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64. Jahrgang | Nr. 325

Salzburgs 1. Veranstaltungskalender und Kulturführer

SALZBURGER FESTSPIELE 21. JULI – 30. AUGUST 2017

ANNA NETREBKO DIE OPERNDIVA MIT DER ÜBERWÄLTI­ GENDEN BÜHNENPRÄSENZ UND ATEM­ BERAUBENDEN STIMME SORGT FÜR EINEN BESONDEREN GLANZ BEI DEN SALZBURGER FESTSPIELEN

& UR ENTT T L KU AINM R RT R FÜ E T EN NE AG

PLADEN T JE

JUNI · JULI · AUGUST 2017 KONZERT · THEATER · JAZZ · MUSEEN GALERIEN · OPER · LESUNGEN · KABARETT GESCHICHTE · MENSCHEN · AUSFLÜGE © Kirk Edwards


Š Patricia Thurner


BLICK VOM MIRABELLGARTEN AUF DIE FESTUNG HOHENSALZBURG


© Blowup/Salzburg

EDITORIAL LEBENSQUALITÄT MIT TRADITION UND MODERNE

Salzburg, das ist für viele Menschen die Stadt schlechthin. Die barocke Perle an der Salzach wird im Sommer für einige Wochen zum Nabel der Kulturwelt, wenn die Salzburger Festspiele mit ihren fantastischen Opernabenden, außergewöhnlichen Konzertreihen und spannenden Schauspiel-Aufführungen den besonderen Glanz in die Mozartstadt transportieren. Wenn man durch die Salzburger Altstadt spaziert, dann sieht man, dass sie von kunstsinnigen, lebenslustigen Fürsterzbischöfen gebaut wurde – ganz Barock und Heiterkeit, voll von Mozartmusik und süßen Mozartkugeln. Es gibt kaum eine Epoche, die in Salzburg nicht ihre baulichen Spuren hinterlassen hat. Die Altstadt selbst ist eine wahre architektonische Schatzkiste. Doch auch das Zeitalter der Moderne hat in Salzburg seine Spuren hinterlassen. Die überraschenden Gegensätze bilden eine faszinierende Mischung, einen interessanten Kontrast zur barocken Architektur, wie zum Beispiel das Museum der Moderne, ein spektakulär angelegtes Gebäude, hoch über den Dächern der Altstadt, direkt an der steil abfallenden Klippe des Mönchsberges. Das Spannungsfeld zwischen der Moderne oder dem Traditionellen durchzieht auch die Kaffeehauskultur dieser Stadt. So kann der Besucher seinen Kaffee im Zeitgenössischen, von Matteo Thun gestalteten „M32“ auf dem Mönchsberg mit einmaliger Aussicht auf die Altstadt genießen, oder ganz ehrwürdig, im ältesten Kaffeehaus von Österreich, im „Tomaselli“, oder im „Bazar“, auf der rechten Uferseite der Salzach. Einen Katzensprung von Salzburg entfernt liegt das Salzkammergut, einer der bezauberndsten Regionen Österreichs. Mit seinen Bergen und kristallklaren Seen verbindet es landschaftliche Schönheit mit Tradition und Kultur. Die regionalen Kulturfestivals sind von höchster Qualität, exzellente Künstler erfreuen das Publikum jedes Jahr aufs Neue mit einem abwechslungsreichen Kulturprogramm. Attraktionen in Serie – klassische Konzertreihen, feinster Jazz, Literaturschwerpunkte oder Seefeste in traumhafter Landschaft. Die Qual der Wahl oder einfach nur aus dem „Vollen schöpfen“? Entscheiden Sie selbst und genießen Sie Lebens­ qualität in ihrer vielseitigsten Weise. Patricia Thurner


INHALT

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06 Cecilia Bartoli 14 Salzburg 18 Mozartwoche 2018 34

Salzburger Festspiele Größtes Klassik-Festival der Welt Erfolgreichste Klassikkünstlerin der Gegenwart

Kulturnabel der Welt mit internationalen Stars

Vorschau auf das Klassik Highlight des kommenden Winters

38 Salzkammergut-Festivals 44 74 Ein Blick zum Nachbarn nach Oberösterreich 84 Veranstaltungsprogramm für drei Monate Mozarteumorchester Salzburg

Neue Besetzung des Chefdirigenten

Einzigartige Atmosphäre in bezaubernder Landschaft

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Impressum


KONZERTSAISON 2017 · 2018

DIE BEGEGNUNG ZWISCHEN DEM MOZARTEUMORCHESTER UND MIR WAR EIN WAHRHAFTIGER BLITZSTRAHL. RICCARDO MINASI

Das neue Programm unter: mozarteumorchester.at

Riccardo Minasi Chefdirigent


Salzburger Festspiele 21. Juli — 30. August 2017 Felsenreitschule

Der neue Intendant Markus Hinterhäuser wird im Opern­ programm fünf Neuinszenierungen, drei halbszenische Aufführungen und zwei konzertante Aufführungen präsentieren.

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röffnet werden die Salzburger Festspiele mit Mozarts Oper „La clemenza di Tito“, inszeniert von Peter Sellars. Der amerikanischen Regisseur, hat bereits 1998 mit Olivier Messiaens Oper Saint Francois D´Assise Festspielgeschichte geschrieben. Der von Kulturjournalisten zum Dirigenten des Jahres 2016 gewählte Teodor Currentzis übernimmt die musikalische Leitung . In den Hauptrollen singen: Russell Thomas in der Rolle des Tito Vespasiano, Golda Schultz als Vitellia, Christina Gansch als Servilia und Marianne Crebassa als Sesto. Teodor Currentzis wird mit dem von ihm in Russland gegründeten Orchester musicAeterna und dem musicAeterna Choir in der Felsenreitschule die Salzburger Festspiele eröffnen. Cecilia Bartoli tritt bereits bei den Pfingstfestspielen in einer ihrer so


© Andreas Kolarik

geliebten Hosenrollen, dem „Ariodante“ auf. Im Sommer stehen fünf weitere Aufführungen von Georg Friedrich Händels Oper Ariodante auf dem Spielplan, in der der Komponist virtuos sämtliche Varianten von Liebe, Macht und Intrige vorführt. Christof Loy inszeniert das Dramma per Musica im Haus für Mozart. Neben Cecilia Bartoli singen Kathryn Lewek als Ginevra, Rolando Villazón als Lurcanio und Christophe Dumaux als Polinesso. Diego Fasolis dirigiert das 2016 von Cecilia Bartoli gegründete Orchester Les Musiciens du Prince – Monaco, es singt der Salzburger Bachchor. Giuseppe Verdis „Aida“ zählt bis heute zu den meistgespielten Opern. Wohl einer der besten Verdi-Kenner unserer Zeit, Riccardo Muti dirigiert die Wiener Philharmoniker und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor

im Großen Festspielhaus, Anna Netrebko gibt ihr Rollendebüt als Aida!

Das Rollendebüt von Anna Netrebko in der Aida-Produktion sorgt schon im Vorfeld für Glanz Die 1978 in München uraufgeführte Oper“Lear“ von Aribert Reimann basiert auf dem Shakespear’schen Stück King Lear. Die Oper ist ein Meisterwerk des Komponisten, der 2011 den Ernst von Siemens Musikpreis erhielt – quasi den Nobelpreis für musikalisches Schaffen. Sie wird längst zu den wichtigsten Opern des 20. Jahrhunderts gezählt. Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker, es singt die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor. Simon Stone inszeniert die Oper in der Felsenreit-

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Haus für Mozart schule. In den Hauptrollen singen Gerald Finley als König Lear, Lauri Vasar als Graf von Gloster, Evelyn Herlitzius als Goneril, Gun-Brit Barkmin als Regan und Anna Prohaska als Cordelia.

Intendant Markus Hinterhäuser stellt den heurigen Festspiel-Sommer unter den Titel „Epizentrum des Besonderen" Mit drei halbszenischen Aufführungen feiern die Salzburger Festspiele den 450. Geburtstag von Claudio Monteverdi, jenes Komponisten, der als Mitbegründer der Gattung Oper gilt. Sir John Eliot Gardiner, einer der großen Barock-Spezialisten unserer Zeit, bringt gemeinsam mit Elsa Rooke (Regie) alle drei erhaltenen Mon-

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teverdi-Opern in einem Zyklus in der Felsenreitschule zur halbszenischen Aufführung. Er musiziert mit den von ihm gegründeten English Baroque Soloists und dem Monteverdi Choir. Es singen: Krystian Adam, Romina Basso, Hana Blažíková, Francesca Boncompagni und andere. Sein 1607 uraufgeführter L‘Orfeo hat für Salzburg eine besondere Bedeutung. „Orfeo“ ist die erste Oper, die nördlich der Alpen aufgeführt wurde, nämlich 1614 im Carabinierisaal der Alten Residenz und nicht, wie fälschlicherweise manchmal behauptet wurde, im Steintheater in Hellbrunn. Für Il ritorno d’Ulisse in patria nutzte der Komponist die Odyssee von Homer als Grundlage. Und mit der Oper „L’incoronazione di


© Luigi Caputo

Poppea“, uraufgeführt 1643, behandelte Monteverdi erstmals ein historisches Sujet: die erotische Obsession des Kaisers Nero für die machthungrige Poppea.

"Die Strategien der Macht ziehen sich wie ein roter Faden durch das Opern­ programm mit fünf Neuinszenierungen"

Die beiden konzertanten Opern sollen ein echtes Sängerfest werden. „Delikat und voller Pathos“, so empfand Komponist Giuseppe Verdi das Sujet seiner 1844 geschriebenen Oper“ I due foscari“. Bei den Salzburger Festspielen 2017 wird das Werk zweimal konzertant aufgeführt. In der Hauptrolle singt Plácido Domingo den Francesco Foscari, an seiner Seite Maria Agresta als Lucrezia Contarini, Joseph Calleja als Jacopo Foscari u.a. Michele Mariotti di­ rigiert das Mozerteumorchester Salzburg, es singt der Philharmonia Chor Wien.

Gaetano Donizettis „Lucrezia Borgia“ steht ebenfalls als konzertante Aufführung zweimal auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele 2017. Es singen: Ildar Abdrazakov als Don Alfonso, Krassimira Stoyanova als Donna Lucrezia Borgia, Juan Diego Flórez als Gennaro. Marco Armiliato dirigiert das Mozarteumorchester Salzburg, es singt die Konzertvereinigung Wie­ner Staatsopernchor. Die neue Schauspielchefin Bettina Hering stellt in ihrem Spielplan Bezüge zu den Opern her, wie sie erläuterte. Konzertchef Florian Wiegand schilderte, dass er das

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Programm zusammen mit Hinterhäuser erstellt hat. Man habe nicht Strategien ändern, sondern das Augenmerk auf sinnhafte Konstellationen und Verknüpfungen gelegt. Wiegand versprach eine “einzigartige Ouverture spirituelle”, die in ihrem sechsten Jahr 2017 unter dem Motto “Transfiguration” steht. Die aufgeführten Werke sind auch ein Bindeglied zum Hauptprogramm, wie Wiegand erklärte. Sir Simon Rattle wird im nächsten Jahr zum letzten Mal als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker nach Salzburg kommen und Anne-Sophie Mutter feiert im kommenden Jahr ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum in Salzburg.

Jedermann, der Klassiker am Salzburger Domplatz Jedes Jahr lockt die Aufführung des „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal tausende Festspielgäste nach Salzburg. Der Salzburger Jedermann findet seit 1920 auf dem Domplatz statt – eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte, die jeden Sommer mit beispiellosen Inszenierungen und hochka­ rätigen Darstellern fortgesetzt wird. Eine Jedermann Vorstellung, die unter freiem Himmel und vor der Kulisse der Salzburger Altstadt ist ein unvergessliches Erlebnis und gehört zum Herzstück der Salzburger Festspiele. Als der Jedermann von Hugo von Hofmannsthal vor 105 Jahren erstmalig gespielt wurde, noch dazu in Berlin im Circus Schumann, in der Regie des Shootingstars Max Reinhardt, jubelte das Publikum und die Kritik schüttelte ungläu-

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big den Kopf. Man prophezeite dem Werk eine kurze Lebens­ dauer und bescheinigte ihm literarische und weltanschauliche Nichtswürdigkeit. Das Publikum jubelte weiter und stürmte die bald im gesamten deutschsprachigen Raum stattfindenden Vorstellungen. Dabei ist es geblieben. Selten hat ein Theaterstück derartig vernichtende Besprechungen ausgehalten und sich gleichzeitig derartiger Beliebtheit erfreut. Ein Wunder gewissermaßen. Oder auch nur eine tiefere Wahrheit des Theaters. Den Festspielen ist es gelungen, mit Regisseur Michael Sturminger, Renate Martin und Andreas Donhauser, die die Ausstattung übernehmen werden, ein erprobtes und erfolgreiches Team für den neuen Jedermann 2017 zu engagieren: Tobias Moretti wird als Jedermann am Domplatz zu sehen sein, die Buhlschaft an seiner Seite ist Schauspielerin Stefanie Reinsperger. Moretti war schon von 2002 bis 2005 als "Teufel" sowie als "Guter Gesell" in dem Drama zu sehen.

Und falls Sie keine Karten mehr bekommen können: Bei den Siemens Festspiel-Nächten haben Sie kostenlos die Möglichkeit, außergewöhnliche Opern und Konzerte vergangener Jahre ebenso wie aktuelle Produktionen der laufenden Festspiele auf einer Großbildleinwand am Kapitelplatz zu genießen.


Jedermann Aufführung 2015 vor dem Salzburger Domplatz

© Rudi Gigler

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Salzburger Festspiele

“AIDA“ mit Starbesetzung Aida ist Giuseppe Verdis drittletzte Oper – ihr folgten in großem Zeitabstand nur noch „Otello“ und „Falstaff“ nach Shakespeare. Dass „Aida“ ihre erfolgreiche Uraufführung 1871 am damals neuen Opernhaus in Kairo erlebt hat, ist hinlänglich bekannt. Die zäh sich haltende Behauptung, sie sei zur Eröffnung des Suezkanals komponiert worden, ist jedoch falsch. Man hatte Verdi lediglich um eine feierliche Hymne gebeten, aber der lehnte ab. Er sei schließlich kein Komponist für „Gelegenheitsstücke“.

"Aida" ist das Highlight des Festspiel-Sommers 2017 Initiatoren für „Aida“ waren der ägyptische Khedive Ismail Pascha mit seinem Wunsch nach einem Werk, das auf rein ägyptischen Quellen basieren sollte, sowie der berühmte französische Archäologe Auguste Mariette, der vor der Abfassung des ersten Aida-Szenariums das halbe antike Ägypten ausgegraben hatte. Tatsächlich hat Verdi während der Vorbereitung auch Erkundigungen über ägyptische Geografie, religiöse Traditionen und antike Musikinstrumente eingeholt, was sich in den sogenannten „ägyptischen Trompeten“ niederschlug, die eigens für den be-

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rühmtberüchtigten „Triumphmarsch“ entworfen wurden und vor allem optisch an altägyptische Instrumente erinnern. Wer Verdis Musik aufmerksam hört, weiß aber, dass es dem Komponisten nicht um musikalisierte Historie ging, sondern – wie in so vielen seiner Opern – um Kritik an einer menschenverachtenden Gesellschaft, diesmal eben im ägyptischen Gewande. „Aida“ sei „Verdis schönstes Werk“, schrieb der zeitgenössische Komponist Dieter Schnebel und pries ihre Musik als „ein warmes Humanum, welche das menschliche Leiden des Einzelnen wie der Vielen in Natur und Welt zur künstlerischen Utopie von tragischer Schönheit wie schöner Tragik überführt“. Giuseppe Verdis „Aida“ zählt bis heute zu den meistgespielten Opern, bei den Salzburger Festspielen steht sie erst zum zweiten Mal – nach 37 Jahren - auf dem Spielplan. Riccardo Muti, wohl einer der besten Verdi-Kenner unserer Zeit, dirigiert die Wiener Philharmoniker und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor im Großen Festspielhaus. Für die Regie konnte eine der bedeutendsten zeitgenössischen bildenden Künstlerinnen – die iranische Filmemacherin, Fotografin und Videokünstlerin Shirin Neshat – gewonnen werden. Es ist


ihre erste Opernregie. Anna Netrebko gibt ihr Rollendebüt als Aida. An ihrer Seite singen Ekaterina Semenchuk die Amneris und Francesco Meli den Radamès. In den letzten beiden Vorstellungen singen Vittoria Yeo die Aida

und Yusif Eyvazov den Radamès. Nach der Premiere am 6. August findet eine Gala-Soiree zu Ehren der Künstler in der Salzburger Residenz statt. Der Reinerlös fließt in die Jugendarbeit der Salzburger Festspiele.

Riccardo Muti

Anna Netrebko © www.ricardomuti.com

Ekaterina Semenchuk

© Monika Rittershaus

© Sheila Rock © Monika Rittershaus © Rudi Gigler

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CECILIA BARTOLI W

enn Cecilia Bartoli singt, ist vieles anders. Kritiker suchen nach neuen Metaphern, weil das gängige Vokabular nicht ausreicht. In ihrer Kehle, heißt es, müsse „ein Nest von Nachtigallen verborgen“ sein. Und überhaupt: Ihr angemessen seien schlicht und einfach „Liebesbekenntnisse“. In nüchternen Worten lässt sich das Phänomen Bartoli nicht fassen, auch nicht in Fakten und Zahlen. Aber sie be­legen auf ihre Weise, wie viel Cecilia Bartoli mit ihrer Musik bewegt.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Cecilia Bartoli unbestreitbar eine der führenden Künstlerinnen der klassischen Musik Von ihren Bild- und Tonträgeraufnahmen wurden mehr als 10 Millionen weltweit verkauft. Cecilia Bartoli ist, an Zahlen gemessen, die erfolgreichste Klassik-Künstlerin der Gegenwart und eine der populärsten Sängerinnen unserer Zeit. Dabei kommt sie ohne jede marktübliche Popularisierung aus. Offen für Entdeckungen, macht sie erlesene, thematisch durchdachte Projekte zu Welterfolgen. The Vivaldi Album, Italian Arias (von Gluck), The Salieri Album, Opera proibita, Maria,

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Sacrificium, Mission und St. Petersburg wurden mit zahlreichen Schallplattenpreisen ausgezeichnet, darunter fünf Grammys. Ihre Konzerte führen sie in die bedeutendsten Säle Europas, Amerikas, Asiens und Australiens. Zuletzt waren es vor allem Spitzenensembles der historischen Aufführungspraxis, die sie auf ihren Erkundungen begleitet haben, unter ihnen die Akademie für Alte Musik Berlin, Les Arts Florissants, I Barocchisti, der Concentus Musicus Wien, das Freiburger Barockorchester, Il Giardino Armonico, das Kammerorchester Basel, Les Musiciens du Louvre Grenoble und das Zürcher Orchester La Scintilla. Selbstverständlich hat Cecilia Bartoli auch mit vielen führenden Symphonieorchestern musiziert. Höhepunkte dieser Arbeit waren Programme, die sie mit den Wiener Philharmonikern entwickelt und realisiert hat. Im Sommer 2016 ist sie zum ersten Mal mit dem von ihr ins Leben gerufenen und in Monaco beheimateten Orchester Les Musiciens du Prince aufgetreten. 2012 wurde Cecilia Bartoli Künstlerische Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele; ihr Vertrag wurde kürzlich bis 2021 verlängert. Ihre besondere Fähigkeit,


© Uli Weber/Decca

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Künstlerisches mit Konzeptionellem zu verbinden, findet hier ein ideales Wirkungsfeld. Salzburg ist nun auch wichtiger Schauplatz ihrer Tätigkeit als Opernsängerin. 2013 fand hier Cecilia Bartolis Bühnendebüt als Norma statt – ein Meilenstein ihrer Karriere; Stationen ihrer Bühnenlaufbahn waren zuvor schon die Metropolitan Opera in New York, das Royal Opera House, Covent Garden, die Mailänder Scala, die Bayerische Staatsoper, das Opernhaus Zürich und das Théâtre des ChampsÉlysées in Paris. Zürich bildete im Herbst 2015 die erste Station einer „Tournee“ der Salzburger Produktion von Norma: Nach Monte Carlo singt Cecilia Bartoli 2016 diese Rolle auch beim Edinburgh Festival, am Théâtre des Champs-Élysées und in BadenBaden.

Immer wieder auf neuen, musikalischen Entdeckungsreisen Einen „Karriereplan“, erinnert sich die in Rom geborene Sängerin, habe es nicht gegeben: nur den Wunsch, Musik zu machen. Ihre Mutter, Silvana Bazzoni, unterrichtete sie im Gesang und blieb ihre einzige Lehrerin. Daniel Barenboim, Riccardo Muti, Herbert von Karajan und Nikolaus Harnoncourt suchten schon früh die Zusammenarbeit mit ihr. Die Künstlerin erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Léonnie-Sonning-Musikpreis (2010), der Herbert-von-KarajanPreis (2012) und der Polar Music Prize (2016).

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© Uli Weber/Decca


TERMINE 02.und 05. Juni 2017 / 16., 18., 22., 25., und 28. August Haus für Mozart; Georg Friedrich Händel „Ariodante“ 04. Juni 2017 19 Uhr; Haus für Mozart; Gioachino Rossini „La donna del lago“

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„Die Salzburger Festspi

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piele und ihre Künstler“

Das größte Klassik-Festival der Welt startet am 21. Juli und dauert bis zum 30. August und ist jedes Jahr aufs Neue ein Höhepunkt des kulturellen Lebens. Seit ihrer Geburtsstunde im Jahre 1920 zeichnet sich dieses Festival durch höchste musikalische Qualität, das Engagement internationaler Künstler und eine geglückte Kombination aus Tradition und Moderne aus. Alljährlich werden rund 200 Veranstaltungen im Juli und August von mehr als 250.000 Gästen besucht.

Die brillanten Soprane und Te­ nöre, die Pianisten, Geiger und Dirigenten – sie bringen jedes Jahr einen besonderen Glanz nach Salzburg. Ihre Attraktivität ist eine Draufgabe zur Musik, doch sie hilft auch, die Konzertsäle zu füllen. Kaum eine andere Kunstform transportiert die Aura von Status und Qualität so gut wie klassische Musik. Für einige Wochen wird die Mozartstadt zum Nabel der Kulturwelt mit ihren internationalen Top Stars.

© Luigi Caputo

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Salzburger Festspiele 2017

ANNA NETREBKO

© Kirk Edwards

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nna Netrebko hat den Begriff des Opernstars neu definiert und zählt zu den prominentesten Sängerinnen der Gegenwart. 2007 wurde sie als erste klassische Musikerin in die Liste „Time 100“, die von der Zeitschrift Time vorgenommen Auswahl der 100 einflussreichsten Menschen der Welt, aufgenommen. Seit ihrem triumphalen Salzburger Festspieldebüt als Donna Anna (Don Giovanni) im Jahr 2002 tritt Anna Netrebko an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt auf. Zu den Rollen, in denen sie bejubelt wurde, zählen Puccinis Mimì und Manon Lescaut, Verdis Violetta und Lady Macbeth, Bellinis Giulietta, Elvira und Amina, Mozarts Donna Anna und Susanna, Donizettis Norina, Adina, Lucia und Anna Bolena, Mas-

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senets Manon, Gounods Juliette sowie Tschaikowskis Tatjana und Iolanta. Bei den Salzburger Festspielen war sie zuletzt 2014 und 2015 als Leonora (Il trovatore) zu Gast. In der Saison 2015/16 gastierte sie als Leonora an der Metropolitan Opera und in einer Neuproduktion an der Pariser Opéra, gab ihr szenisches Rollendebüt als Verdis Giovanna d’Arco zur Saisoneröffnung der Mailänder Scala und war in Dresden erstmals als Elsa (Lohengrin) zu erleben. Außerdem unternahm sie eine Konzerttournee nach Asien und gab an der Met ihr New Yorker Liederabend-Debüt. Zu künftigen Projekten zählen Manon Lescaut an der Met, Lady Macbeth in München, Leonora in einer Neuproduktion in Wien sowie Tatjana an der Met und der Pariser Opera. Neben ihren Opernauftritten ist Anna Netrebko auf der ganzen Welt in Konzerten zu erleben – in renommierten Konzertsälen, aber auch in Stadien mit zehntausenden Besuchern. Viele ihrer Open-Air-Konzerte, u.a. in der Berliner Waldbühne, in Schloss Schönbrunn und auf dem Roten Platz in Moskau, wurden international im Fernsehen übertragen. 2014 sang sie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Sotschi die Olympische Hymne Anna Netrebko hat eine umfangreiche Diskografie vorzuweisen – darunter mehrere Soloalben für Deutsche Grammophon, die alle Bestseller waren – und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht: Sie wurde von Musical America zur Musikerin des Jahres 2008 ernannt und erhielt den


Künstlerportrait deutschen Bambi, den Classical BRIT Award als Sängerin des Jahres und weibliche Künstlerin des Jahres sowie zehn ECHO Klassik-Preise. Sie ist Trägerin des Russischen Staatspreises (2005) und des Titels „Volkskünstler Russlands“ (2008). Anna Netrebko wurde 1971 im russischen Krasnodar geboren und am Konservatorium in St. Petersburg ausgebildet. Als leidenschaftliche Botschafterin für das Wohlergehen von Kindern unterstützt sie eine Reihe karitativer Organisationen, darunter SOSKinderdorf International und die Russische Gesellschaft für Kinderwohlfahrt.

TERMINE 6., 9., 12., 16., 19., 22., + 25. August Großes Festspielhaus; Giuseppe Verdi „AIDA“

ELĪNA GARANČA

Elīna Garanča wurde als Tochter einer Musikerfamilie in Riga geboren und studierte an der Lettischen Musikakademie bei ihrer Mutter. Sie gewann 1999 den Mirjam-Helin-Gesangswettbewerb und war 2001 Finalistin im BBC Cardiff Singer of the WorldWettbewerb. Elīna Garanča ist Exklusivkünstlerin der Deutschen Grammophon und wurde bereits drei Mal mit einem Echo Klassik ausgezeichnet: 2007 und 2010 als Sängerin des Jahres und 2013 für Romantique (Solistische Einspielung des Jahres / Gesang). Ihre neueste, von der Kritik hochgelobte Einspielung Meditation ist im Herbst 2014 erschienen. Unter anderen Partien ist sie insbesondere für ihre Darstellung von Bizets Carmen berühmt, als die sie sowohl am Royal Opera House Covent Garden wie auch an der Metropolitan Opera stürmisch gefeiert wurde. Die New York Times bezeichnete sie als „die beste Carmen seit 25 Jahren“. Elīna Garanča tritt regel­ mäßig an der Wiener Staatsoper, der Metropolitan Opera New York, dem Royal Opera House Covent Garden, dem Festspielhaus Baden-Baden, der Bayerischen Staatsoper München und der Deutschen Oper Berlin auf und ist in zahlreichen Konzerten, Festivals und Liederabenden weltweit zu erleben. Ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen gab Elīna Garanča 2003 als Annio in La clemenza di Tito.

TERMIN © Paul Schirnhofer

3. August Haus für Mozart | Liederabend

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Mehr interessante Artikel, Künstlerportraits und nicht zu vergessen unser vielseitiges Kunst- und KulturProgramm erfahren Sie in unserer neuen Ausgabe. Salzburgs 1. Veranstaltungskalender und Kulturführer Erhältlich bei:

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ng | Nr. 32 64. Jahrga

› Afro Café

rführer

r und Kultu

ngskalende

ltu 1. Veransta Salzburgs

› Arge Kultur › Café Central › Café Bazar › Café Glockenspiel › Café Fingerlos

SPIELE 17 GER FEST SALZBUR– 30. AUGUST 20 21. JULI

ANNA BKO NETRE

­ ERWÄLTI IT DER ÜB D ATEM­ NDIVA M DIE OPER HNENPRÄSENZ UN R FÜ BÜ RGT GENDEN IMME SO N ENDEN ST Z BEI DE BERAUB EN GLAN SONDER LEN IE EINEN BE SP ST ER FE SALZBURG

› Café Fürst › Café Klassik & TT UR N LT ME R KU TAIN FÜ R ER TAG TE EN AN

› Café Tomaselli

PL EDEN J

› Café Universum › Café Wernbacher

U ST 20 17 N LI · AU G EE JU N I · JU EATE R · JA ZZ · M US TT KA BA RE EN · T · TH · LE SU NG KO NZ ER LÜ GE EN · OP ER SC H EN · AU SF GA LE RI M EN · TE H GE SC H IC

› Carpe Diem ards

© Kirk Edw

› Das Kino › Kleines Theater › Mozarteum › Schauspielhaus › Hotels in Stadt und Umgebung …

Mehr Informationen unter: www.wochenspiegel.at

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