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63. Jahrgang | Nr. 323

Salzburgs 1. Veranstaltungskalender und Kulturführer

MOZARTWOCHE 2017 26. JÄNNER – 5. FEBRUAR

ELISABETH KULMAN DIE ÖSTERREICHISCHE SÄNGERIN ZU GAST IN SALZBURG BEI DER MOZARTWOCHE 2017

T R& LTU MENT U K AIN R RT R FÜ E T EN ANE TAG

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DEZEMBER 2016 / JÄNNER/FEBRUAR 2017 KONZERT · THEATER · JAZZ · MUSEEN GALERIEN · OPER · LESUNGEN · KABARETT GESCHICHTE · MENSCHEN · AUSFLÜGE © Julia Wesely, www.julia-wesely.com


BLICK VOM DOMPLATZ AUF DIE FESTUNG HOHENSALZBURG


Š Patricia Thurner


© Blowup/Salzburg

EDITORIAL ZEIT DER TANZENDEN KERZEN-FLAMMEN

Gehören Sie auch zu den Menschen, denen es schwer fällt, vom bunten, strahlenden Herbst Abschied zu nehmen? Im Advent ist oft von der „stillen Zeit“ die Rede. Viele Menschen wünschen sich Ruhe und Besinnung. Doch in Wirklichkeit hat man oft den Eindruck, der Trubel ist in den Wochen vor Weihnachten besonders groß. Oft hilft es schon, bei Einbruch der frühen Dunkelheit ein paar Kerzen anzuzünden, sich mit einem heißen Getränk und einer Wolldecke zurückzuziehen und die Gedanken einfach fließen zu lassen. Nur wenige Kilometer von der Stadt Salzburg entfernt liegt mein bevorzugter Ruhepol, das Salzkammergut mit seiner wunderbaren Seenlandschaft. Warum uns das Wasser so anzieht und wie wichtig Stille für unser Wohlbefinden ist, das merken wir gerade in der Welt der ständigen Erreichbarkeit und unbegrenzten Möglichkeiten. Deswegen brauchen wir Rückzugsorte in der Natur, um unseren überforderten Geist wieder zu entspannen. Oft genügen wenige Stunden, ein kleiner Spaziergang beispielsweise am Wolfgangsee, oder ein stilles Plätzchen in Mondsee vor der Drachenwand helfen, wieder in die Balance zu kommen. Eine andere Alternative sich vom Alltag auszuklinken, ist das Eintauchen in den Kulturgenuss. Und dafür ist Salzburg auch im Winter ein Hotspot. Die Mozartwoche präsentiert Jahr für Jahr Veranstaltungen auf allerhöchstem Niveau. Ein beeindruckendes Ereignis wird bei der Mozartwoche 2017 wieder erlebbar sein: Bartabas, der französische Pferde-Künstler, kehrt mit seinen edlen Tieren und den Reitern der Académie équestre de Versailles in die Felsenreitschule zurück und wird Mozarts Requiem choreographieren. Unterstützt wird er dabei vom Salzburger Bachchor, den Musiciens du Louvre unter der Leitung von Marc Minkowski und Solisten wie Genia Kühmeier, Elisabeth Kulman und Julien Behr. Salzburg ist eine Stadt, die man wunderbar zu Fuß erkunden kann, man findet sämtliche Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum. Ein romantischer Winterspaziergang durch die barocke Altstadt, vielleicht verbunden mit einem Galeriebesuch, oder einfach nur müßige Stunden in einem der traditionellen Salzburger Cafés verbringen – nicht umsonst wurde die Mozartstadt vor kurzem zu den inspirierendsten Städten der Welt ausgezeichnet. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wohltuenden Winter. Patricia Thurner


INHALT

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06 Mozarteumorchester 14 Osterfestspiele 18 Salzburger Altstadt 22 Galerie Welz 28 Salzkammergut 34 Linz 50 Veranstaltungen 58 Mozartwoche

Salzburgs Hotspot im Winter Kulturbotschafter mit Bodenhaftung

Jubiläumsjahr im Zeichen von Karajan Winterzauber liegt in der Luft Ausstellungs-Highlights im Winter

Wasser als Ruhepol

Stimmungsvolle Wintermomente und viel Kultur

Drei-Monats-Kulturplaner fĂźr Salzburg Stadt

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Impressum


VERSCHENKEN SIE DREIFACHEN KULTURGENUSS

15.01.2017 Douglas Boyd Tzimon Barto Ligeti :: Liszt Chopin BartĂłk

23.04.2017 Ivor Bolton Bernarda Fink Salzburger Bachchor Schubert :: Brahms Strauss

21.05.2017 Constantinos Carydis Clemens Hagen Schostakowitsch Mahler

Das weihnachtliche Kulturgenuss-Paket des Mozarteumorchesters: Sparen Sie 20% bei den letzten drei Sonntagsmatineen der Saison! Infos/Karten: Tel. 0662 - 873154 :: mozarteumorchester.at Angebot gĂźltig bis 31.12.2016. Karten sind nicht personengebunden.


Renaud Capucon © Roversi

MOZARTWOCHE

26. JÄNNER – 05. FEBRUAR 2017 Die Mozartwoche wird seit 1956 alljährlich in der Zeit um Mo­ zarts Geburtstag am 27. Januar von der Stiftung Mozarteum Salzburg veranstaltet. Die besten Orchester, Ensembles und Interpreten begründen den beispiellosen Ruf dieses einzig­ artigen Festivals.

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Marcello Gatti

Kit Armstrong © Navaee

Rolando Villazón

Anna Prohaska © Waltere

Der Pferdekünstler Bartabas kehrt mit seinen edlen Tieren nach Salzburg zurück, um auf Basis der damals gemachten Erfahrungen eine der beliebtesten und zugleich tiefgründigsten, erhabensten Schöpfungen Mozarts in einem neuen szenischen Zusammenhang zu stellen: das Requiem, gesungen vom Salzburger Bach-

chor, ausgesuchten Solisten und den Musiciens du Louvre unter Minkowskis Leitung. Keineswegs unnahbar und wie vom hohen Ross herab, sondern auf verblüffende Weise berührend in der kunstvoll geregelten und seit damals noch weiterentwickelten Interaktion zwischen Mensch, Tier und Musik, erschließen sich

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da zusammenhänge des Daseins in einem atemberaubenden Gesamtkunstwerk. Das Mozarteumorchester interpretiert unter Pablo Heras-Casado drei der populärsten Werke aus dem großartigen Dutzend der „Londoner Symphonien“ Joseph Haydns, die Camerata Salzburg deutet Mozarts effektvoll knackige „Pariser Symphonie“ und präsentiert außerdem mit Fazil Say auch die beiden frühen, vom Komponisten auf der Reise von Mannheim nach Paris gespielten Klavierkonzerte KV 175 sowie 238. Darüber hinaus ist Marcello Gatti als Solist jenes andante KV 315 zu hören, das für den Flötendilettanten Ferdinand Dejean entstanden ist. Unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin wird Rolando Villazón

mit den Wiener Philharmonikern einen Abend geben, bei dem der mexikanische Tenor vier große Orchesterarien von Mozart singt. In den Kammer- und Solistenkonzerten klingen erneut thematische Konzentration und interner Beziehungsreichtum harmonisch zusammen. Mozarts sechs große „HaydnQuartette“ mit dem Cuarteto Casals sind da ebenso zu erleben wie Haydns halbes Dutzend der „Erdödy-Quartette“, interpretiert vom Hagen Quartett. Renaud Capuçon komplettiert den Zyklus mit Mozarts Violinsonaten, den der Geiger mit dem hochbegabten jungen Kit Armstrong als Partner am Klavier 2016 begonnen hat. Mozarts famoses Klarinettenquintett mit Jörg Widmann und

Bartabas © Poupel

Christiane Karg © Schenker

Elisabeth Kulman © Novy


dem Quatuor Diotima wird von Musik von Elliott Carter und Henri Dutilleux eingefasst, Fazil Say setzt Mozart in Beziehung zu Haydn sowie zu Beethovens „Sturmsonate“. Dass Joseph Haydn einer der vielseitigsten Komponisten der Musikgeschichte ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er sich in die Trias der Wiener Klassiker nicht widerspruchslos einfügen lässt. Bei der Konzeption des Programms haben sich Matthias Schulz und Marc Minkowski besonders auf die Werke des Komponisten kon-

zentriert, die er in Mozarts Todesjahr und danach schuf. Dazu gehören unter anderem die Erdödy-Quartette, die das Hagen Quartett spielen wird, aber auch das Hornkonzert in D-Dur, das Marc Minkowski mit dem 2012 gegründeten Mozart Kinderorchester der Stiftung Mozarteum aufführen wird.

TICKETS Beim Kartenbüro der Stiftung Mozarteum Salzburg Theatergasse 2, 5020 Salzburg Tel. +43 662 / 87 31 54 E-Mail: tickets@mozarteum.at

Benjamin Schmid © Lienbacher

Fazil Say © Borggeve


Elisabeth Kulman Foto: © Marija Kanizaj

Elisabeth Kulman zählt zu den führenden Mezzosopranistin­ nen. Sie überzeugt Publikum und Kritik durch ihr kostbares,

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farbintensives Timbre sowie ihre charismatische Bühnen­ persönlichkeit und musikali­ sche Vielseitigkeit.


Ihre Ausbildung erhielt die Österreicherin an der Wiener Musikuniversität bei Helena Lazarska, debütierte 2001 als Pamina an der Volksoper Wien und feierte erste Erfolge als Sopranistin. Seit 2005 singt Elisabeth Kulman das große Mezzosopran- und Altfach und wurde durch ihre außerordentlichen Interpretationen an der Wiener Staatsoper rasch zum „Publikumsliebling Nummer eins“ (Die Presse). Internationale Aufmerksamkeit erregte sie als Gora in der Welturaufführung von Aribert Reimanns „Medea“ sowie als Smeton in Donizettis „Anna Bolena“ an der Seite von Anna Netrebko und Elina Garanca. Bei den Salzburger Festspielen 2010 gab sie ihr umjubeltes Debüt als Orfeo in Glucks gleichnamiger Oper unter der Leitung von Riccardo Muti. Ihre große Bandbreite stellte sie mit der Dar­ stellung der Titelpartie in der Barockoper „Il Giustino“ von Giovanni Legrenzi unter Beweis, aufgeführt bei den Schwetzinger Festspielen 2007.

Liedgesang. Neben klassischen Liederabenden verwirklicht die vielseitige Sängerin auch unkonventionelle Projekte wie „Mussorgsky Dis-Covered“ mit einem internationalen Jazzquartett und „Mahler Lieder“ mit dem Ensemble Amarcord Wien. Beide Programme sind als CD erhältlich und wurden mehrfach ausgezeichnet. 2011 erschien ihre LisztCD mit dem Pianisten Eduard Kutrowatz, 2012 eine Ersteinspielung der Orchesterlieder von Hans Sommer mit den Bamberger Symphonikern sowie Mussorgskys „Kinderstube“ mit dem russischen Pianisten Kirill Gerstein. 2013 entstand für arte eine Filmaufnahme von Richard Wagners „Wesendonck-Liedern“ am originalen Wagner-Flügel in der Villa Tribschen bei Luzern.

Seit 2010 ist Elisabeth Kulman freischaffend tätig und begehrte Solistin in den großen Musik­ metropolen: Wien, Paris, London, München, Berlin, Tokio, Salzburg, Moskau u.v.m. Sie singt regelmäßig mit den weltbesten Orchestern und Dirigenten wie Zubin Mehta, Kirill Petrenko, Christian Thielemann, Marek Janowski oder Franz Welser-Möst. Eine besonders enge Zusammenarbeit verband sie mit Nikolaus Harnoncourt. Mit besonderer Hingabe widmet sich Elisabeth Kulman auch dem

Auch abseits der Bühne beweist Elisabeth Kulman Mut und Charisma

Im selben Jahr stellte sie ihr neuestes Projekt „Hungaro Tune“ für großes Symphonieorchester und Solisten im Wiener Musikverein vor, das sich der ungarischen Musik und ihrer Rezeption widmet.

Im März 2013 äußerte sie öffentliche Kritik an den Missständen im Opernbetrieb. Seither gilt sie als Front-Frau der „Revolution der Künstler“ und wird in der Kollegenschaft als „Jeanne d’Arc der Künstler“ verehrt. Die aus der Facebook-Bewegung hervorgegangene Initiative „art but fair“ setzt sich für gerechte Arbeits­ bedingungen und angemessene Künstlergagen ein.

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WELTSTAR ZWISCHEN TRADITION UND AVANTGARDE Der 1970 in Ankara geborene Pianist und Komponist Fazil Say ist bekannt für ungewöhn- liche Programme und unkon­ ventionelle Interpretationen. Er ist nicht nur der prominen­ teste klassische Musiker der Türkei, sondern auch ein unbeugsamer Kritiker seiner Heimat TERMINE MOZARTWOCHE 27. Jänner 2017 19:30 Mozarteum Großer Saal 30. Jänner 2017 19:30 Mozarteum Großer Saal

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Fazıl Say hat ständig Konflikte mit der türkischen Regierung. Das einstige Wunderkind, mittlerweile 46 Jahre alt, hat schon immer mit seinem Geburtsland gehadert. Die Türkei ist ihm zu religiös, zu nationalistisch und das Staatsoberhaupt viel zu autoritär. Doch selbst ein Präsident wie Erdoğan kann es sich nicht leisten, diesen Mann hinter Gittern zu bringen. Fazıl Say kam am 14. Januar 1970 in Ankara zur Welt. Mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren, wurde Fazıl Say als Kind operiert. Der zuständige Arzt em-


das Fach Klavier studierte. Er wechselte 1992 zur Universität der Künste Berlin und studierte dort bis 1995. Während dieser Zeit nahm er an drei Wettbewerben teil, von denen er 1994 die „Young Concert Artists Interna­ tional Auditions“ in New York gewann. Damit begann Says internationale Karriere.

Foto: © Marco Borggreve

pfahl Fazıls Eltern, ihn ein Blasinstrument erlernen zu lassen, um seine durch die Spalte beeinträchtigte Mundmuskulatur zu trainieren. Seine Eltern schenkten ihm später eine elektronische Orgel, auf der er Mozart- und Beethoven-Sinfonien spielte. Mit fünf Jahren bekam er Klavierunterricht. 1985 leiteten David Levine und Aribert Reimann einen Workshop in Ankara, wo sie auf Fazıl aufmerksam wurden, der damals Klavier und Komposition am staatlichen Konservatorium studierte. Sie holten ihn 1987 an die Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, wo er bei David Levine

Wenn Fazil Say die ersten Töne anschlägt spürt man sofort: Dieses Konzert ist anders als gewohnt. Direkter, offener, anregender. Die Musik trifft mitten ins Herz. Fazil Say spielt Musik nicht, er „verkörpert“ sie, es bricht einfach aus ihm heraus: Ein Vulkan an Kreativität und schöpferischer Phantasie, ein orientalischer Geschichtenerzähler, der Mozart in ostanatolischen Dörfern spielt und türkische Melodien bei den Salzburger Festspielen oder beim Jazzfestival in Montreux, er überschreitet Grenzen. Der Pariser „Le Figaro“ nennt ihn einen der „bedeutendsten Künstler des 21. Jahrhunderts“. Er ist ein Abenteurer zwischen den Welten, lasst sich nicht festlegen und geht konsequent seinen eigenen Weg. Fazıl Say ist eines der wenigen Universalgenies der Musikwelt: ob als herausragender Pianist, Komponist oder bahnbrechender Gesellschaftskritiker. Sein Geheimnis ist seine unglaubliche Ehrlichkeit und Authentizität. So ist seine Fangemeinde nahezu grenzenlos und bunt. Das liegt daran, dass er jedem etwas zu sagen hat und seine Kunst keine Übersetzung braucht, sondern ganz direkt zu Herzen geht.

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175 JAHRE

MOZARTEUMORCHESTER DER KULTURBOTSCHAFTER SALZBURGS IM JUBILÄUMSJAHR 2016 Musiker aus 18 verschiedenen Ländern vereinigt das Mozarteumorchester Salzburg im 175. Jahr seines Bestehens. Man hat den Eindruck, je älter es wird, desto mehr verjüngt, modernisiert es sich. Neue Orchestermitglieder leben und musizieren ebenso gerne in der Kulturstadt Salzburg wie die bereits erfahreneren Musikerinnen und Musiker des Orchesters. Mit großem Engagement leisten sie alle gemeinsam mit jeder einzelnen musikalischen Veranstaltung einen wert-

vollen Beitrag zum anspruchsvollen, von den Festspielen geprägten Salzburger Kulturleben. In seiner langen Geschichte, die man seit Juli in einem neuen Buch über das Orchester nachlesen kann (Das Mozarteumorchester Salzburg – Einer der ältesten Klangkörper der Welt. Verlag: Müry Salzmann), hat sich das Symphonieorchester von Stadt und Land zu einem international anerkannten Kulturbotschafter der Mozartstadt ent­wickelt. Es ist

Musikerinnen des Mozarteumorchesters präsentieren stolz das neue Buch

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©Wildbild


Veranstalter zweier eigener Konzertreihen, den Sonntagsmatineen im renommierten Großen Festspielhaus und den Donnerstagskonzerten im festlichen Ambiente der Stiftung Mozarteum. Eine äußerst enge Zusammenarbeit verbindet das Orchester mit den Salzburger Festspielen, wo es neben den Mozart-Matineen, die Karl Harb im August 2015 in einer Kritik in den Salzburger

Das Mozarteumorchester im Großen Festspielhaus

Nachrichten als „das heimliche Herzstück“ des Festivals bezeichnete, auch für bedeutende Opernproduktionen verpflichtet wird. Hinzu kommen jährlich wiederkehrende Engagements im Rah­ men der Salzburger Mozartwoche sowie beim Salzburger Konzertveranstalter Kulturvereinigung. Über die gesamte Saison spielt das Orchester auch die Musiktheatervorstellungen im Salzburger Landestheater, dessen Spielplan große Opern, aber auch

Operetten, Ballette und Musicals umfasst. Erfolgreiche Gastspiele und Tourneen führten das Ensemble in den letzten Jahren nach Argentinien, China, Japan, Korea, Deutschland, Italien, Spanien, Rumänien und Ungarn. Die Vielseitigkeit und Flexibilität und das sich daraus ergebende extrem breit gefächerte Repertoire finden sich auch in der bemerkenswerten Diskografie des Orchesters wieder.

© Nancy Horowitz

Unter den Chefdirigenten, die das Ensemble besonders geprägt haben, ragen Leopold Hager, Hans Graf und Hubert Soudant heraus. Von 2004 bis Sommer 2016 war der Brite Ivor Bolton in dieser Position für das Orchester maßgeblich verantwortlich. Gastdirigenten und Künstler von Weltrang schätzen die Zusammenarbeit mit den aufgeschlossenen Musikerinnen und Musikern.

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Das „Konzert für Jedermann“ auf dem Salzburger Kapitelplatz

In der laufenden Jubiläums­ saison 2016/17 feiert das Mozarteumorchester seinen 175. Geburtstag. Es könnte aber auch schon 623 Jahre alt sein. Oder 519 Jahre. Oder nur 76 Jahre. Oder doch 108 Jahre. Oder gar nur 64, wie der Dramaturg Gottfried Franz Kasparek, Hauptautor der eingangs erwähnten Publikation, in einem Artikel im Journal des Vereins der Freunde des Mozarteumorchesters (Ausgabe 1/2016) schreibt. Die Auflösung dieses historischen Rätselspiels findet sich in dem neuen Buch. Fest steht, dass – aller Jahreszahlen-Spielerei zum Trotz – das Jahr 1841 für die Schaffung eines „modernen“ philharmonischen Klangkörpers in Salzburg aus-

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schlaggebend gewesen ist. Aus dem damals mit Unterstützung von Mozarts Witwe Constanze und seinen beiden Söhnen gegründeten „Dommusikverein und Mozarteum“ gingen später die jetzige Universität Mozar­teum, die Internationale Stiftung Mozarteum und das Mozarteumorchester Salzburg hervor, drei heute voneinander völlig unabhängige Institutionen. Im Jänner 2016 erhielt das Mozarteumorchester, das insbesondere auf die Erarbeitung eigenständiger und zeitgemäßer Interpretationen der Werke Mozarts spezialisiert ist, bei einem Konzert im Rahmen der Mozartwoche die höchste Auszeichnung


Im Dezember gastiert das Orchester unter der Leitung von Ivor Bolton, der dem Orchester als Ehrendirigent auf Lebenszeit auch in Zukunft eng verbunden bleiben wird, mit einem symphonischen Programm im Wiener Konzerthaus und mit einer Aufführungsserie der Mozart-Oper „Don Giovanni“ im Theater an der Wien.

©Wildbild

der Stiftung Mozarteum: Die Goldene Mozart-Medaille. Weitere Höhepunkte des Jubiläumsjahres 2016 waren das vom Salzburger Publikum begeistert aufgenommene „Konzert für Jedermann“ auf dem Kapitelplatz im Herzen der Stadt, das aufgrund des großen Zuspruchs zu einem jährlich wiederkehrenden Event werden soll, Gastspiele beim Festival Budapester Frühling und in Zürich sowie eine Tournee durch die Vereinigten Staaten.

In Salzburg ist es außer den Vorstellungen im Salzburger Landestheater das nächste Mal am 15. Dezember 2016 im dritten Donnerstagskonzert der Saison im Großen Saal der Stiftung Mozarteum zu erleben. Auf dem Programm stehen neben Werken von Joseph Haydn und dem Ge­ orgier Vakhtang Kakhidze auch Beethovens berühmte „Pastorale“ und die dem Orchester zum Jubiläum gewidmete Komposition „Dialog mit Mozart – Da Capo für Or­ch­ester“ des zu den bedeutenden zeit­genössischen Kom ponisten zählenden Ungarn Péter Eötvös. Dirigiert wird das Mozarteum­orchester von Mirga Graˇž zinyte ˙-Tyla, der Musikdirektorin des Salz­­burger Landestheaters und frisch gekürten Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra.

TICKETS Beim Kartenbüro der Stiftung Mozarteum Salzburg Theatergasse 2, 5020 Salzburg Tel. +43 662 / 87 31 54 E-Mail: tickets@mozarteum.at

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© Forster


50 JAHRE OSTERFESTSPIELE SALZBURG Die Osterfestspiele Salzburg sind eines der renommiertesten Klassik-Festivals weltweit. Den von ihrem Gründer Herbert von Karajan seit 1967 erhobenen bedingung slos en An s p ru ch na ch höchster künstlerischer Qualität wollen die Jubiläums-Osterfestspiele 2017 anknüpfen, indem eine Re-Kreation von Karajans musiktheatralischer Vision der Walküre aus dem Jahre 1967 versucht wird. Christian Thielemann obliegt die musikalische Leitung der Walküre. Peter Seiffert, einer der meistgefragten Heldentenöre, wird die Rolle des Siegmund interpretieren. Der Bass Georg Zeppenfeld, bereits 2014 sowie auch in dieser Saison gern gesehener Gast bei den Osterfestspielen Salzburg, ist als Hunding zu erleben. Der Bass Vitalij Kowaljow singt den Wotan, eine Rolle, mit der er bereits in Los Angeles, Mailand, Nürnberg und St. Petersburg große Erfolge feierte. Die Sopranistin Anja Harteros kehrt nach ihrem gefeierten Auftritt 2014 mit Strauss Letzten Liedern als Sieglinde zu den Osterfestspielen Salzburg zurück. Als Brünnhilde wird die insbe­ sondere als Wagner-Interpretin hochgeschätzte Anja Kampe zu hören und sehen sein. Die bei den Osterfestspielen mehrfach aufgetretene Mezzosopranistin Christa Mayer wird die Rolle der Fricka verkörpern. Die Re-Kreation der Walküre ist eine Koproduktion mit dem Beijing Music Festival.

Wagner-Bezug hat auch die zweite szenische Produktion, die die Osterfestspiele Salzburg 2017 – in Koproduktion mit der Semperoper Dresden – herausbringen: Salvatore Sciarrinos Kammeroper Lohengrin, vom Komponisten „Azione invisibile per solista, strumenti e voci“ (unsichtbare Aktion für Solistin, Instrumente und Stimmen) genannt, die 1983 (Erstversion) bzw. 1984 (Zweitversion) uraufgeführt wurde. Der renommierte Bühnen- und Filmregisseur Michael Sturminger wird sie inszenieren. Sarah Maria Sun singt die Hauptrolle, es spielen Mitglieder der Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Staatskapelle Dresden. Myung-Whun Chung, der Erste Gastdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, wird nach 2013 erneut im kommenden Jahr bei den Osterfestspielen Salzburg dirigieren: Das Chorkonzert – wiederum mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks – steht unter seiner Leitung. Neben Christian Thielemann sind im Konzert für Salzburg zwei weitere Dirigenten aus sehr unterschiedlichen Generationen zu erleben: Grandseigneur und Klangmagier Georges Prêtre sowie „Shooting Star“ Lorenzo Viotti, der im Vorjahr den Young Conductors Award der Salzburger Festspiele gewann. Die Sächsische Staatskapelle Dresden bildet im Jahr 2017 be-

‹ Bauprobe zur Re-Kreation der „Walküre“ 2017

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reits in der fünften Saison das gefeierte Residenzorchester der Osterfestspiele Salzburg. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Osterfestspiele stehen zudem zwei Sonderkonzerte auf dem Programm. Die Berliner Philharmoniker bildeten bis 2012 das Residenzorchester der Osterfestspiele Salzburg. Sie kehren 2017 für ein Orchesterkonzert unter der Leitung ihres Chefdirigenten, des ehemaligen Künstlerischen Lei-

ters der Osterfestspiele Salzburg, Sir Simon Rattle, zurück und spielen Gustav Mahlers Sechste Symphonie. Ein Jahr nach dem Tod von Festivalgründer Herbert von Karajan waren die Wiener Philharmoniker bei den Osterfestspielen Salzburg zu Gast. Zum Jubiläum 50 Jahre Osterfestspiele Salzburg inter­ pretiert das Orchester Ludwig van Beethovens Neunte Symphonie unter der Leitung von Christian Thielemann.

© Matthias Creutzinger

OSTERFESTSPIELE SALZBURG Herbert-von-Karajan-Platz 9 · 5020 Salzburg Tel. +43/662/80 45-361, -362 • Fax DW -790 karten@ofs-sbg.at · www.osterfestspiele-salzburg.at

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Mehr interessante Artikel, Künstlerportraits und nicht zu vergessen unser vielseitiges Kunst- und KulturProgramm erfahren Sie in unserer neuen Ausgabe. Salzburgs 1. Veranstaltungskalender und Kulturführer Erhältlich bei:

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ng | Nr. 32 63. Jahrga

› Afro Café

lturführer

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ltungskalen

1. Veransta Salzburgs

› Arge Kultur › Café Bazar › Café Sacher › Café MozARTs › Café Glockenspiel › Café Fingerlos

E 2017 TWOCH FEBRUAR MOZARN 5. – R E 26. JÄN

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ZZ BA RE TT TE R · JA T · TH EA LE SU NG EN · KA GE · KO NZ ER LÜ esely.com EN · OP ER SC H EN · AU SF RI w.julia-w LE GA sely, ww · M EN © Julia We TE H IC GE SC H

› Café Fürst › Café Klassik › Café Tomaselli › Café Universum › Café Wernbacher › Carpe Diem › Das Kino › Kleines Theater › Mozarteum › Schauspielhaus › Hotels in Stadt und Umgebung …

Mehr Informationen unter: www.wochenspiegel.at

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