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Martha Kogler Marina Priglinger

Komm her zu mir ... 24 Geschichten zum Advent

... und geh mit mir 1


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Martha Kogler Marina Priglinger

Komm her zu mir und geh mit mir 24 Geschichten zum Advent

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Erster Dezember 4


Vier Freunde machen sich auf den Weg von Martha Kogler Abrida und Zetkos waren zwei junge Schafe. Gemeinsam lebten sie seit etwa drei Jahren auf dem gleichen Bauernhof. Sie lebten gerne dort, denn die Bauersleute mochten ihre Tiere. Oft kamen auch Reni und Max, die beiden Kinder des Bauers, zu ihnen, um sie zu streicheln. Und mit den beiden Hunden Hugo und Ivy machten sie oft lustige Wettrennen. Eigentlich hießen sie Abrida Böck und Zetkos Blök. Aber wir wollen sie fortan nur Abrida und Zetkos nennen, wobei Abrida Wert darauf legte, dass das A am Anfang ihres Namens betont wurde. Sie war eine junge Aue, so nennt man ein Schafweibchen, und Zetkos ein junger, froher Widder, der gerne herumhüpfte. Auf seinem Kopf trug er zwei Hörner, nicht allzu groß, nicht allzu lang, aber immerhin Hörner! Er war ein wenig stolz darauf. Doch es gab etwas, worauf Zetkos gar nicht stolz war. Er konnte nicht blöken, so wie andere Schafe das konnten, bäh, bäh, bäh! Immer wenn Zetkos damit beginnen wollte, kam ein kurzes „b“ aus seinem Maul und schon kitzelte es ihn ganz fürchterlich im Hals und er musste husten, ob er wollte oder nicht. Und er wollte das überhaupt nicht! Er schämte sich sogar dafür. Dann tröstete Abrida ihn. Als der Sommer in den Spätsommer überging, spürte Abrida, dass sich bei ihr etwas verändert hatte. Sie würde in einigen Wochen ihr erstes Kind zur Welt bringen. Voller Freude lief sie zu Zetkos, um ihm das zu erzählen. „Bäh, bäh“, wollte Zetkos freudig blöken, doch leider musste er husten. Vom Frühjahr bis in den Herbst lebten Abrida und Zetkos mit all den anderen Schafen draußen auf der Weide. Auch zum Schlafen blieben sie im Freien. Die Tiere liebten das, und wenn es allzu arg regnete oder wenn ein Gewitter tobte, konnten sie sich in einem Unterschlupf vor Wind und Nässe schützen. Wenn aber die kalte Jahreszeit kam, brachten die Bauersleute die Tiere heim in den warmen Stall. Abrida und Zetkos aber wollten dieses Mal nicht in den schützenden Stall heimkehren. Sie hatten sich was anderes ausgedacht. Daher versteckten sie sich gut, als der Bauer kam, die Schafherde abzuholen, um sie in den warmen Stall zu führen. Der Bauer suchte lange nach den beiden Ausreißern, laut rief er ihre Namen: „Abrida! Zetkos!“, rief er. „Abrida, Zetkos!“

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Doch die beiden kamen nicht und er konnte sie nicht finden. Traurig machte er sich schließlich ohne sie auf den Heimweg. Was würden wohl Reni und Max sagen, wenn er ohne Abrida und Zetkos heimkehrte? Sobald der Bauer mit der Schafherde außer Sichtweite war, kamen Abrida und Zetkos aus ihrem Versteck. Und da tauchte auch Brosi auf, der smaragdgrün schillernde Gockelhahn. Er hatte sich oben in den Zweigen des Busches versteckt. Brosi war der Hahn des Bauers und sah sehr prächtig aus in seinem grün glänzenden Federkleid! Sogar seine Beine waren von einem Federkranz geschmückt. Außerdem konnte Brosi fliegen. Nicht bloß ein wenig flattern, wie Hühnervögel das können. Nein, richtig fliegen konnte Brosi! Ja, so einer war Brosi! Kräftig und fröhlich war er außerdem. Immer fand er alles sehr kikrikikig! Doch am allerkikrikikiksten fand Brosi Cibi. Cibi war die Freundin von Brosi. Wenn Brosi von Cibi erzählte, kam er richtig ins Schwärmen! „Cibi hat den schönsten Gang, den eine junge Henne überhaupt haben kann!“, krähte er so laut, dass jeder es hören musste. Stolz blähte er seine Brust, als hätte er ihr das beigebracht. „Und erst ihr Federkrönchen auf dem Kopf, sie sieht aus wie eine Königin!“, begeisterte sich Brosi. Er fand sie einfach kikrikikig, unwiderstehlich kikrikikig! Cibi war keine gewöhnliche Henne. Cibi war eine Pfauenhenne! Das war Cibi! Doch Cibi hatte noch eine wundervolle Eigenschaft. Sie konnte viele geheimnisvolle Geschichten erzählen. Diese vier Tiere also waren Freunde. Sie hatten beschlossen, in diesem Jahr den Winter nicht auf dem Hof zu verbringen. Es stand ihnen der Sinn nach Abenteuer! Auf Wanderschaft wollten sie gehen, so hatten sie sich das ausgedacht. Brosi nämlich, der Gockelhahn, hatte da etwas gesehen und gehört. Das war im letzten Winter auf dem Hof. Da war es sehr kalt gewesen und Brosi fror an seinen Beinen. Also flog er auf die Fensterbank, um es sich an der warmen Mauer ein wenig gemütlich zu machen. Durch das Fenster sah er ins Zimmer der Bauernfamilie. Was er da sah, verschlug ihm kurz die Sprache. Nicht das kleinste Kikeriki brachte er hervor. Da war ein Lichterglanz in diesem Zimmer! Und eine ganz besondere Wärme schien davon auszugehen. Ein Tannenbaum stand da mit leuchtenden Kerzen und glitzernden Kugeln! Und weil Brosi in seinem Staunen so still war, hörte er drinnen die Menschen reden. Sie sprachen von Weihnachten, sie sprachen vom Christkind, das mitten im Winter in einem Stall zur Welt ge6


kommen sein soll. Und dass durch die Geburt dieses Kindes immer wieder ein ganz besonderer Friede auf die Erde käme. Der Friede und die Freude der Heiligen Nacht! Voll des Glückes darüber, was er hier sah und hörte, fand Brosi seine Sprache wieder und er schmetterte ein Kikeriki in die Nacht! Eines von der ganz feinen Sorte, eines, das nur selten gelingt, das wusste Brosi. Das hörten auch all die anderen Tiere auf dem Hof und plötzlich konnten sie, wie durch Zauberei, miteinander reden. Jeder verstand die Sprache des anderen und alle waren gut zueinander. Ganz so wie Freunde das sind. Brosi fühlte, dass dieses Wunder wohl mit Weihnachten und dem Christkind zu tun haben musste, wovon er die Bauernfamilie eben reden gehört hatte. Aufgeregt erzählte er davon Abrida, Zetkos und Cibi. Aber wo war dieses Christkind? Wo war dieser Stall? Wie konnten sie Weihnachten finden? Sie wollten suchen! Sie mussten suchen! Brosi wusste viel und er sah auch viel, denn er liebte es, nicht nur auf die Fensterbank, sondern auch auf die hohen Äste der Bäume zu fliegen und von dort weit ins Land zu blicken. Freilich sah er von dort oben mehr als Abrida und Zetkos, die vom Fliegen so wenig verstanden wie Brosi vom Wiederkäuen. Und daher glaubte Brosi auch die Richtung zu wissen, in die sie nun gehen wollten. Nach Osten, oder ein wenig nach Südosten, erklärte Brosi. Abrida, Zetkos und Cibi waren einverstanden und so begannen sie ihre Wanderschaft. Fröhlich sangen sie ein Lied: (Melodie: Oh Tannenbaum) Komm her zu mir und geh mit mir, wir woll‘n das Christkind suchen lass uns den Weg gemeinsam geh‘n, gemeinsam ist es doppelt schön komm her zu mir und geh mit mir, das Christkind woll‘n wir suchen. Komm her zu mir und geh mit mir, wir woll‘n das Christkind suchen an deiner Seite will ich sein, komm her und häng dich bei mir ein komm her zu mir und geh mit mir, das Christkind woll‘n wir suchen. Komm her zu mir und geh mit mir, wir woll‘n das Christkind suchen wenn du mich brauchst, dann helf‘ ich dir, das macht mich glücklich, glaube mir komm her zu mir und geh mit mir, das Christkind woll‘n wir suchen. So begannen sie ihre Wanderschaft durch den Advent. Immer nach Osten oder ein klein wenig nach Südosten. Und was die Freunde am andern Tag erleben, das hört ihr morgen.

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Komm her zu mir und geh mit mir  

Hardcover, farbig illustriert, 128 Seiten, Erscheinungstermin Mitte November 2011 – Änderung möglich,24,90 Euro (D), 25,50 Euro (A) inkl....

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