Issuu on Google+

1


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Lektorat: Hedda Esselborn Satz: Bettina Bellmont Titelbild: © Klara Viskova – shutterstock.com Innenillustrationen: Isabel Meyer 1. Auflage 2013 ISBN: 978-3-86196-264-9 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Copyright (©) 2013 by Papierfresserchens MTM-Verlag GbR Sonnenbichlstraße 39, 88149 Nonnenhorn www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

2


Das kleine Einhorn Fleixl

3


Fleixl und die Zauberponys Tief im Zauberwald wird es jetzt dunkel. Die Nacht bricht an. Zeit zum Aufstehen für die Einhörner! Das kleine weiße Einhorn Fleixl rappelt sich müde aus dem Bett und … fällt gleich wieder um. Ihm war es, als würde man ihn zur Seite schubsen. Was war denn das nun wieder? „Hilfeeee!“ Fleixl will abhauen. „He, halt, hier geblieben!“, ruft ein Busch. Fleixl wundert sich. Ein sprechender Busch? Nie gehört! Da raschelt es plötzlich im Busch und heraus purzelt die Fee Felizitas. Sie wackelt mit ihren blauen Flügeln, springt auf Fleixls Rücken und ruft: „Los, Fleixl, schnell! Zum Tümpel!“ Fleixl galoppiert los und bleibt direkt vor dem Tümpel stehen. Dort steckt Blümchen, eins der Zauberponys, im Schlamm fest und versucht verzweifelt aufzustehen. „Sie versinkt! Hol Viktoria, meine Freundin, und melde uns als Notfall!“, sagt Felizitas. „Schnell!“ Fleixl schießt in die Luft und fliegt zu Viktorias Höhle. „Blümchen steckt im Schlamm fest!“, brüllt er schon von Weitem. Schlitternd kommt er zum Stehen. „Schnell, zeig mir wohin!“, ruft Viktoria hastig und schwingt sich auf Fleixl. Nachdem Felizitas und Viktoria vergeblich an Blümchen gezerrt haben, kommt Fleixl eine Idee. „Ich werde Blümchen befreien“, verkündet er und berührt sie mit seinem Horn. Mit einem Mal löst sich der Schlamm auf und Sekunden später steht das matschbeschmierte Zauberpony neben ihnen. Felizitas fällt ihr um den Hals und Blümchen freut sich: „Danke, dass ihr mir alle geholfen habt!“ Danach sitzt Viktoria auf Fleixl

4


und Felizitas auf Blümchen, die sich inzwischen schon wieder erholt hat. Die nun langsam aufziehenden, aber immer heftiger werdenden Windböen scheinen dem Zauberpony nichts auszumachen. Fleixl schleudert seine feuerrote Mähne zurück und kämpft sich durch den starken Wind. Dabei lässt er sein goldenes Horn im Mondlicht funkeln. Plötzlich fängt es zu nieseln an. „Ab nach Hause!“, schnaubt Fleixl hastig. In der Höhle wartet schon jemand anders auf sie. Wölkchen ist ein ausgesprochen hübsches Einhorn. Ihre Hufe glänzen blau, ihr Körper ist schneeweiß und ihr Horn funkelt wie ein silberner Stein. Fleixl steckt seine Schnauze ins Heu, während die Waldfeen das Einhorn begrüßen. Im selben Moment ist vor der Höhle ein schwaches Wiehern zu vernehmen. Dort bricht ein kleines Zauberpony, nicht größer als Blümchen, erschöpft zusammen. Es zittert. „Es braucht Hilfe“, ruft Felizitas, rennt zu ihm und streicht ihm über das Fell. „Eiskalt und steif“, flüstert sie. Schrecken steht in ihren Augen und dann zögert sie keine Sekunde mehr. „Viktoria! Leg eine Decke vor den Ofen und hol noch eine zweite!“ Dann schaut sie zu den Einhörnern. „Wölkchen! Hol die Kanne mit dem heißen Sternchentee! Fleixl! Mach warmen Kleiebrei!“ Dann helfen die Waldfeen dem Pony, aufzustehen. Das Fell des Zauberponys strahlt lohgelb, seine Mähne und sein Schweif schimmern blau. „Wer bist du eigentlich?“, fragt Felizitas sanft. „Ich heiße Diamant!“, antwortet das Pony unsicher. Da kommt Blümchen aus dem Badezimmer geschossen. „Hab mir den Schlamm runtergewaschen! Ah, du bist Diamant, wie ich gehört hab.“ Dann tränkt Wölkchen Diamant mit dampfendem Sternchentee und Fleixl bringt warme Kleie, die er zu einem Brei zerstampft hat. Viktoria wickelt Diamant in eine Decke. Als sich Felizitas und Viktoria in ihre Schlafsäcke und Fleixl in sein Stroh werfen und sich auch die anderen hinlegen, schläft Diamant schon tief und

5


fest. Und obwohl sie bis zum Hals zugedeckt ist, sieht man an ihrem Gesicht, dass sie gerade etwas ganz Tolles träumt. Am nächsten Morgen ist Blümchen als Erste wach. Diamant ist natürlich sofort einverstanden, mit ihr Essen holen zu gehen. Sie wecken auch die anderen. Fleixl trägt das Körbchen für die Pilze, Blümchen soll den Honig sammeln, Diamant den Holunder und Wölkchen die Früchte. Fleixl stößt auf eine Lichtung. Er sucht, bis er einige kümmerliche Pilze hat, mehr findet er nicht und er macht sich auf zum Rückweg. Blümchen rennt zum Bienenstock und ist als Zweite zurück. „Die Bienen sind nett, die haben mich nicht mal gestochen!“ „Ich hab eine ganze Lichtung voller Pilze gefunden!“, plustert sich Fleixl auf, obwohl das nicht wahr ist. „So sieht’s aber nicht aus“, meint Blümchen misstrauisch. Als Nächstes erscheint Diamant mit Holunder im Überfluss. „Ich hab eine Hecke gefunden, da wächst mehr als genug davon!“, berichtet sie stolz. Zuletzt taucht Wölkchen auf. „Tut mir leid, aber ich musste mich durch meterhohes Gestrüpp zwängen!“, keucht sie. Wölkchens Korb ist voll mit Erdbeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren, Himbeeren und Pflaumen. Jetzt wird erst mal gefrühstückt. Na so was! Da nascht Fleixl doch tatsächlich heimlich von Viktorias Johannisbeergelee! „Es schmeckt einfach zu gut!“, schmatzt er leise. „So ein Schlingel!“, kichert Blümchen. Und bevor Viktoria etwas merken kann, stellt Fleixl die Dose ins Regal und schraubt den Deckel zu. Mit marmeladenverklebtem Maul steckt er den Kopf ins Heu. Vom Gelee ist nichts mehr zu sehen; dafür klebt Heu am Maul. „Komm mit!“, wispert Wölkchen. Sie führt Fleixl zum Wasserbecken. Schnell tunkt Fleixl sein Maul hinein. „Das ist noch mal gut gegangen!“, grinst Blümchen. Fleixl zwinkert ihr schelmisch zu. Wölkchen blinzelt zurück und wirft ihm ein vielsagendes Grinsen zu.

6


Kornelius Der nächste Tag beginnt wie immer. Sich waschen … wie immer. Sammeln … wie immer. Frühstücken … wie immer. „Ich will mal wieder was erleben! Es soll was los sein, sofort!“, schnaubt Fleixl und stampft mit den Hufen auf. „Alles ist wie immer! Langweilig!“ Doch er irrt sich. Denn gerade marschiert jemand Fremdes auf sie zu. „Was sucht der bei unserer Höhle?“, brummt Fleixl. „Hallo! Könnt ihr mir helfen? Ich hab mich verlaufen“, wiehert der junge Zauberponyhengst. „Verlaufen? Wo kommst du denn her? Wer bist du eigentlich? Wir könnten …“, beginnt Wölkchen, doch Diamant unterbricht ihre Freundin und bemerkt voller Respekt: „Du siehst ziemlich reich aus! Bist du adlig oder so?“ „Erraten! Ich bin ein Prinz. Mein Name ist Kornelius, aber meine besten Freunde nennen mich Ko!“ Kornelius bäumt sich auf. Sein Fell ist hellbraun gescheckt, seine Mähne karamellfarben gelockt und an seinen hohen Hufen kleben kleine Schleifen. Er trägt eine Krone. „Wow, ein Prinz?“, stößt Blümchen hervor. „Und Sonnenstrahl, meinen besten Freund, hab ich auch noch dabei! Sonnenstrahl? Wo treibst du dich rum?“ „Hiiier“, hört man eine hohe, etwas piepsige Stimme. Ein sonnengelbes Zauberpony kommt hinter der Höhle hervor. Sein Fell leuchtet gelb, wirklich nur gelb, überall gelb! „Wen hast du denn da aufgegabelt, Ko?“, will er wissen. „Das sind neue Freunde! Sie wollen uns helfen“, erklärt Kornelius.

7


„Aber erst mal zeigen wir euch den Wald“, verkündet Fleixl. „Auf zur Lichtung!“ „Hier ist es wunderschön“, findet Kornelius. „Hier würde ich auch gerne wohnen“, schwärmt Sonnenstrahl. Nach einem Waldspaziergang gehen alle erschöpft, aber glücklich nach Hause. „Ihr könnt noch diese Nacht bei uns bleiben, sodass ihr nicht im Freien schlafen müsst“, bietet Fleixl seinen neuen Freunden an. „Danke“, ruft Kornelius. „Diese Ecke da hinten, die könnt ihr nehmen“, gähnt Wölkchen verschlafen. Am nächsten Abend wundert sich Felizitas. Wer sind denn die beiden da hinten? Wie kommen die hier rein? Da fällt es ihr wieder ein und gleichzeitig schießt ihr durch den Kopf: Warum nicht ein wenig von dem leckeren Honig-Fruchtsaft-Mus für das Frühstück in die Teller geben? Das schmeckt allen ausgezeichnet. Das tut Felizitas dann auch und schaut sich daraufhin um. Anscheinend ist sie immer noch die Einzige, die wach ist. Nach und nach wachen auch die anderen auf. Plötzlich tippt Viktoria ihre Freundin an und flüstert: „Weißt du schon, dass wir zu Kornelius ins Schloss fliegen? Hat dir das schon jemand erzählt?“ Zu ihrer Überraschung ist Felizitas kein bisschen erstaunt. „Erstens heißt er Ko, zweitens weiß ich das bestimmt schon länger als du und drittens hat er mir erzählt, dass er die schicksten Schlafräume besitzt, jede Menge Platz im Schloss und wir können machen, was wir wollen.“ Plötzlich steht Kornelius neben ihnen und ruft fröhlich in die Runde: „Ja, ich weiß wieder, wo es nach Hause geht. Ich hab den Rückweg gefunden! Und ich habe beschlossen, euch alle gleich einzuladen! Kommt ihr mit?“ Sofort reden alle durcheinander. „Kommt ihr mit?“, wiederholt Kornelius hoffnungsvoll. Da tönt ihm ein einstimmiges, fröhliches und begeistertes „Ja“ entgegen.

8


Am nächsten Abend sind alle hellwach, denn sie wissen: Die Reise zu Kornelius steht an! „Wir nehmen von da vorne Anlauf!“, meint Kornelius. „Auf die Plätze, fertig, los! Anlauf nehmen!“, brüllt er. Es staubt gewaltig. Hufe donnern über den Waldweg. Obwohl Fleixl der schnellste Läufer ist, scheint er schlecht geschlafen zu haben. Er wird immer langsamer, Wölkchen galoppiert an ihm vorbei und Felizitas feuert ihn an: „Los, Fleixl, du schaffst das! Schneller, du kannst das doch!“ „Es ist doch kein Wettrennen“, denkt Fleixl. Kornelius hat schon Fleixls Schweif erreicht. Hinter ihm ist Blümchen mit Diamant und der Rest der Gruppe galoppiert hinterher. „Abstoßen!“, schreit Kornelius, dass es Fleixl fast die Ohren zerreißt. Zauberponys und Einhörner gleiten in die Luft. Felizitas fliegt von Fleixls Rücken und er nimmt an Tempo zu. Er saust zu Blümchen zurück und hätte beinahe einen Baumwipfel gerammt. „Was ist denn mit dir los, Blümchen? Sonst bist du doch immer so flott“, wundert sich Fleixl. „Ich...h... muss ... Kräf...te sammeln“, keucht Blümchen außer Atem. „Man sollte nicht gleich Vollgas fliegen“, meldet sich Sonnenstrahl von hinten. „Zu Kos Schloss ist es noch sehr weit.“ Fleixl nickt. Auch er ist müde. Schnaufend und keuchend steigt die Gruppe höher. Außer Wölkchen sind alle erschöpft. Nur Wölkchens Energie scheint grenzenlos zu sein. Kornelius hat sich inzwischen an den langen Weg gewöhnt. Geduldig zeigt er Wölkchen, wo es langgeht. Sterne funkeln und der Mond scheint auf sie herab. Wölkchens Hornspitze leuchtet auf. Ein Lichtstrahl zischt aus ihrem Horn und durchbohrt die Dunkelheit. Dass man ihn übertrifft, erträgt Fleixl einfach nicht. Er lässt ebenfalls einen Lichtstrahl aus seinem Horn zischen. „Was duftet hier so gut?“ Diamant reckt die Nase in die Luft. Sonnenstrahl kichert. „Hey Leute, wart ihr noch nie in den Lüften? Es sind die Wolken, die diesen Duft verströmen. Wollen wir über sie fliegen?“

9


Isabel Meyer - Das kleine Einhorn Fleixl