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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Titelbild: Aleksandra Dragon Lektorat: Hedda Esselborn Satz: Alexandra Oswald 1. Auflage 2010 ISBN: 978-3-86196-023-2 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Copyright (©) 2010 by Papierfresserchens MTM-Verlag GbR Kirchstraße 5, 88131 Bodolz, Deutschland www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

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Veronika Serwotka

Ewan

Schicksalswege

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Inhaltsverzeichnis Prolog

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Sir Ewan von Thul

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Nyssa

48

Drache und Greif

59

Der Auserw채hlte

76

Reowys 100 Vergangenes Leid 111 Luftgeist & Schatten

133

Aufbruch

166

Blutendes Herz

193

Einsame Verzweiflung

217

Spiegelbild

233

Traute Zweisamkeit 245 Ichselig 260 N채chstenliebe 279 Schlachtbeginn 299

4

Kampfget체mmel

321

W체stenspione

333


Loderndes Todesspiel

345

Ruhmreiches Abbild

361

Graues Einhorn

380

Tobende Wahrheit

397

Zwiegespräch 421 Geschöpf der Finsternis 447 Blutende Unschuld 469 Fieberträume 484 Bis zum Letzten 505 Wiedersehen 525 Belagerung 550 Erzfeind 570 Zusammenkunft

599

Das Ende 618 Epilog

639

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Personenverzeichnis Menschen: Ewan von Thul - Träger des Feuersteines, Ritter Fargons Alan von Torlan - Träger des Erdsteines, Ritter Fargons Ari von Thul - Trägerin des Wassersteines, Ewans Schwester Raul von Minrau - Ritter Fargons Ryan von Graul - Neffe des Königs, Ritter Fargons Tristan - Prinz, Ritter Fargons Sharon - Rauls Verlobte, Kriegerin der Stätte Runa Igor von Tanma - Träger des Feuersteines im ersten Krieg gegen die Magier, vierhundert Jahre zuvor, Ritter Fargons Gefährten: Nyssa - Elfe, Heilerin Reowys - Elb, Bruder des Alfard Mantis - Sonnendrache Horkan Ashir - Greif, Sohn des Uram Ashir Siade - Einhorn 11. Kompanie: Tara - Elfe, Kommandantin der 11. Kompanie Gorath - Kobold, Berserker Orayne - Elfe, Kriegerin Celia - Elfe, Späherin Ratsmitglieder: Neala - Königin der Elfen Turgar - König der Kobolde

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Uram Ashir - Greifenfürst Flink - Wolfsoberhaupt Sonnenreichler: Hinrik Eisenbart - Kobold, Händler in Lynnon An‘duin Siw, Hrolf - Wölfe in Hinriks Dienst Leni Tannenzweig - Waldfee Fiara - Elfe, Händlerin aus Aedar Talaan Joshua - stummer Elfenjunge, Fiaras Ziehsohn Dymphy - Elfe, Wirtin eines Gasthauses in der Unterstadt Garcia - Waldfee Tworsnik Kurinson - Kobold, Krieger Widersacher: Exorios - Dämon aus der Unterwelt, Tyrann Shadira - Dunkelelfe, Schwester Nealas Ingwat - Magier, Verlobter Gwens Cel‘dur - Dunkelelb, Assassine Andere: Gwen - Halb Elfe, halb Magierin, Trägerin des Luftsteines Alfard - Elb, Geliebter Taras Greyel - Schattenreichlerin, Rebellin aus dem Toten Wald Scarlett - verstoßene Elfe, Gwens Mutter Götter: Eyela - Muttergöttin, Göttin der Sonne Falaroy - Gefährte Eyelas, Gott der beiden Monde Der Dritte Totengott Götter der vier Elemente Niedere Götter

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Karte Kanesil

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Prolog Der Wald lag ruhig da. Kein Lüftchen regte sich, kein Vogel zwitscherte, die Bäume standen still und unheimliche Silhouetten werfend da, als wären sie Wächter irgendeiner Wichtigkeit. Der Große Mond prangte hell am Himmel, als gleißender Ball, der seine Strahlen durch die dichten Kronen der Bäume auf den moosbedeckten Waldboden warf, auf dem eine kleine Maus ihr Fell sauber leckte. Plötzlich hob das Nagetier das Köpfchen und schnupperte in die eisige Luft. Die Schnurrhaare bebten und im nächsten Moment sprang die Maus panisch davon. Sekunden der Ruhe herrschten. Trotz der Stille, die des Nachts zu herrschen schien, war der Wald doch voller Leben. Geübte Ohren konnten die Bäume wispern hören und Magie pulsieren spüren. Blätter hingen voller Leben an ihren Ästen und am Boden wuchsen dichte Farne. Der Wind schwieg hier nur selten. So wie in dieser Vollmondnacht. Kaum eine Wolke wagte es, sich vor den strahlenden Ball zu schieben, und wenn es dennoch einmal geschah, verdunkelte sich das Land und ein unheimlicher Schatten bedeckte die Wälder, Wiesen und Dörfer. Es war eine besondere Nacht. Die einzige im Jahr, in welcher der Große Mond den Kleinen gänzlich verdeckte. Am nächsten Tag würde der große Bruder den kleinen wieder in die Freiheit entlassen. Nächte wie diese waren Nächte des Schicksals. Jedes bedeutsame Datum in der Geschichte Kanesills war geprägt durch diese Brüderfinsternis. An einer hell erleuchteten Lichtung huschte die Maus, so schnell sie konnte, durch das silbern glänzende Gras. Das kleine Herz des Tieres raste vor Angst, als ein großer Schatten sich über sie legte. In einem letzten Satz durch die Luft wurde sie gepackt und in die Höhe gehoben. Stark und gleichgültig schloss die Waldeule ihren Schnabel. Sie genoss das Gefühl der brechenden Knochen ihres Mahles. Als wäre dieser Tod

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ein Vorbote gewesen, drangen Geräusche zwischen den Bäumen hervor. Ein Keuchen, ein Fluchen in einer fremden, für Menschen unverständlichen Sprache. Mit lautem Krachen stolperte ein Elb auf die Lichtung. Er fiel zu Boden, rappelte sich wieder auf, nur um mit einem gehetzten Blick zurück erneut zu fallen. „Verdammt!“ Sein langer Umhang blieb an einem Dornenstrauch hängen und zerriss. Mit einem weiteren Fluchen befreite der Elb sich von seiner Last und begann, den Bäumen geschickt ausweichend, durch den Wald zu jagen. Sein zerzaustes Haar flatterte hell leuchtend um die gespitzten Ohren. Sein anmutig geschnittenes Gesicht war vor Anstrengung verzerrt. Die hohen Stiefel aus dunklem Wildleder verursachten kaum Geräusche auf dem weichen Boden, wohingegen eine lange Schwertscheide immer wieder scheppernd gegen die Hüfte des Elben schlug. Er rannte so schnell, dass die Bäume an ihm vorbeizurasen schienen, doch er war nicht schnell genug, um die blutrünstigen Verfolger abzuschütteln. Ein Röcheln, wie von einem Hund, erklang direkt neben ihm. Mit einem kurzen Blick seiner scharfen Augen erkannte er den hasserfüllten Schwertschleicher zwischen den Bäumen. „Na los, greif an, du Bestie! Ich reiße dich in Stücke!“, rief er, doch der Schwertschleicher, der nicht wie sonst auf zwei, sondern auf vier Beinen sprintete, stieß nur ein ohrenbetäubendes Jaulen aus. Gleich darauf war der Wald erfüllt vom Knurren der wolfsartigen Bestien, die gezüchtet wurden, um zu jagen und kaltblütig zu morden. Ihre Größe glich ungefähr der eines Menschen, doch gingen sie halb gebeugt. Ihre dünnen Körper waren mit aschfarbenem Fell bewachsen, die Hinterläufe glichen exakt denen eines Raubtieres. Die langen, schmalen, zu einer Schnauze verjüngten Gesichter waren hassverzerrt und die gelben Augen leuchteten vor Blutdurst. In ihren menschlichen Händen hielten sie normalerweise schartige Kurzschwerter. Nur in dieser Nacht kämpften sie mit der blanken Wildheit ihrer Krallen und Fangzähne. Der Elb stieß einen Schrei aus, als er von der anderen Seite zu Boden gerissen wurde. Scharfe Krallen bohrten sich tief in seine Schulter.

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Blut spritzte aus der Wunde, als die beiden Kämpfenden sich auf dem Boden herumrollten. Der Elb wurde auf den Rücken geworfen, als wie durch Zauberei ein einfacher Dolch in seiner Hand erschien. Nur Sekunden später lag der Schwertschleicher mit aufgeschlitzter Kehle am Boden, während der Dolch die Brust eines heranspringenden Angreifers traf. Im nächsten Moment erschien eine blitzende Klinge in der Hand des Elben, die er mit solcher Geschwindigkeit schwang, dass man seinen Bewegungen kaum folgen konnte. Wie ein Blitz zuckte das Schwert mal hier-, mal dorthin und jedes Mal übergab er einen weiteren Schwertschleicher in die Hände des Totengottes, welcher im Schatten des Blätterdaches seine Opfer in Empfang nahm. Doch es waren zu viele. Der Elb wurde von allen Seiten angegriffen und wusste sich kaum mehr zu wehren. Lange Zähne bohrten sich in sein Bein, weshalb er vor Schmerz einknickte. Kurz darauf streiften scharfe Krallen seine Schläfen. Blut lief in kleinen Rinnsalen über sein Gesicht. Mit einem wütenden Schrei riss er sein Schwert in einem Bogen herum und köpfte mit einem Schlag drei Schwertschleicher. Beinahe leichtfüßig sprang er auf und wütete wie ein Sturm im Kornfeld zwischen den Angreifern, bis keiner mehr übrig war, um ihm den Garaus zu machen. Erschöpft ließ der Elb sein Schwert sinken und starrte auf die pelzigen Leichen zu seinen Füßen. Etwas tropfte ihm ins Auge. Abwesend hob er eine Hand zu seiner Schläfe und fühlte die Nässe seines Blutes. Jetzt erst bemerkte er eine tiefe Wunde an seiner Seite. Keuchend zuckte seine Hand dorthin, als ihn plötzlich ein heller Blitz blendete: „Reowys!“ Er sah sich um. Wer rief ihn da? War er tot? „Reowys!“ Der Elb blinzelte. Er lag auf dem Rücken. Wo wusste er nicht, doch über ihm war der Himmel. Es war helllichter Tag. Weiße Wolken trieben im Wind. War da ein Gesicht? „Reowys!“ „Was wollt Ihr von mir?“ Das Gesicht kam näher. Es war das eines jungen Menschen. Wer war er und was suchte ein Mensch in Kanesill?

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„Ich brauche deine Hilfe.“ „Wobei?“ „Um die Prophezeiung zu erfüllen.“ Die Prophezeiung! Reowys wollte den Kopf schütteln, konnte sich aber nicht regen. Er, obwohl Elb, hatte schon viel von dieser Prophezeiung gehört, auch wenn er den genauen Wortlaut nicht kannte. „Reowys, ich brauche deine Hilfe!“ „Wer bist du? Verflucht, ich lasse mich nicht überrumpeln!“ „Mein Name ist nicht von Bedeutung, du wirst mich erkennen, wenn die Zeit reif ist. Ich brauche deine Hilfe!“ „Ich habe schon verstanden!“ Reowys schloss kurz die Augen. Er würde in die Geschichte eingehen, wenn er jetzt zusagte. Aber als toter Mann. Die Prophezeiung wollte es so. Was würde sein Bruder dazu sagen? Vermutlich würde er ihm auf die Schultern klopfen und lachen: „Nun, Reowys, endlich hast du die Möglichkeit zu beweisen, was in dir steckt. Geh und kämpfe für unser geliebtes Kanesill!“ Der Elb öffnete wieder seine Augen. „Ich bin bereit. Was soll ich tun, Auserwählter?“ Das Gesicht lächelte freundlich, gleichzeitig aber auch traurig. „Komm nach Lynnon An’duin. Der Rat wird weiter entscheiden. Warte dort auf mich, wir sehen uns bald.“ Reowys keuchte. Er war wieder im Wald. Es war immer noch Nacht und er lag blutend im Moos. Zitternd stemmte er sich auf seine Knie, kroch einige Meter über den Boden und übergab sich. Anschließend riss er seine Kleidung in Stücke und verband seine Wunden. Kurz darauf lag er bewusstlos auf dem Rücken.

„Ein Weibchen ist gut, ein Weibchen ist schön, ein Weibchen erfreut das Herz eines alten Drachen. Oh du mein Weibchen, erfülle mein Herz mit Liebe, lass uns einander verpaaren, sonst ist´s zu spät. Zu spät, trallallala … zu spät für die Liebe ist´s nieeeeee! Hoho, na los Mantis, du alter Bulle, zeig, was in dir steckt!“ Der Drache schlug mit den Flügeln, nur um sie gleich wieder dicht

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Ewan - Schicksalswege