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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Lektorat: Janna Odenbach Satz: Melanie Wittmann Cover: © Bluebat – Fotolia.com (Titelbild) © Ecco – Fotolia.com (Rosen) Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 1. Auflage 2014 ISBN: 978-3-86196-300-4 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Copyright (©) 2014 by Papierfresserchens MTM-Verlag Sonnenbichlstraße 39, 88149 Nonnenhorn, Deutschland www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

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King of Blood Verborgenes Reich von

Isabell Schertzl

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Kapitel 1 Ich saß mit meiner Freundin Lara im schattigen Außenbereich der Eisdiele nahe unserer Schule, lauschte einem ihrer wortreichen Berichte und ließ dabei immer wieder den Blick wandern. Da es eine der besten Eisdielen in der Stadt war und die Lage einfach optimal, verbrachten bei schönem Wetter viele Klassenstufen unserer Schule ihre Mittagspause hier. Jetzt, im Hochsommer, war es wieder besonders voll hier drin und so war es auch entsprechend laut. Gerade beendete Lara ihren Bericht: „... und außerdem ist Nina wieder mit Florian zusammengekommen. Stell dir mal vor, der war doch mit ihrer besten Freundin zusammen, wie kann sie da nur ...“ Lara war eine Labertasche und nicht gerade das, was man unter intelligent versteht, doch ich mochte sie, so wie sie war. Mit ihren verrückten lila Strähnen in dem blonden, langen Haar und den unterschiedlichsten Modeticks, die sie schon hinter sich hatte. Wir waren schon seit dem Kindergarten befreundet und nichts konnte uns trennen. Auch wenn ich immer die war, die nachgab. Unter zustimmendem Murmeln schob ich mir eine Pommes in den Mund. Der Besitzer der Eisdiele hatte schnell realisiert, dass sein treuster Kundenstamm aus jungen Schülern bestand, und seine Speisekarte entsprechend angepasst. Mittags konnte man sich vor einem Eis also noch zwischen Pommes, Currywurst oder anderem Fingerfood entscheiden. Obwohl sich hier einige Schüler tummelten, waren noch genügend Plätze frei. Natürlich würde sich nie einer der Sportler an den Tisch des Schachklubs setzen. Da würde Ersterer lieber verhungern. Zum Glück war es hier aber mit dem Mobbing nicht so schlimm wie an vielen anderen Schulen. Natürlich gab es Cliquen und verschieden angesagte Leute, aber im Großen und Ganzen war es relativ friedlich. Eigentlich eine Meisterleistung, wenn man sich die vielen unterschiedlichen Gesichter ansah. 5


Gerade als ich meinen Blick durch die Eisdiele schweifen ließ, entdeckte ich ihn: Ein Junge, ungefähr in meinem Alter, stand im Eingangsbereich und schaute sich ziemlich selbstbewusst um. Da fast alle Jugendlichen hier Schüler unserer Schule waren, fragte ich mich, ob er auch dazugehörte. Wenn ja, musste er neu sein, normalerweise kannte ich jeden Mitschüler zumindest vom Sehen, aber diesen Jungen hatte ich noch nie zu Gesicht bekommen. Neugierig geworden musterte ich ihn. Unter einer grauen Strickmütze, die ein Stück zurückgeschoben war, konnte man seinen schwarzen, verwuschelten Pony sehen. Er stand in einem starken Kontrast zu seiner bleichen Haut. Er war größer als ich, ungefähr 1, 75 Meter, und ein wenig muskulös. Ansonsten war er normal gekleidet: dunkle Jeans und ein blaues T-Shirt, über das er ein dunkelgraues, schon ausgeweitetes Sweatshirt gezogen hatte. Im Gesamtpaket war der Neue ziemlich süß und gut aussehend (okay, nicht nur ziemlich), und soweit ich es von meinem Platz aus sehen konnte, hatte er coole Augen, so eine Mischung aus Grün und Schwarz. Genau in diesem Moment traf sein Blick meinen. Er schaute mir direkt in die Augen – und es war völlig unglaublich, aber in seinem Blick lag etwas Anziehendes, das mich nicht wegschauen ließ. Als läge in seinen Augen ein Bann, der mich festhielt. Er musterte mich von oben bis unten und ich war nicht in der Lage, woanders hinzuschauen. Erst als er seinen Blick von mir nahm, löste sich mein unbändiges Verlangen, ihn weiter anzustarren. Schnell wendete ich mich meinem Teller zu und spürte, wie ich rot wurde. Lara hatte nichts bemerkt und redete munter weiter: „Meinst du, die olle Frau Meinek schreibt wieder einen Test in Mathe? Ich hatte keine Zeit zum Lernen und blick da überhaupt nicht durch ...“ Ich konnte kaum auf das achten, was Lara mir erzählte. Meine Gedanken surrten nur um den Jungen mit dem komischen Blick. Wie er wohl hieß? War er ein neuer Schüler an unserer Schule? Wenn ja, was machte er hier so aus heiterem Himmel mitten im Schuljahr? Wo wohnte er? Welche Fächer hatte er? Warum hatte er mich so angesehen? „Hallo?! Erde an Dawn!“, riss mich Lara aus meinen Gedanken. „Sorry. Was hast du eben gesagt?“ Ich versuchte, mich an ihre Frage zu erinnern. 6


„Ich hab dich gefragt, ob du die Hausaufgaben in Physik gemacht hast. Das mit der Widerstandsberechnung oder so. Die Kellermann bringt mich um, wenn ich schon wieder nichts hab!“ Lara war wirklich bedauernswert. Sie wusste, dass sie lernen sollte, aber sie ließ sich immer so leicht ablenken. „Klar. Warte, ich geb sie dir gleich.“ Ich kramte geschäftig in meinem Rucksack auf der Suche nach dem Physikordner, den ich für unsere Doppelstunde am Nachmittag eingepackt hatte. „Hier, aber ich brauch ihn dann gleich wieder zurück!“ „Ja, ja, gib schon her!“ Begierig grapschte sie nach meinem Ordner und schrieb in Windeseile meine mühsam zusammengefasste Hausaufgabe über den elektrischen Widerstand ab. Ich musste seufzen. So ging das immer, aber ich konnte einfach nicht Nein sagen. Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg in den Physiksaal. Keine fünf Minuten später spazierte auch schon Frau Kellermann herein. Als es läutete und alle auf ihren Plätzen saßen, begrüßte sie uns. „Guten Mittag, meine Lieben. Bevor wir mit dem Unterricht anfangen, möchte ich euch jemanden vorstellen.“ Wie aufs Stichwort kam jemand zur Tür herein und stellte sich neben unsere Lehrerin. „Das hier ist Damien Black. Er ist erst vor Kurzem zu uns gezogen.“ Während Frau Kellermann weiter unwichtiges Zeugs brabbelte, dass wir nett zu ihm sein sollten und so weiter, erstarrte ich auf meinem Stuhl. Dieser Damien Black, das war der Junge aus der Eisdiele! Dieses merkwürdige Verlangen, ihn intensiv anzuschauen, traf mich wie ein Schlag, als er seinen Blick erneut auf mich heftete. Und ich meine nicht den Blick, wie man einen Fremden eben so anglotzt. Ich meine eine viel persönlichere Art, so als würde er in mich eindringen und mein tiefstes inneres Ich erblicken. Und anscheinend gefiel ihm mein inneres Ich, denn auf einmal grinste er und ... oh Mann, dieses Grinsen! Es war das absolut süßeste Lächeln, das ich jemals gesehen hatte! Und da war ich wohl nicht allein mit meiner Meinung, denn ich hörte, wie Lara ausnahmsweise mal die Luft wegblieb (und das passierte äußerst selten). 7


Isabell Schertzl - King of Blood - Verborgenes Reich