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?Ua{bftatt Der Bezirk Einsiedeln, vierter im Kanton, setzt sich als Einwohner-Gemeinde aus der Waldstatt und sieben Vierteln zusammen. Die Bürger des Dorfes mit denen der Binzen (Ober- und Unterbinzen) und die jedes andern Viertels sind überdies in Genoßsamen vereinigt. Die Pastoration der Waldstatt und der Binzen erfolgt in der Stiftskirche. Die andern Viertel bilden selbständige Kirchgemeinden. Das Stift obliegt da wie dort der Seelsorge. Hier die 8 Wappen, 1934 zum Teil nach eigenen Vorschlägen geschaffen, zum Teil revidiert. (Legende Seite 172).


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INHAL T ,\

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1. Neujahransingen 2. Greiflet 3. Dorffe, Hochsigmaehe, Bröege, jüchsle, luchse 4. Agathabrot holen 5. Agatbakerzlein abbrennen 6. St. Agathafeier der Feuerwehr 7. Fastnachteinläuten 8. Siilmdilaufen 9. Brotauswerfen 10. Begraben des Pagats 11. Palmen- und Wydlitragen 12. Osterfeuer 13. Ostereier suchen 14. Den Osterochs herumführen 15. Hochzeitsfeier 16. Taufete 17. Katzenmusik machen 18. Ständli bringen

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19. Botenbrödle

20. Ansehießet 21. PfingstensehelIen u. Pfingstengugger 22. Maiengemeinde 23. Alpaufzug 24. Alpsegen (Betruf) ~. Valete unserer Studenten 26. Armbrustschießen zr. Tanzschänk, Gäuerle. Stägröfmusig . 28. Kundentanz 29. Kegeln, Muttelen, Würfeleu .30. Sennengesellschaft, Sennenfähnrich und Sennenbuben, Viehausstellung .31. Chrähhahne 32, Trunk nach dem, Kanzleien .33. Feier des 1. Augusts .34. Rekrutenaushebung 35. Schulinstitutionen 36. Zunftbräuche .37. Gratulationen des Bezirksrates beim Fürstabt J8. Schießen mit Mörsern bei Feierlichkeiten .39. Teilnahme des Bezirksrates und -Gerichtes an den Prozessionen

Seite 40. Kirchenschweizer

und Stifts-

kutscher

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41. Prozessionsgrenadier 11 29 29 29 30 31 35 41 44 44 45 45 47 48 49 50 51 51 52 54 57 58 60 61 62 73 73

und

Prozessionsmusikant

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42. Altar- und Häuserschmuck

an

der Fronleichnamsprozession weihe beleuchten 44. Die sogen. Standeskerze

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des

Bezirkes Einsiedeln 45. Ausrufer 46. Pilger bräuehe 47. Bitt- und Kreuzgänge 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57:

der Pfarrei Einsiedeln Der Turbenzehnte an die Kapuziner von Rapperswil Hausinschriften, Haussegen und Wettersegen Klausenlaufen und Infelntragen Dem Weihnachtseselein Heu legen Culinarische Bräuche Beileidsbezeugung und Be- , erdigung Feckerbräuche Kartenspiele Nachtwächterruf Stubenfuchs und Sylvester

Anhang: 1. Vorschläge 2. Originalitäten

82 83

6. 7. 8. 9.

Schuljugend Ueberliefertes der Genoßsamen Von den Kleidern Erklärung mundartlicher Ausdrücke Originalitäten in der Namengebung Kommentar zum Waldstattund den Viertelswappen

Kleine Nachträge 84

Bilderbogen

100 101 102 104 105 106 113 118 118 119 120 122

3. Ortsgewohnheiten 4. Zeitvertreib unserer 5.

95 95 96

aus dem Er-

werbsleben 74 77 77 77 78 78 79

93

43. Wie die Dörflig an der Engel-

123 135 146 149 152 160 169 172 174

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, EINSIEDLER VOLKSBRÄUCHE.

Die Schweiz ist ein günstiger Tummelplatz für weltliche Feste aller Art, denen sich der Schweizer sowohl als Veranstalter, wie auch als Bummler willig hingibt. Nicht alle Feste werden ausschließlich von durchaus idealen Erwägungen beherrscht. Sie stehen häufig im Dienste der allgemeinen und örtlichen Verkehrsförderung, vor deren Geboten die Originalität oft genug den Kürzern zieht. Wo die Verkehrsförderung maßgebend ist, spielt das Unterhaltungsprogramm immer eine große Rolle. Mit der Unterhaltung will man die Finanzlage lösen. 'Um so leichter kann die Gefahr drohen, daß dann die Pflege der kulturellen Bedeutung unserer Feste vernachlässigt wird. Findige Köpfe werden beauftragt, Ideen zu suchen, um zügige Programmnummern vorzubereiten. Das verursacht manchmal Kopfzerbrechen; denn man möchte vermeiden, Gesehenes und GIr hörtes zu wiederholen. In der Verlegenheit greift man oft zu fragwürdigen Schöpfungen und Kopien. Es gibt aber auch Darbietungen, die von der Volksmeinung als gelungen bezeichnet werden, trotzdem sie es nicht sind. Die Forschung nach ausgestorbenen örtlichen Volksbräuchen und ein Blick auf die bestehenden sollte mancherorts ermöglichen, Festprogramme zu bereichern, indem man solche Bräuche in guter Form aufleben läßt. Noch mehr zu empfehlen ist die Pflege alter Volksbräuche zu gegebener Zeit. Man hört häufig die Originalität des Volkslebens dieser oder jener Gegend loben. Warum also nicht folgern und lebendige Originalität ausbauen und verblichene nach erfolgter Forschung in guter Form auferstehen lassen? In diesem Sinne haben wir den Volksbräuchen der Waldstatt Einsiedeln nachgespürt, um sie hier zu beschreiben lind in Rekonstruktionen, Skizzen und photographischen Aufnahmen bildlich zu zeigen. Die Bilderschau erfaßt unser Volksleben noch allgemeiner. Sie wird durch kurze Hinweise und Betrachtungen über wichtige Ereignisse erläutert. Der Anhang beleuchtet folgende Fragen: I. Volksbräuche, die wieder eingeführt und solche, die besser ausgestaltet werden können, 2. Erloschene Originalitäten aus dem Erwerbsleben, von denen noch wenig oder nichts geschrieben ist, 3. Besondere Ortsgewohnheiten, 4. Arten des Zeitvertreibs unserer Schuljugend, 5. Ueberliefertes der Genoßsamen, 6. Ländliche Kleidungsart, 7. Mundartliche Ausdrücke, die in dieser Broschüre vorkommen, 8. Kommentar zum Waldstatt- und zu den Viertelswappen.

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I.

Das Neu j a h r s si n gen. Im Bezirksratsprotokoll vom .r ahre

160J wird das Gesuch des Schulmeisters, in der Neujahrsnacht mit -

den Schulkindern in feierlicher Prozession, an der Spitze ein "Fendlin", vor die Häuser zu ziehen und das Neujahrslied zu singen, folgendermaßen vermerkt: "Es hat der schuolmeister vor Rath bet, man wolle Ihm Erlauben, mit den Chnaben uff zuochünftig wienacht (oder nüjohr) zuo singen. Ist Ihm Erlaubt Nach altem Bruch". Gelegentlich wurde nicht nur gesungen, sondern auch Theater gespielt. So lesen wir im Ratsprotokoll vom Christmonat 1677: "Heinrich Wismann bitet namens des Schuolmeißters, daß man ihm das Nüwjor Lied zuo singen bewillige und Ein Comedi zuo halten". Die Comedien wurden auf dem Rathaus ab: gehalten. Da das Neujahrsingen bisweilen als Bettel ausartete, wurde es vorübergehend verboten. Im Jahre 1705 fragte einer im Rat, "üb man wolle die nüwen Jahrs Lieder abstellen oder nit, es seyen auch die schulmeister auf den Vierteln gekommen und begehren auch mit ihren Kindern ·zu singen". In einer Betrachtung machte unser Waldstattdichter Meinrad Lienert( Einsiedler Anzeiger 1895) folgende Bemerkung: "Das Neujahrssingen war übrigens ein schöner Brauch, denn es mag das Singen der unschuldigen Kinderschar den hohen Festtagen eine eigenartigeWeihe gegeben haben. Zugleich machte das Singen dem Schulmeister und den armen Kindern wieder einmal einen vollen Magen, denn im Vergleich zu heute waren die meisten Leute damals blutarm. Das ist ersichtlich aus dem immerwährenden Anhalten bei der Session oder beim Waldstattrat". Das Neujahrslied, das in der Heilignacht auch vom Nachtwächter gesungen wurde, lautet: "Loset, was wil i säge: Ich wüsche ~ .alle e gueti Nacht, Und dazue glückhaftigs fründlichs Nüjohr Durch Jesus und Maria. Stöhnd uf im Name Herr Jesus Christ, Der heilig Tag wiederumb vorhanden ist. Jetzt und zue alle Zite, Der Stärn muess reise witers. Jetzt wüschi das dr Husvater mit siner Frau Liebsti Und alle im ganze Hus, Viel Freude möget erläbe, Das weIl ihne Gott vorleihe, Das weIl ihne Gott verleihe, In der Morgeröthi steht es auf 1 Die hälle Stärne schiesse, Das neugeborni Himmelsbrot, Das heut uns wird beschnitte, Das göttlich Chind! .Das suechet wir z'erbitte!" 6


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I. 1 ~

Man kennt noch andere Ueberlieferungen des Neujahrsliedleins. aber leider nur in Bruchstücken. Hier drei Beispiele: "Wir wünschen Euch ein glückhaftiges neues Jahr, jesus, Maria und Josef, machet den Kindlein ein gutes Müslein", ferner "D'Muotter Gottes chocht es Muos, dr Sankt Josef hebt d'Pfanne", ferner: "Mir höred .d'Frau Muotter i dä Schlüßle rigle und glaubed sie wärd üs öppis bringe". Die letzten erwachsenen Neujahrssänger waren der sogen. Barabas, der Schwöbli Marti und der Schleser Meired. Das Neujahrslied wurde von ihnen um 1880 zum letztenmal in Fürers Haus an der Taubengasse gesungen. Auf den Vierteln hielt sich der Brauch vereinzelt bis um 1895. Mit der Dauerhaftigkeit war z. B. in Euthal eine Nebenerscheinung verknüpft, die so recht deutlich die ärmlichen Verhältnisse vergangener Zeit kennzeichnet. Wenn die Hausbewohner den Neujahrssängern Geld oder Gaben hinabwerfen wollten, erklärten diese häufig, sie verzichten gern darauf, wenn sie im Frühling nur "etwas Gummel" (ein kleines Quantum Kartoffeln) bekämen. Tatsächlich erschienen dann im Frühling, so der Kartoffelvorrat über den langen Winter verzehrt worden war, die Neujahrssänger aus dem Dorf, erinnerten an den Verzicht auf die Gabe beim Singen und baten um die Gummel, da sie Not daran hätten. . Ueber das Feiern um Neujahr herum äußert sich unser Geschi.chtsschreiber Martin Ochsner im "Einsiedler Anzeiger" vom 20. Dez. 1899 folgendermaßen: "Seit grauer Zeit wurden hier die "zwölf Tage", die "Zwölften" oder "Jahrestage" an den Festen Weihnachten, Neujahr und Dreikönigen gefeiert. Schon das Jahr 1590 kennt den "Zwölften Tag". Was die "Jahrstage", heißt es im Ratschlagbüchlein zum 13. Dezember 1626, anbelangt, sollen dieselben, wie von altem her im Brauch ,gefeiert werden. Worin dieser Brauch bestand, sagt uns ein Ratschluß vom Jahre 1643, der dahin lautet: Erstlieh ist ein Anzug geschehen wegen den Jahrstagen, ob man sie halten wolle. Ist erkennt, daß man sie halten wolle, und solle der Galli Kälin gemahnt werden, daß er einen Zentner Anken solle auf das Rathaus thun den Waldleuten auf künftigen Freitag. Was dann die Weiber anbelangt, steht es den Weibern anheim "sy mögedt uff das Rothuß khomen auch zu denen Manen und den win vom Seekel Meister auch nemmen, so vill als sy von nöthen." Am 2 I. Dez. '1647 befiehlt der Rat: "und sölle der Seckelmeister sich mit einem guoten hürigen Wollerauer verfaßt machen". Später wurde neben dem Wein und Brot auch Käse "in fründligkeit" genossen. Diese Wirtschaft auf dem Rathause wurde an den obgenannten Tagen von der Waldstatt in Regie betrieben. Dabei hatte der Seckelmeister "den win nit thürer dorzethuon dan die Cöstung seyen". Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Bedienung waren 7


zwei Stubenknechte bezeichnet, von denen jeder täglich zehn Schilling Lohn bezog. Hin und wieder wird aber wohl ein ehrsamer Waldmann bei vorgerückter Stunde die Begleichung der Zeche vergessen haben. Es wurde daher am 19. Dezember 1850 verordnet, daß ein jeder, der sich dabei (am Jahrstag) befindet, seine Uerte bar erlege. Der anders thäte, solle I Pfund zu Buß verfallen sein, und der es nit gutwillig erlege, solle mit andern 'MitteIn gehorsamt werden. Die hochobrigkeitliche Drohung scheint jedoch nicht bei allen eingeschlagen zu haben, denn im folgenden Jahre traf man die Verfügung, daß die beiden Stubenknechte und der Bettelvogt verordnet sein sollen, bei den Thüren auf dem Rathause zu wehren, daß Keiner eingelassen werde, der nicht in der Uerte sitzen wolle. Die Mitglieder des Rates wurden gastfrei gehalten. Im Jahre 1628 grassierte ein großer Sterbet, der die Menschen "in solcher Zahl hinwegraffte, daß in Einsiedeln 4 Totengräber angestellt werden mußten. Die Jahrstage fanden gleichwohl statt. Um sich aber vor Ansteckung zu bewahren, wurde beschlossen, daß man denen, "so die schüchliche sucht by in geregiert" eine sonderbare Stube auf dem Rathause erwärme. Es kam wohl auch vor, daß die Feier eingestellt wurde, so 1655 wegen den Wirren, die dem Villrnerger-Kriegevoran gingen und im Jahre 1689 "weillen ein so stränge und deure Zeit ob handen und ein jeder Haußhaltung gennog mit ihrer not zu haußen habe." Das erste Fest, das in die "zwölf Tage" fiel, war Weihnachten. Weit über die deutschen Lande hinaus bekannt war das Weihnachtsspiel, ein Lied, das so frisch und unverfälscht aus der Volksseele herausklang . "Vom Himmel hoch, da komm ich her, Ich bring Euch eine gute Mähr, Der guten Mähr bring ich so viel, Davon ich singen und sagen will." Frühzeitig stoßen wir in der Waldstatt auf das Weihnachtsspiel. So erteilte der Rat unterm 29. November 1625 dem Schulmeister Ziegler die Erlaubnis, auf zukünftige Weihnachten mit den Kna'ben nach altem Brauche zu singen. Am 21. Dezember 1647 erhielt der Schulmeister samt den Schülerknaben die Vergünstigung, nach altem Brauch in dem Gotteshause, auf dem Rathause und sonsten zu singen . .und am 14. Dezember 1648 haltet der Schulmeister an, daß man ihm wolle zulassen, und vergünstigen, "nach altem bruch mit sinen Jungen Schuol Kindren gen Singen und daß Spill oder Exercitium welches er allbereit unter Handen." Eine weitverbreitete Gewohnheit bestund darin, das Neujahr vom Turme herab "anzublasen". Darüber, daß dies auch in Einsiedeln 8


gepflogen worden, fehlen Nachrichten. Dagegen herrschte. ein anderer Brauch. Sobald es "Zwölf" geschlagen, zog m~n vor die Häuser, um das Neujahr "anzusingen". Das Fest der Erscheinung des Herrn oder Drei-Königen wurde in Einsiedeln im Volksmunde gemeinhin "der zwölfte Tag" (nach Weihnachten) genannt. Im Mittelalter war es üblich, daß in den Kirchen ein förmliches Dreikönigsspiel aufgeführt wurde, wobei neben den 3 Weisen, Herodes mit seinem Hofstaate, die Engel und Schriftgelehrten nicht fehlen durften. Als dann aber die Handlung auszuarten begann, wurde sie auf die Straße verwiesen. Hier bildete sich nun das "Sternsingen" aus. Junges Volk, Burschen und Mädels, legten sich einen möglichst königlichen Anzug zurecht, setzten sich die Krone aufs Haupt und zogen mit einem goldpapiernen Stern auf einer Stange durch die Gassen, um sich durch ihren Gesang, der also anhub: Wir, Kaspar, Melk und Balz genannt, Wir sind die heiligen drei König aus Morgenland" eine Gabe zu erbitten. Das "Singen" an genannten Festtagen, mit dem Selbstzwecke, an die Mildtätigkeit der Nebenmenschen zu appellieren, war als aus·schließliches Privilegium der studierenden Jugend der Waldstatt eingeräumt. Allein schon 1560 regten sich Konkurrenz und Brotneid, und es mußte ein bezügliches Verbot erlassen werden. Dasselbe wurde von Zeit zu Zeit erneuert. So heißt es zum 22. Christmonat 1625: "Singen halb des nüen Johr Lieds ist verbothen, wie auch der heiligen dri Küngen by der alten buoß." Am 26. Nov. 1645 wird den "Schuoleren" das Singen gestattet "aber Uebrigen .abgeschlagen undt verboten by 1 Kronen buoß, daß Niemants weder tags noch Nachts umb die heuser umbeher singe". Man ging noch weiter und wurde auf den 19. Dezember schlüssig: "Soll das Neujohrlied und H. dry Königen singen im und außerts landt auch den Frömbden so etwan komen mochten verbotten sein bey 4 Pfd. buoß". Allein, wie so mancher polizeilichen Verordnung erging es auch dieser -- sie wurde nicht gehalten. Am 2. Februar 167I wurden 4 Söhne und 2 Töchter vor Rat citiert und zur Rede gestellt "daß sy der verschinen zit des heiligen 3 Künig liedt in der Frömdte gesungen, und so buoben und Meitli mit einandern geloffen und so große gugelfuog getrieben haben. Isterkennth daß .sey Jedes 1 Pfdt. zu buoß gäben sollend." Schlimmer erging es einem Kaspar Lacher, der entgegen dem Verbote der Obrigkeit Weihnachtslieder vor den Häusern vorgetragen. Vor Rat citiert, verantwortete er sich am 28. Dezember 1701 dahin: er habe nur geistliche Lieder zu Ehren des Christkindleins gesungen. Sein frommer Sinn wurde aber so übel verdeutet, daß er im "Thurm" (Gefängnis) über die Macht seiner Melodien nachsinnen konnte. Fassen wir das Gesagte in folgende Rahmen: 9


Um die Zeit der .Wintersonnwende, an Neujahr-und dem zwölften Tage (Drei Königen). versammelten sich die Waldleute zur feierlichen Regelung des von ihren Voreltern christianisierten heidnischen Julfestes. Bei Einbruch der Nacht zogen Weiber und Männer in ihrem besten Sonntagsstate auf das Rathaus. Brenzlich riechende Talgkerzen ließen im Halbdunkel das Getäfer und die mit Bildern und Wappen gezierten Glasscheiben erkennen.' Zuvorderst, saßen die gestrengen Herren von Rat und Gericht hinter den von Neubürgern gestifteten silbernen Pokalen; auf den Bänken längs den Wänden und um die Tische in der Mitte lagerte sich bei einem Becher Weines das frohmütige Völklein der Waldstatt. Nach kurzem Besuche im Stifte und in den Häusern vermöglicher Bürger erschien der Schulmeister mit. seiner Sängerschar, .um durch ein eigens zu diesem Zwecke gedichtetes und komponiertes Stück sich und seine Zöglinge zu empfehlen. Die Aufführung dieses Spieles ~ auch Exerzitien oder Komödie genannt - in dem Gesang, Musik und Deklamationen abwechselnd zum Vortrage gelangten, wurde mit einem Trunke belohnt. "Den schuollerknaben. nach gehaltener Comedie (am neuven Jahrestag) für 7 Mos Wein 3 brodt auch brodt bey dem Ochsner 8 Pfd." Daß die Vorstellungen mit etwelchen Auslagen verbunden waren, beweist eine Notiz: vom 16. März 1792, wonach Herr Pater Statthalter dem Herrn Präzeptor im Dorf (Hochw. Herrn Nikolaus Heinrich Eberhard Wyß) wegen gehabten Unkosten mit einem Studenten für die Komödie 2 Louisdor gab. Allein so ganz in Minne verliefen die Jahrestage nicht immer. Das. "Friede den Menschen" blieb gesungen und verklungen. Nur zu oft wurde die Feier des' Tages, nachdem die Köpfe vom Weine erhitzt, wüst entweiht. Wortgezänk und Schlaghände1 stellten sich ein, Dies wird mitgewirkt haben, daß die Jahrestage auf zwei, dann auf einen Tag eingeschränkt wurden, um endlich der Vergessenheit anheimzufallen." Ein für den Empfänger angenehmer Neujahrsbrauch, der hier nicht erwähnt ist, behauptet sich heute noch: Das Göttigeschenk. Es ist üblich, daß Pate und Patin dem Göttikind am Neujahr ein kleines Geschenk machen, in der Regel einen Eierzupf oder dann einen Fünfliber in den Sparhafen. Das Göttigeschenk verpflichtet ordnungsgemäß bis zum Jahr, da der Götti die erste hl. Kommunion empfängt. Es gibt ausdauernde Paten und Patinnen, die ihren Götti bis zu seinem vollendeten 20. Altersjahre beschenken,

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2. G r e i fl e t. In unserm Hochtale (914 m) wächst kein Korn und wenig Obst. Da und dort an windgeschützten Hängen stehen einige Kirschbäume. Die Sorge um den Obstwachs ist deshalb nicht so groß wie in fruchtbaren Gegenden. Deshalb dachten an. Dreikönigen von jeher nur wenige Bauern daran, die umgehenden IO

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bösen Geister zu vertreiben, die' das Wachstum der Obstbäume stören. Im ViertelEuthal hat man diesem Brauch, genannt Greiflet, bis Ende der Soer Jahre hinein Aufmerksamkeit geschenkt. Junge Männer versammelten sich nachts im Dörflein, mit Trychlen, Schellen, Kloben und Peitschen versehen, und zogen dann auf die Felder, wo Obstbäume standen, umkreisten dieselben, indem sie mit ihren Requisiten einen höllischen Lärm veranstalteten, um die bösen Geister zu verscheuchen, die dem "Wachs" (Wachstum) schaden könnten. Die Peitsche war das wirksamste Scheuchrnittel. Wirbelnd säuberte der Bauer den Luftraum vor sich hin und verriegelte ihn im Rücken der fliehenden Geister mit drei kräftigen concentrischen Schlußschlägen. Das Wirbeln ist nicht zu verwechseln mit dem sog. Kreuzschlag über dem Kopf, den die Bauern der Ostschweiz mit der langen Schafgeißel ausführen, Als Entgelt bot man den jungen Leuten Rosoli (selbstgemachtes Nußwasser) an. Das Greiflen wurde schon im I7. Jahrhundert und neuerdings im Jahre 1738 bei IO Pfund Buße verboten. Im Jahrbuch 1934 für schweiz. Theaterkultur hat Meinrad Inglin von . Schwyz einen Greiflerspruch veröffentlicht. Der Brauch ist somit für die Zukunft wenigstens literarisch verankert. Der Wirbelschlag mit der Peitsche ist vom Greiflet auf das Alltagsleben übergegangen. Bauern und Fuhrmänner handhaben die Peitsche auch zum Zeitvertreib. Trotzdem sie die gedrehte Kuhgeißel, -die die Form einer langen, schlanken Renaissancewachskerze hat, nicht ceremoniel tragen und nicht pflegen, wie z. B. der alte Herrschaftskutscher, der Postillon und der Mühlenkarrer ihre elegante Peitsche pflegten, so sorgen sie doch für einen zum Knallen geeigneten Zwick. Zur Zeit, als die Seidenhandweberei blühte, (bis um I900) wurde der Zwick mit farbigen Ausschußfäden gedreht. Ob der Fuhrmann auf der Turbenbänne oder auf dem Trämelschlittten sitzt oder breitspurig hinter der Fuhre hertrampt, "wirbelt" er von Zeit zu Zeit mit der Geißel. Der Wirbelschlag wir erzeugt, wenn man die Schlinge mit wagrecht vor sich hingehaltenem Geißelstecken sehr rasch aufeinanderfolgend wechselweise nach rechts und nach links kläpft, sodaß der Schlag dem Trommelwirbel gleicht. 3· Dorffe (z'Liecht goh oder Chilte) Hochsigmache, B r e g e, J ü c h s 1e, J u eh se. Ueber das "Dorffe" kennt man hierorts nur einige wenige Formalitäten, die als Ortsbräuche registriert werden können. Ernste Bekanntschaften sind ein stilles persönliches Anliegen zweier junger Menschen und ihrer Eltern, sodaß keine Originalitäten von Haus zu Haus vermittelt und auf diesem Wege als allgemeine Regeln eingebürgert wurden. Man weiß nur, daß es ursprünglich üblich war, am Donnerstag und Sonntag dorffen zu gehen. ö

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Es hieß, daß am Montag nur die "Nötigen", am Freitag nur die "Rüdigen", am Samstag nur die "Gewöhnlichen" (man nannte sie Schuhputzer) gingen. Am Mittwoch wurde unter Bauern kein Handel abgeschlossen. In diesem Zusammenhang läßt sich erklären, warum der Mittwoch für das Dorffen außer Betracht fiel. Inbetreff der Zurückhaltung am Freitag ist es angängig, in erster Linie an religiöse Rücksichten zu denken. Der Freitag erinnert an Jen Leidenstag des Herrn. Man darf aber auch an leibliche Erwägungen denken. Es ist Brauch, daß die gefreite Tochter dem Freier beim Dorffen etwas "auffstellt", z. B. Selbstgedörrtes und nachher Birnenweggen und Züpfen. Da aber am Freitag unabwendbar Fasttag ist, müßte auf den fettesten Brocken verzichtet werden, auf jeden Fan dann, wenn Mutter und .Tochter entscheiden. Nebenbei bemerkt, ist das gedörrte Schwynis ein Produkt der bäuerlichen Hausschlachtung. Der Bauer bestellt in der Regel im Spätherbst den Metzger im Lohn und kauft das Gewürz im Spe.rereiladen. Er hängt das Fleisch in die Rauchkammer und verzehrt es über den Winter. Zu erwähnen ist ferner, daß der Freier früher mit dem "Alten" einen Rosenkranz ausjassen mußte, bevor er sich dem Gspüsli nähern durfte. Das ist so zu verstehen, daß gespielt wurde, wer den Rosenkranz beten mußte, der Alte oder der Freier, d. h. der Verspielende. Es entspricht ganz der Denkweise alter, schalkhafter Bauern, dem zukünftigen Schwiegersohne beizubringen, daß der Alte.Geber und der Jüngling Nehmer ist und daß die Gabe aus Vaters Entschluß für den Empfangenden viel bedeutet. Der Alte denkt an die finanzielle Tragweite der Handlung, hauptsächlich wenn er wohlhabend ist, z. B. wenn er einige vürnehme Haupt Vieh besitzt, wovon er gern zu sprechen . pflegt, während des Freiers Vater vielleicht nur ein paar "Schwänze" im Stall hat. Er will zu merken geben, daß er ein Opfer bringt, wenn er die Tochter vergibt. Es ist in Form eines Sprüchleins ein Bittgesuch bekannt, das die Tochter an die Mutter richtet, tun sie zu veranlassen den "Gültigen" freundlich zu empfangen und ihm mit etwas Gutem aufzuwarten. Dieses Sprüchlein heißt: Mueter, lueg dou s'ischt Buob dou. Wend en ine la, s'isch schöne Ma. Mueter, gend äm Chuoche, so chunt'r nöcher zuoche, Mueter, gend äm Ziger, So chunt'r more widr. Mueter gend äm äs Branz 's isch dr Chäle Franz, Mueter gend äm au äs Weggli, 's isch der Schwyzerseppli. ä

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Wenn es zur Heirat kommt, versilbert weder der Vater des Bräutigams, noch derjenige der Braut eine Kuh, um den Eheleuten Bargeld aushändigen zu können. Es bleibt in der Regel bei einer einfachen Mitgift an Kleidern und Lingen und Geräten. Bei Teilungen und Nachlassen war es vor dem Inkrafttreten des neuen Zivilgesetzbuches von jeher Brauch, daß der älteste Sohn den sogen. Mannsförderling erhielt, d. h. das Anrecht auf die Uebernahme des väterlichen "Hostet" zum bestmöglichen Preis. Jüngere Brüder und die Schwestern bekamen gleichsätzige Ausrichtbriefe, die man, im Range den zinspflichtigen Schuldbriefen folgend, errichten ließ. Ueber die ablehnende Haltung der Mutter ist folgender Spruch bekannt: Marieli bis gschyder, gang mit keim Schnyder, gang mit keim Burebueb, Döirfflig git's gnueg. Hier kommt der mütterliche Rat an die Tochter zum Ausdruck, eine soziale Besserstellung anzustreben. Gewiß kann es die Mutter gut meinen, aber sie unterschätzt den sozialen Rang des Handwerks und des Bauernstandes. Im Zusammenhang mit den wenigen Ortsbräuchen beim Kiltgang und Hochsigmaehe kann man das Romfahren gewisser "gesperrter" Hochzeitspaare erwähnen. Es ereignete sich noch in den Soer Jahren, daß die sogen. "Herren", so wurden die zuständigen Amtspersonen auf dem Rathaus genannt, einem ungetrauten Paare mit einem unehelichen Kinde die Ziviltrauung versagten, wenn der Mann mittellos war, d. h. wenn man ihm nachweisen konnte, daß er nicht in der Lage wäre, für den Unterhalt der Familie zu sorgen. In den meisten Fällen traf dies bei den zahlreichen Feckern zu, die hier noch mehr als anderswo ein nomadenhaftes Leben führen können. Die "Herren" wollten mit diesem gesetzlich nicht verankerten Vorbehalt in gefährlichen Fällen den Weg zu Familiengründungen verlegen. Er war ein untaugliches Glied im Fragenkomplex über Feckerhilfe, die gerade hierorts heute so akut ist, wie je zuvor. Es kam dann vor, daß Paare, denen die Zivilehe gesperrt war, das Kind in das Tragkissen legten, sich mit Pfanne und Geschirr ausrüsteten und die Fußreise in den römischen Kirchenstaat antraten, um sich dort trauen zu lassen. Die letzte derartige nachgewiesene Romfahrt war die des Keßlers Jörg. Das Schießen bei Hochzeiten und Taufen war nur erlaubt, wenn der Bräutigam bezw. der Vater einen Krontaler in die Armenkasse entrichtete. Falls ohne Erlaubnis geschossen wurde, mußten 13

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r, I die Veranstalter 2 Neutaler Buße zahlen. Jetzt ist das Schießen bei Hochzeiten nicht mehr üblich. Von größerer Originalität sind die Begleiterscheinungen des Dorffens, nämlich das Spiel der Nachtbuben, das sich mit mehr oder' weniger Ernst ebenfalls um ein Gspüsli bewegt. Hievon wollen wir nun ausgiebig sprechen, indem wir zuerst den Hergang und nachher einzelne Handlungen schildern. Mit _wilder Abenteuerlust, die von der nahenden Fastnacht angeregt wird, ziehen die Bauernburschen in den Winternächten nach Dreikönigen in nahe und entfernte Gehöfte, d. h. dorthin, wo eine hübsche Jungfer zu 'Hause ist. Die Töne des Muulblettlis (Mundharmonika) und ein kögeindes Jäuchzeln (3-4 gebundene rasch aufeinander folgende Jauchzer in hoher Tonlage) verraten, .daß sie um' jeden Preis darauf ausgehen, in der warmen Kammer einer Schönen zu landen. Sie halten vor der Behausung an, die sie als schatzhaltig kennen, schwirren um die Hausfesti herum, locken die Jungfer mit Zurufen in entstellter Fistelstimme ans Fenster, indem sie, wenigstens früher, den sogen. "Heirats brief" bezw. "Hausratbrief", seit ungefähr 1870 "Hausgrümpel" genannt, aufsagten, heischen ihr Rosoli (selbstgemachtes Nußwasser), einen Bissen Eierzupf oder Birnenweggen. Zeigt sich die Angerufene am Fenster, erbettelt man schließlich den Einlaß, der gewährt wird, wenn nicht schon ein Günstling drinnen auf der Ofenbank sitzt. Hat die Jungfer kein Gehör, lassen die Burschen dennoch nicht nach, sie steigen auf Scheiterbeigen und Chlebdächer und poltern an die Fälläden. Manchmal sagt der Alte,der in der Nebenkammer schläft und vom Lärm geweckt wird, auch sein Gsätzlein dazu. Wenn der bräugende Bursche nicht nur der Tochter, sondern auch dem Vater sympathisch ist, wendet der Alte gegen den Einlaß nichts ein.' Sitzt schon ein Günstling in der Stube, und merken das die Burschen vor dem 'Hause, wird er entweder herausgefordert oder sie warten, bis er am Morgen heimlich den Heimweg antreten will. Sobald er sich blicken läßt, werden sie handgriffig, und es heißt dann "ghaue alders gstoche, rübis alders stübis". Es ist schon vorgekommen, daß der Günstling der Jungfer aus Eifersucht blau geschlagen oder in das Güllenloch getüncht und dann heimgeschickt wurde. Beim z'Liecht goh (Dorffe) verändern die Burschen bis zum Einlaß ins Haus die natürliche Stimme, das heißt sie brauchen .die Kehlkopfstimme in heisern und verhaltenen Tonarten, damit man sie nicht sofort erkenne. Das nennt man hierzulande "broege", gleichbedeutend wie "vürsibroege", im Ybrig "räble" genannt, eine besondere Sprachmode der Fastnacht. Im nahen Ybrig und im AlpthaI ist auch das sogenannte "Hindersibroege" üblich. Man bedient sich einer "verrenkten" Kehlkopf technik und spricht mit foppendem Galgenhumor zu den Jungfern. Auch

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im Gespräch mit den nichtmaskierten Wirtshausbesuchern bedient man sich dieser anstrengenden Sprachtechnik. , Beim nächtlichen Auszug kann es zutreffen, daß die' Nachtbuben den Weg mit denjenigen eines andern Viertels oder mit Dörfligen kreuzen. Die einen wie die andern wittern die Gegnerschaft und illre Stimmung fast aus der Luft, also noch ehe sie sich erkennen. Beim gegenseitigen Nahen bücken sie sich, strecken den Oberkörper seitwärts vor, halten entweder den Arm vor das Gesicht oder recken die Hände bodenwärts und klatschen herausfordernd in die Handballen und rufen sich zu: "Harus, häre cho, häggle!" Diese Herausforderung zum Messen der Kräfte wird mit verständlicher Deutlichkeit wiederholt, entweder angriffslustig oder verteidigend, je nachdem man die Balghaftigkeit der abseitigen Jungmannschaft einschätzt. Wenn nicht eine der Parteien .rechtzeitig den Finkenstrich nimmt, kann es zu einern Handgemenge kommen, bei dem ab und. zu auch Schwirren und Haglatten kreisen. Als Zeichen, daß die Schlägerei beidseitig auf der Stelle erwünscht ist, gelten auf Entfernung das Pfeifen durch die Finger und beim Nahen das Fingerknallen. Beim Knallen mit den Fingern drückt man die Spitze des rechten Daumens krampfhaft gegen' die des Mittelfingers und läßt diesen plötzlich gegen die Handballe hin abgleiten, worauf ein Knall entsteht. Geübte bringen es fertig, daß das Fingerknallen gehört werden kann, auch wenn sich die Parteien noch entfernt gegenüberstehen. Die Herausforderung .rnit dem Händeklatschen, Pfeifen und Fingerknallen läßt der Nachtbube nicht über sich ergehen. Diese akustischen Zeichen sind ihm klarer, als die Sprache, intonieren sie doch gleich die wechselnden Schläge mit der Faust, die bevorstehen. Sobald sichdie Parteien genähert haben, verstärken sie den Sinn des Fingerknallens mit einer Begleitbewegung des rechten Arms, die alsogleich in den Schwung zum Schlag hinübergleitet. Im Streit der Nachtbuben geht keine Erwägung der rechtlichen Folgen für den; der zuerst schlägt (Angreifer) voraus. Sie denken nur an den 'taktischen Erfolg. Weil sie wissen, daß der Angreifer den taktischen Erfolg ziemlich sicher für sich hat, versucht jeder, dem <Gegner eins' zu "putzen", daß "er das Feuer im Elsaß sieht", 'bevor er getroffen wird. Beim Auszug aufs Land bedienten sich die Nachtbuben in den' ooer Jahren nicht nur des "Muulblettlis", 'Sondern auch des Brummeisens, "Trümpi" genannt, als Marschmusik. Das "Trümpi" besteht aus einem kleinen Metallring und einer an einem Ende darauf genieteten dünnen Stahlfeder. ,Man legt das Instrument an die Zähne, haucht kräftig darauf und bewegt die Feder am freien Ende mit der Fingerspitze, worauf ver-schiedene Töne entstehen, die frei nach dem Gehör zu einer :primitiven Marschmelodie gereimt werden. Im alten Lande Schwyz

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wurde das "Trümpi" bei der diskreten Tanzmusik in Privathäusern als Begleitinstrument benutzt. Nur darf man nicht an das kleine Taschenformat der Einsiedler Nachtbuben denken. Noch ist etwas über die örtliche Ausdehnung des "Dorffens" zu sagen. Man darf nicht etwa glauben, der Brauch sei der Landbevölkerung vorbehalten. Die Burschen und Mädchen im Dorf wissen auch etwas -davon, wo sonderheitlieh die Langrüti zeitweise ein beliebter Tummelplatz der Nachtbuben war. Immerhin wurde die Umgebung der bis 1910 mit Petrollaternen beleuchteten Dorfstraßen gemieden. Sicher ist auch, daß ein nächtlicher Gang über das in Dunkel gehüllte Land verlockender war, weil er sich umständlicher und darum abenteuerlicher gestaltete. v.,r enn der Dörflig aufs Land ging, mußte er sich des verschärften Wettbewerbes vonseite der Viertelsburschen zum voraus bewußt sein. Nun folgen einige Detailbesprechungen : Mit dem Heiratsbrief auch "Hausratbrief" und "Inventari" genannt, hat es folgende Bewandtnis: Er besteht aus einer umständlichen Liebeserklärung in unbeholfenen Gelegenheitsversen. Er .beginnt in der Regel mit einem Gruß an die Hausbewohner, sonderheitlieh an die Jungfer. Hierauf gibt er den Grund bekannt, warum der Freier vor dem Haus erscheint. Dann eröffnet er eine Litanei über den Wert der "Hastet" (Hofstatt-Liegenschaft) über Zahl und Beschaffenheit der Feld- und Hausgeräte, d. h. alles dessen, was der Freier in die Ehe bringen könnte. Anschließend gewährt er einen Blick in die persönlichen Eigenschaften des Freiers. - Zu guterletzt frägt er verstohlen nach den Vermögensverhältnissen der Jungfer und preist ihre Eignung als zukünftige Frau und stellt sie gleich vor die Wahl, kurz und bündig "ja" oder "nein" zu sagen. Der Heiratsbrief zeichnet sich aber durch die Eigentümlichkeit aus, daß er etliche Male eine günstige Darstellung, die die aufmerksame Hörerin ernst auffaßen kann, im Handumdrehen mit spaßhaften Wendungen lockert und sogar widerruft. -Der Schlußsatz sagt am klarsten, was die Kundgebung in den meisten Fällen zu bedeuten hat; nämlich: "Auf der Gaß, ist's halt Gspaß". . Entweder verfolgten die Nachtbuben gemeinsam zu zweit oder zu dritt das gleiche Ziel, oder dann machten sie sich einzeln heftig Konkurrenz. Sie sagten. den "Heiratsbrief" von abends I 1 Uhr an, fließend, mit verstellter und fieberhaft modulierter Fistelstimme bald gegen dieses, bald gegen jenes Fenster hinauf, d. h. allwo sie vermuteten, daß die angerufene Jungfer erscheinen könnte. In der Lebhaftigkeit des Vortrages .Iag die Originalität dieses alten Brauches. Die schlafenden Hausbewohner mußten unwillkürlich aufwachen und die Ohren spitzen. Aus der Entfernung hörte sich die lückenlose Litanei über die in Dunkelheit 16


gehüllten Hänge fast geisterhaft an. Wenn die Jungfer an der nächtlichen Kundgebung Gefallen fand, machte sie sich bald aus den Federn, öffnete ein Fensterflügeli und fragte: "Was häsch gseit?" Diese trockene Frage leitete die Beziehungen ein. Sie verriet, daß das Interesse der Jungfer gebannt war. Als Antwort rezitierte der Freier die Urkunde mit gesteigerter Geschwätzigkeit. Er fühlte daß es für den Entschluß zum baldigen Einlaß nur mehr auf seine Ueberredungskunst ankommen werde. Sei den 80er Jahren hat der "Heiratsbrief" mehrere freie Parodien erhalten, die im ganzen Tale herum unter -dem Namen .,.Ha griimpel" bekannt sind. Der "Hausgrümpel" unterscheidet ich vom ,Heiratsbrief" hauptsächlich dadurch, daß er verhältnismäßig kurz gefaßt ist und daß er keine Liebeserklärung enthält, sondern dem Wunsche, hereingelassen zu werden, unmittelbar Ausdruck gibt. Ein "Hausgrümpel" existiert hier auch in Form einer öffentlichen Gantanzeige verbunden mit der Einladung zur Teilnahme. Alle neuen Fassungen zeigen den Gang der Verflachung des Brauches. Die Verflachung hat zwei hauptsächliche Ursachen: Das moderne gesellschaftliche Leben bietet hinreichende Gelegenheit, daß sich Burschen und Mädchen kennen lernen können, weshalb das "Bröegen" zur Anbahnurig des Hausbesuches überflüssig ist. Ferner: Die Formen des Brauches wurden von Generation zu Generation mangelhaft überliefert. Es trifft zweifellos zu, daß ursprünglich mancher Nachtbube beim Aufsagen des "Heiratsbriefes" tatsächlich von ernsten Heiratsgedanken beseelt war. In den meisten Fällen und das wird im jüngern "Hausgrümpel" bestätigt, drängte sie die Begierde, rasch an ein pusperes "Ersteli" zu gelangen, um in seiner Kammer ein mehr oder weniger harmloses Abenteuer zu erleben, das bis zum Morgengrauen dauerte und das erneuert werden durfte, sobald die Jungfer sich für den "Gültigen" entschlossen hatte. Der Kurs zeigte sich aber erst klar, wenn die jungen Leute etwa am nächsten Verenamarkt Hand in Hand miteinander zum Tanz gingen. Das Gehen "Hand in Hand" bedeutet nämlich auf unsern Vierteln ungefähr gleichviel, wie wenn heiratslustige Paare der Dorfbevölkerung bei Tageshelle Arm in Arm des Weges kommen. Hier folgen einige Abschnitte des "Hausratbriefes" der Viertelsbewohner: Warum ich hieher gekommen bin, das kommt dir vielleicht schon in den Sinn, ich will dir nüd lang druf tüten, ich will grad säge vor alle Lüten, ich han im Sinn, hinächt hier zu weiben, so kann ich ein andermal daheim bleiben, deßwegen will ich zu dir sitzen, wird sich zeigen was es tut nützen. 17


Du bist mir weiß Gott: lieb! wärms-ich dir au, so glaubi du gäbist gwiß my Frau. So wollen wir jetzt einander erzählen, wie's wir miteinander wollen anstellen, sag du mir zuerst, du bist dann frys, wieviel hast du jährlich Zys, ich hab zwei SchiIIling oder das noch nit, wiest wie viel Kapital das gibt, ich hab eigen Haus und Hastet, ich will dir sagen wieviel dasselbe kostet, zwölfhundert Gulden Kapital, doch ist sie kurz und schmal, richtig isch wer weiben will, glaub mir nur ich will dich nit betrügen, ich han eine schöne Trettwiege, ein Schemeli und ein Ständli, Kindslöffel und ein Pfändli, zu Kinderzüg, Strümpf und Schuoh han ich Tuch und Leder gnug dazu, Blei, Pulver, Patron taschen, Gläser, Kanne und Weinflasche, Gunt-Aext, Schlegel und Zinn und Aer dieses hab ich daheim beides schwer. Haufrätschen, Werchhächlen und mehr andere Sachen, ein Haspel und zwei Seiten und Gaiß auch viel andere Sachen, die ich nit weiß, und nüd davon erzählen mag, denn ich hätte einen ganzen Tag, absonderlich wenn ich erzählen wett, wie beschaffen ist mein Hochzeitsbett daß Flum u. Materazen ich könnt dem größte Bettler tarzen, neben dem Bett stad die Wiege leer, jetzt merkst wie alles bereit wer, wenn du willst kannst ja ganz allein, den Augenschein selbst nehmen ein, Zu dem bin ich schier leinigs kind, will dir au grad säge, wie viel das üser sind, der Peter, Baschi, der Lorenz, der Rudi, der J oggi und der Klemenz, es ist der Meinrad, der Stoffel und der Augustin, 18


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der Marti, der Flori und der Vallentin, der Michel, Heiri und das Madle, der Toni, der Wendel und das Hele, der Joseph, der Christian und das Grethi, der Balz und der Lunzi und das Bethli, dann bin ich, der Klaus mit Namen und bin der hübste von allen sammen, ich bin auch wohl stark von Natur, und fürcht schier Herr no Bur, bin aber doch gar nit unbändig, und mit dem Wiebervolch wohlverständig, denn ich weiß ihre Fehler und Mängel schon, sie haben insgemein eine zarte Komplexion, da muß man wüssen vor- und nachzugeben, sonst gibt es ein verdrießliches Leben. Eines wird dir nüd gfalle, ich geh nicht gern i d'Chilä, viel lieber zum Tanz und Spielen, sonst wär alles gut's in mir beisammen, jetzt machs wie d' witt in Gottes Namen. Heiratswegen bin ich einmal hier wend aber sagst geh sofort, so wil i flieh, wend aber sagst komm, setz dich zu mir nieder, so kehr ich um und komm grad wieder. ich hab gar vonnöthen, ein munteres Weib, ich könnt es brauchen auf viele Weg, es ist nit eben, daß bi mir leg, grad jetzt hätti nu viel zu trösche, auch sollte ich höchstnöthig wäsche, auch im Kauf und Markten könntest walte, gewiß könntest du das wohl uushalte du wärest dich dessen schon wohl bericht, wie man das von dir hört und sieht. Hier folgt ein "Hausgrümpel" aus Studen: Ae Värs vom Samstigznacht Guote n'Abig yer alli im Huus, Aber d'Huusjunpfere zuom voruus, Aes hed mier erst chürzli traumt, I heig au seho bi dr Huusjunpfere gaumt. Aber äs isch ä läre Traum, Aseviel wie verhagle te Baum. ä

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I chume diräkt vo Tugge Und tät nu gäre ä chli ine gugge, Und nu lieber hätt'i im Sinn, Mit dr Huusjunpfere ä chli z'wybe, So daß! i; äs anders mal cha dr heime bliebe, Und nächstens gan'i uf Lache, Nu wett'i nu wüsse, Huusjunpfere, Wieh mers au wetid mache. I chönt Dir au säge vo Hellebarde und Däge, Au vo mine Huusgrätschafte will dr verzelle, I ha nu anderhalbi Chelle, I ha scho längst eini mache welle, Au Chindschübel und Stande, Sind meh des gnuog vorhande. Und het nu zwe Paar Hose, keis isch ganz, Das ei hät ä Loch, das ander ä Schranz. Au Sägässe, Räche und TangeI, A söliger Rustig hani kei Mangel. Jetzt nimmt'mi grad eine bim Bei, Das ist äs Zeiche i söt mit'm Chlause-Verein hei, bi ja nid ä lei, Ich wil dr grad säge, wieviel daß üsäre sind: Dr Meiri, dr Stoffel, dr Augustin, dr Marti, dr Flori, dr Valänti, dr Michel, dr Heiri, und's Gretli, dr Balz, dr Lunzi und's Betli, Und i bi dr Chlaus mit ame, dr feinst und dr schönst und hübschist vo alle zäme. Hier folgt ein Beschrieb des Bröegens in Versform von Otto Hellrnut Lienert: Dorffe (lbergerisch) Im Döürfli Stude het ä Ma Am Samstigznacht äs Rüschli gha. Aen alte Wittlig us um Euthel, Chund wider einist '5 Dorfe a, Aer mag nid hei, blybt allpot stah Und wott nu zuerri'ne Maitel. Heja, sä fallt's em äntli i, I chöt birn. Bläsifranz verby, Im Agethli gah braige. Det stahd er jetz ä schöüni Wyl, Doch nützt em '5 Rede da nid vil, Kä jumpf're .wott si zeige. 20


Das Maitli ist de gwüß äs Schlimms, As äs nid vüre mag a ds Gsims, 's wird ejä, eine binem ha, Und wär's au bloß ä Chriesima, Was warm gid, ist frygfraite. 1\11 mag's, mein'] chuum erbeite. Hußjangs, sä dänkt r, Mued und Waz, Rüöft erber lut: "Stand uf, du Schatz] Musjiimpferli, chum vüre! Wän du mich gsehst, bist sauft verstunt] Glych braig dr nid, bis z'maugle chund, Bim Husli vor dr Türe. Bin öppe gar kei alte Chnab, Jä näy, 's gahd nu nid bärgab. I ha nu Gleich und .Hitze. Gah mach und stoß dr Rigel zrugg, Hüd einist la dr de nid lugg, Bis ich bi diär cha sitze. Säg jaha, Gspusli, und mach Liecht. Bim erste Schmutz scho, wo dr miecht, Sä köürtist d' Aengel singe. Du wurdist mer vor luter Gfel Aes Dächis hole uf dr Stell] Am Aend ä Nydle schwynge. Wie gleitig chämtist us em Bett] Wän d' wüßtist, wer di hinecht wett! Dr Husgrümpel My Aeti ist Zainefliker! Verloge isch, ha d' Lumpery, Dr Vater ist ä Buremändel, Hed mid em ganze Viertel Händel] Ist gytig wien Zyslipiker! ä

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Ae söles Züg saidär Schutz. Uf einist chund Rägesprutz Und trybt ene i ds Husli. Frächs über d' Schyter gahd dr Bur, Wott obsi bis i d' Cuggehur, Zuem Agethli, zum Gspusli. ä

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Bim Chläbdach aber blybt er stah. Aes chund e wien ä Schwechi a, Und 's ist em halbe gschwunde. Dr Luft, sä hed em d'Chappe gnu. Jetz, ejä, Seebel, heb di du, Sust hest de ds Bei verbunde! Uhua, Agethli, tschebrüü! Sä gspäßig schlad's em's nu i d" Chnüü, Aes wien im Pfarrer 's Faste. Und äbe riglid's wie nid gschyd, 's ist, meini, eine appeghyt, Aer lyd im Güllechaste. Jähr Dunndersburschte, ziehnd drus d' Lehr: Aes mögigs Maitli hed nur Ghöür, Sälang er jung wend wybe. Syg eine Wittlig, alte Chnab, Mid beede gahd's halt doch raiab, Chönd's hinder d' Ohre schrybe. Otto Hellmut Lienert, Das Gesagte zeigt, daß das "broege" einen positiven Zweck hat. Die Burschen wollen um jeden Preis zur Jungfer hinein. Die negative Form heißt "uusebroege". Sie hezweckt die Herausforderung des oder der Burschen, die bei der Jungfer "gaumen". Diese Burschen können nur mit schalkhaften Zurufen, Neckereien und Schmähworten herausgelockt werden. Freiwillig tritt keiner seinen Platz auf der warmen Ofenbank ab. Das wissen diejenigen, die im Freien stehen aus Erfahrung. Sie wägen deshalb die Mittel nicht ab, am wenigsten, wenn ein Fremder bei der Jungfer sitzt. Es ist darum zu fragen zulässig, ob nicht auch die "Gantanzeige" ein solches Mittel gewesen sei? Sie kann an niemand anders als an die Jungfer und ihren Günstling gerichtet sein, die die Anrufe von außen auf sich beziehen müssen, umsomehr, da es Uebung war, die Namen derjenigen, die man in der Kammer vermutete, beim "Broegen " in den Spruch einzuflechten. Die "Gantanzeige" beginnt mit folgender Einleitung: Gantanzeige Auf Dicke und Dünne, Große und Kleine Macht euch schnellstens auf die Beine! Es wird euch hiemit bekannt gegeben, Daß im Numero I I, drei Türen daneben Bei Herrn Rosenlaub, Weinpanscher und Wirt Eine große Gant abgehalten wird! Nur prima Waren, ganz auserlesen, Alles ist früher einmal neu gewesen. 22


Punkt um 7 Uhr geht's an, Den Tag zeigen wir später an. usw. Nach dieser Einleitung werden die Gegenstände aufgezählt, die vergantet werden sollen, unter anderm: gefärbter und getaufter Wein, die Ehrlichkeit, "vor Brauchen verheiht", der Verlobungsring samt Treue, die Keuschheit Salomos, bereute Küsse, der Geldsäckel ohne Inhalt, ein falscher Eid, Liebesgram. die 7 Todsünden usw. An und für sich sind die Reime ein kindisches Produkt. Sie zeigen aber doch, was ein eifersüchtiger Schalk ersinnt, um den Gegner zu verspotten und zu foppen, um Mißtrauen zu säen und ein Verhältnis zu lockern. Wenn der oder die Angerufenen antworten und auf die Gasse kommen, sind gefährliche Schlägereien unvermeidlich. In Meinrad Lienert's "Nachtbuobeliedli" ist die Sachlage gekennzeichnet. Es heißt dort: Und hüt bini g'gräched hüt isch mer um 's schlo, und wer mi will b' herre, där söll mer verko! Jahuhuhui! Haarus, über alli Dächer usl Der Brauch mit dem "Heirats brief" bezw. "Hausgrümpel" hat bei uns ein ansehnliches Alter. Diesbezügliche Schlüsse lassen sich aus einzelnen Stellen des ersten Manuskriptes ziehen, das schon vor ungefähr 50 Jahren von einem ältern Manuskripte abgeschrieben wurde. I. Kapitalbesitz und Zins werden mit Gulden und Schilling angegeben. Das ist die Geldeinheit, die für die alten Gülten maßgebend war. 25 alte Gulden Kapital wurden mit 37 neuen Gulden und 20 SChilling oder Fr. 43.95 Rp. Kapital mit Fr. 65.92 Rp. bar ausgelöst. Die Guldiwährung dauerte bis zur Einführung des eidg. Münzfußes am 17. Juli 1851. 2. Es ist von Degen und Hellebarde die Rede. Der Degen war im 18. Jahrhundert ein Bestandteil der Mannsausrüstung, z. B. auch der hiesigen Sennengesellschaft. Unter Hellebarde ist hier die Schlagwaffe zu verstehen, mit der bis 1798 der Landsturm ausgerüstet war. Indem der Freier diese Waffen nennt, will er sagen, er besitze die landesübliche· Mannswehr. 3. Bei den ausgewiesenen Hausgeräten befinden sich Trettwiege und Dreifuß. Der Dreifuß ist eine Eisenpfanne mit 3 angeschweißten schmiedeisernen Füßen. Diese beiden Haushaltgegenstände gehören der Vergangenheit an. 4. Ferner werden genannt: Werchhächeln, Gaiß, Hanfrätschen usw. Das sind hausgewerbliche Geräte, die sich auf die Leinenweberei beziehen. Sie ist schon in den 70 er Jahren erloschen. 5. Der mundartliche Ausdruck "Hastet" für "Hofstatt" ist sehr alt. In der Amts- und Umgangssprache des 18. Jahrhunderts bedeutete "Hofstatt" gleichviel wie Liegenschaft. 6. Auch die Eigen-

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namen Baschi, Lunzi, Wändl, Balz und Hele sind alt. 7. "Sauft" ist ein früher viel gebrauchter Provinzialismus und bedeutet "wenigstens". "Sauft ä so viel" heißt also "w~nigstens soviel". 8. Die Fremdwörter "Kamisol" und "Komplexion" erinnern an die Zeit der französischen Invasion um 1798. Die nachfolgende Helvetik hat viele aus der. französischen Sprache abgeleitete Wörter in die einsiedlische Amts- und Umgangssprache eingebürgert. Das "Jüchsle", umschrieben das .Jcögelnde jäuchzeln", von dem vorstehend die Rede ist, lautet jijijiii. Man denke an zwei mit ho her Fistelstimme, viermal im Wechsel schleifend gesungene Töne, die wie das Wiehern eines jungen Hengstes klingen. Diese aufdringlich neckischen und schalkhaften Laute gelten als Herausforderung an gegnerische Burschen (Rivalen), die zwar noch nicht gesichtet sind, die man aber hinter irgend einer entfernten Gadenfesti wittert. Diese erwidern von dort her den Ruf. 'Nenn Weibervolk bei jungen Männern sitzt, als nächste Folge der beim "Dorffe" gemachten Bekanntschaften, z. B. auf der ländlichen Tanzdiele wird der Jauchzer "jijijiii" ganz spontan bisweilen auch von jungen Frauen und Mädchen ausgestoßen. Das Jüchsle hat also keine Bewandtnis mit dem landläufigen Jauchsen des Sennen auf der Alp oder des Melkers im Stall oder gar mit dem des Fuhrmanns, der die friedliche Melodie mit lässigem .Peitschenkläpfen vermischt. Das Jauchsen verrät etwas Insichgekehrtes, das keine Hörer voraussetzt, während das "Jüchsle" immer in der Richtung eines andern Tisches erfolgt, von wo man den gleichartigen oder sogar einen übersetzten Widerhall erwartet. Der ortskundige Tanzschenker kennt in der Regel diese Läufe. Er versteht es, nötigenfalls die heikle Stimmung zu dämmen, indem er rasch entschlossen in die Hände klatscht und der Ländlermusik auf der Geigenbank zuruft: "Gend ene nu eine!" Normalerweise erfolgt dieser Zuruf aber nicht dann, wenn der Tanzschenker die heikle Stimmung unterbrechen, sondern wenn er die fröhliche Stimmung heben will. In bei den Fällen greifen die Spielleute sofort zu den Instrumenten. Schon nach den ersten Takten wendet sich der Tanzschenker neuerdings an sie und ruft: "Zoge, Zoge!" Dann eilen die Männer auf die Mädchen zu, nehmen sie bei der Hand, greifen ihnen mit Kammgriff unter den Armen durch, halten sie mit den flachen Händen beidseitig auf Schulterhöhe fest. und "stübed eine zuo". Aus der Mitte der Tischgenossen lassen sich die primitiven Laute "uh tä tä", auch "gie tä tä" (im Ybrig "jangs" oder "janx", "ßo, ßo" (eben so!) vernehmen, als Deut an dieses oder jenes heißbrünstige Paar auf der Tanzdiele, daß man die Entwicklung und das reifen der Beziehungen beobachtet. Die Zurufe deuten unzweifelhaft auf .Jäcke" oder "schmützle", d. h. "zärtlich und zugriffig sein" hin und bezwecken, , dem Paar zuzustimmen und es noch zu animieren.

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Wenn sich die Tanzlokale gegen den Morgen hin lichten, was man "uusplampe" nennt und der Wirt sich anschickt, Feierabend zu 'machen, hört man häufig' ein einstimmiges Jauchzen, mit dem einige Bauern ebenfalls spontan anheben, die am gleichen Tische beieinander sitzen und noch nicht gewillt sind heimzugehen. Dieser Jauchzer wird von den Dörflern wegen seiner unübertrefflichen Primitivität spöttisch "Chüedräckler" genannt. Wenn die Bauern beim Morgengrauen, (sie sagen "äs maugled") in kleinen Gruppen heimwärts ziehen, jauchsen sie den "Horgebärgler" (Horgenberg und Birchli bilden Oberbinzen). Er ist ebenfalls primitiver Art. Man kann von ihm sagen, er sei der Kuhreihen unserer Viertelsbauern. Diese bei den Jauchzer werden Name und Melodie noch lange behaupten, da niemand eine Kultivierung anstrebt, auch keine gefehlte. Die Kultivierung würde nämlich die Eigenart zerstören und eine Mischung des Herkömmlichen mit Erkünsteltem erzeugen, die sich z. B. in neuen Jodelliedern bemerkbar macht. Ich hörte neulich eine begabte Jodlerin ein Jodellied mit dem stilisierten Auftakt tra-le-la, tra-le-la, tra-le-la singen. Etwas Gesuchteres kann man sich kaum vorstellen. Das ist nur ein Beispiel von denen, die sich etwa auf Programmen der Wirtschaftspodien hervortun. Für Musiker wäre es eine dankbare Aufgabe, fremde Namen, Texte und Melodien, die unter dem Begriff "Schweizerjodler" umgehen, sprachlich und musikalisch zu beleuchten und in klare Grenzen zurückzuversetzen. Emil Lienert und Meinrad Ochsner haben sowohl den "Chüedräckler" als auch den "Horgebärgler" abgelauscht. Chüedräckler.

(Im Wirtshaus

gegen

Feierabend).

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de de-le de-le de-Ie de-la de de-la de de-la de-la de-la de. Nach Emil Lienert. Bei den Bauern und Bäuerinnen, die jauchzen können, ist es Brauch, den kleinen Finger einer Hand in den Ohrkanal zu stecken, um sich besser zu kontrollieren, ob sie die Töne rein und zusammenklingend geben. Im Grunde schätzen unsere Bauern das Jauchzen, aber sie pflegen es selten. Daß sie es als bäuerliche

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Spezialität betrachten, beweist unter anderm folgende Uebung .. Wenn z. B. an der Chilbi ein fremder Gast im bäuerlichen Wirtshaus sitzt und sich mit den Bauern einläßt, kommt es häufig vor; daß etwa ein alter oder junger Bauer oder ein risthaariges. Mädchen animiert wird, dem Fremden eins vorzujauchzen. Zollt er Beifall, was schicklicherweise von ihm erwartet wird, hat er Horgebärgler

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de-li - e de-le-de - ie. Nach Meinrad Ochsner.

allsogleich Gelegenheit, die Uebung wiederholt, aber immer in der gleichen primitiven Modulation zu hören. Das gute Einvernehmen des Gastes mit den Bauern kann im Ibrig noch andere Beziehungen zeitigen, z. B. indem er zum Häggle (Fingerziehen) aufgefordert wird. Man bietet ihm, um die vermutete Ueberlegenheit der Bauern zum voraus zu bekunden, den Zeigfinger oder entgegenkommend sogar den kleinen Finger gegen seinen Mittelfinger, in dem die größte Kraft steckt. Unterliegt der Gast, dann werden die bäuerlichen Gesichter verklärt. Man macht einige schalkhafte Bemerkungen über die verweichlichten Dörflig und Städter, deren Niederlage als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Siegt der

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Gast, dann hat er zu gewärtigen, die Uebung mit andern Zugriffigen wiedetholen zu müssen. Das Erlebnis, an einen Stärkeren geraten zu sein, macht den Bauer übelgelaunt und es ist dann ev. klug, wenn der Gast die Gastfreundschaft mit einem Budel (Deziliter) Schnaps oder einem Liter Wein über den Tisch besiegelt. Die größte Fertigkeit im Häggle ist übrigens nicht den Bauern, die sich am häufigsten darauf berufen, vorbehalten. Am schweiHorgebärgler. (Auf der Benne beim Torfführen).

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zerischen Trachtenfest 1929 in Einsiedeln hat sich bei den Wettübungen an der Aelplerchilbi erwiesen, daß die Schuhmacher gute Häggler sind, weil ihr Beruf die Finger stark ausbildet. Im geselligen Leben der Aelpler fehlt es auch nicht an originellen Ausdrucksmitteln friedlicher Stimmung. Das beweist das "Chäszänne" (Fratzen schneiden), das noch segen das Ende des letzten Jahrhunderts gäng und gäb war. Die Alpler tun Heiligtags oder, wie sie zu sagen pflegen, "hundsweise" gelegentlich Werktags entweder "äs Fänzmuos" (Mus mit Nidle) oder "ä Stunggewerni" (Muus mit Anke) über, sitzen auf den Melkstühlen um die "WäIIgruob" und löffeln, bis ihnen die Fäissi" (Fett) aus den Mund-

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winkeln tropft, .Jürgged äs Dächis" (Schnapskaffee) dazu und nebeln Rollentabak. Dann fühlen sie sich mählich zum Chäszänne "prättig" (pret-bereit-reif). Sie verziehen die Gesichtszüge zu häßlichen Fratzen und versuchen, sich darin gegenseitig zu überbieten. Die geschickten Chäszänner sind heute so selten, wie die nichtrauchenden Bauern. Da Häggle und Chäszänne keine in Einsiedeln heimische Uebungen sind, betrachten wir sie nicht näher. Aber das "Baknäble" ist ein unzerstörlicher Zeitvertreib auch unserer Bauern. Unsere Bauern rauchen in der Regel den groben Rollentabak, die sog. "Schweizerrollen", die sie mit dem "Hegi" auf dem Tisch schnetzeln. Sie stopfen damit das Schwyzerpfyffli, am liebsten das gebogene, das im Gegensatz zu der Pfeife mit dem geraden Stiel, sogar bei der Arbeit bequem im Mundwinkel sitzt. Man trägt es mit dem Pfeifenkopf nach unten gerichtet. Die Schwyzerpfyffli sind mit Silberornamenten beschlagen. Der cyselierte Deckel hängt an einem Ketteli. Der alte "Baksack" aus Weißleder, den man selten mehr sieht, war aus 3 Taschen zusammengesetzt. Eine Tasche nahm den Tabak, die andere den Feuerstein und Zündschläger, die dritte den Zundel auf. Diese Zündart widersteht bekanntlich dem Wind. Aus dem gleichen Grunde kann bei unsern Bauern neben dem Schwefelhölzli kein modernes Feuerzeug aufkommen. Man schätzt das SchwefelhölzIi aber auch darum, weil man es an Schuhsohle und Hosenhinter entzünden kann. Bis um 1890 herum war auch das "Bakschnupfe" im Volke stark verbreitet. Nicht umsonst behauptet hier das Nastuch immer noch seinen bodenständigen Namen. Es heißt nämlich "Schnupftuoch". Die alten Bauern und Bäuerinnen schnupften den schwarzen Schwyzertabak, den sie in einer rechteckigen Horndose genannt "Bakbuote" (von boite-Schachtel) auf sich trugen. Der Bauer der unterwegs ein Gespräch anknüpfte, nahm zuerst die Tabakdose aus der Hosentasche heraus und hielt sie mit den Worten her "Nend Priese: ... nend eini!". Der andere durfte diese heimelige Geste nicht abweisen. Er griff zu, indem er in den Bart hineinbrummte: "Mir wend dänk au eini stämme" (hinaufschieben). Die alten Leute behaupteten, das Schnupfen erhalte die Sehkraft. Schön. Nun haben wir einen kurzen Blick in das gesellschaftliche Leben unserer Bauern getan. Beim Jassen und Trinken, beim Chilten und Tanzen, beim Häggle und Chäszänne wird also sonderheitlieh fleißig genebelt. Man stützt die Ellbogen hemdärmlig auf den Tisch und behält bis zum Gehen den schwarzen Filzhut auf dem Kopf. Man schneuzt, hustet und speiht ohne \ Vorbehalt. Ist das manierlich? Nein, das ist ungeziert. Diese Art sich umzutun, muß als Mitläufer des sprichwörtlich bekannten Bauernstolzes betrachtet werden, dem alleinigen achtbaren Stolze, der mit Berufsstolz fast identisch ist. ä

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Wir folgen nun dem Kalender, den die ältesten Leute "Pratig" nennen, und nähern uns der feierlichen Zeit des Agathabrotes und den zahlreichen Bräuchen, die sich um das Osterfest scharen, wie Palmen- und Wydlitragen, Ostertauf holen, Ostereier suchen usw. Will man diese Bräuche recht verstehen, müssen sie in erster Linie nach ihrer religiösen Bedeutung beleuchtet werden. Ein Berufener wird dies später in Verbindung mit vielen andern religiösen Bräuchen tun. Wir streifen hier das Volkstümliche nur allgemein. 4. Aga t hab rot hol e n. Am Feste der hl. Agatha wird zu ihren Ehren Brot gesegnet. Das Agathabrot ist im Volksmunde gegen Feuersbrünste gut. Die Bäckermeister tragen am Morgen des Festtages einige Körbe voll Paarmütschli und Schilte zum Meinradsaltar. Der Priester segnet dort das Brot. In der Regel verkauft man es nachher gleich vor der Kirchentüre. Was bleibt, wird in den Bäckerladen zurückgebracht und zur Verfügung derjenigen Kunden gehalten, die es bestellt hatten. Die Frage nach Agathabrot ist jetzt noch stark verankert. 5. Agathakerzli abbrennen. Gleichzeitig mit dem Agathabrot segnet die kath. Kirche am Agathatagdie sog. Agathakerzli. Es sind gelbbraune Wachskerzeherr in der Größe eines Bleistiftes, unten mit einem Muttergottesstempel bedruckt. Man kauft sie unter diesem Namen bei den Wachswarenfabrikanten. Am Abend versammeln sich alle Familienangehörigen um einen Tisch. Die Mutter steckt für jedes ein Kerzchen auf ein Brett und zündet sie gleichzeitig an. Dann beginnt man den Rosenkranz zu beten. Normalerweise brennt ein Kerzchen bis zum Schlusse des Rosenkranzes ab. An. der Reihenfolge des Erlösehens wird dann im Kindermund die Reihenfolge des Sterbens der Familienangehörigen vorausgesagt. Der Brauch wird nicht mehr so häufig gepflegt, wie früher, da er in leichtgläubigen Kinderherzen Wehmut und Angst erzeugt. Wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen oder ein schweres Gewitter im Anzug ist, ist es Brauch, in der Stube eine am Agathatag geweihte Kerze anzuzünden und Weihwasser zum Fenster hinaus zu streuen, um Unheil abzuwenden. (Die Bedeutung des Wetterläutens wird später bei der Behandlung der "Segnungen und' kirchlichen Bräuche" erklärt.) . 6. Die S t. Aga t ha f eie r der Fe u e r weh r. Früher ehrte die freiwillige Feuerwehr am 5. Hornung ihre Schutzpatronin, die hl. Agatha, indem sie sich am Morgen in geputzter Ausrüstung vor dem Spritzenhaus versammelte, die Marschordnung 'nach Föhnenwachen bildete, Offiziere an der Spitze, Unteroffiziere

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am rechten Flügel ihrer Gruppen, in die Kirche zog und dort einer hl. Messe beiwohnte. Um 1895 herum kam dieser Brauch außer Uebung. Man glaubte, der Schutzpatronin auf eine andere gefälligere Art die Ehre antun zu können, indem man eine weltliche Abendfeier veranstaltete. Die Feuerwehrleute versammelten sich in einem Wirtshaus, machten sich hinter Rippli und Sauerkraut und ein Faß Bier. Der Kommandant hielt eingangs eine kurze Ansprache, in der er die feuerwehrmännischen Eigenschaften pries. Dem Lobspruch und dem Schmaus folgte die Gemütlichkeit. Dieser Brauch hat sich nicht ausgelebt. Er wird vollzogen, wenn die Feuerwehrkasse imstande ist, einen Teil der Kosten zu decken. Nein, die Feier wurde bisweilen auch abgehalten, trotzdem die Kasse leer war. In diesem Falle mußte jeder Teilnehmer eine oder mehrere Föhnenwachen soldfrei machen. (Unter Föhnenwachen versteht man vier nächtliche stündige feuerpolizeiliche Patrouillen durch die Dorfgassen und Winkel bei starkem Föhn im Winter). Es kam vor, daß wenn der Föhn häufig blies, sodaß öfters Wachen organisiert werden mußten, das Soldtreffnis pro Mann und Nacht nur noch 50 Rappen betrug. Saurer hätte man den alten Brauch um das fette Rippli nicht abverdienen können. Und nun die Frage: Religiöse oder weltliche Feier? Hier gilt der Spruch "Das eine tun und das andere nicht lassen". Ich kann aus Erfahrung sagen, daß beide Bräuche den Korpsgeist der Feuerwehrleute anregen und die Vorzüge des freiwilligen Dienstes ergänzen. In diesem Zusammenhang möchte ich an den Jörgenumgang erinnern, der mit den Reliquien von Einsiedeln gehalten wird und durchs Dorf zieht. Er wurde infolge des großen Brandes 1577 als Bitt- und Bußübung eingeführt. An dieser Prozession sollten alle Abteilungen der Feuerwehr des Dorfkreises in der alten Zugsordnung teilnehmen. Abgesehen davon, daß die Erhabenheit des Feuerwehrdienstes bei allen vernünftigen Menschen unbestritten ist, würde sich die Feuerwehr mit der Teilnahme an der St. Georgsprozession, was 1934 geschah, noch mehr Respekt verschaffen. 7. Fa s t n ach t ei nlä u t e n. Während Frauen und Kinder in Scharen am Tage vor Dreikönigen mit Kesseli und Flaschen in der Klosterkirche gesegnetes Weihwasser holen und heimtragen, ertönt in der Dreikönigennacht nach dem Ausklang der zwölf Glockenschläge auf uns ern Vierteln wildes Senntentrychlenund Schellen geläute, Hornblasen, Geißelkläpfen und Schießen. Die Schläfer drehen sich um, murren oder lachen und sagen dann halbleise: "Aha, sie läuten die Fastnacht ein". Das laute Treiben der jungen Burschen dauert in der Regel bis zum Morgengrauen. Der Brauch wird am Fastnachtsonntag nach Mitternacht auch im


.Dorf ausgeübt. Bis um 1890 stellte sich hiefür fast immer ein 'Organisator als Führer. Führen heißt in diesem Falle vorsorgen, -daß bei der Sammlung alle Größen Senntentrychlen, Kuhschellen, Rinder- und Geißkloben usw. vertreten sind, daß die Teilnehmer .zusammen anschlagen, die Runde mit kurzem Halten durch alle .Straßen machen und die Uebung nicht zum Ueberdruß der Schläfer ausdehnen . .8. S h ud i lau f e n. Der schmutzige Donnerstag, d. h. der Donnerstag vor der Herrenfastnacht, ist hierorts der erste Fastnachts tag, an dem das öffentliche Maskengehen erlaubt ist. Ein Freudentag der Jugend! Buben und Mädchen legen entweder ein .altes Gwändli oder ein Phantasiekleidehen an und, da Schulpflichtige keine Larven tragen dürfen, verköhlen oder bemalen sie .das Gesicht oder vermummen sich mit einem Schleier oder Tuch. Sie haben es hauptsächlich auf das Verulken leiblicher Uebel-feilheiten abgesehen, z. B. den .Hogr', die .Bränznase', das ,Zahndgschwär', den ,Schmärbuch', das .Hülpibei' usw. In der Dar-stellung beliebt ihnen am häufigsten die Hochzeit, nicht selten gleich in Verbindung mit der Taufe und der Beerdigung. Von den -Gebrauchsgerätschaften müssen am meisten das alte "Paritach" (Parapluie und Parasol zugleich), das in allen Formen gezeigt wird, .die Kindschaise, Strohhüte, das schwarze Kapothütlein der 70er Jahre, der rotbeigefarbig gemusterte Parisershawl, Rücken- und Armkörbe, Fuhrmannsblusen und alte Militäreffekten herhalten . .Sie ziehen so von Haus zu Haus, hauptsächlich in die Läden, wo -sie ein kurzes Sprüchlein aufsagen, das folgendermaßen lautet: I bin ä chlyne Fastnachtsstumpe und ha so churzi Bei. Gemmer au es Füferli, so chan li wiedr hei. .Auf das hin bekommen die Kinder einige rappige Schafböcke (Gebäck) oder kleine Guoteli. Das Herumziehen dauert bis zum .Betglockenläuten. Der schmutzige Donnerstag bietet aber auch den halbgewachse'nen Burschen die ersehnte Gelegenheit, sich im fastnächtlichen Uebermut, der seit der Entlassung aus der Volksschule zügel-freier ist, zu ergehen. Sie holen von der Winde herab alten Kleiderplunder, je bunter und je garstiger desto lieber, kleiden sich damit ein, ziehen eine aus Papier selbstverfertigte fratzen.haft modellierte Larve an, rüsten sich mit Trychlen, Schellen, Kloben und Lärminstrumenten aller Art aus, die eine wilde Vieltönigkeit erzeugen, und ziehen nach Schluß der Neunuhrmesse, .aus der die Schulkinder neugierig ins Dorf hinunterfluten, scharenweise auf die Straße. Man nennt diese fastnächtlichen Gestalten, .ihrem Tun und Aussehen entsprechend, Sühudi. An ihrer Spitze ü

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läuft ein von einem Fuhrmann an der Kette geführter, langgehörnter, großer Teufel, der die Kinderscharen durch hastige Kreuz- und Quersprünge erschreckt und mit einer vorgehaltenen Mistgabel auseinandertreibt. Andere traditionelle Figuren sind: I. Der (in der Mundart das) Domino, ein weites und langes zeremonielles Kapuzenkleid aus billiger geblumter oder gestreifter Persiane, das man noch in den ooer Jahren in der Maskengarderobe je nach Ausstattung für 10 bis 15 Batzen pachten konnte. Man trägt dazu eine schwarze Halblarve in Samt, an der ein schwarzes Tüchli hängt, das Mund und Kinn deckt. Seither haben wachsende Ansprüche dem Domino mit buntem Samt- und Seidenbesatz Eirigang verschafft. Das Domino ist offenbar venezianischen Ursprungs. Seine Rolle ist einfach zu spielen: Bedächtig einherschreiten, die Hände auf den Rücken legen und im Vorbeigehen bei diesem und jenem Zuschauer intrigieren. 2. Der Buur mit der bemalten Drahtlarve vor dem Gesicht, einem "Ipspfyffli" im Mundwinkel, einer Kuhschelle am Rücken, mit einem goldenen Ringlein am Ohr und mit dem Roßfisel in der Hand. Er trägt ein aus den I820er Jahren mangelhaft überliefertes ländliches Festtagskleid, nämlich schwarze Kniehose aus Samt statt Tüchli, weiße gestrickte Strümpfe mit quadratischem Muster, rotes Lacet als Strumpfband, gestärktes weißes Hemd mit Umlegkragen, bunt geknüpfte Krawatte, Stramingurt und -hosenträger, schwarze Züttelkappe aus Seide. Die Drahtlarve wird aus feinem Drahtgeflecht gestanzt und nachher bemalt. Die Maske hat einen jugendlichen Ausdruck. Sie ist mit einem gepflegten Schnurrbart, dessen Spitzen aufwärts gerichtet sind und mit einem kleinen Kinnbart la mousquetaire, 18. Jahrhundert, "Mücke" genannt, versehen. Die Drahtlarve wurde einst hauptsächlich aus Sparsamkeitsgründen den Papier- und Wachslarven vorgezogen, da sie Jahr und Tag aushält. Noch gegen das Ende des letzten Jahrhunderts waren die Buren mit der Drahtlarve auf allen Tanzdielen der Dorffastnacht zahlreich vertreten. Jetzt fühlen sie sich von den modemen weiblichen Masken zu wenig beachtet, sowenig wie die Dominogestalten, die mit auf dem Rücken gekreuzten Händen schwerfällig im Saal einherschreiten. Im Hintertale haben sie noch Geltung. Mit dem Verschwinden der traditionellen Masken verarmt die figürliche Originalität der Fastnacht. 3. Die alte bucklige und sonstwie übelfeile Hexe in abgetragenen Kleidern der I870er Alltagsmode. Sie ist eine ausgesprochene Spottmaske, deren Ursprung in die Zeit der Hexenprozesse zurückführen kann. Der Spott auf Alter und Uebelfeilheit spielt an unserer Fastnacht eine beliebte Rolle. 4. Der betrunkene Fuhrmann mit großem Filzhut in eine Spitze gedrückt, nach der Art der Fecker oder Altrnatter Fuhrleute, hellblauer Bluse und kurzen Rohrstiefeln. 5. Der Hörelibajaß in weißer Haube, Jacke und Hosen mit Dreiä

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eckspitzen, an denen kleine Messingrölleli hängen. An der Haube .wackeln drei plumpe Höreli aus rotem Stoff, an denen ebenfalls Rölleli hängen. Er trägt eine weiße Narrenlarve und schwingt 'eine Schweinsblase an einem Stecken oder schlägt mit einer Pritsche auf die flache Hand. Domino und Bajaß sind die ältesten Zeugen der Herrenfastnacht. Im Fastenmandat "der 3 Herren" vom Jahre 1794 wird der Bajaß mit dem Provinzialismus "Harligaing" bedacht. Er muß sich durch neckische Bocksprünge hervortun. 6. Der Näpeler, ein ausgedient er Soldat aus neapolitanischen Diensten oder aus der französischen Legion in nachlässig getragener alter Montur. 7. Der Altvater, eine harmlose Bühnenfigur, Fasson Rokoko, mit einer langen Tabakpfeife im Mund. Er knüpft da und dort mit Bekannten ein ratspendendes Gespräch an und drückt sich dann geräuschlos. 8. Der Ritter, Fasson 17. Jahrhundert, der aus städtischen Verhältnissen, d. h. aus dem Züribiet heraufgekommen sein kann. 9. Das Kalb, eine Maske, die der Vergangenheit angehört. Möglicherweise steht der volkstümliche Ausdruck "s'Chalb mache" im Zusammenhang. Ueber diese Maske schreibt M. Ochsner im "Einsiedler Anzeiger" No. II des Jahres 1899 folgendes: "Am 9. Juli 1696 beklagten sich Ratsherren auf dem Lande, daß, als an der Auffahrt die Zuger mit Kreuz kamen, auf dem Rathaus ein Mann mit der Kalbsmaske auf dem Kopfe einen Narrentanz auf den "Trummen" aufgeführt habe. Das unschickliche Ereignis habe den Pilgern großes Aergernis gegeben." Man habe es mit jener .Larve in Kalbsgestalt zu tun, gegen die schon das trullianische Konzil von 692 einschritt, die auch in den gallikanischen Beichtbüchern erwähnt sei und die bis weit in das letzte Jahrhundert hinein auch in England beliebt gewesen sei." Das Rathaus war Zeughaus und Tanzdiele. Möglicherweise wurden dort auch gewisse Fastnachtsrequi.siten aufbewahrt. Anders könnte man sich das Auftreten einer Maske an der Auffahrt gar nicht erklären. Ein toller Brauch, der aber in den 70er Jahren aus einleuchtenden Gründen verboten wurde, war, sich an der Fastnacht in braunen Kapuziner- und schwarzen Waldbruderkutten zu belustigen. An der Herrenfastnacht erscheinen die Sühudi von neuern. Den Sühudi gelingt es mei.stens, die ihrer Rolle entsprechenden Gebärden zu finden. Diejenigen, die Trychlen, Schellen, Kloben oder Gerölle tragen, machen starke, fast ausgelassene Bewegungen mit den Hüften, diejenigen, die mit Schweinsblase oder Besen ausgerüstet sind, tun sich durch lebhafte Bein- und Armbewegungen hervor, maskierte Bauern vom Land geben häufig blöckende Tierlaute von sich usw. So bilden sich bestimmte, immer wiederkehrende Formen heraus. Es muß auffallen, daß die Gangarten der Sühudi bei der Jugend, die die Gebärden der Alten genau beobachtet, in der Nachahmung demonstrativer sagen wir mit 33


Bewegungen ausfallen. (Was die Gangart anbelangt, kann man eine besondere Angewöhnung auch an folgenden Alltagsfiguren beobachten: beim Bauer, der die Milch in die Hütte trägt, beim Fischer, der mit seinem konischen Wassertansli den Bach entlang läuft, beim Arbeiter, der die Schweinstränke in den Häusern holt und beim Aelpler, der einen Sommer lang auf ,den Holzböden geht.) In den Morgenstunden weichen die kleinen und großen Kinder, namentlich aber die Mädchen, die von den Sühudi mit Vorliebe verfolgt werden, ihnen ängstlich aus. Gegen den Abend hin werden sie mutiger, laufen ihnen sogar nach, werfen ihnen Schneeballen an und beginnen, sie sogar zu necken, indem sie ihnen zurufen "hei hei uszieh l". Dabei ist es gar nicht die Absicht der Mädchen, die Hudi zu vertreiben, sondern sie wollen von . diesem und jenem bekannten Burschen beachtet sein. Ein ähnlicher Vorgang spielt sich am letzten Fastnachtstag (Dienstag) beim Zunachten ab. Wenn sich als Sennen maskierte Bauern auf den Straßen herumtummeln, rufen ihnen die Dörflig zu ),hei mit de Bure!" Dieser Zuruf ist in der Regel nicht scherzhaft gemeint und wird auch nicht scherzhaft aufgenommen. Er kann der Anfang zu Handgreiflichkeiten sein. Es kommt hin und wieder vor, daß arme Bauern an der Fastnacht etwas verdienen wollen. Sie richten irgend ein Stellwerk mit Figuren her, das sie in eine Kiste verschrauben, nehmen diese an Riemen oder Schnüren auf den Rücken, gehen in die Privathäuser im Dorf und lassen das Stellwerk laufen, indem sie dazu handorgeln, insofern nicht schon der Inhalt der Kiste irgend ein Musikautomat ist. Den Dörfligen erscheint die Darbietung nicht so interessant, wie die Bauern annehmen. Dennoch geben sie ihnen einige Batzen. Dann bedanken sich die Produzenten mit verstellter Stimme und ziehen ins nächste Haus ab. Ein Fremder, der unsere Fastnacht zum ersten Male betrachtet, wird fragen, ob das Sühudilaufen der Schuljugend nicht gute Sitten verderbe. Das ist normalerweise nicht zu befürchten. Man weiß, daß dem Austoben in der Regel eine große Ernüchterung folgt. Unter dem bunten Plätzlikleid und der räudigen Larve kann sich ein gutes Menschenkind unverderblich behaupten, wenn es will. Als Beispiel diene: Ein Drittkläßler verkleidete sich als Teufel, sprang in den Straßen kreuz und quer, hielt jedem, ob Groß oder Klein, drohend die Gabel vor und stieß lang ausgedehnte tierische Laute aus, als wollte er 'versuchen, den dämonischen Heißhunger nach menschlichen Seelen zum Ausdruck zu bringen. Da kam der Ortspfarrer des Wegs. Der kleine Teufel sah ihn, stutzte einen Augenblick, sprang auf ihn zUz gab ihm die Hand und sagte.... "Globt sei jeskrist". Gute Alltagsgewohnheiten halten die Ausgelassenheit ordentlich im Zaun.

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'9. B rot aus w e rf e n. Die originellste :Maskengruppe, Johee, Mummerie und Hörelibajaß, die sich am Fastnachtdienstag durch die Dorfstraßen bewegt, läßt sich in Verbindung mit der Sitte des Brotauswerfens bis ins 17. Jahrhundert zurück verfolgen. Der Johee stellt einen breitschultrigen Sentenbauern in der Festtagstracht der Jahre um 1820 dar. Die bartlose Holzlarve mit schwarzer Tüchliperücke zeigt einen wehmütigen Gesichtsausdruck. Am breiten Leibgurt des Johees hängt eine schwere, große Sententrychle. In der rechten Hand trägt er an einem schwarzrot bemalten Stock den Tannenreisbesen. Der Mummerie stellt einen schlanken Fuhrmann dar. Die Holzlarve, die mit einem gepflegten Schnurrbart und einem kraushaarigen Backenbart versehen ist, verrät einen übermütigen Gesichtsausdruck. Ueber die rechte Schulter des Mummeries hängt ein breites Pferdegeröll. Mit der rechten Hand schwingt er einen Roßschwanz über dem Kopf. Der Mummerie trägt ein rot-gelb-schwarz gewürfeltes (jetzt meist gestreiftes) Tüchlikleid, um den Hals eine Mühlsteinkrause des Barocks, einen Filzhut mit Feder und 3-farbigem Band. Die künstlerisch geschnitzten Larven stammen v. Modelleur Fuchs (um 1800). Im Volksmund wird die Bedeutung der beiden Fastnachtsfiguren folgendermaßen erklärt: Da der Senntenbauer auf den Welschlandfahrten, die das eine Mal Gewinn, das andere Mal Verluste brachten, Hab und Gut verlor, d. h. verlumpte, so daß er weder Vieh noch Stall besitzt, gürtet er die Trychle der Leitkuh selber um, kehrt mit dem Besen das Heimwesen aus und zieht mit betrübter Miene außer Land. Der Mummerie hingegen ist im Volksmund ein ausgepfändeter Roßhändler, der sein Vermögen ebenfalls entweder beim Welschlandfahren verlor oder zu Hause leichtfertig verbrauchte. Da er keine Pferde mehr besitzt, hängt er das Pferdegeröll selber um, preßt den Roßschwanz als letzten Zeugen seines ländlichen Marstalls in die Faust und zieht mit liederlicher Gleichgültigkeit in die Fremde. Die Rollen des Johees und des Mummeries müssen rassig gegeben werden, ansonst sie sich der .geschickt konstruierten und volkstümlich gemachten Auslegung entfremden. Der Aufzug gestaltet sich folgendermaßen. Drei Joheen laufen geschlossen nebeneinander. Sie wippen auf den Fußspitzen den plumpen Körper schwerfällig auf und ab, als ob es gälte, das Hin und Her des Jawortes im Kuhhandel anzudeuten. Im kurzen Schlag der Trychle ist alsdann das bedächtige Gehen der Leitkuh erkennbar. Die leichtfüßigen schlanken Mummerien hingegen, in der Regel vier an der Zahl, schlagen die vielen runden Schellen des Pferdegeröllgurtes -durch kurztaktiges Aufjucken und durch lebhaftes Tänzeln um sich selbst an, so daß der fröhliche Trab und das bisweilige übermütige Steigen des Chaisengauls nachgeahmt ist. Zwei Mummerien müssen vor, zwei hinter den Joheen laufen. Vor der Gruppe hin

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hüpfen in lustigen Sprüngen einige Hörelibajassen als Wegmacher. Einige schließen die Gruppe, um die nachlaufende Volksmenge zurückzuhalten. Die Hörelibajassen schlagen mit einer an einem Stecken befestigten Schweinsblase kräftig um sich und auf den Boden. Hinterher gehen die mit Brotsäcken beladenen Buben, die den Dienst um ein Mütschli tun. Die Alten übten die Gang- . arten der Joheen und Mummerien vor der Fastnacht. In der Wahl guter Figuren waren sie sehr anspruchsvoll. Die Gruppe zeigt sich also am Fastnachtsdienstag mehrere Male in den Hauptstraßen des Dorfes, steigt dann an drei geräumigen Plätzen auf eine Bretterbühne und wirft dort Mütschli aus. Um die Bretterbühne sammeln sich einige Hundert Männer, Frauen und Kinder, strecken die Hände empor und rufen laut und noch ehe ein Brotsack geöffnet ist: "Mir eis, mir eis". Dann fliegen die Mütschli in kleinen und großen Bogen in die Menge hinaus. Es gelingt aber bei weitem nicht jedermann, ein Mütschli aufzufangen, da Dutzende von Händen nach dem gleichen Stück ausgestreckt werden. Arme Männer und Frauen, die immer noch mit leeren Händen dastehen, brechen sich durch die Menge Bahn, drängen gegen die Bühne hin und rufen dann einem J ohee oder Mummerie mit hoher Stimme zu: "He! mir eis" und verstärken die Bitte . durch "und im Chind eis", Sobald die Brotsäcke leer sind, schlagen die Auswerfer Trychlen und Gerölle an, als Zeichen, daß sie auf eine andere Bühne ziehen. Dann verstummen die Rufe wie das Ausklingen eines Chorals. Der Grundgedanke des. Brotauswerfens ist das Wohltun gegenüber den Armen. Im I7. und 18. Jahrhundert, das reich an Zeitläufen der Armut war, mußte man dem Brauch des Brotauswerfens besondere Anerkennung zollen. Garderobe, Larven und Requisiten waren Eigentum des alten Pfauenwirts Martin Gyr, bezw. seiner Nachfolger Karl Gyr-Tanner und Karl Gyr-Kälin, deren Familien den Unterhalt besorgten. Ein Kreis befreundeter Herren, unter denen sich Mitglieder der Behörde und Offiziere befanden, veranstaltete jeweilen am Fastnachtsmontag eine Volksvorstellung auf öffentlichen Plätzen, sammelte in wohltätigen Familien Geld und kaufte am Dienstag das Brot zum Auswerfen. Pfauen wirt Karl GyrKälin schenkte um 1905 herum Garderobe und einige alte Larven dem Turnverein, der die Verpflichtung einging, den Brauch des Brotauswerfens fortzuführen, was regelmäßig geschieht. Die Bedeutung der drei soeben beschriebenen Fastnachtsfiguren und des Brauches, die eine starke Bindung in der Richtung March, Sarganserland und Oesterreich zeigen, ist übrigens mythologisch. Sie entzieht sich der Kenntnis des Volkes. Geben wir hierüber Herrn Dr. Linus Birchler das Wort: "Der kulturelle und rassenmäßige Gegensatz zwischen den Einsiedlern und den Leuten jenseits der Mythen, den ich im Schluß-


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kapitel meines zweiten Bandes der "Kunstdenkmäler des. Kantons Schwyz" im Gebiete der Kunst aufzeige, tritt besonders deutlich im Gegensatz der Schwyzer und der Einsiedler Fastnacht in Erscheinung. Die Schwyzer Fastnacht wird eröffnet durch die prachtvoll disziplinierte; nächtliche "Greiflete" auf dem Schwyzer Hauptplatz am Dreikönigsabend; der uralte heidnische Frühlingszauber lebt hier feierlich weiter. Man lese die eindringliche Schilderung Meinrad Inglins in Brockmann- Jeroschs "Schweizer Volksleben " I An den Fastnachtstagen selber bringt nur das "Nüßlen", der Narrentanz zur Trommelbegleitung, etwas Leben in die Schwyzer Residenz, Sonst ist die Schwyzer Fastnacht ein sehr bescheidenes Festlein; der Schwyzer besitzt das Temperament zum Fastnächtlen nur in beschränktem Maß. Während einigen Jahrzehnten brachte die von einem Einsiedler ins Leben gerufene Schwyzer Japanesengesellschaft fastnächtlichen Geist, aber ihre Schwungkraft ist längst erlahmt und zudem handelt es sich bei den Schwyzer Japanesen nicht um etwas Altes und Gewachsenes, so daß .sie füglieh aus dieser Betrachtung ausscheiden. Die Einsiedlerfastnacht ist bodenerdenlustig. Meinrad Lienert hat sie oft besungen und geschildert. Sie ist ein wahres Volksfest, das .alle Schichten der Einsiedler erfaßt und an dem reich und arm einträchtig mitfesten. In ihrer Struktur lassen sich deutlich drei Schichten unterscheiden, die des uralten Naturmythos, die barocke und die moderne. - Die Einsiedler Fastnacht beginnt mit dem Fastnachtseinläuten frühmorgens, an Dreikönigen, am Schmutzi-· gen Donnerstag und am Fastnachtmontag. Der Vormittag der drei Haupttage (Schmutziger Donnerstag, Fastnachtmontagund -dienstag) ist die Zeit der Teufel und der "Sühudi", deren Treiben sich auch noch in den Nachmittag und in den Abend hineinzieht. Der Nachmittag von Montag und Dienstag gehört den Umzügen, der Dienstag Nachmittag vor alllem dem Brotauswerfen der Mummerien und Joheen 'Und vom späten Nachmittag bis in den Morgen regieren an den drei Tagen die vor allem weiblichen Masken. Es gibt keine geschlossene Bälle, sondern man besucht die Tanzlokale nach Belieben und Gefallen. Das Fastnachtseinläuten entspricht dem schwyzerischenGreiflen, ist aber etwas viel Wilderes und Undisziplinierteres. An den drei genannten Tagen begann ehemals genau nach dem Metteläuten im Kloster (fast wie als dämonische Antwort darauf) ein wildes Schellen, Rasseln, Hornen, Brüllen, Toben, durch das Dorf und die Weiler gaßauf und gaßab, bis in den grauenden Morgen hinein. Heute setzt der Höllenlärm leider schon kurz nach Mitternacht ein. Es ist die wahre wilde Jagd Wotans, die man zu hören glaubt, wenn die Rotte um die Häuser zieht, mit umgebundenen Trichlen und Schellen, mit Trompeten, Hörnern, Geißeln, Trommeln. Der mythische Sinn des Einläutens in der Dreikönigsnacht

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(die die altgermanischen "Heiligen Nächte" beschließt) braucht dem Volkskundler nicht ausführlich auseinandergesetzt zu werden. Zum Frühlings- und Fruchtbarkeitszauber gehören auch die SÜhudi und Teufel. Die erstem sind groteske Gestalten, in denen sich der Volkshumor derb und drastisch austobt, oft von übermütiger Komik, oft groteske Schreckfiguren wie aus Callots Zwergenkabinett. Die Kostüme und vielfach auch die Masken werden von den Trägern hergestellt. Eine Hauptfigur ist stets der Teufel" mit riesigen Hörnern, eine Mistgabel über die Schultern, ein Schurzfell umgebunden; der Teufeltreiber mit der Peitsche hält ihn an einer schweren Kette, von der er sich zeitweilig losreißen kann, so daß das "Der Teufel ist los" sehr drastisch zur Darstellung gelangt, besonders wenn eine derartige Gruppe vormittags um 10 in die vom Kloster herabströmenden Kirchgänger hineinfährt. - Natürlich sind auch die Teufelsmasken Eigenfabrikat. Die zweite besondere Eigenart der Sühudi (die einzeln oder in Rudeln auftreten) sind die sogen. "rüüdigen Larven", schauerliche Gesichtsmasken, die den Gesichtern von Aussätzigen gleichen, mit Beulen, Geschwüren, riesigen Kinn- und Nasenbildungen, wie aus Bettlergruppen Brueghels entsprungen. Diese Masken werden aus dem Seidenpapier hergestellt, das beim Herstellen der Goldschnitte in den Buchbindereien als Rest der Goldblattbücher übrigbleibt. Es gibt noch heute eine Reihe von Leuten, die derartige Masken herstellen; sie stehen jenen aus. Flums an grotesker Wirkung und unbewußter Stilisierung in nichts nach. Wenn diese "rüüdige Larve" auch nur bis ins letzte Jahrhundert nachweisbar sind, so können sie in der Idee doch mittelalterlich sein, Pest- und Aussatzmasken. mit denen man diese Krankheiten mimisch zu verscheuchen suchte. Die Sühudi erinnern stark an die Flumser "Butzi". - Das Fastnachtseinläuten und die Sühudi sind eine Angelegenheit der Burschen und auch reiferer Männer. Sie kennen sich nicht alle untereinander, sondern finden sich maskiert zusammen an gewissen wechselnden Orten. Die zweite charakteristische Gruppe der Einsiedler Fastnacht sind die Mummerien und Joheen, die am Dienstagnachmittag Brot auswerfen. Der Name "Joheen" ist sprachlich wohl als Onomatopoie aufzufaßen, als Wiedergabe eines Klanges. Interessanter ist die Bezeichnung "Mummerie" (mit dem Akzent auf dem i). Das Wort ist-identisch mit Mummerei, sich vermummen. Aber es kommt zu uns aus dem Französischen: "momerie", das bei Rabelais undandern Schriftstellern des 16. Jahrhundert häufig vorkommt; hinter dem Wort verbirgt sich der spätantike griechische Gott Momos, der besonders in Marseille verehrte Gott der Verstellung. (Daß man an die französische Ableitung des Wortes denken darf, wird sich am analogen Falle der "Maschge" weiter


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unten ergeben.) Fremden Ursprunges ist auch das Kostüm der Mummerien. Es ist (oder war) ziemlich genau das der Figuren der italienischen Commedia dell'arte, des Arlechino und Pulcinella in die klassischen Stegreifkomödie des 16. und 17. Jahrhunderts. In degenerierter Form kommt das Kostüm auch bei Figuren der Schwyzer "Rott" vor, ebenso in der March (Blätzlinarren). Die Joheen sind Sennen im Empirestil. Die holzgeschnitzten Masken der Mummerien und Joheen sind künstlerisch als charakteristische Arbeiten der Empirezeit zu erkennen, von lokalen Holzbildhauern geschaffen. Die Requisite der Mummerien und Joheen sind die des Frühlingszaubers : umgebundene Trichlen, umgehängte Pferdegerölle, Tannenbäumchen und Roßschweife. Die Gruppe bewegt sich in genau festgelegter Ordnung in einer Art Tanzschritt, der zugleich die Trichlen und Schellen zum Klingen bringt (damit zu vergleichen wäre der Narrentanz des Schwyzer "Nüßlen·'). "Hörelibajasse" (s. oben, wohl städtischen Ursprungs, da das Thema der Satyrn zu ferne liegt) mit an Peitschen gebundenen Schweinsblasen umschwärmen Mummerien und Joheen. Die ursprüngliche (mythische) Bedeutung des Umzuges ist längst vergessen. Heute wird die Gruppe so erklärt, wie der Verfasser dieser Broschüre es oben schildert. Auf drei Plätzen des Dorfes wird von den Mummerien und Joheen am Fastnachtsdienstag Brot ausgeworfen, große, fast noch warme Mütschli, in sehr beträchtlichen Quantitäten. Sie fliegen weit und hoch durch die Luft, werden zur Abwechslung ganz in die Nähe in die Kinderrudel geworfen; gelegentlich klirrt eine Fensterscheibe, raufen sich Burschen um ein zur Erde gefallenes Mütschli; betäubend lärmen die Kinder: "Mir eis, mir eis". Auch das Auswerfen von Gaben gehört zum Frühlingszauber ; es findet sich in zahlreichen Fastnachtsbräuchen der Alpenländer (am schönsten in Imst). - Beim Einsiedler Brotauswerfen (und ebenso beim Auswerfen von Orangen, heißen Würsten und dergleichen) fällt, trotz der Wildheit des Vorganges, für jeden, der sich bemüht, etwas ab. Vor allem die Kinder kommen nicht zu kurz, am wenigsten die ganz Kleinen. Eine Verteilung wie etwa in Schwyz (wo die Kinder klassenweise unter Begleitung der Lehrer auf den abgesperrten Hauptplatz ziehen zur Entgegennahme der Spende der Japanesengesellschaft) wäre in der Waldstatt undenkbar. Es muß wild und lustig zugehen beim Verteilen. Das nachstehend geschilderte "Begraben der Fastnacht" kann ähnlich wie der Zürcher Bögg gedeutet werden als altheidnische Frühlingszeremonie. Es könnte aber auch mit der großartigen venezianischen Szene des "Il carnevale e andato" in Verbindung gebracht werden. Hier wie bei den Mummerien wären Söldner die Vermittler. Beachtlich ist der Name "Pagat". Das ist die Bezeichnung für die höchste Figur im Tarock, das im Prag Karls IV. 39


aufkam und kabbalistische Bedeutung hat, die bei uns jedoch völlig unbekannt ist. Der Spätnachmittag und die Nacht gehört den Masken. Auch hier muß man beim Namen Halt machen. Der Einsiedler sagt "e Maschg". Jenseits der Mythen, in Unterwalden und Uri, sagen man "e Maschgerad" und bezeichnet damit nicht eine "Mas~ kerade", sondern konkret eine Maske. Innerschwyzund die beiden andern Urkantone bezogen das Wort und die Sache von jenseits des Gotthard und ihr "Maschgerad" kommt vom italienischen "un mascherato", ein Maskierter, während das Einsiedler Wort vom französischen "un masque" kommt. - Für die Maskenkostüme scheut die Einsiedlerin den Aufwand nicht. Mit Garderobekostümen und den abgedroschenen Typen (Zigeunerin, Tyroler, den in der Zürcher Landschaft grassierenden "Rittern") begnügt man sich nicht. Schon im Spätherbst denken viele Mädchen an die künftigen Fastnachtskostüme. Nicht der Prunk, sondern der gute und mit farbigem Geschmack verwirklichte Einfall wird bewundert. Die drei Schichten der Einsiedler Fastnacht, Heidnisches (das den Heutigen völlig unbekannt und unbewußt ist), Barockes und Modernes, bestehen sauber voneinander getrennt. Der eigentliche Schauplatz ist die Straße. In den letzten Jahren haben sich zwei Fastnachtsgeselllschaften gebildet, deren Umzüge gewöhnlich den Vor- und Nachmittag des Fastnachtmontag beleben. - Die Einsiedler Fastnacht ist durchaus ein Volksfest aller Kreise. Aristokratische Absonderung kleiner Zirkel wäre undenkbar. Auch für den Aermsten, der kein Tanzlokal besuchen kann, fällt ein Mütschli, eine Wurst, eine Orange ab, und das Maskentreiben auf der Straße befriedigt die Schaulust aller jener, die nicht aktiv mitmachen. Die eigentliche Grundlage der übermütigen Einsiedler Fastnacht ist der Volkscharakter, in dem sich gewiß Reste der elsäßischen Urväter erhalten haben, die anno 934 eingewandert sind. Ein Einsiedler Mädchen (aus sehr "strengem" Haus stammend) hat mir einmal auf die Frage, was das Schönste im Jahre sei, ohne Besinnen geantwortet: "Die Fastnacht und die Karwoche". Das sind die Spannungspole des barocken Menschen: Sinnenfreude und Gottbezogenheit." Daßsich mancher Fastnachtsulk nahe um das Weibervolk cumuliert, hat das "Maitlirellen" bewiesen. Diese Zauberübung ist um 1890 herum aufgegeben worden. "Relle" heißt rollen bezw. die Spreu vom Weizen säubern. Man errichtete aus Latten und Jute eine große buntgeschmückte Bude, stellte eine Leiter an, ließ spottend einige als alte Jungfern verkleidete Personen aufsteigen, zog sie kopfüber in die Bude hinunter, ließ nach außen eine heimliche zauberhafte Verwandlungsszeneüber sie ergehen und


zog die Jungfern unteri durch eine Oeffnung als blutjunge Mäd-chen wieder ans Licht und ließ sie laufen. Die Ulkhaftigkeit dieses vergessenen Brauches übertrifft die vielen neuzeitlichen Belusti,gungsversuche. Der Gebrauch der Spritze als auffälligstes Requisit fastnächt.licher Tollheit ist hier nicht mehr nachzuweisen. (In Imst im Tirol wird sie von einer offiziellen Figur, dem sogen. "Engel.spritzer" gehandhabt, dessen Rolle klar ist.) Indes behauptete -der Besen in der Waldstatt noch im letzten Jahrhundert seinen wahren Zweck, der mit demjenigen der Spritze übereinstimmt. Die .Masken tünchten die Tannen- oder Birkenreisigbesen an den Dorfbrunnen ins Wasser und bespritzten die jungen Mädchen, die -des Weges kamen. Diese Uebung brachte einen störenden Unfug: man beschmutzte saubere Gesichtlein und schöne Gwändlein, weshalb heute der Besen nur pro memoria getragen wird. Roß'und Munifisel, Sübloutere, Trychle und Rölleli haben eine sinn'verwandte Bedeutung, über die man nicht stark im Zweifel sein 'kann. .Es ließe sich Wesentliches über die im Laufe der Zeit erfolgten, willkürlichen Abänderungen an den Kleidungsstücken des Johees, Mummeries und Hörelibajaß sagen. Wir beschränken uns darauf, .sie hier kurz anzudeuten. I. Johee: Tuchplätzliperücke statt gekrauste Haarperücke, Fransenhalstuch statt geknüpfte Krawatte, -dekorativer Kartongurt statt metallbeschlagener Ledergurt, weite Kniehose aus Samt statt anliegende Kniehose aus Tüchli, Lacet 'statt ledernes Strumpfband, flache Strümpfe statt gemusterte .Strümpfe. 2. Mummerie: Gewöhnlicher Filzhut statt breitrandiger .Schlapphut oder konischer Stilhut mit Straußenfeder des 17. Jahrhunderts, grüner Tuchstreifen im Kleid statt roter oder blauer, flacher Oberärmel statt Pumpärmel (sogen. Speckärmel), Gehhose .statt Pumphose des 17. Jahrhunderts. 3. Bajaß: Geschlossene Blusenärmel statt offene geschlitzte. 10. Beg r a ben des Pa g t s. Am Fastnachtsdienstag bei ein'brechender Nacht, unmittelbar vor dem Betglockenläuten, also .zur Zeit, da das öffentliche Maskentreiben auf den Straßen lang.sam ein Ende nehm-en sollte, besammelten sich ausdauernde Masken auf dem Spitalplatz im Unterdorf und bildeten einen Zug. An der Spitze marschierten zwei Tambouren, dann folgte ein Mann -mit einer alten Zunftlaterne, hernach einige Männer mit Pickeln, dann zwei Träger mit dem Pagat auf der Bahre. Hinter ihnen liefen einige Männer mit Schaufeln. Den Schluß bildeten Masken .aller Art. Unter dem Klange eines doppeltönigen dumpfen Trommelsclilages (Trauermarsch) zog die Schar durch die Hauptstraße .anf den Platz vor dem "weißen Wind" (heute St. Johann's Platz), ..indem sie murmelnd nach der Art eines Kanons sang: ä

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(Eigene Rekonstruktion).

I~Do - mi - no, Ba -jass, Hä - xe und Tü - fl, Bät-glog-ge - zyt,

~

J J ü

-

Chö - med !

Mir

wend

S'ist

eis - wägs

ü - se - re'n

alt

J

se - re'n alt

Pa - gilt bi - gra-be,

bi - gra-be, bi - gra - be.

Noten von Meinrad Ochsner. Diese Noten gelten auch für den Trommelschlag. Dort angekommen, brachen die Pickler mit trüber Miene ein Loch im Schnee auf, worauf die Pagatträger aus den Reihen traten und mit wichtiger Geste den Pagat sorgfältig hineinlegten. Hierauf deckten die Schaufler das Grab zu und die Menge löste sich auf, da nach dem Betglockenläuten die Masken nicht mehr geduldet waren. Der Brauch ist seit zirka 1870 erloschen. In den letzten Jahren des Brauches schlug der alte Barabas die Trommel. Pagat ist im Tarock der Unter, die stärkste Figur, identisch mit dem Schellenunter, genannt Chöpferölli", des deutsch-schweizerischen Kartenspiels. Ursprünglich, d. h. bevor der Brauch verflachte, wurde er als Puppe dargestellt, die den Schellenunter verkörperte. (Ich erinnere diesbezüglich an die Beerdigung des Gidio Hosenstoß in Herisau, von Kunstmaler Paul Tanner bildlich dargestellt, die Verbrennung des Böggs in Zürich und ähnliche Bräuche in Schmerikon, Berschis, Vilters und Ragaz, die im Grunde das Gleiche bedeuten: Ein heidnisches Symbol des Winterendes.) . Der Fastnachtsbetrieb .auf den Straßen ist für jedermann immer noch offen, darum kann er sich ungehindert entwickeln. Für den Zutritt in die Tanzlokale hingegen mußten früher die Masken einen "Schillinger", genannt "Geigenschillinger", entrichten. Diese Einrichtung ist alt, es wechselte nur die Taxe. Ein Anschlag aus dem Jahre 1840 sagt folgendes: "Jede nächtliche Maske ist höflichst ersucht, für jeden Eintritt ins Haus den Eintrittspreis von 2 guten Batzen zu bezahlen." Der Zeitpunkt der Demaskierung wird vom Bezirksamt festgesetzt. Auf die Minute erscheinen 2 Landjäger im Lokal und fordern auf, entweder die Larven abzu-

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ziehen oder heimzugehen. Masken, die sich weigern, werden nötigenfalls entlarvt. Dieser Eingriff war früher öfters notwendig, da nachts mehr männliche Masken zum Tanz gingen. Diejenigen, die sich sträubten, die Larven zur Zeit abzuziehen, hatten es in der Regel darauf abgesehen, die Polizei zu .fuxen". U eber die Reibereien zwischen Polizei und Wächtern einerseits und Masken anderseits ist noch etwas zu sagen. Bis um 1890 war das Maskengehen zu verbotener Zeit ein gesuchtes Abenteuer. Dabei richteten es übermütige Männer extra ein, mit der hl. Hermandad zu kreuzen. Sie kannten die Diensteifrigsten und just diesen wollten sie zu schaffen geben, vielmal aus Rache für einen im Verlaufe des Jahres wegen Uebertretung der Polizeistunde erhaltenen Strafzettels. Es· entstand dann eine regelrechte Treibjagd bis in die späte Mitternacht hinaus und es kam vor, daß verfolgte Masken plötzlich kehrt machten und einen diensteifrigen Landjäger kopfüber in einen Schneehaufen stellten und sich dann unerkannt "zäpften". Die Maske wurde dann und wann auch angezogen, um irgend einen persönlichen Gegner im Wirtshaus aufzusuchen und ihn intrigierend zu belästigen. Solche, die das nicht ertrugen, weil sie die Absicht witterten, machten sich hinter den Unbekannten und rissen ihm die Larve vom Gesicht. So kam es hin und wieder zu bösen Schlägereien. Die Fertigkeit im Intrigieren, sei es harmlos witzig! sei es herausfordernd, ist hier viel stärker entwickelt, als z. B. im nahen Züribiet. Man bemitleidet diesbezüglich die Masken des Flachlandes, die sich mit dem stereotypen "Salü du, gäll kännst mi nüd" als Folge mangelnden Fastnachtsulkes behelfen. Aus den Ratsprotokollen des Bezirkes Einsiedeln ist ersichtlich, daß die Einsiedler schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts an der Fastnacht auch öffentliche Aufführungen weltlichen Charakters durchführten, die sie "Aventiuren" nannten. Es ist anzunehmen, daß damals einzelne Vereine, vermutlich die musikalischen, die Initiative ergriffen hatten. Der Inseratenteil des "Eins. Anz." der öoer Jahre erinnert uns an die Aufführungen lebender Bilder auf öffentlichen Plätzen. Die Gesellschaft nannte sich "Honolulu-Guckkasten". Als Nachfolger dürfen wir die vor ein paar Jahren gegründeten Fastnachtsgesellschaften "Goldmäuder" (gelbhaariger Kater) und "Bürgerwehr" betrachten. Es sollte ihnen hauptsächlich an der Pflege der alten Fastnachtsbräuche gelegen sein, um diese nach Möglichkeit originell zu vervollständigen, was mit Hilfe der vorliegenden Schilderungen aus dem frühem Fastnachtsbetriebe leicht geschehen könnte. Nicht überall bietet die Geschichte so viel Anhaltspunkte, wie 'hier. Die Gesellschaften haben mit ihrer Fastnachtszeitung "dr Abäck" ein Mittel bei der Hand, Vergessenes in Wort und Bild aufzufrischen. Wenn sie in diesem Sinne die Fastnacht bereichern, wird man sie schätzen.

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Der gepflegte Fastnachtsbetrieb bietet übrigens noch die Gewähr, daß der zur Einkehr mahnende Aschermittwoch eher zu seinem Rechte kommt, In den Soer Jahren hat man es diesbezüglich nicht sehr genau genommen. Am 28. Februar 1886 beschwerte sich der damalige Oberpfarrer P. Schindler schriftlich beim Bezirksrat von Einsiedeln, er möchte in Zukunft dafür sorgen, "daß die Nachklänge der Fastnacht sich nicht mehr so laut auf den Aschermittwoch ausdehnen". Er finde, die Polizeiorgane. sollten morgens 5 Uhr in den Wirtshäusern Schluß bieten. Ferner möchte der Bezirksrat "die Chefs der 5 großen Firmen ersuchen, daß sie am Aschermittwoch arbeiten lassen", ferner sei auch notwendig, "daß am Mittwoch Schule gehalten werde". Der Bezirksrat gab dem Herrn Pfarrer gleich anfangs März beruhigende Zusicherungen ab. Als "alte Fastnacht", im Gegensatz zur "Herrenfastnacht" auch Bauern- oder Knechtefastnacht genannt, wird der Montag nach dem Aschermittwoch. bezeichnet. Was würde man jetzt sagen, wenn an diesem Tage der Tanzbetrieb nochmals einsetzte? Das war bis ums Jahr 1880 der Fall. Wirtsleute in Willerzell erklärten, die alte Fastnacht sei jeweilen ihr bester Tag im Jahr gewesen. Im nachwirkenden Uebermut hätten die Männer wacker "getüchelt" (viel trinken) und bis in den frühen Morgen hinein das Tanzbein geschwungen. 11. Palmenund Wydlitragen. Die Palmen weihe ist ein Teil der Palmsonntagsliturgie. Sie erinnert an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem. Das Palmentragen dient in diesem Sinne der Verherrlichung Gottes. Buben tragen die Palmen, Mädchen die Wydli. Aepfel werden an grüne, abgeastete Weidenzweige gesteckt, diese oben zusammengebunden, mit einem Büschel Buchs geschmückt, darum herum farbige Seidenbänder geschlungen und an den Arm gehängt. Das sind die sog. Wydli. Stechpalmen werden oben an einen langen weiß-rot oder schwarz-rot farbigen Stock, darüber kreuzweise zwei Weidenzweige mit Aepfeln gebogen und mit farbigen Bändern umschlungen. Das ist die sogenannte Palme. Die Jugend trägt diese Requisiten in die Kirche, wo sie der Priester segnet. Nach der Rückkehr ins elterliche Haus teilen sich Groß und Klein in die gesegneten Aepfel. Zweige der Stechpalmen und des Buchses werden entweder hinter das Kruzifix gesteckt oder auf einen Sparren der Dachwinde gelegt. Die gesegneten Zweige wenden im Volksmund Schadenfeuer ab. 12. 0 s te rf e u e r am Charsamstag wird in Einsiedeln "Judasverbrennen" genannt. Es hat seine christliche Erklärung durch die Kirchengebete bei der Segnung des neuen Feuers. erhalten .. Ursprünglich ist es ein vorchristlicher Brauch, der den Charakter 44


eines Frühlingsfeuers zur Feier des Sieges über den Winter trägt, ähnlich wie das Verbrennen des Böggs am Sechseläuten zu Zürich den Sieg des Frühlings darstellt, weiterhin den Sieg des Guten über das Böse, das man im Judas verkörpert sieht. Vor der Kirchentüre werden Buchenscheiter aufgeschichtet und angezündet. Die Jugend versammelt sich um das Feuer und nimmt kleine Kohlenstücke mit nach Hause. Die Gläubigen sagen, daß sich die Kohlenstücke zur Abwendung von Uebeln gut bewähren. Landweibel Jakob Ochsner erzählte hierüber Folgendes: "Kohlen vom Osterfeuer bewähren sich gut zur Abhaltung von Unheil, wenn Iman sie im Hause aufbewahrt, sonderheitlieh wo Hexen, Zaubereien und anderer Spuck in Katzen-, Hunds- und anderen Gestalten sich zeigen." Ferner "Ladet man Kohlen vom Osterfeuer in ein Gewehr, so wird man treffen". Die Kohlen werden ab und zu auch in Stall und Feld gebraucht, damit Vieh und Saat gedeihen. 13. Ostereier suchen. Das Ei ist das Symbol des neuerwachenden geheimnisvollen Lebens der Natur. Im Kinderglaube legt der Osterhase das Ei. Ursprünglich wurden hier die Ostereier mit Zwiebelblättern gefärbt. Man legte die Blätter um das Ei und kochte es im heissen Wasser. Jetzt haben die rot, die blau und die buntscheckig gefärbten Eier den Vorzug. Am wenigsten begehrt sind die grünen und die gelben. Die dreifarbigen Eier sind neuesten Datums. Sie sehen. kitschig aus. Die Kinder machen dem Osterhas ein Nest aus Heu.. Er legt die Eier aber nicht in das Nest, sondern die Mutter verbirgt sie beim Morgengrauen in Zimmerecken, hinter Möbeln usw. Nach dem Aufstehen machen .sich die Kinder auf die Suche, eilen dann zur Mutter und erzählen ihr freudig, wo und wieviele Ostereier sie gefunden haben. Leider müssen immer weniger Kinder Ostereier suchen. Moderne Beschenkungsmetheden verdrängen alte, man tischt den Kindern am Ostersonntag gleich fränkige Hasen aus Schokolade und Biscuit .auf, mit Seidenbändern geschmückt und verdirbt damit die klare Symbolik des Ostereis. Die Vorliebe für rot und blau macht sich auch beim Verkauf der sogen. Chilbiballons geltend. 14. Den Osterochs herumführen. Die alten Leute kannten nur etwa am Taufen-, Schützen- oder Totenmöhli und beim Hochsigmaehen zwei Gänge am Mittagstisch. Sonst taten sie sich an einem fetten Ofenturli, geschwellten Salzgummeln oder eines böllengespickten Käsdünne gütlich. ("Ofenturli" ist ein auf einer Blechform gebackener Kartoffelfladen, wörtlich ein im 'Ofen gedörrter Kartoffelfladen.) Schmal ging es besonders in der Karoche zu. Um der Bevölkerung anzukünden, daß mit dem Ostereste die Rückkehr zu den Fleischtagen beginne, ließen die et:zgermeister am Karsamstag einen bekränzten, aufgemästeten

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Osterochsen durch die Dorfstraßen führen. Am Ostersonntag lautete in den Haushaltungen alsdann die Parole "Legt einen Liengs Fleisch in den Suppenhafen". Die Osterochsen wurden in der Regel am Mailändermarkt gekauft. Der Osterochse erinnert an die Engelweiheochsen, die das Kloster im 17. und 18. Jahrhundert jeweilen auf die große Engelweihe kaufte. Es kam vor, daß im Kloster an der sogenannten großen Engelweihe. die stattfindet, wenn das Fest auf einen Sonntag fällt, um die 2000 Personen Quartier bezogen und daß in den Stallungen um die 50 Reit- und Saumpferde standen. Auf diesen Andrang hin kaufte das Kloster für Verpflegungszwecke jeweilen zwei schwere Engelweiheochsen und mästete sie noch auf. P. Odilo Ringholz schreibt in seiner Geschichte der Rindviehzucht im Stifte Einsiedeln : "Die sogenannten Engelweihochsen wurden mit Blumen und Bändern geschmückt, dann öffentlich gewogen, wobei das eine oder andere Mal das Mißgeschick passierte, daß der "Wagbaum" unter dem Fleischkoloß gebrochen ist. Meist wohnten der Abt und die Anwesenden Prälaten diesem Schauspiele bei. Kleine Knaben führten sodann an schwarz-gelben Seidenbändern (Abtei -Farben), begleitet von Trommlern und Pfeifern, die Ochsen auf dem Platz vor dem Kloster herum. Auf dem größern Tiere saß ebenfalls ein kleiner Knabe, der auf einem Hörnlein blies. Der Engelweihochse von 1.659 wog 22S0 (alte) Pfund; 1681 der eine 23°5, der andere 2283 Pfund; I687 der eine 1964, der andere 2229, der dritte 2271; 1749 2874; 1755 2500; 1788 3000 Pfund. Nach diesem Umzuge wurden die Ochsen geschlachtet oder verkauft. Unserm Stalle entstammte der Ochse, der 1743 in Prag bei Gelegenheit der Krönung der Kaiserin Maria Theresia mit der böhmischen Königskrone gezeigt und geschlachtet wurde. Er war 4 Ellen hoch, 5 lang und wog 28 Zentner. Leonhard Fuchs in Einsiedeln hatte ihn von Statthalter P. Michael Schlageter gekauft und nach Prag geführt. In Ulm starb 1748 Martin Schönbächler, genannt Käs-Martin, von Einsiedeln, der mit einem großen, um lOO fI. erkauften Klosterochsen lange in der Welt umherzog und ihn um Geld sehen ließ. Im Jahre 1749 drängten sich die Besucher von Einsiedeln schon im Mai in den Ochsenstall, um Engelweihochsen zu sehen, so daß der Statthalter die "Besuchszeit" auf zwei bestimmte Stunden im Tage einschränken mußte. Einige Male hatten diese Ochsen die Ehre, in Kupfer gestochen zu werden, so z. B. 1755, 1777 und 1788. Von letzterem Stiche geben wir hier eine Reproduktion. Im Jahre 1783 kaufte der eben anwesende Herzog Karl Eugen von Württemberg beide Ochsen im Gewichte von je 26 und 24 Zentnern und noch zwei andere dazu um den Gesamtpreis von 68 Louisdor. Er ließ sie nach Stuttgart bringen und verkaufte sie wieder an einige Bauern, die sie in halb Deutschland um Geld sehen ließen."


15. Hoc h z e i t s f eie r. Die volkstümliche Bezeichnung für die Hochzeitsfeier heißt "Hochsigmache". Vor etwa 50 Jahren wurde dem Hochsig am Tage der Trauung mit Mörsern geschossen. Seither ist diese Aufmerksamkeit erledigt. Die Gäste besammeln sich am Morgen in der Regel im Gasthause, wo das Mittagessen stattfinden soll. Im Mittelpunkt des Interesses steht da die Braut. Die Mütter visitieren sie und ziehen ihr den Schleier, überhaupt alles was man plätten und streicheln kann, zurecht. Zylinder und Stilkleider sind selten geworden. Der Bräutigam steckt ein Sträußchen Myrthen ins Knopfloch; die Braut trägt ein Kränzlein oder Sträußchen, ebenfalls aus Myrthen, im Haarschopf. Dann ziehen sie zur Kirche. In der Zugsordnung hin und her geht das Brautpaar an der Spitze. Ihm folgen Brautführer und Brautführerin, die hier Nebenhochzeiter bezw. Nebenhochzeiterin genannt werden, dann die Eltern des Bräutigams und die der Braut und schließlich Verwandte und Gäste gepaart. Wenn kleine Buben und Mädchen mitkommen können, tragen sie der Braut auf dem Hin- und Herwege zur Kirche die Schleierschleppe. Nach dem Hochzeitsmahl, das immer gut und reichlich ist, tanzt das Brautpaar den ersten Walzer. Bevor es die Hochzeitsreise antritt, was in der Regel am frühen Abend geschieht, widmet ihm der Brautführer im Namen der Gäste einige Glückwünsche. Dann wechseln Eltern, Schwestern und Braut die Abschiedsküsse; denn die Tochter ist .in der Regel dasjenige Geschöpf, das man normalerweise ungern für immer im Elternhause vermißt. Der Bräutigam schmunzelt. Nach dem Wegzuge des Brautpaares sind Nebenhochzeiter und Nebenhochzeiterin die Gefeierten des Abends. Der Nebenhochzeiter leitet die Unterhaltung. Noch ist auf das Spannen der Jugend hinzuweisen. Wenn' ein Pärchen feierlich zur Trauung in die Kirche zieht, springen plötzlich aus einer Seitengasse einige Buben herbei, breiten vor dem Paar ein Seil aus und versperren ihm damit den Weg. Das nennt man Spannen. Der überraschte Bräutigam greift in den Geldsäcke! und ladet einige Batzen ab. Daraufhin ziehen die Buben das Seil zurück, springen einige Häuser weit vor und spannen von neuern. Sie wiederholen den Brauch anläßlich der Rückkehr aus der Kirche. Bäuerliche Paare gehen beim "Hochsigmache" nicht Arm in Arm, sondern Hand in Hand. Sie tragen einfache schwarze Kleider und heften sich ein Sträußchen künstlicher Myrthen auf die Brust. Bisweilen trägt die Braut einen langen weißen Gaseschleier vom Kopf über den Rücken hinunter. Bei den Alten war es eine Selbstverständlichkeit, daß der Hochzeitsgehrock das ganze Mannesalter durchhalten mußte. Auch hörte man oft Frauen im hohen Alter sagen "das ist my Hochsigrock" .

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16. Tau fe t e. Bis um 1860 verursachte die Taufete eines legalen Kindes rundum in der Verwandschaft der Eltern einen festfreudigen Auflauf. Jetzt erlaßt das schöne Ereignis nur die paar Leutchen des engem Familienkreises. Damals war das "z'Ehre' stoh" Brauch. Am Tauf tage während dem Vesperläuten begaben sich Hebamme, Pate und Patin, hier Götti und Gotte genannt, ins. Haus der Mutter, einigten sich über den Namen des Täuflings. wobei in erster Linie die Wünsche des Göttis, wenn der Täufling; ein Knabe war, und die der Gotte, wenn der Täufling ein Mädchen war, gehört werden mußten. Es kam bisweilen vor, daß der Pflichteintrag beim Zivilstandsamt nachträglich abgeändert werden mußte, weil entweder der Götti oder die Gotte ein Veto gegen die ergangene Namengebung einlegte. Zugleich erschienen im Haus, des Täuflings auch die Verwandten. Alle Beteiligten trugen schwarze Kleider. Nach dem Ausklang des Vesperläutens bildete sich der Taufzug. Voran lief rechts der Götti, in der Mitte die Gotte, links die Hebamme mit dem Kind im Tragkissen, über das ein Spitzenflor hing. (Bestickte Prunktaufkleidchen, wie sie um die Mitte des letzten Jahrhunderts und auch noch später üblich waren, existieren nur als Museeumsstücke.) Hinten schlossen sich zu Paaren die Verwandten an. Die Beteiligung der Verwandten im Taufzuge nannte man "z'Ehre-stoh". Es kam vor, daß auch Ungeladene erschienen oder daß Geladene fern blieben.. Ungeladen erschienen jene, die gern an einem Möhli (Mahl) teilnehmen wollten. Das Möhli schloß sich unmittelbar der Taufe an. Nicht erschienen jene, denen der Taufaufzug zu umständlich war. Sie konnten der Handlung nichts Poetisches abgewinnen. Diese Zufälligkeiten und die Kostbilligkeit eines gutbesuchten Taufenmöhlis sind die Gründe, warum das "z'Ehre stoh" allmählich abgeschafft wurde. An der Gemeinde in Einsiedeln vom 16. November 1676 beklagte sich der Pfarrer wie oftmal bei Kindstaufen "ohnnötige Hoffarten und Ohnkosten vorbeigehen, in denen zu Zeiten in die 5, 6 und mehr Personen dem Göttin oder Gotten zue Ehren trätten" und erklärt, er werde so lange nicht taufen, bis nur eine Ehrenperson auf der Seite stehe. Gleich nach dem Vollzug der Taufe durch den Priester geben Götti und Gotte dem Kind ein Angebinde. Die Hebamme hält hiefür ein besonderes Tüchli bereit, das sie Nothäubchen nennt. Es hat die Form eines Kinderhäubchens. Am Saum rechts und links ist je ein kleines Täschchen aufgenäht. In das eine legt der Götti, in das andere die Gotte das Angebinde. Im Zug aus der Kirche war die Ordnung an der Spitze umgekehrt: Die Hebamme lief mit dem getauften Kind auf der rechten Seite, die Gotte in der Mitte, der Götti links. Die Zugsordnung beim Kirchgange verweist auf die Nichtigkeit eines ungetauften Kindes im Vergleich zu getauften Geschöpfen, die Zugsordnung aus der Kirche auf die Erhabenheit der Unschuld


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im Taufgewand. Die heutige Unachtsamkeit hie~auf entspricht dem nüchternen Zeitgeist, der schon manches würdige und originelle Tun und' Lassen lahmgelegt hat. Die Taufgesellschaft begibt sich hierauf in ein Wirtshaus, wo zum Taufmöhli gedeckt ist. Die Hebamme legt das Kind auf eine Bank. Das Festen dauert oft bis in die späte Nacht hinein. Es ist im kleinen Kreise heute noch Brauch. Nach Schluß begleitet der Götti die Gotte heim und wenn diese artig und jung ist, weiß das der Götti zu schätzen und bleibt noch ein Weilchen bei ihr. Zwillinge, z. B. ein Bub und ein Maitli, nennt man bei uns eine "Tanzete". Die Tanzete, überhaupt Zwillinge, sind nicht jedem Familienvater willkommen. Als der Herrgott einmal einer armen Familie, die schon eine Stube voll Gofen hatte, eine Tanzete schenkte, erblickte der Vater am Morgen auf dem Pleger (Kanapee) einige Puppen. Er gab seiner Stimmung damit Ausdruck, indem er wehleidig rief: "Rüered die Lümpige zum Feister us, sust wärdet's au nu läbig ". Bei den kleinen Geschwistern erweckt die Taufete in der Regel Freude. Sie werden von der Mutter oder von einer großen Schwester auf das Nahen des Täuflings sorgfältig vorbereitet. Man sagt ihnen, der Vater habe im Frauenkloster "Au" ein Kind bestellt. Noch im letzten Jahrhundert war es in dieser und jener Familie Brauch, der Wöchnerin ein Häubchen anzuziehen. Das Häubchen ist jetzt noch unter dem Namen Einsiedler Käpplein bekannt. Es war entweder aus Seide oder Leinwand verfertigt, vierteilig, auf jedem Teil mit einem religiösen Bilde bedruckt. Man erhoffte einen gesunden Verlauf der Geburt. Die gleichen Käpplein wurden hin und wieder auch als Sterbehäubchen benutzt. Bis in die Soer Jahre trug die Hebamme beim Taufgang ein weißes Tuchhäubchen mit geröhrleten Spitzen um den Rand. Die jüngern Hebammen wollten das Häubchen nicht mehr tragen, worauf es bald vergessen ging. I7. Katzenmusik machen. Ein derber Brauch. Wenn ein Ehepaar uneins ist, so daß die Frau dem Manne davonläuft und nach Wochen oder Monaten freiwillig zurückkehrt oder vom Mann freiwillig geholt wird, entgeht das den schaulustigen Nachbarn nicht. Schon am gleichen Abend sammeln sich junge Burschen mit den ausgesuchtestenLärminstrumenten in einem Gäßehen an, ziehen unter das Fenster der Wohnung des betreffenden Ehepaars und machen mit Pfannendeckeln, Hörnern, Trompeten, Schellen und Pistolenknallen einen Höllenspektakel. Er gilt der Frau, insofern sie freiwillig zurückgekehrt ist, und dem Manne, insofern er die Frau geholt hat.

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18. S t ä n d li b ring e n. Der hohe Rat von .Schwyz erkannte am 27. November 1658, "daß Niemand mehr nächtlicher Wylen uff der Gassen mit Saitenspielen, besonders aber - mit unehrbarem Schreien und Grählen sich erfinden lassen solle und welcher das überseche, der solle jedesmal Gld. 5 unerläßliche Buoß erlegen oder solche mit Gefangeschafft oder mit der Trüllen abbüßen". Im Jahre 1680 wurde dieses Verbot erneuert. Nach Martin Styger ist das Saitenspielen identisch mit dem Brauch des "Ständlibringens", der von Söldnern aus spanischen und italienischen Diensten importiert worden war. Damit wäre nachgewiesen, daß der Brauch "Ständli zu bringen" im alten Lande Schwyz wenigstens ins 17. Jahrhundert zurückgreifen kann. Die Untertanenländer March und Einsiedeln waren schon zur Zeit der Mailänderkriege pflichtig, Knechte (Söldner) zu stellen, weshalb anzunehmen ist, daß der Brauch des nächtlichen Saitenspiels bezw. der "Ständli" auch in Einsiedeln bekannt gewesen sein wird. Die Verbote richteten sich offenbar nicht gegen das nächtliche Aufspielen, sondern gegen "das unordentliche Wesen nächtlicher Wylen in Dörffern uff den Gassen", da schon 160-+ ein Ratsbeschluß anordnete, "daß jeder z'Nacht umb die nündte Stundt sich ab der Gassen machen solle by 20 Gld. Buoß". Berüchtigt waren also die Begleiterscheinungen des Saitenspiels. Das Saitenspiel bezw. das "Ständlibringen" des 17. Jahrhunderts hat heute einen nur leisen Nachklang. Wenn sich z. B. das Mitglied eines musikalischen Vereines verlobt, oder wenn es von der Hochzeitsreise heimkommt, oder wenn es das silberne, goldene oder diamantene Hochzeitsjubiläum feiert oder wenn es ein außergewöhnlich hohes Alter erreicht versammelt sich der betreffende Verein abends vor der Wohnung des Jubilaren und singt dort einige Lieder oder musiziert. Es kommt bisweilen auch vor, daß musikalische Vereine einem hohen Geistlichen zum Namenstag ein Ständlein bringen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß hier die Namenstage gern gefeiert werden. Bei der ersten Begegnung am Morgen wird der Feiernde von seinen Familienangehörigen beglückwünscht. Dann rüstet die Hausfrau etwas Gutes auf den Mittagstisch. In den ooer Jahren war eine Rosindli- oder Mandeltorte bevorzugt. Wenn ein Wirt oder eine Wirtin Namenstag feiert, merken sich die Stammgäste den Tag und gehen gratulieren. Der .Gang ins Wirtshaus an jenem Tage hat auch einen geschäftlichen Zweck. Der Wirt ist in der Regel Kunde des Stammgasts. Um zu zeigen, daß es mit dem Namenstagsglückwunsch ernst gemeint war, wurde er früher mit einem kräftigen Handgriff verstärkt. Der Gratulant trat Rücklings an die feiernde Person heran, faßte sie mit beiden Händen im Nacken und, drückte sie. M.,an


nannte diese Uebung "zum Namenstag würgen". Sie ist ganz vereinzelt heute noch Brauch. Das Würgen war bis um 1880 herum auch am ' Neujahrsmorgen üblich. 19. Bot e n b r öd Ie. "Botenbrödle" bedeutet zu einem erhaltenen Amte Glück wünschen. Im Jahre 1737 wurde das Botenbrodle untersagt, da es als Bettelei ausartete. In Einsiedeln besteht der Brauch, daß nach der Wahl des Bezirksammanns, des Bezirksstatthalters und des Bezirkssäckelmeisters durch die Maiengemeinde (jetzt Urnenwahl) die Bezirksmusik vor die Wohnhäuser der drei Gewählten zieht und dort je 2 bis 3 Stücke spielt. Der Gewählte kommt nachher zum Musikdirigent herunter, dankt ihm und drückt ihm für einen Imbiß der Musikanten ein Banknötli in die Hand. Die Gewählten sitzen nachher mit den Ratsherren in einem Wirtshaus zusammen und trinken eins. Bis vor wenigen Jahren war es Brauch, daß der neubestellte Bezirksrat nach der ersten Sitzung eine Blustfahrt in die Höfe machte. Dieser Brauch ist so erbaulich, daß er nachgemacht werden sollte. Zu den geselligen Veranstaltungen des Rates gehört auch das sogen. Bußenessen. Vor Schluß der Amtsperiode wird das Erträgnis der Bußengelder gezählt und für einen gemeinsamen Imbiß verwendet. An s chi e ß e t. Während im Züribiet und anderswo der Ansehießet der Schützenvereine sang- und klanglos verläuft, da sich die Schützen einzeln auf dem Rad, im Auto oder zu Fuß in den Schießstand begeben, versammeln sich hier an der alten Fastnacht die Vereinsmitglieder im Schützenhaus zur Schützenordnung, in der Vorstand, Schützenmeister und Zeiger gewählt werden. Nach der Schneeschmelze, ordentlicherweise am Ostermontag, versammeln sich die Schützen wiederum in ihren Vereinslokalen, um zum Ansehießet auszuziehen. Vor dem Vereinslokal erscheint die Blechmusik. Der Schützenmeister ruft alsdann die Schützen zur Sammlung in Linie auf den Platz hinunter, die Zeiger in der roten Bluse und Mütze am rechten Flügel und befiehlt "Achtung!" Dann erscheint der Fähnrich mit der Fahnenwache. Er schreitet unter dem "Klange des Fahnenmarsches die Front ab, hält auf der Mitte an, schwingt vor der Schützenlinie die Fahne und schwenkt dann in die Marschordnung ein, worauf der Zug mit klingendem Spiel durch den Flecken in den Schießstand zieht. Nebst dem obligatorischen und fakultativen Programm veranstalten unsere Schießvereine jährlich einen gemeinsamen Grümpelschießet und ein Bezirkswettschießen. Die alte Dorfschützengesellschaft führt nebstdem einen Chässchießet durch, an dem die traditionelle Chässuppe verabreicht wird. Die Chässuppe wurde nach altem Ortsbrauch folgendermaßen zubereitet: Dunkelbraun 20.

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gebackenes Brot in Brosmen schneiden, eine Lage davon in die Schüssel streuen, darüber eine Lage geriebenen alten Schwyzerkäse, dann wieder eine Lage Brosmen und das wechselweise wiederholen, bis die Schüssel voll ist. Salz und Pfeffer darauf streuen, einen Guß heißes Wasser über die Maße gießen, stehen lassen, bis alles durchweicht ist. -Die Schüssel über das Feuer stellen, gleichzeitig alles zu einem Brei umrühren, heisse süße Butter aufgießen, geschnetzelten Böllen hineinstreuen und das Gericht auftischen. Für die verstorbenen Mitglieder findet jeweilen ein von der Gesellschaft gestiftetes Seelenamt statt. Schützenordnung, Wettschießen und Gabensammeln haben in Einsiedeln ein hohes Alter. Hiefür einige Protokollzeugen : Ratsbeschluß vom 29. April 1555: "Denen us der March, Küßnacht, Höff und Einsiedlen abermahlen jedem ij Kronen zu verschießen wie von altersher" . Ratsprotokoll 1 560 für Sonntag Laetare: "Den Schützen anzeigen, daß sie Stuhllegger um das Pulver zahlen, dieweil sich ein jeder mit Speise auch versehen müsse und dann meine Herren und Waldleute ihnen jährlich zu verschießen geben". Ratsprotokoll 159J: "Den Schützen ist erlaubt ihre alte Gabe wie von altem her". (Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz 1901 M. Ochsner und 1906 M. Styger.) Der Ansehießet war von jeher wie Chilbi und Fastnacht und die "brave ehrliche Hochzeit" dem Tanzen geöffnet. Ein diesbezüglicher Beschluß erging schon an der Landsgemeinde des Jahres 1792. Der Leser betrachtet den vorstehend geschilderten Brauch ohne Zweifel nicht mit großen Augen. Der eine und andere wird sogar sagen, es lohne sich kaum, ihn zu erwähnen. Wir sind anderer Meinung. Dieser Brauch ist insoweit zu schätzen, als er das käfertrockene Schießen um Geldpreise und Rangstolz (das obligatorische Programm in Ehren!) mit einwenig Poesie umrahmt, die an den traditionellen schweizer. Wettkämpfen wie Schwingen, Schießen, Turnen, Singen usw. je und je abhanden gekommen ist. (Siehe diesbezüglich meine Aufsätze "Gegen die . Verarmung der schweizer. Schwing- und Aelplerfeste", "Neue Zürcher Zeitung" 1921). z r, Pf i n g s t e n s c h e ll e n und -gugger. Am Langriitiboden im Unterdorf stehen nebeneinander unter gleichmäßigen Satteldächern drei alte gemauerte Wohnhäuschen anmutiger Art. Da dort einst die Hafner auf Drehscheiben von Hand Küchen- und Eßgeschirr formten und dasselbe in primitiven Oefen mit Holzfeuerung brannten, wird jene Häusergruppe heute noch das Hafnerquartier und die Häuschen "Braunstein", Brennofen" und

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"Glasur" genannt. Das Geschirr zeichnete sich durch eine OrIgInelle, bauchige Form aus. Der braune Grundton war entweder mit hellbraunen oder mit dunkelbraunen Ringen und. sogenannten Mannsschilden gemustert. Jedes Geschirr wurde als einfacher Schmuck ländlicher Küchen und Stuben geschätzt. Auf Pfingsten stellten sich die Hafner in den Dienst überlieferter Kinderfreuden, indem sie das tägliche Eßgeschirr in Miniaturformen brannten und zugleich Pfingstenschellen und Pfingstengugger herstellten, die, im Gegensatz zum Geschirr, nicht glasiert wurden. Am Pfingstsonntagmorgen stellten sie vor dem Rathaus einen Stand auf und hielten dort ihre Produkte für einen Batzen das Stück der Jugend feil. Gegen Mittag ließen sich überall im Dorf herum Gugger und Schellen hören. Die Gugger erzeugten zwei Töne, die mit dem natürlichen Rufe des befiederten Frühlingsboten genau übereinstimmten. Man mußte in eine schmale Ritze blasen und mit einer Handballe das Luftloch wechselweise öffnen und schließen. Die Schellen ergaben beim Anschlagen des kleinen gebrannten Kahlens einen hellen Klang, fast jede in einer andern Tonlage. Beide Instrumente erinnerten das Volk an den Einzug des Frühlings. Der Töpfer, der im Jahre I893 die letzten Gugger und Schellen drehte und brannte, ist Laurenz Merz. Ein Brand warf für ungefähr 200 Fr. Töpferware verschiedener Art ab. Das Lehmwaschen, Modellieren und Aufsetzen beschäftigte 3 Personen ungefähr I4 Tage lang. Gugger und Schellen wurden im direkten Feuer, das durch runde Löcher in das Gewölbe drang, gebrannt. In einem kleinen Raum, der sich hinter dem Gewölbe befand und der die Hitze indirekt erhielt, wurden die aus kleinen Modellen abgedrückten sog. "Muttergöttesli" (Einsiedler-Muttergottesfigürchen) gebrannt. Frauen zahlten für ein mit diesen Figürchen gefülltes Kistchen einen Franken, bemalten und vergoldeten sie als Heimarbeit und verkauften diesen begehrten Wallfahrtsartikel zu Hunderten in die Stände. Seit ungefähr 30 Jahren ist dieser . billigste Wallfahrtsartikel verschwunden und durch gepflegtere, größere Wachsfiguren ersetzt. Die alten Modelle liegen im Kloster aufbewahrt. In den 70er Jahren lebte hier eine vielköpfige Familie Müller, die sich mit dem Abdrucken und Bemalen der "Muottergöttesli" befaßte. Sofort nach Schulschluß mußten auch die Kinder bis in die Nacht hinaus mithelfen. Diese Familie dürfte den interessantesten Beweis für die Kargheit des Heimverdienstes geliefert haben. Müller verkaufte in den schlechtesten Jahren bis zu tausend Figürchen, in den besten Jahren 200 Figürchen für einen Franken (abdrücken und bemalen). Wenn man sich vorstellt, was rustikane Hafner und Maler als geplagte Familienväter bei den ungezählten Handgriffen hie und da denken mochten, kann man sich den Ursprung eines verwerflichen, aber landläufigen

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Beinamens jener Statuetchen erklären. Er hieß "Laichaibli", recte Chaibli aus Lehm. Unter "Stand" versteht man folgende Verkaufseinrichtung: Ein breiter Tisch aus zusammengefügten Tannenbrettern, hinten und beidseitig ein verschaltes Gerüst aus Dachlatten, darüber ein Dach aus geschuppten Brettern, hinten nieder, vorn hoch wie ein Pultdach mit breiter Vorladung, damit bei Regen auch der Käufer geschützt ist. Diese Stände, die man noch an den Jahrmärkten sieht, sind baulich ein Abbild der ursprünglichen, 1869 abgebrochenen Devotionalienstände am Adlerraindli und vor dem Gasthof zur "Sonne". Die jetzigen Stände am Adlerraindli, vor der "Sonne" und am St. johann-Mattli und beim ehemaligen Brueltor verunzieren infolge ihrer schlechten Bauformen den schönen Hauptplatz und brechen seine Linien. Nur 2 Beispiele: Wenn man vor dem Rathause steht, schalten die Pfauenstände die angenehme Abschlußwirkung gegen Norden, die das alte Schulhaus haben könnte, vollständig aus. Kommt man von der Hauptstraße her, dringen die Sonnenstände wie ein Sporren in die Fläche hinaus. Stände nach der ursprünglichen Bauart könnten die gute Wirkung des Hauptplatzes nur wenig beeinträchtigen, da sie den Eindruck machen würden, sie seien als kurzfristige Markteinrichtung da. Mai eng e m ein d e. Die Maiengemeinde, die alle 2 Jahre stattfindet, ist den Wahlgeschäften gewidmet, über die bekanntlilieh die gesetzlichen Bestimmungen maßgebend sind. Bis um 1905 herum wurden die Wahlgeschäfte an der offenen Bezirkslandsgemeinde, genannt "Maiengemeinde", abgewickelt. Seither gilt die Urnenwahl. Man darf hier die Maiengemeinde als würdigen alten Brauch kennzeichnen, den die kommenden Generationen wahrscheinlich vermissen werden. Sie wickelte sich am ersten Maiensonntag nachmittags halb 2 Uhr vor dem alten Schulhause ab. Dort war, an den östlichen Flügel gelehnt, eine Holzbühne aufgerichtet. In den letzten Jahrzehnten des Bestandes sah die Bühne kahl aus. Früher wurde sie mit farbigen Tüchern und Tannreisigen geschmückt. Um 1 Uhr besammelte sich der Bezirksrat auf dem Rathaus. Kurz vor halb 2 Uhr zog er, an der Spitze das Ratsbureau, Bezirksammann in der "Mitte, rechts der Statthalter, links der Säckelmeister, dann die Ratsherren und am Schlusse Landschreiber und Ratsläufer. dieser in den Farben, auf den Schulhausplatz und bestieg dort die Bühne. Der Bezirksammann nahm vorn in der Mitte stehend Platz, neben ihm der Läufer; die andern Ratsmitglieder setzten sich in der Reihenfolge nach Dienstjahren rechts und links auf 2 Bänke. In der Mitte saß an einem Tischehen der Landschreiber. Die hintere Bank wurde von den 3 Stimmen zählern und vom 22.

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Weibel belegt. Zu Beginn wurden 3 Vaterunser und der Glaube gebetet. Dann begannen die Verhandlungen und das Handmehren. Bei drohenden Streitigkeiten unter den Wählern gebot der Ammann noch in den soer Jahren den Landesfrieden, indem er das Schwert, mit dem Griff nach oben gerichtet, hochhielt. Nach Schluß der Geschäfte bewegte sich der Zug in gleicher Ordnung auf das Rathaus zurück. . Aus einem Ratsprotokoll ist ersichtlich, daß noch um 18II "an der Landsgemeinde Feldmusik und Militär paradierten". Die damalige Instrumentierung der Feldmusik ist nicht bekannt. Hingegen kennen wir die vom Jahre 1798 aus einem Briefe des Landschreibers Augustin Gyr an seinen Bruder P. Basilius im Kloster Rheinau. Sie bestand aus 2 Fagotten, 2 Cornu, 2 13 Clarinetten, 2 Dis Clarinetten, 1 Serpang, 2 Pfeifchen, I Trompete, der großen Trommel und den Platten. Somit hat innert IOO T ahren das Feierliche der Landsgemeinde so stark gelitten, daß nicht mehr viel aufgegeben werden muß, um vollends beim Unfeierliehen anzulangen. Ergötzen wir uns deshalb an einer Betrachtung Meinrad Lienerts über die alte Landsgemeinde : "Die Kantons-Landsgemeinde der "Innern" und "Aeußern" ist mit dem Horen- und Klauenstreit verschwunden. Früher tagte das Schwyzervolk im Mittelpunkt des Landes, in Rothenthurm, auf einem Platze, so wie ihn die alten Römer für ein Amphitheater nicht passender hätten ausfinden können. Aber als an der zweitletzten schwyzerischen Landsgemeinde der frischgeschälte Reitel der Muotethaler, statt dem offenen Handmehr Brauch zu werden schien, verzichtete man auf die Landsgemeinde in .Rothenthurm und zog es vor, diese Gemeinden in "den einzelnen Talschaften abzuhalten. So haben wir denn seit jenen stürmischen Zeiten unsere eigenen Landsgemeinden. Als wichtigste erscheint unserm Volke die Maiengemeinde. Sie ist schon alt. Freilich hatte sie früher einen andern Charakter, als die Bürger der Waldstatt noch unter der dreizerteilten Hoheit standen. Da heißt es z. B. "Maven· gemeind zu Einsidlen, gehalten den 6. Mai 1792, in Anwesenheit der hochgeachteten H. H. Ehrengesandten, als besonders ist: hochgeacht. wohlweisen Herrn Landessekelmeister Schuoler, wie auch hochgeacht. Herrn Sibner Leonhard Abegg, -- von Seiten des fürstl. Gotteshauses Ihro hochwürdigen Statthalter Bettschart, Kanzler Jüz, ehrenfeste H. Ammann Aug. Benedikt Gyr, - von Seiten der Waldstatt : Geehrten Herrn Amtsvogt Plazidus Kälin u. s. w.". Also Schwyz, Kloster und unsere Väter teilten sich in die Herrschaft. Vor die Maiengemeinde abgehalten werden durfte, mußte ein Mitglied des Waldstattrats hiefür als Gesandter "nacher Schweitz an die Landsgemeind zu Ibach an der Brugg" geschickt werden, um die alten "Fryheiten" zu erbitten.

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Heute ist das anders, jetzt wählen wir unsere "gnädigen Herren und Obern" selber und wollen alles tun, um dies unser heiliges Recht der Selbstregierung nie mehr zu verlieren. Schon hat die Bezirksmusik tapfer eingeübt, um die neuen Regenten mit Trompetenschall zu feiern. Schon bürstet die greise "Läufri" den "Nebelspalter" ihres würdigen Herrn Gemahls und rüstet sein blutrotes Standeskleid. Nun spizt die Kielfeder gar wohl der Herr Waldstattschreiber. denn es gilt, den Willen des souveränen Einsiedlervolkes zu buchen. Landwaibel, slag din Trommelfell Diu Lantzgemein zuo künden l Diu alten gnädigen Herrn gönd, Mi wirt wo nüwe finden. Von Euwthal u. von Wyler Zell, Ab Trachsloub u. Bennawe, Von Gross ilt, unde Eggenzell Zuo "user lieben Frawe." Ihr Herren us dem obren Dorf, Auch ab der langen Rute, Ihr stand der Lantzgemein wolan Der altgefrit Waldiute. Nit minder diu vom Sagenplatz Jetweder komm zuom Mehren, Nimbt einer mit sin bluotjung Schaz Daz wollen wir nit wehren. Un griff zuom Schwert, Herr Landammann Daz Globtniss zuo ernüwen, Diu alten Bruch, die lass und stän Diu festen wir in Trüwen." Ueber den Zwang, den zeremoniellen Amtsmantel zu tragen, ist zu sagen, daß die schwyzerische Landsgemeinde vom 7. Mai 1764 die uralte Verordnung erneuerte, daß wer ohne Degen und Mantel an der Landsgemeinde erscheine, kein Recht habe, an derselben Anträge zu stellen. Immerhin dürfte der schwarze offene Mantel in der heutigen Gestalt doch nur ein Ersatzrequisit für das ehemals zuständige Amtskleid sein. Er hat sich so zähe überliefert, um unoffizielle, ev. unwürdige oder wenigstens unschickliche Kleider zwangsweise zu umhüllen. Das dürfte auch für die Deutung des Läufer- und Weibelmantels gelten, da die ursprünglichen Amtskleider entweder kostenhalber oder aus Mangel an Verständnis oder der Mode weichend, nach und nach eingingen. Das sollte man allerdings denjenigen, die. über die Amtskleidung des eidg. und der 25 Standesweibel zu entscheiden haben, nicht nachsagen müssen.


23. Alp a uf z.ug. Der Alpaufzug, der sich in der Regel während der Nacht vollzieht, ist im bäuerlichen Volksleben immer eine' frohmütige Szene. Er entwickelt sich nach einer bestimmten Ordnung, die hier kurz beschrieben sein soll: An der Spitze läuft der Meistersenn ,Domintsch' mit der bekränzten Senntenkuh "Aueli". Die Senntenkuh trägt die große Senntentrychle an einem mit Metall beschlagenen Halsband. Dann folgt der Knecht ,Chäpp' mit der Läcktasche ausgerüstet" der die Kühe fröhlich jauchzend nachlockt. Ssä .. ssä .. Lobe .. ssä.. Die Kühe "BüseI", "Prästii", "Laubi", Struß" und wie sie alle heißen, laufen frei, insofern· alle, Tiere aus dem gleichen Stalle stammen. Tiere aus verschiedenen Ställen werden geführt. Die Kühe tragen Schellen. Hinterher gehen einige Treiber. Ihnen folgen die Rinder "Fähnli", "Mütsch· li", "Jumpfer", "Tschupp" usw. Rinder tragen Kloben. Hinter ihnen treiben zwei Knechte mit dem Schäferhund "Bläß". Dann kommt der Muni "Divico", der von einem starken Sennen, dem ,Baschi', geführt wird. Ihm folgen die Gaißen und Schafe, ein Bub mit dem Gaißhorn voran und Maitli, die treiben, hinterher. Die Gaißen tragen kleine Klobentrychlen. Sie hören auf den Ruf "Gaiß ... Gaiß ... ", die Schafe werden mit "Tschuf ... Tschuf ... " getrieben. Der behäbigste Mann im Alpaufzug ist der Senntenbauer ,Lieni' aus der Syti, der im Rücken seines lieben Senntens mit Sennten bäuerin, Söhnen und Töchtern und Buben und Maitli auf die Alp zieht. Eine seiner verheirateten Töchtern trägt ein kleines Mädchen auf der Maisse. Dem Senntenbauer folgen Viehhüter und Mägde mit Alpgerätschaften (Sennchessi, Tansen, Eimer, Räf, Chraten, Wildiheuseile usw.) In der festlichen Darstellung des Alpaufzuges ist die Zahl der Treiber, Mägde usw. aus erklärlichen Gründen größer als in Wirklichkeit. Die Alpabfahrt vollzieht sich in gleicher Zugsordnung. Da sich das Vieh infolge des langen Aufenthaltes auf der Alp gegenseitig gut verträgt, folgt es ruhig in schöner Reihenfolge der Senntenkuh. Alpaufzug und -Abfahrt haben von ihrer ursprünglichen Biederkeit und Anmut viel eingebüßt. Es erübrigt sich, den fröhlichen Senntenzug bei einer Kirche vorbei während des Gottesdienstes amtlich zu verbieten, wie das noch in den 70er Jahren für notwendig befunden wurde. Für die ursprüngliche Gliederung des Alpaufzuges und der Alp· abfahrt besteht wenig Verständnis mehr. Das ist in erster Linie der allgemeinen Verarmung der Ideen zuzuschreiben, aber auch folgenden Umständen: Die Bauern fahren mit dem Alpvieh in kleinen Beständen auf und ab; die Züribieter, die ihr Vieh auf unsern Alpen sömmern, führen es selbst hieher, sie haben die Bräuche nie gekannt. Die Aelplerchilbi ist überhaupt vergessen. m die Bilder des Aelplerlehens wieder aufzufrischen, wurden am ersten schweizerischen Trachtenfest in Einsiedeln (im Sommer 57


1929) Alpaufzug und Aelplerchilbi, verbunden mit der größten, schweizerischen Werktagstrachtenschau in guten Formen dernonstrando durchgeführt. Trotzdem wird man sich der Schönheit der Bräuche erst wieder bewußt sein, wenn der Senntenbauer Lieni. die Bauernsame einst zur zweiten großen Aelplerchilbi einladet. Im Sommer dieses Jahres haben Züribieter Großbauern dem Alpaufzug eine ganz moderne Form verliehen. Sie richteten einen Lastwagen und Anhänger mit je 4 hohen Bretterwänden auf, verluden darin 12 Stück Großvieh in Reih und Glied .und fuhren so bis an die untere Alpgrenze. Diese neueste Art zur Alp zu fahren, genießt den Vorteil des Zeitgewinns, auch schließt sie Strapazen aus, aber sie ist jeder Originalität bar. Die Genoßsame Dorf-Binzeri hält folgende Auf- und Abfahrtstage. Auffahrt: je nach Witterung Ende Mai oder Anfang Juni für die. Weiden Sulzei, Bollern und Rickental, acht Tage später für die Weiden Tritt, Amsel und Kuhboden. Abfahrt: Mitte September. 24. Alp s e gen (Betruf). Es ist eine schöne Sitte der Aelpler, allabendlich, wenn im Tale die Betglocke ausgeklungen hat, ein gebet von Alp zu Alp zu rufen. Auf den Alpen im Hinterland Einsiedelns, d. h. im Alp- und Sihltal, hat dieser Brauch allerdings keine lange Vergangenheit. Vor einem Jahrzehnt machte derOberpfarrer von Schwyz den Versuch, den Betruf einzubürgern. Es gelang dies auf den Alpen am Fuße des Drusbergs. Der Aelpler auf Hessisbohl ruft auf, diejenigen auf Käsern, Hinterofen und. Obere Weid antworten. Dieser Betruf, .der im Wortlaut folgt, ist nicht schwyzerisch. Er dürfte aus Engelberg stammen.

Alp-Segen (Abend - Gebetsruf) Ave. Ave Maria l Es ~alte Gott und Maria! Der Name des Herrn sei gebenedeit, Von nun an bis in Ewigkeit. Vieh und Alpen, Leut' und Land, Schütze und segne seine Hand. Ave Maria, sei gegrüßt, Die du voll der Gnade bist. Unter den Weibern bist du benedeit, Und dein Kind Jesus in Ewigkeit. Heilige Maria, Mutter' Gottes, Bitte für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen. Ave, Ave Maria! Es walte Gott und Maria l


Sankt Josef, Antoni und Wendelin, Sankt Philipp, Jakob und Isidor, Sankt Lukas, Matthäus und Markus, Und Sankt Johannes der Evangelist, Der beim Kreuz des Herrn gestanden ist. Und die Engel und Heiligen all, Sie sollen uns gnädig bewahren, Vor Uebel, Unglück und Gefahren, An Leib und Seele, an Hab und Gut, Das liebe Vieh auch halten in treuer Hut, Und was sonst zur Alp gehören tut. Vor Hagel, Blitz und Wetterstrahl, Und vor den bösen Geistern all, Schütz' uns Gott jetzt und alle Zeit. Ave, Ave Maria! Das walte Gott und Maria! Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit! 'In alle Ewigkeit. Amen, Hierauf beten die Aelpler im stillen für die armen Seelen im Fegfeuer ein Vaterunser und Ave Maria. Ich lasse anschließend einen Alpsegen schwyzerischer Eigenart folgen, der von Otto Hellmut Lienert verlaßt ist. Er ruft den Landespatron St. Martin und die Ortsheiligen von Oberiberg, Unteriberg und Studen an, und zwar in guter Einsiedler Mundart. Es soll der Versuch gemacht werden, die Aelpler für diesen schwyzerischen Betruf zu begeistern. Alpsäge Sä losed jetz, ihr guete Lüt, 's ist wider Bätelütezyt I Wend bäte und dr Herrged lobe. Hoch globt syg Jeseß Christ do obel Aer sägni üsers Almedland, Au dich und mich, allmitenand; Und d'Muettergottes sägnis au. No üs're allerliebste Frau, Sä sägnis dä die Alpewält Dr Vater Sant Joseb nu, gält. Sant Marti, helge Landesvater, Verrigle i dr Hell dr Gatter I Für jedre Bättler häst äs Härz, Drum lueg dur d'Stärne ärdewärts, Wo i de Ruse dGspeister stönd, As s' üs die Nacht nüüd aha chönd. Und's Veh vor Süchi, d'Lüt vor Händel, Biwahris üs're heilig Wändel. 59


Doch luegt is nüd zue Liecht und Füür D'Sant Agäthe, isch glych nüd ghüür. Dr Sant Johan, dr Liebesjünger, Aer netz' i Ostertauff sy Finger, As's Tau statt Ryffe git die Nacht Und morernorged d'Sunne lacht. Ame. Es war ursprünglich meine Absicht, den Alpsegen vertonen zu lassen. Nach Ueberlegung sah ich ein, daß es unnütz wäre, dem Aclpler zuzumuten, den. Alpsegen nach Noten zu singen. Die Noten sind aus folgendem Grunde überhaupt gegenstandslos: Jene Aelpler, die den Alpsegen in den Sommermonaten allabendlich rufen, und das wird in den meisten Fällen zutreffen, eignen sich beim Hersagen oder Ablesen nach und nach eine Melodie an, die sich bei jedem Aelpler nach persönlicher Neigung entwickelt. Sie färben die Vokale a, e, 0, ü des schriftsprachlichen Alpsegens in die landläufigen Vokale ihrer Mundart um, verschlingen gewisse Silben, lassen fast alle Endkonsonanten der Tätigkeitswörter fallen und modulieren die Laute als weinerlicher Sington. Daher rühren auch die verschiedenen Begriffsbezeichnungen, wie den Alpsegen beten, den Aelpsegen sprechen, den Alpsegen rufen und den Alpsegen singen. Die Melodie besteht in Tonsteigerung und Tonfall, die mit der Wortsilbe zusammentreffen, im Gegensatz zu den an Jodlerfesten häufig vorgetragenen stilisierten Jodlerweisen, mit denen man unsern Aelplern etwas andichtet, das ihrer Natur widerspricht. Hiezu gehören die schon im Abschnitt "z'Dorf' goh" erwähnten Triller und Refrains wie tra-le-la, sum-sum-sum, wau-wau-wau und andere mehr. Sprach technisch erinnert die Art, wie der Aelpler den Alpsegen ruft, an das sogen. "Bundesdeutsch" (Jargon vieler Redner und Referenten, die ihre Mundart verbastern) und an manche gemeinsam geleierte Gebetsübung der Schuljugend. 25. Valete unserer Studenten. Die Stiftsschule schließt das Schuljahr gegen Ende Juli. Nach den Maturitätsprüfungen gibt der hochw. P. Rektor im Namen der kantonalen Prüfungskommission die erzielten Noten bekannt und richtet an die Maturanden ein Abschiedswort. Gegen halb 7 Uhr abends versammeln sich alle Studenten mit der Blechmusik der Internen und derjenigen der Externen im Abteihof und bieten den Professoren, die sich an den Fenstern des Fürstensaales zeigen, ein kurzes Konzert. Nachher' bilden die Internen und Externen getrennt die Marschordnung. Die erstern ziehen mit der Musik an der Spitze auf die St. Benediktshöhe, spielen und singen dort. Die Externen marschieren über den Klosterplatz hinunter in die Dorfstraßen, indem sie'rias Lied "Valete-salvete" singen. Ihre Musik begleitet den Refrain jeder Strophe. Dann begeben sie sich in ein Wirts60.


haus und feiern Abschied. Der schöne Brauch, mit dem sich die Studenten von Stift, Schule und Waldstatt, sei es vorübergehend, sei es für immer, verabschieden, reicht in die Jahre um 1840 zurück. Von dort bis um 191o sangen sie die ulkige Vakanzhymne a, a, a, valete studia, omnia jam taedia, vertuntur in gaudia usw. Seither singen sie das von hochw. P. Josef Staub gedichtete und vertonte Lied "Valete-salvete". Der erste Vers lautet: Es gibt kein ander irdisch Lied, das also wohl erklingt, als wenn die muntre Musenschar aus frohem Herzen singt: Valete, valete, valete scholae studia, salvete, salvete 0 vitae gaudia, valete scholae studia, valete studia, salve te vitae gaudia, salvete gaudia. Beide Liedertexte und Noten sind dem "Musikalischen Quodlibet für höhere Schulen", österreichische Ausgabe, Einsiedeln I9I2, einverleibt. 26. Arm b ru s t s chi e ß e n. Am Kirchweihsonntag (letzter Sonntag im August) wurden früher im Dorf und nachträglich auch auf den Vierteln Armbrustschießen für die Buben der obern Schulklassen durchgeführt, im Dorf in einem Schießstand, auf den Vierteln im Feld. Um 1915 wurde das Armbrustschießen im Dorf aus schießtechnischen Gründen leider aufgegeben und durch das Flobertschießen ersetzt. Man bediente sich der Bollinger-Armbrust und schwerer Stecher, die man von einheimischen Armbrustmachern bezog. Die Armbrüste wurden vor dem Anschlagen mit .Yenböge" gespannt. In der Woche vor der Kirchweih durften die Buben. sogenannten Grümpel (Naturalgaben) betteln. Sie erschie-nen zu zweien, einer mit der Armbrust, der andere mit dem Bügel auf der Schulter, hemdärmlig, einen Blumenstrauß auf dem Filzhut und sagten Schützensprüchlein folgenden Inhalts auf: "I bin en arme Schützechnab und bitte um ne Ehregab", oder: "Wir möchten den Herrn und die Frau angesprochen haben, daß sie uns armen Bürgerschützenknaben etwas zum Verschießen gaben" oder die verbindlichste Form: "Wir möchten Sie redlich angesprochen haben, daß Sie uns Schützenknaben etwas zum Verschießen gaben." Bis zum Ende des 18. jahrhunderts erschienen die Armbrustschützenbuben zum Einsammeln des Grümpels mit Tambour und Fahne. Ein Verbot machte dieser ansprechenden Aufmachung ein Ende. Am Kirchweihsonntagnachmittag besammelten sich über ein Hundert Armbrustschützenbuben auf dem Bahnhofplatz und zogen mit Musik und Fahne, die Armbrust, im Volksmund "Horebrust" . oder "Horebräsch" genannt, geschultert, durch die Hauptstraße

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.auf den Brüel. Sie schossen dort um die Wette auf Scheiben. Hinter einem Zeigerwall zog der junge Zeiger die vom Pfeil getroffene Scheibe herunter, drehte den Pfeil aus, ließ die Scheibe wieder emporschnellen und meldete den Treffer mit einer Kelle. Die Pfeile wurden auf beiden Seiten des Scheibenstandes an einem Seilkabel in den Schießstand zurückgekurbelt. Gegen 5 Uhr abends hatte das Schießkomitee die Ergebnisse ermittelt. Auf einer Bühne vor dem alten Schulhaus wurde alsdann der Schützenkönig ausgerufen. Anschließend folgte die allgemeine Preisverteilung. Um 1860 stiftete Adelrich Ochsner einen Betrag von rund Fr. 70.zur Gründung eines Fonds, aus dem die Unkosten für den Unterhalt des Scheibenstandes, der Scheiben, Armbruste, Pfeile usw. bestritten werden sollten. Der Fond wurde aus Schützenkreisen gespiesen, sodaß er vor der Einführung des Flobertschießens .samt Zins ungefähr Fr. 2000.- betrug. Schützen- und Scheiben.stand für das Flobertschießen erforderten ebenfalls Geld, das zum Teil dem Armbrustschützenfond enthoben wurde. Am 31. Dezember 1932 war der Fond in der Bezirksrechnung mit Fr. 1424.90 ausgewiesen. Er liegt bei der Fondsverwaltung. Tanzschänk, Gäuerle, Stägröfmusig. An der Kirchweih spielte auf der Tanzdiele der Gasthäuser (früher auf dem Rathaus) bis in die Soer Jahre der Tanzschänker eine besondere Rolle, die jetzt fast nur mehr repräsentativer Art ist. "Tanzschänker" ist buchstäblich zu deuten. Er ist der Mann "der den Tanz schenkt", d. h. denselben für die Allgemeinheit organi.siert, Im alten Lande Schwyz hieß er infolge seiner amtlichen Stellung noch im 18. Jahrhundert "Hirschvogt". Diese Bezeichnung ist von den Hirschgeweihen abzuleiten, mit denen man im alten Lande die öffentlichen Tanzdielen und Lauben schmückte. Seine Obliegenheiten waren folgende: Er mußte tüchtige Tanzmusikanten suchen, um eine Ländlerstreichmusik zu bilden, sie aus seinem Sack entlöhnen, die Geigenbank besorgen, 2-3 tanzkundige Maitli zum Aufwarten dingen, beim Anrücken der Gäste befreundete Personen zusammensetzen und die Tanzordnung leiten. Das nannte man kurzerhand "d'Stube ha". Normalerweise kostete die Ländlermusik (Baß, Klarinette, Geige und Handorgel) um die zweihundert Franken, zuzüglich einen Franken pro Mann als Vergütung an den Wirt für die Verpflegung. Der Wirt ver.abfolgte den Musikanten den Liter Wein vorzugsweise zu einem Franken. Das Tanzschänkermaitli erhielt fünf Franken Taglohn und einen Franken für die Verpflegung. Die Aufgabe der Tanzschänkermaitli ist nicht zu verwechseln mit derjenigen der Aufwartmaitli. Die ersten wurden vom Tanzschänker gedungen, damit sie sich von den Gästen zum Tanzen einladen lassen, 27.


-die letztem hingegen waren zum "uufbeite" bezw. "uufwarte", <las heißt zum Bedienen der Gäste vom Wirt angestellt. Die Tanzschänkermaitli mußten hauptsächlich im Gäuerle gewandt sein. Das Bereitstehen an den Wänden der Gaststube nannte man "vertäfäle". Noch in den 70er Jahren bot das Vertäfäle ein -ebenso urchiges als auch farbiges Bild; denn die gesunden Tanz.schänkerrnaitli trugen entweder rot oder blau gestreifte selbstgewobene Gstältliröcke mit hoher Taille, helle rot und blau gestreifte lange Bändelschürzen und kurzärmlige Leinenhemden. Die Haarzöpfe hatten sie um den Kopf geschlungen. Die Tanzordnung war folgende: Ländler, Schottisch, Polka, Ma-zurka. Als Ländler unterscheidete man den runden und den 'gstobenen (ä runde oder g'stobne). Ausnahmsweise verlangte der Tanzschenk einen Galopp, besonders als Kehraus od. Schlungguus. .Er eröffnete den Tanz selbst, indem er den Musikanten zurief: "Zoge! zoge!" Sofort nachdem die Spielleute die ersten paar Takte gespielt hatten, tanzte der Tanzschenk einige Runden vor, indem er dazu jauchzte, bödelte, in die Hände klatschte. Hin und wieder nahm er ein Tanzschänkermaitli zuhanden, wiederholte die vorherigen Tanzbewegungen, ging auf die Knie, schlug -die Handballen taktmäßig und wechselweise auf Schenkel und Parkett, erhob sich wieder, drehte sich um sich selbst, faßte das Maitli an der Taille, schwang es rundum, hob es empor, .ließ es unter einem gehobenen Arm durchtanzen und schlug beim Emporschnellen mit dem Handrücken an die Holzdecke. Diese Tanzart nannte man "gäuerle", von Gautanz abgeleitet. Beliebt war besonders der "Alemander". Der Gäuerler als solcher ist sehr alt. Er kann deutschen Ursprungs sein. Der Name "Alemander" greift meines Erachtens auf die Zeit der Invasion französischer Truppen um 1798 zurück. Die französischen Soldaten sahen, wie die Deutschschweizer tanzten und sagten zuein.ander : "Hs dansent l'allemande". Darauf bekam eine Abart des Gäuerlers seinen Namen (man vergleiche quelle heure est-il? und Gelleretli (Uhr), point d'honneur und Puntenöri, aller se coucher und ins Guschi gehen usw.). Uebrigens deckten sich die Hauptmerkmale aller Gäuerlertänze mehr oder weniger. Man legte ihnen, je nach der Landesgegend einen Ortsnamen zu. So nannte man ihn im Muotatal den Hüritaler. Um den Tanz zu beleben, nahm der Tanzschänk gelegentlich auch ein Tanzschänkermaitli, das .am Täfer lehnte, an der Hand und führte es einem tanzlustigen Burschen zu, der ohne Mädchenbegleitung auf der Tanzdiele erschienen war. Diese Uebung ist im Ybrig und im Alptal jetzt .noch gebräuchlich. Ihr verdankt manch junger Bursche, daß er tanzen gelernt hat. Sie kann an die Knabenschaften erinnern. .Männer, die den Tanzplatz allein besuchen oder deren Frauen .nicht tanzen können, zeigen sich ungehalten, wenn der Tanzä

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schänker versagt und ihnen kein Maitli zuführt. Ein untätiger Tanzschänker wird gern vom Tisch aus bespöttelt. Für seine Leistungen mußte der Tanzschenk auch bezahlt sein. Wie machte er das? Wenn alles so recht festfreudig auf und ab wogte, so daß das Gebälk ächzte und die Tanzdiele unterstübert werden mußte, warf er eine Double auf die Tanzdiele, um die Gäste herauszufordern. Uebermütige unter den Gästen machten es ihm bisweilen nach. Es ist schon vorgekommen, daß so ein Fastnachtsnarr, und deren gab es unter den Mannern früher mehr als jetzt, auf die Fastnacht hin extra einen Kloben Scheiter verkaufte, um auf der Tanzdiele mit einer Doublone den Eindruck erwecken zu können, er sei gar gut bei Geld. Uebung war jedoch, daß der bessere Gast etwa einen Fünfliber hinaus warf. Der Tanzschänk ließ das Geld eine Zeitlang auf dem Parkett liegen, bis niemand mehr Miene machte, den Geldsäckel hervorzunehmen, tanzte aber zugleich besorgt um die Silberlinge herum, um zu verhüten, daß kein Umsitzender unberechtigterweise in das Ries hinein lange. Dann ramassierte er das Geld zusammen. Wer nichts auf die Tanzdiele werfen wollte, gab dem Tanzschänk beim Verlassen des Lokals oder nach Feierabend etwa einen bis zwei Franken, wie es heute noch gebräuchlich ist. Der Tanzschänk war folgendermaßen ausgerüstet: Mit Blumen besticktes, rundes Samt- oder Tüchlikäppli, ein Züttel daran, hemdärmlig, wagrecht oder senkrecht, in der Regel rot-weiß oder rot-schwarz oder rot-beige gestreifte Weste aus Leinen oder Seide, später geblumte dunkle Samtweste, grobe Halbschuhe, handgestrickte weiße Strümpfe. Auch trug er eine möglichst auffallende silberne oder nicklige Uhrenkette. Im alten Lande Schwyz war der Tanzschänker bis um die Jahrhundert wende mit einem rot-schwarz bemalten, mit Handgriff versehenen Meerrohrstock ausgerüstet, den man "Tanzschänkerstöckli" oder "Tanzschänkerstab" nannte. Diesen Stab bog er beim Gäuerle bald über den Kopf, bald über die Schultern, bald streckte er ihn gegen einen tanzsäumigen Bauern aus, um ihn aufzufordern, mit der tanzlustigen Nachbarin zu tanzen. Neuankommenden zeigte er mit dem Stöckli leere Plätze. Das Tanzschänkerstöckli hatte also zeremonielle Bedeutung, dies namentlich bei der Ordnung des Rästlitanzes. Unter "Rästlitanz" versteht man 6 nacheinander ausgeführte Tänze, ohne daß die .Paare ihre Sitzplätze beziehen. Als dritter Tanz im "Rästli" wurde immer der Polka gespielt. Am Schlusse dieses Tanzes gab der Tanzschänker ein Vorzeichen, daß er nun mit dem Einzug der Tanztaxe beginne. Er schlug mit dem Stöckli an die Decke und ließ den Rand des Zinntellers mehrere Male an den Westenknöpfen heruntergleiten, sodaß ein rasselndes Geräusch entstand. Gegen den Morgen hin bot der Tanzschänker Feierabend, d. h.


Schluß des Tanzes. In der Regel überredeten ihn die Gäste, er möchte noch eine Runde spielen lassen. Er ging darauf ein und bewilligte die sog. "Küchenrast". Unter "Küchenrast" versteht man das Spiel der 6 Tänze im Rästli in einem Zug während ungefähr einer Viertelstunde. Das Meerrohrstöckli muß im alten Land einen eleganteren Vorläufer gehabt haben, etwa in der Gestalt eines gedrehten Stabes mit Knopf (Renaissance). Bei uns kannte man nur das Meerrohrstöckli, das auf dem Pulte des alten Lehrers lag und das er brauchte, wenn er ein vaterländisches Lied z. B. "Laßt hören aus alter Zeit" dirigierte oder wenn er .den Schülern Tatzen austeilte. Die fachtechnischen Ausdrücke für die Tanzfiguren beim Gäuerlen sind meines Wissens in der Literatur nirgends aufgezeichnet. Im Volksmund haben sich jedoch einige Bezeichnungen erhalten, von denen man annehmen darf, daß sie sich mehr oder weniger mit den ursprünglichen decken. Es sind folgende: "Chnüpfe" für das Kreuzen der Arme des Tanzpaares, wenn es sich gegenseitig festhält, um ein paarmal rasch um die Achse der einander zugekehrten Fußspitzen zu kreisen. Der Begriff "chnüpfe" (man denke an den Fischerknoten) bezeichnet die Griffe besser als "kreuzen", ferner "schlüffe" für das Drehen der Frau im Kreis unter dem gehobenen Arme des Mannes hindurch, ferner "bödäle" für das kräftige, takt mäßige Schlagen der Schuhsohlen des Mannes auf die Tanzdiele, ferner "tätsche" für das wechselweise Klatschen des Mannes mit· den Handflächen auf die Oberschenkel und unter denselben hindurch, vor der Brust und am Rücken und auf das Parkett, ferner "stäche" für das wechselweise schnellende Vorstoßen des rechten und des linken Beines des Tänzers in hockender Stellung, ferner "trülle" für das Umsiehselbstdrehen des Mannes, der bei dieser Figur immer die Hände auf den Rücken legt und "hopse" für das federnde Jucken. Die neuere Bezeichnung "doppeliere" (irrtümlich auch ."toppeliere" genannt) gilt ebenfalls einer Tanzfigur. "Doppeliere" bedeutet das wechselweise Aufschlagen (Doppelschlag) der Absätze und Fuß ballen auf das Parkett. Der Ausdruck ist vom französischen "redoubler" abgeleitet. Die ursprüngliche Fertigkeit im geschmeidigen Zusammenspielen dieser hauptsächlichsten Figuren und im bündigen Uebergleiten von den offenen Figuren zum geschlossenen Ländler mit gegenseitigen Kammgriffen, kann nicht mehr gut erreicht werden, da die wenigen Gäuerler kaum das Ueberlieferte üben. Man tut besser, das Gäuerle zu unterlassen, wenn man es nicht so beherrscht, daß es dabei "stübt". Der Ausdruck "G'stobne" verdankt denn auch der Virtuosität des Tänzerpaares seinen Ursprung. Sie sollte wenigstens im Tanzschänker verkörpert bleiben. Zum Besuche des zweiten schweizerischen Trachtenfestes in Genf 1931 unterrichtete Coiffeur Steiner, Vater, der in der Schule

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der Morschacher Stump gelernt hatte, einige Trachtenpaare der "Waldlüt vo Einsiedle" mit Zuzug des temperamentvollen Metzgers Trinkler von Schindellegi im Gäuerle. Aber gleich nachher bekamen die Trachtenleute die "Märzelähmi". Es ist eine naheliegende Aufgabe der "Waldlüt", das Gäuerle so zu üben, daß man sagen dürfte, die Einsiedler seien den Schwyzern gewachsen, was bis anhin noch nie der Fall gewesen ist. Eine erneute Uebung unter Steiners Leitung erfolgte diesen Sommer als Programmnummer für den Unterhaltungsabend am internationalen Aerztekongreß in Zürich. "D'Gygebank", auf der die Musikanten Platz nehmen, ist einfach ausgestattet: Ein niederes Bretterpodium, darauf eine Sitzbank, vom am Podium bis auf Brusthöhe eine Lehne. Das Podium ist mit rot-weißen Tüchern oder Tannenreisigen geschmückt. Es steht immer entweder in einer Fensternische oder in einer Ecke der Tanzdiele. Wenn man vom ländlichen Tanzbetrieb spricht, muß man auch die Stegreifmusik miteinbeziehen, aus der sich die heutige Ländlermusik entwickelte. Nach Tschatlan's Chronik setzte sich die Stegreifmusik im 14. Jahrhundert aus Schwegel und Trommel zusammen. (Siehe Tafel 73, Kriegertanz). Nach Schilling's Chronik im 15. Jahrhundert aus Schwegel und Hackbrett. Im Kommentar wird der Schwegel als Klarinette bezeichnet. Ob das nicht ein Irrtum ist? Die Tanzmusikanten trugen einen faltenreichen Wams, enge Beinkleider und das weiche Beret in den Landesfarben. Auf der linken Seite der Brust hing ein Schild mit dem Kantonswappen. Als Geigenbank wurde ein niederer Schragentisch benutzt. (Siehe Tafel 322, Schwyzer Fastnacht). Der Pfeifer spielte die Melodie, Trommler und Hackbrettspieler schlugen die ßegleitung. Das "Schwäbelpfyffli", das man auch in unserem Hochtale vereinzelt und für den häuslichen Spielgebrauch bis um 1870 kannte, erinnert an jene primitiven Tanzmusikinstrumente. Es war aus Buchsholz geschnitten, mit 6 Löchern und einer Klappe versehen und umfing 2 Oktaven. Meinrad Lienert hat die Rolle des "Schwäbelpfyffers" folgendermaßen geschildert: Bin ä Schwäbelpfyffer, bin ä Liedlibringer, bin ä Schuelverschlüffer, und ä Landusspringer, Weder Tänz nu Liedli helsi jo. Gstabed mached s'gümpisch, Trurig froh. Noch im Anfang des letzten Jahrhunderts setzte sich eine S~egreifmusik aus einer Prima - Geige, einer Sekunda - Geige, emer 66


großen Oboe und. einem BassettIi zusammen. Gegen die Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Prima-Geige, Oboe und Bassettli aufgegeben und durch die B- oder A-Klarinette (die Klarinette ist aus der Schalmei hervorgegangen), die Baßgeige und die Schv.... yzer-Handorgel ersetzt. Der Klarinettist spielte die Melodie, Baßgeiger und Handorgler begleiteten. Die alte Schwyzer Handorgel ist nicht chromatisch. Ueber das Musikalische schreibt uns ein Fachmann: "Die alten Tanzmusiken spielten "nach dem Gehör", ohne Noten, aus dem Stegreif. Bei allen alten Tänzen war nur die Grundmelodie festgelegt. Ueber die Wiederholungen und die Verwendungen der einzelnen Themen entschied (resp. entscheidet noch jetzt) in vielen ländlichen Musiken entweder das führende Instrument (Klarinette, Geige etc.) oder der Begleiter, der Handorgler oder sogar der Kontrabassist. Wie bei allen Volksmusiken erfolgt die Verständigung über das, was bolgen soll, intuitiv, durch eine von den Mitspielenden allein sofort verstandene kleine harmonische oder melodische Wendung. Das "Stegreifspielen" setzt also einen Grundstock von Tanzmelodien voraus, die alle Spieler "in sich haben"; ihre Aufeinanderfolge und Verwendung samt den Ueberleitungen wird improvisiert. Das zweite Element der Stegreifkapellen sind die Zierfiguren des' führenden Instrumentes (meist der Klarinette). Je nach der Laune oder dem technischen Können des Klarinettisten wird die einfache Melodie durch Passagen und Zierfiguren erweitert. Diese Variationen und Melismen sind ein urtümliches Element aller Volksmusik, verwandt mit den Jodeln sowie mit den Melismen des gregorianischen Kirchengesanges und mit den Koloraturen des barocken Kunstgesanges. Dieses zierliche Umzieren der Grundmelodie setzt Geschmack und technische Fähigkeit voraus; es soll wirklich improvisiert wirken und soll die einfache Melodie nicht zudecken." In einem Aufsatz von Dr. K. W. (Unterhaltungsblatt des "Vaterlands") betitelt "Einfachheit in der Musik" wird diese Auffassung bestätigt. Es heißt dort: "Den besten Beweis für die Gültigkeit des Gesetzes der tiefem Wirkung des Einfachen gegenüber dem Verwickelten findet man zweifellos auf dem Gebiete der Musik". Aus den Stegreifmusiken wurde aus den 1880er und 1890er Jahren die Tanzkapelle mit Noten. Man nannte sie Ländlermusik. Wahrscheinlich gaben ihr die Städter diesen Namen, um damit die Tanzkapelle zu bezeichnen, die in den "Ländern" Urkantonen) bevorzugt ist. Die Ländlermusik im alten Lande Schwyz verharrte im Gegensatz zu derjenigen des Hochtales von Einsiedeln auf der Besetzung mit Geige und Handorgel. Das geschah, um dem sog. Restlitanz (Räschtlitanz) gewachsen zu sein. Für Bläser wäre es zu beschwerlich, den Rästlitanz ohne Ablösung zu spielen.


Er besteht aus 6 aufeinander folgenden Tänzen, die durchgespielt werden, ohne daß die Tänzerpaare die Tanzdiele verlassen. In unserer Gegend kennt man den Rästlitanz nicht, weshalb die hiesige Ländlermusik die Besetzung mit A- oder B-Klarinette, Klavier und Baßgeige und ev. A- oder B-Trompete bevorzugt. Die Trompete dient entweder zur Ablösung im zweiten Teil oder zur Verstärkung der Tonfülle. Nach unserer Auffassung verletzen die schrillen Trompetenstöße den Wohlklang der Ländlermusik. Auch das Klavier, mit dem das Hackbrett ersetzt wird, ist der Eigenart der alten Ländlermusik mehr oder weniger fremd. Im Hochtal von Einsiedeln waren um die Jahrhundertwende die Ländlerkapellen Späni-Studen, Feusi-Euthal, Reichmuth-Stöcken und Fuchs-Einsiedeln geschätzt. Seit 1926 ist die Kapelle Beeler unsere bekannteste Ländlermusik. Die Kapelle Fuchs, von der 2-3 Jahrzehnte lang am meisten die Rede war, kannte man hier und im Züribiet unter dem Namen "Hudelimusig". (Da der Ausdruck "Hudeli", wenn er mit Musizieren in Beziehung gebracht wird, leicht falsch verstanden werden kann, sei dessen Ursprung erklärt: "Hudeli" war in den öoer Jahren ein allgemeiner Lockruf für Geflügel. Seither ist er einer von den mehr als 400 Uebernamen der Waldstatt, mit dem eine Frau Fuchs bedacht worden war, weil sie ihre Enten mit dem Ruf "Hudeli, Hudeli" anlockte. Dieser Uebername verblieb allen Fuchs jener Linie. Gründer der "Hudelimusig" war Hanessebeli Fuchs (um 1865). Seiner Kapelle gehörte anfänglich ein Schwyzer, namens Martin Inderbitzi, "Ländlerkönig" genannt, als Klarinettist an; dieser Inderbitzi schätzte und beherrschte die einfachen Tanzweisen der Stägröfmusigen des alten Landes. Nach seinem Wegzuge versuchten Hanessebs Sohn und- Großsohn (Konrad und Johann) das Niveau der Ländlermusik zu heben. Sie spielten deshalb stark melodiöse Tänze, die Johann extra komponiert hatte. Es war ein Fehler, daß Johann Fuchs bei seinen Uebertragungen alter Tänze und bei seinen eigenen Tanzkompositionen den Zierfiguren zu viel Bedeutung zumaß und dadurch für nicht gewandte Spieler das melodische Gerüst der Tänze zudeckte. Die Zierfiguren, die Sechszehntelpassagen, die Triller und Schleifer sollten von tüchtigen Spielern improvisiert, nicht schematisch nach den Noten abgelesen werden, da die prägnanten Melodien auch im Interesse eines guten Stiles sowohl für den "getretenen" als auch für den "gesprungenen" Tanz nicht verwischt werden dürfen. Merkwürdigerweise gefielen die neuen Kompositionen mit den Trillernunserm Volke. Es bezeichnet· sie als .Jüpfig". (Nebenbei bemerkt sind wir auf dem Tanzboden nahezu beim Kitsch angelangt Die Fertigkeit in den alten Tänzen nimmt ab und die modernen werden nicht recht gelernt. Die Trennung der Tanzkapellen ist unvermeidlich: hie Ländlermusik. hie ]azzkapelle.) ·68


Wir zeigen nachfolgend die Stufen von der pnrmtiven zur melodiösen Walzer weise, die sich aus dem Ländler entwickelte; mit 3 Sätzen der B- oder A-Klarinette. Um 1870'----75. Stegreif von Martin Inderbitzi und Großvater Hannesseb Fuchs: Walzer Clarinette in B

Noten von Martin Beeler Die Bekleidung der in Schilling's Chronik abgebildeten Tanzrnusikanten. zeigt, daß die Musikanten offiziellen Charakter hatten. Tatsächlich bezahlte in Einsiedeln im 18. Jahrhundert der Bezirks:säckel die Kosten für Belöhnung und Unterhalt der Musikanten. Der Tanz 'auf der Tanzdiele des Rathauses (es gab eine obere und eine untere Tanzdiele) wurde als festlicher Anlaß betrachtet, zu ·dem jeder Ehrenmann in Degen und Mantel erscheinen mußte. Das geht aus einem Amtserlaß des Jahres 1591 hervor. Man frägt sich, ob in Einsiedeln in früheren Jahrhunderten nicht auch der Tanz im Freien Brauch war, wie das z. B. im Waadtland noch heute der Fall ist. Das trifft zu. Auf den Vierteln, wo früher. keine Tanzlokale vorhanden waren, da es keine Wirtshäuser gab, wurde mit obrigkeitlicher Erlaubnis im Freien getanzt. Wenn wir in Zukunft an einer Aelplerchilbi im Freien Tanzdiele und Geigenbank aufstellen, pflegen wir ein Stück gute Ueberlieferung.

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Um 1900 einfacher Notensatz von Vater Konrad Fuchs: Walzer, neuere Zeit Clarinette in Bader A

Die Konzentration des gesellschaftlichen Lebens auf die ordentlichen Tanztage wird durch folgende Zählung am Martinimarkt des Jahres 1859 beleuchtet: 12 Tanzlokale, 70 Musikanten, 24 Tanzschänker, 36 Tanzschänkermaitli, 95 Aufwärter und Aufwärterinnen, 30. Personen in den Küchen. Der Berichterstatter (Postmeired incognito) vergleicht das ~ahlenverhältnis mit dem eines eidg. Schießens. . Das Leben und Treiben auf der Tanzdiele hat sich gegenüber früher verflacht, da die derbe Volksstimmung nicht mehr für die Tanztage "akkumuliert", sondern von neuen Vergnügen Zug um Zug verbraucht wird.


Noten von Martin Beeler Um I900 L채ndler: C채uerler-Walzer

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Um 19IO komplizierter Notensatz von den Enkeln Johann tm Alois Fuchs: Walzer Clarinette in B

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:28. Ku n den ta n z. Ein Tanzabend hat seine besondere geschäftliche Seite. Männer, die Läden haben, halten darauf, beim Tanz ihre Kunden zu engagieren. Gegen den Morgen hin überlegen sie sich, ob sie die Frau oder die Tochter irgend eines guten Kunden vergessen haben. Es ist auch Uebung, daß die Väter am Morgen ihre Söhne fragen, ob sie mit der und jener Frau oder der und jener Tochter getanzt haben. Sie wollen -sich Rechenschaft geben, ob die Söhne in der 'Gesellschaft auf -das achten, was der Inhaber eines Ladens sorgfältig beachten muß. Man darf aber mit Genugtuung erwähnen, daß die Aufmerksamkeit im Tanzengagement die Pflege freundschaftlicher .Beziehungen bestätigt. Jo, jo, jot Aeben äso! Tanze, tanze, tanze Jung und gfryt und lustig sy Wybervolch und guete Wy. (Mrd. Lienert).

29. K e gel n, M u tt el e n, W rf e l e n. Kegelschieben und Muttelen waren immer, aber hauptsächlich an der Kirchweih, eine "beliebte Unterhaltung der Männer. Im "Einsiedler Anzeiger" wurde jede Gelegenheit mit der Ueberschrift "Preis- und FreiKegeln" angekündigt und dazu eingeladen. In jenen Inseraten heißt es z. B. "Es wird um 2 Schafe und etwas Geld gekegelt". Der Geldbetrag wurde nicht genannt. Auf keinen Fan war er .groß, da man in den 70er Jahren, als die öffentlichen Kegelplätze ein Ende nahmen, keine Ansprüche machte. Man kegelte .auf deutschen 'Bahnen und zwar im Freien, im Dorf auf der .."Furren", vor dem Goldenen Rad, vor den "Chüngen", wo nebeneinander in der Richtung von Osten nach Westen auf die Kirchweih mehrere Bahnen hergerichtet wurden. Im übrigen gab es .auch private Kegelbahnen, sowohl im Dorf, als auch auf den Vierteln. Die öffentlichen Kegelplätze auf der "Furren" wurden von der Genossame für die Dauer der Kirchweih an einen oder mehrere Unternehmer, in der Regel an den Bettelvogt, verpachtet. Laut einem Tagebuch des Bezirksamtes aus der Mitte des letzten Jahrhunderts mußte die Erlaubnis zum Betrieb einer Kegelbahn zuerst eingeholt werden. Neben jeder Bahn war eine Gelte mit Wasser aufgestellt, in der man die Kugeln tünchte. _-ach dem Kegelschieben huldigte man, ebenfalls mit amtlicher .Bewilligung, einem Freitanz nach folgendem alten Spruch: Es ist keis Spiel so heilig, Es ghört es Tänzli druuf, Das ist im ganze Schwyzerland Und überei der Bruuch. ü

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Die Kegel erhalten gelegentlich die mannigfachsten Uebernamen. Wir erwähnen nur diejenigen, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Der Eckkegel rechts heißt "Saffauer". Man sagt ihm nach, daß er nicht fallen wolle. Rechter Hand der Kegelbahn wohnte ein sehr alter Mann, der nicht sterben konnte und der unter dem Uebernamen "Saffauer" bekannt war. Der hinterste Eckkegel wird "Geist", der vordere Eckkegel gemeinsam mit den 2 nintern im rechten Winkel "Güllenbock" genannt. Die kleine Kugel heißt man "Ringeli " . Neben den Kegelbahnen waren die großen Muttentische aufgestellt. Mutte ist Gegenstand, muttelen die Tätigkeit. Es handelt sich um ein ablanges Spielbrett, an dessen unterem Ende rechts mit einem Federbolzen eine Kugel angetrieben wird, die dann von oben her durch Führungen gegen 9 Kegel hinuntergleitet, die im untern Teil des Brettes aufgestellt sind. Man spielte gegen einen kleinen Einsatz. Das Aufstellen eines Muttentisches bedurfte der amtlichen Erlaubnis.· Für die Jugend waren an der Kirchweih Würfelitische da. Alte Frauen konnten mit der Einrichtung etwas verdienen. Für den Betrieb brauchte es nur 4 Requisiten: ein Tischlein, einen Teller, einen Würfel und 6 kleine quadratische Holzstücke, auf denen die römischen Zahlen von I bis 6 eingebrannt waren. Die Nummer kostete bis 19I4 einen Rappen, jetzt kostet sie 2 Rappen. "Es sind noch 2 Nummern da, wer setzt?" ruft die alte Frau in die Kindergruppen hinaus. Sobald die 6 Nummern vergeben sind, schüttelt die Frau den Würfel und läßt ihn auf den Teller fallen. Die Nummer die obenaufkommt gewinnt eine Bärentatze oder einen Mandelbogen. So heissen die 2 begehrtesten traditionellen Gueteli. Dieser Brauch hat sich erhalten. 30. Sen n eng es e 11s c ha f t, Sen n e n f ä h n r ich, Sen n e nb u b e n und Viehausstellung. Unsere Bauernsame widmet der Braunviehzucht die größte Sorgfalt. Zärtlichere Kosenamen als wie Aelbeli, Lobeli, Büzeli usw. offenbaren sich kaum in einem Haushalt der Eidgenossenschaft. Das Wort Aelbeli wird ungefähr zwei Takte lang nasal gedehnt, hingebend diphtongiert und gesummt wie ein Strich über das Cello. Im familiären Verkehr hingegen kann der Bauer kurz angebunden, ja sogar derb und formalitätenlos sein. Ich erinnere an die Vermännlichung einiger Mädchennamen, z. B. dr Kathrintsch, dr Regie, dr Phylomenl und an das Namensspiel 's Seeb-Seebeli's-Seffis-Wysl usw. So bleibt es über den Tod hinaus .. Wenn dem Bauer ein kleines Mädchen stirbt, sagt er zum Nachbar: I ha dr Antsch nüd gäre gä, er ist ä nuevere Maitl gsi. Aus seinem Wörterbuch stammt sogar das knappste Wort des deutschen Sprachgebietes, mit 74


dem die Charakteristik des Kurzangebundenseins und der Laune originell beleuchtet ist. Dieses Wort ist nichts anderes als ein Zischlaut, der durch starkes Andrücken der Zungenspitze an die vordere Gaumenfläche und plötzliches Loslassen bewirkt wird. Er bedeutet "ja", d. h. einverstanden. Gleichzeitig wird mit dem Kopf eine bestätigende kurze Seitwärtsbewegung (staccato) gemacht. Bäuerlicher Berufsstolz, Rangeifer und Uebermut erreichen in öffentlicher Schau jährlich einmal ihren Höhepunkt und zwar an der Sennenchilbi. Diese Institution ist alt. Unter der Ueberschrift "Sennenkilbi in Einsiedeln" schrieb der aus Rapperswil stammende Stiftskonventual P. Josef Dietrich im Jahre 1682 (nach Martin Ochsner in "Feierstunden"): "Am 6. September, Sonntag nach Verena, hielten die Einsiedler Sennen ihre jährliche Kilbi. Etwa 1/4 vor 5 Uhr ließen sie bei der dritten Messe in der Gnadenkapelle ein figuriertes Amt singen und gaben dazu einen Louistaler. Ein Mann, den sie Kerzenvogt getauft, muß ihnen ihre große Wachskerze in die Gnadenkapelle machen lassen. Beim Amte haben sich alle Sennen einzufinden. Nachher erwählen sie einen Ober- und Unterfähnrich. Der Fähnrich sorgt für Bänder und Blumen, womit man sich bestens auszustaffieren pflegt. Nach dem Vormittags-Hochamt versammelt man sich beim Brüeltor. Der Trommler beginnt die Trommel zu rühren und man schreitet Paar um Paar, wobei die Dignität (Reihenfolge nach der Würde) wohl gewahrt wird, zum Tor hinaus, voraus Trommler und Pfeifer, Fähnrich und Unterfähnrich mit fliegender Fahne, die sie selber machen lassen, aufbehalten und zu keiner andern Feier hergeben. So marschieren sie ganz gemach 'und gravitätisch in einem Umschweif (Umweg) zu ihrem Gasthaus und lassen sich aufstellen, was nur die Küche vermag und wollen den besten Wein haben, wofür Fähnrich und Kerzenvogt auch ordentlich bezahlen müssen. "Um 4 Uhr wird die Trommel wieder munter geschlagen, der Fähnrich nimmt die Fahne, weIche zum Fenster hinausgehängt war und nun formieren sie einen langen, ansehnlichen Umzug über die Furren gegen das Brüelgitter, hinunter ins Dorf zu ihrem Wirtshaus. Da lassen sie ihre Sprünge, besonders jene, die etwa zuviel Wein getrunken, sehr klar sehen. Die ältern aber wollen sich sehr gravitätisch halten, ziehen in Mantel und Degen einher, als wenn sie weiß nit was wären und es darf keiner ohne Seitenwehr erscheinen bei Strafe und Ungnade der Herren Sennen. Die Fähnriche schwingen abwechselnd die Fahne. Es kann dabei wohl geschehen, daß die Fahne in Gefahr der Löcher und Schränze kommt, besonders wenn die Schwinger gar zuviel mit Wein angefeuchtet sind. Dann kehren sie wieder dem Wirtshaus zu und es mag da wieder jeder auf seine Rechnung trinken und

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-es bekommen da oft auch jene emen Rausch, die bis dato noch ziemlich nüchtern gewesen. Um halb 6 Uhr müssen sich wieder die Trommler und Pfeifer hören lassen. Mit fliegender Fahne spazieren sie über den Brüel mit wunderlich bäuerischer Grandez (Grandezza, Würde) bis nach .St. Benedikt (Friedhof), Da muß der Fähnrich seine Kunst im Fahnenschwingen erst recht zeigen. Er stellt sich dort auf die Anhöhe und schwingt die Fahne sehr ernstlich etliche Vaterunser "lang mit allerhand schönen, kunstreichen Schwung und Wurf 'und fantastischen Posturen, wie ein jeder gedenken kann. "Und hiermit hat die Sennenkilbi ihr Ende, deren Beschreibung mir der günstige Lehrer (Leser) nüt für ungut deuten möge. Die Hirten pflegen auch hernach noch ihren Spaß zu halten, sie' .schreien und frohlocken noch bis in die eitle Nacht, mithin .auch bis morgens." Am 1. September I793 wurde auf Anhalten von Pfarrer Marianus Herzog das Fahnenschwingen, wie auch die Begleitung durch Pfeifer und Tambour beim Kirchgang abgestellt. Die Sennenchilbi lebt in nüchterner Form an der Viehausstellung jeden Jahres fort. Das Vieh wird in der amtlichen Vorschau im Stall nach Punkten auf Stammblättern in die 'Rangordnung ge-stellt, Im Stall hingegen kennt der Bauer keine Einordnung des Viehs nach andern als praktischen Gesichtspunkten. Er stellt die .Milchkühe im ein- oder doppelbährigen Gaden voran zusammen, weil er sie besser füttern muß, als die Rinder, Meißen und Jährlinge, die er summarisch "Gustiwar" nennt. Diese stellt er im Anschluß an die Kühe ebenfalls zusammen. Die Kälblein werden in der Regel im Rücken des Großviehs in die hintere Stallecke getan. Die Schönheit des Viehs wird in der Platzanweisung im Stall nur einigermaßen berücksichtigt. In den alten Ställen näm.lich, die von zwei kleinen Fenstern auf der Türseite nur spärlich beleuchtet sind, werden die zwei bis drei schönsten Haupte vorangestellt. In den neuen Ställen mit durchgehender Beleuchtung wird hierauf keine Rücksicht mehr genommen. Die ver·bindliehe Rangordnung wird erst an der öffentlichen Ausstellung im September mit Prämiierung durchgeführt. Abgeordnete des Bezirksrates, der Landschreiber und Preisrichter aus andern Gemeinden ziehen mit der Musik an der Spitze vom Rathaus auf -den Brüel. Voraus läuft ein stämmiger Senn in farbiger Festtagstracht, mit der Fahne der Gesellschaft in der Rechten, von drei .Sennenbuben begleitet, die an Geräten wie kleine Maibäume, ·Garnsäcklein mit den Geldpreisen tragen. Die Ausstellung findet ·auf dem Brüel statt. Dort wird die Rangordnung, eingeleitet mit einer Ansprache des Vorstehers im schwyzerischen Volkswirt-schaftsdeparternent, von einer Bühne herab verkündet. Den prämiierten Tieren werden farbige Prämienschilde mit Rangzahlen


I auf die Stirne gebunden. Seit einigen Jahren erhalten der erste' Stier, die erste Kuh und das erste Rind in jeder Klasse einen Blumenkranz um die Hörner. Dann bewegt sich der Zug durchs. Dorf hinunter. Ihm schließen sich die Bauern mit den prämiierten Stieren, Kühen, Rindern, Schafen und Ziegen an. Knechte und. ~Kinder führen die Tiere heimwärts und nageln die Prämienschilde über der Stalltüre auf. Die Amtspersonen, Preisrichter und Bauern begeben sich nachher zum Sennenmöhli ins Wirtshaus. (Die "Sennengesellschaft Schwyz" führt heute noch die traditionellen Chargen, z. B. Sennenprobst) (der Ortspfarrer, Sennenvater, Sennengroßvater, Fähnrich, Nebenfähnrich. Kerzenvogt, Kerzenvogtwartner, Säckelmeister, Schreiber usw.) 31. C h r ä h h ahn e. Sobald bei Neubauten die letzten Dachsparren verzäpft sind, setzt der Zimmermeister eine Grotze auf den vordersten Teil des Grats, hängt farbige Nastücher daran, die für die Gesellen bestimmt sind. Nachher ladet der Bauherr zu einem bescheidenen Trunk und Imbiß ein. Das nennt man den "Chrähhahne fyre". Herrscht gegenseitige Befriedigung, verläuft der Chrähhahne gemütlich. Er ist ein lobenswerter Brauch und schafft Beziehungen zwischen Bauherrn, Meister und Gesellen, namentlich wenn es der Bauherr oder der Meister versteht, einige lehrreiche Worte an die Gesellen zu richten. Dassollte der Originalität zu liebe, vom Grat des Neubaues aus geschehen: Im Wirtshaus kann bekanntlich jeder reden. 32. T run k na c h dem K an z1eie n. Nach der kanzleiischen Fertigung eines Kaufs gehen bisweilen Verkäufer und Käufer in ein Wirtshaus und nehmen einen Trunk (Wein) zu sich, abund zu auch einen kalten Imbiß (Aufschnitt oder Käse). Bald übernimmt der Käufer, bald der Verkäufer die Kosten, je nachdem über die ev. Vorteile der einen Vertragspartei gegenüber der andern mehr oder weniger Uebereinstimmung herrscht. In der Regel halten sich die Meinungen das Gleichgewicht, indem der Verkäufer zum Käufer sagt "Du häscht d'Sach wohlfeil" und der Käufer zum Verkäufer "Bis Du froh, daß d' häscht chönne verchaufe". Es kann auch zutreffen, daß die Bezahlung des Trunks zum Voraus ausbedungen ist. Eine zeitlang war es Brauch, auch den Notar zur Teilnahme am Trunk einzuladen. 33. Fe i erd e SI. Au g u s t s (Schweizerische Nationalfeier). Die, schweizerische Nationalfeier hat sich auch in der Waldstatt als steter Brauch eingebürgert. Es ist überflüssig, die Art, wie sie hier durchgeführt wird, zu schildern, da sie im Großen Ganzen mit derjenigen anderer Orte' übereinstimmt. Neu ist, daß seit ungefähr einem Jahrzehnt der Bezirksammann oder eine andere

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Amtsperson eme vaterländische Ansprache hält. Mit dem verpönten Schießen und Feuerwerken unserer mutwilligen Jugend berührt die Feier des I. Augusts vermutlich die älteste volkstümliche Ausdrucksweise der Freudenstimmung. Sie entspricht folgenden alten Uebungen: Beim Nahen des Frühlings um Mitte Fasten herum im Freien "Fürtüfel" (Knallfrösche) abzulassen und Chäpsli (linsenförmige, mit Pulver gefüllte farbige Papierchen) aufzutütschen, dem Chlepferziehen (Papierhölsen mit Pulver) unter dem Christbaum und dem Schießen bei Hochzeiten. Wenn man das Feuerwerken der Jugend am I. August als volkstümliche Kundgebung der Freude auslegt, sollte die amtliche Warnung eigentlich nur den Gefährdungen (Personen- und Sachschaden) gelten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das "Fürtiifelablouh", das unsere Jugend zur Zeit der Schneeschmelze ausführt, ein Nachläufer der Höhenfeuer, des Feuerradwerfens und des Feuerfackelschwingens ist. Diese Bräuche werden in einigen katholischen Gegenden um Mitte Fasten herum gepflegt, z. B. in Schwyz das Fackelschwingen und in Rothenthurm das Radwerfen. Bei uns sind sie auf 70 Jahre zurück soviel wie unbekannt. Jugend, Zeitpunkt und unbefristete Dauer des Ablassens der "Fürtüfel" sprechen für die Richtigkeit dieser Annahme. 34. Re k r u t e n aus heb u n g. Am Morgen der militärischen Aushebung versammeln sich die angehenden Rekruten am Bahnhof und ziehen mit Fahne und Tambour, bisweilen mit einer kleinen Blechmusik an der Spitze durch die Hauptstraße zum alten Schulhause, wo die Aushebung stattfindet. Im Zuge werden abnormal Kleine oder Große lakonisch gezeigt. Die Tauglichen setzen nach der Aushebung Blumensträuße auf den Hut und ziehen gemeinsam mit den Untauglichen im Dorf herum, von Wirtshaus zu Wirtshaus. Bei diesem Anlasse wird abends getanzt. Man mißt sich gelegentlich auch im Häggle. Nach und nach wird die Kameradschaftlichkeit durch tolles Tun abgelöst. 35. Schulinstitutionen. Es gibt gewisse Einrichtungen, die man nicht ohne Weiteres zu den Volksbräuchen zählen kann, z. B. Jugendfeste, Trommlerkorps und Schülerreisen. In Einsiedeln zeichnen sich diese Einrichtungen jedoch mehr als an andern Orten durch Beständigkeit, teils durch Originalität aus, sodaß sie hier nicht übersehen werden dürfen. Für die jugendfeste. die seit 1861 volkstümlich sind, hat der Ortsschulrat um 1910 herum den Grundsatz aufgestellt, daß' sie in Abständen von 7 Jahren durchgeführt werden sollen, damit jedes schulpflichtige Kind normalerweise -ein Jugendfest erlebe. Die Jugendfeste werden schulamtlich organisiert. Im Mittelpunkte steht entweder ein Umzug (Heimatbilder) oder eine Freilicht-

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Das Zunftwesen ist in der Waldstatt zweigeteilt. Hier die Berufsvereine mit begründeten wirtschaftlichen Standeszielen, dort ein, Ueberrest der alten Zünfte mit ansprechenden religiösen Anliegen. Diese Anliegen sind in den Satzungen verankert. Sie heissen in kurzen Zügen: "Es sollen jährlich 5 Lobämter gehalten werden, so am Ablaßsonntag, am Sonntag nach der Oktav von Corpus Christi, am Sonntag nach Maria Himmelfahrt, am Feste des. hl. Mauritius, am Feste des hl. Michael oder am darauffolgenden Sonntag. Am Dienstag nach jeder Fronfasten wird für alle verstorbenen Mitmeister ein Seelamt gehalten. In den Satzungen des. Jahres I858 bis I865 war festgesetzt, "Daß der Jungmeister oder Bothweibel die Schuldigkeit hat, in den 4 Fronfastenämtern am hl. Namen Jesu Sonntag in der Kirche die Aufsicht zu halten, um die fehlenden Meister zu verzeichnen." In der Bußenordnung der gleichen Periode sind folgende Strafen ersichtlich: Nichterscheinen im Namen Jesu Lobamt 60 Rp., Nichterscheinen in 'den Fron-fasten Lobämtern IO Rp., Weigerung Leichen zu tragen 60 Rp., Nichterscheinen am Bot 20 Rp., einem Andern in die Rede fallen oder sich ohne Erlaubnis entfernen IO Rp., Betragen bei offener Lad mit gebührender Manier, sonst Strafe nach Belieben. Die vier Zünfte: I. Metzger und Bäcker, der die Metzger-, Bäcker-, Müller-, Ziegler-, Küfer-, Zimmer-, Gerber- und Kaminfegermeister angehören, 2. Geschenkte, 3. Schneider und Weber, 4. Schuster, bilden. zusammen das Generalbot, das sich immer am letzten Sonntag des Kirchenjahres in der Zunftstube zum St. Johann versammelt. Der Vorstand besteht aus Vogt, Mitvogt, Pfleger und Zunft-schreiber. Sie haben die Ehre, an den sieben Betsonntagen, am Fronleichnamssonntag und am Rosenkranzfest in der 'Prozession den Himmel zu tragen. Die Zünfte haben überdies Ehre und das Recht, an den feierlichen Pontifikalprozessionen neben den Himmel vier Laternenträger zu stellen. Zu diesem Ehrendienst sind Obmann und Mitobmann verpflichtet. Für diese Dienstverrichtungen erhalten die Funktionäre nach der Rosenkranzprozession am ersten Sonntag des Oktobers einen einfachen Imbiß und einen halben Liter Wein. Die Zünfte besorgen und bezahlen auch das Aufrichten der Altäre am Fronleichnamsfeste und das Schießen mit Mörsern, das Aufrichten und Beleuchten des Kreuzes im Klosterwalde an der Engelweihe. Durch ein spezielles -Abkommen mit dem löbl. Pfarramt ist nur den Zünften das Recht eingeräumt, bei Beerdigungen den Vorbeter, den Fahnenträger und die Friedhofknaben zu stellen. Das Vorrecht haben Söhne vom 3. bis zum 7. Schuljahre von Mitmeistern aller Zünfte. Die Friedhofknaben tragen die Weihrauchgefäße und die Bruderschaftsfähnlein. Sie sind mit roten Röcken und weißen Chorhemden und einem steifen runden Filzhut bekleidet. An den Zunftsitzungen werden die Zunftzeichen aufgehängt. Es handelt 80


sich um 4 aus Eisenblech geschnittene Berufsembleme, bunt bemalt und mit einem broncierten Laubkranz eingefaßt. Beim Oeffnen der Zunftlade mußten früher 3 Zunftmeister anwesend sein, mit dem schwarzen Mantel bekleidet, wie ihn Vogt, Mitvogt und Pfleger als Laternenträger an den Prozessionen tragen. In der Lade werden die Wertschriften mit Siegel, der große Zunftbecher, 2 interessante Kupferstichplatten (Gesellenzeugnis) und alte Protokolle aufbewahrt. Der ZUnftbecher ist ein Werk Oswald Effingers. Am Fuße steht die Inschrift: "Dis er Becher gehört einer lobeliehen Zunft eines ehrsamen Handtwercks in Einsidlen anno 1703." Die Platten wurden 1791 von D. Oechslin gestochen. Die Zunfttafel enthält die Namen der damaligen Meister nach Rangordnung. Für die Wahlen galt folgende Uebung: "Der Schreiber hat sich vor offener Versammlung für die Schreibers teIle anzumelden, sowie ein jeweiliger Pfleger, wenn seine Amtsdauer ausgelaufen, sich um die Pflegerstelle neu zu bewerben hat. Botweibel und Fahnenträger haben alle Jahre für ihre Stelle anzuhalten". Man sieht daraus, daß die Lust nach, bezahlten Posten nicht ohne Formen gestillt werden konnte. Das Auf- und Abdingen war folgenden Bestimmungen unterworfen: Vergebung des Meistertitels Fr. 20.- bezw. 25.-, Aufnahme eines Meistersohnes, wenn durch seinen Vater vorgestellt Fr. 6.·-, wenn nicht vorgestellt Fr. 8.-. Am Schlusse der Verhandlungen wird für die verstorbenen "ehrsamen Mitmeister" ein Gebet verrichtet. Wenn ein Zunftmitglied mit den hl. Sterbsakramenten versehen werden mußte, wurde der Priester mit dem hochwürdigsten Gut unter einem zweistängligen Himmel, zur Seite 2 Kirchhoflaternen, bis vor das Haus des Kranken und zurück begleitet. Aus den Statuten der Metzger und Bäckerzunft ist noch folgendes zu erwähnen: Am dritten Sonntag im Januar hält diese Zunft das Namen Jesu Lobamt. Jeder Meister ist bei Buße verpflichtet, demselben, sowie allen auf Veranlassung des Generalbotes abgehaltenen Aemtern beizuwohnen. Mitglieder, die das 70. Altersjahr überschritten haben, sind vom Besuche enthoben. Aemrer, welche auf einen Werktag fallen, sind bußenfrei. Zur Ehrung verstorbener Meister stiftet die Zunftkasse eine geistliche Blumenspende mit drei h1. Messen und einen Trauerkranz. Die Meister sind verpflichtet, der Beerdigung eines Zunftgenossen beizuwohnen. Vier nächstaltrige Mitmeister des Verstorbenen gehen neben dem Leichenwagen. Der Zunftfond ist unveräußerlich. Mit dem Zins werden die Kosten des Namen Jesu Lobamtes bestritten. Die Zunft bezeichnet eine Zunftstube. Die andern Zünfte haben ähnliche Satzungen. Wir nehmen davon Umgang, sie ebenfalls zu erwähnen, da der Charakter der Zünfte mit dem Gesagten klar genug bezeichnet ist. 81


Es ist vorgesehen, die 4 alten Zunftzeichen in Kupferplatten von 50 auf 50 cm zu schneiden, sie zu bemalen, mit einer rot-schwarzen Rahme einzufassen, die Tafel an einen rot-schwarz bemalten Stock zu schrauben und diese neuen Embleme in Zukunft am Jörgenumgang und an der Rosenkranzprozession an der Spitze der betr. Zunft tragen zu lassen. Die Teilnahme an diesen beiden Prozessionen ist in erster Linie in Aussicht genommen, weil ihr Ursprung auf weltliche Ereignisse zurückführen. Die ersten Statutenartikel, die in einem "aufgesetzten" Briefe enthalten sind, greifen in das Jahr 1520 zurück. Statutenrevisionen wurden 1753, 1818, 1855, 1881 und 1920 vorgenommen. Um einer der vier Zünfte anzugehören, wird die Ausübung des betreffenden Berufes nicht verlangt. Auch damit ist das vorwiegend religiöse Ziel der Zünfte bestätigt. 37. G rat u 1a t ion end e s Be z i r k sr a te s bei m Für s tab t. Am Silvester und am Namenstag des Abtes, jeweilen nach dem Salve Regina, begeben sich Bezirksammann, Statthalter und Säckelmeister, gefolgt vom Landschreiber und Bezirksläufer, ins Stift, um dem hoch würdigsten Herrn Abt und dem löblichen Stift im Namen des Bezirksrates und der Waldleute zum neuen Jahr bezw. zum Namenstag zu gratulieren. Die drei Amtspersonen und der Landschreiber ziehen Gehrock und Zilinder an, der Bezirksläufer die rote Amtstracht. Sie gehen durch die Hofpforte, wo sie von den hochwürdigen Herren Patres Statthalter und Küchenmeister empfangen werden, in die Abtei und stellen sich im Empfangszimmer auf der Seite des Einganges folgendermaßen auf: Bezirksammann, Statthalter, Säckelmeister, Landschreiber, Läufer in einem Glied. Alsdann erscheint -der Herr Abt im Mönchskleid mit der goldenen Kette um den Hals, hinter ihm stellen sich die Herren Patres Statthalter und Küchenmeister auf. Der Bezirksammann geht dem Abte entgegen, drückt ihm die Hand und hält eine kleine Ansprache als Gratulation. Der Abt erwidert die Gratulation mit Dankesworten. Hierauf verlassen . alle das Empfangszimmer und begeben sich in den untern Stock in ein kleines Speisezimmer, wo ihnen nach Weisung des Paters Küchenmeister einige Flaschen Leutschen aufgestellt werden. Nach einer Weile freundschaftlicher Unterhaltung verabschieden sich die Vertreter des Bezirksrates und verlassen, wieder durch die Hofpforte, die Abtei. Das Bezirksratsbureau begibt sich auch offiziell ins Kloster, wenn ein Abt stirbt behufs Kondolation und Teilnahme an dem Begräbnis, ferner bei der Abtwahl zur Beglückwünschung .und bei der Abtweihe. 82


mit Mörsern bei Feierlichkeiten. Man 38. Schießen darf das Böller- bezw. Mörserschießen unter die Volksbräuche einreihen, weil das Schießen nicht eigentlich als Bestandteil kirchlicher Feierlichkeiten angesehen werden kann. Es dient schon seit dem 17. Jahrhundert dazu, eine Feierlichkeit anzukünden und das Zeremonielle derselben zu verstärken. Das Schießen verdankt ohne Zweifel den Bruderschaften und Zünften den Ursprung und darf als Kundgebung betrachtet werden. Dies geht aus zwei Publikationen im "Einsiedler Anzeiger" vom Ir. und 18. Dez. 1869 hervor. Jn der ersten Publikation wird mitgeteilt, daß das Schießen "künftighin ohne besondere Erlaubnis der kompetenten Amtsstelle bei Strafe untersagt sei und daß dem Zeugwart und Feuerwerker, die jüngst ohne Erlaubnis Gebrauch von den Mörsern gemacht haben, ein strenger Verweis erteilt werde". In der zweiten Publikation macht ein Einsender den löbl. Bezirksrat aufmerksam, "daß der Bezirk niemals im Besitze dieser Geschütze gewesen sei", ferner "daß sie Eigentum der Bruderschaft und der löbl. Zunft seien". In Einsiedeln wird am Fronleichnamsfest, Ablaßsonntag, Ablaßausgang (Donnerstag), Heiligkreuztag und Rosenkranzfest auf der Kreuzhöhe mit Mörsern geschossen. Das Fronleichnamsfest. der Heiligkreuztag und der Rosenkranzsonntag werden am Vorabend um 7 Uhr mit je 15 Schüssen angekündigt. Am Festmorgen um 5 bezw. um 3 Uhr werden wieder IO bis 15 Schüsse abgefeuert, Bei jedem Segen werden rasch nacheinander 3 Schüsse abgefeuert. Am Fronleichnamsfest bietet das Bezirksamt auf und zahlt die Kosten (Fr. 80.-), am Ablaßsonntag und Ablaßausgang tun es die Zünfte (Fr. 48.- und 90.-), am Heiligkreuztag das Stift (Fr. 50.-), am Rosenkranzfest die Bruderschaft (Fr. 9°.-). Es sind noch 10 (früher waren es 1Z) geschmiedete Mörser vorhanden. Sie tragen am Mörserhals ein Einsiedlerwäpplein. Sie können mehr als zoo Jahre alt sein. Die Ladung braucht 1Z5 Gramm Pulver. Der mit dem Schießen beauftragte Feuerwerker ist gehalten, das Pulver selbst zu kaufen. Er entzündet es mit einer Stange, deren Spitze er auf Kohlen glühend macht, indem er die Lunte berührt. Die Mörser werden auf der Kreuzhöhe in einem Koffer aufbewahrt. Die übrigen Ereignisse, an denen geschossen wird, bilden Ausnahmen. Das trifft z. B. bei einer Abtwahl, beim offiziellen Besuch des Nuntius usw. zu. • Bei einer der letzten Abtwahlen wurde mit einer alten Vorderladerkanone geschossen, die jetzt zerlegt und magaziniert ist. Ums Jahr rSzo scheint die Unsitte geherrscht zu haben, nach Prozessionen noch mutwilligerweise zu schießen, um das vorhandene Pulver vollends zu verkläpfen. Gegen diese Unsitte mußte die Behörde einschreiten.


39. Teilnahme des Bezirksrates und -Gerichtes an den Pro z e s s i-on e n. Der Bezirksrat nimmt an den sakramentalen Prozessionen offiziell teil. Damit dürfte der Ehrendienst als Zweck der Teilnahme nachgewiesen sein. Vom Bezirksgericht nehmen offiziell an der Karfreitagsprozession und am Fronleichnamsoktavschluß je 4 Richter als Himmelträger teil. Seit ungefähr 1890 beteiligen sich die Richter inoffiziell auch an sakramentalen Prozessionen, die ins Freie gehen. Sie ersetzen verhinderte Ratsmitglieder. Für die Teilnahme der Bezirksbehörden an den Prozessionen gilt folgende Ehrendienstordnung : Sammlung: auf dem Rathaus. Bekleidung: Schwarzer, steifer Hut, schwarzer Anzug, langer, schwarzer Amtsmantel und schwarze Handschuhe. Bis ums Jahr 1905 wurden vorwiegend Gehrock, Zylinder und Amtsmantel getragen. Von ungefähr 1840 rückwärts mußte jede Amtsperson auch mit dem Degen ausgerüstet sein. Himmeltragen: 4 Ratsherren bezw. 4 Richter bezw. 4 Zunftmitglieder. Stangenlaternentragen : Neben jedem Himmelträger geht ein Zunftmitglied mit der Laterne. Kerzen: Alle Teilnehmer mit Ausnahme der Himmelträger erscheinen mit der Kerze. Die Reihe rechts trägt die Kerze in der rechten, die Reihe links in der linken Hand. Die Teilnehmer, mit Ausnahme derjenigen Mitglieder des Rates bezw. Gerichtes bezw. der Zünfte, die den Himmel tragen, gehen in 2 offenen Einerkolonnen hinter dem Himmel her, an der Spitze rechts der Be· zirksammann, hinter ihm der Statthalter, hinter diesem der Säckelmeister, dann die Ratsherren; an der Spitze links der Gerichtspräsident, hinter ihm sein Stellvertreter, anschließend die Richter und dann die Substituten. Wenn das Gericht an der Prozession nicht teilnimmt, geht an der Spitze links der Statthalter. Ratsläufer rechts und Gerichtsweibel links im roten Amtsmantel, schließen die Zugsordnung. Auflösung: Auf dem Rathaus. Seit einem starken Jahrzehnt besammelt sich der Rat nicht mehr auf dem Rathaus und löst sich auch nicht mehr dort auf. Die Herren kommen und gehen in die Kirche, den Mantel am Arm, wie man etwa zur Bahn zu gehen pflegt. Als vor einigen Jahren Viertelsratsherren in weichen Hüten erschienen, überzeugte man sich bündig, daß das nicht schön sei. Um den Uebelstand zu beseitigen, verzichtete man auch auf den Stilhut. Man geht jetzt barhaupt in die Prozession und läßt den Hut rechts vorn in der


Kirche an Hacken hängen. Hier zeigt sich der Lauf demokratischer Entschlüsse. Wenn gelegentlich ein Ratsherr in Bergschuhen oder Sandalen erschiene, müßte der Rat logischerweise barfuß gehen, um der Stilfrage auszuweichen. Es finden folgende sakramentale Prozessionen statt: I. Am St. Agatha-Betsonntag (Rat mit Kerze, Zünfte stellen 4 Himmelträger). 2.-5. An den 4 Fastensonntagen (Rat mit Kerze, Zünfte steUen 4 Himmelträger). 6. Am hohen Donnerstag zum Oelbergaltar. (Der Rat stellt nur 4 Himmelträger). AI11 Karfreitag zum hl. Grabaltar. (Das Gericht stellt 4 Träger). 7. Am Karsamstag zur Auferstehungsfeier. (Rat mit Kerze. Bis um 1920 stellte der Rat nur 4 Himmelträger). 8. Fronleichnamsfest. (Rat mit Kerze). 9. Am Oktavsonntag. (Rat mit Kerze, Zünfte stellen 4 Himmelträger). 10. Am Oktavschluß (Donnerstag). (Rat mit Kerze, Gericht stellt 4 Himmelträger). 11. Kreuzerhöhung. (Rat mit Kerze). 12. Eidgenössischer Bettag. (Rat mit Kerze, Zünfte stellen 4 Himmelträger). 13. Rosenkranzfest. (Rat mit Kerze, Zünfte stellen 4 Himmelträger). 14. Sonntag nach Adelheid (Dankfest). (Rat mit Kerze, Zünfte stellen 4 Himmelträger). Außerordentlicherweise tragen 4 Ratsherren den Baldachin bis zum Frauenbrunnen, z. B. wenn der Diözesanbischof zur Firmung abgeholt wird. Bei diesem Anlasse wird der Bischof vom Bezirksratsbureau und vom Bezirksläufer, dieser in Gala, in Pfäffikon abgeholt oder wenn sich der Bischof schon auf der Firmreise befindet am vorangehenden Firmort, z. B. in Wollerau, Rothenthurm, Schindellegi usw. Bezirk und Dekanat stellen je einen Zweispänner. Hinter den Behörden gehen die "Siebner", an ihrer Spitze drei Träger mit dem verzierten Bruderschaftsstab. Die Siebner tragen einfache Wachskerzen in der rechten Hand. Bis um 1860 herum war es üblich, daß die Siebner, in der Kirche angekommen, nicht der Prozession folgten, sondern zum Dreifaltigkeitsaltar ab. schwenkten. Da es sich meistens um alte Männer handelte, ruhten sie an der Marmorbank vor dem Altar aus. Noch in den ocer Jahren konnte man an jener Bank entlang auch zur Zeit des Pfarrgottesdienstes vorherrschend ältere Männer sehen.


Im Zusammenhang mit der Prozessionstracht ist zusagen, daß bis um 1840 die Richter den Degen auch zum Gang in rd~n Gerichtssaal (Bezirkskanzlei) trugen. An diese Formalität erinnert das in einer Ecke des Gerichtssaales stehende AnderthalbhänderSchwert des: Gerichtsweibels. Bekanntlich war das Schwert auch dasjenige Instrument, mit dem der Landammann an der Landsgemeinde zur Wahrung des Landesfriedens aufforderte. Er faßte für diese Handlung das Schwert mit der rechten Hand an der Klinge und hielt es, den Griff nach oben gekehrt, in die Höhe. Im 17. und 18. Jahrhundert waren die großen Prozessionen viel reicher ausgestattet als heute. Die Teilnahme der Bürgerschaft hatte ein offizielleres Gepräge. Man dürfte sich darauf besinnen, daß z. B. am Jörgenumgang die Feuerwehr in Tenue nach der Zugsordnung der Föhnenwachen und an der Rosenkranzprozession die Zünfte bezw. Berufsvereine mit farbigen Zunftzeichen und die übrigen Vereine mit ihren Fahnen vertreten sein sollten, in Würdigung, daß diese beiden Prozessionen einen eigenen geschichtlichen Hintergrund haben. Was das Choreographische bei den 3 Fronleichnamsprozessionen und der Rosenkranzprozession anbelangt, ist die Sammlung zum Segen vor den Altären mangelhaft. Die Durchführung eines wirksameren Sammelplanes in Kolonnen neben und in' Linien nach dem Konvent würde die Versetzung des Hauptaltares vor dem "Pfauen" auf die Mitte "Pfauen"-"Hirschen" zur Folge haben. Es gäbe noch andere zweckmäßige Vorkehren zur farbigen Ausschmückung des Bildes. In früheren Jahrhunderten wurden mit der Meinrads- und Rosenkranzprozession geistliche Komödien verbunden, die beim Volke großen Eindruck machten. Die St. Georgsprozession, vom Volke "Jörgenumgang" genannt, die am Sonntag nach St. Georg mit den Reliquien durchs Dorf stattfindet, ist eine Bittprozession zur Erinnerung an den großen Brand im Jahre 1577, der Dorf und Kloster mit Ausnahme der Gnadenkapelle einäscherte. Die Rosenkranzprozession, die am ersten Sonntag im Oktober auf den Brüel hinaus stattfindet, ist eine Dankprozession zur Erinnerung der Siege der Christen über die Türken (Verteidigung Wiens, Seeschlacht bei Lepanto usw.). Man beachte, daß der Feldaltar, der für die Rosenkranzprozession auf dem Mittelstück des Brüels aufgerichtet wird, zum Zeichen der- Freude im Gegensatz zu allen andern Altären mit kleinen farbigen Flaggen geschmückt ist. Diese und die übrigen Prozessionen wurden in einer besondern Publikation "Kirchliche Bräuche" volkstümlich geschildert. 40. Kirchenschweizer und Stiftskutscher. In Domen und Kathedralen großer Städte, z. B. in Paris, waltet der sogen. Kirchenschweizer seines Amtes. Er versieht den Ordnungsdienst

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bei den Eingängen, in den Bänken und nötigenfalls auch vor den Portalen zur Zeit des Gottesdienstes, hauptsächlich aber bei feierlichen Hochämtern, wenn der Zudrang der Gläubigen besonders groß ist. Er erteilt auch Auskünfte über die Gottesdienstordnung. Er kündet die hl. Wandlung an, indem er mit dem Stab lauf den Boden klopft. Seine Weisungen, die er mit freundlichen Gesten erteilt, werden von den Kirchenbesuchern gut aufgenommen und befolgt. Es kommt also in Domen und Kathedralen nicht vor, daß sich z. B. junge Leute bei den Eingängen ansammeln und den Verkehr hindern. Der Kirchenschweizer (in Domen sind deren zwei tätig) ist immer eine hochgewachsene, breitschultrige Gestalt, die man sich am besten vorstellt, wenn man an einen höfischen Diener denkt. Er ist glattrasiert und trägt in der Regel nur einen kurzgeschnittenen, gepflegten Backenbart (sog. Cotelette). Seine Uniform ist mit dem Begriff Livree zutreffend gekennzeichnet. Ich kann augenblicklich nicht nachweisen, ob in der Stiftskirche zu Einsiedeln in vergangenen Jahrhunderten ein Kirchenschweizer tätig war. Hingegen trifft es zu, daß um I920 herum eine [Zeitlang ein Kirchendiener in Veston mit Tressen und einem Stab in der Hand einige Funktionen besorgte, die mit denjenigen des Kirchenschweizers übereinstimmten. Sein Auftreten verriet sogleich, daß er entweder zu wenig genau instruiert war oder daß er erhaltene Instruktionen nicht durchzuführen wagte. Der zukünftige Kirchenschweizer sollte folgendermaßen gekleidet sein: Zweispitz aus feinem schwarzen Filz oder Tüchli mit der Kokarde des Stiftes (zwei rechtsfliegende schwarze Raben auf gelb), engsitzender Frack aus schwarzem Tüchli mit einer Doppelreihe breiten, enggeschlossenen Goldtressen flach auf der Brust, eine Reihe vergoldete Metallknöpfe, sogenannte Wienerärmel, mit zwei vergoldeten Knöpfen vorn und einer Goldtresse dem Schlitz entlang, Stehkragen aus gelbem Tüchli nach französischem Schnitt (ä la cour des rois de France) darunter die schwarze Halsbinde, anliegende Kniehose aus schwarzem Tüchli, unter dem Knie geschlossen, breite gelbe Galons, weiße handgestrickte Strümpfe mit Strickmuster, schwarze Halbschuhe mit Messingschnalle. weiße Handschuhe, in der Hand einen langen weißen oder holzbraunen Stab mit Messingknopf und Kordeln. Der Ordnungs dienst vor unserer Kirche wird seit wenigen Jahrzehnten auf Anordnung des Bezirksamtes durch einen Polizisten besorgt. Es ist das keine erbauliche Verfügung. Der Polizist ist nicht volkstümlich. Sein Erscheinen vor der Kirche an Sonnund Festtagen erweckt eher Unwillen, als vernünftige Einsicht für das, was vor der Kirche schicklich ist. Auch fragen sich Fremde, ob der Ortseinwohner unbedingt polizeilicher Weisungen bedürfe.


Die Notwendigkeit eines Kirchenschweizers in der Stiftskirche muß nach unserer Auffassung nicht erst geprüft werden. Diese Frage dürfte angesichts des großen Zudranges bei Festlichkeiten schon klar sein. Das Stift hat denn auch auf meinen Vorschlag hin den Entschluß gefaßt, diese Institution endgültig einzurichten. In der Person des bisherigen Sigristen ist ein Mann gefunden worden, der über gewandtes Auftreten und eine stattliche Figur verfügt. Als Amtskleid hat das Stift das einfachere meiner Uniformmodelle (Zweispitz, Gehrock und Gehhose) angenommen. Der Kirchenschweizer hat seinen Dienst am 9. Juni 1934 beim Einzuge des päpstlichen Nuntius angetreten. Instruktion für den Kirchenschweizer der Stiftskirche. Kleidung: Livree mit Stab. Dienstzeit: Ordentlicherweise an Sonn- und Festtagen von 8 Uhr bis 11.30 Uhr und von 3 Uhr bis nach der Prozession. . Standort: Vor der Säule rechts beim Hauptportal. Stab bei Fuß. Ordnungsdienst : Gegen die Seiteneingänge und zu den Bänken patrouillieren. Personen, die unter den Eingängen stehen, aufmerksam machen, daß vorn noch Sitz- und Stehplätze frei sind. Beim Patrouillieren Stab an die rechte Schulter legen. Polizeidienst : Touristen usw., die in unschicklichen Kleidern erscheinen, höflich ersuchen, die Kirche zu verlassen. Solche, die mit Rucksäcken ausgerüstet sind, ersuchen, dieselben an der Wand bei den Eingängen abzulegen. Personen, die zur Zeit des Gottesdienstes in der Kirche herumspazieren aufmerksam machen, sie möchten irgendwo einen festen Platz beziehen und die Kirche nach Schluß des Gottesdienstes betrachten. Wenn vor der Kirche laut gesprochen wird oder sonstwie Unruhe herrscht, die betreffenden Personen ersuchen, in einige Entfernung zu gehen. Ehrenbezeugungen : Bei sakramentalen Prozessionen vor dem Allerheiligsten den Stab senkrecht vor die Brust halten. Das Gleiche vor hohen Geistlichen tun. Daß die Sorgen um den Ordnungsdienst sogar in ländlichen Kirchen weit zurückgreifen, beweist folgender Beschluß des Gemeinderates von Galgenen vom 7. Februar 1819: I. In den zwei vordersten Stühlen sollen nur je 9 Mann Platz nehmen; wer einen zehnten hineinläßt, soll samt diesem in je I Pfund Wachs Buße verfallen sein. 2. Alles Schwatzen und Lachen soll in den zwei ersten. Stühlen, sowohl auch in den" hintern Stühlen, bei gleicher Strafe verboten sein. 3. Es wird ein Aufseher bestellt, dessen Name geheim gehalten werden soll, der die Fehlbaren dem Siebner Hegner zu verzeigen hat. 88


4. An Sonn- und Feiertagen wird ein Ratsherr hinten in der Kirche Platz nehmen, der die im Gange Stehenden in die Bänke weisen oder wenigstens zur Ruh ermahnen soll. (Bote der Urschweiz.) Literatur über den Kirchenschweizer, den man auch Kirchenordner oder Kirchendiener nennen kann, ist, genauere Forschungen vorbehalten, in Rom, Paris, München, Einsiedeln und in der Zentralbibliothek in Zürich, wo man sie zu finden hoffte, nicht zu haben. Der Ursprung des Namens läßt sich dennoch erklären. Infolge ihrer sprichwörtlichen Treue und zähen Waffenfiihrung und ihrer naiven Gutgläubigkeit gegenüber fremden Kronen, als ob diese immer für gottgefällige Pläne wirkten, wurden die Schweizer Söldner in römischen und französischen Diensten, übrigens auch an andern Höfen, nicht nur im Feld, sondern mit Vorliebe auch für die zeremoniellen Dienstzweige, wie Paradeund Wachtdienst verwendet. Die Gardekompagnien, die hauptsächlich aus Schweizern rekrutiert wurden, verdanken dieser Verwendung ihre bevorzugte Dauerstellung im Friedensdienst (garder = hüten bezw. bewachen). Die Bezeichnung "le Suisse" hat sich deshalb für die Palast- und Kasernenwachen und schließlich auch im Kirchendienst, für den in der Regel pensionierte Söldner angestelllt wurden, in der Umgangssprache des Volkes als präziser Begriff eingebürgert. Diese Erscheinung ist nicht vereinzelt. Der Schweizer in romanischen Solddiensten hat im bürgerlichen Lehen Deutschlands schon lange eine Parallele gefunden, da hier die Umgangssprache den Melker mit dem nationalen Begriff "Schweizer" identifiziert. Vor einem Jahrzehnt wurde schweizerischerseits gegen diese im Norden Deutschlands landläufige Bezeichnung protestiert und zwar darum, weil Nationalitäts- und Berufsausweis in einem Wort in weiten Volkskreisen als Kultursignalement angesehen werden könnte. Diejenigen, die protestierten, 'daß der "Schweizer" mit Melker identifiziert werde, dachten vielleicht an den Kuhplapart des Schwabenkrieges. Nach unserer Auffassung ist wesentlich, daß wir uns nicht zu schämen brauchen, denn ob Pörtler in Frankreich oder Melker in Deutschland... hier wie dort ist Qualitätsleistung, wenn nicht garantiert, so doch gemeint. Erwägen wir in diesem Zusammenhange folgendes: Es frägt sich, ob z. B. die italienische Regierung reklamieren würde, wenn wir in der· Schweiz den Italiener in der beruflichen Umgangssprache mit Maurer identifizierten? Vielleicht wäre der Italiener stolz darauf, weiß er doch, daß ein Schweizer noch manches Paarmütschli essen muß, bis er den Italiener als Maurer ersetzen kann. Neulich stimmte das Stift auch der Beschaffung meines Uniformmodells für den Stiftskutscher zu. Bekanntlich sind Postillone, Kutscher, Landauer und gut geschirrte Pferde heute selten und


die wenigen, die noch zu sehen sind, verfallen dem schlechten Stil und der Farblosigkeit. Mit dem zukünftigen Stiftskutscher. dem Marstaller, soll ein gutes Beispiel zur äußerlichen Regeneration eines vernachläßigten zeremoniellen Dienstzweiges gezeigt werden. Der Kutscher erhält einen halbhohen, leicht evasiven Filzzylinder, d. h. einen modernisierten Thurn und Taxis Postillonhut mit 3 Goldtressen, einer gelbschwarzen Kokarde, und einem gelbschwarzen Pompon verziert, einen langen Gehrock aus schwarzem Tüchli mit zweimal gelb eingefaßten Aufschlägen über die Brustteile und an den Unterärmeln, mit einer dreifachen Reihe gelben Knöpfen, mit gelbem Stehkragen und schwarzer Kravatte, eine Gehhose mit zweifachen gelben Passepoils. Der Stiftskutscher wirft sich in diese Uniform, wenn er hohe Prälaten am Zug abholen und zum Zug führen muß. 41. Prozessionsgrenadier u. ProzessionsmusikanL Der Prozessionsgrenadier obliegt bei Prozessionen dem Ehrendienst auf beiden Seiten des Himmels, unter dem das Hochwürdigste Gut getragen wird. Die Wache besteht aus einern Unteroffizier und 6 bis 8 Mann. Als Prozessionsgrenadiere kommen nur stattliche Männer in Betracht. Am letzten Eucharistischen Kongreß in Einsiedeln wurden Uniformen von Gardeschweizern in französischen, Diensten (de Castella und von Ernst) getragen, weil schwyzerische Uniformen der Ordonnanzen um 1800, die bevorzugt werden müßten, nicht vorhanden sind. Ein anschließender Versuch zur Gründung eines Vereins zur Besorgung des Ehren- . dienstes scheiterte, da die Mittel zur Anfertigung eigener Uniformen und zum Kauf alter Gewehre nicht beschafft werden konnten. Für den Fall, daß eine Vereinsgründung früher oder später doch noch erfolgt, empfehle ich die Wahl der Uniform des schwyzerischen Grenadiers, Ordonnanz 1804 nach Escher. Sie besteht aus Kolbak (Bärenmütze) mit Schwyzerschild in Messing, marineblauem Frack mit dunkelrotem Kragen und Aerrnelaufschlägen, dunkelblauer Hose, hohen schwarzen Tuchgarnaschen, kurzem Krummsäbel in weißem .Schultergurt. (Siehe meine nachfolgende Skizze.) Für die Funktionen des Prozessionsgrenadiers ist ein kurzes Reglement aufzustellen. Das Mitwirken der Prozessionsgrenadiere verstärkt das Zeremonielle. Sie vertreten die Bürgerschaft, für die sie den Ehrendienst übernehmen. Sie erinnern an die Aufgabe der Schirmer, die im 17· und 18. Jahrhundert bei großen kirchlichen Festlichkeiten nicht nur den Sicherheits- (gegen die Beutelschneider) sondern auch den Ehrendienst besorgten. Die Schirmer wurden amtlich, aufgeboten, je nach Bedürfnissen in der Stärke von IOO und mehr Mann. Sie trugen das Wehrkleid der entsprechenden Zeitperiode, im 17. Jahrhundert Helm und Harnisch und waren mit


der Wachthellebarde ausgerüstet. Der Ordnungsdienst müßte, wie das seit vielen Jahrzehnten der Fall ist, den modernen gewehrtragenden Truppen vorbehalten werden. Die Truppen werden gegenwärtig zum Ordnungsdienst in und außer der Kirche gegen ein kleines Soldgeld amtlich aufgeboten. Sie besammeln sich nach dem Sammlungsruf der Tambouren im Diensttenue, am Heiligkreuztag abends 6 Uhr und am Rosenkranzfest nachmittags 3 .Uhr auf dem Bahnhofplatz in der Stärke von 100- I 50 Mann. Sie ziehen dann, geführt von einem Hauptmann und 2 Zugführern, mit der Musik an der Spitze, durch die Hauptstraße vor den nördlichen Flügel des Klosters. Am Heiligkreuztage bilden sie Spaliere vom Chorgitter der Kirche bis zum Altar vor dem Rathaus, am Rosenkranzfest vom Chorgitter bis zum Altar auf dem Mittelstück des Brüels. Beim Segen wird mit Trommelschlag der Befehl "Achtung!" gegeben. Vor 1910 erfolgte der Kommandoruf. Nach Schluß der Feier besammeln sich die Truppen vor dem Kloster und ziehen in Marschkolonne über den Hauptplatz und durch die Hauptstraße auf den Bahnhofplatz zur Entlassung. Am Abend des Heiligkreuztages spielt die Musik den Zapfenstreich. Der Eindruck der feldgrauen Ordnungstruppen ist im Vergleich zum feierlichen Eindruck der gepanzerten Schirmer und der in Farben leuchtenden Grenadieren relativ nüchtern. Sowohl beim Ehren-, als auch beim Ordnungsdienst kommt es aber wesentlich auf psychologische Einwirkungen an. Man denke an den Aufmarsch der alten Oberwalliser-Grenadiere mit den Fahnen im Lötschental an der Fronleichnamsprozession. Auch der straffe Prozessionsschritt (schleifender Taktschritt), der militärischen Spitzen- und Schluß gruppe an der Fronleichnamsprozession in Appenzell ist der Verstärkung des Eindruckes auf das Volk dienlich. Der Name "Prozessionsmusikant" läßt sich mit dem Nachweis einer weit zurückgreifenden kirchlichen Dienstverrichtung begründen, die in Einsiedeln als beachtenswerter Brauch ausgestaltet ist. Wie verhält es sich? Die Bläser der nach der Mitte des 18. Jahrhunderts entstandenen schwyzerischen Militärkapellen wirkten gelegentlich auch bei kirchlichen Feierlichkeiten mit. Ueber die Instrumentierung eines Bataillonsspieles vom Jahre 1798 gibt der Abschnitt "Landsgemeinde" Aufschluß. Von ihrer Teilnahme an den Prozessionen ist im Ratsprotokoll vom 7. Sept. I 8 I I die Rede. "Der Rat nimmt Kenntnis, daß das Militär-Musikkorps sich weigere, an den bevorstehenden Prozessionen, an Kreuzerhöhung und am Rosenkranzsonntag, die gewöhnlichen militärischen Funktionen zu verrichten. Es wird erkennt, es solle allen denen, welche sowohl vom diesjährigen, als auch vom Reserve-Pikett sind, bekannt gemacht werden, daß jeder auf die. bevorstehende feierlicheund übrigen Prozessionen, wo das hochwürdigste Gut außert

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der Kirche getragen wird, die gewöhnlichen militärischen Funktionen zu verrichten und die Befehle der Herren Chefs und Herren Offiziere zu befolgen habe, genau und zwar bei hoher Strafe und unnachläßlicher Buße. Nicht weniger soll sich das Musikkorps bei nämlicher Ungnade und Strafe jedesmal dabei einfinden." (Ochsner, Geschichte der Konkordia 1806-1931). Da es dem Rat nicht gelang, die Spielleute auf die Dauer für außermilitärische Verrichtungen zu verpflichten, ging die musikalische Mitwirkung bei kirchlichen Feierlichkeiten an die vermutlich im Jahr 1806 gegründete Musikgesellschaft über. Die Musikgesellschaft löste sich jedoch mehrmals auf. Bei den Neugründungen wurde immer wieder auch von der Teilnahme an den Prozessionen und von der hiefürigen Barentschädigung durch die Bezirkskasse gesprochen. In der Regel waren es Sold- und Ausbildungsmängel gewesen, welche Dienstverweigerungen verursacht hatten. Der Sold betrug zeitweise 2 Louis d'or, gelegentlich auch weniger, pro Mann und Jahr für Kirchen- und Prozessionsmusik zusammen. Unter Kirchenmusik war das Mitwirken im Frühamt verstanden. Bis tief in die80er Jahre hinein spielte die Musikgesellschaft "Konkordia" an hohen Festen vor dem Pontifikalamt auch einen Parademarsch mit Orgelbegleitung. Es war nicht möglich, alle Mitglieder weiterhin zu verpflichten. P. Josef Staub schrieb darum ein Arrangement für Orgel, 2 Trompeten und 3 Posaunen. Seit ungefähr 2 Jahrzehnten wird dieses Praeludium nur mehr mit der Orgel gespielt. Die Wiedereinführung· des liturgischen Kirchengesanges vor ungefähr 2 Jahren machte schließlich alle Bläser entbehrlich. So verbleibt nur die Beteiligung der "Konkordia" an den Prozessionen. Sie hat sich mit der organisatorischen Entwicklung der Gesellschaft befestigt. Heute zählt die Musikgesellschaft "Konkordia" 58 Mitglieder, von denen bis zu 24 Metallbläsern zur Teilnahme an den Prozessionen aufgeboten werden. Die Entschädigung für Mitwirkung ist im derzeitigen Jahresbeitrag des Bezirkes an die Gesellschaft im Betrage von Fr. 2000. - inbegriffen. Die Prozessionsmusikanten blasen mit folgender Instrumentierung. Melodie: Trompete in B 1 und 2, vier Waldhörner, Tenorhorn in B 1 und 2, Begleitung: Bügel in B 1 und 2, Althom in Es 1 und 2, Bariton in B, Baß in Es und B. Sie begleiten an den 3 Fronleichnamsprozessionen die Gradualpsalmen und an den Altären die vier Sakramentsmotetten, an der Engelweihe die Namen-Jesu-Litanei und am Altar das Sariktus Angelicum, am Rosenkranzfest wieder die Namen - Jesu - Litanei, am Altar die Motette Omni die und auf dem Rückweg das Canticum Moysis. Alle Singnoten sind im Cantarium Einsidlense, gesammelt von Abt Columban Brugger sel., enthalten, Motetten und Bläsemoten für die Begleitung der Psalmen und Litaneien sind Kompositionen

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wurvon P. Basilius Breitenbach seI. Die Besetzungsarrangements den jeweilen von den Direktoren der Musikgesellschaft durchgeführt. Die Prozessionsmusikanten gehen in Einerkolonnen rechts und links neben den Konventsängern (Patres und Studenten), an der Spitze rechts der Dirigent. Sie tragen die modernisierte Uniform der schwyzerischen Füsiliere von 1804, nämlich steife Mütze und einreihigen Waffenrock in königsblau, Hose in hellblau, Kragen, Trompeterschnur und Passepoils in dunkelrot. (heraldischrot). Die Anschaffung des Prozessionshutes aus schwarzem Filz mit Ledergarnitur, Waldstattkokarde und Birnpompon in dunkelroter Wolle, der diese elegante Uniform stilgerecht ergänzen würde, ist noch in der Schwebe. Man legt mit Recht Wert darauf, kirchliche Feierlichkeiten über das Liturgische hinaus nach einem strengern Maßstab auszugestalten. Das Ohr verlangt ein gepflegtes Spiel, das Auge vornehme Formen und Farben. Wo das eine oder andere fehlt, empfindet man die Lücke. Außerordentliche Maßregeln gereichen der Waldstatt zur Ehre; denn es ist besser, sie werde berechtigten Ansprüchen mit Schöpfungen zum voraus gerecht, als daß sie mit Kopien nachhinkt. 42. Altar· und Häuserschmuck an der Fronleichna 111 s pro z e s s ion. Für die Fronleichnamsprozession werden im Freien 4 Altäre aus bemalten Holztafeln aufgerichtet: einer neben der Hofpforte vor dem südlichen Eckgebäude, einer neben der Studentenpforte vor dem nördlichen Eckgebäude der Kloster front, einer vor dem "Pfauen" und einer vor dem Mittelbau des alten Schulhauses. Die zwei Altäre vor der Klosterfront werden vom Kloster besorgt, der vor dem "Pfauen" vom Eigentümer des Hotels, der vor dem alten Schulhaus vom Bezirk. Der Blumenschmuck wird von der Jungfrauenkongregation gesammelt und hergerichtet. Der Häuserschmuck ist viel einfacher als z. B. im Appenzellischen. Es werden von den Privaten weder kleine Altärchen aufgestellt, noch Teppiche gelegt, noch Inschriften über die Türen gehängt. Man bedient sich hier des frischen Laubschmuckes, den man in Vasen vor die Fenster stellt. Früher steckte man die Laubzweige in braune und gelbe Krüglein. Ins Laub steckt man weiße und rote Papierrosen. Der Buchenlaubschmuck vor den Häuserfenstern am Hauptplatz macht infolge seiner einheitlichen Farbenwirkung einen würdigen Eindruck. Er wird noch erhöht durch die Laubbäumchen, die man an den Seiten der Altäre aufpflanzt. Nach der Prozession nehmen die Buben und Mädchen die gesegneten Zweige nach Hause, wo sie auf der Winde als Schutz gegen Feuer bis zum nächsten Fronleichnamsfest aufgehängt werden.

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Infolge der Millenariumsfeierlichkeiten wurde der Prozessionsweg heuer zum I. Male durch die Haupt-, Sehrniedenen- und Kronenstraße ausgedehnt. Der Altar vor dem alten Schulhause wurde durch einen auf dem Sternenplatz ersetzt. Die Ausdehnung des Prozessionsweges hatte zur Folge, daß man die Häuser an den begangenen Straßen reichlich mit Laub schmückte. 43. Wie die Dörflig an der Engelweihe beleuchten. Die letzte, sogenannte "Große Engelweihe", die 14 Tage lang dauerte, wenn der 14. September auf einen Sonntag fiel, fand im Jahre 1856 statt. Von da an wurde die Dauer der Engelweihe auf 8 Tage herabgesetzt. Aus Dankbarkeit für den guten Verlauf des jetzigen Stiftbaues führte Abt Thomas im Jahre 1729 die sogen. "Kleine Engelweihe" ein, die am 14. September jeden -jabres gefeiert wird. Der genaue Beschrieb, dieser gediegenen kirchlichen Feier, die im Pilgerverkehr immer als sogen. Stoßtag gilt, ist in der Wallfahrtsgeschichte von Dr. P. Odilo Ringholz ersichtlich. Hier handelt es sich nur darum, einen Blick auf die nächtliche Beleuchtung des Dorfes zu werfen. Wenn gegen 8 Uhr abends die Glocken von den Türmen läuten, die Klosterleute die Ampeln an der Klosterfront und am Altar auf dem' Hauptplatze anzünden und in der Kirche Konvent und Volk sich zur Lichterprozession besammeln, die sich in frühern Jahrhunderten vom Kirchenportal zwischen 2 Reihen Fakeln am Frauenbrunnen vorbei zum Altar vor dem Rathaus bewegte, beleuchten die Häuserbesitzer alle Bauten, die den Hauptplatz umgeben. Bis um 1900 herum benutzte man runde Gläser, die mit Brennöl gefüllt und mit einem Docht versehen waren. An der Großen Engelweihe" beleuchten die Häuserbesitzer an der Hauptstraße auch ihre Bauten. Ursprünglich, d. h. bis um 1870 bediente man sich kleiner cubischer Lehmklötzchen, in die man eine kleine Wachskerze steckte. Von da an brannten die Hafner kleine Kerzenstöcklein mit einer Tropfrinne. Man benutzte Kerzehen aus Stearin oder Composition, für den einmaligen. Brand die 4oer, für den zweimaligen Brand die 24er. Seit ungefähr 1900 sind die rundlichen Glasampeln gebräuchlich, die mit einem Paraffinpflock versehen werden. Die 4 bis 5 übereinanderliegenden Lichterreihen. die mit der gerundeten Linie des Hauptplatzes und der elegant ansteigenden Linie' der Hauptstraße übereinstimmen, machen in der Dunkelheit einen überwältigenden Eindruck. Die vornehmste Wirkung wird erzielt, wenn man senkrechte Linien und farbige Lichteffekte vermeidet, Straßen-, Wirtschafts- und Schaufensterlaternen ausschaltet. Während der Dauer des Millenariums wurde die Beleuchtung des Hauptplatzes und der Hauptstraße nicht nur an der Engelweihe, sondern auch an einigen andern kirchlichen Festen durchgeführt.

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44. Die sogen. Standeskerze des Bezirkes EinsieDeI n. Die Stiftsarchivaren Dr. P. Odilo Ringholz und P. Rudolf Henggeler haben die Geschichte der sogen. Standeskerzen, jener in der "Wallfahrtsgeschichte" und dieser in den "Mariengrüßen niedergeschrieben. Dort ist auch das Wesentliche über die Standeskerze des Bezirkes Einsiedeln zu lesen. Auf das Millenarium des Stiftes und der Waldstatt Einsiedeln 934-1934 haben Bezirksrat und Volk von Einsiedeln dem hiesigen Heiligtum nach einem Unterbruche von ungezählten Jahrzehnten wieder einmal eine Standeskerze gestiftet. Sie wurde vom Bezirksrat feierlich übergeben. Der Bezirksläufer trug sie an der Spitze des Rates. Die Standeskerze ist mit dem Waldstattwappen in spätgotischer Ausführung geziert. Am Schlußfeste des Millenariums vom 14. Okt. 1934 trug sie, wiederum der Bezirksläufer, gefolgt vom Bezirksrat an der Spitze der andern Standeskerzen, in feierlicher Prozession von der Kirche über den Hauptplatz und durch die Hauptstraße bis zur St. Meinradsstatue am Bahnhof und zurück in die Stiftskirche. Am Millenarium hat die Zahl der gestifteten Standeskerzen 26 erreicht: Sie übertrifft alle vorherigen Stiftungen. Die Standesund Ortswappen, die die Kerzen zieren, wurden vor der Uebergabe auf ihre heraldische Richtigkeit geprüft und da wo nötig befunden, revidiert. Sie wurden vor dem Gitter des Dreifaltigkeitsaltars in zwangloser Reihenfolge aufgestellt. Hier die Stifter: Bezirksrat und· Volk von Einsiedeln, Regierung und Volk von Schwyz, Regierung und Volk von Uri, Regierung und Volk von Nidwalden, Regierung und Volk von Obwalden, Kath. Volk von Zürich, Regierung und Volk von Luzern, Regierung und Volk von Zug, Regierung und Volk des kath. Glarus, Regierung und Volk von Freiburg (deutscher Teil), Regierung und Volk von Freiburg (französischer Teil), Kath. Volk von Basel, Kath. Volk von Appenzell I.-Rh., Kath -,Yolk des Aargaus, Kath. Volk des Thurgaus, Regierung und Volk des Wallis, Kath. Volk von Solothurn, Stand St. Gallen, Stand Tessin, Stadtrat und Volk von Rapperswil, Kath. Volk von Baden (Aargau), Volk von Menzingen, die schweiz. Terziaren, die päpstlichen Schweizer.gardisten von Rom, Regierung und Volk des Vorarlberges und St. gallischen Rheintals, Regierung und Volk von Liechtenstein. Die Mehrzahl- der Standeskerzen stammen von Wachsmodelleur Emil Schnyder in Einsiedeln, einige von Wachsmodelleur Hermann Lienert in Einsiedeln und eine von Wachsmodelleur Herzog in Sursee. oC

45. Aus ruf e r. Der Ausrufer ist hier in einer Person auch Dienstmann. Er wird häufig "Expreß" genannt. Seine Stelle wird amtlich .zum Bewerb ausgeschrieben. Der kleine Ueberrest an Originalität

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Solche Verrichtungen sind das liegt in seinen Verrichtungen. Ausrufen von Kaufgelegenheiten, z. B. Gemüse und Obst im Sommer, in der Fastnachtszeit Blut- und Leberwürste, in der Fastenzeit Meerfische, an den sog. Stoßtagen (Tage großen Pilgerandranges) die Aufforderung zum Anmelden leerer Hotel- und Privatbetten, bei andauernder Hitze oder Kälte Abstellen des Trinkwassers der Bezirkswasserversorgung, die Anzeige verlorener Wertsachen usw. Bis um 1855 mußte der Bezirksweibel amtliche Erlasse ausrufen. Das geschah in der Regel am Sonntagmorgen nach der Pfarrmesse. Ein Trommler begleitete ihn. Zuletzt war es ein Dorffaktotum, genannt "Barabas", der die Trommel schlug. Noch um jene Zeit präsentierte sich der Ausrufer als eine heimelige Figur. Er trug eine farbige Mütze, genannt Dächlichappe, eine lange Bluse und einen Riemen um den Leib. In der Hand hielt er eine Schelle. Heute folgt er dem Weg der faden neuzeitlichen Uniformierungsmanier, genau wie die Briefträger, der Musikant, der Postillon, der Landjäger, der Wächter usw. bis sich, wovon uns Gott bewahre, alle des Alltagskleides bemächtigen und ihre Bestimmung noch etwa mit einem Metallschildchen oder Zeichen am Hut verraten lassen. Diese Sache ist dekadent und das besonders, weil ausgerechnet unser Staat der Originalität kein Auge weiht. Man behafte mich dafür. Keinem dieser Faktoten kann nachgesagt werden, er müsse sich den Anforderungen der Feldmäßigkeit unterziehen, wie z. B. dem Soldaten. Ihre Auffälligkeit hat sogar praktische Vorteile. Vom Ausrufen des Kabis ist folgende Melodie überliefert. Um die Wirkung zu verstärken, hielt der Ausrufer die Hände trichterförmig an den Mund.

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Pi - e - ssä Li - se-beth ab - ä la.u- fe, s'Häut-li zwei Ba - tze Noten von Alois Weidmann Das Ausrufen von Waren auf den Dorfstraßen ist seit einigen Jahren amtlich verboten. Die Verkäufer dürfen ihre Anwesenheit nur mit einern Glockenzeichen ankünden. 46. Pi 1 ger b r ä u c h e. Viele Pilger, jung und alt, trinken in der Runde aus jeder der 14 Röhren des Liebfrauenbrunnens einen Schluck Wasser. Da, wo sie beginnen, hängen sie einen Rosenkranz oder ein Taschentuch um die Röhre. P. Odilo sagt in seiner


Wallfahrtsgeschichte, "Er habe nicht erfahren können, worauf sich diese Uebung gründe, wahrscheinlich aber sei, daß die Pilger trinken, weil sie dem Wasser Heilkraft zuschreiben und irrtümlich glauben, es sei gesegnet". Es gibt auch Pilger, die annehmen, dort habe der Brunnen des h1. Meinrads .gestanden. Radegg hat der Heilkraft des Frauenbrunnens ein Gedicht gewidmet (Geschichtsfreund X, Seite 185). Die Rapperswiler, deren Kreuzgang nach Einsiedeln seit dem 17. Jahrhundert besteht, nennen den "Frauenbrunnen" "KindIibrunnen", weil junge Frauen sich von seinem Wasser Erfolg für die Mutterschaft versprechen. Gegenstand der Verehrung war in früheren Jahrhunderten das angebliche Handzeichen des Heilandes. Im Stein oberhalb der Eingangstüre der frühem Gnadenkapelle waren 5 tiefe Löcher, die aussahen wie Fingereindrücke. Die Pilger glaubten,. der Heiland habe dieses Handzeichen eingedrückt und sie legten deshalb ihre Finger in die Oeffnungen. Beachtenswert sind die Bußübungen vieler Pilger. In frühem Jahrhunderten steckten sie Erbsen oder Steinehen in die Schuhe, um das Pilgern schmerzlich zu gestalten. Andere Pilger legten die letzte Wegstrecke, z. B. vom Etzel oder vom Katzenstrick bis zur Kirche auf den Knien zurück. Es geschieht heute noch, daß Pilger nüchtern wallfahren. Bis ums Jahr 1850 war es Gewohnheit der Pilger, in die Ritzen der Feldkreuze und Bildstöcklein kleine Kreuzlein zu stecken. Sie formten diese Kreuzlein von aufgelesenen Holzstücken. Das letzte Holzkreuz, in dessen Fugen noch Dutzende von Kreuzlein steckten, war das auf dem Schnabelsberg. Seit zirka 1860 steht dort ein Eisenkreuz. Als frommer Brauch der Pilger muß auch ihre Gewohnheit angesehen werden, Rosenkränze, genannt "Dreißiger", Krücken, Fesseln, in frühem Jahrhunderten sogar Kanonenkugeln usw. an der Rückwand des Kirchenschiffes aufzuhängen. Die Pilger dankten der Muttergottes für ihren Beistand. Weiteres über die Wallfahrtsbräuche vernehmen wir von Dr. Linus Birchler in "Schweizer Volksleben" (Prof. J. Brockmann, Rentschverlag, Erlenbach). "Neben den eßbaren Schäfli werden in .Einsiedeln auch Agnus Dei aus Wachs oder Metall hergestellt. Doch leider treten heute billige Reiseandenken aller Art in recht geschmackloser Aufmachung weitaus in den Vordergrund. Zu den früheren Wallfahrtsandenken, die P. Odilo Ringholz, O. S. B., beschrieben hat, gehörten vor allen Erkennungsmarken, die sichtbar auf die Kleider oder Hüte aufgenäht und zu Hause sorgfältig aufbewahrt wurden. Schon im 14. Jahrhundert wurde eine Marke, den Märtyrertod des heiligen Meinrad darstellend, in Blei gegossen und den Pilgern überlassen. Mehrere Denkmünzen und Medaillen ließ das Stift 97


selber schlagen und verkaufen oder schenkte sie an hervorragende Pilger. Manche Einsiedler Medaillen sind aus Flüssen, so zum Beispiel aus der Seine, ausgebaggert worden, warfen doch die Gläubigen bei Hochwasser geweihte Medaillen in Bäche und Flüsse. Ein heute vergessenes Wallfahrtsandenken sind die kleinen silbernen Wetterglöcklein, die geweiht und mit dem Gnadenbilde in Be-. rührung gebracht worden waren. Sie waren recht klein, besaßen nur drei Zentimeter Länge und dreieinhalb Zentimeter Breite, Mit solchen Glocken läuteten die Gläubigen bei Wettergefahr. Noch heute haben in Einsiedeln geweihte Glocken einen Ruf: Aus Schwaben einreisende Pilger suchen sich solche zu erwerben, Da sie keine finden, nehmen sie schließlich mit einer gewöhnlichen Schelle vorlieb und lassen diese weihen. Das Wetterläuten der Kirchenglocken kommt heute auch in kath. Gegenden außer Uebung und es wird dann durch das Läuten mit kleinen Schellen ersetzt. Massenhaft werden noch jetzt Nachbildungen des Gnadenbildes Unserer Lb. Frau von Einsiedeln verkauft, leicht kenntlich an dem barocken weißen Kleide, das die Kleidung am österreichischen Hofe um 1800 zum Vorbild hatte. Das Kloster hat die Herstellung solcher Nachbildungen um 1798 den Waldleuten überlassen und besonders die Schwaben nehmen sie gerne als "Kindie' 'mit. Auch um dieses Wallfahrtsandenken werden sie von Kindern angebettelt. Selbst protestantische Kinder von Zürich suchten von den wandernden Pilgern solche zu erhalten und nannten sie "Schwabengötzli". (Näheres auch im Abschnitt "Pfingstbräuche"). Die Pilger nehmen nicht nur diese und viele andere volkstümliche Andenken mit nach Hause, sondern sie erwerben auch, bevor sie die Kirche betreten, Kerzen und Wachsfiguren, die Kinder, Köpfe; Herzen, Hände, Füße, Rinder, Pferde und ähnliches darstellen, um ihren Anliegen und Gebeten einen bestimmten Ausdruck zu geben. Nach dem Gottesdienst werden die Wachsfiguren an den Altargittern aufgehängt. Sie erinnern uns an die Tausende vori Votivgaben und -tafeln, die an den seitlichen Kircheneingängen aufgehängt sind und uns so recht in die Volksseele hineinsehen lassen. Oft genug versuchten die Pilger, Oel aus der Lampe, die vor dem Muttergottesbildbrennt, zu erhalten. Das Kloster, später das Pfarramt Einsiedeln, gaben solches Oel in versiegelten Fläschchen ab. Es wurde zum Einreiben bei Krankheiten, viel seltener zum Brennen verwendet. Ist dieser Brauch verschwunden. so lebt im Volke noch die Idee weiter, daß dem Wasser des Brunnens, von dem der heilige Meinrad getrunken haben soll, eine besondere Heilkraft zukomme, eine Meinung, die auch der heutige Pilger noch hegt. Von dem Frauenbrunnen vor dem Kloster


trinkt er dreimal aus jeder der vierzehn Röhren oder sammelt das Wasser in einer Flasche, die er schüttelt, ehe er davon genießt. Häufig wird auch dies Wasser mit nach Hause genommen." Kranken Pilgern werden. die J osefsringe angeboten, die Krampf und Gicht beseitigen sollen. Gelungene alte Wallfahrtsandenken waren die gestochenen oder in Holz geschnittenen EinsiedlerHelglein, die Schnecken mit den Klosterfrauenfigürchen aus' Wachs darin, die zierlichen Muttergottesfigürchen aus Wachs unter kleinen Glasglocken, die vielfarbig bossierten Wachsrodel und Wachskerzen (früher aus Unschlitt) und die "Stecken" (Pilgere' stäbe). Wer sich kostenhalber etwas Apartes leisten konnte, ließ gelegentlich ein Miniaturwachsportrait durch die Künstlerfamilien Birchler oder Kuriger anfertigen. Von allen Wallfahrt san denken stehen die Gebetbücher und Rosenkränze und Medaillen im Vordergrund des Interesses. Die über 30 Gebetbücher des P. Cölestin Muff verzeichnen allein eine Auflage von gegen 500,000 Exemplaren. Rosenkränze werden in über 100 verschiedenen Mustern angeboten. Die "Bätlin-Trayer" (Betlifaßer) waren im 17. Jahrhundert so zahlreich, daß sich 1688 die Meister verpflichteten, IO Jahre lang keinen Jungen das, "Bätlintrayen" zu lehren. Die Medaillenpräger, "Zeichelinmacher", genannt, hatten immer Arbeit. In frühern Jahrzehnten galten die "Zeichelin" als Beglaubigung für ([ie gemachte Wallfahrt nach Maria- Einsiedeln. Leider hält es schwer, gediegene Wallfahrtsandenken reibungslos zu verkaufen, da die Billigkeit in der Regel eine größere Rolle spielt, als Originalität und Kunstwert. Man hat schon verschiedene Male versucht, den Geschmack der Pilger anzuregen, indem man .auf Kongresse hin und neuestens für die Tausendjahrfeier künstlerisch hochstehende Wallfahrtegegenstände auf den Markt brachte. Ich erinnere an folgende: Das Hausaltärchen in Terra-, cotta der Bildhauerin Severina Lienert, ein Kongreßmedaillon mit der gotischen Madonna und dem Stiftsfigill von der gleichen Künstlerin, die Kruzifixe, Weihwasserkesseli, Statuen usw. in. Keramik der Lukasgesellschaft, die gotische Madonna der Kunstkeramik in Luzern, die Muttergottes-Plakette in Gips mit dem neuen Ausstellungskleid und eine gleichartige Muttergottes-Statue, beide in Aachen gegossen, das Medaillon von Prof. Zutt für die. Tausendjahrfeier, das Gnadenbild in rotem Wachs, goldverziert, Talerform und der hl. Meinrad mit dem Gnadenbild auf einer övalen farbigen Wachs plakette, beide von Bildhauer RöhrigLienert, das Medaillon für die Tausendjahrfeier des Kunstmalers, Eduard Rickenbach, die Muttergottes-Statue aus dem Atelier, Bernhard Schädler's nach einem alten Modell Peter Ochsners, rechteckige gebrannte Plaketten mit dem Muttergottesbild, runde Plaketten in Silber-, Messing-, Kupferimitation, ebenfalls mit dem Muttergottesbild.

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Die Wallfahrtsandenken werden in zahlreichen Läden am Hauptplatz, an der Haupt- und Schwanenstraße, in den sog. Kramgassen vor der Kirche, in den Sonnen-, Ilgen-, Pfauen- und Briielständen, in den Hausläden zahlreicher Gasthöfe und in den Ständen am Pilgerweg zum Frauenkloster "in der Au" verkauft. Von den letzteren, die diesen Pilgerweg heimelig machten, sind leider infolge des Pilgerrückganges die meisten aufgegeben worden. Wenn keine Pilger des Weges kommen, sitzen die Verkäuferinnen vor ihre Stände, biegen mit der Zange den geschmeidigen Draht und stecken Ringeli, Perlen und Zeichen daran. Das nennt man "Betlifassen". 47. Bi t t- un d Kre uzg änge de r Pfarrei Ei nsi edel n. Das Volk von Einsiedeln macht jährlich drei Gemeinde-Bittgänge, einen in die Kapelle auf der Etzel-Paßhöhe, einen in die Kapelle von Biberegg und einen in die Filialkirche von Euthal. Früher pilgerten die Gemeinden Lachen, Freienbach und Einsiedeln am St. Johannstag gemeinsam, auf den Etzel. Dem Bittgang nach Biberegg ist derjenige nach Steinen, dem nach Euthal derjenige nach Oberiberg vorausgegangen. Im 17. und 18. Jahrhundert wallfahrteten die teilnehmenden Geistlichen und Ratsherren zu Pferd. Es ist das aus Kirchenrechnungen ersichtlich. Heute wallfahren alle Teilnehmer zu Fuß. Die Zugsordnung ist folgende: An der Spitze in der Mitte der beiden Einerkolonnen geht ein Bub mit der Sammlungsglocke in der Band, an der Spitze der rechten Einerkolonne der Kreuzträger, an der Spitze der linken Einerkolonne der Fahnenträger. Hierauf folgt die männliche, dann die weibliche Jugend, zwischen den Einerkolonnen Lehrer und Lehrschwestern. Dann schließen sich die Männer an, an ihrer Spitze die Mitglieder des Bezirksrates. Den Schluß des Bittganges bilden die Frauen. Der Ortspfarrer geht in der Mitte der beiden Einerkolonnen der Männer. Die Feier besteht aus einer hl. Messe mit Predigt. Es wird ein Kirchenopfer aufgenommen. Nach der kirchlichen Feier verpflegen sich die Wallfahrer in umliegenden Wirtshäusern und kramen Eierröhrli, Krapfen und Bohnen heim. Im Jahre 1776 erließ der Rat ein Verbot an hausierende Frauen, den betenden Wallfahrern in geschlossener Kolonne Lebkuchen und Krapfen nachzutragen und anzubieten. Der Handel hatte in Zudringlichkeit ausgeartet. An seinen alten Brauch erinnert noch heute die Gepflogenheit, sich auf dem Rückweg von Biberegg auf dem Katzenstrick und auf dem Rückweg vom Etzel in den dortigen Wirtschaften mit Eierröhrli, Krapfen und Bohnen zu versorgen, um sie heimzukramen. Für den Heimweg werden Kreuz und Fahnentuch von den Trägern in eine Holzschachtel bezw. in ein Blechrohr verpackt und an Riemen auf dem Rücken getragen. Die Stangen werden geschul100


tert. Die Zugsordnung bleibt die gleiche, wie bei der Ankunft. Die Wallfahrt der Viertels-Kirchgemeinden in die Stiftskirche findet jedes Jahr 14 Tage nach Pfingsten, in der Regel am Dienstagmorgen statt. Das Volk nennt den Bittgang, bezw. Kreuzgang "äs Chrüüz", Das geschichtliche Material über die Einsiedler Kreuzgänge ist in folgenden Werken verwertet: . "Mitteilungen des historischen Vereins des Kt. Schwyz", 21. Heft (1910), Ringholz, "Beiträge zur Ortskunde der Höfe Wollerau und Pfäffikon im Kt. Schwyz" und "Kirchliches aus Einsiedeln" Seite 33 "Die Bitt- und Kreuzgänge der Pfarrei Einsiedeln" Seite 137. Faßbind's Manuskript "Religionsgeschichte" 4. Band, Seite 270 usw. Dettling "Die Bittgänge von und nach Jberg und das Kirchenopfer" bei M. Theiler Wollerau 1930. 48. Der T u r ben zeh n t e an die Kap u z i n e r von ~ a p p e rsw i 1. Es handelt sich nicht um eine verschriebene, sondern um eine freiwillige Zehnte, also um ein Almosen. Die Patres Kapuziner lassen gleich nach Neujahr durch einen ihrer Obern die Familien von Einsiedeln besuchen und nehmen von ihnen einen kleinen Barbetrag entgegen. Früher erhielt das Kloster seine Almosen in Naturalien. Bauern vom Horgenberg und Birchli tragen je einen oder zwei Körbe Turben zusammen. Einer unter ihnen organisiert das Aufgebot einiger Bauern, die Zugtiere besitzen. Die Turben werden am vereinbarten Tag in Bännen verladen und dann bewegt sich die Turbenfuhr mit 3 bis 4 Gespannen über Schindellegi nach Rapperswi1. Einige andere Bauern begleiten die Fuhren und helfen, in Rapperswil angelangt, abladen und eintragen. Der Brauch greift ins 17. Jahrhundert zurück. Das' älteste Wohltäterverzeichnis des Kapuzinerklosters nennt um das Ende des 17. Jahrhunderts folgende Geber: Den Abt, das Stift, ]ütz zum "Weis sen Wind", Kantzler Heinrich Latzarus, Vogt Gyr und dessen Sohn Säckelmeister Gyr zum "Ochsen". Der alte Brauch, den Kapuzinern im Frühling Frösche und Schnecken zu bringen, besteht heute noch. Wenn der P. Kapuziner im Auftrage seines Klosters die hiesigen Familien besucht, frägt er freundlich nach den Kindern und schenkt ihnen ein sog. "Amedeli" . Das Amedeli kennt man anderwärts unter dem Namen "Teufel~jägerli'\ Es ist ein farbiges Stoffsäckli in der Form eines Herzchens, das mit Sagmehl gefüllt, oben mit einer Oese und unten mit einem Seidenzütteli versehen ist. Man sagt, der Name erinnere an den h1. Amadeus. Nach einer andern Auslegung scheint das nicht zuzutreffen. .Arnadeli" sei vielmehr eine mundartliche Bezeichnung für "Amulett". Es gibt viele heidnische Amuletts. Um diesen entgegenzutreten, läßt die katholische Kirche, hauptsächlich durch die Patres Kapuziner, die 101


den Kitsch abergläubischer Bauern zu bekämpfen Gelegenheit haben, Medaillen; Agnus Dei, und Kräutersäckli segnen. Die Kinder hängen die "Amedeli" an die Halsketteli. Die Erwachsenen legen sie kranken Angehörigen unter das Kopfpolster der Betten. Das Volk glaubt zuversichtlich, die gesegneten "Amedeli" die an den Beistand Gottes erinnern; 'bringen Heilung und Gesundheit. Die Patres Kapuziner teilen den Kindern seit Alters her auch sog: "Huchhelgli" aus. Sie sind aus farbigem Cellulosepapier verfertigt und mit einem Heiligenbild bedruckt. Wenn man das Helglein behaucht, rollt es sich auf. Hieher rührt der Name "Huch· <helgli". ' :49. Ha u si n s c hr i f t e n, Haussegen und Wettersegen Die bekannten Hausinschriften in der Bündt, im Berner Oberland und im Oberwallis bestätigen den Glauben des Volkes an Gott und die Liebe zur heimatlichen Scholle. Sie werden in der Regel über den Haus- und Stalltüren in die Balken eingekerbt oder in 'die Mauer eingemeißelt, Hierzulande sind solche Hausinschriften eine Seltenheit. Das große Siedlungswerk im Sulzel, auf dem Altenberg und um den Waldweg, das unter der bewährten Leitung des Professors Bernhard und mit Beihilfe der Siedlungskommission des Bezirkes Einsiedeln erstanden ist, hat gewisse kulturelle Fortschritte gebracht und unter anderm auch das Interesse des Volkes für idealere Heimverhältnisse angeregt. Jüngst haben sich, ganz unerwartet, Käufer von Siedlungen mit dem Gesuch gemeldet, man möchte ihnen den Text für eine gute Hausinschrift verschaffen. Otto Hellrnut Lienert hat sofort einige Texte aus dem Aermel geschüttelt und sie zur freien Wahl gestellt. Sie lauten: Sy eigi Grund und Bode, Im schöine Schwyzerland, 'Wer wett si do nüd rohde, Für d'Fryheit und sy Stand! D'Sunne im Schybli, Gro Wulche und Glanz, Die wächsled im Läbe, Wie d'Päärli bim Tanz. I hange amym Hüsli, Aes wien ä Schnägg am Chüüs, Aes wien ä Burst, am Gspüsli Und d'Herelüüt am Zys. Wänn's dusse wohl will Und dinne guet goht, Sä weißt me, as's Hus 'Am rächte Platz stoht, ·102


Nu alemol um d'Lanzigzyt, Sä stellt me d'Maieuse Und dorffed im 'ne Schwyzerhus, Dr Gspüslig mit dr Gspuse. Was Sunneschy fürs Aerdeland, Ist für ne's Hus dr Fride, Drum sägnis's Ueserherrged's Hand, Biwahr's vor Chrüüz und Lyde. Der neue Brauch, an' Häusern und Ställen fromme oder fröhliche Inschriften anzubringen, ist lobenswert und darum wird er hier auch vorgemerkt. .' Die alten Haussegen und Wettersegen vergilben, die früher in vielen Bauernhäusern entweder an der Stubentüre oder an einer Schlafzimmerwand aufgehängt und bisweilen vor der versarnrnelten Familie als Abendgebet gelesen wurden. Wenn man nach; ihnen frägt, heißt es, man wolle nachsehen, ob irgendwo noch einer herumhänge. Daraus kann man schließen, daß man sich angewöhnt hat, ohne sie schlecht und recht auszukommen. Der gegenwärtige harte Kampf um das wirtschaftliche Bestehen des Einzelnen ruft der Einsicht, daß es schon viel bedeutet, Dach und Fach als Eigentum zu . besitzen, wenn auch in keinem Falle schuldenfrei. So sagen wir denn, "Die Weisheit des Haussegens krönt das Realistische des Kaufbriefes". Ein Haussegen und ein Wettersegen, die hier noch einigermaßen bekannt sind, sollen kurz beschrieben sein: Der Haussegen ist dem 111.Apostel Jakobus gewidmet. Er ist mit 7 Kupferstichbildern geschmückt, die Gottvater, Sohn und Heiliggeist, Jesus, St. Joseph, Sta. Maria, einen Erzengel, Iesus den Gekreuzigten und die Heiligen Kaspar, Melchior und Balthasar darstellen. Im Text werden Christus und die genannten Heiligen um Barmherzigkeit für das Hausvolk und Segnung von Speise. und Trank, Vieh und Früchten und Schutz vor Pest, Fieber, Wasser, Feuer, Ungewitter und Uebel gefleht. Das Schlußgebet lautet: Unter Deinem Schutz steht dieses Haus, Jesus, Maria, Joseph! Glücklich, die oft sprechen aus: Jesus, Maria, Joseph! Behüt dies Haus vor Pest und Brunst,' jesus, .Maria, Joseph! Vor Zauberei, Unheil und Mißgunst, Jesus, Maria, Joseph I Gebt über uns den Segen allezeit, Jesus, Maria, Joseph! Nach diesem Leben die ewige Freud, Jesus, Maria, Joseph! 1°3


Dieser Haussegen stammt aus dem Jahre 1867. Er wurde bei Joseph Eberle in Einsiedeln gedruckt. Der Wettersegen ist als "Bericht des Ursprungs und Kraft dieses Wettersegens" überschrieben. Dann folgt der Beschrieb des Ursprungs in einern Kloster bei Lissabon im Königreich Portugal. Anschließend folget das Gebet oder Segen wider das Hochgewitter". Am Fuße ist ein Bild des Gekreuzigten mit den beiden Schächern und Maria Magdalena und Marta abgedruckt. Der Wettersegen stammt aus dem Jahre 1858. Er wurde in Einsiedeln gedruckt. 50. Klausenlaufen und Infelntragen. Es beginnt in der Zeit um das Fest des hl. Nikolaus. Der Samichlaus im langen, weißen Faltengewand mit der großen kerzenbeleuchteten Jnfula auf dem Kopfe ist die Hauptperson. Um ihn reihen sich zwei oder drei wildbärtige Waldbrüder, die von einer schwarzen Kutte mit Kapuze umhüllt sind und eine Birkenrute in der Hand tragen. Beim Zunachten besucht der Samichlaus die Wohnung derjenigen Kinder, denen er etwas schenken will. Voll Ehrfurcht erwarten ihn die Kleinen auf den Knien, indern sie beten oder weinen. Er befragt die Eltern nach dem Betragen, während die Waldbrüder murrend und polternd den Kleinen Furcht einflößen. Bald öffnet sich dann der Quell kindlicher Freude, weil der Samichlaus zumeist befriedigende Auskunft erhält. Er beschwichtigt die. Waldbrüder und teilt den Kindern Nüsse, Lebkuchen, Schafböcke, Birnenweggli und Züpflli aus. Nachher verzieht er sich feierlich und mit Geräusch. Es ist schon vorgekommen, daß der Samichlaus die milde Würde seiner Rolle einen Augenblick vergaß und sich zu menschlich umtat, indern er den Waldbrüdern, die trotz Geheiß zu wenig lebhaft murrten und stampften, erbost zurief: "Murred ä chli, ihr Chaibe". Der Samichlaus besucht jeweilen auch unsere Kleinkinderschule. Die Kleinen empfangen ihn mit einern Gedichtlein, das folgendermaßen lautet: Wer lauft det mit so schwäre Schueh Und schlot so schreckli Türe zue? Mis Härzli chlopft so viel es mag, Hüt ischt halt Samichlausetag. Der Chlaus chunt usern finstre Wald Er ischt scho mängs Johrhundert alt. Im Summer bacht är gueti Chueche, Im Winter ehunt är üs cho bsueche .. Au je, hüt got's nu Mängem schlächt, Wo nüd hät chönne folge rächt. I04


Mir ischt äs bitzli Angst derbi, Bi nüd allewil ordli gsi. o liebe Samichlaus, ich bitt" Nimm mi dasmol nu nüd mit, Gib mir vo dine guete Sache Und 's nächst Jahr will is besser mache. (Verlaßt von Schwester Lena, Lehrerin). Zur Klauszeit trugen die Buben bis 1900 bei einbrechender Nacht rote, blaue oder grüne Infeln, die von einer Kerze beleuchtet waren, an langen Stecken in den dunkeln 'Seitengassen herum, um -die kleinen Kinder an das Nahen der Klauszeit zu erinnern. Diese Infelnträger wurden aber von andern Buben, die es auf das Zertrümmern der Papierhüllen abgesehen hatten, verfolgt. Ein Amtsverbot machte diesem Brauch ein jähes Ende. Das Infelntragen ist ein Nachklang des Klausjagens. 5 I. Dem W ei h n ach t ses e l e i n Heu leg e n. In mancher Haushaltung war es bis um 1900 herum üblich, daß die Kinder einige Abende vor der Weihnachtsbescherung dem Eselein, auf dem die Mutter Gottes mit dem Christkindlein geritten kommt, ein Häuflein Heu legen mußten. Die Kinder fragten in der Regel aus eigenem Antrieb, ob sie Heu holen dürfen. Sie bettelten dann bei -einem Viehhalter in der Nachbarschaft um eine Hampfle (wörtIich eine Hand voll) Heu und legten sie im Erdgeschoß sorgfältig hinter die Türe. Damit das Heu dem Eselein munde, streuten sie einwenig Salz darüber. Mit diesem Brauch war da und dort ein Ulk verbunden, nämlich der Muttergottes einige Weggli und dem Vater Josef ein Glas Wein bereit zu stellen. Jn der letzten Nacht vor der Bescherung entfernte die Mutter das Heu, weshalb die Kinder glaubten, das Christkindlein sei eingekehrt und das Eselein 'habe das Heu gefressen. Wein und Weggli mundeten irgendeinem dienstbaren Geist im Haus. In diesem Zusammenhang ist folgendes Sprüchlein aus dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannt: , Härzigs Aengeli, Rosestängeli, Wär i bi dir inne! I han äs Weggli, Im Hosetäschli, I ha dr's welle bringe. Ueber die Weihnachtsstimmung in unserem Hochtal äußert sich Meinrad Lienert in einer Zeitungsplauderei folgendermaßen: "Ueber die Weihnachtszeit überströmt die Leute eine Friedensstimmung. Der Hausvater schlüpft in einen warmen "Günsch" und brummt behaglich auf der Ofenbank, wie ein Bär, der Honig wittert. Und die Hausmutter hegt das pfändli und rüstet auf den N. Tag einen "Liengs Schwynigs", an dem sich ein Tisch voll


lebender Wesen einmal gehörig "vernüeyere" kann. Das Maitli aber mischt ein Rosoli, so rot wie eine brennende Liebe, für die Nachtbuben. Die Buben im Dorf grächen dem Eseli Heu und die Göflein begucken den roten Abendhimmel und rufen: "Muetter, lueget, s'Chrischchindli tuet bache!" Um die Häuser weht's wie stiller Friede und behagliche Ruhe und der peremptorische Rechtsstillstandbreitet schonend seine Fittige aus über alle Händel und Zahlungsbefehle" .

52. Culinarische Bräuche. Die Alten erzählten in den 60er Jahren: "Albigs sammelten wir im Spätherbst dürres Buchenlaub, trockneten es auf der Winde und stopften damit 'Säcke aus Jute oder Kölsch oder selbstgewobenen Leinen und schliefen darauf im breiten Auszugbett, oben wir Alten, unten in der Schublade die Gofen. Wir steckten im Lanzig einen Plätz Gummel, gruben sie im Herbstmonat nach Feierabend aus, kellerten sie in einer Chrüze und taten uns .im Winter am Häbl (gekocht) gütlich. Wenn sie vorzeitig aufgebraucht wurden, kauften wir aus dem Schulstubenhärdöpfelspeicher auf dem Rathaus ein Viertel Ueberjährige." Der gepflegte Kartoffelbau, der sich bis um I890 im Bezirk Einsiedeln auf ungefähr 800 Genossenteile erstreckte, erinnert stark an das Diktat der Selbstversorgung in den Hungerjahren um I8I7 und an die einfache Lebensweise der Waldleute im verflossenen Jahrhundert überhaupt. Rufen wir einige Zeugen an: Zu Großvaters Haushalt wurden die Gofen allabendlich an den runden KÜchentisch gerufen, wo sie geschwellte Gummel (gesottene Salzkartoffeln) schälen mußten. Wenn sie dann hin und wieder verstohlen einen Brocken in den Mund schoben, was der Großmutter selten entging, sagte sie über den Tisch hin: "So, issed nur druf los, ihr hend dä more die brötlete g'ha". Die Tochter eines Handwerkers flüsterte dem Vater beim Mittagessen zu: "Du Vatr, dr Gsell haut scho widr Brout ab". Ein Bauer warnte die Magd am Küchentisch: "Iß nüd so viel Chäs wie Härdöpfl l" Nicht umsonst wurde die Bedeutung der Kartoffelkost hierorts lange mit dem Volksspruch : "Rächt Liit, rächt Härdöpfl" zutreffend gekennzeichnet. Die Alten als "rechte Leute" zu ehren, ist umsomehr begründet, als sie sogar die einfachste Mahlzeit mit dem Gebet: "Gott sei Lob und Dank für Spys und Trank" beendigten, Was sich die Alten am Tisch selten gönnten, kann als zeitlich gebundene "culinarische Bräuche" registriert Werden. Ihre Geltung erstreckt sich auf Dreikönigen, Meinradstag, Fastnacht, Chilbi, Chlaustag und Weihnachten. Lassen wir uns die ortsüblichen Leckerbissen im Geiste auftischen. I06


Schulkinder, die regelmäßig entweder geschwellte Gummel· oder Rösti oder Stunggiszu essen bekamen, fragten die Mutter mit bittender Miene, "Wän gits wiedr emoIl Ofeturli?". (Wörtlich ein im Ofen gedörrter Fladen.) Die Antwort lautete "A Dry Könige odr am Meiredstag". Das Ofeturlibesteht aus folgenden Substanzen: 21/2 Pfund geriebene Kartoffeln, 1/2 Pfund Weizenmehl, 1/4, Pfund Butter, etwas geriebenen Käse und Salz gemischt, geknetet, ausgerollt, auf einem Blech gebacken und in kleine rechteckige Stücke ausgestochen. Das Ofenturli hat einen geschätzten Rivalen: die Chnöpfli mit Suurchruut. Ihre Bedeutung kommt in folgendem Spruch zum Ausdruck: Gott Lob und Dank, bi nümme chrank, mag wieder äs Bitzeli ässe. Ha us'me Viertl Chnöpfli gmacht . und aIli suubr gässe. (Viertel ist der vierte Teil eines Mütts Mehl.) Begehrlichere Kinder erinnerten die Mutter an die letztjährige Niedel mit den Worten "Muetter, tuest is am Meiredstag au wiedr ä Niedle schwinge?" Die pünktliche Erinnerung an die letztjährige zeigt, wie hoch sie geschätzt wurde. Je nach der Zahl der 'Familienangehörigen wurde beim Senn entweder eine "halbe" oder eine "ganze" Niedei bestellt, geschwungen, mit feinem Zucker bestreut und in Suppentellern aufgetischt. Wenn es hieß, "hüt Obed gits ä Niedle" erschienen Kind und Kegel pünktlich am Tisch. Zur Niedle wurden gern Hüppen (Waffeln) gegessen. Die Hüppen sind ein altbekanntes Hausgebäck. Wir kennen Hüppeneisen mit den Jahrzahlen 1564, 1740, 1751 usw. Sie sind mit Familienwappen, z. B. demjenigen des Abtes Reimann, der Gyr usw. oder mit feinen Ornamenten ciseliert. Ein altes Rezept für Rosenhüppen lautet folgendermaßen: Zwen Eywiß zuo Schnee, .2 Loth Zucker, 6 Loth Kernenmehl mit Rosenwasser verdünnt, .schnell gebacken und um das Hölzlin gedreht. Der Vorgang ist folgender: Weicher Teig aus Weizenmehl mit Zucker und Vanillepulver in einer Schüssel anrühren, glühende Holzkohlen auf einen Rost legen, die Glut mit dem Blasbalg unterhalten, Hüppeneisen darauf legen, öffnen, einen Löffel voll Teig darauf gießen, zudrücken, rasch öffnen, umkehren, flacher Teig mit dünnem Rundholz wellen und kühlen lassen, Die Hüppen wurden um diese Zeit von alten Frauen regelmäßig auch als Handelsware her.gestellt und hausiert. Wenn es heißt "jetzt chunt d'Chuechlizyt" so weiß jedes Kind, ·daß entweder die Fastnacht oder die Chilbi gemeint ist. An beiden Volksfesten herrschen Eieröhrli, im Volksmund "Eier1°7


röhrli" genannt und Chuechli, Chrapfe und Bohne. Die stark gebutterten Teige werden am Vorabend auf einem Brett gerollt, bezw. geschnitten, bezw. geglieft (gliefen ist der fachtechnische Ausdruck für Rundrnachen in der halbgeschlossenen Handballe) und im Ofenrohr bei kleiner Hitze gebacken. Ein ganzes Eieröhrli auf einmal zu bekommen, war für Kinder ein Ereignis. Hier das Rezept für die Chilbichuechli: 1 Tasse Rahm, 3' Tassen Milch, 2 Eier, eine Handvoll Salz, alles mit ungefähr 21/2 bis 3 Pfund Weiß mehl vermengt, bis ein weicher Teig entsteht. Aus feuerpolizeilichen Gründen wurde 1736 das Kräpflimachen sommerszeit nachmittags, bei Nacht aber das ganze Jahr verboten. Nachdem die aus lauter Holzbauten bestehende Waldstatt fünfmal ganz oder teilweise abbrannte und in 4- Fällen Unvorsichtigkeit die Brandursache war, kann man die vielseitigen amtlichen Vorschriften über das Heizen, Kochen, Sechten und Waschen verstehen. Die Hausfrauen obliegen dem Chuechlimachen mit großer Sorgfalt, fast mit Aufregung und lassen sich wie beim Waschen und Putzen nicht gern stören. Unser Haushalt jargon hat gleich eine entsprechende Ausdrucksweise gefunden. Wenn jemand die Geduld anderer unmäßig beansprucht, indem er sich lange "aufwarten" (bedienen) läßt, sagt man zu ihm wehleidig: "prässier chli, i -chuechle Dir nümme lang uf". An das Chuechle knüpft sich auch der Spruch: Domino, wärist frouh, hättist Chuechli überchouh. Nach der Schneeschmelze, d. h. gegen Ostern ruckt die Zeit der Frösche und Schnecken heran. Wenn man an regnerischen Abenden den Wassergräben entlang und um die Tümpel der Torfmoore Lichter aufleuchten sieht, weiß man, daß die Fröschner .an der Arbeit sind. Die Froschschenkel werden in Privathäuser und Wirtschaften verkauft. Man ißt sie gekocht oder gebacken. Im Volksmunde nennt man die Gebackenen "Frösche i de Hose". Zu Froschschenkeln werden gedämpfte Kartoffelmöckli aufgetischt. Die Schnecken werden in der Regel in die Städte .zeliefert, weil man sie dort _gut bezahlt. Die umständliche Zubereitung hält manche Hausfrau ab, sie im eigenen Haushalt zu verwenden. Vierzehn Tage vor Ostern gehen die Gitzihändler in die Haushaltungen und bieten junge Gitzi zum Kaufe an. Dem Gitzibraten setzte man früher viel Knoblauch zu. An Namenstagsfeiern, die hierorts noch Geltung haben, werden drei Festgebäcke bevorzugt, ja fast privilegiert, nämlich der Gugelhopf, die Rosindli- und die Mandeltorte. Ein drei bis vierfränkiger Gugelhopf ergötzt die ganze Tischrunde. So wie unser ä

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'Einsiedler "Schilt", den wir später beschreiben werden, das geeignetste Berufszeichen des Brotbäckers sein könnte, sollte der Gugelhopf, dieses prächtige Stilgebäck, das allgemeine Berufszeichen des Pastetenbäckers sein. Der Gugelhopf war vor 1900 auch der willkommene Leckerbissen der Erstkommunikanten und der Firmlinge. Für gute Schulleistungen, fleißige Botendienste und sorgfältiges Umgehen mit den Kleidern erhielten früher die Kinder als Belohnung abends nach der Suppe einen "Anke brut ". Das ist "ä Mocke Huusbrout" mit Butter bestrichen und feinem Zucker bestreut. Ich kann mir noch lebhaft vorstellen, wie verdrießlich es war, auf den "Anke brut" verzichten zu müssen oder gar ohne Suppe ins Bett gewiesen zu werden. Diese Strafe war damals gäng und gäb. Die Eltern bedienten sich nämlich mit Vorliebe retrograder Strafmittel, indem sie für gutes Betragen nichts Ungewöhnliches in Aussicht stellten, sondern für schlechtes Betragen etwas Gewöhntes entzogen. Wenn vom "Ankebrut" die Rede war, spielte auch das "Uufgsetzt Brot", in der Schriftsprache "Kopfbrot" genannt, eine Rolle, Aus dem "uufgsetzte Brout" konnte man "die gröschte Möcke schnyde". Das Kopfbrot ist unsere älteste Hausbrotform. Vor dem Einschießen faßt der Bäcker den zu 3 oder 5 pfündigen Langbrotlaiben gewirkten Teig mit beiden Händen im obern Drittel an, indem er die Daumenspitzen gegen die gestreckten Zeigfinger drückt, läßt die Teigmasse einen Augenblick hängen, damit sie sich zieht, schwingt sie aber rasch auf den Schüssel und legt den eingedrückten Drittel auf den mittlern Drittel um. Das Kopfbrot hat die gleiche Eigenschaft wie das Rundbrot, es bleibt länger frisch als das Langbrot. Der Samichlaus schenkte uns jeweilen einen großen Teller voll kleine Lebchueli, Baum- und Haselnüsse. Der Hergang ist (lern verehrten Leser aus der einschlägigen Schilderung bekannt. Die Läbchueli werden auch "Tirgel" oder "Tirggeli" genannt. Der Name Tirgel ist wahrscheinlich von den gemächlichen Handgriffen abgeleitet. Man sagt zu einer Person, die einen Gegenstand langsam, fast ängstlich durch die Finger gleiten läßt und ihn drückt und dreht "tirggle nüd ä so lang", was gleichbedeutend ist wie "döckle" (schwyzerisch) oder "g'fätterle" (zürcherisch). Beim Läbchuelimachen wird nämlich der aus Mehl und amerikanischem Bienenhonig bestehende Teig mit dem Wällholz ausgerollt, mit den Fingerspitzen auf eingeschnitzte Holzmodelle gedrückt und dann auf ein Blech umgelegt. Die religiösen Motive, wie St. Nikolaus, Geburt Christi, Maria Verkündigung, Erzengel, Pelikan als Symbol der Eucharistie, Jesulein usw., rechtfertigen die Annahme, daß die Läbchueli schon im 15, oder sogar im 14. Jahrhundert bekannt waren. Vielleicht wurden sie anfänglich in Klöstern gemacht. Die Modelle


verraten viel Kunstverständnis. Es gibt neue Modelle, die jenen alten mehr oder weniger gut nachgemacht sind. Später wurden auch Tiere, Blumen, Früchte, Spielkarten, Trachten, Krieger, Wappen, Buchstaben und Zahlen (ausschließlich Antiqua und altdeutsche Fraktur) auf die Modelle geschnitzt. Sie werden aus Birn- oder Apfelbaumholz verfertigt. Am begehrtesten sind die kleinen viereckigen und runden Läbchueli, weil die Mütter für wenig Geld viele Stücke erhalten und so das Interesse der Kinder vielseitiger. wecken. Im Geschenkemachen überbietet das "Christchindäli" den Sami chlaus" um das Mehrfache. Vor allem müssen die braunen und weißen gefüllten Lebkuchen, im Volksmund "Läbchuoschybe" genannt, gepriesen werden. Nach Dr. Linus Birchler werden sie 1550 zum ersten Mal erwähnt. Die Masse der braunen Scheiben besteht aus Weiß mehl, Honig, Zucker und Gewürz als Hauptbestandteile, die der weißen aus Weißmehl, Zucker und Eiern. Die Füllung setzt sich aus Bienenhonig, geriebenen Mandeln, Zucker und Gewürz zusammen. Das älteste Rezept dürfte das von Regierungsrat Stefan Steinauer-Benziger "ztlO den drey Hertzen' sein, dessen Rezeptbuch aus den 1850er Jahren stammt. Es stützt sich auf alte Ueberlieferungen. Die Lebkuchen werden auf Holzmodellen hergerichtet. 1894 schenkte mein Vater dem Landesmuseum 16 teils hölzerne, teils aus Ton gebrannte Modelle, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Die ältesten zeigen religiöse Motive wie Maria Verkündigung und die Flucht nach Aegypten. Nicht viel jünger sind die Modelle mit Tier- und Blumenbildern, unter andern ein sehr schön' gestochener Leu. Heute wird hauptsächlich das Bild der Klosterfassade verwendet. Die Umrahmung zeigt Tiere und Blumen. Beachtenswert sind ferner die braunen und weißen gefüllten Schlangen. Die flache Masse stellt eine rundgeformte Schlange dar, die sich in den Schwanz beißt. (Ein uraltes Symbol der Unsterblichkeit, sagt Dr. Birchler). Auf Weihnachten machen die Bäcker "Birewegge", Eierzüpf" und ,.,Eierchränz", diese mit einer Rosette auf dem Schluß. Der geflochtene Eierkranz wird bei uns vom Götti dem Göttikind zum Gutjahr geschenkt. Das Göttikind weiß also, warum es nicht vergißt, dem Götti rechtzeitig das "Gut jahr" zu wünschen. Die besten Birnenweggen werden aus Blätterteig gemacht, der ins Gebäck hinein gewickelt (Gegensatz umwickelt) wird. Die soeben geschilderten culinarischen Bräuche finden in der Herstellung des Wallfahrtsgebäcks eine lukrative Auswirkung. Typisch sind vor allem die Schafböcke und die braunen und weißen gefüllten Chräpfli. Der Schafbock hat die Form eines runden Scheibchens, das einen Rasenplatz darstellt, auf dessen Mitte ein Schaf ruht, Der billige 110


Teig ist aus Mehl und Chile- oder Havannahonig hergestellt. Die Schafböcke werden weich gebacken, sodaß nur die Köpfe knusperig sind. Die Schafbockbäcker verfertigen Stücke von .3 bis 15 cm. Durchmesser. Auf den großen Stücken ruhen zwei Mutterschafe und zwei Junge übers Kreuz. Die besten Abnehmer sind die Unterwaldner, die die Schafböcke "Holebänze" nennen (hole" heilig, Bänze-Schaf), die Ltizerner und Zuger, die sie "Häliböck" nennen, die Innerschwyzer und Zürcher. Die Schafböcke sind ohne Zweifel das älteste Wallfahrtsgebäck, dessen Ursprung ins Mittelalter zurückgreifen kann. Ueber die religiöse Bedeutung des Schafbockes, die augenfällig ist, äußert sich Dr. Linus Birchler folgendermaßen."Mit der Darstellung ist das Agnus Dei gemeint, das Lamm Gottes. Sie können mit dem römischen Agnus Dei zusammenhängen, aus dem Wachs der gebrauchten Osterkerzen hergestellte medaillenförmige Scheiben, die der Papst seit dem neunten Jahrhundert im ersten und im siebenten folgenden Regierungsjahr weiht. Als Nachahmung dieses römischen Wallfahrtsbrauches können die Schafböcke entstanden sein. Sie können aber auch mit dem Osterlamm zusammenhängen, ähnlich wie man jetzt noch in vielen Ländern auf Ostern Biscuitschäflein, in Oberitalien Täubchen, herstellt. " Altertümliche Wallfahrtsgebäcke sind auch die braunen und weißen gefüllten Chräpfli, je 6 aneinander, die aus der gleichen Teigmasse wie die Scheiben hergestellt werden. Der Teig wird mit den Fingerspitzen in ein stangenförmiges Holz- oder Gipsmodell gedrückt, auf dem stilisierte Blumen eingeschnitzt sind. An der Engelweihe des Jahres 1681 wurde der Chräpflihandel sogar Gegenstand eines hoheitlichen Zwiegesprächs. Eine arme Frau hatte unten an der Kirchenstiege den Pilgern Chräpfli angeboten. Weibel Birchler nahm sie ihr weg und trug sie in das Kloster hinauf, das kraft alter Uebung befugt war, Handelsbewilligungen zu erteilen und zu entziehen. Der h. Rat von Schwyz verlangte über die Rechte des Abtes Auskunft und veranlaßte den Weibel, der armen Frau die Chräpflizu vergüten. Er stützte sich auf seine Hoheitsrechte, die er auf diesem Gebiete schon 163 I praktisch ausübte, indem er den "Lebkuchenbächlern" erlaubte, an der Engelweihe Lebkuchen zu backen und feil zu halten. (Nach einem Manuskript von Kanzleidirektor M. Styger, Schwyz.) Die Pilger kaufen die Chräpfli. unter dem Namen "Frauechlosterchräpfli", weil viele glauben, das Nonnenkloster "in der Au" liefere sie den Pasteten bäckern zum Verkauf. Diese Bezeichnung wird gern als Aechtheitsbeweis gebraucht. Wenn am Pfingstmontag die traditionellen Kreuzgänge der Schwyzer und Zürcher hier weilen, sind gegen den Abend hin die Schafböcke und Chräpfli in den Läden ausverkauft. III


Es eIitspricht einer alten SItte der Zürcher, daß sie ihren gehörigen dazu einen Strauß "Einsiedlertrollen" (TrolIius Europaeus) heimkramen, die auf sumpfigen Matten massenhaft gedeihen. Eigentümlich ist, daß die Schafböcke von den Einsiedlern nicht gegessen werden. Man findet sie unter keinem Christbaum. Aber es hat eine Zeit gegeben, da die Einsiedler Kinder, wenn sie Sonntags einen "Fünfer" bekamen, mit strahlenden Augen in die Schafbockläden sprangen und sagten "i hett gäre für'ne Füfr rappig Schoufböck oder rappigi Läbchüeli, aber ä chli viel." Das Heimelige liegt darin, daß die Kinder bei diesen billigen Kleinkäufen noch extra betonten "aber ä chli viel", weil sie wußten, daß der Bäcker bereitwillig ein Stück "drüber ine" geben werde. Die rappigen Schafböcke und die rappigen Läbchueli waren infolge ihrer Billigkeit und Eignung zum "bäzge" (andauernd gierig beißen und kauen) eine gute Leistung unserer Schafbock bäcker, die dauernd der Vergangenheit angehören wird. Von unsern Brotsorten schätzen die Pilger den sog. "Schilt", von den Zürchern "Stern" genannt, sozusagen als Einsiedler Spezialität. Er besteht aus vier oval geglieften Stücken, die so zusammengesetzt sind, daß eine Kreuz- bezw. Schildform entsteht. Er ist aus Weißmehl, früher "Simmel" oder "Semmel" genannt, hergestellt. Der Schilt darf füglich als typisches Verkehrs brot bezeichnet werden. Seine Qualität entspricht dem Zug nach ganz. weißem Brot, er ist praktisch zum teilen und besitzt eine originelle Form. Wir haben im Abschnitt 4 über den von den Nachtbuben begehrten "Rosoli" geschrieben. Rosoli ist indes über Weihnachten, Neujahr und ,,3 Königen" ein eigentlicher Haustrunk. Es ist riicht das gleiche, ob eine Jungfer im Laden auch nur "äs BudeliSchnaps" oder sogar "ä ganzi Guttere Rosoli" kauft. Wenn sie Schnaps kauft, bringt sie ihren Wunsch kleinlaut, fast schamhaft vor, indem sie unter Weglassung des Prädikates zum Krämer sagt "I hätt gäre Budl vom billige (oder Budl vom bessere)". Der Verkäufer ist Psychologe. Er weiß, was die Jungfer meint. Kauft sie aber Rosoli, dann sagt sie es munter heraus und bemerkt dazu "mir wend hinicht chly ufsy". Der Rosoli enthält folgende Substanzen: Obstbranntwein, darin entweder aufgelösten schwarzen Candis oder aufgelösten gebrannten Sackzucker, den Saft gedörrter schwarzer Kirschen, Zimmtstengel getränkt und event. einen Gutsch (Guß) Nußwasseressenz. Man behauptet, Rosoli sei akurat diejenige Mixtur, die dem mit festtäglichen Leckerbissen beladenen Magen wohltue und eine angenehme Bettschwere erzeuge. Der mederne Bruder des Rosolis heißt "Meginrat", ein feiner Likör, der das herrschaftliche Buffet ziert und die festtägliche ä

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Mahlzeit krönt. Unterlassen wir schließlich nicht, den trinkhaften Einsiedler-Balsam zu erwähnen, der als pharmazeutisches Präparat gegen allerlei Schmerzen und Malästen empfohlen und in verschiedenen Marken lebhaft gehandelt wird. Sein Name greift als "Einsiedler Tropfen" in die Sechzigerjahre zurück. Damals erwarb ein hiesiger Bürger ein um 1850 aus Freiburg hieher gebrachtes. Rezept zu Eigentum .. . 53. Beileidsbezeug'\1ng und Beerdigung. Wenn jemand stirbt; zeigt es die Grabbeterin von Haus zu Haus an. Sie teilt zugleich mit, an welchem Morgen die Todesangstchristimesse und die Beerdigung stattfindet und an wie manchem Sonntag Nachmittag gebetet wird. Man nennt das "Umsagen". Zum Beten besammelt man sich nachmittags I Uhr beim "Großen Herrgott" und geht langsam auf den Kirchhof. Der oder die Verstorbene wird in einem Zimmer des Wohnhauses entweder im Bett oder im Sarg mit auf der Brust gefalteten Händen aufgebahrt. Dem Toten wird ein Sterbkreuzlein auf die Brust in den Sarg mitgegeben. Ueber Leiche und Sarg legt man einen großen, weißen Gaceschleier.Vier Wochen lang läßt man das Nachtlichtlein zum Heil seiner Seele brennen, in der Regel in seinem Sterbzimmer. Den Sarg stellt man zwischen Kränze und Blumen, die von Verwandten und Bekannten gewidmet werden. Statt Blumen werden jetzt häufig sogenannte geistige Blumenspenden (Gutscheine für heilige Messen oder Wohltätigkeitszwecke) überbracht. Auf einem Tischehen steht das Kruzifix oder eine Marienstatue, davor das Weihwassergefäß, darin ein Zephir- oder Weidenzweig. Die Verwandten gehen in der Regel am Tage nach Erhalt der Anzeige ins Haus und kondolieren. Sie verrichten ein kurzes Gebet vor der Bahre und trösten die Hinterlassenen. Auch die Vereine, denen der Verstorbene angehörte, lassen durch Präsident und Kassier im Hause kondolieren. Die Kondolierenden kleiden sich schwarz. Die Vereine übeneichen einen Kranz, wenn sich der Verstorbene um den Verein große Verdienste erworben hatte. Am Vorabend der Beerdigung wird der Tote eingebaumt. Wenn jemand außerhalb der Wohnung stirbt, sei es im Krankenhaus, sei es auf der Reise und wenn die, Leiche alsdann zum Aufbahren ins Wohnhaus zurückgebracht wird, gehen die Nachbarn ins Haus und beten am Sarg fünf .Vaterunser. Der Sarg für Kinder ist weiß gestrichen, der für Erwachsene schwarz oder braun. Auf dem Sargdeckel ist ein Kreuz gemalt. Das Kreuzlein, das von einem Buben dem Leichenzug vorangetragen wird, ist für Erwachsene schwarz, für Ledige und Kinder ,weiß. Die Crepeschleife ist nur für Kinder und junge Jungfrauen und junge Jünglinge 'weiß, für alle andern Personen schwarz. Eine halbe Stunde vor der Beerdigung wird der Sarg vor das 113

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Sterbehaus verbracht, damit die· Teilnehmer das Weihwasser sprengen können. Im Leichenzug werden kleine Kinder von einem Manne mit dem Sarg getragen. Erwachsene nimmt der Leichenwagen auf. Der Zug bewegt sich in strenger Ordnung. Einmal wird der sogenannte Kirchenweg benutzt, der nach dem Grundsatze gewählt ist, daß mit einer Leiche nie in rückwärtiger Richtung, d. h. gegen das Sterbehaus gefahren wird. Damit ist der Verzicht auf alles Gewesene angedeutet. Hinter dem Leichenwagen gehen der Vorbeter und ein Fahnenträger, neben dem Leichenwagen zwei Laternenträger. Vorbeter und Fahnenträger sind in lange schwarze offene Mäntel gehüllt. Die Laternenträger bekleiden sich mit dem schwarzen Kragenmantel, der weiß eingefaßt ist. Nachher kommt ein Bube mit dem Herz-Jesu-Fähnlein. An der Spitze der Männer gehen drei Erwachsene mit den sog. Stäben des Marianischen Rates, insofern der Verstorbene dieser Bruderschaft angehörte. Die Stäbe bestehen aus weißen Wachskerzen mit einer Bildfassung (Marienbild). Die Stab träger werden von der Bruderschaftsversammlung, die jeweilen um Ostern herum stattfindet, für ein Jahr gewählt. Ihre Stellvertreter lösen sie nach Jahresfrist ab. An der Spitze der Frauen, die sich den Männern anschließen, gehen 3 Frauen mit Marienstatuen in den gekreuzten Händen. War der od. die Verstorbene ledig, werden die Statuen von Jungfrauen getragen. Falls der od. die Verstorbene noch andern Bruderschaften angehörte, werden die entsprechenden Fähnlein im Zuge ebenfalls mitgetragen, eines vorn zwischen der offenen Einerkolonne der Männer, eines .vorn zwischen der offenen Einerkolonne , der Frauen und eines gegen den Schluß des Leichenzuges hin. Vor dem Friedhof angekommen, schließen alle Fahnenträger an die Spitze auf. Die Buben, die Bruderschaftsfähnlein tragen, sind mit schwarzen Kragenkutten und weißen Chorhemden bekleidet. Ueber die Zugsordnung ist noch Folgendes zu sagen: Die Grabbeterin bestellt beim Wachsfabrikanten rechtzeitig 4 große, in einen Handgriff zusammengestellte, weiße Wachskerzen, ebenfalls Stäbe genannt, die extra angefertigt werden und übergibt sie vor dem Leichenhause der Kerzenträgerin, Als Kerzenträgerin kommt nur eine Frau bezw. Jungfrau in Betracht, die rechts, d. h. Richtung Kirche vom Sterbehaus gesehen, wohnt. Ist dies jedoch nicht möglich, soll auf keinen Fall eine Frau angegangen werden, die in rückwärtiger Richtung wohnt. Die Kerzenträgerin läuft an der Spitze der rechten Einerkolonne der Frauen. An der Spitze der rechten Männerkolonne geht der Taufpate, an der Spitze der linken Männerkolonne der Firmpate des Verstorbenen. Das gleiche gilt für die Tauf- und Firmpatinnen in den beiden Kolonnen der Frauen. Wenn zwei Leichen am gleichen Morgen beerdigt werden, sollen die Verwandten der erstgestorbenen Person in der rechten 114


Kolonne gehen, die der andern Leiche in der linken Kolonne. Bevor diese Zugsordnung aufkam, mußten sich die Verwandten der zweitgestorbenen Person als eigene Zugsordnung hinter der Zugsordnung der erstgestorbenen bilden. Hinter den Verwandten schwenken die andern Teilnehmer von rechts und von links zwanglos ein. Die meisten erwarten den Leichenzug vor ihren Häusern am Kirchenweg. Sobald die Spitze des Leichenzuges vom nördlichen. Kirchturm aus auf dem Hauptplatze gesichtet wird, läutet der Sigrist mit 2 mittelgroßen Glocken, die den Toten begleiten, bis der Leichenwagen in die Bruelstraße eingemündet ist. Dann begrüßen 2 schrille Glöcklein den Toten vom Kirchhoftürmchen her. Ein aufmerksamer Sänger, der schon lange im Grabe liegt, hat ihre Töne zutreffend in die heimatliche Mundart umgesetzt "Gält chunst au, gält chunst au, gält chunst an .... " Auf der Höhe der Kirche erscheint der Ortspfarrer in Stola, Barett und Chorhemd, ihm zur Seite zwei Buben mit Weihrauchgefäßen. Der Ortspfarrer segnet die Leiche ein und begibt sich hinter dem Fahnenträger in die Zugsordnung. Vom Sterbehaus bis zur Einsegnung wird von den Teilnehmern das Ave Maria gebetet. Während der Gebetseinlage "Der Dich in den Himmel .aufgenommen hat" entblößen die Männer das Haupt. Nach dem Einsegnen wird bis zum Kirchhof das Vaterunser gebetet. An der Beerdigung nehmen auch die Mitglieder desjenigen Vereins mit der Fahne teil, dem der Verstorbene angehörte Alle Vereine marschieren an der Spitze des Zuges vor dem Totenwagen. Auf dem Friedhofe schwenkt und senkt der Fähnrich nach dem allgemeinen Gebet die Fahne über das Grab. Ansprachen, d. h. Rückrufe werden nur in außerordentlichen Fällen gehalten, z. B. beim Begraben eines Offiziers von hohem Rang, d. h. da wo offizielle militärische Funktionen angeordnet sind. Nach der Beerdigung gehen die Teilnehmer in die Kirche, wo die Begräbnismesse gelesen wird. Nach der Kommunion begehen sich die Kirchgänger in Einerkolonne zum Opferstock, Männer und Frauen getrennt, und legen an zwei Stellen eine Kupfer- oder Nickelmünze in einen Teller und kehren dann an ihren Platz zurück. Wenn das kleine Opfer mit einer guten Meinung verbunden ist, muß man die Uebung schätzen. Sie hat aber bisweilen formellen Charakter. Man will den Verwandten, die vorn stehen, zeigen, daß man auch da ist. Es sind vermutlich kleine geschäftliche Erwägungen damit verbunden. Es konnte deshalb vorkommen, daß, wenn zufällig Kleingeld im Geldsäckel fehlte, man nur "tüpfen" ging. Ordentlicherweise opferte man einen Räppler oder Zweiräppler. Wenn an ein und demselben Sonntag eine Begräbnismesse (Totenmesse), der Siebente, der Dreißigste und eine Jahrzeit stattfinden, gehen beim Opfern immer die Leidleute der letztverstorbenen Person voran.


Wohlhabende Familien laden die auswärts ersohienen Bekannten zu einem Totenmahl ein, an dem in der Regel ein Verwandter des Verstorbenen für die Beileidsbezeugungen dankt. Die Danksagung wird regelmäßig in einem Inserat der Ortsblätter abgestattet. Im Inserat werden alle Personen, Instanzen und Vereine, der Ortsgeistliche an der Spitze, namentlich erwähnt. 'Fast jedem Verstorbenen wird in der Ortspresse ein Nachruf gewidmet. Bis um 1860 war es Brauch, die Mitglieder der "Liebfrauenbruderschaft" durch Ausrufen zur Teilnahme an der Beerdigung eines Mitgliedes einzuladen. Dieser Ausruf wurde um 1875 auf besendem Wunsch einer Frau Steiner-Benziger nochmals wiederholt. Seither ist er erloschen. Der letzte Ausrufer war des sog_ Chappemachers Bub, Lehrer Schönbächler (in Schwyz gestorben). Der Ausruf lautete folgendermaßen:

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J J J J J l JJ@t?==E9R= Sö-Täd

mo - re mor-ged z'Chi-le.eho, für d'Jumpfer Cha-ri-

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se - re Lieb-frau-e-Bruederschaft im Rout iseht. Noten von Alois Weidmann

Auf das hin erschienen am Morgen die Mitglieder der "Liebfrallenbruderschaft" vor dem Trauerhause mit einer brennenden Kerze in der Hand, um an der Beerdigung teilzunehmen. Die Abschaffung erfolgte aus praktischen Erwägungen: Das Kerzenlicht löschte im Winde aus, die Trägerinnen verunreinigten die Kleider mit Kerzentropfen, Trauerflore entzündeten sich usw. Vermutlich wurde alsdann der dreifache Bruderschaftsstab als Ersatz für das allgemeine Kerzentragen eingeführt. Für die verstorbene Person werden in der Regel der Siebente, der Dreißigste und das Jahrzeitamt gehalten. Zeit und Ort sagt die Umsagerin an. Auf Allerheiligen und Allerseelen werden die Gräber mit grünen Kränzen und Blumen geschmückt. Man verwendet bisweilen auch Kränze aus Draht- und Perlengeflecht. Man stellt ein Weihwasserbecken aufs Grab und legt einen Buchszweig darein. In den Morgen- und Nachmittagsstunden be116


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suchen die nächsten Familienangehörigen, schwarz gekleidet, die Gräber und beten dort einige Vaterunser und Ave Maria. Mit der Pflege des Friedhofs befaßt sich ein Verein, der auch die Begräbnisordnung überwacht. Die Grablegung erfolgt in der Reihe des Sterbtages. Die Erwachsenen werden in die großen, die Kinder in die kleinen Rabatten (Felder) gelegt, Nach Ablauf der Grabesruhe der Leichen dürfen die Grabsteine an die Umfassungsmauer gestellt werden. Wenn dies 3 Monate nach Ablauf nicht geschehen ist, sind die Grabsteine Eigentum des Vereins, Familiengräber außer der Reihenfolge des Sterbtages gibt es nicht, Hingegen sind 5 Familiengedenksteine vorhanden (Bodenmüller und Oechslin, Kälin, Gyr, Birchler, Steinauer), die in die westliche Mauer des ältesten Friedhof teiles überhöht eingebaut sind, Die der Bodenmüller., Gyr und Birchler stammen von Bildhauer Bodenmüller (I795-I836), von dem wahrscheinlich die Anregung ausgegangen war, Sie tragen die Namen verstorbener Vertreter einer Linie des betreffenden Stammes. Da diese Gedenksteine der Friedhofordnung nicht widersprechen, den Friedhof aber zieren und dem einheimischen Kunstgewerbe Schaffens-gelegenheit geben, darf die Anlage neuer Gedenksteine an den neuern Umfassungsmauern durch Stiftung im Sinne der bestehenden nur begrüßt werden, Jedermann kann ein bezügliches Gesuch stellen. Somit hat die Anlage nie den Charakter eines Privilegs für einzelne Familien gehabt. Im Laufe der Zeit sind einige Bräuche teils erloschen, teils abgeändert worden. Beispiele: 1868 fand die Beerdigung nach der Vesper statt. Vielseitige Unterbrüche der Arbeitszeit am Werktag veranlaßten die Verlegung auf den frühen Morgen. Bis um 1870 mußten die Männer der nächsten Verwandtschaft des Verstorbenen im schwarzen Mantel, die Frauen im schwarzen Shawl erscheinen. Nach dem Beten in der Schulhauskapelle hielt immer ein Mitglied .aus der Familie des Verstorbenen eine Ansprache, indem er für das Gebet dankte und den Toten der Erinnerung der Lebenden empfahl. Dieser Brauch zeigte Unzukömmlichkeiten, da nicht immer jede Familie über ein männliches Mitglied verfügte, das zum Sprechen aufgelegt oder geeignet war. Die letzte Ansprache wurde anläßlich der Beerdigung des alten Frank Kälin gehalten. Am Grabe widmete der Ortspfarrer dem Toten einen Nachruf. Dieser Brauch ist seit 1893 erloschen, weil der Ortspfarrer aus erklärlichen Gründen nicht immer nur das Rühmlichste erwähnen konnte, sodaß die Hinterlassenen nicht jedes Mal befriedigt waren. Während der Totengräber in Gegenwart des Pfarrers das Grab zudeckte, den Grabhügel erstellte und das Kreuz aufpflanzte, beteten die Leidleute in der St. Benediktskapelle und begaben sich erst nachher zum Grab, um es mit Weihwasser zu besprengen. Die Handhabung der Friedhofordnung oblag bis ungefähr 1870 117


dem Bettelvogt. An Allerheiligen wurde bis 1865 für die Verschönerung des Friedhofs an der Kirchhof türe ein Opfer aufgenommen, das manchmal einen guten Erfolg hatte. Als man um 1859 die Abtragung und Verlegung der alten' Beinhauskirche auf der Nordseite des Klosters vollzog, wurden die Rechtsamen und Pflichten auf das neue Beinhaus auf der Ostseite der St. Benediktkapelle auf dem Friedhof übertragen. Die Aufbewahrung der ausgegrabenen Totenschädel erfolgte von nun an daselbst. An beiden Wänden neben dem Altärchen waren Gestelle mit' Fächern angebracht. Jedes Fach enthielt einen Schädel mit Familien- und Vorname, Geburts- und Sterbejahr des Toten. In den Fächern lagen noch Totenschädel aus den Jahren vor 1800. Beim Altärchen lag eine Schublade, in die Besucher des Beinhauses einen Zettel legten, als Ausweis, daß sie für die Toten 3 Vater Unser gebetet haben. Um 1895 öffnete der Totengräber auftragsgemäß vor dem Beinhaus ein Grab, legte alle Schädel in guter Ordnung hinein, worauf der Ortspfarrer das Grab einsegnete. Später sollen auch an der südwestlichen Ecke des neuen, leicht ansteigenden Friedhof teiles nochmals Schädel vergraben worden sein. (Literatur über den Friedhof in Odilo's "Stiftsgeschichte", "Wallfahrtsgeschichte" und in "Die Begräbnisstätten", in Dr. Birchler's _,Kunstdenkmäler" in Gyr's Beilage der N. E. Z.) 54. Fe c k erb r ä u c h e. Die Feckerbräuche hier zu schildern, wäre insoweit angezeigt, als zahlreiche Fecker, hauptsächlich Männer, anläßlich der kantonalen Zuteilung im Jahre 1841 in der Gemeinde Einsiedeln eingebürgert wurden und noch insoweit, .als in unserer Gegend einige Familien, wie kaum anderswo, nomadenhaft leben. Allerdings ist es nicht leicht, originelle Bräuche zu ermitteln, weil die älteren Männer, die Bräucrie pflegen, gegen Wißbegierige anderer Stände verschlossen sind. Man müßte es begrüßen, wenn gelegentlich ein junger Akademiker die Feckerfrage im allgemeinen zum Gegenstand einer Dissertation wählen würde. Besonders wichtig ist die sozial-wirrschaftliehe Seite. Warum? Die Zahl der Familien ist im Wachsen begriffen; die verursachten Waisen- und Armenlasten nehmen jährlich zu usw. Zur Illustration des Feckerbewußtseins über ihr Stärkeverhältnis sei hier an ein Zitat erinnert: Ein alter Vertreter dieses Standes sagte vor etwa 2 Jahrzehnten zum Bezirksammann und Armenverwalter Konrad Oechslin: "Warrted nurr, bis mirr üchs drr Landamme stelled!" 55· Kar t e n s pie I e. Bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts erfreuten sich wechselweise zahlreiche originelle 'Kartenspiele großer Beliebtheit. Wir zählen sie hier auf, ohne die Spielregeln zu besprechen. II8


Kaisern, Bandure, Träntne, Flüßle, Mariarsche, Betne, Bänkle, Tschiriginggäle, Bettler uusm Land jage, Scharjaß, Chöpferölli, Ramse, Bölliramse, Fischentaler, Hopse, Schmaus, Gspa, sowie die verschiedeneri Jaß arten als Handjaß, Kreuzjaß, Schieber, Hindersijaß, Differenz, Schlunguus, Räuber, Bolschewiki, Schaffhauser, Zuger, Büter, Aucho. Viele werden jetzt noch regelmäßig gespielt. . Früher ging es in der Regel um eine Niedel oder um 2 Schilling. Jetzt spielt man um den schwarzen Kaffee oder um Wein oder um 50 Rp. pro Tour. Das Spielen um größere Beträge ist verboten. Diese Verbote greifen weit zurück. Am 5. Oktober 1586 ließ der Rat von Einsiedeln in der Kirche durch einen Ruf verkünden, daß niemand weder tags noch nachts spielen dürfe. Finde man aber einen ungehorsam, werde man ihn strafen, "das er wellte, das ers erspart hette." Sonntag vor Lichtmeß 1588 erkennt der Rat neuerdings auf einen Ruf in der Kirche, daß Spielen bei 5 Gulderi Buße verboten sei. Ebenfalls Sonntag vor Lichtmeß des folgenden Jahres wird erkennt: Die um einen Batzen oder fünf Schillinge gespielt, werden mit einer Krone, die um einen Angster gespielt, werden mit einem Gulden und die um Niedel gespielt, mit fünf Batzen gebüßt. Am 2. Mai 1779 verordnete die Landsgemeinde, daß vom Aschermittwoch bis zum hl. Kreuzestag im Herbstmonat alles Tanzen und Kartenspielen im ganzen Lande verboten sein solle. Hier werden immer noch fast ausschließlich die einfachen deutschen Jaßkarten gebraucht. Seit einigen Jahren haben sich auch die Karten mit den doppelten Figuren Eingang verschafft. Von den zeichnerischen Neuschöpfungen will man nichts wissen. Bis um I890 herum war das Spielgebot "Hier gilt Stöck, Wys, Stich" in den Wirtschaften angeschlagen, als Hinweis und Warnung an' Fremde, sich den örtlichen Spielregeln zu unterziehen. Die eingefleischten Liebhaber des Kartenspiels sehnen sich nach dem Preisjasset, der ordentlicherweise um ,,3 Königen" in einem Wirtshause stattfindet. Der Gastwirt beschafft und bezahlt die Rangpreise. Er bezieht dafür die Eintrittstaxe und den Konsumationsgewinn. Man spielt nach der Wettbewerbsordnung, die den Teilnehmern vorausgehend verlesen wird. Als Jaßart wird der Kreuzjaß gewählt, doch gelten nicht alle Weisungen. Der Matsch .wird nur mit 157 Punkten angerechnet. Jedem Teilnehmer werden die von seiner Partei erzielten Punkte gutgeschrieben. Nach dem ersten Spiel wechseln die Teilnehmer. Die Höchstpunktzahl aus allen Parteien berechtigt zum Bezug des ersten Preises. 56. Na c h t w ä c h te r ruf. Es gibt wenig alte Bräuche, mit denen die "gute alte Zeit" häufiger so heimelig wachgerufen wird, als mit der Erinnerung an den Stundenruf des Nachtwächters. Das II9


mag hauptsächlich daherrühren, daß der Nachtwächter keine lokale, sondern eine allgemein bekannte Amtsperson war. In Einsiedeln ist der Nachtwächterruf in den 1870er Jahren, ausgeklungen. Der primitive Vers lautete folgendermaßen:

ħJ!B!J

~!J Lo-sed

I@JJ

was wil

J

sä -ge: D'Glogge hät zwöl-fi g'schlage,

~~~!

Zwöl- fi g'schlage.

JJ~

Lo-sed

Jg~~~~~'~! was wil

sä - ge: D'Glogge

hät Zwölf Uhr g'schlage, Zwölf Uhr ge -schIa - go - go. Unser Waldstattdichter Meinrad Lienert, der alles sah und hörte, was das Volkstum birgt, hat uns den Sang überliefert. Der Nachtwächter lebt hier fort. Er obliegt dem nächtlichen Ordnungs-, Feuer- und Einbruch-Sicherheitsdienst nach Reglement. Ein gewisses Maß von Originalität bleibt mit ihm verknüpft, aber er hat, namentlich bei den Nachtbuben, Sympathien verloren, eben weil er polizeiliche Maßregeln treffen muß, trotzdem die Hellebarde seines Amtsvorgängers längst im' Schmollwinkel steht. Bis um ca. 1915 mußten die 4 Nachtwächter auf ihren Patrouillengängen eine Anzahl Kontrolluhren aufziehen, die in den engen Gäßchen an Häuser- oder Stallwänden angebracht waren. 57. Stubenfuchs und Silvester. Am Silvestermorgen macht sich in vielen Familien, namentlich im Kreise der Jugend, eine zwangsweise verhaltene Hast bemerkbar, deren Ursache nicht jedermann sofort erkennt. Am Vorabend nämlich, wenn die Betglocke die Kinder gemahnt, die Gasse zu verlassen und nach Hause zugehen, flüstern sie sich gegenseitig in die Ohren, sie wollen am Morgen sehen, wer Stubenfuchs und wer Silvester sein werde. Es solle ja keines weder den Vater, noch die Mutter aufmerksam machen. Sie erinnern sich genau, wer es im Vorjahr gewesen, der Vater oder die Mutter oder der älteste Bub, der Tönel oder die Kleinste, der Antsch (Anna). Stubenfuchs wird genannt, wer am Silvestermorgen am frühesten aufsteht und Silvester, wer am längsten in den Federn liegt. Der Stubenfuchs gilt dann 120


tagsüber als der Zuverlässige, Ueberlegene. Die Kleinen schauen zu ihm herauf, fast wie zu einem Helden, der alle Streiche des langen Jahres soeben mit einem gelungenen Schlag kompensiert hat. Der Silvester hingegen wird mit Wohlbehagen launig geneckt. Besonders wenn der Vater beim Morgengruß als Silvester angeredet werden kann, öffnet sich die Schleuse kindlicher Schadenfreude. Der Vater, auf dessen Schulter das Schicksal der Familie normalerweise in erster Linie ruht, läßt in diesem Bewußtsein den Schabernack willig über sich ergehen. Er weiß, da er das Gesicht des Jahres überblickt, daß, wer ihm den Silvester vorhält, ihn sicher auch liebt. Darum lacht er auf den Stockzähnen und sagt: "Spottet nur, ich kann mir den Silvester leisten, ihr unerfahrenen Geschöpfe". Wohl dem "Silvester", der am abgelaufenen Jahre die Rolle 'des Haushaltungsvorstandes gut gespielt hat! .

* * * Die Originalität vieler Volksbräuche ist unbestritten. In 50 und mehr Jahren wird man das erst recht bestätigen. Aus diesem Grunde habe ich bei Zeiten geschildert, so man noch vieles mit eigenen Augen sieht und mit eigenen Ohren hört. Zuverlässige Rekonstruktionen wären später nicht mehr leicht zu machen. Einzelne Bräuche haben im Kanton Schwyz bisweilen Unfug als Begleiterscheinung mitgebracht, weshalb der Kantonsrat gelegentlich mit Verordnungen dazwischenkam, so in den Jahren 18;1, 1867 und 1884. In der "Verordnung über das Tanzen, Maskengehen und ähnliche Belustigungen vom 9. Januar 1884" heißt es im § 14: "Das sogenannte Klausjagen, das Reifeln, das Treichlen und Hornen, das Fastnachtvergraben und ähnliche Lustbarkeiten am Aschermittwoch, das sittenlose nächtliche Lärmen, Charivari und ähnliche ruhestörende Unfuge sind verboten", und im § 15: "Das Herumziehen von Spielleuten oder Tambouren und das Aufspielen vor den Häusern an den Kirchweihsonntagen und am Neujahrstag ist untersagt". Man versteht und schätzt es, daß die Behörden Unfug verhindern, wenn sie im Amtseifer nur nicht alles schwarz sehen und infolgedessen das Kind gleich mit dem Bad ausschütten .: Also, ganz all.gemein gesprochen, nicht zu oft das Böse verneinen, sondern öfter das Gute bejahen. Ich wollte, es hieße bald, das sei unser typische Ratsherrenbrauch des 20. Jahrhunderts.

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ANHANG

I, Vorschläge. FolgendeVolksbräuche können wiedereingeführt werden: Neujahrssingen z. B. durch die Trachtengruppe. Pagatbegraben durch die Fastnachtgesellschaft "Goldmäuder". Betruf (Alpsegen) durch den Bauernverein. Herumführen des Osterochsen durch die Metzgermeister. Armbrustschießen durch die Schützenvereine. Pfingstenschellen und -Cugger durch die Hafnermeister. Prozessionsgrenadiere durch den Bezirksrat. Agathafeier der Feuerwehr durch die Feuerwehrkommission. Hausinschriften und Haussegen durch das Pfarramt. F 0 1gen d e V 0 1k s b r ä u ehe k ö n n e n 0 r i gin elle r CI.u s g estaltet werden: Süühudilaufen durch die Fastnachtsgesellschaft. Brotauswerfen durch die Fastnachtsgesellschaft. Tanzschenker durch die Wirte. Gäuerle durch die Trachtengruppe. Klausenlaufen durch die Schulbehörde. Palmentragen durch die Schulbehörde. Aufzug der Sennengesellschaft durch den Bauernverein. Zunftbräuche durch das Generalbot. Taufete durch das Pfarramt. Chrähhahne durch die Zimmermeister. Ausrufer durch den Bezirksrat. Häuserschmuck an der Fronleichnamsprozession durch den Bezirksrat. Rekrutenaushebung durch die militärischen Vereine. Man wolle sich merken, daß diese und jene behördliche, vaterländische und gesellschaftliche Instanz in der Lage wäre, im Sinne der soeben gemachten Vorschläge die ideale Seite ihrer Tätigkeit zu bereichern. Sie würde einerseits ihrem Ansehen nützen, anderseits die pure Rang- und Preisjägerei der sportlichen Veranstaltungen, die bedenklich wuchert, vor der öffentlichen Meinung ein wenig abkühlen. 122


2. Origtnalitäten

aus dem Erwerbsleben.

Senntenbauer und Welschlandfahrer, Dolmetsch Re ist e r, F 1ö ß er, Loh n k u t·sc her und Pos ti 11 0 n. Obwohl man nicht behaupten kann, die in der Ueberschrift bezeichneten Erwerbszweige hätten sich je durch interessante Merkmale ausgezeichnet, die anderorts nicht auch heimisch gewesen sind, soll dennoch die einstige ortsübliche Dienstordnung (Usanz) der Nachwelt überliefert werden. Ihre Kenntnis ginge sonst nach und nach verloren. y

1.

Senntenbauer

und

Welschlandfahrer.

Die großen Bestände an Wies-, Weid- und Streueland verraten, daß unsere Bauern hauptsächlich' vom Ertrag der Viehzucht (Schwyzer Braunvieh) leben. Sie ziehen sowohl Nutz- als auch Rassenvieh auf. Die Schönheitszucht beschäftigt jeden, der es einigermaßen vermag, Stiere und Kühe aus guten Stämmen zu kaufen und den Nachwuchs zu veredeln. Der Vorsprung einer Gemeinde gegenüber der andern hängt immer davon ab, ob im betreffenden Umkreis ein reicher Senntenbauer wohnt, der das Vermögen für sein Ideal' einsetzt. Das ist allerdings schon manchem zum Verhängnis geworden. Die Führung durch ein oder mehrere Vermögliche, die zugleich Sachverständige sind, kann vom Standpunkte der öffentlichen Interessen nicht genug geschätzt werden. Bis um die Mitte des letzten Jahrhunderts war das Sihltal Sitz mehrerer Sennten bauern. Die Heimat des Senntenbauers ist allerdings das alte Land Schwyz. Im Herbst verstärken die Senntenbauern ihre eigenen Sennten durch Zukäufe im Tal herum und auf den Alpen, um sie alsdann in 6-7 Tagestouren über den Gotthard nach Italien an den Handel zu führen. In Italien war hauptsächlich das Nutzvieh begehrt. Kamen die italienischen Händler und Dolmetscher von der Südseite des Gotthards her den Senntenbauern entgegen, dann wußten diese, daß ein guter Stern über der Welschlandfahrt leuchtete. Es war das Zeichen, daß im Süden Nachfrage herrschte. Die Käufe kamen schon unterwegs zustande. Mit dem unverkauften Vieh fuhren die Senntenbauern weiter südlich bis auf den Großmarkt von Giubiasco, wo das für den Süden bestimmte Vieh aus den Kantonen Schwyz, Glarus und Graubünden vereinigt wurde. Es waren dort manchmal um die 3000 Stück beisammen. Was auf dem Markt nicht verkauft werden konnte, wurde an die italienische Grenze geführt und mit der Bahn nach Cassarate und Mortorabei Mailand verladen. Dort sonderten die Senntenbauern ihre Bestände in Qualitätsgruppen ab und schätzten sie. Dann trafen die italienischen Grcßgrundbesitzer zur Viehschau ein. War es schon an 12]


und für sich ein schlimmes Zeichen, das Vieh nicht auf der Gotthardstraße oder wenigstens in Giubiasco verkaufen zu können, so noch mehr, das Vieh nach Cassarate bis Mailand führen zu müssen. Dort waren die Sennten bauern vollständig der Kaufunlust der Großgrundbesitzer ausgeliefert. Sie mußten das Vieh manchmal wochenlang stallen und hirten, um es schließlich um jeden Preis abzusetzen. Es ist Tatsache, daß das Welschlandfahren viel Geld ins Land brachte. Mancher Senntenbauer kam mit gefülltem Geldranzen aus dem Süden heim. Andere verloren aber ihr ganzes Vermögen und verlumpten. Die Poesie des Senntenbauertums gehört, wenigstens im Sihltal, der Vergangenheit an. Uebrigens waren schon früher die Mehrzahl der Heimwesen kleinbäuerliche Betriebe mit 3-5 Kuhesset. Größere Heimwesen liegen fast ausschließlich in der Randzone des Seegebietes. Die Sihltalbauern müssen heute das Vieh nicht mehr über den Gotthard führen. Sie befahren die großen Einsiedler Märkte (Verena-, Gallus-, Martinsund Chlausenmarkt). Die italienischen Großgrundbesitzer kommen ihnen mit der Bahn bis dahin entgegen. Auf den Einsiedler Märkten geben sich auch die Landwirte aus den Kantonen Zürich, Zug, Luzern und St. Galllen Stelldichein. Der Handel mit Nutzvieh läßt sich dort meistens gut an. Das Rassenvieh wird im Herbst auf die Viehausstellung gebracht. Die Viehausstellung ist der Gradmesser des Glückes unserer Bauern. Im letzten Jahrhundert bildete die Ausfuhr von Pferden nach dem Süden ebenfalls eine ansehnliche Einnahmequelle. Vorbild der einheimischen Pferdezucht war das Gestüt des Stiftes. Allerdings ging es manchem Pferdehändler beim Welschlandfahren gleich wie dem Senntenbauer. Er kam bettelarm nach Hause. Heute ist die Pferdezucht im Sihltal bedeutungslos. Es sind nur mehr Fuhrrößlein da. Eine bedeutendere Rolle spielt die Kleinviehzucht, die ihr Mutterland im nahen Ibrig hat. Der Volksmund nennt das Heimwesen des Kleinbauers "Hostetli". Die Viehhaltung ist da nur mit Hilfe des gepachteten Allmendbodens möglich. Auf dem "Hostetli" wird mit großer Sorgfalt Kleinvieh aufgezogen. Ueber das Welschlandfahren hat uns Dolmetsch Daniel Market folgende Einzelheiten erzählt: Die rührigsten Senntenbauern um die Mitte des letzten Jahrhunderts bis zum Bau der WädenswilEinsiedeln-Bahn in den 70er Jahren waren Meinrad Schönbächler, Klemenz Gyr und Stefan Schönbächler in WillerzeIl und Baptist Kälin im Groß, der das Haus im "Dick" baute, wo später die Gebrüder Karl und Nikolaus Benziger eine Fabrikfiliale einrichteten. Die Senntenbauern besaßen meistens einen Stall voll eigenes Vieh, ergänzten den Bestand mit 20, 30 ja 50 Haupt und fuhren in der Regel im August oder September mit dem ganzen Bestande auf einmal über den Gotthard. Milchvieh war am begehrtesten. Sie schickten Knechte voraus, die die Stallungen bereit machen 124


I

mußten. Der erste Reisetag führte nach Brunnen, der zweite nach Schattdorf oder Amsteg, der dritte nach Göschenen oder Hospental, der vierte nach Airels (Airolo), der fünfte nach Rodifiesso oder Biasca, der sechste nach Giubiask, wo an einer langen Mauer mit I IOO Viehringen der Markt stattfand. Am siebenten T,,!-s" erreichten sie den Monte Cenere, im Volksmund Mont Chängl genannt, am achten Dürrmühl (Torre Molino). Hier war der Zoll zu erlegen. Er betrug für eine Kuh 10 Franken, für einen Stier 8 Franken. Der neunte Tag führte nach Mede, der zehnte nach Chiasso, von wo das Vieh nach Casarate zum Stallen, (im Vollksmund "stallazen") verladen wurde. Wenn eine Kuh, die als trächtig verkauft wurde, nicht trächtig war, mußte der Senntenbauer 100 Franken Entschädigung zahlen. Die Milch wurde mit den Kühen getränkt oder verkauft oder verschenkt. Der rühr};.ßste Roß händler in den 70er Jahren war ebenfalls ein Schönbächler. Er geriet einmal oberhalb Airolo mit I8 Pferden in eine Lawine. Der Zoll fü-r ein 2- bis 3-jähriges Zugpferd betrug 10 Franken. Den Knechten zahlte man den T~glohn, insofern sie nicht eigene waren. Kleider und Proviant legte man in einen Sack, den' man dein Vieh mit einem Riemen auf den Rücken band. 2. Dolmetsch. Der Dolmetsch muß infolge seiner Beziehungen zu den Bauern im Tal wittern, wo Vieh feil ist. Er besucht die in Frage kornmenden Ställe, beschaut und betastet und schätzt Stiere, Kühe und Rinder. Er redet mit dem Eigentümer um den Preis herum, stellt ihm ev. eine Kaparre (Garantiegeld) in Aussicht. Er rechnet in Napoleons d'or, im Volksmund "Näppl" oder "Buble" genannt. Sobald er findet, dieses oder jenes geratene Haupt sei preiswert, meldet er es eilig einem bekannten Genossenschaftspräsidenten oder Groß grundbaue rn oder Händler. Hier treffen italienische, deutsche, spanische und französische Händler em. Die Dolmetsche sind in der Regel Viehkenner aus unserer Gegend. An großen Märkten erscheinen hin und wieder in Begleitung der Händler auch auswärtige. Der Dolmetsch muß vor allem die italienische Sprache kennen, da die italienischen Händler immer vorherrschen. Er spricht einen ungefähren Dialekt, aber diesen keck, mit Modulation der Laute, die er den temperamentvollen Welschen nachspricht. Ein Zuhörer ist nie im Zweifel, daß der Dolmetsch etwas von seiner Rolle hält. Uebrigens kommt es ja sehr auf sein Tudichum an, wie der Handel ausgeht. Er macht am Markt inmitten der auf Käufer wartenden, beruflich absolut konzentrierten Bauern gern Aufsehen von sich, indem er geschäftig herumläuft, sich häufig in eine Pose aufdreht, wieder auf den an die Huft gelehnten Handstock zurücksitzt, fast gleichzeitig zum Bäuerlein und zum Händler schwatzt. Er nimmt beim Handel

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gelegentlich beide am Arm und zieht ihre rechte Hand zudringlich zum Einschlagen gegeneinander. Das Bäuerlein sträubt sich .anfänglich, wendet sich mit abschlägiger Gebärde enttäuscht um und geht mit seiner Kuh weg. Dann schreiten Dolmetsch und Händler langsam und heimlich sprächelnd hinter dem Haupt her. Der Dolmetsch bringt das Bäuerlein durch Zurufe zum Stehen, macht ihm ein neues Angebot, zieht den Hutrand in die Stirn, weist an der Kuh einen Fehler im Rücken nach, ränkt sich aber rasch halbwegs zum Händler um, drückt den Hutrand wieder hinauf und lobt an der Kuh das sichere nahe Kalbern. Er überredet die beiden in jedem Falle, wo Angebot und Gegenangebot nahe liegen, ziemlich sicher zum Einschlagen. Da sich Bauern und Dolmetsch gestützt auf die Erfahrung gegenseitig gewisse Gewohnheiten und Eigenheiten nachreden können, wittert jeder ·schon fast eingangs Handel wie das Geschäft verläuft. Sie lassen es hä.ufig am Morgen des Marktes auf dem Brüel sogar darauf ankommen, ob sie sich am Nachmittag auf dem sog. Nachmarkt .im Unterdorf nochmals begegnen, wo dann leicht ein halber Liter Wein die Stimmung anregen kann. Der Dolmetscherlohn beträgt in der Regel IO Fr. für einen 'Stier und 8 Fr. für eine Kuh. Wenn Verkäufer und Käufer nicht handelseinig werden, zahlt der Händler die Spesen. Zu sagen ist noch, daß der Dolmetsch den Kalberhandel dem Kalberhändler überläßt, der ein Fachmann für sich ist. Der Grund ist einfach. Der Kalberhandel bewegt sich in kleinen Beträgen, weshalb es sich nicht lohnt, einen Dolmetscher zu bestellen. Bei der Interpretation des Begriffes "Dolmetsch" muß man, gestützt auf das Gesagte, weniger .an den Uebersetzer, als an den Vermittler und' Animierer denken. Beim Handel auf dem Markt, gleichgültig ob ein Dolmetsch mitwirkt oder nicht, gilt folgender Brauch: Solange ein Händler an Ort und Stelle mit dem Eigentümer des Tieres über den Preis unterhandelt, darf kein anderer Interessent mit einem Ueberangebot dreinreden. Erst wenn der Erstkommende deutlich erklärt, daß er den verlangten Preis nicht zahle und den Standort verläßt, kann ein Zweiter ungestört zu handeln beginnen. Beim Einschlagen zahlt der Händler in der Regel eine Kaparre von Fr. 20.-. Die Auszahlung der Kaufsumme erfolgt bei der Abgabe des Tieres am Verladeort. _3.Re ist e r. Bis um r890 waren in unsern Tälern nur einige wenige Waldwege vorhanden. Genossamen und Private ließen deshalb die gefällten Tannen im Winter durch einen Kennel vom Berg ins Tal reisten, so am Bolzberg, im Duli, an der Tierfedern usw. Der Kennel war eine Gleitvorrichtung. Man legte dünne Trämel kennelförmig .nebeneinander und verguntnete sie miteinander. Der Kennel, auch


."Reistgang" genannt, reichte von der obern Waldgrenze bis an die Talsohle. Man riß die geschundenen Trämel oben mit dem Zapi in den Kennel hinein und ließ sie ins Tal sausen. Unten .kollerten sie über einen ebenen Rasenplatz hinaus, wo sie gehäufnet wurden. Einrichtung und Vorgang decken sich im Allgemeinen mit denjenigen in anderen Gegenden. Beachtenswert .sind aber die gegenseitigen Zurufe des Reistmeisters und der Reister zum Zwecke, Handlungen und Handgriffe reibungslos zu leiten. Sobald nämlich ein Trämel am Kopf des Kennels gleit'bereit war, rief der Reistmeister laut "use, use I". Dieser Ruf wurde von den Reistern, die sich dem Kennel entlang wie Stafetten .aufstellten, nach unten weitergegeben. Wenn ein sehr großer Baum in den Kennel gelegt wurde, ertönte von oben her der Ruf "ä böse!" zur Verstärkung des erstmaligen Warnrufes, Es .konnte vorkommen, daß gelegentlich ein Trämel im abnormalen Schuß auf der Strecke stockte. Dann ertönte von der betreffenden .Stelle aus nach oben der Ruf "heb uf l". Somit wußte der Reist'meister, daß vorläufig kein zweiter Trämel eingelegt werden -durfte. Zum Zeichen, daß man oben verständigt sei, rief man hinab "zuoche!", als Aufforderung an den dem Hindernis am nächsten stehenden Reister, den Trämel zu lösen. 'Nenn ein Trämel außerordentlich schnell ins Tal sauste, erklang der Ruf -der Reister "übüh" ins Tal hinaus. "Uebüh" ist ein Ausdruck freudiger Stimmung. Beim Haufnen der Trämel im Tal mit dem Zapi hieß es "Holz her!", um die Reißkraft der Holzer auf einen Zug zu konzentrieren, Beim Reisten wurden oft schöne Stämme beschädigt für die die Käufer wenig zahlten. Daraus lassen sich die Aufwände für Waldwege in 'erster Linie erklären. 4- Flö ß e r. Vor dem Ausbau der Alpstraße Richtung Biberbrücke in elen öoer Jahren und vor dem Bau, der Wädenswil-Einsiedeln-Bahn im Anfang der 70er Jahre war die Sihl ein willkommener Transportweg für Trämel und' namentlich für Scheiter. Damals betrachtete man diese primitive Verfrachtung als etwas Alltägliches und nachdem bequemere Transportwege geschaffen waren, als etwas Erledigtes. Das ist denn auch der Grund, warum uns die Ueberlieferung der hier gebräuchlichen Technik des Flößens fast gänzlich fehlt. Die Arbeit konnte mit Rücksicht auf den Wasserfall in den Schlagen und das mit großen Findlingen besetzte Sihlbett von dort bis Finstersee nicht einfach sein, Wir .haben diesbezüglich folgende Angaben ausfindig machen können: Trämel und Scheiter, diese 3 Fuß zu 30 cm lang, wurden im Winter an die Lagerplätze in Studen, Euthal, Willerzell und Egg geschlittelt und gehaufnet. Sobald das letzte Sihlwaldfloß, nor.malerweise im Juli, ausgezogen war, wovon der hiesige Unter127


nehmer vom Sihlamt in Zürich benachrichtigt wurde, wartete man Hochwasser ab. Dann erschienen die Flößer und warfen unter der Leitung des Flößermeisters Trämel und Scheiter ins Sihlbezw. Eubachbett. Sie verfolgten auf beiden Ufern den Lauf des Holzes. Wenn es sich an Steinblöcken oder Böschungen verrammelte, griffen die Flößer zu den langen Flößerhacken und stießen das Holz in die Flut zurück. Diese Arbeit war manchmal gefährlich, da die Männer dann und wann ins reißende Wasser hinaus waten mußten. Es kam häufig vor, daß das Hochwasser nachließ, bevor das Holz in Zürich angelangt War. Nachts kam viel Holz abhanden. Der Unternehmer war deshalb großen Verlusten ausgesetzt, das Sihlamt bezahlte nämlich nur das ausgezogene Holz. Am Lagerplatz in Zürich wurde das Holz in Rechen aufgehalten. Die größten Holztransporte waren für die Stadt Zürich bestimmt. Unsere Holzhändler machten Verträge mit dem Sihlamt dieser Stadt. Die Verträge unterlagen der Genehmigung des Stadtrates. Das Flößen auf der Sihl setzte die Bezahlung einer Gebühr an die Genoßsamen, soweit sie Anstößer waren und an private Anstößer voraus. Es stehen uns drei derartige Verträge zur Verfügung, einer zwischen der Genoßsame Euthal einerseits und Gebr. Martin und Gerold Gyr anderseits vom 9. Hornung 1857, zwei zwischen dem Sihlamt in Zürich einerseits und Martin Gyr zum "Pfauen" anderseits vom 12. April 1859 bezw. 23. April 1861. Sie beziehen .sich auf Trämel- und Scheiterlieferungen auf Floßen. Im Vertrag von 1861 handelt es sich um 1200 Klafter Scheiter. Die Genoßsame Euthal empfing für das Flößen auf der Sihl und im Eubach (hier nur Scheiter) 70 Fr. Jahresentschädigung. Für den Fall, daß es den Holzhändlern nicht möglich war, das geschlagene Holz im Vertragsjahr zu flößen, war ihnen der Transport im folgenden Jahre gebührenfrei erlaubt. Aus den Verträgen mit dem Sihlamt sind folgende Abmachungen zu erwähnen: Die Tannenscheiter mußten franko aufgesetzt an die Holzplätze 'des Sihlamtes beim Sihlkanal geliefert werden, Die Beigen mußten 9 Fuß hoch mit 2 Zoll Uebermaß geschichtet sein. Alles runde und angesteckte Holz, sowie auch solches, das die vorgeschriebene Länge von 3 Fuß nicht hatte, wurde ausgeschlossen. Das Einwerfen des Brennholzes wurde erlaubt, sobald der letzte zürcherische Sihlwaldfloß ausgezogen war. Die Publikation für Menzingen und Neuheim, daß ein Brennholzfloß den Kanton Zug passieren werde, wurde vom Zürcher Stadtrat erlassen. Das Sihlamt vergütete für die ersten 600 Klafter Tannenscheiter 26 Fr. pro Klafter, für die übrigen 400 Klafter 28 Fr. pro Klafter. Für den Ausschuß mußte der Preis so gestellt werden, daß dem Sihlamt für Benutzung der städtischen Floßanstalt wenigstens eine Vergütung von 2.- Fr. pro Klafter zukam. Nichtbeachten dieser Bestimmungen hatte die Entrichtung einer Konventionalstrafe von 20.- bis 200.- Fr. zur Folge. 128


Unter dem Namen "Floß" darf man im vorliegenden Falle nicht ein Flußfloß verstehen, das normalerweise aus zusammen gegunteten Rundhölzern besteht, auf denen die Fracht 'verladen wird und das auf der Fahrt bemannt ist. Hier bedeutet das Floß soviel wie ein einmaliger Einwurf von losen Trämeln oder Scheitern. 5. Lohnku tscher. Während man den geschniegelten Herrschaftskutscher mit dem Cylinder auf dem Kopf kaum anders kennt, als wie er mit aufrechtem Oberkörper fest in der Mitte des Bockes sitzt. die Beine parallel auf das Trittbrett spreizt, die elegante Peitsche senkrecht zur Rechten stellt und die Zügel des gehaberten und' drängenden Pferdes straff angezogen hält, sieht das Bild des einfachen Lohnkutschers der Jahre um 1890 folgendermaßen aus: Er trägt eine braune Lodenkleidung, einen großrandigen, im Kupf dreifach ein-' gedrückten schwarzen Filzhut, wie er jetzt noch bei den Altmättlern und Rothenthurmern beliebt ist. Er sitzt lässig in der rechten Ecke der Bocklehne, läßt die Zügel des abgeschafften, mit , genug Krüsch und wenig Hafer gefütterten Rößleins über dessen Rücken fallen und den Geißelstecken auf seinen Hüften ruhen, insofern er ihn nicht gerade fleißig zum Knallen und Antreiben braucht. Er fährt eine einfache Zweiplätzerchaise mit Kofferhalter, denn er ist eines der Faktoren unserer Alpenpäße. Wenn er nicht auf eigene Rechnung kutschert, was sehen vorkam, wär er von irgend einern Hotelier in Brunnen gedungen. Wenn er gedungen war, erhielt er in den ooer Jahren 25 Fr. Monatslohn bei freier Station. Er lebte also vorn Trinkgeld, das 10 Prozent der Fahrtaxe betrug. 11) Brunnen stellten die Kutscher ihre Chaisen bei der alten Sust in Reih und Glied und warteten auf Engagements. Man fuhr ein- bis fünfpferdig. Es gab Rothenthurmer Unternehmer, die 6 bis 7 Pferde und eine entsprechende Anzahl Kutscher stellten. Da für das Befahren der Alpenpässe der Kanton Uri durchreist werden mußte, war für die Ausübung des Kutschergewerbes ein Kutscherbuch erforderlich, das Signalement des Kutschers und der Kutsche, Routentarif und eine Verordnung enthielt, die 31 Paragraphen umfaßte. Die Gültigkeitsdauer betrug ein Jahr. Auf der Furkaroute machten unsere Kutscher folgende Etappen: I. Tag Furka oder Gletsch, 2. Tag Meiringen oder Brig, 3. und 4. Tag mit den gleichen Etappen zurück nach Brunnen. Es karn manchmal vor, daß der Kutscher 8 bis 14 Tage unterwegs war, ohne seinen Arbeitgeber auch nur zu sehen; da bisweilen die Rückfahrt vorn anfänglichen Reiseziel über einen andern Paß führte. Diesfalls sandte der Kutscher das Taxengeld conto heim, insofern es der Hotelier verlangte oder er rechnete nach der Rückkehr mit ihm ab. Die Pferde wurden meistens in den Stallungen der großen Hotels untergebracht. Im Jahre 1906 kostete die Fahrt ä

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von Flüelen nach Göschenen mit dem Einspänner in einfacher Fahrt Fr. 25.-, 'für den Vierspanner Fr: 80:-, von Göschenen nach Meiringen Fr. 70.- bezw. Fr. 220.- mit Einschluß der Rückfahrten Fr. 35.-- bezw. Fr. 110.- und Fr. 105.- bezw. Fr. 260.-. Eine Reise im Einspänner von Cöschenen nach Meiringen und zurück kam also auf Fr. 14°.-, im Vierspänner auf Fr. 370.-- zu stehen. Die meisten Lohnkutscher waren wetterund trinkfeste Männer, gewandt im Fluchen und geschliffen im Einschätzen der Fremden, denen sie sich breitspurig näherten und vor ihnen die verlockenden Reisetouren hersagten. Was die Kutscherrosse anbelangen, überliefern sie mit ihrer harten Arbeit unserer hastigen Generation Sinn und Geist der seltener sichtbaren sogen. "Roßgeduld ". 6. Pos t i 11 0 n. Zuverlässige und gewandte Lohnkutscher hatten Aussichten, als Postillone angestellt zu werden. In Einsiedeln war die Schwyzerpost bis zur Betriebseröffnung der Südostbahn im Jahre 1891 ein die Biedermeierzeit wachrufendes Idyll, das wir heute vermissen. Sie wurde 3- und 4-spännig gefahren, im Sommer als 6plätziges, im Winter als 3plätziges Coupee. Die Beiwagen gewährten 4 bezw. 6 Personen Platz. Die Posten stammten aus einer Luzerner Carosserie. An den Stationen Biberbrücke und Sattel, wo sich große Stallungen befanden, wurden die Pferde gewechselt. Auch in Einsiedeln befanden sich ehemals Pferdestallungen, bis zirka 1860 im Gewölbe des alten "Ochsens" (unterer Hirschen) gegen die Hauptstraße hin und später in der "Pfauenfeder" . Als Buben machte es uns immer Freude, mit Erlaubnis des freundlichen Postillons Schuler von Sattel, die müden Postpferde ausspannen und in den Stall führen zu dürfen. Der Postwagenbetrieb wurde an einen Pferdehalter vergeben. Die bekanntesten waren Reichmuth in Schwyz und Styger in Rothenthurm. Sie stellten die Postillone an und gaben ihnen durchschnittlich Fr. 120.- Monatslohn, ohne Kost und Logis. Sie waren mit folgenden Kleidungsstücken ausgerüstet: Rundlicher niederer und steifer Ordonnanzhut aus Leder, mit Sturmband, Silberkupfband und Posthörnchen, einreihiger, dunkelblauer Veston, hellblaue Gehhose, Kaput mit Pelerine und Kaputze. Der Postkondukteur, ein eidg. Beamter, der neben dem Postillon auf dem Bock saß, trug eine steife Mütze, einen einreihigen blauen Gehrock mit Metallknöpfen und rotweißem Kräglein und Gehhose. Ein silberner. Postschild schmückte die linke Seite seiner Brust. Im Winter war die Fahrt häufig mit Schwierigkeiten verbunden, besonders, wenn in der sog. "Höhli" zwischen Biberbrücke und der äußern Altmatt die Postpferde im tiefen Schnee einsanken und ausgeschöpft werden mußten und wenn der Postschlitten über den Straßenrand geführt werden sollte.

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Daß selbst ein wahrhaft heimeliges und glaubhaft beständiges Idyll den Tücken der Findigkeit ausgesetzt und darum vergänglich ist, beweist das Schicksal eines unserer alten gelben Post<:oupees. Es dient seither als schwarzer Leichenwagen der Gemeinde Rothenthurm. Da, wo jenes Coupee ehemals unter dem fröhlichen Signal des Posthorns lebensmuntere Fahrgäste zum Tor am roten Turm ein- und ausführte, rollt es jetzt unter den trüben Klängen des Totenglöckleins, mit kalten Leichen befrachtet, zum Friedhof. Der nächtliche Wachsrodelstand. Fast jedes Gasthaus führt in irgend einem Zimmer einen eigenen Hausladen für Wallfahrtsartikel. Außerdem gibt es im Oberdorf eine Reihe gut ausgestatteter einschlägiger Geschäfte. Wallfahrtsartikel kann man auch in den beiden Kramgassen und in den vier Ständen kaufen, die sich um den Hauptplatz reihen. Vor 1914, als die Wallfahrt noch blühte, besuchten die Pilger scharenweise die erste hl. Messe, in die es um 4 Uhr morgens läutete. Um nun den Pilgern Gelegenheit zu geben, sich auch nachts die Bedarfsartikel zu verschaffen, z. B. Wachsrodel und Kerzen, errichtete jeweilen ein altes Fraueli mit einem Garnhäubchen auf dem Kopf und mit einem langen Dreieck-Shawl umhüllt, beim Frauenbrunnen am Hauptplatz einen Wachsrodelstand. Sobald ein Kirchgänger des Weges kam, rief sie ihm zu: "Chömed chaufed Wachsrodel oder äs Cherzli l". Wenn der Kirchgänger nicht gleich einlenkte, lief sie ihm nach und versuchte es mit folgender Aufmunterung: "Chaufed doch Cherz; ihr hend sichr öppe n' äs Alige; tüönds ürem Ma z'lieb". ä

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Die Pilger stellen den Wachsrodel in der halbdunkeln Kirthe auf die Banklehne und zünden ihn an, damit sie im Gebetbuch lesen können. Die Wachskerzen werden beim Weihwasserkessel in die Nägel eines Leuchters gesteckt. Der nächtliche Wachsrodelstand war eine von den vielen Maßnahmen, die beweisen, daß der Einsiedler fast Tag und Nacht für den Wallfahrtsbetrieb lebte. Laut einer Urkunde von 1451 waren die Kerzenbänke (Kerzenstände) Monopol des Stiftes, desgleichen der Wechselstand und das Zeichenamt (Medaillenstand). Das Stift verzichtete um 1798 auf das Monopol der Fabrikation und des Verkaufs. -Das Rufen, Singen und Schreien, mit dem einzelne Ständlikrämerinnen, daher "Ständligure" genannt, die Käufer anlockten, wurde 1471 durch einen Erlaß verboten. Im Jahre 1748 kam es zu einer Kundgebung der Krämerinnen. Sie zogen mit Trommeln, Fahnen und Pistolen auf den Klosterplatz. (Siehe Odilo Wallfahrtsgeschichte, Seite 283). 131


Die nächtlichen Schuhwichser. Bei großem Pilgerandrang konnten die Gäste nicht wohl verlan daß ihre Schuhe schon vor 4 Uhr morgens im Gasthaus gep werden. Von altersher machten sich deshalb Waldleute. die Pilgern gefällig sein und zudem ein paar Batzen verdienen woll mit kleinen, schwarzgestrichenen Putzzeugkistchen morgens 4 L~ auf die Socken und stellten sich entweder auf dem Hauptplatz eine Reihe oder einzeln vor die größern Gasthäuser und empfingen da die Pilger mit dem Anruf "Schueh butze gfällig?". Sie verharrten auf dem Posten bis zum Morgengrauen. Wer auf öffenzlichem Platze den Fremden die Schuhe putzen will, muß :6 heute noch auf dem Amt anmelden. Manchmal waltete au da der kleine Futterneid, indem jeder den bessern Standort einnehmen wollte.

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Wir geben ferner einen kurzen Ueberblick heimischer und origineller Arbeitszweige, die zum Teil immer noch von wirtschaftlicher Bedeutung sind, so das G u m 1e, Tu r b n e, S t r e u n e, Hol z e, S y dis w ä b e und eh 0 r b f 1 c h t e. Die begehrtesten Kartoffeln, "Gummel" genannt, gedeihen in der schwarzen Erde im Übergroß. Der Kartoffelbau. der größtenteils auf dem Pflanzland der Genoßsamen betrieben wird, dient 'der Eigenversorgung und dem Bedarf der Waldstatt mit ihrem Pilgerverkehr. Noch in den 90 er Jahren ging auch fast jeder Industriearbeiter und Kleinhandwerker nach Feierabend in die Länder, um Kartoffeln für den eigenen Haushalt zu pflanzen. Große Bedeutung haben die Torfmoore. Die Sihltalbauern stechen im Vorsommer den Torf von Hand, legen ihn zum Trocknen über.einander, dann an die Böcke und schließlich um den Stecken. Dü~ Turben müssen diese drei Trocknungsstufen durchmachen. Im Herbst stellt der Turbner den Rückenkorb auf das Dreibein,. genannt Turbenlali, und trägt die dürre Ware in die Hütte ab. Es bestehen nur zwei Betriebe, der ältere klösterliche und seit 1915 ein privater, die den Torf mit Maschinen ausbeuten. Der private Betrieb sammelt besonders den Fasertorf des Hochmoors, verarbeitet ihn in einem 'Werk an der Alp zu Torfmull und verkauft ihn den Großbauern des Flachlandes. Nach der Anlage des Sihlsees werden sowohl Brenntorf als Fasertorf seltener sein. Die Torfausbeute hat in guten Sommern schon über 200 Arbeiter beschäftigt. Holzhandel und Torfausbeute nährten bislang auch die Fuhrleute. Gar-mancher Familienvater fand beim Fuhrwerken sein Auskommen. Nun ist es das Auto, das' die Fuhrrößlein rücksichtslos verdrängt. Das Fuhrwerken hat folglich seine ehemalige Bedeutung verloren. ä

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Das Sihltal und das Bibertalproduzieren viel überschüssige Streue. Sie wird im Spätherbst in Tristen zusammengelegt und im Winter ins Züribiet geschlittelt. Die Sihltalbauern fällen in den benachbarten Genossenwäldern die Tannen im Akkord, zersägen sie zu Trämeln und schleifen oder schlitteln sie im Winter an den Fuhrweg. Die Fuhrleute verladen sie mit dem Zappi in der Hand auf den Vorderschlitten, binden sie mit Reitel und Bundkette fest und führen sie auf die Sägereien, deren es im Land herum um die 20 gibt. Die Sihltalbauem rüsten im Winter auch Papierrugel und Meter.scheiter. Das Abgangholzder Wälder scheiten sie zu Burdenen und versorgen die Bäckereien oder sie liefern die Scheitli in die Haushaltungen des Dorfes. Neben den soeben genannten Verdienstquellen bringt auch die Hausindustrie etwas ein. Die Heimarbeit ist die ideale Betätigung -der Frauen. Im Anfang des letzten Jahrhunderts waren Leinenweberei und Handseidenweberei in der Blüte. Es liefen in den Bauernhäusern' des Sihl- und Alptales gegen die soo Webstühle. Am Mittwoch und Samstag zogen die Frauen und Jungfern mit -den fertigen Wüppern auf der Meiße (Traggabel) ins Dorf, um .sie den Ferggereien abzuliefern und den Ferglohn in Empfang zu nehmen. Der Ferglohn richtete sich nach der Größe des Wuppes. Er machte ungefähr 2 Franken auf den Tag aus. Das Seidenweben ging dazumal noch beim kargen Lichte der Oel.ampel von morgeris früh bis in die' Nacht hinein vor sich. die Mitte des letzten Jahrhunderts verschwand die Leinenweberei und damit auch die Selbstversorgung der Bauern. Das gestreifte -oder gespiegelte Gstältlikleid der Frauen und die braune Männerhose waren ehemals Produkte des Eigenbetriebs. Ein Versuch, die Leinenweberei um 1910 herum wieder einzuführen, scheiterte. Indessen hielt die Handseidenweberei bis um die Jahrhundertwende stand. Nachher fing auch- sie an, rasch abzuflauen. Sie wurde von der maschinellen Weberei des Flachlandes verdrängt. Die um 1912 eingeführte Kettenstichstickerei fiel der ostschweizeri.schen Stickereikrise zum Opfer. Dagegen gelang es um J920, die Korbflechterei mit veredelten, importierten Weiden einzuführen. Sie hat sich inzwischen stark entwickelt. Heute wird sie .als Hausindustrie im Sihltal außerordentlich geschätzt. Die Fertigkeit hat Fortschritte gemacht, sodaß auch Rohrsessel und dergl. geflochten werden können. Das Flechten der einfachsten Körbe aus hiesigen Weiden bleibt eine Art Monopol der Feckerfamilien.

Um

Schließlich stellen wir einige erloschene Kleinindustriezweige auf: Tabakstampfe, Schleifschmiede, Löffelschleife, Gerberei Seifensiederei, Pferdehaarflechterei, Strohweberei, Schindelnschachtelei (Schienendrucken), Zündhölzchenfabrikation, Wattenfabrikli und 133


Larvenmacherei. (Näheres über Heimarbeit und Kleinindustriesiehe in der jubiläumsnummer des "Einsiedler Anzeigers" 1<)09 und in der Verkehrs broschüre "Einsiedeln ", Benziger &. Cie, 1917). Der rote Räppler. In einer Tageszeitung wurde jüngst behauptet, der rote Räppler sei verschwunden. Das trifft nicht zu. In Einsiedeln läuft er immer noch. In den Geldschubladen der Krämerladen behauptet der' rote Freund das alte Fach, eines der Räppler, das andere der Zweiräppler. Weit mehr als die Hälfte der Lebensmittel werden zu ungraden Preisen verkauft, d. h. ohne Aufrundung auf Nickelwerte. Es gibt einzelne Ladengeschäfte, in denen monatlich für nahezu Fr. 50-- Räppler und Zweiräppler ausgegeben werden, die beim Einkauf zum Teil in die Ladenkasse zurückreisen und als sogen. Umgeld von dort wieder abwandern. Das macht monatlich um die 2 5oobezw. 5000 rote Freunde.· Bei uns kann man also nicht vom Aussterben des Rappens reden. Wie würde sich wohl nur der Verkauf des Brotes ohne Räppler und Zweiräppler abwickeln, haben wir es doch gegenwärtig mit einem Brotpreise von 35 Rp. per Zweipfünder und 68 Rp. per Vierpfünder zu tun. Aus einer Statistik geht hervor, daß von 1885 bis' 193I in 5I Fällen von Preisänderungen 45 Preise ungrad waren. Einsiedeln darf als Verkehrsstätte des Kupfergeldes noch weitläufiger genannt werden. Als die Deutschen den Pfennig und die Oesterreicher den Heller prägten, jene roten Freunde unseres Rappens, liefen auch sie willig durch die Kassen der Einsiedler Wirte und Krämer, wurden da Ende Monats in Rollen gelegt und als Zahlgeld den Lieferanten ausgehändigt oder sie wurden in sogen. "groupes" verpackt und mit Wertangabe den ausländischen Geschäftshäusern durch die Post conto geschickt. Auch der französische rote sou und der italienische rote soldo zählten zu unsern Gästen. Man sagte den französischen Pilgern den Waren. preis nicht in centimes, sondern in sous, z. B. "quatre sous, francais et deux centimes suisses" = 22 Rp. Wohin wandern die Hunderte roter Räppler und Zweiräppler, die in der Kirche bei Begräbnismessen und Gedächtnissen geopfert werden? Auch in den Kleinverkehr zurück. Das ordentliche Kirchenopfer überliefert uns diesbezüglich ein typisches Beispiel der Sparsamkeit. So konkret kommt die Sparsamkeit heute kaum in einer andern menschlichen Manipulation zum Ausdruck. Beim Handwerksburschen allerdings, wenn er fechten geht, hat der Räppler endgültig seinen guten Namen verloren. Es lohnt sich nicht mehr, um Rappen teure Schuhsohlen abzuschleifen. Lange, lange vor dem Kriege, da war es der Landjäger, jener originelle Staats- . ä

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diener mit der schwarzen Brille auf dem Nasenbein, der "fechtende" Handwerksburschen abfing, sie auf den Posten begleitete" ihnen in die Taschen griff und die roten Räppler 'herausfischte, da das "Fechten" verboten war. Beim Würfelen an der Kirchweih hieß es einst, "Es sind noch 3 Nummern da, wer setzt noch drei Rappen?". Der Zuckerbäcker verkaufte der Würfelifrau 12 Bärentatzen oder Mandelbogen für 50 Rappen. und diese ließ das Stück für 6 Nummern bezw. 6 Rp. auswürfeln. Heute hört man "Es sind noch 3 Nummern da, wer setzt noch sechs Rappen?". Also gilt immerhin noch rot. Bei den Markthändlern hat das Kupfergeld eine glückverheißende Bedeutung. Sie sagen, wer im Warenverkehr einen Räppler oder einen Zweiräppler erhalte, solle ihn beim Empfang küssen, zum Zeichen, daß er ihn schätze, denn er bringe ihm Glück. Aus allem dem geht hervor, daß unser rote Freund weiter lebt, wenn er auch seinen guten Klang da und dort eingebüßt hat. Hoffen wir, daß sich trotzdem das alte Sprichwort weiterhin behaupte: "Wer den Rappen nicht ehrt.. ist des Frankens nicht wert". 3. Orts gewohnheiten. Die "Schweizer. Gesellschaft für Volkskunde" führt seit 1932 eine volkskundliche Erhebung durch und richtet an ihre Vertrauensleute ein Heft mit 1585 verschiedenen Fragen, die aus allen Kantonen beantwortet werden sollen. Im Jahre I934 war aus dem Kanton Schwyz noch keine Frage beantwortet. Nachdem meine vorstehende Arbeit, die das Wesentliche unserer Volksbräuche enthalten dürfte, geschrieben war, entschloß ich mich, auf Ansuchen, von den Fragen der "Schweizer. Gesellschaft für Volkskunde" wenigstens jene zu beantworten, die bei der Behandlung unserer Volksbräuche nicht berücksichtigt sind und die sich unter dem Titel "Ortsgewohnheiten" vereinigen lassen. Es sind deren gegen IOO. Die Antworten folgen hier ohne Gliederung nach Material, sondern der Reihe nach, wie sie aus den 1585 Fragen hervorgehen. Damit sind die gewählten Fragen natürlich nicht annähernd ausgebeutet. Grußformen: Unsere Grüße wie "guten Tag", "guten Abend", "gute Nacht", "a Dieu" usw, sind infolge der allgemeinen Beifügung "wohl" als Verstärkung des Wunsches erwähnenswert. Wir sagen bei der Begegnung "guot Tag wohl" oder sehr häufig nur "Tag wohl", beim Abschied "adie wohl" oder "läbed wohl". Auf .Jäbed wohl" wird manchmal geantwortet: "Wohl Iäbe chostet Gält". Der Gruß "Guoten Obed" ist infolge dieser und jener Bedeutung, die er in bestimmten Fällen hat, besonders zu beachten. Die ungewöhnliche Bedeutung kommt allein in der Aussprache zum Ausdruck. Der Akzent liegt mit gesuchter Be135


tonung ausschließlich auf dem zusammengesetzten Vokale " des Eigenschaftswortes "guot"," während die folgenden Vokale kurz und mit so gedämpfter Stimme ausgesprochen werden, daß man sie kaum hört. Sogar das t in "guot" Wird als d gesprochen. Man denke an eine fallende Quart. Dieser Ortsgruß ist in folgenden Fällen gebräuchlich: Wenn ein Bauer zu einer Drittperson sagt, er müsse bei dunkler Nacht und trotz Blitz und Donner noch in eine Alp hinauf gehen, ferner, wenn ein Spengler in der Gesellschaft erzählt, morgen werde er am Helm des Kirchturms arbeiten, d. h. in allen Fällen, wo von einer beschwerlichen oder kitzligen Verrichtung die Rede ist, dann sagt irgend ein Zuhörer unvermittelt "guoden Obed". Das bedeutet soviel, als ich wünsche Glück, gib acht, daß Du den andern Tag erlebst. Der Gruß wird ferner, aber ironisch, gebraucht z. B. wenn einer auf dem Glatteis fällt, wenn jemand eine Scheibe eindrückt, wenn einer beim Jassen verloren hat usw. Der Sinn des Grußes ist an folgenden Beispielen noch deutlicher zu erkennen: Wenn der Wind einem den Hut fortträgt und man greift vergeblich darnach, wenn einer im Streit dem andern einen Hieb versetzen will und dieser weicht geschickt aus, wenn einer trotz Beteuerung der Unschuld vom Landjäger abgeholt wird, wenn einem die Forelle aus der gezogenen Angel entweicht, wenn einer trotz atemlosem Rennen den letzten Zug verspätet usw. In diesen und ähnlichen Fällen liegt dem Gruß etwas Schalkhaftes, Spöttisches, sozusagen etwas Schadenfrohes zu Grunde. Er bedeutet das, was mit "heb' di am Gras" gemeint ist und unterscheidet sich darum dem Sinne nach vom alltäglichen Gruß absolut. Er stammt wahrscheinlich aus dem Wörterbuch des Feckerjargons. Beachtenswert ist noch eine andere Grußform, nämlich "guot Nacht am Sächsiv.: Sie wird beim Abschlagen einer Zumutung gebraucht, z. B. wenn ein Gast den Wirt ersucht, auf dem Amt um Verlängerung der Polizeistunde nachzufragen, wenn einer den andern einladet, die Zeche zu zahlen usw. Der Sinn deckt sich.ungefähr mit der Anrede "gschwind chum sä" oder "chast mi gärn ha" oder "häst grad äs Möihli" oder ganz bodenständig gesagt "läck mr am A ... " Eine selten gebrauchte Gruß form heißt "guots Tägeli". Leute, die heiter gelaunt sind, verwenden sie gern. Beim Abschied von zwei oder mehreren Personen sagt man zu ihnen "adie mitenand". Wenn A über B etwas Beleidigendes erzählt und B vernimmt das durch eine Drittperson, erklärt er entrüstet, "ich wil im A 's Zyt scho awüsche". Wörtlich "heißt ,,'s Zyt awüsche" einem "guten Tag" sagen, wie man auch sagt ,,'s Zyt abnäh", d. h. den Gruß erwidern. B beabsichtigt aber, dem" A bei der erstbesten Begegnung zu sagen "wie spät es ist" oder "wo Bartli den Most holt", d. h. er will ihm "wüest säge", was gleichbedeutend ist, wie die Meinung sagen.


Zurufe, 'Lockrure, _Scheuchrufe, Mahnrufe usw.: Beim Essen: Gott gsägnis, Beim Eintritt in den Stall: Glück Stall. Beim Mähen: hauts-es? Beim Erdäpfel austun : Gits wohlus? .Schmeichelnamen für die verschiedenen Haustiere: Kuh: Chueli; Kalb: Chälbeli; Huhn: Bibi; junges Huhn: Bibili; Pferd: RößIi; Füllen: Füli; Lamm: Schöufli; Ziege: Geißli; Kaninchen: Chüngel; Katze: Zybüsi usw. Lock- und Scheuchrufe: Pferd Locken: hol Scheuchen: hüh l Rindvieh Locken: oh, ssä, Lobäli, Aelbeli (nasal, gedehnt), Scheuchen: hüh. Schwein Locken: hoß, hoß, haß. Ziege Locken: Giz, Giz, oh 's Geißeli mäle. Schafe Locken: Oh, le, le, le. Scheuchen: tschuff, tschuff. Hund Locken: DedelScheuchen: guschl Katze Locken: Zizi Büsäli. Scheuchen: Kutzabä I Huhn Locken: Bi, Bi, Bi, - Gusäli, Gusäli. Scheuchen: gsch I Enten Locken: Hudeli, Hudeli. Taube Locken: brü, brü. Krähe Locken: Rappeli, Rappeli. .Scheuchen: gsch I Allgemeiner Lockruf für Tiere: Zischlaut, indem man die Zunge an den obern Gaumen drückt und sie plötzlich 'loslöst und das mehrere' Male wiederholt. Ruf für das Antreiben und Anhalten dur Zugtiere: Pferd und Kuh: Antreiben: hü I Anhalten: üüf und üh. Rechts: hott: Links: hüscht! Redensart, um Kinder vom Laufen in's Gras, vom Fallen in einen Bach, vom Unfolgsam sein zu warnen: Bachhöuggl. Warnung vor der Sihl: Sihlhöuggl (Höuggl = Hacken). D' Ohre loh stou, 's Brunnäräherrli, dr Chämifäger chunt.

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Bau e r ~ d u t zen d: Es zählt i3 Stücke. GI a u b e und Ab erg lau b e: Wenn eine Kuh krank ist, schiebt ihr der Bauer drei rohe Kartoffeln im Zeichen der drei höchsten Namen (Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliggeist) in den Mund. Wenn man die Fingernägel am Freitag schneidet, ist man vom Zahnweh gefeiht. Wenn "jemand am frühen Morgen einen Knopf vom Boden aufbebt, steht etwas Unglückliches bevor. Wenn eine schwarze Katze den Weg kreuzt, ,steht ebenfalls ein Unglück bevor. ' ' Das gleiche trifft zu, wenn eine alte Frau die erste ist, die einem -das Neujahr anwünscht, Schuhe auf dem Tisch bringen Verdruß. Wenn Krähe das Haus umkreisen, stirbt bald jemand, Wenn ein junges Mädchen zu gleicher Zeit einem Kaminfeger und einem weißen Pferd begegnet, hat es Glück. Wenn der Jäger einem alten Weib begegnet, soll er heimkehren, .da er an jenem Tag kein Glück hat. W a n n ni c h t säe n: Bei fallendem Mond nicht säen, sonst wächst die Saat in den Boden hinein. 137


Vi erb I t t r ig es KI (.e: Man sagt, es bringe Glück. L e h m gur gel n : Gegen Halsweh gurgelt man gelegen Lehm-Wasser. An k n den der Tot e n: Wenn in einer Zimmerwand plötzlich ein akuter Ton entsteht, oder wenn eine Tafel herunterfällt, oder wenn man im Haus, hauptsächlich zur Nachtzeit, einen Schall vernimmt, dessen Ursprung man sich nicht gleich erklären kann, dann behaupten alte Leute, ein Toter habe sich "gekündet". Uhr s t ehe n g e bl i eben: Wenn die Uhr plötzlich stehen bleibt, dann. sagen gewisse Leute, es stehe ein Todesfall oder sonst ein trauriges Ereignis bevor. ~ Brot in die Tasse gefallen: Wenn einem ein Schnitten Brot in die Tasse fällt, gilt das als Ankündigung eines Briefes. L u t e n i n den 0 h ren: Wem es in den Ohren läutet, von dem wird irgendwo gesprochen. Rechts Ungünstiges, links Günstiges. Zu c k e n in der N a s e: Es ist ein Brief unterwegs. San k t A n ton i usa 1s Für b i t t er: Wer etwas verloren hat, betet inbrünstig zum hl. Antonius, damit er mit seiner Hilfe den Gegenstand wiederfinde. M a r i e n c h ä f e r I i: Wer eines sieht, spricht von kommendem Glück. W eiß e Z wie bel n: Es gibt Leute, die eine weiße Zwiebel in der Tasche tragen. Sie soll gegen Schwindelanfälle gut sein. Sie gell a c k: verschont vor Schnupfen. Mit der li n k e n Ha n dei n sc he n k e n: Das gilt als Ausdruck der Abschätzigkeit. AmT i s c hall e sau fes sen: Wenn die Kinder am Tisch alles aufessen, sagt die Mutter zu ihnen: "Jetzt bekommen wir schönes Wetter." Aus g e k ä m m t e Ha are: In vielen Fällen werden die .ausgekämmten Haare aufbewahrt. Früher ließ man aus ihnen Perücken für die Puppen machen. Nach dem Tode eines Familienmitgliedes verfertigte man bisweilen Kränzchen,Blumengebilde, Blätter und legte sie in Medaillons, die als Frauenschmuck getragen wurden. Er s t e Ho se: Wenn ein Bub die ersten Hosen bekommt, schenkt man ihm ein kleines Nickelgeldstück. Man nennt das den "Hosenrappen". Sc h u h e gi r ren: Wessen Schuhe girren, hat sie noch nicht bezahlt, sagt man. Leere Schläge des Schmieds. Der Leerschlag des Schmieds ist ein Teil der Technik. Der Meister bezeichnet mit dem leichten Hammer die Stelle, die der Geselle mit dem schweren Hammer schmieden muß. Während der Geselle schlägt, macht der Meister einen oder mehrere Leerschläge und bezeichnet dann wieder eine Stelle. Der Wechsel der Schläge ist rythmisch. ä

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K n 0 h lau c h es s.e n: Das ist ein vielgebrauchtes Mittel zum Cesundbleiben. S c h r p f e n im KaI ende r z ei c he n: Der dritte Tag im Neumond verspricht Erfolg. Neu ja h r s g e sc he n k e: Als das Rabattsystem noch unbekannt war, gaben Bäcker, Spezereihändler, Tuchhändler usw. den Kunden ein Neujahrsgeschenk als Erkenntlichkeit für gute Kundschaft. Der Bäcker schenkte einen 'halbbrödigen (2 Pfünder) Eierzupf im Werte eines Frankens, guten Kunden, Anstalten usw. einen brödigen oder zweibrödigen Eierkranz im Werte von 2 bis 4 Franken. . Neujahrsgeschenke werden dann und wann auch dem Güselfuhrmann, dem Briefträger, dem Zeitungsverträger, der Umsagerin, dem Nachtwächter usw. gegeben. Sie bestehen in einem Trinkgeld oder Naturalien. Bur den e n t rag e n: Die Heuburdenen werden nur mehr auf Heimwesen mit steilem Gelände getragen. Es gibt auch Holzburdenen (Reiswellen), die von den Bäckern gekauft werden. Be vor zug t e K äse a r t e n: Zum Most wird Räßkäse gegeßen. Als Räß käse bezeichnet man alten, gutgesalzenen Handrnagerkäse mit zirka 12 Prozent Fettgehalt Von den Fettkäsen ist der sog. Schwyzerkäse weitaus der bevorzugteste, weil er saftig und rezent ist. Der Ernmentaler-Fettkäse schmeckt unsern Leuten zu süßlich. Man tischt ihn sozusagen nur in den Wirtschaften auf. Zur Geschichte des Schwyzerkäses diene folgender Beitrag, der sich auf Erhebungen stüzt. Leider bekommt man den .Schwyzerkäse nur selten zu Gesicht und dann erst noch unter einer falschen Namensbezeichnung. Der Handel nennt ihn in der Regel "Spalenschnittkäse". Die Bezeichnung "Spalen" hat aber mit, der Art der Zubereitung und Pflege des Käses nichts zu tun. Unter "Spalen" wird das Holzgitter verstanden, in dem die alten Unterwaldner- und Schwyzersennen den ein- oder mehrjährigen Reibkäse über den Gotthard in den Tessin und nach Italien verbringen ließen. (Tätigkeitswort: "einspalen", Spalenberg: Berg mit Prügelweg, Spalentor: Tor mit Holzgitter.) Den Spalen folgte das "Röhrli" (Fäßli). Heute werden die Spalenreibkäse offen oder in Säcken verfrachtet. Die Käseleibe, die unter dem Namen "Spalenschnittkäse" im Inland gehandelt werden, kommen mit den Spalen gar nicht in Berührung. Sie sind auch nicht identisch mit den geschlossenen und festen, exportfähigen "Spalenreibkäsen", denn sie werden weicher, offener und mäßiger heiß geführt als diese. Ihr Teig muß gleichmäßig gelocht sein. Die Löcher dürfen nicht mehr als 5-10 Millimeter Durchmesser haben. Die Leibe wiegen um die 30 kg. ö

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Sie sind 12-15 cm hoch und haben einen Durchmesser gefähr 50-60 cm. Die Farbe des Teiges ist hellgelblich.. allem muß sich der wahre Schwyzerkäse durch einen Fett von 45 Prozent und ein baumnußkernartiges, tiefes Aroma zeichnen, das ihn von jeder andern Käsegattung unterscheide. Es geziemt sich, den rechten Namen des Schwyzerkäses einmal festzustellen, weil er unstreitig die seltenste Art unter den Schweizerkäsen ist und weil jene Sennen, die ihn einwandfrei zu fuhren verstehen, bedauerlicherweise auf, genug gesagt, ein halbes Dutzend zusammengeschmolzen sind. Es ist 'nicht ausgeschlossen, -daß die Kenner vor dem Schwyzerkäse, der an die Qualität der Mulche und die Kunst der Sennen die größten Anforderungen .stellt, bald ,die letzte Verbeugung machen werden. Die "letzte Verbeugung" haben wir gesagt. Die Käseesser werden einwenden, der Verfasser dieser Zeilen habe den Schwyzer Alpkäse vergessen, der in tadelloser Qualität vorhanden sei. Freilich kennen wir den Alpkäse und schätzen ihn auch. Allein, er kann mit dem Schwyzerkäse, den wir im Auge haben, nicht identifiziert werden. Der Alp'käse kann seinen zudringlichen Alpenmilchbeigeschmack, der dem Aroma des Schwyzerkäses nicht ebenbürtig ist, unmöglich verleugnen. Er haftet ihm auch an, wenn er ansehnlich alt ist. Der Schwyzerkäse mit den eingangs erwähnten, Eigenschaften (das Aroma allen voraus), stammt aus den Mulchen des zwischen Alpen und Ebene gelegenen Milchgebietes, nennen wir Schwyz, Steinen, Steinerberg, Arth, zum Teil auch Küßnacht, March, Ein-siedeln und das benachbarte Aegerital. ' Man nennt folgende Umstände, die die Qualität des Schwyzerkäses beeinträchtigen. Die Hast der Käsebereitung während des Krieges habe den Nachzug von sorgfältigen Käsen verhindert. Die jungen Käser verstünden es nicht mehr, die Lab richtig zu führen. Kraftfutter, Kunstdüngemittel usw. beeinträchtigen die Milchqualität usw. Fachleute sollten sich diesen Fragen widmen, um dem Schwyzerkäse wieder zum Recht zu verhelfen und ihm im Handel und auf der Tafel neuerdings Eingang zu verschaffen. Emmentaler- und Greyerzer-Käse behaupten ihre Namen auch. Der erste ist sogar der eigentliche Repräsentant des Schweizer.käses im In- und Ausland. Der Schwyzerkäse wird sich in der Parallele mit diesem sogar zu einem höhern Preis behaupten, wenn seine Charakteristika gewahrt und landläufig bekannt sein werden. Welche Käsesorten zieren die Tafel des Hotel und Restaurants im In- und Ausland? Emmentaler, Greyerzer (dem Schwyzer Alpkäse am nächsten), bel Paese, Camenbert, Roquefort, Tilsiter und neuestens die verschiedenen Schachtelkäse mit und ohne Zutaten (Trauben, Kümin, Kräuter, Yoghurt) usw. Der rassige, vollfette, schnittreife Schwyzerkäse, dem wir den Namen Schwyzer, Ratsherrenkäse gönnen möchten, fehlt fast überall. Ja, die Deut-


sehen kennen den Schwyzerkäse überhaupt nicht. Wenn man z. B• .~inen Badenser, die bekanntlich den Käse als Gourmandise essen, im Laden frägt, ob er Emmentaler- oder Schwyzerkäse wünsche, antwortet er trocken: "Natürlich Schweizerkäse". Er denkt da nur an .den Emmentaler. Soll das mit dem Schwyzerkäse so bleiben? Wohnungskündigung: Es gelten der 15. April und 15Oktober (Gallentag). Der Tag des Umzuges wird "Büntelitag" genannt. Wirtshausschilde: Auf meine vor ungefähr 10 Jahren erfolgte Anregung wurden mehrere alte Wirtshausschilde mit hübschen Eisenträgern, die auf den Winden versorgt waren, wieder an die Hausfassaden gehängt. Schöne Wirtschaftsschilde befinden sich an folgenden Gasthöfen: Dreikönigen, Pfauen, Goldener Adler, Schweizerhof, Krone, St. Meinrad, St. Katharina, St. Josef, St. Johann, Sonne, Rothut, Bären, Waage, St. Georg, Steinhock und Weißkreuz, an folgenden Privathäusern: Anker, Goldener Apfel, Dreiherzen. Einige Schilde von ehemaligen Gasthöfen und Wirtshäusern, die jetzt Geschäfts- oder Privathäuser sind, stecken vermutlich noch auf' den Winden der betreffenden Häuser, Z.13. im Schlüssel, in der Ilge, im Adler. S ta m m t i s c he: In einigen Restaurants besteht noch der Brauch, Stammtische zu halten. Es sind dies gewöhnlich runde Tafeltische, allerdings ohne beachtenswerten Stil. Sie werden in eine heimelige Ecke gestellt. Besondere Aufsätze behufs Kennzeichnung der Stammtische sind nur an zwei Orten bekannt. An die Stammtische setzen sich in der Regel nur diejenigen Gäste, die das betreffende Restaurant regelmäßig besuchen. S ta 11aus se g n e n: Es erfolgt nach dem Erlöschen von Seuchen, bisweilen auch nach Beendigung eines Neubaues. All m end e n: Die Genoßsamen, deren es im Bezirk Einsiedeln sieben gibt, besitzen Wald und Allmenden; Sie teilen den Genossen nach Schluß der Jahresrechnung im Sinne der zuständigen Genossenverordnungen jährlich das Treffnis aus der Holzrechnung in Geld aus. Man nennt dies Treffnis den "Holzteil". Das gleiche geschieht mit dem Streuetreffnis. Man nennt dies den "Streueteil". Die Turbenteile werden an Grund und Boden verteilt. Man nennt das den "Turbenteil". Die sog. Länderteile (Mattland), bisweilen auch die Streueteile, werden entweder vergantet oder zugeteilt. Genossen, die nicht Landwirtschaft treiben, verpachten den ihnen zugeteilten Grund und Boden den in der Nachbarschaft wohnenden Kleinbauern. Das Nähere ist aus Abschnitt "Ueberliefertes der Genoßsamen" ersichtlich. Z ins tag: Als Zinstag für Hypotheken aller Art (Schuldbriefe, Ausrichtungsbriefe, Transfixe usw.) und in der Regel auch für Darlehen, gilt der St. Martinstag, genannt "Martini".


Ra n gor d nun g amT i s c h: Der Familienvater sitzt in Regel oben am Tisch, ihm zur Seite, entweder rechts oder . seine Frau. Kleine Kinder sitzen neben der Mutter oder einer erwachsenen Schwester. Eine weitergehende Rangordnung am TIsch. ist nicht bekannt. Fa s t e n s p eis e n: Als Fastenspeisen sind bekannt: Käsesuppe, Käsekuchen (""Chäsdünne" genannt), Kartoffelfladen ("Ofenturli' genannt), Chnöpfli und Suurchrut. Hau s met z ger: Beim Metzgen im Lohn macht der Hausmetzger Blut- und Leberwürste. . Kin der g e s c h e n k e im Lad e n: Der Metzger gibt den Kindern, die den Eltern Botendienste besorgen ein Wursträderli, der Spezereihändler einige Zuckerchügeli, der Zuckerbäcker einen kleinen Schafbock. K l s c h übe r z ü g e: Farbiger Kölsch, in der Regel rotweiß gespiegelter, wird sozusagen nur noch für Bettzeug verwendet, z. B. für Kopfkissen und Flümli. He i m a rb e it: Handseidenweberei und Leinenweberei. Ich verweise diesbezüglich auf meine Abhandlungen in der Broschüre "Einsiedeln " bei Benziger & Co., I 9 I 7. Korbflechten, um 1920 durch meine Vermittlung eingebürgert. Handschuhnähen, Paramentensticken, Betlifaßen. K r h s c heu c h e: Sie wird mit alten Kleidungsstücken angefertigt, die man über ein Holzkreuz hängt. Oben drauf setzt man einen alten Hut. An die Kleider knüpft man rechteckige Dachschindeli, die im Winde flattern und die Vögel verscheuchen. Güll e f ü h ren: Die Güllenfuhr im Dorf ist nur an bestimmten Wochentagen erlaubt. Das Bezirksamt erläßt hierüber jeweilen ein Inserat in den Ortsblättern. A s c he n sam m e l n : Den Aschensammler bezw. die Sammlerin nennt man bei uns "Aschenpudel" bezw. "Aschenpudleni". Die Aschensammler verdanken diesen Beinamen ihrem unordentlichen Aussehen. Der Aschenpudel trägt in der Regel einen langen juteschurz, der das pudelähnliche Aussehen noch verstärkt. Das Sammeln der Asche hat einen doppelten Zweck: Befreiung der Häuser VOll Unrat und Verwertung als Düngmittel. Bei Föhn müssen die Wachen der Feuerwehr häuptsächlich in den Aschenröhrli nachsehen, ob sie noch Glut bergen. G ü s e l f uhr: Die Güselfuhr, die am Mittwoch und Samstag 'umgeht, kündet sich mit einer Schelle an, die am Hinterwagen befestigt ist. Sam m e I n a n der e r R ü c k s t ä n d e : Die Personen werden genannt: Altysehudli, Fleischbeifrau, Liimpesamrnleri, Siitränkifrau. R i n d v i e h zug: Ochsen, Stiere, Kühe und Rinder ziehen ausschließlich am Joch. ö

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Gel d ein h e itim Vi e h h a nd e 1: Im Viehhandel mit Kühen, Mais- und Zeitrindern, Jährlingen und Stieren wird mit Napoleons, genannt "Duble", gehandelt, Kälber, Schweine, Ziegen und Schafe mit Franken. Milch: Ungekochte saure Milch wird "Suffi", die Fettschicht auf der ungekochten Milch "Niedei oder Ankemilch" , die auf der gekochten Milch "Belz" genannt. Die Rückstände beim' Auslassen der Butter nennt man .Anketruose". Erste Milch der Kuh nach dem Kalbern .,Biemst". Fe t t: Das ausgelassene Schweineschmalz wird "Schmär" genannt. Maß und G e w ich t: Von den alten Hohlmaßen gehört man noch gelegentlich den Schoppen (4 dl), das Budeli (2 dl) und das Quärtli (4 dl) nennen. Man sagt z.B. einen Schoppen Milch (dem Kind den Schoppen geben), einen Budel Schnaps, ein Quärtli Nachtlichtliöl. Von den alten Längenmaßen ist der Fuß gebräuchlich. 3 1/3 Fuß sind ein Meter. Man sagt z. B. der Karrweg muß 5 Fuß breit sein. Von den alten Flächenmaßen ist die Juchart zu 11111/9 Klafter 2 oder 4°,000 Fuß 2 oder 36 Aren heute noch gäng und gäb. Mit den alten Körpermaßen handelt man selten, sie heißen Turbenklafter = 72 Fuß 3i Holzklafter - 108 Fuß 3, Heuklafter = 216 Fuß 3. Mit dem neuen Turbenklafter zu 74 Fuß 3, mit dem neuen Holzklafter zu 148 Fuß 3, demneuen Heuklafter zu 296 Fuß 3 wird häufiger gehandelt. . Fis c h art e nun d G r 0 p pe n: Die Bachforelle herrscht vor. Sie wird von einigen Berufsfischern mit der Angelrute gefangen und entweder in die hiesigen Gasthöfe verkauft oder nach Zürich geschickt. Man sagt auch den Feckern nach, daß sie sich mit dem Fischfang befaßen. Die Groppen werden von den Schulbuben gefangen, entweder heimgebracht oder an Ort und Stelle gebrätelt. Es besteht die Patentfischerei. Fechten der Handwerksburschen: Diese Gewohnheit besteht noch. Die Handwerksburschen fristen damit den Reiseunterhalt, auf jeden Fall schaut das Schlafgeld für die Herberge heraus. (Siehe Näheres im Abschnitt "Der rote Räppler"). Hau sie ren: Die ältesten Hausierartikel sind die Schwefelzündhölzli in Rollen zu zwei Schächteli, die Wichsidrückli, ehemals zu 10 und 20 Rappen und die SchuhnesteI. In neuer Zeit nehmen die Hausierer allerlei mit auf den Weg. Um Weihnachten herum hausieren Frauen mit Eierzöpfen. Ge s und be te r: Wir verfügen über einen Gesundbeter, dem viele Leute großes Zutrauen schenken. Kranke erklären, der Gesundbeter behaupte, "er habe den Höchsten (Gott) in sich". Der er s t e Z ahn: Früher war es Brauch, den ersten ausgefallenen, gebrochenen oder gezogenen Zahn entweder in . einem 143


Schächteli aufzubewahren oder ihn zu verbrennen. Es gab Leute•. die glaubten, es geschehe ein Unglück, wenn man ihn wegwerfe oder verliere. Wall f a h r t sa n denk e n: Ich verweise auf den Abschnitt "Wallfahrtsandenken" . Ga nt e n: Wir kennen freiwillige und konkursamtliche Ganten bezw. Steigerungen. Es handelt sich in der Regel um Mobilien und Fahrhabe. Als Verganter wirkt eine offizielle Person, die gewandt ist im Anpreisen. Gegenwärtig ist es in der Regel der Gerichtsweibel. Die Gantware wird in einem Wirtshaus oder vor dem Wohnhause des Eigentümers zur Besichtigung ausgelegt. Man vergantet mit dem Ruf "Zum ersten, zum zweiten und dritten Mal". Wer vor Abschluß des dritten Rufes am meisten bietet, bekommt das Gantstück gegen Barzahlung. W e t t er gl ö c k lei n: Ich verweise auf die Abhandlung "Segnungen und kirchliche Bräuche", die 1934 als Beilagen der "Neuen Einsiedler Zeitung" erschienen sind. His tor i s c he Sc h i e ß e n: Als solche sind der Rütli- und, der Morgartenschießet bekannt. In der Regel nimmt von hier eine Sektion daran teil. J e r ich 0 r 0 se: Die Jerichorose wird am Weihnacht· Heiligabend in ein Glas Wasser gelegt. . Ab end rot: Wenn vor Weihnachten das Abendrot aufleuchtet, sagen die Mütter zu den kleinen Kindern ,,'s Christchindeli tuot i de chlyne Chinde bache", Freinacht am Neujahrstag: In der Neujahrsnacht wird die Polizeistunde in der Regel bis um 2 Uhr verlängert. Wetterregeln: Hat der Mythen einen Hut, bleibt das Wetter gut; hat er aber einen Degen, gibt es sicher Regen. "Wänns am Morgä rägnet, hörts gly üf", gleichbedeutend WIe: "ä früehe Bättler goht nüd lang". , Sc h n i t z e I ban k: Ueber lustige Ortsereignisse wird gelegentlich an der Fastnacht eine Schnitzelbank veranstaltet. Bei Hochzeiten kommt es auch hie und da vor, daß ein Bekannter des Bräutigams oder der Braut Jugendereignisse des Brautpaares in einer Schnitzelbank darstellt. Re gen bog e n: Unsere Leute behaupten, der Regenbogen sei das Vorzeichen schlechten Wetters. Je vollkommener derselbe ist, umso ungünstiger lautet ihre Prognose. Na m end e r Wo 1k e n: Kleine weiße Herden = Schöfli, weiße hochstehende Ballen = Stützwoule (Wolle), langgezogene, Regen bringende Schleichwolken = Fische. 144


Spinrie: Spinne am Morgen, Mühen und Sorgen. Spinne am Mittag, Freude am dritten Tag. Spinne am Abend, Erquickend und labend. Pflanzen zu Teebereitung: Spitzgras, Frauenmänteli, Silbermänteli, Lindenblätter, Vermouthblätter, Storchenschnabel, Pfeffermünzblätter, Weißer Klee, Johanneskraut, Kamillen. Na sen b lu t e n: Volkstümlich wird das Nasenbluten gestillt, indem man dem Patient Wasser in den Nacken schüttet. Der Schreck soll den Blutandrang unterbrechen. Mit tel g e gen He i m weh: Gesegnetes Agathabrot in die Fremde mitnehmen. J ii n g s t e r Tag: Bei der Schuljugend gehen von Zeit zu Zeit Gerüchte um, an einem bestimmten Tage, der genau bezeichnet wird, gehe die Welt unter. Ohr r in ge der M ä n n er: Kleine, einfache Ohrringe werden in der Regel von Feckern getragen. Es gibt aber auch Bauern, die kleine Ohrringe tragen. Sie erklären, sie seien gut gegen die Kurzsichtigkeit. Kir c h g a n g s t r ach t: In der Prozession tragen die Jungfrauen entweder ein weißes Kleid und ein weißes Kränzchen in den Haaren oder ein farbiges-Festtagskleid und ein weißes Kränzchen. Eine besondere Kirchgangstracht gibt es nicht. Was die Bekleidung anbelangt, verweise ich auf meine Publikationen "Die ländliche Kleidungsart", Heimatschutz Basel 1921 und "Die Schwyzertracht", Beilage zur "Neuen Einsiedler Zeitung" 1933· S chi 1d b r ge r s t re ich e: Bei uns werden hauptsächlich die Gersauerstückleia erzählt, deren eine große Zahl bekannt sind. Er wer b, Sie d Iu n g USW.: Siehe meine Abhandlungen "Der Stausee im Sihltal" , Heimatschutz I und II, Hefte 4 und 5, i93I, ferner "Unsere Siedlungen", Beilage der "Neuen Einsiedler Zeitung", 1931. Schwingund Aelplerfeste: Siehe meine Abhandlung "Gegen die Verarmung der schweiz. Schwing- und Aelplerfeste", "Neue Zürcher Zeitung", 1923, ferner: "Mit 'm Lieni z' "Alp", Beilage der "Neuen Einsiedler Zeitung", 1929. Na me n k und e: Siehe meine Abhandlung "Zur Namenkunde in Haus und Hof", in "Neue Zürcher Zeitung", 1924 In nächster Zeit werden in den Beilagen der "Neuen Einsiedler Zeitung" weitere Sammlungen folgen. ü

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4. Zeitvertreib unserer Schuljugend. Unsere Schuljugend unterhält sich ,ßou dr Schuol" auf manni fache Art, nützlich und meisterlosig. Mit den Anschlagspiel werden die Parteien gebildet. Die Mädchen unterhalten sich hanp sächlich mit Spielliedern, Reigen und drgl. Bei den 'Buben sind besonders die Partei- bezw. Wettspiele beliebt. Die freien Unterhaltungen zeichnen sich manchmal durch schöne Originalität aus. Dienstfertigkeiten und häusliche Arbeitsleistungen bringen leicht einige Batzen ein. Boshafte Bubenstreiche und üble Gewohnheiten sind nichts weniger als selten. Viele Uebungen gehören der Vergangenheit an, viele sind heute noch im Gebrauch. Wir zählen sie hier zwanglos auf, ohne den Beschrieb, die Spielregeln und die Interpretationen beizufügen. I. Ans c h l a g s pr c h e. Anschlagen, Aar Paar Guggus; SeIlerli Sellerli Sieberli Ssa, Rippidi Rappidi KnolI; Paar oder Unpaar? Chrälleli uuf Chrälleli ab, chauf mr au äs Bäseli ab; ABC d' Chatz lauft übere See; Oepfl, Bire, Nuße, duße; Ich und du und 's Müllers Suu und's Bäckers Stier, sind üsr vier; Buoche, suoche ... , Tanne, fange ... ;Chügeli Chügeli roet, du bist toet.. 2. Spielsprüche und -Liedlein. Joggeli goht go Bire schüttle, d' Bire wend nüd falle ... Chämifägr schwarze Ma ... Annebabeli lupf di Fuoß, wän i' mit dr tanze muoß ... Ene dene Tintefaß, goh i d' Schuol und lerne was ... Dou bohri äs Loch, dou han'i eis, dou bruuch'i ä keis, Chrälleli uuf, Chrälleli ab, chauf mr au äs Bäseli ab,.. Alts, alts Gröiseli, dörfed mir uuf d' Gaß ... Ueseri Chatz hät Jungi gha ... Hüppe, hüppe Rösseli . ~. Balle Balle sag mir doch... Chum mir gönd goh wandere ... Ora pro nobis, Chrut ischt kei Chabis... I predige was i weiß von äre alte Mutschigeiß . .. Det obe uuf 'm Bärgli, stoht än alti Geiß... Es rägelet, es schnyelet, es goht ä chalte Wind ... Uesri Chatz hät Jungi gha, siebni in're Zeine... Jsebahn, Jsebahn Lokomotiv, wan i äs schöns Maiteli gseh ... Mülleri hät si hät... Dr Lunzi chunt, dr Lunzi chunt... Meired heb's Bei grad. .. Do äs Plätzli, det äs Plätzli, Härzigs Aengeli, Rosestängeli . .. Adam hatte 7 Söhne... Es Beckeli Kafe und Zucker dry, hinne uuf e Wage und furt mit dir ... Es chunt eHer mit eim Pantoffl ... Dreimal um den Kessel, weiß ich gar nicht wo . .. Kommt ein Vogel geflogen... Zeigt mir eure Hände, zeigt mir eure Schuh, .. Ueseri Bäsi Dorothe, mit lange Füeße ... Hoorus, zuem Tor uus! Ryte, Ryte Rösseli, z' Bade stoht es Schlösseli ... Chum mir gönd goh wandere, vo einer Stadt zuor andere. .. Ruedi vertue di... Annemarieli, Zuckerbieli .... Dry hölzig Halbbatze und glesigi Chueh ... Döcklbabeli dai dai dai, hinicht chunt dr Dädi hei... Aengeli träge, niemertem säge ... ü

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3 -.Par t e i- b e z w. W e t t s pie I e. Niggele, Kapulatuder, Stickle, Süli hüete; Ballenschlagen, Eggballnen, König schickt Soldaten aus, Bockgumpe. Marieehen saß auf einem Steiri,ScWeudern, Jagis ha, Bergisha, Blindekuh, Seiligumpe, Ringel-Ringelreihen, Plumsack goht urne, lueged nüd urne, Chügele, Rieseln, tütsche oder im Kreis mit 'm Bölli noä tröle oder enand töde (butzig), Seilziehen, Sackgumpen, Klettern, 2 Parteien mit Schneeballen, Chöpferöllizieh, Schuob, Räuber und Perrücken, Himmel-HöllFäckfür, Schinkechlopfe, Eggetusche, Adam hatte sieben Söhne (ein Ringelspiel), Paarspringen, Es kommt ein Herr mit einem Pantoffel ... (Mädchenspiel), Blauer blauer Fingerhut, steht dem Mädchen gar so gut .., Willst du dein liebes Kind verkaufen? Chum mer wend goh wandere, vo einer Stadt zur andere, rirarum, und wänn dr Kaiser ... Farbenjagisäha, Fuchs aus dem Loch, . Räuberlis mache, Soldatisäha, Buobeschlachte, Chnöpfle, Ringele, Tützle, Chappetuusch, Muttele. Würfele, Häggle,Schärze bezw. borzge, Chnödlistoße, Philippine mache, Himmel und Höll, Es pöperled, es pöperled ... , Dure krüppled Wald, Farben angeben und eines raten, Engel und Teufel, Vögel angeben und eines raten, Hühner verkaufen, Kreis bilden und eines raten. 4. a U n t e r h a l tun gen. Rößlisäha, Müetterlisäha, Drach loe styge, Vogelbeeriblasen (aus Engelwurz) (angelarchis), Maiepfyfe schnyde, Waldhore mache, Stelzenlaufen, GeisIe chlepfe, Chlefäle, Härdöpfl brötle, Groppne, Schnee burgen machen, Lusthüsli mache, Kreisel, Sprungübungen auf Schlittschuhen, Geisgüge, Schienholz suchen, Grasbrennen in den Turbenmooren (Steppenbrennen), über die Turbenlöcher gumpen, Fürtüfel wärfe, Chäpsli abloh, . Chlepfer zieh, Furzäre mache (Taraxacum officinale, Löwenzahn; Ankenblume), Obladen betteln (beim Pförtner Klemenz), in den Gunten der Alp chräsle, Marken sammeln, im "Schnee Gärten ausschaufeln, Höhlen im Schnee machen, Gygerößlinäh, Blumen pressen, goh schume (kühwarme Milch trinken), Laimandli mache (Lehm), seidene Zwick betteln, Sübloutäre bättle, Häxemache (mit Blumen), Schnee azünde, Barfuß laufen, Gunten (Tümpel) mache, Im Schnee wattle, Wälle tröle, Schlyfene mache, Uf'm Hosehindr aberyte, I d' Suurhampfere goh, trumme, Mit Garn und Schnüren Figuren herstellen (Wiege), Ratsspiele (die gute Magd), Mutschele, Ballspiel mit einem kleinen und großen Examen, Seiligumpen, Seifenblasen, Hürlibuob (Knopf mit Zündhölzli), Blächpfyffli House (dem Schwäfelpfyffli nachgemacht], -ocarina spielen, i d' Schneeglöggli goh, i d' Häntscheblüemli goh, .i d' Alperose goh, Rüetli haue, Gruppenweise vor' die Schaufenster der Läden stehen und die Gegenstände im Geiste unter einander verteilen. ' "Ghüüs abhole". Am letzten Sonntag im August beginnt die Kirchweihe, die 3 Tage dauert. Während der vorangehenden 147


Woche bringt die Südostbahn auf offenen· Güterwagen die beräderten Wohnungen der Schaubudenbesitzer -ins Hochtal. Die Schulkinder nennen einen solchen Wagen "äs G'hüüs". Sobald sie das "G'hüüs'" im Rabennest sichten, gehen sie scharenweise an den Bahnhof. Früher wurden die Wagen mit 4 bis 6 Pferden durch die Hauptstraße auf den Brüel gefahren. Jetzt zieht sie der Traktor. Die kleinen Kinder laufen hintenher und rufen "äs G'hüüs, äs G'hüüs". Da die Meinung über das Innere eines Wohnungs wagens nicht die beste ist, fügen sie bisweilen folgende spöttische Bemerkung bei: "äs G'hüüs mit siebe Lüüs". Nachdem die Schießbuden an der Kirchweih 'den Platz geräumt haben, durchsuchen die Buben den Erdboden nach Flobertkügeli. 4.b Alte Ger ä te und Ge gen s t ä n d e. Bär = alter Kinderreitschlitten aus 2 harthölzernen Brettern als Kufen und einem Brett als Sitz zusammengesetzt, vorn ein Rundeisen mit Ringen. Geiß = typischer Einsiedler Reitschlitten. Rollehegl = länglicher Griff aus Holz mit Klingenfeder und breiter Klinge. Titebabi = Puppe im Tragkissen aus einem Scheitehen geschnitzt und primitiv bemalt. Huchhelgli und Amedeli = Geschenke der Kapuziner an Kinder. Pfingstegugger und Pfingsteschälle, Trümpi,. hölzig Schlyffschueh, Stelze, Schulsäcke aus Jute mit Hirsch bemalt. 5. Dienstfertigkeiten undBeschäftigungen. z'Märcht goh (Bootendienste), d' Gatter uuftuo (die Gatter auf der Viehweide öffnen), d' Göfferli träge, turbne, Turbe ablade, Roßmugele und Chüedräck zämänäh und verchaufe, schyte, is Laub goh, Streusand in der Sihl holen und verkaufen, is Holz goh, i d' Haselnuße goh, i d' Beeri goh, Beeribützl sammle, is Chris goh, i d' Tannzäpfe goh, im Schopf aufräumen, is Fahrechrut goh,. i d' Stächpalme goh, i 'd' Wydligoh, d' Sütränki holä, goh hälfe lüte, ministrieren, d' Fähndli träge, Weihrauchfäßer tragen, mit 'm Schneesclinützr wäge, 'Schnee in die Alp hinunter führen, Zeitungen vertragen, Weg und Läden zeigen, Ziegl büte. 6. aBo s haft e Um tri e b e und ü b l e Ge W 0 h n h e i te n, Vogelnästli usnäh, Chatzeschybli ischlo (mit Steinen oder mit der Schleuder), Chrottte brittle, chlebrige Bolzen werfen, Meerröhrli rauchen, Hummel und Hornußen fangen, mit Feckern aufs Leim gehen (den Singvögeln Leimruten stellen), an den Hausglocken läuten und davonspringen, Schneeballen auf die Firmenschilde werfen, züsle, Katzen strecken, i Aprille schicke: (für ne Füfer Ibidum, Märzefüli und Maietschupp und Aprillenarr), kleine Kinder fürchten machen mit dem Zuruf "i loh dr d' Ohre loh stoh", Händschli amäße, alt Jungfäre plouge, änand Sand arüehre, uuszänne (mit der Zunge oder mit den vor die Nase gehaltenen Fingern), auf dem Brüel Kühe melken, Internen necken ("Chräh, Chräh" rufen), Heustöffel fangen (Heuschrecken), d' 148


Spannig uftue, d' Spannchettäne ufschloh, einem andern rücklings die Augen zudecken, 's Veh usloh (auf der Weide), i andäre Schnüer spanne, daß s' stürchled, durch Brenngläser in die Sonne schauen, d' Huusschlüssel abnäh, Schnecken sammeln (Schnägge Schnägge Höreli, streck dini alli vier HöreJi, odr i,mörd di odr i töd di odr i lou di lou doure bis übermoure), Gäldseckel zieh, Meersüli halte, Faltern fangen und pressen, schleudern, Fürli amache, in 's Obst gehen (in der Höfe Obst betteln), Tanneharz uusbränne, Schraps.betteln (Konditoreiabfälle), Baumrinde chafle, Räubergeschichten lesen, Turbegüsl rauke, Niele rauke, Rüebli stähle, Holzöpfl äße, änand Roßmugele arüere, die Folen auf der Weide herumjagen, Pulver abloh, öppis g'schände, Süüschärlig und Milchlig stähle, änand im und änand verschloh, änand aspeuze, dr Wyer uusloh, Bierfäßli verbärge, Tafäre verstelle, änand Uebernäme gäh, anand im Brunne tünkle, Latärne lösche, d' Schlüssellöcher verschoppe, Dohle und Brünnä verschoppe, d' Ständligure blouge, den Elsäßern in der Kirche die Haubenbänder an die Bank binden, den Pilgern am Frauenbrunnen das Nastuch an eine andere Röhre hängen, Necknamen in den Schnee schreiben, Wydechätzli haue, Fraueschüehli hole, Ysäße. 6.b Alte Schulstrafen. Etwas 100 Mal abschreiben, nou dr Schuol dobe hocke, usechnüe, usechnüe und d' Arme spanne, usechnüe und 's Hindr spanne, Tatze anäha (auf die flache Hand 'oder auf die Fingerspitzen), nüd styge (nicht in eine obere Klasse nachrücken) . 6. c Alt e War nun g s ruf e der L ehr e r. Ihr Tormänte, ihr Ekerlänte, du Schönäli. 7. Fremde Ueberraschungen. Dudelsackbläser. Savoyarden mit Kamelen, Bären und Affen, Deutsche Straßengeiger und -Sänger, Italienischer Straßenmusikant mit der großen Trommel auf dem Rücken, dem Glöcklispiel auf dem Kopf und mit der Handorgel, Drehorgler, Seiltänzer (Seil vom Rathaus gegen den "Hirschen" gespannt). '

.5. Ueberliefertes der Genoßsamen. (Flurgenossenschaften). Die Genoßsame kann im allgemeinen als das betrachtet werden, was in andern Kantonen die Bürgergemeinde ist. Im Bezirk Einsiedeln bilden die Bürger des Dorfes und der beiden Binzen die Genoßsame Dorf-Binzen. Jedes der sechs Viertel besitzt eine eigene Genoßsame. Nach dem Teilungsinstrument des Jahres 1849 muß das Genossenvermögen ungeschmälert bleiben. Vermögensverschiebungen sind in folgenden Fällen statthaft: zum Verkauf von Grund und Boden, Gebäuden und Kapitalien, zum 149


Ankauf von Grund und Boden und zur Vornahme von Bodenverbesserungen. Der Erlös von verkauftem Grund und Boden. Gebäuden und Kapitalien ist im "Landverkauffond" als unveräußerlicher Gegenwert zinstragend anzulegen. Das Eigentum der Genoßsame umfaßt folgende Naturalien: Länderteile, Torfboden, Streuerieter, Waldungen, Weidgang, Gebäude. Sie befaßt sich. auch mit Lehengütern. Der Gebäudebesitz setzt sich aus Zweckund Nutzbauten zusammen. Die Nutzbauten bestehen aus den. Anrechten an den Pfauen-, Sonnen- und Ilgenständen am Hauptplatz. Die Genoßsame besitzt auch Atzungsrechte und ein Recht am Rathaus. Die Nutznießung besteht in den Barbeträgen der Holzrechnung, der Streuerechnung, der Länderteilrechnung und der Torfrechnung. Vor der relativen Güterzusammenlegung ergabsich die Nutznießung je aus einer Naturalzuteilung nach Zivilstands- und Altersklassen, die in der Genossenordnung genannt sind. Die Einheit war das Klafter. Den Genossen, die nach fremden Weltteilen auswandern, werden Auskaufsbeiträge verabfolgt. Die oberste Rechtsinstanz ist die Genossengemeinde, Verwaltungsinstanz der Genossenrat. Im Rahmen dieser Schrift sind folgende überlieferte Einzelheiten b-eachtenswert: Das den Genossen zugeteilte Land darf nicht geäzt werden. Der Gegensatz zu Großvieh ist Schmalvieh. Zeitrinder sind solche Rinder, welche im April zur Zeit des Anzeichnens geschoben haben; Rinder, welche um diese Zeit noch nicht geschoben und vor Jakobi ein Jahr alt werden, sind Maisrinder, jüngere sind Kälber. Der Ertrag 'des Wies- und Weidlandes wird nach Kuhesset berechnet. Holz und Streue werden öffentlich vergantet. Unter dem Begriff "offenes Land" ist der Teil für die Kartoffelpflanzung, unter dem Begriff "ödes Land" ist der Teil gemeint; der nach der Bepflanzung mit Kartoffeln in Wiesland übergeht. Der Viehauftrieb auf dem Brüel (Allmend) uriterliegt im Frühling einer Auflage, ein Franken pro Stück und Tag, im Herbst, in der Regel von Jakobi bis Moritz, ist er unentgeltlich. Die Frühjahrsatzung ist bedeutend wertvoller als die Herbstatzung. Die Genossen dürfen Kühe, Karroße und Metzgschafe auftreiben. Die Bevorzugung dieser Vieharten läßt sich folgendermaßen erklären: Milchkühe sind am Nutzen, die müssen deshalb früh mit Grünfutter gehirtet werden. Karroße haben bei den Trämelfuhren, hauptsächlich zur Zeit der Schneeschmelze, die hartes te Arbeit geleistet, sie müssen sich deshalb !ffi Frühling auf der Weid ein wenig erholen können. Die Metzgschafe sollen auf Ostern und Pfingsten gesundriechendes Fleisch liefern. Bis in die 1860er Jahre haben sich bisweilen vor Jakobi um die 30 Genossen der Binzen und Viertel zusammengetan und dem Stiftsstatthalter angeboten, den Brüe1 unentgeltlich zu mähen.


Auf diese Weise soll es vorgekommen sein; daß der Brüel in einem, höchstens zwei Tagen abgemäht war. Die Uebung hat zwei Vorteile gehabt. Einerseits konnten die Genossen im Herbst bei Zeiten auftreiben. Anderseits ersparte sich die Stiftsstatthalterei Arbeitslöhne. Das Atzungsrecht auf dem Brüel ist von sozialer Bedeutung. Es nützt hauptsächlich den Genossen, die nur eine oder zwei Kühe besitzen und dieselben 'im Sommer auf keine Hochweid treiben können, weil sie die Milch im eigenen Haushalt brauchen. Nach dieser Richtung ist auch die bekannte Randbewohnerfrage des zukünftigen Sihlsees zu erklären. Der Sihlsee verschlingt Genossenboden, von dem bis anhin Teile an Kleinbauern billig verpachtet wurden. Außerdem hat das große Siedlungswerk viel Grund und Boden der nahen und entfernten Randzone beansprucht. Den Kleinbauern wird also in Zukunft manche alte Pachtgelegenheit entgehen. Die Bedeutung der Brüelatzung ist folglich aus diesem Grunde größer als je. Zwar besitzen die Randbewohner,im weitern Sinne des Wortes die Kleinbauern, gegenüber den Genossen anderer Erwerbsgruppen und Erwerbsklassen kein Privileg auf die Pacht der Länderteile. Ihre Vorrangstellung ist nur Gewohnheit, die sich einbürgerte, weil die Pacht der Länderteile der Genoßsamen dem Kleinbetrieb besonders gelegen kommt und weil die Kleinbauern diese günstige Gelegenheit im eigenen Interesse nie verstreichen ließen. Insoweit ist die Randbewohnerfrage ein wirtschaftlicher Ortsfaktor, dem man anderswo nicht gleich begegnet. . Ueber die Hilfe an Auswanderer weist sich der Genossenrat in der Amerikaner Rechnung aus. Im Jahre 1905, also' vor 30 Jahren oder 30 Jahre nachdem die Auswanderung den Höhepunkt erreicht hatte, zeigt die Rechnung Fr. 2130.- Auszahlungen an 18 Auswanderer, meistens im Alter von 22 Jahren. Damals waren ungefähr 700 Genossen und Genossinnen nutznießberechtigt, die Viertelsgenoßsamen nicht in Betracht gezogen. Mit Hilfe der Genoßsamen hat sich hauptsächlich in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ein Stück Einsiedeln in neuer Form entwickelt. Wer zählt die Tausende von Abkömmlingen ausgewanderter Einsiedler ? Vor genau 100 jahren reisten viele auf Segelbooten in die neue Welt hinüber. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als sich die Auswanderung nach Amerika am lebhaftesten gestaltete, war es Brauch, daß 20 bis 30 junge Leute beider Geschlechter die Reise gemeinsam antraten. Die Gruppen wurden jeweilen von den Familienangehörigen über den Schnabelsberg nach Schindellegi und den alten Karrweg hinunter nach Richterswil begleitet. Viele Auswanderer sind verschollen oder nachrichtenlos abwesend. Nach Amerika bevorzugten die Auswanderer hauptsächlich Frankreich und Australien. Wenn jeweilen ganz allgemein übet das


Schicksal der Einsiedler in Amerika gesprochen wurde, sagten kundige Mitglieder unseres Waisenamtes : "Es ist schon mehr Geld hineingeschickt, als herausgeschickt (zurückgeschickt) worden". Diese Auslegung des Sachverhalts kann leicht ein falsches Bild erzeugen. Man denke nur daran, daß der Erbgang, um diesen handelt es sich, in der Regel viel häufiger vorwärts läuft, als rückwärts. Da nun die meisten Nachkommen der ehemaligen Auswanderer in Amerika bleiben und in den meisten Fällen sogar das dortige Bürgerrecht erwerben, liegt es auf der Hand, daß auch ihre Nachlassensehaften in der "neuen Welt" verteilt werden. Man braucht im besondern nur an den Stamm der Benziger zu denken, die in New-York, Cincinaty und Chicago die Firma "Benziger brothers" gründeten und die nicht nur keine Subsidien aus der Heimat beanspruchen, sondern die wohltätige Institutionen der Waldstatt sogar lebhaft unterstützten. (Ueber die Einsiedler in der Fremde gibt ein Aufsatz des Lehrers Meinrad Kälin in der Jubiläumsnummer des "Einsiedler Anzeigers", 19°9, Aufschluß).

6. Von den Kleidern. Wenn man die Wandlung der Kleider des Landvolkes verfolgt, bemerkt man leicht, daß das Festtagsgewand unbarmherzig dem Wechsel der Mode unterworfen war. Es mußte sich gelegentlich willkürliche Kombinationen gefallen lassen. So zeigten sich bisweilen in ein und demselben Stück Bestandteile der alten Landestracht oder eines Stilkleides und Zeugen alter Zutaten in neuer Aufmachung usw. Der Werktagsrust, im engem Sinne das Arbeitskleid,hingegen, hat sich viel länger mehr oder weniger vollständig behaupten können, wenn auch zutrifft, daß er seit 1890 praktisch erledigt ist. Was wir an der Trachtenschau in Einsiedeln im Sommer 1929 zeigten, fällt nur als eintägige Demonstration gegen' über dem geschmacklosen Arbeitskleid der Gegenwart in Betracht. Wenn man jene Vorbilder jetzt nur besser verstünde und Abbilder nur nicht mehr priese. Ich las kürzlich unter dem Bild eines Unterhaltungsblattes : "Schwyzer Büblein im blendend weißen Hirtenjäckli". Diese Betrachtung ist weich wie Anken, aber unecht wie eine Papierblume. Wir kennen gar kein "Hirtenjäckli", sondern nur ein "Hirthemd". Anderswo wurde gefragt, warum die Bauernjungfer ein Halstüchli trage, ob sie Halsweh habe? Das gevierte und enggespiegelte, als Dreiecktuch zusammengefaltete Halstüchli, das, beiläufig bemerkt, hierzulande einige Jahrhunderte lang im Handwebstuhl gewoben wurde, galt als Schmuck des Werktagskleides für den Gebrauch am Sonntag, so auch das gestrickte Halskrägli, die gemusterten Wollstrümpfe, die Arm-


'bändel und die Halbschuhe. Versagen wir uns weitere theoretische Betrachtungen und gehen wir zum Beschrieb über: Die Wer k tag s t ra c h t der Fra u e n. Es gibt eine 'schwyzerische ländliche Werktagstracht, die praktisch, widerstandsfähig und anmutig ist, nämlich die Werktags-. tracht, wie sie in den öoer und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in unsern Bergtälern gäng und gäb war. Verdrängt wurde sie dort nicht etwa von Kleidungsstücken,'die praktischer, stärker und würdiger sind, sondern von falscher Scham und Unwissenheit des Volkes. Das Volk von heute bestätigt diese Tatsache eindeutig; denn es erklärt schnippisch: "Diesen alten Hudel trage ich nicht!" Wenn das die Großmutter hörte, der wir die ersten Lehren der Kinderstube verdanken! Achtung vor jenen Leuten, die es verstehen, sich mit einem wirklich vornehmen modernen Kleid zu schmücken. Allein, in den Bergtälern versteht man das eben selten, weil man den vermeintlichen "alten Hudel" manchmal wahllos gegen einen wirklichen "modernen Hudel" eintauscht. Beispiele und Gegenbeispiele in Bildern zu zeigen, wäre eine leichte Sache. Doch darum handelt es sich hier nicht. Beschränken wir uns darauf, die ländliche Werktagstracht für Frauen und Männer kurz zu beschreiben, und zwar I. nach Stoffgattung, 2. nach Schnitt, 3. nach Muster und Farbe. S t 0 f f g a t tun g. Im Sommer trugen die Frauen und Töchter einst den sog. Ginggangrock aus handgewobenen Leinen. Wenn die Frau im weiten Ginggangrock daherlief, machte die Schleppe schwingende Bewegungen. Daher der Name des Rockes. Der Leinenstoff ist bekanntlich sehr stark. Er behält die Farben . dauerhaft gut. Die alten handgewobenen Leinenstoffe waren aber nicht geschmeidig. Sie fielen in der Falte steif. Erst nach mehrmaligem Waschen wurden sie einigermaßen weich. Die moderne Leinenweberei hat alte Stoffe mit Geschick als Vorbilder gewählt. Sie verwendet aber aJs Zettel einen soliden Baumwollzwirn und als Eintrag gebuchtes Flachsgarn. Werden diese halbflächsigen Gewebe vor dem Verkauf noch nach besonderm Verfahren ausgewaschen, so sind sie von Anfang an geschmeidig. Die Halbleinenstoffe, welche z. B. von der Handwebere Langnau i. E., von der Handweberei Oberhasli in Meiringen und andern Geschäften in großer Auswahl in den Handel gebracht werden, eignen sich vorzüglich für die Anfertigung von Gstältliröcken und Bändelschürzen. Für Frauenhemli wurden einst schwere Leinen verwendet. Leichte Leinen tun den Dienst auch, sie sind angenehmer zu tragen. Als Kopfbedeckung brauchte man den sog; Schlapphut aus Stroh, mit einem Bändel um den Kupf. Fußbekleidung: Riemenschuhe mit Socken oder mit Stutzen nach Schächeritaler Art oder breite Halbschuhe mit hoher Zehenkappe und Strümpfe. 153

I


Im Winter trugen die Frauen Kleider aus selbstgewobener Schafwolle. Diese Röcke aus Selbstgewobenem . sind unverwüstlich, aber sehr schwer. Man begreift es, daß sie in der schwersten Qualität nicht mehr gern getragen werden. Als wir im Sommer 1925 alte Wollröcke kauften, um die Gruppe "Waldlüt vo Einsiedle" für die landwirtschaftliche Landesausstellung in Bern auszurüsten, kam ein altes l\1üetterli mit einem noch älteren Wollrock auf dem Arm zu uns und fragte: "Könnt Ihr diesen Rock brauchen; er ist zwar nicht mehr heutig, ich habe ihn gläublich 30 Sömmer zum Turbnen getragen". Wir ließen den Rock chemisch waschen und rüsteten damit eine stattliche Dorfjungfer aus, die an jenem feierlichen Sonntag in der Stadt Bern herumzog. Ist das nicht währschaftes Zeug? Die moderne Weberei hat es verstanden, den gefürchteten Nachteil des Gewichtes zu beseitigen. Sie verfertigt Stoffe aus Schafwolle und Baumwolle, die sie "Beiderwand" nennt. Sie bringt ihn in leichter und schwerer Zusammensetzung, lose oder dicht geschlagen in den Handel. Dieser Stoff gibt warm und ist dennoch verhältnismäßig leicht. Verständigen Leuten muß er gefallen. S c h n i t t. Gerade Linie und Bauernkleid passen wie die Faust auf. das Auge. Als Bauernkleid gilt der sog. Gstältlirock (Gstältli und Rock ein Stück). Das Gstältlikleid verlangt hohe, bezw. kurze Taille, so daß der Stoff bequem anliegt. Das ärmellose Gstältli hat einen runden, ziemlich hochgeschlossenen Halsausschnitt. Vorn ist es mit einer engen Reihe (in der Regel IO) weißen beinigen Knöpfen geschlossen. Der Rock soll hinten und auf beiden Seiten angezogen sein. Man kann es sich ersparen, daß er, wie der alte Bauernrock, mehr als zwei Meter Spannweite hat. Es tut's an einem verhältnismäßig engern Faltenrock. Schlanke Frauen wählen den sog. Tonnenschnitt, vollschlanke den Glockenschnitt, aber weder diesen noch jenen in der Uebertreibung. Der Saum reicht auf Fesselhöhe. Man glaube uns: Es gelingt, das Bauernkleid elegant zu schneiden. Nur keine Schneiderin eigenmächtig zuschneiden lassen, denn das typisch Schweizerische und Persönliche ist unter der Schere einer Unkundigen rasch verwischt. Die Aermel des sömmerlichen Leinenhemlis sollen kurz sein, mit oder ohne Zug, diejenigen des Winterhemlis lang. Das Umlegkrägli des Hemlis ist ungefähr 3 Zentimeter breit. Es schützt Hals und Nacken gegen Reibungen und dient auch als Decor, Umlegkrägli und Hemliärmel sind mit einem einfachen Festonspitz geschmückt. Der Bändelschurz muß breit, geradlinig, angezogen und ungefähr 10 Zentimeter kürzer als der Rock sein, Das Bundband ist 3-4 Zentimeter breit. Mus te run d Fa r b e. Für Frauenkleider wähle man unbedingt nur kleingemusterte Stoffe. Sie sind praktischer und putziger und

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wirken vornehmer als die großen Muster. Zudem entsprechen sie der Tradition. Die alten Ginggangröcke weisen die schönsten gespiegelten, die alten Wollröcke die schönsten gestreiften Muster auf. Dunkelrot und dunkelblau im Wechsel mit schwarz herrschen vor. Die Winterkleider dürfen dunkler sein als die Sommerkleider. Helle Kleider lassen sich chemisch färben, wenn sie unansehnlich geworden sind. Ein herrliches Muster erzielt man mit einem kleinen gut abgestimmten' hellbraunen-dunkelbraunen Spiegel von zirka 8 Millimeter im Durchmesser. Man darf sich auch für einen Rock in uni entschließen. Diesfalls muß aber der Bändelschurz lebhaft (z. B. rot) gemustert sein. Ueberhaupt soll die Regel gelten: Auf einen dunkeln, fast uni wirkenden Rock, einen frohfarbigen Bändelschurz oder umgekehrt. Man wähle aber nur Schurzstoff mit engen Streifen. Die Farbe 'des 'Streifens soll der Farbe des Rockstoffes entsprechen. Im Winter schlingen Frauen ein kleines zusammengelegtes Halstüchli (kleines Muster von entsprechender Farbe) um den Hals. Nur keine importierte geblumte Fransenschultertücher. Sie stören die Einheit des Farbenspiels. Was die gehäkelten Halskrägli anbelangt, die zwar traditionell sind, sehen sie für den Alltag, d. h. bei der Arbeit, zu zierlich aus. Zum Ausgang mag oder soll man sie tragen. Am schweizerischen Trachtenfest in Einsiedeln sind Bauernkleider in mehr als 50 verschiedenen Mustern an 2-300 Frauen, Töchtern und Mädchen gezeigt worden. Es war die größte Schau von Werktagskleidem, die in der Schweiz je stattgefunden hat. Die

Fes t tag s t ra c h t der

Fra u e n.

Beschaffenheit: Rock und Mieder sind ein Stück. Die Taille sitzt ziemlich hoch; der Rock ist hinten gefältelt. Es handelt sich. Um einen schmiegsamen Wollstoff mit Baumwolleinlage (sogen. Beiderwand) von dunkelroter Farbe (bernerrct), mit feinem schwarzem Streifen. Als Schnitt kann man entweder die Glockenoder die Tonnenform wählen. Der Rock muß lang sein (ca. 20 cm vom Boden). Der Schurz ist ein breiter, sogen. Bändelschurz aus Leinen mit engen dunkelroten Streifen. Er reicht bis auf 10 Zentimeter an den Rocksaum. Vornehmer wäre allerdings der gestreifte Schurz aus Seide. Es ist aber schwer, feingestreifte Seidentücher zu erhalten, da gegenwärtig raye nicht Mode ist. Zur Tracht gehören ferner ein weißes leinenes Hemd mit Spitzenvolant und zwei goldgestickten zirka 3 Zentimeter breiten Armbändchen, ein goldgestickter dreieckförmiger Vorstecker, der vorn am Mieder: hängt, ein rotweiß kariertes seidenes Schultertuch, dessen Ende unter den Vorstecker geschoben werden, das Goiffli und die plissierte weiße Flügelhaube, weiße Strümpfe (Strickart : 2 rechte und 2 linke), schwarze Halbschuhe mit Messing.schnalle. Alles Farbige ist auf Bernerrot und Gold abgestimmt.

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Für festtägliche Ereignisse wie Kirchgang, Prozession, varerländische Veranstaltungen usw. wird die volle Tracht getragen; im Haus kann man sich des Goifflis mit der Spitzenhaube und des Vorsteckers entledigen. Die geeignete Haartracht ist die Scheitel. Die Haarstränge werden in das Goiffli geschoben, das senkrecht über dem Scheitel sitzen muß. Als Schmuck trägt man entweder eine einfache Kette oder ein Seidenbändchen um den Hals, daran ein einfaches Kreuzlein. Es handelt sich hier um ein Modell, das in jeder Beziehung dem Traditionellen entspricht. Die Beschaffung der Zutaten war nicht leicht. Frau Dr. Panchaudde-Bottens in Zürich, die die Modelltracht nach meiner Skizze anfertigte, schreibt hierüber folgendes: "Die erste Frage war, wer plissiert die weiße Flügelhaube genau so, wie das historische Modell plissiert war? Wo ich hinkam, Achselzucken, Kopfschütteln. Allein, ich mußte die Flügelhaube haben, wie ich sie in meinem Kopfe hatte und schickte das alte Stücklein Plisse nach Appenzell. Und richtig nach 8 Tagen kam die Flügelhaube genau wie die alte gewesen ist, nur frisch und neu. Und das Blumenkränzlein? Ich sagte mir, gute französische Blumen sind zu teuer, die andern halten die Sonne nicht aus, und was ich vor allem befürchtete, wenn die Richtlinien nicht genau eingehalten werden, haben wir wieder Hauben mit ganzen Blumengärten drin. Also ein feines Kränzlein mit Perlblümchen, wie sie auf dem uralten Häubchen prangen, das mir als Muster vorgelegt wurde. Eine Zürcher Firma nahm sich der Sache an, klopfte in Paris bei nahezu 25 Fabriken an und kam mit dem Bescheid zurück, solche altmodischen Sachen würden nicht angefertigt, es sei denn, man bestelle wenigstens 100 Stück. Ich gab aber nicht nach. Endlich fand ich bei einer andern Firma Anklang. Den Stoff für den Gstältlirock, den Schurz und das Schultertuch ließ ich in der Basler Webstube weben". Wenn man Echtheit und Dauerhaftigkeit des Stoffes und Gediegenheit der Schmuckstücke würdigt, sind die Gestehungskosten der Schwyzer Festtagstracht nicht hoch. . Die

Wer k tagst

r ach t der

M ä n n er.

S t 0 f f g a t tun g. Für Männerhosen sind Berner Halblein und Loden empfehlenswert, für die Hirthemden Leinen und Halbleinen. In einigen Bauernfamilien des Ybrigs sind heute noch mehr als 50jährige Hirthemden aus dreitrettigen Leinen in Gebrauch. Im Vergleich ist der weiße Fahnenstoff, der sich im letzten Jahrzehnt des Hirthemdes bemächtigte, vergängliches Zeug. Als Fußbekleidung kommen Riemenschuhe mit starken Socken in Betracht. Männer tragen im Winter einen breiten Lismer aus Schafwolle, den sie unten zuknöpfen. Ein wärmeres Kleidungsstück kann man


sich kaum denken. Nur hält- der Lismer den nassen Schnee fest. Das ist sein Nachteil. Man schützt sich darum mit einem kurzen Länder' aus Tuch oder mit einem Paraplü von vaterländischem Ausmaß vor Nässe. Unter dem Lismer sind eine gestreifte Weste und ein weißes Leinenhemli mit weichem Umlegkragen sichtbar. Als Kopfbedeckung ist das Tätschhütli aus dunkelbraunem oder schwarzem Filz zu empfehlen, als Fußbekleidung der genagelte Bergschuh. Sc h n it t. Die Bauernhose ist im Gesäß und in den Schenkeln weit. Nach unten wird sie wesentlich enger als z. B. die Amerikaner-Hose des Marchand-Tailleur. Die schwvzerische Trachtenhose ist unten seitlich mit einigen weißen beinigen Knöpfen geschlossen. Der Schnitt des Hirthemdes dürfte allgemein bekannt sein. Die Heukappe des Hirthemdes ist auf Achselhöhe eingenäht. Das gespiegelte Barchenthemd mit Umlegkragen ist für Männer dem weißen Hemd mit Briesli vorzuziehen. Mus t e run d Fa r b e. Die Männerhose ist uni, in der Regel dunkelblau oder braun. Eine hellbraune Hose zum weißen oder zum blauen Hirthemd sieht heillos malerisch aus. Ein naturfarbiger Lederriemen mit Messingschnalle um das Hirthemd verleiht Figur, wenn er auch nicht durchaus erforderlich ist. Der Bauernlismer ist entweder blau oder grau. Es leuchtet ein, daß der blaue kleidsamer macht als der graue. Die blaue, bis zum Knie reichende' Blouse ist das Kleidungsstück der Viehhändler und Dolmetsche. Die Festtagstracht der Männer. Zur Zeit als die Schwyzerfrauen die soeben beschriebene Festtagstracht trugen, kleideten sich die Männer mit dem feinen Tüchlianzug, bestehend aus der engsitzenden Kniehose mit Latz, der gestreiften Weste aus Selbstgewobenem und dem bis zur Taille reichenden geradlinig geschnittenen Veston mit gepolsterten Schultern, schmalem liegenden Kragen und breiten Revers. Der mit 2 Knopfreihen versehene Veston wurde offen getragen, sodaß die hochgeschlossene, farbiggemusterte Weste als Schmuckstück aus dem blauschwarzen oder s~hwarzen Tüchli hervorleuchtete. Das Muster der Weste war entweder senkrecht oder wagrecht eng gestreift und zwar rot-schwarz, creme-rot usw. Die Aermel des Vestons schmiegten sich dem Arm an, gegen das Handgelenk hin waren sie etwas geweitet, nach der Art des sogen. Wienerärrnels. Das Leinenhemd endigte in einem Umlegkrägli mit langen Zipfeln, die über den Vestonkragen hinaushingen. Unter das Umlegkrägli wurde- ein buntfarbiges Cravattenband gelegt, in der Mitte dasselbe geknüpft und unten hinter einem Knopf der Weste hindurchgezogen. Zur Mannskleidung gehörten weiße gestrickte Wollstrümpfe, die je nach dem Zeitalter bald unter, bald 157


über die Kniehose gezogen wurden und schwarze Halbschuhe mi Messingschnalle. Diese Tracht kann man als bürgerliche Mannstracht bezeichnen, doch durfte der hohe gerade oder hohe konische Tuchzylinder nicht fehlen. Unter dem Rand des Tuchzylinders guckte bei den Bauern die schwarze Züttelkappe hervor. Die Schwyzer Mannstracht war sicher schlicht und dennoch recht kleidsam. Es sind nur mehr einige wenige Originale vorhanden, so in Schwyz selbst. Nun einige Sonderfragen: Weiße oder schwarze Scheitelhaube? In Heierli's famosem Werk über die Schweizertrachten ist bei Behandlung der Schwyzer Festtagstracht Näheres über die weiße und schwarze Scheitelhaube und das Rosenhäubchen zu lesen. Warum wir auch für Jungfrauen und nicht nur für Frauen· die weiße Haube wählten, geschah aus Rücksicht zur Vereinheitlichung. Vor Iahrhundertfrist trug die Frauenwelt die Tracht allgemein. Heute handelt es sich nur mehr um kleine Gruppen, die die Tracht .aus Ehrfurcht zur Tradition anschaffen. Da kann nur ein Modell berücksichtigt werden, sowohl inbezug auf Farbe der Haube als auch des Kleides, Schurzes und Halstuches. Sonst hätte man bald ein buntes Durcheinander. Das Gleiche gilt für Schnitt und Stoffgattung. Damit ist auch die Frage des Kostenpunktes besser gelöst. Das Weben von verschiedenfarbigen Stoffen in ganz kleinen Mengen käme zu teuer zu stehen. Auch würden dann Farben und Muster eingeschleppt, die nicht historisch sind. Uebrigens sind nach meiner Auffassung die weiße und die schwarze Scheitelhaube keine Kennzeichen des Zivilstandes (Frau oder Jungfrau), sondern Stimmungskennzeichen (Freude oder Trauer). Es braucht Ueberwindung, mit andern zu glauben, die Etikette der Jahre um 1800 hätte zugelassen, daß die Frauen z. B. an einer Beerdigung in .der weißen Scheitelhaube teil". nahmen. Seide oder Wolle? Die Neigung für Seide ist groß. Es gibt Frauen, die die seidene Umhüllung lieben. Die Wolle sieht ihnen zu bäuerlich aus. Warum entschlossen wir uns für Wolle nach eigenem Muster? Wir wählten aus den drei Standesstufen die bürgerliche. Wir wollten die Seide der Aristokratie reservieren, die wir hierorts als vergangen betrachten. Vorherrschend ist .der Bürgerstand, der mit seiner Tracht das Merkmal der Zeit kenn.zeichnen soll. Anstelle der bäuerlichen Festtagstracht, als der ehemaligen dritten Standesstufe, setzen wir aus praktischen Grün-den die Werktagstracht. Am Sorintag werden die Bäuerinnnen die Bürgertracht tragen, denn eine Ausscheidung wäre unbegründet. Uebrigens bestehen noch andere Gründe, warum wir auf Seide .fiir das Kleid verzichten. Die Gefahr ist groß, daß untaugliche Farben z. B. grüne, groß geblumte, groß carierte usw. verwendet würden. Jede Frau gefiele sich nach eigener Idee. Ferne~droht~ _, ;,iJ~ !li&ij?~


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die Gefahr, daß die Trägerinnen zwischen Tracht und Kostüm nicht mehr unterscheiden. Sie glaubten irrtümlich, ein Kostüm, vereint mit Spitzenhaube und Fransenhalstuch sei eine Tracht im Sinne unserer Bestrebungen. Und schließlich ist die Dauerhaftigkeit der Wolle unbestritten. Möchte jemand eine Tracht kaufen, um sie schon nach einigen Jahren zu erneuern? H i r t h emd 0 der H i r te n h emd? Bei der Besprechung des neuen Fünflibers tauchte für den Begriff "Hirthemd" eine neue Bezeichnung, das "Hirtenhemd", auf. Da das Hirthemd als ein origineller Bestandteil der mittelschweizerischen Männertracht angesehen wird, dürfen wir uns gewiß auch entschließen, zu bestimmen, wie er heißen soll, obschon die Frage an und für sich nicht überaus wichtig ist. Der Urheber der Bezeichnung "Hirtenhemd" .glaubt offenbar, den Namen unmittelbar vom Träger, dem Hirten, ableiten zu müssen. Wer nachforscht, kommt zur Ansicht, man 'könne den Namen ebenso träf von der Zweckbestimmung ableiten. Das Idiotikon spricht meines Wissens nirgends von "Hirtehemli" -oder "Hirtehämpli" usw., sondern von einem "Hirthemli" oder - "Hirthämpli" usw. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, daß' -der Name des bäuerlichen Kleidungsstückes unmittelbar auf das Tätigkeitswort "hirte" oder "inähirte", d. h. füttern, zurückgreift, -das mit "Hirt" und" hüten" nur mittelbar zusammenhängt. Wenn der Aelpler ein Hirthemd anzieht (überflüssige Kleidungsstücke sind ihm lästig), so geschieht es zur Verrichtung einer gewissen Arbeit, bei der etwas Hinderliches, Unangenehmes oder Unreines .abgewendet werden soll, z. B. zum Burdenen tragen, zum Einhirten, zum Melken usw. Viele Aelpler bedienen sich an Stelle -des Hirthemds nur eines Rückenteils mit zwei Bändeln und der Heukappe, das den gleichen Zweck erfüllt. Damit ist ziemlich überzeugend nachgewiesen, daß das Hirthemd ein Zweckstück .ist, dessen ein Hirt gar nicht bedarf. Uebrigens läßt sich die Wortbildung für die Begriffe "Mälchstuohl" statt Melkerstuhl, "Chäschessi" statt Käserkessel, "Turpezaine~' statt Turbnerkorb ·usw. auf ähnliche Weise erklären. Z t tel c h a pp e. Die schwarzseidene Züttelchappe der Schwyzer .Aelpler ist nicht schwyzerischen Ursprungs. Man wird sie auf .alten Stichen vergeblich suchen. Hierlandischen Ursprungs ist nur die weiße gestrickte Zipfelmütze, die einer Schlafmütze gleicht. .Die schwarze Züttelchappe hat ihre Heimat im Süden der Alpen. Vor dem Bau der Gotthardbahn in den Soer Jahren trieben die.schwyzerischen Senntenbauern ihr Vieh über den Gotthard auf den Großmarkt nach Giubiasco, wo alles Vieh der Kantone Uri, -Glarus, Graubünden und Schwyz vereinigt wurde. Was dort nicht verkauft werden konnte, mußte nach Mailand geführt werden, wo sich die italienischen Großgrundbesitzer einfanden und mit den .Dolmetschen zu unterhandeln begannen. War das Vieh begehrt, ü

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kehrten die Sennten bauern mit gefüllten Geldranzen (lederne Schläuche) heim. Der Geldbesitz regte sie an, in Mailand Andenken an die Welschlandfahrt zu kaufen, z. B. seidene Züttelchappen, Perlen als Schmuck für die Goiffli der Schwyzerinnen, Stickereien usw. Um jene Zeit hatte sich bei den Schwyzern die schwarze seidene Züttelchappe dermaßen eingebürgert, daß sie später auch im Inland gewoben wurde. Eine gute Form hat nur die Züttelchappe mit dem breiten schweren Fransenzüttel. Seit 1900 wird sie immer seltener getragen. Sie macht dem dunkeln Filzhut Platz.

7. Erklärung mundartlicher Ausdrücke. Die Einsiedler Mundart wird in Amts- und Festreden oft über's Knie gebrochen, d. h. entweder mit schriftsprachlichen Wörtern oder falsch gesprochenen Dialektwörtern oder Wörtern aus andern Mundarten durchschossen. Diese Verunstaltung kommt noch häufiger da vor, wo die Mundart geschrieben ist. Es handelt sich hier nicht darum, Sprachfehler und Irrtümer nachzuweisen, sondern diejenigen mundartlichen Ausdrücke, die in diesem Buch vorkommen und andere dazu, kurz zu erklären. Unter ihnen sind schon viele ausgestorben und andere werden bald vergessen sein. Wir wollen sie, ihrer Originalität zuliebe, so gut wie möglich überliefern. Hier die alphabetische Reihenfolge: "Aelbeli" heißt Kälblein und ist ein Lockruf; Es klingt wie ein wehmütig gesummter, nasal gedehnter Satz gedämpfter Vokale. "Aeschepudl" = Aschensammlerin. "Aescheröhrli" = Aschenfäßli aus Holz. "albigs" = einst, früher. "Aschierer" oder "Haschierer" oder "Hatschierer" hieß man im letzten Jahrhundert den Landjäger. Heute hat dieser Name nur mehr die Bedeutung eines Bei- bezw. eines Uebernamens der Nachkommen eines Landjägers. "alders" heißt oder. "Ghaue alders gstoche" heißt also gehauen oder gestochen und bedeutet soviel wie die letzte grobe Anstrengung um eine Keilerei zu gewinnen. "Anne, Pfanne, Chesselbode, hür und färig Nülli zoge". Das ist ein Neckspruch kleiner Kinder, der einem Mädchen namens Anna gilt, das irgend eine Gefährtin geplagt oder herausgefordert hat. Als Entgelt ruft das geneckte Mädchen dem andern den Familien- oder persönlichen Uebernamen nach, deren es in Einsiedeln um die 400 gibt. Es bestehen zwei Sammlungen von Uebernamen, die noch ergänzungsbedürftig sind. Bei den Neckereien der Jugend werden immer neue Uebernamen ge160


. prägt, die manchmal sehr' originell sind. (Siehe Sammlung des Landschreibers Krd. Lienert). , "Bueberolli" = ein Mädchen, das den Männern nachspringt. "borzge" = rangge = umherbalgen. "Bär" = ein origineller alter Reitschlitten der Kinder. (Zwei geschweifte aufgestellte Bretter als -Schlittkühe, darüber ein flaches . Sitz brett, vorn ein Rindeisen mit Ringen. Die ganz alten Modelle tragen Kerbverzierungen. "ä Bärme", "ä Turbebänne" = der lange, konisch aufgerichtete Bretterverschlag, in dem man 'die Turben auf Räder- oder Schlittengestell heimführt. "basfeil" = recht und billig. Die Bruuch, nicht Bruch, wie man oft liest, = die Hose = Beinkleider Kommt vom Tätigkeitswort brauchen, bezw. unentbehrlich und streng brauchen. Das Wort ist wahrscheinlich altalemannisch. Der Bruuchmacher = Hosenmacher. "Burnus oder Bprnuß" ist ein schwerer Lismer aus Schafwolle, in der Regel naturfarbig oder dunkelblau oder grau gefärbt. Er hat eine doppelte Knopfreihe. Man schließt in der Regel nur den untersten Knopf, sodaß die weiße gestärkte Hemdenbrust zwischen den 'Brustteilen des Lismers breit hervorschaut und die Schulterteile des Lismers über die Achseln hinausliegen. Die beinernen Knöpfe sind, braun. Manchmal wird dem Lismer an den Ellbogen ein ovaler Lederplätz aufgenäht zur Schonung des Gewebes beim Aufstellen des Ellbogens am Tisch usw. Noch in den Soer und ooer Jahren konnte man an den Lismern der Schulbuben ausnahmslos solche Lederplätze beobachten. Die Bedeutung des Lismers kann durch folgendes Beispiel erläutert werden. Zwischen Ober- und Unterdorf der Waldstatt ist ein Höhenunterschied von einigen Metern (meteorologische Station 9I4 m, Bahnhof 908m). Das Unterdorf wird klimatisch von der Alp beeinflußt. Wenn- es recht kalt ist, so daß das Barometer auf 20 Grad unter Null und mehr herabsinkt, heißt es jeweilen, "im Oberdorf ist es um einen Lismer wärmer". "Gwättichopf" wird in der Zimmermannssprache das beim gewandeten Haus vorstehende Ende der gekreuzten Balken genannt. Die komplizierte ineinander gefugte Gwättikopfwandung ging dem einfachern Zapfenstrick voraus. Um den Gwättikopf vor den Einflüssen der Witterung zu schützen, wurde er bisweilen verblendet, d. h. mit Brettern eingeschalt. Seltener sieht man Wohnhäuser, an denen der Gwättikopf mit einer Fratze verziert ist. Der Sinn des Wortes "Gwätti" kann mit dem häufig gebrauchten topographischen Ausdruck "im 'ne Gwätti usse" erklärt werden, was so viel heißt, als "etwas sichtbar Abgelegenes", "etwas, das außerhalb dem in 'Betracht fallenden Rahmen liegt".


= eine kurze Seele = eine hoch in die Taille geschnittene Jacke (Gstältli) "ä Chlobe" ist ein Kubikmaß und deckt sich mit dem Klafter zu 3 Ster. Die Schyter (Scheiter), allgemeiner "Metrschyter werden nach Chlobe bezw. Klafter gehandelt. "Chuehnegle" = chludere = kludern. "cheugg" = hässig. "Charebängel" (lateinisch angelarchis), aus denen die Vogelbeeriblaser gemacht werden, gedeihen in den Streurietern der Torfmoore. "Chuute" in Einsiedeln (bezw. "D' Wysi" in der Gegend von Steinen), ist eine Voranzeige, ein Aufruf, wörtlich Weisung durch ein paar Glockenschläge, denen kurz darnach das Hauptläuten folgt. Es mahnt die Kirchgänger, sich auf den Weg zu begeben. "Chappeschum" = capuchon = aus Wolle gestrickte rundliche Kopfhaube der Frauen mit einem Bändel ums Kinn. Ursprung: Wahrscheinlich 1871, als nach dem deutsch-französischen Krieg mit der Bourbakiarmee auch Turkos interniert wurden. Diese trugen Tuchkapuzen um den Kopf zum Schutze gegen die Kälte, die sie capuchons = Kapuzen nannten. Im intensiven Verkehr mit der Bevölkerung Einsiedelns haben die Unsrigen viele französische Ausdrücke abgelauscht und verdeutscht. Ein Beweis des geselligen Verkehrs bietet das gemeinsame Schlittenreiten der Turkos mit unsern Schulbuben. Als unsere Buben beobachteten, daß die Turkos, die noch keinen Schnee gesehen hatten, die Handschlitten am steilen Hang nicht beherrschten, sagten sie "die dumme Chaibe chönd nüd emol wyse", Sie setzten sich zu ihnen vorn auf den Schlitten und übernahmen dessen Führung. , "chläune" = ausnehmen, herausgrübeln, müden. "Chohlermues", irrtümlicherweise auch "Kollermues" genannt, ist ein Brei aus Milch und Mehl, den die Köhler auf den Kohlplätzen kochten. Es ist identisch mit dem "Fenzmues" der Aelpler, dessen Zubereitung hier beschrieben ist. Das Chohlermues war eine Leibspeise der Köhler, wie z. B. die Polenta die der italienischen Maurer ist. Der letzte offene Köhlerplatz befand sich in der Großerruns. Die Belieferung auswärtiger Kunden dauerte bis 1890. Die Schmiede brannten bis dahin Kohle für den Eigenbedarf. "doppeliere" heißt doppelseitig "böde1e" vom franz. doubler bezw. redoubler abgeleitet, gemeint ist der rasch aufeinander folgende Doppelschlag mit den Schuhsohlen und dem Absatz auf den Boden im Takt der Ländlermusik. "ä churzi Seel"


;,äs Dächis" heißt in der Yberger Mundart Schnapskaffee. Man hört bisweilen sagen, mehr Dächis als Kaffee, da der Branntwein in der Regel mit dem Kaffee getrunken wird. "eeä" ist in der Ybergermundart eine Präposition. "Eeä, mier gand jetz'", d. h. ja nun, wir gehen jetzt. "Färlisuu" = Mutterschwein, "Fülimäre = Stute",Chüetschichalb" .-:.. Kuhkalb. "Fänz" = dickes Muos mit Nidle. "frönd Siebechätzer" = fremde Wichtigtuer, fremde Alleswisser, Besserkönner. "Firlifanz" = bunte Zutaten an einem Kleid. "Einen Fuchs darüber lassen" "heißt, bei der Zubereitung des Hafenkabis den Kabis im Saft braun werden lassen. "gschiieti Bei" = steckige Beine. "goht guot" gleitet ,gut. "Güdis"- oder "Güdelmontag" ist wahrscheinlich von vergeuden abgeleitet. "es gschwäneds Rindli" = ein schmales Rind. "üseri Geiß" = unser Schlitten. "g'nissäled" = geizig, sparsam. "ä Gutsch" (Wy) = I Guß (Wein). "Guggehürli" = Dachzimmer mit kleinem Fenster. "äs Gursi" = Dächis = Schnapskaffee. "Geißmutsch" = Mutterziege. "graggere" = krautern = streng arbeiten. "ghlerisch" = fatal, unangenehm. /' "geischte" heißt Geisterspuck treiben. Es zeigen sich von Zeit zu Zeit leidenschaftliche Abenteurer, die beim Einbrechen der Nacht harmlose Kirchgänger oder Nachbarn erschrecken wollen. Sie verstecken sich, mit einem langen weißen Hemd bekleidet, hinter einem Schopf, einem Stall oder sogar in der Nähe des Friedhofs und gehen dann um, sobald jemand des Wegs kommt. Am andern Morgen ist der "Geist" .. wenn nicht Dorfgespräch, so doch Gespräch der Jugend. Der Geist wiederholt seine Untat, bis es dem Landjäger oder andern herzhaften Männern gelingt, ihn zuhanden zu nehmen. Die Oeffentlichkeit beruhigt sich erst, wenn die Realität des Geistes mit Name und Geschlecht nachgewiesen ist. "Dr Geischt' hat sich sogar als Uebername eingebürgert. Es ist nicht' unwahrscheinlich, daß ein Ahne diesen Uebernamen sich und seinen Nachkommen SIcherte, weil er sich ab und zu geistlosen Umtrieben hingab. "uus Huot" = seid auf der Hut! Warnruf der Schlittler. "Hüöhnerchrütze" = Stäcklikorb, in dem die Hühner auf den Markt getragen wurden . .,Holzböde" = Holz- bezw. Riemenschuhe. Sie werden als Heimarbeit aus Bergahornholz geschnitten. Sie bestehen aus einem

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niedern Absatz und einer niedern Sohle, in die die Form . normalen Fußes eingehöhltwird und aus einem Ledern zum Einschlüpfen mit der Verse. Die Aelpler tragen die H schuhe mit Vorliebe. "Häbl" = gekochte Härdöpfl. "huuse" = sparsam leben. "ä Holihop" ist ein hoffärtiges junges Mädchen, das alles a ~ den Putz setzt, gern festet und ungern schafft. "Je- oder Yeboge" ist der Armbrustbogen (Horebrust oder Horebräsch) aus Eibenholz. Oberhalb der Großerruns gibt es einen Abhang, an dem früher Eiben stunden und dort heißt es "I de Je". "Chlobe" sind Geißtrychle. Der Begriff "Köchin" ist uns ohne weiteres klar. Von alten Männern im Ybrig wird er aber für alle Dienstboten gebraucht. Sie sprechen z. B. auch eine Verkäuferin, d. h. ein Ladenmädchen als Köchin an. Der alte Ybriger frägt also ,,Ischt Ueri Chöchi hier", d. b. ist Ihre Köchin da, ist Ihr Ladenmädchen da? "kanöndle" ist eine Etappe im Trocknungsverfahren der Turben. Nachdem die Turben gestochen sind, werden sie nebeneinander auf das Moos zum Trocknen gelegt. Sobald sie angetrocknet sind, werden sie gekehrt, nachher je zwei kreuzweise übereinander gelegt und zwar so, daß das obere Stück nur mit einem Ende den Boden berührt, während das andere Ende aufwärts gerichtet ist. Das nennt man "kanöndle". Im Verlaufe langer Sonnentage werden die Turben in mannshohen quadratischen Schichten "an die Stecken getan", d. h. um die senkrecht in den Boden gesteckten Stangen gelegt. "ä Lienx" oder "Liengs" heißt ein Stück, z. B. ä Lienx oder Liengs Fleisch. Man kann den Begriff Liengs nicht auch für Brot anwenden, denn einem Stück Brot sagt man "ä Schnäfl" oder "ä Mocke", d. h. ein Schnitten. "Lobeli", im Kindermund "Hohlobeli" gilt den Kühen und Rindern. Hohlobeli ist zusammengesetzt aus hoh (Anruf) und Lobeli (Lobe). "Länder" heißt Aermelweste. Vorder- und Rückenteil des Länders sind aus Tuch verfertigt, die Aermel aus Futter. Das Futter erleichtert das Einschlüpfen in einen "Tschoppe" (Veston) oder in einen Lismer. Der Länder hat gegenüber der Weste, deren Rückenteil aus Futter verfertigt ist, den Vorteil, daß er bedeutend wärmer gibt. "ä Lärze" = I Stück, I Schnitten. "Lampihüetli" nannte man den breitrandigen Schlapphut aus Stroh, den unsere Frauen in den 70er Jahren trugen. ä


"Limpast" werden die Faserturben genannt. Aus Fasertorf wird Mull bereitet. Er ist in den Ställen des Flachlandes, wo Streue fehlt, begehrt. In höheren Lagen wird Mull nicht verwendet, da er weniger warm gibt, als Streue. Im Baufach dient er als Isolierungsmittel. In Einsiedeln besteht seit 1916 ein Torfwerk, das den Limpast, d. h. die Faserturben, ausbeutet, sie maschinell zerreißt und zu' Mull mahlt. Das Zerreissen der Faserturben gelingt am besten, wenn dieselben im Herbst gestochen und über den Winter dem Gefrieren ausgesetzt werden. Den hell braunen, gestochenen Limpast, der zum Trocknen ausgelegt wird, nennt man im Volksmund auch "GÜnsche". rür Brennzwecke sind die "Günsche" nicht beliebt, weil sie zu wenig Calorien geben. Sie werden nur gebraucht, wenn zu wenig harter schwarzer Brenntorf vorhanden ist. Unter "Günsche" versteht man auch sogenannte Endifinken, die aus Stoffenden, von denen sie den Namen haben, gewirkt sind. "Da sind mir g'Manned dra" = im Pech sitzen oder wie "Ochsen am Berg stehn." "maugle" bedeutet Morgengrauen. ,..Männe" heißt mit Pferde- oder Rindviehzug führen. "Trämel an die Männe führen = an einen Lagerplatz führen. "Möhli" heißt Mahl und bedeutet nach landläufigen Begriffen eine reiche Mahlzeit. "Maitlirolli" = ein junger Mann, der beständig den jungen Maitli nachstrebt. "Maiße" oder "Räf" = Traggabel. ",Mundur" = Uniform. "es Männi", "es Männrind" = ein Fuhrrind. "e Nigg" = krummes -eingebogenes Kuhhorn (fehlerhafte Hornform). "obsteis" = oberhalb, oben, "nidsteis" = unterhalb, unten. "öppis stuche" = sich etwas aneignen, ohne daß es der Eigentümer merkt. -"Nüd für unguet". Wenn alte Bauern oder Arbeitsleute zu einem "Gebildeten" gehen, um über etwas Auskunft zu fragen, pflegen sie nachher statt "i dank'i", zu sagen "nüd für unguet. Der Befragte antwortet darauf entweder "ischt gäre g'scheh" oder mit dem Reim "d' Chappe für e Wulhuet", Das letztere will sagen, die "Sache ist unbedeutend" oder "es kommt' nicht darauf an" oder "machet keine Umstände" oder "es ist ein und dasselbe". "Nichts verscheint" heißt nichts verpaßt, nichts versäumt, bezw. es ist noch Zeit. /:>,A:m Nülli" bezw. "Lülli zieh" heißt lullen oder lutschen. Der Bauer gibt dem Kälblein die Finger zum Lullen, wenn er es

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zum Gehen anlocken will. Bei den Müttern und bei den n.JJl!ut::;LJ. wird der "Nuggi" "Lülli" oder "Nülli" genannt. "ä Pumpertrußle" nannten die alten Aelpler auf der KäsernaJp eine schwere, plumpe Frauensperson, die sich mühsam daherwälzt. "pusper" = munter, frisch. "Dr Pflegr". In den alten Zünften bekleidete der Pfleger das Amt eines Kassiers. "prätig" = pret = bereit. "d' Prattig" oder "d' Pratig" = Kalender (von Praxis abgeleitet). "persianig" = billiger Baumwollstoff, genannt "Persiane". "Pfannechnächt". Wenn die Familie des Aelplers Fänzmuos oder Stunggewerni ißt, hebt die Frau die Pfanne ab dem Herdfeuer, legt sie auf den Pfannenknecht und stellt diesen auf den Tisch, worauf die ganze Familie aus der Pfanne löffelt. Der Pfannenknecht besteht aus einem flachen Holzteller, an dem :2 Holzschienen mit einer ungefähr zehnfach gezähnten Heblatte befestigt sind, auf die der Pfannenstiel gelegt wird. Mit der Heblatte kann der Teller auf der einen Seite immer höher gestellt werden, sodaß beim Löffeln aus der Pfanne der letzte Fettropfen erwischt wird. Der Pfannenknecht wir ci bald ausgestorben sein . ..•.Quätli" heißt ein altes, konisches Zinngefäß mit Ausgußschnabel. das hauptsächlich von den Handseidenweberinnen für das Nachtlichtliöl bezw. Brennöl gebraucht wurde. Quätli ist eine sprachliche Verstümmelung von Quärtli, d. h. eine Quart bezw. "2 Deziliter nach neuem Maß. "räble" heißt in Unteriberg "vorwärts bröege" im Gegensatz zum .Jrindersibröege". "Remise" nannte man die Tournüre des Biedermeierkleids der Frauen. Rappedi kappedi = im Handumdrehen, auf einen Schlag, plötzlich, kann von rapido = reißend schnell und capire = verstehen, einleuchten kommen. "rübis und stübis" heißt alles zusammen was in der Nähe steht oder liegt oder "Kraut und Kabis, Kind und Kegel". "dr rauh Zis" heißt wörtlich "der rohe Zins" und bedeutet soviel wie zugezinst. Es ist also nur der lauf,ende Zins ausstehend. Der Schuldner, der zugezinst hat, erwartet vom Gläubiger in der Regel ein Entgegenkommen im Ansatz des Zinsfußes. Er sagt dann "X nimmt mir den rauhen Zins zu 4 Prozent ab". "Rosoli" bezw. Nuß wasser wird aus Obstbranntwein, schwarzem Kandiszucker, Zimmtstengeln, schwarzen, gedörrten Kirschen und, Nußwasseressenz hergestellt und bei festlichen Anlässen, wie Chlaustag, Weihnachten, Dreikönigen. Fastnacht usw. im abendlichen Familienkreise getrunken.


'"Röne" oder "Röhne" nennen die Bauern in den Studen und unsere Holzhändler eine große, alte, angefaulte Tanne, die infolge ihres hohen Wuchses imponiert, aber im Handel nicht begehrt ist, weil man, solange sie steht, nicht genau feststellen kann, wieviel Holz am Stock verloren geht. "ä Stürchli" = ein schütziger Mensch, "ä Schlärpi" = ein phlegmatischer' Mensch, "Schirmer" hießen die mit Hellebarde, Helm und Panzer, ausgerüsteten Männer, die im 17. und 18. Jahrhundert bei großem Pilgerandrange den Sicherheits- und Ordnungsdienst besorgten. Sie wurden amtlich aufgeboten, "Ssä, ssä" ist der Anruf des Rindviehs durch den Bauer, der zärtlich sprechend dem Vieh die halboffene Hand vorstreckt und dieselbe wieder zurückzieht, sobald das Tier gegen ihn kommt. So lockt er es immer wieder zum Gehen an. Mit der vorgehaltenen Hand bringt er dem Tier bei, er wolle ihm Salz verabreichen oder die salzige Hand zum Lullen herhalten. "Ssä" heißt also wörtlich "säli do" oder "siehe da". "Dr Stier hät brav Hose" = der Stier hat starke Oberschenkel. Spannchettäne = Kette, die man im Winter beim Trämelmänne (Holzfuhre) verwendet, Sattel = Holzkreuz, das man den Ziegen aufbindet, damit sie nicht unter den Hecken durchschlüpfen können. Steifaß = Wettsteinfutteral, Trüögle = Spannholz am Heuseil. "Strägeli" ist Iberger Mundart und heißt ein kleines Alpkäslein. Wenn die Aelpler nur einige Stücke Milchvieh haben, sagen sie "äs hed chum äs Strägeli gäh". "Ständligure" = Verkäuferinnen der beiden Kramgassen vor der Kirche. ("Guren" wird von girren abgeleitet sein, d. h. schwarzen und rufen bis die Pilger kauflustig sind). ;,d' Scheiche" - =' die Beine, "Stunggewerni" = dickes Muos mit Anke. "Straminhosenträger" = Verzierte Hosenträger und Leibgürte. Man wirkt das farbige Garn zu künstlichen Blumen und Blättern. Auf die Mitte des Gurtes wird in der Regel ein Schweizerwäppchen gestickt. "Aes Schättli Wald" heißt wörtlich einen "Schatten Wald" und bedeutet soviel wie ein kleines Stück Wald, d. h. ein Wäldlein. "Schlungus oder Schlunguus" heißt soviel wie eine Uebung, ein Spiel, eine Handlung, genauer eine hitzige Uebung rasch und mit Anstrengung der Kräfte beendigen. . "Sännebart". Von besonderer Eigenart ist nur der sog. Sennenbart, der, aus alten Stichen und Glasscheiben zu schließen, schon im 16. Jahrhundert getragen wurde. (Siehe Halbarter auf der Schwyzer Standesscheibe 1542). Die Haare gehen unter dem


Kinn durch, die Oberlippe und der obere Teil des Kinns sind rasiert. Der Sennenbart ist jetzt sehr selten zu sehen. "Sechte oder seichte"heißt man beim Wäschen das Dämpfen, Der Vorgang ist folgender: Die Wäsche wird in eine Stande getüncht, in der ein langer Holzzapfen steckt. Ueber die Wäsche legt man ein weißes Tüchlein, darauf streut man Holzasche und ein wenig kleine Sodabrocken. Dann gießt man siedendes Wasser darauf, läßt es erkalten, zieht nachher den Zapfen und läßt es durch das Zapfenloch ablaufen. Dann steckt man den Zapfen wieder ein und wiederholt den Aufguß drei bis viermal bis die Wäsche sauber ist. Im Jahre r686 wurde das Sechten in den Häusern wegen Feuersgefahr strenge verboten und beschlossen. eine Sechthütte auf der Langrüti zu bauen. Aus dem gleichen Grunde war das Waschen in den Häusern überhaupt verboten. Die Familien hielten ihre Wäschen in der Dorfwaschhütte ab. Eine stund bei der Rosenegg, die andere im Weißwindgarten, (vor dem St. Johann, am sogenannten Klosterbächlein. Die Waschhütte am Klosterbächlein wurde wahrscheinlich in den Soer Jahren abgebrochen. Beide sind noch auf alten Stichen, die letztere auch auf Photographien verewigt. Der Standort der Sechthütte auf der Langrüti am Bach ist nicht bekannt. Vielleicht wurde Umgang genommen, sie zu bauen, da man den vorgenannten Platz bei der Rosenegg an der Alp für vorteilhafter hielt "Tubakboate" = Tabakdose (boite). "täfl sy" heißt nach einer feuchtfröhlichen Feier (z. B. Fastnacht oder Chilbitanz) am Morgen frisch und willig den Werktag beginnen. "uf e Tätsch" heißt "zur Stelle bringen",Befehlsform 'z. B. "Most uf e Tätsch l" "tifig" heißt geweckt und gewandt. "wydleich" heißt gelenkig, biegsam wie ein Wydli bezw. em Weidenzweig. "Turperiegel", das ist eine mit Torf ausgeriegelte Scheidewand, wie man sie an alten Einsiedler Wirts- und Wohnhäusern häufig vorfindet. Ueber diese Bauart wird wegen ihrer fast unvergleichlichen Primitivität gern gespottet. Man hält ihre jedoch gerechter weise die Vorteile der Wärmebindung und der Billigkeit zugute. _Den dritten und vierten Vorteil übersieht man in der Regel. Die Torfriegelung saugt dem Gebälk die Feuchtigkeit weg und verhütet dessen Anfaulen.. Sie hat ferner ein geringes Gewicht und belastet den ohnehin mangelhaften Unterbau (Fundament und Stockmauer) vieler Häuser wenig. Die konstruktive Anlage ist folgende: Senkrechte Balken als Träger unten mit dem Mauerbalken und oben mit dem Deckenbalken verzäpft, gegenseitig mit wagrechten und schrägen Bälklein

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verbunden, diese auf der gegeneinander zugekehrten Seite gerillt, an den Flächen gegen den Innenraum mit vielen Holz'bolzen gespickt, dazwischen, auf dem Mauerbalken angefangen, <eine etwa -5 cm hohe Schicht Gips, darüber eine etwa IO cm .hohe Lage Torf, dies 2 bis 3 Mal wiederholt, darüber eine wagrecht in die Rillen gepreßte Latte und in diesem Wechsel hoch bis an den Deckenbalken. Die Schichtung ist auf der Seite des Innenraumes mit Gips, der an den Bolzen Halt bekommt, verputzt. Der Verputz wird entweder mit Tapeten oder Tannentäfer verkleidet . .."Tüfelsriegl" oder "Chapuzinerchnopf" = altes hölzernes Zusammensetzspiel aus sechs verstäteten vierseitigen Prismen mit quadratischer Grundfläche. Der Tüfelsriegl wurde von alten Wagnern und Zimmerleuten angefertigt. Er sieht aus wie ein dreifacher Gwättikopf an einem alten gewandeten Haus . ."z' viel Riiffe" = gegen den Schwanz hin sinkende Rückenlinie einer Kuh. ,,,sich vernüevere" heißt sich z. B. an einem Liengs Schwynigs gütlich tun. "Vürchäufer" = Vorkäufer. So wird der Viehhändler genannt, der das Vieh für die ExporthändJer bei den Bauern besichtigt und gegen Kaparre oder Auszahlung kauft. ",willfährig" = zugänglich, leutselig. "Ich ha Wält gnueg" heißt in der Umgangssprache unserer Bergbauern soviel wie ich besitze mehr Grund und Boden ols ich bearbeiten mag. ,,,zwylewys" = wörtlich "zuweilenweise" heißt zuweilen, hie und da. "ä Zaine" = ein Handkorb. ~,Ziefe" = "Aalstrich eines Rindes über dem Rücken. "Zwile" = Zwilchtuch .

.8. Originalitäten

in der Namengebung. Die Namen der öffentlichen Plätze und Straßen erheben keinen Anspruch auf kulturelle Wahl. Sie richten sich nach orientierenden 'Gesichtspunkten und heißen unter- anderen: Haupt-, Sternen-, .Spitalplatz, Zürcher-, Mythen-, Nord-, Rathaus-, Schwanen-, Rößli-, Kronen- und Panoramastraße, Taubengasse usw. Anlaßlieh des .öffentlichen Anschriebs ums Jahr I9IO wäre Gelegenheit geboten _gewesen, die enge Schale zu verlassen. In unsern ländlichen Flurnamen, die am besten aus den alten Urbarien des Grundbuchamtes ersichtlich sind, ist ein origineller Kurs vorgezeichnet. Lehrer Meinrad Kälin hatte eine kleine .Sammlung angelegt und sie besprochen (Eberle und Rickenbach, 3910). Als Landschreiber Konrad Lienert auch Notarstellvertreter

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war, folgte er dem guten Einfall, diesen Kurs für de.n ~rra<T Neubauten im Dorf fortzusetzen. Um dem Leser Einblick zu !<ewähren, geben wir hier einen 'knappe~ Auszug ~er Flur-,.~~_-. Tier- und Uebernamen unter Berücksichtigung Ihrer Originalitä (Die umfassende Analyse, in V~rbi?dung mit ergänzenden Voschlägen, ist einer spätem Publikation vorbehalten). 1. Beispiele von Flur- und Häusernamen ; Hahnenruf, Roblosen, Roßhuf, Wachsbecher, Bauch, Leerbauch. Bodenlos, Gyritz Schön garn, Herzigen, Tanzmeister, Fasel, Gleit, Forren und Grützen, Schutzfurt, Zauggen, Medenen, Aspi und Teufi, Flößhacken, Gamsklauen, Topinambur, Sauerbrunnen, Zwischenschein. Tüchelnäper, Frankenteuer, Gäbnüd, Gimmermeh, Minderwichtig, Namenlos, Reinfall, Schauwohl, Schleißigen Grund, Vielwert, Wachsbesser, Geschloo - Wald, Vielztüür. Namenfamilien: Trompete, Baßgeige, Klarinette, Waldhorn, Horn, Fidel. Humpen, Flasche, Glas, Becher, Faß. Erle, Esche, Ulme, Tanne, Buche, Ahorn, Haselnuß, Lärche, Nußbaum, Buchsbaum, Grünlindenblust, Immenstock, Kümmistock, Holderblust, Weißdorn, Dombusch, Papel, Schwarzdorn, Waldmeisterlein, Zeitlose, Nießwurz, Ihen (Eibe), Besenchris. Schildkröte, Schlange, Schnecke, Adlerschwanz, Bärenruh, Gänserich, Kuder, Gägler, Schnäpf, Brummbär, Spärber. 3 Kreuzern, 3 Jägern, 3 Herzen, 3 Pilgern. Ambos. Stemmeisen, Blasbalg, Kessel, Leist. Immenhaus, Lurenhaus. Pfauenfuß, Gutwillen, Affenwagen, Arbeitschön. Muttergottes, Flucht nach Aegypten, Adam und Eva. Wilder Mann, Wilde Frau, Wildes Kind, Weißwind. Unter den Gasthäusern herrschen die religiösen Namen vor und verbürgen in der Regel die Gründung im 13. und 14. Jahrhundert. 2. Beispiele von Tiernamen: Stiere: Umzug, Blick, Tusig, Chruusli, Läcker, Trumpf, Zwingherr, Gwunder, Muri. Kühe und Rinder: Lusti, Freudi, Brästli, Hübschel, Müsterli, Höffertli, Muttli, Gumpi, Tänzeler, Chröndli, Wohlgfallerli, Dämeli, Chäfer, Jungfer, Gmüetli, Lächli, Fähnli, Fryeli, Glöggli. Ziegenböcke und Widder: Köbi, Fysel, Fax, Box, Gimmermeh. Ziegen und Schafe: Unschuld, Silberstruß, Rubeli, Müetterli. 3. Beispiele von Uebernamen: Ankedrüeseler, Babitatsch, Brübrü, Biredings, Bauz, Brachmoned, Bijouli, Cognac, Chilefrösch, Chochjörgl, Chrätlärebär, C'est dire, Dewäg, Dauderlau, Drynäpper, Deis, Insowyz, Doppelliter, Egu, Ewigabäbinderli, Faufausli, Fasmissak, Fadegrad, Fyroubed, Füfilang, Gott z'ehrä, Gwirber, Cniepeler, Goldmöckli, Gufeschnutz, Habermähli, Harraß, Hui, Häbu, Himmelabenand, Jordändli, Jüngsttag, Kanoneschritt, Köstlicher) Lutsprächer, Mer, Madudli, s'Ma, Neugg, s'Rappig Läbchüeli, Schofwuli, Schrubedämpferli, Schißwi (j'y suis), Siieß, ä

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, I:

'Sydechüngel, Salveschritt, Stunggis, Tämpäre, Untergang, Wasserstrahl, Wättertann, Wyßgügel, Ziesligraf, Zebon (c'est bon). Viele Uebernamen entstehen im Kreise der Jugend; wo sogar die Lehrerschaft nach äußerlichen Merkmalen beobachtet wird, um ihr gelegentlich einen anzuhängen. Auch an jeder Schulklasse haftet eine ranggemäße Auszeichnung. Sie heißen: I. Primarklasse: Gitzi (Zicklein, unbeholfene Wesen), 2. Primarklasse: Tinteschläckr (Dürfen zum I. Male mit Tinte schreiben), 3. Primarklasse: Aengeli (Erstkommunikanten), 4. Primarklasse : Bängeli (Nach einem strengen Jahr doppelt übermütig), __ 5. Primarklasse: Rufegrind (Unsauber), 6. Primarklasse : Stöck (Schwer zu führen), 7. Primarklasse: Böck (Meisterlosig und nicht begabt), I. Sekundarklasse: Löffelstiel (Eingebildet), 2. Sekundarklasse: Chönd nüd viel (Repetierer). Die Mehrzahl der Uebernamen hat einen spöttischen Einschlag, weshalb wir Umgang nehmen; diese Kategorie aufzuzählen, Die Häufigkeit einiger Familiennamen in Verbindung mit den Taufnamen, Meinrad, Josef; Josef Meinrad und josef Maria verlangt, daß in den Zivilstands-, Stimm-: und Steuerregistern. auch der -Uebername beigefügt werde, um Verwechslungen zu vermeiden. Der Uebername ist im Volksleben der Waldstatt so tief verankert, daß es zwecklos wäre, gegen seinen Gebrauch im Alltagsleben zu protestieren. Beschwerden würden Volkswitz und Schalkhaftigkeit nur noch stärker anregen. Das beweisen folgende neuzeitliche Korrekturen von beanstandeten Uebernamen: Salomon wurde einfach in Nümmesalomon, sauterelle (locusta terrestris) in Grashopper umgewandelt usw. 'Mit den Uebernamen dürfen die sogen. Beinamen nicht verwechselt werden. Diese dienen lediglich der Verdeutlichung, z. B. Josef Kälin des Jochmes (Joachims), des Haltners( von der Halden), Au-Konrad (Konrad aus der Au), Eggäre-Marti (Martin ,-;onEgg), Sagäre Meired (Meinrad, dessen Vater Sager war) usw. Auch Wohnhäuser erhalten gelegentlich Beinamen. In einem Quartier sind sie z. B. der lauretanischen Litanei entnommen: "Arche des Bundes" (langgestrecktes Wohnhaus zur ,,-.1,rche"), ,;Geistliches Gefäß" (Wohnhaus der Lehrschwestern), "Heil der Kranken" (Wohnhaus eines Arztes), Zuflucht der Sünder" (Wirtschaft), Morgenstern (gleichnamiges Wohnhaus). Unsere Kirchenglocken sind numerisch getauft: Z. B. Nr. 4, 9, 11, 1.2 (4 Uhr Metteglocke, 9 Uhr Neunuhrmesse, II Uhr vor der Einführung der mitteleuropäischen Zeit Mittag, 12 Uhr Mittag). Ausnahmen: das Wetterglöcklein und die Salveglocke.


Die Landestopographie huldigt bisweilen Verdeutschungen der Berg- und Dorfnamen, die unbegründet sind, z. B. Auberg statt Aubrig, Fluhberg statt Fluhbrig, Iberg statt Ybrig usw. In dieser Richtung ließe sich auch über die Entwicklung des Ortsnamens "Einsiedeln" sprechen, der aus "Einsiedlen" hervorging. Nach unserer, Auffassung ist "Einsiedlen" vorzuziehen. Das Stammwort dürfte "Einsiedelei" sein, das sich mit "Einsiedler" deckt. Einsiedlen hat auch den Vorzug 'der leichtem Aussprache. Hievon zeugt die Bildung des Prädikats "einsiedlerisch". W oIlte man der gebräuchlichen Orts bezeichnung "Einsiedeln" folgen, müßte man folgerichtig "einsiedelnerisch" und der "Einsiedelner" schreiben. Abgesehen davon, daß alte Gülten, Urkunden, Verträge, Bücher, Stahlstiche' usw. fast nur "Einsiedlen" und "Einsidlen" kennen, führt uns auch die Mundart auf den rechten Weg. Nicht, daß die Sache wichtig wäre. Aber man darf sich diese Erwägung doch merken.

9. Kommentar zum Waldstatt-

und zu den Viertelswappen.

Da nicht jeder Maler und Zeichner die Wappenkunde kennt, unterläuft ihnen mancher Fehler, sei es bei Kompositionen, sei es bei Kopien. Es trifft allerdings zu, daß diese und jene Frage noch nicht genug erörtert ist. Das dürfte auch bei der Frage der Flugrichtung der Raben im Waldstattwappen der Fall sein. Es gibt nämlich Leute, die behaupten, die Raben des Stiftswappens fliegen rechts, diejenigen des Dorfwappens hingegen links. Dies müsse so sein, meinen sie, damit man die beiden Wappen unterscheiden könne. Wir möchten hier eine andere Auffassung vertreten und zugleich deren Haltbarkeit begründen. Die Unterschiede der beiden Wappen (Stift und Dorf) bestehen in der Verschiedenheit der Grundfarbe des Wappenfeldes, Stift gold bezw. gelb, Dorf rot. Es ist überflüssig, daß noch eine andere Auszeichnung, z. B. die ungleiche Flugrichtung der Raben gewahrt werde. Die Li n k s flugrichtung der Raben ist unh e ra 1dis c h. Wappentiere im Profilbild sind rechts gekehrt. Freilich' begegnen wir auf alten Scheiben, Siegeln und Stichen häufig links gerichteten Wappentieren. Man beobachte aber genau! In jenen Fällen sind zwei Wappen als gepaarte, d. h. als Allianzwappen gebraucht, weshalb es zutreffen .kann, 'daß sogar die Raben des Stiftes, von denen man nicht behauptet, sie müssen links fliegen, doch links fliegen. Das ist. so, wenn das Stiftswappen das rechtsstehende .Wappen der Paarung ist. (Auf die rechte Seite stellt man in der Regel das bevorzugte Wappen. Beispiele: Stiftswappen rechts, Personalwappen links. Ehewappen. das männliche rechts, das weibliche links.)

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Hier einige Beispiele betreffend' die Flugrichtung der Raben im Waldstatt- und Stiftswappen: ' I. Aelteste bekannte Reproduktion des Gnadenbildes auf einer von Abt Konrad H. anno 1512 "zur berg am Irchel" Kanton Zürich, gestifteten Glocke. Dort ist das Abtwappen (links) mit dem Stiftswappen (rechts) als Allianzwappen gebraucht. Die Raben des Stiftswappens fliegen links (siehe Odilo Wallfahrtsgeschichte, Seite 144). 2. Scheibe "Seiner Gnaden PlacidusAbbte des fürstlichen Gottshauses Einsiedlen Anno-I662" als Allianzwappen gebraucht, Raben' des Stiftswappens (rechts) fliegen links. 3. Hl. Meinrad, Stich von P. Athandsig Beutler et delineavit .0 S. B., E. Kanzelmann Sculpit Aug. V., Dorfwappen (links), Raben fliegen rechts. \. 4. Einsiedler Brakteaten (im Landesmuseum) Raben fliegen rechts. 5. Siegel Abt Rudolph III., 1438-1447, Stiftswappen (rechts), Abtwappen (links), gepaart. Die Raben fliegen rechts. 6. Rundsiegel Abt. Gerold um 1465, dito gepaart, 'Raben fliegen rechts. 7. Zwei tes Siegel Abt Konrad III. 1482, dito gepaart, Raben fliegen rechts. Die Beispiele 5, 6 und 7 widersprechen. den Beispielen 1 und 2 insofern, als die Raben des Stiftswappens (rechts) rechts fliegen, trotzdem dasselbe mit dem Abtwappen (links) als Allianzwappen gebraucht ist. . .-Aus diesen Darlegungen folgt, daß der Unterschied zwischen Stifts- und Dorfwappen in der G run d f a rb e des Wappenschildes besteht und daß eine andere Ausscheidung überflüssig, event sogar unheraldisch ist. Näheres über das Waldstattwappen enthält die Beilage der "Neuen Einsiedler Zeitung" vom März 1933 aus der Feder von altKanzleidirektor Martin Styger. . Das folgende gilt der Begründung der revidierten Viertelswappen. 1. Bennau. Die Au des sel. Benno, Gründer. Erstmals 13II als Bennove erwähnt. Gelbe Infula und gelber Bischofsstab. Rotes Feld. 2. Trachslau.Erstmals 131 I als Trechselun erwähnt. Schwarzer Schweizer Kriegsflegel. Daneben ein T in Antiqua. Erinnert an den Marchenstreit zwischen dem alten Lande Schwyz und dem Gotteshaus Einsiedeln um 1314 und' f. J. und an die Zwischenfälle auf der Kriegmatt im Einsiedler Handel um 1766. Rotes Feld. 3. Egg. Erstmals 1331 als Egga erwähnt. Blaue Wasserkurve im untern Drittel, die an den SihIlauf in Untersytten erinnert. Gelber Mörser in den obern zwei Dritteln. Er erinnert an den berühmten 173


Arzt Theophrastus Paracelsus, der neben der Teufelsbrücke am Etzel wohnte und dort seine Arzneien stampfte. Rotes Feld. 4. WillerzelI. Erstmals 1319 als Willercella erwähnt. Schlichtes weißes Kirchlein, Turm .Käsbissenform, rechts der Buchstabe W, links der Buchstabe Z als Kennzeichen gegenüber andern Wappen mit einer Kirche als Wappenbild. 5. Groß. Erstmals 1311 als Große erwähnt. Die Wettertanne erinnert an einen großen dichten Wald. Siehe Flurname "Im Dick". Rechts und links wagrecht gegen den Stamm gerichtet je ein Flößerhacken. Erinnert an das bis um 1870 betriebene Flößen der Trämel im Hochwasser der Sihl. Rotes Feld. . 6. Euthal. Erstmals 1433 erwähnt. Altarbild in der Kirche zu Euthal Schmerzhafte Muttergottes. Darum Herz Mariä. Das rote Herz allein ist zu weltlich. Um dem kirchlichen Symbol gerecht zu werden Schwert in senkrechter Stellung. Weißes Feld. 7. Binzen. Erstmals um 1320 erwähnt, als Viertel erstmals 1572. Grünes Feld, quer gespalten. Verweist auf Ober- und Unterbinzen. In beiden Feldern eine Rindertrychle, die an den landwirtschaftlichen Kleinbetrieb auf Eigen- und Pachtland erinnert. ,

Kleine Nachträge. I. Das Kirchmeieramt,von dem in der Waisen- und Armenrechnung die Rede ist, bezieht sich auf Pastorationsobliegenheiten. z. Männer, die heirateten, mußten bis gegen 1874 eine Art Wehrsteuer entrichten, d. h. einen Barbetrag abliefern, der dem Bezirk die Anschaffung eines Gewehres für das Zeughaus ermöglichte. Auch die Schützengesellschaft benutzte den Zivilstandswechsel junger Männer und forderte zur Unterstützung des Schießwesens eine Zeitlang von jedem Hochzeiter Fr. 5.-. Die Eheleute feiern nach 25 Jahren Ehestand das silberne, nach 50 Jahren das goldene und nach 60 Jahren das diamantene Jubiläum. Der Volksmund spricht satyrisch vom ,,2sjährigen Krieg" usw. 3. Bei zahlreichen Jodelliedern fallen die Unbeholfenheit der Dichtung und die weinerliche Komposition auf. 4. Ein praktisches Kleidungsstück der Bauern, der Westenrücken ist seit einigen Jahrzehnten in Vergessenheit· geraten, so auch dessen mundartliche Bezeichnung. Er wurde bei strenger Kälte und heftigem Nordwind zum Schutze der Lungen und Nieren getragen. Man stelle sich ein hochrechteckiges, mit Wolle eng . gestricktes Rückenteil vor, an dessen obern Enden je eine Schleife wie i..Achslifasse" und an den untern Enden 2 Gurten angenäht sind, die mit einer Schnalle um den Leib befestigt werden.

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5. Im letzten Jahrhundert war es bäuerliche Sitte, eine Blume, z. B. ein Hagröslein. hinterm rechten Ohr zu tragen, die Blüte nach vorn gerichtet. Alte Holzlarven, Aquarelle usw. erhärten diese Sitte. Sie kann nur der Ausdruck einer launigen Stimmung gewesen sein, wie das Tragen bunter Blumensträuße auf den Schlapphüten der Sennengesellschaft des 18. Jahrhunderts, der Maien der Armbrustschützenbuben und der Rekruten im letzten Jahrhundert. Das Aufstecken der Blume hinter dem Ohr mag zur Zeit aufgekommen sein, als die Männer die kurze weiße Zipfelmütze und bald nachher die lange schwarze Mailänder Züttelkappe als gebräuchlichste sömmerliche 'Kopfbedeckung trugen, die nicht geschmückt werden konnte. Ein Blümlein im Mundwinkel verrät ebenfalls eine freudige Stimmung. 6. Der "Zerrpfennig" (bisweilen auch "Zehrpfennig" geschrieben). ist ein Fond zugunsten reisender (fechtender) Handwerksburschen. Er greift vermutlich in den Anfang des letzten Jahrhunderts zurück. Das Bezirksamt ließ jährlich einmal den Läufer oder den Weibel bei den wohlhabenden Familien im Dorf umgehen und sie um Entrichtung eines kleinen Beitrages in diesen Fond bitten. Die Handwerksburschen, die sich auf dem Amt meldeten oder die aufgegriffen wurden, erhielten jeweilen 30 bis 50 Rp. Handgeld, wenn sie im Besitze der Ausweispapiere waren. Der Fond betrug im Jahre 1918, als die Sammlung nicht mehr fortgesetzt wurde, etwas mehr als Fr. 1000.-. Er wird seinem Zwecke erhalten bleiben. 7. Im Hausgang alter Häuser befindet sich hinter der Haustüre entweder eine viereckige oder eine hochrechteckige Oeffnung in der Stockmauer. Vereinzelt trifft man auch noch schmiedeiserne Hacken an, die oben gegen die Decke hin in die Wand eingemauert sind. In die Löcher stellten Hausbewohner und Pilger das Talglicht, wenn sie morgens in der Dunkelheit das Haus verließen. Wer nachts heimkehrte, nahm das Talglicht wieder zuhanden. Am Eisenhacken wurden die Feuereimer aufgehängt. Jeder Hausbesitzer war laut Löschordnung verpflichtet, 2 lederne Feuereimer (Füürchübel) zu stellen, Die Feuereimer wurden in der Trägerkette zur Wasserbeförderung von der Schwelle bis zur Brandstelle oder zum Füllen der Schöpfspritzen verwendet. Die Einführung der Schenksehen Saugspritze in den 70er Jahren machte den Feuereimer mehr oder weniger überflüssig. 8. In alten Pfarrgemeinden wird der Tote konsequent mit dem Gesicht gegen das in der Mitte des Friedhofs stehende Kreuz gerichtet, ins Grab gelegt. In Einsiedeln trifft das jetzt nur teilweise zu, Aber, aus einer von Schmid gezeichneten Lithographie (bei Gebr. Karl und Nikolaus Benziger) zu schließen, erfolgte früher, als der Friedhof aus nur 4 Feldern bestand, die Grab175


legung auch nach der oben erwähnten Ordnung. Als Grabmäl wurden damals ausnahmslos kleine Holzkreuze mit schmaler Ab-dachung und Sandsteinsockel mit niedere~ schmiedeisernen Kreuzen verwendet. Die Ecken der Felder waren entweder mit Urnen. oder Weihwasserbecken aus Sandstein geziert. 9. Die Schurter Waren amtliche Schuldeneinzüger, somit die Amtsvorgänger unserer Betreibungsbeamten. Dies geht aus folgendem Beschlusse des zweifach gesessenen Landrates vom 14. April 1608 hervor: , "Die Schurter, so um Lohn Schulden einziehen, werden vom zweifachen Landrate in Schwyz abgeschafft. Künftig soll jedermann seine Schulden selber einziehen oder durch seine Kinder oder Diensten einziehen lassen. Witwen und Waisen, so keine Diensten halten, mögen die Landsläufer oder Trager darum ansprechen, welche den Einzug um gebührlichen Lohn besorgen sollen" IO. Der Laternenanzünder. Beim Zunachten eilte ein flinkes Männlein, eine Leiter geschultert, im Dorf von Straßenecke zu Straßenecke, stellte an, stieg auf, öffnete das Laternenfensterehen und zündete die im Laternengehäuse stehende Petrollampe an. Wer könnte jenem damals unbeachteten Männlein heute die Beachtung versagen? Als gegen 19IO der Glühstrumpf unseres bewährten Gaswerkes und gleich darauf die überlegene Glühbirne aus Zürich, der Petrollampe in Haus und Hof den Garaus machten, verschwand der amtliche Laternenanzünder plötzlich von der Bildfläche. Nur einige- wenige Zeugen erinnern an die frühem Beleuchtungssorgen, nämlich alte eiserne Laternengehäuse von der Gestalt der Zunftlaternen. Man geht, trotzdem sie originell sind, achtlos an ihnen vorüber. Wo behaupten sie sich noch, wird man fragen? An folgenden Gasthäusern: Bären, Elephant, Glocke, Großkreuz, Goldener Adler, National, Pilgerhof, Rotochsen, St. Katharina, Wage, Waldstatt usw. Eine alte Straßenlaterne steht immer noch beim "Einsiedlerhof", dem ehemaligen Kanzlerhaus. Gottlob haben wir moderne Lichter, die sich gegenseitig überstrahlen, aber ..gerade darum ist keines so heimelig, wie die Petrollaterne, die träumerisch in die engen Gäßchen hinein flackerte und sich gewissenhaft mühte, jedem bösartigen Windlein zu trotzen.

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250 BILDER

AUS DEM VOLKSLEßEN mit kurzen Beschrieben und Betrachtungen über wichtige Ereignisse

3 Teile:

Im Dorf herum Ueber Land Bei der Jugend


Die Bilderschau besteht aus Rekonstruktionen, Reproduktionen, einfachen und zusammengesetzten photographischen Aufnahmen und Skizzen.


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1M DORF

HERUM

Die Waldstatt in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Aus Diebold Schillings Chronik. Einheit der Bauformen, der Gleichheit des Erwerbslebens und den nahen Baustoffen entsprechend. Bald wurde das Kloster, bald der Flecken entweder ganz oder teilweise das Opfer vorsätzlicher od. Ialirläßiger Brandstiftungen, so 1021, 1226, 1465, 1577 und 1680. Der Wiederaufbau mußte jeweilen, um den Wohnungs- und Verkehrsbedürfnissen genügen zu können, mit Hast erfolgen. Bei Unterkellerungen und Umbauten der letzten Jahre wurden Fundamente aus Sandstein, die bei den Feuersbrünsten rotgebrannt worden waren, nachgewiesen.

Ausschnitt des obern Dorfbildes. Mitte 16. Jahrhundert. Schlüsselplatz mit Brunnen, Sechseckbecken und Säule. Vom .Ochsen" (Hirschen) bis zum .Schwarze Männle" (St. Meinrad) bezw. vom Rathaus bis zu den ,,3 Eidgenossen". Dort offener Dorfbach. Die Gliederung zeigt die Anfänge der 3 Parallelstraßen "Hauptstraße", nSchmiedenstraße" und "Habermusgasse" (Schwanenstraße). Vereinzelt geriegelte, vorherrschend gewendete Bauten, mit steilen Satteldächern. Hinter den Häusern kleine Gemüsegärten, dann Holzund Torfschöpfe.


Der Frauenbrunnen und die Pilgerhäuser Adler, Pfauen, Hirschen, Ochsen, Sonne, Rothut, Bären, Hecht, Georg und die Sonnenstände. Das Bild zeigt den Hauptplatz mit der Einmündung der Hauptstraße um 1800. Schöne, übereinstimmende Bauformen. Der Hautplatz ist heuer von den Genoßsamen dem Bezirk zu Eigentum abgetreten worden.

Vorderseite des 1689 erbauten Rathauses bis 1870. Unter seinem Dach befanden sich ursprünglich zwei Tanzdielen, Schulzimmer und Zeughaus, später das Gerätelokal der Feuerwehr, seither Post, Telegraph und Telephon. Bester Bautypus am Straßennetz des Dorfes.


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Vorderseite des Rathauses bis um 1905. Der Bau wurde alsdann mit phantastischen Zutaten restauriert und an den Dachsaum malte man die Viertels- und Familienwappen. Die Amtslokale umfassen Bezirksamt, Bezirkskanzlei zugleich Gerichtssaal, Notariat, Grundbuchamt und Konkursarnt, Genossenstube, 2 Bureaux, 2 Wohnungen, Polizeiposten und Arrestlokal, Bezirksarchiv. Die Rechte der Landesgenoßsamen am Rathaus wurden durch Zuweisung je eines Zimmers im betreffenden Viertelsschulhaus abgelöst.

Hinter- und Westseite des Rathauses bis um 1905. Bodenfest und hochstrebend. Diesem Gebäude muß der Charakter eines Amtshauses nicht erst die Farbe aufgemalt werden.


Mittelbau des alten Schulhause 1843 bis 45 erbaut. Vornehme Architektur nach Abt Heinrich Schmid. Längsfronr gegen die Sonne, Schmalseite gegen das Wetter gerichtet. Günstiger Abschluß des Gesichtsteldes vom Hauptplatz nach Norden. Also bestmögliche Sachlichkeit in der Platzfrage. In den 30er jahren, als sich die äußern Bezirke des Kantons Schwyz an das Studium einer Verfassung des Kantons "Außerschwyz" machten, bereiteten sie auch ein vorzügliches Schulgesetz vor. Nach erfolgter Verständigung mit dem alten Lande trug die Schulfreundlichkeit rasch sichtbare Früchte. Man baute sogar auf den Vierteln Schulhäuser, eine Seltenheit für die damalige geldarme Zeit. Dieses Schulhaus enthält eine Schulkirehe. Schulzimmer für die 2 untersten Primarklassen und für die gewerbliche und kaufmännische Fortbildungsschule, ein Musiklokal, ehemals Turnlokal, zwei Zimmer für die Kleinkinderschule, eine kleine Volksbibliothek, ein Vereinsarchiv und eine Abwartwohnung. 1889/90 wurde nordwärts ein noch größeres, wuchtigeres, jedoch weniger hübsches neues Schulhaus gebaut mit Längsrichtung Süd-Nord, ungefähr 10 jähre später noch nördlicher eine Turnhalle. Das neue Schulhaus enthält Schulzimmer für die 3. bis 7. Primarklasse und für die Sekuandarschule, ein Zeichnungszimmer, ein Gesangzimmer (zugleich kleines Naturalienkabinett). ein Arbeitsschu.zimmer (zugleich Lokal für hauswirtschaftliche Arbeitsschule), je ein Lokal für die Kochschule und die Volksküche, eine Abwartwohnung. Die beiden Schulhäuser und die Turnhalle werden gelegentlich als Truppenkantonnemente benutzt. Die Kleinkinderschule steht unter der Obhut des Frauen- und Töchtervereins, der gemeinsam mit dem jüngern Vinzenzverein dem Wohl tun gegen Arme und Kranke obliegt; die Fortbildungsschule wird zum größten Teil vom Fortbildungsverein unterhalten, dessen Vermögen sich aus Schenkungen zusammensetzt; die Volksküche unterhält der gleichnamige Verein; Kochschule und Arbeitsschule für Schulentlassene sind ebenfalls wohltätige Einrichtungen des Frauen- und Töchtervereins.

Im 18. jahrhundert Kernenhaus, im 19. jahrhundert Schützenhaus, im 20. jahrhundert Theater. 1737/43 von Singer erbaut. Bis ungefähr 1905 Eigentum der Genoßsamen, seither des Bezirkes. Im Theater treten von Zeit zu Zeit die Theatergesellschaft die Vorzugsrechte beansprucht.die musikal. -gesanglichen Vereine, der Turnverein mit Darbietungen auf.


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Die nächste Umgebung des Kernenhauses um 1860. Gleichmäßige Baulinlen. Eigene Rekonstruktion nach .dern Aquarell von D. Bisig 1884, das die ganze Langrüti umfaßt.

Hinteransicht eines Gasthauses im Oberdorf. Demonstration einer Bauentwicklung, die mit bescheidenen Mitteln die kleinen Bedürfnisse von Fall zu Fall erledigte, allerdings mit Verzicht auf eine geschlossene Wirein Sammelbild kung. Zugleich verschiedenster Dachformen : Vier Satteldächer vom sanft fallenden bis zum steilen, ein halbes Rechteckwalmdach mit gebrochener Dachfläche im obern Drittel, leicht geschweift in den untern Dritteln, kleines Mansardensatteldach, Pultdach (bezw. Klebdach) am Giebel, Krüppelwalm am obersten Grat.


~ Gasthaus zum "Bären". Origineller BaUlYP des 17. jahrhunderts, geriegeIt, verputzt, mir Kreuzdach und kleinen Krüppelwalmen. Der Flecken zählt 35 Gasthäuser mit 20 bis 100 und 25 mit 5 bis 20 Betten. Die Logierfähigkeir beträgt mit den Privatbetten rund 2500. Sie übersteigt seit 1914 weit den Bedarf.

Paradiesplatz, rechts "Adler", ehemals der größte Gasthof, und "Halbmond". Solide Bautypen des Oberdorfes aus dem 18. jahrhundert. Blick auf die Kirche, links die Nordseiten des .Piauens" und des "Sankt Antonis". Im Vordergrunde der Vorbeter mit Männern und Buben, die Fahne, Muttergottesstatue des marianischen Rates, Laternen und Bruderschaftsfähnlein tragen. Der Zug begibt sich zu einem Trauerhaus, um die Leiche zur Beerdigung abzuholen. Im Volk sagt man: sie chömed mit de Fähne.

Läufers Haus an der Habermusgasse. Geriegelt und verputzt. joche am Satteldach. Gekuppelte Fenster. 1895 . abgebrochen. -s'r)JY";'7el1:J,ij~ ~r/(tH;.&Mtdr- I


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Das alte Armen- und Waisenhaus, genannt Spital. 1578 erbaut. um 1865 abgebrochen. Gewandetes Tätschhaus. Im Vordergrund Fuhrmann mit Hirthemd aus Blautuch, mit dem Stäcklikorb auf dem Rücken. Einsiedler Fuhrroß. Dieser robuste Schlag wird im Markstall des Stiftes gezüchtet.

Das .neue Waisenhaus am Eingang der Langrüti. In den 60 er Jahren erbaut, 120 lnsaßen. Am Ende der Langrüti ein noch größeres Armenhaus. Eigenbetriebe wie Viehzucht, Schweinemast, Holzspälterei, Torfausbeute decken den Unterhalt der 110 Armengenössige. Im Vordergrund Heufuder mit zwei Männi der Armenhausverwaltung. Die vom Bezirk verwalteten alten Fonds betragen rund Fr. 580,000. -. Der größte ist der Armenfond mit einem Bestande von über Fr. 300,OcO. - •


Die obere öffentliche Secht - Hütte beim "Weiß\\"indgarten" um 1860. Die untere Sechthütte befand ich zwischen Alp und Rosenegg. Dahin trugen die Frauen die Wäsche in großenGelten, schwitzten und schwatzten. Im Hintergrund die

Gasthäuser.Weid "Widder" u. "Klo~ stergarten ".

Das sogen. Hafnerquartier : Brennhütte, Braunstein und Glasur. Gegenwart.

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Wasserrad am alten Wattenfabrikli in der Wäni. Ausgestorbener Helfer kleinindustrieller Betriebe. Um 1890.

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Das sogen. "gemauerte Haus" auf der obern Langr체ti. Satteldach mit auf der Mitte gebrochener und geschweifter Dachfl채che.

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Typus des gewandeten Wohnhauses im Dorf. 18. Jahrhundert. Damals war das Holz der gegebene Baustoff, billig und w채rmebindend. Heute baut mancher mit wenig R체cksicht auf den Winter.


Die Waldstatt im tausendsten Jahr. Plieveraulnahrne. Vielgestalt der Bauformen, der Vielseitigkeit des Erwerbslebens entsprechend. Hervorstechende Bauten: Kirche, Kloster und dessen Oekonomiegebäude, altes und neues Schulhaus, Verlagsanstalt Benziger &. Co. A. G., Panorama "Kreuzigung Christi", Verlagsanstaltjfiberle, Kälin &. Co., Waisenhaus, Verlagsanstalt Waldstatt A. G., Bahnhof, Kernenhaus. - An der südwestlichen Peripherie des Dorfes steht das Armenhaus, an der nordöstlichen das Krankenhaus. Diese 2 Bauten sind auf dem ~Bilde nicht sichtbar. - Die Camera des Fliegers hat ferner auch die Häusergruppen an' der Zürcherstrasse und auf der Dümpfeln nicht mehr erreicht.


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Stirnseite des Fleckens am Hauptplatz. 1917. Vom Kirchturm gesehen. Hier schaut uns die Frucht der wirtschaftlich glücklichen Vorkriegsjahre mit ihren zahlreichen Stoßtagen entgegen. Der Wohlstand wurzelte in der fleißigen und sparsamen Betriebsführung durch viel Eigenarbeit während vorangehenden Jahrzehnten. In der Front stehen die großen Verlagshäuser der Firmen Benziger & Co., Eberle, Kälin & Co., die den Rückschlag der Kriegsund Nachkriegsjahre bis ins Mark spüren. Baulich zeigt das Bild, wohin man kommt, wenn jeder Hauseigentümer eigene Wege geht und billige Rücksichten auf den Gesamteindruck des Dorfbildes verscheint. In dieser Hinsicht ist das Aussehen des vorstehend abgebildeten Hauptplatzes um 1800 viel gediegener.

Hauptstraße im nächtlichen Glanze der Großen Engelweihe. Straßen- und Schaufensterlaternen sind ausgelöscht. Aus der Dunkelheit glitzern Tausende von Kerzenlichtlein in horizontal übereinanderliegenden Linien, die die Klosterfassade mit der Gasthäuserfront am Hauptplatze und mit den Geschäftshäusern an der Hauptstraße verbinden. Bis um 1890 wurde entweder mit Nachtlichtli in runden Gläschen oder mit Wachskerzen in gebrannten Lehmklötzchen beleuchtet. Jetzt benutzen alle Hauseigentümer Paraffinklötzchen, die in runde Gläser gestellt werden.


eine Ankunft bayr. Männerpilgerzuges mit Fahne u. Kreuz. Gegenwart. Neuer Bahnhof der SüdostbahnGesellschaft, gegründet 1891. Die WädenswilEinsiedeln- Bahn eröffnet 1877 als erster Schienenstrang der Südostbahn hat die größten Geldopfer gefordert, die unser Gemeindewesen je auf sich nehmen mußte. Die Bahn war damals die dringendste . Frage der Verkehrsförderung. die tatkräftige Männer glänzend lösten.

Hinter den Fassaden. der Hauptstraße. Um 1870. Die geschäftige Wirtsfrau verabschiedet sich von 2 Bregenzerwald-Pärchen .. Wir sehen sie im Geiste, wie sie bei der Ankunft eines Pilgerzuges über die schmale Treppe unter den Bogen eilt, um den Gästen die Hände zu schütteln, ihnen die Stramintaschen abzunehmen und um sie gastlich zu behausen und zu bewirten. Damit ist aber nicht etwa die Geschäftigkeit nur der Wirtsfrauen gekennzeichnet. Nein, die Waldleute im allgemeinen betrachten die Pflege der Wallfahrtsbedlirfnisse als ihre .nächstliegende Lebensauf-gabe, der sie sich bieg- und beugsam unterziehen.


Seit 1910 wurden eine Reihe von Häu" ser - Renovationen durchgeführt, die sich allerdings zum Teil auf die Fassaden beschränkten. Hier 4 Typenbeispiele aus den Jahren um 1930: Filiale der Kantonalbank Schwyz, Gasthäuser zur "Krone" und zum .Rothut" , Gäschäftshaus zum "Anker". Hätte nicht der Weltkrieg eine bedenkliche Bresche in die Finanzlage des Mittelstandes geschlagen, würde sich der Aufputz des Fleckens noch erfreulicher entwickelt haben.

Privat-Krankenhaus auf der Dümpflen. Um 1905 erbaut. Eine großzügige Stiftung, die in der Hauptsache von den Familien Benziger angelegt wurde. Nebenan ein kleines Absonderungshaus. Der Betrieb liegt in den Händen der Ingenbohler Schwestern.

Panorama Kreuzigung Christi. 1893 erbaut. Hervorragende, ortsgemäße Sehenswürdigkeit. Ca. 2000 rn?Bild und Plastik. Nach langen Studien im heiligen Lande von 3 Künstlern gemalt. Ein Hort der Erbauung für die Pilger.


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Betriebe.


f 1. Fabrikbauten der graphischen Anstalt Benziger & Cie., A.- G., ehemals Gebrüder Carl & Nikolaus Benziger. Gegründet 1792. In der Blütezeit der 80er jahre waren in den Abteilungen des Buchdrucks, der Buchbinderei, Lithographie, Galvanoplastik, Zinkographie usw. einschließlich Heimarbeitszweige um die 700 Arbeiter beschäftigt. Fabrikationsfiliale in Euthal, früher auch in Groß. Verlagsfilialen in Köln, Waldshut und Straßburz. Ende des letzten jahrhunderts und zu Anfang des gegenwärtigen Brudergeschäft Adeltich Benziger & Cie , Paramentenstickerei. Statuen- und Bücherverlag im Haus zum "Adler". 2. Fabrikgebäude der Firma Eberle, Kälin & Cie., gegründet 1858. Vorherrschend Buchdruckerei und Buchbinderei, gegenwärtig mit Pachträumen für Corsettfabrikation und Handschuhnäherei zürcherischer Unternehmer. 3. Fabrikgebäude der Firma WaldstattA.G., vormals Eberle & Rickenbach, Nachfolger von Wyß &. Eberle, gegründet 1865. Hauptsächlich Buchdruckerei und Buchbinderei. 4. Buchdruckerei "Einsiedler Anzeiger" zum "Steinhof", seit 1910 Genoßenschaft, ursprünglich Marianus Benziger zur .Lugeten", gegründet 1859, dann Sales Benziger, dann Lienert &. Eberle, nachher Kortrad Lienert, schließlich Wwe. Lienert - Schnyder. 5. SeidenFreitag,

Kaspar Hürlirnann im .Schöngarn", ehemals Christoph von Wyß um 1830, abgebrannt um 1896, seither Sägerei Lienert.

&. Baumwollspinnerei

gegründet

6. Möbelfabrik Gottlieb Kuriger Söhne, ehemals Gebr. Zehn der, Seiden- &. Banmwollspinnerei, später Brüder Martin und Gerold Gyr, gegründet 1823. Diese nach dem amerikanis~hen Bürgerkrieg eingegangen. 7. Ziegelei Avanzini, ehemals Vor ca. 1850 Klosterziegelei

Ferdinand Birchler, beim Weiher.

Nachfolger

von

8. Kistenfabrik und Sägerei Gehrüder Gyr, ehemals .Iohann jakob im Eschbach, um 1650 gegründet. Eingegangen um 1860.

A. Schönbächler,

Schädler,

Kornmühle

9. Bauschloßerei Benedikt Lienert, ehemals Franz Lienert's Söhne, ehemals Witwe Gertrud Lienert. Gegründet um 1845. Ursprünglich Klostermühleals Monopol (Zwingrnühle) des Bezirkes, gegründet um 1300. Umgebaut 1787. 10. Torfwerk Friedrich Lienert's Erben, Nachfolger von Lienert, 1916. Vorher Ziegelei des johann joseph Zehnder.

Gyr & Cie. Gegründet

11. Weizen- &. Maismühle, genannt "Grotzenmühle", Emil Lienert, Nachfolger von Gyr, Lienert, Birchler und Grätzer, ehemals Kaspar Ochsner, ursprünglich josef Steinauer, gegründet 1686. Mahlrecht von der eingegangenen Mühle im Frauenkloster "Au" übernommen. 12. Bierbrauerei "Rosengarten" Birchler, Lindinger &. Cie., vormals joseph Thorner, wahrscheinlich in den 50er jahren gegründet. Um 1894 eingegangen Brauerei KaufIin, Bierhalle, vormals Steinauer, um 1902 aufgekauft Brauerei Rhein zum Pokal, vormals Zehn der, um 1928 aufgekauft. Obere Brauerei, Martin Birchler, vormals Kram, Nachfolger von Ochsner. 13. Bauschlosserei

Franz Kälin, ehemals Hufschmiede

um 1800 gegründet, Skizzen

Neubau seit 1932.

von Thomas

Lienert.


Was, das "Ofentoch"? Ja, die engste Gasse im Dorf, Jung und Alt, Reich und Arm benutzen sie. Von 1850 bis 1914 eilten die sogen. "Gschäftler" (Schriftsetzer, Buchdrucker, Lithographen, Zinkographen, Falzerinnen, Auflegerinnen usw.) wie an einem laufenden Band täglich zweimal zur Arbeit und wieder nach Hause. Wenn es regnete, warteten vor dem Feierabendzeichen der Dampfpfeife unten an der Ecke kleine Kinder dem Vater oder dem großen Bruder und brachten' ihnen Schirme.

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Kirchlein "Maria End" auf dem Katzenstrick. Daneben stand eine Erziehungsanstalt, in der arme Waisenknaben ein Handwerk erlernen konnten. Stiftungen des Regierungsrates Steinauer-Benziger. Die Anstalt wurde nach seinem Tode aufgegeben und der Fond der Stiftung zum Bau eines Krankenhauses einverleibt.

Das 1814 angebaute Vorzeichen der riSt. Gangulphs Kapelle, genannt I ' "Wolfgange Chapeli". Das Schiff der I Kapelle ist fast 1000 Jahre alt, somit das älteste Bauwerk der Waldstatt.


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Schutzhütte oder Gruobi, genannt "Galgenchapeli" am Waldweg gegen den Etzel, Eigentum der Genoßsame Dorf-Binzen. 1933 restauriert. Erinnert an das Einsiedler Hochgericht, das bis zum Jahre 1799 jenseits der Straße lag und an das Kapellchen, das 1840 abgebrochen wurde. Mit dem Hochgericht 12 Säulen mit einem wagrechten Balken darüber) war manche Menschentragödie verknüpft. Man denke z. B. an die drei Kälin aus der Wäni, unter ihnen Ratsherr Josef Rupert, "Prinz Josef" genannt, die im sogen. Einsiedler Handel um J 766 wegen hartnäckigen Trotzes gegenüber obrigkeitlichen Maßnahmen auf die Weidhuob nach Schwyz geschleppt und dort geköpft wurden. Unser Bezirksrat mußte die Köpfe auf Befehl der Schwyzer Behörde am Hochgericht aufnageln lassen. Man wird jene Exekution heute unter dem Gesichtswinkel des dazumal herrschenden Untertanenverhältnisses, das von jeher Glut zu Unstimmigkeiten in sich barg, betrachten müssen. Skizierte Sachlage: In Schwyz hatten die Harten (gegen die fremden Söldnerdienste) im Streite gegenüber die Linden (für die fremden Söldnerdienste) Erfolge erziehlt, kamen vorübergehend obenauf und benutzten die Macht, um Volksrechte zu tördern. Eine Gruppe heißblütiger Einsiedler versuchte das nachzumachen, indem sie für die Waldleute mehr Rechte, auch gegenüber dem Kloster, forderten, als sie beanspruchen durften. Sie hielten geheime Sitzungen ab, an denen auch Schwyzer teilnahmen und wühlten. Als in Schwyz wieder ein ruhiger Wind blies, stellte die Obrigkeit langwierige Untersuche an und ergriff schließlich Strafmaßnahmen gegen widerspenstige Einsiedler. Ein Teil der beträchtlichen Kosten für amtliche Umtriebe sollte auf Beschluß des Landrates vom 19. Oktober 1765 mit einer Viehauflage bestritten werden. Das war der Zünder. Die Betroffenen in der Wäni und in Trachslau sträubten sich mit Gewalt. Sie verneinten die Rechtsgültigkeit des Beschlusses, dessen Ratifikation nicht klar nachgewiesen sei (Siehe Dr. Schilter .Der Einsiedler Aufstand", Geschichtsfreund 1867, Band XXII, Seite 205, Ziffer 41I. Die handgreifliche Gewalt wurde mit rücksichtsloser Gegengewalt besiegt. Wer sich im Geiste in jene Wirren, die nicht Einzelne, sondern die Allgemeinheit ergriffen hatten, zurückversetzen kann und dazu überlegt, was das Verhängen einer Viehauflage als Strafmittel behuf Bezahlung obrigkeitlicher Unkosten und Taggelder der Ehrengesandten beim Volke bewirken mußte, ist geneigt, den Jähzorn wenn nicht zu billigen, so doch mildernd zu beurteilen. Nach damaliger Auffassung wurde aber das Verhalten der drei Kälin und ihrer Mitsacher als Rebellion bzw. Aufstand betrachtet. Gleiches ereignete sich ja auch in andern Kantonen. Die bittern Lehren des Einsiedler Handels leisteten obenhinaus der Einsicht für mehr Unabhängigkeit der Waldleute stark Vorschub. Das Volk machte ohnehin schon geltend, früher eher mehr Freiheiten besessen zu haben, obwohl sogar ein Schwyzer (Dr. Schilter) diese Auffassung als Irrtum bezeichnete, indem er schrieb, .Erleichterungen seien immer nur auf Gutverhalten hin zugesichert worden". An die Qualen des soeben erwähnten Hochgerichts erinnert auch die Beschwerde, die einmal nach dem Vollzug eines Todesurteiles bei der Obrigkeit vorgebracht wurde. "Man solle endlich .einen Scharfrichter anstellen, der nicht dreimal schlagen müsse". Diese Beschwerde beleuchtet das Zeitbild der unglückseligen Hexenprozesse, an denen der ScharfrIchter dem Vorgeladenen schon im Verhör als Druckmittel vorgestellt wurde.


Viehachterhütte auf dem Tritt, im Winter Skifahrerhütte. 1330 m ü. M. Die Genoßsame DorfBinzen besitzt auf ihren Weiden 5 Hütten und 22 Ställe, diese zur Aufnahme des Weidviehs bei __ ~ kalter Witterung. Der aufstrebende Skisport hat auf den , Bergen und Hügeln L herum Unterkunftsstätten gesucht. Ab 1905 inventarisierten die Sektionen Einsiedeln des S. A. C. und des S. S. V. verschiedene Hütten, als erste Drusberghütte und Tritthütte. Wenige Jahre später hielt das Skijöring auf den Straßen nach Unteriberg und Alpthai Einzug. Um 1912 wurde mit dem Bau der "Freiherrenbergschanze" begonnen. Als Bobbahn benutzt man die Strecke Schindellegi bis Pfäffikon. Seit Jahrzehnten wird die Handschlittenbahn von der Etzelpaßhöhe nach Pfäffikon hinunter befahren.

Von allen Unterkunftsgelegenheiten für Skifahrer in unsern Bergen nimmt das neue Steinbachhaus auf dem Stäubrig den ersten Platz ein. Vornehmer Steinbau mit Stube, Küche, Schlafzimmern und Keller. Bewirtschaftet.


Parmerherr der Waldstatt um die Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Marien-Fahne. Eigene Rekonstruktion. Bauliches von einem Gemälde im Kloster kopiert. Glasscheibe von Klotz. Eines der letzten ins Feld .rückenden Freifähnlein der Waldstatt wird das gewesen sein, unter dem der Einsiedler Auszug 1798 an der Bellenschanze in einer militärisch aussichtslosen Sache gegen die andringenden Sansculottes kämpfen mußte. Die Geschichtsschreibung über die Abwehr der Franzosen dreht sich stark um die Rolle des schwyzerischen Landeshauptmanns Alois von Redig einerseits und diejenige des Einsiedler Pfarrers Marianus Herzog anderseits. Da und dort sind die Folgerungen nicht nach jeder Richtung überzeugend begründet. Ein einigermaßen klares Urteil läßt sich nur fällen, wenn man auch den Einfluß folgender Fragen prüft: 1. die Ohnmacht der fast lediglich auf dem Papier stehenden schwyzerischen Wehrkraft (siehe Militärarchiv). 2. Das Verhältnis schwyzerischer Offiziersfamilien zu Frankreich (siehe frühere Auseinandersetzungen der sogen. "Harten", die die Kapitulationen verboten, gegen die sogen. "Linden", die sie erneuern wollten). 3. Die Vorherrschaft der Interessen des alten Landes (siehe Verteidigungsplan . und Waffenstillstandsverträg). Der auf Pfarrer Herzog fallende Vorwurf des Landesverrates ist nach unserer Auffassung unbegründet. Das geht schon aus dem VerteidigungswiIIen Herzogs hervor, den er bald da, bald dort, hauptsächlich aber beim Kriegsrat in Rotenthurm, aufdringlich bekundete, ferner daraus, daß er zur Uebernahme einer militärischen FührerroIIe infolge seines geistlichen Berufes gar nicht verpflichtet war. Begründet ist eher der Vorwurf an ihn, daß er mit seiner Hast zeigte, wie es gemacht werden muß, wenn man mit dem Kopf eine Mauer einrennen will. Andere Führer, hauptsächlich die militärischen, hatten die Nutzlosigkeit der Abwehr glücklicherweise früher eingesehen, sodaß einem großen Blutvergießen ausgewichen werden konnte, das unbeschreiblich traurig verlaufen wäre. Wer in jene schicksalsschwere Zeit zurückblickt, kann folglich zwei Erscheinungen nicht übersehen: Dort Lauheit im Führen, die mit der Waffenruhe, hier Aufmunterung zum Kämpfen, die mit der Flucht außer Land endigte. Der bewanderte Geschichtsforscher Dr. Robert Durrer seI. hat die Sachlage der Verteidigungsversuche in Schwyz und Nidwalden noch kürzer, aber auch derber gezeichnet.


Gothischer Bogen mit Tannenreisig geschmückt. Ein Merkmal religiöser und weltlicher Feste. Um 1900. Alte Petrollaterne.

Rat, Gericht und Zünfte in der sakramentalen Prozession. Zeichnung von J. Kälin - Küpfer.


Der Zunftobmann in der Monatsprozession. Eig. Skizze.

Die 4 Zunftzeichen des Generalbots, die 1934 erstmals an schwarz-rotgeringelte Stangen befestigt, und in der Rosenkranzprozession herumgetragen wurden. Hinter ihnen liefen die Zunftmitglieder.


Prozessionsgrenadiere des Millenariums 1934. Uniform der Grenadierkompagnie eines um 1775 in franzรถsischen Diensten stehenden Schweizerregiments. Ein Blick in vergangene Jahrhunderte.

.r.

Blauer Prozessionsgrenadier nach Beschrieb im Textteil.

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SchieรŸen mit Mรถrsern auf der Kreuzhรถhe vor Festen 1934. Skizze von Thomas Lienert.


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Musikant 'um 1870. Stoffmütze nach französ. Schnitt, hellgrauer Drilchrock mit rotem Kräglein.

Prozessionsmusikant 1934. Modernisierte Füsilieruniform 1804. Eigenes Modell.

schwyzer.

FrommeTrachtenjungfern in der Rosenkranzproiession. Schulmädchen in weißen Kleidern.


Die Feuerwehr am jörgenumgang, erstmals wieder wacheordnung : Ein Unteroffizier, 8 Steiger.

1934. Alte Föhnen-

So begab sich der Steiger des Rettungskorps noch in den 70er jahren zum Branddienst, auf die Föhnwache, an den jörgenumgang und zur Agathafeier. Schwarzer Filzhut mit Eisenblechkupf, weiße Drilchbluse, Gurt und Beil. Neben ihm Feuereimer, Windlicht, Tanse, Schöpfer und Leiter. Dem Bau der Wasserversorgung um 1885, verbunden mit Hydrantennetz, folgte die Anschaffung moderner Löschgeräte, die um 1905 vom Rathaus ins neue Feuerwehrhaus verbracht wurden. Um 1912 erfolgte die Reorganisation der Feuerwehr von Grund auf. Seit 1930 besitzen wir auch . eine Motorspritze.


"Ein Kreuz kommt". Luzerner Kreuzgang wird vom Ortspfarrer auf der Kirchentreppe abgeholt. Fahnen und Kreuze werden zum Zeichen des Willkomms gegeneinander gesenkt.

Kreuzgang aus der March auf den Pfaden des 채ltesten Pilgerweges 체ber den Etzel in den finstern Wald. Die Kapelle St. Wolfgang, die Schulh채user, Kirche und Kloster.


"

Königsszene aus :alderons "Großem Welttheater" 1930. Wenn man einen Vergleich zieht zwischen den Kleinen und großen Aventiuren und geistlichen Komödien des Mittelalters, die in Einsiedeln dargeboten wurden und dem "Welttheater" nach Einsiedler Fassung, zweifelt man nicht, daß dieses Spiel an Umfang weit im Vorsprung ist. Es wurde unter der Leitung gebildeter und umsichtiger Männer weltlichen und geistlichen Standes in den Sommern 1924, 25 und 30 mit einer Spielgemeinde von je 3 bis 400 Personen aufgeführt und erntete den großen Beifall, sowohl der Theaterfachleute, als auch der breiten Volksmasse, die sich gern an Gesang, Musik und lebhaftem Farbenspiel ergötzt. Ein anderer Grund, warum das ~Welttheater" Besucher in Massen anlockte, ist seine klare Handlung, die den Geist der Zuschauer hätschelte, sodaß er ohne Anstrengung folgen konnte. Die hochstehenden geistlichen Kleinspiele hingegen, die von Künstlern in dem von Claudius Hirt 1920 gegründeten Gesellenhaus aufgeführt wurden, strengten den Geist der Zuschauer an, weshalb die gemachten Versuche im Volke wenig Widerhall fanden. (Photogr. GabereII).

Gruppe spanischer Hofleute, Wachthellebardiere, aus' dem Königschor des .Wetttheaters " 1930.

Spielleute

und Pagen

t


Kirchenschweizer (Kirchendiener) des Stiftes 1934. Eigenes Modell Nr. 2. Verzicht auf patriziale Livree, bestehend aus Frack, Kniehose, weiĂ&#x;en StrĂźmpfen, Schnallenschuhen und Zuflucht zum Gehrock, der als provinzialer "en tous cas" gilt.


r

1

Stiftskutscher 1934. Eigenes Modell. Unverkennbarer Typus des berufsstolzen Marstallers.


· Ecce Homo an der Poststraße

Gebet vor dem Helgen stöckli am Pilgerweg vom Etzel. 18. Jahrhundert, Bildhauerei von Babel.

im Birchli,


Holzkreuz am Pilgerweg vom Etzel bis um 1920. Erbauliche Winterstimmung.

Die 14. Station des Kreuzweges. Kreuz aus Holz am Pilgerweg über den Katzenstrick. Stiftung. Gegenwart.

Schwäbische Pilgerinnen trinken an den 14 Röhren des Frauenbrunnens 1934. Sie glauben, sein Wasser sei heilspendend.


Die Pfauenstände. Anfang des letzten jahrhunderts. Schlichte Holzbauten mit Pultvordach und Fällläden. Sie taten der schönen Platzanlage nicht weh. Im Vordergrund schwäbische Bauern im Gehrock und Schlapphut, mit Felleisen und Pilgerstäben ausgerüstet.

Stand mit Wallfahrtsandenken. Davor Badenser Pilger. Nach einem Inserat um 1860.

Betlifasserinnen. Wenn kein Pilgerzug da ist, sind die Frauen dennoch nicht müßig. Sie sitzen auf Höckerli an die Sonne vor die gepachteten Stände und fassen Rosenkränze. Gegenwart.


Elsäßer

Spitalschwestern den Brüelständen 1934.

und

Frauen

in

Hausladen in den ,,3 Chüngen". Es gibt nur wenige Gasthäuser, die im Parterre keinen Laden oder kein Restaurant haben. Die Wirtsleute verkaufen deshalb die Wallfahrsartikel im Hausladen, den sie entweder in der Wirtsstube oder in einem Zimmer einrichten. In den Läden mit Wallfahrtsartikeln nehmen auch die Erzeugnisse unserer Statuengi-ßer und -Maler und diejenigen unserer ;., Wachsmodelleure (verzierte Kerzen, Wachsrodel, Schnecken usw.) und die hier gefaßten Rosenkränze ihren Platz ein. Der Bedarf an Wallfahrsartikeln ist groß. Das katholische Volk schmückt seine Wohn- und Schlafkammern überreichlich mit religiösen Gegenständen. Etwas Einzigartiges in dieser Beziehung zeigt das sogen. " Muttergotteszimrner" des hiesigen Gasthofes zum "Bären". Es enthält eine verglaste Wandnische mit der Einsiedler Muttergottesstatue, an der Decke eine kleine Copie des Haupt-Deckenbildes des Chors unserer Stiftskirche mit zierlicher Stukatur eingerahmt, und an der Längswand eine Schein-Bibliothek alter Werke. Man nimmt an, daß die Gehilfen Babels und Kraus' beim Umbau des Chors um 1749 im "Bären" wohnten.


Winden der Wachsrodel, Verzieren und Bemalen der Wachskerzen. An den Wänden fertige Kerzen zum Trocknen. Wachswarenfabrik Emil Schnyder zum "Stampf" mit Wasserradbetrieb am Dorfbach, seit 1926 zur .Fram'', vormals Jos. Ant. Birchler. Gegründet 1798, nachdem das Stift auf verschiedene gewerbliche Monopole zugunsren der Waldleute verzichtet hatte. Im Jahr 1828 gründeten auch die Gebr. Wyß eine Wachswarenfabrik, Nachfolger Hch. Wyß, nunmehr Hermann Lienert zum "Engel".

,

Einige der 26 Standeskerzen 1934 mit früh-

und spätgothischen Wappen.


1920. GoDie Waldstattfahne. thische, rechts aufsteigende schwarze Raben, Feld dunkelrot. Eigener Entwurf.

Der letzte der 14 bekreuzten Pflastersteine der sog. "Freiheit", mit denen die klösterliche Gerichtsbarkeit gegenüber dem Dorf abgemarcht .;. _ _ war, ungefähr 10Meter vor der Gymnasiumstüre westwärts. (Siehe M. Ochsner "Ein geschichtlich denkwürdiger Stein", in "Feierstunden" 1930). Einsiedler Gerichtsscheibe 1592. In der Mitte der Gerichtssaal, Gerichtsobmann, Gerichtsschreiber, Richter, Gerichtsweibel. Darüber folgender Spruch: ,,0 Richter Stand Dem Rechten bey Alles Ob Hüt der Jüngst tag Sey Dan Wie du wirst Richten mich Also wird Gott Urtheilen Dich". Wappen alter Einsied'er Geschlechte : Zingg, Ruohstaller, Reimann, Lienhart, Grätzer, Füchsli, Birchler, Kott. Ueber wichtige Gerichtsfragen geben rechtsgeschichtliche Werke von Dr. P. Odilo Ringholz (Marchenstreit), Ständerat Martin Ochsner (Pastoration, Manuskript im Bezirksarchiv), Staatsarchivar A. Dettling (Hexenprozesse), Kanzleidirektor johann Baptist Kälin (Brüel), Kanzleidirektor Martin Styger und Redaktor Dr. Dom. Styger (Beisaßen) Aufschluß.


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B端rger~ W'appen der

Waldstatt Einsiedeln U>iftr

1883


Die häufigen Großbrände (1029, 1226, 1465,1509 und 1577) siehe Schillings Chronik, von denen Einsiedeln heimgesucht wurde, sind schuld daran, daß die tausendjährige Waldstatt verhältnismäßig sehr wenig Altertümer besitzt. Die letzte dieser großen Feuersbrünste vernichtete auch das Archiv, in dem die Taufbücher aufbewahrt lagen. Es war ausgeschlossen, sie zu rekonstruieren. Als Ersatz legte man ein ungefähres Stammbuch an, das die Bürgergeschlechter kurz vor und um 1600 verzeichnete. Die Sammlung des Bezirksammanns Martin Gyr vom Jahre 1883 enhäIt folgende Familiennamen. Kurz vor 1600 (seither ausgestorben) Paracelsus von Hohenheimb, Fastnacht, Haug, Bürgt, Conrad, Erler, Heß, Hug, Lütold, Mugerer, Wintz, Wiß, Stadler, Tägersch, Gresch, Krissi, Signer, Suter, Näi, Pfister, Schäffer, Sigrist, Vögtlin, Urikon, Zangger, Albegger, Bariatz, Bek, Bley, Bok, Eisenhut, Locher, Schlosser, Schmid, Schmeltzler, Mathias, Zulper, Scherer, Glarner, Käser, Kegolt, Koller, Müller, Kruß, Bürgisser, Landmann, Gabelschüch, Zwifel, Wenk, Furrer, Vogt, Küri, Krauh, Oeler, Keiser, Weibel, Schnelli, Velder, Bär, Polt, Kunrad, Kindelrnann, Liefer, Spältig, Doppelstein, Bucher, Kneller, Horgenberg, Brennmoos, Rütimann, BIöwer, Metzger, Bußelmann, Unter der Silen, Suler, ab Schwende, in der Au, Vögli, Wiger, Isenmann, Gottschalk, Bernard, Edelmann, am Böugen, Ottli, Ulrich, Zoller, Müelich, Holzmann, Moßmann, Heinzi, Ustrer, Gresli, Ros, Bitschner, Schwiter, Wägi, Bötschli, Gärcher, Erni, Mangolt, Vinko, Kemnater, Wuyger, Wetzelsperger, Welti, Hinterberger, Happacher, AlbenthaI. Kurz nach 1600: (ausgestorben oder ausgewandert) Abegg, Bodenmüller, Brunner, DistIer, Heuberger, Jütz, Kümin, Laufenberger, Tschümperli, Weber, Werner, Willi, Wißrnann, Zimmermann, Fisch. Ab 1883: Bachmann (Bürgeraufnahme um 1500), Benziger (1584), Bingesser (15 .. ), Birchler (1331), Bisig (1331), Eberli (1331), Effinger (1520), Fuchs (1230), Füchsli (1331), Grätzer (1356), Gyr (1520), Hensler (15 .. ), Käli (1319), Kaufli (15 .. ), Kengelbacher (1690), Kuriger (1331), Kürzi (1331), Lacher (1331), Lienert (1500), Lindauer (15 .. ), Nauer (1590), Ochsner (1311), Oechsli (1470), Outry (1871), Petrig (15 .. ), Reimarm (1384), Ringli (1356), Ruostaller (1331), Schädler (1356), Schönbächler (1331), Steinauer (1331), Theiler (15 .. ), Trinkler (1500), Weidmann' (1356), Wiekart (15 .. ), Wiser (1584), Wyß (1230), Zehn der (1331), Zingg (1431), Zogelmann. Der gleiche Sammler stellte aus Siegeln, Stichen, Gemälden usw. die Wappen zusammen, konstruierte dann und wann auch eines. Sein Wappenbuch wurde von Dr. J. c. Benziger revidiert und von Dr. j. von Tscharner gezeichnet und gemalt (Schweizer Archiv für Heraldik, 1915, Nrn. 2 und 3). Um 1910 schnitzte sie der genannte Sammler in Holz und der Statuenmaler August Kälin kolorierte sie nach alter Manier. Dem ist beizufügen, daß einzelne Familiennamen falsch überliefert sind. Namen, die mit e schließen z. B. Kürze, Eberle usw. endigten ursprünglich mit I. Die Namen mit .In" am Schlusse, verweisen auf das weibliche Geschlecht z. B. Kälin, Oechslin, Füchslin usw. Sie sind gleichbedeutend wie die Grätzerin, Ruostallerin, Birchlerin, Henslerin, Gyrin usw., statt die Frau des Grätzers, des Oechsli, des Käli, des Füchsli, des Gyr usw. Von mehreren Geschlechtern bestehen Wappenvarianten jüngern Datums. Die einfachsten sind die ältesten An den Zutaten, die bisweilen willkürlich sind, erkennt man die jüngern Wappen. Inbetreff Familienzahl stehen folgende Geschlechter an der Spitze: Käli 687=35,4%, Schönbächler 119=6,1%, Ochsner 115=6%, Birchler 100=5,2'/0, Bisig98=5,1 %, Gyr93=4,8%, Zehnder 73=3,8%, Grätzer 65=3,4% usw. (Zählung 1934).


Bühnenbild' der Landsgemeinde am Rotenthurm vom 6. Mai 1838. Landammann Theodor ab-Yberg hat das Wort. Statthalter Fridolin Holdener erhebt das Schwert, um den Zwieträchtigen den Landesfrieden zu gebieten. Auf der Bühne stehen ferner Bezirksammann joachirn Schmid, Säckelmeister Fischlin, Landammann' Nazar von Reding, Bezirksammann Mathias Gyr, Statthalter Diethelm usw. Im Hintergrund der Kantonsläufer in der Amtstracht. Die Sorge um wirtschaftliche Interessen der Horenpartei (Großviebesitzer) einerseits und der Klauenpartei (Kleinviehbesitzer) anderseits hatte seit Jahren Zwietracht im Lande verursacht. Die Klauenpartei verlangte Erleichterungen in den Viehauftriebsrechten. Frage und Antwort wurden schließlich an jener Gemeinde mit Reiteln, Steinwürfen und Faustschlägen besiegelt, ohne daß damit Ungerechtigkeiten beseitigt gewesen wären. Die Parteibildung war mit Politik verpfeffert und darum verschärft worden. In beiden Lagern spielte Einsiedeln eine Rolle. Das Kloster mit dem ausgedehnten Großviehbesitz hatte sich der Horenpartei, die Kleinviehbesitzer im Dorf der Klauenpartei verschrieben. Bild nach dem Original von Martin Disteli.


Die sog. Maiengemeinde.

Das Handmehren.

So begleitete unser Landesschreiber gen. Landschreiber den Rat am Namenstag des Fürstabtes in die Abtei . zum Gratulieren. Um 1820. Simpelfransen, . Vatermörder, weiße Halsbinde mit Fächerkravatte.

Linoleumschnitt

von M. Zehnder.


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Der Bezirksrat an der zweitletzten Maiengemeinde um 1904. Dieses Bild zeigt das letzte offizielle Gesicht nicht mehr gegenwärtiger Herren des löblichen Rats. Der offenen Abstimmung folgte das zugänglichere, bequemere und, insofern es ehrlich zugeht, auch rechnerisch zuverläßigere Urnensystem, das, trotz der Mehrkosten, in den Urkantonen Fortschritte machte. Es schließt aber gewisse, mit der alten Abstimmungsform verbundene Ueberlieferungen aus, vorab "das freie Wort am rechten Ort", dessen Wert unbestritten ist. Die Kirche weiß ja auch, warum sie die Sonntagspredigt nicht durch ein Cornmunique ersetzt. Das Urnensystem schaltet den Einfluß des Redlichen und Tüchtigen auf den Staatshaushalt, dem des Müßigen und Unfähigen gleich, da der Stimmzettel entscheidet. Es ist Geschmacksache, ob man auf die geheime Abstimmung hin einem unbekannten Zeitungsschreiber oder vor dem öffentlichen Handmehren dem sichtbaren Gemeinderedner gehorchen wolle. Der Ausschluß der Rede im entscheidenden Augenblick wird seither allerdings durch die Veranstaltung aufklärender Parteiversammlungen kompensiert. Es ist aber doch zu sagen, daß die Parteiversammlungen im günstigsten Falle einen Zehntel der Stimmenden vereinigen. (Stimmberechtigte rund 2300, Stimmende nur ausnahmsweise mehr als 1600, Versammlungsbesucher 100 bis 160.) Ferner ließe sich darüber reden, ob die offene Abstimmung oder das Urnen system mehr bürgerliche Reife voraussetze. Jede morsche Dynastie kann z. B. eine Urnenwahl veranstalten, weniger leicht eine Wahlgemeinde. An der alten Maiengemeinde hatten auch die Frauen Gelegenheit, von öffentlichen Anliegen, in denen sich individuelle Sorgen manchmal als Gemeinschaftssorgen entwickeln, eine Nase voll zu nehmen. Trotz alledem wird der Urnengang gegenüber dem Gang zur Gemeinde das Feld behaupten. Wir rechtfertig en diesen Rückblick mit der Erwägung, daß das offene Ratschlagen und Abstimmen an der öffentlichen Gemeinde die fundamentale Form der urschweizerischen Demokratie ist. Die Waldleute huldigten schon den demokratischen Grundsätzen, als sie dem Untertanenverhältnis noch nicht entschlüpft waren.


Im Anschluß an diese Betrachtung zählen wir die wichtigsten Ereignisse des letzten jahrhunderts und des laufenden auf, die entweder in unsern Marken wurzelten oder von auswärts hohe Wellen schlugen und mit denen sich Rat und Volk lebhaft befassen mußten: 1797-1798 Untergang der alten Eidgenossenschaft (Franzöisches Direktorium, letzte Tagsatzung, Abwehr der Franzosen). 1798 - ]802 Zeit der Helvetik (Helvetische Verfassung, Kampfplatz fremder Heere, Zentralisten gegen Föderalisten, viermalige Verfassungsänderung, Aufstand der Föderalisten, Niederlage der helvetischen Regierung). 1803 - ]813 Mediation (Mediationsakte Napoleons, Bockenkrieg, Marsch der Alliierten durch die Schweiz, Aufhebung der Mediationsverfassung, Hungerjahre). 1814-1830 Restauration (Langwierige Verhandlungen über eine neue Verfassung, Eintritt Wallis, Neuenburgs und Genfs in die Eidgenossenschaft. Ewige Neutralität der Schweiz, Bundesvertrag der 22 Kantone, liberale Reformen in einigen Kantonen). 1830 -1848 Politische Wiedergeburt (Sieg demokratischer Bestrebungen, Teilung des Kantons Schwyz, Siebnerabkommen und Sarnerkonferenz, Einigung der 6 Bezirke, Klauen- und Horenstreit, Ablehnung der Revision der Bundesverfassung, Badener Artikel, Verwicklung mit dem Auslande, Klosterfragen, Berufung der Jesuiten, Freischarenzug, Sonderbund, Annahme der neuen Bundesverfassung). . 1848 bis heute. Die Schweiz als Bundesstaat (Erste Bundesversammlung, Vereinheitlichung der Post, des Zolles und der Münzen, Neuenburger Handel, Verbot der fremden Kriegsdienste, Savoyer Handel, Erweiterung der Volksrechte in den kantonalen Verfassungen, Teilrevision der Bundesverfassung (Judenartikel), militärische Besetzung der Grenze im deutsch-französischen Kriege, kulturkämpferische Anläufe, neue Bundesverfassung, Entwicklung der Industrie, Verfassungsinitiative des Volkes, Rückkauf der Eisenbahnen," kantonale Verfassungsrevision, Vereinheitlichung des eidg. Rechts, eidg. Zivilgesetzbuch, Urnenwahl, Proporz des Kantonsrates, Revision der eidg. Militärverordnung, Etzelwerk, Auswirkungen des Weltkrieges). Wer zählt die Protokolle, Erlasse, Flugschriften, Zeitungsartikel und Reden, die über das Hin und Her dieser Ereignisse Aufschluß geben? Wer weiß erst über die kleinen Erlebnisse Bescheid, die nirgends protokolliert werden, obwohl sie manchmal typisch sind? Hier die Namen der Bezirksarnrnänner, die im Gewühl jener Zeitabschnitte gestanden sind. Sie waren Erkorene des Volkes, Träger der Verantwortung, Mitarbeiter am initiativen Schaffen, Genießer der Freuden und Leiden, ehrenamthalber mager bezahlt, aber dennoch mäßig gelobt und stark kritisiert: 1803 Kälin josef Meinrad, 1805 zum I 1840 Birchler Dr. Adelrich zum 2. Mal 2. und 1807 zum 3. Male 1842 Gyr Mathias zum 4. Mal ]809 Benziger josef Karl, Vater 1844 Benziger Mathias 1811 Gyr Augustin 1846 Kälin Meinrad (bei St. Ida) 1813 Kälin josef Meinrad, 1815 zum 1847 BirchlerDr.Adelrichzum3.Mal, 5. Mi:!1 1848 zum 4. Mal 1817 Benziger josef Karl zum 2. Mal 1849 Wyß Plazid Martin 1819 Kälin josef Meinrad, 1821 zum 1850 Wyß Plazid Martin 7. und 1823 zum 8. Mal 1852 Kälin Jakob josef 1825 Kälin Maurus, 1827 zum 2. Mal 1854 Birchler-Wyß Dr. Thomas 1829 Benziger josef Karl, Sohn, 1831 1856 Benziger Mathias zum 2. Mal 1858 Bisig Peter 1833 Gyr Mathias, 1835 zum 2. Mal 1858 -1860 Bisig Peter 1836 Birchler Dr. Adelrich 1860-1862 Birchler Alois 1838 Gyr Mathias zum 3. Mal 1862-1864 Bisig Peter

.'


'1864-1866 1866-1868 1868-1870 1870-1872 1872-1874 1874-1876 1876-1878 1878-1880 1880-1882 1882-1884 1884-1886 1886- 1888 1888- 1890 1890-1892 1892-1894 1894-1896 1896 -1898 1898-1900 1900-1902

Birchler Karl Dr. Kälin Arnold Birchler Kar! Dr. Benziger Adelrich Birchler Karl Dr. Kälin Arnold Dr. Steinauer Alois Birchler Karl Dr. Eberle Eduard Ochsner Adelrich Steinauer Alois Gyr Martin, Vater Eberle Adelrich Eberle Adelrich Lienhardt Franz Dr. Eberle A delrich Wyß Heinrich Lienhardt Franz Dr. Oechslin Konrad

1902-1904 1904-1906 1906-1908 1908-1910 1911 1912 1912-1914 1914-1916 1916-1918 1918- 1920 1920-1922 1922-1924 1925 1925-1927 1927-1928 J 928 - 1930 1930-1932 1932-1934 1935-

Oechslin .Conrad Kälin Meinrad Kälin Meinrad Ochsner Martin vakat Hensler Kar! Rickenbach Heinrich Kälin jos. Maria Kälin jos. Maria Kälin Arnold Kälin Karl Kälin Adolf Kälin Adolf Gyr Karl Gyr Karl Blunschy jos. Dr. Eberle-Birchler Kar! Eberle-Birchler Karl Lienert Emil

Die Budjet- und die Rechnungsgemeinde des Bezirkes finden nach wie vor in der Schulhauskapel1e statt. Im jahre 1933 betrugen die Betriebsausgaben der Bezirkskasse Fr. 209.627.47, die der Schulkasse Fr. 129.918.53, die der Armen- und Waisenhausrechnung Fr. 156.150.98, die der Armenkasse Fr. 85.160.09, die der Feuerwehrrechnung Fr. 14.660.70. Der Steuerfuß bewegte sich in den letzten 20 jahren von 13 bis 15 Promille. Die Inventur des gesamten Bezirkshaushaltes pro 31. Dezember 1933 zeigt an Aktiven Fr. 738.964.12, (Unproduktive Gebäude, Mobilien, Maschinen und Geräte, 1.- Fr. pro memoria), an Passiven Fr. 1.029.191.75, somit eine Schuld von Fr. 290.227.63 Als man im jahre 1927 zum ersten und seither zum letzten Male die Steuereinschätzung al1er Steuerpflichtigen des Bezirkes nach Vermögen an Grundund Kapitalbesitz drucken ließ, als wollte man den seit 1915 unaufhaltsam fortschreitenden Abstieg der finanziel1en Leistungsfähigkeit illustrieren, zeigte sich, summarisch dargestel1t, folgendes Bild: Steuerpflichtige mit über einer halben Million steuerbarem Vermögen, juristische Personen 4 (Kloster, Benziger 82 Co., A. - G., Genoßsame Dorf - Binzen, Spar- und Leihkasse), natürliche Personen 1. Von total 44 juristischen Personen versteuerten 12 über Fr. 100,000,- , al1eim Dorf. Natürliche Personen mit über Fr. lOQ,OOO.zählte man 21 im Dorf und 1 auf dem Lande (Viertel). Die juristischen Personen versteuerten zusammen rund 9 Mil!. Fr., die selbständigen Geschäftsleute al1er Art zusammen rund 4 Mil!. Fr. Ungefähr 550/0 al1er Steuerpflichtigen versteuerten nur den Kopf. Der Steuerertrag promille konnte im Durchschnitt der letzten 2 jahrzehnte auf rund Fr. 18-20,000.- geschätzt werden. Die öffent!. Lasten werden also zur Hauptsache von einer verhältnismäßig kleinen Zahl steuerpflichtiger jurist. und natürlicher Personen getragen. Das große Uebergewicht liegt im Dorf, wo das Erwerbsleben aus erklärlichen Gründen am lebhaftesten pulsiert. Das Bedenklichste für den Bezirkshaushalt ist, daß die Vermögensbildung in nächster Zukunft fast ausgeschlossen sein wird.

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Der Läufer .in guter Form". Um 1830. Bis in die 60er Jahre gab der . Läufer, von einem Trommler begleitet, arn Sonntag nach der Pfarrmesse auch die amt!. Erlasse durch Ausrufen bekannt. Eig. Skizze.


Armenleutevogt (Bettelvogt) und Näpeler (ausgedienter bettelnder Neapolitanersöldner). Um 1840. Der Bettelvogt trägt die bürgerliche Mannstracht jener Jahre.

Taufete. Götti, Gotte, Hebamme mit dem Wickelkind. Die Hebamme trägt ein weißes Häubchen. Gegenwart.


Apsis der St. Benediktskapelle auf dem Friedhof im Winter. Kapelle und Beinhaus sind Eigentum des Bezirkes. Jene wurde im Jahre 1925 unter der Leitung des Prof. Dr. Linus Birchler von der" Gesellschaft der geistlichen Spiele" aus einem Teil des Uebererlöses von der Aufführung" Calderons Welttheater= vorteilhaft restauriert. An den Innenwänden befinden sich zahlreiche Votivtafeln von Einsiedler Geschlechtern. Die alten Friedhofmauern berührten die Kapelle an den Seiten und verliefen nordostwärts im Rechteck.

Die Leidleute beten an 4 Sonntagen nachmittags 1 Uhr den schmerzhaften Rosenkranz. Sie bewegen sich, die Männer an der Spitze, langsam vom "Großen Herrgott" der Ahornallee entlang bis zum Friedhof. Gegenwart. Die Allee ist eine Stiftung des Statthalters Werner Kälin.


Alte Frau betet vor dem Verlassen des Friedhofs noch ein Vaterunser zum Portalgitter der Kapelle hinein. Sie erinnert an die Umsagerin, bei der es Brauch ist, am Schlusse der Betstunde an die Leidtragenden folgende Aufforderung zu richten: "Jetzt noch ein Vaterunser für dasjenige von uns, das zuerst stirbt".

Ruhige Schlichtheit im Südteil des alten Friedhofs. Zehnte Station des Kreuzwegs. Um 1890.

Benziger'sche Grabrnalkultur. Rokoko, von Babel (1715 . bis 98) gemeißelt. Schmiedeiserne Kreuze von unbebanntem Meister. Um die Pflege der neuen Grabmalkunst haben sich Payer und Wipplinger verdient gemacht. Das Kirchhofportal, eine Stiftung Martin Birchler's, stammt von Albert Kürzi. Im neuen Friedhofteil stehen drei Soldatendenkmäler : eines für 4 Internierte der Bourbakiarmee 1870/71, eines für die im Aktivdienst 1914/18 verstorbenen Einsiedler Wehrrnänner und eines für die im Weltkrieg gefallenen deutschen und österreichischen Soldaten, die in Einsiedeln gewohnt hatten.

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Sind das nicht Söldner, die um 1500 herum für große ennetbirgische Pläne geistlicher und weltlicher Herren auf dem Brüel in Einsiedeln piketstehen ? Sie obliegen den nationalen Leibesübungen: Springen von Stand, Steinstoßen, Wettlaufen und Ringen. Sie wurden infolge ihrer gewöhnlichen Verwendung und ihres häßlichen Aussehens in der parlamentarisch. Sprache "Knechte" genannt. Nebenan stehen ein Mönch, ein Feldhauptmann, ein Gesandter und eine hohe Frau. Im Hintergrund erhebt sich das heimelige Kloster. Das Bild spricht aus der Blütezeit des politischen Führers der Eidgenossenschaft Kardinal Mathäus Schinner, jenes raffiniert-geschickten Dolmetschers in römisch-italienischen Machtfragen, der als Diplomat europäischen Ruf erlangt hatte. Die ehrgeizigen, eroberungslustigen und deshalb gefügigen schwyzerischen Unterhändler Landammann und Tagsatzungsabgeordneter Ulrich Kätzi (zuvor Baumeister des Stiftes Einsiedeln), Landammann und Tagsatzungsabgeordneter Martin Fläckli (adelig verheiratet und Gouverneur von Mailand) und Landammann johann Gerbrecht gingen um Knechte einträgliche fremde Pakte ein. Auch die Waldleute mußten jeweilen, wenn auf Beschluß der Tagsatzung die Standesfahne .. ausrückte, ein Kontingent Knechte stellen, die dem kampflustigen und kampfgewandten Schwyzer Harst zugeteilt wurden. Einige Geschichtsschreiber erklären, das Söldnerwesen (Reislaufen) sei als Erwerbsfrage und Bevölkerungsregulator damals so notwendig gewesen, wie um 1870 die Auswanderung in überseeische Länder und nachfolgend die Entwicklung der Industrie als 'großer Faktor der Arbeitsbeschaffung. Diese Behauptung trifft kaum im vollen Umfange zu, beklagten sich doch, hauptsächlich im 16. Jahrhundert, Handwerksmeister und Bauern manchmal, sie fänden keine Gesellen und Feldarbeiter, da die jungen Männer es vorzögen, dem berufsmäßigen Waffen dienst zu fröhnen oder zu faulenzen. Auf jeden Fall wirkte sich die "Notwendigkeit" des' Reislaufens für die Soldknechte und ihre Familien häufig schlecht genug aus; denn oft blieben ihnen die fremden Kronen lange den Sold schuldig. Es waren beispielweise auch grosse Soldsorgen, deretwegen während der Tagsatzung um 1508 (siehe Schillings Chronik) ein Harst Knechte, wie sie abgebildet sind, in Einsie-


deIn Quartier bezogen und sich üppig bewirten ließen, bis die erwarteten Geldtransporte. mit kaiserlichen Abgeordneten an der Spitze, eintrafen (siehe Schillings Chronik). Auch französische Unterhändler waren erschienen und ließen Geld fließen. Oft gaben die Soldschulden sogar unmittelbar Anlaß zu einem Raubzug in fremde Länder oder zum Abschluß einer Kapitulation mit einem Gegner des Schuldners oder zur Verweigerung einer vom Schuldner begehrten Kapitulation. Beim Auf- und Abwägen der Vor- und Nachteile des Söldnerwesens darf Folgendes nicht übersehen werden: Die Eidgenossenschaft verdankte ihm ihre fast unerschütterliche militärische Vormachtstellung gegenüber jedem andern europäischen Staatswesen jene Vormachtstellung wurde aber, allerdings nur mit einem gewaltigen Uebergewicht an Streitkraft, gebrochen, als der Versuch der Eidgenössischen Diplomatie versagte, die Pläne der alten Stände (Orientierung nach Süden) und die der westlichen Stände (Orientierung nach Westenl am Vorabend von Marignano unter einen Hut zu zwingen. Sachlage: Kaiser Franz I. von Frankreich lagerte im September 1515 mit 60.0CO Verbündeten bei Marignano, 13.000 Eidgenossen der innern Stände lagen in Mailand, 12000 Eidgenossen der westlichen Stände waren in Domodossola im Begriffe, den Rückmarsch über den Simplon anzutreten, weil die Unterhändler Franzens den Hauptleuten dieser Fähnlein eine große Abzahlung von alten Soldschulden zugesichert hatten. Trotzdem die Unterhandlungen Franzens in der gleichen Frage auch mit den in Mailand lagernden Eidgenossen im Gange waren, blieb Kardinal Schirmer der eingefleischte Feind der Krone Frankreichs. Er betrachtete deren Abzahlungsversprechen mit Mißtrauen und verfolgte weiterhin seinen großen Plan, die ganze eidgenössische Militärmacht einzusetzen, um die Lombardei von den Franzosen zu säubern und sie der nach ihr spähenden rörnisch-rnailändischen Herrschaft zurückzugeben. Er wollte deshalb um jeden Preis so rasch wie möglich eine Entscheidungsschlacht einleiten. Das französische Heer sollte im Lager überrumpelt werden. Das gelang allerdings nur mit Hilfe eines aussergewöhnliehen, aber verhängnisvollen Führerstreiches. Er ließ einen Scheinangriff auf die eigene, unter Feldhauptmann Winkelried stehende Vorhut ausführen, um den plötzlichen Aufbruch der innern Stände in die Schlacht zu forcieren und um die westlichen Stände zur sofortigen Umkehr zu veranlassen. Wohl entspann sich sofort eine Riesenschlacht, aber die notwendige Hilfe der westlichen Stände blieb aus' Der eidgenössische Militärstaat wurde in 2 bis 3 Tagen vernichtet. Der mit ausgeklügelten Mitteln vorbereitete Zug Schirmers im Frühling 1516 über den Brenner in die Lombardei, zum Zwecke, Mailand zurückzuerobern, zersetzte die eidgenössische Militäreinheit vollends, da auf jenem Zug Uneinigkeiten über den Kriegsplan enstanden (man wollte sich entgegen der Absicht Schirmers zuerst an Venedig rächen) worauf ein Fähnlein nach dem andern meuterte, auf eigene Faust hauste und schließlich aufgelöst in die Heimat abzog. So greift denn die Geschichte des Urstandes Schwyz in die interessantesten Schiksale der Eidgenossenschaft hinein, ja, sie berührt sogar zwei Extreme: Kühle Gelassenheit gegenüber dem Kirchenbann in eigener Sache und Schwur auf das juliuspanner für fremde Pläne. Warum dieser militärische Exkurs anhand des obigen Bildes, wird der Leser fragen? Weil der Urstand Schwyz, dem wir Waldleute untertänig waren, in Verteidigungs- Eroberungs- und Kapitulationsfragen häufig nicht nur das maßgebende Wort sprach, sondern seinen Willen auch bis zur Tat durchsetzte. Um etwas vom Militärwesen aus der Periode des Repetiergewehres zu sagen, sei hier erinnert, daß im jahre 1884 von 19 Offizieren des Füsilierbataillons 72 (Ausserschwyz) deren 14 Bürger von Einsiedeln-Dorf waren. Dieses Verhältnis ist seit der Zentralisation des schweizerischen Wehrwesens im jahre 1874wahrscheinlich nur einmal nachweisbar. In den ersten drei Vierteln des letzten Jahrhunderts, hauptsächlich aber in den vorangehenden jahrhunderten war die Zahl der Offiziere in den äussern Kantonsteilen klein. Sie beschränkte sich, wenigstens im 17. und im 18. jahrhundert hauptsächltch auf die Pannerherren. Das alte Land mit seinen zahlreichen tüchtigen Patrizierfamilien, aus denen die Berufsoffiziere hervorquillten, war immer in der Lage, das Offizierskorps mehr oder weniger aus Privileg, lückenlos zu besetzen. Wenn man die Fremdendienste miteinbezieht geht z. B. die Zahl der Offiziere allein .des Geschlechtes der Reding seit Rudolf Reding (1539 - 1609) weit über die Hundert hinaus. Ein Chronist behauptet irgendwo sogar, daß die Zahl der in den Hugenottenkriegen gefallenen Offiziere aus dem Geschlechte der Reding um die Hundert betrage. Dettlings Chronik zählt allerdings deren nur etwa 37 mit Namensangabe auf. Von den Geschlechtern der äussern KantonsteiJe steht inbetreff Zahl der Offiziere vermutlich dasjenige der Gyr an der Spitze. Es sind deren seit 1640 bis heute 32 namentlich nachweisbar. Die Forschung von 1874 rückwärts ist aber sehr lückenhaft. Es bedarf jedoch keiner anderri' Zahlen, um die unermeßlich bedeutendere militärische Rolle des alten Landes im Vergleich zu derjenigen der äussern Kantonsteile zu beleuchten.


Gutgelaunte Stutzerschützen nach dem Ansehießet. Um 1865. Steife, hellbraune und graue "Goggs", Jagdtasche aus Leder, Röcke mit Samtkragen.

Zeiger der Schützenvereine in roter Mütze und Bluse, die Kelle geschultert. Aquarell von Meinrad Bisig.

Oeffentliches Preiskegeln. Neben jeder Bahn war eine mit Wasser gefüllte Stande zum Netzen der Kugeln aufgestellt. Nach einem Inserat um 1880.


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Umzug der Sennengesellschaft um 1700. Sie versammelte sich beim Brüeltor, zog feierlich in die Kirche zum Sennenamt und wandte sich nachher fröhlich dem Wirtshaus zu. Nachher zog sie im Dorf herum, in der Regel von Wirtshaus zu Wirtshaus. Der Fähnrich schwang fortwährend die Fahne. Eigene Rekonstruktion. Zeichnung von A. Bader.

Der halbamtliche Ausrufer. Tuchmütze mit Messingbeschlag, Gehrock. Nach einem Inserat um 1865.


Engelweiheochs des Stiftes im Jahre 1783. Knechte mit Hellebarde, ein Knabe mit dem Horn, der Käufer. Kostümstudie. Nach einem alten Stich.

Metzgergeselle führt den bekränzten Osterochsen in den Dorfstraßen herum. Um 1880. Metzgergugäle (hochgerundete Tuchkappe), Schurz, RohrstiefeI, Stahl.


Gäuerle,

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Stägröfmusig. Nach einem Tanzinserat um 1860.

Stegreifmusikanten auf der Geigenbank (Baß, Geige, Klarinett und Handorgel). auf der Tanzdiele. Aufwartmädchen an der Wand. Um 1870. Eigene Rekonstruktion. Zeichnung von A. Bader.

Gäuerler


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Mädchen in der Festtagstracht. Spitzenhaube mit Coiffli, dieses . mit farbigen Perlen geschmückt und goldbestickt, seidenes, dunkelrot gespiegeltes Halstuch, goldbestickter Vorstecker, bestickte Bänder um die Pumpärmel des Leinenhemdes. langer dunkelroter, fein schwarzgestreifterWollrock (Beiderband), enggestreifter Seidenschurz, weiße handgestrickte Strümpfe mit Muster, schwarze Schnallenschuhe. Eigenes Modell.

Wir kennen sie aus der Prozession. Hier gehen sie an die Kirchweih. Junge, puspere Leute freuen sich lange voraus auf den Kirchweihtanz, wo er "sie" und sie "ihn" endlich zu treffen hofft. Bei der warmen Paarung

kann sich gelegentlich auch ein alter Junggeselle verjüngen und Heiratsgedanken bekommen. Sobald das "Verhältnis" im Kreise der Jungen, die den Alten nichts mehr zumuten; ruchbar wird, stecken sie dem Kandidaten nachts eine ~Maienfrau " aus Stroh ins Fenstergesims der Wohnung oder auf den Dachgrat, und ihr, der Heiratswilliaen, einen "Maienmann".


Besetzung der Ländlermusik (der sogen. Hudelimusig). Der Ländlerkönig Inderbitzi und drei Generationen Fuchs. Trompete zum Kuckuck. Sie ist eine vorlaute Wichtigtuerin, die ins Feld gehört. Schämte man sich der Handorgel? Der Tanzschenker um 1880. Eigene Skizze.

Alte Gastwirtin zur Zeit des Sonderbunds. Auf dem Gesicht spiegelt sich die Hingabe an familiäre und berufliche Obliegenheiten ab. Diese Frau hat die lebhaften Dispute über die Freischarenzüge 1844, den Sonderbundskrieg 1847 und schließlich über die nachfolgenden wichtigen eidgenössischen Verfassungsfragen mitangehört, die die Waldleute teils begrüßten, teils entschieden ablehnten. Der Versuch, neuen Verfassungsgrundsätzen Eingang zu verschaffen, erzeugte Druck und Gegendruck, und es kam vor, daß politische Führer zu Tisch den Degen unter das Gesäß legten, um ihn nötigenfalls gleich bei der Hand zu haben. Nach der Abstimmung über die neue Bundesverfassung im Jahre 1848, die vom Schwyzervolke allerdings verworfen wurde, legten sich die politischen Wellen auch in der Waldstatt. Loben wir das Gute, beklagen wir das Böse jener Jahre, in denen das Schicksal der neuen Eidgenossenschaft geschmiedet wurde. Denken wir daran, daß Entscheide über so viele Rechte und Pflichten, wie sie in einem Verfassungswerk verankert sind, auch in Zukunft nicht reibungslos gefällt werden, ganz abgesehen davon, daß in unserer Demokratie, die edle Gesinnung leicht durch billiges Geschrei entweder vermischt oder ausgeschaltet werden kann.


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joheen, Mummerien und Bajassen bilden am Fastnachtdienstag die Zugsordnung.

Aufzug der joheen, Mummerien und Bajassen durch die DorfstraĂ&#x;en.


Buben tragen die Mütschli in Säcken zur Bühne.

Beim Brotauswerfen auf einer Bühne am Spitalplatz. Die; Menge reckt die Hände empor.


Leben und Treiben auf der Brügi. Das Mütschli des Mummeries fliegt haushoch in die hintersten Reihen der Menge. Der Johee befriedigt die heißen Wünsche der Nahestehenden.

Johee und Mummerie, mythologische Figuren.


johee beim Weitwurf. Auch die Hintersten in der Menge bewerben sich um ein M端tschli.

Der .lohee mit der Senntentrychle.


...

Arme Frauen und Kinder rufen "i mir eis!"

Ein Mütschli vom Johee empfangen schmeckt besser als das tägliche Brot. Unter dem Lismer gefangene Mütschli. Das trifft auch vom Soldaten brot zu, um das sich Buben und Mädchen vor der Kompagnieküche jeweilen bewerben.


Holzlarven

der joheen und Mummerien. Man kennt die ungeschickten Nachahmungen auf den ersten Blick.


Maske und Kopfbedeckung des Hörelibajassen, um 1800 .Harligatng'' genannt (vorn französischen arlequin) Ein beweglicher, aufgelegter Maitlischmöcker.

Die Gangart des johees. Wippend.' Eig Skizze.

Domino aus Persiane des 19. jahrhunderts. Eigene Skizze.

Mummerie des 17. jahrhunderts. Tänzelnd. Eigene Rekonstruktion.

Hörelibajaß des 19. jahrhunderts. Eig. Skizze.


Zwei Süühudi mit Sententrichlen.

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So rasseln die Süühudi, mit altem farbigem Plunder verkleidet und Lärminstrumenten aller Art ausgerüstet, an ihrer Spitze der Teufel, die Dorfstraßen auf und ab und kreuz und quer. Man beachte die hohen Dominozipfel, die aus dem mittelalterlichen Süden überliefert sind. Von al1enFastnachtsgruppen verkörpern die Süühudi

die Bedeutung des Begriffes "Fastnacht" bezw. "Fasnacht" am eindringlichsten. Fasnacht soll von" faseln" abgeleitet sein, gleichbedeutend wie Schabernack, Ulk treiben, ausgelassene Bewegungen machen usw. In unserer Mundart erinnert "fasein" an die landläufige Bezeichnung für einen Wurf Milchschweine, die Faselschweine genannt werden. Die Faselschweine sind der Muttermilch erst kurz entwöhnt, sie werden aber immer noch mit Milch aufgezogen. Weil sie in den Beinen erstarkt sind, führen sie durcheinander tolle Bewegungen und Sprünge aus. Darum sagt man auch von halbgewachsenen, übermütigen Burschen, die zu al1enStreichen und Possen aufgelegt sind, sie stehen im .Faselalter". Ueberzeug-ender ist die Auslegung, daß Fastnacht "Vorabend der Fastenzeit" bedeutet.


ISelbstgemachte Süühudilarven aus Sagmehl und Abfallpapierstreifen.

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Zugsordnung beim Begraben des Pagats. Trommler, Laternenträger, Männer mit Pickel, die Pagätträger, auf der Bahre den Pagat, Männer mit Schaufel, die traditionellen Süühudi in Gruppen. Eigene Rekonstruktion. Pinselzeichnung von Meinrad Zehn der.


Herrschaftslandauer mit Hochcoupe für den Fremdenverkehr von und nach Richterswil. Um 1840. PostilIon zu Pferd. Stallknecht in langer weißer Bluse und Zipfelmütze. Aufgang und Stallungen zum "Pfauen". 4 - spännige Schwyzerpost. Landauer in den Postfarben mit Hochcoupe, PostilIon in der vereinfachten Turn- und Taxisuniform : Breitrandiger, flacher, steifer schwarzlackierter Hut mit Silberband und Posthörnchen, blauer Frack mit roten Aufschlägen, rote Weste, gelbe Hirschlederhose, Rohrstiefel. Neben ihm der Postkondukteur in steifer, blauer Stoffmütze, blauem Gehrock mit rotweißem Kräg. J lein, auf der Brust der -~--=----' silberne Postschild und Gehhose. Die letzte Ordonnanz des Postillonanzuges (bis 1894), setzte sich aus Hut nach obigem Beschrieb, blauem Veston, blauer einreihiger Weste und blauer Gehhose zusammen. Als um 1894 herum die Bahnlinie RapperswilSamstagern und Biberbrücke - Goldau, von der Stadt Rapperswil hauptsächlich gefördert, eröffnet und mit der rentablen Wädenswil- EinsiedelnBahn als Südostbahngesellschaft vereinigt wurde, verabschiedete man den Postwagenbetrieb Einsiedeln-Schwyz-Brunnen, Von der Bahnlinie Rapperswil-Goldau erwartete man einen gesteigerten Verkehr Ostschweiz-Gotthard und den wirtschaftlichen Aufschwung der anliegenden Dörfer Wollerau, Rothenthurrn, Sattel und Steinerberg. Leider hat diese Linie die Erwartungen nie restlos erfüllt und wird sie kaum je erfüllen können. Gegenwärtig prüft der Verwaltungsrat der Südostbahn die Frage des elektrischen Betriebes, die Einsparungen bringen soll.


Vornehmer Zweisp채nner Schlittengatter mit Bedientensitz hinten am Coupe, Bis um 1900 sah man an hellen Sonntagen hin und wieder 5 bis 6 Schlittengatter hintereinander 체ber die glitzernde Schneebahn gleiten. Man nannte das "eine Schlittenpartie machen".

.Schneeschn체tzer" mit 6 Pferden. Der Schneebruch war einst eine strenge Arbeit, die jetzt vom Auto besorgt wird. Vorn junge Bauern im Burnus (Lismer). Sie besuchen den K채lbermarkt vom Samstag. 1880.


Ein eleganter Wirtshausschild. 18. Jahrhundert. Von B irehier und Kälin geschmiedet. DieWaIdstatt verfügte schon im 17. und 18. Jahrhundert über eine ansehnliche Zahl kunstbeflissener Handwerker als Schlosser, Schmiede, Möbelschreiner, Drechsler, Steinhauer, Gießer, Buchbinder, Wachsmodelleure, Maler, Stecher usw. Nach dem freiwilligen Verzicht des Stiftes auf gewisse gewerbliche Monopole konnte sich Handwerk, Gewerbe und Handel im Angesichte guter Vorbilder nach den Grundsätzen der wirtschaftlichen Selbständigkeit entwickeln und vorallem den Eigenbesitz fördern. (Ueber das Kunstgewerbe gibt Prof. Dr. Linus Birchl er's auzgezeichnetes Werk .Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz", Band I, Birkhäuser & Cie. Basel, Aufschluß). Um dem Handwerkerund Gewerbestande auf Hypotheken Darlehen zu gewähren und ihm Gelegenheit zu bieten, Ersparnisse sicher anzulegen, gründeten weitsichtige Männer in den Jahren um 1830 ein Bänklein, das im Verlaufe der Jahrzehnte unter dem Zuspruche des Mittelstandes erstarkte, bis es, beim dritten Namen ,Spar- & Leihkasse' angelangt, imJahre 1929, sehr ange, , ! sehen und außerordent!. gesund, von einer Großbank als begehrenswert entdeckt, gekauft und aufgesogen wurde. Mit der Spar & Leihkasse ist ein dem Volk nützliches Instrument und zugleich ein Beispiel planmäßger Arbeit verschwunden. Die Gründung der Kantonalbank als Staatsinstitut mit Filiale in Einsiedeln erfolgte erst um 1890 und die der Raiffeisenkasse um 1902. Ueber die Geschäftslage im allgemeinen ist Folgendes zu sagen: Die Zahl der Logiernächte (Rentabilitätsfaktor) ist auf die Hälfte gesunken. Vieh- und Produktenpreise stehen außerordentlich tief. Fieberhaft gepflegte Großgebilde getährden die Daseinsbedingungen der selbständigen HandwerksGewerbe- Handels- und Heimarbeitsbetriebe. Der Verkehrswert der Heimwesen und Häuser sinkt deshalb rasch. Restaurieren und Bauen sind angesichts der hohen hypothekarischen Belastungen Wagnisse. Darum haben Handwerker und Arbeiter wenig zu tun. Die Folgen? Der Mittelstand gerät in Not und, da er eine Stütze des Bezirkshaushaltes ist, dieser mit ihm.

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Nachtwächter, in der Amtssprache "Rufwächter". Um 1870. (Eigene Skizze, von Meinrad Zehnder gezeichnet). Sein Nachfolger, der Polizei- und Feuerwächter bietet in den Wirtschaften um halb 12 Uhr Feierabend. • Ein alter Bürgerbecher aus dem 17. jahrhundert, der auf dem Rathaus aufbewahrt ist. Meister unbekannt.


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Braune und weiße Klosterfrauenchräpfli. Schafböcke zu 1 bis 20 Rappen.

Alte Scheibenmodelle in Hartholz gestochen: Flucht nach Aegypten, Eucharistie, Ansicht des Klosters mit Tiervignetten. Die Scheiben (Lebkuchen) werden erstmals um 1550 genannt.


TraditionelIes Brot: Schilt (Foggiser- Brot), Aufgesetztes (Kopf-Brotj.Paarmütschli, Eierzupf und Eierzüpfli.

Neues Bäckerzunftzeichen (Eierkranz, Schilt, abgedrucktes Butterweggli, Kaisersemmel und Bierbretzel). Eigene Skizze.

Wappenschild auf Hüppeneisen. 18. Jahrhundert. Schmissig ziseliert. Die Hüppen waren lange ein Hausierartikel alter Frauen.


Denkmal des berühmten Alchimisten Theophrast Paracelsus, 1493 im Hause westlich der Teufelsbrücke geboren. Roter Findling aus dem Sihlbett bei Hütten. Broncemedaillon von Georg Sonntag, Sohn, Ciseleur. Stiftung eines hiesigen Komitees um 1906.

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Eine der Skizzen des geplanten HeiwiliBrunnens (Meinrad Lienert Denkmal). Nahe und feine Freunde des großen Dichters beschäftigen sich mit der Erstellung eines Brunnendenkmals, dessen Motiv sie aus der Dichtung .Heiwili" (heim will ich) ableiten. Lienert war ein Orakel seiner Heimat. Er galt mit Recht als der originellste Mundartdichter des deutschen Sprachgebietes. Trotzdem sind hier die billigen Serienromane bekannter und begehrter als Lienerts kostbare Lyrik.

Brunnen bei der "Schiff-

lände",

Un-

terdorf. Die Waldstatt gedenkt, ihn ihrem Ehren· biirger Dr. P. Odilo Ringholz zu widmen, der sich um Einsiedeln mit einer Reihe geschichtlicher Forschungen verdient machte. Man beabsichtigt ferner, die Brunnen beim "Haumesser" und vor dem"St. johann" umzugestalten und jenen den Gründern des Einsiedler Buchgewerbes und diesen dem Bruder Kaspar Mosbrugger zu stiften.


Brunnen aus Wassener Granit vor dem alten Schulhause. Eigenes Modell, von Bildhauer Kürzi gehauen. Eine Stiftung. Die Freiheit des Standes Schwyz wurzelt im kleinen sog. "alten Lande", das seine politische Unabhängigkeit im jahre 1315 mit der gewonnenen Schlacht am Morgarten besiegelte. Zur Zeit des Vorspiels jener Schlacht lagen sich Schwyz und das Stift Einsiedeln wegen Marchungsfragen scharf in den Haaren. Nach dem Entscheid am Morgarten scheiterten alle Versuche fremder Mächte, Schwyz unter ihren Hut zu bringen. Es fällt auf, daß die Geschichtsschreibung unsern Volksschulen nicht nur die unvermeidlichen Freiheitskämpfe, sondern auch fakultative Waffentaten, die bisweilen den Interessen fremder Mächte gewidmet waren, besonders ausführlich schildert. Das ist zwar einigermaßen verständlich. Die Kenntnis des Ursprungs unserer Freiheit und der Gründe ihrer nachfolgenden Erstarkung ist eben elementar. Auch können Waffengänge wegen der relativen Einfachheit ihrer Ursache so geschildert werden, daß sie die jugend fesseln. Warum die Schwyzer den angeborenen Sinn für Freiheit, den wir begeistert loben wollen, nicht auch konsequent in jene Gebiete verpflanzten, die ihnen später mehr oder weniger untertänig sein mußten, kann man den Volksschulen schon weniger leicht verständlich beibringen. Die Widersprüche aus der Spätzeit mit ihren komplizierten Verhältnissen zu erklären, bleibt deshalb eher der privaten Geschichtsschreibung vorbehalten, deren Wert wir nicht verkennen dürfen. (Faßbind, Steinauer, Hüsser usw.) An den glücklichen Ausgang eines solchen Ideenzwiespaltes innert den Grenzen unseres Freistaates soll der hier abgebildete Brunnen erinnern, nämlich an die Vereinigung der äussern Bezirke Gersau, March, Einsiedeln. Küßnacht und Höfe mit dem alten Lande Schwyz am 14. Oktober 1833. Die über 40jährige Fehde drehte sich um die staatliche Anerkennung der Rechtsgleichheit aller Bezirke. Am Vorabende des französichen Einbruchs im Frühling 1798 hatte das alte Land den äussern Bezirken die Rechtsgleichheit unter der Bedingung zugesichert, daß ihre wehrfähigen Männer die Heimat an der Seite der Schwyzer verteidigen. Im jahre 1814 ließ das alte Land den Widerruf mit der Begründung ergehen, es habe damals die Zusicherung nur unter dem Druck der Landesnot abgegeben. Die neuerdings entfachten politischen Kämpfe waren vice-versa nicht harmlos. Sie zeichneten sich dort durch hartnäckiges Verharren in der Vorherrschaft, hier durch unnachgibiges Fordern moderner Verfassungsgrundsätze aus. Da alle Einigungsversuche scheiterten, wurde der Kanton am 15.Apri11832 in die Halbkantone lnnerschwyz undAusserschwyzgeschieden. Ausserschwyz hatte sich, die Trennungvoraussehend, eitle eigene Verfassung mit neuen Grundsätzen gegeben. (Bezirksgemeinde, Bezirksgericht, Friedensgericht, [Trennung der Gewalten], Aufhebung der Lebenslänglichkeit der Aemter, bessere Schul- und Armenpflege usw.). Im Angesichte der Gefahr wurden rasch neue Verhandlungen eingeleitet, worauf es endlich am 14. Okt. 1833 nach großen Anstrengungen zu einer Verständigung kam. Mit Recht muß sie als eines der wichtigsten Ereignisse in derGeschichte desKantonsSchwyz angesehen werden.


UEBER

LAND

Sechs Viertel haben je eine Filialkirche und je ein Schulhaus. Hier das niedliche Bennauerkirchlein, 1793 erbaut, das letzte, das um 1895 von größern Kirchenbauten abgelöst wurde.

Filialkirche in Euthal, der "Schmerzhaften Muttergottes" geweiht. Der beste Bau aller Filialkirchen. Von den 6 Vierteln besitzen jalle, mit Ausnahme von Trachslau, auch einen eigenen Friedhof.


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Vorzeichen der Filialkirche in Euthal. Die Sennenmusik von Groß zieht vorbei. Gegenwart.

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Dreifaltigkeitskapelle an der Poststraße nach Groß. Eine Stiftung der Gyr. Sie hatten sich durch ansehnliche Beiträge an die Filialkirche in Groß vom Unterhalt der Kapelle ausgekauft, übernahmen aber um 1920 gleichwoli I die Restauration.


Das Eißenchapeli im Groß. Zur Erinnerung an die Pestjahre gebaut. Stiftung der Kälin. Dieses und vier andere Wegchapeli werden vor der Ueberwässerung des Talbeckens versetzt und der Obhut der Gyr, Kälin, Zehn der, Fuchs und Lienert übergeben.

Kapellchen am steilen Hang des DäsIigs, genannt" Baueletüieli". Elegantes Vordach. Zwei Mädchen, die die Milch in die Hütte trugen, betrachten auf dem Rückwege das Altarbild. 1910.


Schulhaus in Untersyten. Viereckbau mit Kreuzdach. Entspricht mit Ausnahme der Dachform annähernd dem Bautyp der andern Viertelschulhäuser. Nur der Neubau des Schulhauses in Groß, um 1889 aufgerichtet, fällt aus dieser Familie.

Wohnhaus eines Sentenbauernim Dick. Um 1830 erbaut. Gleichschenkliges Mansardenwalmdach. In den 90er Jahren Filiale der Buchdruckerei Benziger. Um 1912 wurden darin Lehrkurse für die Kettenstickerei, um 1920 Lehrkurse für die Korbflechterei gehalten. Die Kettenstickerei ist seither fast eingegangen. Die Korbflechterei hingegen hat sich stark verbreitet und ist eine angenehme Heimarbeit.

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So sieht ein .schatzhalüges" Bauernhaus am Etzel aus. Stockmauer, gewandet, wagrecht verschuppt, Kleb dächer, wuchtiges steiles Satteldach, teilweise gekuppelte Fenster. Vorn sind die senkrecht übereinander gelagerten sogen. Gwättiköpfe sichtbar.

Das geschindelte

Bauernhaus

am Horgenberg.

Häufigster Typus. Gegenwart.


Wohnhaus in der Steinau. Hohe Stockmauer, wagrecht verschuppte Wandungen, Klebdächer, Fälladen, steiles Satteldach. Seltener Typ, der viel persönliches Empfinden eines Euthaler Zimmermeisters verrät. Ein Verwandter des Städtegründers Steinauer, von der Neugierde gereizt, Nordamerika für ein paar Wochen zu verlassen, um seine Familiengeburtsstätte in der alten Heimat zu sehen, steckte die Nase auch nach der Innenkultur dieses ansprechenden Hauses aus. Satis! )

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Gadenhaus mit fortlaufender First in der .Höhli bei Bennau. Die ursprüngliche billigste Bauart, die sich gegen Unwetter und Schneedruck am besten bewährt.

Gaden - Haus des Klein bauern, Satteldach mit Kehrfirst. '


Bauernhaus unter dem Birchli. Sihlseemitte. Turbenstich,Turbenhütte, Turbenbänne und

Stäcklikorb.

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Hausfesti am Horgenberg, hinter der die Nachtbuben den Nebenbuhlern auflauern. Die Festi ist der Wetterseite zugekehrt, verschindelt und nur spärlich mit Fenstern durchbrochen, Guggloch unter der Laube.

Tätschhüsli am Berghang, Klebdächer, breites Satteldach, hinterhalbTrachslau.


Siedlungsgehöft Typ "Sulzel", Komposition der Schweiz. Innenkolonisation. Das Etzelwerk, das als zentraler Kraftspender von nationaler Bedeutung ist, hat den Bezirk Einsiedeln vor neue Fragen gestellt, wie Siedlungsbau, Inkonvenienzenausgleich, Straßenbau, Errichtung von Verbindungsdämmen, Bachverbauungen usw. Der Siedlungsbau ist die wichtigste Frage. Von den ursprünglich vorgesehenen 60 Siedlungen sind deren gegen 25 für Betriebe von 8 bis 12 Kuhesset im SulzeI, auf dem Altenberg und Waldweg errichtet. Schon diese erste Serie ist eine glänzende Leistung zum Ersatz von Teilen des Verlustes an Kulturland. Nachdem es hieß, der Sihlsee müsse kommen, ";1 haben sich weitsichtige Männer 1 aller öffentlichen Fragen mit Verständnis und Ausdauer anangenommen. Der Bund ist der finanzielle Helfer.

Typ "Waldweg". Komposition. der Innenkolonisation.

Typ "AItenberg", Nachbildung der hiesigen Bauart.


Alter, stillgelegter Ziegelbrennofen in Untersyten. Ein ruhender Zeuge des biedern kleingewerblichen Betriebes im 18. und 19. Jahrhundert.

Turbenhütten, genannt Gadenstatt, in der Langmatt. Winter. Zeichnung von L Lan-

denberget.

AlteBienenstände inOberiberg, Groß und Birchli. Einfache Bauformen.Viereckbau unter Kreuzdach, Rechteckbau unter Satteldach und Viereckbau unter Satteldach. Verschalung mit handgemachten rechteckigen Schindeln. Die Zahl der Bienenvölker hat sich in diesem Jahrhundert stark vermehrt. Die Imker sind jetzt, wie die Rindviehzüchter, Geißbauern und Schäfer in einer Standesgruppe vereinigt.


Die heimelige Alpbrücke mit den Rundbogen unter der Anfahrt. Vermittler des großen Fuß-, Reit- und Fahrverkehrs von und nach Richterswil. Um 1865 abgebaut, vermutlich wegen der hohe. vierspännigen Schwyzerpost.Was ennetder Brücke liegt, wird im Volksmund das "Badische" genannt Im Hintergrund die St. Gangulphs-Kapelle Im Vordergrund die freizügige Alp, die seit ungefähr 1880 Stück um Stück eingedämmt wurde. In Bachverbauungen haben Bezirk und Genoßsamen Großes geleistet.

Teufelsbrücke am Etze!. Erster Bau 1111 bis 22. Daneben Paracelsushaus. Beide von Osten gesehen. Gegenwart.

Diese gedeckte Holzbrücke über die Sihl verbindet die Schleichwege der Willerzeller und Großer Nachtbuben. Das Gelände hat fast Urgestalt. Die Holzbrücke wird dem See weichen.


Gedeckte Holzbrücke über die Sihl im Stein bach, An ihre Stelle tritt ein Da-mm, der Stein bach mit Euthal verbindet.

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Gedeckte Holzbrückein Untersyten. Bärtige gehen auf den Gallusmarkt ins Dorf. Ein Kilometer südwärts befindet sich die Staumauer des Sihlsees.

Gedeckte Holzbrücke über die Sihl zwischen Birchli und WillerzeII, wo ab 1936 . ein ca. 1200 m langer Damm stehen wird.


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Steg über die Sihl, der Fußwege von Euthal ins Ybrig hinüberleitet. Die Sihltalberge, voran der Fluhbrig.

Die letzte zweispännige Schlittenpost Einsiedeln - Oberiberg gleitet über dje jessenenbrücke. 1930. Die Brücke macht den Eindruck eines ennetbirgischen Bauwerkes.


Gasthaus zur " Post" in Biberbrücke, nebenan die Stallungen, um 1845 erbaut. Anblickvor

dem ßau der Wä-

denswil - Einsiedeln - Bahn. Zwei gleichlinige Bauten, Kurz- und Langwalmdach, breite gemauerte und verputzte Bogenbrücke über die Biber, eine gesunde alte Spötterin auf rostende junge Eisengerippe. Friedlicher Knotenpunkt des einst lebhaften Post- und Kutschenverkehrs, dessen Originalität durch kein modernes Beförderungsmittel ersetzt werden kann. Hier wechselten die Posten Uznach-

Lachen-Einsiedeln.Wädenswil- Richterswil - Einsiedeln und die jüngere Post Brunnen-Schwyz-Einsiedeln, genannt Schwyzerpost, die Pferde. Die Bahnbauten der 70er und 90er Jahre machten den Postverkehr überilüßig.

So wird der Willerzeller Damm gebaut, der den Sihlsee überbrückt und das Viertel WillerzeIl mit dem Dorf verbindet. Seine Länge beträgt über einen Kilometer. Ein zweiter kürzerer Damm wird vom Steinbach Richtung Euthal gebaut. Der vom Standpunkte des Heimatschutzes empfohlene Vielbogendamm aus flächig wirkendem Mauerwerk, fällt aus technischen Gründen (ungeeigter Boden) außer Betracht.


Sennenf채hnrich und Sennenbuben beim Rathaus vor dem Aufzug des Preisgerichts zur Viehausstellung. Gegenwart. Eigene Skizze.

B체hne an der Viehausstellung. Den Einstellungen der Klassen nach Rang folgt die sogen. Stierenrede und ihr die Preisverteilung. Linoleumschnitt von Meinrad Zehnder.


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Wenn im Frühling der Geißbauer mit den Geißen ins Obersihl und der Schäfer mit den Schafen über den Saaspaß in die Silbern ziehen, machen sie in den Studen einen Atzhalt.lm Herbst holen sie Geißen und Schafe wieder hinaus und führen sie talwärts, an der Spitze das Leittier Tschuup, hinterher der Schäferhund Bari.

Junge Prämienkuh der Schwy'...'" ~_.;.• zer Braunviehrasse. Der Preis ausgeklügelter Zucht. 'Einsiedeln wird im Zuchterfolg nur von einigen wenigen Gegenden wie Innerschwyz, Sernftal, st. gallische Gebiete überflügelt. Ueber die Zuchttiere (Stiere, Kühe, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine) werden Stammbücher mit Eintrag der Punktzahl und der Stall namen geführt. Hierüber gibt meine Sammlung Aufschluß.


Hochalp ·Obersihl am Saaspaß. Typus der gewandeten Sennhütte. Das jungvieh nähert sich. Es sucht Schutz und Schirm vor der herbstlichen Kälte. Die jungfern unter dem Pari dach steigen ins Untersihl hinab. Um 1880. Um die Eigentumsrechte der Alpen auf der Nordseite des Kammes LauibergMiesern-Drusberg-Forstberg-Ibergeregg-Holzegg-Haggenegg stritten sich im 13. und 14 jahrhundert die Schwyzer einerseits und das Gotteshaus Einsiedeln anderseits. Jene stützten sich auf uralte Gewohnheitsrechte, an denen sie nicht markten lassenwollten, dieses auf verbriefte Rechte (Hofschenkugen). In der Erbitterung überfielen die Schwyzer unter Werner Stauffacher in der Dreikönigsnacht 1314 das Kloster und hausten darin übler als Krieger. Sie behaupteten in allem den pracktischen Erfolg, der heute noch augenscheinlich ist. Die Oeffnung des sog. Friedensgrabens im Schützenriet zwischen , Studen und Unteriberg einerseits und Euthal anderseits war eher dasZeichen einer äußerlichen, als einer innerlichen Verständigung. Ein Stamm, der wesentlich von der Viehzucht lebt, ja darin sogar führend ist, mußte schon dazumal arn besten wissen und wird immer wissen, was es bedeutet, viele und gute Alpen zu besitzen.

Sie ziehen auf dem Leiterwagen ins Heu. Davor ein tapferes, gut geschirrtes Fuhrroß, so es unsere jüngsten bald als Rarität anstaunen werden.


Alpabfahrt um 1890. Von Meinrad Zehn der gezeichnet. Nach einem langen Sommer mit viel Sonne und warmen Regentagen zieht der Senn mit seiner Herde befriedigt ins Tal, d. h. insofern kein Geist gespuckt, und der Blitz nicht in die Hütte eingeschlagen hat, keine Seuche ausgebrochen, und _ .~ keine Kuh abgestürzt ist. Die Tiere folgen ''', :. willig der Senntenkuh. Sie vertragen sich "> '" y ~ ~~ jetzt besser, als bei der Auffahrt; als sie sich ;,{~ .~. noch fremd waren. An derViehausstellung werden die Alptiere gesondert prämiert, da I-..o_-:~ -=;;:::u...:~ sie mit ihren wetterstruppen Haaren den Wettbewerb mit den 'gepflegten Heimtieren nicht bestehen können.

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Viehmarkt auf dem Brüel. Im Vordergrund ein Kuhhandel. Gegenwart. Jeden Samstag findet vor dem Gasthaus z. "Bahnhof" ein Kälbermarkt statt, der zwar oft eher der Orientierung als dem Handel gilt. An Lichtmeß wird der erste Groß-Viehmarlet abgehalten. Ihm folgen Ende August der Kirchweihmarkt (Verenarnarkt), Ende September die Vieh ausstellung, anfangs Oktober der Gallusmarkt, anfangs November der Martinimarkt und anfangs Dezember der Klausenmarkt. Der Auftrieb bewegt sich von 200 bis 800 Haupt Vieh, Schafe, Ziegen, Schweine und ein Dutzend Pferde. Wenn kein großer Vorverkauf stattgefunden hat, kann die Zahl der aufgetriebenen Tiere bis 1200· betragen. In der Regel ist der Martinimarkt der wichtigste, weil am 11. November die Hypothekarzinse fällig sind. Der Bauer trachtet zu verkaufen, da er die Zinsverpfichtungen erfüllen möchte. Am Nachmittag der genannten Markttage findet jeweilen auf dem Spitalplatz der Nachmarkt statt.

Dolmetsch in langer blauer Bluse und dreifach eingedrücktem Filzhut um 1900. Eig. Skizze. Von Meinrad Zehn der gezeichnet.


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Die farbigen Pr채mienschilde Milchger채tschaften. Greiser

am Stal1geb채lk. Blick in das Innere des Stal1es. Bauer. Federzeichnung von Meinrad Zehnder.

Kultur im neuen Siedlungsstal1: Stal1, wie er oben gezeichnet

Luft und Licht. Der niedere gewandete ist, trotzt den kalten Wintern채chten .:


Senntenbauer im Sonntagsrust aus Groß um 1830.

Preisrichtertyp um 1890. Vollendetes Fachbewußtsein.

Sennenvater und Sennenfähnrich um 1910. Sammthose aus dem 17. jahrhundert überliefert, Schnitt 19.jahrhundert, Stramingurt und Straminträger 19.jahrhundert.


Mimik der Senntenbauern, wenn sie einen Pr채mienstier mustern. Um 1900.

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Senntenbauer und Meisterknecht Gespr채ch. Um 1900.

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Er tr채gt seit Jahrzehnten den traditionellen Sennenbart.


Die Senntenbäuerin. eine Frau mit sonnigem Gemüt, an der Sonne. N4r s'Marieli macht "es Müffeli".

Sie sind trotz unmoderner Postur bodenwohlauf. Sie tragen die alten, sogen. Lampihüte mit dem schwarzen Bändel um den Kupf.

Senntenbauers Tochter Vreni. Flachsblonde aus dem Tschalun. Bäuerliche Haartracht um 1880 (Gritlifrisur). Man sagt, die Flachsblonden unserer Täler hätten fast unvermischtes keltisches Blut. Man trifft diesen Typus auf der Linie AppenzellToggenburg -Schwyz- Unterwalden-Berner Oberland. Eigene Skizze. Gemalt von Eduard Gyr.


Junger Mann in der Werktagstracht. Schweiz. Trachtenschau in Einsiedeln 1929. An jener Trachtenschau beteiligten sich nebst rund 1300 Männern und Frauen in schweizerischen Festtagstrachten rund 450 hiesiz e Männer und Frauen in unserer Werktagstracht mit allen vorhandenen Mustern, ebenso über 400 Mädchen und Buben, um eine Aelplerchilbi nach alten Vorbildern zu feiern. Eigenes Modell.

Annemärteli in der winterlichen Werktagstracht. Tätschhüetli aus schwarzem Filz, schwerer Burnus (Lismer) aus naturfarbiger Schafwolle, Leinenhemd mit Bändelkravatte, rote Astöß (Pulswärmer), braune Gehhose aus Bernertuch, rotbraunes Paridach, Schwyzerpfyffli. Trachtenschau 1929. Um 1880 kleideten sich die Männer auch am Sonntag so.

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Feststimmung in der Werktagstracht. tenschau 1929. Eigenes Modell.

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Kinder in der Werktagstracht. Trachtenschau 1929. Eigene Modelle.

ZukĂźnftige Genossen. Meiri und Seffi scheckern mit dem Regien!. Die GeiĂ&#x; ist der Brotspender des Kleinbauern.


Ji ji jii!

uh tä tä !

Baschi und Antsch kommen mit zufriedenen Gesichtern von der Alp zurück Sie haben gut gesömmert.


"Gib uns heute unser tägliches Brot" Morgenimbiß: Milchkaffee und Brot.

Jungfer beim Gummelschälen. Hier wird der alte Spruch" Tischlein deck dich" als anspruchsloser Wunsch geachtet. Einfaches Büfett, Tafeltisch, geringeltes Geschirr.

.Nusode, jetz chan äs sunne, iech ha's hie im Schatte gwunne", (nach Mrd. Lienert). Einfache Bauern - Stube. Flaches Tannentäfer, grüner Kachelofen mit Messingknöpfen, gespiegelter Kölschumhang, Ofenbank, Stabelle, s'Zyt. Eine gute Innenkultur in den Bauernhäusern ist selten.


Ein Strich offene, ein Strich öde Länderteile der Genoßsame Dorf-Binzen im Finkenmoos. Auf den offenen Teilen werden Kartoffeln gepflanzt; die öden Teile dienen dem Graswuchs. Das vollzieht sich im Wechsel von einigen Jahren. In der Regel sind es Bauern mit Kleinbesitz, die aus Pachtland den Futterbedarf ergänzen oder Arbeiter der Ortsindustrie, die ihre Haushaltungen mit eigenen Kartoffeln versorgen. Ein unscheinbares Helglein, das manchem wenig sagen wird und doch erklärt es eine wirtschaftliche Frage von besonderer Bedeutung. Das Kloster einerseits und die Genoßsame, als sie noch nicht in 7 Genoßsamen (Flurgenossenschalten) aufgeteilt war anderseits, haben sich, hauptsächlich im letzten Jahrhundert, um die Eigentums- und Nutzungsrechte an den Allmeinden manchen Span geliefert. Es wird zutreffen, daß es nicht jedesmal gelang, die Rechtslage mit beidseitiger Befriedigung abzuklären und erlittene Nachteile gutzumachen. Tatsache ist aber, daß der Nutzen aus Allmeinden zur Zeit allgemeiner Armut, als um 1817in Eindsiedeln über 300 Familien ganz mittellos waren, unter mancher First ein unentbehrlicher Brotspender gewesen ist. Das war eine wohltätige Kompensation allfälliger Verzichte. Mögen alle Eigentums- und Nutznießungsrechte beidseitig vor unklugen Einfällen und fürsprecherischen Irrtümern geschützt sein. Solange das Holz begehrt war, was bis ungefähr 1925 zutraf, wirkte sich die fiskalische Bedeutung der Genoßsamen nach 3 Richtungen aus: 1. Der Nutzen deckte dem kleinen Manne bis tief in den Mittelstand hinein auch im ungünstigsten Falle alle direkten Steuern. (50 % der Steuerpflichtigen entrichten nur die Kopfsteuer). 2. Den viehbesitzenden Genossen kam die billige Pacht- und Auftriebsgelegenheit zugute. 3. Der Bezirk (Einwohnergemeinde) erfreute sich eines sichern Steuerzahlers, der 2 pro Mille des gesamten Steuerbedarfes d. h. ca. 40 bis 45,000.- Fr. allein deckte zur relativen Entlastung aller Steuerpflichtigen. Heute, da das Holz nicht begehrt ist, sodaß sich der Genossennutzen auf den Länder- und Streueteil beschränkt, verbleiben immer noch die unter 2 und 3 genannten schätzbaren Vorteile. Die tiefere Bedeutung der Genoßsamen liegt in der mehr oder weniger sichern Wertbeständigkeit des Grundbesitzes gegenüber den sogenannten liquiden Vermögenswerten, ferner in der lebendigen Ausübung des Mitspracherechtes in allen Fragen, die den Eigenbesitz betreffen


Wettertanne. Die Tannenwälder sind der Stattlicher Bergahorn in den "WaldStrlz der Gerroßsamen und die Stütze des herren". Geschütztes Naturdenkmal. Da Barbetrages der Genossen. Hier gewinnen gibt es einst "Schynholz", sagen die die Buben Harz, Tannzapfen und Tannbart. Buben. Kleine Naturdenkmäler wie die Unsere Holzhändler würden diese prächtig Zwergbirke (betula nana), der Frauengewachsene, alte Rottanne vielleicht als schuh, die Stechpalme usw. fallen der "Röhne" bezeichnen und sie auf ihre Ge- Unwissenheit oder dem Schnapsbatzen zum Opfer. sundheit genau untersuchen.

Ein zünftiger Trämel auf dem Pferdeschlitten. Lijr~2.ii''''''cl;Z",";..."tJi~''''''''''~"'L''~'~''~


Alte Säge in Groß. Mit dem Wohnhaus unter einer First. Kett auf Holzgerüst. Um 1920 abgebrannt.

Vereistes Wasserrad im übergroß. Das billigste Werkkraft.

einer alten Säge Wasser ist die

Bauer am Sagbock im Schlapprig. Er sägt Würzen. Am Waschseil hängen farbige Schnupftücher. . .


Der Landwagner im Steinbach im Schatten. des selbständigen Berufes, der jetzt vom Pneu stark gefährdet ist. Um 1910.

Alter Bauer vor dem Weidstall Dängeln.

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Wir holen mit Hörnerschlitten Weidheu am Aubrig. Bis 1900 sahen wir nur wenige StaJleinfahrten. Das Heu wurde in Burdenen auf den Walm getragen. Jetzt wird da, 'wo sich das Gelände eignet, das Heu gefudert. Ueber steile Hänge schlittelt man auch im Sommer.


Der Turbenstecher am Stich. Er hebt zuerst die Rasenziegel ab, sticht senkrecht, alsdann wagrecht und schleudert die Turbe mit dem Messer in die Höhe, wo sie ein anderer Turbner auf den Karren legt, weiterbefördert und zum Trocknen auslegt.

Die Turben im Moosgras an den Stecken.

Streuetristen im Sihltal.

Eisgewinnung (Eiset) auf einem Weiher. Die Weiher dienen den Sägereibesitzern alsWasserreservoirs. Das Eis wird mit Waldsägen in quadratische Blöcke zersägt, mit Flößerhacken an das Ufer gezogen, auf Schlitten verladen und in die Eiskeller der hiesigen Brauereien verbracht oder mit der Bahn verfrachtet.


Sie rüstet der Weberin die Seidenspulen. Um 1890.

Jungfer im Seidenwebstuhl. Das Handseidenweben war bis um 1890 eine geschätzte Heimarbeit mit größter Verbreitung. Im Lichte der Oelampel wurde der Schlagbaum hin und her bewegt. Der mechanische Webstuhl machte dem Handwebstuhl den Garaus. Das gleiche Schicksal ereilte den stärker gebauten heimischen Leinenwebstuhl schon einige Jahrzehnte früher. Eine originelle Heimarbeit, die allerdings nur einigen wenigen Männern Verdienst gibt, sind das Holzschuhrnachen und das Schindelnschneiden, abgerundete u. rechteckige Schindeln.

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Frau mit Kopfzaine und Mädchen mit Räf und Wupp. So schritten sie am Ferggtag, in der Regel jeden Mittwoch, das Tal hinaus zum, Dorf in die Ferggstube des Seidenferggers. Eigene Skizze, von Meinrad Zehnder gezeichnet.


1 Frauen beim Gummelaustun auf dem Willerzellerboden. Sie brauchen die zweizackige Haue. Zum Schutze gegen die Sonne schlingen sie helle Schnupftücher um den Kopf. Man kann die Gummel nicht genug preisen. Frau Barbara Lienert-Birchler, gen. "Anke. babeli", hat sie den Waldleuten um die Mitte des 18. Jahrhunderts gebracht.

Auf einer Laube in WiIlerzell beim Glätten. Die jungfer trägt ein altes Festkleid mit schwarzem Schnurmieder, das hier nirgends mehr getragen wird.

Nachtbueb beim Bröege in dunkler Nacht. Eigene Skizze.


Senntenbauer Lieni im Werktagsrust beim B채nkle um 1880.

Der alte Aeipler Ronimus beim Bakn채ble,

Aelpler Domintsch

beim Ch채sz채nne.


Chäszänne,

aber nicht an der Wellgruob der Sennhütte, sondern zur Belustigung des Trachtenvolkes an der Aelplerchilbi 1929.

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Häggle. Diese Kraftübung ändert entweder friedlich oder boshaft.

Chäpp ruft den Alpsegen. Eigene Skizze, von Meinrad Zehnder gezeichnet. Der Bergbauer ist gottesfürchtig und abergläubig zugleich, dem Pfarrer nicht in allem ergeben, hart im Fühlen und Verzeihen, mißtrauisch gegen fremde Pläne und übel gelaunt, wenn der Nachbar mit dem Vieh mehr Erfolg hat, als er.

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Feckerwagen. Eigene Skizze. Zeichnung von Meinrad Zehnder. Die Fecker führen ein freies Nomadenleben. Die feste Behausung wäre für sie Bann und Zwang. Sie fristen ihren Lebensunterhalt mit Zaineflicke. Bekibüezc, Fäldmuuse, Schäreschlyie, usw. Der verstorbene Armenvater Konrad Oechslin glaubte, die Zahl der im Bezirk Einsiedeln heimatberechtigten Neubürger gegen die 1000 schätzen zu dürfen. Bei den Zuteilungen der Heimatlosen um die Mitte des letzten Jahrhunderts erhielt der Bezirk Einsiedeln hauptsächlich Männer aus folgenden Stämmen: Debon, Feigbli, Gehringer, Gerzner, Hürlimann, Huser, Petermann, Schmid, Schwarz, Wehrli, Einige sind inzwischen ausgestorben oder verschollen, so die Bersinger, Blank, Feig, Ganal, Gitter, Guffe, Kipper, Labor, Mieuville, Nistler, Notiger, Rogg, Schmink. Entweder glaubte man, die Zuteilung von Männern, die man der Landwirtschaft und Industrie als Arbeitskräfte zuweisen könne, sei von Vorteil oder dann wurde man von denjenigen Gemeinden, die Frauen vorzogen, überlistet. Sei dem, wie ihm wolle, die Prognose war falsch. Die Zugeteilten verleugneten ihre Lebensgewohnheiten im allgemeinen nicht. Ja, sie holten in andern Gemeinden auch noch die Mädchen, heirateten jung und vermehrten sich christlich. Seither machen sie den Armen- und Waisenbehörden große Sorgen. Infolge des kargen Verdienstes und des unsteten Lebenswandels sind sie zum großen Teil der Verarmung ausgesetzt und deshalb hilfsbedürftig. Sie sind sich bewußt, daß sie im Gemeindewesen nicht als Vollbürger gelten. Sie verzichten in der Regel (freiwillig oder unfreiwillig) auf die Heirat eines Vollbürgers bezw. einer Vollbürgerin. Kommt es ganz ausnahmsweise dennoch vor, daß ein Neubürger eine Vollbürgerin heiratet, verweist der Gatte darauf, wenn er einen Vollbürger um einen Dienst d. h. eine Unterstützung angeht. So erinnere ich mich, daß mir ein Neubürger mit Stolz anvertraute, seine Großmutter sei eine Gyrin aus der und der Linie gewesen. Er sagte das in der Feckersprache folgendermaßen: "My Groußmuettr istrichs Gyrini g'sy" wörtlich übersetzt "ist sich eine Gyrin gewesen". ä


Hürlimann von der besagten Gilde beim Korben nach primitiver Art. Geschickt zwingt er die hierländi[,I!Ph sehen rohen Weiden, die er selbst geschnitten hat, durch die knorrigen Finger übereinander und fügt sie zu einem zünftigen Stäcklikorb. Hier flickt er einen Damit macht er seinen Taglohn. Die moderne Kerbtlechterei, die sich um 1920 als gepflegte Heimarbeit unter guter Leitung eingebürgert hat, verfügt über geeignete Werkzeuge und weiche impor- I tierte Weißweiden, die sorgfältig" zubereitet sind. Die fertigen Körbe ' aller Art, seit einigen Jahren auch Rohrmöbel, werden den Verkaufsläden der Städte geliefert. Ein großer Teil reist sogar ins Ausland.

Fischer an der Sihl auf der Mitte des zukünftigen Stausees, mit dessen Wasser um die 60,000 PS gewonnen werden sollen. In der Regel obliegen die Fecker dem Fischen in den Bächen. Der Forellenfang ist ihr HauptzieI. In den Städten finden sie Absatz.


BEI DER JUGEND

Buben und M채dchen mit Palmen und Wydliam

Palmsonntag.

Armbrustsch체tzen gehen Gr체mpel betteln. 1900.


Aufmarsch der jungen Armbrustschützen mit Trommler und Fähnlein. Aelplerchilbi 1929. Die BoJlingerarmbruste wurden hier verfertigt.

Fähnlein der Armbrustschützen 1927. Eigener Entwurf.

Armbrustschützen an der Schießbank. Aelplerchilbi 1929.


Ballenschlagen. Zwei gleichstarke Parteien. Nr. 1 der schlagenden Partei schlägt den Hartgummiball hoch in die fangende Partei hinaus. Nach 2 Fehltreffern schlägt Nr. 2 während Nr. 1 beiseite steht. Wird der Ball getroffen, springt Nr. 1 der schlagenden Partei an den Schluß des Spielfeldes der fangenden Partei und erwartet den günstigen Augenblick, um zu der schlagenden Partei zurückzuspringen, entweder während der Ball fliegt oder während er neben den Händen einer fangenden Nummer zur Erde fällt. Gelingt es einer Nummer der fangenden Partei, den Ball aufzufangen, sei es direkt im Flug, oder beim Zuwerfen durch eine andere Nummer der fangenden Partei, muß diese Nummer es versuchen, irgend eine Nummer der schlagenden Partei, die im Spielfeld der fangenden Partei steht, mit dem Ball zu treffen. Gelingt dies, findet sofort der Parteiwechsel statt. Gelingt es der fangenden Partei, den Ball 3 mal mit einer Hand zu fangen, müssen die Parteien ebenfalls gewechselt werden. Jeder Fehlschlag der schlagenden Partei nennt man: "eis abe", "zwei abe" usw. Eigene Skizze.

Stickle. Jeder der Buben hat sich einen kurzen Stickel (Stecken), der an einem Ende zugespitzt ist, aus schwerem Holz (Buche oder Erle) verschafft. Der Erste schlägt ihn im Wurf und mit Wucht in den Boden, sodaß er senkrecht stehen bleibt. Der Zweite versucht, seinen Stickel ebenfalls fest in den Boden zu rammen, aber so, daß er im Wurf den ersten Stickel schlägt und ihn flach auf den Boden drückt. Der Dritte wiederholt die gleiche Uebung und ver- sucht, entweder einen oder beide Stickel zugleich umzulegen. Das gelingt natürlich nur dann, wenn er sicher zielt und wuchtig trifft. Das Spiel muß in der Regel häufig wiederholt werden. Der Bube, dessen Stickel allein im Boden stecken bleibt, hat gewonnen. Eigene Skizze.

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Buben beim Stelzen laufen. Sle brauchen hohe und niedere Stelzen. In der. Regel führen sie Spring- und Fangspiele durch. ~. Schwarzweißdruck von Meinrad Zehnder.

Mädchen beim SeiIi - Gumpen. Schwarzweißdruck von Meinrad Zehnder.

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Trommlerkorps der Schulbuben um 1920. KleiderIacon 16.Jahrhundert. Eig. Modell. Sie begleiteten die Schützen an die eidgen. Schützenfeste.


Der Schulrat faßte s. Zt. den Beschluß, alle sieben jahre ein jugendfest durchzuführen, damit womöglich jedes Schulkind eines miterleben könne. Ein jugendfest führt normalerweise um die 900 Schulkinder zusammen, die sich in einem festlichen Umzug durch die Hauptstraße und bei Spiel und Reigen auf dem Brüel tummeln. Hier belustigen sich Buben und Mädchen beim sogen. Ringelreihen.

Was ist hier im Gang? Eine Tschupple Mädchen, auch große dabei, sammeln sich an, da das Chasperlitheater, das sich mit der Chilbi eingebürgert hat, beginnt. Der König und sein Diener, Teufel und Landjäger, . Hexe und Fuhrmann sprechen und behandeln sich. Um 1890.


Sackgumpen nach Würsten. Wer die an der Schnur hängende Wurst mit den Zähnen erwischt, behält sie als Preis für die Geduldsübung. An den jugendfesten werden bisweilen originelle Figuren aus demVolksleben kopiert. Hier der Feldmauser, so wie er im jahre 1890 gespielt wurde.

Der Lanzig strahlt ihnen aus den Gesichtern. Die Lehrerin kündet den bevorstehenden Schulspaziergang an, der jedes jahr 'stattfindet. Es besteht hiefür eine Stiftung B. Gyr-Benzigers im Betrage von Fr. 30,000. -. Schulreisen sollen so durchgeführt werden, daß sie die Heimatliebe fördern.


Schulratspräsident und Ortspfarrer nach dem z'Füf der Schüler auf dem "Schlachtfeld" des jugendfestes. Um 1900. Wenn man keine Gegensätze konstruiert und Meinungsverschiedenheiten ohne Vorurteil prüft, können Kirche und Staat auf dem Gebiete der Volksschule leicht an einem Strick ziehen und Großes leisten. Der Bezirk unterhält eine Kleinkinderschule, Primarschulen im Dorf und auf den Vierteln, eine Sekundarschule im Dorf, eine gewerbliche, kaufmännische und hauswirtschaftliche Fortbildungsschule im Dorf. Er wird mit großen Beiträgen und praktischer Arbeit unterstützt vom Fortbildungsverein, vom Frauen- und Töchterverein und vom kaufmännischen Verein. Ein Bedürfnis ist unerfüllt geblieben: die Fachschule für das graphische Gewerbe, das als traditionelle Ortsindustrie betrachtet werden darf. Für die Seelsorge der jugend ist mit freiwilligen Spenden ein großer Fond angelegt zum Bau einer jugendkirche. Er beträgt gegenwärtig Fr. 519,000.. und ist beim Pfarramt verwahrt. Er dürfte im Bezirk Einsiedeln der größte Fond sein.

Vom Samichlaus sagt man, daß er .schleickt" d. h. er schleppt Geschenke herbei, oder er läßt. sie durch Waldbrüder in Säcken zutragen.


Klausenjagen. Drei Schulbuben springen mit farbigen Infeln eine enge Gasse hinunter. '2 Kameraden lauern, mit einem Stecken in der Hand, an der untern Hausecke auf, um die Infelträger zu verfolgen und ihre Infeln einzuschlagen. Im kargen Lichte der ehemaligen Petrollaternen ent- _ wickelte sich das Klausenjagen ungestört. Seitdem aber die elektrischen Gltihbirnen der Straßenbeleuchtung und die Gasstrümpfe der Geschäftshäuser in alle Gäßchen hineinleuchten, haben die kleinen nächtlichen Abenteuer den Reiz verloren. Das elektrische Licht wurde um 1910,gleichzeitig mit der Gründung des hiesigen Gaswerkes, (A.-G.) eingeführt. Eig. Skizze. I

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't -~ f~ Die Chläuse in langen weißen Gewändern und mit großen beleuchteten Infeln, nIffäle"genannt, auf dem Kopfe, hüpfen im Kreise herum und drehen sich langsam um sich selbst, indem sie bald in dieser, bald in jener Richtung einen feierlichen Knix machen. Die Infeln sind 100 bis 150 cm hoch und rundum mit farbigen Papierstreifen nach strengen alten Mustern geziert. In der Mitte der Chläuse stehen, die Beine gespreizt, kräftige Burschen, jeder mit einer langen Schafgeißel in der rechten Hand. Sie holen zum Schwunge aus und kläpfen nach bei den Seiten, sodaß sekundenweise ein stark knallender Ton entsteht, der an den Häusern der öffentlichen Plätze wiederhallt.


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Infeln der Chläuse. Im Dezember 1934 wurde hier das Klausjagen zum ersten Male mit einer kleinen Gruppe durchgeführt. In Küßnacht am Rigi, von dem wir die-, sen Brauch entlehnen, setzt dasKlausiagen [eweilen gegen 10.9 Männer und Burschen in Bewegung. Ein dortiger Fachmann verfertigt 'die Infeln.' .

Ein Schulbub stößt den "Bär" (Sportrequisit) an. Er trägt eine rote gestrickte Kappe mit Sammtdeckel, einen grauen Lismer mit Ellbogenbesatz aus Leder, einen naturfarbenen Juteschulsack,der mit einem Hirsch bemalt ist. Nebenan steht ein z'Märchtschlitte, "Gaiß" (Zwecksrequisit) genannt. Bär, Gaiß und Schlittschuhe aus Holz waren einst begehrte Weihnachtsgeschenke, die heute von den kostbilligen Gelüsten nach Velos geschlagen sind. Wenn die Tragfähigkeit der kommenden Generation den vermutlich raffinierten Ansprüchen nur standhält!

Auf Faßdauben aus Vaters Hand fährt, man langsam, aber sicher den Berg hinan und drollig hinunter. ::-;eit ungefähr 1906 führt unser Skivlub fast jed s Jahr Schülerwettläufe durch, bei den r- n die Faßdaubenbuben ein großes "Team" stellten. Jetzt sind die Faßdauben seltener geworden, da das Christkindäli groß.ugig ist, gleich ein Paar Ski und einen modernen Skidreß schenkt und so mithilft, das bescheidene und originelle Schülersportrequts.t mit Undank zu strafen, '


ERGÄNZUNGEN ZUR BILDERLEGENDE "Andresle" bedeutet St. Andreas feiern. Am 30. November d. h. am Tage des hl, Andreas, Apostel in der Krim, sitzen die Familienangehörigen nach Betglockenzeit in der Stube am Tisch zusammen, lassen sich von der Mutter Lebkuchen, Birnenschnitze und Baumnüsse auftischen, trinken Rosoli dazu und spielen miteinander. Eines dieser Spiele heißt" Chrüschle" (Grüsch = Weizenkleie). Man räumt den TafeItisch ab und schüttet einige Pfund Kleie darauf. Wer mitspielt, steckt je nach Abrede einen oder mehrere Räppler in die Kleie. Dann greifen alle mit der rechten Hand in die Kleie. Wer mit einem Griff am meisten Räppler erwischt, hat gewonnen. Dieser heimelige Familienabend wird am Si Nikolaustag wiederholt. Am Andreastag verbindet man damit einen Brauch, dem heiratslustige Jungfern im Geheimen mit Vorliebe obliegen. Sie bleiben allein in der Stube zurUck und tanzen, mit einem Besen im Arm, einige Male im Kreise, ziehen sich dann in die Kammer zurück und steigen rückwärts ins Bett, da sie sich sagen ließen, sie werden, wenn sie das so machen, in der kommenden Nacht vom Zukünftigen träumen. Bedachung: Bis um 1855 waren sozusagen alle Häuser auf der Langrüti mit Schindeln bedeckt. Als um-1865 herum die Ziegelei des Klosters beim Weiher einging. und an die Alp verlegt wurde, verkaufte man das dortige Ziegellager billig. Die Langrüter benutzten diese Gelegenheit, um ihre Häuser mit Ziegeln zu decken. Die letzten paar Schindeldächer verschwanden nach dem Spitalbrand um 1905. Damals liefen einige Feuerwehrmänner mit der Begründung heim, sie müßten zuerst die Dächer ihrer Wohnhäuser schützen. , Dachformen : Die zuständige Dachform ist das steile, geradlinige, mit Schindelunterzug und Nasenziegeln versehene Satteldach. Andere Dachformen, hauptsächlich Kombinationen, verursachen infolge unserer klimatischen Verhältnisse große Mehrkosten nicht nur für den Unterhalt des Daches, sondern des Baues überhaupt. Baumeister der Jahre 1880 bis 1920 haben in dieser Hinsicht unverzeihliche Fehler gemacht. So ist z. B. an der Panoramastraße aus der genannten Bauperiode nicht ein einziges gefreutes Dach zu finden. Dorfansicht Fliegeraufnahme : Gaswerk, Aktien -Gesellschaft. Gegr, 1909. Familienwappen :Im Handel bei Statuenmodelleur Bernhard Schädler, zur "Alten Post". Foggiserbrot (Fogenze, Fogeze, Fogesse, Fogisse) ist unbedingt der Vorgänger des weißen "Schiltes". Siehe Idiotikon \. Band, Seite 651. Galgenchapeli: 1935wurde es mit einem Sandsteinstock von Babel versehen. Gräberschmuck : Bis um 1890 wurden fast alle Grabhügel mit Steinbrechmoos bepflanzt z. B. auf der Mitte ein Lilienkreuz, am Rand ein schmales rechteckiges Band. Ueber die Allerseelenzeit schmUckten die Angehörigen des Verstorbenen die Gräber mit einem roten oder weißen Geranium oder einem Fuchsia. Sehr häufig pflanzte man neben das Holzkreuzehen oder hinter das Grabsteinehen auch eine kleine Trauerweide. Dieser einfache hübsche Grabschmuck hat seither üppigen Bepflanzungen Schritt um Schritt weichen müssen. Häuser: An einigen alten Bauernhäusern z. B. am gewandeten Haus in der "Hermannern", das bald dem Sihlsee weichen wird, sieht man in den Fensterlichtern der Seitenwände je 3 bis 4 Rundstäbe oder Vierkantstäbe aus Hartholz, v.on unten nach oben eingerammt. Sie ersetzen das Eisengitter.


"Heimliwächter", (wörtlich heimliche Wächter) wurden jene Männer genannt, die im Auftrage der Kramladenpächter bei großem Volksandrange 'nachts patrouillieren mußten, um Diebe zu hindern, sich Schmucksachen aus den leicht zugänglichen Kramläden anzueignen. In der Regel waren 2 Heirnliwächter bestellt. Laternen: Bis um 1875 hingen im Dorf die Straßenlaternen an langen Ketten, die 'über die Straße gespannt waren. junge Leute, die den Bezirksrat zur Beschaffung einer bessern Straßenbeleuchtung veranlassen wollten, versenkten einige Laternen kurzerhand im Klosterweiher. Meinradsstatue beim Bahnhof: 1934 feierlich eingeweiht. Nebenverdienste: Wir erwähnten unter andern den Schuhputzer, vergaßen aber die Arbeit der Aschensammlerin, genannt "Aschenpudel", der Lumpensammlerin, der Knochensammlerin, genannt "Fleischbei - Frau" und des Tränkemannes, genannt "Süütränki - Ma". Es gab eine Zeit, da man sich den Tag ihres Erscheinens im Haus genau merkte, weil weder die Lumpen,' noch die Fleischbeine, noch die Asche, noch die Schweinstränke unentgeltlich hergegeben wurden. In der Regel handelte die Hausfrau einfaches, gebranntes Küchengeschirr (Tassen, Krüge, Teller) dagegen ein. jetzt entledigt man sich aller HaushaItabfälle so rasch und so billig wie möglich. Der Bezirk stellte einen öffentlichen AschenbehäIter aus Mauerwerk an der Alp zur Verfügung, um Feuersgefahr zu vermeiden. Pannerherr: Im Kampfe gegen die Franzosen kamen folgende Einsiedler ums Leben: 1798 Hauptmann josef Franz Xaver Wickart, johann Martin Lacher, josef Franz Meinrad Zehnder, josef Käli, josef Anton Füchsli, josef Leonz Grätzer, Anton Käli, Alois Käli, 1799: jakob Maurus Gyr, Benedikt Nikolaus Gyr, Anton Käli, Konrad August Lacher, Kolumban Ochsner, josef Alois Ruhstaller, Thietland Schönbächler, Karl Dominik Franz Weidmann, josef Crispin Lienhardt, Beat Thietland Nauer, josef Benedikt Nauer, josef Franz Ignaz Schädler, josef Stefan Grätzer, josef Adelrich Käli, Josef Eustach Käli, josef Martin Kuriger, josef Meinrad Hensler, Konrad Benedikt Käli. Es ist vorgesehen, ihnen auf dem Friedhof einen Brunnen zu stiften. Steiger: 1870: Eigene Rekonstruktion, von Meinrad Zehn der gezeichnet. _ Wasserversorgung: Nachdem die Bohrungen nach Grundwasser im jahre 1923 endlich an der vierten Bohrstelle im "Gyrenmattli" (Rabennest) rund 1200 Minutenliter zu Tage förderten, erstellte der Bezirk dortselbst ein Pumpwerk, das mit der alten Wasserversorgung verkuppelt wurde. Daraufhin konnten auch Horgenberg und Birchli mit Trinkwasser versorgt werden. Der Bezirk kaufte nachher von der Gründer-Gesellschaft die alte Wasserversorgung. Wohltätigkeit: Andere Wohlfahrtseinrichtungen : vier Krankenkassen, zwei Sterbekassen, Arbeitslosenhilfe, Allgemeine Krankenpflege, Tuberkulosenund Irrenhilfe, Pro Senectute, Pro juventute, Feuerwehr-Unterstützung, Samariterdienst, Kirchhofpflege, Unentgeltliche Beerdigung.' Zeiger: Moderne Schießanlagen in der "Wäni" und im "Riet". 1. KantonalSchützenfest 1889. KORREKTUREN ZUR BILDERL-EGENDE Galgenchapeli: gegenüber den Linden statt gegenüber die Linden; erzielt statt erziehlt. Gelungene Häuserrenovationen : Geschäftshäuser statt Gäschäftshäuser. Gastwirtin 'aus der Sonderbundszeit : verwischt statt vermischt. Senntenbauer nicht, Sentenbauer.

Martin Gyr, Einsiedler Volksbräuche, Einsiedeln 1935  

www.einsiedeln.org

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