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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Lektorat: Constanze Nobs Illustrationen: Erich Kykal

1. Auflage 2013 ISBN: 978-3-86196-215-1 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Copyright (©) 2013 by Papierfresserchens MTM-Verlag GbR Sonnenbichlstraße 39, D- 88149 Nonnenhorn www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

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Christine Dรถrnbach

Ferien mit Opa

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F端r Opa Waldemar Die Familie ist eine Burg.

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Inhalt

Nudelsieb und Moderlieschen

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Brat채pfel und Kartoffelfeuer

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Aufregung um Opa

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Wie die Landstreicher

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Die Autorin

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Ein Osterspaziergang mit Opa

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Nudelsieb und Moderlieschen Es ist ein heißer Tag im Spätsommer. Die Abende duften zwar schon nach Herbst, aber mittags scheint die Sonne vom Himmel, als wolle sie die nahenden kalten Tage mit aller Kraft fernhalten. Opa liegt dösend auf seiner Liege im Schatten des alten Ahornbaums. Die Zeitung, aufgeschlagen auf seinem Bauch ruhend, hebt und senkt sich friedlich im Rhythmus seiner Atemzüge. Im Haus und im Garten scheinen alle Mittagsruhe zu halten, selbst die Libellen am kleinen Gartenteich gönnen sich ein Päuschen von ihrem sonst so ruhelosen Tanz. In der schwülen Luft vermischen sich Gerüche von überreifen Äpfeln, frischem Rasenschnitt und Reibeplätzchen mit Kompott, die es bei Oma zu Mittag gab. Eine kleine barfüßige Gestalt pirscht sich leise von hinten an Opa heran, duckt sich in den Schatten des Ahornbaums und pustet in Opas weißen Haarschopf. Tine hält nämlich gar nichts von ausgiebiger Mittagsruhe. Aber Opa schnarcht einfach weiter, er hat noch nicht einmal gezuckt. Ratlos runzelt Tine die Stirn. „Alte Schlafmütze!“, flüstert sie ihm ins Ohr und kitzelt Opas Nase mit einem Gänseblümchen. Opa verschluckt sich fast an einem besonders großen Schnarcher und setzt sich erschrocken in der knarrenden Liege auf. „Tja, ja, ja, ja, ja“, murmelt er, kneift die Augen 7


zusammen und wuschelt Tines Haarschopf durcheinander. „Du kleiner Rabauke, was willst du?“ „Fische fangen“, antwortet Tine prompt. „Fische fangen und dann in unserem Gartenteich aussetzen. Bitte, bitte, bööötte“, quengelt sie, legt ihren Kopf auf Opas warmen Bauch und legt einen Dackelblick auf. Mit einer Hand sucht Opa seine Brille im Gras, mit der anderen tätschelt er Tines Wange. „Tja, ja, ja, ja, ja, dafür bräuchten wir natürlich ein Netz und einen langen Stock zum Festbinden“, überlegt Opa. Tine grinst. Sie weiß jetzt schon, dass sie gewonnen hat. Opa und Tine stehen im alten Kartoffelkeller von Opas Haus. „Der ist hinüber“, seufzt Opa und hält den alten Anglerkescher gegen das gelbe Licht der Kellerlampe. Im Netz sind zu viele große Löcher. Enttäuscht stampft Tine mit den Füßen. „Menno! Ich wollte doch so gerne Fische fangen gehen!“ „Na, na, na, Tinchen“, beruhigt Opa das ungeduldige Enkelkind. „Ich werd mal oben nachsehen, was ich auftreiben kann. Du bleibst hier, du alter Schwarzfuß-Indianer. Die Küche ist frisch geputzt, die Oma schimpft sonst.“ Tine blickt auf ihre Füße und die Spuren, die sie im Keller hinterlassen haben. „Na gut, aber beeil dich!“, schmollt sie und trottet durch die Kellertür wieder hinaus in den Garten. Der Weg vor Opas Haus ist warm von der Sonne. Tine kratzt das Moos aus den Fugen zwischen den Steinplatten und sieht den krabbelnden Ameisen bei ihrem Tagewerk zu. Wo Opa nur bleibt? Endlich hört sie das Stapfen von Opas Schuhen auf der Treppe. In der einen Hand hält er eine lange Bohnenstange, mit der anderen versteckt er 8


einen Beutel hinter seinem Rücken und lacht verschmitzt. „Auf geht’s! Wir fahren zu Onkel Fritzens Fischweiher!“ Er hat es plötzlich sehr eilig. Bei Opa darf Tine im Auto immer vorne sitzen und kommt sich dabei schon sehr erwachsen vor. Auch wenn Tine ihren Eltern versprechen musste, nur mit Kindersitz vorne im Auto mitzufahren. Als sie losfahren, kann Tine endlich einen Blick in den geheimnisvollen Beutel erhaschen. Darin befindet sich ein Nudelsieb aus Plastik. Das ist also der Ersatz für den kaputten Kescher! Die Fahrt zum Wanderparkplatz im Wald dauert nicht lange. Aus dem Autoradio klingt Schlagermusik von der alten, leiernden Kassette. Tine kann sie alle auswendig mitsingen, Opa brummelt leise die Melodie vor sich hin. Mit der langen Bohnenstange, dem Nudelsieb und einem Eimer bewaffnet steigen Opa und Tine aus dem Auto aus. Hier im Wald ist es etwas kühler und der Weg hinunter zu Onkel Fritz’ Fischteich ist in ein grün-braunes Licht getaucht. Farne und Blaubeersträucher säumen den Pfad. Die Luft duftet nach Tannennadeln, feuchter Erde und vermoderten Pilzen. Tine hat sich das Nudelsieb auf den Kopf gesetzt und hüpft voller Vorfreude den immer steiler werdenden Pfad hinab. „Komm schon, Opa, schneller!“ „Tja, ja, ja, ja, ja … ein alter Mann ist kein D-Zug“, keucht Opa, den der steile Abstieg ganz schön aus der Puste bringt. Tine schämt sich ein bisschen und läuft zurück zu ihrem Großvater. „Hier, stütz dich auf mich, Opa. Ich bin stark genug, ich halte das schon aus“, beruhigt sie ihn. Opa nimmt dankbar das Angebot an und legt seine große Hand auf die schmale Schulter von Tine. Ganz schön schwer liegt sie da. 9

Christine Dörnbach - Ferien mit Opa  

Leseprobe: Christine Dörnbach: Ferien mit Opa, Hardcover, 52 Seiten, illustriert, 9,90 Euro. Tine ist sechs Jahre alt und sie liebt Abenteue...

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