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65. Jahrgang | Nr. 328

Salzburgs 1. Veranstaltungskalender und Kulturführer

SALZBURGER FESTSPIELE 20. JULI – 30. AUGUST 2018

TOBIAS MORETTI IST SALZBURGS „JEDERMANN“

T R& LTU MENT U K AIN R ERT R FÜ T N E G E AN TA

PL DEN JE

JUNI · JULI · AUGUST 2018 KONZERT · THEATER · JAZZ · MUSEEN GALERIEN · OPER · LESUNGEN · KABARETT GESCHICHTE · MENSCHEN · AUSFLÜGE © Christian Hartmann


DIE FESTUNG HOHENSALZBURG IN EINER NICHT ALLTÄGLICHEN PERSPEKTIVE


Š Patricia Thurner


© Manfred Jakober

EDITORIAL EIN SOMMER DER EXTRAKLASSE

Was wären die Salzburger Festspiele ohne den berühmten „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal? Bereits mehr als 650 Vorstellungen in knapp einem Jahrhundert zählt das Schauspiel und ist damit das Aushängeschild dieses Festivals. Unser Cover ziert diesmal Publikumsmagnet Tobias Moretti, der auf Salzburgs Bühnen schon in verschiedenen Rollen zu sehen war. Seit dem Sommer 2017 ist er „Salzburgs Jedermann“ und wird mit seinem erstklassigem Ensemble den Domplatz wieder in eine wunderschöne Open-Air-Bühne verwandeln. Die Salzburger Festspiele sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Erleben Sie fantastische Opernabende, außergewöhnliche Konzertreihen und spannende Schauspiel-Aufführungen. Die brillanten Soprane und Tenöre, die Pianisten, Geiger, Dirigenten und Schauspieler – sie bringen jedes Jahr einen besonderen Glanz nach Salzburg. Wir haben in dieser Ausgabe wieder ein „Salzkammergut Extra“, wo wir Ihnen dieses bezaubernde Stück Österreich ganz besonders ans Herz legen möchten. Mitten in der herrlichen Seen- und Bergwelt finden Sie kleine, aber bedeutende Sommer-Festivals der Extraklasse. Der Attergauer Kultursommer, die Salzkammergut Festwochen Gmunden oder die Musiktage Mondsee zählen seit vielen Jahren zu den besonderen Attraktionen in dieser Region. Was diese erfolgreichen, internationalen Künstler ins Salzkammergut bringt, hat auch mit der Qualität des Gesamtkonzepts zu tun, weil es engagiert und gut durchdacht ist. Diese Festivals haben eine Mission, die lautet: Interesse für Kunst und Kultur zu wecken. Jeder Event für sich mit seinen sehr unterschiedlichen Schauplätzen macht aber auch Lust, die bezaubernde Umgebung näher zu erkunden. Ich lade Sie dazu herzlich ein – ganz in der Nähe der Stadt Salzburg – großartige Konzerte, interessante und unterhaltsame Lesungen, sehenswerte Ausstellungen und mehr zu erleben, aber auch einmal einen Ausflug in andere Ecken zu unternehmen, neue Menschen, Orte und Sehenswürdigkeiten in einer der schönsten Gegenden Österreichs kennenzulernen. Patricia Thurner


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INHALT

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06 Lydia Steier: 14

Salzburger Festspiele: Ein Sommer der Extraklasse Die amerikanische Regisseurin inszeniert Mozarts Zauberflöte in Salzburg

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Christiane Karg: Die gefeierte Sopranistin als "Pamina" bei den Salzburger Festspielen

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Tobias Moretti:

Der österreichische Theater- und Filmschauspieler ist wieder Salzburgs "Jedermann"

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Salzkammergut: Sommerfestivals bringen Berge und Seen zum Klingen

Veranstaltungen:

Kulturplaner für unvergessliche Momente

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Impressum


OHNE SCHLANGENLINIE VON DER PARTY NACH HAUSE

GRÃœSSE VON DER BUSSPUR!

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Salzburger Festspiele 2018 EIN EMOTIONALER FESTSPIELSOMMER Unter der Leitung von Markus Hinterhäuser dürfen sich Freunde der Salzburger Festspiele auf einen Festspielsommer der Extraklasse freuen. Mozart, Strauss, Tschaikowski, die Wiener Philharmoniker oder Tobias Moretti in der Rolle des „Jedermann“ sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Freuen Sie sich auf 206 Aufführungen an 42 Tagen.

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Vom 20. Juli bis 30. August 2018 ist es wieder soweit. Dann heißt es zum 98. Mal „Vorhang auf“ für die berühmten Salzburger Festspiele. Top-Künstler aus aller Welt sorgen für ein Programm, das prominente Gäste gleichwohl verzaubert wie Touristen und Einheimische. Unter den Leitmotiven Passion, Leidenschaft und Ekstase stellt Markus Hinterhäuser


© Luigi Caputo

in fünf Opern-Neuinszenierungen und Schauspielen sowie zahlreichen Konzerten die vielen Gesichter der emotionalen Macht in den Mittelpunkt. EIN OPERNPROGRAMM DER SUPERLATIVE Peter I. Tschaikowskis „Pique Dame“ ist als Ersatz-Produktion für die abgesagte Wiederaufnahme der „Aida“ aus dem Vorjahr innerhalb von zwei Wochen auf-

gestellt worden. Dass Anna Netrebko im kommenden Sommer die „Aida“ nicht mehr singen werde, habe man gewusst – dass Riccardo Muti jedoch aus privaten Gründen nicht mehr Oper in Salzburg dirigieren wolle, „hat uns auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte der Intendant. Mit Hans Neuenfels als Regisseur und Mariss Jansons als Dirigent der Wiener Philharmoniker gebe es im Großen Festspielhaus aber „eine sehr schöne und aparte

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Der Festspielbezirk bei Nacht hat einen besonderen Zauber

Paarung“, sagte Hinterhäuser, den der Applaus der Festspielfreunde für Neuenfels bei der gestrigen Programmpräsentation überrascht und gefreut hat: „Diese 17 Jahre Verbannung oder Karenz nach der ach so skandalisierten 'Fledermaus' scheinen also neutralisiert zu sein.“ Neuenfels habe sich jedenfalls „unendlich gefreut“ über die Anfrage. Das Opernprogramm wird mit der Wiederaufnahme von Rossinis „L'Italiana in Algeri“ mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle von den Pfingstfestspielen sowie mit zwei konzertanten Opern ergänzt: Als Hommage an Gottfried von Einem anlässlich seines 100. Geburtstages ist seine 1953 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Oper „Der Prozess“ zu hören. HK Gruber dirigiert das ORF-Radiosymphonieorchester

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Wien in der Felsenreitschule. Placido Domingo, Javier Camarena, Stanislav Trofimov und Festspieldebütantin Aida Garifullina sind die Besetzung für „Les Pêcheurs de perles“ von Georges Bizet im Großen Festspielhaus. „Da dürfen wir ruhig zugeben, dass dies auf Wunsch von Placido Domingo ins Programm gekommen ist“, sagte Rabl-Stadler. „Ihn jedes Jahr hier zu haben, ist eine Gnade des Schicksals.“ Und schließlich passt für Hinterhäuser selbst Mozarts "Zauberflöte", scheinbar ein Fremdkörper, als Mikrokosmos der verhandelten Menschheitsfragen nahtlos in sein Konzept. Und Mozart ist für Salzburg ja immer ein "must". Die amerikanische Opernregisseurin Lydia Steier inszeniert, der für seinen Münchner "Figaro" hochgelobte Constanti-


© Freda Fiala

nos Carydis dirigiert – und noch überraschender: Der Bariton Matthias Goerne singt den Sarastro. Der 100. Geburtstag von Gottfried von Einem, einst Mitglied des Festspiel-Direktoriums, wird mit einer konzertanten Aufführung seiner Kafka-Oper "Der Prozess" gewürdigt – und zu Ehren von Plácido Domingo haben die Salzburger Festspiele Georges Bizets "Les Pêcheurs de perles", ebenfalls konzertant, ins Programm genommen. Fünf Neuinszenierungen, zwei konzertante Aufführungen und die Wiederaufnahme der Oper „L’Italiana in Algeri“ aus dem Programm der Salzburger Festspiele Pfingsten machen die Festspiele im Sommer zu etwas Besonderem. Den Auftakt des Kultursommers bildet die Aufführung von Wolfgang Amadeus Mo-

zarts „Die Zauberflöte“. Weiterer Höhepunkt des Festivals ist zweifelsohne „Salome“ von Richard Strauss. Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker in der Felsenreitschule und Romeo Castellucci übernimmt die Regie. DIE PROGRAMMHIGHLIGHTS AUS SCHAUSPIEL UND KONZERT Bettina Hering als Leiterin des Schauspiels setzt starke Impulse mit vier Neuinszenierungen, einem wiederaufgenommenen Jedermann sowie Schauspiel-Recherchen und Lesungen. Auch im Bereich der Konzerte besitzen die Festspiele 2018 immense Strahlkraft: Die Ouverture Spirituelle, „Orchester zu Gast“, die Wiener Philharmoniker und zahlreiche Kammerkonzerte runden das An-

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Jedermann Aufführung am Domplatz

gebot ab. Mit dem „Jedermann“ starten die Festspiele im Rahmen der Ouverture Spirtuelle am 22. Juli ihr Schauspielprogramm. Bettina Hering, Leiterin des Schauspiels, lobte die in sehr kurzer Zeit entstandene Neuinszenierung des Stücks im Vorjahr mit Tobias Moretti in der Rolle des Jedermann. Sie sei sehr glücklich, dass die Besetzung gleich bleibe, sagte Hering. „Regisseur Michael Sturminger und sein Team haben für die Spielserie 2018 Zeit, den 'Jedermann' weiter zu vertiefen“, so die Schauspielchefin. Neu gestaltet wird die musikalische Umrahmung, bei der Wolfgang Mitterer Matthias Rüegg ersetzt. Änderungen wird

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es auch bei der Szene der Tischgesellschaft geben. Zwischen den Opern- und Schauspielproduktionen des kommenden Sommers hat Hering auf Querverweise und Brücken Wert gelegt. Ein Beispiel ist Heinrich von Kleists „Penthesilea“. „Die Titelheldinnen Penthesilea, Salome und Poppea kämpfen zwar nicht auf dem selben Schlachtfeld, sie weisen in ihrer radikalen Unbeugsamkeit aber durchaus Verwandtschaft auf“, sagte die Schauspielleiterin. In „Penthesilea“, einem „orgiastischen Liebesspiel mit tragischem Ausgang“, klängen auch Themen aus den „Bassariden“ von Henze an, meinte Hering. Die Regie des Kleist-Werks übernimmt Johan Simons. „Er wird diesen großen


wiederaufgenommen. Wolfgang Mitterer als neuer musikalischer Leiter bringt frischen Wind in das Schauspiel-Highlight.

© Rudi Gigler

Stoff auf ein Duett und/oder ein Duell konzentrieren“, kündigte Hering an. Penthesilea wird von Sandra Hüller gespielt, ihr Partner als Achill ist Jens Harzer. TOBIAS MORETTI ALS GEFEIERTER JEDERMANN Was wären die Festspiele ohne den berühmten „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal? Bereits mehr als 650 Vorstellungen in knapp einem Jahrhundert zählt das Schauspiel und ist damit das Aushängeschild der Salzburger Festspiele. In diesem Jahr setzt der Intendant auf Kontinuität. Das 2017 gefeierte Stück mit Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger in den Hauptrollen wird

Als „wahre Passionsgeschichte“ bezeichnete Hering den Roman „Hunger“ des norwegischen Autors Knut Hamsun, der von Frank Castorf in eine Textfassung gebracht und auf der Perner-Insel inszeniert wird. „Hunger“ gehöre zu den bedeutendsten, radikalsten Texten der Moderne, sagte Hering. Das Stück wird ein Wiedersehen der einstigen Buhlschaft Sophie Rois in Salzburg bringen. Dem 1952 verstorbenen Nobelpreisträger Hamsun wird auch in einer Lesung und einem Marathon-Film-Tag nachgespürt. „Kommt ein Pferd in die Bar“ ist die zweite Roman-Dramatisierung und das zweite Zwei-Personen-Stück auf dem SchauspielSpielplan. In dem 2014 erschienenen und mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman von David Grossman gehe es um Verlust, Läuterung und die Sehnsucht nach Wiedergutmachung. Der getriebene Komiker Dovele entblöße sich darin mit brachialem Humor bis zur totalen Verausgabung, erklärte Hering. Den Dovele spielt Samuel Finzi („Diese Rolle ist ihm auf den Leib geschrieben“), ihm zur Seite steht Mavie Hörbiger, die im „Jedermann“ auch die Rolle der „Werke“ gibt. Die Inszenierung von Dusan David Parizek, der auch das Bühnenbild gestaltet, ist eine Koproduktion mit dem Burgtheater und dem Deutschen Theater Berlin. Gespielt wird im republic. Mit einer Lesung und mit einem Gespräch mit

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© Patricia Thurner

dem israelischen Autor wird das Publikum die Gelegenheit haben, noch tiefer in das Universum von Grossman einzutauchen. Umfangreich wie gewohnt ist das Salzburger Konzert-Programm. Die Ouverture spirituelle sei „als Einschwingen in den Festspielsommer eine sehr schöne Idee von Alexander Pereira“ gewesen und mache in der Programmierung Spaß, sagte Hinterhäuser. 2018 trägt sie den Untertitel „Passion“ und startet mit der Lukaspassion von Krzysztof Penderecki unter der Leitung von Kent Nagano. In der Kollegienkirche gibt es u.a. Carl Theodor Dreyers Stummfilm „La Passion de Jeanne d'Arc“ und „Il Vangelo secondo Matteo“ (Das Evangelium nach Matthäus) von Pier Paolo Pasolini zu sehen. Schwerpunkte sind u.a. Beat Furrer und der russischen Komponistin Galina Ustwolskaja (1919 – 2006) gewidmet. Darauf, dass Ustwolskaja-Spezialist Hinterhäuser in diesem Rah-

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men zweimal als Pianist zu hören sein wird – zusätzlich gibt es noch einen Schumann-Liederabend mit Matthias Goerne – ist die Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler besonders stolz. Zwei Orchester kommen 2018 zum ersten Mal mit ihren neuen Chefdirigenten nach Salzburg: die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko und das London Symphony Orchestra mit Simon Rattle. Und schließlich kehrt Teodor Currentzis nach seinem eindrucksvollen Festspieldebüt 2017 mit seinem Orchester und Chor musicAeterna aus Perm nach Salzburg zurück. Zum dritten Mal nach Nikolaus Harnoncourt und Paavo Järvi wird ein kompletter Zyklus aller neun Beethoven-Symphonien in Salzburg aufgeführt. „Meines Wissens wird das eine Premiere sein“, sagte der Intendant. „Das wird eine sehr aufregende Reise in den Kosmos Beethoven werden.“


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Diese Nächte gehören allen. EINTRITT FREI Täglich Vorführungen von Festspielproduktionen auf dem LED-Screen am Kapitelplatz Salzburg

Freitag, 27. Juli bis Donnerstag, 30. August 2018

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LYDIA STEIER

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© SandraThen


»Mozart war für mich als Kind wie ein imaginärer Freund« Lydia Steier inszeniert Mozarts Zauberflöte und gibt damit ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen. 39 Mal stand Mozarts Zauberflöte auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele – zuletzt 2012 unter Nikolaus Harnoncourt. Im Sommer 2018 kehrt die Oper zurück ins Große Festspielhaus – unter der musikalischen Leitung von Constantinos Carydis und in der Regie von Lydia Steier, die damit ihr Debüt in Salzburg gibt. Lydia Steier wurde in Connecticut, USA geboren und kam 2002 als Fulbright-Stipendiatin nach Berlin. 2009 inszenierte sie in Weimar den Doppelabend Der Bajazzo/Turandot und wurde dafür von Deutschlandradio Kultur als „Neuentdeckung des Jahres

2009“ gefeiert. Bei den Wiener Festwochen war 2015 ihre Inszenierung von Händels Jephtha zu sehen. 2016 wurde Lydia Steiers Interpretation von Stockhausens Donnerstag aus Licht am Theater Basel von der Zeitschrift Opernwelt als „Aufführung des Jahres“ ausgezeichnet. Im Interview spricht Lydia Steier über ihre Verbindung zu Mozart und ihre Herangehensweise an die Inszenierung der Oper. Frau Steier, Sie inszenieren 2018 zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen. Was bedeutet es Ihnen hier zu sein?

LydiaSteier © Sandra Then

Carydis Constantinos © Thomas Brill

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Es fühlt sich an wie ein Ritterschlag. Ich bin ja noch eine relativ junge Regisseurin. Und dass ich nun hier arbeite, wo eine Reihe von wahren Regie-Göttern stand, ist eine wirklich große Ehre für mich. Einige Freunde und Kollegen von mir waren bereits hier – wie Stefan Herheim (2003 – Die Entführung aus dem Serail und 2013 – Die Meistersinger von Nürnberg), aber auch einer der Künstler, der mich beeinflusst hat, war hier tätig: Jean-Pierre Ponnelle. Sie nennen selbst diesen großen Namen, der untrennbar in Salzburg mit der Zauberflöte verbunden ist. Seine Inszenierung von 1978, die bis 1986 acht Mal wiederaufgenommen wurde, ist in die Geschichte der Festspiele eingegangen. Wie sehr haben Sie sich mit den verschiedenen

Mauro Peter © Franziska Schroedinger

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Salzburger Interpretationen auseinandergesetzt? Lassen Sie sich dadurch in irgendeiner Weise beeinflussen? Ich sehe das differenziert: Es gab „Hits“, ja, wie die Inszenierungen von Achim Freyer und Jean-Pierre Ponnelle. Was man aber nicht vergessen darf – viele der Inszenierungen fielen auch durch. Das ist beängstigend. Im Grunde wird fast erwartet, dass man scheitert. Sagen wir so: Es besteht ein beängstigendes Risiko. Aber ich denke in diesem Risiko stecken eben auch ganz große Möglichkeiten. Es ist einfach schwierig, mit dieser Oper jeden glücklich zu machen: Entweder ist die Inszenierung zu leichtfertig, zu ernst, zu erwachsen oder zu kindlich.

Adam Plachetka © Ilona Sochorov


Albina Shagimuratova © Pavel Vaan Leonid Semenyuk

Die Zauberflöte ist eine Oper, die einfach jeder kennt und wahrscheinlich schon oft gesehen hat. Man könnte sagen, die Salzburger Tradition ist einschüchternd, ich sehe es eher als Herausforderung. Und genau das spornt mich und das Team an, etwas besonders Erfrischendes und Fesselndes für das Salzburger Publikum zu schaffen. Ich freue mich jedenfalls auf den Sommer und auf Die Zauberflöte. Sie haben Mozarts Zauberflöte noch nie inszeniert, hingegen drei andere Mozart-Opern: La finta giardiniera, La clemenza di Tito und Die Entführung aus dem Serail. Was reizt Sie an der Zauberflöte? Ist es richtig, dass Sie die Oper aus einer ganz besonderen Perspektive erzählen?

So ist es, gerade weil jeder Zuschauer wahrscheinlich schon eine ganze Reihe an Zauberflöten-Inszenierungen gesehen hat. Das größte Problem bei den Zauberflöten, die ich bisher gesehen habe, waren die Dialoge. Sie sind lang – und es ist schwierig sie darzustellen, ohne dass sie künstlich oder gar albern wirken. Wir sind heute so geprägt durch das Sprechtheater, durch Filme und TV, dass es schwierig ist diese Dialoge zu verstehen. Eines der ersten Probleme, die ich zu lösen hatte, war die Frage, wie man mit den Dialogen umgehen sollte. Natürlich gibt es Informationen in den Dialogen, die transportiert werden müssen, man kann sie nicht einfach streichen. Und so kamen wir nach einigen Überlegungen darauf, eine narrative Figur hinzuzufügen.

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Maria Nazarova © Lizelle DeWit

In welcher Zeit wird Ihre Inszenierung verortet? Es war uns wichtig eine Umgebung zu finden, die das Potenzial hat unsere eigene Zeit widerzuspiegeln. Es gibt diese Rede in Hamlet, in der gesagt wird, dass die Verantwortung eines Stückes darin liegt, jeder Gesellschaft oder Zeit ihre Struktur aufzuzeigen. Ich glaube fest an diese Aussage: Es sollte ein Moment in der Geschichte sein, in dem man Parallelen zu heute findet, ein Augenblick von großer Unsicherheit. Wir wissen heute nicht, ob morgen ein Krieg ausbrechen wird, wir wissen nicht, ob unser Finanzsystem zusammenbrechen wird. Wir leben in einer Zeit, in der wir einfach nicht wissen, was morgen passieren

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wird. Wir haben eine Parallele in der Ästhetik der Anfänge des 20. Jahrhunderts gefunden. Außerdem inspirierte mich die Comicreihe Little Nemo, die wöchentlich zwischen 1905 und 1911 in der Tageszeitung New York Herald erschienen ist. Es werden in jeder Folge kurze phantastische Abenteuer des kleinen Nemo dargestellt, die der Junge im Schlaf auf dem Weg nach Schlummerland erfährt. Haben Sie bereits mit Sängerinnen und Sängern aus dem Ensemble zusammengearbeitet? Ja, mit Mauro Peter als er noch Student war – in der Finta gardiniera. Ich mag Mauro sehr und er hat seitdem eine tolle Karriere gemacht. Auch mit Geneviève


King, die die Dritte Dame singt, habe ich bereits in Mainz gearbeitet, sie war dort die weibliche Protagonistin in meiner Inszenierung von Pascal Dusapins Oper Perelà, uomo di fumo und in Glucks Armide. Ich schätze sie als starke, fast wilde Bühnenpräsenz. Adam Plachetka, unseren Papageno, habe ich im Festspielsommer 2016 in Le nozze di Figaro gesehen. Und ich war so hin und weg von seiner Darstellung, dass ich darauf bestanden habe, ihn als Papageno zu bekommen. Er ist wirklich sehr begabt in komischen Rollen. In einem Interview sagten Sie einmal, dass der Film Amadeus Sie inspiriert habe, Regisseurin zu werden. Erklären Sie uns das! Haben Sie eine spezielle Beziehung zu Mozart?

Bruno Ganz © Ruth Walz

Christiane Karg © Gisela Schenker

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Matthias Goerne © Marco Borggreve

Ich habe den Film mit sechs Jahren zum ersten Mal gesehen. Von diesem Moment an war ich von der Musik Mozarts und seiner Lebensgeschichte fasziniert. Meine erste CD war der Sound­ track von Amadeus. Mozart war für mich als Kind wie ein imaginärer Freund. Ich lebte in einer kleinen Stadt in Connecticut. Sein ganzes Universum hat mich fasziniert, dass er in Salzburg lebte, die Reisen, die er mit seiner Schwester durch ganz Europa machte. Ich war wie besessen von dieser Person. Aber die eigentliche Schlüsselstelle für mich in diesem Film, woraufhin ich beschlossen habe, Regisseurin zu werden, war die Szene mit Antonio Salieri, in der eine Sopranistin eine Arie aus seiner Oper Axur singt: Alles, was sie in dieser Szene macht, ist eine Treppe hinunter zu gehen. Nichts weiter. Genau das war es für mich. Das wollte ich tun! Und ich ging

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zu meinem Vater und sagte zu ihm, ich werde Opern inszenieren! Er antwortete: ‚Wa­rum studierst du nicht zuerst Gesang, da hast du sicher bessere Chancen später einen Job zu bekommen‘. Und Sie haben tatsächlich Gesang studiert und erst danach Regie. Hat es Auswirkungen auf Ihre Regie-Arbeit, dass Sie selbst einmal gesungen haben? Sänger mögen Klarheit auf der Bühne und sie sollten jederzeit genau wissen, was gerade auf der Bühne erwartet wird – und warum. Künstler geben auf der Bühne viel von sich selber preis. Jemand, der das selbst noch nie erfahren hat, sieht sicher leichter über diese Tatsache hinweg. Als Regisseur geht es darum Un­ sicherheiten von Sängern durch klare Bühnenanweisungen auf­ zufangen. Es ist alles eine Fra­ge der Motivation und der Navi­ gation. Interview: Salzburger Festspiele


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07.10.2018

31.03.2019

25.10.2018

11.11.2018

26.05.2019

20.12.2018

13.01.2019

20.09.2018

21.02.2019

KARTENTELEFON

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14.03.2019

DONNERSTAGSKONZERT 6

09.05.2019

AUFREGEND VIELSAITIG MOS KONZERTSAISON 2018 · 2019

Riccardo Minasi Chefdirigent

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Fotos: © Gisela Schenker

CHRISTIANE KARG

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ie in Feuchtwangen (Bayern) geborene Sopranistin Christiane Karg erhielt ihre Gesangsausbildung am Salzburger Mozarteum. 2006 gab sie noch während ihres Studiums ihr vielbeachtetes Debüt bei den Salzburger Festspielen und kehrte seitdem mehrfach hierher zurück. Sie gastiert regelmäßig an führenden Opernhäusern wie dem Theater an der Wien, der Bayerischen Staatsoper, der Komischen Oper Berlin, der Semperoper Dresden, der Opéra de Lille, am Festspielhaus Baden-Baden, am Royal Opera House Covent Garden, an der Mailänder Scala und der Lyric Opera of Chicago. Auch für die Konzertpartien ihres

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Faches ist Christiane Karg international gefragt. Zu ihren musikalischen Partnern zählen Dirigenten wie Daniel Harding, Christian Thielemann, Riccardo ­Muti, Zubin Mehta, Yannick Nézet-Séguin, Thomas Hengelbrock, Andrés Orozco-Estrada, Mariss Jansons und Herbert Blomstedt. Dabei arbeitet sie mit bedeutenden Orchestern wie dem Concentus Musicus Wien, dem NDR Elbphilharmonie Orchester, der Staatskapelle Dresden, dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa ­Cecilia sowie regelmäßig mit dem Mozarteum­ orchester Salzburg, dem Rotterdams Philharmonisch Orkest, dem Philadelphia Orchestra, dem Symphonieorchester des Baye-


rischen Rundfunks, mit den Bam- sie mit den Bamberger Symphoberger und Wiener Symphonikern nikern unter David Afkham aufsowie den Münchner und Ber- genommen hat. liner Philharmonikern zusammen. Mit besonderer Leidenschaft wid­ met sich die Sopranistin dem Liedgesang und kammermusikali­schen Projekten. Sie ist regelmäßiger Gast der Schubertiade Schwarzenberg und der Londoner Wigmore Hall und gibt Liederabende bei allen großen Festivals. Zusätzlich zu ihren zahlreichen Engagements konzipiert und verantwortet Christiane Karg als künstlerische Leiterin des Festivals KunstKlang eine eigene Konzertsaison in ihrer Heimatstadt Feuchtwangen. Ihre Alben wurden u. a. mit dem ECHO Klassik oder dem Kulturpreis Bayern in der Kategorie Kunst ausgezeichnet. Im April 2017 erschien ihre CD Parfum mit Werken von Ravel, Debussy, Britten, Koechlin und Duparc nach französischer Dichtung, die

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TOBIAS MORETTI © Christian Hartmann

Tobias Moretti studierte zunächst Musik an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nach seiner Theaterausbildung an der Otto-­ Falckenberg-Schule in München wechselte er noch während seines ersten Engagements am Staatstheater Hannover zu Frank Baumbauer ans Residenztheater München. Ab 1986 war er Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Dort feierte er Erfolge u. a. in Shakespeares Troilus und Cressida, Fassbinders Katzelmacher und Achternbuschs Der Frosch. Nach ersten Gastspielen in Wien debütierte er 1995 am Wiener Burgtheater in Tschechows Der Heiratsantrag. Seit Anfang der 1990er Jahre war er zunehmend in Film und Fernsehen präsent: Nach einem Serienausflug folgten Spielfilme wie Workaholic (Regie: Sharon von Wietersheim), Krambambuli (Regie: Xaver Schwarzenberger), Todfeinde (Regie: Oliver Hirschbiegel), Schwabenkinder (Regie:

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Jo Baier) und Jürgen Flimms Adaption von Kleists Käthchen von Heilbronn. Dazu kamen Fernsehspiele wie The Return of the Dancing Master (Regie: Urs Egger nach Henning Mankell), seine HitlerDarstellung in Heinrich Breloers Doku-Drama Speer und Er oder Das jüngste Gericht (Regie: Urs Egger, mit Christoph Waltz). Zu den Produktionen der letzten Jahre zählen: Mobbing (Regie: ­Nicole Weegmann), Das Zeugenhaus (Regie: Matti Geschonneck), Alles Fleisch ist Gras (Regie: ­Reinhold Bilgeri), Mordkommission Berlin Eins (Regie: Marvin Kren), Im Namen meines Sohnes (Regie: Damir Lukacevic) und Andreas Prochas­ kas­ORF-Dreiteiler Maximilian. Das Spiel von Macht und Liebe als Friedrich III. Die letzten Kinoproduktionen waren Io, Don Giovanni (Regie: Carlos Saura), Jud Süß – Film ohne Gewissen (Regie: Oskar Roehler), Das finstere Tal (Regie: Andreas Prochaska), Hirngespinster (Regie: Christian Bach), Der Vampir auf der Couch (Regie: David Rühm), Das ewige Leben


und Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit (Regie: Wolfgang Murnberger). 2017 kam Die Hölle – Inferno (Regie: Stefan Ruzowitzky) in die Kinos. Neben seiner Filmtätigkeit spielte er weiter Theater an verschiedenen Bühnen: die Hauptrolle in Botho Strauß’ Uraufführung Pancomedia am Schauspielhaus Bochum (2001, Regie: Matthias Hartmann) und bei den Salzburger Festspielen Jedermanns guter Gesell/Teufel im Jedermann (2002–2005), Mozart in Turrinis Uraufführung Da Ponte in Santa Fe (2002, Koproduktion mit dem Berliner Ensemble, Regie: Claus Peymann) sowie die Titelrolle in Martin Kušejs umjubelter Inszenierung von Grillparzers König Ottokar (2005, bis 2009 am Wiener Burgtheater). 2009 bis 2012 war Moretti als Faust (Regie: Matthias Hartmann) am Burgtheater zu sehen. Von 2011 bis 2014 spielte er am Bayerischen Staatstheater Friedrich Hofreiter in Schnitzlers Das weite Land, 2012 bis 2016 war er der Grenzjäger im Weibsteufel (Regie: Martin Kušej). 2013 gab er bei den Salzburger Festspielen den Bassa Selim in Mozarts Die Entführung aus dem Serail (Regie: Adrian Marthaler).

Zaide (Mozartwoche) und 2006 am Opernhaus Zürich in La finta giardiniera. Morettis Leistungen wurden vielfach gewürdigt: Er wurde u. a. 1987 von der Bayerischen Akademie der Künste als „Schauspieler des Jahres“ ausgezeichnet; ferner erhielt er den Bayeri­ schen Filmpreis (1995 und 2014), die Silver Tulip (1997), den Bayerischen Fernsehpreis (1999), den Grimme-Preis (2000, 2002) sowie mehrfach die Romy (zuletzt 2016). Für König Ottokar wurde er 2006 mit dem GertrudEysoldt-Ring der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste bedacht. 2014 erhielt er den Deutschen Filmpreis und 2015 den Großen Schauspielpreis der Diagonale. 2015 bekam er zudem den Bambi als „Bester Schauspieler“ für Das Zeugenhaus. 2016 wurde Tobias Moretti „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie „Kulturerbe“.

2016 war er in Brecht/Weills Die Dreigroschenoper als Macheath am Theater an der Wien zu sehen und zu hören (Musikalische Leitung: Johannes Kalitzke, Regie: Keith Warner). Bereits 2009 inszenierte er dort Haydns Il mondo della luna (Dirigent: Nikolaus Harnoncourt). Mit Harnoncourt arbeitete er zuvor in zwei MozartProduktionen, 2005 in Mozarts © Rudi Gigler/Jedermann 2017

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© Nancy Horowitz

FEUERWERK, TEMPERAMENT UND NOCH MEHR DRIVE DAS MOZARTEUMORCHESTER UND SEIN LEBHAFTER CHEFDIRIGENT RICCARDO MINASI GEHEN IN DIE ZWEITE SAISON 28


Mit einem mitreißenden musikalischen Feuerwerk hat Riccardo Minasi das Salzburger Publikum in seiner ersten Spielzeit als Chefdirigent des Mozarteumorchesters im Sturm erobert. Der „wahrhaftige Blitzstrahl“ der ersten Begegnung zwischen Dirigent und Orchester im September 2016 hat sich als zündender Moment für eine ambitionierte und äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit erwiesen. „Nach meiner ersten Saison als Chefdirigent des Mozarteumorchesters kann ich eine

äußerst positive Bilanz ziehen. Nicht nur, dass ich die fantastischen Musikerinnen und Musiker des Orchesters besser kennenlernen konnte, auch unser Repertoire erfährt eine kontinuierliche Erweiterung“, resümiert der gebürtige Römer. Die Reaktionen in den Konzertkritiken von den Salzburger Nachrichten über die Kronen Zeitung Salzburg bis hin zu DrehPunktKultur sind eine weitere Bestätigung der perfekt funktionierenden Zusam-

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© Siponen

menarbeit zwischen Orchester und dem vor Energie sprühenden italienischen Maestro: Von begeisterten Ausführenden und beglückten Zuhörern ist da die Rede, von Feuerwerk, Temperament und noch mehr Drive, aber auch von frischer Schönheit, schillernder Vielfalt und einem vollkommenen Mozart-Glück. Selbst Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte den lebendigen und schwungvollen Geist: „Ihre Begeisterung beim Spielen überträgt sich unmittelbar auf die Zuhörerinnen und Zuhörer“, sagte er beim weltweit ausgestrahlten Festakt zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2017 über das Mozarteumorchester unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten.

Einzigartiges Musikereignis im November Unter dem Titel „Leidenschaften“ eröffnen Riccardo Minasi und das Mozarteumorchester im September 2018 die neue Konzertsaison. Zu den Höhepunkten der Spielzeit zählt zweifellos die Auffüh-

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rung von Leonard Bernsteins gewaltiger Komposition „Mass“ anlässlich des 100. Geburtstags des Jahrhundertkünstlers. Rund 200 Mitwirkende werden am 11. November die Bühne des Großen Festspielhauses bevölkern – vom Blasorchester über mehrere Chöre bis hin zum großen Symphonieorchester – wobei zahlreiche Salzburger Kräfte eingebunden werden. Um dieses einzigartige Musikereignis möglichst vielen kulturbegeisterten Menschen erfahrbar zu machen, wird es am 13. November, ebenfalls im Großen Festspielhaus, eine zweite Aufführung geben. Ein weiteres Highlight ist HK Grubers Pandämonium „Frankenstein!!“ mit dem Werkschöpfer als Chansonnier – ein Kultstück, das weltweit bereits mehr als 600 Mal gespielt wurde. Auch international ist das kürzlich mit dem Echo-KlassikPreis ausgezeichnete Mozarteumorchester gut unterwegs: Beim renommierten Bratislavaer Musikfestival und auf DeutschlandTour mit Debüt-Auftritt in der spektakulären Hamburger Elbphilharmonie.


Spontane ClassicJam-Session nach der neuen Kammermusikreihe im Nonntal Großes verspricht die Premiere einer neuen Kammermusikreihe mit dem Titel „Viertel nach acht“, ein Podium für die Neuzugänge des Klangkörpers. Viermal donnerstags öffnen sich im Nonntaler Orchesterhaus die Pforten für die von den jungen Musikerinnen und Musikern selbst konzipierten, mit Literatur durchspickten Kammerkonzertprogramme. Doch das ist noch nicht alles. „Unsere Idee ist, den etwa einstündigen Konzerten bei geöffneter Bar im Foyer noch eine spontane Classic-Jam-Session folgen zu lassen“, schwärmt der niederländische Solohornist und Mitinitiator des neuen Zyklus Rob van de Laar, für den Kammermusik seit jeher die zweite große Liebe ist. Dieses attraktive Format in zwanglosem Rahmen, so hofft

er, soll sich vor allem bei den jungen Menschen in der Stadt herumsprechen. Auch im Bereich der Musikvermittlung erkunden das Mozarteumorchester und sein bereits bewährter Musikvermittler Philip Haas neue Wege. In kammermusikalischer Besetzung statten die Orchestermitglieder den Kantinen Salzburgs einen klangvollen Besuch ab. Mittels eines kurzweiligen und moderierten Live-Konzerts während der Mittagspause sollen bei den Zuhörern mögliche unbewusste Barrieren in Bezug auf die klassische Musik abgebaut werden. Wer unverbindlich reinhören möchte beim Mozarteumorchester und seinem schwungvollen Maestro, kann dies am 9. Juni 2018 um 12 Uhr beim „Konzert für Jedermann“, einem Open-Air-BenefizEvent zugunsten von „DiabetesKids“, auf dem Kapitelplatz tun. Der Eintritt ist frei! 11.00 UHR · GROSSES FESTSPIELHAUS

LEONARD BERNSTEIN Mass Ein Theaterstück für Sänger, Instrumentalisten und Tänzer RICCARDO MINASI Dirigent ELLIOTT CARLTON HINES Zelebrant CHÖRE DES MUSISCHEN GYMNASIUMS SOLISTEN, STREET PEOPLE, ROCKBAND Weitere Aufführung: 13. November 2018 · 19.30 Uhr KARTENBÜRO DER STIFTUNG MOZARTEUM Mozart-Wohnhaus, Theatergasse 2, 5020 Salzburg +43 (0)662 873154 oder tickets@mozarteum.at Studenten, Schüler und Lehrlinge zahlen nur 10 Euro. Musikliebhaber unter 30 sind mit nur 15 Euro dabei.

mozorch.at

KARTEN UND ABOS FÜR DIE SAISON 2018–2019 Beim Kartenbüro der Stiftung Mozarteum Salzburg Theatergasse 2, 5020 Salzburg Tel. +43 662 / 87 31 54, E-Mail: tickets@mozarteum.at

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Es kommt nicht alle Tage vor, dass einer der ältesten Klavierhersteller einen neuen Konzertflügel entwickelt. Eine große Herausforderung, soll der Flügel im Konzert auf den großen Bühnen dieser Welt für Begeisterung sorgen und mit farbenprächtigen Klängen verzaubern – ist er doch das Aushängeschild der Klangschmiede. Doch was macht einen erfolgreichen Konzertflügel eigentlich aus? Und warum wird ein bestimmtes Instrument von den besten Künstlern der Zeit bevorzugt gespielt? Welchen Anforderungen muss ein Konzertflügel heutzutage standhalten?

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Grundsätzlich ist es wichtig, dass ein Konzertflügel für unterschiedliche Anforderungen einsetzbar ist: vom kammermusikalischen Begleitinstrument im kleinen Rahmen bis zum Klavierkonzert im großen Konzertsaal mit tausenden Konzertbesuchern. Die Klangqualität ist in allen Fällen entscheidend. Einerseits braucht ein Flügel genügend Kraft und Volumen, um spielerisch ein ganzes Orchester zum musikalischen Tanz aufzufordern. Andererseits soll er Wärme und gesangreiche Tonalität ohne Mühe erzeugen, die für Kammermusik oder Liedbegleitung die vollendeten Klangwellen erzeugen. Schon Ignaz und Ludwig


BÖSENDORFER

& DIE VISION

Bösendorfer waren davon überzeugt, dass Flügel nicht nur technisch brillieren, sondern Pianisten und Publikum mit ihrem Klang inspirieren sollten und so fiel im April 2012 der Startschuss ganz im Sinne der Bösendorfer Gründer Ignaz und Ludwig Bösendorfer. Je tiefer wir im Zuge der Diskussion in einen Bereich vordrangen, desto mehr Fragen ergaben sich zwangsläufig. So produzierten wir zunächst mehr Fragen als Antworten: Was macht die Identität des Bösendorfer Flügels aus? Was erwarten sich Pianisten heute konkret von einem Konzertflügel? Wie sind die Anforderungen hinsichtlich des heutigen Kon-

zertbetriebes? Welche Rolle spielt die allgemeine Stabilität des Flügels hinsichtlich extremer Belastungen, veränderter klimatischer Bedingungen, häufiger Transporte? Eine Partitur an Fragen, mit zahlreichen Anmerkungen am Rande.

Die Vision: den besten Konzertflügel der Welt zu bauen Wir dachten in alle Richtungen – nichts war unmöglich oder zu verrückt, um es in Betracht zu ziehen. Die größte Herausforderung bestand in der Weiterentwicklung des Resonanzkastenprinzips, das

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Aufteilung, Ausrichtung und Positionierung der einzelnen Felder, Auswahl der 1-2 und 3-chörigen Basssaiten, Verhältnis der Zugkraftauslastung zwischen den Bereichen Bass, Mittellage, Diskant, sowie Anschlagslängen, Anschlagslinie – und vieles mehr. Mittels computerunterstützten Programmen visualisierten, berechneten und gestalteten wir sämtliche Verläufe betreffend Inharmonizitätskurven, Auslastungswerten und Zugkräfteverteilung, um ein Höchstmaß an Ausgewogenheit, Ausgeglichenheit sowie Schwingungsfähigkeit und Schwingungsdauer zu erreichen. Die Rastenkonstruktion des 280VC ist traditionell als Bösendorfer typische Kastenraste angelegt. Aus klanglichen Überlegungen verwenden wir in erster Linie Fichten- und Buchenmassivholz. Diese Rastenkonstruktion birgt aber auch einige innovative Elemente, die mit der modernen Technologie erst möglich wurden. Die 3-dimensionale Konstruktionsweise ermögWesentliche Konstruklicht eine anschließende, auf den tionsmerkmale des neuen gleichen Daten aufbauende, hochKonzertflügels 280VC präzise Bearbeitung sämtlicher Neu sind sämtliche Parameter der Holzverbindungen im Bereich der Mensur: Länge, Stärke, Zugkräfte, Rastenelemente und Spreizen, des für die typische gesangreiche Bösendorfer Klangfarbe ausschlaggebend ist, denn wir wollten ein Maximum an Resonanz- und Projektionsfähigkeit erreichen. Damit definierte sich die akustische Anlage als der wichtigste und alles entscheidende Bereich für den Bau eines herausragenden Konzertflügels. Dabei war die Optimierung des Wirkungsgrades bzw. der Schwingungsfähigkeit und Schwingungsfreiheit des Resonanzbodens entscheidend. Wir nutzten Computerberechnungsmodelle für Mensur und Statik und computerunterstützte 3-dimensionale Konstruktionswerkzeuge. Eine CNC unterstützte Teilefertigung kombinierten wir mit den Fähigkeiten, dem Wissen und nötigen Gespür unserer erfahrenen Kunsthandwerker für die sensiblen Materialien und ausgewählten Werkstoffe: Flügelbau auf einer neuen und zeitgemäßen Ebene.

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Damms und der Spiellade in einer bisher nie dagewesenen Präzision. Der klangliche Aspekt des Fichtenresonanzholzes als Kernmaterial bleibt dabei völlig unberührt. Durch die präzise konstruktive Basis des 3-dimensionalen Modells und durch ein optimal abgestimmtes Monitoring der tatsächlichen Veränderungen, die durch die herrschenden Druckverhältnisse bedingt sind, konnten wir erstmals die Vorgänge im Bereich der akustischen Anlage genau nachvollziehen und in der Feinabstimmung der Maße und Regulierungen berücksichtigten. Dies wirkte sich positiv auf das Resonanzverhalten, den Wirkungsgrad und das generelle Ansprechverhalten des Resonanzbodens aus, der das wichtigste schallabstrahlende Element des Flügels ist. In diesem Bereich spielt sozusagen die Musik und hier trennt sich die Spreu vom akustischen Weizen.

Die Spannung vor der Fertigstellung

blieb derweil noch offen: wie wird sich der Flügel in einem großen Konzertsaal bei einem Klavierkonzert mit großem Orchester behaupten? Dabei ist die Spielbarkeit der Mechanik von enormer Wichtigkeit. In einem aufwendigen Prozess wurde die Mechanikgeometrie, das Zusammenspiel der akustischen Anlage und der Spielart aufeinander abgestimmt. Zahlreiche Pianistinnen und Pianisten spielten und testeten den neuen Konzertflügel auf Herz und Nieren - ein feuriger musikalischer Härtetest sozusagen. Im Herbst 2015 war es dann soweit. Wir präsentierten unseren neuen Konzertflügel 280VC – Vienna Concert der Öffentlichkeit. Seit dem wurde der Flügel bei vielen Konzerten national und international gespielt. Bei Tonaufnahmen ist er ein begehrter Partner – zahlreiche CD’s wurden bereits von namhaften Künstlern mit diesem Flügel aufgenommen. Auch bei Wettbewerben glänzt er – unter anderem beim ältesten und wichtigsten Klavierwettbewerb in Wien, dem Internationalen Beethoven Klavierwettbewerb sowie beim Internationalen Mozart Klavierwettbewerb in Salzburg.

Wir testeten die Schwingungsfähigkeit, hörten die Eigenfrequenz der verschiedenen Bereiche ab, und versuchten uns vorzustellen, wie der fertige Flügel wohl am Ende klingen wird. Es folgte der Weitere Informationen finden Sie Einbau der Klaviatur und Mecha- unter: www.boesendorfer.com nik. Der absolute Höhepunkt ist der Vorgang der Intonation. Hier wird das klangliche Ergebnis auf einen Schlag offensichtlich und es zeigt sich, ob die Entwicklung erfolgreich war oder nicht. Im Fall des 280VC wurde sehr schnell deutlich, dass sich die vielen Stunden an Entwicklungsarbeit ausgezahlt hatten. Eine große Frage

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Salzkammergut Sommerfestivals

Foto: © Patricia Thurner

S

ommerfestivals beleben Jahr für Jahr das Kulturleben im Salzkammergut. Sie rücken dabei immer wieder jene Künstler in den Mittelpunkt, die die Region der Berge und Seen als Quell der Inspiration zu nutzen wussten. Zahlreiche Künstler fanden hier den idealen Platz, um ihre heute weltberühmten Werke zu schaffen. Gustav Mahler kam an den Atter-

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see, um hier zu komponieren. Ebenfalls am Attersee schuf Gustav Klimt seine bedeutendsten Landschaftsbilder. Und Thomas Bernhard fand sein persönliches Refugium in Ohlsdorf bei Gmunden. Die Salzkammergut Festwochen Gmunden sind Oberösterreichs größtes Sommerfestival. Der landschaftliche Reiz des Traunsees mit den darüber thronenden Traunstein bietet hier die Kulisse für ein inhaltlich


Die Strandpromenade in Mondsee ist umrahmt von der imposanten Drachenwand

breit angelegtes Programm. Von Literatur bis Musik, von Klassik bis Jazz spannt sich ein breiter Bogen. Ganz und gar der Operette verschrieben hat sich im Gegensatz dazu das Lehár-Festival in Bad Ischl. Und welche Kulisse eignet sich besser für ein Festival zu Ehren Franz Lehárs, als die Kaiserstadt im Herzen des Salzkammergutes, die nach wie vor imperiales Flair

atmet? Und auch anderswo im Salzkammergut klingen Berge und Seen. Etwa am Attersee bei den Steinbacher Philharmonischen Wochen oder beim Attergauer Kultursommer. Gleich zwei Mal rückt der Mondsee ins Rampenlicht – mit den Musiktagen Mondsee und dem Mondseer Jedermann, der Mundartversion des Klassikers vom Salzburger Domplatz.

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Das MondSeeLand, nur 27 km von Salzburg entfernt, bietet viele Möglichkeiten, bewusst die Schönheit dieser einmaligen Landschaft zu erleben. Die markanten Berge wie Drachenwand und Schafberg, sowie die beiden großen, warmen Badeseen bieten die besten Voraussetzungen für einen unvergesslichen Ausflug. Historisch kann das MondSeeLand auf eine 6000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Im ufernahen Bereich des Mondsees bei See und Scharfling unter Wasser wurden Reste von Siedlungen gefunden und man förderte einen reichen Fundbestand an Zeugnissen jungsteinzeitlicher Töpferei

Foto: © Patricia Thurner

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und Werkzeugen aus Stein und Knochen zu Tage. Man deutete sie als die Reste einer Pfahlbaukultur.Neben der beeindruckenden Geschichte, der historischen Bauten und den warmen Badeseetemperaturen hat die Region noch viel mehr zu bieten. Als beliebtes Urlaubsziel ist das MondSeeLand bereits seit Jahren über seine Grenzen hinaus bekannt, doch sind die beiden Seen mit Trinkwasserqualität nicht der einzige Grund, warum Jahr für Jahr zahlreiche Gäste verschiedener Nationen sich genau dieses Fleckchen als Urlaubsziel aussuchen. Vielmehr sind es die zahlreichen Möglichkeiten, die es hier zu Land und am Wasser zu entdecken, erleben und genießen gibt. Ob sportlich, kulturell oder einfach nur unterhaltend, die Auswahl ist groß! Wanderer, Radfahrer, Golfer und Reiter schöpfen hier aus dem Vollen. Kultureinsteiger und -begeisterte können die Jahrtausend alte Geschichte der Region MondSeeLand, Mondsee-Irrsee auf speziellen Kulturwegen entdecken. Die gut gekennzeichneten Wege sind durchwegs leicht und als Rundwanderwege angelegt. Angefangen von interessanten Themenwanderungen über spezielle Kulturwanderungen bis zu einem eigenen Kindererlebnisweg ist für jeden die richtige Wanderung dabei. Genießen Sie einen Ausflug auf den Nostalgieschiffen am Mondsee und lassen Sie sich in den vielen Restaurants und Gasthöfen kulinarisch verwöhnen. Es gibt immer einen guten Grund im MondSeeLand Gast zu sein.


M A I N S TAG E

L A K E S TAG E

FREITAG 19:30 • FLO FIN 21:00 • THE GOOD COMPANY 23:30 • DIE GLORREICHEN HALUNKEN

20:00 • DJ LUZIOUS 22:30 • CHRIS ARMADA 00:00 • LUC A Z

SAMSTAG 19:30 • BAD WINE 21:00 • THE DIBSS 23:30 • TUSH

20:00 • YOUNG SOUNDS 22:30 • SHANY 00:00 • TOBY ROMEO

SONNTAG 11:00 • HEAV Y BR A SS CONNEC TION (FRÜHSCHOPPEN) 14:00 • BLUE C AT & THE HOT DOGS 18:00 • JUST SO

20:30 • MUSIKK APELLE TIEFGR ABEN

BIK E & T RIK E T REFFEN • K INDERPROGR A MM - K IDSM A NI A S CH A R T NER B OMBEN CH A L L ENGE • FEUERWERK EIN T R I T T SPR EISE

FREITAG & SAMSTAG - V V K E U R 10,0 0 / A K E U R 12 ,0 0 SONNTAG - F R E I E R E I N T R I T T B I S 1 3: 0 0 U H R V V K E U R 7,0 0 / A K E U R 9,0 0 D R E I -TA G E S- E I N T R I T T E U R 2 5 ,0 0 K A R T E N V O R V E R K A U F B I S F R E I TA G 1 6 : 0 0 U H R K I N D E R B I S 14 J A H R E E I N T R I T T F R E I !

TOURISMUSBÜRO MONDSEEL AND DR . FR A NZ MÜLLER S T R . 3 / T EL . +43(0)62 32 2270 / INFO@MONDSEE . AT W W W . M O N D S E E . AT

SEEFESTMONDSEE

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Mehr interessante Artikel, Künstlerportraits und nicht zu vergessen unser vielseitiges Kunst- und KulturProgramm erfahren Sie in unserer neuen Ausgabe. Salzburgs 1. Veranstaltungskalender und Kulturführer Erhältlich bei:

8

ng | Nr. 32 65. Jahrga

› Afro Café

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› Arge Kultur › Café Central › Café Bazar › Café Glockenspiel

Jun | Nr. 328 – . Jahrgang spiegel | 65 r Wochen Salzburge

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› Café Fingerlos

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› Café Fürst RGER SALZBUIE LE 18 FESTSP – 30. AUGUST 20 20. JULI

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› Café Klassik & TT UR N LT ME R KU TAIN FÜ R ER G TE TA EN AN

› Café Tomaselli

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› Café Universum

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› Café Wernbacher

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› Das Kino › Kleines Theater › Mozarteum › Schauspielhaus › Hotels in Stadt und Umgebung …

Mehr Informationen unter: www.wochenspiegel.at

Sbg wochenspiegel juni -aug. 2018  
Sbg wochenspiegel juni -aug. 2018  
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