Issuu on Google+

Rene Litzenberger

Im Auftrag des Kaisers


Das Buch kann ab sofort beim Verlag verbindlich vorbestellt werden. Es wird mit Erscheinen ausgeliefert. Den Erscheinungstermin finden Sie auf unserer Internetseite. Bitte beachten Sie, dass es sich bei dieser Leseprobe nur um ein Musterlayout VOR dem Lektorat handelt. Das Buch selbst werden Sie später in unser gewohnt guten Qualität und textlich bearbeitet in Händen halten können. 1. Auflage 2014 ISBN: 978-3-86196-304-2 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Copyright (©) 2014 by Papierfresserchens MTM-Verlag Sonnenbichlstraße 39, 88149 Nonnenhorn www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de Tel. 08382/7159086 Bildnachweis Cover: © Dusan Kostic - Fotolia.com


Der Höllenfürst Er brauchte nicht einmal die Magie zu berühren, um die Erschütterung, die durch sie hindurch ging zu fühlen. Sie war so heftig, dass er befürchtete sein Kopf würde explodieren. Er hatte die Nase voll von den fortwährenden und sinnlosen Kriegen. Es gab nichts was er sich sehnlicher wünschte, als endlich seinen Frieden zu finden. Seit wie vielen Jahrtausenden er nun schon existierte wusste er nicht mehr, da er aufgehört hatte mitzuzählen, doch für seinen Geschmack waren es deutlich zu viele. Anfangs war es ein tolles Gefühl, die Unsterblichkeit zu erlangen, doch inzwischen hatte er es satt. Hasserfüllt stand er einfach nur da und wartete darauf, was als nächstes geschehen würde. Früher wäre er wohl der Erste gewesen, der sich kopfüber in die Schlacht geworfen hätte, doch die Zeit hatte ihn verändert. Die vielen Kriege, unzählige Tote und das Leiden der Menschen hatten ihn geprägt. Es war nicht so, als hätte er Gefühle, die hatte er abgelegt, als er seine neue Form angenommen hatte. Er war einfach nur übersättigt. Die Kriege hatten schon vor langer Zeit begonnen ihn zu langweilen und er konnte sich nicht mehr an den Qualen anderer erfreuen. Zu viele Tote hatte er gesehen, dass es für ihn schon zur Normalität geworden war. Sein eigenes Dasein hatte begonnen ihn zu ermüden. Hätte er einen Weg gewusst, wie er sich selbst töten hätten können, hätte er es schon längst getan. Als er spürte, wie der Zorn in ihm begann aufzulodern, zwang er sich zur Ruhe. Hier an diesem Ort war es so ruhig, dass er seinen eigenen Atem, nachdem er ihn für einen Moment angehalten hatte, um ihn wieder aus sich heraus zu lassen, tief und bedrohlich aus seinem Rachen steigen hörte. Doch seine Wut verlor an Kraft und als er diesen Vorgang noch einmal wiederholte, erlosch sie vollständig. Erst da öffnete er seine Augen wieder und beobachtete seine Umgebung. Er stand in der Mitte eines rituellen Steinkreises, der ihm zu ehren von den Menschen errichtet worden war. Sein Denkmal lag auf einem der höchsten Berge die es gab, so hatte er auch einen atemberaubenden Aus-


blick auf die Welt zu seinen Füßen. Der Berg fiel unter ihm steil ab, was ihn die Menschen noch mehr bewundern ließ, wie sie ohne jegliche Hilfe von Magie die großen Steine hier herauf gebracht hatten. Selbst die Tiere hielten sich von dieser Höhe fern. Nur in der Ferne und durch seine von Magie durchfluteten Ohren konnte er die Vögel tief unter ihm ihre Lieder singen hören. Er beneidete sie, wie sie frei und scheinbar schwerelos durch die Luft segelten und dabei so unberührt von aller Gewalt wirkten. Sie blieben von dem Krieg und dem Sterben verschont und er wünschte ihnen, dass es für sie immer so bleiben würde. Wieder gab es eine Erschütterung der Magie, die ihn unbewusst aufhorchen ließ. Er breitete seine Flügeln aus und saugte etwas Magie in sich auf, um seine Sinne weiter ausstrecken zu können. Obwohl er am anderen Ende der Welt stand, konnte er den tobenden Kampf nun sehen, als stünde er unmittelbar davor. Um nicht die Aufmerksamkeit der Anderen auf sich zu ziehen, legte er seine Flügel wieder an, wodurch der Magiefaden abriss und das Bild vor ihm verschwand. Sollten sie sich doch gegenseitig bekämpfen, er würde sich diesmal nicht einmischen. Doch er musste sich weder umdrehen noch nach Magie greifen, um das Portal zu fühlen, dass sich plötzlich hinter ihm öffnete. Angewidert schüttelte er den Kopf, er hatte gehofft, sie würden ihn diesmal in Ruhe lassen. Mit keiner Reaktion zeigte er, dass er bereits bemerkt hatte, dass aus dem Portal geräuschlos eine Gestalt gestiegen war. Er blieb einfach mit dem Rücken zu dem Eindringling stehen, denn er musste auch nicht nach sehen um zu wissen, wer dort stand. Sie waren schon zu viele Jahre aneinandergebunden, dass er tot hätte sein müssen, um nicht zu fühlen, dass es sein Bruder war. „Was willst du?“, fragte er mit einer tiefen und drohenden Stimme, die selbst den Boden zittern ließ, als sein Bruder vor dem Portal stehen blieb und zu warten schien. Es war eine Stimme, die jedes Lebewesen sofort zu Tode erschreckt hätte. Sein Bruder war hier nicht willkommen und das wollte er ihm auch zeigen. „Auf welcher Seite stehst du, Bruder?“, wollte der Eindringling von ihm wissen.


„Auf keiner. Ich habe eure ewigen Streitigkeiten satt.“, fuhr er seinen Bruder nun an und wand sich dabei drohend um. In seinen Augen leuchtete Feuer auf, seine Flügel waren bedrohlich ausgebreitet und er ließ dabei die Magie um ihn herum in sich hinein strömen. Für einen kurzen Moment wich der Eindringlich einen Schritt zurück, doch er fing sich schnell wieder und lächelte vorsichtig. „Was willst du tun? Du weißt so gut wie ich, dass wir unsterblich sind.“ Seine Worte ignorierend, saugte er weiter Magie auf. Inzwischen trug er so viel Macht in sich, dass es ausreichen würde um mit einem Streich einen ganzen Kontinent zu vernichten. Als er fühlen konnte, dass die Magie um ihn herum immer dünner wurde, rief er sie von noch weiter her zu sich. Die Augen seines Bruders wurden dabei immer unsicherer, denn auch er konnte fühlen, wie viel Magie er inzwischen besaß. „Du wirst noch den ganzen Planeten zerstören, ich will nicht gegen dich kämpfen. Ich bin hier um dich auf meine Seite zu ziehen.“, sagte sein Bruder vorsichtiger als zuvor. Langsam ließ er seine Flügeln sinken und stoppte damit die Magiezufuhr, er hatte genug für den Moment und die Magie, die er bereits in sich trug, hatte bestimmt schon genug Schaden dort angerichtet, von wo er sie gestohlen hatte. „Ich kämpfe weder für, noch gegen dich. Halte mich aus euren Streit heraus, dann gibst du mir auch keinen Grund dazu, einen Weg zu finden dich zu töten.“ Der Eindringling schätzte seine Worte ab, bevor er seine Verhandlung aufnahm. „Zyral, du weißt, dass du mich nicht töten kannst. Ist es dieses Menschenweib, was dich so verweichlicht hat? Du kannst nicht einfach hier herum sitzen und abwarten. Der Krieg wird dich früher oder später erreichen und wenn es so weit ist, musst du dich für eine Seite entscheiden.“ Zyral hatte geduldig zugehört und abgewartet, denn er fand es unhöflich jemanden zu unterbrechen, doch jetzt, als sein Bruder fertig war, breitete sich das Feuer in seinen Augen auf seine Flügel aus. Sie fingen an zu glühen, als wären sie heißes


Metall und sein gesamter Körper stand plötzlich in Flammen. „Ich schwöre dir Rasu, dass ich einen Weg finden werde dich zu töten, wenn du sie noch einmal erwähnst. Und jetzt geh, bevor ich meine Beherrschung verliere.“ „Hat es dir noch niemand gesagt? Eigentlich hatte ich gedacht, dass du ohnehin immer ein Auge auf sie gerichtet hast.“, fing Rasu an zu erklären, hielt für einen Moment inne und sprach weiter. „Dein Menschenweib ist tot. Erlak hat sie töten lassen, mit vielen anderen unschuldigen Menschen, nur weil er dachte, dass sie meine Anhänger wären.“ Zyral stieß einen Schmerzensschrei aus, der so qualvoll war, dass er die Erde erschüttern ließ und kilometerweit zu hören und spüren war. Selbst der Berg auf dem sie standen schien ins Schwanken zu geraten und überall auf Erden wurden Beben ausgelöst, die kilometergroße Risse in der Erdkruste erzeugten. Tiere wie auch Menschen wurden von den plötzlich aufbrechenden Schluchten erfasst und fielen in den Tod, doch die meterhohe Wellen, die auf die Küste zurasten, würden noch viel mehr Leben nehmen. „Du lügst!“, spie Zyral Rasu entgegen und brüllte erneut seinen Zorn heraus. Rasu schüttelte nur traurig seinen Kopf und betrachtete durch seine magischen Augen, die Schäden, die Zyral angerichtet hatte. „Ich werde sie wieder leben lassen und euch beide jagen.“, schrie Zyral zornentbrannt und formte mit seiner gesammelten Magie eine Feuerkugel, die er ohne Vorwarnung direkt auf Rasu schoss. Obwohl Rasu wusste, dass Zyral ihn nicht töten konnte, selbst mit aller Magie der Welt, wollte er dennoch kein Risiko eingehen und formte blitzschnell ein Schild vor sich, das die Kugel abprallen ließ. Zyral riss seine Augen auf und beobachtete gebannt die Flugbahn der apokalyptischen Kugel. Sofort hasste er sich selbst für seinen Wutausbruch, doch er konnte es nicht mehr rückgängig machen. Beide standen da und verfolgten die Ereignisse. Die Kugel flog durch den Aufprall steil in die Luft, um danach in einem weiten Bogen am Horizont zu verschwinden. Kein menschliches Auge würde die Kugel noch sehen, doch sie


sahen mit ihrer Gabe der Magie wie gefesselt in die Richtung, in die der Magieball verschwunden war. Sie traf einen abgelegenen Kontinent, doch der Schaden betraf die ganze Welt. Die Erde begann bedrohlich zu beben und für einen kurzen Moment befürchtete Zyral, dass sie der Explosion nicht standhalten würde. Zu seiner Erleichterung ließ die Erschütterung langsam nach, doch er war sich dennoch sicher, dass der Kontinent nie mehr derselbe sein würde, der er vor der Explosion war. Zyral wand sich wieder an Rasu, der immer noch wie versteinert in die Richtung blickte, in die die Kugel verschwunden war. „Wenn ich gewusst hätte, was sie für einen Schaden anrichten würde….“, flüsterte Rasu ehrfürchtig und brach ab. „Ich werde einen Weg finden, wie ich dich töten kann und wenn es soweit ist, werde ich dir deinen Kopf von den Schultern reißen und ihn an deinem Grab auf einem Pfahl aufspießen, damit du auf ewig Qualen leidest.“, es war keine Drohung, sondern eine Feststellung, die Zyral ihm versprach. Erschüttert über die Androhung wich Rasu einen Schritt zurück. Er wusste was dieses Ritual zu bedeuten hatte und es war die schlimmste Strafe, die er sich vorstellen konnte. Es war ein uraltes Totenritual, das nur an den schlimmsten Verrätern angewandt wurde. Denn es würde dem Toten auf alle Ewigkeiten die Qualen auch bis ins Jenseits fühlen lassen. „Womit habe ich ein solches Ende von meinem eigenen Bruder verdient?“, fragte Rasu traurig. „Wage es nicht mich zu verspotten. Du hast mich verraten und du hast Erlak von ihr erzählt. Sie war meine erste Schöpfung, mein Wunder und du konntest es nicht ertragen. Sie starb wegen eurem Streit, den du angestiftet hast, also tu nicht so, als wärst du unschuldig.“, schrie Zyral ihn an und breitete seine brennenden Flügel in voller Größe aus. Wie ein Wasserfall strömte nun Magie aus allen Ecken der Welt zu ihm und er nahm sie bereitwillig auf. Rasu starrte ihn angstvoll an, noch nie hatte jemand versucht so viel Magie in sich zu fassen und er war sich nicht sicher, was Zyral damit vorhatte. Er bereitete sich auf den nächsten Angriff vor, doch Zyral fing plötzlich an aus voller Kehle zu lachen. Als hätte er den besten Witz gehört, den es gab,


René Litzenberger - Schattenkrieger - Im Auftrag des Kaisers