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F端r Karin & Jonas


Das kleine Schlafsch채fchen Mark Alexander Text & Illustration


Valerie saß wieder einmal am Ufer des kleinen Bächleins, welches sich am Rande des Feenwaldes befand. Sie liebte es, dem Rauschen des Wassers zu lauschen und die bunten fliegenden Fische bei ihren Lufttänzen zu beobachten. Doch am allerliebsten schnupperte sie an den wunderschönen Blumen, die hier in allen nur erdenklichen Farben wuchsen.

Auch in diesem Augenblick vergrub sie ihr kleines Näschen so tief im Kelch einer dunkelroten, außergewöhnlich großen Blume, dass Valeries hübsches Gesicht gar nicht mehr zu sehen war. Nur ihre langen weißen Ohren schimmerten zwischen den herzförmigen Blütenblättern hervor. Voller Hingabe genoss sie den süßlichen Duft, als sie plötzlich die Stimme ihrer Mutter vernahm. „Valerie! Wo bist du?“


Valerie blickte auf und sah sich um. Doch ihre Mutter war nirgendwo zu sehen. Dafür bemerkte sie zu ihrem Erstaunen, dass der Abend bereits angebrochen war. Die Dämmerung hatte sich wie eine weiche Decke über das ganze Traumland gelegt und die untergehende Sonne tauchte das Riesengebirge in einen strahlend roten Schimmer. „Valerie! Wo bist du?“, drang es erneut an ihr Ohr.

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Jetzt machte Valerie sich so groß es nur ging. Sie streckte ihr Näschen in die Luft und stellte sich auf ihre Hinterbeine. Und siehe da: In der Ferne, auf einem kleinen Hügel, konnte sie ihre Mutter erkennen, die ihren Blick suchend über die Wiesen schweifen ließ. „Hier bin ich, Mama!“, rief Valerie und machte dabei hohe Luftsprünge. „Hier, Mama! Hier drüben!“ Und als die Mutter endlich in ihre Richtung blickte, rief Valerie noch lauter als zuvor: „Komm zu mir, Mama! Ich muss dir etwas zeigen!“ Da noch etwas Zeit übrig war, bis die Sonne ganz hinter dem Riesengebirge verschwinden und die Nacht im Traumland Einzug nehmen würde, beschloss die Mutter, Valeries Wunsch nachzugeben. Sie sprang in großen Sätzen den Hügel hinab zum Bächlein, wo Valerie ungeduldig auf der Stelle tänzelnd auf sie wartete. „Also, was möchtest du mir denn zeigen?“ „Das hier, Mama“, antwortete Valerie mit einem triumphierenden Lächeln, trat dann einen Schritt zur Seite und gab mit einem lauten „Traraaaa!“ den Blick auf die dunkelrote Blume frei. „Ist sie nicht schön?“, fragte sie schwärmerisch. „Schau, wie sie funkelt!“ Dabei deutete Valerie auf die herzförmigen Blütenblätter, deren Ränder glitzerten, als wären sie mit Kristallen bestickt. „Jetzt schnupper mal dran! Sie riecht so gut!“ Die Mutter tauchte ihre Nase in den Blütenkelch und nahm einen tiefen Atemzug. „Mmmh, sie duftet wirklich herrlich.“ Valerie strahlte vor Stolz und atmete ebenfalls noch einmal den süßlichen Duft ein. 6


Mark Alexander - Das kleine Schlafschäfchen  

Leseprobe: Mark Alexander - Das kleine Schlafschäfchen, Hardcover, 32 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-86196-332-5. Kennst du die Schlafschäf...

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