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Das Buch kann ab sofort beim Verlag verbindlich vorbestellt werden. Es wird mit Erscheinen ausgeliefert. Den Erscheinungstermin finden Sie auf unserer Internetseite. Bitte beachten Sie, dass es sich bei dieser Leseprobe nur um ein Musterlayout VOR dem Lektorat handelt. Das Buch selbst werden Sie später in gewohnt guten Qualität und textlich bearbeitet in Händen halten können. Auch das Cover, das Sie hier sehen, ist nur ein „Platzhalter“. Alle unsere Cover werden während des Entstehungsprozesses des Buches individuell gefertigt. 1. Auflage 2014 ISBN: 978-3-86196Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Bildnachweis: sassi / pixelio.de

Copyright (©) 2014 by Papierfresserchens MTM-Verlag Sonnenbichlstraße 39, 88149 Nonnenhorn www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de Tel. 08382/7159086


1. Robert und das positive Fühlen Zwei Tränen füllen meine Augen. Ich drücke die Lider zu. Sie kullern meine Wangen herunter. Jetzt kann ich weiterlesen, habe wieder einen klaren Blick. Ich sitze auf einem Hocker in der Beckerschen Buchhandlung in meiner Lieblingsecke an einer Säule. Auf meinem Schoß liegt das schwere Buch „Robert und das Positive Fühlen”. Momentan fühlt sich das Buch noch schwerer an, als es eh schon ist. Das gibt es doch nicht. Da steht meine Geschichte schwarz auf weiß … Ich glaub das einfach nicht. Alles ist genau wie bei mir. Schon seit ich denken kann, träume ich von meinem Traumprinzen. Begegnet bin ich ihm noch nicht wirklich. Der, von dem ich jeweils dachte, er wäre es, entpuppte sich doch nach einer Weile wieder als Frosch. Ich hatte schon ein paar verwunschene Prinzen. Muttis Kommentar: „Du hast aber auch schon Vögel gehabt”, entlockt mir im Nachhinein oft ein breites Grinsen.Ohne rosa Brillenblick sehe ich auch die Federn. Recht hat sie. Meine Augen werden gar nicht wieder trocken. Weitere Tränen folgen der Spur auf meinen Wangen. Da spüre ich ein Tippen auf meiner Schulter. „Na, Bademeister!“, scherzt mein bester Freund Franzesco. „Bademeister“, weil mir immer warm ist vor lauter Energie, vor Power, manchmal auch vor Angst. So kampiere ich sogar im Winter leicht bekleidet, nur im trägerlosen T- Shirt in der Buchhandlung, unserem zweiten


Wohnzimmer, wie Franzesco immer sagt. Sonst warte ich immer sehnsüchtig auf meinen Francesco. Doch heute bin ich so versunken in die wunderbare Geschichte von Robert und Juni, dass ich sein Kommen nicht bemerke. Seit ungefähr vier Jahren gibt es keinen wichtigeren Menschen in meinem Leben. Wir erleben fast jeden Tag Freud und Leid hautnah, außer am Sonntag, wenn Franzesco s Freundin frei hat. „Na, was ist passiert?”, fragt Franzesco, als er meine tränenerfüllten Augen sieht. „Ach das Buch, erzählt meine Geschichte, ich schwöre”, seufze ich. Ein Blick in sein Gesicht, welches mich an den schlanken, wunderhübschen, indischen, sanften Siddharta erinnert, und ich lache wieder. Dass ich darüber lachen kann, ist Franzescos Verdienst. „Es ist sooooo schön“, seufze ich ... „Bestimmt geht es gut aus”, hoffe ich laut. „Schließlich heißt es Robert und das positive Fühlen, hört sich doch schon nach Happy End an, oder?” „Ja, bestimmt, du Romantikerin”, lacht nun auch Franzesco. „Selber”, necke ich ihn. Mit dem Lesen hat es sich erst einmal erledigt. Franzesco hat das Buch auch schon gelesen. Wir haben den gleichen Geschmack und lesen ohne Absprache oft die gleichen Bücher. Er nennt mir genau die Stellen des Buches, die ich auch am schönsten finde. Wir sind uns einmal wieder einig: Das ist die tollste Geschichte, die wir in letzter Zeit gelesen haben. Obwohl er das Ende


kennt, verrät es mir nicht. Ich bin so gespannt, wie es weitergeht mit Juni und Robert, dass ich nicht anders kann, als das Buch zu kaufen. Natürlich nehme ich genau dieses, welches ich grade in meinen Händen halte, denn darin las Franzesco auch. Ich glaube fest daran, dass seine Energie noch darin ist. Insgeheim liebe ich Franzescos schöne Seele. Ich liebe die Unterhaltungen mit ihm. Ich liebe es, mit ihm zusammen zu sein. Doch Franzesco hat sich für Richarda entschieden. Sie ist so eifersüchtig und verbietet uns den Kontakt. Obwohl ich 14 Jahre älter bin als er, sieht Richarda in mir eine Rivalin. Das schmeichelt mir. Na gut, es ist nicht ganz unbegründet. Denn anfangs bildete ich mir auch bei ihm ein, dass er mein Prinz ist. Jetzt habe ich akzeptiert, dass es eine wundervolle, tiefe Freundschaft zwischen uns ist. Kaum kann ich es erwarten, mein Buch weiterzulesen. Schon während ich auf die Bahn warte, lese ich im Stehen und dann in der Bahn sowieso. Wo ich gehe und stehe, lese ich. Ich nehme nichts anderes mehr wahr, während mich Roberts und Junis Geschichte durch Höhen und Tiefen wandern läßt. Befreites Lachen löst Tränentiraden ab. Ich ernte etliche verwunderte Blicke. Das ist mir völlig egal. Zu schön ist die Geschichte. Mein Herz schmerzt und hüpft abwechselnd. Ich sitze neben Robert und Juni in Hängemattien, das Land mit den zwei Hängematten, in denen sie stundenlang liegen und reden, reden, reden. Ich singe lauthals mit ihnen Dirty Dancing. Ich tanze wie eine Feder neben ihnen auf der Tanzfläche. Und eine schöne lange Weile lebe ich Roberts und Junis Traum, genau so lange, wie


ich brauche, um das Buch durchzulesen. Das dauert gerade mal eine Woche. „Ach ja … das ist zu schön, um wahr zu sein”, flüstert es in mir. Jetzt geht das richtige Leben weiter. 2. Martin Schnell holt mich die Realität wieder ein. Ich habe einen Freund. Martin. Zumindest sage ich, dass er mein Freund ist. Was noch nicht heißt, dass er der gleichen Meinung ist. Der „Zufall” führte uns nach 18 Jahren wieder zusammen. Martin kommt in letzter Zeit öfter, denn er hat eine Baustelle in Köln und muss für 20 Arbeiter Wohnungen einrichten. Er wohnt noch in meiner alten Heimat in Sachsen-Anhalt. Dort befindet sich auch der Sitz seiner Firma und sein Haus, seine Kinder und seine zwei Exfrauen. Die Geschichte mit uns zieht sich mittlerweile schon wieder fast drei Jahre hin, mit Unterbrechungen. Zeitweise besucht er mich öfter. Aber es kommt auch vor, dass er sich wochenlang gar nicht meldet. Diese Illusion habe ich schon fast begraben, dass er der Traumprinz ist. Ich verstehe, warum wir uns wiedertrafen nach der langen Zeit. Es war nicht richtig beendet, nicht abgeschlossen. Ein alter Groll belastete mein Herz und ich verstand einfach nicht. Er änderte sich im Grunde genommen kaum, obwohl es anfangs den Anschein machte. Damals brachte er mir schon nicht die gewünschte Aufmerksamkeit entgegen. Das ist heute noch genauso. Ich war und bin ihm nicht so wichtig,


Marion Leuschner - Wunder gescheh'n