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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Titelbild und Illustrationen: Heike Georgi – www.heige-illus.de Lektorat: Vera Schellinger 1. Auflage 2014 ISBN: 978-3-86196-302-8 ebook-ISBN: 978-3-86196-303-5 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Copyright (©) 2014 by Papierfresserchens MTM-Verlag GbR Sonnenbichlstraße 39, D- 88149 Nonnenhorn www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

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Abenteuer Konstanzer Konzil Eine spannende Reise ins Mittelalter

von Thurid Neumann

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Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel

Playmobil-Ausstellung

2. Kapitel

Im Mittelalter

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3. Kapitel

Pizza?

25

4. Kapitel

Das Ritterturnier

34

5. Kapitel

Jan Hus

45

6. Kapitel

Das Heilig-Geist-Spital

52

7. Kapitel

Das Konzil

62

8. Kapitel

Zur端ck in die Zukunft

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1. Kapitel

Playmobil-Ausstellung „Warum müssen wir unbedingt zu dieser Kinderspielzeug-Ausstellung?“, maulte Luis und kickte ein Kieselsteinchen mit dem Fuß von der Rheinbrücke in den Bodensee. „Ich bin fast zwölf Jahre alt. Da spielt man nicht mehr mit Playmobil.“ „Du sollst dort ja auch nicht spielen, sondern etwas über das Konstanzer Konzil und das Mittelalter erfahren“, belehrte ihn seine Mutter Nicole Merk und verdrehte die Augen. „Was interessiert mich das Mittelalter?“, schaltete sich Fynn ein. „Wir leben in der Neuzeit. Und heute scheint auch noch die Sonne. Schau mal, wie viele Segelboote auf dem See sind. Da geht kein Mensch ins Museum. Ich wäre lieber ins Freibad gegangen. Meine Klassenkameraden sind auch da.“ Sehnsüchtig blickte Fynn auf das Wasser hinaus, auf dem die Sonne glitzerte. „Du wolltest wohl sagen, dass deine Klassenkameradin Mia auch da ist“, neckte ihn Luis. „Kann die überhaupt schon schwimmen?“ Luis machte kleine ungelenke Schwimmbewegungen mit seinen Armen. „Auch wenn sie zwei Jahre jünger ist als du, dann ist sie dir dennoch haushoch überlegen“, gab Fynn zurück. „Sie ist nämlich intelligent, hübsch und nett.“ „Autsch“, meinte Luis grinsend. „Das tat jetzt aber weh.“ „Nun hört doch endlich auf zu streiten“, schimpfte ihre 5


Mutter. „Ich wollte mit euch danach eigentlich noch in die Stadt gehen und euch zu einem Eis einladen. Es ist ja erstaunlich heiß für Mai.“ „Spaghettieis?“, wollte Emma wissen, die an der Hand ihrer Mutter lief und immer wieder auf ihre neuen bunten Sandalen mit Glitzersteinchen hinunterschaute. „Von mir aus auch ein Spaghettieis, wenn ihr jetzt aufhört zu streiten und nachher bei der Führung gut zuhört“, versprach ihre Mutter. In dem Moment brauste ein Zug über die Rheinbrücke und ein paar Möwen, die auf dem Geländer gesessen hatten, flogen aufgeregt davon. „Wisst ihr, ihr könnt euch nämlich gar nicht vorstellen, wie das früher hier im Mittelalter so war“, begann ihre Mutter zu erzählen, als der Zug vorbeigefahren war. „Da gab es nämlich noch keine laut ratternden Züge, keine hupenden, stinkenden Autos, keine Fernseher, keine Computer und auch keine Smartphones.“ Sie warf Luis einen grimmigen Blick zu, der gerade geschäftig irgendetwas in sein Handy tippte. „Könntest du das Ding jetzt vielleicht einmal wegstecken? Du machst einen noch ganz wahnsinnig mit deinem Gesimse.“ „Oh, hat sich Lilly etwa wieder gemeldet? Lass mich raten, du siehst aus wie ein breit grinsendes Honigkuchenpferd. Da tippe ich mal auf ja!“, zog Fynn Luis auf. „Hört jetzt endlich auf, immer zu streiten“, wiederholte ihre Mutter verärgert. „Jungs sind einfach unreif. Egal, wie alt sie sind“, stellte Emma auf einmal fest. Verdutzt sahen ihre Brüder und ihre Mutter sie an. „Wie kommst du denn darauf?“, wollte ihre Mutter wissen. 6


„Schau dir doch meine beiden Brüder an, dann weißt du es. Kannst du mir jetzt noch mehr über das Mittelalter erzählen? Wieso heißt das überhaupt Mittelalter?“ „Du schleimst dich doch jetzt nur bei Mama ein, weil du nachher das größte Eis haben willst, das es gibt“, meckerte Fynn. „Hey, ich schleim mich überhaupt nicht ein, du ... du ... du Hosenpupser!“, empörte sich Emma. „Emma! So etwas möchte ich nicht noch einmal hören!“, wies Nicole Merk ihre Tochter zurecht. Fynn streckte ihr hinter dem Rücken der Mutter die Zunge heraus. „Aber er hat angefangen!“, verteidigte sich Emma und zog einen Schmollmund. „Und außerdem weiß ich immer noch nicht, warum es Mittelalter heißt.“ Sie liefen die Treppe zum See hinunter und bogen dann rechts in die Unterführung Richtung Archäologisches Landesmuseum ab. „Nun, dann will ich euch erklären, warum das Mittelalter Mittelalter heißt. Also, die Geschichte Europas wird in drei Abschnitte unterteilt: Antike, Mittelalter und Neuzeit. Das Mittelalter ging ungefähr von 500 bis 1500 nach Christus.“ „Du lieber Himmel. Das erinnert mich an meinen Geschichtsunterricht“, murmelte Luis. „Und jetzt leben wir in der Neuzeit?“, fragte Emma weiter. „Richtig. Die Neuzeit begann mit der Entdeckung Amerikas durch Columbus und der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg. Damit kam neues Wissen in die Welt und das dunkle Mittelalter war vorbei.“ „Ach so!“, rief Emma und versuchte, nachdem sie die Unterführung wieder verlassen hatten, im Schatten ihres Bruders Luis, der vor ihr lief, zu gehen. „Mist, jetzt bin ich 7


rausgekommen“, ärgerte sie sich. „Lauf doch nicht immer so schlaksig, Luis!“ Luis schaute sich fragend um. „Wie bitte? Wie laufe ich?“ „Jetzt fangt nicht schon wieder an!“, stöhnte ihre Mutter. „Und was hat man dann abends ohne Fernseher gemacht?“, interessierte sich auf einmal auch Fynn. Nicole Merk überlegte einen kurzen Augenblick, dann begann sie zu erzählen: „Na ja, meistens waren die Menschen abends müde von der vielen Arbeit den ganzen Tag über. Dann waren sie froh, wenn sie einfach nur etwas essen und anschließend schlafen konnten. Damals waren viele Menschen Bauern, Handwerker oder Arbeiter. Das Land, das die Bauern bewirtschafteten, gehörte nicht einmal ihnen, sondern dem Burgherrn, von dem sie es nur geliehen hatten. Dafür mussten sie ihm einen großen Teil ihrer Ernte abgeben. Fiel eine Ernte schlecht aus, bestand der Burgherr trotzdem auf seinem Anteil, sodass die einfachen Bauern oft hungern mussten. Lesen konnten nur sehr wenige. In der Regel lernten die Mönche lesen und schreiben, vielleicht auch mal ein Burgfräulein. Daher hat man sich dann eben Geschichten erzählt.“ Inzwischen waren die vier vor dem Archäologischen Landesmuseum angekommen und Nicole Merk blickte auf die Uhr. „Die Führung beginnt in einer halben Stunde. Wollt ihr vorher noch etwas trinken?“ Sie zog eine Flasche Limonade und vier Trinkbecher aus ihrem Rucksack. „Au ja!“, rief Fynn, auch Luis und Emma nahmen dankbar ihre Becher mit der Limo entgegen. Dann setzten sie sich auf die Treppenstufen vor dem Museum. „Wieso haben die denn in der Schule nicht Lesen und Schreiben gelernt?“, fragte Emma, nachdem sie ein paar 8


Schlucke getrunken hatte. „Ich kann das doch auch schon, obwohl ich erst in der dritten Klasse bin.“ „Im Mittelalter gab es keine Schulen“, erklärte ihre Mutter. „Cool“, meinte Fynn und versuchte, Luis das Smartphone wegzunehmen. „So cool war das nicht“, berichtigte ihn seine Mutter. „Die Menschen haben damals sehr viel Unsinn geglaubt.“ „Was denn für Unsinn?“, wollte Emma wissen. „Nun, sie glaubten zum Beispiel an Hexen und haben daher auch Menschen verbrannt, von denen sie dachten, sie wären welche.“ Ihr Blick wandte sich Luis zu. „Und du steckst jetzt das Smartphone weg!“, forderte sie ihren Sohn noch einmal auf. Emma hielt sich inzwischen erschrocken die Hand vor den Mund. „Was für Geschichten haben sich die Menschen erzählt? Von Hexen?“, fragte sie schließlich. „Ja, du kennst auch viele davon.“ „Ich kenne die Geschichten, die die Menschen sich im Mittelalter erzählt haben?“ Emma machte große Augen. „Klar. Du kennst doch die Märchen der Gebrüder Grimm, oder? Hänsel und Gretel, Schneewittchen, Dornröschen ...“ „Aber natürlich!“, rief Emma und sprang auf. „Die kenne ich alle! Schneewittchen ist sogar mein Lieblingsmärchen!“ Luis stöhnte. „Bin ich jetzt etwa im Kindergarten gelandet oder was?“ „Nein, Märchen waren damals sehr beliebt. Auch bei Erwachsenen. Wie schon gesagt. Es gab ja keine Fernseher, keine Computer, lesen konnte fast niemand. Wenn die Tage kurz und die Nächte lang waren, hat man sich zusammen in die Stube gesetzt und sich gegenseitig Ge9

Thurid Neumann - Abenteuer Konstanzer Konzil  

Leseprobe: Thurid Neumann - Abenteuer Konstanzer Konzil, Taschenbuch, ca. 70 Seiten, 8,70 Euro, ISBN: 978-3-86196-302-8, ET: 2/14. Die drei...