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NEUE APOTHEKEN ILLUSTRIERTE SÜDTIROL

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IHR APOTHEKER INFORMIERT

INFORMATIONEN FÜR DIABETIKER

PFLANZENHEILKUNDE, HOMÖOPATHIE: ALLES DASSELBE?

BLUTZUCKERMESSGERÄTE: HARTE SCHALE, SCHLAUER KERN

IHR APOTHEKER INFORMIERT

LICHT & LAUNE


Editorial

Inhalt

Liebe Leserinnen und Leser, schon wieder ist ein Sommer vorbei und der Herbst beginnt. Die Tage werden kürzer, die Bäume bunt und manch einer denkt wehmütig an die heißen und langen Tage im Juli und August. Genau damit beschäftigt sich diese Ausgabe unserer Zeitung, neben vielen anderen interessanten Themen wie Arzneimittelfälschungen und der Frage, warum man für eine Studie über die Verletzungen durch Kokosnüsse auch einen Nobelpreis erhalten kann. Die Wirtschaftskrise hat Italien und Europa fest im Griff – unvermeidlicher Weise kommt es dann auch von Seiten der Politik zu Einsparungen im Bereich Soziales und Gesundheit. Sie als Patienten können sich auf Ihre Apotheke verlassen. Sie wird Ihnen immer ein unabhängiger Lotse im Dickicht des Gesundheitswesens sein und Ihnen – wo möglich – kostensparende Alternativen aufzeigen bzw. anbieten. Fragen Sie einfach Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker. Seit kurzer Zeit gibt es einen neuen Gesundheitsberuf in Südtirol. Die Ergotherapie kann bei vielen Problemen im Alltag helfen. Mehr dazu erfahren Sie auf Seite drei.

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Licht und Laune

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Aktuelles 27. Oktober – Internationaler Tag der Ergotherapie

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Ihr Apotheker informiert Licht und Laune Pflanzenheilkunde und Homöopathie: alles dasselbe? Drei für den Darm Wissenstest: Ist mit Ihrem Magen alles in Ordnung? Die neue Lust am Wandern Zucker: Wie viele Würfel stecken im Saft? Der erste Eindruck zählt

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Heilpflanzenlexikon Beinwell

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Reportage Pillenplagiate per Post

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Tipps für Senioren Arthrose? So gehen Sie dagegen an

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Junge Familie Auch Väter können Windeln wechseln

Verantwortliche Direktorin: Dr. Michaela Falkensteiner Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Zeitung wieder

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Informationen für Diabetiker Blutzuckermeßgeräte: Harte Schale, schlauer Kern

Grafische Gestaltung: SIGN Kommunikation GmbH, Frankfurt am Main, Deutschland Jürgen Grabow, Martin Kaufmann

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Ernährungstipp Salz: Weniger ist mehr

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Impressionen Unterhaltsame Wissenschaft

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Rätsel

Diesen Sommer haben die ersten Pharmazeutisch Kaufmännischen Assistentinnen (PKA) ihre Ausbildung abgeschlossen. Alle acht haben ihre Prüfungen vor der Wirtschaftskammer Tirol mit Auszeichnung bestanden und arbeiten jetzt in den Apotheken. Die besten Glückwünsche zur erfolgreichen Prüfung und viel Erfolg im Berufsleben auch von unserer Seite. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr

Verband der Südtiroler Apothekeninhaber Apotheke Peer, Lana

Eigentümer und Herausgeber: Verband der Südtiroler Apothekeninhaber Redaktion: Dr. Stephan Peer in Kooperation mit Neue Apotheken Illustrierte, Jutta Petersen-Lehmann, Peter Erik Felzer Mitarbeit: Dr. Michaela Falkensteiner, Dr. Stephan Peer, Dr. Michela Parduzzi, Kathrin Malfertheiner

Druck: Fuck Druck & Verlag, Koblenz, Deutschland. Eintragung: Landesgericht Bozen, Nr. 12/07 am 26.06.2007

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DEINE APOTHEKE


Aktuelles

27. OKTOBER – INTERNATIONALER TAG DER ERGOTHERAPIE Die Ergotherapie (griech.: ergein- tun, handeln) geht davon aus, dass „tätig sein“ ein menschliches Grundbedürfnis ist und dass gezielt eingesetzte Tätigkeit gesundheitsfördernde und therapeutische Wirkung hat. Die Ergotherapie unterstützt Menschen jeden Alters, die aufgrund von Verletzungen, Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder sozialen Problemen körperlich, geistig und / oder psychisch beeinträchtigt und daher in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind. Durch Wiederherstellung, Verbesserung oder Kompensation von eingeschränkten Funktionen oder Fähigkeiten, durch die Gestaltung der Umwelt (Abbau architektonischer Barrieren, Wohnraumanpassung, Hilfsmittelversorgung, Angehörigenberatung) und durch das Wiedererlangen der Handlungsfähigkeit werden Menschen in den Bereichen Selbstversorgung (Essen, persönliche Hygiene), Produktivität (Schule, Haushalt, Beruf ) und Freizeit gestärkt. Neben Handlungsfähigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind Lebensqualität und – zufriedenheit die wichtigsten Eckpunkte der Ergotherapie. Die Therapieziele werden möglichst gemeinsam mit dem Patienten und dessen Angehörigen formuliert, wobei auch die verschiedenen sozialen Rollen sowie beeinflussende Umweltfaktoren berücksichtigt werden. In Südtirol arbeiten ErgotherapeutInnen in den Sanitätsbezirken, in privaten Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen. Ergotherapie wird von Fachärzten verordnet.

Ein Patientenbeispiel aus der Rheumatologie: Frau R. leidet seit vielen Jahren an rheumatoider Arthritis. Sie verspürt häufig Schmerzen vor allem in den Finger- und Handgelenken. Am Morgen sind die Gelenke ziemlich steif und werden erst nach einer Stunde beweglicher, auch Deformitäten an den Finger- und Handgelenken sind schon deutlich erkennbar. Bei der täglichen Hausarbeit ist sie langsamer und weniger belastbar. Anstrengende Tätigkeiten wie Fenster putzen, die Einkaufstasche tragen oder Marmeladegläser öffnen schafft sie nur noch mit großer Mühe. Beim Kochen hat sie Schwierigkeiten, Töpfe zu heben, das Gemüse zu schneiden und das Besteck zu halten.

Gemeinsam mit der Ergotherapeutin erarbeitet Frau R. in der Therapieküche verschiedene Strategien, wie sie ihren Alltag gelenkschonend organisieren kann. Dazu gehören beispielweise Pausen einlegen, Arbeiten im Sitzen statt im Stehen ausführen, elektrische Haushaltsgeräte einsetzen, anstrengende und einfache Tätigkeiten abwechseln, Gewichte auf beide Hände verteilen und vieles mehr. Zusätzlich zeigt ihr die Ergotherapeutin verschiedene Hilfsmittel wie rutschfeste Unterlagen, Griffverdickungen für Besteck und Stifte, abgewinkelte Schneidemesser, Schraubverschlussöffner und Einkaufstrolley. Zur Schmerzlinderung und um weiteren Deformitäten vorzubeugen, fertigt die Ergotherapeutin Handgelenksschienen auf Maß an. Schließlich wird Frau R. noch instruiert, täglich zu Hause einfache Bewegungsund Feinmotorikübungen für die Hand- und Fingergelenke durchzuführen, um die Gelenke langfristig beweglicher zu halten. • Kathrin Malfertheiner, Ergotherapeutin Regionalgruppe der AITO (associazione italiana dei terapisti occupazionali)

In Südtirol arbeiten ErgotherapeutInnen in den Sanitätsbezirken, in privaten Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen.

DEINE APOTHEKE

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Ihr Apotheker informiert

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DEINE APOTHEKE


LICHT & LAUNE Der Countdown läuft. Tag für Tag geht die Sonne früher unter und später auf. Das drückt bei vielen auf die Stimmung. Warum das so ist und wie man auch in der dunklen Jahreszeit genug Licht und bessere Laune bekommt, erfahren Sie hier.

»Bald sehe ich die Sonne gar nicht mehr«, klagt Katrin S.* »Da freue ich mich richtig auf den Frühling, auf mehr Sonne und Licht.« Und tatsächlich: Werden die Tage dann länger, steigt auch Katrins Laune-Barometer. Aber warum? Wie hängen Licht und Laune zusammen?

Es beginnt im Auge Ein Teil des Geheimnisses verbirgt sich in den Augen. Die nehmen zum einen Licht wahr, damit im Gehirn Bilder entstehen können. Zum anderen reagieren in der Netzhaut des Auges spezialisierte Sinneszellen auf Licht im Blaubereich. Diese Zellen werden für den Sehvorgang nicht gebraucht, leiten aber trotzdem bei Belichtung mit blauem Licht Reize an das Gehirn. Was diese dort bewirken, erläutert Professor Dr. Jürgen Staedt, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes Klinikum Spandau: »Das Licht kann indirekt aktivierende Botenstoffe im Gehirn freisetzen. Man weiß beispielsweise aus Untersuchungen bei gesunden Menschen, dass abhängig von der Tageslichtstärke und -dauer die Menge an Serotonin oder Noradrenalin

* Name von der Redaktion geändert

beeinflusst wird.« Beides sind aktivierende Hirnbotenstoffe. Außerdem »dreht« das Blaulicht an der »inneren Uhr« im Gehirn, sodass diese sich genau an der Tageslänge orientiert. »Die speziellen Blaulicht-Sinneszellen im Auge sorgen dafür, dass das schlaffördernde, dämpfend wirkende Hormon Melatonin bei Tag im Gehirn nicht mehr freigesetzt wird.« Oder möglicherweise doch, wenn die innere Uhr nicht richtig läuft, wie etwa an kurzen, dämmrigen Wintertagen. Bekommt man im Winter zu wenig Tageslicht ab, kann das fein abgestimmte, lichtgetaktete Räderwerk der Hirnbotenstoffe und -hormone kräftig durcheinandergeraten. Bisweilen kann man seinen inneren Rhythmus sogar durch Mode-Accessoires stören: »Wenn sie«, erklärt Staedt, »eine dieser modischen gelben Plastikbrillen aufsetzen, die den Blauanteil des Lichtes herausfiltern, werden sie – auch wenn sie gegen Spätnachmittag oder früh am Abend noch im Licht sind – steigende Melatoninspiegel haben. Dem Gehirn wird dann trotz offener Augen und Licht über das Melatonin gemeldet, dass die Nervenzellen sich auf den Schlafzustand einstellen sollen.«

> Lesen Sie weiter auf Seite 6

Ein gutes Mittel, sich die gute Laune zu erhalten: Auch im Herbst und Winter regelmäßig ans Tageslicht gehen, am besten vormittags oder nachmittags ein bis zwei Stunden.

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Ihr Apotheker informiert Zu wenig Licht macht krank Lange Dunkelheit trübt oft nicht nur ein wenig die Laune. Menschen, die zu Winterdepressionen neigen, können dadurch sogar richtig krank werden. Doch es gibt Hilfe, betont Staedt: »Mit einer Lichttherapie kann man die Betroffenen erfolgreich gegen eine Winterdepression behandeln.« Dazu braucht man spezielle, leuchtstarke Tageslichtlampen, normale Zimmerbeleuchtung reicht nicht, es mangelt an Blaulicht und Beleuchtungsstärke. Geeignete Tageslichtlampen gibt es in manchen Kliniken und Arztpraxen, man erhält im Elektrofachhandel aber auch Heimgeräte. Experten beurteilen diese Lampen als sehr hilfreich. »Die Lichttherapie ist genauso wirksam wie Arzneistoffe gegen Depressionen«, betont Staedt. »Doch sie hilft, ähnlich wie Antidepressiva, nur, wenn man sie auch wirklich über längere Zeit jeden Tag anwendet.« Am günstigsten wirkt die »Lichtdusche« am Morgen. Lichttherapie und antidepressiv wirkende Arzneimittel können sich in ihrer Wirkung ergänzen. Wichtig ist dazu eine ausführliche ärztliche Beratung. Neben Tageslichtlampen oder Antidepressiva hilft aber auch eine Verhaltensänderung. Staedt rät zu regelmäßigen Aufsteh- und Schlafenszeiten und empfiehlt, am Wochenende nicht viel länger im Bett liegen zu bleiben als unter der Woche. Außerdem bessern regelmäßige Spaziergänge bei Tageslicht die Laune. »Das ist im Alltag oft schwer zu schaffen«, weiß auch Staedt, »aber gut ist, wenn man zumindest versucht, regelmäßig rauszugehen, um genug Licht zu bekommen.«

Wenn Licht und frische Luft die Stimmung heben, überträgt sich die gute Laune auf die Mitmenschen.

Lichttherapie hellt im Übrigen nicht nur die Stimmung bei Winterdepressionen auf. »Es gibt Hinweise dafür, dass Lichttherapie auch bei ›normaler‹ Depression helfen kann. Das gilt besonders in Kombination mit einer Antidepressiva-Therapie. Es ist in Studien belegt, dass die Depression dann schneller zurückgeht, und bei Kombination von Licht und Medikamenten bereits nach einer Woche eine deutliche Besserung auftreten kann. Allerdings zeigt sich bei alleiniger Lichttherapie depressiver schwangerer Frauen erst nach etwa zehn Wochen ein Effekt.«

TIPPS FÜR GUTE LAUNE Zeit für sich Jeder Mensch braucht Zeit zum Alleinsein. Auch wenn es Ihnen wegen familiärer und beruflicher Verpflichtungen unmöglich scheint: Fahnden Sie in Ihrem Tagesablauf nach wenigstens einer halben 6

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Stunde Auszeit. Morgenmenschen können zum Beispiel vor der ganzen Familie aufstehen, in Ruhe den ersten Kaffee trinken und Zeitung lesen, Nachtmenschen gönnen sich vielleicht noch zu später Stunde ein Bad in der Wanne.

Duft in der Luft Es gibt Düfte, die scheinen den Stress aus dem Körper davonzutragen. Lavendel und Vanille gehören dazu. Andere wecken die Lebensgeister, wie zum Beispiel der Geruch nach Zitrusfrüchten. Testen Sie, welcher


GUTE-LAUNE-REZEPTE VON … … DAVID GROMMES, AUSZUBILDENDER »Dreimal die Woche ist Sport ein Muss. Zusammen mit meinen Freunden haben wir immer viel zu lachen.«

… JANNE »Ich habe gute Laune, wenn mich meine Mama oder mein Papa auf den Arm nimmt. Oder wenn ich bei meiner großen Schwester auf dem Schoß sitzen darf.«

Lichttherapie bei Demenz Die Lichttherapie kann auch für Patienten mit Demenz nützlich sein. Staedt: »Wenn man mit Alzheimer-Patienten eine Lichttherapie durchführt und hinterher einen geistigen Leistungstest macht, ergibt sich direkt nach der Lichttherapie ein besserer Wert, weil die Therapie aktivierend wirkt. Und durch einen starken Lichtimpuls morgens und einen weiteren am Abend kann man versuchen, der nicht

Duft Ihre Stimmung hebt, und gönnen Sie sich bewusst ab und an ein paar Nasen voll davon. Selig durch Bewegung Bewegung macht glücklich. Sie entspannt den Körper und verschafft sogar Hochgefühle, wenn man ein sich selbst gestecktes Ziel erreicht oder gar einen Wettkampf gewonnen hat. Sie gehört

… DANIELA SCHÄFER, BÜROASSISTENTIN »Lange Spaziergänge – egal bei welchem Wetter. Hierfür stärke ich mein Immunsystem mit Echinacea. Auch im Herbst versuche ich nämlich, so viel Tageslicht wie möglich zu tanken.«

mehr so gut funktionierenden inneren Uhr klarzumachen, wann Morgen und Abend ist. Wenn es nach einem hellen Lichtimpuls dunkel wird, bildet das ein Signal für das Tagesende.« Es gibt noch weitere Leiden, bei denen die Lichttherapie helfen kann, etwa bei manchen Persönlichkeitsstörungen oder beim »Baby-Blues«, also Depressionen von Frauen nach der Geburt eines Kindes.

zur Körper- und Seelenpflege unabdingbar dazu. Sogar Menschen mit Gelenkbeschwerden können sich bewegen – nahezu schmerzfrei im Wasser und häufig auch gut auf dem Fahrrad. Probieren Sie es einfach aus. Genuss gegen Frust Freunde der Schokolade hadern oft mit ihrem Körpergewicht. Glück

… LIVA, ERSTKLÄSSLERIN »Immer, wenn ich spielen darf. Am liebsten male ich Bilder, bastel’ etwas für meine Eltern und blättere in meinen Büchern. Auch mit meinem neuen Fahrrad fahre ich gerne.«

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten also. Und letztlich wirkt Licht gleich dreifach: Es aktiviert Glücksbotenstoffe im Gehirn, taktet die innere Uhr und ist Balsam für die Seele, beispielsweise bei schönen, farbenprächtigen Sonnenuntergängen im Spätherbst. Die genießt auf dem Heimweg aus dem Büro auch Katrin S. und vergisst dabei den Alltagsstress wenigstens für eine Weile. • Dr. Frank Schäfer

lässt sich aber auch ohne den zarten Schmelz essen. Zum Beispiel als in Butter gebackene Banane mit einem Klecks Honig oder als mit Marzipan und Rosinen gefüllter Bratapfel. Das sind zwar auch keine kalorienarmen Naschereien, aber sie sind doch um einiges gesünder als Schokolade.

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PFLANZENHEILKUNDE UND HOMÖOPATHIE, ALLES DASSELBE? Naturheilverfahren sind sehr beliebt. Viele Menschen vertrauen auf die Heilkräfte von pflanzlichen und homöopathischen Mitteln. Doch halt: »Pflanzlich« und »homöopathisch« sind nicht dasselbe.

Die Homöopathie ist rund 200 Jahre alt. Ihr Begründer ist der Arzt Dr. Samuel Hahnemann (1755 bis 1843). Ein Grundpfeiler der Methode lautet: »Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt.« Das bedeutet, dass diejenige Arznei für einen Patienten die richtige ist, die – in größerer Menge eingenommen – genau die Beschwerden hervorruft, an denen der Patient leidet. So wird in der Homöopathie beispielsweise plötzliches hohes Fieber nicht mit einem fiebersenkenden Medikament behandelt, sondern mit einer Arznei, die Eisenhut (Aconitum) oder Tollkirsche (Belladonna) enthält. Welches Mittel im Einzelfall passt, hängt von weiteren Beschwerden ab: ob der Patient eine trockene Haut hat oder schwitzt, ob er fröstelt und ängstlich ist oder über hämmernde Kopfschmerzen klagt. Nach solchen Einzelheiten fragt oft auch der Apotheker, bevor er ein homöopathisches Mittel für einen Patienten auswählt.

Ein weiteres Kernelement der Homöopathie ist die Verdünnung, die ein Mittel wirksamer machen soll. Unterschiedlich ist auch die Dosierung. Während der Patient von einem Pflanzenpräparat beispielsweise mehrmals täglich 20 bis 30 Tropfen einnimmt, reichen von einem Homöopathikum bei jeder Einnahme drei bis fünf Tropfen oder Kügelchen.

Zwölf Mineralsalze Sind Schüssler-Salze homöopathisch? Ja und nein. Diese Methode hat der Arzt Dr. Wilhelm Heinrich Schüssler (1821 bis 1898) entwickelt, der zunächst homöopathisch arbeitete. Dann aber forschte er intensiv an Mineralsalzen, die er als lebensnotwendig erkannte. Ein Mangel an diesen Salzen löst nach Schüsslers Ansicht bestimmte Krankheiten aus. Der Arzt konzentriert sich auf zwölf »Funktionsmittel«: sie sollen in potenzierter Form Krankheitszustände positiv beeinflussen.

Homöopathische Mittel sind nicht immer pflanzlich Festzuhalten ist: Homöopathie ist keine Pflanzenheilkunde (Fachbegriff Phytotherapie), und ein homöopathisches Mittel ist nicht immer pflanzlich. Denn es werden auch Mineralien und Erden, Tiere und ihre Sekrete, Gifte und sogar Krankheitsausscheidungen eingesetzt. Manche Pflanzen werden nur in der Phytotherapie oder nur in der Homöopathie verwendet. Andere kommen in beiden Heilmethoden vor, zum Beispiel Ringelblume (Calendula), Kamille (Chamomilla) oder Bergwohlverleih (Arnica). 8

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Rein pflanzlich ist dagegen die Bachblüten-Therapie, die der englische Arzt Dr. Edward Bach (1886 bis 1936) entwickelte. Bach wählte 38 Blüten aus, die speziell aufbereitet und mit englischen Namen bezeichnet werden. Sie sollen – wie die Homöopathie – die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen, vor allem die seelische Gesundheit fördern und damit Krankheiten vorbeugen. Es gibt auch individuelle Mischungen. Am bekanntesten sind die »Notfalltropfen«, eine Kombination aus fünf Blüten für Akutfälle. •


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Ihr Apotheker informiert

DREI FÜR DEN DARM Geschmacklich sind Anis, Fenchel und Kümmel sicher nicht jedermanns Sache. Aber Magen und Darm wissen ihre Heilwirkungen zu schätzen – besonders nach schwerem Essen. Für die Heilkunde steht das ätherische Öl von Anis, Fenchel und Kümmel im Vordergrund. Die Öle der drei Früchte unterscheiden sich zwar voneinander, aber ihre Wirkung ähnelt sich: Sie sorgen dafür, dass verstärkt Magensaft gebildet wird, und unterstützen die für die Verdauung wichtige Bewegung der MagenDarm-Muskulatur. Daneben besitzen sie krampflösende Eigenschaften, die sich besonders bei Darmkoliken als Vorteil erweisen. Man findet Kümmel zum Beispiel oft in schwer verdaulichen Speisen wie Kohl als vorbeugende Hilfe gegen Völlegefühl. Säuglinge, die unter Blähungen leiden, bekommen Fencheltee, oder ihr Bauch wird mit verdünntem Kümmelöl eingerieben. Und Spirituosen, die die Verdauung ankurbeln sollen, enthalten ebenfalls oft Kümmel oder Anis. Die Wirkung von Anis-, Fenchel-

oder Kümmeltee entfaltet sich am besten, wenn man die Samen vor dem Aufbrühen in einem Mörser »anstößt«, wie der Apotheker sagt. Dabei werden die harten Schalen angeknackt, damit die ätherischen Öle entweichen können. Die angestoßenen Früchte möglichst nicht zu lange aufbewahren, denn die ätherischen Öle verfliegen schnell. Für eine Tasse Tee wird ein Teelöffel voll angestoßener Anis-, Fenchel- oder Kümmel-Früchte mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen und zugedeckt ziehen gelassen. Man kann diese Bestandteile auch zu gleichen Teilen mischen. Von dem Gemisch wird dann auch ein Teelöffel pro Tasse benötigt. Nach 10 bis 15 Minuten durch ein Sieb gießen und dreimal am Tag eine Tasse dieses Tees trinken. • Apotheker Füdiger Freund

IST MIT IHREM MAGEN ALLES IN ORDNUNG? Wenn der Bauch hin und wieder murrt, ist das kein Grund zur Sorge. Meldet er sich öfter mit Völlegefühl und Unwohlsein, steckt mitunter mehr dahinter. Unser kleiner Test zeigt, ob es Ihrem Magen gut geht. 1. Mögen Sie sehr salzige oder scharfe Speisen? Ja Nein

2. Essen Sie gerne Gepökeltes, geräuchertes Fleisch oder Räucherfisch? Ja Nein

6. Treiben Sie selten Sport? Ja Nein

7. Leiden Sie häufig unter Stress? Ja Nein

8. Sind Sie stark übergewichtig? Ja Nein 3. Trinken Sie mehr als drei Tassen Kaffee am Tag? Ja Nein

4. Nehmen Sie mehr als zweimal pro Woche Alkohol zu sich? Ja Nein

5. Rauchen Sie? Ja

10 DEINE APOTHEKE

Nein

9. Nehmen Sie häufig Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac ein? Ja Nein

10. Leiden Sie unter Sodbrennen? Ja Nein

Auswertung: Bis zu drei Mal »Ja«: Prima! Ihrem Magen scheint es gut zu gehen. Behandeln Sie ihn weiter so gut, dann wird das wahrscheinlich auch inZukunft so bleiben. Mehr als drei Mal »Ja«: Achten Sie unbedingt mehr auf Ihren Magen. Ernähren Sie sich vernünftiger, trinken Sie weniger Alkohol und Kaffee. Wenn Sie öfter unter Sodbrennen leiden, sollten Sie zum Arzt gehen. Und lassen Sie sich nicht so stressen.

Dies ist nur ein kurzer Test. Er kann keine ärztliche Diagnose ersetzen. Falls Sie den Verdacht haben, dass mit Ihrem Magen etwas nicht in Ordnung ist, solten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.


Heilpflanzenlexikon

Beinwell lindert Sportverletzungen

Beinwell (Symphytum officinale) wächst sehr häufig in den gemäßigten Gebieten Europas, Asiens und Nordamerikas. Seit der Antike wird seine Wirkung bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen geschätzt. Mittlerweile ist diese auch wissenschaftlich untermauert.

Sowohl aus der Wurzel als auch aus dem Kraut der Pflanze lassen sich wirksame Zubereitungen herstellen. Sie enthalten unter anderem Allantoin, das die Wundheilung und die Regeneration des verletzten Gewebes fördert, sowie Schleim- und Gerbstoffe, die diese Wirkungen unterstützen. Aber eine Salbe mit BeinwellWurzelextrakt lindert auch Schmerz und Schwellung bei Muskel- und Gelenkerkrankungen – und das ähnlich effektiv wie ein Gel mit dem synthetischen Schmerzmittel Diclofenac. Das zeigte eine Studie mit 164 Patienten mit verstauchtem Sprunggelenk. Die Schmerzlinderung setzte bei den mit dem pflanzlichen Präparat behandelten Patienten sogar früher ein. Es finden sich auch sogenannte Pyrrolizidinalkaloide in der Pflanze. Da diese Substanzen die Leber schädigen und Krebs auslösen können, sollen Zubereitungen aus Beinwell nur noch äußerlich und bei intakter Haut angewendet werden. Fachleute empfehlen, BeinwellPräparate nicht länger als vier Wochen einzusetzen. Schwangeren und stillenden Müttern raten sie, ganz darauf zu verzichten. Heutzutage lassen sich jedoch industriell Extrakte herstellen, die fast keine Pyrrolizidinalkaloide mehr enthalten. Fragen Sie Ihren Apotheker nach solchen unbedenklichen BeinwellPräparaten. • RF

Der Begriff Beinwell scheint auf den ersten Blick selbsterklärend: Die Pflanze tut den Beinen wohl. Tatsächlich bezieht sich der Name dieser sehr alten Heilpflanze aber auf ihre historische Anwendung. Früher wurde sie bei Knochenbrüchen äußerlich aufgetragen, um die Heilung zu beschleunigen. »Bein« bezeichnete ursprünglich den Knochen, und »well« kommt von »wallen«, was so viel wie »zusammenwachsen« bedeutet.

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12 DEINE APOTHEKE


Ihr Apotheker informiert

DIE NEUE LUST AM WANDERN Wandern kennt keine örtliche oder saisonale Grenze. Fast überall gibt es gut beschilderte Wege, oft schon ganz in der Nähe der eigenen Haustüre. Und Wandern ist wieder modern geworden!

Noch bis vor wenigen Jahren wurde Wandern kaum als Sport wahrgenommen. Es hatte den Ruf einer etwas altbackenen Freizeitbeschäftigung. Nachdem sich in medizinischen Studien herausstellte, dass sich moderate Bewegungsformen wie zügiges Gehen positiv auf die Gesundheit auswirken, erlebt das Wandern jedoch einen ungeheuren Aufschwung. Und Abwandlungen wie Trekking, Pilgern, Nordic Walking oder GPSWandern sprechen auch Menschen an, die neben dem Fußmarsch in der Natur noch eine zusätzliche Herausforderung suchen.

Eine der Königsdisziplinen des Wanderns dürfte das Trekking sein. Dabei geht es um mehrtägige Wan-

derungen meist fernab der Zivilisation. Die Teilnehmer von Trekkingreisen tragen ihr Gepäck im Rucksack mit sich und übernachten in der freien Natur. Dabei steht das Naturerlebnis gepaart mit Abenteuerlust im Vordergrund. Die komfortablere Variante der Fernwanderungen sind Touren, bei denen die Teilnehmer in Hotels übernachten und das Gepäck mit dem Auto von Station zu Station transportiert wird. Seit dem Bucherfolg von Hape Kerkeling über seine Reise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien haben viele auch das Pilgern für sich entdeckt – sozusagen Wandern als spirituelle Erfahrung. Dabei muss es nicht

unbedingt Spanien sein. Auch in Italien und Deutschland gibt es zahlreiche Wallfahrtsorte, die Besucher willkommen heißen. Vielen Wanderfreunden reichen aber bereits kürzere Strecken. Beim Nordic Walking, dem schnellen Gehen mit Stöcken, geht es um körperliche Fitness. Die meisten machen am Wochenende mit Familie oder Freunden einen Wanderausflug in der heimischen Umgebung. Fast überall gibt es gut beschilderte Wander wege. Wenn dann noch ein Gasthaus auf der Stecke liegt, macht die Tour noch mehr Spaß. • Apotheker Rüdiger Freund

Gut ausgerüstet in die Natur Was die richtige Wanderausrüstung angeht, kommt es darauf an, wie intensiv man den Sport betreibt. Wer mehrtägige Trekkingtouren unternimmt, braucht ROBUSTERES SCHUHWERK und leichteres Material als jemand, der nur mal nachmittags die Natur durchstreift. Sport- und Outdoorgeschäfte führen alles, was das Wandererherz begehrt. Aber auch der ZECKENSCHUTZ ist bei Wanderungen im Frühjahr, Sommer oder Herbst ein Thema, weil diese krankheitsübertragenden Blutsauger überall in Wald und Feld lauern. Daher sollte man auch bei warmem Wetter lange Kleidung tragen und unbedeckte Körperstellen mit zeckenabwehrenden Repellenzien einreiben, die es in der Apotheke gibt. Da sie meist nur wenige Stunden wirken, zahlt es sich aus, öfter nachzucremen. Eine Zeckenzange hilft, die Zecken sachgerecht zu entfernen. In Risikogebieten empfiehlt sich möglicherweise auch eine FSME-Impfung.

Für den Fall kleinerer Verletzungen dürfen auch Mittel zur WUNDDESINFEKTION UND PFLASTER im Rucksack nicht fehlen. Auch eine ELASTISCHE BINDE ODER BLASENPFLASTER haben schon so manchem geschundenen Wandererfuß den Heimweg erleichtert. Um Schwellungen und Schmerzen bei leichten Prellungen oder Verstauchungen zu lindern, gibt es schmerzstillende, abschwellend wirkende, KÜHLENDE GELS, SALBEN ODER SPRAYS mit Wirkstoffen wie Salicylaten, Ibuprofen, oder Diclofenac. Auch pflanzliche Zubereitungen mit Beinwell oder Arnika als Salbe oder Enzympräparate zum Einnehmen sollen Schwellung und Schmerz mindern. • RF

DEINE APOTHEKE 13


Ihr Apotheker informiert

ZUCKER: WIE VIELE WÜRFEL STECKEN IM SAFT? Kinder lieben Süßes. Sie können gar nicht genug davon bekommen. Und für Nachschub ist gesorgt: Getränke, Nahrungsmittel, Süßigkeiten – überall ist Zucker drin. Wie viel genau, zeigt der folgende kleine Überblick. Natürlich brauchen Kinder viel Energie, die der Zucker liefert, doch zu viel davon spült jede Menge überflüssiger Kalorien in den Körper. Schlaue Kids essen statt Schokoriegel öfter mal Obst und Gemüse. Die machen länger satt und liefern zusätzlich wertvolle Vitalstoffe.

Schokoriegel 54 g

Fruchtjoghurt 125 g

Zucker 37,5 g

Zucker 18,3 g

Orangenlimonade 200 ml

Salzstangen 25 g

Zucker 19 g

Zucker 18,8 g

14 DEINE APOTHEKE


Gummib채rchen 50 g

Apfelsaft 200 ml

Zucker 36 g

Zucker 22 g

Apfel 130 g

Cornflakes 30 g + Milch 200 ml

Zucker 14,8 g

Zucker gesamt 34,8 g

Kakao (Milch 200 ml + Instantpulver 20 g)

Banane 120 g Zucker 25,7 g

Zucker gesamt 25,6 g

RF

DEINE APOTHEKE 15


Reportage

PILLENPLAGIATE PER POST Das Internet macht es einfach. Mit ein paar Mausklicks lassen sich vermeintliche Potenzbringer, Haarwuchsmittel oder Muskelmacher bestellen. Wenig später kommt ein Umschlag beim Patienten an. Doch der Zoll kommt den meisten auf die Schliche, wie unsere Reportage vom Frankfurter Flughafen zeigt. Marcus Redanz schaut auf den großen Stapel Umschläge, der auf seinem Schreibtisch liegt. »Sehen Sie hier«, sagt er und hält einen braunen Brief aus Indien hoch. Drei Streifen mit eingeschweißten blauen Tabletten purzeln aus ihm heraus. »Wahrscheinlich gefälschte Potenzmittel«, mutmaßt der Mitarbeiter des Zolls am Frankfurter Flughafen, der sich um Arzneimittel kümmert. Das nächste,

längliche weiße Couvert stammt aus Hongkong. Redanz fischt aus ihm eine Tüte mit vier gelben Pillen heraus. »Ebenfalls Potenzmittel«, so das Urteil des erfahrenen Beamten. »Und hier: noch eine Sendung aus Indien. Diesmal dürften es Dopingmittel sein.« Gefälscht, nachgemacht, getürkt. Die Beamten in Redanz Büro am Frank-

»Viele verdrängen die rechtlichen Folgen«, warnt Andres Urbaniak, Pressesprecher des Hauptzollamtes am Frankfurter Flughafen.

16 DEINE APOTHEKE

furter Flughafen, gleich hinter dem Terminal 1, sind illegalen und gefälschten Arzneimitteln auf der Spur. Allein an diesem Tag stapeln sich an einem der größten europäischen Flughäfen mehr als ein Dutzend gelber Postkisten auf einem Wagen, den die Zöllner wegen seiner Farbe »Silberling« nennen. »Medifake« steht auf den Kisten. Darunter haben die Zöllner laufende Nummern von 1 bis 643 geschrieben. In den Kisten ebenso viele Briefe, Couverts, Umschläge und Päckchen aus aller Herren Länder. Darin Pillen, Tabletten, Pulver und Dragees, die alle illegal ihren Weg nach Europa gefunden haben.


»2007 hatten wir in Sachen Arzneimittel 2500 Sicherstellungen. In den ersten zehn Monaten 2008 waren es bereits über 6000«, erklärt Sandra Wichterich, Schichtleiterin beim Zoll am Frankfurter Flughafen. Im Jahr 2009 stiegt der Wert auf 10 782 Sendungen an.»Spitzenreiter sind mit großem Abstand Sendungen aus Indien.« Dann folgen Zustellungen aus Hongkong, den Seychellen, Georgien und Thailand.

wenig. Wichterich: »Natürlich sind unsere Mitarbeiter speziell geschult. Mit der Zeit entwickeln sie aber auch ein Gespür für ihre Pappenheimer und wissen, ob sich in dem Paket nur ein T-Shirt oder ein Arzneimittel befindet.« Redanz schüttelt den Kopf, wenn er an die leichtsinnigen und leichtgläubigen Besteller denkt. »Schauen Sie sich die Briefe und Päckchen auf meinem Schreibtisch an. Keine Bei-

Nachricht vom Staatsanwalt »Viele verdrängen auch die rechtlichen Folgen«, warnt Andres Urbaniak, Pressesprecher des Hauptzollamtes am Frankfurter Flughafen. »Denn nur Apotheken dürfen über den Postweg Arzneimittel einführen. Jeder andere verstößt gegen europäisches Recht.« Werden seine Kollegen fündig, erhält die Zollbehörde am Bestimmungsort der Sendung die Pillenplagiate. Diese gibt sie an die Staatsanwaltschaft weiter, die

Etikettenschwindel auf der Tagesordnung »Jedes Jahr beschlagnahmen wir mehr und mehr Sendungen«, bestätigt ihr Kollege Redanz. Schuld daran: das Internet. Es macht es Anbietern leicht, ihre Ware mit Etikettenschwindel vor allem an den Mann zu bringen. »Die meisten Medikamente, die wir mit großem Abstand beschlagnahmen, sind Potenzmittel«, so Wichterich. »Doch wir finden auch Haar wuchsmittel, Schlankmacher und Anabolika, die bei Bodybuildern für mehr Muskeln sorgen sollen.«

Keine Beipackzettel, keine Dosierungsanweisung, keine Verpackung, kein Hinweis eines Arztes oder Apothekers.

Keine Sendung verlässt den Frankfurter Flughafen, ohne dass Zöllner wie Wichterich und Redanz einen Blick darauf geworfen haben. Die erste Hürde für Päckchen, Pakete und Briefe: der Vorfilter. »Hier findet die erste Kontrolle statt«, erklärt Wichterich. Liegen alle Papiere vor? Ist die Zollerklärung richtig ausgefüllt? Danach besteht für den Zoll die Möglichkeit, in jede Sendung hineinzuschauen. »Finden sich Arzneimittel, gelangen sie sofort in das Büro von Herrn Redanz, wo er die Lieferung mit seinen Mitarbeitern genau unter die Lupe nimmt.« Den Zöllnern entgeht nur

Exitus statt Koitus

packzettel, keine Dosierungsanweisung, keine Verpackung, kein Hinweis eines Arztes oder Apothekers. Wer sich illegal Arzneimittel aus dem Internet bestellt, um ein paar Euro zu sparen, verstößt nicht nur gegen geltendes Recht. Er setzt auch seine Gesundheit aufs Spiel.« Zu wenig, gar keiner oder der falsche Wirkstoff – dass dies gefährlich sein mag, leuchtet auch dem Laien ein. Aber ohne einen Arzt oder Apotheker bergen auch Medikamente ohne Etikettenschwindel Risiken. Beispiel Potenzmittel: Viele fördern nicht nur die Libido, sondern senken auch den Blutdruck. Nehmen Patienten, die unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und bestimmte Arzneien einnehmen, diese zusätzlich ein, wird es lebensgefährlich. Drastisch ausgedrückt könnte man deshalb sagen: Exitus statt Koitus.

dann die Ermittlungen aufnimmt. »Ob diese nur ein Bußgeld verhängt oder ein Gerichtsverfahren einleitet, hängt auch von Art und Umfang der Lieferung ab«, so Urbaniak. »Unter Umständen liegt nicht nur ein Verstoß gegen das Arzneimittelrecht vor. Wer zum Beispiel gefälschte Potenzmittel bestellt, verstößt auch gegen das Markenrecht. Und es kann auch das Betäubungsmittelgesetz verletzt worden sein.« »Wie der Trend in den kommenden Jahren aussehen wird?« Redanz schaut bei dieser Frage an die Wand seines Büros, wo sich die Kisten mit den beschlagnahmten Arzneimitteln stapeln. »Die Arbeit wird uns leider nicht ausgehen.« Der Zollbeamte schaut in den nächsten Umschlag auf seinem Schreibtisch. »Wieder einer aus Indien.« Diesmal mit zehn gelben Tabletten. • Peter Erik Felzer

DEINE APOTHEKE 17


Tipps für Senioren

Arthrose? So gehen Sie dagegen an Sport gegen Gelenkschwund. Das hören Patienten oft von ihren Ärzten. Viele können sich nicht zu mehr Bewegung motivieren. Wie das leichter fällt, erklärt die Psychologin Dr. Maja Storch. Doch gerade bei einer chronischen Erkrankung wie Arthrose ist es wichtig, am Ball zu bleiben.

Letzter beim Völkerball Bewegung tut not, bestätigt Joachim Merk, Sportwissenschaftler und Physiotherapeut. »Wenn keine Beratung erfolgt, liegt für viele die vermeintliche Lösung in der Schonung. Ein Teufelskreis, denn dann geht der Krankheitsverlauf immer schneller voran.« Die Muskulatur müsse kräftig bleiben. Sonst verschlechtert sich die Stabilität des Gelenks immer weiter, und der Verschleiß nimmt zu. Der Grund, warum es schwerfällt, gute Vorsätze tatsächlich in die Tat umzusetzen, liegt oft viele Jahre zurück. Wer beim Sport in der Schule immer als Letzter gewählt wurde, hat das gespeichert. Später werden entsprechende Schlüsselworte binnen Sekundenbruchteilen bewertet – und zwar negativ. Auch wenn man vom Verstand her sehr genau weiß, dass Sport guttut. Um Patienten in ihrem täglichen Umgang mit Arthrose zu bestärken, hat Storch ein Motivationsprogramm entwickelt. »Damit sich gute Absichten nachhaltig umsetzen lassen, müssen wir mehrere psychologische Funktionssysteme in Betrieb nehmen, erklärt die Expertin.

Wenn-Dann-Pläne

»Morgen geht es los: Dann ziehe ich mein Sportprogramm durch und werde jeden Tag meine Gelenkübungen machen.« Über Vorsätze dieser Art kann Dr. Maja Storch nur müde lächeln. Die Psychologin der Universität Zürich weiß: Solche Vorsätze sind oft gut gemeint, doch werden sie selten umgesetzt. »Es ist gar nicht so einfach, das zu tun, was man will oder was man vom Verstand her als gut für sich selbst einstufen kann«, erklärt sie. Nicht nur der Verstand steuert die gute Absicht. »Viel wichtiger für die positive Selbstmotivation ist das Unbewusste.« Passen beide nicht zusammen, fällt es schwer, das angestrebte Ziel zu erreichen. Dann kann man sich noch sooft sagen, wie gut es wäre, jeden Tag 15 Minuten etwas für die Gelenke zu tun. Wirklich umsetzen wird man es nicht.

Storch erklärt, wie es automatisch gelingt, mehr gegen Arthrose zu tun. »Für einen nachhaltigen Erfolg müssen Weichen umgestellt werden, damit wir nicht automatisch wieder in alte Bewegungs- oder Ernährungsgewohnheiten zurückfallen.« Hierfür eignen sich nach Expertenmeinung sogenannte Wenn-Dann-Pläne. Durch sie baut man sich eine Art Autopilot ein. So sagt man sich zum Beispiel: »Wenn der Wecker klingelt, dann steige ich in meine Turnschuhe. « Oder: »Wenn ich an der Bushaltestelle warte, mache ich eine kleine gymnastische Übung.« Studien nach Hüftgelenksoperationen zeigen, dass Mobilisationsübungen um zwei Drittel häufiger gemacht und durchgehalten werden, wenn man die Übungen mit WennDann-Plänen kombiniert. Dies gilt übrigens nicht nur für Arthrose, bestätigt Storch. Weitere Studien belegen, dass auch Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen von Wenn-Dann-Plänen profitieren. •

Wer beim Sport in der Schule immer als Letzter gewählt wurde, hat das gespeichert und keine Lust auf Sport.

18 DEINE APOTHEKE

Peter Erik Felzer


Junge Familie

AUCH VÄTER KÖNNEN WINDELN WECHSELN Ein Baby erhält durchschnittlich sechs- bis achtmal pro Tag eine neue Windel. Was beim Wickeln zu beachten ist, darüber sprach »Deine Apotheke« mit Ursula Jahn-Zöhrens, einer freiberuflichen Hebamme.

eine Pilzinfektion, oder eine Windeldermatitis hindeuten. Auch bei anderen auffälligen Hautveränderungen auf jeden Fall die Hebamme oder den Arzt ansprechen. Streitfrage: Stoff- oder Wegwerfwindeln? Jahn-Zöhrens: Das können die Eltern entscheiden, wie sie möchten. Wer Wegwerfwindeln wählt, sollte zwei verschiedene Sorten zu Hause haben. Zum einen finden Eltern so das Produkt, das sich am besten für ihr Kind eignet. Zum anderen unterscheidet sich die Lage der Bündchen von Hersteller zu Hersteller. Vor allem in den ersten Wochen sollten die Bündchen nicht immer an der gleichen Stelle sitzen, sodass man beide Modelle abwechselnd verwendet. Es gibt jedoch Kinder, die auf Einmalwindeln mit einer Windeldermatitis reagieren und dann zumindest übergangsweise mit Stoffwindeln gewickelt werden sollten. Hebammen können die Handhabung der Stoffwindeln gut erklären, sodass sich Eltern nicht abschrecken lassen sollten. Wie findet man die richtige Größe?

Frau Jahn-Zöhrens, als Hebamme müssen Sie es wissen: Kann jeder Wickeln lernen? Jahn-Zöhrens: Auf jeden Fall. Selbst wer damit noch nie etwas am Hut hatte, lernt es innerhalb von zwei Tagen. Es gibt für das Wickeln aber einige Regeln, die man einhalten muss. Welche Regeln sind das? Jahn-Zöhrens: Erstens: Der Wickelplatz sollte gut beleuchtet und warm sein. Für die richtige Temperatur sorgt entweder eine Heizung oder eine Wärmelampe, die sich über dem Wickelplatz anbringen lässt. Zweitens: Alles, was man für das Wickeln benötigt, von Windeln, Tüchern über Pflegeprodukte bis zur Kleidung, sollte sich immer in Reichweite befinden. Das Kind bitte nie loslassen, eine Hand muss immer bei ihm bleiben. Mit was macht man den Babypopo am besten sauber? Feuchttücher gelten als besonders praktisch.

Jahn-Zöhrens: Feuchttücher kann man für unterwegs benutzen. Für den täglichen Gebrauch eignen sie sich nicht. Sie trocknen die Haut aus und enthalten Zusätze, die zusätzlich reizen können. Für den Alltag bieten sich ein Waschlappen, vierlagiges Toilettenpapier oder trockene Kosmetiktücher an. Dazu warmes Wasser, dem sich bei Bedarf ein wenig Pflegeöl hinzufügen lässt. Den Waschlappen bitte aus Hygienegründen jeden Tag wechseln. Und danach eine Creme oder Lotion? Jahn-Zöhrens: In der Regel muss man das Kind nicht eincremen. Es sei denn, der Po hat sich gerötet. Dann bietet sich eine Heilsalbe an. Diese immer sparsam verwenden. Wann sollte die Hebamme oder der Kinderarzt einen Blick auf den Babypopo werfen? Jahn-Zöhrens: Ich empfehle, diese anzusprechen, wenn der Po wund wird oder Pusteln auftreten. Dies kann auf Soor, also

Jahn-Zöhrens: Auf der Packung steht, für welches Gewicht sich die Windel eignet. Es ist nicht so schlimm, eine Windel zu verwenden, die eine Nummer zu groß ist. Hier besteht höchstens das Risiko, dass einmal etwas daneben geht. Eine zu kleine Windel engt dagegen ein und schnürt die Beine ab. Wie oft müssen Eltern ihr Kind wickeln? Jahn-Zöhrens: Die Statistik sagt sechs- bis achtmal pro Tag. Generell gilt: Immer dann die Windeln wechseln, wenn die Eltern bemerken, dass das Kind in die Windel gemacht hat. Zusätzlich empfehle ich, nach jeder Mahlzeit zu wickeln, außer zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh. Es sei denn, man merkt dann, dass die Windel voll ist, der Popo wund ist oder es eine Pilzinfektion gibt. Dann muss man auch nachts wickeln. Wer wickelt besser: Mütter oder Väter? Jahn-Zöhrens: Auch Väter können Windeln wechseln. Wenn sie so oft wickeln wie die Mütter, gelingt ihnen das genauso gut. Vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Peter Erik Felzer. DEINE APOTHEKE 19


Ihr Apotheker informiert

DER ERSTE EINDRUCK ZÄHLT »Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden«, fand der Schriftsteller Oscar Wilde. Das Beste muss es wahrscheinlich nicht sein. Doch wie wir einen guten Eindruck hinterlassen, darüber informieren eine Kosmetikerin und ein Stilberater.

»Es gibt den netten Ausdruck: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance«, erzählt Rainer Wälde, Leiter der TYP Akademie. »Wir unterscheiden in wenigen Sekunden mit einem Scan von Kopf bis Fuß, ob mir der andere sympathisch ist. Und das wird natürlich auch durch die Kleidung geprägt.«

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Dass verschlissene Jacken, Hemden und Hosen oder ausgetretene Schuhe für keinen guten Eindruck sorgen, gilt für Wälde als selbstverständlich. Eine typgerechte Kleidung sollte so geschnitten sein, dass sie zum Körpergewicht und den Proportionen passt. Dies fällt natürlich leichter, wenn man seine Kleidergröße kennt.

Oft liegt es laut der Kosmetikerin Kirstin Geisler-Hüllen an einer Kleinigkeit, wenn ein zunächst guter Eindruck zerstört wird. »Was nützt es, wenn Kleid, Frisur, Make-up und Handtasche perfekt zueinander passen und aus den Schuhen ungepflegte Zehennägel herausschauen?«


»Wer möchte, dass die Leute einem ins Gesicht schauen, wählt für die Kleidung Farben, die nicht zu sehr den Blick auf sich lenken.« Idealerweise harmonieren Bluse oder Hemd mit dem Haut- und Gesichtston sowie den Haaren. Doch welche Farbe passt am besten? Wälde nennt ein Beispiel: »Für eine rothaarige Frau mit heller Haut wäre eine weiße Bluse und ein schwarzer Blazer vom Kontrast einfach zu hart. Hier empfehle ich typgerechte warme Farben.« Bei dunklen und kühlen Haaren und olivbrauner Haut bieten sich Kontraste wie schwarz oder weiß an. Er rät auch, altersgerechte Farben auszuwählen. »Zu grauen Haaren muss es nicht nur schwarz, grau und braun sein. Ein Stil- und Typberater gibt hier wertvolle Tipps, den richtigen Ton zu finden.« Wälde: »Der dunkelste Punkt sollten übrigens die Schuhe sein.« »Es gibt viele Dinge, die für einen guten Eindruck sorgen. Oft liegt es aber an einer Kleinigkeit, dass er zerstört wird«, findet Kirstin Geisler-Hüllen. Die staatlich geprüfte Kosmetikerin und Nageldesignerin achtet besonders auf Details. »Was nützt es, wenn Kleid, Frisur, Make-up und Handtasche perfekt zueinander passen und aus den Schuhen ungepflegte Zehennägel herausschauen?« Viele sehen laut Geisler-Hüllen auf die Hände und Füße ihres Gegenübers, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Und deswegen sollte die Pflege hier nicht zu kurz kommen. »Entweder heißt es, selbst Hand anlegen oder man gönnt sich alle drei bis vier Wochen eine professionelle Nagelpflege.« Auch wenn es Nagelscheren und -zangen gibt, nennt die 33-Jährige einen Grund, nicht völlig auf eine Feile zu verzichten. »Nach dem Schneiden der Nägel bleiben Ecken und Kanten zurück. Diese lassen sich mit einer Feile leicht glätten.« Vor zersplittertem Nagellack schützt ein spezieller Unterlack »Er sorgt für mehr Halt, und ein Überlack schützt die modische Farbe.« Apropos Hände: »Gegen trockene Haut helfen besondere Lotionen und Cremes. Apotheken bieten eine Auswahl an geeigneten Produkten«, empfiehlt Geisler-Hüllen. Bei trockener Nagelhaut hat sie einen besonderen Tipp. »Hier gibt es spezielle Pflegestifte, die wie ein Tintenkiller aussehen. Damit lassen sich die Pflegestoffe präzise auf die betroffenen Stellen auftragen.« • Peter Erik Felzer

Frühlingstyp: Warme, klare und helle Farben wie Apricot, Cremeweiß, Lindgrün, Goldbeige eignen sich besonders gut. Sommertyp: Er profitiert von kühlen gedämpften Farben wie verwaschenes Jeansblau, Flieder, Rosa und Pastellfarben. Herbsttyp: Alle Herbstfarben der Natur, also warme, erdige und leuchtende Farben, bieten sich besonders an. Wintertyp: Ihn bringen kühle intensive Farben wie Schwarz, reines Weiß, Knallrot, Pink und Marineblau zur Geltung. »Zu grauen Haaren muss es nicht nur schwarz, grau und braun sein«, findet Typberater Rainer Wälde.

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Informationen für Diabetiker

BLUTZUCKERMESSGERÄTE: HARTE SCHALE, SCHLAUER KERN Den Blutzucker selbst regelmäßig zu messen, wird für Diabetiker zur täglichen Routine. Nur: Wie funktionieren diese Geräte eigentlich? Das wissen die wenigsten.

Blutzuckermessgeräte für den privaten Gebrauch benötigen Vollblut für die Messung, gewonnen durch einen Stich in die Fingerbeere. Daher kann es Abweichungen zu Laborwerten geben, die in Plasma aus venösem Blut erfasst wurden. Die Messgenauigkeit seines Gerätes kann der Benutzer mit der Kontrolllösung für das jeweilige Gerät prüfen. Das macht man zum Beispiel, wenn Zweifel an den Messergebnissen bestehen, das Gerät lange nicht benutzt wurde oder wenn man eine neue Teststreifencharge nutzt.

Messen mittels Farbumschlag Bis vor wenigen Jahren gab es ausschließlich das sogenannte reflektometrische Verfahren. Das Blut im Teststreifen wird dabei über ein dünnes Röhrchen, eine Kapillare, zu einem von außen sichtbaren Testfeld eingezogen. Dort sind verschiedene Enzyme eingelagert, die mit dem Blut reagieren, was abhängig vom Zuckergehalt zu einer Farbänderung des Testfeldes führt. Die wird vom Messgerät erfasst. Es kann aus Dauer und Stärke der Farbänderung dann den Blutzuckerwert bestimmen, genauer den Gehalt an dem Zucker Glukose. Der Vorteil der Methode besteht darin, dass der Farbumschlag zu sehen und mit Farbskalen auswertbar ist, falls die Geräteelektronik mal nicht funktioniert. Die meisten heute verbreiteten Geräte ermitteln den Blutglukosewert über elektrosensorische Verfahren ohne Farbveränderung. Der Blutstropfen aus der Fingerbeere wird im Teststreifen über eine Kapillare in ein Testfeld gesaugt. Dort kommt das Blut dann mit einem speziellen Enzym sowie verschiedenen

Wirklich genau messen die Geräte den Blutzucker nur in einem bestimmten Temperaturbereich. Deshalb verfügen moderne Modelle über einen Temperatursensor. 22 DEINE APOTHEKE


Um Messfehler zu vermeiden, sollten Sie • das Haltbarkeitsdatum der Teststreifen beachten und dokumentieren, wann die Packung • • • • • • •

angebrochen wurde, falls erforderlich – etwa bei älteren Geräten – bei Anbruch eines neuen Teststreifenröhrchens eine Codierung des Gerätes vornehmen, die Teststreifen bei Temperaturen zwischen 15 und 35 Grad Celsius verwenden, das Teststreifenbehältnis direkt nach der Teststreifenentnahme wieder schließen, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu vermeiden, vor der Messung die Hände waschen, um Verunreinigungen zu vermeiden, und die Hände gut abtrocknen, darauf achten, dass der Blutstropfen ausreichend groß ist, damit die Messung erfolgen kann, das Blut nicht aus dem Finger quetschen, nicht über den Teststreifen schmieren oder klecksen, dies führt zu einer Fehlermeldung (»Error«).

elektrischen Kontakten in Berührung. Das Messgerät legt an diese Kontakte eine definierte elektrische Spannung an und misst über einen bestimmten Zeitraum den nun fließenden Strom, der vom Zuckergehalt in der Blutprobe abhängt. Daraus ermittelt das Gerät dann den Blutzuckerwert. Eine Kontrolle mit dem Auge ist nicht mehr möglich.

peraturen (»h« für »high», zu deutsch »hoch«) kein genaues Messergebnis ermitteln kann. Schützen Sie Teststreifen, Sensoren und Messgerät vor zu großer Hitze und direkter Sonneneinstrahlung. Dazu können Sie Ihre Utensilien zum Beispiel in ein Handtuch einwickeln. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verschließen Sie das Teststreifenröhrchen nach der Entnahme sofort sorgfältig. Bei Minusgraden tragen Sie Teststreifen und Messgerät am besten dicht am Körper. In großen Höhen, etwa ab 3 000 Metern, kann das Gerät den Blutzuckerspiegel nicht mehr richtig messen, da der Test auch vom Sauerstoffgehalt der Luft abhängig ist. •

Auf die Temperatur achten! Wirklich genau messen die Geräte den Blutzucker nur in einem bestimmten Temperaturbereich. Deshalb verfügen moderne Modelle über einen Temperatursensor, der nur im Bereich zwischen 15 und 35 Grad Celsius eine Messung erlaubt. Das Gerät zeigt an, wenn es wegen zu niedriger (»l« für »low«, zu deutsch »niedrig«) oder zu hoher Tem-

Auflösung der Rätsel von Seite 28.

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Ernährungstipp

SALZ: WENIGER IST MEHR Viele nehmen fast doppelt so viel Salz auf wie empfohlen. Das kann auf Dauer der Gesundheit schaden. Eine Prise fürs Frühstücksei, ein halber Teelöffel fürs Nudelwasser, die Salatsoße verlangt danach und die Suppe sowieso: Es ist schon erstaunlich, wie ein paar Körnchen Salz den Geschmack vieler Speisen bestimmen. Und auch der Körper kann nicht ohne die Bestandteile des Kochsalzes, Natrium und Chlorid: Die beiden Elemente sorgen für die richtige Gewebespannung, regulieren den Wassergehalt und sind für die Reizleitung in Nerven und Muskeln verantwortlich. Chloridionen werden überdies zur Bildung von Salzsäure im Magen gebraucht. Ohne Salz geht also gar nichts. Die Frage ist nur: Wie viel ist gesund? Untersuchungen bei Naturvölkern zeigen, dass der Mensch mindestens ein Gramm Salz pro Tag braucht.


Eine um drei Gramm reduzierte Salzaufnahme pro Tag würde in den USA jährlich schätzungsweise bis zu 99 000 Herzinfarkte und 32 000 Schlaganfälle verhindern.

Viele essen im Schnitt aber das Zehnfache – und versalzen sich damit möglicherweise ihre Gesundheit. So warnt die Deutsche Hochdruckliga, dass ein derart hoher Salzverzehr den Blutdruck in die Höhe treibt, was wiederum das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigt.

Salz beeinflusst nicht nur den Blutdruck Das im Kochsalz enthaltene Natrium erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen offenbar auch unabhängig vom Blutdruck. »Deshalb sollten nicht nur Hochdruckkranke ihren Salzverzehr drosseln, sondern auch Menschen mit normalen Blutdruckwerten. Fünf bis sechs Gramm Salz täglich sind in Ordnung – mehr nicht«, empfiehlt Professor Dr. Dieter Klaus von der Deutschen Hochdruckliga. Wie effektiv Salzsparen sein könnte, lassen Berechnungen amerikanischer Forscher erahnen: Eine um drei Gramm reduzierte Salzaufnahme würde in den USA jährlich schätzungsweise bis zu 99 000 Herzinfarkte und 32 000 Schlaganfälle verhindern. Das würde nicht nur viel Leid ersparen, sondern auch mindestens zehn Milliarden Dollar. Auf die Salzbremse zu drücken ist aber gar nicht so einfach, denn rund 80 Prozent der täglichen Ration stecken in Brot, Wurst, Käse, Konserven, Fertiggerichten, Fast Food oder anderen industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Schon zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse liefern rund zwei Gramm Salz. Das Limit ist also schnell erreicht. Setzen Sie deshalb auf frische Produkte wie Obst und Gemüse, Kartoffeln, Quark und Joghurt, Vollkornnudeln, Reis oder Müsli. Gehen Sie sparsam mit dem Salzstreuer um, und würzen Sie stattdessen mit frischen Kräutern.

Gesunde Zusätze im Salz Und wenn Sie salzen, dann unbedingt mit Jodsalz, es sei denn, Ihr Arzt rät wegen spezifischer Erkrankungen davon ab. Dieses Spurenelement schützt die Schilddrüse vor Erkrankungen und gilt schon lange als Sorgenkind. Auch heute ist die Jodversorgung noch nicht optimal. Schwangere und Stillende brauchen besonders viel davon.

Können sie den Bedarf nicht über die Ernährung decken, müssen Sie auf Jodid-Tabletten aus der Apotheke zurückgreifen. Weitere sinnvolle Zusätze im Salz sind Fluorid zur Kariesvorbeugung sowie die Folsäure: Dieses Vitamin ist besonders in der Schwangerschaft und Stillzeit wichtig, denn der Körper braucht es bei allen Zellteilungen und Wachstumsprozessen. Eine gute Versorgung schützt das Ungeborene vor dem sogenannten »offenen Rücken«, einer Missbildung, bei der sich das Neuralrohr nicht schließt. Doch auch das mit Folsäure angereicherte Salz reicht gerade in dieser Zeit nicht, den Bedarf allein über die Nahrung zu decken. Die Lücke lässt sich bei Schwangeren nur durch Präparate aus der Apotheke schließen. Knirschende, grobkörnige Spezialitäten wie Fleur de Sel oder Himalaya-Salz schimmern zwar farbig und riechen nach Meer oder Himalaya. Gesünder als herkömmliches Speisesalz sind sie aber nicht. Bis auf einige Verunreinigungen und unbedeutende Spuren an Mineralstoffen bestehen auch sie lediglich aus Natrium und Chlorid. Dafür haben sie einen stolzen Preis. Zu manchen Gerichten passt grobes Salz dennoch gut, wie etwa zu diesen Ofentomaten: Für ein Blech ein Kilo vollreife Tomaten enthäuten. Dazu die Haut kreuzweise einritzen, Tomaten mit kochendem Wasser übergießen, kalt abschrecken und häuten. Tomaten halbieren und entkernen, Backofen auf 150 Grad Celsius vorheizen und ein Backblech mit Olivenöl einfetten. Mit zehn Thymianzweigen, den Tomatenhälften und einer fein gehackten Knoblauchzehe belegen. Einen halben Teelöffel Puderzucker in einem Teesieb über die Tomaten stäuben. Vorsichtig salzen und mit etwas Olivenöl beträufeln. Die Tomaten dann im Backofen bei 80 Grad Celsius zwei Stunden garen, danach abkühlen lassen und herausnehmen, dabei den Thymian und Knoblauch abstreifen. Die Ofentomaten schmecken zu Gegrilltem, mit Mozzarella oder einfach mit Baguette. Im Kühlschrank halten sie drei Tage. •

Grobes Salz darf in der Feinschmecker-Küche zwar nicht fehlen. Für den Alltag sollte aber mit jodiertem und fluoridiertem Salz abgeschmeckt werden. DEINE APOTHEKE 25


Impressionen

UNTERHALTSAME WISSENSCHAFT Gesundheitliche Folgen des Schwertschluckens, der Einfluss des Preises auf die Wirksamkeit von Medikamenten oder Verletzungen durch fallende Kokosn端sse. Forschung muss nicht immer trocken sein, wie der satirische Ig-Nobelpreis zeigt.

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Für ein Froschexperiment erhielt eine internationale Forschergruppe den Biologiepreis. Das Team setzte Frösche von 131 Arten unter Stress und klassifizierte sie dann nach ihrem Geruch. Die Nuancen reichten von Erdnuss bis Cashewkern.

Dan Ariely lag nach schweren Verbrennungen im Krankenhaus. Wenn seine Mitpatienten nachts mit starken Schmerzen aufwachten, erhielten sie von der Krankenschwester eine Infusion, die sie schnell wieder einschlafen ließ. »Welches tolle Schmerzmittel ist da wohl drin?«, fragte er sich. Eine Schwester verriet dem Professor für Verhaltenswissenschaft am renommierten Massachusetts Institute of Technology, dass sie nur eine wirkungslose Kochsalzlösung erhielten. Dass diese Placebos genannten Stoffe wirken, wissen Ärzte und Apotheker schon länger. Doch US-Forscher Ariely wollte ihr Potenzial ausbauen. Das Ergebnis seiner Studie, die im renommierten »Journal of the American Medical Association« erschienen ist: Wenn man Scheinmedikamente teuer und edel aussehen lässt, wirken sie gleich viel besser. Ob aufgepeppte Scheinmedikamente, Heuschrecken, die den Film »Star Wars« anschauen, oder Forscher, die an gestressten Fröschen riechen und ihren Duft analysieren: Nichts scheint zu exotisch, zu außerge wöhnlich, dass es nicht den Nobelpreis der etwas anderen Art erhält. Seit 18 Jahren verleiht das US-Magazin »Annals of Improbable Research«, auf Deutsch »Annalen der unwahrscheinlichen Forschung«, an der ehrwürdigen Harvard-Universität die Ig-Nobelpreise. Die Abkürzung »Ig« steht für das englische Wort »ignoble«. Es bedeutet zwar in etwa »unwürdig«. Dennoch verfassen die Autoren ihre ausgezeichneten Arbeiten in der Regel mit wissenschaftlichem Ernst und konnten sie meist in angesehenen Fachzeitschriften veröffentlichen.

Kokosnüsse und Schwertschlucker So wie der Beitrag von Peter Barss von der McGillUniversität im kanadischen Montreal. Sein Artikel über Verletzungen durch fallende Kokosnüsse erschien bereits 1984 in der Fachzeitschrift »Trauma«. Der britische Radiologe Brian Witcombe hat für seine Studie zu den Nebenwirkungen des Schwertschluckens den Ig-Nobel-Preis für Medizin erhalten, indem er 46 Künstler für eine Studie befragt hatte. Die Preisverleihung besitzt inzwischen Kultstatus, weil Arbeiten ausgezeichnet werden, die »erst zum Lachen, dann zum Nachdenken« anregen, so die Organisatoren. Und es dürfte nur wenige Veranstaltungen im Jahr geben, wo so viele echte

Nobelpreisträger in einem Raum anzutreffen sind. So war Roy Glauber in den vergangenen Jahren der Besenmeister, der während der Zeremonie die Bühne von unzähligen Papierfliegern befreite, die das Publikum auf die Bühne fliegen lässt. 2005 erhielt Glauber den richtigen Physik-Nobelpreis. Verliehen werden die »Nonsens-Auszeichnungen« jeweils im Oktober – gleichzeitig mit der Verkündung der echten Nobelpreis-Empfänger. Der Preis gilt nicht als Schande, und die meisten Gewinner nehmen ihn gerne persönlich in Empfang.

Gürteltiere bringen Archäologen durcheinander Auch die beiden Archäologen Astolfo Gomes de Mello Araujo und José Carlos Marcelino von der Universität São Paulo in Brasilien haben den Ig-Nobelpreis gerne entgegen genommen. Ihrer Meinung nach haben nicht nur Kaiser, Kriege und Katastrophen, sondern auch Gürteltiere die Geschichte geprägt. Bei Ausgrabungen spiele es eine wichtige Rolle, wo sich ein Fundstück befindet, um etwa das Alter zu bestimmen. Eine Ordnung, die Gürteltiere, wenn sie sich durch das Erdreich graben, durcheinander bringen. Manche Fundstücke finden sich dann meterweit vom Ursprungsort entfernt und erschweren den Forschern die Arbeit, so die Veröffentlichung im Fachblatt »Geoarchaeology«. Selbst im Rotlichtmilieu tummelt sich mancher – natürlich im Namen der Wissenschaft. Dass Frauen während ihrer fruchtbaren Tage besonders attraktiv auf Männer wirken, bestätigten bereits mehrere Studien. Geoffrey Miller, Joshua Tybur und Brent Jordan von der University of New Mexico untersuchten einen ökonomischen Effekt. Sie verglichen den Verdienst von 18 Striptänzerinnen, den ihnen ihre Kunden zustecken, mit ihrem Hormonstatus. An normalen Tagen betrug er durchschnittlich 250 US-Dollar. In der fruchtbaren Zeit stieg er auf 350 bis 400 US-Dollar an. Dies war dem Ig-Nobelpreis-Komitee eine Auszeichnung und für manche Dame bares Geld wert. »Ich habe gehört, dass Tänzerinnen ihre Arbeitszeiten auf Basis dieser Forschung neu gestaltet haben«, sagte Preisträger Miller. • Peter Erik Felzer

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Rätsel

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FEHLERSUCHE: Im Bild links sehen Sie ein unverändertes Originalfoto. In der darunterstehenden Kopie haben wir sechs Fehler versteckt. Viel Spaß und Erfolg bei der Suche! Die Auflösung der Rätsel finden Sie auf Seite 23.

Fotos in diesem Heft: Titelbild »Licht und Laune« SIGN-Kommunikation, Fotos und Jllustrationen SIGN-Kommunikation (S. 2, 4, 5, 8, 12, 14, 15, 16 o., 18, 19, 24, 26), Jesko Donst (S. 11), Maria Pues/NAI (S. 16 u. 17 Bildleiste), Peter Erik Felzer/NAI (S. 20), TYP Akademie (S. 21), Roche Diagnostics (S.22), Monika Mahone (S. 28).

28 DEINE APOTHEKE


Deine Apotheke 09 2011