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Was bier Magazin 端ber Bierkultur

Ausgabe 1

Januar 2014

1

Craftbeer in Mainz Abgef端llt

Dronken.otf

Belgische Brauereien Rezepte

Bel-


ist gisch


t hes Vorwort

Bier. Deutschland wird mit ihm in Verbindung gebracht wie kein anderes Land. Und trotz seiner enormen Vielfalt wird es oft auf eine einzige Brauart beschränkt. Bier, der Deutschen liebstes Getränk? So sieht man es zumindest, innerhalb und außer­halb unserer Grenzen. Doch was wissen wir über Bier? Welche Biere kennen wir?

Meistens ein Pils, vielleicht ein Märzen, ein Weißbier, aber damit hat es sich, was Sorten angeht, größtenteils erledigt. Um mit dieser einseitigen Betrachtung von Bier aufzuräumen, wurde dieses Magazin ins Leben gerufen. Wir möchten allen Interessierten die enorme Vielfalt von Bier näher bringen, denn wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, versteckt innerhalb und besonders außer-

halb unserer Grenzen sucht, dann verbindet man dort das Wort Bier mit etwas anderem. Es gibt hunderte verschiedener Sorten: Hopfig, malzig, sauer, süß. Geschmäcker und Brautechniken, die uns vollständig unbekannt sind, es werden Biere ohne Reinheitsgebot gebraut und trotzdem muss man sich bei deren Konsum keine Gedanken über die eigene Gesundheit machen.

Wie kommt es, dass wir in Deutschland so auf unser Pils fixiert sind? Grenzt uns das Reinheitsgebot mehr ein, als dass es uns Sicherheit gibt? Hinken wir bei dem, was wir als eine der wichtigsten Erfindungen unserer Nation begreifen, hinterher?

Bier gibt es seit über 2000 Jahren und es hat sich eine eigene Welt um jenes goldenes Getränk gebildet, die weit über den Konsum hinaus reicht, der Teil un-

seres Lebens geworden ist, ein Lebensgefühl. Was gibt es besseres, als sich, im Sommer, nach einem langen Tag, ein kühles Bier zu gönnen? Speziell mit Fußball wird es assoziiert wie mit kaum etwas anderem und das weit über Deutschland hinaus. Doch in welchen Bereichen spielt Bier eine ganz andere Rolle, zu welchen Anlässen wird es getrunken? Wissen wir überhaupt noch, was Bier alles sein kann?

Das Magazin beschäftigt sich mit der Bierkultur und der enormen Vielfalt von Bier, es soll kein Fachmagazin für Kenner und Sommeliers werden – was allerdings nicht bedeuten soll, dass wir uns mit Halbwissen zufrieden geben. Wir möchten den Leser dazu bringen, über den Tellerrand hinaus zu sehen und die Möglich-

keiten zu erkennen, die Bier mit sich bringt. Vor allem aber möchten wir Bier wieder zu einem Genussmittel machen und es aus seiner Saufecke herausholen. Es geht nicht um die Quantität, es geht um die Qualität des Konsums. Diese erste Ausgabe gestalteten wir im Kurs »content king meets typo queen« bei Prof. Jean Ulysses Voelker. Takumi Naka, Roman Sawatzki & Paul Mielke FH Mainz, Januar 2014

2–3


das Bier Inhalt

bier

zum Heft 6–13 8–9 10–11 12–13

You must be joking, no? Novo Typo Etiketten

Konsum 14–23 16–17 18–21 22–23

Abgefüllt Mit Dosenpfand zum Wohnmobil Illusion of Choice

Bierkultur 24–45 26–31 32–33 34–39 40–41 42–43 44–45

Experiment auf deutschem Boden Craft Beer in Mainz Fick dich Dr. Oetker! Sebastian Priller Oliver Wesseloh Sylvia Kopp

Ausland 46–71 48–49 50–53 54–59 60–71

Unsinnsabend Salut, Hanne Koeders! Unterwegs in Antwerpen Bierhandel Willems & Zoon

Schmecken 72–95 74–79 80–87 88–95

Biertest Rezepte Brauereiverzeichnis

Impressum 96

4


s r?

4–5


f端r Wo6

zum Heft

Priller Wesseloh Kopp

Ausland

Unsinnsabend Salut, Hanne Koeders! Antwerpen

Schmecken Biertest Rezepte Brauereiverzeichnis

Impressum


r

6–7

»Die Wirtin, die sich ihr Bier nicht in Gerste, sondern in Silber bezahlen lässt, oder die minderwertiges Bier ausschänkt, wird ertränkt.«


zum Heft

Roman Sawatzki

bier

You must be joking, no ?

8

Dronken-Regular.otf

0 Dronken ist der niederländische Ausdruck für besoffen 1 advice: www.stormtype.com/ family-alcoholica.html 2 advice: www.novotypo.nl/ fonts/gagarin-kurt.html

lazy dog j quic over

Auf der Suche nach einer passenden Schrift für die zweite Ebene dieses Magazins, ­etlichen Typefoundry­-­ E-Mail-Kontakten, ebenso vielen Absagen und der Unlust, einen x-beliebigen Krüppel-Font als »betrunken genug« zu deklarieren, um ihn für die Gestaltung gerade noch rechtfertigen zu können, kam die Idee zur Dronken. Aus einer Laune heraus entstand so, an einem Abend, ein Open-Type-­ Font ohne jegliche Open-Type­-Features. Ein Font entgegen jeglicher ästhetischer Regel, bei dem ledig­ lich auf die grobe Erkennbarkeit der einzelnen Buchstaben das bisschen Wert gelegt wurde, was unter Alkohol­einfluss noch aufzubringen war. In diesem Moment denke ich an den Abend ihrer Entstehung und an ein Lied mit diesem ­Refrain: »When i think of all the good times that i’ve wasted, having

good times.« Hässlich und unbeholfen schmückt sie nun dieses Magazin. Es hat Spaß gemacht.

Hier eine kleine Aus­ wahl an State­ments, die ich von Typefoundries auf meine Anfrage zurück bekommen habe. Der ­ungefähre­ Wortlaut meiner An­­ frage­war dieser:

Kennen Sie eine Schrift, die nicht nur betrunken aussieht, sondern auch ­betrunken gestaltet wurde? Haben Sie selbst schon einmal eine Schrift ­betrunken entworfen? Was ­würden Sie ­demjenigen raten, der eine ­betrunken aussehende Schrift auch betrunken entwerfen möchte?

in dem moment eine schrift entwerfen. viele grüße und erfolg heinrich Typotheque

Well, it takes a few months to make a font, and if one would drink daily during the process, I am not sure if the designer would live till it is complete. The best bet would be to use this1 not made by drunk designer, but suitable for dubious texts. Kind regards, Peter Bilak OurType

Roman, You must be joking no ? or you just had a few beers too much ?

Typografie.info

VolcanoType

hallo roman, hehe, leider kann ich dir nicht helfen. ich war noch nie betrunken da ich kein alkohol trinke. wenn ich es täte, würde ich bestimmt nicht

Hallo Jochen, ich kann mich jetzt nicht daran erinnern, dass wir eine unserer Schriften im betrunkenen Zustand gestaltet hätten, aber wir haben

einen Haufen Schriften, die betrunken aussehen. Schau doch einfach mal unsere Website durch, da findest Du garantiert etwas Passendes! Viele Grüße, Boris edenspiekermann_

das ist keine ernste frage, oder? Wie sollte ich wissen, welche schrift von wem unter dem einfluss von zuviel alkohol entstanden ist? Schrift entwerfen und produzieren sind tätigkeiten, die vor allem geduld und hingabe an kleinigkeiten verlangen. Das verträgt sich nicht mit „betrunken“, höchstens mit dem gelegentlichen schlückchen zur aufmunterung. grusse Prof. Dr.h.c. Erik Spiekermann underware

Dear Roman Thanks for your email and the request. I am very sorry, but I can not help you with this.

Kind regards, Akiem Novo Typo

Hi Roman, thank you for your mail. At this moment we are so drunk we are not able to answer your mail properly. And yes we like to drink, it gives us lucid thoughts which helps us to break typo­graphic rules. Remember that the complete Gagarin Family loves to drink … Gagarin2 loves Wodka. Drink like a Russian. And we like to listen to music when we design our characters. Dead Kennedy‘s perfectly fit in our punk DIY (do-ityourself) type philosophy. Prosit to you, good luck with your study, best, Mark van Wageningen


8–9

the old jumps ck r brown


ein für zum Heft

Roman Sawatzki

bier

Novo Typo

Laika, der erste Hund auf dem Mond und die beste Alternative zur Dronken.otf

1 ateliervanwageningen.nl 2 www.novotypo.nl

3 gerritrietveldacademie.nl

Nach den unzähligen Absagen auf meine »habt ihr besoffene Schriften«-Anfrage, ­bin ich durch die einzig brauchbare Rückmeldung, auf das Atelier Mark van Wageningen1 gestoßen. Unter den liebevoll, meist unkonventionell gestalteten Schriften, fand ich ­unter anderem auch die Laika. Im Grunde die perfekte Schrift für die zweite Ebene dieses Magazins. Wäre zu diesem Zeitpunkt die Dronken nicht schon entstanden, wäre die Laika meine erste Wahl gewesen. Mark, der die Typefoundry »Novo Typo2« und das »Atelier van Wageningen« gegründet hat, war bereit, Rede und Antwort zu stehen.

For which context ­did you design the Laika for?

Laika was designed as a tribute to Paul Renners Futura. Laika was also

the first dog in space – Consider it as Bauhaus on 40 percent. Laika was part of a student project – long time ago when we studied at Rietveld Academie3 in Amsterdam.

Have you designed it directly for linotype or was it just for your personal pleasure? just for fun? All our typedesigns are for fun. We work for fun. We drink for fun. We design for fun. We are seriously fun.

Is typeface design just a love or can you also make a living from it?

We can make a living out of our love. But we love to make a living. We are commercial type­designers. We only work for money. And yes, we have to pay the rent. What do you think of typeface–designers nowadays? Are they really that uptight?

Uptight? Downtight? We like the work of our­friends and fellow-­ designers. But we think that – especially in ­Germany – everything is so serious … Is there a typefoundry besides »Novo Typo« you like? If yes which one?

We like them all! ­Quality is part of an abstract concept we like to discuss. How to define beauty? What is considered to be ugly? But there is only one »Novo Typo«! Do you have a ­favourite beer?

When we are in Holland,­we drink »Grolsch«. When we are in Belgium, we drink »Leffe ­Blonde«. When we are in ­Germany, we drink »Kölsch«. When we are in France, we drink »Kronenbourg«. ­ When we are in Czech Republic we drink ­»Pilsner Urquell«. When

we are in the US, we drink »Budweiser«. When we are in Russia we drink »Stolichnaya«. Finland: »Finlandia Etcetera«. Drink like the locals. In the summer we drink »Corona«. In the winter we drink »Rochefort 10«. We never drink, never ever, under no circumstances, ­»Heineken«.

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nzum 10–11


bier

12

Henk


ker

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Konsum

brau Priller Wesseloh Kopp

Ausland

Unsinnsabend Salut, Hanne Koeders! Antwerpen

Schmecken Biertest Rezepte Brauereiverzeichnis

Impressum


»Bierpanscher ­werden in ihren Fässern ertränkt oder so lange mit Bier vollgegossen, bis sie ersticken.«

u-

14–15


Konsum

Takumi Naka

bier

Abgefüllt

1 Eine Gallone = 3,78 Liter

Wasser ist für jeden Bierbrauer ein­wichtiger Bestandteil. Die Brauer stellen an ihr Brauwasser, das sie häufig aus eigenen Tiefbrunnen beziehen, in der Regel höhere Anforderungen, als der Gesetzgeber sie an Trinkwasser stellt. Wasser ist dabei ­keineswegs gleich ­Wasser. Vor allem der sehr unterschiedliche Gehalt an verschiedensten Salzen (z.B. Calcium- und Magnesium-Salze) prägt den Charakter des ­jeweiligen Brauwassers und verleiht ihm je nach »Härte« eine besondere Eignung für die jeweiligen Biersorte. 2030 werden ⅔ der Weltbevölkerung nicht mehr über genügend sauberes Trinkwasser verfügen. Zu einem derartigen Missstand kommt es, wenn Trinkwasser zu einer Ware wird und nicht als Grundrecht verstanden wird. So wurde

auf der 225. Sitzung des Bundestages mit deutlicher Mehrheit dafür gestimmt, dass Wasser kein Menschenrecht ist und damit die Privatisierung unseres Grundwassers voran­getrieben. Damit bestimmt nun die Nachfrage den Preis. Wenn man sieht, dass im Jahr 2007 in den USA ­29 ­Milliarden­­ Einweg­flaschen ver­­ kauft­­ wurden und die Weltbank den Wert­­des welt­weiten Verkaufs­ volumens auf 800 Milliarden ­US-Dollar schätzt, wird klar ­warum »Nestlé« und Co so scharf auf unser Wasser sind. ­Alleine »Nestlé« ­machte 2008 3,6 Milliarden US-Dollar Umsatz mit ­abgefülltem­ Wasser.

Regeln. So gilt im Bundesstaat Maine das unbeschränkte Eigentums­recht, nach dem derjenige mit der größten Pumpe das meiste Wasser bekommt. So besitzt »Nestlé« kleine Grundstücke in Fryburg (USA) auf denen der Konzern bohren und quasi kosten­los an das Grundwasser gelangen kann, das er dann ­weiter abfüllen und verkaufen darf. Dabei fallen für »Nestlé« Kosten im Bereich von 6–11 Cent pro Gallone1 an. Verkauft wird es dann für etwa 6 Dollar pro Gallone was dem 2.000-fachen des heimischen Leitungs­ wassers entspricht. Es ging so weit, dass Nestlé, selbst dann nicht mit dem Pumpen aufhörte als es in Fryburg eineinhalb Tage, auf Grund einer Dürre, kein Wasser gab.

anderen Gemeiden zu sehen. So stoppte »PepsiCo« selbst dann die Pumpen nicht, als auf Grund einer Dürre eine ganze Gemeinde kein Wasser mehr hatte. Sie pumpten weiter täglich 1,5 Millionen Liter Grundwasser aus dem Boden.

und das selbe Wasser. »Bonaqua« oder »Aquafina«, von »Coca-Cola« und »PepsiCo« ­machen nichts anderes als das.­ Sie pumpen Leitungs­ wasser im großen Stil ab und verkaufen es abgefüllt zum ­viel­fachen Preis.

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che

In den Vereinigten Staaten gehören ­Oberflächengewässer­ dem öffentlichen Treuhand­vermögen, Grundwasser unterliegt, ab­hängig vom Bundesstaat, anderen

Genau das selbe Phänomen ist bei »Coca-Cola«,­ »PepsiCo« und anderen in

Dadurch, dass die Gewinn­marge bei abgefülltem Wasser so riesig ist und mit sehr wenig Aufwand sehr große Erträge erzielt werden können, ist klar, warum die großen Getränke­firmen so viel investieren, um an das Grund­wasser zu gelangen.

Uns wird Mineralwasser als gesund verkauft, gesünder als Leitungswasser. Es gibt eine Werbe­ industrie, die uns das Image von Mineralwasser als »gesund«, »sicher«, »natürlich« oder »rein« suggeriert. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um ein

Wir, die in einem ­Land leben, in dem Wasser bis heute kaum zu einem Problem ­wurde, da immernoch raue ­Mengen an ­Grund­wasser vorhanden sind, sehen die ­Privatisierung noch nicht als das Problem an, das es in Wahrheit ist.

Wenn man in Länder wie Pakistan schaut, dann verkauft »Nestlé« dort in Regionen abgefülltes Wasser, in denen der Konzern zuvor danach gebort hat und damit erst die Dürre in dieser Gegend ausgelöst hat. Es gibt kein Gesetz, das das Unternehmen daran hindert, so zu verfahren.


16–17

Da sich nur wenige dagegen wehren können und die ­Verteidigungsversuche der Bevölkerung meist einer rechtlichen Grund­lage entbehren, bleiben A ­ ktionen dieser Art meistens ohne Erfolg. Sollte »Nestlé« eines Tages eines Landes verwiesen werden, so werden sie einfach weiter ziehen. Denn Wasser ist nirgends ein Menschenrecht. Kein Verdurstender, hat ein Recht auf s­ auberes Trinkwasser. Und ­damit kein Recht zu ­überleben.

e


Konsum

Roman Sawatzki

Mit Dosenpfand zum Wohnmobil

bier

Der einzige Flaschensammler Deutschlands, der sein Pfandgut versteuern muss.

ich 1 W:O:A – Wacken Open Air Festival Das größte Metal-Fest der Welt.

25-Jähriges Jubiläum 2013. 75.000 Tickets

nach 48h ausverkauft.

Beim Bummel durch die Innenstadt, dem abendlichen Umtrunk mit Freunden oder schlicht beim aufmerksamen Beobachten ­seiner Umgebung, sieht man sie immer öfter. Die Rede ist von Flaschen­sammlern. Menschen, die Mülleimer nach Dosen und Flaschen mit dem­ Pfandsymbol der ­Deutschen Pfand­ system GmbH, durchsuchen.

Die Einen, mit bereits prall gefüllten Plastik­ tüten bepackt, auf ersten Blick erkennbar, welcher Mission sie folgen und die Anderen, denen man das Sammeln im ersten M ­ oment gar nicht zutraut. Der kurze, unauffällige Blick in die Tonne ­»enttarnt« jedoch diejenigen, die man zunächst dieser Gruppe, auf offener Straße, nicht zugeordnet hätte. Doch ist »Enttarnen« der richtige Begriff?

Für einen großen Teil der Gesellschaft ist es unvorstellbar, in öffentlichen Mülltonnen nach den weggeworfenen Dingen anderer Mitbürger zu graben. Doch wie verwerflich ist es, Mülltonnen nach Dosen und Flaschen zu durchsuchen? Ist es nur der von Kindheitsbeinen an, gesellschaftlich ein­ geimpfte Kurs, nichts anzufassen, das auf dem Boden liegt? Was bewegt Menschen, ­in Mülltonnen nach den weggeworfenen ­Flaschen der anderen zu suchen? Ist es der Kick überall Geld liegen zu sehen, kann man damit gutes Geld verdienen oder ist es schlichtweg eine Einstellungssache? Ein Flaschensammler, auf den alle der oben genannten möglichen Gründe passen, dem weder das Aufreißen gelber Säcke, noch das Kriechen zwischen Festivalbesuchern unangenehm ist, heißt Eduard Lüning.

Dieser Text gibt einen kleinen Einblick in den Alltag des vermutlich erfolgreichsten Dosen­ sammlers Deutschlands. Eduard Lüning ist Profi auf seinem Gebiet.

Er hat Sozialpädagogik studiert und ist wohl ­der einzige in Deutschland lebende Flaschen­ sammler, der Steuern auf sein gesammeltes Pfandgut zahlt. Angefangen hat alles mit einem in Müll­ säcken wühlenden Mann, den er im Halbdunkel einer Laterne beobachtet. Als er den Mann anspricht, um zu fragen, was dieser sucht, und der ihm vom Dosenpfand berichtet, war es um Lüning geschehen. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem als Taxifahrer, Bauarbeiter, Toten­gräber, Stadtmagazin-Verkäufer, Sozial­arbeiter und einer frisch ­gescheiterten, langjährigen ­Beziehung,

beschließt er, Pfandflaschen zu sammeln. Seine ersten Stationen sind zunächst der öffentliche Nahverkehr seiner Heimatstadt Münster, der an Bundesliga­-Spieltagen ein umfangreiches Aufgebot an Dosenund Pfandflaschen verspricht. Die Fußballfans, die zu Spielen in die Stadt kommen, hinterlassen doch eine große Anzahl an Umverpackungen, denkt sich Lüning und beschließt, direkt mit dem Sammeln ­anzufangen.

Er steht auf dem ­Münsteraner Bahnhof und wartet auf den ­vollbesetzten Fußball-Zug, der Fans zum Spiel bringen soll. Als der Zug steht, besteigt Lüning mit fünf weiteren Konkurrenten die Waggons und sammelt, was die Taschen halten. Nach einigen Minuten verlässt er, sichtlich zufrieden, den vollbesetzten Zug. Pralle Plastiktüten, gefüllt

mit Flaschen, die das begehrte Pfandsymbol auf ihren Etiketten tragen, nennt er nun sein Eigen. »Besser als nix«, sagt er, fachsimpelt kurz über Orte und Techniken mit der Konkurrenz und zieht weiter auf seiner Suche. Schnelligkeit ist das Wichtigste im Kampf um die begehrten »Goldschätzchen«. Es herrscht große Konkurrenz unter den Dosensammlern. ­Teilweise gibt es klar abgesteckte Gebiete, die bestimmte Sammler für sich beanspruchen und dementsprechend verteidigen. Die Deutsche Bahn unterbindet mittlerweile vermehrt das Dosensammeln an Bahn­steigen­ und Bahnhöfen, da die Sammler Bierreste an Ort und Stelle ausleeren und Müll in den Abteilen hinterlassen. Auch auf Festivals wie »Area4« oder dem

18


18–19

»Summerjam« ist das Dosensammeln mittler­weile verboten. Organisierte Banden sind ebenfalls auf das ­Geschäft mit dem Blechgold ­aufmerksam geworden und sammeln neben den Dosen und Flaschen auch Handys und Portemonnaies aus den Zelten der Festival­ besucher. Lüning hat dennoch die Festivals für sich entdeckt und ist zwischen Mai und September unter anderem auf Veranstaltungen, wie dem »W:O:A1« oder dem »Rock am Ring« unterwegs, da dort das Sammeln noch erlaubt ist. Die durchschnittliche Festival- und somit »Jagdsaison« bewegt sich um die 30 Tage pro Jahr. Lüning fährt von Festival zu Festival, insgesamt ca. 10.000 Kilometer und sammelt die Dosen, die Andere achtlos wegwerfen.

Die Erinnerungen an seine erste Festivaltour 2010 hat er in einem Buch festgehalten: »Mit Dosenpfand zum Wohnmobil«. Das in dem Buch genannte Wohnmobil mit Baujahr 1995 kostet ­umgerechnet ca. 30.000 Dosen. Dieses ist mittlerweile durch ein neueres Modell abgelöst worden, dessen Neupreis bei ca. 52.000 Euro liegt. Alles finanziert durch das Pfandgut, das Andere nicht haben wollten. Im Fall des W:O:A, dem Highlight des Jahres, begibt er sich am ersten Tag vor Beginn auf das Festivalgelände, um einen guten Stellplatz für sein Wohn­ mobil zu bekommen. Die Laufwege sind wichtig beim Flaschensammeln, sagt er. Es mag vielleicht im ersten Moment etwas befremdlich wirken, jedoch ist es nichts anderes als ein normaler Job. Es muss im Voraus

geplant, kalkuliert und abgewogen werden. All das, was ein Unternehmer auch tun muss, wenn er sein Geschäft zum Erfolg bringen möchte.

das ­Dosensammeln. So zieht Lüning seine ­Kreise über das Festivalgelände, immer mit Blick auf das umher­ liegende »Gold«. Er sammelt fast ausschließlich Dosen in geplättetem Zustand, da mehr Dosen in die Säcke passen. »Für platte Dosen gibt es die gleichen 25 Cent, wie für intakte. Wichtig ist, dass das Pfandsymbol zu erkennen ist, ansonsten können Supermärkte die Annahme verweigern.«

Alle Himmelsrichtungen müssen gut erreichbar sein, wobei Bühne und die Zelt­ plätze zu den wichtigen Bereichen zählen. Hier trinken und feiern die Festivalbesucher und lassen mit steigendem Alkoholpegel alles ­stehen und liegen. Darunter auch die begehrten Dosen, für die Lüning das Festival besucht.

In einer durchschnittlichen Festivalsaison 2 kommen so für Lüning um die 13.000 Euro zusammen.

»Das Geld liegt auf der Straße. Man muss es nur einsammeln.«

Im Vorfeld hat er mehrere Supermärkte im nächstgelegenen Ort abgeklappert und angefragt, ob er die Dosen dort abgeben könne. Nach einigen Absagen hat er Glück und es findet sich ein wohlwollender Super­marktbetreiber,

Lüning spricht die Feiernden freundlich auf die umherliegenden Bierdosen an. Der Großteil der Besucher überlässt ihm die Dosen, einige kennen ihn bereits und schnacken ein wenig über Gott, die Welt und

der ihm sein gesammeltes Pfand abnehmen will. Das Problem ist hier, dass ein Mitarbeiter des Marktes die enormen Massen an Dosen einzeln per Hand zählen muss, da diese im plattgetretenen Zustand nicht mehr vom Pfandautomaten akzeptiert werden. Am Ende der Zählung 1 Lüning bedankt sich freundlich und verabschiedet sich bis zum nächsten Jahr. Auf dem »W:O:A« hat er an den drei Tagen des Festivals insgesamt 2.400 Euro3mit dem Flaschen-, Dosen- und Pfandkrüge-Sammeln verdient. Glücklich und zufrieden über die Ausbeute, fährt er weiter zum nächsten Festival. Seit dem Zeitpunkt, als das Finanzamt Lünings Erfolg erstmals registrierte, muss er sein

7

5

6 8 9 10

gesammeltes Pfandgut versteuern. »Wer ein Buch schreibt und ein Wohnmobil von Pfandflaschen kaufen kann, der hat Geld.«

4


Bie Konsum

1.

2.

3.

4. 5.

Mit Dosenpfand zum Wohnmobil

W:O:A Wacken Oma’s Teich Großefehn Hurricane Scheeßel Rock am Ring Nürburgring Open Flair Eschwege

bier

20

Bier


er? 6. 7.

8. 9.

10.

r

Burg Herzberg Festival Breitenbach Ruhrpott Rodeo HĂźnxe Mair1 Montabaur Melt Grafenhainichen Metalfest Loreley

20–21


Und aus Konsum

Takumi Naka

bier

Illusion of Choice

1 Durchschnittlich

109 Liter pro Person ­ im Jahr

Wenn man einkaufen geht, erwartet man eine Auswahlmöglichkeit. Wir möchten entscheiden können, von welcher Marke wir ein Produkt kaufen, ­abhängig vom Preis und der erwarteten Qualität, die wir mit einer Marke in Verbindung bringen. Das gehört zu ­unserem Empfinden von Freiheit. Jeder muss die Möglichkeit haben, immer seine eigene Entscheidung zu fällen und das Produkt, das er möchte, zu jeder Zeit auswählen ­zu können. Doch wird uns in ­vielen Fällen eine Vielfalt vorgegaukelt. Wenn man meint, die freie Auswahl zwischen ­»Perrier«, ­»San Pellegrino«­, »Vittel« und »Nestlé« zu haben, so kauft man im ­Endeffekt immer von der ­gleichen Firma. Damit sind alle Preisunterschiede kalkuliert und jegliche Kauf­entscheidung fällt zu Gunsten von ­»Nestlé« aus.

So könnte man das ewig weiter führen. Wenn man meint, eine freie Auswahl zu haben, weil man sich zwischen zwei Produkten entscheiden kann, ist dies oft reine Illusion, denn Konzerne wie »Procter&Gamble« sind mittlerweile nicht mehr eigene Konzerne mit einer Marke. Sie sind ein Konglomerat von vielen kleinen Firmen, die mit der Zeit aufgekauft wurden. Wenn man denkt, sich zwischen »M&M«, »Mars«, »Bounty«, »Twix« und »Snickers« entscheiden zu können, so landet unser Geld am Ende in der selben Tasche. Und natürlich platzieren diese Firmen Ihre Produkte so, dass sie alle Geschmäcker abdecken und dem Konsumenten alles anbieten, so, dass er sich noch entscheidet, sich am Ende aber doch immer für Mars entscheidet. Genau so verhält es sich heutzutage mit Bier. Dort wo es früher

viele kleine eigenständige Brauereien gab, sind heute multi­ nationale Unternehmen vorhanden, die global operieren und in jedem Land ein Bier vertreten. So gibt es seit 2008 nach dem Zusammenschluss von »InBev« und »Anheuser-Busch« die Brauereigruppe »Anheuser-Busch InBev«, eine Brauerei, der Marken wie »Beck’s«, »Stella Artois« und »Budweiser« angehören. Und dies sind nur die Biere, die global vertrieben werden. Ebenso gehören »Leffe«, »Hoegarden« und »Staropramen« zu »Anheuser-Busch InBev«. Auch diese Liste könnte man ewig weiter führen. Wenn man weiter recherchiert, stößt man auf fünf große Brauereien: »Anheuser-Busch InBev«­, »SABMiller«, ­»Heineken«, »Carlsberg« und »China Resources Breweries« die knapp 50 % des weltweiten ­Biermarktes kontrollieren und man

steht vor der gleichen »Illusion of Choice« wie bei den Schokoriegeln. Wenn man meint, sich frei entscheiden zu können, trinkt man doch immer wieder das Bier der gleichen Brauereien. Worin besteht denn dann noch die Auswahl? Und haben unabhängige kleine Brauereien überhaupt eine Chance, eigene, höherpreisige Biere an den Mann zu bringen?

Da in Deutschland zwar viel Bier1 getrunken wird, aber dies zum größten Teil aus den großen, allseits bekannten Brauereien stammt und nicht wie z.B. in Belgien aus vielen kleinen Micro­ breweries, fehlt hier oft die Wertschätzung für Bier bzw. ist man häufig der Meinung für ein 0,5 Liter Bier sollte man nicht mehr als einen Euro ausgeben, doch kostet selbstgebrautes Qualitätsbier mehr als einen Euro. Kleine

Brauereien produzieren kleinere Stückzahlen, beziehen ihre Rohstoffe meist aus der Region und können nicht auf Vertriebswege anderer zurückgreifen, sondern müssen diese selber aufbauen. Natürlich kann eine Brauerei wie »Heineken« einen viel höheren Druck auf ­Lieferanten aufbauen und somit den Preis für ihre Rohstoffe deutlich drücken, da­sie viel höhere Mengen abnehmen kann. Auch haben sie gegenüber dem ­Handel eine stärkere Position, denn der ist auf die Biere von »Heineken« und Co angewiesen, da sie sich immer gut verkaufen. Deshalb vertreiben Brauereien wie die »Unertl« Brauerei aus Mühldorf ihr Bier im Umkreis von 50 Kilo­metern. Ganz anders können ehemals ­regionale Brauereien wie »Wulle« operieren, die 1971 von »Dickelacker« übernommen wurde, die wiederum eine Zeit

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d lang zu »InBev« gehörte, mittlerweile aber mit zur »DinkelackerSchwaben­bräu GmbH« gehört, denn durch diesen Hintergrund kann »Wulle« die Vertriebswege der »Dinkelacker-Schwabenbräu GmbH« mit nutzen und somit immer weiter expandieren, ohne selber viel investieren zu ­müssen. Dadurch haben diese Konglomerate von Brauereien einen Gewaltigen Vorteil gegenüber unab­hängigen Brauereien, wenn es um Vertrieb und Absatz geht.

So verlangt die Brauerei »Unertl« zwei Euro für eine Flasche »Unertl Weißbier« aus Mühldorf. Und das vollkommen gerechtfertigt. Durch ein derartiges Oligopol, das die ­großen Brauereien inne haben, besteht die Gefahr, dass es unter den Brauereien – die 50 Prozent des Marktes kontrollieren – zu Absprachen kommt.

Im Jahr 2013 wurde bekannt: »Das Bundes­ kartellamt ermittelt gegen mehrere große Brauereien wegen möglicher ­illegaler Preis­absprachen im ­Markt«, unter anderem ­»AB InBev«, ­»Carlsberg«, ­»Warsteiner«, »Krom­­ bacher« und die »Oet­ ker-­Gruppe«. Das Magazin »Focus« sprach vom ­»größten Kartell­­­­verfahren in­ der ­Geschichte der ­deutschen Bier­­­­­­ branche.« Am Ende kam das Kartellamt zu dem Schluss, »dass es ­in der Bierbranche Preis­absprachen zwischen mehreren deutschen Brauereien gab.«

Dieser Druck, auf kleine, inhabergeführte Brauereien ausgeübt, schadet Deutschland als Biernation. Denn wir leben von der Vielfalt der Brauereien. Doch diese sterben nach und nach immer mehr aus. Das Urteil des Kartell-

amtes zeigt, wie aktuell dieses Thema ist und wie schutzlos man ausgeliefert ist. Ähnliche Praktiken kennen wir von Tankstellen, wo es oft zu einer so genannten Preisführerschaft kommt, gegen die schwer vorzugehen ist. Dabei erhöht eine Tankstelle den Preis und kurz danach ziehen alle anderen nach. Auch kennen wir ähnliche Probleme von Stromkonzernen, die sich Deutschland noch deutlicher untereinander aufgeteilt haben. Dem sind wir Kunden schutzlos ausgeliefert und da liegt das Problem eines Mono- bzw. Oligopols, denn ein Großteil des deutschen Biermarktes liegt in der Hand weniger.

22–23


lau Bel24

Sachen

You must be joking, no? Novo Typo Etiketten

Konsum

AbgefĂźllt Mit Dosenpfand zum Wohnmobil Illusion of Choice

Bierkultur

Experiment auf deutschem Boden Fick dich Dr. Oetker! Craft Beer in Mainz Mein Bier ist nicht dein Bier Priller Wesseloh Kopp

Ausland

Unsinnsabend Salut, Hanne Koeders! Antwerpen

Schmecken Biertest Rezepte Brauereiverzeichnis

Impressum


u-

24–25

»Der Wirt, der ­in seiner ­Gaststätte­ politische oder ­staatsgefährdende­ Diskussionen ­duldet, ohne die Gäste der Obrigkeit auszuliefern, wird getötet.«


war Bierkultur

Paul Mielke

Experiment auf deutschem Boden

bier

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Craft Bier – Wohin bewegt sich die Szene?

Das Bier, das vermutlich vertrauteste Getränk der Deutschen.

Dieser Satz ist vollkommener Quatsch. Erstens, weil die meisten Menschen vor Bier natürlich erstmal Cola trinken, Wasser, Säfte. Zweitens, weil Sie Bier vermutlich gar nicht kennen.

Wir – das deutsche Volk, dieses eigentümliche Gebilde, sehen uns als eine Biernation und sehen, dass das Ausland uns so sieht. Bier, Bayern und Norddeutsche, brauende Mönche in Klöstern oder ein stressfreier Mann am Strand und im Meer ein Boot mit grünen Segeln, Experience. Dazwischen bitte ein Bit und die drehende Semperoper. Sie alle spielen Fußball.

Geht man tiefer in die Materie, so scheint einem die Assoziation Deutschlands mit dem Bier nämlich überhaupt nicht mehr so stimmig.

Bei der Vorbereitung zu diesem Heft sind wir nach Belgien gefahren (entgegen dem ersten Ratschlag einer Kommilitonin, die direkt »Oh Bier! Da müsst‘s ihr nach Bayern fahr‘n!« empfohlen hatte). ­Nicht nur dort haben wir eine Vielfalt gefunden, die uns am Konzept der deutschen Bierkultur etwas zweifeln ließ und uns klar macht, dass die Deutschen, entgegen der landläufigen Auffassung, das Bier wohl weder alleine erfunden haben, noch, dass wir heute von uns sagen können, eine Biernation zu sein.

Denn allein die Vielfalt, die er zu beschreiben versucht, kennen die wenigsten.

Wie mit vielen Produkten und Lebensmitteln vollzog sich auch mit dem Bier seit der Jahrhundertwende, verstärkt nach dem Wirtschaftswunder, ein Prozess der industrialisierten Produktion, der Zentralisierung des Marktes, von vielen kleinen Betrieben zu wenigen großen.

Markenvielfalt, besonders in Bayern und den Hansestädten eine jahrhundertealte Tradition qualitativ hochwertiger Biere vorzuweisen hat, geschützt durch das Bollwerk der deutschen Bierproduktion: Das Reinheitsgebot. Doch was sich momentan, weitestgehend im Verborgenen abspielt, ist gleichfalls interessant wie auch schwierig zu betrachten. Der Begriff »Craft Beer« stammt erkennbar aus Amerika und entstand dort vermutlich zwischen 1990 und der Jahrtausendwende. Es handelt sich folglich um keinen neuen Trend, wenn man über das handwerklich (»craft«) hergestellte Bier spricht. Dies führt aber gleich zur ersten Problematik, denn handwerklich ist Bier auf der einen Seite immer, auf der anderen Seite braucht es zur Herstellung großer, wirtschaftlich rentabler Mengen immer einiges

an Technik, besonders beim Bier.

Andreas Fitza, langjähriger Bierkenner auf dem deutschen und amerikanischen Markt und Bierbotschafter der IHK, sagt dazu: »Craft Beer ist keine handwerkliche Bezeichnung. Tatsächlich ›handwerklich‹ ist wenig, da man zur Herstellung immer große Geräte braucht. Es ist die Geisteshaltung, die den Unterschied macht. Während sich Industriebier mit automatisierten Prozessen an die breite Bevölkerung richtet und den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht, also Geschmack auf das geringste reduziert, sucht Craft Beer auf experimentelle Art nach dem besonderen Aroma und zwar oft, bevor sich überhaupt Kunden finden.«

gien Aber, stimmt das? Entspricht dieses Bild, das uns Tag für Tag entgegenschwemmt überhaupt?

Craft Beer. Ein Begriff, der einem Menschen, der sich die letzten Monate nicht gerade mit der Bierszene auseinander gesetzt hat, vermutlich wenig sagt.

Heute sind 15 Prozent des deutschen Marktes allein in Händen der zum Oetker Konzern gehörenden »Radeberger-Gruppe«, die die Biermarken »Binding«, »Jever« und »Schöfferhofer«, »Rostocker« und »Berliner Pilsener« aber auch »Selters« und »Bionade«, sowie etliche kleinere Marken umfasst. Und das, obwohl der irregeleitete Durchschnittsverbraucher davon ausgeht, dass Deutschland, »das Bierland«, eine große

Eine Definition der American Brewers Association beschreibt den amerikanischen Craft Brewer so: Es


rm handelt sich um einen selbstständigen Betrieb, weniger als 25 Prozent sind in der Hand einer Nicht-CraftBrewery, die Jahresproduktion übersteigt keine 6 Millionen Barrel und – gerade für Amerika interessant – die Brauerei bietet ein ausschließlich auf Malz basierendes »flagship beer« an oder vertreibt zu mindestens 50 Prozent hauptsächlich auf Malz basierende Biere.

hin mit den großen 4 Zutaten Gerstenmalz, Wasser, Hefe und Hopfen geworben wird. In der Auffassung vieler Menschen sind amerikanische Biere daher nach wie vor vor allem wässrig und langweilig, charakterlos durch eine schnelle Filtration und Abfüllung. Andreas Fitza: »Amerika war tot vorher, was Brauereien angeht. Da war die nächste in 8.000 Kilometer Entfernung, landesweit gab es nur 80 Stück! Die mussten das gute Bier entweder improtieren oder Budweiser trinken.«

frischen Gedanken im Zubereitungsprozess. So entstanden in den USA in den Achtzigern die ersten kleinen Brauereien, die den Markt, dessen Zentralisierung noch schneller verlaufen war als in Europa, aufbrachen. Und sie sind es auch, die heute mit kreativen Ideen, z.B. der Lagerung des Biers im alten Whiskyoder Weinfass, auf sich aufmerksam machen. Als Craft Brewer greifen Sie veraltete und vergessene Biersorten und Produktionstechniken auf und sorgen gleichzeitig für innovative Neuerfindungen in der Branche abseits des Mischbiers.

n? Ganz so einfach ist die Definition in Deutschland nicht, denn das Reinheitsgebot hilft mit, dem Verbraucher Qualität vorzugaukeln: In Amerika dagegen besaß der Prozess der Craft-Beer-Bewegung eine nachvollziehbare Struktur. Die meisten Industriebiere wurden und werden auch heutzutage unter Zugabe günstigerer Ausgangsstoffe als Gerste hergestellt. So landen zum Beispiel auch Reis oder Mais im Bier, auch wenn weiter-

Also eine gute Ausgangslage, um die unwissende, nicht geschmacksgebildete Bevölkerung mit einem Bier zu konfrontieren, das entweder wirklich nur 4 Zutaten beinhaltet oder aber mehr, aber dafür wirklich natürlich hergestellt ist. Ein echtes traditionelles Bier mit

»Die erste Welle kam Anfang der Achtziger mit Brauereien wie Sierra Nevada und Samuel Adams. Die waren langsam aber beständig erfolgreich«, schreibt der amerikanische Autor Joshua M. Bernstein, der zwei Bücher über die Geschichte und die Sensorik von Bier

verfasst und eine CraftBeer-App für New York entwickelt hat. Die Menschen in den USA begannen sich eine Zeit lang damit zu beschäftigen und schärften ihren Geschmack, so Bernstein im Online-Magazin »Hopfenhelden«.

Als in den Neunzigern in Amerika verstärkt Equipment für die Heimbrauerei günstig angeboten wurde, kam es in der zweiten Welle zu einem richtigen Craft-Beer-Hype. Jeder braute zu Hause für Familie und Freunde. Daraus haben sich heute einige ansehnliche Betriebe entwickelt.

»Das Problem bei dieser zweiten Welle war: Diesmal wollten viele den Zug nicht verpassen und sprangen überhastet auf. Das heißt, das Craft Beer, das Ende der Neunziger ziemlich plötzlich und heftig überall auftauchte, war,

wenn man ehrlich ist, qualitativ nicht besonders toll. Die Leute, die es verkauften hatten aber ziemlich gute Marketingpläne«, so Bernstein. »Plus: das Internet kam. Plötzlich konnten sich Home Brewer besser vernetzen, sie konnten Informationen austauschen und voneinander lernen. Bis dato war die einzige Chance, etwas über das Brauen zu lernen, die paar Bücher zu lesen, die es gab, und irgendwelche Home-Brewer-Treffen zu besuchen. Aus diesen neubeflügelten Home Brewers wurden im Laufe einiger Jahre richtig gute Brauer. Der normale Weg: Man fängt an, Bier selbst zu machen, es schmeckt, Freunde sagen, verkauf es doch mal. Anfang der Nullerjahre kamen dann also diese neuen Brauer mit ihren hochqualitativen Bieren zu denen mit den tollen Marketingkonzepten,

26–27

den schönen Etiketten und geilen Logos. Und zusammen veränderten sie die Art, wie die Leute hier heute über Bier denken. Nicht alle natürlich, das muss man dazu sagen, Craft Beer macht acht bis zehn Prozent des Biermarktes aus. Aber es hat ein breiteres Bewusstsein dafür geschaffen, wie vielfältig Bier schmecken kann.« Doch die Zahlen kann man so oder anders interpretieren. Tatsache: In jeder amerikanischen Gegend gibt es heute Brauereien, der Durchschnittsbürger muss zur nächsten gerade einmal 10 Meilen fahren. 2.500 Brauereien bieten in den USA Bier an. In der Gesamtproduktion vielleicht klein, sind davon dennoch 97% Craft Breweries. Und das trotz strenger Marktgesetze, unsinniger Regelungen aus vergangenen Epochen, den unterschiedlichen Distributionsgesetzen der Bundesstaaten und


ist Ich Bierkultur

1 »Gypsy Brewing«,

Brauen eines eigenen

Biers in einer fremden Brauerei

2 »India Pale Ale«,

hopfenbetontes Ale, das zu Zeiten des

Kolonialismus von

England in die Kolonien verschifft und zur

Haltbarmachung stärker konzentriert und mit

Experiment auf deutschem Boden

dem hohen Eigeninvestitionsanteil, den jeder Brauer selbst zu tragen hat. Nicht umsonst verkaufen sich die Craft Breweries mit ihren aufwendigen und schicken Websites, den durchgestalteten Bars und nicht zuletzt mit umfangreichen Vimeo-Channels wie die Personifikation des Amerikanischen Traums.

Hopfen angereichert wurde

3 Ursprünglich durch Spontanvergärung hergestelltes Bier,

das Ähnlichkeit mit

Lambicbieren oder den belgischen »Geuze«

(»Gose«) Bieren aufweist

Beschäftigt man sich mit der starken Verbreitung von Craft Beer in den USA, so fällt erstmals auf, wie weit die angestammte Biernation Deutschland hinterherhinkt. Die meisten Ereignisse spielen sich in der Szene ab, Blogs und Onlinemagazine zum Thema Bier gibt es, viele nicht älter als ein Jahr. Der Prozess rollt gerade an, allerdings mit einer gänzlich anderen Dynamik, als das in den USA der Fall ist. Man muss schon suchen, um den ersten Artikel einer großen Zeitung wie der »Zeit« oder der

»Süddeutschen« zu finden, der sich ums Craft Beer dreht. Dennoch: Es gibt eine Reihe sehr kreativer und interessanter Biere hierzulande, allerdings haben sich auch beim Craft Beer schon die Großen eingereiht. »BraufactuM«, eine Marke, die verschiedene ausländische und inländische Craft Biere sowie in der eigenen Brauerei hergestellte Produkte in Deutschland vertreibt, ist eine Tochterfirma der Radeberger Gruppe. Die unten noch näher erläuterte Hamburger »Ratsherrn Brauerei« gehört zur »Nordmann Gruppe« und »CraftWerk« zu »Bitburger«. Alle diese Firmen haben eines gemein: Kluge Marketingkonzepte (die meist ausländischen ähnlichen Konzepten gleichen, d.h. es gibt z.B. die »Junge Wilde Brauerei« bei »CraftWerk«, angelegt an die schottische Craft Brewery »BrewDog«) und ein gutes Corpo-

bier

rate Design, zielgerichtete Kundenansprache, Preise unterhalb des Craft-Beer-Niveaus und die perfekte Illusion eines jungen, hochwertigen, dynamischen Unternehmens.

merziell ausgerichtete) Home-Brewer-Szene.«

Markus Harms, Herausgeber des Magazins »Bier und Brauhaus« schreibt dazu: »Die Craft-Beer-Bewegung ist in Sachen Kommunikation derzeit der rettende Strohhalm, an den sich deutsche Brauereien (auch die großen Gruppen) klammern, während die Gesamt-Absatzzahlen für den Gerstensaft sinken.

»Die Konsumenten ticken mit Sicherheit ein wenig anders als in den USA. Die Herausforderung lautet also in Deutschland nicht unbedingt, mehr Brauerei- bzw. Markenvielfalt zu schaffen, denn die hat der Verbraucher in seinen Augen bereits. Ziel sollte es doch wohl eher sein, eine echte, neue geschmackliche Vielfalt zu erzeugen und das riesige Potenzial, das uns die Bierzutaten bieten, auch zu nutzen bzw. nutzen zu wollen«, sagt Harms. »Man muss schon die hiesigen gewachsenen Strukturen kennen und richtig einschätzen können, um dauerhaft eine erfolgreiche Bewegung loszutreten.«

Bisher ist der Terminus ›Craft Beer‹ hierzulande aber noch nicht näher definiert und auch nicht geschützt. Deshalb sollten die Brauereien, besonders ›die Großen‹, die das Thema Craft für sich besetzen möchten, den Ursprung der Bewegung in den USA beachten: die (nicht kom-

Die Aufgabe läge jetzt beim Handel, den Restaurants, der Brauwirtschaft und der Veranstaltungsbranche.

Vieles ist innerhalb des

Reinheitsgebots möglich, das Problem liegt in der Marktstruktur und der scheinbaren Wahl. Deutsche Biere sind qualitativ nicht per se schlecht, sie sind nur langweilig, unkreativ, ohne Identität. Craft Beer muss kommuniziert werden, definiert werden, denn der Begriff ist in Deutschland nicht geschützt. »Erfolgreiche Brauereien in Deutschland kennen die Antworten auf die Frage des Konsumenten, der Kernzielgruppe. Derzeit ist es (leider) viel zu oft der Preis. Neue Biere treffen derzeit weitestgehend auf wehrlose Konsumenten. Und die fällen ihre Kaufentscheidung nach den Faktoren, die sie vergleichen können.« Jörn Stoll, ein guter Freund von Andreas Fitza, der in Mainz Budenheim das Golfclub- und vor allem Craft Beer Restaurant »19« betreibt, sieht das

28


t Problem besonders im Verhältnis der Deutschen zu Ernährung begründet:

»Leider ist das ja ein generelles Problem in Deutschland. Essen ›muss‹ billig sein. Diese Geiz-ist-Geil-Mentalität ist wirklich sehr schade, da dadurch natürlich die Qualität leidet. Das sehen wir ja immer wieder an den ganzen Skandalen, die wir haben. Bio- und außergewöhnliche Qualität kann und darf einfach nicht ›billig‹ sein. Wer aber bereit ist, für einen besseren Wein zwei oder drei Euro mehr zu bezahlen, sollte das beim guten Bier auch tun. Bei mir wird preislich wirklich alles ausprobiert. Unser hauseigenes ClubBier, ein naturtrübes Lagerbier, kostet bei uns genauso viel wie ein Pils oder Hefe, Craft Beer startet bei 2,80 Euro und endet knapp unter 40 Euro. Wobei es hier, wie beim guten Wein auch keine Gren-

ze nach Oben gibt. Ich gebe gerne auch mal 30 Euro für eine außergewöhnliche Flasche Bier aus.” Das Thema »Definition von Craft Beer« interessiert auch Felix vom Endt, Bierblogger und Betreiber einer der führenden deutschen Seiten, »Lieblingsbier. de«:

»Ich denke gerade, weil es immer undurchsichtiger wird, was wirklich Craft Beer ist und was nicht, ist es wichtig, dies zu definieren. Aktuell zeigt sich mir beim deutschen Markt die Begrifflichkeit »Craft Beer« als ein Trendbegriff, der wohl in Zukunft immer mehr aus Marketingtechnischer Sicht eingesetzt werden wird. Ich selbst weiß von einigen »Projekten«, welche von Menschen initiiert werden, die nicht vom Bier herkommen, die die Thematik Craft Beer aber extrem spannend finden und hier mit ei-

ner künstlich erzeugten »Biermarke« den Markt erobern. […] Die ›Nordmann Gruppe‹, einer der großen Getränkemultis in Deutschland, hat dies mit ihrer Craft Beer Marke Ratsherrn geschafft. Dazu gehört u.a. auch der ›Craft Beer Store‹, die ›Craft Beer Days‹ und auch das ›Craft Beer Pub‹. Das Ganze ging sogar soweit, dass ein Versuch von der Nordmann Gruppe gestartet wurde, über einen Anwalt (welcher übrigens auch für ›fritz-kola‹ die Markenrechte bei ›FritzAle‹ eintreibt), die Marke ›Craft Beer‹ beim Patentamt zu sichern. […] Die echten Craft Beer Brauereien müssen in Deutschland vor solchen Umtrieben geschützt werden. Die Großkonzerne forcieren ihre Craft Beer Produkte und verdrängen den kleinen Brauer aus dieser Nische, in welcher er gerade mal so eben angekommen ist. Die Konzerne haben ihre Vertriebskanäle,

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bringen schnell ein Bier in Supermärkte rein und können sich einen gewissen niedrigen Preis leisten, da es vor allem auch um Markenbindung geht.« Von Endt bezieht sich auch auf einen anderen Fall, in dem Fritz Wülfing, einer der Vorreiter der Szene, der seit Jahren als Gypsy1 Brewer seine Biere mit Namen »FritzAle« in den Brauereien von Kollegen und Freunden herstellt, von der Hamburger »fritz-kola« aufgrund seines Namens Markenrechtlich belangt wurde. »FritzAle« wird sich in Zukunft »AleMania« nennen. Wie will die Szene selbst ihren Ruf retten? Andreas Fitza: »Wenn man nach Amerika schaut: Da gab es natürlich am Anfang den Begriff der Microbreweries, aber wenn man z.B. Sierra Nevada nimmt, das ist heute die größte der

Craft Breweries und die siebtgrößte der USA, immernoch viel viel kleiner als Platz sechs, aber, da passte der Begriff ›Micro‹ einfach nicht mehr. Das war der Punkt, an dem man angefangen hat unsere Szene zu definieren. Eigentlich geht es hier doch um die Liebe zum Produkt! Handwerk ist heute ein Stück weit Synonym für Qualität, bei der niemand mit Rotstift und Marketing drangeht. Was Größe angeht, gibt es in Deutschland schon sehr lange ›Craft Breweries‹, Gasthausbrauereien in Baden-Württemberg und Bayern, die seit 30 oder 150 Jahren in vergleichsweise kleinen Mengen gute, regionale Biere herstellen. Ich will da auch nichts schlecht reden. Wenn dort die Generationen wechseln, kann es auch schonmal sein, dass der Sohn sich inspirieren lässt und mal ein IPA2 macht oder ein Stout und wenn das

gekauft wird, machen die mit Sicherheit mehr davon, aber was in den meisten Fällen einfach fehlt, das ist Kreativität. Als Craft Brewery aus Mainz kann ich auch mal über den Tellerand schauen und mache dann eine Leipziger Gose3, oder sogar ein englisches oder amerikanisches Bier.« Eine Craft Brewery definiere sich selbst oft durch ihre Szene, da sie Biere herstelle, durch die die Szene entstanden sei. Den deutschen Markt sieht Fitza nicht so bedrohlich: »Natürlich kommen jetzt die großen Anbieter. Die wären ja schon ziemlich doof, diese Chance nicht zu erkennen, jetzt wo es mit ihnen ohnehin schon bergab geht. Die wollen den Bedarf da abgrasen, wo er ist: In Amerika war der Prozess langsamer, kontrollierter, erst jetzt, wo etwa 10 Prozent des Marktes Craft Beer sind, gibt es auch die Craft Breweries von


es Bierkultur

Experiment auf deutschem Boden

den großen Herstellern. Nur in Deutschland hat man das Vorwissen von Amerika, was die Marktstrategie angeht. Und deshalb auch jetzt schon ein Bitburger IPA. Der Vorteil ist also, dass ich jetzt auch hier mein amerikanisches ›Firestone Walker‹ bekomme, weil ›BraufactuM‹ das importiert, deren eigenes Bier ist auch nicht schlecht, es hilft also sowohl dem Verbraucher, als auch dem kommenden Craft Beer Markt, aber: Die großen Hersteller können Craft Beer günstiger produzieren als jeder unabhängige Anbieter. Es sind also beide Aspekte. Aber ich sehe da keine große Gefahr für die Szene. Wenn sich die Ketten nicht an absolut jeden Trinker wenden wollen und jeden Deutschen zum Craft Beer erziehen, dann wird die Szene dafür sorgen, dass diese Menschen informiert werden. Den Kunden, der jetzt vom Craft Beer und dessen

Qualität überzeugt ist, den werden die nicht überzeugen können, weil der immer auf Qualität bedacht ist.« Der Name des ersten Craft Beers, das der Kunde kauft, sei im Grunde egal. Wichtiger ist, wie stark sich der Käufer mit dem Thema Craft beschäftigt. »Wir sehen überall, dass die Menschen sich stärker dafür interessieren, was sie essen und trinken. Ohne diesen Hintergrund kann es ja nicht sein, dass sie an einem ›BraufactuM‹-Stand ein Bier für 30 Euro kaufen, in einer großen Flasche. Da fragt man sich schon mal, was da eigentlich anders ist. Und vielleicht erfährt der Käufer dann auch irgendwann, dass ›BraufactuM‹ von der ���Radeberger Gruppe‹ kommt und denkt sich ›Na, dann eben doch nicht‹. Aber dann habe ich ja die Chance auch irgendwann meinen ›Fitza Bräu‹-Kühlschrank daneben zu stellen. Dann wundert

bier

sich keiner mehr, warum das Bier 10 Euro mehr kostet, weil der Verbraucher hat ja auch schon das ›BraufactuM‹ getrunken.«

Der Ansturm der Großen auf den Markt sei ohnehin nicht aufzuhalten, schätzt Fitza. »In Amerika gibt es etwa 50 Prozent der Kunden, die wissen, dass es Craft Beer gibt, die trinken es, aber die trinken Alles. Denen ist es egal, ob das eine Craft Brewery ist, die Craft Brewery von ›Budweiser‹ oder ›Budweiser‹ selbst. Aber 8 Prozent der Verbraucher dort trinken ausschließlich Craft Beer und die kennen die Blogs und die Zeitschriften und die wissen auch welches Bier zu ›Budweiser‹ oder bei uns dann zu ›Beck’s‹ gehört.« Diese Informationen sind also das Wissen, das an den Kunden geraten muss, damit Craft Beer positiv weiterwachsen kann. Ein entscheidender Pluspunkt: Glauben.

»In der Branche, das sind alles Geeks, die machen das mit so einem experimentellen und kreativen Elan. Wenn das ›Warsteiner‹-Marketing zu deren Braumeister geht und sagt ›Mach uns mal ein IPA!‹ dann denkt der sich ›Warum nicht?‹ und bastelt was zusammen. Aber der hat niemals die Leidenschaft eines Microbrewers.«

30

gang von Heimbrauern, Craft Breweries und normalen Brauereien. Traditionelle Kleinunternehmen existieren weiterhin neben neuen experimentierfreudigen Bierherstellern.

habe Diese Entwicklung, dem ohnehin mit starkem finanziellem Risiko ausgestatteten Craft Brewer auch noch den Ruf der Unabhängigkeit streitig zu machen, ist Besorgnis erregend.

Das Problem muss in Deutschland mit dem Schutz des Begriffs und damit der Branche beginnen. In keinem anderen »Bierland« stellt es sich in gleicher Art.

In Ländern wie Belgien, wo kleinere Brauereien traditionell besser überleben können, entsteht ein fließender Über-

Wo befindet sich Deutschland derzeit auf dem Feld Craft Beer?

Jörn Stoll antwortet darauf: »Die Brauereiszene unterscheidet sich international ganz klar bei den Bierstilen. Die belgische Szene hat sehr schwere und starke Biere, die amerikanische sehr hopfige. Die deutsche Szene experimentiert noch eifrig und findet momentan Ihren eigenen Stil. Frische, hopfige Pale Ales und IPAs. Nicht zu vergessen ist aber die Italienische. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Die Amerikaner schauen nun sehr genau zu uns und bereiten auch schon Importe vor. Ob wir etwas verpasst haben? Wir haben eben erst vor kurzem damit


30–31

begonnen. Holen jetzt aber rasant auf. Ich denke in zwei bis drei Jahren sieht das hier zu Lande schon ganz anders aus. Vielleicht wie in Italien?« Geht es beim Craft Brewing um den Glauben? »Glauben spielt dabei auch eine sehr große Rolle. Auf der einen Seite ist es eine gewisse Abgrenzung zu den Großen, Langfristig wird aber in Zukunft wohl leider der Glauben durch das Marketing der Großen ersetzt. Also gilt es den noch lange zu bewahren!«

e

Wohin geht also der Trend? Andreas Fitza vermutet: »In Amerika gibt es mittlerweile absurd viele Brauereien. Jedes Mal wenn ich dort bin gehe ich in den Supermarkt und teste alles, was ich bekommen kann, aber jedes Mal gibt es ein völlig anderes Angebot. Einer meiner Interviewpartner dort hat

mir erzählt, dass dort derzeit um die 1.500 Brauereien auf die Genehmigung warten und an den Start gehen wollen. Aber das ist beim Wein ja auch so, dass es sehr viele Anbieter gibt, die man nicht alle kennen muss und einige tun sich hervor, weil sie eben besser sind als andere.“ Fazit: Deutschland hat einiges aufzuholen, aber die Entwicklung hier muss auf natürliche Art und Weise von statten gehen und darf nicht von den immergleichen Konzernen aufoktroyiert werden, sonst entwickelt sich Craft Beer zum nächsten Konsumtrend, obwohl es eigentlich darum geht, dass Bier auch anders geht. Gemacht von jungen, kreativen, weltoffenen, mutigen Menschen, denen es nicht in erster Linie um den finanziellen Erfolg geht. Dazu fehlen uns Regelungen

auf dem Markt, denn der Verbraucher wird, wie so oft, nicht erkennen können, woher sein Produkt wirklich kommt und bis diese entstanden sind, hilft es nur, auf die Kommunikation innerhalb der Szene zu vertrauen und darauf, dass man Ehrliches Bier einfach schmeckt.


Bierkultur

Paul Mielke

bier

Craft Beer in Mainz

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hier 1 peng.de

plankenord.de fitzabräu.de

bierbotschaft.de microbier.com

mainzer-golfclub.de /restaurant19

facebook.com /fitza

/golfrestaurant19 /craft.beer.mainz

Auch im kleinen Mainz kann man mittlerweile eine recht ansehnliche Szene von Bier­ interessierten finden. Zwei der Hauptvertreter sind Jörn Stoll, Pächter des Craft-BeerGolfclub-­Restaurants »19« in Budenheim und IHK Bierbotschafter Andreas Fitza, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation e.V. »PENG« und Mitglied der Bierbotschaft an der Planke Nord, dem Kulturbiergarten im Mainzer Zollhafen, sowie Microbrewer.

wundert, wie viele tolle Biere es da gab und darauf meinte der nur »Ja das ist hier überall so.«. Da habe ich zum ersten Mal erfahren, dass es in den USA so eine Brauereienvielfalt gibt und dass da spannende Sachen auf dem Markt passieren. Ich hatte bis dahin bei Amerika eher »Budweiser« im Kopf gehabt. Als wir uns dann vor 6 Jahren zum ersten Mal eine von den größten Craft Breweries angesehen haben, war das das erste Mal, dass ich mich wirklich damit beschäftigt habe.

Herr Fitza, wie hat ihre Liebe zur Bierkultur begonnen?

Irgendwann habe ich angefangen diesen Langzeit-Dokumentar­ film zu drehen und Brauer interviewt, jedes Mal wenn ich meinen Bruder in Amerika besucht habe. Vor zweieinhalb Jahren haben wir dann im »Pengland« ­angefangen, bei bestimmten Veranstaltungen Biere zu probieren. Das war immer lustig, weil man Leute damit

Vor etwa 7 Jahren hat mein Bruder in Amerika studiert und ist da mittlerweile Professor. Den habe ich dort häufiger besucht und der meinte einmal »In der Stadt gibt’s ne coole Brauerei!« und da sind wir dann hin gegangen. Und ich habe mich ge-

aufziehen konnte, die alle dachten, dass sie hier die große Bierkultur haben und einen ungläubig angeschaut haben, wenn man erzählt hat, dass Amerika den großen Biermarkt hat. Daraus ist dann auch zur gleichen Zeit der Blog entstanden, weil ich dachte, dass man da irgendwie besser informieren muss. Das hat sich dann immer weiter entwickelt, bis hin zu dem Kurs als Bierbotschafter bei der IHK.

Herr Stoll, wann sind Sie das erste Mal auf Craft Beer aufmerksam geworden und seit wann steht es auf ihrer Getränkekarte? Andreas, mit dem ich früher zusammen die »Bass.BBQ«-Events in der »Kasematte« durchgeführt habe, hat mich bereits vor ca. zweieinhalb Jahren darauf aufmerksam gemacht. Eingeführt habe ich es bei mir, als Erster im gesamten

Rhein-Main-Gebiet, mit der Übernahme als Pächter im Mainzer Golfclub in Budenheim Anfang 2013. Sind Golfer leidenschaftliche Bier-Gourmets?

Zumindest sind Sie, gerade in Mainz, eine geeignete Zielgruppe. Ich denke, dass die hopfigen Biere eher die jüngere Zielgruppe und die schweren, malzigen Barley Wine Biere die etwas ältere »Weingeneration« ansprechen. Ein Gourmet kann jeder sein, der Sinn für Geschmack, Genuss und Vielfalt hat.

Wie haben Sie ihre Leidenschaft zum Bier entdeckt? Ist es schwieriger, in Deutsch­­­land ein guter Bierkenner zu werden, weil man im Gegensatz zu Belgien nicht mit der Vielfalt aufwächst? Leidenschaft gab es eigentlich bis zu dem Zeitpunkt, als ich

mein erstes Craft Beer getrunken habe, gar nicht. Bis Mitte letzten Jahres war es wirklich schwierig, da der Markt in seiner Vielfalt von den großen Brauereien nicht gerade gefördert wird. Mittlerweile gibt es aber gute, regionale, kleine Brauer, die mit viel Mühe und Liebe tolle Biere produzieren. Und zwar nicht nur unser »geliebtes« Pils. Meine beiden Jungs werden nun auch endlich in einer breiten Biervielfalt aufwachsen. Was sind die interessantesten Projekte zum Thema, mit denen sie bei ihrer Arbeit in letzter Zeit Kontakt hatten?

Definitiv die »Bierbotschaft« an der Planke Nord. Es macht einfach Spaß, so vielen interessierten Leuten tolle und andersartige Biere zu zeigen. Danke an dieser Stelle für die tollen Abende mit euch. Für 2014 sind einige weitere Projekte geplant!


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Weitere Infos findet ihr auf Facebook1. Herr Fitza, die »Bierbotschaft« ist ihr Projekt. Wann wurde sie gestartet und welches Ziel verfolgt sie? Im Prinzip ist die Bierbotschaft, gegründet von Heiko Hees, meinem Bruder und mir, der Container auf dem Gelände der »Planke Nord«, in dem wir langfristig Bier brauen wollen. Das Ziel ist aber vorerst, ein bisschen auszuprobieren, wie der Markt, die Leute, darauf reagieren, wenn man das tut, was in unserer Szene andauernd verlangt wird, nämlich, wenn man Craft Beer oder sagen wir mal interessante Biere verfügbar macht. Normalerweise gibt es die ja so nur im Internet und wenigen anderen Verkaufsstellen. Wie wäre es, wenn es die einfach so im Biergarten gibt, anstatt immer nur das Hefeweizen? Weil die »Planke Nord«

ein Kulturkonzept vertritt, hat sich das eigentlich gut ergeben. Der Container fungiert einmal die Woche als Verkaufsstand. Nebenher wollen wir Brauveranstaltungen organisieren, die zeigen sollen, wie man – nicht auf einer riesigen Anlage – sondern auf einer verständlichen, kleinen, griffigen Ebene, Bier herstellt. Das Ziel ist eigentlich, dass man so zuschauen kann, was geschieht, dass Leute ans Thema herangeführt werden. Ein bisschen also die Home-Brewing-Schiene und auf der anderen Seite zu sehen, wie die Menschen darauf reagieren, wenn man andersartiges Bier an den Mann bringt. Wir hatten schon 18 verschiedene Biere da, auch mit Proben zum riechen und testen. Da war schon vieles dabei, vom belgischen Fruchtbier bis zum Double Stout. Bisher war das

Feedback sehr positiv, es waren doch sehr viele Leute offen für die Biere, die auf den ersten Blick vielleicht ein wenig teurer oder ein wenig speziell, sehr bitter, sind. Wir haben im letzten Jahr, als wir erst zwei Mal auf hatten, eine Ausnahmegenehmigung vom Amt bekommen. Was das Bürokratische angeht, ist die Sache etwas verzwickt. Wir sind schon wieder in der Beantragungsphase. Der Fairness halber muss man sagen, dass wir auch die ersten Menschen sind, die überhaupt Bier in einem Container brauen wollen. Wo bekommen Sie die Biere her? Für die Bierbotschaft organisieren wir die Biere bisher über den Golfclub, aber man kann auch in Darmstadt bei Maruhn einkaufen. Es ist schon der Ansatz

da, auch den Markt testen zu wollen, ob es Kundschaft für solche Vertriebe auch hier gäbe. Bier in einem Container selbst brauen, soll da was Trinkbares rauskommen? Eigentlich ist das der Plan gewesen, aber ob wir das hinbekommen, liegt sehr stark von den Ämtern ab. Die wollten eine Schleuse im Container, wenn die also da nicht mitmachen, dann haben wir noch die Option einer Scheune im Hunsrück. Wir versuchen es auf jeden Fall so zu machen, dass die Leute sich das anschauen und verstehen, dass man sich das ganze Material eigentlich in einer einzigen Amazon Session besorgen kann. Also das, was in Amerika durch die Heimbrauclubs schon verbreitet ist, dass man das Bier von irgendei-

nem Typ probiert und sich wundert, wie das aus Plastikeimern so gut schmecken kann. Aber, wenn er sauber gearbeitet hat, warum sollte es das nicht? Haben Sie beide eine Lieblings-Craft Brewery? Nein, das wäre unfair. Es gibt einfach zu viele tolle Brauer: »Fritzale«, »Kehrwieder«, »Häffner«, »Braukunstkeller«, »Crew«, »Hans Müller« und »Sander« um nur einige Deutsche zu nennen. »Sierra Nevada«, »Samuel Adams«, »Rogue«, »Mikkeller«, »Flying Dog«, »Midfynts Bryghus«, »Brewdog«, »Brewfist« und »Firestone Walker« sind die internationalen Größen. Fitza empfiehlt den Braukunstkeller: Die Arbeit von denen finde ich auf jeden Fall super. Sie haben viele verschiedene IPAs, die auch tatsächlich unter-

schiedlich schmecken, ich bin gespannt, ob die sich demnächst mal an ein Porter oder ein Stout wagen. In den USA finde ich die Brauerei ›Clown Shoes‹ toll, weil die auch mal so Dinge wie Chili und Zimt verwenden, aber auf eine sehr gute Art und Weise – so, dass man es schmeckt, aber nicht aufdringlich.


auc Bierkultur

Paul Mielke

bier

Fick dich Dr. Oetker!

34

»Eulchens« Rebellion gegen Einheitsbier.

Leonidas Lazaridis und Philip Vogel stehen in dem kleinen Raum in der Gaugasse in Mainz, der aussieht wie eine Mischung aus einer Renovierung und ­einem neuen Trendcafé: Große, klare, golden leuchtende Glühbirnen mit kupferfarbenen Stoffkabeln, eine ausgestopfte Eule, passend zum Namen ihres Biers, über der Tür, mit dem Schriftzug beklebte Kühlschränke. Darin Reihen schlanker Flaschen mit Bügelverschluss. Die beiden tragen Schürzen mit dem »Eulchen«-Schriftzug hinter dem Tresen zwischen den kleinen, selbstgebauten Bierbänken.

Begriff ist, eines ihrer Biere zu kaufen.

»Schoid ihr Bier­ brauer?« »Nein, wir studieren Kommunikationsdesign an der FH.« »Aber dann habt ihr dasch Bier doch nicht gemacht!?« »Doch.« Der kleine Mann probiert und fällt sein Urteil. »Hm, nischt bitter, malzig, das isch kein Pils. N’ Export auch nicht … Ach ein März’n! Es steht ja drauf!« Es scheint ihm zu schmecken, auch wenn er sonst mehr der »Bitburger«-Fan ist. Oder »Königpilsener« trinkt. Die Brauereien hat er auch schon besucht und sich, wie er Leonidas und Philip erzählt, gewundert, wie man in so großen Braukesseln, die »ja so die Aura von Schwerindustrie haben«, so gutes Bier brauen kann.

Denn genau dieser Irrglaube ist es, den sie mit ihrer Bachelor­ thesis beseitigen wollen. Aber sonst ist die kleine Gaststube in der Mainzer Gaugasse gut gefüllt mit Menschen, die regelrecht begeistert auf das Märzen reagieren, das die beiden innerhalb von einem halben Jahr zu Stande gebracht haben. Und das ohne Brauausbildung. »Die Sommerpause ­haben wir schon genutzt und seitdem wirklich jeden Tag ein paar Stunden daran gearbeitet, sonst geht das nicht, aber es hat sich gelohnt.«

Flaschen trinken die beiden selbst. Nach einem Flaschencountdown, der um kurz vor Null Uhr die Null erreicht.

vollen Titel »Rebellion gegen Einheitsbier« kam den beiden recht schnell: »Wir hatten die Schnauze voll von dem Bier, was es hier in den Supermärkten zu kaufen gibt. Dann haben wir uns auf die Suche begeben und als wir nichts gefunden haben, dachten wir, da müssen wir eben selbst ein Bier brauen! Und dabei kam es uns dann nicht nur auf die Verpackung an oder auf die Gestaltung des Ganzen, sondern in erster Linie darauf, ein gutes Bier zu machen.«

sche Gegenüber den stolzen Brauern steht ein kleiner, ­dicker Mann, der etwas abgehalftert wirkt, mit seiner leicht verdreckten Bitburger-Schirmmütze. Er will nicht so ganz verstehen, was die beiden eigentlich hier machen, obwohl er gerade im

Da können die beiden dann wirklich nur noch die Köpfe schütteln.

Es bleibt auch bei diesem einen ­kauzigen kleinen Mann als einzige Kuriosität der Woche von Mittwoch bis Mittwoch in der die beiden die exklusiven 2.000 Flaschen ihres »Eulchen« an den Mann bringen dürfen. Und zwar mit einer Punktlandung am letzten Abend. Die letzten zwei

Zuerst fällt der merkwürdige Name auf. Warum die Eule?

»Wir haben uns an­ gesehen, was Bier früher für Namen hatte, als es noch sehr viele kleine Brauereien gab. Da gab es entweder die Familiennamen (›Lazaridis-Vogel-Bier‹) oder den Namen der Stadt. Aber da wir das beides nicht so gut fanden, sind wir auf die dritte Gruppe gestoßen: Tiernamen. Also brauchten wir ein Tier, das eine gewisse Wertigkeit ausstrahlt, unser Bier ist ja keines, mit dem man sich literweise unter den Tisch trinkt. Eine Eule ist ein stolzes Tier und nachtaktiv, Bier trinkt man nachts, passt.« Die Idee für die Bachelorarbeit mit dem

In der Tat, die Bachelor­ arbeit ist ungewöhnlich, im Fach Kommunikationsdesign, und direkt keinem der Fächer zuzuordnen. Betreut wurden Sie von Hr. Prof. Enders, der eigentlich Fotografie lehrt und von Fr. Prof. Simons für Kunstgeschichte. »Uns war es wichtig, dass wir niemanden hatten, der uns in eine Ecke drängt, sondern jemand, der alles als


ch! 34–35

Ganzes sieht und uns auf allgemeine Sachen bzw. Details aufmerksam macht, die wir übersehen haben. Es ging also ziemlich stark um Sympathie.«

gewesen, die Leute für gutes Bier sensi­ bilisieren zu wollen und zu sagen: ›Hier habt ihr eine Flasche, jetzt stellt euch darin mal ein gutes Bier vor‹, pflichtet ihm Philip bei. »Natürlich meinen die Professoren, man soll sich nicht so viel bei der Organisation mit den Leuten rumstreiten, aber im Beruf muss man sich dauernd mit Kunden rumstreiten.«

erstmal herausfinden, was wir geschmacklich erreichen wollten. Was nehmen wir für Hopfensorten, was für Malzsorten und was für ein Verhältnis?« »Welche Farbe wol­ len wir, welche ­Ge­schmäcker und wie ist der Geruch? Wenn man so viel probiert, dann fängt man irgendwann wirklich an, verschiedene Hopfensorten unterscheiden zu können«, so Leonidas. »Es war uns wichtig, dass es nicht auf der Ebene bleibt ›Wir wollen ein Märzen‹ sondern, dass wir sagen ›Wir wollen ein Märzen und es soll so und so sein‹.«

es Natürlich wird eher erwartet, dass die beiden nur die Markenidentität ihres »Eulchen« festlegen und nicht, dass sie mit dieser riesigen Arbeit 2.000 Flaschen Bier erstmal selbst brauen. »Ich denke es ist immer so, dass bei den Profes­ soren die Meinung vorherrscht, dass man so eine Sache eher fiktiv macht, damit man wirklich beim Design das Maximum rausholen kann. Man unterschätzt ja schnell allein die riesige Organisationsarbeit, von daher denke ich, dass das eigentlich eine gute Schutzfunktion ist. Aber dass wir das Bier auch wirklich herstellen wollen, das war uns von Anfang an klar«, meint Leonidas. »Es wäre ja auch vollkommener Quatsch

Der erste Schritt war natürlich erstmal die Marktanalyse. Sie sind hunderte Kilometer durch Deutschland, eigentlich Europa, ­gefahren und haben von allem, was sie finden konnten, eine Flasche mitgenommen, für ihre privaten Tastings. Bei ihrer Bachelorprüfung dann zeigen sie einen Film. Stop-Motion von Hunderten von Flaschen, jede nur den Bruchteil einer Sekunde zu sehen. Das Video geht einige Minuten. Philip: »Wir mussten ja

Warum sie sich für ein Märzen entschieden haben und wie sie sich von der Masse an Bieren auf dem Markt unterscheiden? Eine einfache Antwort für sie: »Es gibt keine Masse, es gibt nur eine Masse an schlechtem Pils.« Im Süden, so sagen sie, da hätten

sie sehr wenige kleine Brauereien gefunden, die ein qualitativ hochwertiges, traditionelles Bier brauen. Aber auch die seien stark vom Markt abhängig und versuchten nur, sich über Wasser zu halten. So werde die Qualität mit den Preisen nach unten geschraubt, anstatt Innovation eine Chance zu geben, weil man Angst habe, die wenige Stammkundschaft zu verlieren.

Ein völlig anderes Bier, als das den Menschen bekannte, wollten s­ ie aber auch nicht: »Unser Ziel war es, uns vom klassischen Bier abzuheben. Kein herbes Pils, kein extrem bitteres Bier, das schon samtig-eklig auf der Zunge wird, wenn man drei getrunken hat und die immer wärmer werden. Aber wir wollten uns auch nicht in die Richtung Craft Beer bewegen, das wäre ja eine ­Spezialität. Ein kleiner Kreis momentan noch, der völlig andere Biere

hat. Wir wollten ein rundes, süffiges Bier. Es ging darum, Bier einfach so zu machen, wie es in Deutschland Tradition hat und das trotzdem hier im Raum, eigentlich weiten Teilen Deutschlands ­unbekannt ist.«

Mit Craft Beer kann man die Leute nicht sensibilisieren für das Thema. Dafür sind sie nicht offen genug, ein stark gehopftes IPA, ein sehr malzig-süß-fruchtiges Bier, da wären sie mit ihrem Projekt nur auf Verwunderung gestoßen. Aber der große Unterschied im Kleinen, das »Eulchen«, sei der erste Schritt vor dem Craft Beer. »Die Leute sollen sich fragen: ›Warum schmeckt das besser, obwohl es doch auch ein Bier ist, wie ich es kenne‹. Zu dem Schritt des Interesses an Bier müssen die erst noch kommen. Deshalb hatten wir da technisch auch die Unterstützung vom Braumeister, damit wir

Qualität garantieren können, aber wie unser Bier wird, das wollten wir frei entscheiden.«

Auch Philip stimmt zu, dass allein die technischen Abläufe in der Brauerei für die beiden alleine sonst eine Überforderung gewesen wären. Der Umgang mit den großen Brautanks ist nicht für jedermann, genausowenig die Fahrzeiten und die Aufstehzeiten, die die beiden in Kauf genommen haben, um jede freie Minute an ihrem Bier zu arbeiten, das sie in einer Gasthausbrauerei in Nidda hergestellt haben, das etwa 100 Kilometer Fahrt von ihrem Wohnort Mainz entfernt liegt. Die Suche der Brauerei war eine besondere Herausforderung. Nidda haben sie über einen persönlichen Kontakt gefunden, aber auch hier hatten sie sich selbst viel vorgenommen: Die Brauerei muss klein genug sein,


Bierkultur

Fick dich Dr. Oetker!

bier

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Pils Gebr 1 IBU, International Bittering Units:

Maßangabe für die

Bitterkeit eines Biers

ihr Projekt mit Herzblut umzusetzen, ihnen Freiheit bei der Rezeptur zu lassen und nur beratend einzugreifen. Außerdem suchten die beiden nach einer Brauerei, deren Bier sie selbst gerne trinken.

»Die in Nidda waren gleich begeistert von unserem Projekt. Die zu finden hat allerdings auch gedauert. Und dort gab es keine ­automatisierten Abläufe, z. B. gibt es dort weder eine Flaschenwaschmaschine noch eine automatische Abfüllanlage. Also haben wir letztes Wochenende 2.000 Flaschen von Hand abgefüllt. Aber die Grundvoraus­ setzungen, ›Mitbestimmung‹ und ›Zusammenarbeit‹, waren eben erfüllt, dann scheut man auch keine Zusatzarbeit. Und das Abfüllen hat Spaß gemacht«, finden sie. Von solchen Komplikationen können sie stundenlang erzählen.

Diese Menge braut sich zu zweit in einem halben Jahr nicht mal so ohne Komplikationen. Besonders nicht, wenn man Gestalter ist und bei allem vollkommen konkrete Vorstellungen hat. Sogar die Gummidichtungen der Verschlüsse haben sie bei jeder Flasche von rot zu schwarz ausgetauscht, weil das rot nicht zu ihrem Etikett passte. »Das rot passt ja eigentlich selten, aber die Hersteller lassen das eben drauf, weil man das so schlecht austauschen kann.« Die Flaschen, früher eine Traditionsflasche in Deutschland, gibt es nur noch im Süden. Sie werden aber erst nach dem Abfülldatum von »Eulchen« produziert und waren überall vergriffen, der letzte Anbieter sprang zwei Tage vor Abholung ab. »So ging das weiter, Dinge, die monatelang besprochen waren, waren auf einmal nichtig.« Sie hatten viel Überzeugungsarbeit zu

leisten, aber Probleme entstehen auch bei Dingen, die man schon tausend­mal gemacht hat, wie beim Siebdruck der Etiketten, bei dem sich das Papier plötzlich ausdehnte und alles von Hand geschnitten werden musste. »Dauernd passiert was und jedes Mal heißt das mal 2.000.«

»Eulchen« ist mit allem an die Grenzen gegangen, an das, was zwei Leute alleine stemmen können, mit den Mitteln, die Studenten zur Verfügung stehen. Mit den leeren Kästen ist ein normaler ­Transporter schon überladen. Mit ein paar vollen jeder Klein­ wagen. Jede Flasche ist sieben mal mindestens durch jede Hand gegangen. Verschlüsse auf, Flaschen waschen, Verschließen, Öffnen, Abfüllen, Schließen und dabei immer kühl halten. Im Bier befindet sich frische Hefe, daher

muss die Kühlkette erhalten bleiben. Sonst gärt das Bier zu stark nach und ist binnen zwei Tagen kaputt. Aber sie haben vom Haltbarmachen ihres Biers zu Gunsten des Geschmacks verzichtet.

»Als es die ersten paar Tage hier im Raum stand, waren die Kühlschränke noch nicht da und wir mussten uns auf die Außentemperatur verlassen. Da sind wir morgens nochmal mit dem Thermometer her oder auch nachts noch, wenn wir bis um zwei oder drei Uhr in der FH gearbeitet hatten, hieß es: ›Komm wir gehen nochmal nach dem Bier schauen‹«, erzählt Philip. Nach diesem Prozess ist es schön zu sehen, wie ihr Bier ankommt.

»Es kommen Leute rein, die sagen, sie trinken eigentlich gar kein Bier und wundern sich, dass sie die ganze Flasche

ausgetrunken haben. Das sind die größten Komplimente, die man bekommen kann.

Es gibt selten jemand, der nicht fragt, worum es geht und sich mit uns unterhält. Wir sind ja oft den Tag über hier, auch wenn wir erst abends aufmachen, aber es kommen trotzdem Leute, klopfen an und fragen, ob sie mal schnell noch zwei Bier mitnehmen können.« Das liegt auch an der Anmutung ihres Pop-Up-Stores, der sich in der Nähe des Ortes befindet, wo vor 145 Jahren noch das »Brauhaus zur Rose« situiert war, in einer Zeit, in der die Biervielfalt in Deutschland keine Grenzen kannte. Auch der Verkaufsort war eine Mischung aus Glück und sehr viel Eigenengagement. Der Raum stand gerade leer, Philip und Leonidas haben zugeschlagen und nur ansatzweise


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s. raut renoviert, Tapetenreste nur zum Teil abgekratzt. Die Wände sind gelb-bräunlich schattiert, Putz wechselt sich mit Beton und Tapete ab. Der Boden besteht aus rohen Holzdielen. Hinzugefügt haben sie nur das »Eulchen«­Schild außen und die Beschreibung an der Scheibe, sowie das bisschen Einrichtung. Auch die kleinen Bierbänke haben die beiden selbst gebaut. Das Konzept: Die Bierbank ist weniger als einen Meter lang und lässt sich daher gar nicht zusammenklappen. So soll sie vom Bier als Party- und Saufgetränk wegführen, zu einem Genuss an einem charaktervollen Ort, aus dessen Umfeld die Bank nicht gelöst werden kann, anstatt nur von Ort zu Ort transportiert zu werden. Wenn man die beiden auf die Kosten anspricht, dann hört man viele Danksagungen heraus. Sie hatten auch

Sponsoren, haben die Flaschenwaschung komplett kostenlos bekommen, die Flaschen wurden ihnen trotz der Komplikationen sogar von einer anderen Brauerei kostenlos zur Verfügung gestellt. Nur das Pfand müssen sie bezahlen, das nicht wieder zurückkommt. Da rechnen sie schon mit der Hälfte. »Uns war klar, dass wir dadurch, dass wir das Bier auf Spendenbasis rausgeben, einiges zurückbekommen. Und weil es unsere Bachelorarbeit ist, ist klar, dass wir investieren müssen.« Trotzdem, im mittleren vierstelligen Bereich sind sie gelandet. Nicht einfach für zwei ­Studenten. Auch beim Rahmen­ programm für den Verkauf haben die beiden nicht gespart: Am ersten Mittwoch eine Vernissage, eine Woche später die Abschlussparty. Und

­dazwischen findet gegen einen Unkostenbeitrag von 14 Euro am Samstag Nachmittag ein Biertasting mit einem Vortrag des IHK Bierbotschafters Andreas Fitza statt, einem der wenigen Bierspezialisten in Mainz. Sieben Biere werden in stilvollen Gläsern in kleinen Mengen probiert, das kleine Publikum darf den Geschmack diskutieren, die Hintergrundinformationen hat Fitza parat. Im Seminar geht es ans Craft Beer, für die Bierspezialisten hier eine ganz eigene Sache. Begriffe wie der des IPA werden erläutert und von Fitza historisch erklärt. Er weiht ein in die Regeln der Kombination von Bier mit Essen. Bitterkeit ist ein eigenes Thema und kann in IBU1 gemessen werden. Die Kurve verläuft exponentiell: 10 IBU und 20 IBU sind ein riesiger Unterschied, der zwischen 110 und 120 IBU praktisch nicht feststellbar. Ein ­bitteres

Bier braucht fette oder süße Speisen, oder Schärfe, die die Bitterkeit verdeckt. Fitza: »Pils passt halt fast immer, das ist vielleicht der Vorteil und der Grund warum es in Deutschland viel getrunken wird, aber es ist kein Qualifikationsmerkmal.«

Zum Glück hat irgendjemand Pizzaschnecken gemacht, denn die Biere, die in einer klug erdachten Reihenfolge präsentiert werden, merkt man dann doch, als wir danach leicht angetrunken auf der Straße stehen. Jetzt müssen wir dringend etwas richtiges Essen, obwohl der DJ gerade anfängt.

»Was wir mit dem Tasting zeigen wollten, war, dass man Bier tatsächlich stilvoll in einem schönen Glas genießen kann, zum Beispiel zu einem guten Essen. Es hat eben viele Facetten. So stilvoll wie Wein, aber auch

schlechtschmeckend wie Industrie-Pils«, meint Philip, und Leonidas: »Man kann Bier auf jeden Fall auch vielfältiger herstellen als Wein, im Aroma mehr variieren, Bier hat sogar nachgewiesenerweise mehr Aromen als Wein.«

Auf das Reinheitsgebot angesprochen, sind die beiden zwiegespalten: »Das ist eine schwierige Frage: Als Gesetz im Sinne des Verbraucher­ schutzes ist es gut, dass man weiß, dass im Bier wirklich nicht mehr drin ist, als hinten drauf steht. Im internationalen Vergleich ist das sehr positiv zu sehen, da im Ausland auch viel gepanscht wird. Da dort aus wirtschaftlichen Gründen vieles ins Bier kommt, was nicht ins Bier gehört.«

Allerdings schränke das Gesetz auch in gewissem Sinne die Kreativität ein, denn es dürfte zwar alles beigefügt werden, das später

restlos herausgefiltert werde, z.B. Mittel zur Bindung von Trubstoffen. Himbeeren und Basilikum dürfen allerdings nicht hinein.

»Wenn man Messen besucht, dann merkt man da, dass viele in Deutschland die USA was Bier angeht nicht ernst nehmen. Die bekommen ein gutes Bier vorgesetzt und äußern sich dann abfällig, weil das so extrem hopfig ist. Das ist in Deutschland eben so, dass da wenig Bewegung im Markt ist. Man kann auch innerhalb des Reinheitsgebots sehr viel experimentieren, da ist eine wahnsinnige Vielfalt möglich, aber weil hier entweder alles in Konzern- oder Familienbesitz ist, deshalb macht das hier keiner. Das Brauen von Craft Beer ist auch nochmal aufwendiger und teurer und wir haben im Gegensatz zu den USA keine Möglichkeit, so einfach an Heimbrauerbedarf zu kommen.


Bierkultur

Fick dich Dr. Oetker!

Sogar der Aromahopfen muss meistens aus den USA importiert werden.« Ist Bierbrauen nicht der neue Trend? »Das Trinken vielleicht. Die Herstellung definitiv nicht. Craft Beer ist erst am Kommen, ich glaube aber nicht, dass viele Menschen Lust haben, sich in das Bierthema so hineinzuarbeiten«, schätzt Philip.

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Was geschieht, nachdem die letzte Flasche »Eulchen« leer ist? Es war eine einmalige Aktion. »Eulchen« wird es in dieser Form nie mehr geben. Mit dieser Brauerei, ohne automatisierte Abläufe und diesem Kostenprofil unmöglich die Sache nochmal genauso durchzuziehen und erst Recht nicht für 2.000 Flaschen. Sie sind sehr glücklich, mit dem, was sie erreicht haben.

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haben auch noch einige Biere vor uns!« Haben sie noch eine Nachricht an die Biertrinker? Eine kommt, ganz leise, deswegen steht sie jetzt groß über diesem Artikel. Aber: »Nein, das ist schwer. Man kann nicht sagen ›Kommt her und trinkt gutes Bier‹. Das ist ein Prozess, die Leute müssen schon selber merken, wo die Unterschiede liegen.«

nac Haben Sie aus der Masse von Bieren, die sie getrunken haben, einen Favoriten außer Eulchen? »Schwer, wir haben tolle helle Biere getrunken. Es gibt in Deutschland aber auch ein paar kleine Brauereien, die kein schlechtes Winterbock machen. Gerade von Firestone Walker gibt es tolle IPAs, mir fällt jetzt da spontan z.B. das ›Double Jack‹ und das ›Pale31‹ ein. Aber ich will mich da ungern festlegen, dafür ist die Szene zu vielfältig«, entscheidet Philip.

Ob nie der Gedanke da gewesen sei, für immer Brauer zu werden: Doch, natürlich, das wäre schon gut eine Brauerei zu besitzen, aber es gibt einfach viele Dinge die auch ganz gut wären und dafür sind sie beide auch zu sehr Gestalter: »Es wird auf jeden Fall eine persönliche Leidenschaft von uns bleiben. Gerade momentan gibt es einige sehr interessante Prozesse in der Szene zu beobachten«, sagt Leonidas und Philip ergänzt: »Und wir


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Wen Bierkultur

Roman Sawatzki

Sebastian Priller

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»Innerhalb des Reinheitsgebotes sind unzählige Genussmöglichkeiten vorhanden.«

Im 16. Jahrhundert wurde das Reinheitsgebot festgelegt und sollte Bäcker davor schützen, dass ihnen nicht die Grundlage ihrer Produktion entzogen wird. Auch sollte damit die Bierpanscherei unterbunden werden. Heute tanken wir Bezin auf Rapsgrundlage und es gibt eine Vielfalt an Gesetzen in der Lebensmittelbranche. Ist das Reinheitsgebot noch Zeitgemäß? Würde uns eine Auflösung keine größere Biervielfalt bescheren?

Nun, hinter dieser Frage steckt die These, dass das Reinheitsgebot die Vielfalt blockiert. Diese These teile ich nicht, denn auch innerhalb des Reinheitsgebotes sind noch unzählige Genussmöglichkeiten vorhanden, man denke nur an das Potenzial das in der Hefe und im Hopfen steckt. Allerdings gibt es auf der anderen Seite auch traumhafte

Bierstile, die außerhalb des Reinheitsgebotes liegen, aber die gleiche Natürlichkeit aufweisen. Zum Beispiel ein Dubbel mit Honig ist definitiv natürlich. Mein Fazit für Bier generell: Grundsätzlich ist die Natürlichkeit höher zu bewerten, als das Reinheitsgebot. Gilt das auch für das deutsche Bier? Aus meiner Sicht: nein. Warum? Genuss ist nicht nur Sensorik. Zu Genuss gehört auch ein hoher Grad an Emotionalität. Und das Reinheitsgebot ist Garant für diese deutsche/bayrische Bier-Emotionalität und ein ganz klares Erkennungszeichen für unsere Bierphilosophie. Deshalb ist meine Meinung: Deutsches Bier sollte nach dem Reinheitsgebot gebraut werden. Außerhalb des Reinheitsgebotes nennen wir die Stile »Brauspezialitäten«. So handhaben wir das auch mit unseren neuen Brauspezialitäten aus der Riegele BierManufaktur. Und glauben

Sie mir, diese sind wirklich besonders.

In den letzten Jahren hat sich der Trend zu Biermischgetränken immer mehr verstärkt. Was halten Sie davon, wenn man Bier mit Red Bull, Cola oder Grapefruitsaft mischt? Wo liegt ihre Grenze? direkt hinter Radler? Das ist für mich einfach zu beantworten. Gute Zutaten dürfen immer gemischt werden. Allerdings als Zelebration beim Gast, wie zum Beispiel Biercocktails, die immer beliebter werden. Dagegen haben künstliche Aromamischungen inklusive Farbstoffen für mich keinerlei Kultur und kommen mir nicht in Glas! Sie waren 2012 Biersommelier-Weltmeister, wie kam es dazu? Und kann man als Biersommelier seinen Lebensunterhalt bestreiten?

Für mich ist Bier kein Getränk, es ist eine Art Philosophie, eine Art Lebenseinstellung. Ich sage immer, Bier ist flüssige Lebensfreude und das hat mich ­auch bewogen, Biersommelier zu werden. Dabei hilft natürlich, dass ich die 28. Braugeneration im Brauhaus Riegele bin … Davon Leben? Ja, es gibt Kollegen, die Ihre Leidenschaft zu Beruf gemacht haben und zusätzlich über Bier schreiben, Bierakademien betreiben und natürlich Vorträge halten.

Schauen sie manchmal neidisch zu unseren Nachbarländern herüber wie z.B. Belgien, die eine größere Vielfalt an Bieren haben?

Wie auch wir, möchten Sie den Menschen die Vielfalt des Bieres näher bringen. Glauben Sie, dass sie es schaffen, einen Weintrinker dazu zu bewegen ausschließlich Bier zu trinken?

Ja und nein. Ja, weil sich vor allem in Bayern viel um Bier dreht. Beim Bier kommt man gesellschaftlich zusammen, man denke nur an die vielen Festzelte. Nein, weil es verschlafen wurde, die Bierkultur in dem Maße zu hegen und pflegen, wie es das Bier verdient hätte. Aber das ändert sich gerade!

Nein, aber ich schätze Bier aus der ganzen Welt! Außerdem ist gerade auch bei uns eine neue Bierkultur im Aufbruch!

Deutschland wird vom Ausland fast ausschließlich mit Bier in Verbindung gebracht. Wird Deutschland diesem Ruf als Biernation gerecht?

de

Vielleicht nicht nur noch Bier zu trinken. Aber auf alle Fälle Bier im gleichen Maße zu schätzen, das definitiv!

Schauen Sie optimis-


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tisch oder pessimistisch in die Zukunft, was den Biergenuss der Deutschen angeht?

Bierliebhaber sind Optimisten. Das gehört für mich zusammen! Deshalb bin ich natürlich mehr als optimistisch, aber nicht was die Menge anbelangt, denn darum geht es nicht. Es geht darum, Bier wieder den Stellenwert zu geben, den es verdient! Welches ist Ihr Lieblings­bier? und warum?

Ich habe kein Lieblingsbier. Es gibt zu jedem Anlass das perfekte Bier und das hole ich mir dann! Aber es ist kein Geheimnis, dass ich Hopfen liebe! D.h. aktuell trinke ich das »Simco3« oder das »Amaris50«! Und danach ein »Commerzienrat«… immerhin das Bier des Jahrzehnts!

em Vielen dank für das Interview.


ich Bierkultur

Roman Sawatzki

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Oliver Wesseloh

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»Ich habe für jede Situation das passende Lieblingsbier.«

Das Reinheitsgebot wurde gegründet, um den Bäckern nicht die Grundlage ihrer Produktion zu entziehen und die Bierpanscherei zu unterbinden. Heute tanken wir Benzin auf Rapsgrundlage und es gibt eine Vielfalt an Gesetzen für die Lebensmittelbranche. Ist das Reinheitsgebot noch nötig? Könnten Sie sich seine Auflösung vorstellen, um eine höhere Vielfalt des Marktes zu generierien?

Rohstoffe verwendet werden dürfen, nicht aber Extrakte oder künstlich gewonnene Substanzen.

Wie kommt man darauf, Sommelier für Bier zu werden, kann man davon leben? Für mich war es eine logische Ergänzung. Ich bin Dipl.-Ing für Brauereiwesen und Bierfreak. Mein gesamtes Leben dreht sich ums Bier. Ich habe den Leuten die Biervielfalt zwar auch schon schon vorher näher gebracht. Aber als ich von der Ausbildung hörte, war mir klar, dass ich damit noch wichtige Kenntnisse erlangen kann.

gerade unsere eigene Brauerei auf.

Sie versuchen, den Menschen die Vielfalt des Bieres näher zu bringen. Bringen Sie einen Weintrinker dazu, nur noch Bier zu trinken?

Das kann ich klar mit ja beantworten und habe auch gleich ein anschauliches Beispiel von einem Weintrinker, der von den Massenbieren so gelangweilt war, dass er lange Zeit nur noch Wein getrunken hat. Seit ich einmal meinen Bierkeller für ihn geöffnet habe, trinkt er nur noch Bierspezialitäten.

Gehen gar nicht! Und sie zeigen die Absurdität, die das Reinheitsgebot hervorbringen kann. Ein Bier mit echten Kirschen gebraut, darf nicht Bier genannt werden. Aber Bier mit künstlicher Brause scheint aus Sicht der Großbrauer in Ordnung zu sein.

sem Ruf als Biernation gerecht?

Historisch gesehen schon, allerdings trifft es in Deutschland heutzutage in der Tat nicht mehr zu. Allerdings arbeiten wir deutschen Kreativbrauer und Sommeliers daran, dem Ruf wieder gerecht zu werden.

deut sc Eine sehr große Vielfalt ist auch im Rahmen des vorläufigen Biersteuergesetzes von 1993 (ugs. Reinheitsgebot) sehr wohl möglich. Wenn man das Gesetz genau liest, ist fast alles Natürliche erlaubt. Bis auf den Einsatz von Früchten und/oder Kräutern, Gewürzen. Daher fände ich es wichtig, das „Reinheitsgebot“ hin zu einem Natürlichkeitsgebot zu überarbeiten. So dass alle rein natürlichen

Einige meiner Kollegen leben davon. Ich persönlich fahre im Moment dreigleisig. Ich arbeite als Sommelier, als Berater für Brauereien und baue mit der Kehrwieder Kreativbrauerei mit meinem Brauerkollegen Friedrich Matthies

Wie sehen sie den Trend der Biermischgetränke? Ist es nicht Sünde Bier mit anderen Zuckergetränken wie Red Bull, Coca-­ Cola, Grapefruitsaft etc. zu vermischen? Wo liegt für sie eine Grenze – direkt hinter dem Radler?

Schauen sie manchmal neidisch zu unseren Nachbarländern herüber wie zum Beispiel Belgien, die eine größere Vielfalt an Bieren haben? Aus Konsumentensicht schon. Aus Brauer und Sommelier Sicht finde ich die Aufbruchstimmung in Deutschland gerade sehr spannend. Die Situation gibt uns die Möglichkeit, die Entwicklung mitzugestalten und auch eigene Akzente zu setzen. Deutschland wird vom Ausland fast ausschließlich mit Bier in Verbindung gebracht. Wird Deutschland die-

Schauen Sie optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft, was den Biergenuss der Deutschen angeht?

Absolut optimistisch. Gerade das Kreativbier-Segement wird kontinuierlich wachsen. In Deutschland entwickelt sich die Szene gerade sehr schnell und sehr positiv. Zu unseren Mitstreitern gehören beispielsweise Braukunstkeller, »Ale-Mania«, »Hopfenstopfer«, »Schoppe Bräu«, »Pax Bräu«. Ein weiteres Indiz für die positive Entwicklung dieses Marktsegments


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ist auch der Versuch der großen Braugruppen sich in dieser Szene zu positionieren. Und auch immer mehr Wirte und Einzelhändler werden zu Kreativbier-Enthusiasten, die die Biervielfalt fördern. Welches ist Ihr Lieblingsbier? und warum?

tchen Hängt von der Situation ab – mit wem sitze ich zusammen, trinke ich es zum Essen und wenn ja was für ein Essen, trinke ich es im Sommer oder im Winter, trinke ich es auf einer Party oder bei einem ruhigen Gespräch mit einem guten Freund. Ich habe für jede Situation das passende Lieblingsbier in meinem Bierkeller. Vielen dank für das Interview.


wie Rein Bierkultur

Paul Mielke

bier

Sylvia Kopp

»Es wird Zeit, dass Frauen sich ihren eigenen Zugang zum Bier erobern.«

Wie sind sie dazu gekommen Sommelière für Bier zu werden und eine Bier-Akademie zu gründen? Kann man vom Beruf des Sommeliers (insbesondere für Bier) allein leben?

Ich bin Bier-Sommelière, weil mich dieses Getränk fasziniert – geschmacklich und brautechnisch. Saft und Wein könnten auch ohne Einfluss des Menschen entstehen. Bier aber ist ein Kulturprodukt - es gehört Können und Kreativität dazu, ein Bier zu brauen. Dies im Zusammenhang mit dem Geschmack zu erforschen, ist für mich ausgesprochen interessant. Außerdem sind Brauer meist recht sympatische, bodenständige Typen, mit denen ich mich gern übers Bier austausche. Mein Beruf ist Pionierarbeit. Man kann immer besser davon leben. Sie versuchen, den Menschen die Vielfalt

des Bieres näher zu bringen. Was kann man an ihrer Akademie lernen?

Zunächst mal, dass es mehr als Pils oder Weizen gibt - die enorme geschmackliche Vielfalt des Bieres steht ganz oben auf dem Lehrplan. Dann die Sortenkunde, die Braukunst, die hinter jedem Bier steckt, sowie die Biersensorik. Da öffnen sich neue Horizonte, man entdeckt neue Trinkanlässe und Verwendungsmöglichkeiten für die verschiedenen Biere und erlebt mit dem vermeintlichen Allerweltsgetränk ungeahnte Genüsse. Schauen sie manchmal neidisch zu unseren Nachbarländern herüber wie z.B. Belgien, die eine größere Vielfalt an Bieren haben? Mein Bierkeller ist längst international, und wenn ich Sehnsucht nach Tripel, Saison oder Lambik-

bieren habe, fahre ich schnell nach Flandern. Warum nicht? Soweit ist das ja auch nicht weg. Außerdem gibt es in Hamburg und Berlin gut bestückte Fachgeschäft, da kann man sich eindecken mit »Orval«, »Duvel«, »Westmalle«, »Dri Fonteinen« und Co. Könnte der Trend der Heimbrauerei auch Deutschland in dem Maße erfassen, wie das in Belgien der Fall ist?

Viele Menschen brauen dort für ihre Familie und entwickeln sich zu Craftbreweries weiter. Wir erleben gerade einen Craft-Brauer-Hype in Deutschland. Craft-Brauer sind Neugründer, oftmals Quereinsteiger, die antreten, um tolle, charaktervolle Biere zu brauen – jenseits vom Mehrheitsgeschmack der Massenbiere. In den USA hat diese Bewegung ihren Ursprung. In Belgien, Skandinavien, England,

Österreich, Italien hat sie schon hohe Wogen geschlagen. Nur Deutschland war lange Zeit unberührt – nun ist sie über unsere Grenzen geschwappt. Auch die Medien haben‘s entdeckt: Noch nie wurde so viel über Bier und Brauen geschrieben wie in den vergangenen 12 Monaten. Wird Deutschland seinem Ruf als Biernation gerecht und wenn nein, stehen wir am Beginn einer Entwicklung die das ändern wird?

und Anlagen entwickelt, wir haben die Ausbildungsstätten mit Weltruf, aber mutig und innovativ sind wir lange nicht gewesen. Brauereien haben in vielen Fällen das Produkt den Mechanismen des Massenmarktes untergeordnet: Werbung, Mehrheitsgeschmack, Preiskampf. Obwohl es immer auch tolle Brauereien gibt und gab, die gutes, geschmackvolles Bier brauen, stagnierte die Bierkultur und das Image des Bieres ist gesunken.

Deutschland ist für die Bierkultur das, was Griechenland für die Kunst ist. Griechenland spielt in der Antike eine Rolle, aber bahnbrechende Innovationen bringt es aktuell nicht hervor.

Trägt der vergleichsweise günstige Preis der deutschen Industriebiere zu einem Massenkonsum und somit zur „Verteufelung“ von Bier bzw. seinem Saufimage bei und was können wir tun um dies zu ändern?

Mit dem Bierland Deutschland ist es ähnlich: wir haben die Lagerbierkultur begründet, wir haben ausgefeilte Techniken

Nein. Der niedrige Preis bedeutet Imageschaden. Das Saufimage hat nicht direkt was mit dem Preis zu tun. Siehe dazu auch oben.

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enSind sie ein Fan von Biercocktails? Glauben sie, dass es hier die Möglichkeit gibt, gerade das weibliche Geschlecht vom Sekt und Cocktail zum Bier zu bringen? Wo ist die Grenze, was den Genuss von Bier, gemischt mit anderen Getränken, angeht?

Gut gemachte Cocktails schmecken auch mir. Aber ein tolles Bier trinke ich lieber pur.

Haben sie es als Frau schwerer in ihrem Beruf, da das Bier klassischerweise mit dem Mann verknüpft zu sein scheint? Es wird Zeit, dass Frauen sich ihren eigenen Zugang zum Bier erobern.

Welches Bier trinken Sie am liebsten und wie sind sie auf dieses Bier gestoßen? »Orval« habe ich in Brüssel getrunken, lange bevor ich mich

überhaupt für den Weg der Biersommelière entschieden habe, damals wusste ich noch nicht, dass ich einmal Bierexpertin werden würden: Es hat so komplex und besonders blumig geschmeckt – ich war sofort hin und weg.

Was ist ihr Tipp an die Studenten in Mainz um die Bierkultur erleben zu können? Kann man „Feiern“ und Bierkultur verbinden?

Alles hat seine Berechtigung. Bloß kein Krampf! Bierkultur beginnt mit dem Probieren verschiedener Biere und dem Interesse dafür, wie die verschiedenen Biere gebraut werden. Vielen dank für das Interview.

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Ausland

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»Eine Priesterin, die ein Bierhaus aufsucht oder gar ein solches ­eröffnet, wird verbrannt.«

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Paul Mielke

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Unsinnsabend

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Eine Marktanalyse im Club

Ich sitze zu tief und trinke. Nicht psychisch gesehen tief, das auch meistens, aber in diesem Fall sitze ich in einem Klappstuhl. Der gehört eigentlich an einen Strand und nicht auf den Sperrmüll. Deshalb steht er im Flur unserer Lieblings-WG in der Innenstadt. Ich weiß auch nicht, wie ich diesen exklusiven Platz ergattert habe, ich weiß nur, dass er unkommunikativer ist als die anderen Stühle und die Bank, entwendet aus dem Inventar des nächsten Dönerladens.

Was das Trinken angeht: Ich trinke wieder Wein. Seitdem ich ein Biertasting besucht habe und weiß, was Bier kann, wenn ich ich damit beschäftige. Bier hat geschichtsträchtige Namen wie »East India Pale Ale« und es kann hopfig, bitter, malzig, süß und sauer, rauchig und fruchtig schmecken, es hat mal drei, mal achtzehn Volumenprozent Alkohol und ich gebe sogar dem Mann Recht, der »reife Stachelbeere« gerufen hat.

aus, weil, ja weil Zwei Euro Neunundneunzig.

Zurück zu meinem Klappstuhl: Weil ich sowieso nicht mitreden kann, fange ich an, diesen Text zu schreiben. Aber nur bis ein Platz auf der Dönerbank frei wird. Zwei Stunden später: Die Gruppe ist ins »SchonSchön« umgezogen, nur mal schauen, man schaut länger. Der Wein ist leer und ich stehe an einer Bar, an der es einfach wahnsinnig unsinnig wäre, den Wein nochmal aufzufüllen. Teuer- und außerdem: Welcher Mensch tanzt mit einem Weinglas?

»Astra« und »Rothaus«, sowie »Estrella« aus Barcelona, für das ich mich normalerweise nach dem »Radeberger«-Konzept entscheide. Generell alles trinkbar und jeder, der das als besser einzustufen weiß, der ist unter normalen Menschen schon fast Bierkenner. Aber heute suche ich nach etwas Unbekanntem. »Tegernseer« gibt es heute wie man hört auch nicht. Schließlich stoße ich auf »Rothaus Eiszäpfle«. Zumindest noch nie gehört und nur 20 Cent Unterschied.

Irgendjemand anderes probiert. Ich trinke. Irgendjemand anderes probiert. Irgendjemand: »Wollen wir tauschen?« Niemals!

gebo Der Schall scheint irgendwie 20 Zentimeter über meinem Kopf seine Grenze zu haben, wie die Grenze einer tektonischen Platte, und der Stuhl zwingt mich, mich ständig unbequem nach vorne zu lehnen, oder zurück, also noch weiter vom Gespräch weg. Soviel zu den unglücklichen Umständen des Sitzens.

Was Bier kann, wenn ich nicht um 5 Minuten vor Ladenschluss in den Rewe renne und mein übliches Sixpack »Radeberger« kaufe. Nicht, weil ich mich zwischen den Geschmäckern des deutschen Marktes explizit dafür entschieden hätte, sondern weil das aus Dresden kommt und ich eine Freundin in Dresden habe und weil es nur ein bisschen teurer ist als »Wicküler« und das ist eh immer

Also: Bier. Aber welches? Auf der Karte finden sich – und das muss man dem SchonSchön einfach gut rechnen – wirklich ungewöhnlichere Sachen als in vielen anderen Clubs. »Beck’s« gibt es hier auch, aber eben auch »Tegernseer«,

Ich bestelle, ist kalt. Und kleine Schneeflocken und das Wort »Märzen« auf dem Etikett in der Dunkelheit erkennbar. Ich trinke. Knaller!

Ich trinke. Irgendjemand aus der Gruppe probiert. Ich trinke. Ich trinke.


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Paul Mielke/Takumi Naka

Salut, Hanne Koeders! Hanne Koeders, 25, ist ein Bierliebhaber. Wenn man sein Haus, irgendwo auf einem Feld ­zwischen Lier und Kessel, in dem er mit seinem Bruder und dessen Lebens­gefährten wohnt, betritt, gelangt man direkt in seine Küche und steht vor einem Kühlschrank, der sich neben der Tür zum Wohnzimmer befindet. Dieser Kühlschrank ist nur einer von mehreren und er enthält, wie in Deutschland nur auf Partys üblich, ausschließlich Bier. Doch wo sich bei uns eine große Menge einer einzigen Marke und ­Crushed-Ice finden ließe, ist dieser Kühlschrank anders. Mindestens 20 Sorten finden sich hier, von jeder eine oder zwei Flaschen ­maximal, der Rest lagert im rest­lichen Haus. Weiter geht es in einer Scheune nebenan, in der Hannes Bruder schmiedeeiserne Tore und Zäune baut und wo sich natürlich auch der

größte Vorrat an Bier findet, den wir je gesehen haben. Brauerzeugnisse der verschiedensten Belgischen und ausländischen Brauereien, ­Kastenoder Kartonweise neben seinem eigenen: »Salut«. Generell kann man auf diesem Grundstück wohl nirgends hinsehen, ohne auf eine Ansammlung von kleinen und großen (1,5 oder 3 Liter) Flaschen der verschiedenen Marken zu stoßen. Auch im Wohnzimmer, das wir, jeder mit einem von Hanne ins korrekte, mit dem Bierlogo ­versehene Glas eingeschenkten Bier betreten, wimmelt es von Flaschen. Der Rest des Zimmers sieht aus wie ein amerikanisches Landhaus mit großem Heimkino und riesiger Plattensammlung, nur eben in Belgien. Auf dem Boden liegen Felle, über dem Kamin hängt etwas, das aussieht wie ein Bisonhorn und Hanne, mit seiner breit geschnittenen

Latzhose und dem Karohemd, gibt hier den perfekten Farmer ab, weit draußen wohnend, im sonst so dicht besiedelten Belgien, bierbrauend, mit zwei Typen und zwei Katzen.

›Verdammt, ich brauch’ unbedingt ein Thema, ich bin an nichts interessiert, ich hab keine Hobbys, was mach ich? Ich mach gar nichts…‹ und mein Freund sagte ›Nunja… wir trinken!‹.«

Dann beginnt Hanne, uns die Geschichte zu erzählen, die zu seinem eigenen Bier »Salut« und natürlich dem passenden eigenen Glas geführt hat, das er in einer Behindertenwerkstatt in Brüssel gravieren lässt.

Also fing er an, sich mit dem Thema zu beschäftigen, denn bisher wusste er weder viel über die Inhaltsstoffe, noch über den Herstellungsprozess. Nur das, was jeder Jugendliche weiß: »Ich trinke es. Und manchmal trinke ich zu viel davon.«

Alles fing damit an, dass er ein Thema für ein Abschlussprojekt in der Schule gesucht habe: »Ich war schon etwas spät dran. Wir waren vollständig frei, hätte man über Sofas machen wollen, dann hätte man das tun können aber ich war etwas niedergeschlagen zu dieser Zeit, hatte überhaupt keine Idee und eines Abends saß ich mit einem Freund zusammen – wir tranken – und ich sagte

Hanne fand einen Amateur-Bierclub und begann, sein erstes eigenes Bier zu brauen. In Belgien kann man kleine Mengen für den Eigenbedarf steuerfrei produzieren, dort sind diese Treffen nichts ungewöhnliches. Für seine Schularbeit folgte ein Praktikum bei der Trappistenbrauerei »Westmalle«. Nach der Schule wechselten dann alle

bier

auf Universitäten oder begannen zu arbeiten, doch Hanne wusste nicht so Recht, wohin es gehen sollte: »Als meine Eltern mich fragten: ›Was willst du machen? Wenn du alles tun könntest, was willst du arbeiten?‹ war die Antwort dann trotzdem für mich klar: ›Ich will in einer Brauerei arbeiten.‹ Doch ich hätte nie gedacht, dass das möglich sein würde.« Also bewarb er sich bei drei Brauereien: »Westmalle«, »De Koninck« und bei »Anker« aus Mechelen, die ihm schließlich antworteten, er könne sofort anfangen. Nach 4 Jahren bei Anker kam eine neue Möglichkeit: Einer der Chefs fragte ihn, ob er nach Frankreich wechseln wolle. Für Hanne eine gute Gelegenheit. Alle 2 Wochen arbeitet er heute bei der »Brasserie de la Somme« in Frankreich. »Montags bis Donnerstags in

50


e, st Frankreich, dann fahre ich nach Hause und ab Freitags bzw. die folgende Woche arbeite ich hier in der Brauerei.«

In Frankreich bekam er die Chance, sein erstes eigenes Bier zu produzieren. Für Hanne wichtig: Er durfte jede Zutat in Art und Menge selbst entscheiden. Ein Rezept von Null aufzubauen, war für ihn ein völlig neues Erlebnis. Der Geschmack und die Farbe seines »Salut«, ein trübes, hefiges Bier mit leichtem Raucharoma, sind genau so, wie er es wollte. »Wenn ich ein dunkles gewollt hätte oder ein süßes Bier, dann wäre das möglich gewesen, es ist also genau so, wie ich es brauen wollte.«

Die erste Fuhre seines Biers, ein Sud von 500 Liter, verteilt auf 75 cl und 33 cl Flaschen, war schnell weg. Deshalb

hat er die zweite Ausgabe gleich mit 1.500 Liter und zusätzlichen 50 cl Flaschen produziert. Während wir sprechen fermentiert noch das dritte »Salut«. Das Problem beim Bier: Wenn man merkt, dass die Leute mehr davon wollen, dann muss man bei einem natürlichen Bier den Reifeprozess mit einberechnen. Hanne erzählt von belgischen Bieren, im Eichenfass gereift. Der Prozess der Herstellung dauert zwei Jahre.

dern auch Jahrgangsbiere, wie man es von Wein oder Champagner kennt?

Für eine kleine Brauerei sei es schwierig, den Geschmack konstant zu erhalten, wenn man über keine große Ausrüstung verfügt. »Der Geschmack eines Bieres variiert immer, er ist nie exakt gleich bei einem guten Bier. Aber die Leute wollen einen konstanten ­Geschmack.«

Bei Bieren ist es anders. Die Hefe in der Flasche sorgt dafür, dass das Bier weiter gährt. »Und auch wenn keine Hefe in der Flasche ist, dann reift es trotzdem nach. Es wird erwachsener, kräftiger, der Geschmack ändert sich, aber wenn Hefe in der Flasche ist, dann geht es in eine andere Richtung«, so Hanne.

Kann man Bier lagern? Beziehungsweise, gibt es in Belgien nicht nur Jahreszeiten-Biere son-

Von denen sagt man, wie auch von Steinobstbränden, dass sich mit den Jahren der Geschmack verändert, verbessert. So wird eine alte Williamsbirne mit der Zeit immer sanfter und nach gut 10 Jahren kann dieser Schnaps butterweich schmecken, auch wenn er frisch scharf und stark schmeckt.

Der Geschmack eines gelagerten Bieres wird also eher kräftiger

als lieblicher. Den richtigen Punkt gilt es abzupassen: »Ich habe eine Flasche ›Carolus‹ getrunken, die 2008 abgefüllt wurde. Ich habe es absolut geliebt! Aber ich habe auch Flaschen vom gleichen Bier probiert, aus dem Jahr 2001. Das mochte ich auch, für ein kleines Glas, aber niemals für eine ganze Flasche, die man abends einfach so trinkt«, sagt Hanne und betont dabei, dass es natürlich immer vom Geschmack des jeweiligen Konsuments abhängt. Hanne arbeitet am Wochenende noch in einem »Irish Pub« in Mechelen, nicht weit weg von Antwerpen. Dort werden längst nicht nur Stouts wie »Guinness« oder Ales wie »Kilkenny« verkauft, sondern auch viele belgische Biere, darunter Fruchtbiere, »Dubbel« und »Tripel«.

50–51

Auf den ersten Blick scheint es in Belgien, mit seinen kleinen Marken, einfach, regionale oder eigene Biere in Pubs und Kneipen zu bringen, damit sie dann dort verkauft werden. Doch Hanne klärt auf, denn in Belgien kaufen größere Brauereien Gebäude, die sie an die Pubs verpachten. Das erklärt auch die Struktur eines jeden ­belgischen Marktplatzes, an dessen Rand sich meist eine Reihe von schmalen hohen Häusern mit der Leuchtreklame von Brauereien drängen. Dort werden dann lediglich die Biere verkauft, die auch die jeweilige Brauerei vertreibt oder bestimmte Prozentsätze an fremden Bieren erlaubt. Dadurch kommt es nur zu einer gewissen Vielfalt. Pubs, die eine breitere Palette anbieten oder Bier lokaler Micro­ breweries oder Craft Beer aus der Region

anbieten, sind schwer zu finden. Belgisches Bier ist vor allem im Ausland sehr beliebt. Ein Beispiel hat Hanne parat: »Die Brauerei eines Bekannten hier in Belgien hat 2006 angefangen zu brauen und zwei Tage nachdem sie eröffnet hatte, standen Finnen und Japaner bei ihm vor der Tür und wollten sein Bier kaufen und in ihren Ländern weiterverkaufen. Auch als ich bei Anker gearbeitet habe, hatten wir einige Kunden in Japan, die die Biere dort als ­Spezialität weiterverkaufen.« Weltweit, besonders in Japan, gäbe es Leute, die sehr viel reisen, um Delikatessen zu finden. Auch Bier gesellt sich hier mehr und mehr hinzu. »Es gibt hier ein Bier, wenn du das hier um die Ecke in der Brauerei kaufst, dann bezahlst du 4,50 Euro für die 75 cl Flasche. Aber in Brüssel kostet


das Ausland

Salut, Hanne Koeders!

die gleiche Flasche schon 45 Euro!«

Besonders bekannt und limitiert ist das traditionell belgische »Trappistenbier«, das ausschließlich in Klöstern gebraut wird. In Belgien gibt es sechs Brauereien dieser Art, die die strengen Bedingungen für diese Art von Bier erfüllen und sich »Trappistes« nennen dürfen. Das Bier muss in direktem Umkreis des Klosters gebraut werden und darf nur bis zu einer bestimmten Menge produziert werden. Die Einnahmen aus den Verkäufen dienen dem sozialen Engagement des Klosters.

bier

die ­Beliebtheit dieser Art von Bier entdeckt und nun in den entsprechenden Klostern gebraut. Viele anderen Kloster brauen geschmacklich ähnliche Biere, allerdings ohne die Kriterien zu erfüllen.

Zoon« feststellen. Ein Getränkehandel, der über 800 Biere in seinem Sortiment hat. Die Biere kosten meist etwa einen bis zwei Euro pro Flasche, aber es finden sich auch Biere für über 40 Euro in großen Flaschen.

52

kultur, es gibt die ersten Kochshows mit Bier im Fernsehen.

Sollte sich das in Belgien etablieren, könnten andere Länder folgen und vielleicht sind wir auch in Deutschland eines Tages alle bereit, etwas mehr für ›ein‹ gutes Bier auszugeben, das nicht im Bierzelt in Literkrügen getrunken wird. Und so stellen wir zum Abschluss eines Gesprächs, in dem sich Belgier und ­Deutsche beide als »das Bierland« bezeichnet haben fest, dass der neue Biertrend auch nach Deutschland kommen muss und wird; und Hanne antwortet: »Dann fangt ihr besser mal damit an.«

TraIn den Niederlanden gibt es zwei weitere Brauereien dieser Art, eine in Österreich und eine weitere in Massachusetts, USA. Das »Trappistenbier« aus Österreich gibt es seit 2012, das in den USA seit 2013. Dort wurde der Erfolg und

»Im Kloster ›De Sint-Sixtusabdij van Westvleteren‹ bezahlen die Leute viel Geld für das, was von der Produktion übrig bleibt, denn die Mönche brauen ja ›offiziell‹ für den Eigenbedarf. Die Abgaben sind limitiert, auf eine bis maximal drei Kisten Bier pro Nummernschild. Ein Schlagwort ist natürlich ›limitiert‹, egal was man verkaufen will«, so Hanne, aber »das Bier dort wird im Internet schon als das beste der Welt gefeiert. Die Wertschätzung für Bier in Belgien ist viel größer als in Deutschland. Das durften wir auch bei unserem Besuch im »Bierhandel Willems en

Eine wirkliche Vielfalt und eine hochwertige Präsentation ist ein erster Schritt, um Bier einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft zu geben. »Warum trinken wir kein Bier zum Fisch?«, gemeint ist die Frage, warum es immer der Weißwein sein muss. Die Wertschätzung von Bier vom traditionellen Getränk mit Kultur – wohlgemerkt einer alteingesessenen, mit schweren Bieren – hin zum jungen frischen Image, Craft Beer und dem Genießergetränk beginnt in Belgien seit einigen Jahren, wie wir von Hanne erfahren. Viel wird geschrieben über Ess- und Trink­


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Bie Unterwegs in Antwerpen

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Bierhandel Willems & Zoon

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72

den Schmecken


72–73

»Wenn ein ­Schenker einen ­anderen Schenker bezichtigt und ihm Panscherei vorwirft, ihn jedoch nicht überführt, so wird derjenige, der ihn bezichtigt hat, ­verstümmelt.«

n?


Schmecken

bier

Biertest

74

ries Trisser De Verhuisbrouwerij by de Proefbrouwerij Tripel Blond, refermentiert in der Flasche

Ops-Ale Brouwerij Sint-Jozef

Moinette Brune

Pale Ale Citra Brouwerij de Molen

Premium Pilsener

Dubbel, refermentiert in der Flasche

4,8 %

Klar, hell

Dunkel

Citrus

5,5 %

8,5 %

Leicht malzig, Weizen, leicht bitter

Fruchtig, Karamell, Stark schokoladig

Cat No.44

Klar, blond 5 %

Citrus, leicht trinkbar

Hopfen: Saaz, East Kent, Gold, Tomahawk; nicht pasteurisiertLeicht trüb, sonnengelb 7,6 % Stark hopfig


74–75

sen Salut Hanne Koenders, Brasserie de la Somme

Hop Verdomme IPA

Gelborange, trüb, Hefe

7 %

8 %

Säuerlich, bitter, stark hopfig, metallisch

Sauer, rauchig

Vicaris Winter Brouwerij Dilewyns

Saison Voisin Brasserie de Légendes

Spezialbier, Winteredition

Saison, refermentiert in der Flasche

Refermentiert in der Flasche, nicht zentrifugiert

Hellgelb

Dunkelbraun

Leicht säuerlich

Goldgelb, leicht trüb

Chimay Brasserie de l’Abbaye N.D. de Scourmont

Papegaei Verstraete by Brouwerj Deca

Trappistenbier

Refermentiert in der Flasche

Refermentiert in der Flasche

Trüb gelb bis grünlich

Dunkel

8 %

9 %

Säuerlicher Geruch, zunächst süßer Geschmack, dann bitter, fruchtig, erdig, Gras

5 %

10 % Säuerlich, Karamell, vergorene Nuss

Fruchtig, Vergorenes, bitter


Schmecken

Biertest

bier

76

Sch Vedett Extra White Duvel Moortgart Corporation

Weißes Bier, refermentiert in der Flasche

Monk’s Stout Brasserie Dupont

Excalibur Black IPA Braun, Colafärbung

Stout, refermentiert in der Flasche

6 %

Gold, hell

Tiefschwarz

Verschiedene Hopfen, Koriander, Orangenschale Sehr hell, beige, fast klar

Boerinneken

5,2 %

Fruchtig, holzig, bitter, Rauch, Kohle,

9,5 %

Fruchtig, beerig, Cassis, Brombeere, dann sehr bitter, hopfig

Fruchtig, Traube, leicht bitter, malzig

Grottenbier Bruin Brouwerij Sint-Bernardus

Regionalbier, refermentiert in der Flasche Bräunlich, Hefeklümpchen 6,5 %

Hopfig, bitter, fruchtig

4,7 % Leicht nussig, Meerwasser, später zitronig fruchtig, Marihuana


76–77

häHoppergod Kempisch Vuur

Trappistes Rochefort

Boelens Santa Bee

Trappistenbier Dunkelbraun

Dunkles Winterbier, refermentiert in der Flasche

7,2 % 

Dunkelbraun

Vodkaaroma, wässrig, leicht beerig

8,5 %

Trüb, gold 6 %

Bitter, Limonig, Künstliches Zitrusaroma

Lindemans Cassis Brouwerij Lindemans

Lambic Fruchtbier, 25 % Cassissaft, Spontanvergärung

Geuze Fond Tradition

Goliath Tripel

Spontanvergorenes Geuze Lambic, refermentiert in der Flasche

Tripel Spezial, refermentiert in der Flasche Hell, Pilsfarbe

Dunkelrot

Dunkelbraun, mostartige Trübung

3,5 %

5 %

Cassis, sauer

Lambicbier

Fruchtig, holzig, bitter

Sauer, Most, Sekt, leichtes Schnapsaroma

9 % Säuuerlich, Belgisches Tripel, Warm, Mild aber sehr alkoholisch


Schmecken

Biertest

bier

Vissenberg Viswijf Hop Doet Leven

Cookie Beer Brasserie d’Ecaussinnes

Trüb, goldbraun

Regionales Spezialbier, refermentiert in der Flasche

7,5 % Fruchtiger Geruch, bitter, alkoholisch

8 %

de La Guillotine

Bertinchamps Tripel

Brasserie Hhuyge Family Brewery

8 %

Tripel, refermentiert in der Flasche

Saison Cazeau aux fleurs de Sureau

Brasserie de Cazeau

Weiches Tripel, leicht süßlich, rund, ausgeglichen, leicht malzig

Saison, Holunderblüten, refermentiert in der Flasche

8,5 % Vanille, Spekulatiusaroma, süß

78

5 %

Fruchtig, hopfig, typisch Tripel

Holunder, bitter, säuerlich


el.

78–79


Schmecken

Paul Mielke

BlutwurstTortellini

1 Eigelb 1 El Öl Salz 100 g Mehl

30 g Roggenmehl 100 g Blutwurst 150 ml Bier 2 El Zucker

Wer Blutwurst mag, für den ist dieses Rezept genau das richtige, für alle anderen kommt die Nudel auch gut allein­ stehend als frische Bandnudel z.B. als Beilage daher. Das Bier befindet sich im Dressing, das Problemlos mehrere Tage gekühlt hält und genauso zu Salat passt.

3 El Aceto balsamico 1 El Kürbiskernöl Pfeffer 20 g Butter

80

Hau

Für 2 Personen 2 Eier

bier

½ Bund Schnittlauch

Zur Süße der Blutwurstfüllung und dem insgesamt eher würzigen Charakter empfehlen wir z.B. ein leicht hopfenbitteres Pale Ale.

Für den Teig Ei und Eigelb mischen, einen kleinen Teil für das spätere Zusammenkleben der Taschen beiseite stellen. Ei mit Öl, etwas Salz und einem Esslöffel Wasser homogen verrühren. Die Mehle mischen und unter ständigem Rühren einer Küchenmaschine mit Knethaken langsam die Eimischung zugeben, bis sich der Teig zu einer Kugel formt. Dann noch etwa 3–4 Minuten kneten lassen und in Klarsichtfolie eingewickelt eine Stunde kalt stellen.

Teig in 4 Stücke teilen, zu Platten formen und auf der Nudelmaschine nach und nach von Stufe 1 bis Stufe 6 ausrollen. Teigbahn dünn mit Ei bepinseln und auf der unteren Hälfte je ein Stück Wurst mit der Kante zur Mitte hin legen. Die obere Teighälfte darüber klappen und um die Wurst herum fest andrücken, sodass möglichst keine Luft in der Mitte verbleibt. Vorsicht beim Andrücken um die Wurst herum, das Aufreißen des Teigs sollte vermieden werden!

Das Bier, den Zucker und den Aceto Balsamico auf weniger als 100 ml einkochen und abkühlen lassen. Dann das Kürbiskernöl unterrühren, salzen und pfeffern.

Die Taschen mit einem gezackten Ausroller oder einem Tortellinistecher heraustrennen. In leichtem Salzwasser 3–4 Minuten kochen, dabei Butter heiß werden lassen. Die Taschen abgießen und abtropfen lassen und in der Butter schwenken, dabei pfeffern. Mit dem Dressing beträufeln und dem geschnittenen Schnittlauch anrichten.

Die Blutwurst pellen und in ca. 10 Scheiben von etwa 1 cm Dicke schneiden und jede Scheibe halbmondförmig halbieren.


80–81

u mir


bloß dami Schmecken

Orangen- Bier-Parfait

bier

OrangenBier-Parfait Für 5 Personen

(Die Gesamtmenge hängt von der verwendeten Parfait-Form ab)

50 g Walnusskerne 100 g Zucker

½ Blatt weiße Gelatine

Dieses Gericht ist um einiges anspruchsvoller als die anderen aus dieser Serie. Es ist aufgrund der Kühlzeiten nur über drei Tage hinweg herzustellen. Der Geschmack entschädigt allerdings.

2–3 Eigelb

80 ml dunkles Bier

60 ml Schlagsahne 15 g Orangeat

2 Kardamomkapseln 10 g Zucker

150 ml Orangensaft 1 El Orangenlikör ½ Zimtstange 1 Sternanis 2 Birnen

1 Tl Speisestärke 2 Orangen

1 Tl rosa Pfefferbeeren (zerdrückt)

Das Gericht kommt zunächst sehr süß daher, entfaltet aber in der Kombination aus Parfait und Kompott sein volles Potenzial. Am besten schmeckt das Parfait nach einer zweiten Nacht in der Tiefkühltruhe, das Kompott ist frisch und lauwarm zu empfehlen. Nach einigen Tagen überwiegen hier die Alkoholnoten, während beim Parfait mit den Eiern Vorsicht geboten ist. Innerhalb von maximal 2 Wochen verbrauchen. Dazu passt ein Imperial Pale Ale.

Größere Menge Eiswürfel herstellen. Walnüsse mittelfein hacken, 50g Zucker in einer beschichteten Pfanne hellbraun karamellisieren, sofort die Walnüsse zugeben und vom Feuer nehmen. Alles zwischen zwei Stücken Backpapier auf etwa einen halben Zentimeter Dicke ausrollen. Masse als Platte abkühlen lassen. Diese Schritte können an einem vorrangegangenen Tag erledigt werden. Gelatine in kaltem Wasser einweichen.

Den restlichen Zucker mit der gleichen Menge Wasser und einem Spritzer Zitrone (optional) in einem Topf sprudelnd zu einem zähflüssigen, klaren Sirup aufkochen. Dieser Schritt benötigt besondere Aufmerksamkeit. Der Sirup muss klar und ohne Braunfärbung sein und darf nicht in die Kristallisation umschlagen. Deshalb am

besten gar nicht rühren und gegebenenfalls leichte Kristallreste am Topfinnenrand mit einem feuchten Pinsel abwischen. Danach den Sirup leicht abgekühlt sofort weiterverarbeiten (kann sonst fest werden).

Einen Topf im Wasserbad erhitzen und Eigelb und Bier mit dem Sirup verrühren (Ei darf nicht klumpen, daher nur vorsichtig Hitze zuführen) und zu einer dicklich festen Creme aufschlagen, dann die Gelatine ausgedrückt hinzugeben. Den Topf im Eiswasser abkühlen lassen. Sahne steif schlagen und wenn kalt unter die Biermasse heben. Die Masse in eine mit Folie ausgelegte Parfait- oder Pastetenform füllen. Form mit Folie und Deckel verschließen. Über Nacht ins Gefriergerät stellen. Für das Kompott die

Kardamomkapseln aufbrechen und die Samen fein mörsern. Restlichen Zucker in einem Topf hellbraun karamellisieren und mit Orangensaft und Likör ablöschen und 5–6 Minuten offen sprudelnd kochen. Kardamom, Sternanis und Zimt zugeben. Birnen schälen, achteln und entkernen und eine Minute mitkochen lassen. Stärke in Wasser auflösen und Sud binden, dann abkühlen lassen.

Orangen schälen, filetieren, weiße Haut vollständig entfernen. Rosa Pfefferbeeren zerdrücken und alles mit dem Kompott mischen, dann mit dem Parfait in Scheiben geschnitten servieren.

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ß ab it. 82–83


Schmecken

Bierbrot

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Bierbrot

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Wir blei 425 g Dinkelmehl (Type 630)

0,25 Tl Trockenhefe 2 Tl Salz

200 ml helles Bier (z.B. Pils, Zimmertemperatur) 1 El Weißweinessig

Öl und Mehl zum Bearbeiten

Hierbei handelt es sich um ein äußerst simples und lohnendes Rezept. Generell ist die Verwendung von Bier im Teig, z.B. auch bei Pizza zu empfehlen. Es sorgt für besondere Fluffigkeit und unterstützt das Gehen.

3 El geschälte Sesamsaat

0,25 Tl Chiliflocken ½ Tl abgeriebene

Biozitronenschale 1 Bund Thymian

120 ml natives Olivenöl 1 Tl dunkles Sesamöl

Salz (Empfehlung: Fleur de Sel Holunder)

Dieses Brot isst man in geringen Mengen als Snack, z.B. zu Salat. Daher empfehlen wir ein ebenso in geringen Mengen zu genießendes belgisches Fruchtbier der Marke Lindemans, z.B. die Cassis Variante.

Mehl, Hefe und Salz in einer Schüssel mischen, 100 ml lauwarmes Wasser, Bier und Essig zugeben und mit einem Rührlöffel schnell glatt rühren.

Schüssel mit Klarsichtfolie abdecken. Der hohe Flüssigkeitsgehalt des Teigs ist normal.

Den weichen Teig auf einer bemehlten Fläche 15 mal der Hälfte entlang klappen. Den Teig in eine Schüssel geben und nochmals zwei Stunden mit Folie zugedeckt gehen lassen. Einen gusseisernen Bräter auf der untersten Backofenschiene auf 250° vorheizen und Teig hineingeben. 30 Minuten zugedeckt backen, dann bei 220° nochmals 15 Minuten offen weiterbacken. In dieser Zeit für den Dip in einer Pfanne Sesam ohne Fett goldbraun rösten, Chili,

Zitronenschale und Öle dazu geben. Gehackte Thymianblättchen untermischen. Brot mit dem Dip bestreichen.


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84–85


Schmecken

Biercurry

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Biercurry

ben Für 2–3 Portionen

½ Gemüsezwiebel

500g durchwachsenes

Das Curry ist dem Rezept nach süß angelegt, besitzt aber eine einzigartige Gewürzmischung.

Schweinefleisch (aus der Schulter) Salz

30 g Butter

1 El Senfpulver

½ El Curry (scharf) ½ El Ingwerpulver

½ Tl gemahlener Piment 1 El Honig

Aufgrund der Süße und der fetthaltigen Pommes kann man dazu gut ein bitteres Bier trinken, also z.B. ein britisches Bier (Stout, Porter) oder z.B. ein Mikkeler Hop Burn

Gemüsezwiebel grob würfeln, Fleisch in 2–3 Zentimeter dicke Stücke schneiden, salzen und in einem flachen Topf scharf in der Butter anbraten, Zwiebeln zugeben und ebenfalls anbraten. Senf-, Curry-, Ingwerpulver und Piment zugeben und kurz anrösten. Honig unterrühren, mit Essig ablöschen.

2 El Apfelessig

200 ml helles Bier

300 ml Geflügelbrühe 100 g Weißkohlblätter 100 g Pastinaken

Mit Bier und Brühe auffüllen und im offenen Topf etwa 90 Minuten milde kochen lassen.

10 g getrocknete Apfelringe 70 ml Schlagsahne

1 El Mangochutney

1 El grobkörniger Senf

1 El Sahnemeerrettich

500 g TK Pommes Frites 1 Bund Dill

Kohl putzen, die Blattrippen herausschneiden. Den Kohl in 3–4 Zentimeter große Streifen schneiden, Pastinaken schälen und in etwas kleinere Würfel schneiden.

Schwarzer Pfeffer

Apfelringe sehr fein hacken und mit dem Kohl etwa 20 Minuten vor Ende der Garzeit zugeben. Pastinaken etwa 8 Minuten vor Ende der Garzeit zusammen

mit Mango-Chutney, Senf und Meerrettich zugeben.

Pommes Frites währenddessen nach Anweisung zubereiten, Dill fein hacken und alles mit dem Pfeffer anrichten.

86


86–87

uns


Schmecken

bier

Brauereiverzeichnis Belgien

88

treu 1 West-Vlaanderen 2  Oost-Vlaanderen

1.

1. Brouwerij Alvinne Vaartstraat 4A 8552 Moen (Zwevegem) tel: 0496-35 96 19 (Davy Spiessens) info@ alvinne.be www.alvinne.be 2. Abdij Sint-Sixtus Donkerstraat 12 8640 Westvleteren (Vleteren) tel: 057-40 03 76 fax: 057-40 14 20 brouwerij@sintsixtus. be www.sintsixtus.be 3. Brouwerij Bavik Rijksweg 33 8531 Bavikhove (Harelbeke) tel: 056-71 90 91 fax: 056-71 15 12 info@bavik.be www.bavik.be

4. Brouwerij Bockor Kwabrugstraat 5 8510 Bellegem (Kortrijk)

tel: 056-23 51 71 fax: 056-22 76 83 info@bockor.be www.bockor.be

5. Brouwerij De Bie Vijvestraat 47 8720 Wakken (Dentergem) tel: 0475-23 47 95 info@brijdebie.be www.brijdebie.be

6. Brouwerij De Dolle Brouwers Roeselarestraat 12b 8600 Esen (Diksmuide) tel: 051-50 27 81 fax: 051-51 03 37 info@dedollebrouwers.be www.dedollebrouwers.be 7. Brouwerij De Halve Maan Walplein 26 8000 Brugge tel: 050-44 42 22 fax: 050-44 42 20 info@halvemaan.be www.halvemaan.be 8. Brouwerij De Leite De Leiteweg 32 8020 Ruddervoorde tel: 050-25 07 96 fax: 050-33 98 58

luc.vermeersch@helbig.be www.deleite.be

9. Brouwerij De Plukker Elverdingseweg 16 8970 Poperinge tel: 057-33 36 54 fax: 057-33 94 40 brouwerij@plukker.be www.plukker.be 10. Brouwerij De Ranke Brugstraat 43 8560 Wevelgem tel: 056-41 82 41 fax: 056-41 82 41 br_deranke@hotmail. com www.deranke.be 11. Brouwerij Deca Services Elverdingestraat 4 8640 Woesten (Vleteren) tel: 057-42 20 75 fax: 057-42 36 86 bras.deca@skynet.be www.decabrouwerij. com 12. Brouwerij Eutropius Mellestraat 138 8501 Heule (Kortrijk) tel: 0492-31 68 60 info@brouwerij-eutropius.be

www.brouwerij-eutropius.be

13. Brouwerij Fort Lapin Koolkerkse Steenweg 32 8000 Brugge tel: 0495-50 26 70 info@fortlapin.com www.bier-brouwerij.be 14. Brouwerij Gulden Spoor Heulestraat 168 8560 Gullegem tel: 0497-54 88 80 desmadryl@brouwkot.be www.guldenspoor.be

15. Brouwerij Kazematten Trappistenweg 23 8978 Watou (Poperinge) tel: 057-46 94 62 info@brouwerijkazematten.be www.brasseriekazematten.be 16. Brouwerij Leroy (Het Sas) Diksmuideseweg 404 8904 Boezinge (Ieper) tel: 057-42 20 05 fax: 057-42 39 70 info@brouwerijhet-

sas.be

17. Brouwerij Maenhout Tieltstraat 219 8760 Meulebeke tel: 0475-21 95 45 info@brouwerijmaenhout.be www.brouwerijmaenhout.be 18. Brouwerij Sint-Bernardus Trappistenweg 23 8978 Watou (Poperinge) tel: 057-38 80 21 fax: 057-38 80 71 marco@sintbernardus.be www.sintbernardus.be 19. Brouwerij Strubbe Markt 1 8480 Ichtegem tel: 051-58 81 16 fax: 051-58 24 46 info@brouwerij-strubbe.be www.brouwerij-strubbe.be 20. Brouwerij ‚t Gaverhopke Steenbrugstraat 187 8530 Stasegem (Harelbeke) tel: 056-25 86 70


88–89

u. fax: 056-25 86 70 info@tgaverhopke.be www.tgaverhopke.be

21. Microbrouwerij ‚t Oud Schooltje Hendrik Deberghstraat f7A 8640 Oostvleteren (Vleteren) tel: 0494-23 15 75 info@vdaco.be www.struisebrouwers. be 22. Brouwerij Toye Rekkemstraat 117 8510 Marke (Kortrijk) tel: 0498-393711 info@goedendagbier. be www.goedendagbier. be brouwsite: Rekkemstraat 64 8510 Marke (Kortrijk)

23. Brouwerij Van Honsebrouck Oostrozebekestraat 43 8770 Ingelmunster tel: 051-33 51 60 fax: 051-33 51 60 info@vanhonsebrouck. be www.vanhonsebrouck. be 24 Seizoensbrouwerij

Vandewalle Zwartestraat 43 8647 Reninge (Lo-Reninge) tel: 0497-54 95 85 info@seizoensbrouwerij.be www.seizoensbrouwerij.be

25. Brouwerij Verhaeghe Sint-Dierikserf 1 8570 Vichte (Anzegem) tel: 056-77 70 32 fax: 056-77 15 61 info@brouwerijverhaeghe.be www.brouwerijverhaeghe.be 26. Microbrouwerij Urthel Krommekeerstraat 21b 8755 Ruiselede tel: 051-68 89 99 info@urthel.com www.urthel.com

2.

27. Brouwerij Boelens Kerkstraat 7

9111 Belsele (SintNiklaas) tel: 03-772 32 00 info@brouwerijboelens.be www.brouwerijboelens.be 28. Brouwerij Bosteels Kerkstraat 96 9255 Buggenhout tel: 052-33 23 23 fax: 052-33 59 56 info@kwak.karmeliet.be www.bestbelgianspecialbeers.be 29. Brouwerij Cnudde Fabrieksstraat 8 9700 Eine (Oudenaarde) tel: 055-31 18 34 fax: 055-31 18 34 cnudde.lieven@skynet.be 30. Brouwerij Contreras Molenstraat 110 9890 Gavere tel: 09-384 27 06 fax: 09-384 83 56 info@contreras.be www.contreras.be 31. Brouwerij Danny Kerkveldstraat 61 9420 Erpe-Mere tel: 053-83 58 95

brdanny@skynet.be www.brdanny.be 32. Brouwerij De Ryck Kerkstraat 24 9550 Herzele tel: 053-62 23 02 fax: 053-63 15 41 info@brouwerijderyck. be www.brouwerijderyck. be 33. Brouwerij De Glazen Toren Glazen Torenweg 11 9420 Erpe-Mere tel: 053-83 68 17 fax: 053-83 68 17 info@glazentoren.be www.glazentoren.be 34. Brouwerij De Graal Warande 15 9660 Brakel tel: 055-42 47 90 fax: 055-42 47 90 info@degraal.be www.degraal.be 35. Brouwerij Den Tseut Oosteeklo-Dorp 40 9968 Oosteeklo (Assenede) tel: 09-373 56 03 den.tseut@skynet.be huisbrouwerijdentseut. weebly.com

36. Brouwerij Dilewyns BVBA Vlassenhout 5 9200 Dendermonde tel: 052-20 18 57 fax: 052-22 18 54 info@vicaris.be www.vicaris.be 37. Brouwerij Donum Ignis Leebrugstraat 55 9112 Sinaai-waas (SintNiklaas) tel: 0485-70 76 91 brouwerij@donumignis.be www.donumignis.be 38. Gentse Stadsbrouwerij Gruut bvba Grote Huidevettershoek 10 9000 Gent tel: 09-269 02 69 fax: 09-225 23 32 ingrid@gruut.be www.gruut.be 39. Brouwerij Huyghe Brusselsesteenweg 282 9090 Melle tel: 09-252 15 01 fax: 09-252 29 31 delirium@delirium.be www.delirium.be 40. Brouwerij Malheur Mandekensstraat 179

9255 Buggenhout tel: 052-33 39 11 fax: 052-34 25 28 info@malheur.be www.malheur.be 41. De Proefbrouwerij Doornzelestraat 20 9080 Lochristi tel: 09-356 71 02 fax: 09-356 71 03 info@proefbrouwerij. com www.proefbrouwerij. com 42. Brouwerij Roman Hauwaart 105 9700 Mater (Oudenaarde) tel: 055-45 54 01 fax: 055-45 56 00 info@roman.be www.roman.be 43. Brouwerij Sint-Canarus Polderweg 2 9800 Gottem (Deinze) tel: 051-63 69 31 fax: 051-63 69 31 info@sintcanarus.be www.sintcanarus.be 44. Brouwerij Slaghmuylder Denderhoutembaan 2 9400 Ninove


Schmecken

Brauereiverzeichnis Belgien

bier

Ich 3  Antwerpen

4 Vlaams-Brabant

tel: 054-33 18 31 fax: 054-33 84 45 info@witkap.be www.witkap.be

45. Brouwerij Smisje Driesleuteslstraat 1 9700 Mater (Oudenaarde) tel: 050-37 38 33 smisje@telenet.be www.smisje.be 46. Brouwerij ‚t Kroontje Hogebrug 62 9280 Denderbelle (Lebbeke) tel: 0495-43 33 25 www.tkroontje.be

47. Brouwerij ‚t Paenhuys Nieuwkerkenstraat 202B 9100 Nieuwkerken-Waas (Sint-Niklaas) tel: 0475-70 10 01 paul.vannieulande@ telenet.be www.tpaenhuys.be 48. Brouwerij Van den Bossche Sint-Lievensplein 16 9550 Sint-Lievens-Esse (Herzele) tel: 054-50 04 11

fax: 054-50 04 06 info@paterlieven.be www.paterlieven.be

49. Brouwerij Van Steenberge Lindenlaan 25 9940 Ertvelde (Evergem) tel: 09-344 50 71 fax: 09-344 54 20 info@vansteenberge. com www.vansteenberge. com 50. Brouwerij Wieze Schrovestraat 70 9280 Wieze tel: 0495-53 22 38 fax: 053-77 54 12 info@wiezebier.be www.wiezebier.be

3.

51. Brouwerij Alken-Maes - Brasserie Alken-Maes(Heineken Holding) Blarenberglaan 3, Stephenson Plaza Blok C 2800 Mechelen

tel: 015-30 90 11 fax: 015-31 41 91 info@alken-maes.com www.alken-maes.be of 52. Brouwerij der trappisten van Westmalle Antwerpsesteenweg 496 2390 Westmalle tel: 03-312 92 22 fax: 03-312 92 28 info@trappistwestmalle.be www.trappistwestmalle.be

53. Brouwerij Boskal Noordeind 31 2920 Dorp-Heuvel (Kalmthout) tel: 0497 47 99 94 info@hetbrouwershuis. com www.hetbrouwershuis. com 54. Brouwerij De Dochter van de Korenaar Pastoor de Katerstraat 24 2387 Baarle-Hertog tel: 014-69 98 00 fax: 014-69 98 00 brouwerij@dedochtervandekorenaar.be www.dedochtervandekorenaar.be

55. Brouwerij Den Hopperd Netestraat 67 2235 Westmeerbeek (Hulsthout) tel: 016-68 09 78 denhopperd@telenet.be

56. Brouwerij DijkWaert Dompel 27 2200 Herentals tel: 014-27 77 07 fax: 014-21 91 40 info@dijkwaert.be www.dijkwaert.be 57. Brouwerij Duvel Moortgat Breendonkdorp 58 2870 Breendonk-puurs (Puurs) tel: 03-860 94 00 fax: 03-886 46 22 info@duvel.be 58. Brouwerij Het Anker Guido Gezellelaan 49 2800 Mechelen tel: 015-28 71 47 fax: 015-28 71 48 info@hetanker.be www.hetanker.be 59. Brouwerij Pirlot Heistraat 3 2240 Pulderbos (Zandhoven)

tel: 03-484 61 95 fax: 03-464 16 85 info@kempisch-vuur.be www.kempisch-vuur.be 60. Scheldebrouwerij bvba Wenenstraat 7 2321 Meer (Hoogstraten) tel: 03-665 36 96 fax: 03-664 46 35 gust.hermans@scheldebrouwerij.be www.scheldebrouwerij.be 61. Brouwerij ‚t Hofbrouwerijke Hoogstraat 151 2580 Beerzel (Putte) tel: 015-75 77 07 info@thofbrouwerijke.be www.thofbrouwerijke.be 62. Huisbrouwerij ‚t Pakhuis Voort 10 2328 Meerle (Hoogstraten) tel: 03-238 12 40 fax: 03-238 68 14 pakhuis@telenet.be www.huisbrouwerijpakhuis.

90


90–91

und

63. Brouwerij Vagebond VOF Steenweg op Hoogstraten 52 2330 Merksplas tel: 014-63 25 25 info@brouwerijvagebond.be www.brouwerijvagebond.be

64. Dorpsbrouwerij Humulus Pelgrimsplein 19 2370 Arendonk tel: 0476-25 44 20 info@dorpsbrouwerijhumulus.be www.dorpsbrouwerijhumulus.be

4.

65. Brouwerij Lupus BVBA Betekomsesteenweg 76 3200 Aarschot tel: 0477-69 91 37 info@brouwerijlupus.be www.brouwerijlupus.be 66. Stadsbrouwerij Aarschot Elisabethlaan 103

3200 Aarschot www.toerismeaarschot. be/aarschotsebruine. html 67. Microbrouwerij Angerik Snakkaertstraat 30 1700 Dilbeek tel: 02-569 33 48 fax: 02-569 39 06 erikdecuyper@hotmail. com 68. Brouwerij Boon Fonteinstraat 65 1502 Lembeek (Halle) tel: 02-356 66 44 fax: 02-356 33 99 info@boon.be www.boon.be 69. Brouwerij De Block Nieuwbaan 92 1785 Merchtem tel: 052-37 21 59 fax: 052-37 53 88 info@satanbeer.com www.satanbeer.com 70. Geuzestekerij De Cam Dorpsstraat 67A 1755 Gooik tel: 0476-81 68 06 fax: 02-532 21 32 geuzestekerij.de.cam@ gooik.be

www.decam.be

71. Brouwhuis De Kroon beekstraat 20 3040 Neerijse (Huldenberg) tel: 016-43 94 72 info@brouwerijdekroon.be www.brouwerijdekroon.be/ 72. Brouwerij De Schuur Wolvendreef 21 3210 Linden (Lubbeek) tel: 0485-37 61 35 brouwerijdeschuur. wordpress.com/ 73. Brouwerij De Troch Langestraat 20 1741 Wambeek (Ternat) tel: 02-582 10 27 fax: 02-582 72 41 info@ detroch.be www.detroch.be 74. Brouwerij De Vlier bvba Leuvensebaan 219 3220 Holsbeek tel: 0473-83 94 63 fax: 070-41 94 22 info@brouwerij-devlier. com www.brouwerij-devlier. com

75. Brouwerij Den Herberg O. De Kerckhove d‘Exaerdestraat 16 1501 Buizingen (Halle) tel: 02-305 93 00 fax: 02-305 93 01 decodal@yahoo.com www.denherberg.be/

76. Brouwerij Den Triest Trieststraat 24 1880 Kapelle-op-denBos tel: 015-71 43 86 info@dentriest.be www.dentriest.be 77. Brouwerij Domus Tiensestraat 8 3000 Leuven tel: 016-20 14 49 fax: 016-20 64 36 info@domusleuven.be www.domusleuven.be 78. Drie Fonteinen Hoogstraat 2a 1650 Beersel tel: 02-306 71 03 fax: 02-305 07 41 info@3fonteinen.be www.3fonteinen.be 79. Brouwerij Kortrijk-Dutsel Lindestraat 21 3220 Kortrijk-Dutsel

(Holsbeek) tel: 016-43 47 60 brouwerijkortrijkdutsel@gmail.com www.brouwerijkortrijkdutsel.be

80. Brouwerij Girardin Lindenberg 10 1700 Sint-Ulriks-Kapelle (Ternat) tel: 02-453 94 19 fax: 02-453 94 19 81. Brouwerij Haacht Provinciesteenweg 28 3190 Boortmeerbeek tel: 016-60 15 01 fax: 016-60 83 84 info@haacht.com www.primus.be 82. Geuzestekerij Hanssens Vroenenbosstraat 15 1653 Dworp (Beersel) tel: 02-380 31 33 fax: 02-380 31 33 hanssens.artisanaal@ scarlet.be 83. Brouwerij Hof ten Dormaal Caubergstraat 2 3150 Tildonk (Haacht) tel: 0477-51 59 91 andre@janssens.be www.hoftendormaal.

com

84. Brouwerij Lindemans Lenniksebaan 1479 1602 Vlezenbeek (SintPieters-Leeuw) tel: 02-569 03 90 fax: 02-569 05 10 info@lindemans.be www.lindemans.be

85. Brouwerij Loterbol Michel Theysstraat 58a 3290 Diest tel: 013-32 36 28 weynants@skynet.be www.loterbol.be 86. Brouwerij Nieuwhuys Ernest Ourystraat 2 3320 Hoegaarden tel: 016-81 71 64 jan@nieuwhuys.be www.nieuwhuys.be 87. Palm Breweries Steenhuffeldorp 3 1840 Steenhuffel (Londerzeel) tel: 052-31 74 11 fax: 052-30 41 67 info@palmbreweries. com www.palmbreweries. com


Schmecken

5  Limburg 6 Brussels­ 7  Waals-Brabant 8  Henegouwen

mei Brauereiverzeichnis Belgien

88. Brouwerij Timmermans (Groep John Martin) Kerkstraat 11 1701 Itterbeek (Dilbeek) tel: 02-569 03 57 fax: 02-569 01 98 timmermans@johnmartin.be www.anthonymartin. be/nl/timmermans-brouwerij.aspx

brouwerij@achelsekluis.org www.achelsekluis.org

89. Brouwerij Vissenaken Metselstraat 74 3300 Vissenaken (Tienen) tel: 016-82 13 77 rudy_van_brouwerij_vissenaken@skynet.be www.vissenaken.info/ brouwerij

92. Huisbrouwerij Den Toetëlèr Kleistraat 54 3730 Hoeselt tel: 089-41 70 85 fax: 089-41 70 85 info@toeteler.be www.toeteler.be

5.

90. Brouwerij der Sint-Benedictusabdij De Achelse Kluis De Kluis 1 3930 Achel (Hamont-Achel) tel: 011-80 07 60

91. Brouwerij De Dool Eikendreef 21 3530 Houthalen (Helchteren) tel: 011-60 69 99 fax: 011-60 59 99 info@terdolen.be www.terdolen.be

bier

www.jessenhofke.be 95. Brouwerij Martens Kettingbrugweg 34 3950 Bocholt tel: 089-48 04 80 fax: 089-47 27 00 info@martens.be www.martens.be 96. Brouwerij Sint-Jozef Itterplein 19 3960 Opitter (Bree) tel: 089-86 47 11 fax: 089-86 74 19 info@brouwerijsintjozef.be www.brouwerijsintjozef.be

93. Brouwerij Engilsen Lindenstraat 36 3980 Tessenderlo tel: 013-29 58 21 info@brouwerijengilsen.be www.brouwerijengilsen.be/

97. Brouwerij & Stokerij Wilderen Wilderenlaan 8 3803 Wilderen (Sint-Truiden) tel: 0475-21 93 49 info@brouwerijwilderen.be www.brouwerijwilderen.be

94. Biologische Brouwerij Jessenhofke Jessenhofstraat 8 3511 Kuringen (Hasselt) tel: 011-25 56 99 fax: 070-42 14 23 info@jessenhofke.be

98. Brouwerij Anders! NV Stadsbeemd 1025 3525 Halen tel: 013-46 03 62 info@bieranders.be www.bieranders.be

6. 99. Anheuser-Bush INBEV Grote Markt 1 1000 Brussel tel: 016-27 61 11 fax: 016-50 61 11 belgium.info@ab-inbev. com www.ab-inbev.com 100. De Brouwers van de Grote Markt Heuvelstraat 24 1000 Brussel tel: 02-512 28 00 info@lesbrasseurs.eu www.lesbrasseurs.eu 101. Brouwerij Cantillon Gheudestraat 56 1070 Anderlecht tel: 02-521 49 28 fax: 02-520 28 91 info@cantillon.be www.cantillon.be 102. Oud Beersel(geuzestekerij) zwaluwenstraat 9 1000 Brussel

tel: 0486-36 58 43 info@oudbeersel.com www.oudbeersel.com 103. De Zennebrouwerij (Brasserie de la Senne sprl) Steenweg op Gent 565 1080 Brussel tel: 0497-93 23 75 info@brasseriedelasenne.be www.brasseriedelasenne.be

7.

104. Brasserie de Jandrain-Jandrenouille Rue de la Féculerie 34 1350 Jandrain-jandrenouille (Orp-Jauche) tel: 019-51 42 98 alexandre.dumont@ skynet.be www.IVSaison.be 105. Brasserie Lefebvre Chemin de Croly 54 1430 Quenast tel: 067-67 07 66 fax: 067-67 02 38 info@brasserielefeb-

92


in vre.be www.brasserielefebvre.be

skynet.be www.abbaye-des-rocs. com

106. Gueuzerie Tilquin SA Chaussée de Maïeur Habils 110 1430 Bierghes (Rebecq) tel: 02-395 33 48 fax: 0809 655 436 info@gueuzerietilquin. be www.gueuzerietilquin. be

109. Brasserie de l’Abbaye N.D. de Scourmont Rue du rond-point 294 6464 Forges (Chimay) tel: 060-21 40 18 fax: 060-21 40 18 info@chimay.be www.chimay.be

107. Brasserie De Tubize Rue de la Filature 1 1480 Tubize tel: 02-355 29 00 fax: 0476-24 16 61

8.

108. Brasserie de l’Abbaye des Rocs Chaussée Brunehault 37 7387 Montignies-sur-roc (Honnelles) tel: 065-75 59 99 fax: 065-75 59 98 abbaye.des.rocs@

110. Brasserie Augrenoise Chaussée de Bruxelles 184 7061 Casteau (Zinnik) tel: 065-72 82 66 fax: 065-73 18 50 saint-alfred-casteau@ acis-group.org www.augrenoise.com

7904 Pipaix (Leuze-en-Hainaut) tel: 069-66 20 47 fax: 069-66 71 32 brasserie@vapeur.com www.vapeur.com 113. Brasserie d‘Erquelinnes Rue de Maubeuge 197 6560 Erquelinnes tel: 071-55 86 66 angelus.br@swing.be www.bierenaturelle.be 114. Brasserie et Distillerie Caulier sprl Rue Sondeville 134 7600 Peruwelz tel: 069-36 26 10 fax: 069-77 39 19 admin@brasseriecaulier.com www.brasseriecaulier. com

111. Authentique Brasserie Rue de Condé 5 7321 Blaton (Bernissart) tel: 069-58 07 78 authentique@scarlet. be of authentiquebrasserie@skynet.be www.authentiquebrasserie.be

115. Brasserie d’Ecaussinnes Rue de Restaumont 118 7190 Ecaussinnes d’enghien (Ecausinnes) tel: 067-34 22 77 bras.ultra@skynet.be www.brasserieecaussinnes.be

112. Brasserie à Vapeur Rue du Maréchal 1

116. Brasserie de Blaugies

92–93

Rue de la Frontière 435 7370 Blaugies (Dour) tel: 065-65 03 60 fax: 065-65 03 60 info@brasseriedeblaugies.com www.brasseriedeblaugies.com

120. Brasserie A.S. / Brasserie des Carrières Rue de Condé 62 7971 Basècles (Beloeil) Tel: 0471-78 44 39 brasseriedescarrieres@ skynet.be

117. Brasserie de Brunehaut Rue des Panneries 17 7623 Rongy (Brunehaut) tel: 069-34 64 11 fax: 069-34 64 12 info@brunehaut.com www.brunehaut.com

121. Brasserie des Légendes Rue du Castel 19 7801 Irchonwelz (Ath) tel: 068-28 79 36 fax: 068-45 68 36 info@brasseriedesgeants.com www.brasseriedesgeants.com

118. Brasserie de Cazeau Rue de Cazeau 67 7520 Templeuve (Tournai) tel: 0476-60 55 48 info@brasseriedecazeau.be www.brasseriedecazeau.be

122. Brasserie Dubuisson Frères Chaussée de Mons 28 7904 Pipaix (Leuze-en-Hainaut) tel: 069-67 22 22 fax: 069-66 17 27 info@br-dubuisson. com www.br-dubuisson.com

119. Brasserie de Silly Rue Ville Basse 2 7830 Silly tel: 068-55 16 95 fax: 068-56 84 36 silly@silly-beer.com www.silly-beer.com

123. Brasserie Dupont Rue Basse 5 7904 Tourpes (Leuze-en-Hainaut) tel: 069-67 10 66 fax: 069-67 10 45 contact@brasserie-dupont.com

www.brasserie-dupont. com 124. Brasserie Jean Tout Seul sprl Rue d’Horlebaix 57 7866 Bois-de-lessines (Lessines) tel: 068-64 63 45 contact@jeantoutseul. com www.jeantoutseul.com 125. Brasserie La Barbiot Rue du Coron 27/1 7070 Ville-sur-haine (Le Roeulx) tel: 065-87 37 23 brasserie-la-barbiot@ hotmail.com brasserie-la-barbiot. wikeo.be 126. Brasserie La Binchoise Faubourg Saint-Paul 38 7130 Binche tel: 064-37 01 75 fax: 064-33 61 86 info@brasserielabinchoise.be www.brasserielabinchoise.be 127. Brasserie Artisanale La Frasnoise Rue Basse 5


Schmecken

9  Namen 10 Luik 11 Luxemburg

Brauereiverzeichnis Belgien

7911 Frasnes-lez-buissenalg (Frasnes-lez-Anvaing) tel: 0495-42 60 38 lafrasnoise@hotmail. com www.brasserie-frasnoise.be 128. Brasserie Saint-Feuillien Rue d’Houdeng 20 7070 Le roeulx tel: 064-31 18 18 fax: 064-31 18 19 info@st-feuillien.com www.st-feuillien.com

main 3 5660 Couvin tel: 060-31 39 19 fax: 060-31 19 40 brasserie@fagnes.be www.fagnes.be

5030 Grand-Manil (Gembloux) tel: 0483-08 74 64 info@bertinchamps.be www.bertinchamps.be/

142. Brasserie de Bellevaux Bellevaux 52 4960 Malmedy tel: 080-88 15 40 brasserie@brasseriedebellevaux.be www.brasseriedebellevaux.be

94

Wic

129. Brasserie Val de Sambre Rue Emile Vandervelde 273 6534 Gozée (Thuin) tel: 071-56 20 73 fax: 071-56 20 74 contact@valdesambre.be www.valdesambre.be 130. Pairi Daiza Le Domaine 1 7940 Cambron-Casteau (Brugelette) tel: 068-25 08 50 fax: 068-45 54 05 info@pairidaiza.eu www.pairidaiza.eu

9.

bier

131. Abbaye Notre Dame de Saint-Rémy Abbaye Saint-Remy 8 5580 Rochefort tel: 084-22 01 47 fax: 084-22 06 86 www.trappistes-rochefort.com

132. Brasserie Caracole Côte Marie-Thérèse 86 5500 Falmignoul tel: 082-74 40 80 fax: 082-74 52 38 brasserie.caracole@ skynet.be www.brasserie-caracole.be

135. Brasserie du Bocq Rue de la Brasserie 4 5530 Purnode (Yvoir) tel: 082-61 07 80 fax: 082-61 17 80 brasserie@bocq.be www.bocq.be 136. Brasserie de la Lesse Rue du Treux 43b 5580 Éprave ( Rochefort) tel: 084-45 75 25 fax: 084-45 75 26 info@brasseriedelalesse.be www.brasseriedelalesse.be

133. Brasserie de Silenrieux Rue Noupré 1 5630 Silenrieux tel: 071-63 32 01 fax: 071-63 44 32 brasserie.silenrieux@ belgacom.net

137. Brasserie La Natoise Chaussée de Namur 76 5360 Natoye (Hamous) tel: 0474 82 89 25 herba-jere@hotmail. com

134. Brasserie des Fagnes Faubourg-Saint-Ger-

138. Ferme de Bertinchamps Rue de Bertinchamps 4

10. 139. Brasserie de l’Abbaye du Val-Dieu Val-Dieu 225 4880 Aubel tel: 087-68 75 87 fax: 087-68 79 58 info@val-dieu.com www.val-dieu.com

140. Brasserie Au Grimoire des Légendes Sur La Heid 23 4920 Aywaille tel: 04-263 07 17 www.augrimoiredeslegendes.be 141. Brasserie Cosse Rue du Cimetière 73 4460 Grâce-Hollogne tel: 04-239 06 92 info@brasseriecosse. net www.brasseriecosse. net

143. Brasserie de la Lienne Reharmont 7 4990 Lierneux tel: 080-39 99 06 info@brasseriedelalienne.be www.brasseriedelalienne.be/contact.php 144. La brasserie de Warsage Rue de la Gare 17 4608 Warsage (Dalhem) tel: 0474-06 04 34 info@brasseriewarsage.be www.brasseriewarsage.be/

145. Brasserie artisanale et didactique du Flo Rue du Centre 17 4280 Hannut tel: 019-51 70 57 louis.fraipont@skynet.be


94–95

146. Brasserie Grain d’Orge Rue Laschet 3 4852 Hombourg (Plombière) tel: 087-78 77 84 fax: 087-78 77 84 brasserie@grain-dorge. com www.grain-dorge.com

149. Brasserie Artisanale Millevertus Chemin de l‘eau vive 3 6730 Breuvanne (Tintigny) tel: 063-22 34 97 millevertus@skynet.be www.millevertus.be

153. Brasserie Artisanale de Rulles Rue Maurice Grévisse 36 6724 Rulles (Habay) tel: 063-41 18 38 fax: 063-41 18 55 info@ larulles.be www.larulles.be

150. Brasserie d‘Orval Rue d‘Orval 2 6823 Villers-devant-Orval (Florenville) tel: 061-31 12 61 fax: 061-31 29 27 brasserie@orval.be www.orval.be

154. Brasserie Fantôme Rue Préal 8 6997 Soy (Erezée) tel: 086-47 70 44 fax: 086-47 70 44 contact@fantome.be www.fantome.be

tel: 061-28 96 39 lavieilleforge@skynet. be www.la-vieilleforge.be

info@saintmonon.be www.saintmonon.be

ckü147. Brasserie La Botteresse de Sur-les-Bois Rue Fond Méan 6 4470 Saint-Georges-sur-Meuse tel: 0477-17 79 27 (Mr. J. Poncin) info@labotteresse.be www.labotteresse.be 148. Brasserie Marsinne - Ferme-Château de Marsinne Rue de la Médaille 17 4218 Couthuin (Héron) tel: 085-71 15 84 fax: 085-71 28 79 info@marsinne.be www.leopold7.com/

11.

151. Brasserie de Bastogne Belleau 3 6640 Vaux-sur-sûre tel: 0475-87 83 66 info@brasseriedebastogne.be www.brasseriedebastogne.be

152. Brasserie de Bouillon Grand’Rue 3 68360 Bouillon tel: 061-46 89 40 info@brasseriedebouillon.be www.brasseriedebouillon.be

155. Brasserie Gengoulf Rue des Hawys 24 6823 Villers-devant-Orval (Florenville) tel: 061/29 22 39 contact@Gengoulf.be www.gengoulf.be 156. Brasserie Gigi Grand’Rue 96 6769 Gérouville (Meix-devant-Virton) tel: 063-57 75 15 fax: 063-44 59 59 commercial@brasseriegigi.eu www.brasseriegigi.eu

157. Brasserie Inter-Pol Mont 33 6661 Mont (Houffalize)

158. Brasserie Les 3 fourquets Courtil 50 6671 Bovigny (Gouvy) tel: 080-64 38 39 fax: 080-64 38 80 info@les3fourquets.be www.les3fourquets.be

159. Brasserie Oxymore Rue Verte 1 6670 Limerlé (Gouvy) tel: 080-51 10 13 www.peripleenlademeure.be 160. Brasserie Sainte-Hélène Rue de la Colline 21 6760 Ethe (Virton) tel: 063-43 48 64 fax: 063-43 48 54 saintehelene@skynet. be www.sainte-helene.be

161. Brasserie Saint-Monon Rue Principale 45 6953 Ambly (Nassogne) tel: 084-21 46 32 fax: 084-21 46 32


Impressum

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bier Magazin über Bierkultur Ausgabe 1 Januar 2014

Konzeption, Redaktion und Gestaltung

bier

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Fotonachweise Hopfenhelden.de Nina Anika Klotz

Roman Sawatzki Paul Mielke Takumi Naka

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Schriften

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»Graphik« Commercial Type »Dronken« Roman Sawatzki

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Stephan Röhl Jörn Stoll

Andreas Fitza

Kapiteltrenner

Frei zitiert aus dem Codex Hammurabi (18. Jahrhundert v. Chr. Mesopotamien)

Ein Projekt des Kureses: »Content king meets typo queen.« unter der Leitung von Prof.Ulysses Voelker FH Mainz Januar 2014


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