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kostenlos . nr 12 . oktober 2012 . paul-lesen.de


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inhalt.Oktober 2012 06

carsharing passau. einer für Alle und alle mit eiNem.

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wenn wasser und wein aufeinander treffen.

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die ärzte - das come back.

eine nacht als döner frau.

sportmomente 5 Yves eigenrauch findet den uefa-pokal schön.

traumwohnung ge sucht!

von der lufthansade cke bis zur ersten gruppenartbeit auf québecois!

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helden unserer kindheit.

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DIY - der trend des selbstgemachten.

wirtschaft zum mit machen.

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tradition, gemeinschaft, vorurteile.

paul.gastrokritik, loungerie.

paul.sneakpreview: „looper“ und „Vatertag - opa über nacht“

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paul.buchtipp: „fischblut“ ein niederbayern krimi

51 Herausgeber:

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paul.Verlag

Thomas Raab

Thomas Raab

Max Philipp Brüchmann

Thomas Raab & Martin

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Thomas Raab Auflage: 8.000

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paul.passau 4


laura

thomas

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Einer für Alle und Alle mit Einem Carsharing in Passau Passau. Traumhafte Altstadt, einst aus einer keltischen Siedlung entstanden und bereits über 1200 Jahre alt. Kopfsteinpflaster, Historische Gebäude, FuSSgänger und Radfahrer, die unter der Aufsicht der hoheitlichen Veste ihrem Treiben nachgehen. So könnte die Stadt in den Augen der Touristen sicherlich auch noch heute aussehen. Doch ein Beteiligter fehlt in diesem Bild: das Auto.

Autor: Katharina Bertram Fotos: Max philipp Brüchmann

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Dass Parkplätze in Passau, besonders in der Altstadt, etwa so selten sind wie ein Pinguin in der Wüste, weiß jeder, der ein Auto hat. Doch in manchen Situationen sind die vierrädrigen Gefährten ziemlich nützlich. Wenn man zum Beispiel mal nicht den tonnenschweren Aldi-Einkauf gefühlte sechs Kilometer den Berg herab nach Hause schleppen oder im Sommer noch in einem körperlichen Zustand, der nicht dem nahen Tod durch Schweißfluss ähnelt, einen der Badeseen erreichen möchte. Aber ein Auto, ein gemieteter Stellplatz, Versicherungen und die wahnwitzigen Benzinpreise sind einfach zu viel für studentische Geldbeutel. Daher gibt es jetzt eine Lösung für alle Gelegenheitsautofahrer: Carsharing. Carsharing ist ein Konzept, bei dem sich mehrere Menschen ein Fahrzeug teilen. Dabei läuft die Versicherung und Verbuchung über ein institutionalisiertes Organ, in Passau ist das der Verein Carsharing Passau. Lohnen tut sich das geteilte Auto für alle, die weniger als 10.000 km im Jahr fahren. Wer zum Beispiel einmal für eine Stunde in zehn Kilometern Umkreis zum Einkaufen das Auto nehmen möchte, bezahlt beim Carsharing 5,10 €. Damit ist man schon fast so günstig dabei wie mit dem Bus (3,40 €) und der fährt meist nicht vor die Haustür. Ein weiterer Grund für die Initiative sei laut erstem Vorsitzenden Boris Burkert aber auch die Umwelt.

„Wir wollen damit auch ein Umweltbewusstes Autofahren fördern und hoffen, dass in Zukunft die Altstadt wieder freier von Autos wird.“ Am 14.09. startete Carsharing Passau den Betrieb und hat aktuell 10 Nutzermitglieder. Die Resonanz der Stadt war ausschließlich positiv. Alle Bürgermeister sprachen sich für das neue Konzept aus. Das Auto, das man momentan nutzen kann, ist ein neuer Toyota Yaris mit Klimaanlage, Rückfahrkamera, Freisprecheinrichtung und sogar einer Anhängerkupplung. Es ist also auch für kleinere Möbelkäufe eine günstige Transportmöglichkeit. Ein weiteres Auto ist zudem schon in Planung. Es wird in der Grünaustraße am Bahnhof stehen. Der Yaris hat seinen festen Stellplatz direkt vor dem neuen Rathaus am Rathausplatz 2, den man garantiert immer nutzen kann, also erspart man sich langes Parkplatzsuchen. Interessant auch gerade für Studenten: Wer in einem Carsharing Verein Mitglied ist, kann auch in anderen Städten Carsharing Autos nutzen! Bamberg und Freising gehören beispielsweise zu den Städten, die schon seit 20 Jahren „Sharing Cars“ haben. Wie genau das Prinzip funktioniert, seht Ihr auf den nächsten Seiten. Aber noch einen paul. Geheimtipp: Momentan gibt es sechs freie Testwochen. Wer das also einfach mal ausprobieren möchte, kann sich auch spontan per App (siehe carsharing-passau. de) den Wagen buchen und ab geht die Fahrt!

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how to do carsharing paul. fotoserie

on , Telef p p A r e 1. Üb rnet Auto bu te oder In chen.

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huhfach neh-

aus dem Handsc 4. Autoschlüssel men.

2. Auto mit persönlic schließen

5. Und ab geht die F


cher Carsharingkarte au

Fahrt.

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6. Aber vorh er noch die Umgebung c cken... heFotos: Max Philipp Br端chmann

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text & Foto: simone liegl

wenn wein und wasser aufeinander treffen

„Super gespielt! Zeig’s ihnen nur!“ ertönt es vom Seitenrand. Ein Schmunzeln erfüllt die schweiSSnassen Gesichter der beiden jungen Studentinnen im Feld. Die Reaktion auf der anderen Seite des Netzes ist ein leicht gequältes Grinsen, ehe der Federball vom Boden aufgehoben wird - der nächste Ballwechsel beginnt. Rund zwei Dutzend Mal wiederholt sich das Geschehen, bis das Spiel vorbei ist.

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nicht einmal Passau hat einen eigenen Verein. Deshalb finden auch immer mehr Studenten der Universität den Weg nach Obernzell.

Mit einem leisen „Plumps“ lässt sich Rudi auf einen der Stühle am Spielfeldrand fallen, wischt sich den Schweiß von der Stirn und greift wie sein Doppelpartner nach dem Becher Wein. Die beiden Frauen werfen sich einen amüsierten Blick zu und nehmen einen Schluck aus der Wasserflasche. Um sie herum sind das Quietschen von Turnschuhen auf dem Hallenboden und das Aufprallen des Federballes auf dem Schläger zu hören. Darunter mischt sich ein Sammelsurium aus Reden, Lachen und Rufen von den übrigen Anwesenden. Ort des Geschehens ist die kleine und dunkle Schulturnhalle von Obernzell, circa 20 Kilometer östlich von Passau gelegen. Mit seinen knapp 4000 Einwohnern kann die idyllisch an der Donau gelegene Ortschaft mit einem eigenen Badminton- Club aufwarten. Erstaunlich, denn

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Stattliche 79 Mitglieder weist der BC GrünWeiß auf; im wöchentlichen Training sind davon zum Glück nie alle da. Denn bei drei vorhandenen Feldern können nur zwölf Spieler gleichzeitig ihr Können zeigen. Die Stuhlreihe am Rand ist jedoch nahezu immer gut besetzt, dort spielt sich jeden Montagabend das Vereinsleben ab. Es kann passieren, dass das Badminton in den Hintergrund gerät, wenn über das Leben in Passau und Umgebung philosophiert oder der ein oder andere Geburtstag gefeiert wird. Eine Flasche Wein gehört da selbstverständlich dazu. Um dieser einen Hauch von Sportlichkeit zu verleihen, spielen vier Herren nahezu wöchentlich ein Doppel gegeneinander. Die Verlierer haben dann jeweils die Ehre, den edlen Tropfen zu spenden. Einer der vier ist Rudi; mit seinen jungen 65 Jahren ist er das älteste Mitglied – mit einem stolzen Altersunterschied von 63 Jahren zu Anna, der Jüngsten im Verein. Es steht fest: Jung und Alt sind vereint. Aber auch Entfernungen spielen für den BC GrünWeiß keine Rolle. Selbst aus München reisen Spieler an, um für den kleinen Verein an den Start zu gehen. Denn der Club hat trotz der geringen Größe zwei Mannschaften zu je vier Männern und zwei Frauen, die sich in Niederbayern und der Oberpfalz der Konkurrenz stellen. Und dabei schlagen sie sich gar nicht schlecht. Die erste Mannschaft hält sich im oberen Mit-


telfeld der Bezirksliga; die zweite dient der Talentförderung des jugendlichen Nachwuchses in der untersten Klasse. Nichtsdestotrotz steht der Spaß im Vordergrund. So erzählt die 16- jährige Katharina lachend, dass sie beim Turnier in Regensburg am Wochenende Letzte geworden seien: „Aber immerhin haben wir einen Trostpreis gewonnen.“ Doch es gibt nicht nur Niederlagen. Beim Pokalturnier, das der BC seit 31 Jahren veranstaltet, dürfen die Spieler den einen oder anderen Pokal die wenigen Meter nach Hause tragen. Das international besetzte Turnier mit Gästen aus Tschechien und Österreich dauert zwei Tage. Abends werden Obstler und Becherovka ausgetauscht, während man sich mit Händen und Füßen Anekdoten „erzählt“.

Für eine solche ist Klaus immer zu haben. Als Vorstand zählt er zum Inventar und hat immer einen flotten, oft derben Spruch auf Lager. Niederbayerischer Humor, an den man sich gewöhnen muss. Kurze Stille, gefolgt von einem lauten Lachen: Klaus hat einen Witz erzählt. Mit einem Kopfschütteln und einem empörten „Klaus!“ wird er von einer der Studentinnen ermahnt, ehe auch sie in Lachen ausbricht. Ansonsten ist es heute still in der Halle, kein Surren der Schläger ist zu hören. Es hat gefühlte 40 Grad Celsius - da ist es selbst den Badminton- Spielern in Obernzell zu heiß. Vielleicht ja nächste Woche wieder. ..

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traumwohnu Eigentlich habe ich mir meine Semesterferien irgendwie anders vorgestellt. Bei 30 Grad im Schatten h채tte ich viel lieber im Schwimmbad gefaulenzt. Stattdessen saSS ich in der auf 15 Grad runterklimatisierten Regional-Bahn nach Passau. Text & Zeichnungen: irina Schroll

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Richtung Autobahn und noch viel weiter, irgendwo zwischen einer Kuh- und einer Schafweide, liegt Passau Neustift. Dort nenne ich momentan noch ein kleines 1-Zimmer-Appartement in einem Privathaus mein Eigen. Mit der Wohnung an sich bin ich auch recht zufrieden. Nach einem Semester allerdings, das ich mehr im Bus als in der Bib verbracht habe, musste ich leider feststellen, dass die Lage ziemlich ungünstig ist. Nachdem ich bei der Wohnungssuche nach einer zentrums- und uni-nahen Bleibe am Ende des letzten Sommersemesters erfolglos blieb, wagte ich mitten in den Ferien einen neuen Versuch und wollte mir meine Traumwohnung auf jeden Fall noch vor dem Wintersemester-Ansturm sichern. Leichter gesagt, als getan. Mit großen Erwartungen kam ich am Objekt an, dass ich ein paar Tage zuvor auf wg-gesucht.de erspäht hatte. Die Lage war top, das Haus von außen auch ganz okay. Nur das Wichtigste, die Wohnung, entpuppte sich leider als Supergau. Vom Wohnzimmer durch das schimmlige Bad, kam man ins Schlafzimmer, das ohne Fenster eher einer Abstellkammer glich. Den einzigen Lichtblick dort bot eine Luke zum Hausflur hinaus. Dazu kamen die hohen Nebenkosten, die in der Wohnungsbeschreibung irgendwie unterschlagen wurden. Enttäuscht machte ich mich auf die lange Heimreise…

ung gesucht! Ich fühlte mich wie in einem Karussell auf der Maidult: „Uuund auf geht’s, neue Runde, noch mehr Spaaaß!“. Die Sucherei wollte einfach kein Ende nehmen. Durchstöbert hab ich alle möglichen Internetseiten: wg-gesucht.de, studenten-wg.de oder immoscout24.de, immowelt.de. Die PNP hab ich durchgeblättert. Ja sogar das schwarze Brett in der Uni habe ich wie das Display meines Handys gehütet, als ob ich eine wichtige Benachrichtigung erwarten

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würde. Letztendlich besichtigte ich bestimmt 20 Wohnungen! Von 18 bis 55m², von der 1-ZimmerWohnung bis zur WG, von der Neuen Mitte bis zur Ortsspitze…es war alles dabei – nur leider eben nichts für mich. Die eine war zu klein, die andere zu teuer, bei der einen hat die Aufteilung nicht gepasst, bei der anderen war die Lage wieder nicht optimal. Also entweder ich stell mich unglaublich blöd an oder ich hab einfach nur Pech!? Meine Mutter sagt immer, alles sei vom Schicksal vorherbestimmt. Mittlerweile bin ich derselben Meinung, denn als ich schon fast in meiner Verzweiflung erstickt bin, kam die rettende Nachricht von einer alten Freundin über Facebook: „Hey Irina. Ich werde kommendes Semester mein Studium in Passau beginnen. Suche noch eine Wohnung. Lust, eine WG zu gründen?“ Ich war sofort Feuer und Flamme. So vereinbarten wir mehrere Besichtigungstermine für WG-taugliche Wohnungen, die wir zwei Tage später wieder absagen mussten. Die besagte Freundin ist zwischenzeitlich nämlich fündig geworden und hat sich unsterblich in ein WG-Zimmer zur Zwischenmiete verliebt. Das konnte ich ihr natürlich nicht übel nehmen. Aber hey, unsere WG-Planung steht! Zum nächsten Sommersemester ziehen wir zusammen. Bis dahin schnuppere ich einfach noch ein bisschen Landluft, die soll ja bekanntlich gesund sein… Also liebe Ersti‘s: nicht gleich aufgeben, falls ihr eure Traumwohnung noch nicht gefunden habt! Am Ende fügt sich alles dem Schicksal ;-) Falls ihr die Wohnungssuche allerdings doch lieber selbst in die Hand nehmen wollt, gibt es hier noch ein paar nützliche Tipps für euch!

Tipps zur Wohnungssuche 1. Angebote suchen - Im Internet: - www.wg-gesucht.de - www.studenten-wg.de - www.immoscout24.de - www.immowelt.de - und vieles mehr ... - In der Zeitung (Passauer Neue Presse) - Auf dem schwarzen Brett in der Uni - Auf dem schwarzen Brett im REWE (Neue Mitte) - Mundpropaganda Wenn möglich, die Wohnungssuche nicht gerade unmittelbar zu Semesterbeginn aufnehmen.

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2. Traumwohnung gefunden? Sofort (bestenfalls noch am selben Tag) den Vermieter kontaktieren und Besichtigungstermin ausmachen! Auf keinen Fall länger warten…

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Darüber solltet ihr euch vor der Vereinbarung einer Besichtigung im Klaren sein: - Die Uni liegt ziemlich zentral, bevorzugte Stadtteile für die Woh nungssuche sind also: Innstadt, Altstadt und Haidenhof-Süd (die Wohnung sollte so liegen, dass ihr alles bequem zu Fuß oder auf dem Fahrrad erreichen könnt und nicht auf den Bus angewiesen seid. Die Busverbindungen in Passau sind nämlich eher suboptimal…) - Der Strom ist bei den meisten Wohnungen nicht in den Nebenkosten enthalten! Es fallen also neben der Warmiete noch zusätzliche Stromkosten an (Vorsicht bei Altstadt-Wohnungen! Nebenkosten hier meist ziemlich höher, da es sich überwiegend um Altbauten handelt.)

3. Unterschreiben des Mietvertrages. Wenn möglich darauf achten, dass es sich um unbefristetes Wohnen handelt. So kann man nach Belieben und Einhalten der Kündigungsfrist (in den meisten Fällen zwei Monate) wieder ausziehen.

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Viel Erfolg bei der Wohnungssuche!

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Von der Lufthansadecke bis zur ersten Gruppenarbeit auf Québe Seit meinem ersten Tag hier in der französischen Stadt Québec im Osten von Kanada ist viel passiert. Insgesamt werde ich hier vier Monate verbringen und habe jetzt schon so einiges erlebt. Die vergangenen fünf Wochen, kommen mir vor, als wären sie im Flug vergangen Text & foto: laura trinkl

Angefangen hat alles mit der ersten Nacht in einem leeren Wohnheimzimmer unter einer dünnen Lufthansadecke aus dem Flugzeug. Dazu kam der Jetlag, dank dessen ich in den ersten Tagen pünktlich um 21 Uhr jeden Abend so müde wurde, dass ich quasi ins Bett musste und um 6 Uhr in der Früh von selbst wieder aufwachte. Nach mehreren Tagen war der Jetlag zum Glück auch passé. Das Heimweh blieb allerdings noch etwas länger, erst

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r ecois!

nach etwa zwei Wochen fühlte ich mich hier richtig angekommen. Aber am Anfang war das Gefühl schon komisch von nun an mehrere Monate auf einem fremden Kontinent zu verbringen. Doch zunächst gab es viel zu organisieren, ich musste mich bei der Uni anmelden, bekam alle möglichen Unterlagen und nahm an Infoveranstaltungen für Austauschstudenten teil. Dort wurde beispielsweise das kanadische Notensystem erklärt und der Uni-Mitarbeiter riet uns in der freien Woche Anfang November wegzufahren. Denn als Austauschstudent solle man lieber was von der Gegend erleben, als zu viel zu lernen. Die anderen Studenten, die hier auch auf dem Campus wohnen, sind zumeist Austauschstudenten, ein Großteil davon aus Frankreich. So wurde ich direkt von Beginn an gezwungen Französisch zu reden und knüpfte schnell Kontakte. Der Campus, auf dem auch die vier Wohnheime verteilt sind, ist riesig, fast so groß wie eine Kleinstadt. Er liegt etwa 20 Minuten mit dem Bus von der Stadt Québec entfernt. Der ganze Campus ist untertunnelt, wenn es also im Winter kalt wird, gelangt man problemlos von einem Gebäude zum Anderen ohne zu frieren. Und da der Winter, beziehungsweise der Herbst in Kanada bekanntlich schnell kommt, benutzte ich den Tunnel schon einige Male. Denn bereits jetzt, Ende September ist es in der Früh ziemlich kalt und es bläst immer ein frischer Wind. Langsam färben sich hier die Blätter in wunderschönen Orange-, Gelb- und Rottönen, der sogenannte Indian Summer kommt! Und der ist hier für mich wirklich eine Besonderheit, denn in Deutschland bekommt man selten solche prachtvollen Farben an den Bäumen zu sehen. Die Stadt Québec gliedert sich in eine „Basse-„ und „Haute-„ Ville, bei einem Stadtbesuch muss man also jedes Mal Hügel oder Treppen hochlaufen. Vom Äußeren ist sie eine Mischung aus einer europäischen und einer amerikanischen Stadt, etwas bizarr, aber auch gleichzeitig sehr schön. Vom „Château Fontenac“, dem Wahrzeichen der Stadt hat man einen herrlichen Blick auf den Sankt Lorenz Strom. Im Moment bekomme ich leider von der Umgebung Québec‘s noch nicht so viel mit, denn die Uni hat vor zwei Wochen begonnen und seitdem komme ich kaum hinterher mit Lesen und Arbeiten abgeben. Die Vorlesungen sind hier generell immer drei Stunden lang, es gibt zwei Prüfungen in der Session und ständig irgendwelche Abgabefristen. Außerdem kämpfe ich noch mit meinen zwei Gruppenarbeiten, denn ich verstehe einfach die Studenten und ihren Québecois-Akzent nicht. Aber um den entschlüsseln zu können, habe ich ja noch die nächsten drei Monate Zeit.

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mitmachen „Konjunktur“ und „Börse“ - zwei Wörter, bei denen so manchem Nicht-BWLer erst einmal ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Trockene Vorlesungen und hektische, stressgeplagte Makler an einer überfüllten Börse gehören zu den Vorstellungen, die Ottonormalverbraucher dazu durch den Kopf schieSSen. Doch das Projekt „Konjunkturbörse“ der Universität Passau zeigt, dass Wirtschaft auch SpaSS machen kann. Text: Verena Braun fotos: verena braun, Konjunkturbörse Wächst das BIP? Fällt es? Was könnte Einfluss darauf haben und wie weit reicht dieser? Fragen, die es bei der Konjunkturbörse zu beantworten gilt, ob nun mit Köpfchen oder aus dem Bauch heraus. Denn das ist das Ziel der Börse: das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der einzelnen Quartale 2012 möglichst genau im Vergleich zu denen des Vorjahrs zu schätzen. Klingt komisch, ist es aber nicht: das 1. Quartal ist vorüber. Und tatsächlich schafften die teilnehmenden Studenten es einen der genauesten Schätzwerte bundesweit abzugeben - sie lagen sogar näher an der Realität als so manche renommierte Einrichtung. Laut dem Statistischen Bundesamt lag das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr bei 1,7%. Auf 1,6% tippte die Konjunkturbörse. Das Geheimnis des guten Ergebnisses? Schwarmintelligenz. „Wir wollen möglichst unterschiedliche Leute anziehen, mit möglichst unterschiedlichen Meinungen und unterschiedlichem Hintergrund“, erklärt Ferdinand von Fumetti, ein BWL-Student, der am Projekt mitwirkt. Ein Informatiker denkt in anderen Windungen als ein Geisteswissenschaftler und die Rädchen im Kopf eines Juristen drehen sich wiederum anders. Der Querschnitt all dieser verschie-

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denen Ansichten und Tendenzen, so der Grundgedanke, soll ein exakteres Ergebnis liefern als das von rein wirtschaftswissenschaftlich kalkulierenden Experten. Diese These scheint sich in der Tat im 1. Quartal bestätigt zu haben. Und das Schöne ist: jeder Student der Universität Passau kann fröhlich mitraten und obendrein sogar noch was gewinnen. Dazu handelt er an der Online-Börse mit sogenannten „Kontrakten“ und kauft oder verkauft sie für fiktives Geld, ähnlich wie Aktien. Die Schätzung findet dabei in Form des Preises der Kontrakte statt. Das heißt: 15ct Kontraktpreis bedeuten übersetzt die Schätzung 1,5% Wachstum. Der Kurs für die Kontrakte, auf den sich der virtuelle Markt einpendelt, spiegelt letztendlich den gemeinsam geschätzten BIP wider. Pro Quartal werden dabei 500€, die von der IHK gesponsert sind, an mehrere ausgeloste Teilnehmende ausgezahlt; sie erhalten ihren an der Konjunkturbörse erhandelten Gewinn dann in Euro. Auf die Beine gestellt wurde das Projekt von vier BWL-Studenten und zwei Professoren, Wirtschaftstheoretiker Prof. Dr. Graf Lambsdorff und Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Scholz. In der Hand der Studenten-Gruppe liegen dabei vor allem das Marketing und die Betreuung der Börse. Auch ihnen macht ihre Arbeit Spaß: „Wir können einfach das, was wir uns ausgedacht haben, wirklich realisieren“, so Jennifer McNeilly, einzige Frau der Gruppe. Das werden die Vier auch in einem Jahr noch tun können, sollte ihr Projekt weiter auf der Erfolgsgeraden bleiben: dann würde die Konjunkturbörse nämlich bundesweit an Universitäten aktiv werden. „Aber das hängt auch ganz davon ab, wie viel Sponsoren generiert können“, räumt Ferdinand ein. Ein bisschen ungewiss bleibt die Zukunft also doch, trotz aller Schätzungen und Prognosen. Aber vielleicht ist gerade diese Tatsache das Salz in der Suppe: eine Prise Spannung, ein wenig Neugier und eine Fingerspitze voller Fragezeichen, die es zu beantworten gilt.

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Tradition, Gemeinscheinschaf Die katholische Deutsche Studentenverbindung Oeno Danubia Passau

„´ScheiSS Nazi!´ wurde mir einmal hinterher gerufen als ich mein Band trug. Das war schon heftig. Aber mit solchen Vorurteilen haben wir immer mal wieder zu kämpfen.“ erzählt die freundliche Stimme eines 26-jährigen Burschen der Oeno Danubia Passau. text&Fotos: Katharina Bertram

Philipp ist seit einem Monat Bursch. Davor war er zwei Semester lang Fuchs, wie jeder, der einer Verbindung neu beitreten will. Er ist, wie die meisten, über Freunde zur Verbindung gekommen.Fuchs sein, heißt in der Probephase sein. Man hat weniger Rechte im Verbindungsleben und mehr Aufgaben. „Es geht darum herauszufinden, wie jemand ist und ob er zur Verbindung passt.“ erklärt Philipp. „Da muss man dann schon ´mal am nächsten Morgen nach der Party das Klo putzen und häufiger das Verbindungshaus aufräumen. Aber so fängt eben jeder an.“ Stimmrecht hat man auch nur eingeschränkt auf den Conventen, den Mitgliederversammlungen. Alles, was dort besprochen wird, unterliegt absoluter Geheimhaltung. „Das bedeutet auch, dass ich mich dort mit meinen Problemen anvertrauen kann und nicht Angst haben muss, dass es am nächsten Tag ganz Passau weiß.“ sagt ein junger Fuchs.

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ft, Vorurteile Religio (die Bekennung zum katholischen Glauben), Amicitia (die freundschaftliche Gemeinschaft), Scientia (ein wissenschaftliches Interesse und erfolgreiches Studium) und Patria (Einsetzen für Recht, Freiheit, Toleranz und das Vaterland). Diese Werte sind die Grundpfeiler der Oeno Danubia und bestimmen auch die integrative Gemeinschaft.

„Bei uns sind eigentlich alle Studiengänge vertreten. Von Kulturwissenschaftler bis Jurist ist alles dabei.“ erklärt Philipp.

Bei der Verbindung geht es aber auch um die Wahrung alter Werte und Traditionen. „Wenn man sich daneben benimmt, wird es einem dann eben auf der nächsten Versammlung von den anderen Bundesbrüdern gesagt.“ Dadurch lerne man sich und die Regeln über die Zeit sehr gut kennen. „Einige haben zum Beispiel in ihrem Elternhaus nicht unbedingt die besten Tischmanieren beigebracht bekommen. So etwas lernt man dann hier auch.“ sagt ein weiterer Fuchs. Die Oeno Danubia ist nicht schlagend. Das bedeutet, sie trägt keine Mensuren (traditionelle Fechtkämpfe) mit anderen Verbindungen aus. Sie gehört zum Cartellverband katholischer deutscher Studentenverbindungen, einem Dachverband mit 126 Mitgliedsverbindungen und baut auf vier Grundprinzipien auf, welche die Werte und Verhaltensregeln im so genannten Comment (frz. „Wie“) festlegen.

Aber nicht nur um gute Tischmanieren geht es bei der Verbindung, sie ist für viele der Mitglieder eine zweite Familie. „Wenn ich dann einmal in zehn Jahren zurück nach Passau komme, muss ich mir nie Gedanken machen: Wo schlafe ich? Wen kann ich treffen? Da ist dann die Verbindung die einen auffängt und mindestens zehn Schlafplätze hat. Das finde ich einfach schön.“ erklärt der junge Fuchs.

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Generationen vereinen, auch das gehört dazu. Dabei spielen auch Beziehungen, die hilfreich für die Karriere sind, eine große Rolle. „Sicher ist das ein Vorteil, aber es ist kein unbedingter Grund beizutreten. Es geht eben um den Rückhalt und die Verpflichtung fürs Leben.“ sagt Philipp. Vor kurzem war beispielweise der Passauer Bischof auf dem Verbindungshaus. Auch er ist ein Bundesbruder der Oeno Danubia. `Es war toll, sich mit ihm auf eine lockere Weise unterhalten zu können, obwohl der Alterstunterschied recht groß ist. ´sagt ein anderer Bursch. Wer einer Verbindung beitritt, tut dies automatisch für den Rest seines Lebens. Das sogenannte Lebensbundprinzip ist eines der wenigen Merkmale, die bei allen Verbindungen gleich sind. Ansonsten sind die Verhaltensregeln und Prinzipien der Verbindungen, Burschenschaften und Corps sehr unterschiedlich. So kommt es oft zu Vorurteilen, da von einem Einzelfall auf alle geschlossen wird. Philipp ist sich jedenfalls sicher, dass die Oeno Danubia für ihn die richtige Entscheidung war. Er ist auch für die Verbindung zum Katholizismus konvertiert. Mitglieder müssen, um aufgenommen werden zu können, katholisch, in Passau immatrikuliert und männlich sein. Frauen gehören nach dem traditionellen Geschlechterrollenverständnis nicht in eine Verbindung.

„Ich finde das nicht diskriminierend. Es gibt auch Frauenverbindungen.

Aber ich denke, Frauen müssen nicht unbedingt dabei sein, wenn die Burschen von Kneipe zu Kneipe ziehen.“ Auf die Frage nach Nachteilen sind sich die Burschen einig: „Es ist natürlich zeitaufwändig. Aber für mich ist das Zeit, die ich gerne investiere und ich fühle mich hier wirklich Zuhause.“

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gastrokritik Folgt man der LudwigstraSSe durch die FuSSgängerzone in die Passauer Innenstadt führt der Weg an der „Loungerie“ vorbei. Das Ecklokal im Heuwinkel sieht von auSSen recht unscheinbar aus. Aber wenn es die Temperaturen erlauben, dann weitet sich die Ladenfläche auch nach drauSSen aus, bis unter den alten Baum auf der anderen Seite der FuSSgängerzone, und so wird man unwillkürlich auf den gastronomischen Service aufmerksam. Auch innen ist die Einrichtung zurückhaltend, umso mehr wird das Essen hier in den Vordergrund gerückt. Da legt auch der Inhaber Evzen Rank gerne selbst in der Küche mit Hand an. Diese ist an eine Theke aus Backstein angeschlossen, die dem Raum einen tollen Charme verleiht. Die Karte ist übersichtlich, erfüllt aber alle Wünsche: Man hat die Qual der Wahl zwischen vegetarischen Angeboten wie leckeren Salaten, unter anderem mit gegrilltem Schafskäse, und natürlich auch verschiedenen Gerichten für Fleisch- und Fischliebhaber. text & fotos: Anja hellmund

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loungerie VORSPEISE Wir haben uns für einen kleinen gemischten Salat und eine kräftige Rinderbrühe mit Kaspressknödel entschieden. Der Salat war für den Preis von 3,20 Euro wirklich groß. Besonders hat uns gefallen, dass neben frischem und buntem Gemüse wie Karotte, Tomate und Gurke oder Sellerie auch knackige Kürbiskerne dabei waren. Auch die Rinderbrühe war sehr gut, denn der Geschmack der Brühe war nicht so aufdringlich, so dass man gut den Käse vom Knödel schmecken konnte. Obwohl wir dieses österreichische Gericht nicht kannten, waren wir begeistert von der Idee geschmolzenen Käse auch in einer Suppe unterzubringen. DIE HAUPTSPEISE Bei der Hauptspeise gab es zum einen Schweinefiletmedaillons an einer Honig-SenfSoße mit Polenta und zum anderen Scampi auf Schwenkgemüse. Dieses Gericht stand nicht auf der Karte, sondern wurde uns als weitere Alternative angeboten. Wir konnten aber feststellen, dass diese „Alternative“ auch bei vielen anderen Gästen gut ankam. Das Gericht ist dank fehlender Kohlenhydrate die Empfehlung für alle Figurbewussten. Das Gemüse war wieder knackig frisch und bestand unter anderem aus Spargel, Spinat und Ruccola. Die Scampi kamen noch mit Schale, waren aber perfekt aufgetrennt, so dass man sie leicht heraus lösen konnte. Die Schweinefiletmedaillons waren zartrosa gebraten und die Soße passte, als eine leicht fruchtige Komponente, perfekt dazu. DAS DESSERT Zum Dessert wählten wir Marillen-Palatschinken und Apfel-Birnen-Kuchen. Der warme Kuchen war für uns eine Überraschung, sehr lecker und fruchtig. Die Kombination mit der Schokoladensoße war dabei unschlagbar. Aber der Palatschinken konnte das noch übertreffen. Zwar war dieses Gericht sicherlich nicht neu für uns, aber durch die fruchtige Konfitüre und die fantastischen Pfannkuchen einfach lecker. FAZIT Als Evzen Rank das Logo für sein Restaurant kreierte, wollte er einen Ort schaffen an dem man zur Ruhe kommen und genießen kann. Und das ist ihm absolut gelungen. Die Gerichte sind geschmacklich alle überzeugend und angerichtet wie in einer Sterneküche. Horrende Preise muss man dafür zum Glück nicht bezahlen. Deshalb empfehlen wir jedem sich selbst davon zu überzeugen: Essen. Trinken. Genießen. Letztlich muss die Loungerie ja nicht nur ein Tipp unter den Touristen bleiben.

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Am 24. Oktober 2012 gibt es in der Passauer Dreiländerhalle wieder einmal kräftig was auf die Ohren. Die selbst ernannte „bäste Band der Welt“aus Berlin stellt ihr neues Album namens „auch“ den niederbayrischen Fans vor. Doch neben ihren neuen Songs Ist das noch Punkrock?, Bettmagnet und Tamagotchi werden sich auch alte Klassiker wie Ein halber Lovesong, Unrockbar, Zu spät und Schrei nach Liebe mitvoller Lautstärke in den Gehörgängen des Punkrock-Publikums ausbreiten sowie zum Mitsingen bzw. mitgrölen animieren. Fulminante Lichteffekte, passende Videos zu den Songs auf den Leinwänden und natürlich die selbstironischen Bühnendialoge von Bela B. Felsenheimer, Farin Urlaub und Rod Gonzalez, die alleine schon den Kauf der Eintrittskarte wert sind, stehen auf dem Programm. Außerdem spielt „die Band, die sie Pferd nannten“ eine sagenhafte Setlist von dreistündiger Dauer und spricht damit sowohl die Anhänger der alten Songs aus den Achtzigern, aber auch die Fans der neueren Lieder gleichermaßen an. Ein Konzert von „BELAFARINROD – Es gibt nur einen Gott“ sollte man sich deshalb nicht entgehen lassen, schon gleich dreimal nicht, wenn sie in unseren Gefilden ihre Instrumente auspacken. Ist das alles? Nein! Mehr Infos und Tickets unter www.bademeister.com und bei allen Geschäftsstellen der Passauer Neuen Presse. text: Susanne Just fotos: Nela könig


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Auch 2012 . Z satzbeitrag kein Zu n! Jetzt wechsel

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passaus de eine nach „Naaaa! Und wo geht’s jetzt hin?!“, lallt ein fröhlicher Student, nachdem man ihn bestimmt aus dem neondurchfluteten Club manövriert hat. Sein nicht minder gut gelaunter Freund macht eine Denkerpose. Es scheint wahrlich in ihm zu arbeiten, wo man um vier Uhr morgens in Passau noch hingehen kann. „Zum Dönermann!“, juchzt er auf. text: Julia huber fotos: monika zureck & Max philipp brüchmann

Tatsächlich ist der kleine Dönerladen „Anatolia“ in der Großen Klingergasse zu einer wahren Kult-Institution geworden. Scheinbar zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man sich darauf verlassen, hier noch eine deftige Stärkung zu bekommen. Selbst wenn alle Clubs und Bars einen schon vor die Tür gesetzt haben. Wie fühlt sich das an, eine Nacht als Dönermann durchzuarbeiten? Ich bin dem auf den Grund gegangen. Meine Schicht beginnt um Mitternacht. Die beiden Türken Metin und Elnur empfangen mich in bester Stimmung. „Bereit?“, fragt Metin grinsend. Ich bekomme eine Schürze und los geht’s. Der erste Ansturm lässt kaum fünf Minuten auf sich warten. Innerhalb kürzester Zeit ist der kleine Laden voll mit hungrigen Mittzwanzigern. „Servus! ’Abe die Ehre!“, ruft Metin in die Menge. Anscheinend sind es Stammgäste, die ihn schon bei ihren letzten Besuchen in die bayerischen Umgangsformen eingeweiht haben. „Hobe die Ehre!“ poltern die Jungs lachend zurück. Für den Anfang soll ich die Kasse übernehmen. Döner 4 Euro, Lahmacun 5 Euro und Pizza 6 Euro. Das bekomme ich hin, auch wenn es ziemlich turbulent zugeht in dem Bereich hinter der Theke. Elnur

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eftigste afterparty ht als dönerfrau

kümmert sich um den Teig für die türkischen Spezialitäten. Das Dönerbrot wird frisch zubereitet und ofenwarm verkauft. Aus ein und demselben Teig macht Elnur das leckere Fladenbrot für den Döner, die luftige Grundlage für das Lahmacun und den knusprigen Boden für die Pizza. „Unser Geheimrezept“, sagt Elnur verschwörerisch. Ein paar Zutaten lässt er sich trotzdem entlocken: Mehl, Hefe, Wasser und Salz. „Wir verwenden hier nur gute und natürliche Zutaten. Deswegen schmeckt es so gut“, verrät der Türke, während er den Teig ausrollt. Unterdessen hat Metin alle Hände voll damit zutun, die Fladenbrote zu füllen. Döner ist der absolute Favorit bei den Besuchern des „Anatolia“. Aber doch kein einfacher 08/15-Döner! Die Besucher haben jede Menge Sonderwünsche und rufen sie mir alle gleichzeitig zu. „Dönerfrau!

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Mit doppelt Fleisch, bitte!“, „Meinen ohne Zwiebeln“, „Ich will viel Sauce“ und „Mit Oliven!“. Wie war das noch mal? Metin bleibt in dem Chaos seelenruhig, lacht weiterhin bis über beide Ohren und erfüllt jedem Kunden nach und nach seinen persönlichen Döner-Traum. Auch für einen kleinen Schwatz nebenher ist der verschmitzte Türke immer zu haben. Beim Publikum kommt das zweifelsohne gut an. Zwei Mädchen, die sich eine Pizza teilen, sind ganz verzückt, dass Metin ihnen türkische Wurzeln andichten will. „Nah, mir san doch de Onna und de Christine aus Plattling!“, geben sie glucksend zu. Ein anderer Besucher hat seinen Cocktail aus dem Club mitgebracht. „Metin, mein alter Freund! Ein Döner mit zwanzig Oliven und Mais!“ Eine hitzige Diskussion entsteht, wie das denn noch schmecken soll. Mit seiner aufgeschlossenen und fröhlichen Art hat sich Metin viele Freunde und Stammkunden im „Anatolia“ gemacht. Und so mancher Besucher holt sich nicht nur einmal in dieser Nacht einen Döner. Je später der Abend wird, desto mehr Respekt bekomme ich vor den Jungs, die hier arbeiten. Es ist tatsächlich ziemlich anstrengend, Döner im Akkord zu produzieren: Teig ausrollen, formen und backen, das verflucht heiße Dönerbrötchen aufschneiden, Fleisch absäbeln und zusammen mit Salat, Gemüse und Sauce in das Brot füllen. Und das alles neben dem glühend heißen Dönerspieß und unter Gegröle der immer lustiger werdenden Gäste. Dadurch, dass die netten Türken alles mit Humor nehmen und immer einen lustigen Witz auf Lager haben, vergeht meine Schicht aber erstaunlich schnell. Als ich um vier Uhr morgens geschafft und mit einem unverkennbaren Döner-Parfum, aber glücklich nach Hause gehe, ist mir klar: Ins „Anatolia“ gehe ich wieder. Nur lieber wieder als Kundin und nicht als Dönerfrau.

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YVES EIGENRAUCH FINDET DEN UEFA-POKAL SCHÖN. Yves ist ein Vorname für Künstler. Der Modeschöpfer Yves Saint-Laurent, der Maler Yves Klein und .... der Fußballer Yves Eigenrauch? Nein, Letzterer fällt zunächst etwas aus der Reihe. text: Fridolin Wernick foto: Alba berlin

sportmomente 5 Seine Hauptaufgabe war nicht das kreieren, sondern das verhindern. Als Manndecker beschäftigte sich Eigenrauch in jedem seiner 261 Spiele für den FC Schalke 04 damit, den gegnerischen Stürmer nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Doch so monoton seine Aufgabe war, so vielseitig zeigte sich Eigenrauch abseits des Spielfelds. Zum Training fuhr er manchmal mit einem alten Moped vor, was neben den Sportwagen der Teamkollegen ein kurioses Bild abgab. Im Mannschaftsbus wurde „Kicker“ und „SportBild“ gelesen, während

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Eigenrauch in seinem Dürrenmatt-Buch vertieft war. So entstand beim Fußballfan schnell das Bild von Yves Eigenrauch, dem eigenwilligen und intellektuellen Fußballprofi. Ein Künstler auf seine Art, der Vorname scheint also doch zu passen. Die Schalke-Anhänger mochten ihn, auch wenn er nicht dem Typ Bergwerk-Arbeiter entsprach. Denn Eigenrauch war authentisch, kannte seine fußballerischen Schwächen und kaschierte sie durch großen Einsatz. Nach der einmaligen


Einladung zur DFB-Auswahl bemerkte er: „Ich fühle mich ein wenig deplatziert, weil ich nicht das Leistungsvermögen eines Nationalspielers habe. Ich betrachte es als Studienreise“. In der Saison 1996/97 erreicht Schalke 04 sensationell das UEFA-Cup-Finale gegen Inter Mailand. Die Angriffsreihe der Italiener liest sich wie eine Weltauswahl: Youri Djorkaeff, Ciriaco Sforza, Iván Zamorano. Die Abwehrreihe der Schalker liest sich wie eine Ruhrpott-Auswahl: Johann de Kock, Thomas Linke, Yves Eigenrauch. Im Hinspiel wird Eigenrauch unfreiwillig zum Vorlagengeber: Ein Rettungskopfball landet bei Marc Wilmots, der ein Dribbling mit einem sehenswerten Distanzschuss zum 1:0-Endstand für Schalke 04 abschließt. Das Rückspiel verläuft vor 81.000 Zuschauern im berüchtigten Stadion „San Siro“ in Mailand wieder auf Augenhöhe. Kurz vor Abpfiff gelingt Inter doch noch die 1:0-Führung und in der folgenden Verlängerung fallen keine Tore mehr: Elfmeterschießen. 04-Torwart Jens Lehmann wird zum Helden und wieder ist es Wilmots, der den entscheidenden Ball versenkt. Der FC Schalke 04 ist UEFA-Cup-Sieger! Während ganz Gelsenkirchen im Freudentaumel versinkt, bleibt Yves Eigenrauch rational: „Die riesige Bedeutung des Sieges ist für mich nicht ganz greifbar, aber da bin ich vielleicht zu wenig emotional. Der ganze Medienrummel ist befremdlich. Der Pokalsieg ist eine nette Sache, mehr nicht.“ Immerhin gibt es für Eigenrauch doch noch einen besonderen Grund zur Freude: „Was die Sache besonders interessant gestaltet, ist, dass der UEFA-Pokal ästhetisch die schönste Trophäe ist, die man im Fußball gewinnen kann.“

Nach dem Ende der Karriere arbeitet der typische Fußballer als Trainer, Manager oder Spieleberater. Yves Eigenrauch war Vorsitzender eines Anti-Rassismus-Projektes, Veranstalter in der Schalker Arena, arbeitete in einem Kinderund Jugendtheater und zuletzt für einen Sportstätten-Bauer. Immer nur so lange, wie es ihn interessierte. Der Fußball ist fast komplett aus seinem Leben verschwunden: „Ich könnte mir nie 90 Minuten ein Spiel angucken. Das wäre mir viel zu langweilig. Ich schaue mir höchstens in der Montagszeitung die Ergebnisse an.“ Zehn Jahre nach dem UEFA-Pokalsieg hatte der FC Schalke 04 groß zum Jubiläum eingeladen: das komplette Programm mit VIP-Loge, Empfang und imposanter Ehrenfeier wurde für die „Eurofighter“ von 1997 geboten. Fast alle Spieler waren anwesend, nur einer fehlte: Yves Eigenrauch. Die Einladung sei zu kurzfristig, bemängelte er. Zudem hatte ihn der unpersönliche Standardbrief mit digitaler Unterschrift geärgert. Schon damals habe man sich kaum um die Cupsieger gekümmert, es gab beispielsweise kein symbolisches Andenken, wie von den Spielern gewünscht. Alles in allem wäre er ja vielleicht gekommen, nun sei aber schon etwas Anderes, Wichtigeres geplant: Zelten und Angeln mit seiner Familie in Mecklenburg-Vorpommern.

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Helden

unse KIndheit

Heeexxx Heeexxxx Biiiing Biiiing! Diese Geräusche kommen uns wahrscheinlich sehr bekannt vor, wenn wir an einige unserer alten Kinderkassetten denken. Hauptdarstellerin in diesen Hörspielen ist ein kleines blondes Mädchen mit Superkräften: Bibi Blocksberg. Sie fliegt stets auf ihrem Besen Kartoffelbrei umher und setzt ihre Zauberkräfte beliebig ein. Zum einen ist Bibi immer für jeden Streich mit ihrem ZauberspaSS zu haben und handelt oft sehr willkürlich, doch zum anderen hat sie auch ein sehr groSSes Herz für alle Menschen. Text: Laura Trinkl Inzwischen gibt es schon über 100 Folgen auf Kassette mit den Geschichten von Bibi. Im Jahr 1980 wurde die Kinderhörspielserie ins Leben gerufen und hat seitdem viele Fans gewonnen. Die ganze Hörspielreihe spielt in der Stadt Neustadt und es dreht sich alles um Bibis Hexerei. Sie erlebt in ihrem Heimatort zahlreiche Abenteuer mit ihren Freunden Marita, Florian und Moni. Bibi steht gerade noch am Anfang ihrer „Hexenlaufbahn“ und so führen oft Zauberexperimente zu unerwünschten Ergebnissen, die meistens ihre Mutter, ebenfalls eine Hexe, wieder ausbügeln muss. Die kleine Hexe Bibi legt sich in kindlichem Übermut oft mit dem Neustädter Bürgermeister oder den Lehrern in ihrer Schule an. Doch meist überwiegt dann die Hilfsbereitschaft Bibis und am Ende wendet sich alles zum Guten. Dabei dreht sich in den Kassetten natürlich nicht alles um Hexerei: auch „normale“ Probleme von jungen Teenagern, wie beispielsweise das erste Verliebtsein oder schlechte Schulnoten werden angesprochen. Für mich also eine wahre Heldin meiner Kindheit, da Bibi Blocksberg mit ihrem jugendlichen Charme auch ihre ärgsten Gegenspieler in ihren Bann ziehen kann. Außerdem, träumen wir denn bis heute nicht davon, einmal eine Runde auf dem Besen Kartoffelbrei zu drehen?

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n

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Hellblaue Kassetten und ein groSSer grauer Elefant, der sprechen kann – Törrööö Benjamin Blümchen ist da!!! Wer von uns kennt ihn nicht, den groSSen grauen Elefanten mit der sanften Stimme aus dem Neu-städter Zoo. Die Rede ist natürlich von Benjamin Blümchen. Einem, im wahrsten Sinne des Wortes, gröSSten Helden unserer Kindheit. Text: René Brüning-Wolter

Zusammen mit seinem Freund Otto erlebt der liebenswerte Dickhäuter viele spannende und aufregende Abenteuer. Zumindest kam es uns immer so vor, als wir im zarten Kindesalter die hellblauen Kassetten rauf und runter gehört haben. Gemeinsam sind wir mit dem sprechenden Elefanten in die verschiedensten Rollen geschlüpft. Ob als Fußballstar, Tierarzt, Feuerwehrmann, Forscher oder Astronaut: Benjamin und seine Freunde haben uns stets gut unterhalten. Sei es beim Spielen, Malen oder Einschlafen - das allseits bekannte Töröööö tönte allzu oft aus unserem Kassettenrekorder. Mit insgesamt 60mal Gold, 75mal Platin und über 54 Millionen verkauften Audiokassetten ist die 1977 in Produktion gegangene Hörspielserie „Benjamin Blümchen“ eine der erfolgreichsten deut-schen Kinderserien. Ins Leben gerufen wurden Benjamin und seine Freunde von der Britin Elfie Donelly, die unter anderem auch die Geschichten von Bibi Blocksberg schrieb. Gesprochen wird Benjamin in den meisten Folgen von Edgar Ott, bei dessen Stimme alle mittlerweile Erwachsenen kurz inne halten und mit leicht glasigen Augen an so manchen verregneten Nachmittag mit Benjamin Blümchen zurückdenken. Ausgangspunkt für die Abenteuer von Benjamin und seinen Freunden ist meistens der Neustädter Zoo. Dort weckt die rasende Reporterin Karla Kolumna mit einer neuen Story oft die Neugier von Benjamin und Otto. Und so machen sich die besten Freunde auf, Neues in und um Neustadt zu entdecken. Sie nehmen uns dabei mit in eine Welt, in der es für jedes Problem eine Lösung gibt, die Benjamin Blümchen meist parat hat. Schwächen hat der sprechende Elefant höchstens für Zuckerstückchen und zu kleine Türen, die er meistens aus Versehen zertrümmert. Doch wir verzeihen gerne ein wenig Tollpatschigkeit, wenn Benjamin mal wieder Geld für den von Zoodirektor Tierlieb geleiteten Neustädter Tierpark eintreibt oder seinem besten Freund Otto eine Freude bereitet. Und so bleibt nur zu hoffen, dass nicht alle Kassetten von unserem Lieblingselefanten verschwinden und wir später noch so manches Mal mit unseren Kindern den Geschichten von Benjamin Blümchen und seinen Freunden lauschen können.

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BANDS ∙ EVENTS ∙ PORTRAITS

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1991 Mittelmeer

1994 Komi Region, Russland

2010 Golf von Mexiko

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2012 Shell will in der Arktis nach Öl bohren.

Bilder von links nach rechts: © Vaccari/Greenpeace, © Warford/Greenpeace, Mitte rechts: © The United States Guard, Bild unten: © Römmelt/Greenpeace


diy - der trend des selbs „Macht es euch nicht selbst. Wer zu viel selber macht, wird schlieSSlich dumm“, singt Dirk von Lützow, Sänger der deutschen Indie-Band Tocotronic. Er hat die selbstgestrickten Pullis von seiner Oma, oder die Häkelmütze von seiner Ökotante sicher gehasst – oder die Häkelmütze von der Öko-Tante. Genau das sind die Stereotypen, die uns einfallen, sobald wir an selbstgemachte Dinge denken. Text & foto: susanne just Dass diese Klischees nicht mehr der Wahrheit entsprechen, zeigt uns der „Do ityourself“-Trend (kurz: DIY), der den bewussten Konsum propagiert. Plötzlich findet man Wollläden und Stricktreffs in Szenebezirken von Großstädten, überall wird gehämmert, gestrickt, gebrutzelt, genäht und gekocht. Über Internetläden wie Dawanda.de bieten vor allem junge kreative Köpfe ihre eigenen selbstentworfenen Produkte an, der Verkauf der Burda-Zeitschrift floriert wieder. Tim Mälzer, Jamie Oliver und „chefkoch.de“ zeigen uns, wie viel Spaß man mit Experimentierfreudigkeit in der Küche hat und Werbekampagnen wie „Es gibt immer was zu tun“ oder „Mach dein Ding!“ ermutigen in etwa 22 Millionen (!) deutsche Heim-

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werke zu streichen, zu sägen und zu schmirgeln. Das Selbermachen kommt nicht von ungefähr: Früher wurde es aus der Not geboren, denn selbstgebautes Spielzeug war immer noch billiger als gekauftes. Erst jetzt macht es die Befreiung von der Notwendigkeit möglich, beim Handarbeiten jeglicher Art Leidenschaft zu empfinden. Wer schon auf den Geschmack des Selbermachens gekommen ist, weiß, dass der Kostenfaktor kein Grund für DIY sein kann: manches Wollknäuel kostet schließlich mehr als ein fertiger Schal bei H&M. Traut man sich dann aber doch, mal etwas selbstherzu-


stgemachten stellen, merkt man ziemlich schnell folgendes: Do ityourself macht unheimlich glücklich und stolz. Außerdem setzt man damit ein Zeichen, denn der Ausstieg aus der Welt der Massenproduktion bedeutet bewusster Konsum und die Wiederentdeckung des Bezugs zu seiner Arbeit – Die Entfremdung wird weg gehämmert, weg gebastelt, weg gekocht. Die eigene Individualität blüht neu auf, im Kontrast zur Massenware der großen Modeketten. Und wenn man das erste selbstgenähte Kleid ausführt, werden nicht mal mehr die Komplimente anderer benötigt: Dieses Kleid gibt es nur ein einziges Mal. Zudem wird erst jetzt deutlich, wie viel Aufwand hinter dem Selberproduzieren steckt: Umso schwerer, noch akzeptieren zu können, wie manch T-Shirt nur 10 Euro kostet. Man weiß das Produkt also wieder mehr zu schätzen.

auf ihrem eigenen Grundstück können sie wieder Einfluss auf solche Dinge nehmen, das Holz spüren, die Farbe riechen – und sind somit wieder die Bauherren. Dieser Prozess stärkt das Selbstvertrauen und fördert zudem Kreativität und logisches Denken: Schnelle Problemlösungen und manuelle Koordinationsfähigkeit sind gleichzeitig gefragt. Zudem wird der Tüftler mit Glückshormonen überschwemmt, sobald er sein selbstgefertigtes Stück in den Händen hält.

Allerdings ist das wertvolle alternative Lebensgefühl nicht Grund allein: Selbermachen gilt als Selbstbemächtigung: Viele Menschen empfinden in ihrer Arbeit keinen Bezug mehr zu dem fertigen Produkt,

„Wer zu viel selber macht, wird schließlich dumm!“ Dirk von Lützow hat sich anscheinend noch nie einen Schal gestrickt.

Vergessen darf man bei der ganzen Sache nicht, dass man niemals auf sich allein gestellt ist: Das Internet als Motor dieser Bewegung bietet unendlich viele Inspirationen und Hilfestellungen. Legt also euren Perfektionismus ab, fangt an und lasst euch überraschen!

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Regisseur: rian johnson Erscheinungsjahr: 03.10.2012 Land: china/USA Hauptdarsteller: Joseph gordon-levitt, bruce willes, emily blunt Text: Max philipp brüchmann Wir schreiben das Jahr 2040 in den USA. Jeden Morgen steht Joe (Joseph Gordon-Levitt) auf, um zu einer festen Zeit einen gefesselten Menschen, der mit einer Kapuze über dem Kopf aus dem Nichts erscheint , mit einer Ladung aus seinem Gewehr zu erschießen. Joe ist ein „Looper“. Die Menschen, die er erschießt kommen aus dem Jahr 2070. Dort können alle Morde aufgeklärt werden. Darum ist er angestellt von einem Verbrechersyndikat, das in den 2070ern Menschen in die Vergangenheit zurückschickt, um sie nicht selbst ermorden zu müssen. Für Joe geht das solange gut, bis auch er aus der Zukunft zurückgeschickt wird, um von sich selbst umgebracht zu werden – was natürlich nicht gelingt! Es entsteht eine rasante Verfolgungsjagd zwischen Joe und Joe (Bruce Willis). Beiden ist klar, es kann nur einer überleben. Oder doch nicht? Die obligatorische Liebesgeschichte und eine Suche nach einem sonderbaren Jungen, um den Lauf der Zeit zu verändern, tragen dazu bei, dass sich die zwei Stunden nicht wirklich lang anfühlen – aber beinahe.

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mann

sneakpreview looper - Blut, Kanonen und Frauen in Stiefeln auf einer Farm – man hätte mehr draus machen können. - Bruce Willis reist erst durch die Zeit, um dann einen kleinen Jungen mit offensichtlichen Störungen zu suchen?! Wen erinnert das an „12 Monkeys“ und „Das Mercury Puzzle“? - Ganz ehrlich – Warum müssen die in der Zukunft immer so blöd-modellierte Waffen haben??

frau

Horror: p p p p p . Action: p p p p p . Erotik: p p p p p Spannung: p p p p p . Humor: p p p p p

- Nach spätestens einer halben Stunde muss Euch etwas an Joes Gesicht auffallen! - So wie der Kleine in dem Film schreit, will ich niemals Kinder solange ich noch gut hören kann. - Happy End!? Hallo?? Horror: p p p p p . Action: p p p p p . Erotik: p p p p p Spannung: p p p p p . Humor: p p p p p

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sneakpreview vatertag - opa über nacht Wenn Du mit Ende dreißig Dein Leben nicht wirklich im Griff hast, Dich als Rikscha-Taxifahrer im indischen Sari mit bayrischem Dialekt in München über Wasser zu halten versuchst und Du bei Deiner (?) Schwester zur Untermiete Text: Max philipp brüchmann wohnst, die Du nicht bezahlen kannst – dann ist ein Kind wahrscheinlich das Schlimmste, was Dir passieren kann – ganz zu schwiegen davon, Opa zu werden. So geht es dem armen Basti als eines Morgens die 17-Jährige Dina vor seiner Haustür steht, um ihm zu erklären, dass sie seine Tochter ist. Doch damit nicht genug: Sie ist vor kurzem sogar Mama geworden und verlangt nun, dass Basti als ihr vermeintlicher Vater für seine Alimente der letzten Jahre aufkommt – mit rasanten Folgen… Regisseur: ingo rasper Erscheinungsjahr: september 2012 Hauptdarsteller: sebastian bezzel, heiner lauterbach, adam bousdoukos genre: Komödie

„Vatertage“ ist eine entspannte Mischung aus einer verwirrt-romantischen Komödie und dem Lobgesang auf das bayrische Lebensgefühl. Heiner Lauterbach als schwuler Vater von Basti und ein anständiger Soundtrack von MoopMama entschädigen für ein paar Längen im Film.

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mann

- Hat was von Inzest. Man denkt die ganze Zeit, gleich vernascht der vermeintliche Papa sein vermeintliches Kind! - Heiner Lauterbach im rosa Cowboy-Outfit muss man jetzt nicht unbedingt haben. Im Doppel pack mit Adam Bousdoukos (Soul Kitchen) sind beide aber einfach der Hammer! - Acht Daumen nach oben für die süßeste Niederländerin nach Rudi Carell (zieht euch die rein!)

frau

Horror: p p p p p . Action: p p p p p . Erotik: p p p p p Spannung: p p p p p . Humor: p p p p p

- Gefühle und Happy End zum Trotz, springt der Funke nicht ganz über. - So wie Dina würd ich mich nie anziehen - Bastis Bierbauch ist einfach nur … unvorteilhaft - Aber mit der Niederländerin hat der Max recht. Daumen nach oben! Horror: p p p p p . Action: p p p p p . Erotik: p p p p p Spannung: p p p p p . Humor: p p p p p

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FischbLut

ein niederbayern krimi Heimatkrimis gibt es zur Genüge, es scheint, als wäre mittlerweile jeder Autor auf diese Schiene aufgesprungen. Text: Julia Endrös

Kaum ein Ort oder eine Region in Deutschland, in der nicht gemordet, entführt oder verleumdet wird. Vom Allgäu bis ins tiefste Niederbayern, kaum eine Gegend blieb verschont. Erstaunlich ist es, wenn man unter dem Wust an kitschigen, langatmigen und voraussehbaren Handlungen einmal doch einen Regionalkrimi liest, der sich von der Massenware abhebt und so ganz anders ist. „Fischblut“ spielt in Passau und neben einigen frei erfundenen Orten und Charakteren überzeugt der Niederbayern Krimi vor allem durch einige fest in Passau etablierte, traditionsreiche Plätze, Geschäfte und Personen, die ihren Weg in einen Kriminalfall finden. Die Geschichte erzählt den Mord an dem alt eingesessenen Passauer Schreibwarenhändler Franz Weindl, der an einem kalten, feuchten Februarmorgen beim Angeln an der Ilz erstochen wird. Hauptkommissar Feyl macht sich sofort auf die Suche nach dem vermutlichen Täter, der sich in den Gassen der Innstadt jedoch mit der Kriminalpolizei eine Verfolgungsjagd liefert. Doch als eine zweite, dem ersten Opfer sehr ähnliche Leiche auftaucht, muss die Passauer Kripo den zu Beginn verdächtigten Studenten letztlich laufen lassen. Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Feyl nach München, wo er etztlich die Lösung des geheimnisvollen Mordfalles entdeckt.

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Erfrischend lebendig und spritzig erzählt die Autorin eine ungewöhnliche, teils unheimliche Kriminalgeschichte, und bindet in ihre Handlung bekannte Orte, Gassen und Plätze in der Altund Innstadt ein, die sich für jeden Passauer sofort zuordnen lassen. So spielt das Scharfrichterhaus ebenso eine Rolle wie der Silberhändler unter dem Paulusbogen oder die neue Mitte mit der Stadtgalerie. Gleichzeitig beschreibt Hüting das Passauer Winterwetter, die unendlich anmutenden Nebelschwaden, die Kälte und den Regen so authentisch und reell, dass man meinen könnte, es wäre schon wieder kalt und ungemütlich in der Dreiflüssestadt. Letztlich ist „Fischblut“ nicht nur ein Muss für alle Passauer, sondern ein wirklich schöner gedanklicher Ausflug in die Stadt an Donau, Inn und Ilz. Zudem dürfte der Roman seinen Leser bei einem Spaziergang durch Passaus Gassen das ein oder andere Mal schmunzeln lassen, wenn er im Krimi beschriebene Örtchen, Läden und Plätze vielleicht zum ersten Mal wirklich wahrnimmt.


Wie muss wohl der Soundtrack zu einem Film klingen, der sich auf Zeitlupenbilder des Himmel mit ein paar Schäfchenwolken, Bilder einer Steilküste, gegen die das raue Meer prallt, und einen im Hintergrund auftauchenden Wal beschränkt? Text: Thomas adamski Das Ende Mai erschienene Album des isländischen Quartetts „Sigur Rós“ um Frontmann und Sänger & Gitarrist Jón Þór „Jónsi“ Birgisson kommt dem ziemlich nahe. Die insgesamt acht Songs, des mit „Valtari“ (deutsch: „Dampfwalze“) betitelten Album könnte friedfertiger kaum sein. Ein ganzes bisschen länger als erwartet mussten sich Fans auf das neue StudioAlbum der schweigsamen Insulaner gedulden. Schon im letzten Jahr machten Gerüchte eines neuen Albums die Runde, das nach der 2008 veröffentlichten Platte „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ bereits lang ersehnt wurde. Nach einem düster gehaltenen Video auf Youtube war jedoch klar, dass es sich lediglich um eine Live-Platte bereits veröffentlichter Titel handeln würde.

Sigur Rós scheinen sich mit diesem Album dem Pop und Mainstream komplett entsagen zu wollen. Zu sphärisch und verträumt klingen die Songs. Nach Drums und etwas zum fest halten sucht man während der insgesamt 55 Minuten vergeblich auf der Platte. Ungewöhnlich für die Multiinstrumentalisten von Sigur Rós: Der letzte Titel ist ein fast achtminütiges Klavierstück und nur dezent mit Streichern unterlegt. Entstanden ist es aus einem kleinen Sample, das jedes Bandmitglied verschieden interpretieren sollte im Studio, während der Rest der Band draußen im Auto warten musste. Die einzelnen Teile wurden dann modifiziert, arrangiert und übereinander gelegt. Schöner könnte dieser Film nicht untermalt sein! Sigur Ros „Valtari“ ist am 28. Mai 2012 auf XL Recordings // EMI erschienen.

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Somit konnte am aktuellen Album weitaus intensiver gearbeitet werden. Die zusätzliche Zeit war auch nötig, denn im Produktionsprozess musste für den Song „Varðeldur“ erst einmal der richtige Chor gefunden werden. In Bulgarien wurde man schließlich bei einem 16-köpfigen Chor fündig und konnte mit den Aufnahmen beginnen.

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Seit Mai 2011 erscheint paul. monatlich als Kooperation der Redaktion der paul.Hochschulgruppe an der Universität Passau und des paul.Verlag...

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