nur so halten das einige Männer aus. Dabei gibt es auch sehr erfolgreiche Männerbands, deren

Wird Moderieren jetzt Ihr zweites Standbein? Im Gegenteil. Wenn ich was anderes machen wollen würde, als diesen schwerfälligen Musikzirkus, in dem jeder Schritt immense Anschubenergie braucht, werde ich mir gewiss nicht das Fernsehen aussuchen, das noch viel schwerfälliger ist, wo noch mehr Oberfläche regiert. Da wird schon eine neue Klappe nötig, wenn bloß ein Haar absteht. Interview: Jan Freitag

Die Nac h ric hteN Generalsekretärin wirft hin Köln: ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann (54) hat eine Verlängerung ihres Vertrags abgelehnt. „Die Intendanten werden über eine Nachbesetzung entscheiden“, sagte ARD-Sprecher Stefan Wirtz. Er stellte zugleich klar, dass das 2006 neugeschaffene ARD-Generalsekretariat erhalten bleibe. Vor dem Arbeitsgericht Berlin hatte Wiedemann im Frühjahr Klage wegen Mobbings durch die ARD-Intendanten erhoben. Sie fordert Schadenersatz sowie Schmerzensgeld. Seit Dezember ist die Juristin krankgeschrieben. Ihr Anwalt hatte der ARD vorgeworfen, dass Generalsekretariat abschaffen zu wollen. Deshalb werde Wiedemann gemobbt, bis sie von sich aus kündigt. dpa

Ärger bei „Spiegel TV“ Hamburg: Eine anonym versandte Rundmail treibt die Mitarbeiter von „Spiegel TV“ um. Wie der Branchendienst „meedia. de“ berichtet, sind per E-Mail offenbar detaillierte Zahlen zu Jahresgehältern von 17 Führungskräften, die demnach zwischen 160 000 und 350 000 Euro liegen, veröffentlicht worden. In der E-Mail begründet der unbekannte Verfasser seine Aktion mit der angespannten wirtschaftlichen Lage der „Spiegel“-Tochter und angeblich bevorstehenden Entlassungen. Die Geschäftsführung spricht von einem „ungeheuerlichen und kriminellen Vorgang“ und hat Strafanzeige erstattet. „Wir sind uns mit dem Betriebsrat einig, Schaden vom Unternehmen abzuwenden“, hieß es. Unklar ist, woher die Informationen über die Einkommen stammen. vm

Kritik an WM-Berichten München: Bayerns Frauenministerin Christine Haderthauer (CSU) hat die Berichterstattung über die deutschen Fußballfrauen als vielfach frauenfeindlich kritisiert. „Die Frauen-WM hätte die Chance geboten, Frauen jenseits der klassischen Rollenbilder zu zeigen“, sagte Haderthauer dem Nachrichtenmagazin „Focus“. In vielen Medien würden die Fußballerinnen jedoch wieder auf „HighHeels, Lipgloss und Handtaschen reduziert“. Statt die verschiedenen Sportlerpersönlichkeiten, die jede für sich ein eigenständiges Vorbild sein könnten, zu transportieren, würden sie inszeniert als Barbiepuppenschablonen à la Heidi Klums Topmodels. „Vertane Chance, warum haben hierzulandeso viele ein Problem damit, wenn Frauen wie die Kerle, also kraftvoll, energisch und kämpferisch auftreten?“, fragte die Ministerin. epd E-Mail: medienseite@haz.de

DAS FERNSEHPRogRAMM AM MoNTAg, 4. JULI ARD ZDF

NDR

RTL

SAT.1

ARTE

PRo7

VoX

5.30 morgenmagazin. Das arDfrühstücksfernsehen moderation: anna planken und Sven lorig 9.05 rote rosen. telenovela 10.03 Verstehen Sie Spaß? moderation: Guido cantz 12.00 tagesschau 12.15 arD-buffet. karlheinz hauser bereitet heute zu: kalbsfilet mit pfifferlingen / mietnebenkosten 13.00 arD-mittagsmagazin 14.00 Tagesschau 14.10 B Rote Rosen 15.00 Tagesschau 15.10 Sturm der Liebe 16.00 J B Sportschau live radsport: tour de france, 3. etappe, olonne-sur-merredon / ca. 17.30 fußball: weltmeisterschaft der Damen, berichte und reportagen von der deutschen nationalmannschaft live. kommentar: florian kurz und florian naß 17.50 J Tagesschau 18.00 B Verbotene Liebe 18.50 Großstadtrevier trinkgeld. krimiserie 20.00 J Tagesschau

5.30 morgenmagazin 9.05 Volle kanne. U. a.: Ärger im Urlaub / fragiles X-Syndrom / tier & wir: naschereien für hunde / zeitsprung: Der wohnwagen wird 80 10.30 Die Ärzte 11.15 hallo deutschland emotionen. moderation: yvonne ransbach 12.00 tagesschau 12.15 drehscheibe Deutschland 13.00 arD-mittagsmagazin 14.00 heute – in Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht Johann lafer sucht den Spitzenkoch 15.05 Topfgeldjäger 16.00 heute – in Europa 16.15 J B Herzflimmern – Die Klinik am See telenovela 17.00 J heute – Wetter 17.15 hallo deutschland 17.45 J Leute heute 18.05 SOKO 5113 tödliches paradies krimiserie 19.00 J heute 19.25 J Albtraum Traumreise Die tricks der Urlaubsbranche Dokumentation

5.05 DaS! 5.50 anne will 6.50 Die fallers. hochmut 7.20 rote rosen 8.10 Sturm der liebe 9.00 nordmagazin 9.30 hamburg Journal 10.00 Schleswig-holstein magazin 10.30 buten un binnen – Die woche 11.00 hallo niedersachsen 11.30 ostseeparadies rügen 12.15 in aller freundschaft. Stille Versprechen 13.00 einfach genial 13.30 eisenbahnromantik 14.00 J NDR aktuell 14.15 J Bilderbuch im wilden westen des hunsrücks 15.00 J NDR aktuell 15.15 Mit dem Zug durch Australien Vom indischen ozean in die großen wüsten Dokumentation 16.00 J NDR aktuell 16.10 Mein Nachmittag 17.10 Leopard, Seebär & Co. U-bahn-zugang für die bären 18.00 Niedersachsen 18.00 18.15 Die Männer von der Straße Dokumentation 18.45 J DAS! 19.30 Hallo Niedersachsen 20.00 J Tagesschau

5.30 explosiv – weekend 6.00 punkt 6 7.30 alles was zählt 8.00 Unter uns 8.30 Gute zeiten, schlechte zeiten. Unterhaltungsserie 9.00 punkt 9 9.30 mitten im leben! Dokusoap 10.30 mitten im leben! Dokusoap 11.30 Unsere erste gemeinsame wohnung. Dokusoap 12.00 punkt 12 – Das rtl-mittagsjournal. moderation: katja burkard 14.00 Mitten im Leben! Dokusoap 15.00 Verdachtsfälle Dokusoap 16.00 Familien im Brennpunkt Dokusoap 17.00 Die Schulermittler 17.30 Unter uns Daily Soap 18.00 Explosiv – Das Magazin 18.30 Exclusiv – Das Star-Magazin 18.45 RTL Aktuell moderation: peter kloeppel 19.05 Alles was zählt Unterhaltungsserie 19.40 Gute Zeiten, schlechte Zeiten Daily Soap

11.00 richterin barbara Salesch. maike soll björn während eines Jahrgangstreffens Glasscherben in den Salat gemischt haben 12.00 richter alexander hold. Der angeklagten kirsten wird vorgeworfen, den ehemaligen Drogendealer manuel in seinem hotelzimmer erschossen zu haben 13.00 britt. britt deckt auf: wilde betthüpfer 14.00 Zwei bei Kallwass 15.00 Richterin Barbara Salesch 16.00 Richter Alexander Hold 17.00 Niedrig und Kuhnt – Kommissare ermitteln keine polizei! 17.30 Das SAT.1-Magazin live aus hannover 18.00 Hand aufs Herz telenovela 18.30 Anna und die Liebe telenovela 19.00 Schmidt & Schmitt – Wir ermitteln in jedem Fall hochprozentige Geheimnisse Dokusoap 19.30 K 11 – Kommissare im Einsatz tristan und isolde 20.00 SAT.1 Nachrichten

6.00 anne Queffélec und tatjana Vassiljeva spielen bach 6.45 karambolage 7.00 Global 7.30 Der blogger 8.00 medizin im 21. Jahrhundert (1/3) 8.45 X:enius 9.15 metropolen der welt (1/5) 10.00 Der tanz, mein leben. Dokumentarfilm, Gb 2008 11.20 baukunst 11.45 baukunst 12.15 Global 12.45 arte Journal 13.00 360° – Geo reportage 14.00 B Die mit den Tieren leben (1/5) Unsere Gorillakinder 14.45 H Wahnsinnig verliebt (A la folie ... pas du tout) liebesdrama, f 2002. mit audrey tautou 16.15 B Der Kreis in dem sie reist Drama, D/meX 2010. mit ricardo esquerra, andrés montiel, kristin Suckow. regie: pola Schirin beck 16.40 B Wildtiere, Nutzvieh und Touristen 17.35 X:enius 18.05 360° – Geo Reportage Sumatra – ettis Schönheitssalon reportagereihe 19.00 arte Journal 19.30 B Kanalreisen (1/5) Der leeds-liverpool-kanal

5.15 Galileo 6.15 H Soloalbum. liebeskomödie, D 2003 7.50 StarStruck. tV-familienfilm, USa 2010 9.20 lemonade mouth – Die Geschichte einer band. tV-musicalfilm, USa 2011 11.25 malcolm mittendrin 12.20 the big bang theory. Die zeitmaschine / Sheldon 2.0 13.15 how i met your mother. Der adonis / wir sind nicht von hier 14.10 Scrubs – Die Anfänger 16.00 red!@the city rio de Janeiro 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons wir vom trickfilm / Das Schlangennest 19.10 Galileo Save the bees 20.15 Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster Der prototyp fantasyserie 21.10 EUReKA – Die geheime Stadt Sonnige zeiten / wenn ihr gebaut habt, kommen sie. Sci-fi-Serie 23.05 Fringe – Grenzfälle des FBI 1.05Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster

5.25 extraordinary Dogs – helden auf vier pfoten 5.45 menschen, tiere & Doktoren 6.35 Die nanny. maxwell und die midlife-crisis / mit Gott auf du und du / Der charmebolzen / Der blinde passagier 8.35 o.c., california. Das ende 9.30 Gilmore Girls. picknick / Schlechtes timing 11.30 prominent! 11.50 mieten, kaufen, wohnen 14.00 Mieterzoff (1/10) 15.55 Menschen, Tiere & Doktoren 18.00 mieten, kaufen, wohnen 19.00 Das perfekte Dinner menü: hauptspeise: Schweinefilet im kräuterparma-mantel mit pastinakenpüree und babyspinat 20.00 Prominent! 20.15 CSI:NY Goldener Schlag. krimiserie 21.15 Criminal Intent – Verbrechen im Visier Die letzte Show. krimiserie 22.10 Life erdbeben. krimiserie 23.05 Boston Legal partykracher. anwaltsserie 0.00vox nachrichten

20.15 | Wildes Skandinavien Jan haft. Dokumentation. wild und zerklüftet und doch ein paradies für tiere. Die tiefen fjorde norwegens wurden in der eiszeit von gewaltigen Gletschern geformt.

20.15 | Auftrag Schutzengel peter fratzscher, D 2009 tV-thriller. Der reiche Geschäftsmann Sievert (b. Sadler) hat seinen freund angeblich tot aufgefunden. polizistin nadja (S. bodenbender) soll ihn bespitzeln.

21.00 | Der Dicke Josh broeker, D 2007 anwaltsserie. Gregor ehrenberg (Dieter pfaff) hat seinen hund buddy fest im Griff. trotzdem gelingt es ihm kurze zeit später, spurlos zu verschwinden.

20.15 | Mietprellern auf der Spur D 2011. Dokumentation. Vera intVeen ist gnadenlos, wenn es darum geht, mietnomaden aufzuspüren. Sie lässt nicht locker, bis die Schuldigen aufgespürt wurden.

20.15 | Der letzte Bulle michael wenning, D 2010 krimiserie. Der cop mick (h. baum) muss erst noch lernen, sich nach 20 Jahren koma mit der modernen kommunikationstechnik zurechtzufinden.

20.15 | Ein mörderischer Sommer Jean becker, f 1983 psychothriller. Die junge französin eliane (isabelle adjani) verfolgt einen perfiden racheplan, um sich an den Vergewaltigern ihrer mutter zu rächen.

20.15 | Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster Gb 2011 fantasyserie. connor startet seine prototypanomalie, durch die fiese killerkäfer kommen. Jess (ruth kearney) wird von den biestern gebissen.

20.15 | CSI:NY eriq laSalle, USa 2010 krimiserie. am St. patrick’s Day in new york werden zwei männer tot aufgefunden. Det. Don flack (eddie cahill) setzt alles daran, um den Doppelmord aufzuklären.

20.15 J B Wildes Skandinavien (2/7) norwegen 21.00 J B Wir Reiseweltmeister – Deutschland macht Urlaub (3/3) Vom ballermann zum balaton 21.45 Report Mainz U. a.: hunderttausende betrugsopfer? warum die staatliche aufsicht beim Stromkonzern teldafax versagt hat 22.15 Tagesthemen 22.45 H B Es kommt der Tag Drama, D 2009. mit katharina Schüttler, iris berben, Jacques frantz. regie: Susanne Schneider 0.30Nachtmagazin 0.50Puschel-TV (3)

20.15 J Auftrag Schutzengel tV-thriller, D 2009. mit Silke bodenbender, benjamin Sadler, Vadim Glowna. regie: peter fratzscher 21.45 J heute-journal 22.15 H J B Vicky Cristina Barcelona Drama, USa/e 2008 mit Scarlett Johansson, penelope cruz, Javier bardem regie: woody allen 23.45 heute nacht 0.00H J Eine andere Liga Drama, D 2005 mit karoline herfurth, ken Duken, thierry van wervek regie: buket alakus

20.15 J Markt Drucker leer: viel nepp mit wenig tinte / kein anschluss: warten auf eine DSlVerbindung / kurze kirschsaison: kommen die früchte aus der region? / erdgasförderung: nicht ganz ungefährlich? 21.00 Der Dicke Große pläne 21.45 J NDR aktuell 22.00 45 Min – Süße 60er 22.45 J Kulturjournal 23.15 Taras Welten 23.45 H The Chase – Die Wahnsinnsjagd actionkomödie, USa 1994. mit charlie Sheen 1.05J Markt

20.15 Mietprellern auf der Spur 21.15 Vermisst – Das Wiedersehen 22.15 Extra – Das RTL Magazin Sommer der taschendiebe / zwischen Glamour und alltag: So leben und arbeiten Deutschlands fußballfrauen / Gefangen in Deutschland: wie deutsche frauen in eine islamische parallelwelt gezwungen werden 23.30 30 Minuten Deutschland raus aus unserem haus! Die miesen tricks der mietnomaden 0.00RTL Nachtjournal 0.3010 vor 11 0.55Mietprellern auf der Spur

20.15 Der letzte Bulle Der weihnachtsmann ist tot. krimiserie 21.15 Danni Lowinski kein heim. comedyserie 22.15 Planetopia U. a.: ferienzeit gleich Stauzeit – warum immer im Sommer gebaut wird / Gefährliche Gülle? – biodünger unter der lupe 23.00 Focus TV-Reportage Glanz, Glamour und Grimaldis – Vom fürstlichen leben in monaco 23.30 Criminal Minds zweifel. krimiserie 0.30The Defenders Drogenschmuggel. Dramaserie

20.15 H B Ein mörderischer Sommer psychothriller, f 1983. mit isabelle adjani, alain Souchon, Suzanne flon. regie: Jean becker 22.25 B Kinder der Sonne Schauspiel, D 2010. mit Ulrich matthes, olivia Gräser, nina hoss 23.50 B Shanghai Dreams – Weltausstellung 2010 0.50B Finn findet’s raus Drama, nl 2010 mit Jelmer ouwerkerk, remko Vrijdag, Susan Visser. regie: thomas korthals altes 1.40Mit dem Zug durch ... Die alpen

KABEL 1

RTL II

9.00 Quincy 10.05 Unsere kleine farm 12.05 bill cosby Show 13.10 what’s up, Dad? 14.05 two and a half men 14.55 eine schrecklich nette familie 15.55 what’s up, Dad? 16.50 news 17.00 two and a half men 17.55 abenteuer leben 18.45 Die Super-heimwerker 19.15 achtung kontrolle! einsatz für die ordnungshüter 20.15 H kung fu hustle. actionkomödie, hk/chn 2004 22.10 H the contract killer. actionfilm, hk 1998 0.05 H kung fu hustle. actionkomödie, hk/chn 2004

11.00 Die Schnäppchenhäuser – Der traum vom eigenheim 12.00 XDiaries – love, sun & fun 13.00 big brother 14.00 immer wieder Jim 14.55 king of Queens 16.45 Still Standing 18.00 X-Diaries – love, sun & fun 19.00 big brother 20.00 rtl ii news 20.15 teenie-mütter – wenn kinder kinder kriegen 21.15 big brother – Die entscheidung 23.25 wilde kreaturen (2/3) 0.15 Ungeklärte morde – Dem täter auf der Spur 1.20 Ärger im revier – auf Streife mit der polizei

WDR

MDR

BR

ZDF NEo

PHoENIX

3SAT

KIKA

SUPER RTL

15.00 planet wissen 16.00 aktuell 16.15 daheim & unterwegs 18.05 hier und heute 18.20 Servicezeit reportage 18.50 aktuelle Stunde 19.30 lokalzeit 20.00 tagesschau 20.15 yvonne willicks – Der Große haushaltscheck (5/6) 21.00 markt 21.45 aktuell 22.00 die story 22.45 mistresses – aus lust und leidenschaft 0.25 H black widow – Verhängnisvolle affäre. Drama, USa 2005 2.00 lokalzeit

14.00 Dabei ab zwei 14.30 H Spuk am tor der zeit. fantasyfilm, D 2003 16.00 hier ab vier 16.30 hier ab vier 17.00 hier ab vier 17.40 hier ab vier 18.00 mDr aktuell 18.07 brisant classix 19.00 regionales 19.30 mDr aktuell 19.50 Jule am Start (1/5) 20.15 H Die abenteuer des Grafen bobby. komödie, a 1961 21.45 mDr aktuell 22.05 fakt ist...! 22.50 H fanny. Drama, USa 1960 1.05 brisant classix 1.45 tagesthemen

15.30 wir in bayern 16.45 rundschau 17.00 land, leute, leidenschaft 17.30 regionales 18.00 abendschau 18.45 rundschau 19.00 Unkraut 19.45 Dahoam is Dahoam 20.15 blickpunkt Sport extra 21.00 rundschau-magazin 21.15 Geld & leben 21.45 lebenslinien 22.30 hitlers Verbündete (3/3) 23.15 rundschau-nacht 23.25 lesezeichen 23.55 on3-südwild 0.55 Dahoam is Dahoam

12.30 iss oder quizz 13.00 mann oder memme 16.40 Dawsons creek 17.25 beverly hills, 90210 18.10 raumschiff enterprise 19.00 iss oder quizz (2) 19.30 terra X: tag X 20.15 Große Städte, Große träume 21.00 inspector barnaby: leichen leben länger. tV-kriminalfilm, Gb 2001 22.40 Spooks – im Visier des mi5 23.30 hustle – Unehrlich währt am längsten 0.25 miami Vice 1.10 leschs kosmos

12.00 Vor ort 13.00 thema 14.15 Das finanzamt 15.00 Vor ort 16.15 Spuren lügen nicht 16.45 anne will 17.45 Vor ort 18.00 DDr geheim 18.30 leben mit der katastrophe 19.15 Unter den linden 20.00 tagesschau 20.15 trolle, fjorde und ein postschiff 21.45 heute-journal 22.15 Unter den linden 23.00 Der tag 0.00 Unter den linden 0.45 arthur – Die erfindung eines königs 2.15 metropolis

15.45 Dicke freunde 16.15 herr der meute 16.45 Die schönen hunde von Sylt 17.15 bellen, Schneiden, föhnen 17.45 wo bello und Sugar Urlaub machen 18.30 nano 19.00 heute 19.20 kulturzeit 20.00 tagesschau 20.15 helmut Schleich: „Der allerletzte held“ 21.00 olaf tV (3/4) 21.30 hitec: fremde unter uns 22.00 zib 2 22.25 berg und Geist 22.55 megacities 23.40 in treatment – Der therapeut ii 0.05 10 vor 10

13.20 rocket & ich 13.45 mimis plan 14.10 Schloss einstein – erfurt 15.00 klasseSegelabenteuer 15.25 blue water high – Die Surf-academy 16.20 piets irre pleiten 16.45 Garfield 17.10 take 5 17.35 Der kleine nick 18.00 yakari 18.15 babar und die abenteuer von badou 18.40 zoés zauberschrank 18.50 Sandmann 19.00 michael endes: Jim knopf 19.25 pur+ 19.50 logo! 20.00 ki.ka live 20.10 my life me

16.20 a kind of magic – eine magische familie 16.40 Jamatami: Das Star-tagebuch 16.50 typisch andy! 17.20 fünf freunde – für alle fälle 17.45 cosmo & wanda 18.15 Disneys kuzco’s königsklasse 18.45 Disney phineas und ferb 19.15 Disney Die zauberer vom waverly place 19.45 Disney zack & cody an bord 20.15 Glee 22.10 mein leben & ich 23.10 Die nanny 23.40 Golden Girls 0.15 Shop24Direct Schlagernacht

H Spielfilm

A Schwarz-weiSS

G zweikanalton

J Untertitel

C Dolby

B hDtV


Täglich (fast) alles

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

Überwiegend starke Bewölkung und vormittags etwas Regen bei Tageshöchstwerten um 20 Grad

20 13

23 16

26 15

23 15

WETTERLAGE Zwischen Hochdruck über Großbritannien und Tiefdruck über Osteuropa fließt noch recht kühle Luft zu uns.

Heute

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

28

Bewölkung und Luftdruck heute Mittag

Kiel

Hamburg

Bremen

20 12

21 12

Hannover

20 13

8.59 23.05 10.20 23.25

1. Viertel 8.7.

Vollmond 15.7.

Ltz. Viertel 23.7.

Neumond 30.7.

22 11

20 19 14 17

Göttingen Erfurt

Frankfurt

23 15

19 13

Nürnberg

Warmfront

H Hochdruck

Kaltfront

T

Okklusion

Köln

Tiefdruck

26 12

Rostock

Berlin

20 13

Hildesheim

20 12

unter –1° Lissabon 1º bis 5º 26 6º bis 10º 11º bis 15º 16º bis 20º 21º bis 25º 27 26º bis 30º Las Palmas 31º bis 35º

Ostsee 15-19º

20 16

Nordsee Nordsee17–20º 5–6°

Isobaren in hPa

19 14

Dresden

22 13

9º bis 11º 12º bis 14º 15º bis 17º 18º bis 20º 21º bis 23º 24º bis 26º 27º bis 29º

19 14

München

Freiburg

21 15

Leipzig

Stuttgart

23 13

München Wien

24 14

Vorhersage mit Höchstund Tiefsttemperaturen

24

Madrid

Varna Rom

21 27 23 31 29 10 21 23 22 32 27

wolkig wolkig Schauer heiter Regen bedeckt Schauer Schauer heiter sonnig bedeckt

Dubrovnik

25

29

Palermo

30 24

39

Tunis

WEITERE VORHERSAGEN VON HÖCHSTTEMPERATUREN Europa Amsterdam Barcelona Bornholm Bozen Florenz Hammerfest Kiew Kopenhagen La Coruña Larnaka Locarno

21

Madeira 24 wolkig Malaga 35 sonnig Rhodos 28 sonnig Teneriffa 27 heiter Venedig 27 wolkig Zürich 25 heiter Außereuropäische Städte Bangkok 32 Regen Buenos Aires 11 heiter Delhi 38 wolkig Hongkong 34 wolkig Izmir 31 heiter

26

31

Athen

Johannesburg Kairo Kapstadt Los Angeles Mexiko City Mexiko-Stadt Miami New York Peking São Paulo Sydney Tel Aviv Tokio

15 34 16 25 22 32 31 34 12 20 31 33

Istanbul

30 Antalya

wolkig sonnig bedeckt wolkig bedeckt Gewitter wolkig bedeckt bedeckt Regen heiter bedeckt

GESTERN MITTAG IN DEUTSCHLAND Berlin Braunlage Brocken Braunschweig Dresden Erfurt

18 12 7 13 12 12

Regen Regen Regen bedeckt Regen bedeckt

Frankfurt Freiburg Göttingen Hamburg Hannover Köln

18 20 13 16 14 15

wolkig heiter bedeckt bedeckt Regen bedeckt

Konstanz München Norderney Oberstdorf Rostock Sylt

21 15 15 18 18 16

heiter bedeckt bedeckt bedeckt bedeckt bedeckt

Österreich, Schweiz: Überwiegend freundliches Wetter, niederschlagsfrei, 22 bis 28 Grad. Südskandinavien: Wenig Sonne, am Oslofjord zeitweise Regen, 18 bis 23 Grad. Großbritannien, Irland: Sonne und Wolken, in Westirland Regen, 19 bis 27 Grad. Italien: Oft heiter, örtlich einige Wolken, meist trocken, Tageshöchstwerte 28 bis 31 Grad. Spanien, Portugal: Sonnig, 25 bis 29, im Landesinneren 31, am Atlantik 22 Grad. Griechenland, Türkei, Zypern: Überwiegend sonnig, niederschlagsfrei, 26 bis 32 Grad. Benelux, Nordfrankreich: Weitgehend sonnig, 21 bis 29 Grad. Südfrankreich: Am Mittelmeer Regenschauer, 25 bis 29 Grad. Mallorca, Ibiza: Örtlich Wolken, sonst verbreitet Sonnenschein, 28 bis 31 Grad. Madeira, Kanarische Inseln: Sonne und Wolken, kein nennenswerter Niederschlag, 21 bis 27, Fuerteventura 29 Grad. Tunesien, Marokko: Verbreitet Sonne, 24 bis 34, im Norden Tunesiens bis zu 39 Grad.

VeRAnStALtungen unD teRmine Schützenfest 14 Uhr: Schützenplatz geöffnet. 15 Uhr: Gaypeople-Zelt: Gays go Schützenfest, Gene Pascale. 19 Uhr: Festzelt Zum Herrenhäuser: Blechblos’n. 19 Uhr: Rundteil – Gig und Philharmonie, Open-Air-Special mit Maschgold, Dokmalou, Weltraumbiwak, Zeilenstorno. 19 Uhr: Alt-Hanovera: Kult-Party. 19 Uhr: Festhalle Marris: Bierzeltgaudi, mit Andreas Autengruber und den Enzianern. Theater

h1-BüRgeRfeRnSeHen 15.30 Uhr: Lehrter Offener Kanal. 16 Uhr: Twister – Talks, Trends & Events. 16.30 Uhr: Musikalische Talkrunde. 17 Uhr: FilmFestSpezial. 18.45 Uhr: 0511-tv.lokal. 19 Uhr: Pop 10 live. 21 Uhr: Tonschmiede Hannover. 22 Uhr: Wh. v. 18.45 Uhr.

22 Uhr: Cumberlandsche Galerie (Prinzenstr. 9) Montagsbar, die große Oscar-Nacht: Der objektive Spielzeitrückblick mit Champagnerpool und ihren ultimativen Lieblingsstars. Ko n z e r t e 13 Uhr: Musikhochschule (Emmichplatz 1) Konzert am Mittag, Studenten spielen Werke der Kammermusik, Eintritt frei, Eintritt frei. 16.30 Uhr: Simeonkirche (Schwemannstr.) Musikschulkonzert. 19.30 Uhr: Musikhochschule (Emmichplatz 1) An Glut, die nie vergeht, erwärme Dich aufs Neue, Studenten und Alumni der Gesangsklasse Carol Richardson-Smith, Eintritt frei.

Galerie Depelmann (Langenhagen, Walsroder Str. 305) 10–18.30 Uhr Skulpturensommer, Bildhauerarbeiten für Haus und Garten. Kunstkreis Laatzen-Rethen (Hildesheimer Str. 368) 11–14 Uhr Benedykt Machnik, Cornelia León-Villagrá, Hannelore Seemann: Aufbruch – Bilder. Insel Wilhelmstein (Steinhuder Meer) Sina Heffner: Durch-Blicke – Kunst in Glashäusern. HEUTE

11–18 Uhr: Handkwerskammer (Berliner Allee 17) 21 Meisterstücke, aus dem Tischlerhandwerk. Vo r t r ä g e , L e s u n g e n 16 Uhr: Leibniz Universität (Welfengarten 1, Bielefeldsaal) Philosophie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Vortrag von H. Heit. 18 Uhr: Geographisches Institut (Schneiderberg 50) Fläche nsparen. Kosten-Nutzen-Struktur von Siedlungsentwicklungsmodellen, Vortrag von Dr. Mareike Köller. 19 Uhr: Neues Rathaus (Mosaiksaal, Trammplatz 2) How Bristol is preparing to match a peak-oil-scenario, Referent David Saunders. 19 Uhr: Forschungsinstitut für Philosophie (Gerberstr. 26) Kunst & Finanzen: Das Unternehmen Wirtschaft und Kunst – erweitert, Vortrag

und Diskussion mit Johannes Stüttgen, HansJürgen Klein. 20 Uhr: Neues Rathaus (Trammplatz 2) Post Oil City-Café, Abschlussforum: Wie wir das zukunftsfähige Hannover schaffen können. Ve r a n s t a l t u n g e n 9 Uhr: Don-Bosco-Haus (Göttinger Chaussee 137) Malteser-Hospiztag, Bühnenprogramm, Vorträge und Gruppenarbeiten. 10–18 Uhr: Schloss Marienburg (Pattensen, Schulenburg) Besichtigung. 11 Uhr: Tourist Information (Ernst-August-Platz 8) Hannover ganz groß, Stadtrundfahrt. 15–19.30 Uhr: Freizeitheim Stöcken (Eichsfelder Str. 101) DRK-Blutspendetermin. 18 Uhr: Amnesty International (Fraunhoferstr. 15) Amnesty after work. Morgen früh 10 Uhr: Pavillon (Lister Meile 4): book:look Baum für Baum – Jetzt retten wir das Klima, Felix & Freunde. 11 Uhr: Tourist Information (Ernst-August-Platz 8): Hannover ganz groß, Stadtrundfahrt. 11 Uhr: Rathaus Hemmingen (Rathausplatz, Bürgersaal) Literaturstsunde.

DeR tAgeStiPP

Jazz, Rock, Pop Anzeige

20 Uhr: Béi Chéz Heinz (Liepmannstr. 7 B) Argies. Museen und Galerien AUSSTELLUNGEN

Architektenkammer (Friedrichswall 5) 10–16 Uhr Storytelling, Fotografien von Martin Henze und Klemens Ortmeyer. Leibniz-Bibliothek (Waterloostr. 8) 9–16 Uhr Horst Bienek: Film Gespräch mit Zeitzeugen. Haus der Region (Hildesheimer Str. 20) 9–17 Uhr heim@ – Projekte von 15 Künstlern aus der Region. Unternehmerinnen-Zentrum (Hohe Str. 11) 10– 17 Uhr Studenten des Studiengangs Fotojounalismus und Dokumentarfotografie – Fotos. Foyer 89 (Bischofsholer Damm 89) 9–18 Uhr Joy Lohmann: ZuKunst – Installationen, Aktionen. Museum für textile Kunst (Borchersstr. 23) 11– 18 Uhr Reise durch die Welt der Textilien. Steinberg-Gartenlounge (Ottostr. 22 A) 10–16 Uhr Jürgen Friede: Die Harte Sonne und Das Blaue Spiel, Plastiken und Bilder. Galerie Winter (Theaterstr. 14, Langesche Höfe) 10–19 Uhr Think pink ... or black, Fotoarbeiten von Christoph Ehleben, Alexander Pernhorst, Toto und Laura Zalenga. Galerie im Keller (Freizeitheim Linden, Windheimstr. 4) 10–22 Uhr Galerieteam: Intermezzo – Fotografien. Freizeitheim Ricklingen (Ricklinger Stadtweg 1) 10–22 Uhr Jens Fehlisch: Males – Fotografien. Galerie im Lichthof (Verwaltungsgericht, Eintrachtweg 19) 8–15.30 Uhr Angela Große: Ozeanische Eindrücke II – Skulpturen. 56810501_11070400100000111

Lüneburg

20 14

20 12

Nienburg

20 14

Celle

20 13 Hannover

12

20 13

Stadthagen Peine

20 15

20 Braunschweig 13 Hildesheim Vorhersage 20 mit Höchst13 und Tiefst-

DER GANZE TAG

Göttingen

20 12

30 20

temperaturen

NIEDERSCHLAGSRISIKO 50% 25% 75%

10 0

Uhr 1

3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 1

0%

100%

DAS WETTER DER VERGANGENEN TAGE IM VERGLEICH 0 Std. 5 Std. 10 Std. 20° 10° 0° –10°

Sonnenscheindauer (6,9 Std.)* Tageshöchsttemperatur (20,9°)* Tagestiefsttemperatur (10,3°)*

10 l/m2 5 l/m2 0 l/m2

Niederschlagsmenge (2,4 l/m2)*

31. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18.19. 20. 21. 22. 23.24. 25. 26. 27. 28.29.30. 1. 2.

CinemAXX niKoLAiStRASSe Nikolaistr. 8, Karten-Tel. (0 18 05) 24 63 62 99: Alles koscher! (ab 12), 20.20, 23 Uhr. Bad Teacher (ab 12), 15.45, 18, 20.20, 22.45 Uhr. Der Mandant (ab 12), 22.50 Uhr. Hangover 2 (ab 12), 17.50, 20.15, 22.45 Uhr. Honey 2 (ab 6), 15.10, 17.45 Uhr. Kung Fu Panda 2 3-D (ab 6), 15, 16.50 Uhr. Larry Crowne (ab 0), 15.15, 17.45, 20.20, 22.50 Uhr. Mein Freund Knerten, 14.50 Uhr. Mr. Poppers Pinguine (ab 0), 15.10, 17.30 Uhr. Pirates of the Caribbean (ab 12), 14.50 Uhr. The Tree of Life (ab 12), 16.45, 19.50 Uhr. Transformers 3 (ab 12), 19 Uhr; 3-D 15.30, 17.30, 20, 21, 22.30 Uhr. Werner – Eiskalt! (ab 6), 14.45 Uhr. X-Men: Erste Entscheidung (ab 12), 20, 23 Uhr.

HAZ.de

11 Uhr: Spektrum - Gesellschaft, Kultur & Unterhaltung. 12 Uhr: Der Tag in der Region. 14 Uhr: Musik. 15 Uhr: Der Nachmittag mit Carsten Steckel. 17 Uhr: Musik. 18 Uhr: Brain Tab, Jugendmagazin. 19 Uhr: Musik. 20 Uhr: El Ritmo Indecente, deutsch-spanische Sendung. 21 Uhr: Heimspiel. 23 Uhr: Gelber Tango, Indie Nacht.

Bremen

Osnabrück 20

APoLLo Limmerstr. 50, Karten-Tel. 45 24 38: Almanya – Willkommen in Deutschland (ab 6), 8.30, 14, 18 Uhr. Herzensbrecher (OV) (ab 12), 20.15 Uhr.

Montag, 8.30 bis 22 Uhr: Cranach, Krausenstr. 54, Tel. 889297 Lister, Ferd.-Wallbrecht-Str. 40, Tel. 390780 Zentral, Mühlenbergzentrum 14, Tel. 464488 Hermes, Laatzen, Hildesheimer Str. 52, Tel. 864380 Montag, 8.30 Uhr, bis Dienstag, 8.30 Uhr: Am Stöckener Markt, Eichsfelder Str. 97, Tel. 97915778 DocMorris, im Real Davenstedter Str. 80, Tel. 22895990 Im Real, Altwarmbüchen, Opelstr. 3–5, Tel. 616890

RADio LeineHeRtZ

20 11

Heute im Kino

APotHeKennotDienSt

Neues Kinomagazin: Tim und Kim (Bild) haben sich den Actionkracher „Transformers 3“ angeschaut. Was die beiden von dem Film halten, verraten sie im Kinomagazin – und machen am Ende eine erstaunliche Entdekkung. Welche? Das sehen Sie in ihrem Webvideo unter: www.haz.de/kinomagazin

Oldenburg

Meppen

Windstärke 3

18 14

Emden

20 11

Nordwest

Cuxhaven

18 10

Südbayern: Meist wird es heiter, es bleibt trocken, Temperaturen um 24 Grad

24

31

33

22

Nizza

Palma

Algier

17

Warschau

Harz: Regen aus wolkenverhangenem Himmel, 17 bis 21 Grad. Schwarzwald, Bodenseegebiet: Überwiegend freundlich, niederschlagsfrei, 20 bis 26 Grad.

Budapest

31

1015

Berlin

25

Bordeaux

H

Moskau

Riga

23 Frankfurt

25

1010T

22

21

Hamburg

Paris

1015

24

REISEWETTER Deutsche Küste: Verbreitet bewölkt, trocken, 17 bis 22 Grad.

Juni Juli

5.07 21.46 5.08 21.45

20

London

21

Sonne

4. 7. 11 5. 7. 11

27

1005

SONNE UND MOND auf unter

21

20

T

1015

Dortmund

auf unter

Dublin

1010

H

1010

20

St. Petersburg

Stockholm

Temperaturen

T

Oslo

Mai

1005

VORHERSAGE Heute zeigt sich der Himmel überwiegend stark bewölkt. Es fällt am Vormittag gebietsweise Regen. Höchstwerte um 20, nachts um 13 Grad. Meist schwacher Nordwestwind. Morgen ist die Schauerneigung bei einigen teils dichten Quellwolken nur gering ausgeprägt. Sonst scheint längere Zeit die Sonne. BIOWETTER, POLLENFLUG Das Befinden wird heute nicht ungünstig beeinflusst, und Konzentrations- und Leistungsfähigkeit liegen im Bereich der Norm. Der Kondition angepasste Bewegung im Freien fördert die Gesundheit und stärkt die Abwehrkräfte. Gräserpollen fliegen in mäßigen, Beifußpollen in höchstens schwachen Konzentrationen.

Vorhersage der Höchsttemperaturen

RegenJuni

1000

* Tageswert aus dem langjährigen Monatsmittel

12

Spagat von der Oper zum Volkslied „Parsifal“, „Im Weißen Rössl“, „Annie get your gun“: Nicht weniger als 32 aktuelle und ehemalige Studierende der Klasse von Professorin Carol Richardson-Smith präsentieren heute Abend ab 19.30 Uhr im Richard-Jakoby-Saal der Musikhochschule (Emmichplatz 1) ein breites Repertoire aus Oper, Operette, Singspiel, Musical und Volkslied. Zusätzlich bereichert wird das Konzert durch Mitglieder des Jungen Schostakowitsch-Ensembles unter der Leitung von Peter Leipold, eines Sin-

fonieorchesters, das sich aus Studierenden aus Hannover sowie weiterer Musikhochschulen aus ganz Deutschland zusammensetzt, sowie die Aufführung dreier Kurzfilme, eine Gemeinschaftsproduktion der Sängerinnen und Sänger. Carol Richardson-Smith, die seit 1989 als Professorin für Operngesang an der Musikhochschule Hannover unterrichtet, wird mit Erreichen der Altersgrenze nach dem Sommersemester 2011 ihre Lehrtätigkeit beenden. r/jp Eintritt frei.

CinemAXX RASCHPLAtZ Raschplatz 6, Karten-Tel. (0 18 05) 24 63 62 99: Bad Teacher (ab 12), 15, 17.20, 19.50, 22.20 Uhr. Fremd Fischen (ab 12), 18.50 Uhr. Hangover 2 (ab 12), 17.10, 19.50, 22.30 Uhr. Honey 2 (ab 6), 16.30 Uhr. Kung Fu Panda 2 (ab 6), 14 Uhr; 3-D 14.40, 17.20 Uhr. Larry Crowne (ab 0), 14.30, 17, 19.40, 22.40 Uhr. Mr. Poppers Pinguine (ab 0), 14.20, 16.40 Uhr. Pirates of the Caribbean (ab 12), 14 Uhr; 3-D 14, 19.50, 23.10 Uhr. Source Code (ab 12), 21.15 Uhr. Transformers 3 (ab 12), 19, 21, 22.40 Uhr, 0.35 Uhr; 3-D (ab 12), 15.30, 17.10, 17.30, 19.10, 20, 21, 22.05, 23.05 Uhr. Wasser für die Elefanten (ab 12), 14 Uhr. Wer ist Hanna? (ab 16), 23.15 Uhr. Werner – Eiskalt! (ab 6), 15, 17.30, 20, 22.30 Uhr. Winx Club 3-D – Das magische Abenteuer (ab 6), 11.50 Uhr. X-Men: Erste Entscheidung (ab 12), 21.10 Uhr.

0), 14, 15.30 Uhr. Mr. Nice (ab 12), 21.30 Uhr. Naokos Lächeln (ab 12), 16.15, 19 Uhr. The Bang Bang Club (ab 12), 16.45 Uhr. The Tree of Life (ab 12), 20.30 Uhr. The Way Back – Der lange Weg (ab 12), 14, 20.45 Uhr. Vier Leben (ab 0), 17.15, 19.15 Uhr. CineStAR Rathausplatz 2, Garbsen-Mitte, Karten-Tel. (0 51 31) 49 92 90: Bad Teacher (ab 12), 14.45, 17.15, 19.30 Uhr. Der Mandant (ab 12), 20.30 Uhr. Gregs Tagebuch 2 – Gibt’s Probleme? (ab 6), 13.40 Uhr. Hangover 2 (ab 12), 19.50 Uhr. Honey 2 (ab 6), 14.15 Uhr. Kung Fu Panda 2 (ab 6), 13.30, 14.45, 18 Uhr; 3-D 14, 17 Uhr. Larry Crowne (ab 0), 13.30, 15.45, 17.50, 20.15 Uhr. Mr. Poppers Pinguine (ab 0), 13.45, 16 Uhr. Sneak Preview (OV), OV, 20.30 Uhr. Transformers 3 (ab 12), 14, 16, 18, 20 Uhr; 3-D 13.30, 16.30, 19.30, 20.30 Uhr. Werner – Eiskalt! (ab 6), 18.10 Uhr. X-Men: Erste Entscheidung (ab 12), 16.50, 19.30 Uhr. utoPiA Walsroder Str. 105, Langenhagen, Karten-Tel. 72 59 68 10: Bad Teacher (ab 12), 15, 17.30, 20 Uhr. Kung Fu Panda 2 3-D (ab 6), 15, 16.45 Uhr. Larry Crowne (ab 0), 15, 17.30, 20 Uhr. Transformers 3 3-D (ab 12), 17, 20 Uhr. Werner – Eiskalt! (ab 6), 15, 18.30, 20.15 Uhr. DAS AnDeRe Kino Sedanplatz 26, Lehrte, Karten-Tel. (0 51 32) 5 74 42: Der Name der Leute (ab 12), 20 Uhr. CinemA im LeinePARK Suttorfer Str. 8, Neustadt, Karten-Tel. (0 50 32) 98 19 82: Der Dieb des Lichts (ab 12), 20 Uhr.

HoCHHAuS-LiCHtSPieLe Goseriede 9, Karten-Tel. 1 44 54: Die Nordsee von oben (ab 0), 18 Uhr. Larry Crowne (ab 0), 16 Uhr. Kino Am RASCHPLAtZ Raschplatz 5, KartenTel. 31 78 02: Alles, was wir geben mussten (OV) (ab 12), OmU, 14.30 Uhr. Almanya – Willkommen in Deutschland (ab 6), 18.30 Uhr. Beginners (ab 0), 21.15 Uhr. Das Blaue vom Himmel (ab 12), 16.30, 18.45 Uhr. Eine Insel namens Udo (ab 6), 14.45 Uhr. Mein Freund Knerten (ab

Um zwei Religionen in einer Brust geht es in der britischen Komödie ,,Alles koscher“. Central

LeBenSHiLfe

notRufe

Alkohol- u. Medikamentenabh. 70 03 10 90 Anonyme Alkoholiker 9 80 55 14 Hannöversche Aids-Hilfe (07 00) 44 53 35 11 Lazaruslegion – Aids-Beratung 62 50 41 Aids-Beratung der Region 61 64 31 48 Psychosoz./psychiatr. Krisendienst 30 03 34 70 Angehörige psychisch Kranker 62 26 76 Epilepsie-Beratung 8 56 50 25 Selbsthilfegruppen (Kontaktstelle) 66 65 67 Jugendberatung Hinterhaus 70 33 77 Mädchenhaus Hannover 44 08 57 Frauenhaus Hannover 66 44 77 Frauenhaus in der Region 22 11 02 Frauen- und Kinderschutzhaus 69 86 46 Sorgentelef. Kinder u. Jugendl. (08 00) 1 11 03 33 Hilfe f. trauernde Kinder u. Jugendl. 70 03 22 78 Beratung f. Kinder, Jugendl., Eltern 16 84 90 00 Kinderschutzzentrum 3 74 34 78 Ambulanter Kinderhospizdienst 3 58 54 49 Frauenberatung 32 32 33 Frauen-Treffpunkt (Beratungsstelle) 33 21 41 Berat. sexuell missbr. Jungen 12 35 89 11 pro familia 36 36 06 Ehe- und Partnerschaftsberatung 9 54 98 88 Schwulen- und Lesbenberatung 1 23 49 23 Weißer Ring Hannover 9 56 25 24 Weißer Ring in der Region (0 51 01) 5 82 42 Opferhilfebüro 61 62 20 29 Sozialberatung 70 14 80 Hilfe für Erwerbslose bei Ämtern 33 65 35 56 Seniorenberatung 16 84 23 45 Pflege-Notruf (01 80) 2 00 08 72 Hörgeschädigtenberatung 8 38 65 23 Sehgeschädigtenberatung 5 10 42 18 Amb. Palliativ- u. Hospizdienst 1 31 71 11 Palliativ-Hospiz-Beratung 2 60 36 36 Alzheimer-Gesellschaft 7 26 15 05 Konfliktberatung und Schlichtung 3 88 35 58 Telefonseelsorge (08 00) 1 11 01 11

Stadt Hannover: Allgemeiner Notruf (Polizei) 1 10 Feuerwehr 1 12 Rettungsleitstelle Krankentransp. 1 92 22 Gift-Notrufzentrale (05 51) 1 92 40 Notfallsprechstunde (Zentrum) 38 03 80 Notfallsprechstunde (Nordstadt) 1 23 83 43 Notfallsprechstunde (Laatzen) 9 82 25 74 Kinderärztliche Notfallambulanz 81 15 33 00 Mobiler ärztlicher Notdienst 31 40 44 Augen-, HNO-, Frauenarzt 31 40 44 Neurologe/Psychiater 31 40 44 Zahnärztlicher Notdienst 31 10 31 Zahnärztl. Notdienst (alle Kassen) 6 42 48 08 Privatärztlicher Notruf (24 Std.)* 1 61 35 61 Privatärztlicher Notdienst* 1 92 57 Privatärztl. Akutdienst* (0 18 05) 30 45 05 Privatzahnärztl. Notdienst* 8 38 73 03 Zahnschmerz-Notdienst 2 61 42 10 Schwangere in Not (08 00) 6 05 00 40 Notruf für vergewaltigte Frauen 33 21 12 Tierärztlicher Notdienst 55 50 92 *Keine Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen

teCHniSCHe HiLfen Pannenhilfe des ADAC (0 18 02) 22 22 22 Pannenhilfe des ACE (0 18 02) 34 35 36 Pannenhilfe des AvD (08 00) 9 90 99 09 Deutsche Telekom (08 00) 3 30 20 00 Stadtwerke (Gas) 4 30 41 11 Stadtwerke (Strom) 4 30 31 11 Stadtwerke (Wasser) 4 30 51 11 Stadtwerke (Fernwärme) 4 30 32 11 Abwasser 16 84 73 77 Installateure, Heizung, Sanitär 84 10 10 Elektro-Notdienst 1 31 66 91 Glaser-Notdienst 85 87 81 Umwelt-Telefon 16 84 55 55


Stadt & Land

SchüTzEnfEST 2 0 11

Täg l I c h (fa ST ) a ll E S

Hannover

100 000 Zuschauer kommen zum Ausmarsch der Schützen P Seite 17, 18

Termine und Veranstaltungen P Seite 12

SEITE 13 – monTag, 4. julI 2011 – nR. 153

Jobcenter lehnt Nachhilfe für Grundschüler ab

l ü T Tj E l a g E

Wunschkonzert

K

ein Bumsfallera mehr ohne Schotten. Es war etwa acht Uhr gestern, am heiligen Sonntag, als mich das schrille Geschrei von gequetschten Dudelsäcken aus den Träumen riss. Schlaftrunken wurde mir klar, dass das Geplärre wohl mit dem größten Schützenfest des bekannten Universums zu tun haben muss, das in dieser Stadt gerade gefeiert wird. Halb wach, halb traumhaft führten mich meine Gedanken zurück ins Jahr 1986, als ich beim österreichischen Turnfest im schönen Krems zum ersten Mal eine Pipe-Band live hörte. Das war damals noch etwas sehr Exotisches. So exotisch, dass die Festorganisatoren die Pipe-Band nicht am großen Abschlusskonzert aller Spielmannszüge teilnehmen ließen. Und das, obwohl die Dudelsäcke – die übrigens aus Peine kamen – die Publikumslieblinge des ganzen Turnfests waren. Erst verbreitete sich Empörung unter den Spielmannszügen, dann verbreiteten sich Gerüchte: Wir sollten alle zum Konzert kommen. Es würde etwas Besonderes geschehen. Wir kamen alle. Eine ganze Weile ertrugen wir tapfer in der stickigen Festhalle die schwer verdauliche Spielmannszugmusik. Dann plötzlich – in einen Moment der Stille hinein – begann ein einzelner Dudelsack zu wimmern. Ganz oben auf einem Balkon spielte ein Schotte allein auf. Das Publikum reckte die Hälse, die Organisatoren liefen ratlos umher. Dann schwang das Tor auf, die Pipe-Band marschierte laut plärrend hinein, gefolgt von ihren eigenen Trommlern – und den Trommlern von zig Spielmannszügen. Ein wirbelnder Gewittersturm, eine musikalische Verschwörung. Das Publikum war außer sich vor Begeisterung. Seit dieser Stunde des zivilen Ungehorsams haben Piper und Spielmannszüge was gut bei mir. Nur hätte ich mir gestern Morgen von den Spielleuten draußen auch ein bisschen zivilen Ungehorsam gewünscht. Etwa so: „Leute, lasst uns später spielen, als das Protokoll es will. In Linden schlafen sie doch noch alle.“ Leider liegt es aber in der Natur des Ungehorsams, dass derjenige, dem er zuteilwird, sich sein Schicksal nicht aussucht. Man könnte auch sagen: Ungehorsam ist kein Wunschkonzert. rm

18-Jährige erliegt Verletzungen nach Unfall auf B 3

Drei Kinder der IGS Roderbruch sollten kein Geld aus dem Bildungspaket bekommen Von B ä rBel H ilBig Für bedürftige Kinder ist es offenbar mit großen Schwierigkeiten verbunden, Nachhilfe aus dem Bildungspaket des Bundes zu bekommen. Allein an der Integrierten Gesamtschule Roderbruch erhielten mindestens drei Grundschüler Ablehnungsbescheide vom Jobcenter Hannover. Zwei Kinder gehen in die erste, eines in die zweite Klasse. Zur Begründung heißt es, Erstklässler könnten nicht sitzen bleiben. Doch nur wenn die Versetzung gefährdet sei, gebe es Geld aus dem Bildungspaket.

„Das ist völlig widersinnig. Die Lernförderung ist nur sinnvoll, wenn sie möglichst früh einsetzt“, sagt Lehrerin Beatrix Bast-Behrendt. Erstklässler würden zwar automatisch in die zweite Klasse aufrücken. „Aber das heißt nicht, dass sie damit das Lernziel der ersten Klasse erreicht haben.“ Die Lehrerin hatte für die Eltern eines ihrer Erstklässler den Antrag auf Nachhilfe in Deutsch und Mathe vorbereitet. Zu Hause habe der Junge keine Hilfe beim Lernen zu erwarten, da seine Eltern nur sehr wenig Deutsch sprechen. „Er hat selbst noch große Sprachprobleme und ist deshalb manch-

mal nicht in der Lage, Aufgaben zu verstehen und mitzuarbeiten.“ Bast-Behrendt fühlt sich durch ein Formblatt des Kultusministeriums bestätigt, mit dem Lehrer dem Jobcenter den Bedarf eines Schülers an Förderung bestätigen. Das Ministerium spricht darin ebenfalls davon, dass Schüler dann Nachhilfe bekommen können, wenn sie nur so die Lernziele des Jahrgangs erreichen, also „in der Regel“ die Versetzung. „Wir Lehrer haben die Notwendigkeit der Nachhilfe doch bestätigt“, ärgert sich die Pädagogin. Die Eltern haben mithilfe der Lehrerin

Widerspruch eingelegt und nach Aufforderung des Jobcenters auch noch begründet. „Sie verstehen das alles gar nicht und hätten es allein nie gemacht“, sagt Beatrix Bast-Behrendt. Für viele bedürftige Eltern sei es eine nicht zu bewältigende Anforderung, einen Widerspruch sprachlich und inhaltlich korrekt zu formulieren. Bast-Behrend hat die Probleme jetzt auch in einem Brief an die Bundesarbeitsministerin geschildert, die das Bildungspaket verantwortet. Angesichts von Klagen über ein Desinteresse der Eltern am Bildungspaket seien die Ablehnungen absurd.

Optische Täuschungen und Mamas Liebling

Von C on ra d Von M eding

Innovation, Originalität und professionelle Umsetzung der Themen – Jury und rund 100 Zuschauer hatten bei den Abschlussarbeiten auf einiges zu achten. Eine doppeldeutige Fragestellung, Schwarz-Weiß-Kontraste und eine tragbare Kleiderschutzhülle haben Marcella Sewella den diesjährigen Modepreis Hannover, die Goldene Schere, eingebracht. Mit ihrer Kollektion unter dem Titel „Leiden wir an gutem Geschmack“ hat die 26-jährige Jungdesignerin Jury und Publikum gleichermaßen überzeugt. Unter den kritischen Augen von neun Fachjuroren – Stylisten, Designer und Modejournalisten – und rund 1000 Zuschauern stellten am Freitagabend 18 Ab-

solventinnen des Studiengangs Modedesign an der Fachhochschule Hannover ihre Abschlussarbeiten vor. Die unterschiedlichen Kollektionen behandelten Themen wie Sehschwäche, die Erinnerung an Michael Jackson oder das Zusammenbrechen eines Traumes kurz vor dem Aufwachen. Die Jury achtete jedoch weniger auf die Aussage der verschiedenen Modelle, sondern vielmehr auf Innovation, Originalität und die professionelle Umsetzung der Thematik. Sewellas Kollektion besticht in erster

Linie durch Einzigartigkeit. Viele ihrer Modelle sind wie eine optische Täuschung; sie zeigen Kleider, die gar nicht da sind. So trägt ein Model einen weißen Anzug, den vorn die überschlanke schwarze Silhouette eines Abendkleids ziert, oder ein Minikleid als Kleiderhülle. Beste Entwürfe für Männermode gab es in diesem Jahr gleich mehrere. Die Preise für das beste Herrenoutfit gingen an Tina Strohbecke und Sina Hoppe. Strohbecke hatte unter dem Titel „Schwebende Würstchen“ die Sichtweise eines Schie-

Von C on ra d Von M eding Neun Eier hatte das Schwanenpaar vom Stöckener Friedhof im vergangenen Jahr bebrütet. Diese Saison dagegen wird es ohne Nachwuchs bleiben. Nesträuber haben das Gelege der weißen Vögel heimgesucht. Und bei Tierfreunden gibt es einen schrecklichen Verdacht: Es könnte kein Fuchs oder Marder gewesen sein, sondern ein Mensch. Tierliebhaber haben eine Belohnung über inzwischen 500 Euro ausgesetzt, die Stadt hat Anzeige erstattet, die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der Stöckener Friedhof ist einer der schönsten hannoverschen Stadtfriedhöfe, seine weitläufige Parkanlage lädt Spaziergänger und Naturliebhaber zum Verweilen ein. Auch Wassertiere gibt es dort am großen See mit seiner Holzbrücke reichlich – wobei regelmäßige Besucher wie etwa das Ehepaar Kulawig sagen, dass die Zahl der Enten und Blesshühner spürbar rückläufig ist. Auch ist nicht vergessen, dass im vergangenen Jahr ein Tierquäler einen Schwan so verletzt haben soll, dass dem Tier ein Auge fehlt. Und jetzt die Sache mit dem Nesträuber. Vier Eier und vier frisch geschlüpfte Küken waren im Nest am Rande des

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Messeschnellweg nach Unfall gesperrt

Zunächst hatte das Ehepaar Kulawig eine Belohnung von 200 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zum Ergreifen des Täters führen. Jetzt hat eine Buchholzerin den Betrag auf 500 Euro aufgestockt. In der Friedhofsverwaltung will sich Sprecher Klaus Helmer zwar nicht auf einen Menschen als Täter festlegen, bestätigt aber, dass die Stadt jetzt Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet hat. „Wir sind sehr verärgert, dass das Gelege geleert ist“, sagt er: „Das Schwanenpärchen lebt dort seit vielen Jahren.“ Im Stöckener Polizeikommissariat ist ein Ermittlungsverfahren aufgenommen worden – Ausgang ungewiss. Wer Hinweise geben kann, soll sich unter Telefon (05 11) 1 09 38 15 melden. Schwäne errichten ihre Nester aus Wasserpflanzen, Gräsern und Zweigen und nutzen es über mehrere Jahre immer wieder.

Die Polizei hat den Messeschnellweg am Sonntag zwischen dem Weidetorkreisel und der Abfahrt Pferdeturm knapp sieben Stunden lang gesperrt. Dort gefährdeten Trümmerteile und eine Ölspur den Verkehr. Bisherigen Ermittlungen zufolge hatte ein Mercedes-Fahrer, der gegen 7 Uhr mit deutlich zu hohem Tempo in Richtung Celle unterwegs war, die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Das Auto kam nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte dann gegen die Mittelschutzplanke. Dabei wurde die Ölwanne des Mercedes stark beschädigt, sodass Flüssigkeit austrat. Nachdem der Wagen zum Stehen gekommen war, entfernte sich der Unfallverursacher offenbar zu Fuß. Den Mercedes ließ er ungesichert auf dem rechten Fahrstreifen stehen. Derzeit fahndet die Polizei nach dem Flüchtigen. Drei weitere Fahrzeuge, die sich hinter dem Mercedes befanden, wurden durch Trümmerteile, die nach dem Unfall auf dem Schnellweg lagen, beschädigt. Nun sucht die Polizei Zeugen, die etwas zu dem genauen Unfallhergang oder zur Identität des Mercedes-Fahrers sagen können. Hinweise nimmt die Autobahnpolizei unter der Nummer (05 11) 1 09 89 30 entgegen. Nach Schätzungen der Helfer ist bei dem Vorfall ein Schaden von insgesamt 18 000 Euro entstanden. tm

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Seit November ist der Neubau des Amtsgerichts eingerüstet – Fassadenplatten drohten sich zu lösen. „Pfusch am Bau“, befand Karsten Pilz, Sprecher der zuständige Oberfinanzdirektion: Das Gebäude ist erst 25 Jahre alt und damit viel zu jung für eine millionenschwere Komplettsanierung. Jetzt hat das Architekturbüro Schulze & Partner Architekten (sp.a) immerhin einen Weg gefunden, bei dem die alten Natursteinplatten weiterverwendet werden können, statt das Gebäude komplett neu zu verkleiden. Die Kosten belaufen sich trotzdem auf rund 3,4 Millionen Euro. Der Erweiterungsbau an der Straßenecke Volgersweg/Augustenstraße hat eine sogenannte vorgehängte Fassade – durchaus zeittypisch für Gebäude dieser Epoche. Die Steinplatten wurden mit Metallhaken im Beton verankert. Doch auch 1985 wusste man schon; dass der Stahl rostet, wenn kein Edelstahl verwendet wird. Ob damals der Architekt, die Baufirma oder die Bauaufsicht geschlampt haben, wird wohl nie ermittelt. Weil die Gewährleistung schon lange abgelaufen ist, macht sich niemand die Mühe, die Schuldfrage zu klären. Während es aber anfangs noch hieß, dass außer den rostenden Fassadenankern auch zu dünn bemessene Steinplatten die Komplettsanierung erforderten, hat sich nun offenbar herausgestellt, dass zumindest die Platten nicht getauscht werden müssen. Das dürfte erheblich Kosten sparen. Die Sanierung soll in drei Bauabschnitten erfolgen. Der erste startet Mitte August. Wann für die beiden weiteren Abschnitte Geld vorhanden sein wird, ist noch nicht klar. Immerhin kommt dann ein Teil der Gerüstverkleidung schon mal weg, die derzeit rund um das Gebäude Passanten vor herabfallenden Teilen schützt.

So wie in dieser Computerprojektion soll der Erweiterungsbau des Amtsgerichts nach der Sanierung aussehen. sp.a

HAZ-Preisträger lesen bei Lehmanns Ein tierischer Kurzkrimi um entführte Küken, die bewegende Begegnung zwischen einem Mädchen und einem Obdachlosen im Weihnachtstrubel und die schwierige Beziehung zu einer krebskranken Mutter – dies sind nur drei von insgesamt zwölf tollen Geschichten, die beim Schreibwettbewerb der HAZ mit einem Preis ausgezeichnet wurden. Am Dienstag, 5. Juli, besteht die Chance, die jungen Autoren näher kennenzulernen: Die Preisträger lesen ihre Geschichten in Lehmanns Buchhandlung, Georgstraße 10 – moderiert von dem Juryvorsitzenden und HAZ-Redakteur Heinrich Thies. Die Lesung beginnt um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. lok

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großen Sees, bis es kürzlich eines Morgens leer geräumt war. Die Tatsache, dass sowohl der geschlüpfte Nachwuchs als auch die vier Schwaneneier verschwunden sind, lässt nach Ansicht der Tierfreunde weniger auf ein Raubtier als auf Menschen schließen. Zudem sei das Nest „zu sorgfältig und vorsichtig ausgeräumt“ worden, argumentieren Kordula und Wolfgang Kulawig. Die Eier selbst gelten manchen Menschen als Delikatesse, auch werden sie von kunstvollen Händen gerne angemalt und verkauft – doch im weitgehend bebrüteten Zustand dürften sie wertlos sein. Naturschützer Karl-Heinz Hillmann hat zudem registriert, dass der Weg zum Nest – er führt durch einen Rhododendrenpark – von abgeknickten Zweigen gesäumt ist: „Das war kein Raubtier, das war ein Mensch“, sagt er.

Steiner

lenden in einer Wollkollektion verarbeitet. Hoppe dagegen interpretierte das Klischee vom Muttersöhnchen mit Knickerbockerhosen, Pullundern und hochgeschlossenen Hemdkragen. Beide erhielten 2000 Euro Preisgeld. Auch Gewinnerin Sewella erhält zusätzlich zu ihrer Auszeichnung mit der Goldenen Schere ein Preisgeld von 5000 Euro und als Gewinnerin des Publikumspreises eine Nähmaschine. isc

Nesträuber auf dem Stöckener Friedhof: Stadt hat Anzeige erstattet, Bürger setzen Belohnung aus

Nach dem Unfall bei Pattensen war die B 3 mehrere Stunden lang gesperrt. Elsner

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Amtsgericht wird jetzt saniert Pfusch am Bau: Fassade kostet 3,4 Millionen Euro

Wer stiehlt die Schwaneneier? Eine 18-jährige Frau ist am Sonnabend bei einem Verkehrsunfall in der Nähe von Pattensen ums Leben gekommen. Die drei übrigen Beteiligten an dem Frontalzusammenstoß zweier Fahrzeuge trugen schwere Verletzungen davon. Die Polizei hat den Unfallhergang bislang folgendermaßen rekonstruiert: Die junge Frau saß als Beifahrerin in einem VW Polo, der von dem zwei Jahre älteren Freund der 18-Jährigen gesteuert wurde. Gegen 14.45 Uhr startete der Polo-Fahrer auf der Bundesstraße 3 zwischen Thiedenwiese und Oerie ein waghalsiges Überholmanöver. Nachdem er links an mehreren Fahrzeugen vorbeigefahren war, verlor er beim Wiedereinscheren die Kontrolle über den VW. Das Auto geriet in den Gegenverkehr und stieß dort frontal mit einem entgegenkommenden Subaru zusammen. Die 18-Jährige wurde in dem Polo eingeklemmt. Rettungskräfte schnitten sie aus dem Wrack heraus und flogen die lebensgefährlich Verletzte in eine Klinik. Dort verstarb sie noch am Abend. Der Unfallverursacher sowie die Insassen des Subaru kamen ebenfalls ins Krankenhaus. Die Polizei sperrte die Bundesstraße in diesem Bereich bis in die Abendstunden. tm

Im Jobcenter Hannover will man sich nun um Klärung bemühen. „Es kann sein, dass uns ein Fehler unterlaufen ist. Wenn eine Versetzung in einem Jahrgang nicht vorgesehen ist, richten wir uns danach, ob das Kind die Lernziele erreicht“, sagt Sprecherin Marion Sprengel. Lehrerin Bast-Behrend besänftigt das nicht. Immerhin sind in ihrer Grundschule drei Kinder betroffen. „Eine Ablehnung hat zur Konsequenz, dass manche Eltern sich abschrecken lassen. Sie müssen ja jede Leistung, ob Mittagessen, Fahrten oder Musikunterricht einzeln beantragen.“

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Hannover

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Auszeichnung für Ausbildungspaten Das Freiwilligenzentrum Hannover ist am Wochenende für sein 2006 gestartetes Programm Ausbildungspaten ausgezeichnet worden. Gemeinsam mit zwölf weiteren bundesweiten Projekten wurde die Initiative von dem unabhängigen Berliner Analysehaus Phineo unter 68 Bewerbern ausgewählt. „Das ist eine tolle Auszeichnung für unsere Arbeit“, sagte gestern Ingrid Ehrhardt, Geschäftsführerin des Freiwilligenzentrums. „Neben der Ehre bietet die Auszeichnung für uns die Chance, Projektförderer auf Bundesebene zu gewinnen.“ Die Phineo AG empfiehlt sozialen Investoren gemeinnützige Organisationen, die besonders förderwürdig sind. Zwar werden die Ausbildungspaten zurzeit noch durch die Landeshauptstadt und die Rut- und KlausBahlsen-Stiftung finanziell unterstützt, doch deren Förderung läuft demnächst aus. Das Freiwilligenzentrum erhielt die Auszeichnung für das Einbeziehen der „Generation 55plus“, um Jugendlichen den Übergang von der Hauptschule in den Beruf zu erleichtern. Die Patenschaften selbst beruhen auf Freiwilligkeit: Die Jugendlichen können „ihre“ Paten bei Kennenlernworkshops selbst aussuchen. Die erfahrenen Paten unterstützen die jungen Leute, indem sie ihnen bei der Auswahl geeigneter Ausbildungsstellen helfen und jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Seit 2006 wurden 680 Schüler durch 299 Paten betreut. vt

Brand in Altenwohnheim Ein Feuer hat in der Nacht zu Sonnabend in einer Kleefelder Seniorenwohnanlage einen Schaden von rund 10 000 Euro angerichtet. Eine 92-jährige Frau, die in einem Zimmer im dritten Stock des Gebäudes im Bevenser Weg lebt, alarmierte gegen 0.15 Uhr das Personal der Wohnanlage. Das Kopfteil einer Matratze hatte aus bislang ungeklärter Ursache Feuer gefangen. Die Mitarbeiter des Seniorenwohnheims benachrichtigten die Feuerwehr und brachten die 92-Jährige in Sicherheit. Die Einsatzkräfte, die zunächst Alarmstufe drei ausgelöst hatten, konnten die Flammen schnell bekämpfen. Es gab keine Verletzten. Brandexperten der Polizei werden in den kommenden Tagen nach der Ursache des Feuers suchen. tm

Kostenlose Beratung rund um die Pflege Nach der Eröffnung des ersten hannoverschen Pflegestützpunkts bietet jetzt auch die Region Hannover kostenlose und unabhängige Pflegeberatung an. Die regionsweit erste Anlaufstelle im Haus der Region, Hildesheimer Straße 20, ist montags und mittwochs von 10 bis 15.30 Uhr, dienstags von 7 bis 15.30 Uhr, donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie freitags von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet. Das Beratungsspektrum reicht von konkreten Ratschlägen bei der körperlichen Pflege über Auskünfte von Sozialleistungen bis hin zu Tipps für eine sichere Wohnraumgestaltung, um etwa Stürze zu verhindern. Das Beratungsteam unterstützt Pflegebedürftige und Angehörige auch bei der Bearbeitung von Anträgen. Weitere Auskünfte gibt es beim Pflegeteam unter Telefon (05 11) 61 62 21 73 oder 61 62 28 56 und per E-Mail unter pflegestuetzpunkt.hannoverumland@region-hannover.de. vt

HA Z- Leserforum Haben Sie etwas auf dem Herzen, oder wollen Sie uns auf ein Thema aufmerksam machen? Dann rufen Sie uns doch an. Heute von 15 bis 16 Uhr erreichen Sie Mathias Philipp (phi) Politikredakteur Telefon (05 11) 5 18 – 28 72

H A Z - Ko n tA K t Lokalredaktion: (05 11) 5 18 – 18 52 (Stadt & Land) Fax: (05 11) 5 18 – 28 73 E-Mail: hannover@haz.de Abonnenten-Service: 08 00 – 1 23 43 04 (kostenlos)

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

t H e m A d e s Tag e s

Kein Geschäft mehr mit dem Durst

Sport und Integration – eine Bilanz Fonds vergibt 97 400 Euro

Alle Einzelhändler am Hauptbahnhof verzichten auf den Verkauf von Alkohol an Wochenendnächten.

Von V eronik a T hoM as

Von T obi as M orchn er

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s musste sich um ein Missverständnis oder um einen schlechten Scherz handeln. Davon waren der 19-jährige Erich und sein Kumpel Cihan am Sonnabend im Hauptbahnhof fest überzeugt. Mehrmals waren die jungen Männer das Kühlregal ihres Stammkiosks am Ausgang zur Bahnhofsmission abgeschritten. Doch auf alkoholische Getränke waren sie dabei nicht gestoßen. „Wir kommen von der Arbeit, wollen nur ein paar Bier kaufen und uns dann den Klitschko-Kampf ansehen“, beschwerte sich Cihan bei den Mitarbeitern hinter dem Verkaufstresen. Doch die schüttelten nur mit dem Kopf. Seit dem 1. Juli verzichten alle Einzelhändler im und rund um den Hauptbahnhof freitags und sonnabends jeweils zwischen 22 und 6 Uhr freiwillig auf den Verkauf von Bier, Sekt, Wein und Schnaps. Das Experiment, das gemeinsam mit der Deutschen Bahn, der Stadt und der Polizei gestartet wurde, soll drei Monate dauern. Ziel ist es, die Zahl der Gewalttaten in diesem Bereich einzudämmen. Der Beginn des ehrgeizigen und bundesweit einmaligen Projekts an diesem Wochenende verlief ein wenig holprig. So fehlten beispielsweise einheitliche Plakate, die die Kunden auf die Neuregelung hätten aufmerksam machen können. Stattdessen behalf sich jeder Einzelhändler mit selbst gedruckten Provisorien. Bei Rossmann waren die Schilder nicht an den Türen, sondern erst an den Weinregalen zu finden, während bei Ihr Platz der Hinweis bereits an der Eingangstür klebte. Zudem hätte die Information, dass sich auch Kaufland am Raschplatz an der Aktion beteiligt, manch einem Kunden einen Fußmarsch erspart. In dem Supermarkt, der freitags bis 24 und sonnabends bis 23.30 Uhr geöffnet hat, regte sich der meiste Widerstand gegen das selbst auferlegte Alkoholverkaufsverbot. „Es ist eine Unverschämtheit – seit Langem erledige ich hier spätabends meine Wocheneinkäufe, und jetzt darf ich nicht mal mehr eine Flasche Wein mitnehmen“, beschwerte sich eine 41-jährige Kundin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Auch für Ali Bhatti, der seit drei Jahren jede Nacht in dem Kiosk am Ende der Bahnhofs-Mittelhalle arbeitet, verlief vor allem der Freitagabend sehr angespannt. „Die Leute haben mich zum Teil übel beschimpft, einige waren bereit, für

Projekt „alkoholfreier Bahnhof“: Der Einzelhandel rund um den Hauptbahnhof unterstützt die Initiative von Polizei, Deutscher Bahn und Landeshauptstadt. Steiner eine Flasche Bier jeden Preis zu bezahlen“, erinnerte sich der 43-Jährige. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, das Projekt „alkoholfreier Bahnhof“ mit einer Kundenumfrage zu begleiten. „Wir wollen herausfinden, was die Reisenden von uns erwarten und wie wir die Zufriedenheit unserer Gäste weiter steigern können“, erklärte Bahnhof-Chef Jörn Tunat. Als ersten Schritt hat das Unternehmen die Anzahl des Sicherheitspersonals an den Wochenenden verdoppelt. Rund 450 Gewalttaten verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr rund um den Raschplatz. In vielen Fällen ging übermäßiger Alkoholkonsum den Übergriffen voraus. Dazu kamen im Jahr 2010 noch etwa 300 Aggressionsdelikte, die Beamte der Bundespolizei im Bahnhofsgebäude schlichten mussten. Der 21-jährige Dennis und seine drei Begleiter, die am Sonnabend in der Mittelhalle auf ihre Freundinnen warteten, haben allerdings wenig Hoffnung, dass sich durch die Aktion der Einzelhändler an diesen Zahlen etwas ändert: „Wer sich prügeln will, der prügelt sich auch, ob mit oder ohne Alkohol.“

Alkoholverbot in Zügen? Nach der Uelzener Bahngesellschaft Metronom denkt man auch bei der Deutschen Bahn über ein Alkoholverbot in den Regionalzügen in Niedersachsen nach. Vertreter des Unternehmens führten über dieses Thema Gespräche mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), sagte ein Bahnsprecher. Die LNVG als Tochter des Landes bestellt Nahverkehrsleistungen bei Bahnunternehmen. Die Bahn sei grundsätzlich offen für ein solches Alkoholverbot im niedersächsischen Nahverkehr, sagte der Sprecher. In den Gesprächen gehe es darum, ob eine solche Vorschrift machbar sei und wie sie gegebenenfalls umgesetzt werden könnte. Sie seien aber „ergebnisoffen“. Die Landesnahverkehrsgesellschaft befürwortet ein Verbot, in Zügen Alkohol zu konsumieren. LNVG-Geschäftsführer Hans-Joachim Menn will dies den Bahngesellschaften nicht wie ein „Schulmeister“ vorgeben, verweist aber auf gute Erfahrungen, die der Metronom

damit gemacht habe. Dort sei seit der Einführung der in den Zügen anfallende Müll um 66 Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der Straftaten und der Vandalismus in den Zügen habe sich drastisch verringert. Die Aufwendungen für das Beheben von Vandalismusschäden in Fahrzeugen machten Nahverkehrsleistungen unnötig teuer. Wo es kein Alkoholverbot gebe, nutzten Fahrgäste die Zugfahrt oftmals zum „Vorglühen“ vor dem Ausgehen in der Stadt, sagt Menn. Vertreter von Bahn und LNVG wollten sich nun in einer Arbeitsgruppe mit der Umsetzung eines Alkoholverbots befassen, sagte Menn. Ihm schwebt vor, dass besonders im Dreieck der Großstädte Hannover, Bremen und Hamburg der Alkoholkonsum in Regionalzügen untersagt sein sollte. In Bussen und Bahnen des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) darf von September an kein Alkohol mehr getrunken werden. dis

Sport bietet gemeinhin viele Chancen für die Integration. Er fördert wechselseitiges Kennenlernen, ein Zugehörigkeitsgefühl im Team, Fairness und gleichsam spielerisch den Abbau von Vorurteilen. Aus diesem Grund setzt der lokale Integrationsplan (LIP) der Stadt neben zahlreichen anderen integrativen Maßnahmen auf dieses verbindende Element. Ein Selbstläufer ist es aber nicht, wie Klaus Timaeus, Fachbereichsleiter Sport und Eventmanagement, jetzt den Mitgliedern des Migrations-, Sport- und Kulturausschusses berichtete. Dort zog er als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Integration durch Sport eine erste Bilanz. Weibliche Jugendliche und Frauen mit Migrationshintergrund seien in den Sportvereinen weiter unterrepräsentiert, und bei Vereinsmitgliedern mit ausländischen Wurzeln gebe eine hohe Fluktuation. Gleichwohl sei es gelungen, dass beim Nationen-Cup Anfang Juni Fußballspieler aus 16 Nationen teilgenommen hätten. Und gemeinsam mit dem Stadtsportbund haben 15 neue Trainerinnen für Frauenfußball mit Migrationshintergrund ihre Lizenz erworben. „Wir können nichts erzwingen, sondern nur vermitteln, unterstützen, Brücken bauen und Fördermöglichkeiten anbieten“, sagte der städtische Sportmanager. „Ich bleibe zuversichtlich, dass wir hier noch eine Menge mehr erreichen.“ l Geld aus Ideenwettbewerb: Neun Vereine erhalten insgesamt rund 97 400 Euro aus dem Gesellschaftsfonds Zusammenleben, den die Stadt jetzt zum vierten Mal ausgeschrieben hat. Als Thema des jüngsten Wettbewerbs hatte die Jury „Möglichkeiten politischer Beteiligung und Mitbestimmungsrechte für Menschen mit Migrationshintergrund“ ausgewählt. Rund 3000 Euro enthält etwa der Verein Politik zum Anfassen, der einen Film über Migranten drehen will, die es in die Politik geschafft haben. Den größten Betrag, 49 000 Euro, bekommt der Verein Faust für das Projekt „Mach mit“, bei dem 34 Migrantenselbstorganisationen des MiSO-Netzwerks neue aktivierende und bürgernahe Formen des kommunalpolitischen Engagements erproben sollen. Herausgeber Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG gegründet 1893 von Dr. h. c. August Madsack Chefredakteure: Matthias Koch, Hendrik Brandt

Kleine Wunder aus 15 Jahren Arbeit

Verantwortlich für Nachrichten und Politik: Jörg Kallmeyer, Stv.: Mathias Philipp; Innenpolitik: Alexander Dahl; Blick in die Zeit: Susanne Iden; Außenpolitik: Dr. Daniel Alexander Schacht; Europa: Christian Holzgreve; Sicherheitspolitik: Klaus von der Brelie; Umwelt: Dr. Margit Kautenburger; Landespolitik: Dr. Klaus Wallbaum. Niedersachsen: Michael B. Berger. Wirtschaft: Stefan Winter, Stv.: Carola Böse-Fischer, Jens Heitmann; Regionale Wirtschaft: Lars Ruzic; Finanzmärkte: Albrecht Scheuermann. Kultur: Ronald Meyer-Arlt, Stv.: Uwe Janssen; „der 7. tag“: Ronald Meyer-Arlt (komm.); Zeitgeschichte: Simon Benne. Welt im Spiegel: Hans Borgaes, Stv.: Imre Grimm (Medien). Sport: Heiko Rehberg, Stv.: Stefan Knopf. Hannover und Region: Volker Goebel, Stv.: Conrad von Meding, Frank Winternheimer; City: Dany Schrader; Stadt-Anzeiger: Hans-Dieter Meinen. Reportagen: Thorsten Fuchs, Heinrich Thies, Rainer Wagner (Kultur). Gestaltung: Hans Borgaes. Chef vom Dienst: Wilfried Heinemann, Stv.: Jutta Krause, Lutz Müller. Berliner Format: Stefanie Gollasch, RalfVolke. Produktion: Günther Heene, Birgit Dralle-Bürgel. Foto: Michael Thomas. Serien: Tatjana Riegler. Berliner Redaktion: Reinhard Urschel, Michael M. Grüter (Stv.), Stefan Koch, Gabi Stief.

Das Kinderkrankenhaus auf der Bult lud am Sonnabend zum „Frühgeborenen“-Fest ein.

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Olaf Kuhlwein, Stellvertreterin: Sabine Bernsee

Mit viel Einsatz und Engagement: Ärzte, Schwestern und Pfleger sorgen für die Unterhaltung der Kinder. Bei einer Puppen-OP zeigen Ärzte, wie eine Blinddarmoperation funktioniert.

Von s Tefanie nick el Nicht einmal gemeinsam brachten die Zwillinge Maya und Marie so viel Gewicht auf die Waage wie ein Baby, das regulär nach der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Die zweieinhalbjährige Marie wog bei ihrer Geburt in der 27. Schwangerschaftswoche 1700 Gramm, ihre Zwillingsschwester gerade einmal 1200 Gramm. Zwei Monate mussten Marie und Maya anschließend im Kinderkrankenhaus auf der Bult behandelt werden. „Es war eine harte Zeit. Wir haben uns damals große Sorgen gemacht“, erinnert sich Mutter Kirstin Gabriel aus Nienburg, während ihre Mädchen neugierig ein Meerschweinchen begutachten. „Es ist ein großes Glück, dass alles so gut verlaufen ist.“ Dieses Glück verband am vergangenen Sonnabend die Frühchen-Eltern, die mit ihren Schützlingen zum „Frühgeborenenfest“ auf die Bult gekommen waren. Während die rund 400 Frühchen, die alle im Laufe der vergangenen 15 Jahre im Kinderkrankenhaus behandelt wurden,

Steiner eine Blinddarmoperation bei einer Puppe verfolgten, Echsen und Schlangen im Reptilienzoo bestaunten, sich auf der Hüpfburg vergnügten oder sich schminken ließen, freuten sich die Ärzte und Krankenschwestern gemeinsam mit den „Frühchen“-Eltern. „Wenn ich sehe, wie toll sich die Kinder entwickelt haben, weiß ich, wofür ich diesen Beruf all die Jahre ausgeübt habe“, sagte die Chefärz-

tin der Neugeborenenstation, Prof. Evelyn Kattner, die das Fest organisiert hatte. Die Ärztin wollte noch einmal all „ihre Kinder“ um sich versammeln. Denn die 64-Jährige wird im kommenden Jahr ihren Posten räumen. „Natürlich gehe ich auch mit Wehmut“, sagte Kattner, auf deren Station jährlich mehr als 700 Kinder betreut werden. Zu den Frühgeborenen, die Kattner

lange betreut hat, gehören auch Felicitas, Laeticia und Victoria. Die Drillinge kamen in der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Sie alle mussten zuerst einige Wochen im sogenannten Säuglingsinkubator verbringen. Nun schiebt ihre Mutter Alexandra Vogeler die Babys in einem Kinderwagen mit Lenkrad stolz über das Fest. Dass alles so gut verlaufen würde, war für Vogeler nicht von Anfang an klar. „Am Ende meiner Schwangerschaft ging es mir gar nicht mehr gut“, sagt sie. „Ich konnte nur noch liegen, mein Bauch hatte einen Umfang von 1,35 Meter.��� Bei der Geburt waren dann 28 Ärzte, Schwestern und Studenten dabei. Nach der Entbindung kam sie täglich zu ihren Kindern ins Krankenhaus. „Es gab Tage, da bin ich morgens um neun in die Klinik gekommen und habe die Frühchenstation nachts um halb eins verlassen“, erinnert sich Vogeler. „Jetzt bin ich nur noch glücklich, dass es ihnen gut geht“, sagt die 31-Jährige. Und in der Tat liegen da drei friedlich schlummernde, pausbäckige Mädchen im Kinderwagen.

Verlag, Redaktion und Druck: Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, August-Madsack-Str. 1, 30559 Hannover Postanschrift: 30148 Hannover Verlag und Redaktion. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(05 11) 5 18-0 Kleinanzeigen für Privatkunden. . . . . . . . . .08 00-1 23 44 01* Kleinanzeigen für Geschäftskunden . . . . . .08 00-1 23 44 02* Anzeigenaufnahme im Internet . . . . . . . . . . . . . www.haz.de Telefax Kleinanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . .08 00-1 23 44 10* Abonnentenservice. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .08 00-1 23 43 04* Telefax Abonnentenservice . . . . . . . . . . . . . .08 00-1 23 43 09* Telefax Redaktion: Politik/Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (05 11) 5 18-28 99 Hannover Stadt & Land. . . . . . . . . . . . . . . . (05 11) 5 18-28 73 E-Mail . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . haz@madsack.de HAZ-Online . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . www.haz.de * Kostenlose Servicerufnummer Erscheinungsweise: werktäglich morgens. Monatlicher Bezugspreis bei Lieferung durch Zusteller € 29,90 (einschl. Zustellkosten und 7% = € 1,96 Mehrwertsteuer) oder durch die Post € 33,30 (einschl. Portoanteil und 7% = € 2,18 Mehrwertsteuer). Abbestellungen schriftlich beimVerlag bis zum 20. desVormonats. Im Fall höherer Gewalt und bei Störung des Arbeitsfriedens kein Entschädigungsanspruch. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte, Bilder und Bücher wird keine Gewähr übernommen. Rücksendung nur, wenn Rückporto beigelegt ist. Erfüllungsort und Gerichtsstand ist für das Mahnverfahren und im Verkehr zu Vollkaufleuten Hannover. Alle Rechte vorbehalten. Die Zeitung ist in all ihren Teilen urheberrechtlich geschützt. Ohne vorherige schriftliche Genehmigung durch den Verlag darf diese Zeitung oder alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen weder vervielfältigt noch verbreitet werden. Dies gilt ebenso für die Aufnahme in elektronische Datenbanksysteme und die Vervielfältigung auf CD-ROM. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 69. Amtl. Organ der Niedersächsischen Börse zu Hannover.

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NR. 153 · MONTAG, 4. JULI 2011

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

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Ohne Umweg in den Urlaub Was haben Venedig, die Kapverden und Nowosibirsk gemeinsam? Sie sind vom Airport Hannover aus per Direktflug erreichbar wei von drei Passagieren, die auf dem Flughafen Hannover in eine Maschine steigen, sind Touristen. Drei Tage noch, dann stehen in Niedersachsen die Sommerferien an, und der Flughafen erlebt die turbulentesten Wochen des Jahres. Bis zu 20 000 Passagiere werden an einigen Tagen einchecken, um vor allem an die Strände im Süden und Südosten Europas und in Nordafrika zu reisen. Der Flughafen spürt nach einer Flaute derzeit Aufwind. Geschäftsführer Raoul Hille hatte kürzlich für das erste Drittel des Jahres Zuwächse von mehr als 15 Prozent beim Passagieraufkommen im Vergleich zum Vorjahr verbuchen dürfen. Insgesamt will der Flughafen in diesem Jahr 5,3 Millionen Reisende abfertigen. Dass wieder mehr Menschen fliegen, spiegelt sich auch beim Angebot der Direktverbindungen wider. Insgesamt 73 Ziele werden regelmäßig von Langenhagen aus ohne Zwischenhalt angeflogen, weitere 30 mit sogenannten Ad-hoc-Chartern bedient – also zwar direkt, aber nicht so häufig wie die anderen. Vor einem Jahr waren es noch ein Dutzend weniger. „Spitzenreiter beim Passagieraufkommen sind Palma de Mallorca und Antalya. Das ist seit Jahren konstant“, sagt Flughafensprecher Sönke Jacobsen. In diesem Sommer sind aber dank der Aktivitäten von Germanwings einige neue Ziele dazugekommen – Neapel etwa oder Venedig, das nach einer zwischenzeitlichen Pause wieder direkt von Hannover aus erreichbar ist. AirBerlin hat die britische Kanalinsel Guernsey neu im Programm. Bodø, gelegen im Norden Norwegens, wird noch bis August von einem Spezialanbieter bedient, der sinnigerweise Troll-Tours heißt. TUIfly setzt auf Bewährtes, baut aber das Flugangebot in die Türkei, nach Griechenland, Ägypten und auf die Balearen kräftig aus. Was die Passagierzahlen angeht, können die Kapverdischen Inseln da nicht ganz mithalten, besitzen aber einen Rekord. Mit 5400 Kilometern Distanz sind sie das am weitesten entfernte Direktziel, das die Langenhagener zu bieten haben. Nowosibirsk im Osten bringt es immerhin auf 4600 Kilometer. Eine Verbindung in die USA würde in dieser Liste Platz eins übernehmen, fehlt aber nach wie vor im Programm. Wer noch ein Urlaubsziel braucht, kann am Flughafen eines finden. In den Terminals in Langenhagen sind fast drei Dutzend Reisebüros vertreten.

Newcastle

Moskau

Omsk

Kopenhagen Manchester

Minsk

Amsterdam HANNOVER Birmingham London Southampton Prag Frankfurt Brüssel Exeter Guernsey Nürnberg Paris Stuttgart Jersey Wien München

Nowosibirsk

Kostanai Orenburg

Zürich Venedig

Mailand Rom

Barcelona

Menorca

Dubrovnik Neapel

Ibiza Palma Faro

Malaga

Jerez

Catania

Enfidha

Varna Burgas

Pristina

Split

Djerba

Istanbul

Bari

Thessaloniki Araxos Korfu Kos Chania Heraklion

Trabzon Samsun

Izmir

Elazig

Bodrum Antalya Dalaman Rhodos

Gaziantep Hatay

Larnaka

Funchal

Teneriffa

Arrecife

Scharm el-Scheich Hurghada

Las Palmas Fuerteventura

Luxor

Marsa al-Alam

Nonstop von Hannover zu 73 Zielen

Boa Vista

DER HAUPTGEWINNER DARF ABHEBEN: Am Flughafen in Langenhagen kann man nicht nur in ferne Länder abheben, sondern auch zu Rundflügen über Hannover in einer Cessna-Propellermaschine. Dieses Erlebnis winkt einem Leser

sowie einer Begleitperson als Preis im Sommerferien-Gewinnspiel, das die HAZ mithilfe des Flughafens anbietet. Einem weiteren Gewinner plus Begleitperson spendieren wir einen Besuch der Erlebnisausstellung „Welt der Luft-

fahrt“, verbunden mit einem Brunch im Restaurant „Gate 66“. Ein dritter Gewinner schließlich darf mit drei Begleitpersonen an einer VIP-Führung über das Flughafengelände teilnehmen. Um dabei zu sein, müssen Sie zum Te-

lefonhörer greifen und am heutigen Montag in der Zeit von 0 bis 24 Uhr unsere Telefonnummer (01 37) 8 88 90 90 anrufen. Ein Anruf aus dem Festnetz der Telekom kostet 50 Cent, andere Netze können abweichen. Bitte hinterlas-

HAZ-Grafik: Heene

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VON B ERND H A ASE

sen Sie eine Telefonnummer, unter der Sie am Dienstag, 5. Juli, zu erreichen sind. Die Gewinner können den Termin für die jeweilige Veranstaltung selbst aussuchen – sie erhalten Gutscheine. Viel Glück! se

DIE TIPPS DER REISEXPERTEN

Wien

Nerja

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Archiv (3)

Rethymnon

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er Tipp des Anderter Reisebüros Harsleben-Meinecke ist die typisch griechische Hafenstadt Rethymnon auf Kreta. Sie ist bekannt für ihre historische Altstadt, die vielen schönen Restaurants und kleinen Geschäfte. Ein Direktflug vom Hannover Flughafen nach Heraklion und ein einwöchiger Aufenthalt in einem VierSterne-Hotel in Rethymnon ist bereits für unter 800 Euro möglich. len

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er Tipp des Südstädter Reisebüros WB Touristiks ist ein Städtekurztrip nach Wien. Für Juli und August bietet das Reisebüro günstige Direktflüge vom Hannover Flughafen nach Wien an. Für nur rund 200 Euro kann der Reisende bereits drei Nächte in einem zentral gelegenen Drei-Sterne-Hotel in Wien verbringen – inklusive Flug und Frühstück im Hotel. len

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er Tipp des Lister Reise-Service ist die kleine Stadt Nerja in der spanischen Provinz Málaga. Sie ist mit ihrer schönen Altstadt und einem langen Naturstrand noch recht ursprünglich. Einen Direktflug von Hannover nach Málaga mit anschließendem Transfer nach Nerja und sieben Übernachtungen in einem Drei-SterneHotel gibt es bereits für rund 600 Euro – inklusive Mietwagen. len

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Zwei Autos für Jugendpflege gespendet

Nobelpreisträgern auf der Spur Drei MHH-Nachwuchsforscher besuchten das Treffen der Koryphäen in Lindau VON JULI AN E K AUN E Mit einem „Heidenrespekt“ hat Axel Schambach die Reise nach Lindau angetreten. Doch dann zeigte sich schnell: Nobelpreisträger sind auch nur Menschen. Eine Woche hat der 36-jährige Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit 23 Nobelpreisträgern aus aller Welt am Bodensee verbracht. Sein Fazit lautet: „Die sind alle sehr bescheiden, bodenständig und haben viel Spaß an ihrer Arbeit.“ Die schlauen Damen und Herren aus den Fachgebieten Medizin, Chemie und Physik treffen sich traditionell in Lindau zum alljährlichen Austausch. Und jedes Mal darf ein ausgewählter Kreis von Nachwuchswissenschaftlern dabei sein. Dieses Mal war das Leitthema des Treffens die Weltgesundheit. Es waren rund 20 000 Bewerbungen von Jungforschern aus allen Kontinenten eingegangen, 566 Kandidaten aus 77 Ländern wurden von einer hochkarätigen Jury ausgewählt – und einer von ihnen war Schambach. Auch seine an der MHH tätigen indischen Kollegen Amrita Nandan und Vishwas Sharma setzten sich gegen die internationale Konkurrenz durch. „Ich habe mich riesig gefreut, dass ich dabei sein durfte“, sagt Schambach, der an der MHH in einer Arbeitsgruppe des Exzellenzprojekts „Rebirth“ an genetischen Ursachen für Erkrankungen des Blut- und Immunsystems forscht. Einen ganz besonders berühmten Gast, der keinen Nobelpreistitel trägt, erlebte Schambach gleich bei der Eröffnungsveranstaltung: Microsoft-Gründer Bill

Gates, dessen Stiftung sich für globale Gesundheitsprogramme und medizinische Forschungsprojekte einsetzt, hielt eine Rede. Auch Forschungsprojekte der MHH wurden schon aus dem Stiftungstopf des zeitweise reichsten Mannes der Welt finanziert, darunter ein Vorhaben zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Hepatitis C. „Gates kannte sich in medizinischen Fragen sehr gut aus“, lobt Schambach. „Leider habe ich ihn aber

Guppenbild mit Nobelpreisträger Roger Y. Tsien: Axel Schambach (v. l.), Amrita Nandan und Vishwas Sharma. Ch. Flemming nur aus der Ferne gesehen, er wurde sehr stark abgeschirmt.“ Dichter dran waren er und seine beiden indischen Begleiter an Nobelpreisträger Roger Y. Tsien aus den USA, der 2008 im Fach Chemie für seine Entdeckung eines fluoreszierenden Proteins geehrt wurde. Nach der offiziellen Diskussionsrunde, die im Laufe der Woche jede der 23 Kory-

phäen mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs veranstaltete, nahm sich Tsien noch Zeit für einen persönlichen Plausch mit den Hannoveranern. „Ein sehr freundlicher Mensch“, findet Schambach. Begeistert war er auch von dem 85-jährigen Oliver Smithies. „Er war ungeheuer inspirierend. Es war deutlich zu spüren, welche Freude es ihm macht, sein Wissen an Jüngere weiterzugeben“, sagt der 36-Jährige über den US-Mediziner, der 2007 den Nobelpreis für Versuche mit gentechnisch veränderten embryonalen Mäusestammzellen erhielt. Ein Credo der Nobelpreisträger hat Schambach besonders gut gefallen: „Man soll etwas erforschen, weil es einen begeistert – und nicht, weil es gerade en vogue ist.“ Ein Patentrezept für den Nobelpreis ist das natürlich nicht. Auch eine Portion Glück gehöre dazu, ließen die Träger der legendären Auszeichnung den akademischen Nachwuchs wissen. Und offenbar ein gewisser Gleichmut. Er habe sich nie Gedanken darüber gemacht, irgendwann einmal den Nobelpreis erhalten zu können, berichtete Sir Harold W. Kroto Schambach und den anderen Jungforschern. Und dann bekam der britische Chemiker 1996 Post aus Stockholm. Seine Entdeckung der Fullerene, einer neuen Form des Kohlenstoffs mit kugelförmigen Molekülen, hatte das Preiskomitee überzeugt. Zurück in Hannover wird Schambach sich wieder mit vollem Einsatz den Aufgaben in seiner Forschergruppe widmen – und abwarten, was sich in seiner wissenschaftlichen Karriere noch so alles ergibt.

Stefan Nehrmann (r.), Chef des neuen porta-Hauses in Altwarmbüchen, überbrachte Kita-Leiterin Lydia Job einen Satz „Zahlenland“-Lernmaterial für die „Glühwürmer“. Fotos: privat

Stefan Nehrmann mit Verwaltungschef Frank Niemeier, Jugendpflegeleiter Michael Kiklas und Mitarbeitern Silvia Vollmer und Horst Kagel vor den porta-Autos. Fotos: privat

Kita „Die Glühwürmer“ freut sich über „Zahlenland“-Lernmaterial.

den. Kita-Leiterin Lydia Job dankte porta für diese besondere Unterstützung und freute sich schon jetzt auf das Einführungsseminar für Erzieher, das mit der Spende verbunden ist.

Kinder- und Jugendeinrichtungen standen im Mittelpunkt der Charity-Aktion, welche die Einrichtungsgruppe porta jetzt im Raum Hannover fortgesetzt hat und mit der das

familiengeführte Unternehmen sein gesellschaftliches Engagement nachdrücklich unter Beweis stellt. Zunächst überbrachte Stefan Nehrmann, der Leiter des neuen porta-Hauses in Hannover/Altwarmbüchen, das Basis-Material für das Projekt „Zahlenland“ an die Kindertagesstätte „Die Glühwürmer“ in HannoverLimmer. Mit diesem pädagogischen Material können die Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren spielerisch in die Welt der Zahlen und der Mathematik eingeführt wer-

Für die Jugendpflege Isernhagen, einer Einrichtung der Gemeindeverwaltung in Isernhagen, stellte porta gleich zwei Autos vom Typ VW Caddy als Spende zur Verfügung. „Damit wollen wir dem großen Umfang der Aufgaben bzw. der Angebote an Kinder und Jugendliche gerecht werden“, erläuterte Nehrmann. Frank Niemeier,

erster Gemeinderat in Isernhagen, dankte porta für die „tolle Unterstützung“. Laut Michael Kiklas, dem Leiter der Jugendpflege Isernhagen, können die ausgesprochen praktischen porta-Fahrzeuge in vielfältiger Weise für die fünf Jugendtreffs, die Gruppenarbeit, die Freizeit- und Ferienangebote, für Kulturund Sportveranstaltungen sowie für den Jugendaustausch mit Partnern in Polen und in Frankreich eingesetzt werden.

porta hilft – das große Projekt zur Neueröffnung des porta-Einrichtungshauses in Hannover/Altwarmbüchen. Mehr Informationen auch unter: www.porta.de 52932501_11070400100000111


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HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

SCHÜTZENFEST 2 0 11

„Im Doubliertritt, marsch!“: Am Sonntag sind die Schützen wieder durch die Innenstadt gezogen. Aufgrund des herbstlichen Wetters feierten zwar nur rund 100 000 Zuschauer mit den 10 000 Teilnehmern des Ausmarsches – die allerdings hatten jede Menge Spaß. Blasmusik, Winken und Fahnenschwenken – vier Stunden lang zog sich der zwölf Kilometer lange Zug durch die Stadt.

Geballte gute Laune gegen den Regen

Schillernd im Nass

VON S TEFANIE K AUN E

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W

äre da nicht dieses graue, trübe Wetter gewesen, man hätte sich beim Anblick der Samba-Gruppe „Samba cor do Brasil“ inmitten des Karnevals in Rio de Janeiro wähnen können. Waren doch die mit bunten Pailletten, Federn und Blumen besetzten Kostüme fast so schillernd wie die ihrer brasilianischen Kolleginnen. Doch bei anhaltendem Nieselregen wollten die Tänzerinnen dann doch nicht auf ihre Regenjacken verzichten. „Für Stimmung sorgen wir trotzdem“, sagte Tänzerin Juliane Pocio. sn

Jubeln mit Tequila

Z

um Schluss stieß die mexikanische Künstlergruppe Sol Azteka mit Tequila an. „Die Zuschauer waren phantastisch“, sagte Hector Vazquaz, der eine Charrotracht mit eng anliegender schwarzer Hose trug. Entsprechend ausgelassen waren auch Vazquaz und seine Freunde vom Deutsch-Mexikanischen-Freundeskreis. Als sie auf dem Schützenplatz eintrafen, legten sie zu der Musik der Vihuelas einen spontanen Tanz hin, bevor sie in der HBX-Brauerei weiterfeierten. sn

Fotos: Thomas, Steiner, Heusel, Behrens

ie Sorgen vom vergangenen Jahr hätte man gestern wohl gern gehabt. Da erlebte die Stadt eine Hitzeperiode, und die Schützen machten sich Gedanken, ob es nicht zu heiß werden würde bei ihrem Ausmarsch – der dann bei angenehmen 25 Grad durch die Innenstadt zog. Jetzt zeigte das Thermometer während der gut vier Stunden Blasmusik, Winken und Fahnenschwenken in den Straßen zwischen Tramm- und Schützenplatz unerbittlich zwischen zwölf und 14 Grad und damit in etwa die Hälfte der Vorjahreswerte an. Selbst altgediente Schützen konnten sich nicht erinnern, wann es beim Ausmarsch jemals so herbstlich nasskalt gewesen war. Schützenpräsident Paul-Eric Stolle mochte da gar nicht lange nachdenken: „Nie“, sagte er kategorisch. Bei einem Fest, das dieses Jahr zum 482. Mal gefeiert wird, eine gewagte These. Und der Herbsteinbruch am ersten Juliwochenende verwässerte – auch wenn der gefürchtete Dauerregen ausblieb – den Organisatoren bei der Stadt und bei den Schützen den so sehr ersehnten Start in eine bessere Schützenfest-Zukunft. Nur gut 100 000 Zuschauer zählten Polizei und Veranstalter, halb so viel wie erwartet. Zahlen zu den Besuchern auf dem Platz gibt es erst zur Halbzeit-Bilanz. Vor allem in der ersten Stunde des Ausmarsches zwischen 10 und 11 Uhr waren die Lücken am Straßenrand nicht zu übersehen. Selbst im Jahr 2010, das wegen insgesamt rückläufiger Besucherzahlen zum Krisenjahr erklärt wurde, waren es am Ausmarschsonntag 190 000 Zuschauer gewesen. Ein wenig ungerecht war dieser Auftakt, weil man sich in den vergangenen Monaten im Rathaus einiges überlegt hatte, um das Schützenfest mit neuen Ideen von der Gastronomie über mehr Livemusik bis hin zu Thementagen wieder nach vorn zu bringen. Doch wer sich von den Zahlen nicht beeindrucken lässt, musste feststellen: Irgendwie hat es besonderen Spaß gemacht unter diesen besonderen Bedingungen. Es war ein wenig wie bei einem verregneten Urlaub, wo sich plötzlich die Touris-

ten einig sind, dass geteiltes Leid halbes Leid ist. Man beglückwünschte sich einfach gegenseitig, dass man durchhielt und dass es beim zeitweiligen Nieselregen blieb. Die 10 000 Teilnehmer aus den Schützenvereinen, Musikkapellen, Tanzensembles, internationalen Folkloregruppen und anderen Institutionen von Hannover 96 bis zu den Lindener Narren strahlten ebenso wie das Publikum. Oberbürgermeister Stephan Weil hatte ja schon bei der Begrüßung von Schützen und Ehrengästen vorm Rathaus ins Mi-

Konkurrenz für die Hunde der traditionellen Niedersachsenmeute: Terrier Terry und sein Frauchen von den Fidelen Ricklingern. krofon gerufen: „Unsere geballte gute Laune wird das Wetter in die Schranken weisen.“ Dann ging es los, wie immer mit dem Befehl „Im Doubliertritt, marsch!“. Und noch etwas hatte Weil zuvor mit Verve verkündet: „Noch nie hatten wir einen so hohen Repräsentanten des Staates beim Ausmarsch – wir begrüßen unseren Vizekanzler, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.“ Da zeigt sich

eben, was alte Verbundenheit mit der Heimat bewirken kann: Rösler ist seit zehn Jahren eifriger Ausmarsch-Teilnehmer und bekennender SchützenfestFan – und versucht daher, trotz der Verpflichtungen durch die neuen Ämter dabei zu sein. „Auch vom Wetter lasse ich mich da nicht abschrecken“, meinte er. Ähnlich warmherzig wie den Liberalen Rösler begrüßte Sozialdemokrat Weil dessen CDU-Kabinettskollegin, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Beim Schützenfest spielen Parteigrenzen eben keine Rolle. Die zwei Bundesminister übernahmen schnell die Rolle der Popstars unter den Teilnehmern. „Mensch, da ist ja Herr Rösler!“, „Oh, Frau von der Leyen!“ oder Ähnliches wurde immer wieder im Publikum geraunt. Neben den Bundesministern liefen ganz vorn im Zug hinter OB und Schützenpräsident auch Bundestagsabgeordnete, Landespolitiker und natürlich jede Menge Ratsleute mit. Wenn die Gruppe mit den Ehrengästen in der Bruchmeisterallee am Schützenplatz nach einer knappen Stunde ankommt, sind die letzten Marschierer am Trammplatz noch nicht einmal gestartet. So ist das eben bei einem insgesamt zwölf Kilometer langen Menschenzug – der dieses Mal übrigens seine angestammte Route leicht veränderte. Wegen der Baustelle am Kröpcke wurde dieses Mal ein Schwenk über die Luisenstraße, den Bahnhofsvorplatz und die Schillerstraße auf dem Weg in die Altstadt gemacht. Und man fragte sich: Warum eigentlich nicht schon längst? Die Strecke ist schöner als durch die Kaufhausschluchten in der Georgstraße, und schließlich ist während der Festwoche vorm Bahnhof eine Miniversion des Schützenfestes aufgebaut – eine passende Kulisse. Und noch etwas war anders als sonst: Einer der vier Bruchmeister fiel als Standartenträger aus. Daniel Dombrowski, der den dritten Zug anführen sollte, litt unter Magenschmerzen und konnte nur am Ende vor der Tribüne in der Bruchmeisterallee Aufstellung nehmen. Doch auch dieses Problem wurde gelöst – Kollege Timo Meier, Bruchmeister des Jahres 2010, sprang für ihn ein.

Mit Schirmen ausgestattet verfolgen diese Zuschauer das Treiben vor der Oper.

Ausgezeichnete Schützen-Begleitung hat sich diese Dame organisiert.

Party mit Prominenz, Kameras und Karaoke VON JULI AN E K AUN E Vor laufenden Fernsehkameras muss man der Realität manchmal auf die Sprünge helfen. Schließlich soll das Gefilmte bestmöglich vor den Zuschauern an den Bildschirmen in Szene gesetzt werden. Das gilt besonders, wenn die Stimmung vom Schützenplatz in Hannover Hunderttausende norddeutsche Wohnzimmer erreichen soll. Da darf ruhig etwas getrickst werden. Und so leistet der städtische Eventmanager Klaus Timaeus am Sonnabend Schützenhilfe für das Produktionsteam des NDR. Weil das Festzelt Zum Herrenhäuser auch kurz vor Beginn der Showaufzeichnung mit illustren niedersächsischen Musikern wie Heinz Rudolf Kunze, Marquess und Maybebop noch immer nicht fernsehkulissentauglich gefüllt ist, lädt Timaeus kurzentschlossen Platzbummler per Handschlag am Zelteingang ein. Die 20 Euro, die die Karten kosten, brauchen die im Schnellverfahren gecasteten Statisten nicht zu zahlen. Die Rechnung geht auf: Als die Regie um 18.15 Uhr das Zeichen gibt, sind Bänke und Tische fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die knapp 500 Gäste klatschen eifrig und trampeln auf die Holzbohlen, als Moderator Hinnerk Baumgarten die Bühne betritt. Der termingerechte Einsatz des Publikums klappt bestens – dank des Kurztrainings in Sachen Applaus, das Animator Stefan Wolter zuvor gegeben hat. Auch Baumgartens Hinweis bei noch ausgeschalteter Kamera scheint Wirkung zu zeigen: „Der Saal

muss toben, wenn ich reinkomme.“ Die Stimmung stimmt. Dass das nicht nur auf Bestellung so ist, zeigt der weitere Verlauf des Abends. Mit dem hochkarätigen Musik- und Talkprogramm, das der NDR als neuer Medienpartner des Schützenfestes erstmals in dieser Form zusam-

mengestellt hat, treffen die Verantwortlichen unüberhör- und unübersehbar den Publikumsgeschmack. Die Fernsehshow im Festzelt ist der prominent besetzte Auftakt für ein neues Konzept, mit dem wieder mehr Besucher auf den Platz gelockt werden sollen.

Los geht es mit Kunze und seinem Popklassiker „Dein ist mein ganzes Herz“. Textsicher (und schunkelfreudig) zeigen sich die Gäste auch beim Auftritt von Klaus & Klaus, die ihre bewährte musikalische Version der Nordseeküste mit an die Leine gebracht haben. Marquess be-

Machen Musik: Heinz Rudolf Kunze, Sascha Pierro von Marquess, das Duo Klaus & Klaus sowie das Trio Schwesterherz (von links im Uhrzeigersinn) bewiesen im Herrenhäuser-Zelt, dass das Schützenfest auch showtauglich ist.

weisen einmal mehr, dass der viel zitierte Spruch von Oberbürgermeister a. D. Herbert Schmalstieg zutrifft: Die Hannoveraner sind die Spanier des Nordens. Nett auch zu wissen, dass es in Bad Zwischenahn ein singendes Trio namens Schwesterherz gibt – und dass die drei jungen Frauen echte Schwestern sind. Die Show wird am gleichen Abend unter dem Slogan „Echt was los auf dem Schützenplatz“ zeitversetzt ausgestrahlt. Doch die Künstler singen live. Auch die Gäste dürfen ihr Talent testen: Zur Melodie des Bonnie-Tyler-Hits „It’s a Heartache“ flimmern so schöne Karaoke-Textzeilen über die Leinwand wie „Niedersachsen, wir sind alle Niedersachsen / Hexen auf dem Brocken / Lena aus Hannoooooover“. Bille, Lutz, Lilly und Pauline Götting haben mitgesungen. Die Familie aus der List gehört zu den von Timaeus kurzfristig und kostenfrei unters Zeltdach gelotsten Zuhörern. Fast anderthalb Stunden später sind die vier sich einig: Es hat sich gelohnt. „Das war das erste Programm in einem Schützenfestzelt, von dem Eltern und Kinder etwas haben“, sagt Bille Götting. Der reguläre Eintrittspreis von 20 Euro scheint ihr aber zu hoch. Für Lars Schröder stimmt das Preis-LeistungsVerhältnis: „Das war rundum okay.“ Er ist einer von etwa 200 Gästen, die sich Karten besorgt haben. Die anderen 300 sind auf Einladung der Stadt, von Sponsoren oder eben von Timaeus persönlich dabei. Ob das gerecht ist, will er am Sonnabend nicht diskutieren. Auf jeden Fall plant der NDR eine Neuauflage 2012 – dann soll im Vorfeld mehr Werbung gemacht werden.

Wetter bremst Start der neuen Mitte Das Urteil fällt einhellig aus: Den kalten, von Dauerregen begleiteten Sonnabendabend würden die Wirte, die ihre Biergärten, Bühnen und anderen Freiluftangebote in der neu gestalteten Mitte des Schützenplatzes aufgebaut haben, am liebsten aus dem Kalender streichen. „Das war für 90 Prozent der Betreiber eine Katastrophe“, sagt Ralf Beister von der DAX-Bierbörse. Er selbst war noch zufrieden, weil die Gäste in dem Partyzelt mit Gilde-Ausschank Zuflucht vor den Schauern suchten. Wer kein Zeltdach bieten konnte, stand schlechter da. Dabei hatten sich alle einen sonnigen Start für die neue Mitte gewünscht. Die Schützenfest-Neulinge vom Lindener GiG und der Philharmonie, die auf Livemusik setzen, ließen sich die Laune dennoch nicht verderben. Das galt auch für besonders wetterfeste Gäste: „Selbst bei Starkregen haben hier noch 40 bis 50 Leute gestanden“, sagt GiG-Chef Michael Solms. Der Eröffnungsabend am Freitag sei dagegen „richtig super“ gewesen. Zufrieden mit dem Freitag zeigte sich auch Schützenfest-Profi Claus Bähre, der das Rundteil in diesem Jahr als einziger Betreiber bewirten darf. Gut 800 Sitzplätze unter freiem Himmel bietet er an; 400 Plätze sind überdacht, doch selbst dort kamen die Gäste am Sonnabend nur spärlich. Am Sonntag sei die Stimmung auf dem Platz schon deutlich besser gewesen, sagt Bähre. Nicht nur er hofft, dass sich das jetzt von Tag zu Tag steigert. jk


Hannover

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HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

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USA als Vorbild

M

it ihren Trommeln, Posaunen und Trompeten unterscheidet sich die Flying Marching Band auf den ersten Blick kaum von anderen Kapellen. Doch die sogenannten Shakos, die die Mitglieder auf ihren Köpfen tragen, deuten auf eine Besonderheit hin. Die zylindrischen Hüte mit dem üppigen schwarzen Federschmuck stammen aus den USA. Es sind denn auch amerikanische Marching Bands, die sich die hannoversche Blaskapelle zum Vorbild genommen hat. Auch das virulente Showtanzen mit blauen Flaggen ist häufig bei amerikanischen Paraden zu sehen. „Die Tänzerinnen bebildern unsere Musik“, sagt Detlev Heuse, der zweite Vorsitzende der Band. „Sie können Säbel, Gewehre und Kanonenfeuer darstellen.“ sn

Mit tollem Gefühl Gut verpackt und gut bezopft: Auch die Funkenmariechen aus dem Karneval gehörten zu den vielen Teilnehmern, die mit den Schützen marschierten.

Mexiko bringt die Sonne in den Ausmarsch.

Wenn Politiker sich krallen lassen VON S TEFANIE K AUN E

D

Zwei mit einer Leidenschaft: OB Stephan Weil und Schützenpräsident Paul-Eric Stolle.

In Bewegung: Rita Pawelksi und Hauke Jagau üben sich in der „Welle“.

Die „Popstars“ des Ausmarsches: Philipp Rösler und Ursula von der Leyen.

rei der Gäste, die sich auf der VIPTribüne am Schützenplatz niederließen, konnten sich ein wenig anders fühlen als sonst nach einem Ausmarsch. Denn sie sind seit gestern alle Träger der „Goldenen Kralle“. Das heißt, sie dürfen sich fortan ein verschnörkeltes Abzeichen anheften, über dessen Ästhetik sich streiten lässt, das aber signalisiert, was sich Politiker in Hannover gern nachsagen lassen: „Treue zum Schützenwesen“. Mit diesem Lob wurden Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, Regionspräsident Hauke Jagau und die FDP-Bundestagsabgeordnete Claudia Winterstein gestern von Oberbürgermeister Stephan Weil bedacht, der seinerseits beim Ausmarsch 2011 noch mehr Blumen und Küsschen verteilt haben dürfte als sonst. Die Arbeitsministerin hatte wie bei vielen Gelegenheiten eine Geschichte aus ihrer großen Familie parat: „Vor 33 Jahren hat schon mein Vater, dessen 81. Geburtstag wir am Sonnabend nachgefeiert haben, die Kralle bekommen“, sagte sie über Ernst Albrecht, den ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten. Sozialdemokrat Jagau freute sich auf seine Art: „Besser als das Bundesverdienstkreuz“, scherzte er, während sich Wolfgang Jüttner, Parteifreund, Landtagsabgeordneter und langjähriger „Krallenträger“, fragte, „ob mein Abzeichen nach all den Jahren eigentlich immer noch gültig ist“. Stefan Schostok, Jüttners Nachfolger als SPD-Fraktionschef, sieht sich wie Parteifreundin Kerstin Tack aus dem Bundestag indessen auch den mitmarschierenden Kleingärtnern verbunden, insbesondere dem gemeinsamen Verein „Flora List“. Von der Leyen fühlte sich auf ihrem Tribünenplatz sichtlich wohl zwischen Hannovers CDU-Vorsitzendem und Landtagsmitglied Dirk Toepffer und Jens Seidel, Ratsfraktionschef der Partei. Passend zur Bundeskoalition saßen auch Patrick Döring, FDP-Fraktionsvize im Bundestag, und die christdemokratische Abgeordnete Rita Pawelski nicht weit entfernt. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler wollte sich vor der liberalen Parteiklausur später am Tag in Potsdam noch um seine Familie kümmern und verabschiedete sich nach dem Ausmarsch. Von

der Leyen indessen drehte eine Art Ehrenrunde, indem sie sich nach dem Marsch im VIP-Tross bei der Schützengilde Kirchrode von 1836 neu einreihte: „mein Wahlkreis“. Das war aber noch nichts gegen den CDU-Ratsherrn Hannes Hellmann, der bei der Schützengilde und zwei weiteren Vereinen mitmachte und somit richtig am Rotieren war. Einer mit der längsten Ausmarscherfahrung dürfte SPD-Ratsmitglied Stefan Politze sein, der mit drei Jahren erstmals mit der SG Davenstedt unterwegs war und seinen heute elfjährigen Sohn Luca ähnlich früh mitgenommen hatte. Erst

seit sieben Jahren dabei ist SPD-StadtChef Alptekin Kirci, Mitglied des Schützenvereins Vinnhorst 07. Für einen Politiker mit türkischen Wurzeln ist so eine Mitgliedschaft nicht zwingend an der Tagesordnung. „Ich musste einige Vorurteile abbauen“, sagte Kirci – und meinte damit die seinen gegenüber dem Schützenwesen. Für die interkulturelle Verständigung stand auch ein weit gereister Gast, der auf Einladung von Innenminister Uwe Schünemann gekommen war: Xoliswa Tom, Sport- und Kulturministerin des Eastern Cape, der südafrikanischen Partnerprovinz von Niedersachsen.

Sehen und gesehen werden VON S TEFANIE NICK EL

Käse, Wurst und Schmalzbroten sowie Sekt für die Damen und Bier für die Wenn es nach ihm gegangen wäre, Herren. Und auch Hans Rüth ist die hätte Hans Rüth sich gestern Morgen im Freude anzusehen, als die ersten BlasBett einfach noch einmal umgedreht kapellen vorbeiziehen. „Ich find’ das ja und hätte noch ein wenig geschlafen. toll, dass meine Frau mich ein wenig zu Schließlich war es meinem Glück ein regnerischer, zwingt“, sagt er. trüber und kalter Für die „LustTag. Aber wenn der wandler“, die den Schützenausmarsch Schützen aus der ansteht, dann geht ersten Reihe des es eben nicht nach Teestübchens mit Hans Rüth, sondern silbernen Kelchen nach seiner Frau entgegenprosteten, Heide. Und für die kam eine regenfeste 67-Jährige kommt es Ausrüstung hingeganz und gar nicht gen nicht infrage. infrage, am Tag des Schließlich war SchützenausmarHobbydesignerin sches im Bett zu bleiHeike Riedmann ben. „Ich bin seit Barock gewandet: Frieda (v. l.) und Hel- nicht als stille Beobmeiner Kindheit als mut Müller, Manfred Hecht und Heike achterin mit ihren Zuschauerin dabei“, Riedmann. Freunden zum sagt sie. „Und den Schützenausmarsch Spaß lasse ich mir von dem bisschen Re- gekommen. In ihren barocken Kostügen bestimmt nicht nehmen.“ men wollte die Gruppe auch selbst die Und so setzte sich die Schützenfestbe- Blicke auf sich ziehen. Alljährlich resergeisterte dann auch durch. Pünktlich viert das Teestübchen aus diesem Grund um 9.30 Uhr saßen Hans und Heidi Rüth einen der begehrten Plätze für die „Lustmit ihren Freunden Ruth Stampfel und wandler“. Und jedes Jahr überlegt sich Herbert Kowski unter großen Regen- Riedmann eine neue Epoche, die sie als schirmen auf der Tribüne vor der Oper. Vorbild für die Kostüme nehmen kann. Seit über 25 Jahren nehmen sie dort ge- „Mit den Perücken und Hüten sind wir meinsam Platz. Mit dabei haben sie stets aber auch ganz gut gegen den Regen geeinen gut gefüllten Proviantkorb mit wappnet“, sagt sie.

F

ür Ben Tromp und seine niederländischen Freunde ist das hannoversche Schützenfest eine riesige Party. Das liegt nicht nur am Bier, das sie zuhauf in ihrem Bollerwagen verstaut haben. „Ich habe auf dem Schützenausmarsch immer ein tolles Festgefühl“, sagt Tromp, der am Sonnabend mit der Kapelle aus Utrecht angereist ist. Und die Blaashinkels Utrecht Holland leisten einen Beitrag zu der ausgelassenen Stimmung. In landestypischen Trachten und Clogs wollen sie niederländische Feierfreude verbreiten. Das tut dann jeder auf seine Weise. Während die Frauen Saxofon spielen, muss Tromp, der ein weiß-orange gemustertes Sakko und eine weite Schlaghose trägt, nur schön aussehen – und den Biervorrat im Blick haben. sn

DAS IST HEUTE LOS 18 Uhr: Zug der Kleingärtner vom Bahnhof zum Schützenplatz 18.30 Uhr: Damenrundgang 19 Uhr: Wahl der ersten hannoverschen Gartenkönigin mit Auftritt von Comedykünstlerin Daphne de Luxe, Herrenhäuser Zelt 19 Uhr: Maschgold, Dokmalou, Weltraumbiwak und Zeilenstorno, Bühne GiG und Philharmonie 19 Uhr: Blechblos’n, Herrenhäuser Zelt 19 Uhr: Kult-Party, Alt-Hanovera 19 Uhr: Bierzeltgaudi mit Andreas Autengruber und den Enzianer’n, Festhalle Marris 20 Uhr: Ausgabe der Schilde des ersten Tages, Festhalle Marris 20 Uhr: Gene Pascale, GaypeopleZelt

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Hannover

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

HAZ

LESER

Auch der Bratwurstverkäufer am Kröpcke fand Eingang in das Fotobuch „Hannover“.

Hannah Suppa kümmert sich um Ihre Zuschriften

Schön und kühl

Ihre Meinung ist auch unter Facebook und Twitter gefragt.

Ein schöner Lernerfolg! Der Polizeibeamte setzt ein Signal des Hinschauens. Knapp zwei Drittel der Klasse schienen seine Erklärung verstanden zu haben. Die sofortige Konfrontation hat bei den Schülern sicherlich einen großen Lerneffekt gehabt. Ich

In seinen ersten beiden Fotobüchern hatte sich der hannoversche Fotograf Michael Narten ganz auf die schwarzweiße Fotografie beschränkt. Jetzt legt er im Verlag Leuenhagen & Paris einen eher konventionellen, farbigen Band mit einem etwas spröden Titel vor: Hannover. Wie der Verleger betont, ein Werk, dessen Texte in Deutsch, Englisch und Spanisch erscheinen. Man merkt den Bildern an, dass der Fotograf auch Grafiker ist. Alle sind geradezu makellos in ihrer Linienführung. Narten kennt seine Stadt. Es fehlt kein wichtiges Motiv, es fehlt keine Lichtstimmung und keine Jahreszeit. Die technische Umsetzung zählt zum Besten, was im Bereich der hannoverschen Fotobücher am Markt ist. Es fehlt allein der Hannoveraner. Menschen sind bei Narten nur Personal, das seine Motive immer an den richtigen Stellen ergänzt. Die Bilder sind klar, viele auch schön, aber Lebensfreude klammert dieses Buch konsequent aus. Narten bleibt stets auf Distanz. Ein großes, lachendes Gesicht gibt es hier nicht. Und es menschelt eigentlich nur ein bisschen bei dem wandelnden Bratwurstverkäufer am Kröpcke im Abendlicht. Die Texte passen dazu. Auch sie sind präzise, aber kühl und emotionslos. Narten und sein Koautor wollten wohl ganz bewusst ein informatives Buch machen, das dem Gast und Leser kurz und bündig die wichtigsten Bilder und Informationen über Hannover mitteilt. Und das ist ihnen auch ohne Frage gelungen. Das Fotobuch „Hannover“ ist im Verlag Leuenhagen & Paris erschienen, hat 72 Seiten, kostet 9,95 Euro und ist in allen hannoverschen Buchhandlungen zu haben.

Mit Pauken und Trompeten Kindermusikfest des NDR

Herr Jagau erweist sich bei der Aufkündigung der Trägerschaft für das Theater für Niedersachsen einmal mehr als ein Meister der überraschenden und eigenwilligen Entscheidungen und der Überrumplungstaktik. Unverständlich bleibt, warum sich fast alle Fraktionen auf dieses Spiel eingelassen haben und sich offensichtlich zu einer unvorbereiteten Entschließung nötigen ließen. Dieses ist umso befremdlicher, da es hierbei nicht um irgendeinen beliebigen Haushaltsposten ging. Inwieweit sich die avisierte Vertragsneuverhandlung nicht nur als Hinhaltetaktik erweist, wird sich zeigen. Letztendlich hängt das Schicksal von fast 300 Familien und der kulturellen Landschaft ganz Niedersachsens davon ab. Solch gravierende Konsequenzen hätten durchaus mehr Sorgfalt verdient. Insbesondere, da die eingesparten Gelder in keinem Verhältnis zu dem dann erzeugten Schaden stehen, scheint es mir dringend geraten, in dieser Angelegenheit den Beschluss noch einmal gründlich zu überdenken. Hildesheim Hagen Heuer

Das Letzte seiner Art Zu dem Bericht „Das Autokino kehrt zurück“ vom 28. Juni:

In Ihrem Artikel schreiben Sie, dass das letzte Autokino Niedersachsens vor 14 Jahren seine Pforten schließen musste. Das ist nicht ganz richtig, denn im Jahr 2001 wurde das Autokino Kirchhorst neu eröffnet. Auch wenn diese Wiederbelebung nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt war, so war wahrscheinlich das Kirchhorster Autokino das letzte seiner Art in Niedersachsen. Hannover Ulrich Hoseas

VON JULI AN E K AUN E

Nach einem erneuten Treffen ist das Missverständnis zwischen den Schülern der 6B der Wilhelm-Raabe-Schule und einem Polizisten inzwischen wieder ausgeräumt. Beyer

Fehlendes Gespräch

Einfache Beleidigung

Eltern reagieren falsch

In dem Bericht vermisse ich, dass die Lehrerin ihre Aufsichtspflicht nicht erfüllt hat und auch ihrer pädagogischen Aufgabe nicht nachgekommen ist, ein vermittelndes Gespräch mit der Klasse und dem Polizisten zu führen. Am Ende steht der Polizist als Sündenbock da, und das ist für mein Empfinden falsch. Zunächst einmal sollte sich die Lehrerin fragen, wie sie sich hätte verhalten müssen. Denn nur durch ihr Fehlverhalten ist das Fehlverhalten der anderen möglich geworden. Ich bin selbst Lehrerin, und mich entsetzt, dass das Fehlverhalten des Polizisten so in den Mittelpunkt gerückt wird. Hannover Marie-Luise Eidam-Bek

Einen Straftatbestand der „Beamtenbeleidigung“ gibt es in unserem Rechtssystem nicht. Es ist wohl nicht auszurotten, dass dieser Rechtsirrtum, der auf mittelalterlicher Rechtssprechung beruht, immer noch im Volksglauben grassiert. Wenn der betroffene Beamte dies so ausgeführt haben sollte, so irrt er und sollte entsprechend belehrt werden. Wenn mich jemand „Ochse“ oder „Wildsau“ nennen würde, so wäre damit der Tatbestand der Beleidigung erfüllt. Die Bezeichnung „Bulle“ steht metaphorisch unfein zwar für einen Polizisten, ist aber lediglich eine einfache Beleidigung. Wedemark Horst A. Düe

Hätte der beschimpfte Polizist weitergehen und so dem ungezogenen Schüler vermitteln sollen, man dürfe andere ungestraft beleidigen? Wenn jemand falsch reagiert hat, dann die Eltern, die Strafantrag gestellt haben. Wäre es nicht Anlass gewesen, ihren Kindern beizubringen, dass man andere nicht beleidigt? Hannover Gerhard Nemetschek

Pinsel Brennecke * 02. 05. 1943

geb. Popp * 23. 12. 1918

wir wünschen Dir alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag!

† 28. 06. 2011

Im Namen aller Angehörigen Silke Hoffmeister

† 12. 06. 2011

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Wie es ihr Wunsch war, fand die Urnenbeisetzung in aller Stille statt. Betreuung: Garvens Bestattungswesen, Gerhardtstr. 4, 30167 Hannover

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denn nur du machst mich zum glücklichsten menschen der ganzen welt

ich liebe dich dein babe Hannover, 04. Juli 2011

Wir gingen einen langen Weg gemeinsam, aber er war doch zu kurz.

Gerhard Cebulla * 15. 11. 1928

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Wir sind sehr traurig.

Verlobung, Hochzeit, Geburt. ! Alle sollen es wissen! Durch eine Familienanzeige in dieser Zeitung!

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Hans Heinrich Luxat † 7. 7. 1997

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Offenes Verfahren nach VOL/A Die Klinikum Region Hannover GmbH beabsichtigt im Rahmen einer Erweiterung und eines Umbaus des Klinikum Neustadt am Rübenberge folgende Leistungen zu vergeben:

Opas alte Violine hat Maximilian schon oft getestet. Doch die hat keine Saiten mehr, und darum war der Vierjährige nicht so richtig überzeugt von dem Instrument. Das hat sich am Sonnabend geändert. Da konnte er endlich mal eine funktionstüchtige Violine ausprobieren, und der entlockte er sogar Töne. Papa Reinhard Meyer war darüber mindestens ebenso stolz wie sein Sohn. Beim Kindermusikfest der NDR-Radiophilharmonie gab es keine Berührungsängste: Alle Instrumente, die das Orchester und die Musikschule Hannover im Landesfunkhaus bereitgestellt hatten, durfte der musikalische Nachwuchs eingehend testen. Ob das Pauken und Trompeten waren, ein Kontrabass oder sogar eine Harfe – den jungen Gäste stand es frei, ihre Talente zu erkunden. Xenia zeigte sich besonders kreativ. Weil sie sich den Fuß verstaucht hatte, kam die Achtjährige auf Krücken angehumpelt und nutzte diese, um einem großen Gong ganz spezielle Töne zu entlocken. Gern würde sie künftig das Klavierspielen erlernen, vielleicht aber auch das Musizieren auf einem Blasinstrument: „Das muss ich mir noch überlegen.“ Till und Philipp haben ihre Wahl getroffen: Der Achtjährige spielt bereits Klavier, sein ein Jahr jüngerer Bruder Gitarre. Beim Musikfest erprobten sie zur Abwechslung mal das Fagott. Doch die beiden sind sich mit ihren Eltern Insa und Arnd Cornelius einig: Besser ist es, ein Instrument richtig gut zu beherrschen als zwei nur halbwegs. Wie weit man es bringen kann, konnten die jungen Musikliebhaber mit ihren Müttern und Vätern später im voll besetzten Großen Sendesaal des Funkhauses hören: Zum Abschluss des Festes spielte zweimal die Radiophilharmonie vor 1200 Zuhörern auf – beide Konzerte waren ausverkauft.

Verschiedenes

ELTERN AUFGEPASST! Suche Nebenjob als

Die Trauerfeier fand im engsten Kreise statt.

Wir sind traurig! Volkmar, Jutta, Marcus und Laura

Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, muss die Redaktion Leserbriefe gelegentlich kürzen.

Minijobs Gesuche

Einschlafen dürfen, wenn man müde ist und eine Last fallen lassen dürfen, die man lange getragen hat, ist eine wunderbare Sache.

Hermine Jaki

Danke, dass es DICH gibt Marianne

Maximilian testet die Violine, Guido Eva von der Musikschule hört zu. Steiner

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Hermann Hesse

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wachsenen gerechnet, die sich gleich aufblähen und ihr eigenes Versagen in einer Strafanzeige haben münden lassen. Ich wünsche mir mehr solche engagierte Polizeibeamte. Hannover Detlev Garbe

Zu dem Bericht „Zukunft des Theaters wird zur Chefsache“ vom 24. Juni:

VON H ANS -P ETER W IECHERS

Deine Töchter Kerstin & Melanie

gehe davon aus, dass sowohl der Schüler, der sich entschuldigt hat, als auch die anderen Schüler nicht erneut ein solches Verhalten an den Tag legen werden. Was für ein schöner Lernerfolg! Aber leider hat der Polizeibeamte nicht mit den Er-

Gravierend

Neues Hannover-Buch

Liebe Mama,

Zu dem Bericht „Schlechte Umgangsformen“ vom 30. Juni über einen Schüler, der einem Polizisten die Worte „Ey, du Bulle“ zugerufen hat, und die darauf folgende Reaktion des Beamten haben uns zahlreiche Leserbriefe erreicht, von denen wir hier einige in Auszügen veröffentlichen.

FORUM

Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit, und senden Sie uns Ihre Beiträge an die HAZ-Redaktion Leserforum 30148 Hannover. Oder mailen Sie: Leserforum@haz.de

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

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Gesundheit

NR. 153 · MONTAG, 4. JULI 2011

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Das sieht doch gut aus! Ein Brustaufbau nach Krebsoperation kann das Körpergefühl verbessern – entscheiden muss aber die Frau VoN Nicola Z ellmer

GefoRscht & Gefunden

Neue Strategie gegen Blutkrebs Durch die Blockade eines Botenstoffes lässt sich die Überlebensrate bei chronischem Blutkrebs steigern. Das haben Forscher der chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg in Versuchen an Mäusen herausgefunden und im Magazin „Cancer Cell“ publiziert. Der Botenstoff kann mit Hilfe von Antikörpern blockiert oder genetisch ausgeschaltet werden. Außerdem zeigten die Wissenschaftler, dass bei Patienten, die an chronisch myeloischer Leukämie (CML) leiden, Knochenmarkzellen verstärkt diesen Botenstoff bilden. Dieser sogenannte PIGF sorgt dafür, dass sich die Leukämiezellen ausbreiten können. Der PIGF-Blocker wirkt ergänzend zu dem derzeit wirksamsten Medikament Imatimib und verlängerte im Versuch das Überleben der Mäuse. mpr

Gesund und fit Viele Menschen greifen zu Selbstbräuner, um zu Beginn des Urlaubs nicht durch helle Haut zu sehr aufzufallen. Doch wer eine gleichmäßige und möglichst natürlich wirkende Bräune erreichen will, sollte ein paar Tipps zu beachten. So ist vor dem AuftragendesSelbstbräuners am besten ein Körperpeeling durchzuführen. Dadurch werden abgestorbene Hautschüppchen entfernt. Besonders die Fersen, die Knie und Ellenbogen sind gut zu behandeln, da sie eine dickere Hornschicht haben und sich deshalb durch die Bräunungslotion dunkler färben. Nicht selten werden zudem die Innenseiten der Unterarme oder der Hals ausgelassen, wodurch ein deutlicher Kontrast zum gebräunten Körper entsteht. Nach dem Auftragen der Lotion sollte man die Hände gründlich waschen. dpa

R At u n d tAt Infos zu chronischem Schmerz: Chronische Schmerzen belasten den Alltag. Hilfe für Betroffene möchte ein neuer Ratgeber leisten. Die Broschüre „Tipps bei Schmerzen von Patienten für Patienten“ der Initiative Schmerz bietet eine praktische Hilfestellung im Umgang mit dem Leiden. Der Ratgeber kann über die Webseite der Initiative Schmerz messen www.schmerzmessen.de oder per Post bei der Initiative Schmerz messen, c/o Deutsche Schmerzliga, Adenauerallee 18, 61440 Oberursel, bestellt werden. mpr Lieblingskuchen leicht gemacht: Der Käsekuchen ist mit Abstand das beliebteste Gebäck auf deutschen Kaffeetafeln. Für alle, die gerne selbst aus frischen Zutaten backen hat der Dr. Oetker Verlag in dem Buch „Käsekuchen“ (9,95 Euro) die besten Rezepte mit Quark, Frischkäse und Mascarpone zusammengestellt. Die Palette der Rezepte reicht von Omas klassischer Eierschecke mit Rosinen über den gehaltvollen amerikanischen Creamchease-Heidelbeerkuchen bis zur exotischen Ananas-Ingwer-Käsetorte. Eine unerschöpfliche Fundgrube für Käsekuchenliebhaber! Schnell zur Sommerfigur: Ohne Fleiß kein Preis – das gilt auch für eine bikinitaugliche Figur. Wer sich einen flachen Bauch wünscht, sollte also beizeiten mit Gymnastik anfangen. Wie es geht, verrät Carla Bennini in ihrem Buch „Bauch-weg-Quickies“ (blv Verlag, 12,95 Euro). Die Übungen zielen allesamt auf einen maximalen Effekt an den Bauchmuskeln. Dabei ist das kompakt gehaltene Training für Einsteiger ebenso tauglich wie für Fortgeschrittene. Variieren lässt sich der Schweregrad der Übungen einfach durch geringfügige Abwandlungen. Verantwortlich: N icola Z ellmer 48. Fortsetzung Ich wollte meinen Finger auf den Knopf legen und es Bo endlich sagen, doch ich drückte die Klingel nicht durch, etwas hielt mich zurück, eine Unentschlossenheit, ein leiser Zweifel, und vor allem war es Angst. Ich hatte Angst, es Bo zu sagen, denn dann könnte Bo sagen, nein, Ada, und das konnte er nicht in mein Schweigen. Dass er es doch gekonnt hatte, war noch nicht bis in mein Bewusstsein gedrungen. Eine kleine Veränderung vielleicht, ein vorsichtiges Innehalten, das mich die Haustür nehmen ließ und nicht den vertrauten Eingang, aber nicht mehr. Außerdem war es unmöglich, doch nicht jetzt, gerade jetzt, wo ich die haarigen Euter anfassen mochte und mich an eine Kuh gelehnt hatte, die warm war und weich. Ich ließ meinen Blick nervös schweifen über das Dach des Stalls, die Autos, den Briefkasten, die steinernen Stufen. Schließlich blieb er hängen in den Tannen, und ein eisiger Wind brachte die Äste in

M

an muss schon ganz genau hinsehen. Denn auf den ersten Blick oder aus ein paar Metern Entfernung ist überhaupt nicht zu sehen, dass die linke Brust von Sabine Schulz (Name geändert) nicht mehr ihre eigene ist. Nach einer Brustkrebsoperation im Jahr 2005, bei der die Brust komplett amputiert werden musste, hatte sich die heute 56-jährige Hannoveranerin für eine Rekonstruktion des lateinisch „Mamma“ genannten Körperteils aus einem Teil des Bauchmuskels entschieden. „Nach der Operation war ich erst völlig down und wollte überhaupt nichts“, berichtet Schulz. Eine Haltung, die sie mit vielen anderen Brustkrebspatientinnen teilt. Doch dann entschied sich die 56-Jährige doch für eine Brustrekonstruktion. „Ein Brustaufbau aus Eigengewebe, das klang doch gleich besser als ein Silikonimplantat – und ganz ohne Brust wollte ich dann doch nicht sein.“ Inzwischen hat sich die Hannoveranerin an ihren neuen Körperteil gewöhnt und freut sich wieder über bewundernde Blicke, wenn sie ein tief ausgeschnittenes Dekolleté trägt. „Bis es so weit war, hat aber schon ein paar Jahre gedauert“, räumt sie ein. Trotz des meist guten oder zumindest akzeptablen Ergebnisses eines Brustaufbaus entscheiden sich heute aber immer noch die wenigsten Brustkrebspatientinnen wie Sabine Schulz. „Es kommen nicht mehr als zehn Prozent der Frauen, denen die Brust abgenommen werden musste, zur Brustrekonstruktion“, erklärt Alexander Moser, leitender Oberarzt des Brustzentrums im Nordstadtkrankenhaus des Klinikums Region Hannover, der eng mit den weiteren drei Brustzentren in Alles in Ordnung: Oberarzt Alexander Moser bei der Nachuntersuchung der rekonstruierten linken Brust von Sabine Schulz. Die kleinen Bilder zeiHagemann (3) der Medizinischen Hochschule Hanno- gen den Zustand vor (rechts) und nach dem Brustaufbau im Nordstadtkrankenhaus. ver (MHH), in Gehrden und in Großburgwedel kooperiert. kel, wobei es beim Bauchgewebe zwei Die Gründe für diese Haltung kön- unterschiedliche Ansätze gibt. „Die nen individuell ganz unterschiedlich Schwierigkeit, der Aufwand und die sein. Manche Frauen entscheiden sich Komplikationsrate steigt vom Implannach der Krebstherapie bewusst für tat bis zur freien Bauchplastik“, erein neues Leben ohne Brust, andere klärt der Oberarzt aus dem Nordstadtempfinden den Gedanken krankenhaus. an einen künstlich modelMosers Spezialität ist die lierten Körperteil als „Die Entscheidung sogenannte gestielte Lapfremd. Ein großer Teil der penplastik aus Rückengemus in der Patientinnen sei aber einwebe. Dazu entfernt er eifach nur nicht ausreichend nen Hautlappen nebst FettFrau wachsen“ informiert oder hege eigewebe und Muskelanteigentlich unnötige Vorurteile, ist Moser len aus dem Rücken und setzt diesen in sicher. So wüssten viele Frauen nicht, die Fehlstelle an der Brust. Das Beson- der nun kompliziertere Eingriff etwa Stielplastik (TRAM-Lappen), andererdass die Brustrekonstruktion als Teil dere: Der Hautlappen wird unter der drei Stunden, wenn der Lappen eben- seits dauert der Eingriff aber auch der Krebsbehandlung problemlos von Achsel hindurch nach vorne zur Brust falls über einen Gewebestiel weiter durchschnittlich sechs bis acht Stunder Krankenkasse erstattet werde, sagt gezogen, bleibt aber über einen schma- durchblutet und innerviert wird. Bei den und rund zehn Prozent der DIEPder Oberarzt, der gemeinsam mit sei- len „Stiel“ aus Gewebe mit dem Körper der freien Bauchplastik dagegen wird Implantate sterben später ab, weil sie nen Kollegen aus der Region auch ärzt- verbunden, sodass die Versorgung des die Blutzufuhr gekappt und zwei oder doch nicht gut genug mit Blut versorgt liche Weiterbildungsveranstaltungen Implantats mit Blut und Nervenimpul- drei Gefäßanschlüsse am Implantat werden. zur rekonstruktiven Mammachirurgie sen gewährleistet ist. Diese Operation werden später in einer mikrochirurgiWelche Methode gewählt wird, ist für anbietet. benötigt etwa zwei bis drei Stunden und schen Operation neu mit Blutgefäßen Moser immer eine individuelle EntTechnisch gibt es drei Methoden für ist mit einem geringeren Risiko verbun- in der Achsel oder hinter dem Brust- scheidung – die unter anderem von den den Brustaufbau: Ein Silikonimplan- den als eine Bauchplastik. bein verbunden. Bei dieser DIEP-Me- anatomischen Voraussetzungen abtat, einen Wiederaufbau aus dem RüWird der Haut-Muskel-Lappen aus thode wird einerseits die gerade Bauch- hängt. „Wer eine Bauchplastik möchte, ckenmuskel oder aus dem Bauchmus- der Bauchdecke entnommen, dauert muskulatur weniger verletzt als bei der sollte schon etwas Bauchfett mitbringen“, sagt er. Will eine Patientin andererseits bezüglich des Operationsrisikos auf Nummer sicher gehen, empfiehlt der Oberarzt ein Silikonimplantat. Grundsätzlich rät Moser den Brustkrebspatientinnen, sich kritisch zu inVoN Nicola Z ellmer bärmutter-, Haut- oder Prossagt Hadamitzky. Mit dieser formieren und im Zweifelsfall eine tatakrebs können LymphödeMethode heilen laut einer Zweitmeinung einzuholen. „Ich dränge ymphknoten arbeiten normalerwei- me als Folge der Therapie Studie 40 Prozent der Lymph- eine plastische Rekonstruktion niese im Verborgenen. Ohne groß auf- auftreten. ödeme ab, 58 Prozent verbes- mandem auf“, betont er. „Der Wunsch zufallen, filtern diese Organe an vielen Bei den Patienten machen sern sich und nur zwei Pro- dazu muss immer in der Frau wachsen Stellen im Körper die Lymphe, also das sich die fehlenden Lymphzent bleiben unverändert. – auch wenn das manchmal ein oder Gewebswasser, und sie sind zudem Teil knoten etwa durch angeZudem sank bei 98 Prozent mehrere Jahre dauert.“ Die fortlaufendes Immunsystems. Bemerkbar machen schwollene Arme oder Beine, der Patienten mit schweren de Auswertung der Operationen im sich die Lymphknoten vor allem dann, die die Beweglichkeit verLymphödemen die Zahl der Brustzentrum am Nordstadtkrankenwenn sie nicht mehr arbeiten: dann mindern, unangenehm beInfekte drastisch. haus zeigt jedoch, dass rund 90 Prozent staut sich die Gewebsflüssigkeit in den merkbar. Auch haben die BeIm Tierversuch haben die der Patientinnen später mit dem ErZellzwischenräumen und lässt die ent- troffenen häufiger InfektioMHH-Forscher darüberhi- gebnis des Brustaufbaus zufrieden sind sprechenden Körperstellen in Form ei- nen. „Mit einer Physiotheranaus bereits erfolgreich eine – selbst wenn die Brust dann nicht nes Lymphödems anschwellen. pie lässt sich die Situation Expertin fürs Lymph- Weiterentwicklung der Me- mehr genau so aussieht wie zuvor. Derartige Lymphödeme sind der For- zwar verbessern, aber die Be- system: Catarina Ha- thode getestet: Sie verpflanMoser gibt allerdings auch zu bedenMHH zen nur noch Lymphknoten- ken, dass die Brüste nicht nur für das schungsschwerpunkt von Catarina Ha- handlung ist sehr aufwendig damitzky. damitzky von der Klinik für Plasti- und die Patienten müssen fragmente, die dank Wachs- ästhetische Körperempfinden eine Rolsche-, Hand- und Wiederherstellung- sehr diszipliniert sein“, sagt Hadamitz- tumsfaktoren aus dem Blut wieder zu le spielen, sondern auch für die Körschirurgie an der Medizinischen Hoch- ky. Zudem beseitige die Therapie nicht ganzen Lymphknoten heranwachsen. perbalance. „Wenn eine Dysbalance schule Hannover (MHH). „Leider gibt es den Grund für die Schwellungen. „Es Ob sich diese Methode mit ienem ebenso entsteht, weil eine Frau auf einer Seite dazu bislang nicht sehr viel Forschung“, ist keine Heilung, nur eine Behandlung guten Erfolg auch beim Menschen ein- noch eine große Brust hat, die andere sagt die Ärztin, die an der MHH auch der Beschwerden.“ setzen lässt, wollen die Mediziner dem- Brust aber amputiert wurde, entstehen eine Lymphologie-Sprechstunde anbieHadamitzky und ihre Kollegen ver- nächst in einer weiteren Studie erfor- häufig Verspannungen und Wirbelsäutet. Besonders wichtig sei das Thema für folgen daher seit gut einem halben Jahr schen. lenprobleme“, hat der Oberarzt beobKrebspatienten, da Krebszellen sich einen anderen Ansatz, der in Paris entachtet. Catarina Hadamitzky studierte Humanhäufig in den Lymphknoten ansiedeln wickelt wurde: die LymphknotentransWeitere Informationen zu Brustamputamedizin an der Universidade Clássica de und diese dann bei einer Operation mit plantation. Dabei werden Gewebelaption und Brustaufbau gibt die Broschüre Lisboa in Portugal, der Université Catholientnommen werden müssten, erklärt pen mit Lymphknoten, die im Hüftbe„Brustamputation – wie geht es weiter“ que de Louvain in Belgien und der UniverHadamitzky. „Wenn Krebsformen wie reich oder Brustkorb lediglich in der des Vereins Frauenselbsthilfe nach Krebs. sität in Köln. Seit Oktober 2009 arbeitet ein Brustkrebs weit fortgeschritten „zweiten Reihe“ arbeiten, an die Stelle Die Broschüre kann beim Bundesverband sie an der Klinik für Plastische, Hand- und sind, und man mehrere Lymphknoten der fehlenden Lymphknoten implander Frauenselbsthilfe nach Krebs, Telefon Wiederherstellungschirurgie der Mediziaus der Achselhöhle entfernen muss, tiert. „Nach der Operation dauert es (02 28) 33 88 94 00, Internet: www.fraunische Hochschule Hannover (http://www. kommt es in 20 bis 30 Prozent der Fälle dann etwa sechs bis zwölf Monate, bis enselbsthilfe.de bestellt werden. mhh-phw.de/). zu einem Lymphödem.“ Auch bei Ge- neue Lymphgefäße gewachsen sind“,

Hilfe beim Lymphödem

L

Bewegung und aus dem kalten, dünnen Regen wurde der erste Schnee. Elisabet würde das jetzt romantisch finden, dachte ich und mir fielen Filme ein, in denen es im entscheidenden Moment schneite, und ich hatte mich immer gefragt, ob das wichtig war. Der Schnee fiel in zarten Flocken und ich musste meinen Kopf senken, damit er mir nicht in die Augen rieselte, und da sah ich neben mir meine Frauen aus England. Bo hatte die Bücher in einen Karton gesteckt und sie vor die Haustür gestellt, zum Altpapier. Die Bücher waren durchweicht vom Regen und vom Frost und zwischen ihnen steckten alte Zeitungen und die Pappe von Toilettenpapierrollen. Die dicken Einbände hatten sich mit Wasser vollgesogen und waren aufgequollen und der Karton war so nass, dass er an den Nähten gerissen war. In der Dunkelheit waren die Titel nur schwer zu erkennen und ich starrte lange in den Karton, bis ich begriff, was das bedeutete. Ich ließ meine Hand sinken, die bis dahin noch immer bewegungslos auf der Türklin-

Ada liebt VON NICOLE BALSCHUN gel geruht hatte, und ging einen Schritt zurück. Ich stolperte die drei Treppenstufen hinunter und konnte mich gerade noch fangen, bevor ich fiel. Ich ließ den Karton nicht aus den Augen. Ich glaubte nicht, was ich sah, und ich verstand es nur langsam. Ich ging rückwärts zum Auto und hielt mich daran fest. Der Schnee fiel in mein Gesicht, meine Augen, und die Haut wurde starr und hart von der Kälte und ich blickte zurück zum Haus, und dort lagen noch immer die Frauen aus England und verschwanden leise unter dem Schnee. Der Anfang Es beginnt heftiger zu schneien und ein feines, flockiges Weiß hinterlässt einen flüsternden Film auf der Scheibe. Er hat sie vor

die Tür gestellt und der Regen hat sie aufgeweicht. Ein Winter ohne Bo, und ich ziehe den Gurt fest um mich. Und ein Sommer. Ich sehe in den Rückspiegel zur Haustür, zu dem Karton, und da steht Bo in der Tür. Der Lichtkegel aus dem Flur hinter ihm lässt mir nur seine Umrisse in diesem Moment. Ein Frühling und danach wieder Herbst. Ich warte und Bo steht in diesem Licht und bewegt sich nicht. Vielleicht sieht er mich an. Sein Gesicht kann ich nicht sehen, es verschwindet in diesem seltsamen Strahlen, nur seine Kontur, die sich in der Dunkelheit verliert, flirrt nicht, und er hebt eine Hand und lässt sie dann langsam sinken. Ich drehe mein Gesicht weg und lasse den Motor an. Rückwärts fahre ich von der Auffahrt und Bo, die Haustür, das Haus, der rauchende Schornstein, alles wird klei-

ner und verliert sich schließlich in der Dunkelheit. Am Ende der Straße steht der Mond, mahnend und eisig, und ich folge ihm und als ich in die Kleinstadt einfahre, erschrecke ich über den Fortgang der Welt. Alles läuft in Zeitlupe vor der Scheibe weiter, die Menschen verlieren ihre Farben und der weiße Puder legt sich auf die Wege, die Dächer, die Köpfe und macht alles ganz leise. Ich parke den Wagen am Straßenrand und lege meine Hand gegen die Scheibe. Der Schnee stirbt auf der anderen Seite, das Wasser rinnt leise hinunter und verfängt sich in den weißen Kristallen. Meine Hand liegt still und ich sehe sie an. Wenn du und deine kleinen Hände hier nicht alles durcheinanderbringen, hatte Bo gesagt. Meine Hände haben ihn nicht halten können. Aber sie haben ein Euter berührt, das war wie Sandpapier. Ich starte den Motor und fahre, kurz darauf stehe ich vor einer roten Ampel. Du und deine Scheißkühe, habe ich gesagt und einmal haben wir uns wegen der Frauen aus England gestritten.

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Helicobacter hilft gegen Asthma Studie zeigt Schutzwirkung durch Magenbakterium

E

ine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori kann laut einer Studie möglicherweise vor allergischem Asthma schützen. Der Mainzer Allergologe Christian Taube hatte gemeinsam mit Immunologen der Universität Zürich erforscht, wie sich eine Helicobacter-Infektion bei Mäusen auswirkt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“ erschienen. Allergiebedingtes Asthma ist in Industrienationen seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch und nimmt inzwischen geradezu epidemische Ausmaße an, erklärte Taube von der Universität Mainz. Die Gründe sind vielfältig: Luftverschmutzung, Rauchen, Antibiotika-Einsatz und die Hygiene-Hypothese. Diese besagt, dass die gründliche moderne Hygiene zu einem Mangel an infektiösen Reizen geführt hat, welche für die Reifung des Immunsystems wichtig seien. Die Zunahme der Asthmaerkrankungen könnte möglicherweise auf das gezielte Ausmerzen von Helicobacter pylori zu- Hilfreicher Erreger: Das Magenbakterium Helirückzuführen MPI sein, meint Taube. cobacter pylori. Eine Helicobacter-Infektion ist häufig ohne Symptome, kann aber nach Angaben der Ärzte unter gewissen Voraussetzungen Gastritis, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre und Magenkrebs auslösen. Daher wird der „Magenteufel“ oft prophylaktisch mit Antibiotika ausgerottet, selbst wenn keine Beschwerden vorliegen. Schätzungen zufolge ist rund die Hälfte aller Menschen weltweit von Helicobacter pylori befallen. Infizierten die Forscher bei ihrer Studie Mäuse im Alter von wenigen Tagen, entwickelten die Tiere eine Immunität gegenüber dem Bakterium und reagierten selbst auf starke, Asthma auslösende Allergene nicht oder nur geringfügig. Wurden die Mäuse erst im fortgeschrittenen Alter infiziert, entwickelten sie einen weitaus schwächeren Schutz. Je mehr die Ärzte über diesen Mechanismus erführen, umso besser ließe sich ein Schutz wie etwa eine Impfung entwickeln, sagte Taube. „Davon sind wir aber noch weit entfernt.“ dpa

Viele Studenten nehmen Psychopharmaka Psychopharmaka sind die Medikamente, die Studenten am häufigsten verschrieben bekommen – zumindest in Berlin. Die Tendenz ist bereits seit Jahren steigend. Inzwischen ist jedes fünfte Medikament, das ein Arzt den Studenten der Hauptstadt verordnet, laut dem TK-Gesundheitsreport 2011 ein Mittel gegen Krankheiten des Nervensystems. An zweiter Stelle liegen demnach Medikamente zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, auf Platz drei systemische Hormonpräparate etwa gegen Schilddrüsenleiden. „Wir beobachten mit Sorge, dass Studierende und junge Erwerbspersonen immer mehr Psychopharmaka verordnet bekommen“, erklärte die Berliner TK-Chefin Susanne Hertzer laut einer Pressemitteilung. Innerhalb von vier Jahren sei das Verordnungsvolumen für diese Arzneimittelklasse in der Hauptstadt um fast 75 Prozent gestiegen. Das ist eine noch größere Steigerung als im Bundesdurchschnitt (plus 54 Prozent in vier Jahren). Studentinnen seien dabei deutlich häufiger betroffen: Laut der Techniker Krankenkasse wird mittlerweile bei jeder zehnten Berliner Studentin eine Depression diagnostiziert – doppelt so oft, wie bei den männlichen Kollegen. Der aktuelle TK-Gesundheitsreport wertet für 2010 die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneiverordnungen der rund 3,5 Millionen bei der TK versicherten Berufstätigen und ALG-I-Empfänger aus, davon leben 228 000 in Berlin. Die Daten von Studenten wurden zusätzlich analysiert. dpa Bo hat in der Tür gestanden und mir nachgesehen, bis ihn die Totalfinsternis seiner Nacht verschluckte. Er hat sich nie im Schlaf bewegt und einmal hat er geflüstert, bleib bei mir, und ich habe es nicht getan. Ich habe immer neben Bo gestanden, und ich habe ihn nie wirklich berührt, mein Herz war so kalt. Sein Gesicht steht vor meinem hinter der Scheibe und ich sehe ihn an, lange, so wie ich es in so vielen Nächten getan habe, als mir die Füße juckten und mich die Dunkelheit durch das Haus trieb. Bo, sage ich laut, ich liebe dich ungeheuerlich, und meine Worte sind klar und sie erschrecken mich nicht. Ihr Klang erfüllt das Auto, und vielleicht finden sie eine Pore dort draußen zwischen den Eisblumen und kriechen hinein. Fortsetzung folgt „Ada liebt“ von Nicole Balschun, © DuMont Buchverlag, Erscheinungsjahr 2011


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Sport

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Waldpark schockt Owen Derbysieger überrascht Hamburg (dpa/cas). Der von Jozef Bojko gerittene Hengst Waldpark ist der 142. Derbysieger des deutschen Turfs und hat dem aus England angereisten Fußballstar Michael Owen sowie dessen Hengst Brown Panther die Schau gestohlen. Im Deutschen Derby auf der Galopprennbahn in Hamburg waren der mit drei Siegen ungeschlagen ins Rennen gegangene Außenseiter Waldpark und Jockey Bojko die gefeierten Sieger. Der Hengst war auf dem nach heftigen Regenfällen weich gewordenen Boden in seinem Element. Earl of Tinsdal mit Eduardo Pedroza komplettierte als Zweiter den Doppelsieg für Trainer Andreas Wöhler aus Gütersloh, der seinen dritten Derbysieger stellte. Erst als Fünfter kam Topfavorit Brown Panther ins Ziel, der lange an der Spitze des Feldes gelegen hatte, auf der Zielgeraden aber schnell überlaufen wurde. „Ich bin überglücklich“, sagte Siegjockey Bojko nach dem Rennen. Der gebürtige Slowake reitet seit 1992 in Deutschland und feierte nun seinen größten Sieg im Rennsattel. Championjockey Eduardo Pedroza hatte aus dem Wöhler-Aufgebot im Derby den Zweitplatzierten Earl of Tinsdal ausgewählt. Der 39-jährige Bojko zollte seinem Pferd großes Lob: „Ich hätte mir immer Waldpark ausgesucht, es ist ein Pferd mit tollem Charakter. Das war ein sehr gutes Derby, Waldpark ist ein sehr gutes Pferd. Er tut zum passenden Zeitpunkt immer das, was man verlangt.“ Trainer Andreas Wöhler zeigte sich nach seinem Derby-Doppeltreffer überwältigt: „Das ist ein sehr emotionaler Tag für mich. Das war ein tolles Rennen für uns.“ l Avanti setzt Achtungszeichen: Das wertvollste Ergebnis aus hannoverscher Sicht verbuchte am Wochenende Trainernestor Hans-Jürgen Gröschel. Der von ihm auf der Neuen Bult vorbereitete Avanti wurde Dritter im mit 52 000 Euro dotierten „Rudolf August Oetker Gedächtnisrennen“ über 2200 Meter. Im Sattel des dreijährigen Hengstes saß Andreas Suborics. Der Sieg in diesem BBAG-Steher-Auktionsrennen ging an den krassen Außenseiter Mighty Mouse (Siegwette: 287:10) und Filip Minarik, Trainer des Pferdes ist Pavel Vovcenko in Bremen. Zum Sieg im Amazonenrennen (Ausgleich II) über 1400 Meter ritt am Sonnabend Olga Laznovska den von Christian Sprengel vorbereiteten Keydream. 2. Plätze gab es für Sprengels Keno, geritten von Eugen Frank, in einem Ausgleich IV und Gröschels Tembo und Wladimir Panov in einem Ausgleich II für Sprinter.

96-Triathleten chancenlos Schliersee (fe). Beim Alpen-Triathlon in Schliersee, dem zweiten von vier Bundesligawettbewerben, hat es für die Männer von Hannover 96 nur zum 12. und damit vorletzten Platz gereicht. Bei diesem Rennen über die olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen), das als das härteste dieser Serie gilt, war Andreas Schilling Andersen als 15. in 2:05:33 Stunden bester Hannoveraner. Er lag damit noch vor Faris Al-Sultan (Witten), 2005 Weltmeister auf der Langdistanz. Der 33 Jahre alte Mitfavorit belegte in 2:06:51 nur den 23. Platz. Als Sieger blieb allein William Clarke (Buschhütten) in 1:59:46 unter der Zwei-StundenGrenze. Nach zwei von vier Wettbewerben ist 96 auf den 11. Tabellenrang abgerutscht, darf zum Bundesligafinale am 4. September am Maschsee (Sprintdistanz) aber auf den Heimvorteil hoffen. Bei den Frauen belegte die Hannoveranerin Lena Brunkhorst, die für das Team Witten startet, Platz 17 in 2:36:22 Stunden. Die 26-Jährige trainiert aufgrund ihres Medizinstudiums, bei dem sie bis Oktober in Hannover ihr praktisches Jahr absolviert, nur eingeschränkt. „Für einen Wettkampf wie am Schliersee muss man zuvor in den Bergen gefahren sein, das geht nicht so nebenher“, sagte die angehende Ärztin, die bereits beim Schwimmen viel Zeit einbüßte und so den Anschluss an die Besten verlor.

Neue Klubs für Goc, Sturm und Jagr Vancouver (bj). Nach Christian Ehrhoff haben zwei weitere deutsche EishockeyNationalspieler neue Klubs in der nordamerikanischen Profiliga NHL gefunden. Marcel Goc, der Bruder des bei den Hannover Scorpions spielenden Verteidigers Sascha Goc, läuft in den kommenden beiden Jahren für die Florida Panthers auf. Marco Sturm, der Schwager von Scorpions-Kotrainer Christian Künast, unterschrieb für ein Jahr bei den Vancouver Canucks. Kurz zuvor hatte Ehrhoff bei den Buffalo Sabres einen Zehnjahresvertrag unterschrieben, der ihm 40 Millionen Dollar garantiert. Nach drei Jahren in Russland kehrt auch der tschechische Superstar Jaromir Jagr in die NHL zurück. Der 39-jährige Stürmer wechselt zu den Philadelphia Flyers.

sPort im tv eurosPort 14 uhr: Radsport: Tour de France, 3. Etappe, Olonne sur Mer – Redon (16 Uhr auch ARD) 21.50 uhr: Fußball: „U 17“-WM in Mexiko, Viertelfinale, Deutschland – England sPort1 19 uhr: Fußball: Derby-Cup in Aachen (Alle Sendungen live)

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

„Wir sind deutlich weiter“

-NotizeN

96-Trainer Mirko Slomka zieht nach dem ersten Trainingslager ein positives Zwischenfazit Von Volk er W iedersheim Celle. Vielleicht haben die Spieler des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 es bisher als unvermeidbares Übel hingenommen, dass Trainer Mirko Slomka sie mit technischer Ausrüstung und Bluttests durchleuchtet. Gestern aber werden sie die „Catapult“-Apparate, die sie in einer Weste auf dem Rücken tragen, zudem ins Herz geschlossen haben: Denn die Fitnessüberwachung zeigt Slomka an: „Wir sind deutlich weiter und haben eine bessere Basis als beim Beginn der vergangenen Saison.“ Da die Kicker schon extrem belastet seien und bei andauernder hoher Beanspruchung Muskelverletzungen auftreten könnten, hatte die Schufterei im Trainingslager einen halben Tag früher als geplant ein Ende. Nach dem Mittagessen reiste das Team gestern aus Celle zurück nach Hannover – und Slomka gab ein erstes optimistisches Zwischenfazit ab. l Fitness: Mit dem Konditionsstand der Spieler ist Slomka durchaus zufrieden. Alle hätten in der Urlaubszeit gut vorgearbeitet. „Es gibt Ausreißer nach oben und unten. Aber eigentlich kann man ein Lineal drauflegen.“ Weitere „Catapult“Testreihen sind geplant, „damit wir sehen: Wer braucht noch wie viel?“ Auf jeden Fall erkenne er „signifikante Steigerungen“ etwa beim Spurtvermögen, sagte Slomka. l Spielsystem: „Wir werden in Tests unterschiedliche Systeme ausprobieren“, sagt Slomka. Demnach ist das 4-4-2 mit zwei „Sechsern“ nicht für alle Fälle gesetzt. Auf dem Übungsplan: Umstellung auf 4-3-3 mit einer weiteren Spitze aus der Tiefe und die Formation mit einer Mittelfeldraute. Dafür benötigt das Team einen Spielmacher, einen „Zehner“ – und Jan Schlaudraff, Neuzugang Henning Hauger (kommt morgen) und Manuel Schmiedebach sind dafür Slomkas Kandidaten. l Transfers: Kommt noch einer oder keiner? Während sich Sportdirektor Jörg Schmadtke zuletzt eher zurückhaltend äußerte, klingt Slomka entschlossen: „Das Thema ist für mich noch nicht erledigt. Wir werden uns da noch einmal zusammensetzen.“ Zwei Stürmer wurden abgegeben, erst ein neuer, Artur Sobiech (ab heute in Hannover), wurde verpflichtet. Schreckt die schon jetzt erhebliche Konkurrenz im Sturm Kandidaten ab? „Ach, da kommt schon einer“, meint Slomka ganz entspannt. l Stammelf: Wie sieht demnächst die 96-Startelf aus? Die Frage bewegt die Fans, doch für die Antwort ist es noch zu früh. „Die Mannschaft war zuletzt sehr stark. Einen Bonus werde ich den Stammspielern nicht einräumen, Nachlassen ist nicht erlaubt. Es wird schwer, da reinzukommen, aber die Neuen sind auch nicht zum Zuschauen gekommen“, sagt Slomka. „Unzufriedene gab es bisher schon. Der Konkurrenzkampf wird noch stärker, aber unser Teamgefüge fängt das auf. Das zu managen wird für mich nicht schwerer, sondern leichter.“

PiNto HumPelt, Ya KoNaN radelt Sergio Pinto musste gestern das Vormittagstraining abbrechen. Nachdem ihn Sofian Chahed bei einer Grätsche unglücklich getroffen hatte und Pinto umgeknickt war, humpelte er mit einem Eisverband am rechten Knöchel vom Platz. Offenbar zog er sich aber keine Verletzung zu, die eine längere Pause erzwingt. Didier Ya Konan, der am Freitag eine Oberschenkelzerrung erlitten hat, rackert sich derweil auf dem Ergometer ab – strampeln fürs schnelle Comeback. wie

„50+1“: Gericht entscheidet heute Hannover (dpa/r). Mit der Verhandlung vor dem Lizenzliga-Schiedsgericht geht der Kampf von Hannover 96 um die Öffnung der Bundesligavereine für Investoren in die entscheidende Runde. Das Gremium muss heute darüber befinden, ob in Deutschland künftig millionenschwere Scheichs oder Ölmagnaten die Anteilsmehrheit bei den Profiklubs erwerben dürfen, oder ob die sogenannte 50+1-Regel weiter bestehen bleibt. Der Ligaverband setzt sich im Interesse von 35 Bundesligaklubs für den Status quo ein, wonach die Vereine 50 Prozent plus eine Stimme ihrer Anteile besitzen müssen. Seit drei Jahren kämpft 96-Klubchef Martin Kind um die Abschaffung der Regel, die seiner Ansicht nach gegen EU-Recht verstößt.

Neuer Chef für 96-Geschäftsstelle

96-Trainer Mirko Slomka bringt Zug in die Vorbereitung – und legt sich beim Celler Zirkeltraining selbst ins Zeug.

sPort iN Kürze Deutschlands Wasserballer haben das VierNationen-Turnier in Budapest nach einer unerwarteten 3:7-Niederlage gegen Griechenland als Dritter abgeschlossen. Bei der Generalprobe für die am 16. Juli beginnende WM hatten die Deutschen, bei denen der hannoversche Torwart Roger Kong zum WM-Kader gehört, zuvor mit 6:11 gegen Ungarn verloren. fe Mit neuer Weltbestzeit hat der Belgier Marino Vanhoenacker beim Ironman Austria in Klagenfurt seinen sechsten Sieg nacheinander gefeiert. Der 34-jährige Triathlet benötigte für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen 7:45:58 Stunden. Schnellste Frau war bei ihrem Debüt auf der Langdistanz die US-Amerikanerin Ellis Mary Beth in 8:39:06. dpa Durch zwei Stürze hat Olympiasiegerin Sabine Spitz aus Murg-Niederhof beim

Weltcup der Mountainbiker in Mont Sainte Anne (Kanada) alle Chancen eingebüßt. In der Männer-Konkurrenz wurde Manuel Fumic (Kirchheim) 14. dpa Die türkische Polizei hat den Präsidenten des Istanbuler Fußballklubs Fenerbahce, Aziz Yildirim, wegen des Verdachts der Spielmanipulation festgenommen. Insgesamt wurden 30 Personen inhaftiert, darunter Yildirims Stellvertreter Sekip Mosturoglu und der Präsident von Sivasspor, Mecnun Odyakmaz. dpa Der Kenianer Joseph Kiprono Kiptum hat gestern in 1:03:15 Stunden die 17. Auflage des Hamburger Halbmarathons gewonnen. Im Rekordfeld von 6000 Startern kam bei den Frauen Katrin Kreil (Hannover 96) in 1:21:26 beim Sieg von Monica Jepkoech (Kenia, 1:16:08) auf Platz 7. fe Nach ihrer zweiten Niederlage haben die

deutschen Hockeyspieler das Vierländerturnier in Amstelveen als Dritter beendet. Nach dem 2:1-Erfolg über Pakistan unterlag die Auswahl von Bundestrainer Markus Weise nach einer 2:1-Führung gegen Europameister England noch mit 2:3. dpa Bei der Handball-WM der Frauen vom 3. bis 18. Dezember in Brasilien sind die Teams aus Norwegen, Montenegro, Angola, China und Island die deutschen Vorrundengegner. Das ergab die Auslosung in Sao Bernardo do Campo. dpa Einen spektakulären Trainertausch hat es in der Basketball-Bundesliga gegeben. Die Skyliners Frankfurt haben Muli Katzurin als Nachfolger des zu Alba Berlin gewechselten Gordon Herbert verpflichtet. Der bisherige Berliner Coach erhält bei den Hessen einen Zweijahresvertrag. dpa

zur Nieden

TKH sichert sich den Klassenerhalt Hannover (bec). Mit einem 5:1-Sieg gegen die SG Stern Kaulsdorf aus Berlin haben die Bundesliga-Faustballer des TK Hannover die letzten theoretischen Zweifel am Klassenverbleib beseitigt. Das ersatzgeschwächte Team der Gastgeber, das im Angriff mit Manuel Bierfischer aus der 2. Mannschaft auflaufen musste, zeigte auf nassem Boden eine ansprechende Leistung und siegte auch in der Höhe verdient. „Nach diesem Erfolg haben wir alle Spiele gegen die Kellerteams gewonnen und uns den Klassenerhalt redlich verdient“, sagte TKH-Sprecher Mario Rathmann. „In den letzten drei Saisonspielen wollen wir dann auch mal versuchen, eine Truppe aus den oberen Tabellenregionen zu bezwingen.“ Nach dreiwöchiger Pause empfängt der TKH am 24. Juli Vizemeister VfK Berlin.

Jeans und Polohemd Der Deutsche Polo Verband hofft auf mehr aktive Mitglieder / PC Franken wird in Maspe deutscher Meister Von Patrick h offm ann Maspe. Günther Kiesel sagt nicht nur, dass er den Polosport für eine weniger exklusive Klientel öffnen möchte. Er kleidet sich auch so. Der Vizepräsident des Deutschen Polo Verbands (DPV) trägt eine blaue Jeans, ein schwarzes Polohemd, darüber einen schlichten grauen Mantel und auf dem Kopf eine dieser Schirmmützen, die einem bei Werbeveranstaltungen hinterhergeworfen werden. Als wolle er seiner Umwelt wortlos mitteilen: Seht her, Polo ist auch etwas für ganz normale Menschen. „Wir müssen in unserer Sportart eine breitere Basis schaffen“, sagt Kiesel. Dafür hat der Verband sogar das Regelwerk geändert. Eine Änderung hatte im Vorfeld der deutschen Meisterschaft, die am Wochenende in Maspe ausgetragen wurde, für besonders viel Diskussionen zwischen Reformern und Traditionalisten im deutschen Verband gesorgt. Erstmals wurden zu den Titelkämpfen keine ausländischen Gastspieler zugelassen. „Das ist schließlich die deutsche Meisterschaft“, sagt Kiesel. Deutsche Spieler hatten dabei in der Vergangenheit jedoch eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Meister wurde meist der Klub, der die besten Poloprofis aus Argentinien, England oder Südafrika kaufen konnte.

Heute test iN emmertHal Die „Roten” bestreiten heute ihr nächstes Testspiel bei der TSG Emmerthal – Anpfiff ist um 18 Uhr. Trainer Mirko Slomka will dabei erstmals Neuzugang Christian Pander aufbieten. 2500 Zuschauer werden erwartet. Da die Straßen rund um den Fußballplatz gesperrt sind, sollten Besucher aus Hannover am besten den Parkplatz des Kernkraftwerks ansteuern und von dort die Pendelbusse nutzen.

Für talentierte deutsche Spieler war da kaum noch Platz in den Kadern. „Dabei haben wir einige sehr gute Spieler“, sagt Kiesel. Die besten kommen in diesem Jahr vom Polo Club Franken, der das Finale gegen den Polo Club Berlin Brandenburg mit 5:4 gewann. Der Niedersächsische Polo-Club, der ebenfalls mit

Titelambitionen an den Start gegangen war, unterlag dem Polo Club Sylt im Penaltyschießen um Platz 3 mit 7,5:8,5. Wichtiger als die Ergebnisse ist dem Verbandsvizepräsidenten das sportliche Niveau, das in Maspe trotz schlechten Wetters und entsprechend erschwerten Bedingungen geboten wurde. „Wir woll-

Hoch her ging es im Finale, in dem sich der Polo Club Franken mit Marco Kiesel (vorne rechts) und das Team vom Polo Club Berlin Brandenburg gegenüberstanden. zur Nieden

ten sehen, wo das deutsche Polo ohne Unterstützung von ausländischen Spielern steht“, sagt Kiesel. Diese Veranstaltung werde ein Meilenstein in der Geschichte des deutschen Polos sein, davon ist der 66-Jährige überzeugt. Kiesel sieht sich ohnehin im Verband eher als Anwalt der Amateurspieler. Rund 230 von ihnen sind im DPV organisiert, und wenn es nach Kiesel geht, dann sollen es bald viel mehr werden. „Wir sind noch eine sehr kleine Polo-Nation“, sagt er und verweist auf andere europäische Länder, die die Anzahl ihrer aktiven Polospieler in den vergangenen Jahren durch kluge Maßnahmen verdoppelt oder verdreifacht haben. Wen aber will der Verband erreichen? „Jeden, der Lust auf Polo hat“, sagt Kiesel. Dann führt er mit Stolz eine weitere Regeländerung an: Seit Kurzem dürfen sich nämlich zwei Polospieler eine Position teilen, das heißt, jeder spielt jeweils zwei von vier Abschnitten mit seinem Pferd. „Man benötigt also nur noch ein Pferd, statt bislang zwei bis vier.“ Und das müsse zum Einstieg in den Polosport ja auch nicht gleich ganz so teuer sein. „Anfänger sollten ein älteres, schlechteres Pferd kaufen, eines für 5000 Euro“, sagt Kiesel. Neue Mitglieder dürfen also gerne Jeans zum Polohemd tragen. Aber nicht mit leeren Hosentaschen.

Hannover (wie). Nicht nur die Mannschaft des Fußball-Bundesligisten wird personell verstärkt, auch in der Geschäftsstelle gibt es einen Neuzugang: Björn Bremer hat am Freitag den neu geschaffenen Posten „Leiter Verwaltung“ übernommen. Er trägt die Verantwortung für alle kaufmännischen Bereiche – etwa Ticketing, Fan-Artikel, Personalverwaltung – und ist direkt den Geschäftsführern Martin Kind und Jörg Schmadtke unterstellt. Klubchef Kind lobte besonders Bremers „langjährige Erfahrung und Kompetenz in der Bundesliga“. Bremer war in der Vergangenheit in ähnlicher Funktion beim Bundesligisten 1. FC Nürnberg und beim Zweitligisten MSV Duisburg tätig.

sPort iN zaHleN BasKetBall em der Frauen, Endrunde in Lodz: Halbfinale: Tschechien – Russland 53:85, Frankreich – Türkei 62:68 n.V. BeacHvolleYBall World tour, Grand-Slam-Turnier in Stavanger/ Norwegen, Frauen, Finale: Kessy/Ross (USA) – Goller/Ludwig (Hamburg) 2:0. Männer, Spiel um Platz 3: Skarlund/Spinnangr (Norwegen) – Brink/Reckermann (Leverkusen/Köln) 1:2. FussBall copa america, Gruppe A: Argentinien – Bolivien 1:1, Kolumbien – Costa Rica 1:0. KaNuslalom Weltcup in L’Argentiere-la-Bessee, Männer, Kajak-Einer: 1. Kauzer (Slowenien) 108,03 Sek. ... 25. Winkler (Uerdingen) 112,32; Canadier-Einer: 1. Benus (Slowakei) 111,65 Sek. ... 22. Anton (Leipzig) 120,05 (Halbfinale); CanadierZweier: 1. Klauss/Peche (Frankreich) 116,68 Sek. ... 5. Behling/Becker (Schkopau) 118,50. Frauen, Kajak-Einer: 1. Dukatova (Slowakei) 118,32 Sek. ... 5. Horn (Augsburg) 122,50. leicHtatHletiK World-challenge-meeting in Moskau, Frauen, Hammerwurf: 1. Heidler (Frankfurt) 75,54 m; Kugelstoßen: 1. Ostaptschuk (Weißrussland) 20,94. Weitsprung-meeting in Bad Langensalza, Männer: 1. Reif (Ludwigshafen) 8,38 m; Frauen: 1. Kappler (Rehlingen) 6,90 (jeweils zu viel Rückenwind). motorsPort motorrad-Wm, Grand Prix von italien in mugello, Klasse bis 125 ccm (20 Runden à 5,245km):1.Terol(Spanien)Aprilia39:51,815 Min. ... 11. Schrötter (Pflugdorf) Mahindra 41,255 Sek. zurück, 12. Cortese (Berkheim) Aprilia 43,999 – WM-Stand nach acht von 17 Rennen: 1. Terol (Spanien) 153 Pkt. ... 4. Folger (Schwindegg) Aprilia 101, 5. Cortese 98 ... ... 17. Schrötter 15. moto2 (21 Runden à 5,245 km): 1. Marquez (Spanien) Honda 40:02,941 Min., 2. Bradl (Zahling) Honda 0,071 Sek zurück ... 8. Neukirchner (Stollberg) Honda 13,409 – WM-Stand: 1. Bradl 147 Pkt., 2. Marquez 95 ... 15. Neukirchner 32. motoGP (23 Runden à 5,245 km): 1. Lorenzo (Spanien) Yamaha 41:50,089 Min., 2. Dovizioso (Italien) Honda 0,997 Sek. zurück, 3. Stoner (Australien) Honda 1,143 – WM-Stand nach acht von 18 Rennen: 1. Stoner 152 Pkt., 2. Lorenzo 133. WasserBall em-Qualifikation der Frauen, Gruppe A: Ungarn – Deutschland 16:12. teNNis atP-challenger-turnier in Braunschweig, Finale: Rosol (Tschechien) – Donskoj (Russland) 7:5, 7:6 (7:2).


Sport

NR. 153 · MONTAG, 4. JULI 2011

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Djokovic ist jetzt der Boss

Der Serbe gewinnt das traditionsreiche Tennisturnier in Wimbledon / Finalgegner Nadal bleibt chancenlos London (dpa). Der Serbe Novak Djokovic ist der neue Herrscher im Männertennis. Der dominierende Spieler dieses Jahres sicherte sich an diesem Wochenende sowohl erstmals den Sieg beim bedeutendsten Turnier der Welt in Wimbledon als auch von heute an die erstmalige Führung in der Weltrangliste. Djokovic entthronte gestern in einem faszinierenden Endspiel an der Church Road den Titelverteidiger und bisherigen Weltrangligistenersten Rafael Nadal mit 6:4, 6:1, 1:6, 6:3. „Das ist der beste Tag meines Lebens. Wimbledon ist mein Lieblingsturnier, das Turnier, das ich immer gewinnen wollte“, sagte bei der Siegerehrung der überwältigte Djokovic, der von den großen vier Turnieren zuvor nur die Australian Open (2008, 2011) gewonnen hatte. „Ich denke, ich träume immer noch.“ Nach seinem Sieg beim 3. Grand-SlamTurnier des Jahres ließ sich der 24-Jährige auf den „heiligen Rasen“ fallen, jubelte dem angereisten Staatspräsidenten Boris Tadic in der königlichen Loge zu und verschenkte drei Schläger an Fans im Publikum. 48:1 Erfolge – diese unfassbare Bilanz steht für Djokovic jetzt zu Buche. Nadal musste nach einer der bittersten Pleiten seiner Karriere dagegen einsehen, dass eine neue Ära begonnen hat. „Glückwunsch an Novak zu dem Sieg und seiner phantastischen Saison. Er war heute der bessere Spieler“, sagte der geschlagene Nadal. „Ich kann mir vorstellen, wie sich Novak heute fühlt.“ Vor dem Traumfinale zwischen Nadal und Djokovic hatte der Deutsche Boris Be-

Wimbledon-Finals einzel männer: Djokovic (Serbien) – Nadal (Spanien) 6:4, 6:1, 1:6, 6:3. einzel Frauen: Kvitova (Tschechien) – Scharapowa (Russland) 6:3, 6:4. doppel männer: Bob und Mike Bryan (USA) – Lindstedt/Tecau (Schweden/Rumänien) 6:3, 6:4, 7:6 (7:2). doppel Frauen: Peschke/Srebotnik (Tschechien/ Slowenien) – Lisicki/Stosur (Berlin/Australien) 6:3, 6:1. mixed: Melzer/Benesova (Österreich/Tschechien) – Bhupathi/Wesnina (Indien/Russland) 6:3, 6:2.

Kaymer wird in Paris Vierter Paris (r). Martin Kaymer hat sich in der Golf-Weltrangliste wieder auf den 3. Platz nach vorne geschoben. Der 26-Jährige aus Mettmann belegte auf der European Tour in Paris den 4. Platz und verdrängte damit den US-Open-Gewinner Rory McIlroy. Kaymer war gestern sogar noch mit Siegchancen in die Schlussrunde des Turniers in der französischen Hauptstadt gestartet, musste sich auf dem Par-71-Kurs aber nach einer 73er-Runde mit Platz 4 zufriedengeben. Den Sieg sicherte sich nach einer starken 70er-Runde der Franzose Thomas Levet, der den nach drei Durchgängen führenden Mark Foster noch von der Spitze verdrängte. Der Engländer belegte gemeinsam mit dem Dänen Thorbjörn Olesen mit einem Schlag Rückstand auf Levet den 2. Platz. Noch schlimmer erwischte es Fosters Landsmann James Morrison, der am Sonnabend noch schlaggleich auf Platz 1 gelegen hatte und gestern mit sieben Schlägen über Par auf den 7. Platz zurückfiel. Die weiteren deutschen Starter hatten mit dem Ausgang des Turniers nichts zu tun: Alex Cejka belegte Platz 47, Marcel Siem wurde 52. und Florian Fritsch 64.

Achter nicht zu schlagen Rudern: Der Deutschland-Achter bleibt auch bei der traditionsreichen Henley-Royal-Regatta ungeschlagen. Der Weltmeister wehrte auf der Themse den Angriff des WM-Zweiten aus Großbritannien mit Erfolg ab und siegte wie im Vorjahr mit einer Länge Vorsprung. Es war der 25. Sieg in Folge des seit zweieinhalb Jahren ungeschlagenen deutschen Achters, der zudem mit 5:57 Minuten einen neuen Rekord auf der 2112 Meter langen Strecke aufstellte. Die bisherige Bestmarke hatte der Deutschland-Achter aus dem Jahr 1989 gehalten. „Aus Henley nehmen wir mit, dass wir mit freudiger Erwartung Richtung London 2012 blicken“, sagte Schlagmann Kristof Wilke. dpa

Novak Djokovic (oben) lässt sich vor Glück auf den Rasen fallen, nachdem er seinen ersten Triumph in Wimbledon perfekt gemacht hat. Freudestrahlend präsentiert auch Frauensiegerin Petra Kvitova (links) den Siegerpreis, und Samantha Stosur und Sabine Lisicki (rechts, v. links) sind trotz der Doppel-Niederlage ebenfalls stolz. rtr (2), afp

Lisicki lässt erst einmal die Seele baumeln eines Matches auf dem Centre Court von Wimbledon gekommen. Das Happy End – sprich der Siegerpokal – blieb der Berlinerin und ihrer australischen Doppel-Partnerin Samantha Stosur aber verwehrt. „Leider haben wir nicht die große Trophäe mitgenommen“, sagte Lisicki. Auch wenn das Duo das Finale gegen die tschechisch-slowenische Paarung Kveta Peschke/Katarina Srebotnik e mit 3:6, 1:6 klar verloren hat, fällt Lisickis Fazit

durchweg positiv aus: „Es war eine super Rasensaison für mich: Turniersieg in Birmingham, Wimbledon-Halbfinale und dann auch noch das Endspiel im Doppel – toll.“ In Berlin möchte die neue deutsche Tennishoffnung nun die Seele baumeln und die Erfolge sacken lassen, die ihr zuletzt gelungen sind. Anschließend wird die neue Nummer 27 der Welt in ihre Wahlheimat nach Florida übersiedeln, um sich in der

Tennis-Akademie von Nick Bollettieri auf die Hartplatz-Saison vorzubereiten. Ende Juli will Lisicki dann wieder in Stanford (USA) aufschlagen – ohne Druck. „Ich freue mich auf die Zeit“, sagte sie. Schließlich hat Lisicki nach monatelanger Verletzungspause im vergangenen Jahr keinerlei Weltranglisten-Punkte zu verteidigen. Ihr Vorstoß Richtung Top Ten scheint damit bereits programmiert zu sein.

Der Favorit kommt zu Fall Contador büßt bei der Tour de France schon zum Auftakt Boden ein / Gerdemann verpasst Gelbes Trikot knapp Les Essarts (dpa). Schlechter hätte die 98. Tour de France für den Topfavoriten Alberto Contador nicht beginnen können. Schon zum Auftakt wurde der spanische Radprofi und Vorjahressieger in einen Sturz verwickelt und verlor auf seine Herausforderer, angeführt von Andy Schleck, mehr als eine Minute. Nach dem gestrigen 23-Kilometer-Zeitfahren trennen Contador von Schleck 1:38 Minuten und vom früheren Weltmeister Cadel Evans aus Australien sogar bereits 1:41. Der Luxemburger streute nach diesem Fehlstart des Rivalen gleich noch Salz in die Wunde. „Auch schon vor dem Sturz schien Alberto nicht auf der Höhe des Geschehens zu sein“, sagte Schleck am Abend. Contadors Teamchef Bjarne Riis versuchte, den Vorfall herunterzuspielen. Seine Miene verriet aber alles andere als Gelassenheit. „Wir machen jetzt keine Fehleranalyse und haken das unter Pech ab“, sagte der Däne, der 1996 im TelekomTrikot die Tour gewonnen hatte. Contador war zusammen mit 45 Fahrern zu Fall gekommen, nachdem sein früherer Teamkollege Maxim Iglinskiy 8,8 Kilometer vor dem Ziel eine Zuschauerin touchiert und einen Sturz mit Domino-Effekt ausgelöst hatte. Der Spanier analysierte die Folgen seines Missgeschicks schnörkellos: „Dieser Rückstand gegen die direkten Konkurrenten wird schwer aufzuholen sein.“ Im Vorjahr trennten den dreifachen Toursieger von Schleck nur 39 Sekunden, deutlich weniger als die Zeitdifferenz, die derzeit nach zwei Etappen zwischen beiden liegt. Kurioserweise stürzten auch Schleck und zahlreiche andere Fahrer auf der Auftaktetappe, aber erst 2,3 Kilometer vor dem Ziel. Im Fall des Luxemburgers und der anderen Betroffenen wurde daher die sogenannte Drei-Kilometer-Regel angewendet. Sie besagt, dass Gestürzte in diesem Abschnitt mit der Zeit der Hauptgruppe gewertet werden. Daher verbuchte

Motorrad-WM in Mugello

Mercedes bleibt am Norisring top

listensiebte. „Sie waren so glücklich. Ich habe geweint, nachdem ich sie getroffen hatte“, berichtete Kvitova. Die beiden hätten sie inspiriert und wertvolle Tipps gegeben. „Es ist großartig, dass sie jedes Spiel von mir hier gesehen haben. Ich bin so stolz.“ Kvitovas erster Grand-Slam-Titel könnte endgültig eine Zeitenwende im Frauentennis einleiten. Die Karrieren der WilliamsSchwestern und die Laufbahn von Kim Clijsters neigen sich dem Ende entgegen, Justine Henin ist schon weg – der Generationswechsel ist in vollem Gang. Spielerinnen wie Kvitova oder der Weißrussin Victoria Asarenka gehört die Zukunft. Und dann ist da natürlich noch Scharapowa. Den kleinen Teller für die unterlegene Finalistin in der Hand, kündigte sie noch während der Siegerehrung an: „Ich wollte die große Trophäe. Und das ist das, wofür ich hierher zurückkommen werde. Und ich werde sie bekommen.“ Obwohl erst 24 Jahre alt, verfügt die Wimbledon-Siegerin von 2004 über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. „Man sieht immer wieder, wie eine neue Generation nach oben kommt“, sagte Scharapowa. Und dies sei nun halt bei den 125. All England Championships passiert.

London (dpa). Nach dem erfolgreichsten Monat ihrer Tenniskarriere hat Sabine Lisicki nur noch einen Wunsch: ausspannen. „Den Schläger werde ich erst mal nicht anfassen. Ein bisschen Freizeit brauche ich“, kündigte die 21-Jährige nach ihrem letzten Auftritt bei den 125. All England Championships am Sonnabend an. „Irgendwo ist auch der Akku leer.“ Noch einmal war die Frohnatur, die die große Bühne so sehr liebt, in den Genuss

Bradl reicht der 2. Platz Mugello (dpa). Das Heimspiel auf dem Sachsenring kann für Stefan Bradl kommen. Beim Weltmeisterschaftslauf im italienischen Mugello kam der bayerische Motorradfahrer in der Moto2-Klasse auf den 2. Platz und verteidigte mit 52 Punkten Vorsprung souverän seine Gesamtführung vor Marc Marquez. Der Spanier feierte in Mugello seinen dritten Saisonsieg und dürfte im Kampf um den Titel wohl als Einziger Bradl gefährlich werden. „Einfach macht’s mir der Kerl nicht“, sagte der Zahlinger. „Ich habe bis zum Ziel gepuscht und alles versucht.“ Freuen durfte sich in dieser Klasse auch der Stollberger Max Neukirchner, der als Achter sein bisher bestes WM-Ergebnis verbuchte. Völlig daneben ging die Generalprobe für den Deutschland-Grand-Prix bei Sandro Cortese in der 125-KubikzentimeterKlasse. Der Berkheimer fand nie den Rhythmus, fuhr als Achter über den Zielstrich, wurde aber wegen einer völlig überflüssigen Behinderung mit einer 20-Sekunden-Strafe belegt und damit auf den 12. Rang zurückgestuft. Den Sieg holte sich WM-Spitzenreiter Nikolas Terol aus Spanien. Da auch der bisherige WM-Zweite Jonas Folger stürzte und ausschied, fielen die beiden Deutschen in der Gesamtwertung auf die Ränge 4 und 5 zurück. Das Rennen der MotoGP-Klasse gewann Weltmeister Jorge Lorenzo aus Spanien. Er verkürzte damit den Rückstand auf den Australier Casey Stoner in der Gesamtwertung auf 19 Punkte.

cker, Sieger in London 1985, 1986 und 1989, die Bedeutung der Partie auf den Punkt gebracht: „Diese Schlacht wird festlegen, wer 2011 der Boss ist.“ Und der Serbe ließ nach einer kurzen Phase des Abtastens keine Zweifel aufkommen, wessen Stunde im Welttennis geschlagen hat. Bei den langen Grundlinien-Duellen der beiden derzeit weltbesten Tennisspieler hatte Djokovic zumeist das bessere Ende für sich. Und als sich Nadal beim Stand von 5:4 eine erste kleine Schwäche beim eigenen Aufschlag erlaubte, schlug sein Kontrahent eiskalt zu und holte sich mit einem Weltklassestopp nach 41 Minuten den 1. Satz. Der fünfte Finalsieg über Nadal in diesem Jahr nahm seinen Lauf. Was sich in der Folge auf dem Centre Court des All England Clubs abspielte, dürfte Nadal noch schlaflose Nächte bereiten. Chancenlos wie selten zuvor musste sich der zehnfache Grand-Slam-Champion im 2. Satz seinem Schicksal ergeben. Alles schien Djokovic zu gelingen: herrliche Stopps, gefühlvolle Volleys und gnadenloses Power-Tennis von der Grundlinie. Doch Nadal kämpfte sich noch einmal zurück in die Partie und gewann den 3. Durchgang deutlich mit 6:1. Danach stand der Mallorquiner aber wieder auf verlorenem Posten. Nach rund zweieinhalb Stunden war Nadals dritte Niederlage in seinem 13. Grand-Slam-Finale perfekt. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als Djokovic, der gut 1,2 Millionen Euro einstrich, zum achten Turniersieg des Jahres zu gratulieren.

Auf Navratilovas Spuren London (dpa). Als sich Petra Kvitova ihren Kindheitstraum erfüllt hatte und überglücklich zu Boden sank, stand ihr großes Idol Martina Navratilova applaudierend in der Royal Box. Beide Daumen in die Höhe gestreckt, nickte die Wimbledon-Rekordsiegerin ihrer tschechischen Nachfolgerin immer wieder anerkennend zu. Wohl wissend, wie überwältigend die Emotionen nach einem Tennis-Coup auf dem „heiligen Rasen“ sein können. „Ich denke, das ist der Beginn einer großen Karriere“, sagte Navratilova. „Ein Star ist geboren.“ Beim letzten Einzelerfolg der Ausnahmekönnerin am 7. Juli 1990 steckte Kvitova als vier Monate altes Baby noch in den Windeln. 21 Jahre später trug sich die Linkshänderin selbst in die Annalen der 125-jährigen Wimbledon-Geschichte ein. „Es ist ein Traum, es ist ein unbeschreibliches Gefühl“, meinte Kvitova – und ging direkt nach dem überraschend souveränen 6:3, 6:4-Finalsieg über die Russin Maria Scharapowa schnurstracks zu ihren JugendHeldinnen. Die neunmalige Gewinnerin Navratilova und Jana Novotna, die 1998 an der Church Road triumphiert hatte, warteten in den Katakomben des altehrwürdigen Centre Courts schon auf die neue Weltrang-

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Tour in Zahlen

Zum Start der Tour de France lief es für Alberto Contador nicht rund. Der spanische Topfavorit war auf der 1. Etappe in einen Massensturz verwickelt. afp Schleck im Klassement einen Vorsprung auf den nicht in der Endzone gestrauchelten Contador, obwohl der Spanier noch vor dem Luxemburger das Ziel erreichte. Auf den kommenden Etappen könnte Contador, der sich bei dem Unfall nicht verletzte, weiterer Zeitverlust drohen. Sein „ich bleibe optimistisch“ am Sonntag nach dem Zeitfahren hörte sich etwas trotzig an. Auch für die deutschen Fahrer lief es insbesondere gestern nicht nach Wunsch. Linus Gerdemann, Tony Martin und Andreas Klöden fuhren nur um wenige Sekunden am ersten Gelben Trikot für einen deutschen Radprofi seit drei Jahren vorbei. Die Mannschaften des Trios kamen im Teamzeitfahren nicht an die Marke von

Garmin-Cervelo heran, dessen Kapitän Thor Hushovd neuer Gesamtführender ist. „Wenn wir einen Fehler gemacht hätten, wäre da sicher ein bisschen Wehmut“, meinte Gerdemann, der mit seinen Leopard-Trek-Teamkollegen Vierter wurde. Fünf Sekunden fehlten ihm zum Sprung nach ganz vorn. Die gleiche Zeit erreichte Martins Rennstall HTC Highroad. Auch der Wahl-Schweizer grämte sich nicht wegen der verpassten Chance. „Das wäre ein schönes Zwischenziel gewesen, aber mein großes Ziel sind die Top Ten.“ Routinier Klöden (RadioShack) fehlten auf dem 6. Platz mit seinem Team schließlich zehn Sekunden zur Führung.

1. etappe, Passage du Gois–Mont des Alouettes (191,5 km): 1. Gilbert (Belgien) 4:41:31 Std., 2. Evans (Australien) 0:03 Min. zurück, 3. Hushovd (Norwegen) 0:06, 4. Rojas (Spanien), 5. van den Broeck (Belgien), 6. Thomas (Großbritannien), 7. Klöden (Kreuzlingen/Schweiz), 8. Taaramae (Estland), 9. Horner (USA), 10. Martin (Kreuzlingen/Schweiz), 11. Gerdemann (Münster) … 44. Hondo (Lugano/Schweiz) alle gleiche Zeit … 72. Knees (Euskirchen) 1:55 … 104. Ciolek (Pulheim) gleiche Zeit … 128. Voigt (Berlin) 2:33 … 136. Lang (Erfurt) 0:06; 137. Sieberg (Bocholt) 0:06; 138. Greipel (Hürth) 0:06 … 172. Niermann (Hannover) 3:41 … 175. Burghardt (Steinmaur/ Schweiz) 0:06 – Zeitgutschriften für Lang, Sieberg, Greipel und Burghardt als MassensturzBetroffene. 2. etappe, Les Essarts–Les Essarts (Teamzeitfahren, 23 km): 1. Garmin-Cervelo (USA) mit u.a. Hushovd und Millar (Großbritannien) 24:48 Min., 2. BMC (USA) mit u.a. Evans und Burghardt 0:04 Min. zurück, 3. Sky (Großbritannien) mit u.a. Thomas, Hagen (Norwegen) und Knees gleiche Zeit, 4. Leopard Trek (Luxemburg) mit u.a. Gerdemann, F. und A. Schleck (beide Luxemburg), Cancellara (Schweiz) sowie Voigt 0:05, 5. HTC-Highroad (USA) mit u.a. Martin gleiche Zeit, 6. Radioshack (USA) mit u.a. Klöden 0:10, 7. Rabobank (Niederlande) mit u.a. Niermann 0:12. Gesamtwertung nach der 2. etappe: 1. Hushovd 5:06:25 Std., 2. Millar gleiche Zeit, 3. Evans 0:01 Min. zurück, 4. Thomas 0:04, 5. Gerdemann, 6. F. Schleck, 7. Cancellara, 8. Hagen, 9. Quinziato (Italien), 10. A. Schleck alle gleiche Zeit … 14. Martin 0:05 … 20. Klöden 0:10 … 33. Lang 0:39, 34. Sieberg, 35. Greipel beide gleiche Zeit … 55. Hondo 1:04 Min. … 110. Burghardt 2:44 … 153. Knees 4:07 … 154. Voigt 4:20 … 161. Niermann 4:37 … 168. Ciolek 5:32. sprintwertung nach der 2. etappe: 1. Gilbert 45 Pkt., 2. Evans 35, 3. Hushovd 30, 4. Rojas 26, 5. van den Broeck 22, 6. Roy (Frankreich) 20 … 8. Klöden 18. bergwertung nach der 2. etappe: 1. Gilbert 1 Pkt.

Nürnberg (dpa) Mercedes bleibt am Norisring tonangebend. Mit dem Sieg im 5. Lauf zur Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) hat Bruno Spengler die Erfolgsserie der Silberpfeile in Nürnberg auf neun Siege nacheinander ausgebaut und die Gesamtführung in der DTM wieder übernommen. Der Kanadier setzte sich in dem gestrigen Rennen, das wegen Nässe schon nach drei Vierteln der Renndistanz abgebrochen werden musste, vor Jamie Green durch, der den Doppelerfolg perfekt machte. „Es ist ein gutes Gefühl, hier zu gewinnen“, sagte Spengler. „Am Ende hatten wir hinter dem Safety-Car Aquaplaning. Die Rennleitung hat mit dem Abbruch die richtige Entscheidung getroffen.“ Mercedes-Motorsport-Chef Norbert Haug lobte nach dem turbulenten Rennverlauf auf dem nur 2,3 Kilometer langen Stadtkurs: „Es war ein toller Job von Bruno und Jamie. Alle neune – unglaublich.“ Rivale Audi indes musste sich nach drei Saisonsiegen in Serie mit dem 3. Rang durch Martin Tomczyk zufriedengeben, der sich vom 10. Platz nach vorn kämpfte. Audi-Motorsport-Chef Wolfgang Ullrich resümierte mit Bedauern: „Ich glaube, es wäre heute noch mehr möglich gewesen, wenn das Rennen länger gegangen wäre.“

kurZ GemeldeT Siebener-Team steigt auf Rugby: Deutschland gewann in Heidelberg die Siebener-Europameisterschaftsqualifikation und ist damit wieder in die höchste kontinentale Spielklasse aufgestiegen. Mit einem hart umkämpften 29:24-Sieg in der Verlängerung gegen Polen gelang dem Team um Trainer Peter Ianusevici ein großer Erfolg. Beim Spielstand von 24:24 erzielte nach dem sogenannten SuddenDeath-Modus Chris Hilsenbeck in der 34. Minute den entscheidenden Versuch. Zuvor hatte das deutsche Team Mitfavorit Belgien mit 22:19 geschlagen. Ein starkes Turnier spielte Kapitän Mustafa Güngör. r

Tiefpunkt bei Topturnier Hockey: Sieben Wochen vor der Heim-Europameisterschaft in Mönchengladbach sind die deutschen Frauen auf einem Tiefpunkt angelangt. Bei der Champions Trophy in Amstelveen landete das verjüngte Team von Michael Behrmann nach einer 3:5-Niederlage gegen China im Spiel um den 7. Rang auf dem 8. und letzten Platz. „Wir sind total frustriert“, sagte Spielführerin Christina Schütze. Damit muss die deutsche Auswahl in die Champions Challenge absteigen. Sieger des Turniers der acht weltbesten Mannschaften wurde Gastgeber Niederlande durch ein 6:5 nach Penaltyschießen gegen Argentinien. dpa

Ovtcharov schmettert alle ab Tischtennis: Dimitrij Ovtcharov spielt derzeit groß auf. Der 22-Jährige gewann gestern die Korean Open, im Finale von Incheon besiegte er mit Lee Sang Su (4:1) den dritten Lokalmatador in Folge. „Das ist ein toller Saisonabschuss für mich“, sagte der für Fakel Orenburg in Russland spielende Ovtcharov, der vor drei Wochen schon die Brazil Open gewonnen hatte. „Ich bin sehr glücklich.“ Der Weltranglisten-15., dessen Karriere im Hamelner Ortsteil Tündern begonnen hatte, kassierte ein Preisgeld von 16 000 Dollar (umgerechnet rund 11 000 Euro). dpa

Ahlmann mit Temporitt Pferdesport: Die Deutschen dominieren die Global Champions Tour der Springreiter. Auf der 6. Station gewannen Christian Ahlmann (Marl) und Taloubet am Sonnabend in Estoril den Großen Preis. Das Duo blieb nach 45,21 Sekunden fehlerfrei und lag damit klar vor der für Portugal startenden Brasilianerin Luciana Diniz mit Winningmood (0/47,32). Das starke Abschneiden der Deutschen komplettierte Ludger Beerbaum mit Chaman (0/48,85), der viermalige Olympiasieger übernahm damit die Führung in der Gesamtwertung vor der Australierin Edwina Alexander. dpa


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Sport

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Luft nach oben

M An n sagt „Fußballerinnen sind alle lesbisch.“

Spielerisch haben Deutschlands Fußballfrauen bei der WM noch nicht überzeugt – wie auch andere Favoriten des Turniers

U

nd wenn schon! Doch so einfach ist es leider nicht: Homosexuelle im Fußball haben mit schweren Beleidigungen zu kämpfen. „Nichts scheint größer zu sein als die Angst, mit einem Schwulen unter der Dusche zu stehen“, sagt die Soziologin Nina Degele von der Universität Freiburg. Statistisch gesehen müsste jeder zehnte Kicker in Deutschland schwul oder lesbisch sein, doch unter den Profimännern hat sich noch niemand geoutet. „Fußball ist der KlischeeMännersport schlechthin“, sagt Sportwissenschaftlerin Tanja Walther-Ahrens. Die ehemalige Spielerin von Turbine Potsdam ist Lesbierin, sie sagt: „Der Druck ist so groß, dass Homosexuelle, je höher sie spielen, sagen: Ich höre auf.“ Warum trotzdem eher über die sexuelle Orientierung der Fußballfrauen gelästert wird? Weil sie offener mit dem Thema umgehen. Nationaltorhüterin Nadine Angerer bekannte sich vor der WM in einem „Zeit“Interview zu Männern und Frauen: „Ich finde eine Festlegung total albern.“ Und ihre Stellvertreterin Ursula Holl heiratete Freundin Carina, „11 Freundinnen“ widmete dem Paar eine große Personalgeschichte. Vor Jahren wurde mal ein Verhältnis zwischen Linda Bresonik und Inka Grings bekannt; doch ansonsten hat sich auch im Frauenfußball niemand offiziell geoutet. Und während der WM gilt für die Kickerinnen offenbar das, was auch die Kicker vom Outing abhält: Die größere Öffentlichkeit verstärkt Druck und Angst – auch vor einer schwierigeren Vermarktung. rie An jedem Tag der WM überprüfen wir ein Vorurteil über den Frauenfußball.

Gruppe A Nigeria – Frankreich Deutschland – Kanada Kanada – Frankreich Deutschland – Nigeria Frankreich – Deutschland Kanada – Nigeria 1. 2. 3. 4.

0:1 (0:0) 2:1 (2:0) 0:4 (0:1) 1:0 (0:0) morgen, 20.45 Uhr morgen, 20.45 Uhr

Frankreich Deutschland Nigeria Kanada

2 2 2 2

2 2 0 0

0 0 0 0

0 0 2 2

5:0 3:1 0:2 1:6

6 6 0 0

Gruppe B Japan – Neuseeland Mexiko – England Japan – Mexiko Neuseeland – England Neuseeland – Mexiko England – Japan 1. 2. 3. 4.

2:1 (1:1) 1:1 (1:1) 4:0 (3:0) 1:2 (1:0) morgen, 18.15 Uhr morgen, 18.15 Uhr

Japan England Mexiko Neuseeland

2 2 2 2

2 1 0 0

0 1 1 0

0 0 1 2

6:1 3:2 1:5 2:4

6 4 1 0

Gruppe C Kolumbien – Schweden USA – Nordkorea Nordkorea – Schweden USA – Kolumbien Schweden – USA Nordkorea – Kolumbien 1. 2. 3. 4.

0:1 (0:0) 2:0 (0:0) 0:1 (0:0) 3:0 (1:0) Mittwoch, 20.45 Uhr Mittwoch, 20.45 Uhr

USA Schweden Nordkorea Kolumbien

2 2 2 2

2 2 0 0

0 0 0 0

0 0 2 2

5:0 2:0 0:3 0:4

6 6 0 0

Gruppe D Norwegen – Äquatorialguinea Brasilien – Australien Australien – Äquatorialguinea Brasilien – Norwegen Äquatorialguinea – Brasilien Australien – Norwegen 1. 2. 3. 4.

Brasilien Australien Norwegen Äquatorialguinea

1:0 (0:0) 1:0 (0:0) 3:2 (1:1) 3:0 (1:0) Mittwoch, 18 Uhr Mittwoch, 18 Uhr 2 2 2 2

2 1 1 0

0 0 0 0

0 1 1 2

4:0 3:3 1:3 2:4

6 3 3 0

So Geht’S weiter Viertelfinale: VF1: Sieger Gruppe B – Zweiter Gruppe A VF2: Sieger Gruppe A – Zweiter Gruppe B VF3: Sieger Gruppe C – Zweiter Gruppe D VF4: Sieger Gruppe D – Zweiter Gruppe C

MONTAG, 4. JULI 2011 · NR. 153

Sbd., 18 Uhr Sbd., 20.45 Uhr Stg., 13 Uhr Stg., 17.30 Uhr

Halbfinale: HF1: Sieger VF1 – Sieger VF4 HF2: Sieger VF2 – Sieger VF3

13. Juli, 18 Uhr 13. Juli, 20.45 Uhr

Spiel um Platz 3: Verlierer HF1 – Verlierer HF2

16. Juli, 17.30 Uhr

Finale: Sieger HF1 – Sieger HF2

17. Juli, 20.45 Uhr

Düsseldorf. Es läuft noch nicht rund bei binationsspiel der deutschen Elf glich bisden Weltmeisterinnen. Mit sechs Punkten lang einem Fehlpassfestival, zumal die aus zwei Spielen stehen die deutschen Leichtfüßigkeit des Teams durch die unFußballfrauen zwar bereits vorzeitig im gewohnt große Kulisse in den Stadien und Viertelfinale der Heim-WM. Nach den das enorme öffentliche Interesse wie geeher durchwachsenen Leistungen in den hemmt scheint. Gruppenspielen gegen Kanada (2:1) und Auch vor 50 000 Leuten müsse man eiNigeria (1:0) kommen aber erste Zweifel nen Pass zur Mitspielerin bekommen, kriauf: Reicht es für die angepeilte zweite Ti- tisierte deshalb Neid, die nun überprüfen telverteidigung in Folge? Wer kann dem will, welche ihrer Akteurinnen für das Team von BundestraineFrankreich-Spiel noch rin Silvia Neid auf dem gesetzt sind. Einig sind Weg zum großen Ziel gesich alle: „Wir können fährlich werden? besser Fußball spielen.“ Vo n d er F r au en - W M Die deutschen Fans reiTrösten kann sich das ber i ch t e t ben sich die Augen. Nach deutsche Team damit, uWe Kranz 15:0 Toren in vier Vorbedass längst noch nicht reitungsspielen hatten alle Mitfavoriten in Bestsich viele eine schwungform sind. Schweden hat vollere Angriffsleistung erhofft. „Diese die Runde der letzten acht zwar ebenso erErgebnisse darf man nicht überbewerten“, reicht wie die deutsche Mannschaft, ohne mahnte Angreiferin Alexandra Popp ges- dabei aber glänzen zu können. Derweil tern, die auch mit der eigenen Leistung zeichnet sich mit den Mannschaften aus haderte. Zum denkbar schlechtesten Zeit- Frankreich, Japan, den USA und Brasilien punkt stecken zudem Leistungsträgerin- vor dem letzten Vorrundenspieltag ein nen wie Birgit Prinz und Fatmire Bajra- Quartett ab, das auf dem Weg zum erhoffmaj in einem ausgeprägten Formtief. ten dritten WM-Titel die größte KonkurDas Übel beginnt aber bereits in der renz für das deutsche Team sein dürfte. Spieleröffnung, und das gefürchtete Kom- Eine Zwischenbilanz.

Br asilien

Fr a n k r ei ch

I

st Brasilien wirklich mehr als Marta? Bislang präsentierte sich die Elf der Südamerikanerinnen, die auf das antiquierte System mit einem Libero setzen, als eine schlecht harmonierende Ansammlung von zugegeben guten Individualisten. Doch gegen Spitzenteams bei dieser WM kann das zu wenig sein. Wäre da nicht eben diese Marta, die nicht nur über herausragende Fähigkeiten, sondern auch über einen ausgeprägten Willen verfügt. So reißt sie ihr Team mit – oder entscheidet das Spiel fast allein, wie gestern gegen Norwegen. Als Gruppenzweiter träfe die deutsche Elf in einem möglichen Halbfinale auf Brasilien. Werden beide Gruppenerster, gibt es die Revanche für das WM-Finale 2007 frühestens im Endspiel.

D

J a pa n

Usa

H

A

omare Sawa heißt die bei dieser WM bislang erfolgreichste Torschützin. Dreimal traf die erfahrene Mittelfeldspielerin, die sich in der US-Profiliga WPS den letzten Schliff geholt hat, in der Partie gegen Mexiko (4:0). Den eigentlichen Angriff der Japanerinnen bilden die Bundesligaspielerinnen Yuki Nagasato (Potsdam), die das erste WM-Tor ihres Teams gegen Neuseeland (2:1) erzielte, und Kozue Ando (Duisburg). Spielentscheidend im Team aus Fernost sind jedoch oft die überraschenden Ideen und Pässe von Mittelfeldspielerin Aya Miyama, mit denen sie die gegnerischen Abwehrketten zur Verzweiflung bringt. Dem deutschen Team könnte die Begegnung mit den wuseligen Asiatinnen bereits im Viertelfinale drohen.

Spontane Begeisterung Von U w e K ranz

ie Französinnen haben bereits in der WM-Qualifikation mit einem Torverhältnis von 50:0 in zehn Spielen aufhorchen lassen. Die Balance zwischen Alt und Jung, die Bundestrainerin Silvia Neid bei dieser WM noch zu schaffen macht, hat ihr französischer Kollege Bruno Bini bereits gefunden. Mit der fast 38-jährigen Sandrine Soubeyrand zieht eine „Grande Dame“ die Fäden im Mittelfeld und ordnet das Spiel der erfolgreichen Stürmerinnen wie Gaetane Thiney und Camille Abily (je zwei Tore). Mit Berangere Sapowicz verfügt Frankreich über eine herausragende Torfrau. Im letzten Gruppenspiel morgen stehen die deutschen Frauen den Französinnen erstmals gegenüber. Ein Wiedersehen könnte es im Finale geben.

uch bei den USA läuft mit Abby Wambach der Star im Team seiner Form noch hinterher. Allerdings hat die Elf der schwedischen Trainerin Pia Sundhage mit tollem Offensivfußball gezeigt, dass sie nicht von der kopfballstarken Angreiferin abhängig ist. Gleich vier andere Offensivspielerinnen sorgten mit ihren Toren für sichere Erfolge gegen Nordkorea (2:0) und Kolumbien (3:0). Allein die Chancenverwertung ist mangelhaft. Aber die Null steht, zumal mit Rachel Buehler und Christie Rampone zwei unangenehme Innenverteidigerinnen in der Defensive abräumen und Torfrau Hope Solo zu den besten der WM gehört. Für die deutsche Elf wäre im Falle des Gruppensiegs ein Duell mit den USA im Halbfinale möglich.

Zwei Spiele, zwei Siege: Sportlich ist Silvia Neid mit den deutschen Fußballfrauen auf Kurs. Die Bundestrainerin weiß aber auch: Das Team kann noch besser spielen. dpa

Die Schönspielerin kommt nach Hause Von U w e K ranz

F

atmire Bajramaj hat sich verändert. Schon vor der WM hatte Bundestrainerin Silvia Neid festgestellt, „Lira“ habe auf dem Spielfeld „ihre Leichtigkeit verloren“ – doch auch abseits des Platzes ist die Vorzeigefußballerin ernster geworden. Wie schön war doch die Zeit, in der sich die Fragen der Reporter noch hauptsächlich um ihre Sammelleidenschaften drehten, um Uhren, Schuhe und Engel – und um ihre Vorliebe für Nagellacke. Jetzt muss sie erklären, wo ihre Form geblieben ist. Unangenehm ist das. Bei der WM kam Bajramaj bislang kaum zum Zug. In den Kurzeinsätzen gegen Kanada und Nigeria zeigte sich auch, warum: Mit ihrer Art, den Ball mit vielen Tricks lange zu halten, passt sie so gar nicht in Neids System, das auf schnelles Kombinationsspiel ausgerichtet ist. Viele Fehlpässe und mangelhaftes Zweikampfverhalten

prägten ihr Bild bei dieser um das Thema Integration. WM bisher. Doch jetzt soll al„Ich habe mir selbst zu viel les besser werden. Bajramaj Druck gemacht“, gibt sie zu. kommt nach Hause. Die Trainerinnen bemühen „Mönchengladbach ist die sich, diesen Druck von ihren Stadt, in der ich aufgewachsen Schultern zu nehmen. „Wir bin, wo meine Familie und haben den Eindruck, dass sie Freunde leben. Es ist eines der Schritt für Schritt wieder die schönsten Stadien in Deutschalte ,Lira‘ wird“, sagt Kotrailand, da geht schon ein Wunsch nerin Ulrike Ballweg. in Erfüllung, dort zu spielen“, Doch Bajramaj bleibt leicht sagt sie mit Blick auf das letzreizbar. Zwar flachst sie weite Gruppenspiel gegen Frankter gern, zum Beispiel über reich. Für sie ist ihre Familie Fatmire Bajramaj ihren Auftritt bei „Verstehen besonders wichtig. Und GeSie Spaß“. Doch bei kritischen borgenheit tut Not für Bajramaj. Fragen werden die Antworten immer kürVor der WM hatte die 23-Jährige zu viel zer. Mit dem Vorwurf des Potsdamer Traiauf einmal angepackt: die Vorbereitung ners Bernd Schröder konfrontiert, dass sie auf das Turnier, den Wechsel von Turbine nicht ins Team integriert sei, antwortet sie Potsdam zum Erzrivalen 1. FFC Frank- sogar bissig. „Herr Schröder hat vielleicht furt und dazu einen Haufen PR- und In- gerade nichts zu tun und sagt viele unterviewtermine. Und immer wieder dreh- überlegte Dinge. Wir lachen darüber“, te sich bei der gebürtigen Kosovarin alles sagt Bajramaj. Dann lacht sie nicht mehr.

Neid bangt weiter um Behringer Düsseldorf (uwe). Bundestrainerin Silvia Neid muss vor dem dritten und letzten Vorrundenspiel der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft morgen Abend gegen Frankreich (20.45 Uhr, live im ZDF) weiterhin um den Einsatz von Mittelfeldspielerin Melanie Behringer bangen. Wegen ihrer Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk konnte die Frankfurterin gestern erneut nur ein Lauftraining absolvieren. Aussetzen musste gar Linda Bresonik. Die Verteidigerin vom FCR Duisburg litt unter den Folgen eines Magen-DarmVirus; aus diesem Grund hatte sie tags zuvor das Training sogar abbrechen müssen. Auch ihr Einsatz gegen Frankreich ist noch nicht sicher. Was die übrigen DFB-Frauen betrifft, gab Kotrainerin Ulrike Ballweg gestern Entwarnung. Die Spielerinnen beklagten nach dem Nigeria-Spiel nur eine Reihe „großer Hämatome und langer Striemen an Schienbeinen und Knien“.

Düsseldorf. Die Nachricht hatte sich verbreitet wie ein Lauffeuer. Am Sonnabendmorgen hatten die regionalen Tageszeitungen noch berichtet, dass die deutschen Fußballfrauen in Meerbusch bei Düsseldorf unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren würden, dann entschloss sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) spontan, doch die Tore zu öffnen – und auf die Schnelle drängelten sich 2000 Zaungäste in dem kleinen Trainingsstadion. Das überwältigte dann auch Teammanagerin Doris Fitschen, die schon einiges erlebt hat in ihrer Karriere. „Wir wollten den Fans Danke sagen für die tolle Unterstützung“, sagte Fitschen. Der Dank kam offenbar an. „Als wir in den Ort reinkamen, standen dort so viele Autos, und wir dachten, die können doch nicht alle wegen uns da sein“, sagte Martina Müller. Nach ihrer Oberschenkelzerrung absolvierte die Wolfsburger Angreiferin erstmals wieder ein Mannschaftstraining und genoss die Kulisse deshalb doppelt. „Das zeigt uns, dass wir anerkannt werden.“ Die Reaktion der Zuschauer war für die Spielerinnen aber auch ein deutliches Zeichen, dass sie ihnen das zeitweise gruselige Fußballspiel gegen Nigeria (1:0) nicht groß nachtragen. „La Ola“ schwappte über die Ränge des kleinen Stadions, zudem versuchten die Fans, die Spielerinnen mit Schlachtrufen für das Spiel morgen Abend gegen Frankreich (20.45 Uhr, live im ZDF) aufzumuntern. „Das gibt uns zusätzliche Motivation für die WM“, stellte Torfrau Nadine Angerer fest. Den Kontakt mit dem Publikum beim Autogrammeschreiben schienen einige Spielerinnen besonders zu genießen. Verflogen war die Enttäuschung und Anspannung nach Tagen der Selbstkritik, weil der Weltmeister in den ersten beiden Gruppenspielen dem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden war. Mit Rückenwind geht die Elf von Bundestrainerin Silvia Neid in Richtung des letzten Vorrundenspiels. Die neue Sicht auf das bisher Erreichte brachte Verteidigerin Linda Bresonik auf den Punkt: „Man kann immer etwas Negatives finden. Aber wir haben sechs Punkte geholt, spielen vor den geilsten Fans, die Stadien sind ausverkauft, und vor dem Fernseher sitzen 16 Millionen Leute.“ Anzeige

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Feldspielerin fängt Ball, Elfmeterpfiff bleibt aus Alle Spiele – alle Tore: Das WM-Wochenende in der Übersicht / Kuriose Schiedsrichterentscheidung in Bochum

Kurz GeMelDet Lahm drückt die Daumen Mutmacher: Kapitän Philipp Lahm und die Männer-Nationalelf fiebern bei der Frauen-WM mit dem deutschen Team. „Zieht euer Ding durch und holt euch diesen Titel, den wir zuletzt so oft verpasst haben“, richtete der Bayern-Profi den DFB-Fu��ballerinnen via „Bild am Sonntag“ aus und beteuerte: „Die Nationalmannschaft und ich drücken euch die Daumen.“ Lahm, der 2006 bei der Heim-WM das erste Tor im Eröffnungsspiel erzielt hatte, empfahl seinen Kolleginnen vor dem letzten Gruppenspiel gegen Frankreich: „Genießt es, lasst euch von der Begeisterung tragen.“ Wenn das bloß immer so einfach wäre … dpa

Fast wie im Spiel: Auch beim Training der deutschen Elf sind die Plätze voll. dpa

Brasilien gegen Norwegen (hier: Marta, links, und Nora Holstad) – das war nicht immer Samba, sondern oft eher Polka. dpa

Wolfsburg (dpa/r). Es geht doch! Brasilien, zum Auftakt gegen Australien (1:0) enttäuschender Turnierfavorit bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft, zeigte gestern Abend vor 26 067 Zuschauern im ausverkauften Stadion in Wolfsburg erstmals ein bisschen was von der Leichtigkeit des Spiels. Gegen Norwegen gab es einen hochverdienten 3:0-Sieg, wobei die Skandinavierinnen mit ihrem hölzernen Langweilerstil maßlos enttäuschten. Brasilien sicherte sich damit als sechstes Team vorzeitig einen Platz im Viertelfinale. Marta, vorgesehen für eine der WM-Hauptrollen und beim Auftaktsieg ebenfalls noch nicht in Schwung, deutete erstmals ihre große technische Klasse an und traf zweimal (22./48. Minute). Beim 1:0 half ihr allerdings erst ein unerlaubter und von der Schiedsrichterin nicht geahndeter Schubser auf dem Weg zum Tor. Das zwischenzeitliche 2:0 in einer kurzweiligen und einseitigen Partie erzielte Rosana (46.), die Vorarbeit kam von … Genau: von Marta.

nordkorea – schweden 0:1 Die Nordkoreanerinnen waren vor der WM zum erweiterten Favoritenkreis gezählt worden. Nach zwei Spielen ist das Aus in der Vorrunde jedoch bereits besiegelt. Trainer Kim Kwan Min stellte sich nach der 0:1-Niederlage gegen Schweden in Augsburg dennoch schützend vor sein Team: „Unsere Spielerinnen haben viel gelernt. In vier Jahren werden wir uns viel stärker als bei dieser WM präsentieren.“ Schwedens Frauen erwiesen sich dagegen erneut als Minimalistinnen. Vier Tage nach dem 1:0 gegen Kolumbien reichte wieder ein einziges Tor, diesmal von Lisa Dahlkvist (64. Minute), zum Sieg.

Usa – kolumbien 3:0 Die Amerikanerinnen wurden auch im zweiten Turnierspiel ihrer Favoritenrolle vollauf gerecht und vergaben gegen die überforderten Kolumbianerinnen Chancen für ein Schützenfest. Mehr als die drei Gegentreffer durch Heather O’Reilly

Hannover zum halben Preis bei

(12.), Megan Rapinoe (50.) und Carli Lloyd (57.) ließ Torfrau Sandra Sepulveda aber nicht zu.

australien – Äquatorialguinea 3:2

Ein Online-Service der HAZ und NP 50960501_11070400100000111

Australien erhielt sich die Chance auf die K.-o.-Runde. Mit dem 3:2 gegen Äquatorialguinea in Bochum feierten die „Matildas“ gestern ihren ersten Turniersieg. Für Diskussionsstoff sorgten weniger die Leistungen beider Teams, sondern eine krasse Fehlentscheidung der Schiedsrichterin. Zur Verwunderung aller übersah die Ungarin Gyoengyi Gaal in der 16. Minute ein klares Handspiel von Bruna im Strafraum. Die Afrikanerin hatte den Ball gefangen und mehrere Sekunden in den Händen gehalten – auf den Elfmeterpfiff warteten alle Beteiligten jedoch vergeblich. Leena Khamis (8.), Emily van Egmond (48.) und Lisa De Vanna (51.) trafen für Australien, Genoneva Anonma (21./83.) für den WM-Neuling. Spezial zur Frauen-WM auf

Ratzeburg: „Einfach toll“ DFB zufrieden: Hannelore Ratzeburg sieht bereits nach der ersten Woche die Frauenfußball-WM als Erfolg. „Ich hätte nicht mit so einer Resonanz gerechnet“, sagte die Verantwortliche für Frauen- und Mädchenfußball im Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Das ist einfach getoppt worden durch das Interesse der Medien und der Zuschauer. Das ist einfach sensationell, einfach toll. Es ist schon ein Teilziel erreicht, dass wir Leute ins Stadion bewegen können, die das erste Mal Stadionerfahrungen machen“, sagte Ratzeburg. Die DFB-Vizepräsidentin hofft, dass sich der Schwung auch auf den Breitensport auswirkt: „Danach ist nicht alles zu Ende, im Grunde geht es erst richtig los.“ dpa


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