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5 PasseirerBlatt-

AUS DEN

NR. 69, DEZEMBER

2004

GEMEINDESTUBEN

ST. LEONHARD

Der lange Weg zum Großkraftwerk Am 9. August 2001 haben die drei Talgemeinden die Enerpass GmbH gegründet, mit dem Ziel, an der Passer zwischen Moos und St. Leonhard ein Großkraftwerk zu bauen. Dessen Erlöse sollten der gesamten Passeirer Bevölkerung zugute kommen. Der Auftrag für das Projekt ging an Ing. Robert Carminati aus Brixen, welcher vier Varianten vorlegte - die Fassungsstelle lag immer bei der Staumauer unter Moos -, als Endpunkt aber kamen der Mörrerhof hinter St. Leonhard, der Sand hof, St. Martin und Riffian in Frage. je weiter talauswärts der Endpunkt lag, umso größer war die Leistung, aber auch die Fragezeichen waren zahlreicher. Ist es rechtlich möglich, den Naturpark Texelgruppe mit einem Wasserstollen zu unterqueren? Welche Folgen hat es für das Landschaftsbild, den Naturhaushalt und auch für den Fremdenverkehr, wenn an St. Leonhard oder St. Martin nur die halbe Passer vorbeifließt? Nur die Variante 1 (Mörrer hinter St. Leonhard) unterquerte mit dem Wasserstollen nicht den Naturpark Texelgruppe und beließ die Passer in Dorfnähe unberührt. Man entschied sich für die Variante 1, ganz klar wurde also der Umwelt vor der Leistung der Vorzug gegeben. Diese Vorgangsweise fand die volle Unterstützung der drei Gemeinden und der Vereine und Verbände von St. Leonhard, welche von der Wahl der Varianten hauptsächlich betroffen waren. Geplant ist nun ein Stollen von Moos tief im Berg bis unter Christi (beim Oberort), ein fast senkrechter Druckschacht bis zur Ebene zwischen Mörrerhof und Brückenwirt, ebenfalls im Berg, und nur das Kraftwerk selbst wird sichtbar. Dort wird auch das Wasser der Passer zurückgegeben. Der Höhenunterschied beträgt 255 Meter, die jahresleistung etwa 100 Mio. kWh und die Kosten liegen bei etwa 45 Mio. Euro. Das entsprechende Projekt fand allgemeine Zustimmung, alle drei Gemeinden nahmen die notwendigen Bauleitplaneintragungen vor und bereits im November 2002 gaben die Amtsdirektoren des Landes grünes Licht. Gute Aussichten, hätten nicht die Etschwerke gleichzeitig ein Gegenprojekt vorgelegt. Anfangs wählten die Gemeinden die harte Tour und drohten den Etschwerken - hatte man nicht das Enel erfolgreich an

Kraftwerken in Passeier gehindert? Bald aber trat ein weiterer Gegner aufs Feld - das Land mit der Energiegesellschaft SEL. Bei Großkraftwerken will das Land grundsätzlich beteiligt sein. "Zahlen sollen wir, aber wo es etwas zu verdienen gibt, sollen wir zuschauen? Nein!", hieß es. Die Frage war nun - streiten auf nicht absehbare Zeit oder verhandeln? Die Gemeinden entschieden sich für Verhandlungen und nach unzähligen Treffen mit dem Landeshauptmann, der SEL, den Etschwerken, den Bürgermeistern von Bozen und Meran wurde ein Kompromiss erreicht: jede Passeirer Gemeinde erhält 22 %, die SEL 24 % und die Etschwerke 10 %. Der Sitz der Gesellschaft bleibt St. Leonhard und an Stelle der GmbH wird eine Aktiengesellschaft gebildet. Dieser Vereinbarung haben alle zugestimmt, das Abkommen wurde am 18. Oktober 2004 im Amtssitz von Landesrat Dr. Michl Laimer unterzeichnet. Damit ist eine wichtige Etappe erreicht, nun müssen aber die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit das Land die Konzession ausstellen kann. Dafür ist aber ein eigenes Landesgesetz notwendig. Wie man sieht, bleibt der Weg steinig, ohne dass wir uns vom Ziel abbringen lassen.

Konrad Pfitscher Hofzufahrt

in Platt zu den Höfen .Priscb",

MOOS

Sanierung Hofzufahrten Nach längerer Zeit der Planung konnten in diesem jahr für verschiedene wichtige Verkehrswege die Sanierungs- und Ausbesserungsarbeiten in Angriff genommen werden. Mit einem Kostenaufwand von insgesamt ¤ 820.000.- wurden oder werden die Zufahrtswege Stuls - Hocheggen, Oberstein in pfelders sowie die Zufahrtswege zu den Höfen .Prisch", "Pranter" und .oberbucber" in Platt wieder verkehrstüchtig gemacht. In Stuls sind neben Asphaltierungsarbeiten, eine Betonbrücke über den "Ruebbach" sowie zwei Holzbrücken oberhalb des Eggerhofes zu erneuern. Weiters werden dort Rohrleitungen für die Oberflächenentwässerung und Randsteine für die Kehreninnenseiten verlegt. Die Straße in der Fraktion Platt hingegen wurde teilweise neu trassiert. Es musste dabei der Straßenkörper neu gebildet und verschiedene Natursteinmauern errichtet werden. Außerdem wurde noch eine Brücke über den Rainbach neu gebaut. In pfelders wurde der gesamte Unterbau des Straßenkörpers und die Asphaltschicht erneuert, sämtliche Drainageleitungen mussten dabei eingebaut werden, um die Oberflächenwasser abzuleiten. >

Passeirer Blatt  

Ausgabe 04/2004

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