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NEUE APOTHEKEN ILLUSTRIERTE SÜDTIROL

10 HAUSMITTEL, DIE WIRKLICH WIRKEN

2018 /1

DIE RICHTIGE BEHANDLUNG VON TINNITUS

GESUNDE

ZÄHNE ZEIGEN


Editorial

Inhalt

Liebe Leserinnen und Leser, ein spannender Frühling steht uns bevor. Nachdem wir diesmal seit langem wieder einen echten Winter hatten, gibt die Natur jetzt richtig Gas. Auch in der Politik soll es einen Neustart geben. Lassen wir uns überraschen, wie sich der Weg Italiens und Südtirols entwickelt, und ob wir überhaupt eine funktionierende Regierung bekommen. Da sicher auch einige Maßnahmen im Bereich Gesundheit anstehen, wäre es schön, wenn dabei die praktischen Bedürfnisse und Erfahrungen der Akteure im Gesundheitswesen berücksichtigt würden und nicht einfach im stillen Kämmerlein über Reformen und Umstrukturierungen entschieden würde. Egal was kommt - wir Apotheken werden jedenfalls immer auf Ihrer Seite stehen und für Sie da sein. In dieser Ausgabe finden Sie wieder eine ganze Reihe von interessanten Themen, von Zahngesundheit über Übungen zum Rückenstärken, Migräne bei Kindern, Tinnitus und wir erklären, wo Hypnose helfen kann. Genießen Sie die Lektüre. Die über 120 Apotheken in Südtirol wünschen Ihnen einen guten Start in den Frühling. Egal wann Sie uns brauchen, wir sind immer für Sie da! Viele Spaß beim Lesen Ihr

Stephan Peer Apotheke Peer, Lana

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Gesunde Zähne zeigen

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Aktuelles aus Südtirol Rheuma-Liga hat 2018 viel vor

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Titelthema »Gesunde Zähne zeigen«

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Ihr Apotheker informiert 10 Hausmittel, die wirklich wirken Verdauung: Die beste Medizin aus Ost und West Vier Übungen, die nicht nur den Rücken stärken Schnupfen oder Allergie? Die richtige Behandlung von Tinnitus

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Heilpflanzenlexikon Traubensilberkerze

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Eigentümer und Herausgeber: Verband der Südtiroler Apothekeninhaber Redaktion: Dr. Stephan Peer in Kooperation mit Neue Apotheken Illustrierte, Peter Erik Felzer Mitarbeit: Dr. Michaela Falkensteiner, Dr. Stephan Peer, Dr. Michela Parduzzi

Verantwortliche Direktorin: Dr. Michaela Falkensteiner Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Zeitung wieder Grafische Gestaltung: SIGN Kommunikation GmbH, Frankfurt am Main, Deutschland Martin Kaufmann Druck: Schleunungdruck, Deutschland Eintragung: Landesgericht Bozen, Nr. 12/07 am 26.06.2007

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DEINE APOTHEKE

Tipps für Senioren Arzneien bei Herzschwäche: Auf Mineralstoffe und Gewicht achten

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Junge Familie Könnte mein Kind Migräne haben?

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Informationen für Diabetiker Auf den Diabetes hören

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Ernährungstipp So gesund sind Gewürze wirklich

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Impressionen Wo Hypnose helfen kann

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Rätsel


Aktuelles aus Südtirol

RHEUMA-LIGA HAT 2018 VIEL VOR Das Arbeitsjahr 2018 steht bei der Rheuma-Liga ganz im Zeichen der Stärkung und Entwicklung der Rheumatologie in Sü dtirol. Nachdem im Jahr 2017 durch die kräftige Unterstü tzung der Gesundheitslandesrätin Dr.in Martha Stocker und des Sü dtiroler Sanitätsbetriebes unter der Leitung des Generaldirektors Dr. Thomas Schael und des Sanitätskoordinators Dr. Thomas Lanthaler der landesweite »Rheumatologische Dienst« unter der Leitung von Professor Dr. Christian Dejaco geschaffen wurde, wird die Rheuma-Liga mit ganzer Kraft dafü r arbeiten, dass der Dienst ausgebaut und weiterentwickelt wird. »Rheuma ist eine Volkskrankheit mit ca. 100.000 Betroffenen in Sü dtirol. Das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit irgendwann im Leben mit Rheuma zu tun zu haben, recht groß ist. Dementsprechend muss großes Augenmerk auf die Entwicklung der Rheumatologie gelegt werden. Dazu braucht es eine unabhängige landesweite Struktur, eine gute Vernetzung und einen guten Austausch mit anderen Fachgebieten. Besonders wichtig ist uns die Ausbildung von jungen Rheumatologen, um einem kü nftigen Ärztemangel vorzubauen«, meinen Präsident Gü nter Stolz und Geschäftsfü hrer Andreas Varesco. Um ihre Ziele zu erreichen, wird die Rheuma-Liga 2018 folgende Schwerpunkte setzen.

Rheuma-Gipfel im Mai Auf Initiative der Rheuma-Liga wird in Zusammenarbeit mit der Vereinigung ATMAR aus dem Trentino und der Morbus-Bechterew-Vereinigung Nordtirol ein »Rheuma-Gipfel«, ein interregionales Treffen der Rheumatologen der Europaregion Tirol, in Bozen stattfinden. Der Gipfel soll dazu dienen, dass sich die Rheumatologen der Euregio Tirol austauschen und gemeinsame Strategien fü r die Zukunft entwickeln können. Die Rheuma-Liga arbeitet seit Jahren mit den Schwestervereinigungen der Europaregion Tirol zusammen. »Unser Motto lautete stets: Zusammen sind wir stark. Das ist unsere Grundü berzeugung und die Patienten profitieren von der Zusammenarbeit der Ärzte.«, erklärt Präsident Stolz.

Ehrung fur den Vater der Rheumatologie in Sudtirol Erarbeitung des Betreuungspfades fur Fibromyalgie Die 2017 begonnenen Arbeiten zur Erarbeitung eines Betreuungspfades fü r Fibromyalgie sollen 2018 abgeschlossen werden. Motor der Arbeiten ist der Rheumatologe Dr. Bernd Raffeiner. Der Betreuungspfad ist deshalb so wichtig, damit die leidgeprü ften Patienten von Beginn an einheitlich behandelt werden und nicht von einem Arzt zum nächsten weitergereicht werden. Um zu verhindern, dass die Betroffenen in der Anfangsphase auf sich allein gestellt sind, möchte die Rheuma-Liga die Betreuung nach der Erstdiagnose ausbauen.

Neue Firbromyalgie-Selbsthilfegruppe im Pustertal Seit kurzem gibt es auch eine Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe im Pustertal. Damit ist sie neben den Selbsthilfegruppen in Bozen und Meran die dritte ihrer Art. Es ist vor allem der Pusterer Bezirksleiterin Anna Steger und dem Mitglied Renate Tasser zu verdanken, dass sich die Gruppe konstituiert hat. Das erste Treffen fand am 23.02.2018 um 19:30 Uhr in der Kegelbar von St. Georgen statt.

Ein besonderer Höhepunkt der heurigen Vollversammlung der Rheuma-Liga war neben der Neuwahl des Vorstandes die Ehrung fü r den Leiter der Rheumaambulanz am Krankenhaus Bozen Dr. Armin Maier. Die Rheuma-Liga hat Dr. Armin Maier fü r seine besonderen Verdienste rund um die Rheumatologie und sein ehrenamtliches Engagement fü r die Betroffenen die Ehrenmitgliedschaft der RheumaLiga verliehen. »Armin Maier war ü ber Jahre hinweg die treibende Kraft, wenn es um den Aufbau der Rheumatologie ging. Vieles von dem, was wir heute haben, wäre ohne seinen Einsatz nicht denkbar«, unterstreicht Geschäftsfü hrer Andreas Varesco. •

Besonders wichtig ist die Ausbildung von jungen Rheumatologen, um einem kü nftigen Ärztemangel vorzubauen. DEINE APOTHEKE

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Titelthema

GESUNDE ZÄHNE ZEIGEN WARUM ZAHNGESUNDHEIT DEM GANZEN KÖRPER GUTTUT

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DEINE APOTHEKE


Beim Thema Mundgesundheit denken die meisten an weiße Zähne und gesundes Zahnfleisch. Doch die Zahnpflege lohnt sich für den gesamten Körper. Gesund beginnt im Mund – und Kranksein oftmals auch.

»Zahnbürste tanz in meinem Mund. Mach die Zähne mir gesund.« Gespannt schauen die Fünf- und Sechsjährigen in einem Kindergarten auf die singende Zahnputzhexe Irma. »Hin und her, Zähneputzen ist nicht schwer«, singen die Kleinen begeistert mit. Warum man sich die Zähne putzen soll, hat ihnen Irma schon erklärt. »Damit ich keine Löcher bekomme!«, antwortet der sechsjährige Arne.

Enge Beziehung Mit dieser Meinung steht der Junge nicht allein. Fast 90 Prozent aller Kinder wissen, dass sie Zähne putzen, um Karies zu vermeiden, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. Wer sich unter Erwachsenen umhört, erhält auch die Antwort, dass die richtige Zahnhygiene einer Entzündung des Zahnfleischs vorbeugt. Doch Zähne putzen für den ganzen Körper? Davon haben bislang nur wenige gehört. Wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen: Wer sich um seinen Mund kümmert, tut damit seinem gesamten Körper etwas Gutes. Diese Erkenntnis bestätigen diverse medizinische Organisationen. So wies das Robert Koch-Institut bereits vor einigen Jahren darauf hin: »Mundgesundheit bezieht sich nicht nur allein auf die Zähne, sondern steht in enger Beziehung zur gesamtkörperlichen Gesundheit und zum Wohlbefinden.«

Fast 90 Prozent aller Kinder wissen, dass sie Zähne putzen müssen, um Karies zu vermeiden. Doch Bürste und Zahnpasta können noch mehr. > Lesen Sie weiter auf Seite 6. DEINE APOTHEKE

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Titelthema

> Fortsetzung von Seite 5

Erstdiagnose durch Zahnarzt »Nachvollziehbar und in der Vergangenheit prägend war, dass zahnmedizinische Erkrankungen in erster Linie mit dem Zahnschmerz und seinen Auswirkungen auf die körperliche Konstitution verbunden wurden.« Dies betont Professor Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. »Sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Phänomen, aber im Rahmen einer modernen Zahnheilkunde heute durchaus ein immer selteneres Ereignis.« Gesundheit und Zähne – ein Wechselspiel. Es wirken sich viele allgemeine Erkrankungen auf die Mundhöhle aus und verstärken das Risiko für Karies und andere Erkrankungen des Zahnhalteapparates. So besitzen Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein dreimal so hohes Risiko, an einer Zahnbetterkrankung zu leiden. Nicht selten er-

Mund auf beim Zahnarzt. Dabei entdeckt er mitunter auch eine allgemeine Erkrankung wie Diabetes. 6

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kennt der Zahnarzt die Zuckerkrankheit wegen ihrer Auswirkungen in der Mundhöhle sogar als Erster.

Wechselspiel im Körper Einerseits zeigen sich viele allgemeine Erkrankungen oder Umstellungen des Körpers im Mund. »Andererseits haben wiederum zahnmedizinische Erkrankungen Auswirkung auf allgemeinmedizinische Erkrankungen im Hinblick auf Symptome, Auslösung oder Verstärkung«, weiß Oesterreich zu berichten. Dies gilt etwa für HerzKreislauf-Leiden, rheumatische Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Magen- und Darmerkrankungen sowie Erkrankungen des Halte- und Stützapparates. Die Ursachen hierfür lassen sich am Beispiel des Diabetes gut aufzeigen. Was Forscher schon länger wissen: Eine Entzündung des Zahnfleisches läuft bei Diabetikern oft stürmischer ab, und sie besitzt ein höheres Risiko zu entgleisen. »Zudem befeuert Diabetes nicht nur die Parodontitis, sondern auch umgekehrt«, erklärt Professor Dr. Peter Eickholz.

Bakterien auf Wanderschaft »Eine vertiefte Zahnfleischtasche ist voller Bakterien«, so der Direktor der Poliklinik für Parodontologie an der GoetheUniversität Frankfurt am Main. »Über den Blutkreislauf verteilen sie sich im Körper und lösen an den Blutgefäßen Entzündungen aus.« Auch an Stellen, die weit weg von den Zäh-


Bei Entzündungen im Mund können sich Bakterien und andere Erreger im ganzen Körper verteilen.

nen liegen. Dies bleibt nicht ohne Folgen. So reagieren Typ-2-Diabetiker noch unempfindlicher auf Insulin, was ihre Erkrankung weiter verstärkt. Ebenfalls im Visier dieser Bakterien: das Herz-Kreislauf-System. Entzündliche Veränderungen der Gefäßinnenwände verursachen arterielle Verschlusskrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Neben Rauchen, dem bereits erwähnten Diabetes, Alkoholmissbrauch und Übergewicht gehören auch diese chronischen Entzündungen zu den wichtigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Bei einer unbehandelten Parodontitis gelangen permanent Bakterien aus den vertieften Zahnfleischtaschen ins Blut. Manche dringen direkt in die Zellen der Gefäßwände ein, was den Ausgangspunkt einer schwerwiegenden Gefäßerkrankung bilden kann.

Risiko für Frühgeburt steigt Darüber hinaus können Munderkrankungen auch das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft erhöhen. Neben Karies spielen hier entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates eine besondere Rolle. Bei betroffenen Schwangeren haben die Kinder öfter ein geringes Geburtsgewicht. Zudem kommt es häufiger zu einer Frühgeburt. Von Diabetes bis zu Schwangerschaftskomplikationen gilt: Mit der Zeit steigt das Risiko. Besteht eine Zahnbetterkrankung über viele Jahre hinweg, erhöht sich entsprechend die Gefahr einer negativen Wechselwirkung mit dem Organismus.

Keine Sonderrolle Grundsätzlich halten Experten wie Oesterreich fest, dass hinsichtlich der Ursache und Entstehung zahnmedizinischer Erkrankungen diese keinerlei Sonderrolle im Vergleich zu schweren Allgemeinerkrankungen einnehmen. So schaden Rauchen, Stress oder auch eine mangelhafte Ernährung nicht nur Mund und Zähnen, sondern auch Herz und Kreislauf. Zudem spielt das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass ein niedriges Einkommen und eine einfache Schulbildung das Risiko sowohl für allgemeinmedizinische als auch für zahnmedizinische Erkrankungen erhöht. Hier sind die Ärzte in Sachen Vorbeugung und Aufklärung besonders gefragt.

Es lässt sich etwas tun Oesterreich weiß, was jeder selbst tun kann. »Die tägliche häusliche Zahnpflege und die regelmäßige professionelle Zahnreinigung sind sehr viel mehr als nur Maßnahmen zum Erhalt der Zähne. Sie können schwerwiegenden Erkrankungen vorbeugen und dienen so der Verbesserung und dem Erhalt der allgemeinen Gesundheit und damit der Lebensqualität.« • Peter Erik Felzer

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Hausmittel, die wirklich wirken Zahnschmerz, Erkältung oder schlechter Schlaf? Wohlmeinende (Groß)Eltern haben für fast jede Lebenslage ein Hausmittel parat. Oft hilft allein schon die zwischenmenschliche Zuwendung. In vielen Fällen steckt in alten Hausmitteln jedoch pharmazeutisches Potenzial, wie Forscher immer häufiger feststellen.

1. Geriebener Apfel gegen Durchfall Bei Durchfall braucht der Körper Flüssigkeit und Mineralstoffe. Darüber hinaus kann geriebener Apfel den Stuhl wieder fester machen. Der Ballaststoff Pektin aus der Apfelschale nimmt im Darm Flüssigkeit auf, so dass der »Dünnpfiff« nicht mehr so dünn ist. Den Effekt machen sich auch einige Durchfallmittel aus der Apotheke zunutze. Auch sie enthalten Pektine. 2. Backpflaumen gegen Verstopfung Lange schon kommt sie gegen Verstopfung zum Einsatz, was an den darin enthaltenen Ballaststoffen liegt. Eine Studie bescheinigte der Backpflaume eine bessere Wirkung als dem arzneilich genutzten Flohsamen, insgesamt ist die Datenlage dazu jedoch eher dünn. Einen Versuch sind die Pflaumen bei Verstopfung jedoch immer wert. 3. Honig gegen Husten Reizhusten ist besonders quälend, wenn er nachts den Schlaf stört. Wer hätte gedacht, dass ein Teelöffel Honig die Zahl der Hustenattacken senkt? Israelische Forscher haben

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das in einer Studie mit 300 Kindern nachgewiesen. Für Kinder unter einem Jahr eignet sich Honig jedoch nicht, denn er kann in seltenen Fällen zum gefährlichen Säuglingsbotulismus führen.

4. Hühnersuppe bei Erkältung Eine heiße Suppe tut eigentlich immer gut, besonders wenn sie von einem lieben Menschen zubereitet wurde. Darüber hinaus hat speziell Hühnersuppe eine positive Wirkung auf das Immunsystem. In einer US-amerikanischen Studie sorgte sie dafür, dass sich bei einer Erkältung die Entzündungsreaktion im Körper weniger ausbreitete. Hühnerbrühe allein reicht dafür jedoch nicht, es muss für die Wirkung auch Gemüse enthalten sein. 5. Ingwer gegen Übelkeit In Fernost gilt Ingwer als Allheilmittel. Die Wirkung von Ingwerwurzel gegen Übelkeit hat mittlerweile auch westliche Mediziner in zahlreichen Studien überzeugt. Dabei ging es neben Reiseübelkeit auch um Übelkeit in der Schwangerschaft und durch Chemotherapie bei Krebs. Weil Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft fehlen, sind Ärzte bei werdenden Müttern mit Ingwer noch vorsichtig.


6. Lavendelsäckchen für guten Schlaf Die kleinen mit Lavendelblüten gefüllten Kissen sehen nicht nur hübsch aus und riechen angenehm. Wenn sie unter dem Kopfkissen liegen, helfen sie auch dem Nachtschlaf. Diese Form der Aromatherapie kannte schon die Großmutter. Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die diesen Effekt für die Einnahme von Lavendelöl belegen. Entsprechende Präparate führt jede Apotheke. 9. Wadenwickel gegen Fieber An Wadenwickel kann sich wohl jeder aus der Kindheit erinnern. Im ersten Moment waren die kühlen Tücher immer unangenehm, aber ihr fiebersenkender Effekt zeigte sich zuverlässig nach mehrfachem Wechsel. Das klappt auch heute noch und sogar bei Erwachsenen – die haben jedoch meist nicht mehr so häufig hohes Fieber.

7. Leinsamen für die Verdauung Ein doppelter Effekt für die Verdauung wird Leinsamen zugeschrieben. Studien zeigen, dass das Leinöl gegen Durchfall wirkt, weil es die Darmbewegung verlangsamt und den Einstrom von Flüssigkeit in den Darm verringert. Die ganzen Leinsamen lindern dagegen Verstopfung. Die Schleimschicht auf der Samenschale quillt nach der Einnahme auf. Das erhöht das Stuhlvolumen und wirkt abführend. Dazu immer gut trinken.

10. Heiße Zitrone gegen Erkältung Die Symptome von Erkältungen sind das Haupteinsatzgebiet von Hausmitteln. Die heiße Zitrone ist darunter der Klassiker. Allerdings geht durch die Hitze etwas von dem darin enthaltenen Vitamin C verloren. Für Vitamin C enthaltende Präparate hat eine Übersichtsarbeit gezeigt, die viele Studienergebnisse zu dem Thema zusammenfasst: Vorbeugen kann man Erkältungen mit Vitamin C kaum, es sei denn, man ist Extremsportler oder wohnt in polaren Gefilden. Aber wenn man bereits erkältet ist, hilft das Vitamin, die Krankheitsdauer leicht zu verkürzen. • Apotheker Rüdiger Freund

8. Nelken gegen Zahnschmerz Die getrockneten Knospen der Gewürznelke kennen viele aus dem Glühwein. Neben seinem Aroma hat das aus den Knospen gewonnene Nelkenöl einen gesundheitlichen Pluspunkt: Es hilft örtlich aufgetragen gegen Zahnschmerzen, zumindest vorübergehend. Die Ursache der Schmerzen zu beseitigen, ist dann eine Sache des Zahnarztes. DEINE APOTHEKE

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Heilpflanzenlexikon

Traubensilberkerze lindert Frauenleiden Ursprünglich stammt die Traubensilberkerze aus Nordamerika und wurde dort bereits von den Indianern unter anderem in der Geburtshilfe eingesetzt.

Mittlerweile hat sie sich in der westlichen Frauenheilkunde einen hohen Stellenwert erobert und wird auch in Mitteleuropa angebaut. Extrakte aus dem Wurzelstock dieser Pflanze bessern Wechseljahres- und Menstruationsbeschwerden. Obwohl die Pflanze keine Östrogene, also weibliche Geschlechtshormone, enthält, konnten Wissenschaftler nachweisen, dass einige Inhaltsstoffe der Wurzel eine östrogenähnliche Wirkung besitzen. Das könnte erklären, warum die gut verträglichen Extrakte gegen hormonbedingte Leiden wie Wechseljahresbeschwerden und das Prämenstruelle Syndrom helfen können.

derem Schweißausbrüche, Depressionen oder Schlafstörungen. Bis der Traubensilberkerzenextrakt diese gelindert hat, können bis zu sechs Wochen vergehen – nicht ungewöhnlich für pflanzliche Präparate. Wird die Wurzel als Tee zubereitet, enthält der Auszug keine der für die Wirkung wichtigen fettlöslichen Inhaltsstoffe. Mit standardisierten Fertigpräparaten aus der Apotheke in Form von Tabletten oder Tropfen vermeidet man dieses Problem, denn sie werden meist aus alkoholischen Extrakten hergestellt. • Apotheker Rüdiger Freund

Allerdings ist die genaue Wirkungsweise des Extrakts noch unbekannt. Zu den Symptomen der Wechseljahrsbeschwerden gehören unter an-

Inhaltsstoffe aus der Traubensilberkerze besitzen östrogenähnliche Eigenschaften. Die Heilpflanze kann leichte Beschwerden in den Wechseljahren lindern

10 DEINE APOTHEKE


LUST IN DER APOTHEKE ZU ARBEITEN?

INTERESSE AN EINER GUTEN AUSBILDUNG? ALS PHARMAZEUTISCH KAUFMÄNNISCHER ASSISTENT/IN HAT MAN EINEN ABWECHSLUNGSREICHEN UND ZUKUNFTSSICHEREN BERUF! NÄHERE INFOS ZU LEHRE UND AUSBILDUNGSMÖGLICHKEITEN IN IHRER APOTHEKE ODER BEIM VERBAND DER APOTHEKENINHABER VERBAND DER APOTHEKENINHABER TEL. 0471 974058 info@federfarma.bz.it


Ihr Apotheker informiert

VERDAUUNG DIE BESTE MEDIZIN AUS OST UND WEST Wann fühlt sich der Mensch besonders wohl? Klar: Wenn er sich in netter Gesellschaft befindet, keine großen Sorgen hat und rundum gesund ist. Zum letzten Punkt zählt sicher, dass der Körper »unauffällig« und beschwerdefrei funktioniert. Ganz oben auf der Liste steht dabei eine regelmäßige Verdauung. Sowohl westliche Medizin als auch Ayurveda haben ihre speziellen Rezepte dafür.

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DEINE APOTHEKE


MAGEN-DARM-MITTEL DER WESTLICHEN NATURHEILKUNDE Symptom: Verstopfung Durchfall Blähungen Appetitlosigkeit (Reise-)Übelkeit

Verdauung ist mehr als nur Stuhlgang und die Häufigkeit der Toilettengänge. Einerseits »muss« nicht jeder gleich oft. Die Bandbreite ist sogar ziemlich groß: Zwischen dreimal am Tag und dreimal in der Woche liegt die Spanne, die Ärzte als normal ansehen. Andererseits ist der Stuhlgang nur das letzte Glied in einer Kette von vielen Verdauungsschritten. Läuft davor etwas schief, macht sich das unter Umständen später als Durchfall oder Verstopfung bemerkbar. Hier sind sich die westliche Medizin und Ayurveda einig, wobei es dann recht bald mit den Gemeinsamkeiten aufhört. Hierzulande steht die Verdauung medizinisch gesehen gleichwertig neben zahlreichen anderen körperlichen Vorgängen. Für eine geregelte Verdauung gelten die drei Grundsätze »abwechslungsund ballaststoffreiche Ernährung«, »viel trinken« und »ausreichend Bewegung«. Gerät sie trotzdem aus dem Ruder, dann können Arzneimittel gegensteuern.

Alle Krankheiten beginnen im Darm Ganz so einfach ist es im Ayurveda nicht. Hier besitzt die Verdauung einen besonderen Stellenwert, denn Darm und Verdauung bilden das Zentrum der indischen Heilkunde. »Der Darm gilt im Ayurveda als Hauptorgan, zuständig für Krankheit und Gesundheit«, sagt Dr. Kalyani Nagersheth. Sie muss es wissen, denn sie arbeitete als Ärztin an verschiedenen deutschen Krankenhäusern und

Pflanzliches Mittel aus Extrakten von: Aloe, Faulbaum, Sennes, Rhabarber, Rizinus, Flohsamen, Leinsamen Uzara, Schwarzer Tee, Eichenrinde, Brombeerblätter Fenchel, Anis, Kamille, Kümmel, Pfefferminze Enzian, Wermut, Tausendgüldenkraut Ingwer

hat zusätzlich ayurvedische Medizin studiert. In Frankfurt am Main leitet sie derzeit eine entsprechende Praxis. Nicht nur Verdauungsprobleme, alle Erkrankungen haben laut Ayurveda ihren Ursprung im Verdauungstrakt und können durch ihn behandelt werden. Somit setzen Diagnose und Therapie hier an. Da wundert es nicht, dass die Ernährung ein zentrales Thema im Ayurveda ist. Pflanzliche Heilmittel – westliche Pflanzen eingeschlossen – ergänzen die therapeutischen Möglichkeiten.

Drei Doshas im Gleichgewicht Welche Nahrungsmittel wem guttun, ist im Ayurveda zum großen Teil ein Frage der sogenannten Doshas. Es gibt drei dieser Energieprinzipien, die gleichzeitig auch für verschiedene Aspekte der Materie stehen, aus denen der Mensch zusammengesetzt ist: Vata, Pitta und Kapha. Nagersheth: »Jeder Mensch enthält immer alle drei, aber in einem individuellen Verhältnis.« Eine Krankheit stört dieses Gleichgewicht. Dann helfen entsprechende Nahrungs- oder Heilmittel, die geschwächte Doshas stärken oder zu dominant gewordene beruhigen. Weiterhin kennt Ayurveda den Begriff des Verdauungsfeuers »Agni«, das immer stark genug sein muss, um die Nahrung ordentlich zu verdauen und den Körper gesund zu halten. »Brennt« es zu schwach, bedeutet das oft Verstopfung. Manche Nahrungsmittel fachen Agni an, bei-

spielsweise Ingwerwasser vormittags getrunken oder scharfe Gewürze. Oft hilft kurzes Fasten, um Agni quasi erst auf Null zu setzen. Danach kann man das Verdauungsfeuer schrittweise wieder aufbauen. Bei einem beeinträchtigten Stuhlgang ist der ayurvedische Arzt gefragt. Er kann bestimmen, wie Agni arbeitet und welche Doshas betroffen sind. Anschließend empfiehlt er eine darauf abgestimmte Ernährung und/oder bestimmte Arzneien. »Ayurveda betrachtet den Menschen als Ganzes«, erklärt Expertin Nagersheth. Nicht Krankheiten würden behandelt, sondern der Mensch in seiner momentanen Situation und Umgebung. Die Behandlung setzt daher voraus, dass der Arzt die Lebensumstände und individuelle Konstitution der Doshas des Patienten kennt. Die westliche Medizin arbeitet dagegen eher symptombezogen und lindert die Beschwerden unmittelbarer. Gerade bei schweren Erkrankungen ist das ein Vorteil. Die unterschiedlichen Ansätze beider Systeme können sich jedoch bei leichteren Erkrankungen gut ergänzen. • Apotheker Rüdiger Freund

DEINE APOTHEKE 13


Ihr Apotheker informiert

VIER ÜBUNGEN, DIE NICHT NUR DEN RÜCKEN STÄRKEN Oft liegt es an Muskelverspannungen, dass man unter Rückenbeschwerden leidet. Diese lassen sich einfach stärken. Redakteur Peter Erik Felzer hat einige Übungen für Sie ausprobiert, die sich leicht im Alltag umsetzen lassen. Sie dürfen das Training mit speziellen Fitnessgeräten durchführen. Es bieten sich aber auch ein Besenstil oder eine Stange an.

ÜBUNG 1: KAYAKING

ÜBUNG 2: AUSFALLSCHRITT

Das Kayaking kräftigt die Rückenmuskulatur und bietet sich zum Aufwärmen an.

Diese Übung kräftigt die Bein- und Gesäßmuskulatur.

Ausgangsstellung: Schulterbreiter Ausfallschritt. Das Fitnessgerät im schulterbreiten Griff, Arme leicht gebeugt. Bewegungsausführung: Die Arme in schwungvolle Bewegung von links nach rechts bringen, als würde man ein Kajakpaddel benutzen.

Ausgangsstellung: Ausfallschritt. Der hintere Fuß steht auf den Zehen. Blick geradeaus. Bewegungsausführung: Abwärtsbewegung des hinteren Knies, ohne dabei den Boden zu berühren. Vorderes Knie dabei nicht über den Fuß schieben. Rücken aufrecht halten. Dann die Seiten wechseln.

Das englische Wort Kayaking erinnert an die klassische Paddelbewegung einer Kajakfahrt. 14 DEINE APOTHEKE


ÜBUNG 3: CRUNCH Ein Klassiker unter den Bauchübungen. Ausgangsstellung: Rückenlage. Beine angewinkelt. Das Fitnessgerät mit leicht gebeugten Armen vor und über dem Körper. Bewegungsausführung: Das Fitnessgerät durch eine Oberkörperbewegung in eine höhere Position bringen, die Bauchmuskulatur dabei anspannen.

ÜBUNG 4: SEITNEIGEN Sie kräftigt die schräge Bauch- und Rückenmuskulatur. Ausgangsstellung: Wirbelsäule aufgerichtet. Schulterbreiter Stand. Arme leicht gebeugt. Das Fitnessgerät über dem Kopf. Bewegungsausführung: Das Fitnessgerät zu einer Seite neigen. Aber nur soweit es nicht wehtut. Dann die Seite wechseln.

Im Gleichgewicht: Fast darf man sich wie ein Jedi-Ritter fühlen. Das verwendete Trainingsgerät für den Rücken ähnelt ein wenig einem Laserschwert aus den Star-Wars-Filmen. In der bis zwei Meter langen Röhre befindet sich gefärbtes Wasser. Bei den Übungen hält man sie so, dass sich die Flüssigkeit halbwegs im Gleichgewicht befindet. Gar nicht so einfach. Denn wer für »Ruhe« sorgen möchte, muss viele Muskelgruppen einsetzen. Dies trainiert neben dem Rücken und Armen auch die Koordination.

Peter Erik Felzer DEINE APOTHEKE 15


Tipps für Senioren

Arzneien bei Herzschwäche: Auf Mineralstoffe und Gewicht achten Eine mitunter lebensbedrohliche und belastende Herzschwäche tritt oft nach einem Herzinfarkt auf, kann aber auch allein die Folge von Bluthochdruck sein. Es gibt Medikamente, die Betroffenen helfen können. Mehr darüber verriet Professor Dr. Lutz Hein, Pharmakologe an der Universität Freiburg, auf einer internationalen Apothekerfortbildung.

Ist das Herz zu schwach, um genug Blut in die Arterien des Körpers zu pumpen, sind mitunter schon leichtere körperliche Belastungen zu viel. Luftnot tritt auf, teils sogar in Ruhe. Das Herz gerät aus dem Takt, es gibt Herzrhythmusstörungen. Unbehandelt kann eine solche Herzschwäche lebensbedrohlich werden. Und die Zahl Betroffener nimmt hierzulande nach wie vor zu. Erfreulich ist laut Hein aber, dass der konsequente Einsatz moderner Medikamente in den letzten Jahren dazu beigetragen hat, die Aussichten und Beschwerden von Herzschwäche-Patienten zu verbessern.

sind das Angiotensin II und die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.

Entwässernde Mittel am Anfang Am Anfang der Therapie stehen oft entwässernde Mittel, sogenannte Diuretika. Diese Arzneistoffe helfen zum einen, durch Herzschwäche bedingte Wasseransammlungen im Körper zu beseitigen, und zum anderen, den Blutdruck sowie die Herzbelastung zu senken. Erweitert wird das Arsenal an Medikamenten unter anderem durch Arzneien, die sich gegen bestimmte Botenstoffe des Körpers richten, die den Blutdruck steigern und das Herz stark antreiben. Diese Botenstoffe

Die gegen diese Botenstoffe eingesetzten Arzneistoffe sind sogenannte ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten und bestimmte Betablocker. Besonders Betablocker müsse man Hein zufolge mit Bedacht einsetzen. Zwar sei es auf Dauer sehr gut, wenn das Herz durch Betablocker bedingt nicht zu hart arbeitet. Senkt man die Herzleistung aber zu sehr, leistet das ohnehin schwache Herz deutlich zu wenig und kann den Körper nicht mehr mit Blut versorgen. Oft werden Medikamente bei Herzschwäche in Kombination eingesetzt.

16 DEINE APOTHEKE

Herzschwäche-Patienten dürfen weder zu viel, noch zu wenig trinken. Optimal sind 1,5 bis 2 Liter am Tag.


Unerwünschte Wirkungen Hein wies darauf hin, dass man sorgsam auf unerwünschte Wirkungen der Arzneien achten sollte, so etwa auf mögliche Veränderungen der Blutkonzentrationen für das Herz wichtiger Mineralstoffe. Zu nennen sind hier Kalium, Natrium, Calcium oder Magnesium. Verändert sich der Kaliumwert im Blut zu sehr, kann das starke Herzrhythmusstörungen zur Folge haben. Wichtig sei laut Hein auch, dass Patienten zwar ausreichend, aber nicht zu viel trinken – etwa anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag. Um die richtige Balance von Flüssigkeitsaufnahme und -verlusten zu finden, empfahl Hein ein einfaches Messgerät: die Körperwaage. Trinkt man deutlich zu wenig, verliert man an Gewicht. Trinkt man zu viel, legt man Gewicht zu. Zudem weisen Gewichtsveränderungen bei moderaten Trinkmengen auf mögliche Fehldosierungen entwässernder Arzneimittel hin. Eine Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen im Körper kann aber auch Zeichen für eine weiter verschlechterte Herzfunktion sein. HerzschwächePatienten sollten ihren Arzt daher auf eine recht rasche Gewichtszunahme hinweisen, damit er die Therapie bei Bedarf anpasst. Wichtig sei laut Hein auch, dass sich Menschen trotz Herzschwäche im Rahmen ihrer Möglichkeiten genug bewegen.

Mit all den heute verfügbaren Medikamenten und den Erfahrungen bei ihrer Anwendung haben Ärzte heutzutage einige Möglichkeiten, Menschen mit Herzschwäche zu helfen. •

WEISSDORN GIBT DEM HERZEN KRAFT Unter den Heilpflanzen, die einem schwachen Herzen zu neuer Energie verhelfen, nimmt der Weißdorn eine besondere Stellung ein. Gerade eine leichte Herzschwäche, die sich erst bei Belastung bemerkbar macht, spricht gut auf Extrakte des dornigen Strauchs mit den weißen Blüten an. Standardisierte Fertigarzneimittel mit Weißdornextrakt führt jede Apotheke. Wer möchte, kann sich aber auch ganz traditionell einen Weißdorntee aufbrühen. Den gibt es entweder fertig in Filterbeuteln oder in Form getrockneter Weißdornblätter und -blüten als lose Ware ebenfalls in Apotheken. Davon werden 1,5 Gramm (etwa ein Teelöffel) mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen und 15 Minuten ziehen gelassen. Drei- bis viermal täglich sollte man eine Tasse von diesem Tee trinken. Dr. Frank Schäfer DEINE APOTHEKE 17


Junge Familie

KÖNNTE MEIN KIND MIGRÄNE HABEN? Rund fünf Prozent aller Kinder und Jugendlicher leiden unter Migräne. Weil sich diese bei ihnen oft mit anderen Symptomen zeigt als bei Erwachsenen, wird sie häufig nicht entdeckt.

ten, der auch darunter leidet oder als Kind darunter gelitten hat, informiert die Stiftung.

Kinder leiden bei Migräne-Attacken anders als Erwachsene. Dieses Fazit zieht die amerikanische MigräneStiftung. Weniger der Kopfschmerz steht bei den jungen Patienten im Mittelpunkt. »Die möglichen Symptome können Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen und Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen einschließen«, so die Stiftung. Vor allem übergeben sich kleine Patienten häufiger als Erwachsene.

Migräne kann man »verschlafen« Mit vier bis sechs Stunden verlaufen Migräne-Attacken zudem meist kürzer als bei Erwachsenen. Deshalb »verschlafen« manche Kinder sie auch. Sie legen sich zu Beginn der Beschwerden hin, schlafen ein – und wenn sie aufwachen, können sie wie gewohnt weiterspielen. »Migräne kann sehr kräftezehrend sein, ist aber in den meisten Fällen behandelbar «, berichtet Schmerzspezialist Professor Dr. David Dodick in einer Pressemitteilung der Stiftung. Über die Häufigkeit von Migräne im Kindes- und Schulalter wissen Mediziner im Vergleich zu Erwachsenen nur wenig. Schätzungen gehen davon aus, dass die Verbreitung bei den 7- bis 9-jährigen Kindern bei rund zweieinhalb Prozent liegt. Bei den 10- bis 12-Jährigen sollen es

Es kommen verschiedene Auslöser infrage. Manchmal tritt eine Migräne-Attacke spontan auf. Aber eine nähere Recherche ergibt dann, dass bestimmte Auslöser dahinterstecken. Mitunter lösen sie bestimmte Lebensmittel aus, aber auch eine Änderung des Wetters oder der Höhenlage kommen infrage. Auch Stress und schwankende Hormonspiegel sind als Trigger bekannt. um die viereinhalb und bei den 13- bis 15-Jährigen gut fünf Prozent sein. Die Unterschiede zwischen Groß und Klein erschwerten laut des Experten aber die Diagnose bei jungen Patienten. Um zwischen gewöhnlichen Kopfschmerz und Migräne zu unterscheiden, hilft es, ein Schmerz-Tagebuch zu führen. Darin listen die Eltern zusammen mit ihrem Kind auf, welche Beschwerden wann und wie auftreten. Dies gibt dem Arzt wertvolle Hinweise.

Eine Sache der Familie Oft liegt eine genetische Veranlagung für Migräne-Attacken vor. Bei etwa 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Migräne gibt es einen nahen Verwand-

Entspannung lernen Als wirksame Vorbeugung hat sich ein Entspannungstraining erwiesen. Dabei lernen die Kinder mit bildgebenden Verfahren, die ihnen die eigenen Gehirnströme zeigen, sich zu entspannen. Mit einem solchen Programm geht die Häufigkeit von Migräne-Attacken deutlich zurück. »Migräne wird bei Kindern unterschätzt«, so die Migräne-Stiftung. Aber nicht nur bei ihnen. Auch viele Erwachsene wissen nicht, dass hinter ihren schweren Kopfschmerzen auch eine Migräne stecken kann. Nur die Hälfte von ihnen erhält eine richtige Diagnose. •

Viele Kinder »verschlafen« ihre Migräneattacke, was die Diagnose zusätzlich erschwert. 18 DEINE APOTHEKE

Peter Erik Felzer


Ihr Apotheker informiert

SCHNUPFEN ODER ALLERGIE? e, Hus – s a N it nde Laufe schlagenhe ppage gri ten, Ab e, die einen , aber tom iben Symp kt beschre o lässt e .S len Inf ine Allergie ander auch e ides vonein . e sich b erscheiden unt

Symptome

ALLERGIEN

GRIPPALER INFEKT

TYPISCH: geschwollene Nasenschleimhaut, gesteigerte Schleimproduktion, starker Juckreiz in Nase und/oder Augen, gerötete Augen, eventuell Atemnot

TYPISCH: Beginn meist mit Halskratzen, Abgeschlagenheit, Husten, Schnupfen, eventuell leicht erhöhter Temperatur, Gliederschmerzen

Auch möglich: Erschöpfung, Abgeschlagenheit Ursachen

Allergien treten häufig gegen Pollen, Lebensmittel, Hausstaub und Tierhaare auf.

Viren verursachen den grippalen Infekt. Manchmal satteln sich Bakterien auf die Infektion. Nur dann helfen Antibiotika.

Auftreten

Meist jedes Jahr wieder zu bestimmten Jahreszeiten

Weitgehend unabhängig von der Jahreszeit, oft beim Übergang von Herbst zu Winter

Medikamente

Sogenannte lokale Antihistaminika wie Levocabastin oder Azelastin helfen gegen Schnupfen und gereizte Augen.

Mittel gegen Allergien helfen nicht; Typische Arzneistoffe, die gegen grippale Infekte zum Einsatz kommen, wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen lindern Beschwerden wie Fieber und Gliederschmerzen.

Tabletten mit Cetirizin oder Loratadin mindern Beschwerden, die den ganzen Körper betreffen, wie Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen. Medikamente, die bei beidem helfen

Nicht einsetzen

Gegen die Symptome in der Nase helfen abschwellende Nasensprays. Diese nur einige Tage verwenden.

Gegen die Symptome in der Nase helfen abschwellende Nasensprays. Sie kommen auch bei einer Nasennebenhöhlen-Entzündung zum Einsatz, die sich manchmal aus einem grippalen Infekt entwickeln kann.

Vom Kortison abgeleitete Wirkstoffe als Nasenspray gegen eine verstopfte Nase oder Inhalationen davon bei allergischem Asthma

Vom Kortison abgeleitete Wirkstoffe als Nasenspray oder zum Inhalieren kommen bei schweren Infektionen der Atemwege zum Einsatz.

Inhalationen mit ätherischen Ölen wegen der Gefahr allergischer Reaktionen

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Ihr Apotheker informiert

DIE RICHTIGE BEHANDLUNG VON

TINNITUS Pfeifende Ohrgeräusche kennen viele Menschen aus eigener Erfahrung. Oft verschwinden sie wieder von allein. Halten sie jedoch an, sprechen Ärzte von einem Tinnitus. Da die Auslöser so vielfältig sind und auch für Fachleute teilweise noch im Dunkeln liegen, gibt es bei Tinnitus keine ursächliche Therapie. Leidet der Patient zusätzlich unter einem Hörverlust, können Hörgeräte beziehungsweise bei Bedarf im Einzelfall ein Cochlear-Implantat das Hörvermögen bessern.

»In jedem Fall muss ein Tinnitus ernst genommen werden«, warnen Hals-NasenOhren-Ärzte. Die Betroffenen sollten den Besuch beim HNO-Arzt nicht aufschieben, obwohl ein akuter Tinnitus, wie er oft nach einem Hörsturz auftritt, nicht als Notfall gilt. Viele Patienten erhalten in der Akutphase hoch dosiert Kortison in Form von Tabletten oder als Infusion. Ein solcher Behandlungsversuch kann helfen, die Situation zu verbessern. Oft bilden sich die Ohrgeräusche auch von selbst zurück – was Betroffene aber nicht davon abhalten sollte, zum Arzt zu gehen. Besteht der Tinnitus länger als drei Monate, sprechen Ärzte von chronischem Tinnitus. Dagegen gibt es bisher zwar keine Medikamente, aber andere Behandlungsoptionen können die Lebensqualität der Patienten verbessern. Am Anfang jeder Behandlung steht immer eine ausführliche Beratung durch den Arzt, der über den Verlauf der Erkrankung und Faktoren, die das Ohr schädigen, aufklärt. Grundsätzlich ist es sinnvoll, dass der Patient Lärm und andere belastende Situationen wie Stress vermeidet.

Mit Ohrgeräuschen umgehen lernen Auf Dauer hilft es den Patienten, wenn sie es schaffen, eine andere Einstellung zu den störenden Geräuschen zu bekommen. Hierfür können sie an einer sogenannten

»Patienten mit chronischem Tinnitus können zudem Schlafund Konzentrationsprobleme, Ängste oder Depressionen entwickeln«, erläutert Psychologin Ivanšić-Blau. »Diese lassen sich durch Therapien verbessern, was wiederum den Tinnitus lindern kann.«

kognitiven Verhaltenstherapie teilnehmen. Dr. Daniela Ivanšic´-Blau, Psychotherapeutin und Leiterin des TinnitusZentrums an der Universitätsklinik Jena, erklärt: »Auch wenn der chronische Tinnitus nicht verschwindet: Patienten können sich daran gewöhnen. Sie lernen in der Therapie, wie störende Ohrgeräusche in den Hintergrund ihrer Wahrnehmung treten können.« Die Geräusche sollen zudem als weniger katastrophal und angsteinflößend bewertet werden. Eine solche Behandlung ist in qualifizierten Praxen sowie in Kur- oder Reha-Einrichtungen als Gruppen- oder Einzeltherapie möglich.

Psychologen können Tinnitus-Patienten helfen, ständige Ohrgeräusche als weniger belastend zu empfinden. 20 DEINE APOTHEKE

Viele Verfahren wurden erprobt Darüber hinaus sind bereits viele verschiedene Verfahren gegen Tinnitus eingesetzt worden, zum Beispiel Geräte, die ein Rauschen auf der Tinnitusfrequenz erzeugen, elektrische Stimulation der Haut im Bereich des Ohres, Magnetfelder im Bereich des Kopfes, Überdruck-Therapie mit Sauerstoff, Musiktherapie oder Akupunktur. Alle genannten Verfahren haben gemeinsam, dass sie sich in klinischen Studien nicht eindeutig als wirksam erwiesen haben. In Einzelfällen hatten sie Erfolg, in anderen Fällen nicht. HNOÄrzte empfehlen sie daher zumindest in ihren Behandlungsleitlinien nicht. Abgesehen von medizinischen Behandlungsmöglichkeiten können Selbsthilfeorganisationen einen Beitrag zum Wohlbefinden der Patienten leisten. Sie übernehmen zusätzlich zum Arzt eine Beratungsfunktion. In diesen Gruppen steht der Informationsaustausch zwischen den Mitgliedern im Vordergrund und hilft den Beteiligten, mit ihrer Situation besser zurechtzukommen. • www.aponet.de


Informationen für Diabetiker

AUF DEN DIABETES HÖREN Geschädigte Nerven, Hautprobleme, Sehstörungen – Diabetes kann viele Folgen haben. Überraschend: Auch Schwerhörigkeit gehört dazu, wie eine Studie gezeigt hat.

Im Vergleich zu Gesunden erkranken Diabetiker rund doppelt so häufig an einem Hörverlust. Speziell hohe Frequenzen, die für die Deutlichkeit von Sprache sorgen, machen den Zuckerkranken zu schaffen. Aber auch tiefere Töne bereiten Diabetikern mit zunehmender Erkrankungsdauer mitunter Schwierigkeiten. Noch widmen sich nicht so viele Wissenschaftler diesem Thema. Doch mehrere Forschungsprojekte, darunter eine amerikanische Studie des Nationalen Gesundheitsinstitutes, untersuchen, wie sich die Zuckerkrankheit auf das Hörvermögen auswirkt. Als sicher gilt, dass Verdickungen der Blutgefäßwände im Innenohr den Hörverlust verursachen. Zusätzlich sorgt das Absterben sogenannter Haarzellen in der Hörschnecke, dem knöchernen Herzstück des Innenohres, für bleibende Hörschäden. Schallwellen leitet der Körper nur noch eingeschränkt weiter. Betroffene hören vorerst noch, verstehen aber immer weniger.

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Sicherheit durch Hörtests Als Folge des schleichenden Hörverlustes stürzen Diabetiker häufiger. Denn nicht selten gesellen sich zum eingeschränkten Hörvermögen Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. Bei vielen lässt die Freude an Kommunikation nach, die Angst vor Missverständnissen wächst. Nicht nur bei Zuckerkranken, sondern bei Schwerhörigen allgemein steigt dadurch das Risiko für soziale Isolation und Depression.

Auflösung der Rätsel von Seite 28.

In Anbetracht der Risiken, die ein Hörverlust mit sich bringt, empfiehlt es sich, einmal pro Jahr das Hörvermögen untersuchen zu lassen. Die kostenlosen Hörtests, sogenannte Audiometrien, beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Hörakustiker geben eindeutig Auskunft über den Zustand des Gehörs. Heißt die Diagnose Hörverlust, ist ein Hörgerät die effektivste Methode, die Beeinträchtigungen auszugleichen. Man unterscheidet zwei Formen: Geräte, die im Ohr und solche, die hinter dem Ohr getragen werden. Bei den Im-Ohr-Geräten verbirgt sich die Technik nahezu unsichtbar im Gehörgang. Der Schall wird weiterhin von der Ohrmuschel aufgefangen, vom Gerät modifiziert und direkt weitergeleitet. Sitzt das Hörgerät hinter dem Ohr, transportiert ein transparenter Schlauch den Schall in den Gehörgang. Welches System sich am besten eignet, entscheidet der Hörakustiker nach Vorlieben des Patienten, dessen anatomischen Gegebenheiten, vor allem aber nach dem Grad der Schwerhörigkeit. Er passt das Gerät an die persönlichen Hörbedürfnisse des Patienten an und optimiert die Einstellungen der Hörhilfe während einer Probephase bis zum bestmöglichen Hörergebnis. Die empfindliche, Infekt anfällige Haut von Diabetikern sollte bei der Auswahl des entsprechenden Hörgerätes ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen. Es empfehlen sich antiallergische Materialien sowie Systeme, die möglichst wenig Druck auf die Haut ausüben und den Gehörgang offenlassen. • Apothekerin Claudia Timmermann

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Ernährungstipp

SO GESUND SIND GEWÜRZE WIRKLICH Gewürze bringen nicht nur Pep ins Essen, sondern helfen auch der Gesundheit auf die Sprünge, wie immer mehr Studien zeigen.

Die Volksmedizin setzt Gewürze seit Jahrtausenden als Medizin ein. Doch was können welche Gewürze? Hier der Stand der Forschung zu Kurkuma, Ingwer, Chili und Zimt − vier Gewürze, die in keiner Küche fehlen dürfen.

Kurkuma hemmt Entzündungen, stärkt den Zellschutz Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, gehört zu den Ingwergewächsen. Bei uns wird es selten frisch verwendet, doch findet es sich in allen Currymischungen. Im Fokus der Forschung steht es, weil Wissenschaftler viele Hinweise auf positive Effekte finden. In Labor- und Tierstudien schützte der gelbe Farbstoff Kurkumin Zellen vor oxidativem Stress und wirkte entzündungshemmend. Diese Effekte spielen eine wichtige Rolle bei Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs. Bei beiden Krankheiten zeigten einzelne Studien mit Kurkumin zwar günstige Effekte, für klare Empfehlungen ist die Datenlage aber noch zu dünn.

se wieder besser arbeitete. Zudem senkte Kurkumin bei Patienten mit Typ-2-Diabetes den Blutzuckerspiegel. Grundsätzlich ist es jedoch fraglich, was die Aufnahme von Kurkuma im Rahmen der normalen Ernährung bringt. Denn der Darm kann nur einen Bruchteil ins Blut aufnehmen. In Form pflanzlicher Arzneimittel können Inhaltsstoffe aus Kurkuma aber so verpackt werden, dass die Aufnahmekapazität steigt.

Zimt senkt Blutzuckerwerte Bratäpfel, Milchreis, Plätzchen: Zimt gehört zu den beliebtesten Gewürzen, nicht nur in der Weihnachtszeit. Es stammt von der Rinde des Zimtbaums, der in den Tropen wächst und bis zu 20 Meter hoch werden kann.

Auch für Diabetiker scheint Kurkumin interessant zu sein: Die regelmäßige Einnahme bewirkte bei Menschen, die auf einen Diabetes zusteuern, dass die Bauchspeicheldrü-

• Ein Beispiel für den positiven Einfluss von Gewürzen: Zimt kann helfen, Blutzucker- und Blutfettwerte zu verbessern.

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Zimtstangen sind bei uns vor allem in zwei Varianten erhältlich: Als gröberer Cassia-Zimt oder feiner CeylonZimt. In punkto Gesundheit hat Zimt zwei Gesichter. Zum einen hat es positive Effekte: In Studien senkte es den Blutdruck, stärkte die Zellabwehr gegen oxidativen Stress und wirkte entzündungshemmend. Die regelmäßige Aufnahme verbesserte zudem das Profil der Blutfette, führte zu niedrigeren Blutzuckerwerten und optimierte die Wirkung des Insulins. Davon profitieren vor allem Diabetiker. Auch hier gilt, dass die Ergebnisse zwar insgesamt vielversprechend sind, dass aber noch erforderliche weitere Studien fehlen. Zum anderen enthält Zimt den natürlichen Aromastoff Cumarin, der bei wenigen, sehr empfindlichen Menschen Leberschäden auslösen kann. Cumarin ist vor allem in Cassia-Zimt enthalten, Ceylon-Zimt ist dagegen arm an Cumarin. Ingwer gehört zu den ältesten Gewürzen der Welt. Er stammt von einer schilfartigen Staude, die unter der Erde Rhizome bildet – quer verlaufende Sprosse, die wir umgangssprachlich als Wurzel bezeichnen. Ingwer enthält eine ungewöhnlich breite Palette gesunder Inhaltsstoffe, zum Beispiel ätherische Öle und Scharfstoffe wie Gingerole. Im Labor und in Tierversuchen wirkten Extrakte der Ingwerwurzel entzündungshemmend, schützten die Zellen vor oxidativem Stress und senkten den Blutdruck. Ob ein regelmäßiger Verzehr diese Effekte auch beim Menschen bewirkt, muss noch weiter untersucht werden. Besser ist die Datenlage zum positiven Einfluss von Ingwer auf den Blutzuckerspiegel. Möglicherweise gibt es auch positive Effekte gegen Darmkrebs. Bekanntermaßen gut wirkt Ingwer gegen Magen-Darm-Beschwerden, vor allem gegen Übelkeit.

Chilis gibt es in vielen Varianten von mild bis höllisch scharf. Sie gehören zur Familie der Nachtschattengewächse. Wie scharf Chilipulver ist, hängt von seinem Gehalt an Capsaicin ab. Seine Wirkung auf den Körper ist gut untersucht: Es regt den Kreislauf und den Stoffwechsel an, wirkt antimikrobiell und entzündungshemmend.Vermutlich schützen die scharfen Schoten vor Herzerkrankungen, verändern die Zusammensetzung der Darmbakterien günstig und beugen zudem der Krebsentstehung vor, indem sie schädliche Zellveränderungen in einem frühen Stadium verhindern. Da der scharfe Stoff auch die Blutgefäße erweitert, tragen Chilis zur Senkung des Blutdrucks bei. Als Arzneimittel finden sich Capsaicin beziehungsweise Chilizubereitungen in Cremes und Pflastern. Auf die Haut aufgetragen, steigert es die Durchblutung, entspannt und lindert Muskelschmerzen. Geeignete Präparate gibt es in der Apotheke.

Nicht nur gesund, auch lecker Auch wenn bislang nicht klar ist, welche Gewürze in welchen Mengen die Gesundheit fördern – dass sie es tun, steht außer Frage. Obendrein bringen sie Pfiff an alle Gerichte, ob süß oder pikant, ob Suppe, Snack, Salat, Hauptspeise oder Drink. Herrlich lecker sind zum Beispiel diese Gewürzlinsen: Für vier Personen eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe abziehen, ein walnussgroßes Stück Ingwer und eine Kurkumawurzel (Asia-Laden) schälen, alles fein würfeln. Einen Bund Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden, drei Möhren in Scheiben hobeln. Zwei Esslöffel Sesamöl in einer Pfanne erhitzen, Zwiebel, Knoblauch-, Ingwerund Kurkumawürfel drei Minuten anbraten, dann 150 Gramm Puy-Linsen und das übrige Gemüse zufügen, mit 500 Milliliter Brühe aufgießen und alles bei kleiner Hitze 30 Minuten köcheln lassen. Kurz vor Garende 300 Gramm Rinderfilet in feine Streifen schneiden, salzen und pfeffern, in einem Esslöffel Sesamöl kräftig anbraten und unter die Linsen mischen. Alles mit Chili, Kurkumapulver, Salz und Pfeffer abschmecken. Guten Appetit! •

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Impressionen

WO HYPNOSE HELFEN KANN Die uralte Methode der Hypnose verbinden viele Menschen mit Zauberei oder Manipulation. Dabei ist Hypnose wissenschaftlich untersucht und wird in der Medizin vielfältig eingesetzt, zum Beispiel von Zahnärzten, Psychotherapeuten und sogar Chirurgen.

Eine düstere Kammer, ein schwingendes Pendel und ein beschwörender Blick: So ähnlich wird eine Hypnose im Fernsehen oder auf der Bühne dargestellt. Mit der medizinischen Hypnose hat das aber nichts zu tun. Gegen den eigenen Willen lässt sich niemand hypnotisieren, außerdem bleibt der Patient während der Hypnose reaktionsfähig. »Viele vergleichen das Erleben einer Trance mit dem angenehmen Zustand kurz vor dem Einschlafen, wenn man eher in Bildern denkt und der Körper zur Ruhe kommt«, informiert die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e.V. auf ihrer Internetseite. Die Angst vor vollständigem Kontrollverlust ist also unbegründet. Patient und Therapeut sind dabei vielmehr Partner, die gemeinsam daran arbeiten, unbewusste Ressourcen des Patienten zu aktivieren, um die Beschwerden zu lindern.

Psychotherapie Die Hypnotherapie ist seit 2006 vom wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie in einigen Bereichen anerkannt, etwa bei der Raucherentwöhnung. Viele Therapeuten behandeln mithilfe von Hypnose auch andere Süchte, Ängste, Depressionen, Zwänge oder Schlafstörungen. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Beschwerden, die psychosomatische Ursachen haben können, wie Kopfschmerzen, Migräne, chronische Schmerzen oder das Reizdarm-Syndrom. Zahnmedizin und Chirurgie Hypnose hat sich auch in der Zahnmedizin bewährt, zum Beispiel bei Angst vor dem Zahnarzt oder Spritzen, starkem Würgereiz oder Allergien gegen Narkosemittel. Im Trance-

Hypnose kann unter anderem von geschulten Psychologen eingesetzt werden, um beispielsweise die Therapie von Ängsten oder Zwängen zu unterstützen.

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zustand bemerkt der Patient das Setzen der Betäubungsspritze und die Behandlung im besten Fall gar nicht, da sich unter anderem die Schmerzwahrnehmung im Gehirn verändert. Daher kann der Arzt in vielen Fällen auch die Menge des lokalen Narkosemittels reduzieren. In einigen Fällen wird eine Hypnose auch alternativ zu einer Vollnarkose angeboten. Bei manchen Eingriffen ist es durchaus von Vorteil, wenn der Patient bei Bewusstsein ist. Ein Beispiel dafür ist die Tiefenhirnstimulation, die etwa bei starkem Zittern der Hände, auch Tremor genannt, zum Einsatz kommt. Bei diesem Verfahren werden gezielt Hirnareale elektrisch stimuliert, die für den Tremor verantwortlich sind.

Nebenwirkungen entfallen In der Regel finden solche Eingriffe unter Vollnarkose statt. Ob die OP geglückt ist und die Elektroden den Tremor wirklich unterdrücken, kann der Arzt jedoch erst feststellen, wenn er den Patienten wieder aus der Narkose geholt hat. »Durch die sedierende Wirkung der Narkose kann es hier zu verzerrten Ergebnissen kommen. Bei der Hypnose entfallen diese Nebenwirkungen der Narkose. Für die Erfolgskontrolle während des Einsetzens der Elektroden ist das ein enormer Vorteil«, erklärt Dr. Rupert Reichart, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Jena.• Natascha Koch

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FEHLERSUCHE: Im Bild links sehen Sie ein unverändertes Originalfoto. In der darunterstehenden Kopie haben wir sechs Fehler versteckt. Viel Spaß und Erfolg bei der Suche! Die Auflösung der Rätsel finden Sie auf Seite 23.

Fotos in diesem Heft: Titelbild »Gesunde Zähne zeigen« © Jacob Lund - shutterstock (S.2, 4/5, 16/17), Fotos und Illustrationen SIGNKommunikation (S. 8/9, 10, 14/15, 18, 20, 28), © grkic fotolia (S. 6), © cassis - fotolia (S. 7), © byheaven - fotolia (S. 12/13), © StockPhotoPro - fotolia (S. 16/17), © contrastwerkstatt - fotolia (S. 22/23), © FAROQ - fotolia (S. 24/25), © RFBSIP - fotolia (S. 26/27),

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Deine Apotheke Nr. 1 / 2018  

Deine Apotheke Südtiroler Apothekenzeitschrift

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