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phase 10 Magazin der pbr AG  8 / 2016

Auf die Schulbank schwerpunkt bildungsbau


Heftrand

EINBLICKE

DAS THEMA SCHULE WIRD FÜR SIE WIEDER INTERESSANT , WENN SIE SICH DIESE ZAHLEN ANSCHAUEN .

40 %

9%

aller Grundschüler wechseln auf das Gymnasium.

der Schüler besuchten 2014/2015 in Deutschland eine private Schule.

149.100 SCHÜLER

29 %

6%

72 %

mussten 2014/2015 ein Schuljahr wiederholen.

der Lehrer an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland sind zwischen 50 und 59 Jahre.

der Schüler eines Jahrgangs verlassen die Schule ohne Abschluss.

der Lehrkräfte sind Lehrerinnen.

WISSEN ABRUFEN KÖNNEN

Q u e l l e S t a t i s t i s ch e s B u n d e s a m t D e u t s ch l a n d / D e s t a t i s

Lesen ist die Fähigkeit, niedergeschriebene Gedanken aufzunehmen. So eignen wir uns Wissen an und kommunizieren miteinander. Sie ist eine der wichtigsten Grundfertigkeiten, die uns die Schule vermittelt.

HABLAMOS ESPANOL Um fast 100 % gestiegen ist die Anzahl der Spanisch lernenden Schüler seit 2004.

709.000 SCHÜLER

6.500 EURO

63,3 JAHRE

wurden 2015/2016 in Deutschland eingeschult.

haben öffentliche Haushalte 2013 im Durchschnitt für die Ausbildung eines Schülers ausgegeben.

Das Alter mit dem Lehrer im Durchschnitt in Rente gehen.

13.172.992 H

250 SCHÜLER

wurden 2014/2015 wöchentlich an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet.

werden durchschnittlich an einer allgemeinbildenden Schule unterrichtet.

GEDANKEN ZU PAPIER

Ebenso bedeutsam ist die Fähigkeit, Gedanken schriftlich zu fixieren. Nicht umsonst heißt es, „wer schreibt, der bleibt“. Was eine Kultur prägt, wird so über Generationen erhalten und in Schulen vermittelt.


Klassenfahrt      vorwort

Liebe Leserinnen und Leser, ein schwedisches Sprichwort sagt, das Schulgebäude sei neben dem Mitschüler und dem „tatsächlichen“ Lehrer der „dritte Lehrer“. Ein Wandel zu einer zeitgemäße(re)n Vermittlung von Wissen und Verhalten ist also kaum möglich, ohne auch die räumlichen Bedingungen des Lernens zu überdenken und neu zu definieren. Es stehen immer weniger allein die reinen Flächenanforderungen im Vordergrund, sondern vielmehr sind die Anordnung der ­Flächen zueinander und die Erzeugung einer lehr- und lernfreundlichen Atmosphäre, die Raum für Kommunikation auch außerhalb der Klassenräume schafft, sowie die Erfordernisse aus Ganztagsbetreuung und Inklusion im Zentrum unseres heutigen Planens. Hybris bedeutet, das Morgen vorweg wissen zu wollen oder im Ringen um Wirtschaftlichkeit, Vandalensicherheit, Lernatmosphäre, Transparenz, Nachhaltigkeit, Reinigungsleichtigkeit, Termingerechtigkeit, Amokvermeidung, Außenraumbezug … auch noch die Wandlungsfähigkeit auf ein zukünftiges, heute unbekanntes pädagogisches Leitbild hin planen zu können. Wir wissen, die pädagogische Gegenwart ist die Vergangenheit von morgen, daher muss heutiges Bauen (Neubau) von Schulen den aktuellen Anforderungen in dem Bewusstsein entsprechen, dem unbekannten Morgen später angepasst werden zu müssen. So wie wir uns beim Neubau auf vielgestaltige, gewachsene und oft schwierige städtebauliche Situationen einstellen müssen, so sind wir heute und zukünftig auch in der Lage, innerhalb eines vorgefundenen Objekts (Umbau/Sanierung) durch die Überlagerung von Vorhandenem und Neuem eine nützliche, dem Idealen angenäherte Symbiose hervorzubringen und damit einem ganz wesentlichen Ziel unserer zeitgemäßen Arbeit, nämlich der Weiterverwendung von Gebäuderessourcen gerecht zu werden. In der vorliegenden Ausgabe von phase 10 zeigen wir Ihnen Beispiele von Schulneubauten, Sanierungen und Detaillösungen aus unserem Planungsalltag. Bitte machen Sie sich nun selbst ans Werk und eignen Sie sich die Inhalte der neuen Ausgabe von phase 10 an, bevor Sie das Heft dann zum Altpapier legen.

D i p l . - I n g . A r ch i t e k t B DA H e i n r i ch E u s t r u p Vo r s t a n d s v o r s i t z e n d e r d e r p b r AG

V O R WO R T  phase 10 // pbr AG  8/ 2016   3


Pausenhalle        inhalt

18    27       Lebensraum Schule

neubau der erich kastner schule in leipzig

36 Campus der Zukunft ­s eminargebaude

mit

hoher reprasentations kraft

16 SimsalaBIM digitales planen und bauen ist keine zauberei

10 Designing for a better world starts at school a talk with rosan bosch


34 Der Weg zum Totalunternehmer BAUHERRENBERATUNG FUR DEN NEUBAU DER BERUFSBILDENDEN SCHULEN III IN OLDENBURG

12 Gut gemischt bleibt frisch TECHNISCHE AUSSTATTUNG FUR ERWEITERUNG DER MARTIN - LUTHER - SCHULE IN RIMBACH

50 Mittagessen schnell und gunstig PLANUNG VON SCHULMENSEN

38 Individuelles und kooperatives Lernen in freundlicher Umgebung SANIERUNG UND UMBAU DER IGS VOLKMARODE BEI LAUFENDEM BETRIEB

30 Zukunftsfahige Ausbildung UMBAU UND SANIERUNG DER KREISBERUFSSCHULE IN PINNE BERG

INH A LT

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An die Tafel ...

AKTUELLE PROJEKTE

Zweiter Bauabschnitt abgeschlossen SANIERUNG DER OTTO - HAHN - SCHULE ,

August-Hermann-Francke-Schule, Hamburg NEUBAU EINES GRUND - UND VORSCHULGEBÄUDES

HAMBURG

Fünf Klassengebäude und zwei Sporthallen der Otto-Hahn-Schule an der Jenfelder Allee in Hamburg-Wandsbek werden bei laufendem Betrieb technisch und energetisch saniert. Das Ensemble aus dem Jahre 1974 besteht aus 18 Gebäudeteilen, die auf einer Fläche von 45.000 m² Grundstücksfläche angeordnet sind. 1.500 Schüler werden hier von 140 Lehrern unterrichtet. Nachdem bereits das Gebäude G saniert übergeben worden war, wurde im März mit den Gebäuden A und B der zweite Bauabschnitt fertiggestellt. Bis Ende 2016 werden die Arbeiten an den Gebäuden C und D abgeschlossen. 2017 beginnen mit der Modernisierung der beiden Sporthallen die Arbeiten des letzten Bauabschnitts. Bei den Klassengebäuden wurden im Zuge der äußeren Grunderneuerung die Fassaden gedämmt und neu verkleidet sowie Fenster und Außentüren erneuert. In den Gebäuden werden neben dem Austausch der gesamten Gebäudetechnik Innentüren, Bodenbeläge, Abhangdecken und WC-Anlagen saniert.

L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r, Te ch n i s ch e A u s r ü s t u n g , I n g e n i e u r b a u w e r k e

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8 / 2016 A K T U E L L E P R O J E K T E

Für den Neubau eines Vor- und Grundschulgebäudes in Hamburg-Bergedorf wurde pbr mit der Architekturplanung beauftragt. Bauherr der August-Hermann-Francke-Schule ist die Förderstiftung für Christliche Bekenntnisschulen in Hamburg. Der Baubeginn ist für Anfang 2017 geplant. Mit seiner kubischen, aber ebenso filigranen Gestaltung fügt sich der Neubau harmonisch in die Umgebung ein. Das Erdgeschoss erhält in Teilen eine bodentief verglaste Pfosten-Riegel-Fassade, so dass der Baukörper teilweise nahezu schwebend wirkt und der Eingangsbereich klar gekennzeichnet wird. Durch die großflächige Verglasung, auch innerhalb der Obergeschosse, entsteht im Innenraum eine angenehm helle Atmosphäre. Im Erdgeschoss befinden sich ein Bewegungs- und ein Multifunktionsraum, die bei Bedarf zusammengeschaltet und für große Veranstaltungen genutzt werden können. Das erste Obergeschoss ist für die Schulverwaltung einschließlich eines Lehrerzimmers sowie für Unterrichtsräume der Vorschule vorgesehen. Das zweite und dritte Obergeschoss wird ausschließlich Unterrichtsräume beherbergen, während im Staffelgeschoss Fachunterrichtsräume für Kunst und Musik eingerichtet werden.

L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r


Modernes Bildungszentrum vereint Kita, Schule und Sport FERTIGSTELLUNG VON „ KISS BIRKENSTRASSE KITA SCHULE SPORT “, HANNOVER

pbr plant nachhaltigen Lernort mit gemeinsamer Mitte GRUNDSTEINLEGUNG FÜR GRUNDSCHULE

Auf dem Karree zwischen Birken- und Schlägerstraße in Hannover ist ein neues Bildungs- und Sportzentrum entstanden. Das Ensemble aus Kita, Schule und Sporthalle wurde nach dem Entwurf von pbr im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) zwischen der Stadt Hannover, Fachbereich Gebäudemanagement, und dem Bauunternehmen Hochtief AG finanziert. Im September 2016 wird das Gebäude fertiggestellt und an den Nutzer übergeben. Die Kita, die Schule und auch die Sporthalle zeichnen sich durch eine kompakte Bauweise aus, deren minimierte Hüllflächen sowohl die Erstellungskosten als auch die Unterhaltungskosten positiv beeinflussen werden. Dabei wurden die einzelnen Gebäude über eine durchgehende und dennoch lebendige Fassadengestaltung zu einem baulichen Ensemble zusammengeführt. Die Grundschule folgt dem Prinzip der funktionalen Zonierung. Die Pausenhalle bildet einen zentralen Ort der Kommunikation, der Erschließung und dient als Bindeglied zwischen Außen- und Innenraum. In den Obergeschossen sind die Unterrichtsräume konzentriert, Flure dienen hier durch ihre Aufweitungen nicht nur zur Erschließung, sondern auch als Pausenbereich. Die Sporthalle ermöglicht neben der Abwicklung des Schul- und Breitensports auch die Umsetzung von Veranstaltungen wie Schulfesten und Einschulungen.

Innerhalb einer parkähnlichen Anlage entsteht in Hamburg Mümmelmannsberg derzeit ein neues Schulgebäude für die Grundschule Rahewinkel. Im Juni 2016 wurde für den Neubau mit natürlicher Lärchenholz-Fassade der Grundstein gelegt. Bauherr ist der Landesbetrieb SBH | Schulbau Hamburg. Der kreuzartig angelegte Neubau entsteht im nördlichen Bereich des Grundstücks und besteht aus vier Gebäudeflügeln, die sich fächerartig in alle Himmelsrichtungen um ein zentrales Forum platzieren. Durch diese Anordnung wird den Kindern eine gute Orientierung geboten. Sie folgt dem Alter der Kinder. So werden die Gemeinschafts-, Allgemeinräume und die Klassenzimmer der Vorschule im Erdgeschoss angesiedelt während die Jahrgangsstufen 1 bis 4 ihre Klassenräume im Obergeschoss erhalten. Hier befinden sich außerdem die Bibliothek und ein Spieleraum. Nachhaltiges Lärchenholz wird die äußere Erscheinung der neuen Grundschule prägen. Je nach nutzungsspezifischer und baulicher Anforderung werden die stabförmig angeordneten Lärchenvollholzstäbe geschlossener oder transparenter angelegt, so dass ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild gewährleistet wird. Durch seine Natürlichkeit fügt sich der Neubau harmonisch in das parkähnliche Umfeld ein und reflektiert mit seiner Architektursprache die Identität der Umgebung.

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

RAHEWINKEL IN HAMBURG

L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r

A K TU ELLE P R O JEK TE

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Wissensvermittlung EINE ANNÄHERUNG

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8 / 2016 W I S S E N S VE R M I T T L U N G


Lernen im Wandel

Vor über 4.000 Jahren dienten Fabeln als Schreib- und Rechenübungen. Lehrbücher bestanden im alten Ägypten aus pinselbeschriebenem Papyrus. Und im antiken Rom wurde an Tonscherben das Rechnen geübt. Schon in der Antike wurde aber auch die Tafel als Werkzeug des Lehrens und Lernens eingesetzt. Bis heute ist sie so selbstverständlich wie das Schulbuch. Lernen war auch früher kein Zuckerschlecken. Schule vermittelte im Frontalunterricht neben Wissen auch Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Folgsamkeit. In den großen Klassen mit bis zu 100 Schülern mehrerer Jahrgänge bedeutete lernen primär, dem Lehrer nachzueifern und Inhalte zu kopieren. Der Lehrer verfolgte ein strenges Regiment, in dem Widerspruch nicht geduldet wurde. Reden im Unterricht wurde sogleich bestraft. Natürlich schlug der Lehrer den ungehorsamen Schüler zur Disziplinierung – in Bayern wurde die Prügelstrafe erst 1980 abgeschafft. Teamarbeit und Selbständigkeit Heute haben Schüler per WLAN Zugriff auf einen großen Fundus weltweiten Wissens. Auch wird nicht mehr nur im Klassen-Frontalunterricht, sondern u. a. in kleineren Gruppen oder einzeln gelernt. Damit fordert das Schulsystem das selbständige Denken des Schülers. Durch den intensiveren Austausch und Diskussionen im Unterricht sowie das gemeinsame Bewältigen von Hausaufgaben vertiefen Schüler ihr Wissen und lernen auch von Gleichaltrigen. Lernspiele und -programme sowie das Einbringen eigener Ideen gestalten den Unterricht abwechslungsreich und fördern die Kreativität. Digitale Technik ergänzt schrittweise die Kreidetafel und das gedruckte Schulbuch. So können z. B. Tafelbilder gespeichert und auf heimischen Geräten abgerufen werden. Lernen ist zwar dezentral möglich, weil Schul- und Bildungsserver Lernvideos, Skripte, Aufgaben etc. in der Cloud zur Verfügung stellen, dennoch wird stärker über die Bedeutung des Lernortes nachgedacht. Schulräume werden weniger monofunktional gedacht und können sogar auch nach dem Schulschluss eine Mehrfachnutzung durch Dritte erfahren, z. B. um eine bessere ökonomische Effizienz zu erzielen.

B e w ä h r t e s L e h r m i tt e l Seit vielen Generationen lernen S ch ü l e r m i t H i l fe d e r Ta fe l .

WIS S ENS V ER M ITTLU NG

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Designing for a better world starts at school EIN GESPRÄCH MIT ROSAN BOSCH

Rosan Bosch Studio ist ein interdisziplinäres Büro im Schnittpunkt von Kunst, Design und Architektur mit Sitz in Kopenhagen. Das Studio folgt dem Ansatz, dass die physische Umgebung darauf Einfluss hat, wie Menschen handeln. Deshalb verwendet es Innenarchitektur als Werkzeug, um Veränderungen z. B. in Schulen zu bewirken. Kreativdirektorin und Agenturgründerin Rosan Bosch spricht über die Gestaltung einer modernen Schule. Welchen Einfluss die Umgebung auf den Schüler hat, wird am Beispiel der Vittra Schule Telefonplan in Stockholm deutlich. Fo r t s e t z u n g a u f S e i t e 4 6

R O S A N B O S C H S TU D IO

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Gut gemischt bleibt frisch TECHNISCHE AUSSTATTUNG FÜR ERWEITERUNG DER MARTIN - LUTHER - SCHULE IN RIMBACH

Autor Dipl.-Ing. Harald Nun

Gute Luft herrscht in der Martin-Luther-Schule in Rimbach. Ganz ohne ein komplexes mechanisches Zuluftsystem für die vielen Klassenräume. Die Lösung ist ein Mix aus verschiedenen effizienten Lüftungsvarianten.

Das sechszügige Gymnasium für 1.286 Schüler ist mit einem Einzugsgebiet von über 30 km eine wichtige Bildungseinrichtung im oberen Weschnitztal in Hessen. Das Bestandsgebäude wurde um zwei Baukörper erweitert und während des fortlaufenden Betriebs mit neuer Gebäudetechnik ausgestattet. Durch den Ausbau der Schule mit einer Mensa, Cafeteria und Gruppenräumen wurden erst die baulichen Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung geschaffen. Auch die Lüftungstechnik musste auf die neuen Nutzungsanforderungen ausgerichtet werden. Frischluftzufuhr im Unterricht Damit Schüler aufgrund schlechter Raumluftverhältnisse während des Unterrichts nicht ins Gähnen verfallen, arbeitet in der Martin-Luther-Schule eine Hybridlüftung für die Frischluftzufuhr in den Unterrichtsräumen. Abluftgeräte in den beiden Raumlufttechnikzentralen im zweiten Obergeschoss saugen die Abluft aus den Klassenräumen mechanisch über das Dach ins Freie. In den Unterrichtsräumen sorgen Nachströmklappen für Frischluftzufuhr. Während die Abluft abgesaugt wird, entsteht eine Druckdifferenz im Raum, so dass frische Luft nachströmen kann. Die Gebäudeautomation steuert, regelt und überwacht sämtliche Lüftungsanlagen im Gebäude. Lüftung mit Wärmerückgewinnung Mensa und Küche, Nebenräume und Sanitärzellen sowie Lagerräume und Nebenräume im Erdgeschoss verfügen über separate Lüftungsanlagen. Durch den Einsatz einer rekuperativen Wärmerückgewinnung mit Kreuzstromwärmetauscher ließ sich der Primärenergiebedarf des Gebäudes verringern. In diesem System wärmt die Abluft über den Wärmetauscher die Zuluft bzw. kühlt im Sommer die warme Zuluft.

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M A R T IN - L U T H E R - S C H U L E R I M B A C H


Fe r t i g s t e l l u n g 10 / 2 014 Gesamtbausumme 2 0 , 8 M i o . € ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 15 . 7 7 8 m ² BGF 8 . 74 0 m ² BRI 4 3 . 9 19 m ³ Bauherr E i g e n b e t r i e b G e b ä u d e w i r t s ch a ft Kreis Bergstraße L e i s t u n g e n p b r AG Te ch n i s ch e A u s r ü s t u n g L e i s t u n g e n G M P A r ch i t e k t e n v o n Gerkan Marg und Partner A r ch i t e k t u r

Langsam laufen lassen Im Speiseraum der Mensa ist eine nach neuen Erkenntnissen optimierte Lüftungsanlage mit einem innovativen Regelungsverfahren verwendet worden. Danach werden Zu- und Abluft getrennt geregelt und die Zuluft mit einer geringen Strömungsgeschwindigkeit in den Raum geleitet. Dadurch wird in der Mensa eine gerichtete, z. B. kreisförmige Luftströmung verhindert und die Zu- und Raumluft durchmischen sich gleichmäßig. Es kommt zu einer homogenen Temperaturverteilung und die Nutzer empfinden das Raumklima als sehr angenehm. Der Einsatz dieses Regelungsverfahrens bewirkt Energieersparnisse bis zu 30 %. Ein Sensor überwacht die Luftqualität in der Mensa und aktiviert vor dem Erreichen kritischer Werte die Luftzufuhr, so dass weniger aufbereitete Zuluft in den Raum geführt werden muss. Zwar sind spezielle technische Komponenten wie regelbare Zu- und Abluftventilatoren und motorisch verstellbare Drosselklappen in den Zuluftkanälen erforderlich, jedoch lassen sich das Leitungsnetz und die Anzahl der Auslässe reduzieren. Eine flächendeckend arbeitende Klimaanlage war hier nicht erforderlich, weil das Lüftungsverfahren ein angenehmes Raumklima erzeugt. Der Schalldruckpegel durch den Betrieb der Lüfter bleibt ebenfalls niedrig. So fühlen sich Schüler und Lehrer auch bei der Mahlzeit wohl.

M A R TIN- LU TH ER - SC H U LE R IM B A C H

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Wie die Konzentration im Klassenraum steigt HERAUSFORDERUNGEN IN DER LÜFTUNGSPLANUNG

Abgestandene Luft. Betrat man einen Klassenraum, in dem zuvor bereits Unterricht stattgefunden hatte, kam einem eine Wolke abgestandener Luft entgegen. Das Thema schlechter Luftqualität in Klassenräumen ist wahrscheinlich so alt, wie es Unterricht in geschlossenen Räumen gibt. Subjektiv ist man geneigt, den Geruchssinn als Indikator für die Beurteilung der Luftqualität heranzuziehen, ein für eine erste Grobeinschätzung sicherlich durchaus richtiger Ansatz. Für wissenschaftliche Betrachtungen ist eine solche, rein sensorische Beurteilung der Raumluft allerdings verständlicherweise nicht ausreichend. Es muss ein eindeutig zu bestimmender Messwert gegeben sein, anhand dessen auf Basis einer Skalierung eine Luftqualitätsbeurteilung erfolgen kann. Wie der Mief entsteht Der menschliche Körper gibt permanent eine Vielzahl von organischen Stoffen an die Raumluft ab, welche in erhöhter Konzentration zu Müdigkeitserscheinungen, Schleimhautreizungen und weiteren Symptomen führen können. Es hat sich gezeigt, dass zur Beurteilung der stofflichen Belastung der Raumluft nicht erforderlich ist, sämtliche relevanten Stoffe analytisch zu erfassen. Es ist ausreichend, die Konzentration des relativ einfach zu bestimmenden Kohlendioxids zu messen, da mit dem CO2 auch die Abgabe der anderen raumluftbelastenden Substanzen steigt. CO2 dient also als Indikator. In der Raumluft üblichen Konzentration ist CO2 eine völlig ungefährliche Substanz. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass bereits bei CO2-Konzentrationen von knapp über 1.000 ppm Konzentrationseinbußen zu verzeichnen sind, bei Werten über 2.000 ppm erfolgt eine schnelle Ermüdung. Der MAK-Wert, also die maximal zulässige Arbeitsplatzkonzentration, wurde auf 5.000 ppm festgelegt. Zum Vergleich: die normale CO2-Konzentration im Freien beträgt ca. 385 ppm. Betrachtet man nun einen mit 30 Schülern belegten Klassenraum, kann man sich leicht vorstellen, dass bei einem nicht gegebenen Luftaustausch die CO2-Konzentration relativ rasch nach oben schnellt. Werte von 3.000 ppm stellen keine Seltenheit dar. Ein konzentrierter Unterrichtsverlauf ist dann nicht mehr möglich. Man könnte einwenden, dass Generationen von Schülern die Schulzeit trotz meist nur unzureichend belüfteter Klassenräume mit ausreichend Lernerfolg und ohne bleibende Auffälligkeiten absolviert haben. Das Thema Raumluftqualität in Schulen wird jedoch aktuell vor allem auch deswegen verstärkt diskutiert, da infolge erhöhter Anforderungen an die Energieeffizienz eine dichte Bauweise der Gebäude bei Sanierungen und Neubauten vorgegeben ist. Hieraus

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LÜFTUNGSPLANUNG

resultiert ein noch geringerer natürlicher Luftaustausch in den Räumlichkeiten. Um die Diskussionen in eine geordnete Richtung zu bringen, hat der VDI Verein Deutscher Ingenieure im Jahre 2011 die sich auf diese Thematik beziehende Richtlinie VDI 6040 „Anforderungen an die Raumkonditionen in Unterrichtsräumen“ veröffentlicht. Es steht somit ein Regelwerk zur Verfügung, an dem sich Architekten und Haustechnikplaner im Schulbaubereich verbindlich orientieren können. Die VDI 6040 gibt als Zielvorgabe einen anzustrebenden CO2-Wert von max. 1.000 ppm während der Nutzungszeit eines Unterrichtsraumes aus. Werte zwischen 1.000 und 2.000 ppm werden als hygienisch bedenklich, Werte oberhalb von 2.000 ppm als nicht mehr akzeptabel eingestuft. Bauliche und/oder gebäudetechnische Belange müssen daher im Planungsprozess auf diese einzuhaltenden Parameter abgestimmt sein. Unter 1.0 0 0 ppm bleiben – aber wie? Die oben genannten Maximalwerte der CO2Konzentration können nur durch einen kontinuierlichen Austausch der Raumluft erreicht werden. Bei der Frage, wie dieser regelmäßige Luftaustausch realisiert werden kann, ist in erster Linie dem Aspekt des zur Verfügung stehenden Investitionskostenrahmens Beachtung zu widmen. Die Realisierung des hygienisch erforderlichen Luftaustauschs nur über natürliche Lüftung durch sporadisches Öffnen von Fenstern stellt zwar die investitionskostenspezifisch günstigste Variante dar, hat sich aber als ineffizient erwiesen. Denn Schüler und Lehrer wollen sich während des Unterrichts mit anderen Fragen beschäftigen, als wann es wieder Zeit wird zu lüften. Zudem erfolgt die Motivation zum Öffnen von Fenstern aus rein subjektivem Empfinden mit der Konsequenz meist schon überhöhter Schadstoffkonzentrationen im Raum. Eine


D i p l . - I n g . G u i d o Fe h r e n Seit 2005 ist Guido Fe h r e n i n d e r p b r AG als Ingenieur mit dem S ch w e r p u n k t Ve r s o rg u n g s t e ch n i k i n d e n B e r e i ch e n P l a n u n g , P r o jektleitung und Projektü b e r w a ch u n g t ä t i g . Z u den von ihm betreuten Projekten gehören zahlr e i ch e S ch u l e n , z . B . der Ersatzneubau für das Gymnasium Meppen, die Sanierung der A n n e - Fr a n k - G e s a m t s ch u l e i n D o r t m u n d s o wie die Sanierung und d e r N e u b a u v o n S ch u l e n i n H a n n o v e r.

ausschließliche Fensterlüftung ist auch aus energetischer Sicht abzulehnen, da im Winterhalbjahr unkontrolliert und häufig über einen unnötig langen Zeitraum kalte Außenluft in das Gebäude einströmt. Sogenannte „Lüftungsampeln“ könnten den zuvor genannten negativen Aspekten einer reinen Fensterlüftungs-Variante zwar in gewissen Grenzen entgegenwirken, oft jedoch ist eine während des Unterrichts erforderliche Fensterlüftung aus akustischen Gründen (Verkehrslärm) nicht oder nur eingeschränkt möglich. Der Einsatz einer zumindest unterstützenden mechanischen Be- und Entlüftung ist daher quasi unumgänglich bei der Sanierung bzw. dem Neubau von schulischen Einrichtungen. Der Luftaustausch erfolgt auf diese Weise kontrolliert mit vorkonditionierter Außenluft. Der Einsatz einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung sollte selbstverständlich sein. Grundsätzlich bieten sich drei Arten von mechanischen Lüftungssystemen an: ■ ■

dezentrale, d. h. raumweise Lüftungssysteme, zentrale Lüftungssysteme mit Zentralgerät(en) und Kanalsystem, wie vor, jedoch als Hybridsystem, d. h. Grundlüftung mechanisch verteilt über Kanalsystem, jedoch mit relativ geringen Luftmengen, daher zusätzlich unterstützende Fensterlüftung.

Dezentrales Lüftungssystem Eine dezentrale Variante wird vor allem im Rahmen von Schulsanierungen angewendet. Hersteller von Lüftungsgeräten bieten Komplettlösungen in Form von kompakten Brüstungsgeräten an. Diese Geräte verfügen bereits über eine integrierte Wärmerückgewinnung sowie alle für die Regelung erforderlichen mess- und regelungstechnischen Komponenten. Der Vorteil dieser Geräte besteht darin, dass auch bei den meist eingeschränkten Platzverhältnissen eines Bestands-Schulgebäudes nahezu immer die Möglichkeit gegeben ist, im Bereich von Fensterbrüstungen oder auch oberhalb von Fensterstürzen diese Kompaktgeräte anzuordnen. Nachteilig ist bei dieser Variante der aufgrund der hohen Anzahl von Einzelgeräten relativ

intensive Wartungs- bzw. Reparaturaufwand. Daher werden bei Schulneubauten, bei welchen in der Planungsphase entsprechender Installationsraum für technische Einrichtungen berücksichtigt werden kann, im Allgemeinen zentrale Lüftungssysteme mit entsprechendem Kanalverteilnetzen bevorzugt. Zentrale Lüftung Erfolgt ein Schulneubau gemäß den Vorgaben des Passivhausstandards, ist eine effiziente mechanische Be- und Entlüftung aller Räumlichkeiten ohnehin zwingend vorzusehen. In diesem Fall kann die Lüftung nicht nur zum hygienisch erforderlichen Luftaustausch, sondern – entsprechende Auslegung der Lüftungskomponenten vorausgesetzt – auch zur kompletten Beheizung des Schulgebäudes herangezogen werden. Hybridlösung Die zuvor erwähnte dritte Variante eines Lüftungssystems in Schulen, das sogenannte Hybridsystem, findet vor allem dann Anwendung, wenn zwar genügend Platz für die Installation eines Kanalverteilsystems vorhanden ist, die Investitionskosten sich jedoch nur in einem eng gesteckten Rahmen bewegen dürfen. Die Auslegung der lüftungstechnischen Komponenten erfolgt daher bei dem Hybridsystem unter dem Aspekt der Kostenoptimierung. Dies bedeutet, dass die Luftmengen bewusst so gering gewählt werden, dass ein ausreichender Luftaustausch nur durch mechanische Lüftung nicht immer gewährleistet werden kann. Dies reduziert zwar die Dimensionen der Lüftungskanäle bzw. der restlichen Lüftungskomponenten mit der Folge geringerer Investitionen, führt aber dazu, dass ggf. unterstützend noch über Fensterlüftung ein Luftaustausch erfolgen muss. Dies kann z. B so organisiert sein, dass in den Unterrichtspausen noch manuell gelüftet wird. Alternativ ist auch hier der Einsatz von Lüftungsampeln möglich.

LÜ FTU NG S PLA NU NG

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SimsalaBIM DIGITALES PLANEN UND BAUEN IST KEINE ZAUBEREI

Marianum Meppen Eines der Pilotprojekte, das 3D-modellorientiert geplant wird.

Autor BIM-Manager und CAD-Administrator Timo Grotke

In den natur wissenschaftlichen Räumen des Gymnasiums Marianum in Meppen haben bereits einige Schülergenerationen Knallgasproben durchgeführt und die Hintergründe der Photosynthese ergründet. Inzwischen genügten die Fachunterrichtsräume nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Schulunterricht, so dass derzeit ein neuer natur wissenschaftlicher Trakt entsteht. pbr realisiert das Projekt mit der Planungsmethode BIM (Building Modeling Information). 16

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GY M N A S IU M M A R I A N U M M E P P E N


D e t a i l r e i ch e P r o j e k t v i s u a l i s i e r u n g D a s M o d e l l b i e t e t b e r e i t s i n d e r f r ü h e n P l a n u n g s p h a s e e i n e n r e a l e n E i n d r u ck v o m P r o j e k t .

Der kompakte Neubau wird das bestehende Gebäudeensemble des Gymnasiums im nordöstlichen Teil des Grundstücks erweitern. Roter Klinker und eine großzügig verglaste Südseite sollen die äußere Erscheinung prägen. Fachunterrichtsräume werden an den schattigen Ost- und Westseiten eingerichtet, Sammlungs- und Vorbereitungsräume in der Mittelzone. Zügig lässt diese kurze Beschreibung ein Bild vor dem inneren Auge entstehen, wie der neue Trakt einmal aussehen könnte. Zügig, ja sogar schneller als gewöhnlich, konnte in diesem Fall auch ein Modell generiert werden, das allen Beteiligten bereits zu Beginn des Projekts einen realen Eindruck vom Bauvorhaben vermittelte. Ein Modell, viele Informationen Der Grund für die rasche Visualisierung ist BIM. Die einzelnen Fachplanungen werden bereits in der frühen Planungsphase in einem 3D-Modell zusammengeführt, so dass eine sehr detailreiche Projektvisualisierung entsteht. Das Modell beinhaltet eine Vielzahl an Informationen über Bauteiltypen, verbaute Materialien, Massen u. v. m. Die Projektbeteiligten sind stets miteinander verknüpft und immer auf demselben Informationsstand. Ein weiterer Vorteil ist,

dass Planer der einzelnen Fachabteilungen ohne großen Aufwand an den Stellen Schnitte anlegen können, an denen sie welche benötigen. Kollisionsprüfungen zwischen den unterschiedlichen baulichen und technischen Gewerken gewährleisten außerdem, dass Konflikte und Risiken früh erkannt werden und ein möglichst reibungsloser Bauablauf ohne eine eventuelle Kostensteigerung garantiert ist. So wird durch BIM Zeit eingespart und die Transparenz von Entscheidungen erhöht. Fort währender Lernprozess Um später allerdings nicht nur einen reibungslosen Bauablauf, sondern auch schon während der Planungszeit einen reibungslosen Projektablauf zu gewährleisten, wurden Arbeitsprozesse überdacht und die Kommunikation zwischen den Beteiligten zu einem frühen Zeitpunkt enorm erhöht. Inzwischen werden zwar diverse Projekte von pbr 3D-modellorientiert geplant, dennoch hält der Lernprozess an. So treffen sich die Planer in Osnabrück immer noch regelmäßig, um aus den Erkenntnissen und Problemen Standards abzuleiten und diese in einem Handbuch zusammenzufassen, das in Zukunft Hilfestellung leisten wird.

G Y M NA S IU M M A R IA NU M ME P P EN

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Lebensraum Schule

NEUBAU DER ERICH KÄSTNER SCHULE IN LEIPZIG

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E R IC H K Ä S T N E R - S C H U L E L E I P Z I G


ERI C H K Ä S TNER - S C H U LE LEIP ZIG

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C h a n g i e r e n d e s „ K l e i d u n g s s t ü ck “ D i e f a r b i g e n L a m e l l e n a u s S t r e ck m e t a l l d i e n e n a l s d r e h b a r e r S o n n e n s ch u t z .

Autor D i p l . - I n g . ( T U ) A r ch i t e k t i n E v e l y n We n d t - S a l m h o fe r

Noch 6 % der Schüler verlassen die Schule ohne einen Abschluss. Dabei ist gute Bildung in der Wissensgesellschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Neue Konzepte werden bereits umgesetzt, um die Qualität der Lehre zu stärken. Darin übernehmen der Lernort und seine Architektur eine überaus wichtige Funktion.

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E R IC H K Ä S T N E R - S C H U L E L EI P Z I G


Ein gutes Beispiel ist die 2013 in Leipzig neu erbaute Erich KästnerSchule. Sie setzt Architektur, Technische Ausrüstung und Funktionalität gezielt für ein modernes pädagogisches Konzept ein. Der Schulneubau besteht aus zwei Gebäuden: der dreigeschossigen Schule und der Sporthalle. Beide sind durch einen eingeschossigen HortBaukörper miteinander zu einer plastisch geschwungenen Bauskulptur verbunden. Die Fassaden sind mit einer hellen Metallfassade verkleidet. Eine Besonderheit stellen die farbigen verstellbaren Lamellen aus Streckmetall dar, die als drehbarer Sonnenschutz dienen und somit dem Gebäude ein changierendes „Kleidungsstück“ verleihen.

K i n d g e r e ch t g e b a u t N i e d r i g e Fe n s t e r b r ü s t u n g e n e r m ö g l i ch e n d e n K i n d e r n a u ch i m S i t z e n d e n B l i ck n a ch a u ß e n .

Räumliche Clusterbildung In der Erich Kästner-Schule sind Unterrichtsräume zu Clustern für unterschiedliche Jahrgangsstufen gebündelt. Die innere Organisation der Schule folgt dem Alter der Kinder. Dies bietet den Vorteil, dass sich die Schüler besser orientieren und die Räume stärker auf die unterschiedlichen Altersgruppen ausgerichtet werden können. So sind die Räume für die Kleinsten in den beiden unteren Geschossen untergebracht. Die älteren Kinder finden ihre Einheiten im zweiten Obergeschoss. Für Hortkinder stehen Räume im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss zur Verfügung – so haben sie kurze Wege zum Schulhof. Das Herzstück der Grundschule ist die zentrale Eingangshalle, in die eine freistehende Raumskulptur eingestellt ist. Diese Skulptur beinhaltet die Garderoben und Hausmeisterräume im Erdgeschoss sowie die Medieninsel mit Bibliothek und Informatikraum

N a t ü r l i ch e B e g r e n z u n g D a s E n s e m b l e a u s S ch u l g e b ä u d e , K i t a u n d S p o r t h a l l e b e g r e n z t d e n g e s ch ü t z t e n P a u s e n h o f.

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Ve r b i n d e n d e s E l e m e n t D e r e i n g e s ch o s s i g e H o r t b a u k ö r p e r v e r b i n d e t S ch u l g e b ä u d e u n d S p o r t halle.

„ D I E I N N E R E O RGA N I SAT I O N D E R S C H U L E F O L G T D E M A LT E R D E R KINDER. SO KÖNNEN SICH DIE SCHÜLER BESSER ORIENTIEREN UND DIE RÄUME SIND STÄRKER AU F D I E J E W E I L I G E A LT E RS G RU P P E A B G E ST I M M T.“

im ersten Obergeschoss. Vom Foyer aus erreichen Nutzer über die offene Treppe die beiden oberen Geschosse. Durch runde Fensteröffnungen blickt man von den Galeriegängen des Foyers aus in die Bibliothek und den Informatikraum. Der Medienpool wird so zum selbstverständlichen Begleiter der Kinder im Alltag. Die umlaufenden offenen Galerieebenen laden ein, das Gebäude spielerisch zu erforschen. Über kreisförmige Oberlichter erhält die Halle eine natürliche Belichtung. Ganztägiger Ort des Lebens Die Schule ist nicht mehr nur ein Lern-, sondern vielmehr auch ein Lebensort geworden, weil Schüler schon in jungen Jahren von morgens bis spät nachmittags in der Schule verweilen. Durch die gewandelten Lernzeiten ergibt sich ein höherer Raumbedarf, der allein durch eine additive Nutzungszuweisung nicht zu lösen ist. Der benötigte zusätzliche Raum für die Schüler wurde in der Erich Kästner-Schule zum Beispiel durch die intelligente Nutzung von Erschließungsflächen als Unterrichtsbereiche sowie Aufenthalts- und Verweilzonen und eine stärkere visuelle Vernetzung von Räumen z. B. durch Fensteröffnungen geschaffen. Damit werden diese flexibel einsetzbaren Flächen stärker in den Lernprozess eingebunden und als informelle Kommunikationsbereiche aufgewertet. Im Innenraum bieten sich au-

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ßerdem viele Spiel- und Kommunikationszonen sowie Rückzugsflächen zum Lernen und Lesen, die aufgrund des kindgerechten Farbkonzepts inspirierend auf die Schüler wirken. Darüber hinaus müssen einzelne Räume mehrere Funktionen übernehmen, um den gesteigerten Bedarf zu erfüllen. So verfügt die Schule über einen Hausaufgabenraum, Teamstützpunkte sowie einen Speise- und Mehrzweckraum, die beide zusammenlegbar sind. Die Raumkombination eignet sich für vielfältige Nutzungen wie die tägliche Speiseversorgung und Veranstaltungen, z. B. Musikaufführungen, Weihnachtsfeiern und Einschulungen. Beide Räume orientieren sich zum Schulhof und sind großzügig verglast. Prägend für den Innenraum sind die niedrigen Fensterbrüstungen, die auch kleineren Kindern im Sitzen den Blick in den Grünraum ermöglichen. Die Räume für die Ganztagsbetreuung sind im Gebäude neben den Lerneinheiten angeordnet und somit integrativer Bestandteil des Schülerlebens. Darüber hinaus benötigen auch Lehrer zusätzlich zu ihrem zentralen Lehrerzimmer dezentrale Teamstützpunkte an verschiedenen Stellen im Gebäude, damit sie sich untereinander sowie mit Schülern und Eltern austauschen können. Durch die räumliche Anbindung von Schule, Hort und Sporthalle sowie den gemeinsamen Haupteingang können Räume flexibel genutzt werden. Diese räumliche Polyvalenz, also die Mischung aus fest zugewiesenen und variablen Strukturen, erzeugt eine Vielfalt an


unterschiedlichen Raumsituationen, die den Schülern und Lehrern beim Lernen allein, in Kleingruppen und in der Klasse hilft. Die Sporthalle schließt sich unmittelbar an das eingeschossige Hortgebäude an. Der Zugang erfolgt über eine Galerie mit Blick auf die 2 m tiefer liegende Sportfläche. Die Umkleiden befinden sich im Souterrain, darüber sind die Haustechnikräume für Sporthalle und Schule angeordnet. Nach Westen öffnet sich die Sporthalle mit einer großzügigen Verglasung zum Schulhof und lässt vielfältige Ausund Einblicke zu. Sich verständlich machen Schulräume sind aufgrund des Vorgangs des Unterrichtens vergleichsweise laute Räume. Die raumakustischen Eigenschaften beeinflussen den Schallpegel z. B. durch die Schallausbreitung und die Nachhallzeiten stark. Wandpaneele aus einem akustisch wirksamen Material nehmen den Schall auf und werden gleichzeitig z. B. als Pinnwand genutzt. Auch vertikale Metallbaffeln unter der Decke der Unterrichtsräume verbessern das Klangambiente, indem sie die Akustikfläche vervielfachen und die Nachhallzeit verringern. In der Schule bewirkt außerdem eine Abkofferung der Lüftungskanäle mit akustisch wirksamen Materialien gute Ergebnisse. Auch der schallweiche polyurethanbeschichtete Boden trägt dazu bei, den Geräuschpegel in den Räumen zu verringern. An die frische Luft Die Luftqualität in Klassenräumen ist besonders wichtig für die Gesundheit und Konzentrationsfähigkeit der Schüler. Die Zuluftmenge für die Klassenräume wird über variable Volumenstromregler abhängig vom CO2-Gehalt der Raumluft zwischen einem Minimal- und Maximalwert geregelt. Die Luft durchläuft einen Filterprozess und über einen Rotationswärmetauscher wird auch Feuchtigkeit an die Zuluft übertragen. Dem Absinken der Raumluftfeuchtigkeit unter 30 % relativer Feuchte im Winter – und damit auch dem Absinken der Raumluftqualität – wird somit entgegengewirkt. Passivhaus-Bauweise für aktives Energiesparen Die Erich Kästner-Schule zählt zu den ersten nach dem PassivhausStandard erbauten Immobilien in Leipzig. Zu den großen Vorteilen der Passivhaus-Bauweise gehören der ausgesprochene Nutzerkomfort, Energieersparnisse und die gute ökologische Qualität. Energieersparnisse stellen sich z. B. ein, weil die in den Gebäuden vorhandenen passiven Wärmequellen, wie z. B. Erwärmung durch Sonneneinstrahlung und Geräteabwärme, zur Beheizung der Schule und der Sporthalle mitverwendet werden. Mit Hilfe eines hocheffizienten Rotationswärmetauschers überträgt die Abluft ihre Wärme zu 80 % an die Zuluft. Damit die gewonnene Wärme nicht entweicht, ist der gesamte Baukörper luftdicht abgeschlossen. Die besondere Kompaktheit des Neubaus, das Eingraben der Sporthalle, die Ausführung in Stahlbeton und die Sorgfalt in der Umsetzung der bauphysikalischen Anforderungen führen zu der geforderten Luftdichtheit, die durch den „blower door test“ nachgewiesen wurde. Eine zentrale Zu- und Abluftanlage in Kastenbauweise reguliert die Be- und Entlüftung der Klassenräume. Die Anlage besteht aus Luftfiltern, frequenzgeregelten Ventilatoren, dem Wärmetauscher für Zu- und Abluft sowie einem Heizer und Kühler für die Zuluft.

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Eng verbunden D i e S p o r t h a l l e i s t d i r e k t a n d a s S ch u l g e b ä u d e a n g e s ch l o s s e n .

Im Sommer kann die Bauweise zur Kühlung genutzt werden. Ein Sonnenschutz und die Fassadendämmung gemäß Passivhausstandard verhindern zudem ein Überhitzen am Tage. Darüber hinaus können die Klassenräume im Sommer und in der Übergangszeit ohne den Wärmetauscher direkt durch Nutzung der freien Kühlung mit Außenluft temperiert werden. Der im Lüftungsgerät integrierte Kühler ist an ein Erdsondenfeld angeschlossen, das sich unterhalb des Sport-

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platzes befindet. Somit wird durch Nutzung der Grundwassertemperaturen die Zuluft im Sommer ebenfalls gekühlt. Das geschwungene Gründach des eingeschossigen Baukörpers zwischen Schule und Sporthalle verringert im Sommer die Erwärmung der Räume, im Winter reduziert es dank einer Dämmung von 30 bis 35 cm Wärmeverluste. Eine Perimeterdämmung unter der Sohle verhindert zusätzliche Wärmebrücken durch aufgehende Wände.


Projektinformationen die kenndaten im

Uberblick

E r i ch K ä s t n e r- S ch u l e L e i p z i g N e u b a u , We tt b e w e r b 2 0 0 9 , 1. P r e i s

Fe r t i g s t e l l u n g 0 7 / 2 013 Gesamtbausumme 13 , 9   M i o . € ( b r u tt o )

D i p l . - I n g . ( T U ) A r ch i t e k t i n E v e l y n We n d t - S a l m h o fe r Projektleiterin

F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e HNF 5.330 m² BGF 8.630 m² BRI 42.986 m³ Bauherr St adt Leipzig

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

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G r u n d r i s s E r d g e s ch o s s

1

E LT

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Leiterraum

2

We r k e n 1

19

Erzieherraum

3

We r k e n 2

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Snoezelraum

4

Gruppenraum

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Integration

5

Hausaufgaben

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Spielzeugraum

6

E LT

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W C / Wä s ch e r a u m

7   – 11 G r u p p e n r a u m

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Nebenraum

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Te e k ü ch e

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M e h r z w e ck r a u m

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Te ch n i k

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Ausgabe

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Umkleiden

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Musikraum

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Sporthalle

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Garderoben

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Galerie

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H a u s m e i s t e r w e r k s t a tt

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Te e k ü ch e

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Vorbeugen für den Brandfall BRANDSCHUTZPLANUNG FÜR DIE ERICH KÄSTNER - SCHULE IN LEIPZIG

Autor D i p l . - I n g . M a r t i n H ö l s ch e r

Kommt es in Schulen zum Brand, muss sichergestellt sein, dass Schüler und Lehrer ungehindert und schnell das Gebäude verlassen können. Damit im Brandfall tatsächlich alles reibungslos verläuft, sollte der Brandschutzplaner bereits in einer frühen Phase der Gebäudeplanung einbezogen werden.

Legende Brandschutzsymbole -

101_ 4 101_4 -

Brandwand F 90 A + M Wand in Brandwandqualität

101_8

1

Wand F 90

NA

NA

-

101_155

Wand F 30

NA 10

2 1 2 10

FS D

FSEE

an g 0 10 d f an Winn

Fibs

notwendiger Flur notwendiger Treppenraum Versammlungsräume

1

NA

1

NA 11 10

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1

NA

T3

-

NA

1

NA

NA

101

BE

B > 1,05 m

NA

Notausgang

R

Brandschutztür T 30/RS , mit Freilaufschließer

BMZ

-

Brandschutzfenster F 30

NA

Brandschutztür T30/RS NA A

NA

Rauchableitung über Fenster im oberen Drittel

Dichtschließende Tür DT

NA

NA

NA

Rauchschutztür RS Rauchableitung ung über Fenster im oberen Drittel

NA

Rettungsweg

NA

Rauchableitung

DT DT

Zuluft manuell

BMA Überwacht

BMA Kategorie 3

D

FSE FSD

Freischaltelement/ Feuerwehrschlüsseldepot

Fibs

Feuerwehranzeigetableau, Feuerwehrbedienfeld

BMZ

Brandmeldezentrale

0 _

0

DT DT

S RS

NA

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BR A N D S C H U T Z PL A N U N G

Ki

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D i p l . - I n g . M a r t i n H ö l s ch e r S e i t 2 010 i s t M a r t i n H ö l s ch e r G e s ch ä ft s f ü h r e r d e r p b r H ö l s ch e r B r a n d s ch u t z G m b H . E r h a t s i ch z u m F a ch p l a n e r u n d S a ch v e r s t ä n d i g e n f ü r v o r b e u g e n d e n B r a n d s ch u t z f o r t g e b i l d e t u n d i s t s t a a t l i ch a n e r k a n n t e r S a ch v e rständiger für die Prüfung des B r a n d s ch u t z e s . M a r t i n H ö l s ch e r h a t d i e B r a n d s ch u t z p l a n u n g f ü r diverse Neubauten erstellt, u. a. f ü r e i n e n F a ch u n t e r r i ch t s t r a k t d e s Gymnasiums Meppen, die Integr i e r t e G e s a m t s ch u l e i n O s n a b r ü ck - E v e r s b u r g s o w i e f ü r d i e B i b l i o t h e k a m We s t e r b e r g i n O s n a b r ü ck .

Schulen sind Sonderbauten und deshalb gelten für sie besondere Herausforderungen bei der Planung. In der Brandschutzplanung liegt ein Hauptaugenmerk darauf, brandlastfreie notwendige Flure als erste Flucht- und Rettungswege einzurichten. Die Lage, Dimension und bauliche Ausprägung von Zugängen, Erschließung und Treppenräumen müssen definiert werden. Hier können Lösungen meist nur durch das Zusammenspiel von baulichem, anlagentechnischem und betrieblichorganisatorischem Brandschutz entstehen. Bildungseinrichtungen mit Lernlandschaften sind geprägt von Offenheit, Transparenz, viel Tageslicht und multifunktionalen Flächen, die z. T. Flurzonen zugeordnet werden. Auch in der Erich Kästner-Schule in Leipzig sind Flurbereiche über Stockwerke hinweg offen. Eine Aufgabe der Brandschutzplanung ist, die Architektur zu unterstützen. Es ist notwendig, eine Gefahrenbewertung und eine Risikobetrachtung vorzunehmen, um den Archi-

tekturentwurf genehmigungsreif zu machen und später ausführen zu können. Hierzu gehört auch zu überprüfen, ob die rechtlichen Vorgaben an Brandabschnitte eingehalten werden. Das Brandschutzkonzept für die Leipziger Schule unterteilt das Gebäude in insgesamt drei Brandabschnitte. Davon untergliedert sich das Schulgebäude in zwei Brandabschnitte, die von einer feuerfesten Brandwand getrennt werden. Das Gebäude erhielt eine Brandmeldeanlage zur rechtzeitigen Räumung und Früherkennung von Bränden. Das System arbeitet mit optischen Rauchmeldern bzw. Multisensormeldern und überwacht auch Zwischendecken sowie Hohlraumbodenbereiche. Zusätzlich sind Handfeuermelder in den Flucht- und Rettungswegen der Schule und Sporthalle angebracht. Die Sirenen der Brandmeldeanlage sind innerhalb der Brandabschnitte geschossweise gruppiert und erstrecken sich über sämtliche Auf-

enthaltsbereiche. Die Brandmeldeanlage löst nicht nur das Alarmsignal aus, sondern sie öffnet im Brandfall die natürliche Rauchableitungsanlage im Foyer, im Speise- und Mehrzweckraum sowie in den Dach-Lüftungszentralen automatisch. Notstromakkus halten die Brandmeldeanlage bis zu 30 Stunden funktionstüchtig. Auch die Baumaterialien werden nach brandschutzrechtlichen Aspekten analysiert. So besteht beispielsweise das Fassadenmaterial der Erich Kästner-Schule in Leipzig aus schwerentflammbarem Aluminiumverbundblech und einer nichtbrennbaren Mineralfaser-Wärmedämmung. Im Bereich des betrieblich-organisatorischen Brandschutzes ist die Mitwirkung der Nutzer unabdingbar. Die Mitwirkungspflicht ist in einer umfangreichen Beschreibung zur Brandschutzordnung festgelegt.

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Zukunftsfähige Ausbildung UMBAU UND SANIERUNG DER KREISBERUFSSCHULE IN PINNEBERG

Autor D i p l . - I n g . D a n n y S ch r o e d e r

Mit modernen Werkstätten, Fachunterrichts- und 70 Klassenräumen ermöglicht das sanierte Gebäudeensemble der Berufsschule im Kreis Pinneberg 3.600 Schülern eine zukunftsfähige Ausbildung. Vom düsteren „Kasselerbau“ aus den 1970er Jahren ist jetzt nichts mehr zu sehen.

Die Neustrukturierung wurde im Rahmen einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) realisiert, in der pbr vom Generalunternehmer Ed. Züblin AG beauftragt wurde. Ziel der Neugestaltung der Beruflichen Schulen des Kreises Pinneberg war die Errichtung einer funktionsfähigen Schule mit individuellen Nutzungen und Funktionsbereichen, die Identität stiftet und ein hohes Maß an Aufenthalts- und Lernqualität für Schüler und Lehrer bietet. Die Einbeziehung der vorhandenen Bebauung und der während der gesamten Bauphase stattfindende Schulbetrieb stellten besondere Herausforderungen an den Entwurf und die Realisierung der Baumaßnahmen. Auf einer Gesamtfläche von 22.400 m² ist ein Gebäudeensemble entstanden, das sich aus einem Neubau für den Fachbereich Gewerbe KFZ, einem neu errichteten Hauptgebäude und dem bestehenden Verwaltungs- und Schulgebäude aus dem Jahr 1995 zusammensetzt. Zeitgemäße Architektur mit regionaler Charakteristik Da sich die neuen Baukörper in den Kontext der bestehenden Bebauung einfügen sollten, erforderte der Entwurf für das Gebäudeensemble eine zeitgemäße Architektur mit regionaler Charakteristik. So wurde für die Fassadengestaltung des Hauptgebäudes eine Materialkombination aus rotbuntem, ortstypischem Ziegelstein für den Sockel und pastellroter Faserzement-Vorhangfassade für die beiden Obergeschosse gewählt. Hier wurden die Fenster als durchlaufende Fensterbänder ausgebildet, während für das Erdgeschoss Einzelfenster in abwechselnd angeordneten

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Vielseitig und kommunikativ D i e z w e i g e s ch o s s i g e Paus e n h a l l e s t e l l t d e n z e n t r a l e n A u fe n t h a l t s o r t f ü r d i e S ch ü l e r d a r.

Projektinformationen DIE KENNDATEN IM

UBERBLICK

N e u g e s t a l t u n g B e r u f s s ch u l e P i n n e berg , Sanierung und Er weiterung Fe r t i g s t e l l u n g 0 8 / 2 015 Gesamtbausumme 2 4 M i o . € ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 9.909 m² BGF 17. 6 9 3 m ² BRI 73.628 m³ Bauherr Kreis Pinneberg L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r Tr a g w e r k s p l a n u n g

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Grundformaten gewählt wurden. Der Neubau für den Fachbereich Gewerbe KFZ erhielt in allen Geschossen eine Fassadenbekleidung aus rotbuntem Ziegelstein. Großzügiger Grundriss mit offenen Strukturen Das dreigeschossige Hauptgebäude wurde in Form eines Atriums errichtet und damit logisch in den städtebaulichen Kontext eingebunden. Um dem Gebäude eine klare Orientierung zuzuweisen und eine Sichtbeziehung vom angrenzenden Wald zum Pausenhof herzustellen, wurde im Atrium ein 16 m breiter, zweigeschossiger Durchgang eingerichtet. Größtenteils ist der Baukörper in zweibündiger Grundrissstruktur konzipiert. Dabei steht das Erdgeschoss u. a. den übergeordneten Nutzungen wie Pausenhalle, Fachraum Musik, Speiseraum sowie dem Fachbereich Ernährung und Hauswirtschaft und dem Gewerbe Bau zur Verfügung. Auch


der Fachbereich Sozialpädagogik ist hier in der Nähe des Haupteingangs situiert, um lange Wege für die Kindergartengruppen zu vermeiden. Alle Verkehrswege im Hauptgebäude sind bewusst offen konzipiert, so dass an den Flurenden und in den Fluraufweitungen je nach Bedarf offene Bereiche generiert werden können. Diese bieten durch eine natürliche Belichtung attraktive Lern- und Aufenthaltszonen. Mittels einer wettergeschützten und behindertengerechten Brücke wurden das Hauptgebäude und das Bestandsgebäude aus dem Jahr 1994 im ersten Obergeschoss miteinander verbunden. VIelseitig und kommunikativ Die zweigeschossige Pausenhalle des Hauptgebäudes stellt mit ihrer raumhohen Verglasung, einer Galerie und den offenen Komforttreppen den zentralen Aufenthaltsraum für die Schüler dar. Von hier aus können sowohl die einzelnen Fachbereiche als auch die Verwaltung erschlossen werden. Aufgrund ihres Zuschnitts und des fest integrierten Musikraums ist die Pausenhalle als multifunktionaler Raum,

insbesondere für Veranstaltungen optimal geeignet. Unmittelbar an die Pausenhalle angeschlossen sind die Speiseräume und die Lehrküche. Beide Räume können durch eine mobile Trennwand je nach Bedarf zusammengeschlossen als große Mensa oder getrennt als einzelne Räume genutzt werden. Ebenso ist der innenliegende Pausenhof unmittelbar von der Pausenhalle aus erreichbar. Der Neubau für den Fachbereich KFZ wurde an der Stelle der ehemaligen KFZ-Werkstatt errichtet und über eine gläserne Fuge mit Treppenhaus an das bestehende Schul- und Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1995 angeschlossen. Hier befindet sich der neue Eingang für die Fachbereiche Gewerbe KFZ, Gewerbe Metall und Berufsvorbereitungsjahr. Der Neubau für den Fachbereich KFZ wurde bewusst zwischen dem bestehenden Schul- und Verwaltungsbau und dem Werkstattgebäude aus dem Jahr 2004 platziert, um die Funktionsbereiche Metall und KFZ in räumlicher Nähe zueinander anzuordnen. Auf diese Weise konnten lange Wege zwischen den häufig kooperierenden Fachbereichen vermieden werden.

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Der Weg zum Totalunternehmer BAUHERRENBERATUNG FÜR DEN NEUBAU DER BERUFSBILDENDEN SCHULEN III IN OLDENBURG

Autor D i p l . - I n g . C h r i s t o p h B i e r s ch e n k

In Oldenburg hat ein Neubaukomplex für die Berufsbildenden Schulen III ein altes Gebäude ersetzt, dessen Sanierung zu kostspielig geworden wäre. Der Komplex bietet Raum für 1.200 Schüler in Vollzeit, 2.000 Schüler in Teilzeit und 140 Lehrkräfte.

Weil die Baukosten des Neubaus den europäischen Schwellenwert von 5,2 Mio. € überstiegen, musste das Projekt als öffentlicher Teilnahmewettbewerb mit Verhandlungsverfahren ausgelobt werden. Die Stadt Oldenburg entschied sich, pbr gemeinsam mit der Kanzlei Kapellmann und Partner mit der Durchführung und Betreuung des Wettbewerbs und Verfahrens zu beauftragen. Gegenstand des Verfahrens selbst waren sowohl der Entwurf und die Planung als auch der Neubau der Berufsbildenden Schule. Projektvorbereitung Auf der Basis einer vorliegenden Machbarkeitsstudie bzw. eines Raumprogramms des Bauherrn wurden qualifizierte Raumbücher erstellt. Für das Vergabeverfahren wurden im nächsten Schritt die Nutzungs- und Gestaltungsqualitäten in Form einer outputspezifizierten funktionalen Leistungsbeschrei-

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bung (FLB) zusammengefasst. Sie bildet die Grundlage für die Auslobung der Bauleistungen und die Planung des Totalunternehmers. Die FLB gibt kein detailliertes Leistungsverzeichnis, sondern eine Funktionsbeschreibung vor. Für die spezialisierte Berufsschule mussten u. a. diverse Fachräume wie Hotelküchen, Produktionsküchen und eine Bäckerei berücksichtigt werden. Aufbauend auf der FLB müssen die Bieter ein Konzept entwickeln, das die geforderten Funktionen bestmöglich aufnimmt. Die Bieter stehen also nicht nur in einem Preiswettbewerb, sondern auch in einem konzeptuellen Wettbewerb. Dem Auslober bietet dies den Vorteil, dass er aus einer Anzahl verschiedener professioneller Lösungsansätze auswählen kann. Die FLB definiert außerdem u. a. städtebauliche Anforderungen, Materialitäten und die bauliche Qualität für den gesuchten Totalunternehmer eindeutig. Damit bildet sie die Grundlage für die spätere Vergleichbarkeit


D a s e t w a s a n d e r e Ve r f a h r e n D e r B a u h e r r e n t s ch i e d s i ch b e i m N e u b a u d e r S ch u l e f ü r d i e Ve r g a b e a n e i n e n To t a l u n t e r n e h m e r.

der Wettbewerbsbeiträge. Mit einer Bewertungsmatrix wurden die Entscheidungskriterien des Verfahrens für die Teilnehmer transparent gemacht. In dieser frühen Phase des Bauprozesses werden die Baukosten z. B. durch das präzise Definieren der Nutzungsqualitäten stark beeinflusst. Auswahl des Tot alunternehmers Nachdem die Bieter ihre Wettbewerbsbeiträge eingereicht hatten, war es auch pbrAufgabe, die geeigneten Bieter gemeinsam mit dem Auslober zu beurteilen, die Wirtschaftlichkeit der angebotenen Leistungen und den Konzeptentwurf zu vergleichen. Ein Fachgremium Architektur wurde gegründet und betreut, das die baulichen und gestalterischen Kriterien in den Angeboten bewerten sollte. Als Berater des Bauherrn unterstützte pbr diesen bei der Durchführung des Verhandlungsverfahrens mit dem Gewin-

ner des Wettbewerbs. In diesem Verfahren wurden erforderliche Änderungen des Entwurfs und die daraus resultierenden preislichen Abweichungen mit dem Bieter verhandelt und die Vertragsunterlagen vorbereitet. Während der Planungs- und Umsetzungsphase prüfte pbr, ob die vom Auftragnehmer erstellten Lösungen den Vorgaben der outputspezifizierten technischen Leistungsbeschreibung entsprachen und gab die Entwürfe zur Ausführungsplanung frei. Auch auf der Baustelle war pbr für die Qualitätssicherung und die fortlaufende Bauüberwachung verantwortlich.

Fe r t i g s t e l l u n g 0 8 / 2 015 F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 9.400 m² BGF 15 . 0 0 0 m ² BRI 52.000 m³ Bauherr Stadt Oldenburg L e i s t u n g e n p b r AG B e t r e u u n g d e s Ve r g a b e v e r f a h r e n s inkl. Erstellung FLB, Bauherrenb e r a t u n g , B e t r e u u n g d e s Ve r h a n d l u n g s v e r f a h r e n s u n d B a u ü b e rw a ch u n g

Leistungen Kapellmann und P a r t n e r R e ch t s a n w ä l t e R e ch t s b e r a t u n g Leistungen Dohle + Lohse A r ch i t e k t e n A r ch i t e k t u r

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Campus der Zukunft SEMINARGEBÄUDE MIT HOHER REPRÄSENTATIONSKRAFT

Autor D i p l . - I n g . M a r t i n a Fu ch s

Der Auftakt zur Campusentwicklung Philosophikum der Justus-Liebig-Universität in Gießen ist erfolgt. Das erste Seminargebäude für den geistes- und kultur wissenschaftlichen Campus ist fertiggestellt und bildet auch aufgrund seiner hohen Repräsentationskraft den ersten Meilenstein.

Als Arbeitsplatz von rund 10.000 Studierenden und einer Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern prägt der neue Campus Philosophikum nicht nur den Charakter der Universität, sondern auch der Stadt Gießen. Er ist eine Zusammenfügung zweier bisher getrennter Campusbereiche und soll die geistes- und kulturwissenschaftlichen Bereiche an einem Ort bündeln. Innerhalb des Masterplans zur Umgestaltung des Philosophikums ist neben dem Neubau des Seminargebäudes in den nächsten Jahren geplant, eine Achse mit fünf neuen Gebäuden zu realisieren. Ziel der Planungen ist die Entwicklung eines integrierten Universitätscampus neuen Typus, der sich im laufenden Betrieb und unter Nutzung der bestehenden Qualitäten umsetzen lässt und weit über Gießen hinaus als vorbildlicher Hochschulstandort Beachtung findet. Das neue Seminargebäude ist am Alten Steinbacher Weg 44 in unmittelbar fußläufiger Nähe zur „Neuen Mitte“ Gießens entstanden. Neben der Umsetzung des gewünschten Raum- und Funktionsprogramms ist es gelungen, die Vorgaben des Masterplans aufzunehmen und optimal umzusetzen. So präsentiert sich das neue Lehrgebäude als klares Rechteckvolumen mit einem extensiv begrünten Flachdach. Über den verglasten Haupteingang betreten Besucher das Lehrgebäude und gelangen durch den Windfang in das Foyer. Dieses ist in Teilbereichen zweigeschossig ausgebildet und über eine Galerie räumlich mit dem Foyer verbunden. Auf diese Weise bietet es größtmögliche Offenheit und Transparenz. Eine leichte Orientierung ermöglicht der an das Foyer angeschlossene zentrale Flurbereich. Er gliedert den 1.306 m² großen Neubau in die Seminarraumspange im Westen und die Erschließungs- und Nebenraumspange im Osten, so dass ein guter Kommunikationsfluss unter den Studierenden und Mitarbeitern gewährleistet wird. Neben zwei Vortragsräumen im Erdgeschoss für insgesamt 100 Personen befinden sich acht weitere Seminarräume für 60 Personen in den restlichen drei Geschossen. Die Haupterschließung erfolgt über eine großzügige einläufige Treppe.

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P H I L O S O P H I K U M D E R JU S T U S - L I E B I G - UNIV ER S ITÄ T G IES S EN


Fe r t i g s t e l l u n g 0 4 / 2 016 Gesamtbausumme 8 , 7 M i o . € ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 1. 3 0 6 m ² BGF 2.724 m² BRI 12 . 19 2 m ³ Bauherr Land Hessen, vertreten d u r ch d e n L a n d e s b e t r i e b B a u und Immobilien Hessen, N i e d e r l a s s u n g M i tt e L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r Te ch n i s ch e A u s r ü s t u n g

Großformatige, hell gefärbte Betonfertigteilplatten, pulverbeschichtetes Aluminium und Glas bestimmen die äußere Erscheinung. Um der Fassade einen individuellen Charakter zu verleihen, wurden die Betonfertigteilplatten über eine horizontale Teilung im Geschossdeckenverlauf gegliedert. In dieser Form erscheint der häufig kühl wirkende Werkstoff Beton als glatte und strukturierte Oberfläche. Auf den Betrachter wirkt er groß im Format und fein gegliedert im Detail zugleich. Eine großflächige, leicht eingeschobene Glasfassade öffnet das Lehrgebäude in Richtung des zukünftigen Campusplatzes. Sie reicht über drei Geschosse und lässt nicht nur vielfältige Ein- und Ausblicke zu, sondern schafft auch ein Gegenstück zum Fassaden-Werkstoff Beton und kennzeichnet den Eingangsbereich. Große, gleichmäßig angeordnete Lochfenster strukturieren die Nord-West-Fassade im Bereich der Seminarräume. Durch eine im Beton ausgebildete, dreiseitig umlaufende Fasche und die Laibungsprofile der Fenster erfährt die Fassade eine zusätzliche feine Gliederung. Die Montage der großformatigen, vorgehängten Betonplatten erfolgte am Ortbetonrohbau. Spezielle Ankersysteme, die bereits im Fertigteilwerk einbetoniert waren, sichern die Tragfähigkeit. Um trotz der Rohbautoleranzen ein gleichbleibendes und möglichst sauberes Fugenbild zu erzielen, war es notwendig, die 12 cm starken Fertigteilplatten vor Anbringung genau auszurichten, was durch die Größe und das enorme Gewicht eine große Herausforderung darstellte. Etwa 5 bis 7 Betonplatten konnten pro Tag angebracht werden. Darüber hinaus musste eine Dämmschichtdicke von 22 cm ausgeführt werden, um den Zielwert des Hessischen Modells Energieeffizientes Landesgebäude zu erreichen. Präzisionsarbeit Die Mont age der vorgehängten B e t o n p l a tt e n e r f o l g t e a m O r t betonrohbau.

P H ILO S O PHI K U M D ER JU S TU S - LIEB IG - UNIV ER S ITÄ T G IE S S EN

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G e s ch i ck t g e l ö s t D u r ch d i e l e b h a ft e F a s s a d e n g e s t a l t u n g s i n d Ü b e r g ä n g e z w i s ch e n A l t - u n d N e u b a u n i ch t m e h r s i ch t b a r.

Autor D i p l . - I n g . D a n n y S ch r o e d e r

Freundlich, hell und farbenfroh präsentiert sich die Integrierte Gesamtschule Volkmarode (IGS) in Braunschweig nach den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen. Das neue Raumkonzept, eine barrierefreie Erschließung und optimale Wegeführungen gewährleisten seither Kindern mit unterschiedlicher Begabung alle Möglichkeiten für einen optimalen Lernerfolg.

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I G S VO L K M A R O D E


Individuelles und kooperatives Lernen in freundlicher Umgebung SANIERUNG UND UMBAU DER IGS VOLKMARODE BEI LAUFENDEM BETRIEB

Individueller Charakter Vo r g e s e t z t e G l a s p a n e e l e i n r o t u n d g e l b l ö s e n d i e Fe n s t e r b ä n d e r auf und setzen Akzente in der Fassadengest altung .

Bis zum Jahr 2009 hatte das ehemalige Schulzentrum Braunschweig-Volkmarode die Funktion einer Haupt- und Realschule inne und bestand aus einem dreigeschossigen Hauptgebäude aus den 70er Jahren, einem etwas später errichteten Anbau und einer Sporthalle. Da sich ab dem Schuljahr 2009/2010 die Schulform zu einer integrierten Gesamtschule änderte und in diesem Jahr 150 weitere Schüler sowie im darauffolgenden Jahr nochmals 150 Schüler ein erhöhtes Raumangebot forderten, war es notwendig, neue Klassenräume zu schaf-

fen und die vorhandenen, stark sanierungsbedürftigen Gebäude zu modernisieren. Die Realisierung der Umbau- und Sanierungsarbeiten erfolgte bei laufendem Betrieb und forderte einen erhöhten Termin- und Koordinationsaufwand. Um diesem gerecht zu werden, beinhaltete die ganzheitliche Planung gleich zu Beginn der Baumaßnahme die Erstellung eines baulogistischen Konzepts, in dem nicht nur die Einteilung in fünf Bauabschnitte, sondern auch diverse Interimslösungen im Hinblick auf die Verkehrs- und Rettungswegeführung festgelegt wurden.

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Projektinformationen DIE KENNDATEN IM

UBERBLICK

I n t e g r i e r t e G e s a m t s ch u l e Vo l k m a r o d e ( I G S ) i n B r a u n s ch w e i g Sanierung und Er weiterung eines S ch u l z e n t r u m s Fe r t i g s t e l l u n g 0 9 / 2 014 Gesamtbausumme 15 , 9 M i o . € ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 10 . 8 5 3 m ² BGF 15 . 18 4 m ² BRI 39.836 m³ Bauherr S t a d t B r a u n s ch w e i g L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r Tr a g w e r k s p l a n u n g B r a n d s ch u t z

H e r a u s f o r d e r u n g B r a n d s ch u t z Das gesamte Primärtragwerk wurde b r a n d s ch u t z t e ch n i s ch e r t ü ch t i g t .

Um einen reibungslosen und terminsicheren Bauablauf zu gewährleisten, war während der gesamten Baumaßnahme zudem eine enge Zusammenarbeit zwischen Architekten, Fachplanern und dem Bauherrn gefordert.

zu ziehen. Da dieser Ablauf bereits im Vorfeld im Baulogistikkonzept festgelegt und alle Vorgaben und Termine eingehalten wurden, konnten die Einschränkungen für Schüler und Lehrpersonal so gering wie möglich gehalten werden.

Raumangebot schaffen

Ganztägiger Schulbetrieb

Der im Baulogistikkonzept festgelegte Terminplan gab vor, innerhalb eines ersten Bauabschnitts zunächst den Neubau eines zusätzlichen Klassentraktes als Ersatzneubau zu errichten, da nur so ein erhöhtes Raumangebot geschaffen werden konnte, um in den folgenden Bauabschnitten das Bestandsgebäude zu sanieren. Das dreigeschossige Ersatzgebäude wurde im Südosten an den Bestand angegliedert und bot mit seinen 14 Klassenräumen nach Fertigstellung ausreichend Platz, um das Bestandsgebäude für die anstehende Sanierung in Teilen leer

Da die neue integrierte Schulform die Einführung eines ganztägigen Schulbetriebs mit sich zog, war neben der Errichtung des Ersatzneubaus auch der Neubau einer Mensa gefordert. Diese wurde ebenfalls innerhalb des ersten Bauabschnitts errichtet und beinhaltet neben einer Cafeteria mit dazugehöriger Küche und Anlieferung eine großzügige, überdachte Terrasse. Um auch im zweiten Bauabschnitt erneut weiteres Raumangebot zu schaffen, Teilbereiche leer zu ziehen und so allzu große Einschränkungen für Schüler und Lehrer zu

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I G S VO L K M A R O D E

„DER REIBUNGSLOSE BAUA B L AU F F O R D E R T E E I N E E N G E Z U SA M M E N A R B E IT Z W I S C H E N D E N A RC H IT E K T E N , FAC H PLANERN UND DEM BAU H E R R N .“


Fr e u n d l i ch e s E r s ch e i n u n g s b i l d O r a n g e f a r b e n e Fe l d e r s e t z e n A k z e n t e i n d e r F a s s a d e n g e s t a l t u n g .

vermeiden, wurde dieser bereits im Baulogistikkonzept in vier Teilbereiche eingeteilt. Im ersten Schritt erfolgte die Sanierung und Erweiterung des bestehenden Südflügels, nach dessen Inbetriebnahme mit dem zweiten Teilbauabschnitt begonnen werden konnte. Dieser beinhaltete u. a. die Pausenhalle, die zu einem großzügigen Forum umgestaltet werden sollte und damit eine der größten Herausforderungen darstellte. Um in diesem Bereich die erhöhten Lärm- und Staubbelästigungen zu verringern, wurde bereits im Baulogistikkonzept die Errichtung einer schützenden Holzkonstruktion festgelegt. Anders als üblich, wurde der zu modernisierende Bereich nicht nur durch Folien, sondern durch stabile Holztrennwände vollständig eingehaust. Nach der Sanierung bildet das neue Forum mit seiner umlaufenden Galerie das Herzstück der Schule. Der vielseitige Kommunikations- und Veranstaltungsort wurde zur Mitte hin treppenartig bis zu

1,20 m abgesenkt, so dass während Veranstaltungen rund 600 Zuschauern ein optimaler Blick auf die neu errichtete Bühne ermöglicht wird. Direkt an das Forum angegliedert wurde eine moderne Mediathek. Herausforderung Brandschutz Die Einhaltung des baulichen und konstruktiven Brandschutzes stellte die Architekten vor besondere Herausforderungen. Bereits in der Genehmigungsphase war es notwendig, das Brandschutzkonzept mehrmals zu überarbeiten. Der Grund hierfür lag in der vorhandenen Primärtragkonstruktion. Die verwendeten Materialien, die als Verbundkonstruktion wirkten, verfügten über keinen bzw. nur sehr geringen baulichen Brandschutz. So musste das gesamte Primärtragwerk brandschutztechnisch ertüchtigt werden, wozu auch der Eingriff in das Sekundärtragwerk notwendig wurde.

Schnelle Lösung gefragt Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurden auch die Außenwände des gesamten Bestandsgebäudes zurückgebaut. Alle Gebäudeteile erhielten eine Fassade aus Faserzementplatten, so dass ein einheitliches Erscheinungsbild gewährleistet ist. Allerdings war auch hierfür schon im Vorfeld der Baumaßnahme ein Lösungsansatz gefragt, der kurze Realisierungszeiten gewährleistete. Um die Fassade möglichst schnell wieder schließen zu können, kamen somit vorelementierte Holzständerwandelemente mit vorgefertigten Fensteröffnungen zum Einsatz. Ebenfalls vorgefertigt wurden die Bereiche vor den Stützen und Decken, die vor Ort miteinander verbunden wurden. Die hinterlüftete Vorhangfassade wurde abschließend an der Holzständerwand montiert.

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Miteinander statt getrennt SANIERUNG UND ERWEITERUNG DES SCHULSTANDORTES JENA - LOBEDA

Autor D i p l . - I n g . M i ch a e l B r a ck e

Der achtjährige Martin spielt mit Gleichaltrigen auf dem Schulhof. Martin hat eine geistige Behinderung, viele seiner Freunde nicht. Durch die Integration des Förderzentrums Kastanienschule in den Schulstandort Jena-Lobeda West, ist er jedoch in der Gemeinschaft seiner Freunde geblieben. Ohne die baulichen Strukturen wäre das nicht möglich gewesen.

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SC H U L S TA N D O R T K A R L - MA R X - AL L EE, J ENA - LO B ED A WES T


Am Schulstandort Jena-Lobeda West wurden die drei Schulen „OttoSchott-Gymnasium“, die neu gegründete Gemeinschaftsschule „Kulturanum“ und das regionale Förderzentrum „Kastanienschule“ zusammengeführt. Durch die komplette Sanierung eines 1972 errichteten H-förmigen Plattenbaus und die Erweiterung um ein neues Aulagebäude entstand ein Komplex für 1.000 Schüler. In der Kastanienschule werden 30 Schüler mit geistiger und körperlicher Behinderung unterrichtet. In der Gemeinschaftsschule „Kulturanum“ werden Kinder mit einer leichten Behinderung in den regulären Schulalltag integriert. Anpassung an die Forderungen der Inklusion Das Schulgebäude besteht aus den Bauteilen Nord und Süd, die durch einen mittleren Gebäudeteil verbunden werden. Darin sind die Schulformen in Clustern angeordnet. Um das Gebäude für alle Nutzergruppen anzupassen, wurden verschiedene spezielle Bereiche ergänzt. So entstanden z. B. Differenzierungsräume für Fördermaßnahmen, Beratungsräume und Räume für pädagogisches Fachpersonal. Darüber hinaus sind Ruhe- und Begegnungsflächen sowie Schülerarbeitsplätze in das Gebäude integriert worden. Jede Etage verfügt über ein Behinderten-WC, das jeweils in einem der beiden großen Gebäudeflügel im Wechsel untergebracht ist. Im Bereich der Kastanienschule ist das WC darüber hinaus mit Dusche und elektrisch höhenverstellbarer Klappliege ausgestattet. Im Bereich der Klassenräume sind zusätzliche Teeküchen angeordnet, um die intensivere Versorgung der Schüler mit Behinderung sicherzustellen. Ein weiterer Raum kann vollständig mit Betten belegt werden und als Rückzugsfläche dienen. Die Hauswirtschafts-Schülerküche im Mitteltrakt des Gebäudes wurde mit zusätzlichen Tischen ausgestattet, so dass Schüler mit Behinderung dort unter Betreuung ihr Frühstück zubereiten und in der Gemeinschaft zu sich nehmen können. Bei der Auswahl der Materialien und Ausstattung wurde insbesondere auch der Aspekt der starken Beanspruchungen im Schulalltag berücksichtigt. So sind die Wände im Innenbereich in haltbarem Sichtbeton ausgeführt. Automatische Schließsysteme stellen sicher, dass sich Türen kontaktfrei über Lichtschranken öffnen. Für gehbehinderte Menschen wurde ein Aufzug im mittleren Gebäudeteil eingebaut. Deutschland befindet sich schrittweise auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem. Ein Schritt in dieser Entwicklung ist der Umbau des Schulstandorts Jena-Lobeda West. Fe r t i g s t e l l u n g 0 4 / 2 014 Gesamtbausumme 11 , 5 M i o . € ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 5.920 m² BGF 10 . 3 0 0 m ² BRI 3 5 . 10 0 m ³ Bauherr Kommunale Immobilien Jena L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r Bessere Orientierung D i e d r e i S ch u l e n s i n d i m G e b ä u d e komplex farbig gegliedert.

S C H U LS TA ND O R T K A R L- MA R X - ALLEE, JENA - LO B ED A WES T

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S ch w i m m h a l l e Altdorf Fe r t i g s t e l l u n g 10 / 2 014 Gesamtbausumme 6 , 8 M i o . € ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d Rauminhalte NF 2.790 m² BGF 3.046 m² BRI 14 . 0 4 8 m ³ Bauherr Z w e ck v e r b a n d S ch u l s ch w i m m h a l l e A l t d o r f L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

Sport macht Schule NEUBAU DES SCHULSCHWIMMBADES ALTDORF UND DER SPORTHALLE HOFHEIM

Autor D i p l . - I n g . B o r i s S ch l ö r b

Mit den neuen Sportanlagen ist es gelungen, innerhalb einer modernen und präventiven Konzeption von Schule Räume zu schaffen, die Freude am gemeinschaftlichen Sporttreiben wecken.

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SC H WI M M H A L L E A LT D O R F


Sporthalle Hofheim Fe r t i g s t e l l u n g 11 / 2 014 Gesamtbausumme 5 , 7 M i o . € ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d Rauminhalte NF 2 . 13 3 m ² BGF 2.357 m² BRI 18 . 9 7 2 m ³ Bauherr M a i n - Ta u n u s - K r e i s L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r

Um die Zusammenarbeit zwischen Schul- und Vereinssport zu fördern und auf diese Weise das außerschulische Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot zu erweitern, lag bei der Planung beider Sportanlagen ein besonderes Augenmerk auf der Einbindung in das Umfeld. So wurde das Schulschwimmbad in Altdorf bei Nürnberg in unmittelbarer Nähe zur Schule, der anliegenden Sporthalle sowie der Förderschule und der Tennishalle Altdorf errichtet. Entstanden ist eine Gesamtanlage, in der sich die einzelnen Funktionen optimal ergänzen. Verkürzte Wege und gemeinschaftlich nutzbare Flächen erleichtern so eine enge Zusammenarbeit zwischen Schul- und Vereinssport. Auch in Hofheim wurde die neue Dreifeldsporthalle in direkter Nähe zur Main-Taunus-Schule (MTS) Hofheim angeordnet, so dass ein kurzer Zugangsweg ermöglicht wird. Als sogenannte Partnerschule des Leistungssports stellt das Unterrichtsfach Sport hier einen besonderen Schwerpunkt im Lehrplan dar, so dass innerhalb des Schulsportzentrums u. a. Talentfördergruppen für ein kindgemäßes, sportartenspezifisches Training durch Sportpädagogen sowie das Freiwillige Soziale Jahr im Bereich Sport angeboten werden.

mehreren Gruppen die zeitgleiche Nutzung zu ermöglichen. So wurde die Schwimmhalle in Altdorf mit einem Variobecken und einem Lehrschwimmbecken ausgestattet. Die Becken sind hintereinander angeordnet, um dem Lehrpersonal den Überblick zu erleichtern. In Hofheim lässt sich die Halle über zwei Trennvorhänge in drei Hallenteile einteilen und ermöglicht so eine gleichzeitige Nutzung durch drei verschiedene Gruppen. Allen Hallenbereichen ist ein Geräteraum zugeordnet. Um aufwendiges und zeitintensives Auf- und Abbauen von Geräten zu vermeiden, befindet sich in einem Hallenteil ein fest installierter Turnparcours. Beiden Sportanlagen liegt ein barrierefreies Gesamtkonzept zugrunde, um auch körperlich eingeschränkten Schülerinnen und Schülern die Teilnahme am Sportunterricht zu ermöglichen. So erfolgt der Zugang zur Sporthalle Hofheim über eine seitlich angeordnete Automatiktür. Im Foyer ermöglicht ein Aufzug die barrierefreie Erschließung. In Altdorf dient ein Platz vor dem Schwimmbadfoyer als zentraler Anlaufpunkt, der barrierefrei ausgebildet wurde und trotz des Niveauunterschiedes des Außengeländes auch Rollstuhlfahrern den Zugang ermöglicht.

Neben einer Doppelnutzung beider Sportanlagen durch Schule und Vereine, lag ein weiteres Augenmerk darauf,

S C H WIM M H A LLE A LTD O R F

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V i tt r a S ch o o l Te l e f o n p l a n , S t o ck h o l m ( S w e d e n ) C o l o r f u l s i tt i n g i s l a n d a s l e a r n i n g s i t u a t i o n

Designing for a better world starts at school A TALK WITH ROSAN BOSCH Rosan Bosch Studio is an interdisciplinary agency working in the cross-field of art, design and architecture. They believe that the physical environment makes a difference to the way people act in the world. Therefore they use interior design as a tool to create change, e. g. in schools. Creative Director and Founder of the Studio Rosan Bosch talks about designing a modern school.

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ROSAN BOSCH STUDIO


Which job have architects/designers to fulfil, when they design a school?

people from the development department. We started and recognized, that the most important thing of this new school was to place it under the headline “motivation”. This should gonna be a school, the children do not want to go home from. To do this, we had to work holistic. We had to combine the pedagogy with the design and the organization.

I really believe, that children are born with the need to develop and the need to learn. And if schools don’t give them, what the they need, they will get ill. That is why I started to work with design as a tool for development. Design can change your way of thinking, acting and feeling. And the physical space is the most important tool for educational development. One day I had to take my children to school. I delivered my boys How do you achieve this goal? extremely curious and eager to learn. Then, slowly, my children came back from school, more and more demotivated. They started talking We felt, we needed some kind of tool, to about school and learning as something that equals boring. When transform the input about learning into they were talking about freetime, it was like, what life is about. And physical design and developed five princithis didn’t feel right. I talked to the teacher. She was really sorry, ples to describe different learning methods because she tried to differentiate her teaching. But she said, there in a school. The first learning situation is the will always be some children, that can’t follow, and some children, “mountain top” education. This is about one that will be bored. way communication, e. g. teaching in front of children. The second is “cave education”. From which point do you st art, when you design a It is about concentration, and not commuschool? nicating with the people surrounding you, kind of enclosing yourself in a cell. Children When I first worked in school projects, I have always been in the told us, that they would like to have a place, back of the row as a designer. One day I had the great opportu- where they could hide, but if necessary look, nity to create a whole new school for the swedish free school or- what others are doing. Sometimes you conganisation Vittra, the Telefonplan School in Stockholm. We set up a centrate best, when you see who is coming team with children age 9 to 16, teachers from different schools and in, and sometimes when you turn your back

P r e s ch o o l L i c e o E u r o p a , Z a r a g o z a ( S p a i n ) The landscape consisting of a cave in a big mount ain, a valley and s a n d d u n e s f o r m s t h e s e tt i n g f o r d i ffe r e n t l e a r n i n g s i t u a t i o n s .

R O S A N B O S C H S TU D IO

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to the door, to close the environment out. The third one we called “camp fire situations”. It describes scenes, when you discuss with a little group and have a dialogue. In these situations you need to be loud and you need to feel, that you don’t disturb others. Then we had the “watering hole”. It is the place where you meet each other occasionaly. This can be a corridor or an entrance. Here is always a high level of disturbance and fast knowledge exchange. The fifth one is called “hands on”. In a school you need numerous places, in which you use your body as a part of education, e. g. when children need to dissect a fish. How does a school function with these principles? First of all, the school needs to respect the children as individuals with personal needs. In the Telefonplan School they get what they need, e. g. an environment where it is more quite but also spaces in which they can discuss with others. It gives a very high level of freedom and individuality. This is actually the best way of skilling our children for the future, because it prepares the children to learn, whatever they need to learn. It is a school where you learn, what is best for you, when learning. We give them the ability to skill them-

V i tt r a S ch o o l Te l e f o n p l a n , S t o ck h o l m ( S w e d e n ) Custom-made furnishings like this organic t able create new forms of communication.

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selves to learn. And we give them the passion for life and learning. The school has no traditional classrooms, but a lot of differentiated spaces. But there are also spaces, in which you can teach in a more typical classroom situation. We created different working environments. The children of the design team told us, that they didn’t want to sit in a classic classroom setup with desks and chairs, but on the floor. So we tried to design something for them. Now they have the freedom to go and sit, where they feel it would be best for them. Because there are no identifiable rooms, we had to find a way to navigate the children. We created identity markers and gave the spaces names, e. g. “under the tree” and “in front of the tree”. Noise is an issue in a school like that. You have to plan very carefully, where children can do a lot of noise and where they need to be quite. But they can navigate it by themselves.


S h e i k Z a y e d P r i v a t e A c a d e m y, A b u D h a b i ( U n i t e d A r a b E m i r a t e s ) P l a c e s a r e d e s i g n e d f o r d i ffe r e n t p u r p o s e s , e . g . f o r g e tt i n g t o g e t h e r.

„ BY U S I N G D E S I G N AS A TO O L , I B E L I E V E IT I S P O S S I B L E TO T U R N OU R P H YS I C A L E N V I RO N M E N T S I N TO M E A N I N G F U L A N D SIGNIFICANT EXPERIENCES T H AT W I L L P R E PA R E U S F O R F UT U R E C H A L L E N G E S.“

R o s a n B o s ch A s a D u t ch - b o r n a r t i s t , R o s a n B o s ch h a s had an international l a u n ch p a d f o r h e r p r o fe s s i o n a l w o r k . She is partly educate d a t H o g e s ch o o l v o o r d e K u n s t e n , U t r e ch t , Holland, and partly at Universit at de Bellas Artes, Barcelona, Spain, and has for many years lived in Spain and Belgium, among other places. She now lives in Copenhagen with her husband and t wo boys.

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Mittagessen schnell und günstig PLANUNG VON SCHULMENSEN

In der fünften und sechsten Klasse der Gesamtschule ist das gemeinsame Essen in der Mensa obligatorisch, auch für Anna und Yasin. Anna hat eine Laktoseintolleranz und bekommt deshalb eine Diät, Yasin benötigt aufgrund seiner ethisch-religiösen Grundhaltung ein besonderes Menü. In der Ganztagsversorgung ist es nicht immer einfach, die geforderte Diversität zu erzielen. Zu großen Teilen ist dies jedoch eine Frage der Mensaplanung.

Der Prozess der Planung beginnt mit der Grundlagenermittlung. Hier wird u. a. festgestellt, wie viele Essen produziert werden müssen, welche Ausgabezeiten eingehalten werden sollen und welche Vielfalt gefordert ist. Das zukünftige Verpflegungskonzept wird definiert. Sofern der Bauherr einverstanden ist, werden in Nutzergesprächen auch bereits die Anforderungen des Caterers sondiert und mit dem Budget abgeglichen. Grundsätzliches zuerst klären Frisch zubereitetes oder regeneriertes Essen – das ist meist die grundlegende Frage für den Bauherrn. In der Zubereitungsküche wird das Essen täglich aus frischen Zutaten zubereitet. Sie bietet gegenüber der Regenerierküche größere Einflussmöglichkeiten auf die Essensgestaltung und eine höhere Angebotstiefe, was bei geforderter Diversität hilfreich ist. In der Regenerierküche wird das gekühlt angelieferte Essen aus einer Zentralküche lediglich vor Ort erwärmt. Ethik, Religion und Lebensmittelunverträglichkeiten spielen in der schulischen Gemeinschaftsverpflegung zusehends eine stärkere Rolle. So wird u. a. bei der Planung der Mensa einer Gesamtschule im Großraum Köln

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KÜ C H E N P L A N U N G

mit einer Kapazität von 500 Schülern auch das Thema der Ernährung für Veganer und Allergiker berücksichtigt. Dem Caterer werden zusätzliche Möglichkeiten in der Küche bereitgestellt, damit er für diese kleineren Gruppen kochen kann. So wurde bei der Dimensionierung der Kochgeräte ein kleines kompaktes Multifunktionsgerät mitberücksichtigt. Regenerierküchen eignen sich besonders dann, wenn wenig Flächen in der Schule zur Verfügung stehen und das Budget eine Zubereitungsküche nicht zulässt. Weil das Essen nur regeneriert wird, entfällt dann die Produktionsküche. Benötigt werden insbesondere Kühlmöglichkeiten, in denen das Essen eingelagert wird, und Regeneriermodule zum Erwärmen. Schüler und Eltern einbinden Eines der Kernprobleme von Schulmensen sind die hohen Qualitätsansprüche an das Essen bei gleichzeitiger Forderung nach einem minimalen Preis. Damit die Schulessen günstig bleiben, können Schüler im Rahmen eines Mensadienstes eingebunden werden, z. B. in der Essensausgabe und der Vorsortierung des schmutzigen Geschirrs. Selbst die Eltern können bei der


D i p l . - I n g . K e r s t i n Pe r i n o - K r ä m e r Als Dipl.-Ing . für Ernährungsu n d H y g i e n e t e ch n i k h a t s i ch K e r s t i n Pe r i n o s e i t ü b e r 15 J a h ren auf die Planung von Speis e n v e r s o r g u n g s e i n r i ch t u n g e n spezialisiert. Sie hat die Entw u r f s p l a n u n g d e r K ü ch e n t e ch n i k u. a. für die Mensa-Neubauproj e k t e d e r H o ch s ch u l e n H a m m Lippstadt in Hamm und RheinWa a l i n K a m p - L i n t f o r t r e a l i s i e r t .

„ D I E K A PA Z IT Ä T E N , AU S G A B E Z E IT E N U N D E S S E N SV I E L FA LT S I N D KENNGRÖSSEN FÜR DIE PLANUNG EINER S C H U L M E N SA .“

Essensausgabe helfen. Damit nehmen sie dem Caterer Arbeitsschritte ab, die sonst Kosten verursachen. Der Mensadienst übernimmt auch pädagogische Funktion, z. B. stärkt er den Teamgeist. Eine weitere Herausforderung ist, einen Caterer zu finden, der die Anforderungen an einen ausgewogenen und abwechslungsreichen Speiseplan mit der Wirtschaftlichkeit vereinbaren kann. In einer Gesamtschule bei Düsseldorf haben Eltern einen Mensaverein gegründet, der die Mensa für 700 Schüler verwaltet. So konnte sich der Mensaverein selbständig einen Caterer suchen und aktiv das Speisenangebot beeinflussen.

stellung sind entsprechend dem Menüangebot gut organisierte Schalterausgaben eine Möglichkeit, um die benötigte Essenszahl in der geforderten Zeit bereitzustellen. Ist eine Schule mit einer Frischkostmensa ausgestattet, kann sie auch den Vorteil bieten, benachbarte Einrichtungen zu versorgen. So produziert die Mensa der Gesamtschule im Großraum Köln auch für die nahe gelegenen Kindertagesstätten und liefert das Essen außer Haus. Hierzu müssen in der Planung der Küche von vornherein zusätzliche Funktionen bzw. Flächen für die Verteilungslogistik berücksichtigt werden. Mensa als Lebensraum

13 Essen in der Minute In der gemeinsamen einstündigen Mittagspause benötigen die Schüler 20 Minuten zum Essen. So bleiben 40 Minuten für die Essensausgabe. Bei 500 Essensteilnehmern in der Mittagspause müssen ca. 13 Essen in der Minute ausgegeben werden. Diese Situation wirkt sich auf das Konzept der Mensa aus. Dürfen sich die Schüler selbst bedienen, ist ein ausgedehnter Free-Flow-Bereich, in dem das Essen zweifach angeboten wird, eine Lösungsvariante. Oder bei dem Konzept Essensvorbe-

Durch die Verbreitung von Ganztagsschulen wird die Schule für Kinder und Jugendliche zu einem Lebensraum. Entsprechend werden die Schulgebäude u. a. mit Lernclustern und Aufenthaltsbereichen darauf ausgerichtet. In dieser Lebensraumgestaltung nimmt der Bereich zum gemeinsamen Essen eine wichtige Funktion ein. Denn mit leerem Bauch, lässt sich nicht gut lernen.

K Ü C H ENPLA NU NG

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Smartboard

aktuelle projekte

Neue Sicherheit für BASF-Werk in Nienburg fertigstellung des neuen eingangsgebäudes

Auf dem Werkgelände des Emissionskatalysatorenwerks in Nienburg/Weser hat die BASF Catalysts Germany GmbH ein neues Eingangsgebäude errichten lassen. Dieses nimmt auf einer Nutzfläche von 361 m² den Werkschutz mit Nebenräumen auf und schafft einen offenen Eingangsbereich. Mit einer großzügigen Verglasung öffnet sich der eingeschossige Neubau in Richtung des Parkplatzes. Dieser wurde einschließlich Beleuchtung und Rigolenanlage ebenfalls erneuert. Das gesamte Eingangsgebäude sowie die angrenzenden Umkleidebereiche wurden mit einer neuen Lüftungsanlage ausgestattet. Dem Bereich des Werkschutzes vorgelagert wurde ein eingeschossiges Foyer, das den Eingang klar kennzeichnet und Besucher empfängt. Über die neuen Personenvereinzelungsschleusen und Drehtüren wird hier ein sicherer und kontrollierter Zugang gewährleistet. Durch eine neue Zaunanlage mit Übersteig- und Unterkriechschutz konnte die Sicherheit auf dem Werkgelände zusätzlich erhöht werden. Auf dem gesamten Werkgelände wurde außerdem die Videoüberwachung erneuert. Durch die Errichtung einer Fahrzeugschleuse konnte auch die Kontrolle des Warenein- und -ausgangsverkehrs deutlich verbessert werden.

Leistungen pbr AG A r ch i t e k t u r, Te ch n i s ch e G e b ä u d e a u s r ü s t u n g , A u ß e n a n l a g e n

Justizstandort für die Zukunft gewappnet neubau eines saaltrakts , essen

Für das Land-, Amts- und das Arbeitsgericht in Essen ist ein neuer Saaltrakt entstanden. Auf etwa 6.300 m² stehen den Mitarbeitern jetzt 35 Gerichtssäle, Beratungszimmer, Büros, Archive, Technikräume und eine Kantine mit 200 Sitzplätzen zur Verfügung. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Dorn+Overbeck aus Karst. Im März 2016 wurde der neue Saaltrakt, der den Justizstandort Essen für die Zukunft wappnen soll, offiziell eingeweiht. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), Niederlassung Duisburg investierte als Bauherr und Eigentümer rund 17 Millionen Euro in den Neubau. Der fünfgeschossige Anbau mit Staffelgeschoss auf dem Grundstück des Justizzentrums Essen lehnt sich in seiner äußeren Erscheinung an das bestehende denkmalgeschützte Gerichtsgebäude an. Mit einer zurückspringenden Glasfuge ist der Saaltrakt an den Bestand angeschlossen. Gestaltprägende Merkmale wie die Sockelausbildung, die Traufhöhe und Materialität wurden in der Planung wiederaufgenommen. Der Neubau schließt die letzte Bau­ lücke am Justizstandort Essen.

Leistungen pbr AG Gesamtplanung

52   phase 10 // pbr AG  8 / 2016  a k t u e l l e pr o j e k t e


Innerstädtischer Campus erweitert

fertigstellung institut elektro - und informationstechnik , tu darmstadt

Innerhalb von zwei Jahren ist auf dem innerstädtischen Campus der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) der Neubau eines Instituts für die Elektro- und Informationstechnik (EET) entstanden. Die heterogene Nachbarschaft, bestehend aus dem Darmstadtium mit seiner eigenen Architektursprache, dem Fraunhofer-Forschungsbau, der Hochspannungshalle und den denkmalgeschützten Gebäuden aus den fünfziger Jahren, stellte dabei eine besondere Herausforderung dar. Um sich weder zu sehr an den Gebäuden aus den fünfziger Jahren zu orientieren, noch ein zweites Darmstadtium zu schaffen, zeichnet sich der Neubau durch eine klare kubische Form ohne Vor- und Rücksprünge aus. Mit einer vorgehängten Crailsheimer-Muschelkalk-Natursteinfassade belebt dieser das Quartier, lässt den übrigen Bauten dennoch genügend Raum. Geschosshohe Fenster gliedern die Fassade innerhalb der Geschosse. Der verglaste Eingangsbereich öffnet das Gebäude zur Fraunhoferstraße. Das neue Erweiterungsgebäude bietet auf einer Fläche von 1.850 m² Seminar- und Besprechungsräume, Büros und ein Lernzentrum. Die Anordnung erfolgt dabei um einen innen liegenden Kern mit Aufzug, WC und Nebenräumen. Das Erdgeschoss nimmt mit einem großzügigen Foyer die stärker öffentlich orientierten Gebäudefunktionen auf.

Leistungen pbr AG A r ch i t e k t u r

Mecklenburgische Versicherung neubau unternehmenszentrale in hannover

Innerhalb von nur eineinhalb Jahren ist in der Berckhusenstraße in Hannover ein neues Bürogebäude für die Mecklenburgische Versicherungs-Gesellschaft a. G. entstanden. Der viergeschossige Neubau mit Klinkerfassade in unmittelbarer Nähe zur Hauptdirektion bietet Platz für 170 Mitarbeiter, Konferenzräume und Einheiten für externe Mieter. Im März 2016 wurde das Gebäude offiziell eingeweiht. Der Entwurf vom Büro Kaspar Kraemer Architekten basiert auf einer rechteckigen Grundform, die durch Einschnitte klar strukturiert wird. Der Baukörper ist in vier steinerne Riegel gegliedert, die sich um einen gemeinsamen Innenhof gruppieren. Diese werden durch verglaste Fugen miteinander verbunden, in denen sich die Treppenhäuser und die Meeting-Points befinden.

Leistungen pbr AG A r ch i t e k t u r, Tr a g w e r k s p l a n u n g , Te ch n i s ch e G e b ä u d e a u s r ü s t u n g , Fr e i a n l a g e n ( L P H 5 - 6 )

a k tu elle pr o jek te   phase 10 // pbr AG  8 / 2016   53


Klassenbuch

BETEILIGUNGEN

Neubau BIN DZNE Göttingen fertiggestellt IRM INGENIEURBÜRO R . MÜHLBACHER ERBRINGT PLANUNG DER LABORTECHNIK

Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer stellen die Forschung vor besonders große Herausforderungen. In Göttingen steht seit Juni dieses Jahres ein neues Forschungsgebäude zur Verfügung, das modernste Voraussetzungen bietet, um auf diesem Gebiet zu forschen und zu entwickeln. Das Center für Biostructural Imaging of Neurodegeneration (BIN) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Standort Göttingen (DZNE-G), haben das Forschungsgebäude im September 2016 bezogen. Auf insgesamt 3.440 m² Nutzfläche stehen den Forscherinnen und Forschern die Funktionsbereiche experimentelle Forschung, theoretisches Arbeiten, Service- und Kommunikationsflächen zur Verfügung. Dabei wurden die Labore, wie biologische Labore, Chemiesynthese- und Zellkulturlabore in Zweibünden an der Südseite angeordnet. Das Gebäude ist zudem ausgelegt für spezielle Geräte zur funktionellen Bildgebung der den neurodegenerativen Krankheiten zugrunde liegenden Ursachen und zur Neuentwicklung innovativer und zukunftsweisender Bildgebungstechniken. Da beide Nutzer ihre Forschungstätigkeiten in mehreren Teams mit wechselnder Zusammensetzung und Größe organisieren, findet ein häufiger Arbeitsplatzwechsel zwischen Labor und Büro statt, so dass eine hohe Nutzungsflexibilität einerseits und eine enge Verflechtung der Arbeitsbereiche andererseits u. a. bei der Laborplanung berücksichtigt werden mussten.

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BETEILIGUNGEN

Deutsche Schule in St. Petersburg OOO pbr PLANUNG FÜR DEN UMZUG DES KINDERGARTENS

Die Deutsche Schule Sankt Petersburg beim Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland ist eine Ganztagseinrichtung mit Kindergarten, Vorschule, Grundschule und Gymnasium. Sie wurde 2009 als deutsch-russische Begegnungsschule gegründet. Aufgrund von Platzmangel musste der Kindergarten, der sich zuvor mit der Schule in einem Gebäude befand, in neue Räumlichkeiten umziehen. OOO pbr hat die Planung für den Umbau von Räumen zur Unterbringung des Kindergartens erstellt und den Auftraggeber, den Verein zur Gründung und Förderung der deutsch-russischen Begegnungsschule in St. Petersburg, umfangreich beraten. Eine besondere Herausforderung für ausländische Bauherren ist die Berücksichtigung aller spezifischen Baunormen in Russland. OOO pbr hat der Deutschen Schule das erforderliche Know-how zu den technischen und rechtlichen landesspezifischen Rahmenbedingungen für den Umzug des Kindergartens zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurde die Architekturplanung mit Zeichnungen, Grundrissen und Schnitten nach den Wünschen des Auftraggebers entsprechend aller russischen Vorschriften erstellt. Für die Baumaßnahmen hat OOO pbr an der Ausschreibung, Vergabe und Bauüberwachung mitgewirkt.


Erweiterung Carl-Hahn-Schule, Wolfsburg a°blue ERSTELLT FASSADENPLANUNG UND BAUPHYSIK

Die Stadt Wolfsburg lässt Haus A der Berufsbildenden Schulen I erweitern und neustrukturieren, um so eine deutliche Verbesserung des Lernumfeldes zu bewirken. Der Architekturentwurf von pbr macht mit großen Fensterflächen, einem weiträumigen Foyer und erfrischenden Farben das Gebäude zu einem lebendigen Ort. a°blue realisiert in diesem Projekt die Planung der Fassade und der Bauphysik. Die Gebäudefassade erhält ein aufwendiges Verschattungssystem. Es besteht aus vertikalen Lamellen, die teilweise starr sind und sich teilweise mit dem Sonnenstand drehen. Das System trägt dazu bei, die Anforderungen an die zulässige Innentemperatur deutlich zu unterschreiten. Die Lamellen stehen vor unterschiedlichen Fassadentypen, von Pfosten-Riegel-Fassade bis hin zu einer Bestandsfassade. Die Konstruktion bedarf einer besonderen Beachtung sowohl in der Bauphysik als auch in der Fassadenplanung. a°blue erstellt für die Fassade u. a. Konstruktionsdetails und Leistungstexte und prüft die Werkplanung. Darüber hinaus plant a°blue den Wärmeschutz, die Bau- und Raumakustik und führt eine Energiebilanzierung durch. Voraussichtlich werden die Baumaßnahmen im August 2017 abgeschlossen.

Erweiterung Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, Köln pbr.pmd MIT PROJEKTMANAGEMENT BEAUFTRAGT

Steigende Schülerzahlen in Köln erfordern neue räumliche Kapazitäten. So lässt die Stadt Köln u. a. das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium mit einem Neubau erweitern. Die pbr.pmd Gesellschaft für Projektmanagement mbH ist für das Projekt mit den Leistungen der Projektsteuerung beauftragt. Die Bestandsgebäude aus den Jahren 1959-1961 befinden sich inmitten eines gewachsenen städtebaulichen Umfelds. Eine Aufstockung der denkmalgeschützten Gebäudesubstanz ist ausgeschlossen, so dass der benötigte zusätzliche Schulraum mit einer Nutzfläche von insgesamt 5.918 m² mit einem Neubau gedeckt werden muss. Der Entwurf für den dreigeschossigen Neubau auf der Fläche des Schulhofs sieht ein Foyer im Erdgeschoss, Verwaltungs- und Fachräume im ersten Obergeschoss und Fachräume im zweiten Obergeschoss vor. Die geforderte 3-Feld-Sporthalle soll im Untergeschoss positioniert werden. Auch Flächen für die Ganztagsbetreuung wird der Baukörper aufnehmen. Zu den Aufgaben von pbr.pmd gehört u. a. die Koordination der Projektabwicklung sowie die Sicherung von Qualitäten, Kosten und Terminen. Das Projekt befindet sich in Leistungsphase 1. Im Sommer 2019 sollen die Baumaßnahmen beginnen, die Übergabe erfolgt voraussichtlich im Sommer 2021.

B ETEILI G U NG EN

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Neubau Apartmenthaus „Baysakowa“ in Almaty, Kasachstan pbr Central Asia ERSTELLT AUSFÜHRUNGSPLANUNG

Fertigstellung des Flugsicherungskontrolltower des Fliegerhorst Neuburg pbr Ziegler Zirngibl ERBRACHTE ARCHITEKTUR -, AUSFÜHRUNGSPLANUNG UND OBJEKTÜBER WACHUNG

Langfristig besteht in Kasachstan ein erheblicher Bedarf an modernem Wohnraum. In den vergangenen Jahren wurde hier vorwiegend in Renditeprojekte für den gehobenen und luxuriösen Wohnbedarf investiert. Um auch den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken, hat die kasachische Regierung nun einige Förderprogramme ins Leben gerufen, so u. a. das Programm „Erschwinglicher Wohnraum – 2020“. Die Wohnungsbaugesellschaft Lux-Nedvischimost hat TOO pbr Central Asia in Almaty nun auch mit der zweiten Stufe, der Ausführungsplanung in der Tragwerksplanung und Haustechnik, für das Wohnungsbauprojekt „Baysakowa“ beauftragt, nachdem die Genehmigungsplanung erfolgreich abgeschlossen worden war. Das Projekt gehört in die sogenannte Economy-Class und verfügt über eine Bruttogeschossfläche von 33.450 m² zuzüglich Tiefgarage. Das 12-geschossige Gebäude erhebt sich über einen u-förmigen Grundriss, dessen Gestaltung an den in Almaty üblichen Architekturstil für Gebäude dieses Typs angelehnt ist. Die Aufteilung der Etagen besteht aus einem Mix aus 1-, 2- und 3-Zimmer-Appartements mit Küche und Bad. Die Planung wurde im August 2016 fertiggestellt. Die Bauarbeiten sollen im Anschluss daran im September beginnen.

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BETEILIGUNGEN

Um die Flugbetriebsstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 der Bundeswehr zu modernisieren, ist auf dem Nato-Flugplatz in Neuburg/Donau ein Anflugkontrollgebäude mit Tower entstanden. Die pbr Ziegler Zirngibl GmbH erbrachte für den Neubau die Architektur- und Ausführungsplanung sowie die Objektüberwachung. Für den Flugbetrieb des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 ist der Neubau ein weiterer wichtiger Infrastrukturbaustein. Auf einer Nutzfläche von 2.200 m² bietet er den Mitarbeitern der Flugplatzkontrolle sowie der An- und Abflugkontrolle mit entsprechender Technik und den Wetterbeobachtern ausreichend Platz. Flugsicherungskontrolloffiziere haben in der Kanzel auf 21 m Augenpunkthöhe freie Panoramasicht auf das Rollfeld, den Taxiway, Shelter und die Umgebung. Eine neue Anlagentechnik dient dabei der Flugsicherheit. Mit seiner markanten Silhouette, die durch Überhebungen und die Glaskanzel erzielt wurde, fügt sich der neue Flugsicherungskontrolltower harmonisch in die Umgebung mit den modernen Gebäuden der Feuerwache und der Piloten ein und soll in Zukunft stets als Zeichen für eine sichere Rückkehr stehen.


Whiteboard

NEWS

Auszeichnung für Relaunch pbr CORPORATE DESIGN ERHÄLT ICONIC AWARD

Internationaler Architektur- und Designpreis für pbr WASSER - UND SCHIFFFAHRTSAMT KIEL MIT ICONIC AWARD AUSGEZEICHNET

Der Relaunch des Corporate Designs der pbr Planungsbüro Rohling AG wird mit einem Iconic Award ausgezeichnet. Unter 617 Einreichungen aus 24 Nationen konnte der Entwurf die Jury in der Rubrik „Communication“ überzeugen. Die Überarbeitung des Corporate Designs erfolgte durch die Osnabrücker Kommunikationsagentur Kuhl|Frenzel. Im Rahmen der Gewerbe- und Immobilienmesse Expo Real findet die Preisverleihung am 4. Oktober 2016 in der BMW Welt in München statt. Mit den Iconic Awards prämiert der Rat für Formgebung visionäre Architektur, innovative Produkte und nachhaltige Kommunikation. Als einziger internationaler Architekturwettbewerb betrachtet er die Disziplinen Architektur und Design in ihrem Zusammenspiel.

Für den Entwurf des Wasser- und Schifffahrtsamts in Kiel wurde pbr in diesem Jahr mit dem Iconic Award ausgezeichnet. Damit ist es nunmehr der vierte Iconic Award, mit dem innerhalb von drei Jahren Projekte von pbr prämiert wurden. Die Verleihung findet anlässlich der Gewerbe- und Immobilienmesse Expo Real am 4. Oktober 2016 in der BMW Welt in München statt. Im Jahr 2009 ging pbr mit dem Entwurf für das Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel als Sieger aus einem Realisierungswettbewerb hervor und erbrachte im Auftrag der GMSH Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR die Gesamtplanung für die Errichtung eines neuen Verwaltungsgebäudes und die Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus aus dem Jahr 1895. Im Mai 2015 wurde das Gebäudeensemble an den Nutzer übergeben. Durch Errichtung des Neubaus konnte das bestehende Wasser- und Schifffahrtsamt nicht nur ergänzt, sondern auch ein städtebaulich-architektonischer Akzent auf der Schleuseninsel gesetzt werden. Mit seiner kubischen Formgebung und der prägnanten Dachlandschaft erweitert der Neubau den denkmalgeschützten Bestand gen Westen. Der Altbau wurde in den Entstehungszustand zurückversetzt und energetisch saniert, die historischen Grundrisse wiederbelebt und eine Fassadensanierung durchgeführt.

mehr Informationen finden Sie unter w w w. i c o n i c - a r ch i t e c t u r e . c o m / i c o n i c - a w a r d s . h t m l

B ETEILI G UNEWS NG EN

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pbr-Mitarbeiter lernen in der Hochschule      

berufs -

begleitende weiterbildung zum projektmanager

Das Projektmanagement ist in Bauvorhaben ein wesentlicher Erfolgsfaktor, im Architektur- und Ingenieur-Studium häufig aber nur eine Lerneinheit von vielen. Deshalb eignen sich viele junge Architekten und Ingenieure das erforderliche zusätzliche Fachwissen „on the job“ in ihren Projekten an. Die Professional School der Hochschule Osnabrück bietet mit dem Leadership Program eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Projektmanager an, die wissenschaftliche Grundlagen für ein professionelles Projektmanagement vermittelt. pbr ermöglicht 21 Mitarbeitern der Standorte Braunschweig, Düsseldorf, Hamburg und Osnabrück von Mai bis November 2016 die Teilnahme an dem individuell auf die pbr Bedürfnisse angepassten LeadershipProgramm zum Schwerpunkt Projektmanagement. Die Fachseminare in den Räumlichkeiten auf dem Hochschulcampus Osnabrück sind praxisorientiert und theoretisch fundiert. Die Veranstaltungen finden in kleinen Gruppen statt, so dass die Teilnehmer ihre persönlichen Erfahrungen in die Seminare einbringen und diese mit den Inhalten der Weiterbildung verknüpfen können. Das Leadership-Programm hat eine Dauer von einem Semester. Darin werden sechs aufeinander aufbauende Module mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten behandelt. So lernen die Teilnehmer die Grundlagen und Methoden der Projektplanung und -steuerung und werden an die vielseitigen Aufgaben des Projektmanagers herangeführt. In zahlreichen Rollenspielen, Fallstudien, praktischen Übungen und Teilnehmervorträgen sowie der Reflexion von eigenen Erfahrungen aus dem Berufsalltag können sie ihr Wissen vertiefen. Themenschwerpunkte der Module sind u. a. die Grundlagen des Projektmanagements, Instrumente zur Organisation, Strukturierung und zum Ablauf von Projekten, die Projektorientierte Organisationsentwicklung, Personalführung und das Projektcontrolling. Als Studienabschluss bescheinigt ein Zertifikat den pbr-Mitarbeitern die Lerninhalte und -leistungen. Optional können die Teilnehmer auch eine Prüfung ablegen – bei Bestehen erhalten sie Credit Points.

58   phase 10 // pbr AG  8 / 2016  V E R A N T W O R T U N G

I ch n e h m e a n d e r Fo r t b i l d u n g t e i l , w e i l i ch n e u e I n s t r u m e n t a rien für Projekte er werbe. Marco Biermann, Kaufmännis ch e r A n g e s t e l l t e r

Die gewonnenen Kenntnisse ­ r l e i ch t e r n m i r, d i e P r o j e k t b e t e i e ligten besser zu verstehen. Fr i e d e m a n n J u n g , Diplom-Ingenieur

D a w i r d i e I n h a l t e i n Te i l e n ­ i t b e s t i m m e n , e r g i b t s i ch e i n m auf das Unternehmen abges t i m m t e s S ch u l u n g s k o n z e p t . G e r r i t H e i d e r i ch , B . E n g . Ve r s o r g u n g s t e ch n i k


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issn 2198-7564

phase 10 - Ausgabe 08/2016  

Auf die Schulbank - Schwerpunkt Bildungsbau Magazin der pbr AG

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