Issuu on Google+

1


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Titelbild: Heike Georgi Lektorat: Melanie Wittmann Satz: Bettina Bellmont 1. Auflage 2013 ISBN: 978-3-86196-240-3 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Copyright (©) 2013 by Papierfresserchens MTM-Verlag GbR Sonnenbichlstraße 39, D- 88149 Nonnenhorn www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

2


Flaschenpost ahoi! Der zweite Bodensee-Krimi f端r Kinder von Thurid Neumann

3


4


Bodenseepiraten Mit roten Backen hüpfte der kleine blonde Lockenkopf Flo aus dem Auto seiner Eltern, das gerade auf dem Hof ihrer Freunde Markus und Sibylle angekommen war. Markus und Sibylle lebten zusammen mit ihren Söhnen Max und Tim in einem Konstanzer Vorort am Bodensee. Flo hatte dort schon letztes Jahr zusammen mit ihrer älteren Schwester Lara die Sommerferien verbracht, weil ihre Eltern selbst keine Zeit gehabt hatten, sondern arbeiten mussten. Und obwohl ihre Eltern dieses Jahr mit ihnen die letzten zwei Ferienwochen ans Meer nach Italien fahren würden, wollten Lara und Flo auch in diesem Sommer unbedingt wieder an den Bodensee zu Max und Tim. Also hatten Markus und Sibylle die beiden Mädchen für die ersten vier Wochen zu sich eingeladen. Anders als vor einem Jahr fuhren sie dieses Mal jedoch nicht alleine mit dem Zug, sondern sie wurden von ihren Eltern mit dem Auto nach Konstanz gebracht, da diese ihren Freunden wenigstens einen kurzen Besuch abstatten wollten, bevor sie am nächsten Tag wieder zur Arbeit mussten. Außerdem hatten sie auf dem Autogepäckträger Laras und Flos Fahrräder transportiert. Flo konnte es kaum erwarten, wieder im See zu baden und auf den Ponys Jerry und Louis von Bertolis, den Nachbarn von Markus und Sibylle, zu reiten. Während ihre Eltern schon damit beschäftigt waren, das Gepäck ins Haus zu tragen, sah sich Flo nach Max und 5


Tim um. Sie wollte ihnen unbedingt ihr Geschenk geben. In dem Moment kamen die beiden auch schon auf ihren Fahrrädern angesaust. Mit quietschenden Reifen hielten sie auf dem Hof und sprangen von ihren Rädern. Flos blaue Augen glänzten, als sie zu ihnen lief. „Hier! Die ist für euch!“, verkündete sie stolz, als sie Max und Tim eine Flasche überreichte. Lara trat hinter ihre kleine Schwester und schmunzelte, als sie die ratlosen Gesichter der beiden Jungs sah. „Das ist eine Flaschenpost“, erklärte sie ihnen und band ihre braunen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. „Eine Flaschenpost?“, fragte Tim und runzelte die Stirn, während er das grüne Ding in seiner Hand genauer betrachtete. Max stieß seinem kleinen Bruder unauffällig mit dem Ellenbogen in die Seite und sagte schnell: „Oh, eine Flaschenpost. Danke, Flo. Das ...“ „Das ist echt super, wirklich“, fügte Tim nickend hinzu. Flo strahlte. „Ihr müsst lesen, was drinsteht“, sagte sie und trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. „Oh, klar, ja, warte“, meinte Max. Er zog den Korken von der Flasche und angelte nach dem Stück Papier, das sich zusammengerollt darin befand Dann zog er es heraus, faltete es auseinander und las laut vor: „Lieber Max, lieber Tim! Ich freue mich darauf, dass wir mit euch wieder die Sommerferien hier am Bodensee verbringen dürfen! Küsschen, Flo.“ Flo hüpfte vergnügt auf und ab, während Lara sich nur mit Mühe das Lachen verkneifen konnte. „Äh, danke, Flo“, sagte Tim und Lara kam es so vor, als wäre er ein bisschen rot geworden. 6


„Ich kann nämlich schon Briefe schreiben“, erklärte Flo eifrig und sah Max und Tim stolz an. „Ich bin jetzt kein Baby mehr. Ich komme nach den Sommerferien nämlich schon in die zweite Klasse“, fügte sie hinzu. „Na, ein Baby warst du letztes Jahr doch auch schon nicht mehr. Wenn ich denke, wie du dabei geholfen hast, das Geheimnis um Schloss Krähenstein aufzudecken“, erinnerte sie Max. „Tja, dieses Jahr werden wir wohl einfach nur faul am See liegen und die Ferien genießen“, seufzte Lara und zuckte die Schultern. Jetzt grinsten Max und Tim die beiden Mädchen an. „Also, eigentlich hatten wir nicht vor, uns den ganzen Tag über in der Sonne zu grillen ...“, begann Max. „... oder auf den Ponys Cowboy zu spielen“, ergänzte Tim. Seit Lara und Flo den beiden Jungs in den letzten Sommerferien das Reiten beigebracht hatten, waren Max und Tim begeisterte Reiter geworden. Und seit Bertolis, die Nachbarn ihrer Eltern, im Herbst letzten Jahres zwei weitere Ponys von der Insel Mainau bekommen hatten, Romeo und Sissi, konnte jetzt jedes der Kinder, wenn Lara und Flo aus Freiburg zu Besuch waren, auf einem eigenen Pferd reiten. „Obwohl ich zugeben muss, dass ich die Sommerferien durchaus mit Schwimmen und Reiten verbringen könnte“, ergänzte Max und blickte verträumt zum blauen Sommerhimmel empor. Dann zwinkerte er Tim zu. „Warum tut ihr beiden denn so geheimnisvoll?“, wollte Lara wissen und sah neugierig von einem zum anderen. „Also“, begann Max, „es ist so, dass wir uns eine Überraschung für euch ausgedacht haben ...“ „Eine Überraschung? Ich liebe Überraschungen!“, rief Flo und klatschte begeistert in die Hände. „Flo!“, wies Lara sie zurecht. „Wenn du Max ausreden lassen würdest, dann wüssten wir vielleicht schon, um was 7


für eine Überraschung es sich handelt.“ Denn so vernünftig Lara mit ihren elf Jahren auch schon war, in ihrer Neugier war sie durch fast nichts zu bremsen. „Packt eure Badesachen und kommt mit zu unserem Geheimbadeplatz“, forderte Tim sie auf, „dann werdet ihr die Überraschung sehen.“ „Au prima!“, rief Flo. „Mir ist sowieso ganz heiß von der Autofahrt!“ „Wir müssen aber erst unsere Eltern fragen“, ermahnte sie Lara. „Wo sind sie überhaupt?“ „Ich glaube, sie sind schon im Haus“, mutmaßte Tim. „Oh je, jetzt haben wir ihnen gar nicht dabei geholfen, das Gepäck hineinzutragen“, stellte Lara zerknirscht fest. „Und Jerry und Louis und Romeo und Sissi haben wir auch noch nicht begrüßt“, bemerkte Flo und schob ihre Unterlippe nach oben. „Okay, also eins nach dem anderen“, riet Max. „Zuerst fragen wir unsere Eltern, ob wir noch vor dem Mittagessen zum See dürfen, und dann gehen wir zu unseren Ponys, um ihnen zu sagen, dass sie heute Abend mit uns ausreiten.“ Lara grinste. Noch vor einem Jahr hatten sich Max und Tim über sie lustig gemacht, wenn sie sich mit den Ponys unterhielten. Und jetzt taten sie es selbst. „Prima! Wir könnten unsere Eltern aber auch fragen, ob wir etwas zum Mittagessen mitnehmen und bis zum Abend am See bleiben dürfen“, schlug Lara vor. Eine Stunde später liefen die vier durch ein kleines Wäldchen und Schilf, bis sie zu ihrem Geheimbadeplatz am See kamen. Lara breitete eine große Decke aus und stellte die Kühltasche mit dem Essen und Trinken daneben. Zum Glück hatten ihre Eltern die Idee mit einem Picknick am See gut gefunden und ihnen auch gleich Nudelsalat, Brot, Obst, Kekse und Bertolis selbst gemachte 8


Zitronenlimonade eingepackt. „Und wo ist jetzt eure Überraschung?“, wollte Flo nun endlich wissen, während sie sich gespannt umsah. „Ja, genau! Wo ist sie jetzt?“, hakte auch Lara nach, die bisher nichts entdecken konnte. Der Geheimbadeplatz sah so aus wie immer: wie eine kleine Insel inmitten von Schilf. Das Wasser im See glitzerte einladend in der Sonne und der warme Sommerwind ließ das Schilf sanft rauschen. „Kommt mit“, sagte Max rätselhaft. Tim, Lara und Flo folgten ihm am Ufer entlang. Gleich hinter der Kurve würden sie das Schloss Krähenstein sehen und Laras Herz schlug jetzt genauso schnell wie damals, als sie dessen Geheimnis noch nicht gekannt hatte. Doch dieses Mal hüpfte ihr Herz einfach nur vor Spannung auf und ab, weil sie unbedingt wissen wollte, was für eine Überraschung Max und Tim für sie hatten. „Tatatata!“, trompetete Max, als sie um die Kurve wateten. Mit offenen Mündern blieben Lara und Flo stehen. Was sie dort sahen, war einfach unglaublich. „Wow! Das ... das ist ja ein ... echtes Floß!“, brachte Lara nur stammelnd heraus. „Ein Piratenfloß!“, jubelte Flo und schnalzte mit der Zunge. „Ein Piratenfloß?“, wiederholte Tim und sah Flo fragend an. „Ja! Das ist ein Piratenfloß! Und ich bin für die Flaschenpost zuständig“, erklärte Flo munter. Max kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Aber ja doch!“, rief er dann. „Das ist es! Wir stechen dieses Jahr als Bodenseepiraten in See!“ Lara sah Max mit hochgezogenen Brauen an. Wie alt war Max jetzt? Dreizehn? War man da aus dem Piratengeburtstagsfeieralter nicht schon lange heraus? 9


„Bodenseepiraten“, sagte sie kopfschüttelnd und tauchte ihre Hand ins kühle Wasser. Dann hielt sie Max ihre nasse Hand an die Stirn. „Ich glaube, du hast einen Sonnenstich“, stellte sie fachmännisch fest, während Flo schon auf das Floß kraxelte. „Flaschenpost ahoi!“, rief sie und salutierte dabei wie ein Matrose. „Flaschenpost ahoi!“, echote Tim und kletterte neben sie auf das Floß. „Alles klar zum Entern! Macht die Leinen los!“, posaunte Max und band den Strick von dem Pfahl los, den er und Tim extra für das Floß am Ufer in den Boden gerammt hatten. Lara stand mit offenem Mund da. Doch dann sprang auch sie auf das Floß und rief: „Setzt die Segel!“ Max zwinkerte ihr zu. Hey! Es waren Sommerferien! Die schönsten Ferien des Jahres! Und warum sollten sie nicht vier Wochen lang den Sommer wie einen Piratengeburtstag genießen?

10


Die Schatzkarte Gleich am nächsten Morgen nach dem Frühstück gingen Max, Tim, Lara und Flo zu den Ponys und machten sie für einen Ausritt bereit. Es hatte in der Nacht vereinzelt Gewitter gegeben, sodass die Luft im Moment noch angenehm war. Jerry rieb seine warmen Nüstern an Flos Reiterhosentasche, da er wusste, dass sie dort immer seine Lieblingsleckerlis versteckt hatte. Flo lächelte und gab Jerry ein paar davon. Lara und Max schüttelten ihre Köpfe. „Flo, du verwöhnst Jerry viel zu sehr“, tadelte Lara. Flo zog einen Schmollmund und rechtfertigte sich sogleich: „Wieso verwöhnen? Die Leckerlis sind schließlich für die Ponys und nicht für uns.“ Tim grinste. „Würdest du uns sonst auch damit füttern?“, fragte er. „Vielleicht“, meinte Flo und rückte ihren Reiterhelm zurecht. Dann gab sie Jerry noch einmal eine Handvoll. Max verzog das Gesicht. „Vermutlich wäre das gar nicht so schlecht für die Ponys“, stellte er fest und klopfte Romeo auf den Hals. „Wenn du Jerry in dem Tempo weiterfütterst, wird er am Ende der Sommerferien nicht mehr von einem Heißluftballon zu unterscheiden sein.“ Doch bevor Flo etwas erwidern konnte, hatte er sich schon auf Romeo geschwungen und trabte davon. „Er ist ja nur neidisch, weil die Leckerlis nicht für ihn sind“, flüsterte Flo Jerry ins Ohr und griff in ihre Tasche. 11


„Schade, es sind keine mehr drin“, stellte sie bedauernd fest. „Nun komm schon, Flo“, forderten sie Lara und Tim auf, die auch schon aufgesessen waren. „Lass uns losreiten, bevor die große Hitze kommt.“ Flo streichelte Jerry noch einmal über die Stirn, dann stieg auch sie in den Sattel und folgte den anderen im Trab. Max wartete schon unter einem Kirschbaum am Rand eines Feldweges auf sie und versüßte sich die Zeit mit ein paar Kirschen, die er direkt vom Baum in den Mund steckte. Flo parierte Jerry bei Max zum Stehen durch und grinste ihn an. „Pass bloß auf. Wenn du zu viel von den Kirschen isst, siehst du am Ende aus wie ein Heißluftballon“, feixte sie. Dann stopfte auch sie sich ein paar von den zuckersüßen Kirschen in den Mund, sodass ihr der rote Saft aus den Mundwinkeln lief. „Uh, wie gruselig“, lachte Tim, „jetzt siehst du aus wie ein blutiger Pirat.“ Lara sah zu Flo und verdrehte belustigt die Augen. „Wenn ich nicht wüsste, dass Vampire kein Sonnenlicht vertragen, könnte ich direkt Angst vor dir bekommen“, zog sie Flo auf. „Wie wär�s? Wir könnten doch durch den Wald reiten und Schloss Krähenstein einen Besuch abstatten?“, schlug Max vor, der offensichtlich genug Kirschen gegessen hatte. „Au ja“, rief Flo mit vollem Kirschmund. „Wir statten Geist August einen Besuch ab!“ In den letzten Sommerferien erzählte man sich am Bodensee die Geschichte, der Geist des verstorbenen Grafen August von Krähenstein würde in dem Schloss umherspuken. Doch den vier Kindern war es gelungen, das Geheimnis um ein verschwundenes Testament und den verstorbenen Grafen aufzudecken. 12


Thurid Neumann - Flaschenpost ahoi!