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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Titel- und Innenillustrationen: lakalla – fotolia.com Satz: Melanie Wittmann

1. Auflage 2012 ISBN: 978-3-86196-158-1 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Copyright (©) 2012 by Papierfresserchens MTM-Verlag Heimholzer Straße 2, 88138 Sigmarszell, Deutschland www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

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Lore Kampmann

Sternstunden

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Inhalt Seilchenspringen 9 Sonnengemeinschaft 10 Wie neugeboren 11 Im Klostergarten 12 Geheimnis der Natur 13 Wuppertal 14 Im Birkend 15 Die Wiese 16 Im Grünen 17 Gelbe Rosen 18 Schildkröte 2 19 Und traf einen Engel 20 H. Engel 21 Himmelwärts 22 Freundschaft 23 Wolkenlied 24 Männer an der Moldau 25 Türkische Nacht 28 Ankunft 29 Unser Lied 30 Espresso 31 Schokolade 32 Mein Lieblingsplatz 33 5


Herbstverloren 34 Der Apfel 35 Morgenlicht 36 Wintervorrat 37 Alte Hunde 38 Winter in der Bahn 39 Wasser des Lebens 41 Gruß von Maria 42 Heiligmorgen 43 Lisa Maiwalds schönstes Weihnachtsgeschenk 44 Sternstunde im Kunst-Güterbahnhof 47 Das Geschenk 50 Abendtraum 52

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Seilchenspringen

Schlapp, schlapp, das dicke Seil peitscht auf den Bürgersteig, schlapp, schlapp, es schlürft über den Boden und wieder hoch hinauf in die Luft und schlapp wieder auf den Boden. Silvia und Helga haben die dicken Seilenden fest in der Hand: schlapp, schlapp. Und wieder der höchste Punkt und abwärts. Ich laufe los, springe, bin in der Luft, fliege einen Moment dahin und lande wieder fest auf meinen Füßen, und das Seil peitscht wieder hoch in die Luft.

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Sonnengemeinschaft

Hoch und tief, hin und her, vor und zurück, höher, tiefer, weiter, näher, führen, finden. Vorsicht: nah und fern, wohlig, warm, angenehm, Lachen, Freude, Geborgenheit, sicher und frei: Fühlen und fühlen wie ein Kind, sicher, ganz sicher, geborgen bewegen wir uns vertrauend durch den Raum, freuen uns, spüren uns, finden uns, trennen uns, berühren uns, außen und innen: im Herzen, im Gemüt, in der Seele, hier und jetzt. Wie schön so ein sonniger Morgen mit anderen sein kann.

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Wie neugeboren

Ich bin müde, will sitzen, ausruhen, ich hechele nach Luft, mein Atmen wird langsamer, beruhigt sich, wird normal, jetzt höre ich wieder das leichte Rauschen der Autos draußen auf der Straße, da, wo das normale Leben sich abspielt, bin wieder angekommen im normalen Samstag, und doch scheint heute irgendetwas anders zu sein: habe Energie getankt, Energie bekommen, aus mir, von anderen, bin beglückt, erwärmt, zufrieden, meine Füße kribbeln vom Tanzen und Stampfen, vom Springen und Laufen, vom Stehen und Gehen, Lachen und Stillsein, fühle mich ein Stückchen neu, ein Stückchen erneuert, fühle mich frisch, ein Stückchen wie neugeboren, bin neugeboren ... ein Stückchen, bin ein Stückchen mehr ich selbst.

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Im Klostergarten „Ich bin schon 20 Jahre hier im Altersheim!“ „Wie alt sind Sie, wenn ich fragen darf?“ „Ich bin 32“, und sie lacht, eine große Zahnlücke tut sich auf! „Demenz“, blitzt es bei mir auf, und ich lache mit ihr! „... und die Zahnlückenfrau ist 'ne echte Kölsche“, lacht sie übers ganze Gesicht, und wir sprechen über „Plüschprumm“, „Plümmo“ und über „plümerant“, und sie lacht übers ganze Gesicht! ... und dann ist da die Frau Zimmmermann, und sie ist 100 Jahre alt und mopsfidel. Sie war einmal Musiklehrerin, sie spielte Klavier, was sie heute nicht mehr kann. Aber mit Krückstock geht sie noch recht flott. Und wir kommen auf Literatur: Hilde Domin, Ulla Hahn ... Sehen kann sie nur Helligkeit und Dunkelheit, aber einmal im Monat bekommt sie aus der Stadtbücherei Hörbücher; momentan klingen Gottfried Kellers Worte in ihren Ohren, und sie hört Radio ... Und sie zeigt mir die Muttergottes im Wildwäldchen (dort hausen Bussarde mit Jungen)! Und sie schwärmt von ihrem morgendlichen Lieblingsplatz: Ein Baum am Teich, den als Einziger das helle Morgenlicht erreicht; dort sitzt sie dann auf einer Bank und genießt ... und ... 12


Lore Kampmann - Sternstunden