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7 PasseirerBlatt-

NR. 69, DEZEMBER

2004

PASSE/ER VOR 100 JAHREN

Interessante und kuriose Zeitungsnotizen aus dem Passeiertal vor 100 jahren. "Aufgelesen" und kommentiert von Gottfried Zagler Übers Wetter: jänner: 1. bis 3. schön und kalt; 3. bis 5. bewölkt; 5. bis 10. bewölkter Himmel, etwas Schnee; 10. bis 13. sonnig und warm; 13- bis 20. zuerst kalt, dann steigende Temperaturen; 20. bis 24. trübes Tauwetter und dann kalte Tage; 24. bis 27. schön, etwas Wind; Monatsende sonnig, windig und recht warm. Februar: 1. und 2. schön; 3. Schneegestöber; 4. und 5. warmer Wind; schöne Tage bis zum 19.; 20. Schneegestöber; 21. Nebel; 22. Regen und Schnee (15 cm); ab 23- schön bis 26.; 27Nebel und Regen. Gesamtniederschläge: 46 mm. März: 1. und 2. Regen; 3. schön; 4. Sturm; danach 7 Tage schön; 12. Nebel und trüb; 13. und 14. Regen; 15. schön; 16. R~gen; danach nur mehr schöne und warme Tage.Gesamtniederschlag: 27 mm (Vorjahr: 158 mm). MZ v. 1.1. 1905 bis 31. 3. 1905 Postbotenfahrt ins Passeiertal

Die zwischen Meran und Sr, Leonhard ganzjährig täglich einmal verkehrende Omnibusfahrt wird mit 1. April 1905 in eine Postbotenfahrt, mit der jedoch nur Briefpost befördert wird, umgewandelt. Es gilt folgende Kursordnung: Meran ab 7 Uhr;Ankunft Sr, Leonhard 10.45 Uhr; st. teonhard ab 16 Uhr;Ankunft Meran 1830 Uhr. MZ v. 31. 3- 1905

Gewehr Andreas Hofers in Schleswig-Holstein

Laut Bozner Zeitung befindet sich das Gewehr des Passeirer Nationalhelden im Besitz von Dr.Hermann Schorkopf in Hanerau bei Rendsburg, der es von seinem Vater geerbt hat. Dieser war Mitkämpfer im schleswig-holsteinischen Freiheitskrieg 1848 bis 1850. Begeistert von den Heldentaten

dieses Korps, sandten die Tiroler Schützen das Gewehr Andreas Hofers "dem besten Schützen der schleswig-holsteinischen Armee': und als solcher wurde von seinen Vorgesetzten und Kameraden der Schütze Schorkopf bezeichnet. Von seiner Treffsicherheit wissen alte Leute noch manches Stück zu erzählen. MZ v. 29. 3. 1905

Frühling in Hinterpasseier In Nummer 3 der "Österreich i-

sehen Alpenpost" porträtiert der bekannte Naturbeobachter Georg Mader das hintere Passeiertal, wie es im vollen Blumenschmuck des Frühsommers seine ganze reizvolle Schönheit zeigt. Aus jeder Zeile spricht, so kommentiert die Meraner leitung, die Begeisterung, in die wohl jeder fremde Besucher gerät, der das Passeiertal besucht. MZ V.24. 3- 1905

Musterung für das Militär

Die MilitärsteIlung für die jünglinge der Geburtsjahrgänge 1882, 1883 und 1884 des Passeiertales erfolgt am 22. März in der Außenstation im Gasthaus Frick in st. Leonhard. Für eine Befreiung oder eine Begünstigung (Anmerkung: Dafür in Frage kamen: Priesteramtskandidaten, Familienväter; Besitzer einer Landwirtschaft, Lehrer) müssen die nötigen Dokumente beigebracht werden. Nichtrechtzeitiges Erscheinen zur Stellung wird mit Strafen zwischen 20 bis 400 Kronen bestraft. Trunkenheit wird streng bestraft.

Die Trunkenheit scheint ein ernsthaftes Problem dargestellt zu haben. Im Vorjahr war es im Burggrafenamt laut Presse überall zu wüsten Szenen gekommen. Um das laute Brüllen, das sittenrohe Benehmen und die Trunksucht einzuschränken, hatte die Bezirkshauptmannschaft dieses jahr alle Gemeindevorsteher aufgefordert, die jungmänner ihrer Gemeinde eindringlich zur Ruhe und ordentlichem Benehmen zu ermahnen. Nach erfolgter Musterung mussten die Männer sofort in ihre Heimatgemeinde zurückkehren.

Zahlreiche Gendarmeriepatrouillen sollten die Einhaltung der Anweisungen überwachen. MZ v. 5. 3. und 22. 3· 1905 Bau eines Dynamitmagazins

Das Bauunternehmen für die jaufenstraße hat um die Bewilligung angesucht, in der Gemeinde st. Leonhard, oberhalb Bad Fallenbach, ein Dynamitmagazin anzulegen. Am 6. Februar erfolgt an Ort und Stelle eine kommissionelle Verhandlung. MZ v. 5. 2. 1905

Neuigkeiten aus St. Leonhard und St. Martin

Der Gemeindearzt Dr.Neurauter hatte bei der Rückkehr von einem Patientenbesuch in Moos das Pech in einer scharfen Kurve mit seinem Schlitten zu stürzen. Er erlitt einen Beinbruch. Die Ingenieure für den Bau der jaufenstraße sind eifrig mit Trassierungsarbeiten beschäftigt. Die Arbeiter werden bald nachkommen. Der Gendarmerieposten st. teonhard soll wegen des Baues der jaufenstraße um vier Mann verstärkt werden. MZ v. 2. 2. 1905

Vorgestern Nachmittag traf in st. Martin eine Kompanie Kaiserjäger unter Führung des Hauptmannes Fischer ein, dem abends im Eilmarsch eine starke Patrouille, von Leutnant Konasch geführt, folgte. Die Soldaten übten sich in der Umgebung des Dorfes im Bau von Notunterkünften und bezogen in diesen nachts dann ein Freilager. Gestern früh zogen sie wieder ab, um talauswärts eine Gefechtsübung mit ihnen entgegeneilenden Kompanien des KaiserjägerbatailIons auszutragen. MZ v. 27. 1. 1905

Raubmörder in Saltaus

Vorgestern trieb sich in Saltaus und Schweinsteg ein junger Bursche herum, der ob seines unheimlichen Benehmens die Leute in Angst versetzte. Als der Zolleinnehmer Noe in Saltaus das lollhaus für einen Moment verlassen mußte, schlich dieser ins Haus. Ein allein im Hause befindliches Mädchen suchte er

hinauszudrängen, und er entwendete aus einem Zimmer 24 bis 40 Kronen. Damit flüchtete er gegen Rifjian. Sofort wurde nach Meran telefoniert, um den allenfalls eintreffenden Gauner dort festzunehmen. Dieser jedoch kehrte wieder um und ging längs der Passer in den Quellenhof, wo ihn abends ein Gendarm verhaften konnte. Wie sich herausstellte, hat man einen gefährlichen Fang gemacht. Der als Otto Moser; Sohn eines Meraner Privatbeamten und zuständig in Villaeh, Kärnten, erkannte Verdächtige, war nämlich im Besitze eines Revolvers und eines Stiletts, an dem sich Spuren veralteten Blutes zeigten. Hemd und Manschetten wiesen ebenso Blutflecken auf. Um deren Herkunft befragt konnte er keine befriedigende Erklärung abgeben. Aufklärung brachte dann eine Meldung aus Venedig. Dort wurde vor 5 Tagen eine Prostituierte Opfer eines Raubmordes. Die Polizei eruierte' sofort einen gewissen Otto Moser als Tatverdächtigen, der inzwischen jedoch geflüchtet war. Nach anfänglichem Leugnen gestand Moser den Polizeibehörden in Meran, wo er wegen verschiedener Delikte aktenkundig war; schließlich den Raubmord und weitere Straftaten. In Schweinsteg hatte er laut seinen Aussagen einen Diebstahl ausführen wollen. Bei der Bevölkerung besteht allgemein die Ansicht, daß der sehr junge Mörder (17 jahre) nicht normal sei. MZ v. 25· 3. 1905

Högger joggele gestorben Am 1. März ist auf dem Ausserhocheggerhof in Vernuer der als .Högger [oggele" vielbekannte jakob Pichler im 105. Lebensjahr verstorben. Er war der älteste Tiroler und die einzige Person, die noch Andreas Hofer persönlich gekannt hatte. MZ v. 4. 3. 1905 BG = .Burggräfler" MZ = "Meraner Zeitung"

Passeirer Blatt  

Ausgabe 04/2004

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Ausgabe 04/2004

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