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Sebastian Beele Sabrina Weil

Papierfresserchens MTM-Verlag 1


F端r Paul, der ein verwunschener Junge war und f端r den W端rstchen aus dem Rasen wuchsen

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Sebastian Beele und Sabrina Weil

Das Orakel der Langen Nasen

Die spannenden Abenteuer von Paul, dem Ameisenbaren

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Es war ein schöner, sonniger Nachmittag im Zoo. Paul, der kleine Ameisenbär, saß wie nahezu jeden Tag im Schatten des großen Baumes und spielte mit seinem großen, gelben Ball. Ploing machte es, als der Ball von der Mauer des Geheges abprallte und zielsicher wieder in Pauls Pfoten landete. Mit dem Ballspiel kannte Paul sich gut aus. Oft saß er stundenlang im Schatten des Baumes und hatte großen Spaß daran, dem gelben Ball dabei zuzusehen, wie er von der großen Steinmauer abprallte und wieder zu ihm zurückrollte.

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Das war weitaus schwieriger als es aussah, denn wenn er nicht genau aufpasste, wie stark und wohin er den Ball warf, dann konnte dieser schon mal wild und unkontrolliert über die Wiese kullern. Manchmal versuchte Paul auch, andere Sachen im Gehege als Ballspielpartner zu benutzen, aber der Baum warf den Ball immer an unvorhersehbare Stellen zurück, was keinen Spaß machte. Auch seine Mama war keine gute Ballwerferin. Paul hatte einmal probiert, den Ball gegen den Rücken seiner Mama zu werfen und ihn danach wieder zu fangen, aber da war seine Mama wütend geworden und hatte ihn ausgeschimpft. Früher hatte Paul auch einmal einen roten Ball gehabt, der sogar fast noch mehr Spaß gemacht hatte als der gelbe, mit dem er gerade spielte. Aber seit er den roten Ball an einem ähnlich warmen Tag wie diesem voller Übermut über die Mauer seines Geheges geworfen hatte, war jener leider verschwunden. Die Menschen, die dort täglich standen und ihm bei seinen Ballkunststücken zusahen, hatten den roten Ball einfach nicht zurückgeworfen. Den Fehler wollte Paul nicht noch einmal machen, deshalb spielte er seitdem lieber mit der Wand, da gab es keine bösen Überraschungen. Die Menschen fand Paul sowieso seltsam. 5


Sein eigenes Fell war immer buschig und gleich dicht, aber die Menschen schienen im Sommer fast gar kein Fell zu haben und im Winter waren sie unter ihren dicken, bunten Pelzschichten oft kaum zu erkennen. Auch waren die Menschen immer laut und aufgeregt, wenn sie Paul bei seinem Ballspiel zusahen. Sicher, seine W체rfe gegen die Mauer waren toll, aber so ganz verstand Paul die Aufregung darum auch wieder nicht. Denn um einiges toller und spannender als seinen eigenen Ball fand er die bunten, fliegenden B채lle, die manche der kleineren Menschen an Schn체ren mit sich herumtrugen. Wie gerne h채tte Paul auch mal so einen fliegenden Ball gehabt, wahre Magie war das!

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Ploi...hihi machte es, als der Ball von der Mauer abprallte und wie gewohnt zurück in Pauls Pfoten rollte. Ploi...hihi? So ein Geräusch hatte sein Ball noch nie gemacht. Überrascht schaute Paul sich um und sah hoch oben über der Mauer den Grund für das ungewohnte Geräusch: Ein kleines Menschenmädchen stand dort und kicherte lautstark vor sich hin. Neugierig setzte Paul sich auf und schaute nach oben. Vielleicht hatte das Mädchen ja einen dieser magischen fliegenden Bälle dabei! „Hihi, guck mal Mami, was für eine blöde lange Nase!“, kicherte das Mädchen und streckte den Arm aus. Ihr Finger zeigte dabei direkt auf Paul. „So eine alberne Nase hab ich ja noch nie gesehen, was für ein dummes Tier!“, krakeelte sie weiter. Paul runzelte die Stirn. Alberne Nase? Dummes Tier? Sprach das Mädchen etwa von ihm und machte sich über ihn lustig? Nach und nach fielen auch die anderen Zoobesucher in das Gelächter mit ein, immer mehr Finger zeigten auf den armen Paul. Tränen schossen dem kleinen Ameisenbären in die Augen, er kam sich plötzlich ganz klein und bemitleidenswert vor. 7


Wieso lachten die Leute über ihn? Er war doch gar nicht dumm! Er war ein toller Ballwerfer! Und genau das würde er dem Mädchen jetzt beweisen! Trotzig nahm Paul seinen gelben Ball in die Pfoten und warf ihn so fest, wie er nur konnte gegen die Mauer.

PLOING machte es und der Ball flog beängstigend schnell zurück auf ihn zu. Doch genau in dem Moment, in dem er den Ball mit seiner Pfote fangen wollte, kullerte ihm eine Träne ins Auge und seine Pfote griff ins Leere. Verwirrt blinzelte er dem Ball nach, der in der hintersten Ecke des Geheges liegen blieb, während das Gelächter um ihn herum noch lauter wurde. Beschämt kroch Paul unter die schützenden Äste seines Baumes, um den spöttischen Blicken der Zuschauer zu entgehen. Dort wartete er zusammengekauert, bis es dunkel wurde und auch die letzten Besucher gegangen waren. 8


Das Orakel der langen Nasen - Sebastian Beele und Sabrina Weil