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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Illustrationen: Ann-Sophie Riebold Titel: © Eky Chan und © wlad074 - lizensiert Fotolia.com 1. Auflage 2013 ISBN: 978-3-86196-197-0 Druck: bookpress / Polen - gedruckt in der EU Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Copyright (©) 2013 by Papierfresserchens MTM-Verlag GbR Oberer Schrannenplatz 2, D- 88131 Lindau www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

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Die Pferdedetektive auf den Spuren der Diebe Ann-Sophie Riebold

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1. Kapitel Die Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster von Lisas Zimmer, das im oberen Stock des Hauses von Reiterhof Sonnental lag. Lisa Förster rieb sich verschlafen die blauen Augen. Die blonden Haare fielen ihr ins Gesicht. Mit einer Hand strich sie sich eine Strähne hinter das rechte Ohr. Müde stand sie auf, zog ein rotes T-Shirt und eine blaue Reithose an und schlich die Treppe hinunter.

Ihre Mutter Anne Förster stand in der Küche und machte gerade das Frühstück. Sie hatte ein schmales, freundliches Gesicht und einen leicht strengen Ausdruck darin. „Na, auch schon wach?“, fragte sie und lächelte ihre verschlafene Tochter an. „Mmh“, machte Lisa noch etwas müde. Nach ein paar Minuten kam auch ihr Vater. Lisa setzte sich zu ihren El5


tern an den gedeckten Tisch. Sie nahm sich eine Scheibe Brot und bestrich sie dick mit feiner Erdbeermarmelade. Dann nahm sie einen Schluck heißen Kakao und biss in ihr Brot. Als sie fertig war, ging sie hinaus. Die Luft war noch kühl und frisch. Sie lief zum Stall, wo ihr Pferd Flocke stand. Gleich dahinter waren die Weiden und Koppeln, die jetzt in einem saftigen Grün leuchteten. Etwas weiter entfernt lag der Wald. Wenn man den Waldrand entlangritt, kam man zu einem kleinen See. Lisa holte ihre Schimmelstute aus der Box heraus, striegelte und putzte sie. Dann sattelte und zäumte sie ihr Pferd. Da kamen auch schon ihre Freundinnen Susanna und Annika. Heute wollten sie nämlich zum See reiten. Schnell waren auch ihre Pferde Aaron und Silber gesattelt, und es konnte losgehen. Susannas Pferd Aaron war ein Fuchs und Susannas bester Freund. Susanna hatte blonde Haare, ein paar kleine Sommersprossen und grüne Augen. Annikas Pferd Silber war ein graues Pferd mit langer Mähne. Annika selbst hatte braune lange Haare und braune Augen.

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Sie ritten über die Weiden, Koppeln und Felder. Dann hatten sie den Waldrand erreicht. Die Hufen klapperten auf dem Asphalt. Im Schatten der hohen Bäume war es noch recht kühl, während es in der Sonne angenehm warm war. So ritten sie eine Weile, bis sie den See erreicht hatten. Das blaue Wasser glitzerte im Schein der Sonne. Um den See schlängelte sich weicher goldgelber Sand. Schnell zogen sie sich ihre Bikinis und Badeanzüge an und sattelten die Pferde ab. Lisa schwang sich auf Flockes Rücken und ritt in das klare Wasser. Es war noch sehr erfrischend. „Hey, traut ihr euch nicht?“, rief Lisa scherzhaft. „Frechheit“, brüllte Susanna spaßend zurück und trieb Aaron an. „Genau“, fügte Annika hinzu und ließ Silber ins Wasser laufen. Dann ritten sie lachend an eine Stelle, an der das Wasser so tief war, dass man schwimmen konnte. Susanna versuchte, auf Aarons nassem Rücken zu stehen, doch sie rutschte aus und fiel ins Wasser. Als sie wieder auftauchte, kicherte sie los und Lisa und Annika mussten mitlachen. „Das sah so komisch aus“, gluckste Annika. „Stimmt“, bestätigte Lisa und grinste. Da ertönte ein lauter Schuss. Die Pferde erschraken. Lisa beruhigte sie. Die Pferde wurden langsam ruhiger und ließen sich zum Ufer treiben. Dort sprangen die Mädchen ab und liefen zu der Stelle, an der sie den Schuss gehört hatten. Sie schauten sich hektisch um. „Wohin jetzt?“, fragte Annika. „Lasst uns beim Ententeich nachschauen“, schlug Susanna vor. Lisa und Annika stimmten ihr zu. Die Mädchen rannten, so schnell sie konnten. Beim Ententeich angekommen entdeckte Lisa etwas. Im hohen Gras saß eine weiße Ente. Die Mädchen liefen sofort zu ihr. „Schaut mal, sie blutet am Bein “, sagte Annika. „Wartet mal kurz hier, ich hole was“, rief Lisa und rannte davon. Nach einer Minute kam sie wieder zurück. In der 7


rechten Hand hielt sie ihre Socke, in der linken einen braunen Geldbeutel. „Seht mal, was ich gefunden habe“, keuchte sie. „Eine Geldbörse?“, riefen Susanna und Annika im Chor. „Richtig“, sagte Lisa und ging zur Ente hinüber. Vorsichtig umwickelte sie mit ihrer Socke das Bein der Ente. „So, das hätten wir“, meinte Lisa, als sie fertig war. „Mein Vater hat ja eine Tierarztpraxis, deswegen könnte ich sie mitnehmen“, bot Annika an. „Okay. Nehmen wir die Abkürzung“, schlug Lisa vor. Als sie die Pferde aufgesattelt hatten, nahm Annika die Ente vor sich auf den Pferderücken. Die Abkürzung war ein kleiner Pfad. Lisa ritt voran und Susanna war das Schlusslicht. Auf dem Hof angekommen übernahmen Lisa und Susanna Annikas Pferd. Annika fuhr vorsichtig heim. „Papa, kannst du dich um die Ente kümmern, die wir, also Susanna, Lisa und ich, beim Ententeich gefunden haben?“, fragte Annika, als sie zu Hause war. „Erzähl mal“, forderte Annikas Vater, der Tierarzt, sie auf. „Okay. Als wir heute baden waren …“ Geduldig hörte er zu und ließ sich die Ente zeigen. „Die kriegen wir schon wieder hin“, meinte er dann, strich sich durch die braunen Haare und ging zusammen mit Annika in die Praxis. 8


2. Kapitel Es war Montag. Das hieß: Schule. Gleich in der Pause stürmten Lisa, Annika und Susanna auf den Pausenhof. „Und, wie gehts der Ente?“, war Lisas erste Frage. „Gut“, sagte Annika, „Papa meint, sie ist in ein, zwei Wochen wieder okay.“ „Super“, antwortete Susanna. „Ihr könnt sie heute Nachmittag besuchen“, schlug Annika vor. „Wir kommen“, riefen Lisa und Susanna gleichzeitig. Gleich nach dem Mittagessen radelte Lisa zu Annika. Die wohnte nur fünf Minuten von ihr entfernt. Die Straßen wirkten wie ausgestorben. „Die liegen jetzt alle im Freibad“, dachte Lisa und legte einen Zahn zu. Susanna war schon da. Zusammen mit Annika gingen sie zu dem abgetrennten Gehege, dort saß die Ente im Gras. Auf den zarten rosa Seerosen, die in der Mitte wuchsen, sonnte sich ein kleiner Frosch. Ein paar bunte Fische schwammen im Wasser. „Los, kommt mit“, rief Annika und öffnete die Tür zum Gehege der Ente. Der Zaun war aus Holz, doch man hatte Schilf geflochten und es am Zaun befestigt. Als die Mädchen ziemlich nah am Teich standen, hüpfte der Frosch von einer der Seerosen und spritzte die Mädchen nass. Die lachten nur. Der Tag verging schnell. Mitten in der Nacht wurde Lisa wach. Sie ging zum Fenster. Der Mond leuchtete über den 9


vielen Weiden und Koppeln. Nach ein paar Minuten ging sie wieder ins Bett. Doch sie konnte und konnte nicht einschlafen. Schließlich nahm sie ihre Jeans und streifte sie über, dann zog sie ihren gelben Pullover an. Leise schlich sie die Treppe hinunter und schloss die Tür auf. Schnell rannte sie zur Weide hinüber und pfiff. Flocke zuckte mit den Ohren und kam langsam zu ihr. Lisa öffnete das Gatter und schwang sich auf sie. Flockes Rücken fühlte sich weich und warm an. Kaum waren sie fort vom Hof, bogen sie in den schmalen Reitweg ein, der am kleinen Bach entlangführte. Dann trieb sie Flocke zum Trab an. Ein paar Grillen zirpten und der Bach rauschte leise. Flockes Hufe klangen dumpf auf dem weichen Waldboden. Das Pferd wurde allmählich langsamer. Auf einer Wiese nah am Bach saß Lisa ab und ließ ihr Pferd grasen. Der Mond spiegelte sich im Bach. Lisa seufzte.

Als sie zum nahe gelegenen Wald blickte, sah sie gerade noch einen Schatten hinter einem Baum verschwinden. „Wer war das?“, dachte Lisa und bekam eine Gänsehaut. „Vielleicht ein Geist?“ Plötzlich stupste sie jemand von hinten. Lisa zuckte zusammen. 10


Flocke stand hinter ihr und es sah so aus, als würde sie grinsen. „Schon gut, wir gehen ja“, murmelte Lisa. Sie stand auf und schwang sich auf ihr Pferd. Kaum war sie oben, fiel Flocke in Galopp. Der Wind zerzauste Lisas Haare. Sie war glücklich. Es fühlte sich so frei an. Als sie auf dem Hof war, brachte Lisa Flocke auf die Weide zurück. Leise machte sie die Tür auf und schlich die Treppe hoch. In ihrem Zimmer angekommen zog sie ihren Schlafanzug an und kroch ins Bett. Nach ein paar Minuten schlief sie tief und fest. Rrrrr. Der Wecker klingelte. Verschlafen schlug Lisa die Decke zurück. Sie stand auf und nahm ein hellblaues Kleid aus dem Schrank. Nachdem sie es angezogen hatte, kämmte sie sich die Haare. Als sie nach unten in die Küche ging, hatte ihre Mutter ihr Pausenbrot schon fertig. Kaum hatte sie gefrühstückt und Zähne geputzt, ging sie zur Schule. Als sie endlich im Klassenzimmer war und sich gesetzt hatte, gongte es. Und schon betrat Frau Müller das Klassenzimmer. Ein Junge folgte ihr langsam. „Och, ist der süß!“, flüsterte Susanna Lisa zu. Lisa kicherte. Susanna musste sich auch in jeden verlieben. „Das ist Max“, stellte die Lehrerin den Jungen vor. Max hatte blondes Haar, ein paar Sommersprossen auf der Nase, blaue Augen und ein schmales Gesicht. „Neben wem willst du denn sitzen?“ Susanna schaute Max an. Der zeigte neben Lisa, die neben Tom saß. „Lisa, rutsch bitte eins weiter.“ Lisa nahm ihre Bücher und ihren Schulranzen. Dort, wo sie gesessen hatte, ließ sich Max nieder. Während des Unterrichts musterte er Lisa, die ganz in ihre Matheaufgabe vertieft war. In der Pause trafen sich Lisa, Susanna und Annika unter dem Kastanienbaum. „Kommt ihr heute zu mir?“, fragte Lisa. 11

Ann-Sophie Riebold:Die Pferdedetektive auf den Spuren der Diebe  

ISBN: 978-3-86196-197-0 Taschenbuch, 74 Seiten Eines Tages finden Lisa, Susanna und Annika beim Baden eine verletzte Ente. Sie denken nich...

Ann-Sophie Riebold:Die Pferdedetektive auf den Spuren der Diebe  

ISBN: 978-3-86196-197-0 Taschenbuch, 74 Seiten Eines Tages finden Lisa, Susanna und Annika beim Baden eine verletzte Ente. Sie denken nich...