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phase 10 Magazin der pbr AG  13 / 2019

Baukörperkultur schwerpunkt schwimmbad


Badekultur

3.592

einblicke

Freibäder gibt es in Deutschland.

65,5 Prozent der Deutschen duschen täglich.

41 Prozent der Kinder lernen vor Ende ihres 6. Lebensjahres schwimmen.

20,91 Sek. ist der Weltrekord über 50 m Freistil.

51,4 m ist der Startpunkt der höchsten Wasserrutsche der Welt.

30 Liter Füllwasser werden pro neuem Badegast in ein Schwimmbecken gelassen.

0,6 mg Chlor sind pro Liter Wasser in deutschen Bädern beigemengt.

Q u e l l e n : B u n d e s m i n i s t e r i u m f ü r W i r t s ch a ft u n d Te ch n o l o g i e , D I N 19 6 4 3 , f o r s a , S t a t i s t a , U m w e l t b u n d e s a m t , W i k i p e d i a


Startblock

vorwort

Liebe Leserinnen und Leser, das Bauen von Badehäusern ist bezüglich seiner historischen Abfolge zunächst von Repräsentations- und Genussansprüchen einer schmalen Elite, danach von hygienischen und therapeutischen Ansprüchen und aktuell vor allem von Bedürfnissen an Schwimmunterricht, sportliche Betätigung und an die Versorgung mit künstlichen Erlebniswelten geprägt. Man kann festhalten, je stärker das Bauen von „Badehäusern“ in die Breite gegangen ist, desto mehr ist die Prächtigkeit der Zweckmäßigkeit gewichen. Diese vormalige Prachtentfaltungsabsicht erlebt man allenthalben fast nur noch bei prächtigen Thematisierungen, die es heute mit einfachen Mitteln ermöglichen sollen, auch z. B. ein asiatisch-exotisches Ambiente in die niedersächsische „Grünkohlsteppe“ zu zaubern. Auf diesem weiten Feld, nämlich der Mischung aus kostengerechter Zweckmäßigkeit in zeitgerechter Anmutung und der künstlichen Schaffung von kleinen Fluchten aus dem engen grauen Alltag, bewegt sich auch die folgend aufgeblätterte „Flut“ von Bäderbauten der pbr AG der letzten Dekade – tauchen Sie hinein.

D i p l . - I n g . A r ch i t e k t B DA H e i n r i ch E u s t r u p Vo r s t a n d s v o r s i t z e n d e r d e r p b r AG

V o r wo r t  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   3


Mosaike

inhalt

14 Eins für den Norden neubau des sport - und freizeit ­ bades in kiel

22 Gesundheitsmagnet ­ in der Region neubau solevital bad laer

30 Neues Bad für ­N eustadt „balneon“ überzeugt mit effizientem ­energiekonzept

4   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  I n h a lt


38 Wettbewerbsfaktor Multifunktionalität sanierung panoramabad in georgsmarienhütte

42 Auf dem Weg nach „Rulantica“

neubau eines wasser erlebnis - ressorts im europa - park in rust

44 Wasserwelten interview mit roland mack

Inh a lt  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   5


Aufgetaucht

aktuelle projekte

Heidbergbad in Braunschweig planung für einen ersatzneubau

Das Heidbergbad besteht aus mehreren Bauteilen: dem ursprünglichen „Europabad“ aus dem Jahr 1973, an das in den 1990er Jahren ein 50-m-Sportbad und eine Sauna angebaut wurden. Da das Ursprungsbad mittlerweile stark sanierungsbedürftig ist, wurde nach einer Voruntersuchung der Entschluss gefasst, das alte Hallenbad mit der Sauna abzureißen und einen Ersatzneubau mit einem 25-mBecken, Lehrschwimm- und Planschbecken und einer Sauna, Umkleiden sowie einem gemeinsamen Eingangsbereich an das 50-m-Sportbad anzubauen. Die pbr AG wurde von der Stadtbad Braunschweig Sport- und Freizeit GmbH mit der Objektplanung beauftragt. Der gesamte Gebäudekomplex soll im Zuge der Baumaßnahmen mit einer modernen Gebäudeautomation ausgestattet werden. Alle Maßnahmen sollen nach Fertigstellung zu einer Einsparung der Energiekosten während des Betriebs sowie zu einer Steigerung der Attraktivität für den Besucher führen. Durch die Aufnahme der Gebäudehöhe des vorhandenen Foyers und die gewählte Materialität wird der Neubau mit dem Bestands-Sportbad zu einem gestalterischen Ensemble zusammengefügt. Als Fassadenmaterial ist eine Bekleidung aus hellen Faserzementtafeln vorgesehen.

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

6   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  a u f g e ta u c h t

Fit für den Schulbetrieb sanierung lehrschwimmbecken wiemelhausen

Das in den 1970er Jahren errichtete Schulzentrum Wiemelhausen in Bochum besteht aus mehreren Schulgebäuden, einer Dreifachsporthalle sowie einer Gymnastikhalle mit angeschlossenem Lehrschwimmbecken. Um die Sport-, die Gymnastikhalle und das Lehrschwimmbecken an die Anforderungen eines modernen Schulbetriebs anzupassen, werden diese saniert. So erfolgt zunächst eine Schadstoffsanierung, bevor diese bis auf die Tragstruktur zurückgebaut und unter Berücksichtigung nutzungsspezifischer Besonderheiten wiederhergestellt werden. Die bisher verschachtelten Strukturen werden durch neue, über Oberlichter belichtete Erschließungsbereiche aufgelöst. Ein neuer Eingangsbereich dient als Aufenthaltsort und Verteilzone. Um in dem überwiegend von Schulen und Vereinen genutzten Lehrschwimmbecken unterschiedliche Wassertiefen zu ermöglichen, erhält dieses einen Hubboden. Weiterhin wird das Schwimmbecken mit einer neuen Wasseraufbereitungsanlage und einer neuen Edelstahlauskleidung ausgestattet. Eine Wärmebank und eine neue Zu- und Abluftführung erhöhen den Komfort. Die Neuorganisation der Umkleiden, Duschen und WC-Anlagen ermöglicht zukünftig eine von den anderen Gebäudebereichen unabhängige parallele Nutzung sowie eine barrierefreie Erschließung.

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung


Modernisierung Ostufer-Campus in Kiel neubau für christian - albrechts - universität

Aufgrund steigender Studierendenzahlen und sanierungsbedürftiger Gebäude soll der Ostufer-Campus der Christian-Albrechts-Universität in Kiel in den nächsten fünf Jahren nach dem „Rahmenplan Technische Fakultät“ technisch und städtebaulich zu einem Innovations-Campus aufgewertet werden. Der Campus mit den Instituten für Elektro- und Informationstechnik sowie für Materialwissenschaft befindet sich am Ostufer der Kieler Förde auf dem Gelände einer ehemaligen Werft. Durch die städtebauliche Umstrukturierung wird die bisherige Insellage dieses Hochschulstandorts aufgelöst und der Komplex in den Stadtteil eingebunden. pbr hat von der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) den Auftrag zur Planung eines modernen Forschungs- und Laborgebäudes für das Zentrum für vernetzte Sensorsysteme und eines Hörsaalgebäudes mit Seminarräumen, Fachbibliothek und Café erhalten. Beide Gebäude sollen bis 2023 fertiggestellt werden. Das Hörsaalgebäude wird eine freundliche Eingangssituation zum Campus entstehen zu lassen. Im Anschluss werden zwei Bestandsgebäude auf dem Campus zurückgebaut, um Platz für einen Campusplatz zu schaffen.

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

a u fg eta u c h t  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   7


Abbild eine annäherung

Salto vorwärts

Badeanlagen fanden sich schon in den frühesten städtischen Zivilisationen vor über 4.500 Jahren. Seine Ursprünge hat die europäische Badekultur in den Thermen der Antike. Lange Zeit war das Baden in Badehäusern überwiegend mit dem Thema Hygiene verbunden, denn private Badezimmer gab es flächendeckend erst ab dem 20. Jahrhundert. Heute stehen die Themen Sport und Freizeit im Vordergrund. Schwimmen gehört in Deutschland zu den drei beliebtesten Sportarten. In den Ferien ist das Schwimmen fast selbstverständlicher Bestandteil. Dadurch ist der Pool Schauplatz des sozialen Lebens, Treff- und Schnittpunkt unterschiedlichster Menschengruppen, ein Abbild der Gesellschaft. Das Freibad ist Symbol und Zielpunkt jedes Sommers – der Ort, an dem sich Personen leichtbekleidet inszenieren, an heißen Tagen Abkühlung verschaffen, Pommes Frites und Eis konsumieren. Aber längst ist dieser idyllische Ort auch zu einem Politikum geworden.

8   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  A b b i l d


S p r u n g b r e tt i n e i n e a n d e r e We l t D a s Fr e i b a d h a t s i ch s e i t v i e l e n J a h r e n v o n s e i n e m Z w e ck d e r E r t ü ch t i g u n g z u e i n e m O r t d e s G e n u s s e s e n t w i ck e l t .

Ab b i ld  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   9


Erlebnis Wasser eine annäherung

H ö h e r, s ch n e l l e r, w e i t e r M o d e r n e Fr e i z e i t e i n r i ch t u n g e n b i e t e n i h r e n N u t z e r n v i e l f ä l t i g e E r l e b n i s m ö g l i ch k e i t e n .

10   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  E r l e b n i s Wa s s e r


Spaß muss sein

Fast 5.000 Hallen- und Freibäder gibt es in Deutschland. Ein kleiner Teil davon sind die Freizeit- und Erlebnisbäder. Die Nutzer tauchen hier in eine sorgenfreie Welt voller Erlebnisse ab. Im Kampf um Marktanteile konkurrieren Freizeitbäder und Aquaparks miteinander, entsprechend regiert das Prinzip „höher, schneller, weiter“. Wasserrutschen bieten Wasserbegeisterten unzählige Variationen, die alle Sinne ansprechen. Geräte wie Rutschen, die sich mit unfassbaren Höhen, Geschwindigkeiten und Sprungweiten abheben, Wasserattraktionen und eine authentische Umgebung können wichtige Faktoren für den Erfolg des Schwimmbads sein. Das Erlebnis Wasser erstreckt sich darüber hinaus auf viele weitere Anwendungsfelder wie Wellness, Surfen, Tauchen, Segeln und Wasserski. Denn mittlerweile finden Surfer auch in Indoor-Pools die perfekte Welle und Taucher die benötigte Tiefe.

Er leb n i s Wa s s er  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   11


Exzellente Sport- und Freizeitanlagen gastbeitrag von klaus meinel , generalsekretär iaks

Die drei Organisationen Internationales Olympisches Komitee (IOC), Internationales Paralympisches Komitee (IPC) und Internationale Vereinigung für Sportund Freizeiteinrichtungen (IAKS) fördern Exzellenz in Konzeption, Ausführung und Betrieb rundum inklusiver und für alle zugänglicher Indoor- und Outdooranlagen. Im Mittelpunkt ihrer internationalen Architekturpreise stehen die Ermittlung und Förde­ rung von Trends zur Umwandlung kommunaler und urbaner Flächen in Orte aktiven Lebens. Fo r t s e t z u n g a u f S e i t e 5 2

G o l d i m N a ch w u ch s w e tt b e w e r b 2 017 S a r a t o v Ve l o d r o m e D e s i g n s t u d i e v o n A n a s t a s i i a T c y g a n o v a a u s S a r a t o v, R u s s l a n d

12   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  e x z e l l e n t e s p o r t- u n d f r e i z e i ta nla g en


ex zellente s p o r t- u nd fr e ize i ta nla g en  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   13


Eins für den Norden

neubau des sport und freizeitbades in kiel Autoren A n d r e a s D ö r f l i n g e r- H e i m Dirk Wietkamp

Kiels neues Sport- und Freizeitbad setzt mit einer außergewöhnlichen Gebäude­ form, geneigten Fassaden und einer durchgängigen Wasserlandschaft über­ regional neue Akzente. Wie eine große Eins positioniert sich der Neubau des Sport- und Freizeitbades in Kiel auf dem prominenten Grundstück südlich der Hörn, der Spitze des Hafens. Er vereint ein futuristisches Erscheinungsbild und eine vielfältige Innenraumgestaltung mit Aspekten der Energieeinsparung und des Klimaschutzes. Der große Neubau übernimmt eine zentrale Bedeutung für Kiel, weil er die Funktionen kleinerer städtischer Bäder in einem großen zusammenführt. Futuristische Gebäudeform mit identitätsstiftender Dachlandschaft Die städtebauliche Ausprägung des Schwimmbadneubaus wird von diversen umgebungs- und grundstücksspezifischen Vorgaben bestimmt. Dies sind insbesondere die Nähe zur Gablenzbrücke, ein westlich gelegener Teich, der kanalisierte Bach Mühlenau, der nicht überbaut werden durfte, und die vorhandene städtische Infrastruktur. Der Baukörper nimmt diese Umgebungsparameter in Form einer großen, liegenden Eins auf. Sämtliche Funktions- wie auch Erschließungsbereiche wurden soweit optimiert, um das ehrgeizige Raumprogramm im beengten Baufeld vereinen zu können. Im Südosten dreigeschossig ausgebildet, steigt die Gebäudehöhe zur Gablenzbrücke nach Nordwesten – bedingt durch die Positionierung des Sprungbeckenbereichs zu einer Viergeschossigkeit – an. Auf diese Weise sind nicht nur die geforderte Raumkante zur Brückenrampe und der Mühlenau entstanden, sondern auch eine identitätsstiftende Dachlandschaft und Gebäudeüberhöhung. Durch die Schrägstellung der Nord- und Ostfassaden und die fugenoffenen Fassaden erhält der Neubau eine dynamische und futuristische Anmutung, die Konnotationen zu einem Schiffsrumpf weckt. Aufgrund seiner Lage zwischen Altstadt und dem Stadtteil Gaarden übernimmt das Gebäude ebenfalls eine Leuchtturmfunktion für die geplante Aufwertung und Entwicklung des Stadtteils und so eröffnen sich dem Betrachter bereits von der Gablenzbrücke aus verschiedene, interessante Perspektiven. Die große Freiflächenterrasse mit Außenbecken verstärkt zudem den individuellen Charakter des Gebäudekomplexes. Mit den großzügigen Fensterfronten nach Westen und den damit verbundenen Sichtachsen nimmt der Baukörper die bestehende Teichanlage in die Inszenierung der Badewelt mit auf.

14   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  N e u b a u Sp o r t- u n d F r ei z e i t b a d K i el


Symbiose mit der Umgebung D e r S ch w i m m b a d n e u b a u n i m m t d i e U m g e b u n g s p a r a m e t e r f o r m g e b e n d a u f.

Neu b a u Sp o r t- u nd F r ei ze itb a d K i el  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   15


Geschlossenheit und Transparenz im Wechselspiel Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Gestaltung werden durch den spannungsvollen Dialog zwischen Transparenz und Geschlossenheit vereint. Nach Südwesten ist das Bad durch großzügige transparente Flächen zum Teich geöffnet, wodurch eine optimale natürliche Belichtung erzielt wird. An der Ost- und Nordseite sind die Fassaden dezent offen bzw. völlig geschlossen. So kommen die passiven Solareinträge den verringerten Wärmeverlusten an den sonnenabgewandten Gebäudeseiten zugute. Das äußere Material- und Gestaltungskonzept zeigt sich im Materialmix aus hellen, großformatigen Fassadenplatten, anthrazitfarbenen Aluminiumprofilen und den großen Glasflächen modern und

16   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  N e u b a u Sp o r t- u n d F r ei z e i t b a d K i el

zugleich zeitlos. Die Pfosten-Riegel-Konstruktionen und Fenster liegen oberflächenbündig in den Fassaden, so dass der Eindruck einer gespannten Fassade entsteht. Übersichtliche Gliederung Der Baukörper mit Kantenlängen von ca. 124 m und 82 m und jeweils ca. 30 m Schenkeltiefe ist auf drei Geschossebenen organisiert. Im Sockelgeschoss sind Technikflächen, Personalräume und die Badverwaltung untergebracht. Das Erdgeschoss beherbergt den Sport- und Freizeitbereich sowie die Gastronomie. In exklusiver Atmosphäre befindet sich im Obergeschoss die Saunalandschaft. Die Kieler Bäderverwaltung hat hier ebenfalls separat zu erschließende Büroräume.


Der Hauptzugang des Bades liegt auf erhöhtem Erdgeschossniveau in Mitte der Ostfassade und ist über eine großzügige Freitreppe sowie barrierefrei über einen ebenengleichen Nebeneingang mit Aufzug zu erreichen. Ein großzügiges Foyer mit Empfang, Shop, Aufenthaltsbereich und angrenzendem Gastronomiebereich, der auch von der Badeplatte genutzt werden kann, lässt erste Blicke auf das Bad, den Kleinkinderbereich und die große Freiterrasse zu. Südlich des Foyers sind die Umkleiden für den Freizeitbereich, nördlich die des Sportbades angeordnet. Ein zweiter, separater Zugang für Schulklassen, Vereine und Tribünengäste zum Sportbereich reguliert den Zutritt der Besucher und vermeidet damit auch Störungen im Betrieb. Erschließungen und Flure wurden minimiert, um alle Funktionsbereiche auf dem kompakten Grundriss unterbringen zu können.

Das Erdgeschoss ­b eherbergt den Sportund Freizeitbereich sowie die Gastronomie.

Neu b a u Sp o r t- u nd F r ei ze itb a d K i el  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   17


Erlebniswelt mit fließenden Übergängen Die Badeplattform mit insgesamt 1.700 m2 Wasserfläche besteht aus einem Sport-, einem Freizeit-, einem Lehrschwimm- sowie einem Eltern-Kind-Becken. Darüber hinaus bietet der Außenbereich eine weitere Schwimmfläche und eine große Liegeweise. Das 50-Meter-Sportbecken verfügt über acht Bahnen und einen Hubboden, der eine stufenlos einstellbare Wassertiefe ermöglicht und einen Teilbereich des Beckens so für unterschiedliche Einsatzzwecke nutzbar macht. Am tiefen Ende des Beckens ist die Sprunganlage mit 1-Meter- und 3-Meter-Sprungbrettern und 5-Meter-Sprungplattform verortet. Mittels einer Wendebrücke lässt sich das Becken zudem unterteilen. Das Freizeitbecken bietet Sprudelliegen, Sprudelsitze, Nackenduschen, Bodenbrodler und Wasserpilz. Eine 70 Meter lange Reifen-Wasserrutsche mit Landebecken sorgt für zusätzlichen Freizeitspaß. Das Eltern-Kind-Becken mit Seelöwenfigur, Wasserorgel und Schiffchenkanal ist zwischen Freizeitbereich und Lehrschwimmbecken und damit auch in unmittelbarer Nähe zum Gastrobereich angeordnet. Die barrierefreie Wasserlandschaft ist übersichtlich organisiert und wartet mit einem hohen Erlebniswert auf. Die Bereichsübergänge sind fließend, so dass Besucher das Bad stets in seiner Gesamtheit erleben. Verschiedene Raumhöhen kennzeichnen die unterschiedlichen Zonen im Sport- und Freizeitbereich. Dadurch wird auch eine subtile Untergliederung der Badbereiche für Gäste erlebbar. Die Hauptbereiche Sport und Freizeit sind aus Lärmschutzgründen durch eine Glaswand voneinander getrennt. Der Außenbereich präsentiert sich als Ergänzung der inneren Badelandschaft und bindet den angrenzenden Teich optisch in das Gesamtbild ein. Die Saunalandschaft mit verschiedenen Themensaunen, Saunabar, Tauchbecken, Whirlpool und Dachterrasse wird über den Umkleidebereich des Freizeitbades erschlossen. Große Fensteröffnungen in den frei stehenden Wänden verknüpfen durch gezielte Ausblicke den abgeschiedenen Bereich mit dem Bad und seiner Umgebung. Der Rücklauf der Saunaheizung wurde direkt unter den Gehwegen und der Außendusche im Saunabereich geführt und sorgt im Winter für Eisfreiheit auf diesen Bereichen.

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Fit für den Sport A ch t 5 0 - m - B a h n e n b i e t e t d a s n e u e S p o r t b e ck e n .


G e s ch ü t z t e r B e r e i ch D e r K l e i n k i n d e r b e r e i ch w i r d d u r ch e i n e Wä r m e b a n k u n d e i n e h a l b h o h e Wa n d r ä u m l i ch e i n g e f a s s t u n d erhält damit ob der exponierten Lage im Gebäude eine gewisse Intimität.

Neu b a u Sp o r t- u nd F r ei ze i tb a d K i el  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   19


Hohe Raumluftqualität wirtschaftlich erzeugen Alle Räume des Gebäudes werden mechanisch über die Lüftungsanlagen in den Technikzentralen im Ober- und Untergeschoss be- und entlüftet. Hierzu versorgen jeweils separate Geräte einen großen Badbereich oder zusammengeschlossene Bereiche. Insgesamt sind 12 Lüftungsanlagen mit einer Luftmenge von ca. 150.000 m³/h verbaut. Die Lüftung des Bades erfolgt zum größten Teil mit Schwimmbadgeräten, die sich durch ihre Korrosions- und Chlorbeständigkeit auszeichnen. Die Luftversorgung weniger beanspruchter Bereiche erfolgt über Nebenraumgeräte. Die Zu- und Abluftanlagen verfügen über eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung durch Doppelkreuzstromwärmetauscher ohne mechanische Entfeuchtung. Im Ruhebetrieb wird der Volumenstrom verringert, um so die Stromaufnahme der Ventilatoren deutlich zu senken. Um den Energieverbrauch weiter zu senken, wurden alle Ventilatoren mit EC-Motoren ausgestattet. Darüber hinaus wurden die zulässigen Geschwindigkeiten in Kanalsystemen und Lüftungsgeräten auf Werte deutlich unterhalb der normativ zulässigen Werte begrenzt. Es wurde darauf geachtet, Luft von einem Nutzbereich in einen anderen überströmen zu lassen und

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somit für eine verbesserte Wirtschaftlichkeit zweimal zu nutzen. Dies trifft z. B. auf die Umkleide- und Duschbereiche sowie die Sauna zu. Im Sanitärbereich ist das Bad soweit möglich mit elektronischen Armaturen ausgestattet, weil sich durch die elektrisch gesteuerte Laufzeit Wasser sparen lässt. Außerdem führen die Armaturen zeitabhängig und eigenständig Hygienespülungen durch. Hygienespülungen und Laufzeiten der Armaturen können über die Gebäudeleittechnik eingestellt werden. Wenn Armaturen nur selten genutzt werden, kann dies ebenfalls über die Gebäudeleittechnik festgestellt werden. Das Badewasser mit einem Gesamtumwälzvolumenstrom von ca. 800 m³/h wird mittels Ultrafiltration aufbereitet (siehe auch Beitrag zur Ultrafiltration auf S. 54). Das Bad gehört somit zu einem der größten Bäder mit Ultrafiltration in Deutschland. Etwa 75 % der Abwässer aus den Badewasseraufbereitungsanlagen werden über eine weitere Anlage mit Ultrafiltration und Umkehrosmose so gereinigt, dass sie wieder in den Badewasserkreislauf zurückgeführt werden können. Die Desinfektion erfolgt mit einer automatischen Voll­vakuum-Chlorgasanlage. Die Filteranlage lässt sich über ein TouchPanel steuern und Anlagenparameter werden über die Gebäudeleittechnik visualisiert und dokumentiert.


A n d r e a s D ö r f l i n g e r- H e i m Projektleiter

Auf Pfählen gebettet

Dirk Wietkamp P r o j e k t l e i t e r Te ch n i k

Projektinformation die kenndaten im überblick

Das Gebäude wurde auf einer Fläche errichtet, die ursprünglich zum Hafenbecken bzw. der Hörn gehörte und erst zwischen 1886 bis 1890 mit dem Abraum aus der Erweiterung der Dockanlagen der naheliegenden Werften verfüllt wurde. Aufgrund der vorzufindenden, gestörten Baugrundverhältnisse wurde das Gebäude auf über 500 Pfählen mit einer Tiefe bis 30 m gegründet. Zum größten Teil wurde es in Stahlbeton-Skelettbauweise, in Teilen aber auch mittels Fertigteilen errichtet. Aus Gewichtsgründen und der im Zusammenhang stehenden, vorbeschriebenen Gründungsproblematik besteht ein großer Teil des Dachgeschosses zur Gewichtsreduzierung aus einer Holz-Skelettkonstruktion. Aufgrund der Nähe zur Hörn, dem niedrigen NN-Niveau und dem damit verbundenen, hohen Grundwasserpegel besteht die Sohle vollflächig aus WU-Beton. Die Becken wurden zum größten Teil als WU-Konstruktion mit keramischen Belägen ausgeführt, lediglich das Eltern-Kind-Becken wurde vollflächig hochwertig abgedichtet.

Neubau Sport- und Fr e i z e i t b a d K i e l

Fe r t i g s t e l l u n g 01   /   2 019

Gesamtbausumme 2 3 , 4 M i o . € ( b r u tt o )

F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 12 . 6 3 5 m ² BGF 13 . 8 7 5 m ² BRI 60.258 m³ Wa s s e r f l ä ch e Gesamt 1. 7 0 0 m ²

Bauherr Stadt Kiel

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

Neu b a u Sp o r t- u nd F r ei ze itb a d K i el  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   21


Moderne Gebäudeform D e r e i n g e s ch o s s i g e , q u a d r a t i s ch e B a u k ö r p e r h e b t s i ch m i t s e i n e r k o m p a k t e n Fo r m u n d a u s g e fe i l t e n F a s s a d e n g e s t a l t u n g i m O r t s g e f ü g e a b .

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Gesundheitsmagnet in der Region neubau solevital bad laer Autoren D i p l . - I n g . A r ch i t e k t i n C h r i s t i n a S e i t e r s D i p l . - I n g . C h r i s t i n e We s t m e y e r

Gesundheitsbäder befinden sich im Wettbewerb um Kurgäste. Hierbei hebt sich das SoleVital mit optimiertem Raumkonzept, breitem Solewasserangebot und vielseitigem Veranstaltungsprogramm ­r egional ab. Bad Laer ist eine Gemeinde mit knapp 12.000 Einwohnern. Für den Kurort ist der Gesundheitstourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Entsprechend hat das Kurmittelhaus mit Schwimmbad schon lange eine hohe Bedeutung zur Stärkung des Profils als Kurort mit umfangreichem Gesundheits- und Wellnessangebot. Nach fast 40-jähriger Nutzung entschied sich die Bad Laer Touristik GmbH auf der Basis von Sanierungsstudien für den sehr wirtschaftlichen Neubau des Gesundheitszentrums SoleVital auf dem Gelände des ehemaligen, zurückgebauten Kurmittelhauses. Moderne Gebäudegest altung und Lichtkonzept Der eingeschossige, quadratische Baukörper hebt sich mit seiner klaren, übersichtlichen Form im Ortsgefüge ab. Die helle Außenfassade aus Aluminium-Verbund-Tafeln, vertikale Lichtbänder und abgerundete Gebäudeecken verleihen ihm eine moderne Anmutung. Die weitestgehend weiße Gestaltung setzt sich innen fort und wird dort durch die Corporate Identity-Farbe Blau akzentuiert. Im Innenraum sind natürliches und künstliches Licht wichtige Gestaltungselemente. Durch die großen bodentiefen Fensterflächen wird ein hoher Anteil an Tageslicht sichergestellt. Die variierende farbige Beleuchtung lädt die Becken- und Behandlungsräume atmosphärisch auf. Vor dem Hintergrund des weißen Raumes entfaltet das farbige Licht seine volle Wirkung zur Steigerung des Wohlbefindens.

neu b a u s o le vi ta l b a d la er  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   23


24   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  n e u b a u s o l e vi ta l b a d l a e r


neu b a u s o le vi ta l b a d la er  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   25


Funktionale Vielfalt auf nutzungsoptimierter Fläche Das neue Kurzentrum ist auf einem nutzflächenoptimierten kompakten Grundriss untergebracht. Aus dem lichtdurchfluteten Foyer gelangen Besucher in den Badbereich mit Umkleiden, den Gastronomiebereich und eine Sole-Lounge. In der Sole-Lounge erleben Besucher eine intensive Sole-Rauminhalation mit 20-40 mg salzhaltiger Luft in entspannter Atmosphäre. Der Schwimmbadbereich verfügt über ein kreisrundes Therapie- und ein rechteckiges Bewegungsbecken mit Hubboden, der Wassertiefen von 50 bis 180 Zentimetern zulässt. Alle Becken sind ausschließlich mit Solewasser gefüllt. Ein Entspannungsraum mit Dampfbad sowie eine Wellnessabteilung mit Gymnastikhalle und Bereichen für Anwendungen und Physiotherapie vervollständigen die Funktionen der Einrichtung. Der Entspannungsraum bietet ein Soledampfbad, ein Wannenbad mit hochprozentiger Sole, eine Soleregen-Dusche sowie Verweil- und Ruheflächen in Form eines heißen Steins und Liegestühlen. Das Raumkonzept eröffnet ein breit gefächertes Angebot aus Reha-, Wellness-, und Fitness-Kursen im Trocken- und Nassbereich und trägt so zur Attraktivierung des Sole-Heilbades Bad Laer bei. Das Kursangebot ist auf die präventive Vor- und Nachsorge ausgerichtet. Es untergliedert sich in die vier Kategorien Entspannung, Aktion, Medizinische Kurse und Kurse für Kinder. Damit spricht das Gesundheitszentrum gleichermaßen Gesundheitsinteressierte, Erholungssuchende und Sporttreibende aller Altersgruppen an. Zu den Kursen gehören z. B. Aquarobic, Aqua-Pilates und Wirbelsäulengymnastik. Finden keine Kurse statt, wird freies Schwimmen angeboten. Die Funktionsbereiche des Bades wurden für den wirtschaftlichen Betrieb in einer optimalen Abfolge entsprechend den Nutzungsabläufen organisiert und so flexibel geplant, dass sie für verschiedene Anwendungen und Veranstaltungen genutzt werden können. Barrierefreiheit wurde durch die übersichtliche, orientierungsfreundliche Anordnung der Funktionsbereiche auf einer Ebene, großzügige Umkleidekabinen sowie Sanitär- und Duschbereiche für mobilitätseingeschränkte Besucher erzielt.

Das Raumkonzept eröffnet ein breit gefächertes Angebot. Alle Becken sind mit Solewasser gefüllt.

Farbspiel M i t d e r L E D - B e l e u ch t u n g f ü r d a s k r e i s r u n d e T h e r a p i e b e ck e n l ä s s t s i ch e i n e s t i m m u n g s volle Raumatmosphäre er zeugen.

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Empfang Die frei eingestellte Beratungsinsel folgt dem neuen, verbesserten Ser vice- und Kundenkonz e p t d e s K u r m i tt e l h a u s e s .

Projektinformation die kenndaten im überblick

Neubau SoleVit al Bad Laer

Leuchten unter Wasser Das vielfältige Gesundheits- und Sportangebot wird visuell und akustisch untermalt. So tauchen Unterwasserscheinwerfer, Lichtkuppeln unter der Hallendecke und umlaufende LED-Bänder das Bad und die Becken in farbiges Licht. Zusätzlich beschallt eine Musik-Anlage mit Unterwasserlautsprechern die Becken, so dass der Badegast in warmer Sole bei Musik unter Wasser entspannt. Beleuchtung, Verdunklung und Attraktionen wie Massagedüsen, Nackenduschen und der Soleregen werden mit einem BUS-System über ein 17“ großes PCbasiertes Tableau im Schwimmmeisterraum gesteuert. Die Steuerung bietet dem Nutzer die Möglichkeit, die einzelnen Elemente separat und manuell zu schalten oder programmierte Kursszenarien aufzurufen. Bei Wahl eines Szenarios werden Lichtverhältnisse und Farbwechsel nach festgelegten Zeitintervallen automatisch aktiviert. Die Kursszenarien für Sport, Gesundheit oder Entspannung unterscheiden sich in ihrem Farbspiel und -rhythmus und erzeugen so eine jeweils unterschiedlich stimmungsvolle Raumatmosphäre.

Fe r t i g s t e l l u n g 12   /   2 014

Gesamtbausumme 7, 5 M i o . € ( b r u tt o )

F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 1. 4 5 0 m ² BRI 15 . 9 0 0 m ³ Bauherr B a d L a e r To u r i s t i k G m b H

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

Saubere Technik Weil auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem das SoleVital besuchen, wird das Wasser mit einer Ultrafiltrationsanlage keimfrei gereinigt. Zur Energieoptimierung wird der Umwälzbetrieb für die Badewasseraufbereitung und Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung nachts abgesenkt.

neu b a u s o le vi ta l b a d la er  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   27


„Bad“ nur mit Bad gespräch mit christian wichert

Christian Wichert ist gemeinsam mit André Morgret seit 2016 G ­ eschäftsführer des SoleVital in Bad Laer. Im Gespräch berichtet er über seine Erfahrungen im Betrieb des neuen Gesundheitsbades.

W ie nehmen Besucher das Konzept des SoleVitals an? Gesundheitsanwendungen gibt es an diesem Standort schon seit den 1970er Jahren. Für manche Besucher war der Neubau eine Umgewöhnung. Aber die beiden Sole-Wasserflächen sind ein Alleinstellungsmerkmal im südlichen Landkreis Osnabrück. Als ich 2016 hier anfing, war mein erster Eindruck, dass das Bad eine moderne, leicht kühle Atmosphäre verstrahlt. Zwar erwartet man ein solches Gebäude in dem ländlichen Umfeld gar nicht, aber es fügt sich hier super ein.

angebot sehr begrenzt. Samstagnachmittag und Sonntagmorgen haben wir Kinderschwimmzeiten eingerichtet, weil das rechteckige Bewegungsbecken einen höhenverstellbaren Boden für Wasser­ tiefen von 0,5 m bis 1,8 m bietet. Danach kommt dann der Bereich der Physiotherapie. Bei uns werden die Wasserkurse und die Therapieanwendungen in den Kabinen von professionellen Physiotherapeuten geleitet. Dadurch nutzen Besucher der Wasserkurse auch häufiger Physiotherapie-Anwendungen. Welche Bedeutung hat das Lichtkonzept für Ihr Kursangebot?

Welche Nutzergruppen spricht das Bad an? Alle unsere Angebote sind gesundheitsbezogen. Uns erreichen häufig Menschen, die etwas für sich tun möchten oder müssen. Mit 170 Kursen sind unsere beiden Becken sehr gut ausgelastet – das entspricht durchschnittlich mehr als acht Kursen pro Tag. Weil unser Angebot hier in der Region einzigartig ist, haben wir einen festen Kundenstamm. So sind wir eine Anlaufstelle für ärztlich verordnete Maßnahmen, weil viele Patienten aus der Region nicht lange fahren möchten. Und wenn sie das SoleVital erst einmal kennengelernt haben, dann bleiben sie auch hier. Wir haben aber auch viele Leute, die aus Münster, Bielefeld und Osnabrück kommen und weite Anfahrtwege in Kauf nehmen.

Insgesamt ist die Auslastung hoch und wir haben überlegt, was wir noch anbieten können, um das Spektrum zu erweitern und neue Zielgruppen anzusprechen. Weil wir über die notwendige Licht- und Audio-Technik verfügen, haben wir freitagsabends das MoonlightSchwimmen eingerichtet. Wir schaffen dann ein nettes Ambiente, bei dem sich die Nutzer wohlfühlen und zwei Stunden entspannen können. Das wird sehr gut angenommen. Wir steuern dann die Beleuchtung und Farbigkeit der Räume, die Beckenbeleuchtung mit verschiedenen Lichtspielen und -effekten wird eingeschaltet und wir arbeiten mit Musik – auch unter Wasser. Von der Gesamtausstattung ist das alles top. Da fehlt nichts. Abends trägt die farbige Innen- und Außenbeleuchtung dazu bei, dass Passanten das Gebäude stärker wahrnehmen.

Welche Funktionen sind für die Besucher besonders interessant?

Was ist für Sie das Besondere der Einrichtung?

Die Anwendungen im Wasser werden eindeutig am besten angenommen. Freie Schwimmzeiten sind durch das umfangreiche Kurs-

Das sehr familiäre Ambiente. Unser Ziel war, für alle ein Angebot zu schaffen, damit sich jede Altersgruppe hier wohlfühlt – ob

28   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  i n t e r vi e w n e u b a u s o l e vi ta l b a d la er


C h r i s t i a n W i ch e r t G e s ch ä ft s f ü h r e r d e s S o l e V i t a l i n B a d L a e r

Kinder, Middle-Ager oder Senioren. Das spiegelt sich auch in unserem Slogan „Gesundheit für die ganze Familie“ wider. Dadurch ist das SoleVital eine Begegnungsstätte. Was haben Sie bisher verändert oder neu eingebracht?

forderlich. Außerdem sind wir stark vernetzt und arbeiten eng mit der Bad Laer Touristik zusammen. Jeder Gast, der sich in der Touristik meldet, bekommt eine Rabattkarte für unsere Solelounge. Wir merken, dass das Angebot angenommen wird. Ein Gesundheitsbad in der Größe und mit dem Leistungsumfang ist in einer Gemeinde von 12.000 Einwohnern ein echtes Highlight.

Hauptsächlich optimieren wir die Strukturen in allen Abteilungen. Das Bistro und die Reinigung betreiben wir jetzt selbst, um eine hohe Servicequalität für die Nutzer zu gewährleisten. Ferner haben wir Kurse optimiert und das Kursangebot erweitert. Kunden und Patienten möchten immer auch wieder mal etwas Neues sehen. Deshalb setzen wir kontinuierlich persönliche Akzente im Bad. Beispielsweise haben wir im Eingangsbereich einen Strandkorb und Schilf aufgestellt, um passend zur Sole das Thema See zu inszenieren. Das Gebäude ist so entworfen, dass wir Ergänzungen sehr gut vornehmen können. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, wie der Austausch eines Bildes. Aber das sind auch Dinge, die wahrgenommen werden. W ie trägt das SoleVital zur Attraktivierung des Sole-Heilbades Bad Laer bei? Ohne das SoleVital würde es die Anerkennung zum staatlich anerkannten Sole-Heilbad und den Beinamen „Bad“ in Bad Laer so nicht geben. Denn eine leistungsfähige Einrichtung zur Anwendung des Heilmittels oder Therapiekonzeptes ist heute zur Anerkennung er-

inter vi ew neu b a u s o le vi ta l b a d la er  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   29


30   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  n e u b a u h a l l e n b a d n e u s ta d t a m r ü b enb er g e


Neues Bad für Neustadt „balneon“ überzeugt mit effizientem energiekonzept Autoren D i p l . - I n g . A r ch i t e k t D i r k R o s e n n e ck Dipl.-Ing . Jens Lübbers M.Eng .

neu b a u h a llenb a d neu s ta d t a m r ü b enb er g e  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   31


Ein einfaches Wasserbecken löst heut­ zutage keine Faszination mehr aus. Das neue Kombibad „Balneon“ v­ ereint ­d eshalb die unterschiedlichen Themenbereiche Schwimmen, Fitness und Sauna unter einem Dach.

Der Lack war ab, die Kacheln verblichen und auch die technische Ausstattung des Hallenbades Lindenstraße in Neustadt am Rübenberge entsprach nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Schwimmbad, so dass der Betreiber, die Wirtschaftsbetriebe Neustadt am Rübenberge GmbH, nach einer Untersuchung zur Sanierung des bestehenden Bades und zum Neubau eines Hallenbades mit Freibadmöglichkeiten entschied, ein neues Bad zu errichten. Mit der Umgebung verzahnt Der in großen Teilen zweigeschossige Baukörper stellt das Geschehen im Innenraum über großflächige Glasfassaden bewusst nach außen dar. Nutzungsbezogen werden individuelle Gebäudeteile über die Kubatur definiert und auf diese Weise eine Verzahnung mit der Landschaft erzeugt. Das Erdgeschoss nimmt alle Funktionen des Bades, der Sauna, der Gastronomie und der Verwaltung auf, während das Obergeschoss neben dem Luftraum der Badehalle, Erweiterungsflächen für die Sauna, einen Fitnessbereich und Räumlichkeiten für die Lüftungszentrale bietet. Das Kellergeschoss dient allein der technischen Versorgung. Die Innenraumgestaltung ist geprägt durch helle Räume mit kontrastreichen Farbakzenten. Das gewählte Farbspiel ist der Natur entnommen. So dienten im Saunabereich Naturphänomene wie Birkenwald, Torfstapel und Geysir als Ideengeber, während im Schwimmbad starke farbliche Akzente dominieren. Entspannung und Erlebnis unter einem Dach Das funktionale Bad vereint die Themenbereiche Schwimmen, Fitness und Sauna unter einem Dach. Abgerundet wird dieses Angebot durch einen großzügigen Gastronomiebereich. Acht Schwimmbecken stehen Besuchern zur Verfügung, die Wasserfläche beläuft sich auf rund 1.500 m2. Neben einem 25-m-Sportbecken mit Sprungturm, einem Kleinkinderbereich und dem Nichtschwimmer- und Familienbecken bieten ein Naturbad, ein ganzjährig beheiztes Außenbecken und ein Kursbecken zahlreiche Möglichkeiten der Entspannung und sportlichen Betätigung. Die abenteuerlustigen Gäste unter den Schwimmbadbesuchern kommen in der 70 m langen Röhrenrutsche auf ihre Kosten. Bis 2020 soll das Rutschenangebot durch eine Reifenrutsche noch erweitert werden. Die Neustadt am Rübenberge GmbH hat sich

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Großzügig und hell Ü b e r g r o ß f l ä ch i g e G l a s f a s s a d e n w i r d d e r I n n e n r a u m m i t d e r U m g e b u n g v e r z a h n t u n d d e r Ta g e s l i ch t a n t e i l e r h ö h t .

neu b a u h a llenb a d neu s ta d t a m r ü b enb er g e  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   33


Die Saunalandschaft besticht durch zahlreiche Rückzugsorte und eine abwechslungs­ reiche Duschlandschaft.

bereits während der Planungsphase des Schwimmbades entschieden, die Aufstockung des Rutschenangebots umzusetzen. Das großzügige Foyer dient mit Empfangstresen, dem gastronomischen Bereich und Wertfächern als Umschlagplatz und Orientierungspunkt für alle Besuchergruppen und leitet direkt in die Umkleiden über. Diese wurden als Mischsystem für Sauna- und Badegäste konzipiert und bieten sowohl Sammel-, Einzel- als auch Wechselumkleiden sowie barrierefreie Umkleiden. Sauberes Wasser ohne Chemie Der Outdoorbereich mit Ganzjahresaußenbecken und Freibad wird über eine großzügige Terrasse erschlossen. Weiter im Süden des Geländes befindet sich, umgeben von vielfältigen Aufenthalts-, Liege-, Sport- und Regenerationsflächen, der Naturbadeteich. Dieser zeichnet sich durch ein ökologisches Filtersystem aus und kommt vollständig ohne Chemie aus. Die Filterung des Wassers erfolgt durch Pflanzen und Gesteine. Das kleine Ökosystem des Badesees ist in

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der Lage, Bakterien oder Keime, die in das Wasser gelangen, ab-

Kur zurlaub in der Saunawelt

zubauen. Durch die ständige Kontrolle der Wassertemperatur, der Sauerstoffsättigung und des pH-Wertes wird eine hohe Wasser­ qualität gewährleistet. Monatlich werden außerdem Werte, wie Nitrat, Phosphor und der Härtegrad des Wassers gemessen. Über rundum angeordnete Skimmer wird das abgebadete Wasser ab­ gezogen und in einem Rohwasserpumpschacht gesammelt. Von hier aus wird dieses über Pumpen dem beregneten Bodenfilter zugeführt. Im Bodenfilter passiert das Wasser die mit Biofilm bewachsenen Kornoberflächen. Abbaubare organische Stoffe werden von den Mikroorganismen im Biofilm verstoffwechselt und entweder in Form von Biomasse eingelagert oder als Abbauprodukt in Form von CO2,

Der Saunabereich sorgt mit einer vielfältigen Saunalandschaft, zahlreichen Rückzugs- und Ruhebereichen und einer abwechslungs­ reichen Dusch- und Wasserlandschaft für absolute Entspannung. Erschlossen wird dieser zwar über die Badehalle, jedoch gruppiert sich das gesamte Saunaangebot inklusive der Schwitz- und Abkühl­ bereiche sowie der Gastronomie um die Saunaterrasse im Außenbereich. Auf diese Weise ist hier, abgegrenzt vom Badebetrieb, ein geschützter Raum für die Saunagäste entstanden. Erweitert wird der innenliegende Saunabereich zukünftig noch durch die bereits in der Entwurfsplanung vorgesehenen Außensaunen.

CH4 oder N2 ausgegast. Während der Filterung werden ca. 90 % aller im Wasser befindlichen Keime eliminiert. Die noch im Rück-

Energetisch nachhaltig

lauf des Reinwassers vorhandenen gelösten Nährstoffe werden in einem Teilstrom über Phosphatabsorbergranulat zu 50 % vernichtet. Das Rücklaufwasser dieses Absorbers wird erneut dem beregneten

Bodenfilter zur Hygienisierung zugeführt.

Der Wärmebedarf für das neue Kombibad wird über zwei gasbetriebene Wärmeerzeuger gedeckt. Die Grundlastabdeckung erfolgt durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW), dessen thermische Leistung

neu b a u h a llenb a d neu s ta d t a m r ü b enb er g e  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   35


164 kW beträgt. Parallel wird durch das BHKW eine elektrische Leistung von bis zu 100 kW generiert, die entweder im Stromnetz des Schwimmbads genutzt oder ins öffentliche Stromnetz einge­ speist wird. Für die Optimierung eines wirtschaftlichen Betriebes des BHKW werden drei in Reihe geschaltete Pufferspeicher mit einem Gesamt­volumen von 12 m³ vorgesehen. Durch den Einsatz von Pufferspeichern wird ein taktender Betrieb im Teillastbereich vermieden. Die Spitzenlast wird durch einen modulierend arbeitenden Brennwertkessel mit einer thermischen Leistung von 1.006 kW gedeckt. Das BHKW und der Brennwertkessel werden hydraulisch in Reihe geschaltet. Solange das BHKW bzw. die Wärmeleistung des Puffer­speichers zur Einhaltung der Vorlauftemperatur ausreichen, erfolgt die Wärmeversorgung über einen Bypass durch Ansteuerung motorischer Klappen. Zur Vermeidung von Schäden in WarmwasserHeizungsanlagen werden, in Anlehnung an die VDI 2035, die erforderlichen Richtwerte eingehalten. Schwimmbadtechnik und Badewasseraufbereitung Die Badewasseraufbereitung ist nach der DIN19643-2, 2012-11 ausgelegt. Es wurde die Verfahrenskombination Flockung-Mehrschichtfiltration mit adsorptiver Kohle-Chlorung gewählt. Die Zuordnung der einzelnen Wasserkreisläufe erfolgte nach den Kriterien Wassertemperatur, vergleichbare hygienische Belastung und Nutzungsprofile. So wurden sieben Anlagen zur Badewasseraufbereitung mit einer Umwälzleistung von insgesamt 616 m3/h installiert. Für die Aufberei­ tung kommen Saugfilter zum Einsatz, da diese Technik im Vergleich zu konventionellen Standard-Druckfiltern weniger Strom und Wasser verbraucht. Als Belastbarkeitsfaktor wurde k=0,5 1/m3 gewählt. Dabei werden 100% des Beckenzulaufvolumenstroms über die

Filter gefahren. Zur Reduzierung von Desinfektionsnebenprodukten, wie gebundenem Chlor und THM (Trihalogenmethan), wird Aktivkohle eingesetzt. Der Betrieb der Badewasser- und Betriebswasseraufbereitung erfolgt vollautomatisch mit pneumatischen Armaturen, wobei die Möglichkeit besteht, von Hand in die Betriebsabläufe einzugreifen. So stehen folgende Funktionen zur Auswahl: Aus, Normalbetrieb, Rückspülbetrieb, Teillastbetrieb außerhalb der Badebetriebszeit und Teillastbetrieb innerhalb der Badebetriebszeit. Für die Rohwasser- und Filtratpumpen wurden Permanent-Magnet-Motor-Pumpen mit Frequenzumformer eingeplant. Ein Teillastbetrieb während der Nichtbetriebs- und Betriebsstunden unter Einhaltung der Hygienehilfsparameter ist möglich. Für die Rutsche wurde ein Volumenstrom von ca. 360 m3/h vorgesehen. Die Rutsche wird aus einem Behälter beschickt, in dem auch das Wasser aus dem Flachauslauf fließt. An dem Behälter ist eine Saugfilteranlage mit einem Aufbereitungsvolumenstrom von 60 m3/h angeschlossen. Während der Nichtbetriebszeiten werden die Rutsche und das Landebecken in den Auffangbehälter entleert. Für das Planschbecken wird eine eigene Badewasser-Aufbereitungsanlage mit eigenem Schwallwasserbehälter genutzt, um auf unterschiedliche Temperaturanforderungen reagieren zu können. Aufgrund des hohen pH-Wertes des Frischwassers wird die Desinfektion über eine Chloranlage realisiert. Diese senkt den pH-Wert. Da das Wasser durch Chlorgas sauer wird, werden zusätzlich Marmorkiestürme eingesetzt. Die Desinfektion wird als Vollvakuum-Chlorgasanlage ausgeführt. Die angeschlossenen Dosiermittel für pH-Korrektur und Flockung stehen zentral in der Nähe des Chemikalienlagers. Alle Behälter wurden geschlossen ausgeführt und erhielten eine Be- und Entlüftung über Dach. Die Behälterböden haben ein

36   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  n e u b a u h a l l e n b a d n e u s ta d t a m r ü b enb er g e


D i p l . - I n g . A r ch i t e k t D i r k R o s e n n e ck Projektleiter

Dipl.-Ing. Jens Lübbers P r o j e k t l e i t e r Te ch n i k

Gefälle von 0,5 %. Die Füllwassermengen für die Rohwasserspeicher werden über Wasserzähler erfasst. Das anfallende Spülabwasser wird in einem betonierten Spülabwasserspeicher gepuffert und der Betriebswasseraufbereitung nach DIN 19645 Typ 1 zugeführt. Dies erfolgt über eine schwimmende Absaugung. Die Betriebswasseraufbereitung Typ 1 ist nach dem Prinzip der Mehrfachbarriere aufgebaut. Das aufbereitete Wasser wird über eine Kontingentsteuerung den einzelnen Anlagen als Füllwasser zugeführt. Über die Aufbereitungsanlage werden ca. 70 - 75 % für einen erneuten Einsatz zurückgewonnen. Die Anlage besteht aus einer Ultrafiltrations­anlage, einem Aktivkohlefilter und einer Umkehr-Osmoseanlage.

Projektinformation die kenndaten im überblick

Neubau Hallenbad Neustadt am Rübenberge

Fe r t i g s t e l l u n g 0 4   /   2 018

Gesamtbausumme 17, 6 M i o . € ( b r u tt o )

F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 4.430 m² BGF 8.200 m² BRI 43.000 m³ Wa s s e r f l ä ch e innen 625 m² außen 920 m² Bauherr W i r t s ch a ft s b e t r i e b e N e u s t a d t a m Rübenberge GmbH L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

neu b a u h a llenb a d neu s ta d t a m r ü b enb er g e  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   37


38   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  s a n i e r u n g pa n o r a m a b a d g m h


Wettbewerbsfaktor Multifunktionalität sanierung panoramabad in georgsmarienhütte Autoren Dipl.-Ing . Julian Behrens D i p l . - I n g . C h r i s t i n e We s t m e y e r

s a n i er u ng pa no r a m a b a d g m h  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   39


Im regionalen Wettbewerb um Nutzer hebt sich das Panoramabad nach Sanierung durch eine c­ levere U ­ nterteilung der Funktionsbereiche Schwimmen und Freizeit deutlicher ab. Seit dem Bau des Panoramabades in den 1970er Jahren haben sich die Anforderungen der Nutzer stark verändert. Zusätzlich zum (Sport-)Schwimmen steht knapp 50 Jahre später der Freizeitspaß auch bei kleinen und mittelgroßen Freibädern stärker im Fokus vieler Gäste. In Gebieten mit einer hohen Bäderdichte kommt hinzu, dass die Einrichtungen Alleinstellungsmerkmale benötigen, um marktfähig zu bleiben. Um die Aufenthaltsqualität für die Gäste maßgeblich zu erhöhen und das Schwimmbad an die Anforderungen des modernen Betriebes anzupassen, wurde das Freibad des Panoramabades in Georgsmarienhütte saniert und umgestaltet. Das Panoramabad ist ein familienorientiertes Kombibad. Vor der Sanierung verfügte es über ein 50-m-Becken mit acht Bahnen, einen Schwimmer- und einen Nichtschwimmerbereich sowie ein angegliedertes Springerbecken. Weil es keine getrennten Becken gab, konnte es vorkommen, dass sich beide Nutzergruppen in die Quere kamen. Um das Angebot noch stärker auf die Nutzergruppen auszurichten und gleichzeitig noch mehr Sicherheit zu bieten, wurden innerhalb der Kontur der bestehenden Wasserfläche neue, abgetrennte Becken geschaffen. Zwei selbsttragende Edelstahlbeckenwände teilen das alte Becken in zwei neue. Durch die zusätzliche Verkleinerung der Wasserflächen wurde die Wirtschaftlichkeit des Bades erhöht. Vorhandenes nachhaltig aufwerten Bei der Beckensanierung wurde zunächst der gesamte massive Beckenkopf durch einen neuen aus Edelstahl ersetzt. Um die Baukosten gering zu halten, erhielten das Schwimmer- und das Nichtschwimmerbecken unterschiedliche Auskleidungen.

40   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  s a n i e r u n g pa n o r a m a b a d g m h

Aufgrund der hohen Beanspruchung des Beckenbodens durch das direkte Betreten der Badegäste bekam das Nichtschwimmerbecken mit einer Wassertiefe von 0,90 - 1,20 m eine neue Beckenauskleidung aus Edelstahl. Das Schwimmer- und Springerbecken mit einer Wassertiefe von 1,90 - 3,90 m hingegen wurde als Kombi-Lösung ausgeführt. Die Wände und der Boden sind hier mit Schwimmbadfolie ausgekleidet. Der Schwimmbereich behielt seine acht Bahnen, nun jeweils 25 m lang. Hier ziehen Sportschwimmer ihre Bahnen. Darüber hinaus kann das Becken für sportliche Veranstaltungen und Wettkämpfe genutzt werden. Weiterhin wurden die Startblöcke erneuert, außerdem erhielt das Schwimmerbecken ein neues 1-m-Sprungbrett. Der bestehende Sprungturm konnte mit einer 3-m- und 5-m-Plattform erhalten bleiben und wurde saniert. Im Bereich der Technik wurde die Beckendurchströmung vollständig erneuert. Das Nichtschwimmerbecken erhielt eine Einströmung über Bodenkanäle, während das Schwimmerbecken mit seitlichen Einströmdüsen ausgestattet wurde. Die Wasseraufbereitung entspricht den heutigen Standards. Zur Attraktivierung des Freibadangebots erhielt das Nichtschwimmerbecken eine 3 m breite und ca. 10 m lange Wellenrutsche. In der neuen Schaukelgrotte können Badegäste allein mit Hilfe ihrer eigenen Bewegung das Wasser und sich zum Schaukeln bringen. Als eigentliches Highlight der Sanierung wird allerdings die neue Flugrutsche am Springerbecken angesehen. Sie ist extrem steil und endet einen Meter oberhalb der Wasserfläche. So befördert sie mutige Badegäste innerhalb von wenigen Sekunden mit einem kurzen Flug in das 3,90 m tiefe Lande-


25 m Becken 10 m Flugrutsche

becken. Durch die Idee, den bestehenden Sprungturm zur Montage einer Flugrutsche zu nutzen, konnten auch hier Kosten eingespart werden. Über die 5-m-Plattform des Turms ist die Rutsche zu erreichen. Die Lastabtragung des Podests und der Rutsche erfolgt hierbei über zwei Stützen. Direkt neben der Flugrutsche wurde ein von außen zugängliches Beckenfenster saniert. Dieses ermöglicht den Badegästen, die Landung des Rutschenden unterhalb der Wasseroberfläche zu beobachten. Mit den Baumaßnahmen sollte nicht nur die Aufenthaltsqualität der Badelandschaft, sondern auch des gesamten Außenbereichs erhöht werden. Die Sanierung des Freibereichs erfolgte in Zusammenarbeit mit Wiebold LandschaftsArchitektur, Osnabrück. Die vorhandene Tribüne, die modernisiert werden konnte, wurde mit einem neuen Belag ausgestattet und in Teilbereichen durch Liegeflächen aus Holz ergänzt. Darüber hinaus wurde die Wegeführung zum Kleinkinderbecken und zur Liegewiese durch neue Treppenanlagen optimiert. Ein kleines Bistro befindet sich jetzt direkt an der Badeplatte am Zugang des Freibades. Am Springerbecken wurde eine Holzsitzterrasse für Zuschauer ergänzt, von der aus die Besucher freien Blick auf den Sprungturm haben.

Projektinformation die kenndaten im überblick

Sanierung Panoramabad G e o r g s m a r i e n h ü tt e

Fe r t i g s t e l l u n g 0 5   /   2 017

Gesamtbausumme 1 , 9 M i o . € ( b r u tt o )

Wa s s e r f l ä ch e n Gesamt 1. 0 5 0 m ²

Bauherr Panoramabad GmbH

L e i s t u n g e n p b r AG Gesamtplanung

s a n i er u ng pa no r a m a b a d g m h  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   41


Auf dem Weg nach „Rulantica“ neubau eines wasser - erlebnis - ressorts im europa - park in rust Autoren D i p l . - I n g . A r ch i t e k t i n C h r i s t i n a S e i t e r s D i p l . - I n g . Pe t e r K o r t h a l s

Im Europa-Park in Rust ­e ntsteht die Erlebniswelt „Rulantica”, in der das Thema Wasser neue D ­ imensionen annehmen wird.

42   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  n e u b a u e i n e s wa s s e r - e r l e b n i s - r es s o r ts

Seit der Gründung des Europa-Park im Jahr 1975 stellt „Rulantica“ das größte Projekt der Gründer- und Unternehmerfamilie Mack dar. Gleichzeitig ist sie eine der größten Einzelinvestitionen eines privaten Unternehmens in Baden-Württemberg. Die Fläche, auf der die neue Wasserwelt errichtet wird, entspricht rund 63 Fußballfeldern. Eine muschelförmige Badehalle beherbergt in neun unterschiedlich gestalteten Erlebnisbereichen mit 25 Wasser-Attraktionen ein spektakuläres Wellenbad. Der Outdoorbereich ist mit zunächst ca. 8.000 m2 deutlich kleiner als der Indoorbereich, wartet allerdings ebenfalls mit Höhepunkten, wie dem „Wild River“ und einem Outdoorpool mit ganzjährig geöffneter Poolbar auf. Die Ressort-Erweiterung stellt insbesondere für Familien eine perfekte Ergänzung zum bestehenden Freizeitpark dar, um für einige Tage einen Kurzurlaub zu genießen. Dabei bedeutet „Rulantica“ mehr als nur den Namen der neuen Wasserwelt in Rust. Hinter „Rulantica“ verbirgt sich eine Geschichte, mit der bereits lange vor Baubeginn das Interesse potentieller Besucher geweckt wurde und die als Basis für die Ausgestaltung der Badewelt dient. Besucher können hier ab Ende 2019 nicht nur ins kühle Nass, sondern insbesondere in eine nordische Themenwelt fernab des Alltags eintauchen. Erzählt wird die spannende Reise zweier Waisenkinder, die sich auf eine sagenumwobene Insel begeben und hier Abenteuer erleben. Die Idee dieser Geschichte, die nicht nur als Themenvorlage zur Gestaltung der Wasserwelt dient, sondern auch als Romanserie und Musical herausgegeben wird, stammt von der Europa-Parkeigenen Produktionsfirma Mack Media.


Neue Dimensionen N i ch t n u r f ü r d i e B a u h e r r e n b e d e u t e t d i e Wa s s e r w e l t d a s b i s h e r g r ö ß t e P r o j e k t . A u ch f ü r d a s L a n d B a d e n - Wü r tt e m b e r g s t e l l t „ R u l a n t i c a “ e i n e d e r g r ö ß t e n E i n z e l i n v e s t i t i o n e n d a r.

Neben dem Gründer des Europa-Park Roland Mack und seinem Bruder Jürgen Mack sind die Kinder Ann-Kathrin, Michael und Thomas Mack für die Idee und die Realisierung der neuen Wasserwelt verantwortlich. Der Masterplan der Wasser-Erlebniswelt ist auf das amerikanische Büro PGAV Architects in Zusammenarbeit mit Mack Solutions und dem Berater des Europa-Park Chip Cleary zurückzuführen. Die Bauherrenfamilie Mack bereiste rund zwei Jahre die besten Wasserparks weltweit. Die vielfältigen Eindrücke und Ideen dieser Reise flossen in Zusammenarbeit mit einem eigens dafür zusammengestellten Team aus Architekten, Fachingenieuren, Statikern, Beratern, Designern und Visualisierern in die weitere Ausarbeitung des Projektes ein. Die Entwurfsideen wurden in einem Designbooklet zusammengestellt, welches das Bauvorhaben bis ins kleinste Detail grafisch darstellt. Es bietet den beteiligten Planungsbüros nützliche Informationen für die Realisierung der Fantasiewelt. pbr erhielt nach Erstellung einer Machbarkeitsstudie den Auftrag, der amerikanischen Entwurfsidee der Wasserlandschaft eine Hülle zu geben und die nötige Infrastruktur, wie Foyer, Umkleiden und Gastronomiebereiche zu entwerfen. pbr trägt außerdem Sorge, dass alle in der Wasserwelt errichteten Bauteile den deutschen Vorgaben und Normen entsprechen. Jeden Tag aufs Neue stellen sich Fragen bezüglich der Umsetzbarkeit der thematisierten Traumwelt in reale, schwimmbadgeeignete Materialien. Um entsprechende Lösungen zu finden, ist Teamgeist gefragt. Nicht nur innerhalb des pbr-Teams von bis zu 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern auch auf der Baustelle, so dass stets ein enger Austausch zwischen allen Fachingenieuren, Designern und den ausführenden Firmen erfolgt.

Fe r t i g s t e l l u n g E n d e 2 019 F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e NF 32.600 m² NF außen 8.000 m² Wa s s e r f l ä ch e innen 4.000 m² außen 500 m² Bauherr Europa-Park GmbH & Co. M a ck AG

L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r, B a u l e i t u n g

neu b a u e i nes wa s s er - er leb n i s - r es s o r ts  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   43


Wasserwelten interview mit roland mack

Im Europa-Park in Rust entsteht eines der größten Erlebnisbäder weltweit. Roland Mack, Gründer des Europa-Park Rust, spricht im Interview über Chancen und Risiken eines Bauvorhabens dieser Größenordnung.

Mit der Errichtung der Wasser welt investieren Sie rund 150 Millionen Euro in den Europa-Park. Was erhoffen oder wünschen Sie sich von dieser großen Investition? Die Wasser-Erlebniswelt „Rulantica“ zusammen mit dem Hotel Krønasår ist in der Tat die größte Einzelinvestition, die wir jemals getätigt haben. Allerdings wurde diese mit großem Vorlauf geplant, da wir uns bereits seit Mitte der 90er Jahre mit Erweiterungsplänen außerhalb des Europa-Park befassen. Wir haben uns bereits in den letzten Jahrzehnten Schritt für Schritt immer weiter weg vom 1-Tages-Ausflugsziel hin zur Kurzreisedestination entwickelt. Diesen Trend möchten wir mit der Eröffnung von „Rulantica“ und unseres sechsten Themenhotels weiter vorantreiben. Die Wasser-Erlebniswelt stellt für uns und unsere Gäste ein komplett neues, ganzjährig geöffnetes Freizeitangebot dar. Neben der langfristigen Entwicklungsperspektive für die nächsten Jahrzehnte bietet uns dieses neue Projekt somit zusätzliche Impulse gerade auch für den Winter. Durch den ganzjährigen Betrieb werden wir als Ressort unsere Marktposition weiter ausbauen und den touristischen Standort durch ein größeres, ganzjähriges Angebot stärken.

Die Koordination der einzelnen Gewerke ist eine immense Aufgabe. Alle Schritte müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass am Ende alles passt. Gerade der Einbau der Rutschen wird noch einmal ein ganz spannender Meilenstein. Wir haben eine Anzahl an Rutschen bei unserem Zulieferer ProSlide in Kanada in Auftrag gegeben, die es so bisher in Deutschland noch nicht gibt. Der Einbau ist also nicht nur für uns Neuland, sondern für alle Projektbeteiligten. Auch die Thematisierung, die wir bereits im Europa-Park ganz konsequent umsetzen, wird in der Wasser-Erlebniswelt einzigartig und extrem detailverliebt. Alle Rutschen und Attraktionen werden in das Thematisierungskonzept eingebunden. Auch hier ist wieder jede Menge Koordination gefragt. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass unsere Experten hier ganze Arbeit leisten werden. Inwieweit verändert eine so große Bauaufgabe den Menschen Roland Mack?

Ich bin mir nicht sicher, ob der Bau mich so sehr verändert. Als Familie waren wir ja schon immer auf ständige Innovation fokussiert. Und jede Innovation bringt natürlich auch die ein oder andere Herausforderung mit sich. Sicherlich kommt es nicht nur mir und meinem Bruder Jürgen, sondern auch meinen Kindern Was stellt für Sie als Bauherr die größte HerausfordeMichael, Thomas und Ann-Kathrin, die das Projekt ja in weiten rung dar? Teilen eigenständig begleiten, zugute, dass für uns Begriffe wie Qualität, Professionalität und Perfektion nichts Neues sind, da wir Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich die Größe des diese sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen haben. Wenn Projekts. Wir haben in der Vergangenheit bereits mehrere Groß- überhaupt könnte man sagen, dass wir mit dem Gesamtkonzept baustellen im Europa-Park bewältigt. Mit der Wasser-Erlebnis- „Rulantica“ ein neues Themenfeld bearbeiten, bei dem es gilt, welt „Rulantica“ haben wir nun eine neue Dimension erreicht. wieder neue Kompetenzen zu erwerben.

44   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  i n t e r vi e w n e u b a u a q u a pa r k r us t


R o l a n d M a ck 19 7 5 g r ü n d e t e R o l a n d M a ck z u s a m m e n m i t s e i n e m Va t e r Fr a n z M a ck d e n E u r o p a - P a r k . R o l a n d M a ck g e h ö r t z u d e n G r ü n d u n g s m i t g l i e d e r n d e s Ve r b a n d e s D e u t s ch e r Fr e i z e i t u n t e r n e h m e r ( V D F U ) u n d w a r v o n N o v e m b e r 2 011 b i s N o v e m b e r 2 012 P r ä s i d e n t d e s Weltverbandes der Freizeitindustrie, I A A PA .

Woraus ziehen Sie die Energie für dieses umfangreiche Bauvorhaben? Wenn man so lange wie ich immer neue Ideen verfolgt und dann in Konsequenz große Bauprojekte verantwortet hat, dann kommt die Energie ganz von selbst. Ich kann und will es mir nicht leisten, mich gemütlich zurückzulehnen und der Dinge zu harren. Ich war schon immer ein Macher und das wird auch so bleiben. Ich denke das schönste an solch einem Projekt ist der Tag an dem wir endlich die Tore öffnen. Dieser Moment, wenn die ersten Besucher das neue Produkt – in diesem Fall nicht nur eine Attraktion oder ein neuer Themenbereich, sondern gleich ein zweiter Park – zu Gesicht bekommen, ist einfach unbeschreiblich. Das Feedback unserer Besucher ist es, was mich antreibt. Es gibt für mich einfach nichts Schöneres als zufriedene Gäste. Christina Seiters und Peter Korthals sprachen von dem starken Teamgeist, der während der Planungsphase und auf der Baustelle herrscht. Welche Rolle spielen Sie in diesem Gefüge? Inwieweit beeinflussen Sie diesen Spirit?

Der Samen für diesen Spirit wurde bereits von meinem Vater gesät. Der Europa-Park konnte sich nur so entwickeln, wie er das in der Vergangenheit getan hat, weil wir als Familie, aber auch gemeinsam mit unseren Mitarbeitern immer als Team gearbeitet haben. Bei „Rulantica“ kommt uns der Austausch mit Frau Seiters und Herrn Korthals sehr zugute. Deren Expertise ist enorm wichtig für das Gelingen des Projekts und natürlich halten wir es auch hier wie bereits bei Projekten in der Vergangenheit und verlassen uns auf das Know-how der Fachleute. Natürlich menschelt es auch ab und an, das war bei Projekten im Europa-Park der Fall und passiert auch jetzt auf der Baustelle. Hier versuche ich dann, mit viel Gespür zu vermitteln, und setze das durch, was für alle

Beteiligten, aber vor allem für das Projekt, das Beste ist. Wo sehen Sie den Europa-Park in Zukunft? Wir hoffen natürlich, auch zukünftig nicht nur die Wünsche unserer Gäste zu erfüllen, sondern auch immer wieder Trends rechtzeitig zu erkennen und richtig umzusetzen. Sicherlich werden wir auch in Zukunft den weiteren Ausbau des Standorts und somit die Entwicklung zur Kurzreisedestination weiter vorantreiben. Für „Rulantica“ steht uns ja glücklicherweise eine Gesamtfläche von 45 Hektar zur Verfügung. Die Gäste dürfen also gespannt sein, was wir uns noch einfallen lassen.

i nter vi ew neu b a u a q u a pa r k r u s t  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   45


Schortens wieder fit sanierung und modernisierung des ehemaligen aquatoll in schortens Autoren D i p l . - I n g . A r ch i t e k t i n C h r i s t i n a S e i t e r s D i p l . - I n g . A r ch i t e k t S v e n K o h z

Das ehemalige AquaToll wird nach fast 50-jähriger ­N utzung umfang­r eich modernisiert.

Weniger ist mehr. Das hat die Stadt Schortens erkannt und macht ihr Schwimmbad durch eine Verkleinerung nach einem Konzept von pbr wieder rentabler. Die zweitgrößte Stadt in Friesland lässt ihr ehemaliges Familien- und Schulschwimmbad aus dem Jahre 1972 aufgrund baulicher Mängel grundlegend modernisieren und energetisch sanieren. Nach der architektonischen, bauphysikalischen und konstruktiven Optimierung der Baukörpersituation soll das Bad im Frühjahr 2019 mit neuem Konzept und neuem Namen – Aqua Fit – als Sport- und Fitnessbad eröffnen. Durch den vollständigen Rückbau des 1992 angelegten Freizeitbereichs wurde der Schwerpunkt des Bades auf die Bereiche Schwimmen, Sport und Gesundheit gelegt. Das Sportbad wurde durch den Bau eines Eltern-Kind-Beckens attraktiviert. Das Schwimmbad wird ebenerdig erschlossen. Eine Treppe und ein Aufzug leiten auf die Badeebene mit Foyer- und Kassenbereich. Im Rahmen der Modernisierung wurde auch der Eingangsbereich umstrukturiert und erweitert. Hier können sich Besucher aufhalten und über eine Verglasung erste Blicke in die Beckenlandschaft erhalten. Aus dem Foyer gelangen die Nutzer in alle Bereiche des Bades. Westlich des Foyers befindet sich der einheitliche Umkleidebereich für alle Funktion, an den sich die Duschen anschließen. Alle Funktionen sind barrierefrei auf einer Ebene angeordnet. Das Hallenbad besteht aus einem 25-m-Sportbecken mit Teil-Hubboden und einem Lehrschwimmbecken. Zur Optimie-

46   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  s a n i e r u n g a q u at o l l s c h o r t e n s

rung des Bades wurde ein Saunaanbau an der Ostseite des Gebäudes angefügt, so dass die Funktionen des AquaFit übersichtlich in einer direkten Abfolge angeordnet sind. Entsprechend sind alle Bereiche unmittelbar von der Badeplatte erreichbar. Der insgesamt 170 m² große Saunabereich mit Panoramasauna beinhaltet drei Sauna- und Dampfbadräume, ein Tauchbecken, eine Abkühlstrecke, eine Wärmebank, Verweilflächen sowie einen offenen Ruhebereich. Von der Badeplatte und der Sauna wird auch die neue Sonnenterrasse erschlossen. Ein bestehender Fitness­bereich ergänzt die Funktionen des AquaFit zusätzlich.

Laub und Gehölzschnitt als Energielieferant Aufgrund von Ressourcenknappheit und für mehr Sicherheit bei Energiepreisen entschied sich die Stadt Schortens dazu, eine externe Energiezentrale auf dem Grundstück des Schwimmbades mit Laubverbrennungsanlage, Erdgas-Blockheizkraftwerk (BHKW) und -Spitzenlastheizkessel zur Gewinnung thermischer und elektrischer Energie einzusetzen. Das System versorgt das Schwimmbad und die benachbarte Verlässliche Grundschule Jungfernbusch mit Sporthalle. Der Bau der externen Energieanlage wird von der N-Bank sowie vom Projektträger Jülich mit insgesamt 1,1 Mio. Euro gefördert. Lesen Sie den ausführlichen Beitrag über die Laubverbrennungsanlage „Alternativenergien für Kommunen“ in phase 10, Ausgabe 12/2018, S. 68.

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Fe r t i g s t e l l u n g Fr ü h j a h r 2 019 Gesamtbausumme 6 , 3 M i o . E u r o ( b r u tt o ) F l ä ch e n u n d R a u m i n h a l t e HNF 2.300 m² BGF 2.900 m² BRI 14 . 5 0 0 m ³ Bauherr S t a d t S ch o r t e n s L e i s t u n g e n p b r AG A r ch i t e k t u r, Tr a g w e r k s p l a n u n g , Te ch n i s ch e A u s r ü s t u n g

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Fo y e r

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Aufzug

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F i t n e s s b e r e i ch

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K l e i n k i n d b e r e i ch

s a n i er u ng a q u ato ll s c h o r tens  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   47


Erlebnisfaktor Rutsche interview mit peter korthals Aus den meisten Bädern ist die Rutsche nicht mehr wegzudenken. Ob als Er weiterung von Bestandsbädern oder innerhalb eines Neubaus – um eine langfristige Nutzung zu ermöglichen, sind in der Rutschenplanung maßgeschneiderte Lösungen gefragt.

D i p l . - I n g . Pe t e r K o r t h a l s S e i t 2 0 01 i s t Pe t e r K o r t h a l s f ü r d i e p b r AG i n d e r P l a n u n g , Kostene ­ r m i tt l u n g , B a u l e i t u n g u n d O b j e k t ü b e r w a ch u n g t ä t i g , s e i t 2 015 i n d e r Fu n k t i o n d e s G e s ch ä ft s fe l d l e i t e r s R e a l i s i e r u n g .

Wie wichtig ist die Rutsche heutzutage für ein Schwimmbad? Die Installation einer oder gar mehrerer Rutschenanlagen ist in Familien- und Freizeitbädern nicht wegzudenken. Insbesondere für Kinder und Jugendliche stellt die Rutsche eines der wesentlichen Highlights des Schwimmbadbesuchs dar. Nicht selten bestimmt das Attraktionsangebot, und damit insbesondere die Rutschenauswahl, den Besucherkreis des Bades, da die Entscheidung im Familienrat hinsichtlich des geplanten Schwimmbadbesuchs häufig zugunsten des größeren Spaßfaktors ausfällt. Für diesen werden auch größere Wegstrecken in Kauf genommen. Jugendliche stellen dabei schon lange nicht mehr die einzige Zielgruppe dar. Im Hinblick auf den Schwierigkeitsgrad, Form und Ausprägung sowie Ausstattung bieten Hersteller mittlerweile ein so großes Spektrum an, dass für jede Alters- und Erwartungsgruppe passende Attraktionen konzipiert werden. Lässt sich jede Rutsche in jedes Schwimmbad integrieren? So pauschal kann man diese Frage gar nicht beantworten. Jeder Schwimmbadbau hat

48   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  i n t e r vi e w e r l e b n i s fa k t o r r u t sc h e

seine eigenen Besonderheiten. Insbesondere bei der Integration einer Rutsche in den Bestand gilt es, unterschiedliche Aspekte zu beachten. Bevor man eine Aussage treffen kann, müssen die bisherige und zukünftige Nutzung, funktionale Zusammenhänge, aber auch die Gebäudestruktur, die Konstruktion und auch die städtebauliche Situation analysiert und bewertet werden. Auf Basis dieser Analyse können dann Rutschenkonzepte entwickelt und der richtige, angemessene Weg zur Attraktivierung gefunden werden. Wann beginnt die Rutschenplanung? W ird die Rutsche auf das Gebäude oder das Gebäude auf die Rutsche abgestimmt? Idealerweise sollte man die Konzeptionierung der Attraktion bereits in einem sehr frühen Planungsstadium durchführen und in den Gesamtentwurf einfließen lassen. Das Gebäude ist mit den Rutschen sehr eng verknüpft, beide bedingen sich gegenseitig. Bei Neubauten sind die Freiheiten naturgemäß größer als in Bestandssituationen. Entscheidet sich ein Bauherr, diese Attraktion zu integrieren, so sollten Flächen und Konstruktionsreserven für spätere Veränderungen berücksichtigt werden, da Freizeitanlagen von Flexibilität und der Möglichkeit der


Nachattraktivierung profitieren. Nur so können sie auf neue Trends reagieren. Eine derartige Veränderung kann die Umrüstung einer vorhandenen Rutsche sein oder die Ergänzung eines zusätzlichen Rutschenangebots. Insbesondere für die Start- und Landesituation und die zugehörigen Treppenaufgänge ist es sinnvoll, Flächenreserven bereits zum Projektstart mit der Erstausrüstung zu berücksichtigen. Wichtig für diese Ausgangssituation und die Erstausstattung eines Badprojektes ist es, dass ein Attraktionskonzept entwickelt wird, das für den Standort die größte Akzeptanz verspricht. Hierzu werden u. a. die um näheren Umkreis gelegenen Bäder betrachtet, so dass eine Wiederholung des Angebots vermieden wird. Eine Zielgruppenanalyse ist für die Gesamtausrichtung des Bades ebenso wichtig, um die Auswahl der geeigneten Rutsche auf diese abzustimmen. Da Rutschen in der Regel als Sonderbauteile betrachtet werden, bedürfen sie spezieller Genehmigungsverfahren, so dass nach Aufstellung des Konzepts frühzeitig Kontakt zu Behörden aufgenommen werden sollte. Welche technischen Aspekte gilt es zu berücksichtigen? Da wir oft die Gesamtplanung für Schwimm­­

bäder erbringen, denken wir in der Rutschenplanung gewerkeübergreifend. So steht am Ende nicht nur der architektonische Entwurf, sondern auch die Umsetzbarkeit im Hinblick auf die Bautechnik oder Energie im Vordergrund. Im Fokus allerdings steht immer das Wohlbefinden der Badegäste. Die Rutsche sollte neben Spaß und Spannung vor allem ein hohes Maß an Sicherheit bieten. Gleichzeitig wünscht sich der Besucher einen einwandfreien hygienischen Standard, so dass nicht nur die Badewasseraufbereitung den hohen Anforderungen entsprechen muss, sondern auch die Rutsche und das zugehörige Umfeld aus Treppenaufgängen, Startund Landebereichen möglichst effizient und nachhaltig zu reinigen sein sollte. Die richtige Wahl der Oberflächenmaterialien und die Detailausbildung sind ebenso wichtig, wie die richtige und ausreichende Positionierung von Zapfstellen. Welche Bedeutung kommt der Luftqualität zu? Für den Badegast ist die Luftqualität wichtig. Insbesondere bei hohen Auslastungen am Wochenende ist das Rutschvergnügen mit Wartezeiten am Treppenaufstieg verbunden. Der hohe Feuchteeintrag in die Raumluft entsteht neben den Wasserverwirbelungen im

Start- und Landebereich auch hier am Rutschenaufgang durch Schleppwasser und das Abtropfen der wartenden Gäste. Neben dem Feuchteabtransport durch die Lüftungsanlage stellt auch die Behaglichkeit einen wichtigen Faktor dar. Zugluft muss vermieden werden und eine angemessene Wärmezufuhr muss der Verdunstungskälte entgegenwirken, um die Gäste nicht frieren zu lassen. In der Fassadengestaltung ist es empfehlenswert, auf großflächige Verglasungen zu verzichten, um die Konvektion zu reduzieren. Für die Treppenläufe selbst sind Massivkonstruktionen in offener Stahlbauweise vorzuziehen, um den Wassertransport gezielt zu führen. Dies fördert die Behaglichkeit und verhindert nebenbei auch die Korrosion. Noch ein Wort zum energetischen Aspekt. Der energetische Aspekt einer Rutschenanlage ist sehr hoch anzusetzen. Aus Platz- und Kostengründen sind die meisten Großwasserrutschenanlagen außerhalb der Gebäudehülle angeordnet. Sie schlängeln sich also vom Startpunkt in der oberen Fassade bis zum Wiedereintritt am Lande­becken im Freien. Dabei wirken sie wie überdimensionale Kühlrippen, die der winterlichen Kälte ausgesetzt sind, so dass Hülle und

inter vi ew er leb n i s fa kto r r u ts c h e  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   49


„ D ie Rutschenlandschaft verändert sich rasant. Der Trend geht Richtung Multifunktionalität und Entertainment.“ hinabfließendes Wasser stark ausgekühlt werden. Leider ist nicht immer die Möglichkeit für die Ideallösung, die Rutschen in einem separaten Rutschenbereich im energetisch geschützten Gebäudeinneren zu positionieren, gegeben. In dem Fall kann mit Hilfe von Dämmschalen der Wärmeabtransport nach außen sehr deutlich reduziert werden. Im Detail muss dabei aber auch die Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten (Flaschenverbindungen) an der äußeren Konstruktion ausreichend berücksichtigt werden. Welche Herausforderung stellt der nachträgliche Einbau einer Rutsche in ein bestehendes Schwimmbad dar und welche Potentiale bietet dieser? Die nachträgliche Integration einer Rutsche in ein bestehendes Schwimmbad bietet enorme Potentiale. Sinkenden Besucherzahlen kann auf diese Weise entgegengewirkt werden. Eine Herausforderung besteht in der Regel in der technischen und energetischen Integration. Oftmals sind die vorhandenen technischen Kapazitäten in den Lüftungsanlagen, der Heizung und der Badewasseraufbereitung auf die Zusatzanforderung einer neuen Rutsche nicht ausgelegt. Auch die Energieversorgung kann an ihre Grenzen geraten. Aus diesem Grund ist die zu ergänzende oder neue Anlagentechnik frühzeitig zu projektieren. Weiterhin stellt sich die Frage nach der Flächenreserve. Bietet das Schwimmbad ausreichend Platz oder ist es notwendig, einen Anbau zu errichten? Wenn ja, lässt die städtebauliche Situation diesen zu? Im Inneren des Schwimm­ bades ist die konzeptionelle und funktionale Anordnung für die Akzeptanz und Attraktivierung entscheidend. Ziel ist es ja, insgesamt eine Aufwertung der bestehenden Schwimmbadanlage zu erreichen. Welche Unterschiede bestehen zwischen Indoorund Outdoor-Rutschen? Outdooranlagen werden aufgrund ihrer jahreszeitlich eingeschränkten Nutzungsdauer in Deutschland mit einem anderen Stellenwert konzipiert als Indooranlagen. In Freibädern sind in der Regel offene Halbschalen- oder Breitrutschen im Einsatz. Der Badegast stellt andere Anforderungen an den

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Besuch im Freibad als an den Besuch eines Hallenbades. Rutschen mit technischen Besonderheiten oder Effekten sind in Freibädern nicht unbedingt gewünscht. So stehen hier vielmehr der Spaß mit dem Element Wasser, das Rutschen selbst und die erfrischende Abkühlung im Vordergrund. W ie hat sich die Rutschenlandschaft in den letzten Jahren verändert und wirkt sich diese auf die Planung aus? Es gibt Kinder, die rutschen auf dem Spielplatz immer wieder. Auch oder vielmehr obwohl die Rutsche ihnen keinen Überraschungs­ effekt mehr bietet. Grundsätzlich scheint der Spaß des körperlichen Hinabgleitens ein wesentlicher Motor zu sein, so dass nicht immer die technisch aufwendig und überdesignte Rutsche den erhofften Mehrwert bietet. Dennoch lässt sich feststellen, dass weiterhin ein Trend in Richtung Multifunktionalität geht. Auch mehrfaches Rutschen soll nicht langweilig werden, so dass viele Rutschenanlagen inzwischen mit Touch-Panels, Licht- und Soundeffekten ausgestattet werden und zur Interaktion einladen. Ob Racing oder Rafting, Reifen oder Boot – den Nutzungsmöglichkeiten sollten bestenfalls keine Grenzen gesetzt werden. Der Rutschenbereich entwickelt sich immer mehr zum Gesamterlebnis, bei dem bereits das Anstehen in der Warteschlange durch Entertainmentelemente unterstützt wird. Technische Zusatzeinrichtungen, wie Zeitmessung oder Fotoshootings als Erinnerung an den Badespaß, entwickeln sich fortwährend und verkürzen dabei die Wartezeit. Für die Planung bedeutet dies, dass die zu entwickelnden baulichen und technischen Einrichtungen eine möglichst hohe Flexibilität aufweisen sollten und auf Erweiterbarkeit ausgerichtet werden. 


inter vi ew er leb n i s fa kto r r u ts c h e  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   51


Exzellente Sport- und Freizeitanlagen die ioc ipc iaks architekturpreise Autor Klaus Meinel

Das IOC, das IPC und die IAKS loben drei Auszeichnungen für Sport- und Freizeitanlagen aus. Sie sind begehrt und genießen weltweit höchstes Ansehen.

Insgesamt gibt es drei verschiedene Architekturpreise, die in Gold, Silber und Bronze prämiert werden. Der IOC IAKS Award bringt beispielhafte Bauten und Anlagen ins Blickfeld der Öffentlichkeit, denen es gelingt, die Faktoren Nachhaltigkeit und Vermächtnis, eine klare Funktionalität und eine außergewöhnliche Architektur miteinander in Einklang zu bringen. Die IPC IAKS Auszeichnung will die Zugänglichkeit von Sport- und Freizeitanlagen fördern, um allen Menschen die Möglichkeit zu geben, Sport uneingeschränkt und barrierefrei auszuüben oder dabei zuzuschauen. Der IOC IPC IAKS Architecture and Design Award for Students and Young Professionals lädt junge Architekten, Landschaftsarchitekten und Designer ein, mit Ideenreichtum Räume und Fläche für einen aktiven Lebensstil zu gestalten. Für die ersten beiden Wettbewerbe muss sich die Anlage bereits im Betrieb bewährt haben; beim Nachwuchswettbewerb hingegen werden Entwürfe prämiert. Zugelassen zu den ersten beiden Wettbewerben sind sowohl Neubauten als auch Erweiterungen, Modernisierungen, Sanierungen oder Umnutzungen. Temporäre Event-Infrastruktur beziehungsweise -Architektur, zum Beispiel demontierbare oder verlagerbare Infrastruktur für große

52   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  e x z e l l e n t e s p o r t- u n d f r e i z e i ta nla g en

Sportevents, können ebenfalls am Wettbewerb teilnehmen. Der Wettbewerb berücksichtigt verschiedenste Sportbauwerke. Hierzu gehören u. a. Stadien, Sportplätze und öffentliche Freiräume, Mehrzweckhallen und Arenen, überdachte Anlagen für Sport, Freizeit und Erholung, Bäder und Wellnesseinrichtungen und spezialisierte Anlagen für Sport, Freizeit und Erholung. Die Beurteilung der eingereichten Arbeiten erfolgt durch eine internationale Jury aus Persönlichkeiten des IOC, des IPC und der IAKS. Die Auszeichnung für außergewöhnliche Leistungen im Bereich der Planung und des Betriebs von Sport-, Freizeit- und Erholungsbauten findet alle zwei Jahre statt. 2017 bewarben sich insgesamt 72 Projekte aus allen Kontinenten, darunter Projekte in Aserbaidschan, Indien, Nigeria, Palästina und Singapur. Von A wie Australien bis U wie USA war alles vertreten. Die Bandbreite der ausgezeichneten Anlagen reichte von großen internationalen Sportstätten in Singapur und Brasilien bis hin zu kleinen, aber gesellschaftlich bedeutsamen Skateparks in Palästina und Spanien. Die Jury prämierte vier Anlagen mit Gold, sieben mit Silber und fünf mit Bronze. Die IPC IAKS Auszeichnung ging an sechs Projekte. Den Nachwuchspreis gewann eine Designstudie für das Velodrom in Saratow, Russland. Die An-


Klaus Meinel Dipl.-Ing. Klaus Meinel arbeitet seit 19 9 7 b e i d e r I A K S u n d s e i t 2 0 0 2 a l s i h r G e s ch ä ft s f ü h r e r. 2 015 w u r d e e r zum Generalsekretär der IAKS ernannt. Vo n 2 0 0 3 b i s 2 011 w a r e r a l s L e h r­ b e a u ft r a g t e r a n d e r D e u t s ch e n S p o r t h o ch s ch u l e i n K ö l n t ä t i g . E r h a t L a n d s ch a ft s - u n d Fr e i r a u m p l a n u n g , R e­g i o­n a l­p l a n u n g s o w i e B e t r i e b s w i r t s ch a ft s l e h r e s t u d i e r t .

lage bietet eine Außenbahn für Straßenradrennen, eine BMX-Strecke und einen Mountainbike-Parcours. Planer und Betreiber besonders gelungener und erfolgreicher Sportstätten können sich noch bis 31. März 2019 für die IOC IPC IAKS Architekturpreise bewerben. Die Bewerbungsfrist des Nachwuchswettbewerbs endet am 30. April 2019. Informationen über die Auswahlkriterien und das Bewerbungsverfahren sowie das Teilnahmeformular finden sich auf www.iaks.org/de/awards.

„I nsgesamt gibt es drei verschiedene ­A rchitekturpreise, die in Gold, Silber und Bronze prä­ miert werden.“

ex zellente s p o r t- u nd fr e ize i ta nla g en  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   53


Blauer als das Meer

wasseraufbereitung durch ultrafiltration und chlor - elektrolyse Autor Dirk Wietkamp

Besucher öffentlicher Bäder tragen verschiedene Substanzen ins Wasser und verunreinigen es. ­Aufbereitungstechnik filtert diese Substanzen z­ uverlässig wieder heraus.

Haare, Haut und Kosmetik, aber auch Bakterien und Viren gelangen mit Besuchern in das Wasser von Schwimmbädern. Verschiedene Filtrationsverfahren stellen sicher, dass das Wasser keine gesundheitsschädigende Konzentration von Stoffen enthält. Werden die Becken auch von Personen mit einem geschwächten Immunsystem genutzt, etwa Therapiebecken in Gesundheitsbädern, muss bei der Planung der Schwimmbadtechnik eine Lösung für die Aufbereitung vollständig keimfreien Wassers eingesetzt werden. Hier sind die Ultrafiltration für die Wasseraufbereitung und eine Chlor-Elektrolyse zur Desinfektion zwei relativ neue, aber bewährte Lösungsansätze. Beide Methoden erfüllen die Anforderungen der DIN-Norm 19643 (Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser).

Computer im Schwimmmeisterraum visualisiert und dokumentiert werden. Während konventionelle Druckfilter eine Raumhöhe bis zu fünf Meter benötigen, kommt eine Ultrafiltrationsanlage mit einer geringen Raumhöhe von nur 2,20 m aus. Die Anlagen können also platzsparend in einer Technikebene untergebracht werden. Hat das Bad Becken mit derselben Temperatur, reicht eine Anlage zur Wasseraufbereitung der Becken aus. Vor der Filtration findet in der Regel eine Flockung z. B. durch die Zugabe von Aluminiumsalzen statt. So werden kleine Schwebestoffe adsorptiv gebunden, sie verklumpen zu größeren Einheiten, und können dann aufgrund ihrer Größe besser herausgefiltert werden.

Ultrafiltration für Keimfreiheit

Nachdem Schadstoffe aus dem Wasser herausgefiltert wurden, wird es desinfiziert. Bei der Chlor-Elektrolyse wird mit dem Salz im Beckenwasser unter Zugabe von Strom Chlor hergestellt. Die Erzeugung der hypochlorigen Säure für die Beckenwasserdesinfektion findet in einer Elektrolysezelle statt. Das benötigte Salz zum Gewinnen der hypochlorigen Säure ist im Solewasser enthalten. So müssen für die Desinfektion des Badewassers keine Chlor-Chemikalien zusätzlich eingesetzt und entsprechend keine Lagerräume dafür vorgesehen werden. Gegenüber konventionellen Desinfektionsmethoden verringert sich das Unfallrisiko für Mitarbeiter, weil sie keine Chemikalien handhaben müssen.

Mit der Ultrafiltration werden 100 % des Beckenzulaufvolumenstroms über die Filter geführt. Das zu filternde Wasser wird mit Druck durch Kunststoffröhrchen mit einem Innendurchmesser von 0,5 bis 2 Millimetern gepresst. Die Kapillarmembranen dieser Röhrchen, deren Poren einen Durchmesser bis zu 0,05 Mikrometern haben, filtern kleinste Verschmutzungen, Bakterien und Viren aus dem Wasser. Damit ist das Wasser, nach dieser Filtration völlig keimfrei. Im Wasser gelöste, unschädliche Stoffe wie Salze passieren jedoch die Membran. Die Filtration erfolgt vollautomatisch nach Zeitprogrammen und Differenzdruckmessung. Gesteuert wird die Filteranlage über Touch-Panels im Schaltschrank. Darüber hinaus können die Anlagenparameter über einen

Desinfektion mit Salz und Strom

54   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  wa s s e r a u f b e r e i t u n g d u r c h u ltr a f i ltr at io n u nd c h lo r - ele k tr o ly s e


wa s s e r a u f b e r e i tu ng d u r c h u ltr a f i ltr at io n u nd c h lo r - ele k tr o ly s e  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   55


Hauptsache kühl trinkwasserhygiene in schwimmbädern Autor D i p l . - I n g . H a r t m u t L ü ck e m e y e r

Die hohen Raumtemperaturen in Schwimmbädern verursachen ein erhöhtes Risiko zur Keimbildung in Trinkwasserleitungen. Zwei Techniken stellen sicher, dass keine kritischen Konzentrationen erreicht werden.

Warum stellt sich die Sicherstellung der Trinkwasserhygiene in Schwimmbädern bei Trinkkaltwasser – PWC (Portable Water Cold) – so schwierig dar? Ein wesentliches Kriterium für die Bildung von unzulässigen, weil gesundheitsschädlichen Keimpopulationen z. B. durch Legionellen in Trinkwassernetzen ist eine zu hohe und dadurch wachstumsfördernde Temperatur in den Trinkwasserleitungen. Idealerweise sollte die Trinkkaltwassertemperatur so niedrig wie möglich sein, aber an keiner Stelle im Verteilungsnetz 20 °C überschreiten. Insbesondere bei Stagnation des Wassers in der Leitung kann dies kaum verhindert werden. Kurzfristig sind 25 °C zwar zulässig, aber grenzwertig und sollten aufgrund der schwierigen Kontrollierbarkeit der durchgängigen Einhaltung nicht zum Maßstab werden. In Schwimmbädern kommen nun verschiedene Aspekte zusammen, die sehr konträr zu dieser Grundsatzforderung stehen. Ein Schwimmbadgebäude ist aufgrund der vielen verschiedenen Nutzungsbereiche im Umfeld der Schwimmbecken in der Regel auch sehr weitläufig und hält diverse Räume vor, die mit Trinkwasserentnahmestellen ausgestattet sind:

Reinigungs-Zapfstellen im Beckenbereich Besucher-WC-Anlagen im Restaurant Besucher-WC-Anlagen in den Umkleiden Duschanlagen Putzmittelräume Werkstatträume WC-Anlagen in der Sauna Duschanlagen in der Sauna Außenzapfstellen für die Bewässerung

56   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  t r i n k wa s s e r h y g i e n e in s c h w i m m b ä d er n

Häufig führen diese Trinkwasserleitungen durch sehr warme Umgebungen, insbesondere in den Technik-Untergeschossen aufgrund der Wärmeabgabe der Beckenwandungen, aber auch in den auf 24 °C beheizten Umkleidebereichen und ihren zugehörigen Duschanlagen mit 20 und mehr Brausestellen. Auch bei guter Wärmedämmung der Trinkkaltwasserleitungen kann eine merkliche Erhöhung der Wassertemperatur durch diese „Fremdbeheizung“ nur durch zwei Maßnahmen verhindert werden: Spülung und damit Austausch der Wasserinhalte bis die Eingangs-Kaltwassertemperatur wieder erreicht ist Aktive Kühlung der Trinkkaltwasserleitungsinhalte im Umlaufprinzip Spülen der Trinkwasserleitungen Für die Sicherstellung einer ausreichenden Spülung des Trinkkalt­ wassernetzes bieten Armaturenhersteller heute ein umfangreiches Angebot an geeigneten Wasserentnahmestellen an. So kann jede Waschbecken- oder Duscharmatur mit intelligenter Erfassung die jeweils entnommene Trinkwassermenge autark messen und je nach Einstellung ermitteln, ob ein Spülvorgang erforderlich ist. Die Einzelarmaturen lassen sich vernetzen und machen dadurch umfassende statistische Auswertungen und Dokumentationen des Betriebes möglich. Sollen diese Vorgänge automatisiert ablaufen, ist die kontinuierliche Erfassung der Wassertemperaturen in repräsentativen Rohrleitungsabschnitten unabdingbar und es müssen Armaturen mit Fremdauslösung über eine zentrale intelligente Steuerung eingesetzt werden. Alternativ lässt sich dies manuell durch das Betriebs-


D i p l . - I n g . H a r t m u t L ü ck e m e y e r S e i t 19 8 3 i s t H a r t m u t L ü ck e m e y e r a l s Ve r s o r g u n g s i n g e n i e u r i n d e r p b r AG t ä t i g , s e i t 2 016 i n d e r Po s i t i o n d e s G e s ch ä ft s fe l d l e i t e r s G e b ä u d e t e ch n i k . Z u d e n v o n i h m b e t r e u t e n P r o j e k t e n g e h ö r e n u . a . d i e Tr e n n u n g v o n Tr i n k - u n d L ö s ch w a s s e rleitungen an 80 St andorten der Agentur für Arbeit, der Neubau des S o l e V i t a l i n B a d L a e r, d e r U m b a u e i n e s d e n k m a l g e s ch ü t z t e n Ve r w a l tungsgebäudes zu einem Hotel und er hat an der Ausführungsplanung f ü r d a s H o t e l T h e Fo n t e n a y i n H a m burg mitgewirkt.

personal sicherstellen. Die Trinkwasserverordnung DIN 1988 Teil 200 nimmt den Betreiber sehr stark in die Pflicht, die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben dokumentiert, also nachprüfbar zu gewährleisten. Die jeweils zuständigen Gesundheitsämter sind aufgefordert, die Betreiber zu kontrollieren. Zusammen mit dem Planer ist dafür der bestimmungsgemäße Gebäudebetrieb im Vorfeld der Gebäudenutzung gemäß VDI 6023 anhand eines „Raumbuches“ festzulegen. Darin werden alle Entnahmestellen mit ihren im zukünftigen Betrieb erwarteten Entnahmemengen aufgeführt. Diese Werte müssen im Verlauf der gemachten Betriebserfahrungen entsprechend fortgeschrieben werden. Daran orientieren sich die erforderlichen Spülmaßnahmen, die eine Einhaltung der zulässigen Trinkkaltwassertemperatur auch ermöglichen. Für Gebäude mit erhöhten Anforderungen, wie z. B. Krankenhäuser, ist darüber hinaus ein Instandhaltungs- und Hygieneplan zu entwickeln. Dieser erleichtert dem Betreiber die Kontrolle der erforderlichen Instandsetzungs- und Wartungsintervalle, so dass das Trinkwassernetz mit seinen Armaturen durchgängig den bestimmungsgemäßen Betrieb auch ermöglicht. Die erforderlichen Spülvorgänge führen zu einem erhöhten Jahres-Trinkwasserbedarf, da in Zeiten mit geringem Besucherverkehr und einer damit verbundenen geringen oder sogar keiner Trinkwasserentnahme Spülvorgänge allein zur Regulierung der Trinkwassertemperatur auf weniger als 20 °C dienen. Dies ist betriebswirtschaftlich nicht zufriedenstellend. Aber die Einhaltung von Vorgaben zur Sicherung der Gesundheit haben Priorität vor wirtschaftlichen Aspekten. Neben dem Aspekt der Trinkkaltwassertemperaturbegrenzung ist noch eine Stagnation des Wassers in den Rohrleitungen zu verhindern. Hier lässt die Trinkwasserverordnung maximal 72 Stunden Verweilzeit zu, danach muss ein Wasseraustausch stattfinden.

Kühlung der Trinkwasserleitungen Als eine mögliche Alternative zur Spülung stellt sich die aktive Kühlung des Trinkkaltwassernetzes im Durchlaufprinzip dar, analog der Zirkulation in einem Trinkwarmwassernetz. Dies macht zwar eine erhöhte Investition für die Rückführungs-Rohrleitung und für die Kälteerzeugung erforderlich, erlaubt aber eine nahezu hundertprozentige Sicherstellung der zulässigen Trinkkaltwassertemperatur und vermeidet die ansonsten erhebliche Verschwendung von aufbereitetem Trinkwasser. Optimierung durch Gesamtplanung Beide Maßnahmen haben ihre Vor- und Nachteile. Der versierte Fachplaner sollte diese Möglichkeiten je nach den absehbaren Umgebungsbedingungen der Trinkkaltwasserinstallation intensiv mit dem Bauherrn besprechen. Als Gesamtplanungsbüro sind wir aufgefordert, die vorbeschriebenen Zusammenhänge schon in der frühen Vorplanungsphase zwischen den Kriterien der jeweiligen Planungsaspekte abzuwägen. Beispielhaft sei hier die Lage und Raumzuordnung der Hausanschluss- und Technikräume zu den Nutzungsbereichen, wie den Umkleidezonen mit ihren Sanitärräumen genannt. Können Trassenwege kurz und in einer eher kühleren Umgebung geführt werden, sind warm- und kaltgehende Rohrleitungen räumlich zu trennen, wie kann ein möglichst einfaches Trinkwasserverteilsystem erreicht werden, um den Betreiber die Kontrolle zu vereinfachen?

tr in kwa s s er h y g iene in s c h w i m m b ä d er n  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   57


Sprungbrett

beteiligungen

Sicher baden gehen pbr Hölscher entwickelt brandschutzkonzept

Der Neubau des Kombibades „Balneon“ wurde in die Gebäudeklasse drei eingestuft, weil die Höhe der Oberkante des fertigen Fußbodens (OKFF) des höchstgelegenen Aufenthaltsraumes rund 7 m über der Geländeoberkante liegt. Auf Basis der Gebäudeeinstufung wurden alle Bauteile feuerhemmend ausgeführt, so dass diese bei einer einseitigen Beflammung mindestens 30 Minuten tragfähig bleiben. In dieser Zeit können Flammen und Gase außerdem nicht durch das Bauteil dringen und die Temperatur auf der vom Brand abgewandten Seite kann nicht ansteigen. Ein besonderes Risiko stellt im „Balneon“ die große Anzahl ortsunkundiger Besucher dar. Dennoch ist bei einer theoretischen Vollbelegung mit ca. 300 Personen keine besondere Gefährdung zu erwarten, da im ebenerdigen Erdgeschoss eine direkte Entfluchtung möglich ist. Kommt es zu einem Brandereignis, erfolgt eine automatische akustische Alarmierung und die Räumung wird umgehend eingeleitet. Das Untergeschoss, in dem sich die technischen Installationen befinden, ist aufgrund der übergroßen Medienrohre ohne brandschutztechnische Schottungen mit dem Erdgeschoss verbunden. Aufgrund dessen wurde das Hallenbad in allen Geschossen mit automatischen Meldern einer aufgeschalteten Brandmeldeanlage ausgerüstet.

58   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  b e t e i l i g u n g e n

Im Dienste der Wissenschaft agradblue erbringt bauphysik und strömungssimulation

Die Philipps-Universität Marburg beabsichtigt am Campus Lahnberge die Errichtung eines neuen Institutsgebäudes zur Unterbringung von Lehrflächen für die Anatomie und Zellbiologie. Noch in diesem Jahr werden die Bauarbeiten beginnen. Neben einer Prosektur zur Konservierung und Vorbereitung der Körperspenden wird der Neubau zwei Präpariersäle, einen Histologiesaal, Seminarräume sowie eine Anlieferung und Räume für die Haustechnik beherbergen. Um in den relevanten Bereichen wie der Anatomie die Einhaltung der maximalen Arbeitsplatzkonzentration für Formaldehyd zu gewährleisten, wurde agradblue mit der Durchführung einer Strömungssimulation beauftragt. Hierfür wird eine möglichst originalgetreue Simulation des realen Betriebsablaufs angestrebt. Für die Sicherstellung einer optimalen Sprachverständlichkeit in den Seminar- und Unterrichtsräumen erarbeitet agradblue außerdem ein raumakustisches Planungskonzept. Dieses stellt aufgrund der geräuschintensiven Lüftungsanlage im Präpariersaal und der zum Teil offenen Rippendecke im Histologiesaal eine besondere Herausforderung dar. Besonders zu berücksichtigen bei allen Maßnahmen ist die Tat­ sache, dass der Neubau auf Basis des Leitfadens Energieeffizientes Landesgebäude – Hessisches Modell errichtet wird.


Energetisches Konzept für Aaseebad in Ibbenbüren pbr.NETZenergie

In Zeiten des Klimawandels und des weltweit steigenden Energie­ konsums müssen sich die Versorgungsstruktur und der Energie­ einsatz nachhaltig verändern, u. a. durch die Reduzierung von Treibhausgasen und die Einsparung von Primärenergie. Vor diesem Hintergrund hat pbr.NETZenergie ein Konzept für die energetische Sanierung des Aaseebades der Stadt Ibbenbüren erarbeitet. Hier wird die bisherige Energieversorgung, die bis dato durch einen Kohlekessel sichergestellt wurde, durch einen Energiemix mit KraftWärme-Kopplung, die Nutzung von Biomasse sowie Redundanz- und Spitzenlastkessel ersetzt. Neben der Biomasse können hier auch Infrastrukturstoffe der Kommune genutzt werden, die bei Nichtnutzung teuer entsorgt werden müssten. Durch die angedachte neue Konzeption werden voraussichtlich 1.500 t CO2/a im Vergleich zur bisherigen Energieversorgung eingespart werden. Dies entspricht ca. einem jährlichen CO2 Ausstoß von 1.000 PKWs. Diese Form der Energieversorgung, die von dem innovativen Gesichtspunkt her kostenintensiver ist als eine herkömmliche Energieversorgung, kann gefördert werden. Die pbr.NETZenergie GmbH begleitet zudem die Förderung nachhaltiger Energiekonzepte. Für die Förderung einer solchen Maßnahme bestehen mehrere Möglichkeiten, z. B. über das BAFA Programm Wärmenetze 4.0, die Leitmarktwettbewerbe NRW oder das KfW Abwärme Nutzungsprogramm 294. Die gesamte Antragstellung hierfür und den Dialog mit den Fördermittelgebern wurde seitens der pbr.NETZenergie geleitet.

b ete ili g u ng en  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   59


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aktuelle projekte

Neustart in Stuttgart pbr- niederlassung gegründet

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2018 hat die pbr AG in Stuttgart eine Niederlassung gegründet. Dipl.-Ing. Architekt Maik Rupprecht, der bereits seit 10 Jahren am Hauptsitz in Osnabrück für die pbr AG tätig ist und auf Basis seiner langjährigen Mitarbeit zahlreiche Erfahrungen in der Planung und Realisierung gesammelt hat, wird das kompetente Team in Stuttgart verantwortlich führen. Unterstützt wird Maik Rupprecht durch Dipl.-Ing. Architektin Anne Pfisterer, die bereits seit einigen Jahren als Architektin in Stuttgart tätig ist und über entsprechendes Know-how u. a. in der Projektleitung verfügt. Den Schwerpunkt der Tätigkeiten in Stuttgart wird der Geschäftsbereich Architektur bilden.

Laborgebäude Polizeizentrum Eichhof, Kiel

Im September 2018 wurde der Grundstein für das neue Laborgebäude des Kriminaltechnischen Instituts des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein unter Beisein des Landes-Innenministers HansJoachim Grote gelegt. In dem Labor des Kriminaltechnischen Instituts werden Beweismittel in Strafverfahren untersucht und Gutachten erstellt. Die 100 Mitarbeiter führen im Jahr ca. 14.000 Untersuchungen durch. Der viergeschossige Neubau mit Untergeschoss und aufgesetzter Technikeinhausung entsteht auf dem Gelände des Polizeizentrums Kiel. Die Planung des Gebäudes erfolgt nach der BIM-Methode mit einem dreidimensionalen Gebäudemodell. Untersuchungslabore und Werkstätten für Schusswaffen-, DNA- und Fingerabdruckuntersuchungen, für Schrift- und toxikologische Analysen sowie zugehörige Büros und Nebenräume befinden sich auf allen oberirdischen Geschossen. Weil sehr hohe Anforderungen an die Untersuchungen gestellt werden, erfüllt das Institut den europaweit einheitlichen Laborstandard. Wenn voraussichtlich im Herbst 2020 der Ermittlungsbetrieb in dem Gebäude aufgenommen wird, findet die Polizei optimale Bedingungen für die künftigen Herausforderungen vor.

grundsteinlegung für kriminaltechn . institut

Leistungen pbr AG Gesamtplanung

60   phase 10 // pbr AG  13/ 2019  13 / 2019  aakkttuueellllee pprroojjeekkt t ee


Neubau hinter historischer Fassade sanierung eines parkhauses in münchen

Weil das historische Parkhaus der BMW Group in München in die Jahre gekommen war, wurde es innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft aus SAA Schweger Architekten und der pbr AG aufwendig saniert. Im Juni 2018 wurden die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen und das Parkhaus vollständig in Betrieb genommen. Das siebengeschossige Gebäude, das vom Architekten Karl Schwanzer in Betonbauweise 1968 errichtet worden ist, steht unter Denkmalschutz. Seine Tragkonstruktion und die Decken waren durch Tauwassereintrag so stark beschädigt, dass es nur noch zurückgebaut werden konnte. Um das Erscheinungsbild des Bestands zu erhalten, musste die historische Fassade aus Betonfertigteilen an Ort und Stelle zu großen Teilen erhalten bleiben und gesichert werden. Darüber hinaus machten Brandschutzvorschriften für die Entrauchung bzw. natürliche Be- und Entlüftung ein Abrücken der Bestandsfassade vom Parkhaus erforderlich. Die Sanierung des Bauwerks erfolgte nach dem Haus-in-Haus-Konzept. Nach dieser Lösung blieben wie gefordert die Fassadenteile nach umfassender Sanierung erhalten. Das Parkhaus selbst wurde mit neuem Stahlverbundtragwerk komplett neu errichtet. Weil der Neubau im Vergleich zum Bestand aufgestockt ist, ragt seine Fassade über die denkmalgeschützte Außenwand des Bestands hinaus. Die Aufstockung sowie die Nord-, Ost- und Westfassaden wurden mit einer geschwungenen Lochblechkonstruktion vom Bestand abgehoben.

Leistung pbr AG in ARGE mit SAA Schweger Architekten Gesamtplanung

Neues Bürogebäude für pbr AG, Osnabrück grundsteinlegung im wissenschaftspark

Im WissenschaftsPark Osnabrück wurde am 10. Dezember 2018 der Grundstein für ein neues Bürogebäude der pbr AG gelegt. Mit der Errichtung des Neubaus in direkter Nähe zum bereits bestehenden Unternehmenshauptsitz wachsen die bisher auf zwei unterschiedliche Orte in Osnabrück verteilten Architekten und Ingenieure der pbr AG jetzt im WissenschaftsPark zusammen. Das neue Bürogebäude wird an der Ecke Lise-Meitner-Straße/Albert-Einstein-Straße errichtet, so dass im WissenschaftsPark eine campusartige Eingangssituation entsteht. Der städtebauliche Gedanke der Platzgestaltung vor dem InnovationsCentrum Osnabrück (ICO) wird auf diese Weise vervollständigt und ganz im Sinne der Idee des WissenschaftsParks sowohl für Studierende der angrenzenden Hochschule Osnabrück als auch für Mitarbeiter der im WissenschaftsPark ansässigen Unternehmen ein einladender Ort zur Kontemplation und Kommunikation geschaffen. Der erweiterte Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschule werden auf diese Weise erheblich begünstigt. Nicht nur über die Lage des Grundstücks in direkter Nähe zur Unternehmenszentrale, sondern insbesondere durch die Fassadengestaltung mit einem anthrazitfarbenen Klinker wird eine bereits von außen ablesbare Verbindung zwischen dem Hauptsitz an der Albert-Einstein-Straße und dem Neubau geschaffen. Durch den über zwei Geschosse reichenden, gläsernen Eingangsbereich öffnet sich der Neubau großzügig dem Quartier und schafft ein einladendes Entree.

Leistungen pbr AG Gesamtplanung

ak tu elle p r o je kte  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   61


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aktuelle projekte

Neue Adressen pbr hamburg und münchen in neuen büros

Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop spatenstich für erweiterungsbau

Die pbr Standorte Hamburg und München sind aufgrund gestiegener kapazitativer Anforderungen in neue Büroräume gezogen. Sie finden das pbr-Team in Hamburg neuerdings in den Großen Bleichen 19, nur wenige hundert Meter vom ursprünglichen Standort entfernt. Der Standort München ist seit 21. Januar 2019 in der Elsenheimerstraße 57 in München zu finden und somit näher an das Stadtzentrum herangerückt. An beiden Standorten dürfen Sie weiterhin die gewohnt hohe Qualität unserer Architektur- und Ingenieurleistungen erwarten. Die neuen Räume sind noch besser an unsere Bedürfnisse und die z. T. gesteigerten technologischen Anforderungen angepasst. Beide neuen Büros sind sehr gut mit dem PKW und den ÖPNV erreichbar. In München wählen Sie die U4/5, Haltestelle „Westendstraße“ oder über S-Bahn „Hirschgarten“ und die Buslinie 62 zur Haltestelle „Elsenheimerstraße“. Parkmöglichkeiten befinden sich in der Tiefgarage unter dem Gebäudekomplex und in der Umgebung. Das Hamburger Büro befindet sich in fußläufiger Nähe zum Jungfernstieg. Hier bietet sich die gleichnamige Haltestelle von U- und S-Bahn sowie dem Bus an. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in den neuen Büros.

Das im historischen Stadtgarten von Bottrop gelegene Josef Albers Museum Quadrat wird um einen zweigeschossigen Neubau erweitert, um dort künftig Wechselausstellungen zu zeigen und Raum für die Museumspädagogik, das Kunstdepot und die Werkstatt zu schaffen. Am 30. Oktober 2018 erfolgte im Rahmen eines Festaktes der erste Spatenstich. Die Architekturplanung erbringen die Architekten Annette Gigon / Mike Guyer aus Zürich, die pbr AG ist für die Realisierung verantwortlich. Vorabmaßnahmen haben bereits begonnen, Baustart für das Gebäude ist voraussichtlich im Sommer 2019. Bauherr ist die Stadt Bottrop, Fachbereich Immobilienwirtschaft. Das Gebäudeensemble, bestehend aus der 1913 errichteten Amtsrichtervilla und den Museumsbauten von Bernhard Küppers aus den 1970er und 80er Jahren, erfährt mit dem Neubau eine Ausdehnung nach Nordosten. Die Form, Materialisierung und Farbgebung der Erweiterung sind so gewählt, dass die Architekturen der unterschiedlichen Zeitabschnitte ablesbar bleiben und gleichwohl ein neues harmonisches Ganzes entsteht. Der neue Baukörper hat einen rechteckigen Grundriss wie die historische Villa und rückt leicht nach Südosten vor, um den Baumbestand zu schonen und auch den nordöstlichen Ausblick aus den bestehenden Räumlichkeiten frei zu lassen. Leistungen pbr AG P r o j e k t l e i t u n g , R e a l i s i e r u n g , Tr a g w e r k s p l a n u n g , Te ch n i s ch e A u s r ü s t u n g , B a u p h y s i k

62   phase 10 // pbr AG  13/ 2019  13 / 2019  aakkttuueellllee pprroojjeekkt t ee


Fraunhofer Institutsgebäude in Bremen grundsteinlegung für organischen neubau

In direkter Nähe zum aktuellen Standort des Fraunhofer-Instituts MEVIS in Bremen wurde am 5. Dezember 2018 der Grundstein für einen neuen Gebäudekomplex gelegt. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS möchte sich vergrößern und zieht aus diesem Grund voraussichtlich bis zum Herbst 2020 in den Institutsneubau ein. Die Entwurfsidee für das aus drei Baukörpern bestehende Gebäude stammt vom Bremer Architekturbüro Haslob Kruse + Partner Architekten BDA. pbr zeichnet für die Planung der technischen Ausrüstung, insbesondere der Elektro- und Fördertechnik, verantwortlich. Das Fraunhofer-Institut MEVIS entwickelt interaktive Assistenzsysteme für den klinischen Arbeitsalltag. Auf rund 2.600 m² entstehen neben klassischen Büroräumen und Flächen für die Administration und Verwaltung drei Seminarräume, unterschiedliche Labore und ein eigenes Rechenzentrum. Die Planung der Elektrotechnik erfolgt insbesondere unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze. So werden eine hochwertige EDV-Verkabelung zum Einsatz kommen und im Gebäude redundante und USV-gestützte Rechnerräume errichtet. Gleichzeitig soll eine umfangreiche Medientechnik im Konferenzraum dazu beitragen, optimale Voraussetzungen für Präsentationen, Veranstaltungen und Seminare zu bieten. Das ebenfalls durch pbr entwickelte Beleuchtungskonzept sorgt für optimale Lichtverhältnisse an den Arbeits­plätzen und in den offenen, kommunikativen Bereichen des Gebäudes.

Leistungen pbr AG Te ch n i s ch e A u s r ü s t u n g ( S t a r k s t r o m a n l a g e n , Fe r n m e l d e u n d i n f o r m a t i o n s t e ch n i s ch e A n l a g e n , Fö r d e r a n l a g e n )

Kuben zur Forschung forschungszentrum lena fertiggestellt

Das Forschungszentrum LENA Laboratory for Emerging Nanometrology der Technischen Universität Braunschweig erforscht Nanomesstechniken. Im November 2018 wurde dafür ein denkmalgeschütztes zweigeschossiges Hallengebäude mit einem angeschlossenen dreigeschossigen Neubau fertiggestellt und an die Nutzer übergeben. Die Architekturplanung geht auf einen Entwurf von Meyer Architekten und RKW Architektur + zurück. Während das Hallengebäude zu physikalischen Labor- und Messräumen umgebaut wurde, nimmt der dreigeschossige Neubau Büro- und Seminarflächen auf. Ein eingeschossiger Verbindungsgang fügt Neubau und Bestand im ersten Geschoss zusammen. Insgesamt steht im Laborgebäude eine Fläche von über 1.400 m² für Labore und Großgeräte zur Verfügung. Labore mit besonders hohen Anforderungen, z. B. für schwingungsempfindliche Nutzungen wie Hochauflösende Transmissionselektronenmikroskopie, Reinräume und Messräume mit hoher Temperaturkonstante, wurden in einem zweigeschossigen Kubus in dem Hallengebäude untergebracht. Durch diese funktionale Bündelung der Spezialräume werden die technischen Installationen in diesem Bereich verdichtet und optimiert. Die Haustechnik ist im ersten Obergeschoss der nördlichen Spange positioniert. Technische Anlagen, die aufgrund von Vibrationen Störungen im Forschungsbetrieb hätten verursachen können, wurden im Büroneubau untergebracht. Hierzu gehören u. a. eine Heliumrückgewinnung sowie die Kälte- und Drucklufterzeugung.

Leistungen pbr AG Te ch n i s ch e A u s r ü s t u n g

ak tu elle p r o je kte  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   63


Eine Chance für effizientere Gebäudeplanung kombination aus bim und vr verbessert planung komplexer bauvorhaben Autor D r. J o h a n n e s We s s e l s

Durch die Kombination aus BIM-Planung und Virtueller Rea­ lität wird die Planung für Beteiligte des Bauprozesses frühzeitig intuitiv erlebbar und gelingt eine effizientere Planung.

„Auge in Auge mit Meeresschildkröten und Hammerhaien im Net- Raumwirkung, Ästhetik, Oberflächen-Beschaffenheiten … aber tebad“ – ich gebe zu, dass ich anerkennend schmunzeln musste, auch noch vorhandene, eventuelle Planungsfehler. Alles das kann als ich die Überschrift in der Ems-Zeitung gelesen habe. Da ha- nun bereits vor dem eigentlichen Bauprozess erlebt werden. Die ben die jungen Gründer der Firma eine tolle Idee gut umgesetzt … Virtuelle Realität im Bauprozess bindet so den Bauherren stärUnter Wasser mit einer speziellen Taucherbrille versehen, schnor- ker ein und ist ein weiterer Schritt zu einem „partnerschaftlichen cheln die Gäste nun quasi auf der Stelle und die Brille projiziert Dialog“ zwischen Planer und Bauherr. eine virtuelle Welt unter Wasser direkt vor die Augen. Mit Walen, Wir nutzen diese Technik in der pbr AG – auch, wie anfangs Schildkröten und anderen exotischen Tieren. Ich werde es selbst geschildert im Bereich der Schwimmbadplanung. Dabei gehen bald ausprobieren. Es interessiert mich einfach sehr. Als etab- wir aber noch einen Schritt weiter. Gemeinsam mit dem Fraunlierter Schwimmbadplaner nutzen wir diese Technik bereits seit hofer Institut für Fabrikbetrieb- und Automatisierung, kurz IFF, in Magdeburg haben wir bereits mehrere reale Projektplanungen zwei Jahren in unseren Planungsprozessen. Nach der Umstellung der planorientierten Planung (in zwei bis drei Dimensionen, aber am dortigen „Elbedome“ visualisiert. Das IFF beschreibt seinen letztlich als „klassische Planung“ mit Plan) auf die modellorien- Elbedome auf ihrer Internetseite wie folgt. „Es handelt sich um ein ‚Mixed-Reality-Labor’ zur großflächigen Darstellung interaktierte Planung (in mindestens drei Dimensionen, aber alle Daten in einem Datenbankmodell: Building Information Modeling, kurz tiver Visualisierungen. Durch die gewaltige Dimension im VerBIM) können wir nun beliebige Ansichten, Schnitte und Darstellun- gleich zu klassischen Projektionssystemen eignet sich der Elgen aus dem Modell erzeugen. Grundlage dafür ist die Tatsache, bedome insbesondere für die Darstellung großer Objekte wie dass in dem Modell alle architektonischen, technischen, physika- zum Beispiel Maschinen, Anlagen, Fabriken oder ganzen Städlischen und funktionalen Eigenschaften und Geometrien zusam- ten im Maßstab 1:1. Die Form des Elbedome ähnelt der eines men vorliegen. In sehr kurzer Zeit besteht nun die Möglichkeit, Zylinders mit einem Durchmesser von 16 Metern und einer Höhe Darstellungen zudem zu „rendern“, also wirklichkeitsnahe Dar- von 4 Metern. Mit 360°-Wandfläche und Bodenfläche besitzt er stellungsqualitäten zu erzeugen. Ein Himmel mit Wolken, Schat- so eine Projektionsfläche von über 400 m². 25 hochmoderne ten, die realitätsnahe Darstellung echter Baustoffe, Pflanzen etc. Laserprojektoren sorgen für Bilder in höchster Qualität. Die Schärmachen aus einer reinen schwarz-weißen Strichzeichnung ein re- fentiefe und Farbdarstellung der Abbildungen übertrifft herkömmalitätsnahes „Erlebnis“. Und genau um dieses Erlebnis geht es liche Projektoren bei Weitem. Durch die Rundum-Leinwand hat bei der Virtuellen Realität. BIM-Planung ermöglicht für alle am der Betrachter den Eindruck, sich inmitten der virtuellen Welt Planungs- und Bauprozess Beteiligten die Chance, bereits in frü- zu befinden (Immersion). Für die Interaktion stehen verschiehen Planungsstadien eine virtuelle Projektbegehung durchzu- dene Möglichkeiten zur Verfügung, zum Beispiel ein Infrarotführen. Diese Begehung kann – wie im Nettebad in Osnabrück Trackingsystem und verschiedene Direct-Input-Geräte. Damit ist es – per VR-Brille durchgeführt werden. Dazu trägt der „Besucher“ einem oder mehreren Nutzern möglich, gleichzeitig mit der eine Brille und zwei Joysticks. Mit diesen kann er sich im – durch projizierten virtuellen Welt zu arbeiten.“ den Computer auf die Brille übertragenen – Gebäude quasi frei Im Unterschied zur Projektion in eine Brille (und damit in ein bewegen. Dieses verstärkte, interaktive Raumempfinden des drei- „geschlossenes System“) bietet uns der Elbedome die Möglichdimensionalen Raumes eröffnet neue Möglichkeiten. Abstände, keit einer „offenen“ Projektion im Maßstab 1:1. Durch die oben in

64   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  vi r t u e l l e r e a l i t ä t ( v r ) u n d b u ild ing ­info r m at i o n m o d el ing (b i m )


Virtuelles Erlebnis Im Elbedome ist das virtuelle Gebäudemodell im Raum f ü r m e h r e r e Pe r s o n e n g l e i ch z e i t i g z u m G r e i fe n n a h .

der Domkuppel angebrachten Laserprojektoren wird das Bild in den pbr AG die virtuelle Realität als echten Mehrwert bei Planungs- und Raum projiziert und wird noch „empfind- und erlebbarer“ dargestellt. Bauprozessen. Das wurde uns vielfach auch von unseren Kunden bestätigt. Durch die Kombination aus BIM-Planung und Virtueller ReWir hatten in diesem Jahr die Möglichkeit, gemeinsam mit dem ZDF dort einen kleinen Beitrag zu drehen und hatten zu diesem Zweck alität gelingt nicht nur eine effizientere Planung – diese kann auch ein geplantes Schwimmbad für den Einsatz aufbereitet. Es war fan- bereits zu einem frühen Zeitpunkt für die an der Planung beteiligtastisch und wirkte in der Projektion sehr echt. Unser Dank gilt hier ten Partner und den Bauherren intuitiv erlebbar werden. Zukünftig besonders Dipl.-Ing. Steffen Masik, dem Leiter der Geschäftsstelle werden wir daher in unseren Projekten vermehrt auf diese Form der Elbedome. Herr Masik hatte zur Projektion des Schwimmbades so- „immersiven Planungsbesprechung“ zurückgreifen, da sich Fehler regar eine passende akustische Geräuschkulisse hinterlegt. Die Redak- duzieren und so Kosten sparen lassen. teurin und das Kamerateam des ZDF waren begeistert und hatten Für den Bauherren hat die Kombination aus BIM-Planung und v. a. bei der Begehung des 3-m-Sprungturms vorne auf dem (virtuel- Virtueller Realität auch über den Einzug hinaus entscheidende Vorlen) Brett durchaus „echte Gefühle“. Die Darstellung von bewegtem teile im gesamten Lebenszyklus seiner Immobilie. Es ergeben sich Wasser im Becken, Licht durch die einfallenden Fenster und der Un- hier vollkommen neue Möglichkeiten für das Facility Management terwasserbeleuchtung, kombiniert mit einer passenden Geräusch- im Bereich der Instandhaltung und bei möglichen späteren Umbaukulisse rundeten das visuell-akustische Erlebnis ab. Leider lassen maßnahmen. Ein echter Mehrwert! sich diese 3D-Erlebnisse gar nicht auf die klassischen 2D-Printmedien und bisher nur mit großem Aufwand auf die digitale FernsehVideobeitrag von ZDF h tt p s : / / w w w. z d f. d e / n a ch r i ch t e n / h e u t e - p l u s / v i d e o s / technik übertragen. Aber auch hier sehen wir große Fortschritte, ob v i r t u e l l e - m a s ch i n e n - s t a tt - t e u r e m - s t a h l - 10 0 . h t m l 3D-Kino oder neueste Fernseh- und Produktionstechnik (4K in 3D) … es wird bald auch den Heimbereich erreicht haben. L i n k z u r We b s i t e d e s E l b e d o m e s h tt p s : / / w w w. i ff. f r a u n h o fe r. d e / d e / u e b e r- f r a u n h o fe r- i ff / Unsere persönlichen Erwartungen im zweiten Jahr konkreter labore/elbe-dom.html Arbeit mit dieser Technik wurden mehr als erfüllt. Wir sehen in der

vi r t u e l l e r ea l itä t ( vr ) u nd b u i ld i ng ­info r m at i o n m o d el ing (b i m )  phase 10 // pbr AG  13 / 2019   65


Konflikte managen mediation im pbr

Wenn zwei sich streiten, kann ein Dritter Hilfestellung leisten und im Rahmen einer Mediation dazu beitragen, einen Konflikt kon­struktiv beizulegen. Die Vorteile, die eine Mediation bietet, hat auch pbr erkannt und bildet deshalb ausgewählte Mitarbeiter zu Mediatoren aus. Bei Bedarf helfen sie, interne Spannungen zu lösen, können aber auch darauf hinwirken, dass externe Konflikte eine außergerichtliche Einigung erfahren. Insbesondere für Unternehmen, deren Mitarbeiter sich häufig in konfliktbehafteten Situationen befinden, bietet es sich an, ein Konfliktmanagementsystem (KMS) einzuführen. Auch die pbr AG erarbeitet derzeit ein individuell auf das Unternehmen zugeschnittenes Konzept, das als Basis für eine strukturierte Herangehensweise an einen Disput dienen soll. Wichtige Bestandteile eines KMS sind u. a. der Conflict-Management-Codex, eine freiwillige Selbstverpflichtung der Geschäftsleitung zur außergerichtlichen Streitbeilegung, sowie Mediationsklauseln in Bau- oder Honorarverträgen und Schulungsange-

66   phase 10 // pbr AG  13 / 2019  m e d i at i o n i m p b r

bote im Bereich Kommunikation und Konfliktprävention. Je eher das Konfliktpotential einer Situation erkannt wird und die Einleitung der erforderlichen Maßnahmen erfolgt, desto besser. Grundvoraussetzung für eine Übereinkunft ist dabei stets die Bereitschaft beider Parteien zur Einigung. Die Aufgabe des Mediators besteht während der Vermittlung insbesondere darin, die Konfliktparteien durch die verschiedenen Phasen der Mediation zu begleiten, indem er sich verschiedener Techniken, wie der Verhandlung nach dem ­Harvard-Konzept, dem aktiven Zuhören, der positiven Handlungssprache, Frage- und Kreativtechniken sowie dem Perspektivwechsel bedient. Außerdem dokumentiert er die Ergebnisse der Mediation. Zur Erprobung der Mediationstechniken in der pbr AG und zur Information interessierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besteht das Angebot, an einem Übungsfall teilzunehmen oder einen realen Konflikt im Rahmen einer Mediation zu behandeln. Ansprechpartner in der pbr AG ist Michael Riedel, zertifizierter Bau-Mediator (ZMediatAusbV).


Herausgeber:

Redaktion Christoph Bierschenk, Guido Fehren, Janine Dierker, Hermann Kuhl, Hartmut Lückemeyer, Daniel ­Waltermann Kontakt zur Redaktion phase10 @ pbr.de

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Willian Justen de Vasconcellos/unsplash, www.unsplash.com: Seite10 4 [e] motions, www.4-emotions.de: Seite 6, 60 Konzeption, Text, Layout, Grafik und Satz Kuhl|Frenzel Agentur für Kommunikation, Osnabrück Schrift Linotype Univers (diverse Schnitte) von Adrian Frutiger Papier Innen: 115 g/qm ProfiBulk 1.3 Umschlag: 150 g/qm ProfiBulk 1.3 Druck Günter Druck, Georgsmarienhütte Auflage 3.500 Exemplare Verteilung an Kunden, Freunde und Mitarbeiter Urheberrecht Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge und ­Abbildungen sind ur­heberrechtlich geschützt. Jede urheber­rechtswidrige Verwertung ist ohne Zustimmung der Rechteinhaber unzulässig. Der Herausgeber übernimmt keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben in diesem Magazin. Namentlich gezeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers wieder, nicht unbedingt auch die der ­Redaktion. phase 10 erscheint 2 x jährlich. Sie können phase 10 kostenlos abonnieren. Bisher veröffentlichte Ausgaben in digitaler Form finden sie auf http://issuu.com/pbr_ag. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos übernehmen wir keine Haftung. phase 10 wurde 2014 mit einem Iconic Award „Winner“ in der Rubrik Communication / B2B Communication ausgezeichnet.

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phase 10 - Ausgabe 13/2019  

Baukörperkultur - Schwerpunkt Schwimmbad

phase 10 - Ausgabe 13/2019  

Baukörperkultur - Schwerpunkt Schwimmbad

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