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Petra Kania

Geschichten von der

Bunten Kuh

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sin d im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. 1. Auflage 2013 ISBN: 978-3-86196-192-5 Fotos und Illustrationen: Petra Kania Coverbild: Copyright redrex - Fotolia lizensiert Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Copyright 2013 by Papierfresserchens MTM-Verlag GbR Sonnenbichlstraße 39, 88149 Nonnenhorn, Deutschland www.papierfresserchen.de info@papierfresserchen.de

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Wie die bunte Kuh zur Fee Achtsamkeit kam Es gab einmal eine Fee, die hieß Achtsamkeit. Denn sie achtete darauf, dass es den Menschen und Tieren, denen sie begegnete, gut ging. Sie hatte im Wald ein großes Stück Holz gefunden und überlegte, was sie damit machen könnte. „Du kannst es für den Winter aufheben. Wenn es kalt ist, können wir es im Ofen verbrennen und haben es schön warm,“ schlug ihr alter Hund Bobo vor. Er lag auf seiner Hundedecke und gähnte. „Das könnten wir machen. Aber vielleicht fällt uns noch etwas anderes ein“, sagte die Fee Achtsamkeit und betrachtete das Stück Holz aufmerksam von allen Seiten. „Ich habe eine Idee!“, miaute Schatzky, die dreifarbige Katze. „Ich könnte darauf rumklettern, ein schönes Spielzeug wäre das!“ „Mhm“, machte die Fee, „auch das wäre natürlich eine Möglichkeit.“ Sie sah zum Fenster hinaus und entdeckte auf der Wiese ein paar Kühe, die dort standen. „Ich habe auch eine Idee. Aus dem Stück Holz schnitze ich uns eine Kuh!“ „Eine Kuh?“, riefen Bobo und Schatzky gleichzeitig. „Ja, das werde ich machen.“ Die Fee begann zu schnitzen. Als der Kuhkörper schön rund und glatt war, dachte sie: „Heute ist so ein fröhlicher Tag. Deshalb sollst 5


du eine fröhliche bunte Kuh werden.“ So nahm sie ihren Malkasten und ihren Pinsel und fing an, die Kuh rundherum bunt anzumalen. Mit blauen und roten Tupfen, mit Sonnenstrahlen, Kreisen, Strichen … und als es schon Abend wurde, stellte sie die Kuh auf das Fensterbrett.

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Bobo und Schatzky schmiegten sich an die Fee und betrachteten die bunte Kuh. „Schööön!“, miaute Schatzky und Bobo bellte: „Ja, eine wirklich schöne Kuh.“ „Ich freue mich, dass sie euch gefällt, denn sie wohnt nun auch bei uns.“ Und dann war es Zeit, schlafen zu gehen. Die Fee Achtsamkeit legte sich in ihr Feenbett, Schatzky erklomm das Regal, auf dem ihr Katzenkorb stand. Bobo rollte sich auf seiner Hundematratze ein, die direkt neben dem Feenbett lag. „Gute Nacht, Bobo! Gute Nacht, Schatzky!“, sagte die Fee. „Gute Nacht, liebe Achtsamkeit!“, antworteten Bobo und Schatzky. Dann machten sie alle ihre Augen zu und schliefen.

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Die bunte Kuh und ihr Freund, der Mond In dieser Nacht war Vollmond und so geschah es, dass der Mondschein in die Augen der Kuh fuhr. „Du bist ja eine ganz besonders schöne Kuh“, staunte der Mond, „dreh dich im Kreise, damit ich dich von allen Seiten bewundern kann.“ Um ihr die Kraft dafür zu geben, bündelte er seinen blassen Schimmer zu einem silbernen Mondstrahl. Das machte die Kuh. Sie drehte sich nach links. Sie drehte sich nach rechts. Und das gefiel ihr selbst so gut, dass sie anfing zu tanzen.

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„Wunderbar!“, rief der Mond und klatschte in seine Mondhände. „Das musst du den anderen Tieren zeigen. Wie schön du tanzen kannst! Komm mit. Ich leuchte dir den Weg!“ Und tatsächlich! Die bunte Kuh sprang durch den offenen Fensterspalt hinaus und hüpfte auf die Wiese zu den Kühen. Die schliefen natürlich, und so kitzelte der Mond sie so lange mit seinem Mondstrahl, bis sie ihre großen braunen Rinderaugen öffneten. „Nanu? Wer bist du denn?“, fragte die Älteste der Kühe. „So jemanden wie dich habe ich ja noch nie gesehen.“ „Ich bin eine bunte Kuh und ich tanze!“ „So was. Eine bunte Kuh, die tanzt. Das gibt es nicht!“, brummte die weißohrige Schwester der Ältesten. „Doch, ich bin bunt und ich tanze!“ „Kann ja sein. Aber du bist keine Kuh. Schau uns an. Wir sind Kühe!“, sagte die Weißohrige und guckte gar nicht freundlich. „Aber das bin ich doch auch!“, beharrte die bunte Kuh. Da kam die Jüngste aus der Herde angetrottet: „Du kannst gar keine Kuh sein. Kühe sind schwarz und weiß. Manchmal auch braun. Aber niemals so komisch bunt wie du.“ Und sie lachte die bunte Kuh aus. „Ist ja zum Schieflachen!“, brüllte die Freundin der Jüngsten, legte sich auf den Rücken und kullerte vor Lachen auf dem Boden herum. Nun standen alle Kühe vor der bunten Kuh und lachten sie aus. Eine von ihnen rief sogar: „Geh weg! Wir mögen dich nicht!“ Da wurde die bunte Kuh ganz traurig ums Herz und eine dicke Träne kullerte aus ihrem linken Auge. Der Mond runzelte die Stirn und wischte mit einem Mondstrahl die Träne weg. „Komm, bunte Kuh. Sei nicht traurig. Du bist eine Kuh. Diese Kühe haben nur etwas Angst vor dir, weil sie noch nie eine bunte Artgenossin gesehen haben. Es wird auch wieder Zeit, auf dein Fensterbrett zu gehen. Schlafe ein wenig. Und sei nicht mehr traurig.“ 9


Petra Kania - Geschichten von der bunten Kuh