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Schweizer Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause

r a l p m e x E Mitnehmen

Ausgabe 2008/09

zum

Eine Karriere, die sitzt! Promitalk mit dem Ex-Tagesschau-Sprecher Heinrich Müller Life Style

Design & Werkstoffe

Leitfaden Raumbeleuchtung

Leidenschaft für Perfektion

Medizin & Rücken

Trends & Wissen

Der Fuss – kein Körperteil trägt mehr

Sitzen in der Schule


05/2008/09 · gesundsitzen

Inhaltsverzeichnis 15 Editorial 16 Life Style Belux – Leitfaden Raumbeleuchtung.

9 Promitalk Sein Leben nach der Tagesschau – Interview mit Heinrich Müller.

12 Design & Werkstoffe «Leidenschaft für Perfektion – auch im Detail» Interview mit Heinz Stebler und Philippe Walther, Vertriebsleitung und Marketing, Girsberger AG.

6 Life Style:

15 Medizin & Rücken

Leitfaden Raumbeleuchtung.

«Der Fuss – kein Körperteil trägt mehr». Sohle, Schuhe – oder beides zusammen?

20 Medizin & Rücken Gelenkerkrankungen richtig behandeln.

21 Medizin & Rücken Betriebliche Gesundheitsförderung, Spital Thun.

26 Medizin & Rücken Fitness beim Sitzen fördern.

27 Medizin & Rücken

12 Design & Werkstoffe:

28 Trends & Wissen Sitzen in der Schule – Schweizer Jugend testet.

Leidenschaft für Perfektion.

30 Trends & Wissen Kraftmaschine versus Hantel.

32 Trends & Wissen Pilates – Körper und Geist in Harmonie.

34 Trends & Wissen Wie sitzt Man(n) oder Frau am stillen Örtchen?

36 Trends & Wissen Physiotherapie verboten?

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37 Wettbewerb Gewinnen Sie einen Swooper-Stuhl.

Medizin & Rücken: Der Fuss – kein Körperteil trägt mehr.

Gewinner des Leserwettbewerbs (07/08) 1 Hag Capisco 1 Vitra Head Line 1 RH 4 / RH 400

Charlotte Tschabold, Allmendingen Edgar Zeller, Basel Cornelia von Allmen-Jundt, Mürren

1 Sylia Standard 1 Varier Planet

Thekla Kaspar, Oberkulm Petra Müller, Thun

IMPRESSUM gesundsitzen • Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause • Erscheint 1x jährlich • Ausgabe 5 • Auflage 150 000 Exemplare • Erscheinung: Sommer 2008 Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Gesundes Sitzen, Kurt Schneider (Ergonomische Beratungen), Postfach 252, CH-3612 Steffisburg, Mobile 079 651 67 61, E-Mail: info@anatom.ch • Konzept, Redaktion und Grafik: UniverseMedia Verlag (ein Unternehmen von www.fruitcake.ch), Postfach 777, 3076 Worb-Bern; Telefon +41 (0)31 838 33 33; grafische Gestaltung: Marina Roncagalli • Fotos zvg • Druck: Weber-Benteli AG, Brügg • Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.

Inhalt

Der ultimative Stuhl-Check.

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Liebe Leserinnen, liebe Leser Kurt Schneider

zu vertiefen. Und vielleicht auch nicht das letzte Mal. Dass es neben Skandinavien auch in der Schweiz Unternehmen erster Sahne gibt, zeigt der Beitrag über die Firma Girsberger aus dem Oberaargau, die sich weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen für ergonomisches Sitzen gemacht hat. Und falls Sie auch noch genau wissen möchten, wie das Spital Thun ein betriebliches Gesundheitsmanagement auf die Beine gestellt hat und wie auch andere davon profitieren können, lesen Sie den Beitrag auf Seite 21 besonders aufmerksam.

Mit Heiri Müller, dem sympathischen ehemaligen Fernsehmoderator vom Schweizer Fernsehen und heutigen Entertainer, führten wir den Promi-Talk mit einem Mann, dessen Karriere im wahrsten Sinne des Wortes wirklich sitzt.

Der Beitrag «Der Fuss – kein Körperteil trägt mehr» will erklären, wie gross der Einfluss des Fusses auf den Rücken sein kann, und auch Lösungen aus der Sicht von Profis, die sich intensiv damit befasst haben, aufzeigen.

Das Thema Raumbeleuchtung hat in der letzten Ausgabe sehr viel Aufmerksamkeit ausgelöst. Das veranlasst uns, diese Materie erneut noch einmal etwas

Vielleicht haben einige von Ihnen die Kassensturz-Sendungen «Schweizer Jugend testet» verfolgt. Da fiel uns ein Beitrag der Schüler der Wirtschafts-

schule Thun über das Sitzen in den Schulen besonders auf. Schon allein der Umstand, dass sich ganz junge Menschen für gutes Sitzen engagieren, ist es wert, darüber zu berichten. Alles um Pilates erfahren Sie in einem speziellen Beitrag dazu und es fehlt natürlich auch in dieser Ausgabe nicht unser Wettbewerb, bei dem Sie mit etwas Glück wertvolle Preise für insgesamt über 5000 Franken gewinnen können. Und bestimmt geben wir Ihnen auch in dieser Ausgabe im Mittelteil wieder wertvolle Hinweise mit einer Auswahl Wohlfühl-Sitzmöbel von Herstellern ergonomischer Produkte aus aller Welt. Wenden Sie sich bei Fragen vertrauensvoll an die Adresse auf der letzten Umschlagseite. Wir wünschen Ihnen gute Gesundheit, Erfolg und viel Spass beim Lesen dieser fünften Ausgabe von «gesundsitzen». Arbeitsgemeinschaft Gesundes Sitzen

Editorial

Das ist die fünfte Ausgabe von «gesundsitzen». Das Konzept, Sie, liebe Leserinnen und Leser, eingehend über Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause zu informieren, ist bis jetzt weitgehend auf fruchtbaren Boden gestossen. Das zeigen die positiven Reaktionen, die wir mit jeder neuen Ausgabe erhalten haben. Auch die Essays über gesunde Ernährung und gesundes Training in der Fitness erfahren jeweils reges Interesse, und natürlich, last but not least, wird auch schon mit Spannung erwartet, wer wohl diesmal das Titelblatt von «gesundsitzen» krönt.

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Leitfaden für eine optimale Raumbeleuchtung

Einfluss der Beleuchtung auf den Arbeitsalltag Wer heute die Raumbeleuchtung noch als Stiefkind behandelt, riskiert Gesundheit und Leistungsbereitschaft seiner Mitmenschen. Eine Kombination von Tageslicht und künstlicher Beleuchtung kann Wunder wirken. Physiker beschreiben Licht als Gemisch elektromagnetischer Wellen. In einem Frequenzbereich von 380 bis 780 Nanometern liegt der sichtbare Teil des Lichts.

Lifestyle

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Aber auch das Licht jenseits dieses «optischen Fensters» stimuliert uns. So spüren wir langwelliges, energiearmes Infrarot als Wärme auf der Haut. Kurzwelliges, energiereiches UV-Licht – richtig eingesetzt – wirkt sich positiv auf Haut und Knochenbau aus.

Wissenschaftlich begleitete Tests haben gezeigt, dass ein indirekter Lichtanteil (Licht via Decke reflektiert) zu einem angenehmeren Raumgefühl und dadurch zu weniger Ermüdung führt. Diese Erkenntnis hat sich BELUX zu Nutze gemacht und unterscheidet zwischen drei Beleuchtungsarten. Die direkte Beleuchtung (Abbildung 4) weist eine hohe Wirtschaftlichkeit aus. Das Licht ist «lebendig» und verfügt über eine hohe Schattigkeit, was eine Dreidimensionalität bewirkt. Dies ergibt Vorteile bei der Beleuchtung von z.B.

Licht richtig eingesetzt

Blendung (Abbildung 1), was im Arbeitsbereich störend wirkt. Ist der Blickwinkel zum Fenster gerichtet, ergeben sich für das Auge hohe Leuchtdichtenunterschiede zwischen hellem Tageslicht und dunklem Bildschirm (Abbildung 2). Die stetige Akkomodation des Auges zwischen Bildschirm und Tageslicht kann zu Sehstörungen, Kopfschmerzen, Augenflimmern oder Schwindelanfällen führen. Mit Vorteil verläuft die Blickrichtung also parallel zum Fenster, wobei der Bildschirm mit 90° zum Fenster platziert wird (Abbildung 3). Spiegelungen und Blendungen können durch korrektes Ausrichten des Arbeitsplatzes und des Bildschirms eliminiert werden.

Abbildung 2

Neben der Frage nach der richtigen Lichtmenge und Lichtqualität müssen Faktoren wie Blendung, Reflexion und Leuchtdichtenunterschiede (Helligkeit) in die Planung eines Arbeitsplatzes einfliessen. Künstliche Lichtquellen ergänzen oder ersetzen das Tageslicht und entscheiden über Wohlbefinden und Arbeitsleistung. Beim Layout eines Büros gilt es, einige lichttechnische Grundregeln zu befolgen. Wird der Bildschirm gegen das Fenster gerichtet, entstehen unerwünschte Spiegelungen. Dies führt zu indirekter

Abbildung 1

Abbildung 3

Sind Sie optimal beleuchtet? Wie sieht es eigentlich in Ihrem Räumlichkeiten aus – sind Sie optimal beleuchtet? Gesundsitzen hat für Sie in Zusammenarbeit mit Benny Riz, Leiter Lichtplanung bei der BELUX AG, einen kurzen, übersichtlichen Leitfaden zusammengestellt.

Text: Thomas Laubi, BELUX; Fotos: zvg


Kurz-Portrait BELUX

Ein grosser Durchbruch erfolgte 1982 mit der gemeinsamen Entwicklung von Metro, dem weltweit ersten Niedervolt-Seilsystem. Die gespannten Drähte mit den kleinen Leuchtkörpern waren bald in unzähligen Privathäusern, Restaurants und Hotels anzutreffen und fanden viele Nachahmer. Noch im gleichen Jahr übernahm Belux die Lizenz zur Produktion extravaganter Möbel und Objekte der angesehenen italienischen DesignerGruppe Memphis um Ettore Sottsass und Michele de Lucchi. Heute sorgt Belux im Leuchtenmarkt mit Autoren wie Frank Gehry, Herzog & de Meuron, Ronan und Erwan Bouroullec sowie Hella Jongerius für Furore. Während über 30 Jahren baute Thomas Egloff die Firma zu einem international anerkannten Hersteller von hochwertigen Designerleuchten aus.

Abbildung 4

Abbildung 6

Skulpturen oder Waren. Punktuelles Licht (Strahler) erzeugt einen eher theatralisch inszenierenden Charakter mit sehr hoher Schattigkeit, was für die Bürobeleuchtung aufgrund der Blendung und zu hoher Kontrastunterschieden nicht empfehlenswert ist. Im Gegensatz dazu ergibt Flächenlicht (Ein-/Aufbauleuchten) mit Fluoreszenzlampen ein homogeneres Direktlicht. Allerdings bleibt bei der Direktbeleuchtung die Decke dunkel und Bildschirmarbeitsplätze müssen sehr präzise platziert werden, um Blendungen auf dem Bildschirm zu vermeiden. Arbeitsplätze müssen demzufolge bei dieser Lösung präzise platziert werden und sind unter dem Lichtaspekt nur schwierig zu verschieben. Beim Indirektlicht (Abbildung 5) wird die Decke als Reflektor genutzt. Dazu soll diese hell matt/diffus und zwischen 2.40 und 4 m hoch sein. Eine Einsicht von oben (Galerie) sollte dabei vermieden werden. Durch das indirekte Licht werden auch die Wandflächen gleichmässig ausgeleuchtet, was zu einem besseren Raumgefühl führt. Durch das ausschliesslich diffuse Licht fehlt beim Indirektlicht die Dreidimensionalität. Die Indirekt-/Direktleuchte (Abbildung 6) kombiniert die Vorteile aus Abbildung 4

und 5. Es entsteht ein äusserst homogenes Raumlicht mit einem direkten Lichtanteil für lebendiges Licht mit geringer Schattigkeit. Das indirekte, entblendete Licht sorgt für freundliche Raumstimmung. Alle Büro-Leuchtensysteme von BELUX unterstützen diese Beleuchtungsphilosophie. Der Anspruch auf Lichtmenge ist aufgrund der Arbeit (Bildschirm, Handwerk, Lesen etc.) sowie die nachlassende Sehleistung des Menschen im

2001 fand er zur Nachfolgeregelung mit Vitra den idealen Partner. Mit dem international renommierten Möbelhersteller erschloss sich auch der Zugang zu neuen Märkten, Produktionsmethoden und nicht zuletzt zu einem Netzwerk bedeutendster Gestalter unserer Zeit. Abbildung 5

Lifestyle

Die Schweizer Firma wurde 1970 von Thomas Egloff ins Leben gerufen. Sein Wille zur fortlaufenden Entwicklung innovativer Lichtlösungen und neuartiger Leuchtenkonzepte führten zu enger Zusammenarbeit mit international renommierten Designern und Architekten. Wegweisend bis heute war die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Designer Hannes Wettstein, heute längst eine Koryphäe im Interior Design.

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METER BY METER. Das Licht am Meter wird individuell zugeschnitten und verleiht der Wand eine Dreidimensionalität.

TWILIGHT. Das indirekte und das direkt Licht sind unabhängig voneinander dimmbar.


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Alter sehr individuell. Als Lösung kann das Raumlicht mit Tischleuchten ergänzt werden. SCOPE von BELUX ist eine neue energiesparende Gelenkleuchte, welche mit einem verborgenen, patentierten Verstellmechanismus «easy move» das Licht mit einem grossen Aktionsradius an den gewünschten Ort bringt. Dem Bedürfnis nach individueller Lichtstärke kann somit einfach Rechnung getragen werden. Der informelle Gedankenaustausch in der Bürowelt findet oft an neutralen, zurückgezogenen Orten, wie Kaffeeautomat oder Korridor statt. Heute wird dieses Bedürfnis von den Planern in ein Bürokonzept miteinbezogen. Es entstehen gemütliche Kommunikationsinseln mit Sofa oder Benches. Dabei spielt die Lichtatmosphäre eine wichtige Rolle: Gemütliches Stimmungslicht, gute Lichtqualität und warme Farbtöne helfen, diese Wohnatmosphäre zu intensivieren. Aus diesem

Lifestyle

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DISK. Direktes- und indirektes Arbeitslicht im MinergieStandard auch platzsparend mit Tischadaptionen für die meisten Bürosysteme.

Grund hat BELUX schon früh energiesparende Wohnraumleuchten auf den Markt gebracht, welche auch im Officebereich eingesetzt werden können. Ein Teil der Leuchten wurde zusätzlich mit dem Minergie-Label für hohe Wirtschaftlichkeit und optimale Entblendung ausgezeichnet. Alle Erkenntnisse im Bürobereich lassen sich auch im Heimbereich umsetzen, wobei die Frage nach der Flexibilität in der Nutzung im Vordergrund steht. Verschiedene Tätigkeiten wie lesen, essen, schreiben, fernsehen verlangen auch dort nach individuellen Lichtlösungen.

SCOPE. Individuelles und energiesparendes Licht mit grossem Aktionsradius.

ONE BY ONE. Energiesparendes, entblendetes Licht aus edlem und langlebigem Material.

BIGSIZE. Stimmungsvolles Glühlampenlicht für den kommunikativen Bürobereich.


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Sein Leben nach der Tagesschau Im Sommer 2007 ist Heinrich Müller als Fernsehjournalist und Moderator der «Tagesschau» zurückgetreten. Nach 27 Jahren beim Schweizer Fernsehen widmet er sich jetzt leidenschaftlich seiner Musik-Karriere. An einem kühlen Frühlingstag treffen wir den zurückhaltenden sympathischen Mann am Ufer des Greifensees in der Gemeinde Maur, wo er seit über 10 Jahren wohnt.

Promitalk

Text: Jamie Wong-Li, Fotos: Oliver Oettli

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jagten noch mit Pfeil und Bogen. In der Nacht wurde oft getanzt und getrommelt. Und diese Instrumente, die ich dort zum ersten Mal gesehen habe – faszinierend! Diese Eindrücke haben mich viel später zu einigen Songs inspiriert», schwärmt der Abenteurer. Während Heinrich Müller so spricht, verrät der Blick in seinen Augen, dass er für einen Moment lang tief in seinen afrikanischen Erinnerungen schwelgt.

Liebesgeschichte mit Happy End

Promitalk

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Idylle am Seeufer: schnatternde Enten, elegant gleitende Schwäne, grunzende Schweine, gackernde Hühner und eine malerische Seepromenade, die zu Besinnlichkeit aufruft. An diesem erholsamen Ort kommt uns Heinrich Müller ruhigen Schrittes entgegen und bestellt sich im örtlichen Seerestaurant Kaffee und Mandelgipfel. Trotz seiner gemütlichen Art wird schnell offensichtlich, dass ‹ruhig› mitnichten ‹verschlossen› heisst. Jahrzehntelange Berufserfahrung im Journalismus haben seinen Sinn für die Kommunikation geschärft. Mit sehr viel Offenheit erzählt Heinrich Müller ausführlich aus seinem erfahrungsreichen Leben.

Jenseits von Afrika Im Frühling 1946 wurde Heinrich Müller in Reiden (LU) geboren, wo er mit seinen drei Geschwistern aufwuchs. Später lebte die Familie in Rheinfelden (AG). «Ich war ein richtiges Landkind und liebte die Natur. Ich wollte sogar einmal Bauer und Förster werden. Aber das ist eine andere Geschichte ...». Und Geschichten hat uns «Heiri» Müller viele zu erzählen. «Ich bin wohlbehütet in einer harmonischen Familie aufgewachsen. Ich habe

im Leben immer Glück gehabt», meint der Pfarrerssohn und fügt hinzu: «Bisher habe ich in meinem Leben versucht, jeden grossen Traum umzusetzen. Einer dieser Träume war Afrika.» In der Bibliothek des Pfarrhauses fand Jung-Heinrich damals Literatur über Missionare in Afrika und deren Entdeckung des riesigen Kontinents. Dieser Fundus und der erste Kontakt in der Basler Mission zu Menschen aus Ghana und Südafrika hätten ihn sehr geprägt, erzählt Heinrich Müller. Nach seinem Jura- und Politologie-Studium in Basel wanderte er deshalb nach Nigeria aus, wo er fast 10 Jahre lang als Dozent für Staats- und Verfassungsrecht an einer der dortigen Universitäten unterrichtete. Bei seiner Ankunft 1971 in Westafrika lernte Heinrich Müller zunächst ein sehr ursprüngliches Afrika kennen: den Stamm der Mumuje im Nordosten Nigerias. «Die Mumujes lebten noch in steinzeitlichen Verhältnisse. Sie nahmen mich während Monaten gastfreundlich auf, und ich versuchte etwas von ihrem so ganz anderen Leben zu verstehen. Das war damals eine komplett neue Welt für mich. Da liefen die Menschen in Fellen und Tüchern rum und

Schon kurz nach seiner Ankunft in Nigeria traf er seine zukünftige Frau Ruth: «Sie lief damals über den Sportplatz der Missionarsschule. Es war Liebe auf den ersten Blick». Doch wie bei so vielen grossartigen Liebesgeschichten, verlief auch diese nicht gradlinig. Ruth verliess Nigeria schon bald und wanderte in die USA aus. So sahen sich die beiden nach einem Tanz beim Fest ganze fünfzehn Jahre nicht mehr. Aber Heinrich Müller konnte die schöne Nigerianerin nie vergessen. Er lud Ruth nach ihrer Scheidung Mitte der Achtziger in die Schweiz ein. 1992 heirateten sie zuerst in Chicago und feierten die Hochzeit später mit Ruths Familie und dem ganzen Dorf mit einem riesigen Fest in Marama, Nigeria. Noch heute hält die Liebesgeschichte an.

Vom Musizieren ... Aber zurück zur Biografie: Während des Gesprächs mit Heinrich Müller kommen wir immer wieder auf seine Leidenschaft zu sprechen – Musik. Diese habe ihn durchs ganze Leben begleitet. Er wuchs in einer musikalischen Familie auf, in der stets gesungen und musiziert wurde. Er gründete gar in jungen Jahren mit seinem Bruder Thomas seine erste Band. «Meine Mundharmonika habe ich immer dabei. Die ist für mich mindestens so wichtig wie meine Zahnbürste! Und auch meine Gitarre begleitet mich, wenn immer möglich». Während seiner 27-jährigen Karriere beim Schweizer Fernsehen


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... zum Moderieren ... Nach seiner Zeit in Afrika hat sich Heinrich Müller Ende 1980 beim Schweizer Fernsehen beworben und wurde prompt für das Auslandsmagazin «Rundschau» engagiert. Später wechselte er zum «CHMagazin» und landete schlussendlich bei der Tagesschau, wo er als Berichterstatter überall auf der Welt eingesetzt wurde und meint dazu: «Ich war immer lieber Reporter als Moderator». Am Spannendsten waren für ihn seine Reportagen in Südafrika während der Apartheit-Zeit. «Zum schönsten Erlebnis während meinen TV-Jahren zählte der Augenblick, als ich von Nelson Mandelas Entlassung aus dem Gefängnis erfuhr. Nach all’ den Jahren, wo ich mich intensiv mit dem südlichen Afrika und dessen Menschen befasst habe, freute ich mich so sehr über Mandelas Befreiung, als wär’ ich selbst ein Südafrikaner». Als wagemutiger Reporter, der kein Blatt vor den Mund nahm, sass er ein paar Mal während seinen Südafrika-Einsätzen im Gefängnis, aber dies sei nicht so schlimm gewesen: «Ich bin jeweils nur kurz inhaftiert worden, und man hat mich anständig behandelt». Sein schwierigstes Erlebnis als Fernsehmoderator war der 11. September 2001: «Der Terroranschlag war meine grösste Herausforderung in den 27 Jahren beim Fernsehen. In diesem Chaos einen kühlen Kopf zu behaupten, fiel nicht leicht».

... zum Musizieren Und ob es ein Leben nach der Tagesschau gibt! «Ich beschloss, das Fernsehen dann zu verlassen, wenn mir die Arbeit immer noch grosse Freude bereitet. Mein Entscheid war richtig. Heute habe ich das Glück, von der Musik und meiner Rente leben zu können!», meint Heinrich Müller zu seinem Abschied beim SFDRS. Noch als er beim Schweizer Fernsehen arbeitete, produzierte er bereits seine erste Platte: «Footsteps» wurde 2004 innerhalb dreieinhalb Tagen in Nashville, Tennessee aufgenommen. «Dabei mache ich nicht mal Country», bemerkt Heinrich Müller lakonisch, dessen Zuhause mehr im Folk, Pop und Rock angesiedelt ist. Er ging damals vor allem wegen seines englischen Produzenten Tim Hinkley, der in Nashville lebt, in ein amerikanisches Studio. Das Debutalbum wurde von international bekannten Musikern eingespielt und avancierte gleich zum Schweizer Überraschungserfolg. Mit seiner vollen, sonoren Leadstimme und den Geschichten, die sein Leben schrieb, eroberte er das helvetische Publikum im Sturm. 2006 legte Heiri Müller ein weiteres Album nach. Mit «Chains of Pearls» tourt der Singer-Songwriter derzeit durch die Schweiz. «Auf der Bühne bin ich offen und voller Energie. Es macht mir Spass, Menschen mit meiner Musik zu bewegen», meint der grosse Chicago-Fan («Chicago Transit Authority»: bekannte Funk-, Jazz- und Rockband in den

Copyright: SF/Nik Hunger

Achtzigerjahren. Anm. d. Red.), der momentan schon wieder fleissig am Schreiben neuer Songs ist.

Heinrich Müller, der Geniesser Er sei vor allem ein Geniesser der Natur, die ihn auch immer wieder zu neuen Liedern inspiriere. Es verginge kaum ein Tag, an dem er nicht durch Felder und Wiesen, zwischen Bäumen und Sträuchern streife. Er habe auch einen kleinen Garten, den er pflegt. Natürlich lese er oft und gerne, am liebsten in englischer Sprache. Und noch eine Leidenschaft, die Heinrich regelmässig auslebt: «Ich liebe es zu reisen. Am besten auf eigene Faust, nichts organisiert. Und mit Ruth reise ich so oft es geht nach Afrika ins Dörfchen Marama».

Sitzend in Bewegung sein «Jeder Sitz, der sich bewegt, ist gut für mich!» So antwortet Heinrich Müller auf die Frage nach seinem «Sitz-Liebling». Schon als Kind habe er auf dem Spielplatz das «Rösslispiel» am meisten gemocht. Hauptsache, er bleibe in Bewegung. Zum Beispiel als passionierter Reisender im Zug, und zwar ausschliesslich in der 2. Klasse: «Die Menschen in der 2. Klasse sind für mich oft interessanter und herausfordernder, und sie geben mir neuen Stoff für neue Lieder!» Wenn Sie mehr über Heinrich Müllers Musik erfahren wollen: www.heinrichmueller.ch

Promitalk

jedoch, habe er «kaum einen Ton von sich» gegeben. Das Musizieren habe ihm während dieser Zeit nicht einmal gross gefehlt, denn er sei anderweitig gefordert gewesen.

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Sohle versus Schuhe – oder beides zusammen?

Der Fuss – kein Körperteil trägt mehr!

Die Tatsache, dass der Mensch zur Fortbewegung nur zwei Beine hat, dass zur Erhaltung des Gleichgewichts die kleine Grundfläche der Füsse ausreicht, zeigt schon, dass diese Füsse eine ausserordentlich komplizierte Kombination von Festigkeit, Elastizität, Beweglichkeit und Empfindungsvermögen darstellen. Zur Erfüllung dieser rein technischen Erfordernisse muss ein grosser Teil des gesamten Körpers beitragen. Dementsprechend bringen formale oder funktionelle Veränderungen an den Füssen eine Rückwirkung auf den Gesamtorganismus und selbstverständlich auch auf den Rücken zum Ausdruck. In diesem Beitrag möchten wir drei Produzenten/-innen zu Wort kommen lassen, die sich mit ihren Produkten auf den menschlichen Fuss und deren Auswirkung auf den Rücken – sei es mit Therapiesohlen oder speziellen Schuhen – spezialisiert haben.

Muskeln stärken mit Therapiesohlen von Podotec Dank der eigenen Schuh-Boutique und dem Fussmassage-Angebot kommt Konstanze von Allmen ständig mit ihren Kunden in Kontakt – und hört nicht nur Positives. «Viele Menschen leiden unter Fussproblemen oder muskulären Verspannungen, die aufgrund von Veränderungen des Fussgewölbes entstehen. Diese Probleme können mit den bekannten orthopädischen Einlagen oft nicht vollständig korrigiert werden», sagt von Allmen. Eine Weiterentwicklung von stabilisierenden Einlagen seien spezielle, individuell angefertigte Therapiesohlen; sprich Podotec! Diese Sohlen stabilisieren nicht nur, sondern korrigieren und trainieren die Fussmuskeln; und dies ist einzigartig! So kann Fussdeformierungen entgegengewirkt und gleichzeitig können Verspannungen im Rücken- und Schulterbereich gelindert werden.

Medizin & Rücken

Text: Fruitcake.ch Verein Podologie Methode Derks, Wien Franz Amann,Orthopädie-Schuhtechnik, Basel Christophe Bocherens, Vabene/Ortho-Team AG, Bern

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Podologische Methode Derks – was ist das? Bei der Untersuchung werden Gelenkund Muskelfunktionen überprüft. Mittels eines Podogrammes (Fingerabdruck des Fusses) wird ersichtlich, an welchen Stellen der Körper falsch belastet wird und wie weit sich die Zentrierung des Körperschwerpunktes verschoben hat. Der Spezialist bedient sich zweier Methoden, der biomechanischen und der sensomotorischen Methode. Biomechanik befasst sich mit rein mechanischen Veränderungen, die über verschiedene Hebelmechanismen und Gewichtsverlagerungen den Stand der Knöchel, des Knies, der Hüfte und des Rückens verändern und dynamische Überbelastungen beheben. Bei der sensomotorischen Methode wird von

der regulierenden Wirkung des Nervensystems auf Haltung und Muskelbelastung ausgegangen.

Podogramm

Differenzierung zur orthopädischen Einlagenversorgung Klassische Einlagen sind passive Einlagen, d.h., der Fuss wird in der Fehlstellung abgestützt. Die Fussmuskeln


«arbeiten» nicht ausreichend, was die Funktion des Fusses nicht nachhaltig verbessert. Therapiesohlen nach der Methode Derks sind aktive Einlagen, d.h., die Fussmuskeln müssen «arbeiten». Die Fussmuskulatur wird dadurch kräftiger, die Schrittabwicklung normalisiert sich und das Gangbild wird verbessert. Im Weiteren wird das Zusammenspiel der Fuss-, Bein- und Rückenmuskeln positiv beeinflusst. Bei der sensomotorischen Methode wird von der regulierenden Wirkung des Nervensystems auf Haltung und Muskelbelastung ausgegangen. Dies entspricht einer ganzheitlichen Wahrnehmung des Körpers und erhöht die Regeneration enorm.

Ziele / Zielgruppen

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Gelenke werden entlastet, die Bewegung erleichtert und somit ein schmerzfreies Gehen, Stehen und Laufen gewährleistet. Personen mit Fussbeschwerden oder körperstatischen Beschwerden wie:

Hallux Valgus, Hammerzehen, Vorfussschmerzen, Überdruckstellen am Fuss, Fersenschmerzen, Fersensporn, Ristschmerzen, Achillessehnenbeschwerden, Wadenschmerzen, Kniebeschwerden, Hüftschmerzen und Haltungsschmerzen der Wirbelsäule. Bei Kindern vom 2. bis 12. Lebensjahr wird nur die Beinrotation mittels Hebelmechanismen auf den Therapiebettungen beeinflusst, da die neurologische Entwicklung des menschlichen Körpers erst ab dem 12. Lebensjahr ausgereift ist. Sportler: bei Hobby- und Profisportlern wird speziell auf die Körperbewegung für die jeweilige Sportart geachtet; das heisst z.B. beim Läufer auf die Beinrotation, auf den Auftrittswinkel, auf die Schrittabwicklung und auf die Körperhaltung. Quelle: Verein Podologie Methode Derks, A-1010 Wien, www.podologen.at

Podotec Konstanze von Allmen hat das Potenzial dieser Therapiesohlen erkannt, fertigt die individuellen Sohlen im eigenen Betrieb an und bietet diese seit März 2008 auch an. Das Wissen eignete sie sich bei einem Pionier dieser Methode (Derks) in Holland an. Sohlen bestellen! Einer Bestellung geht vorrangig eine – durch einen Facharzt ausgeführte – orthopädische, ganzheitliche Körper-Analyse voraus. Für die Analyse, die Auswertung, den Entwurf und die Anfertigung der Therapiebettung werden ca. 1 bis 2 Stunden benötigt. Kosten: Erstuntersuchung CHF 100.–, die erste Sohle CHF 250.–. Schon nach ca. 3 Monaten sind Veränderungen sichtbar, und die Aktivierungselemente in der Bettung müssen nachgestellt, d.h. versetzt werden. Der passende, richtig geformte Schuh zur Sohle ist immens wichtig. Mit der Produktion der renommierten Kandahar-Schuhen, die im gleichen Haus angesiedelt ist, kann das passende Model direkt vor Ort ausgesucht werden. Weitere Informationen: Podotec AG, K. von Allmen, podotec.ch

Was unter den Füssen ist, entscheidet, wie es dem Rücken geht! Wer die Ursachen kennt, kann handeln Der zivile Komfort und die veränderten Lebensgewohnheiten sind zwar sehr angenehm, haben uns aber viele Beschwerden eingebrockt. Der menschliche Bewegungsapparat ist dafür ausgelegt, täglich 20 km auf Naturboden gehen zu können, ohne davon Schaden zu nehmen. Studien aus Deutschland zeigen, dass die heutige Gehdistanz im Schnitt aber nur noch ca. 800 m beträgt. Sobald der Körper auf einem flachen und stabilen Untergrund steht oder geht, schaltet er zahlreiche nicht benötigte Muskeln ab, welche er zum Stabilisieren

auf unebenem und weichem Naturboden aktivieren müsste, um aufrecht zu bleiben. Der energiesparende Stemmschritt auf flachem und hartem Boden verursacht im ganzen Körper Schläge, welche wir beim Barfussgehen, z.B. am schönen weichen Sandstrand, nicht haben. Deshalb empfinden fast alle Menschen, die schon einmal am Meer in den Ferien waren, das Barfussgehen am Strand als sehr angenehm, obwohl es anstrengender ist. Wer regelmässig auf instabilem Untergrund geht, trainiert die kleinen, kurzen Muskeln in den unteren Extremitäten,

den Beinen und den Füssen. Dadurch wird die Reaktionsfähigkeit verbessert und das Hüft- und die Kniegelenke werden im Schnitt zu 19% entlastet1. Beim Stehen auf weichem Boden versucht der Körper aus energieeffizienten Gründen, seinen Schwerpunkt möglichst im Lot zu halten, dabei wird die Haltung um 10° aufgerichtet, die Rücken und Bauchmuskulatur ist zur Stabilisierung der Haltung aktiver, die Gesässmuskulatur ist 38%, die Oberschenkelmuskulatur 37% und die Wadenmuskulatur 38% erhöht2. Beim Barfussgehen in weichem Sand ist der Druck unter den Füssen besser verteilt und führt zur Entlastung der Ferse und


05/2008/09 · gesundsitzen des Vorfusses3. Der Energieaufwand ist auf weichem Untergrund erhöht und reduziert besonders bei übergewichtigen Personen die Gelenkbelastung signifikant4. Sensomotorisches Training auf instabilem Untergrund verbessert das neuromuskuläre System, was zu einer gesteigerten posturalen Körperstabilität und damit verminderter Sturzhäufigkeit führt5. Das Training der Unterschenkelmuskeln führt zu Kraftausdauer und Koordination, was eine erhöhte Sprunggelenkstabilität bewirkt6.

regelmässig pro Tag ein Paar MBTs mit der weichen und runden Sohle zu tragen», meint Franz Amann.

Wie kann der Boden unter den Füssen verändert werden? Die Masai-Barfuss-Technologie wurde vom Schweizer Ingenieur Karl Müller vor 10 Jahren entwickelt und basiert auf dem Prinzip «destabilisieren, sensibilisieren, mobilisieren». MBT-Schuhe bewirken all das, was Messungen beim Barfussgehen im Sand und die zahlreichen

kleinen Rückenmuskeln zum Balancieren wieder aktiviert werden. Von 280 Rückenpatienten haben 67% angegeben, dass ihnen das MBT-Tragen viel bis sehr viel geholfen hat. Im Unterschied zu einem Training, welches Disziplin und Zeit benötigt, brauche es diese zwei Faktoren beim MBT nicht, da wir ohnehin Schuhe tragen. Krankenkassen, die sich mit MBT auseinander gesetzt und die Vorteile erkannt haben, bezahlen aus der Zusatzversicherung einen Teil an MBT.

Wer verstanden hat, für welche Bedingungen der Körper während der Evolution optimiert wurde, weiss, was er im Alltag verändern kann, um seine Beschwerden an den Füssen, Beingelenken oder im Rücken zu lindern. «Nur wissen was zu tun wäre hilft dem Rücken nicht, es sei denn, Sie setzen zu Ihrem Wohle das Wissen in die Tat um», meint Franz Amann. Weitere Informationen: www.swissmasai.ch

Was können wir unternehmen? Was gibt es für Möglichkeiten, den Körper wieder natürlicher zu gebrauchen? Die wohl teuerste und unpopulärste Massnahme wäre, bei allen Trottoirs den Teer zu entfernen, mit weichem Sand aufzufüllen und barfuss darauf zu gehen. Oder von den 10’000 Schritten, die das Bundesamt für Gesundheit BAG täglich empfiehlt, die Hälfte davon, etwa 2.5 km barfuss in der Natur zu absolvieren. «Oder

oben aufgeführten Studien gezeigt haben. Durch die runde und weiche Sohle muss der Körper wieder mehr muskuläre Stabilitätsarbeit leisten. Im Gegensatz zu konventionellem Schuhwerk mit hartem Absatz hat der MBT einen eigens entwickelten weichelastischen «Masai Sensor». Damit bekommt der Träger ein ähnliches Gefühl wie beim Gehen in tiefem Sand oder weichem Moosboden, weil so der Fuss wieder mit der Ferse bei jedem Schritt in den Boden einsinkt.

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Prof. Dr. Benno M. Nigg, University of Calgary, CD. Tim Vernon et al., Sheffield Hallam University, UK 3 Franz Amann, Adriane Lang, AMANN.ch AG Orthopädie-Schuhtechnik Basel, CH 4 Prof. Dr. Erich Müller, Universität Salzburg, A 5 Prof. Dr. A. Gollhofer, Universität Freiburg i.Br., D 6 Xaver Kälin, Praxisklinik Rennbahn Muttenz-Basel, CH 2

Gemäss Aussage von Franz Amann sollen Tausende von MBT-Trägern durch die Körperaufrichtung eine Linderung der Rückenbeschwerden verspüren, weil die

Franz Amann AMANN.ch AG Orthopädie-Schuhtechnik Spezialgeschäft für Fuss, Schuh und Körperhaltung, Basel. Mehr Infos: www.amann.ch

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Ohne Veränderung keine Verbesserung

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vabene®– wirkungsvolle Methode gegen Rückenschmerzen Einseitige Körperhaltung und damit verbundene Überlastungen führen dazu, dass immer mehr Erwachsene und zunehmend auch Kinder über Rückenschmerzen klagen. Grund genug, an der Basis zu beginnen: Die vabene-Methode bringt sie wieder ins Gleichgewicht und lindert haltungsbedingte Beschwerden wirkungsvoll und dauerhaft – über einen körpereigenen Reflexmechanismus.

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Aber auch mangelnde Bewegung, häufiges Sitzen und eine falsche Arbeitshaltung gehören heute für viele zum Alltag. Wer Sportarten trainiert, bei denen einseitige Bewegungen gemacht werden, wie z.B. beim Golfspielen, leidet oft auch an den Auswirkungen eines muskulären Ungleichgewichts. Für den Körper bedeutet dies erhöhte, einseitige Belastungen. Auf Dauer kommt es zu sichtbaren Haltungsfehlern und aufgrund der ständigen Überbelastung der Muskulatur zu Verspannungen, Rückenbeschwerden, Kopfund Knieschmerzen.

Die ganzheitliche Therapie Die vabene-Methode arbeitet nach ganzheitlichen Grundsätzen. Das heisst, dass nicht lediglich die Schmerzsymptome kurzfristig behandelt werden, sondern das Krankheitsbild und dessen Ursachen von Grund auf untersucht und therapiert werden. Jede auch nur vorübergehende Überlastung führt zu einer Überreizung oder zu Schmerzen – mit dem Effekt, dass sich die Körperhaltung und die Bewegungsabläufe im Körper verändern, um so dem Schmerz «auszuweichen». Eine Verspannung im Schulterbereich kann beispielsweise bewirken, dass sich das

Becken verdreht. Durch eine automatisch veränderte Fussstellung versucht der Körper, das Gleichgewicht wiederzufinden und beizubehalten. Der Körper umgeht auf diese Weise vorübergehend den Schmerz. Diese Schonmuster manifestieren sich im Gehirn in der Folge als «normale» Bewegungsmuster. Die Gesamtkörperstatik gleicht sich diesem neuen Muster an und verändert so die komplette Körperhaltung. So kommt es zu dauerhaften Fehlhaltungen mit immer wiederkehrenden Schmerzen mit teils chronischen Folgen. Da der Körper von den Füssen getragen wird, sind diese Körperteile mögliche Ausgangspunkte, wenn es um die Korrektur einer fehlerhaften Körperhaltung geht.

Neuro-muskuläre Wirkungszusammenhänge Der therapeutische Ansatz beruht auf den Erkenntnissen der Propriozeption nach Prof. Dr. René J. Bourdiol und Dr. Giuseppe Bortolin über neuro-muskuläre Wirkungszusammenhänge und deren Einfluss auf die Körperstatik. Damit der Mensch bei allen Bewegungen sein Körpergleichgewicht halten kann, überprüft

und beeinflusst der Körper über spezielle Nervenzellen, so genannte Propriozeptoren, permanent den Zustand seiner Muskelspannung. Propriozeptoren befinden sich an vielen Stellen des Körpers, z.B. auf der Kopfhaut, an den Handinnenflächen und den Fusssohlen. Über das Prinzip von Meldung und Rückmeldung lösen propriozeptive Reize Muskelspannungen bzw. -entspannungen aus, um damit einen optimalen koordinierten und balancierten Bewegungsablauf zu ermöglichen. Diesen Mechanismus macht sich die vabene-Methode zunutze. Kleine Erhebungen in den speziellen Einlagen üben dabei eine Reizwirkung auf diese speziellen Nervenzellen in den Muskeln und Sehnen aus. Dadurch wird über das Zentralnervensystem die Spannung gewisser Muskelketten gezielt beeinflusst, um einen optimalen, koordinierten und balancierten Bewegungsablauf zu ermöglichen, was zu einer schrittweisen Normalisierung der Körperhaltung führt: Spannungen lösen sich, der Körper richtet sich auf, Schmerzen werden gelindert oder verschwinden ganz. Bewegungsabläufe in Alltag, Beruf und Sport


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Untersuchung des Bewegungsund Haltungsapparates Im Mittelpunkt der vabene-Methode steht eine sorgfältige Untersuchung des Bewegungs- und Haltungsapparates. Dabei werden das Wirbelsäulenprofil und die Körperstatik analysiert, die harmonische Funktion der Muskelketten untersucht, mögliche Beckenverdrehungen festgestellt und muskuläre Ungleichgewichte

ermittelt, die Fehlhaltungen auslösen. Entsprechend dem Ergebnis der körperstatischen Untersuchung werden kleine, ein bis drei Millimeter dünne Plättchen, so genannte Prozeptoren, an genau definierten Punkten unter der Fusssohle platziert, um auf die neuro-muskulären Rezeptoren einzuwirken. Durch das Unterlegen der spezifisch geformten Plättchen wird ein körpereigener Reflex ausgelöst. Er läuft je nach stimuliertem Fussmuskel über bestimmte Muskelketten und breitet sich über den Körper aus. Der jeweilige Reflex kann Muskelspannungen im ganzen Körper verändern. Somit ist es möglich, funktionelle Fehlhaltungen, die durch eine «falsche» Muskelaktivität entstanden sind, zu korrigieren. Die Wirkung ist sofort spürbar. Auch der Kunde spürt diese Verbesserungen und kann somit auch entscheiden, ob er dann die Sohlen anfertigen lassen möchte! Die richtig

positionierten Sohlenelemente werden anschliessend über modernste ScannerTechnologie erfasst. Danach erfolgt eine computergestützte millimetergenaue Herstellung der individuellen Therapiesohlen (CNC-Fräsverfahren). Diese neuro-muskulären Prozeptorsohlen sind nur wenige Millimeter hoch und können in den Schuhen, mit Absätzen bis zu 4 cm, bequem getragen werden. Diese erfolgreiche Methode versteht sich als eine Ergänzung zu den herkömmlichen Therapiemöglichkeiten. Sie ersetzt bei Beschwerden auf keinen Fall den Besuch beim Arzt oder Physiotherapeuten.

Ortho-Team AG Christophe Bocherens Effingerstrasse 37, CH-3008 Bern Tel. 031 388 89 89 info@ortho-team.ch, www.ortho-team.ch

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werden verbessert und dadurch wird die Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit gesteigert.

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Therapie

Gelenkerkrankungen behandeln Text: ChiroSuisse

Die Erkrankungen der Gelenke sind vielfältig und können auf sehr unterschiedliche Art und Weise entstehen. Schmerzen setzen oft einen Teufelskreis in Gang, der die Krankheit ständig verschlimmert. Hier setzt der Chiropraktor an, indem er zum Beispiel Gelenke mobilisiert und Spannungen in den Muskeln abbaut.

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Wenn ein Gelenk erkrankt, kann das sehr verschiedene Gründe haben. Die zu Grunde liegenden Störungen lassen sich in acht grosse Gruppen zusammenfassen: 1. Störung des Stoffwechsels von Harnsäure (Gicht), Fett (gutartige Tumore), Kalk (Chondrokalzinose) oder Eisen (Hämochromatose). 2. Hormonelle Störungen: Unterfunktion der Schilddrüse oder Zuckerkrankheit (Diabetes). 3. Störung der Blutgerinnung kann dazu führen, dass Blut ins Gelenk eindringt. 4. Blutkrankheiten: Entartete, zum Teil bösartige Blutzellen können die Gelenke angreifen. 5. Krankheiten des Nervensystems: Syringomyelie, eine seltene Erkrankung des Rückenmarks, oder Lepra, eine Degeneration der sensiblen Nervenfasern, was unter anderem auch zu Verletzungen der Gelenke führt. 6. Abnutzung durch zu starke oder einseitige Belastung (Arthrosen). 7. Autoimmunkrankheit: Das Immunsystem greift eigenes Gewebe an und verursacht so Entzündungen wie rheumatoide Arthritis. 8. Infektion durch Krankheitserreger, meistens Bakterien oder Viren.

Wie Gelenke erkranken Abnützung des Gelenkknorpels und Entzündungen im Gelenk schädigen die

Strukturen des Knorpels, was biochemische Abbauprodukte freisetzt. Diese ziehen, aufgrund ihres osmotischen Drucks, Flüssigkeit aus dem umgebenden Bindegewebe in das Gelenk. Das macht die Gelenkschmiere dünnflüssiger, wodurch die Reibung zunimmt. Schon eine normale Belastung schädigt nun das Gelenk weiter, und der Teufelskreis von Entzündung und Abnützung dreht sich immer schneller. Das Gelenk schmerzt, was die Muskeln aktiviert, sich stärker anzuspannen, um das Gelenk zu entlasten. Das führt zu Fehlhaltungen, weil die verkrampften Muskeln immer stärker und ihre natürlichen Gegenspieler (Antagonisten) immer schwächer werden. Das verschlechtert Koordination, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, was das Gelenk weiter schädigt. Die Masse des Knorpels nimmt stetig ab, stattdessen wird Kalk eingelagert, und der Knorpelbelag wird löchrig. Jede Bewegung schmerzt, selbst bei geringer Belastung. Das Gelenk schwillt an und fühlt sich warm an.

Wann Gelenke erkranken Jede Frau und jeder Mann kann von Erkrankungen der Gelenke betroffen sein. Eine häufige Ursache ist zu starke und zu einseitige Belastung, zum Beispiel im Spitzensport. Auch Übergewicht und schlecht koordinierte Bewegungen kön-

nen die Gelenke zu stark belasten, ebenso schlechtes Schuhwerk, vor allem auf harten, unelastischen Böden. Starke Verletzungen, zum Beispiel durch einen Sportunfall oder übermässiges Training, können der Auftakt zu einer länger dauernden Gelenkserkrankung sein. Aber auch die schleichende Überlastung durch eine Folge von kleineren Verletzungen kann dieselbe Wirkung erzeugen. Ernährung spielt im Allgemeinen keine grosse Rolle, ausser bei massiver Fehloder Mangelernährung. Hingegen stellen die genetischen Anlagen entscheidende Weichen, vor allem die Anfälligkeit für jene Stoffwechselleiden, die sich negativ auf die Gelenke auswirken können.

So behandelt man erkrankte Gelenke Der Chiropraktor verfügt über eine ganze Reihe von bewährten Methoden, um Beschwerden in den Gelenken zu lindern und zu beheben. Dies betrifft vor allem auch die Gelenke der Wirbelsäule vom Hals bis hinunter zum Becken. Durch gezielte Manipulation mobilisiert der Chiropraktor blockierte Gelenke und leitet so eine Entspannung der verkrampften Muskeln ein, was einen wichtigen Schritt zur Besserung einleitet. Entzündungshemmende Massnahmen wie Kältepackungen, Vitamine, Enzyme und Medikamente unterstützen diese Behandlung ebenso wie Präparate gegen den Abbau des Knorpels. Leichte Bewegung mit Mass ohne Belastung (zum Beispiel im Wasser) kann wahre Wunder wirken.


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Ergonomie im Spital – wie geht das?

Betriebliche Gesundheitsförderung in der Spital STS AG Text: Fruitcake.ch, Bilder: zvg

gesundsitzen möchte vor allem über die betriebsinternen Aktivitäten des Spitals, über die so genannte Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), als Teil des betrieblichen Gesundheits-Managements (BGM), und im Detail über den Bereich Ergonomie am Arbeitsplatz berichten.

Themenbereiche im Rahmen der BGF «Betriebliches Gesundheits-Management ist Chefsache», meint der Beauftragte BGF, Patrik Walther, bestimmt. Ja, denn 75% der Spitalausgaben sind Personalkosten. Umso wichtiger erscheint es, in diesem Bereich genauer hinzuschauen.

Hohe Absenzenrate Das Spital hat – wie viele andere Unternehmungen auch – eine zu hohe Absenzenrate. Diese gilt es zu senken, denn laut einer Studie des Alpha Kadermarktes (2004) können 65.8% der durch Fehlzeiten verursachten Kosten langfristig gesenkt werden.

Nur, was sind die Gründe dieser Fehlzeiten? «Krank sein ist nicht alleine ein medizinisches Problem, Einfluss haben z.B. auch die Arbeitsmotivation, Mobbing und Stressfaktoren, Reorganisation, Führungsverhalten, persönliches Umfeld oder externe

Einflüsse (Globalisierung, fremde Kulturen). Wichtig ist die Work-Life-Balance. Arbeitswelt und privates Leben sollten grösstmöglich in Balance sein. Unausgeglichenheit schlägt sich sofort auf das Befinden des Einzelnen aus. Die Folgen davon können Durchhänger, Krankheit bis hin zur Kündigung sein», betont Patrik Walther. Seit der Einführung der BGF-Massnahmen im 2006 konnten die Absenzen um mehr als 10% reduziert werden. Dies bedeutet eine Kosteneinsparung von ca. einer Million Franken.

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Die Spital STS AG (Simmental-Thun-Saanenland AG) ist verantwortlich für die medizinische Spitalversorgung der regionalen Bevölkerung. Sie dient als Ausbildungsstätte verschiedenster Spitalberufe und ist ein bedeutender Arbeitgeber der Region.

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Attraktivität des Arbeitsplatzes erhöhen Mit der konsequenten Umsetzung der BGF-Massnahmen in der Spital STS AG wird das Bewusstsein für das eigene Gesundheitsverhalten der Mitarbeitenden gezielt gefördert. Damit erhöht sich die Attraktivität des Arbeitsplatzes noch weiter, und zudem werden Unkosten durch Fehlzeiten gesenkt sowie Zusatzbelastungen vermieden. Aus diesem umfangreichen Massnahmenkatalog wollen wir uns im Detail mit der Ergonomie am Arbeitsplatz befassen.

Arbeitsplatzabklärung Die Arbeitsplatzabklärung wird für Einzelpersonen sowie für ganze Teams angeboten. Bei Teams werden im Anschluss an die Arbeitsplatzabklärung gezielte Massnahmen innerhalb eines Workshops vermittelt.


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Arbeitsplatzabklärung (APA)

Ergonomie-Workshop (WS)

Ziele: • Analysieren und Beurteilen der Arbeitssituation/des Arbeitsplatzes • Einleiten von notwendigen und gezielten Massnahmen zur Verbesserung der aktuellen Situation • Coaching und Betreuung in Bezug auf die körperliche Belastung am Arbeitsplatz

Ziele • Prophylaktischer Einfluss auf den Bewegungsapparat • Verminderung von bestehenden Problematiken des Bewegungsapparates • Steigerung der eigenen körperlichen Belastbarkeit • Optimierung des Einsatzes des eigenen Energiehaushalts

Mögliche Inhalte: • Beurteilung von Sitz- und Stehpositionen • Beurteilung des Bewegungsverhaltens am Arbeitsplatz • Evaluation/Analyse belastender/ ungünstiger Arbeitssituationen für den Bewegungsapparat (z.B. Heben von schweren Lasten, repetitive Bewegungen etc.) und mögliche Alternativen • Beurteilung von Raumklima, Licht, Lärm, Mobiliar, Bildschirmarbeit • Möglichkeiten einer Arbeitsplatzanpassung, zum Beispiel mit Hilfsmitteln oder Ausgleichsbewegungen, werden evaluiert und präsentiert und können ausprobiert werden.

Die Ergonomie-Workshops sind ebenfalls ein Angebot der Spital STS AG, um allfällige unbefriedigende Arbeitssituationen betreffend die Ergonomie und die äusseren Rahmenbedingungen zu optimieren. Den Teilnehmenden wird ein theoretisches und ein praktisches Wissen vermittelt, welches ihnen helfen soll, den eigenen Arbeits-Alltag bewusster und ergonomischer zu gestalten. Als direkte

Inhalt und Aufbau des Workshops • Theoretische Informationen über Strukturen und Funktionen unseres Körpers • Was ist Ergonomie? Wie kann ich diese im Alltag einsetzen? • Belastung und Belastbarkeit des Körpers bei der Arbeit und in der Freizeit • Informationen und Instruktionen in Bezug auf Sitzen, Heben, Stehen, berufsspezifische Situationen etc. • Praktische Umsetzung der Informationen direkt am eigenen Arbeitsplatz • Ausgleichsübungen für den Arbeitsalltag • Beantworten von Team- und/oder individuellen Fragen

Folge erhofft man sich eine positive Wirkung auf die Belastbarkeit des eigenen Körpers.

Pilot-Workshops Gestartet wurde bereits im letzten Jahr mit Workshops für zwei verschiedene Berufsgruppen. Bei der einen waren es vor allem Beschwerden wie: Nackenverspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen und müde Augen, hervorgerufen durch

häufige Bildschirmarbeiten, d.h. ständiges Sitzen vor dem Computer. Bei der anderen wurden die Beschwerden eher durch sehr langes Stehen – z.B. bei der Erstellung eines EKG – hervorgerufen. Als Folge konnten durch die Feedbacks vom Workshop direkte Anpassungen am Arbeitsplatz vorgenommen werden, wie z.B.: • Bildschirm-Höhe/-Distanz richtig einstellen • Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung (PC, Tastatur, Maus etc.) • Neuer Bürostuhl • Korrekte Stuhleinstellung • Fussstütze • Umsetzung der Übungen für die Augen • Empfehlung, beim Telefonieren ab und zu aufstehen und/oder Benutzung von Headsets «Die Pilot-Probanden waren alle begeistert von den Workshops. Manchmal braucht es gar keinen grossen Aufwand – kleine Tipps oder Hilfsmittel wie z.B. ein Ballkissen oder das Installieren eines Headsets (zur Verminderung von Genickstarre bei längerem Telefonieren) bewirken schon eine beachtliche Linderung der Beschwerden. Die Mitarbeitenden sind froh und dankbar für unsere Inputs und Beratung», berichten Claudia Müller, Fachbereichsleitung Physiotherapie, und Esther Huggler, dipl. Physiotherapeutin. «Dieses positive Feedback gibt uns auch die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit unserem Kurs-Angebot.»


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Anmeldung bequem via Intranet

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Alle im Spital STS AG angebotenen Workshops oder Kurse können direkt via Intranet eingesehen werden. Relevante Informationen wie: Thema, Ort, Zeiten usw. sind aktuell abrufbar. Die Anmeldung zu den jeweiligen Kursen erfolgt mit 2–3 Mausklicks.

Eigenverantwortung «Ganz wichtig ist die Eigenverantworung der Teilnehmenden. Sie müssen selber aktiv werden, sich informieren und sich via Intranet anmelden. Wir bieten einfach die nötigen Strukturen, das Gerüst; den ersten Schritt zur Veränderung müssen jedoch die Mitarbeitenden selber machen», erläutert Claudia Müller, Fachbereichsleiterin der Physiotherapie.

55 Weitere Informationen: Betriebliche Gesundheitsförderung Spital STS AG Patrik Walther, Beauftragter BGF Krankenhausstrasse 12 3600 Thun Tel. 033 226 22 18 patrik.walther@spitalstsag.ch

Spital STS AG Die Spital STS AG gewährleistet als Regionales Spitalzentrum (RSZ) mit ihren Spitalbetrieben Thun, Zweisimmen, Saanen und der Klinik Erlenbach die Spitalversorgung für ca. 170’000 Menschen. Über 92% aller notwendigen Spitalbehandlungen aus dem Einzugsgebiet werden in diesen Betrieben durchgeführt. Um dies zu gewährleisten, sind an den 4 Standorten rund 1’700 Mitarbeitende in einer Volloder Teilzeitstelle tätig.

Esther Huggler, Patrik Walther und Claudia Müller

Physiotherapie und Ergonomie Spital STS AG Claudia Müller Fachbereichsleitung Physiotherapie Esther Huggler, dipl. Physiotherapeutin Tel. 033 226 26 76 physio@spitalstsag.ch


10 Minuten für Ihre Gelenke Geben Sie Verletzungen keine Chance: Das Kräftigungsprogramm von <Dänk a Glänk>.

Liegestütze oder Knieliegestütze – 10 bis 20 mal

Rumpf heben rücklings – 3 x 10 Sekunden halten

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Zwischen Fersen- und Zehenstand wechseln – 20 mal

57 Kniebeuge – 20 mal

Rumpf heben – 3 x 10 Sekunden halten

Becken heben seitwärts – 3 x 10 Sekunden halten

Bein anheben – 3 x 10 Sekunden halten

Rumpf anheben – 3 x 10 Sekunden halten

Bein und Arm heben diagonal – 3 x 10 Sekunden halten


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Gesundheit

Fitness beim Sitzen fördern

Text: Jürg Hurter, Chirosuisse; Bilder: zvg

Der Stuhl mag noch so gut sein: Wir sitzen zu viel. Schon in der Schule sitzen wir auf oft schlechten Stühlen und an starren Bänken. Wir sitzen im Büro oder in der Werkstatt. Wir sitzen im Auto. Wir sitzen abends vor den Fernseher. Dafür ist die kompliziert aufgebaute Wirbelsäule nicht geschaffen: Der Druck in den Bandscheiben ist beim Sitzen deutlich erhöht; ihre vierundzwanzig Wirbel, dreiundzwanzig Bandscheiben, achtundvierzig Gelenke, ihre vielen Muskeln, Sehnen und Bänder müssen ständig und ausgewogen bewegt werden. Belastet man einzelne Teile zu schwach, zu stark oder gar nicht, drohen Verkümmerung, Verhärtung oder Verschleiss: Das Zusammenspiel von Gelenken und Muskeln leidet, die Wirbelsäule wird unbeweglich, Fehlhaltungen nehmen überhand, man bewegt sich noch weniger – ein schmerzhafter Teufelskreis.

Abwechslung und Bewegung sind die Schlüssel zum richtigen Sitzen. Zwei Meter auf dem allerbesten Bürostuhl zum nächsten Tisch rollen mag praktisch scheinen – aber es tut dem Rücken nicht gut. Besser ist es, immer wieder ein paar Schritte zu tun, gelegentlich ein Telefongespräch stehend zu führen und sich den Kaffee selbst zu holen ... Gute Stühle sind nicht billig; viel Entwicklung und hochwertige Materialien stecken in ihnen. Doch der teuerste Stuhl ist günstiger als ein kranker Rücken. Ausgezeichnete Sitzmöbel lohnen sich : Es darf nicht einengen, es muss stützen und entlasten und das Sitzen in Bewegung erlauben. Wenn der Rücken trotzdem schmerzt? Je eher z.B. der Chiropraktor untersucht und behandelt, desto weniger werden Beschwerden verschleppt und desto besser verhindert man chronische Schmerzen.

Besser sitzen Abwechslung Schlecht ist auch die beste Sitzhaltung, wenn man sie seinem Körper zu lange aufzwingt. Kraft Unbeschadet sitzen kann man nur mit einer kräftigen Muskulatur. Muskelkraft erlangt man mit Bewegung, mit gezielter Gymnastik und Sport. Bewegung Wer unbeweglich sitzt, ermüdet rasch und leidet an Verspannungen und Fehlhaltungen: Auf dem Stuhl muss man sich bewegen können. Stehen Verstellbare Steh- und Sitzpulte sowie Pultaufsätze kommen dem Bewegungsdrang entgegen und erlauben das Arbeiten in möglichst vielen Positionen – sitzend und stehend. Alternativen Als Abwechslung zum Stuhl können Kniestühle, Sitzbälle, Stehhocker, Ballonkissen und anderes eingesetzt werden. Auto Der Autositz darf nicht einengen und muss im Falle eines Unfalles schützen. Die Kopfstütze reicht bis zur Scheitelhöhe. Hilfsmittel Fussstütze und -schemel, Handstützen und Manuskripthalter, Telefonkopfhörer und -mikrophon helfen, korrekt zu sitzen.

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Sitzen ist Zwang. Will man Beschwerden vermeiden, darf man sich nicht zu lange in einen Stuhl zwängen: Je öfter man aufsteht und sich bewegt, desto besser.

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Sitzen in der Schule

Schweizer Jugend testet! Für den Kassensturz-Bericht prüften Roman Gugger, Lea Aeschlimann und Pascal Dummermuth von der Wirtschaftsschule Thun je 10 Stühle an 13 Wirtschafts- und Handelsschulen in der gesamten Schweiz. 86 Schulen wurden angefragt. Die KV-Lernenden im 2. Lehrjahr testeten die Kriterien: 1. Design, 2. Komfort, 3. mögliche Beschwerden (Rücken). Text und Fotos: Fruitcake.ch

gesundsitzen hat sich mit den drei innovativen TesterInnen hoch über dem Thunersee getroffen und sie zu folgenden Themen befragt;

Trends & Wissen

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gesundsitzen: Wie seid ihr auf Kassensturz bzw. Schweizer Jugend testet gestossen? Warum habt ihr da mitgemacht? Was war der Auslöser? Im Rahmen der AusbildungsEinheit 2 bekamen wir von unserem Lehrer die Projektaufgabe, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Wir konnten das Projekt resp. die damit verbundenen Arbeiten zu fast 90% während der Schulstunden bewältigen.

Stühle und Notwendigkeiten. Laufend entstand so ein Bewertungsformular. Die erstellten Bögen übersetzten wir in die Sprachen Englisch und Französisch, damit auch Schüler aus der Westschweiz und dem Tessin an der Umfrage mitmachen konnten und das Testresultat nicht aufgrund sprachlicher Differenzen verfälscht wurde. Zeitgleich machten wir die Adressen aller Wirtschafts- und Handelsschulen in der Schweiz ausfindig. Die Testanfragen verschickten wir dann direkt per Mail.

gesundsitzen: Wie seid ihr auf die Idee mit den Stühlen gekommen? Durch Zufall – eigentlich wussten wir anfangs gar nicht so recht, in welche Richtung wir gehen wollten – hatten keinen spontanen Einfall. Als wir uns dann auf unseren Stühlen hin- und herfläzten, kam die Idee mit den Stühlen.

gesundsitzen: Wie war das Feedback der Schulen? Positiv, speditiv, kooperativ ? Das Feedback war sehr unterschiedlich – zum Teil kam – trotz «Znüni-Lockvogel» für die ersten Einsendungen – gar keine Reaktion. Die meisten Schulen haben aber schnell geantwortet und die Aktion wurde an ein bis zwei Schulen sogar als Anstoss gewertet, um eine mögliche Neuanschaffung der Schulstühle ins Auge zu fassen.

gesundsitzen: Wie habt ihr die Anfrage für das Projekt gestartet – wie wurden die 86 Schulen angefragt? Die Bearbeitung des Prozesses begann mit dem Kreieren des Bewertungsbogens. Wir machten uns im Internet schlau über gesundes Sitzen, Eigenschaften der

gesundsitzen: Wie war die Zusammenarbeit mit dem Fernsehen, Ueli Schmezer und Team SF? Ueli Schmezer haben wir gar nicht kennengelernt. Das SF-Produktionsteam kam in unserer Schule vorbei und hat die Aufnahmen gemacht. Ca. drei Stunden für

zwei bis drei Minuten Bericht – aber es hat trotzdem Spass gemacht, das Team war nett! gesundsitzen: Was sind die wichtigsten Kriterien bei einem Stuhl? Sicherlich die Verstellbarkeit der Sitzhöhe. Aber auch die Rückenlehne muss in der Neigung und Höhe verstellbar und flexibel sein. gesundsitzen: Was hat sich nach dem Test in eurer oder in anderen Schulen verändert? (wurden evtl. neue Stühle bestellt ...) An unserer Schule hat sich nichts verändert – unser Stuhl hat ja im Test mit dem 3. Rang abgeschnitten, wir sitzen also bereits auf einem sehr guten Stuhl. Aber bei ein bis zwei anderen Schulen hat dieser Test doch eine Reaktion resp. einen Anstoss ausgelöst. gesundsitzen: Habt ihr schon neue Ideen von Produkten, die ihr schon lange einmal testen wolltet?


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Ja; wir achten nun sicher mehr auf die Qualität eines Stuhls ganz allgemein.

gesundsitzen: Auch eure zukünftige berufliche Tätigkeit wird voraussichtlich vorwiegend in sitzender Position vollbracht. Seid ihr jetzt sensibilisierter, was das Sitzen resp. den Stuhl anbelangt?

gesundsitzen: Würdet ihr bei anhaltenden Rückenschmerzen beim Arbeitgeber intervenieren, um einen Stuhl, der euren Bedürfnissen entspricht, zu erhalten?

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(alle lachen) Ja, würden wir – momentan ist dies zwar nicht der Fall – unsere Sitzunterlagen sind alle top – aber wir würden uns sicherlich zu wehren wissen!

Folgende Schulen haben mitgemacht • Kaufmännische Berufsschule Solothurn • Berufsschule der Landschaft Davos • Kaufmännische Berufsschule Schwyz • KBZ St. Gallen • Handelsschule Ursula • Wirtschaftsschule KV Winterthur • Bildungszentrum Zürichsee • Berufsbildungszentrum Olten • EPAC Bulle • Wirtschaftsschule Thun • KBS Glarus • Handelsschule KV Aarau • Berufsschule Bülach

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Nein – (alle lachen) – daran haben wir noch gar nicht gedacht!

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Fitness-Ratgeber

Kraftmaschine versus Hantel

Text: Urs Geiger, physioswiss GYM medico, Basel; Bilder: zvg

Die Diskussion über den Nutzen bzw. das Gefahrenpotenzial von Trainingsgeräten und Freien Gewichten ist nicht grundsätzlich zu führen. Es geht vielmehr darum, Vor- und Nachteile den Anforderungen des Anwenders durch Modifikation einer Übung anzupassen.

Trends & Wissen

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Am Beispiel der Grundbewegung «Armbeugen» wird erkennbar, welche Bedeutung das Wissen um die physiologische Kraftentwicklung hat. Die Kraft der Beugemuskeln (z.B. Bizepsmuskel) ist vom Beugegrad abhängig. In der Mittelstellung der gesamten Beugebewegung bei ca. 90° ist die willkürlich erzeugbare Muskelkraft am grössten (100%); mit zunehmender Beugung (>90°) und Streckung (<90°) nimmt diese deutlich ab. Etwa 30° vor der maximalen Beuge- bzw. Streckstellung im Ellenbogengelenk beträgt diese nur noch 50% (vgl. Abb.1). Diese muskelphysiologische Eigenschaft ist auf alle eingelenkigen Muskeln übertragbar. Wenn wir nun die Gewichtskraft durch eine Hantel berücksichtigen, wird der Unterarm zu einem einfachen Hebel. Die Gewichtskraft erzeugt das grösste Drehmoment, wenn der Unterarm die

Abb. 1: Kraftentwicklung der Armbeugemuskulatur in Abhängigkeit der Winkelstellung.

Abb. 2: Die Gewichtskraft G erzeugt beim Heben gegen die Schwerkraft ein Drehmoment, welches bei horizontaler Stellung des Hebelarmes maximal wird.

Belastungskurve eines Gewichtes

Horizontale bei einem Winkel von 90° erreicht. In dieser Stellung fallen maximale Muskelkraft und Gewichtskraft idealerweise zusammen (vgl. Abb. 2). Ausgehend vom Wissen, dass die Kraftkurve eines Muskels einen sinusförmigen Verlauf zeigt, fokussieren wir nun unsere Betrachtung auf Trainingsgeräte. Am Beispiel der Übung «Kniestrecken» wird die Gefahr einer Fehl- oder Überbelastung des Kniegelenkes bzw. dessen überbrückenden Muskel-Sehnen-Strukturen erkennbar. Mit zunehmender Kniestreckung vermindert sich die Kraft des vorderen Oberschenkelmuskels. Der Widerstand erhöht sich aber durch die anguläre Bewegung des Gerätehebels (länger werdender Lastarm) bis zur Horizontalen (vgl. Abb.3). Dieses unphysiologische Kraft-Last-Verhältnis kann zu der besagten Fehlbeanspruchung und damit zu Schmerzen führen. Darüber hinaus wird der Trainingseffekt durch die Divergenz1 von Kraft- und Lastkurve deutlich gemindert. Aus diesem Grunde sind billige Fitnessgeräte, welche für das Heimtraining im Warenhaus oder Supermarkt angeboten werden, ungünstig (vgl. Abb.4). Die bisherigen Betrachtungen waren auf eingelenkige Muskeln bezogen. Um den

Kraftkurve beim Beinstrecken

Abb. 3: Ungünstiges Verhältnis zwischen Belastungskurve (grüner Pfeil) und Kraftkurve (blauer Pfeil) bei Kniestreckung.

Vergleich zwischen Trainingsgeräten und Freien Gewichten zu vervollständigen, muss auch die Wirkungs- und Arbeitsweise der zweigelenkigen2 Muskeln berücksichtigt werden. Am Beispiel der Kräftigungsübung «Kniebeugen» soll ein weiterer vergleichender Aspekt erörtert werden (vgl. Abb. 5). Das Aufstehen von einem Stuhl, Aufrichten aus der tiefen Hocke oder Treppensteigen sind häufige Alltagsbewegungen, welche eine mehr oder weniger starke Aktivierung der Streckmuskelkette von Knie- und Hüftgelenken gegen die Einwirkung der Schwerkraft erfordern. Unter diesem alltagsrelevanten Gesichtspunkt wird häufig von funktioneller Bewegung gesprochen. Wenn also zum Beispiel mit einer Hantelkniebeuge dieses Bewegungsmuster trainingswirksam geübt werden kann, dann lässt sich daraus ein unmittelbarer Nutzen in Bezug auf den täglichen Arbeitseinsatz ziehen. Ferner entspricht das Beugen und Strecken der Beine im Stand der physiologischen Arbeitsweise der beteiligten Muskeln. Bei 2

1

Auseinanderlaufen

Muskeln, die zwei hintereinander folgende Gelenke überbrücken


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der Kniebeuge wird der vordere Oberschenkelmuskel über das Kniegelenk gedehnt, während durch die gleichzeitige Beugung im Hüftgelenk eine kompensatorische Annäherung stattfindet. Für die hintere Oberschenkelmuskulatur verhält es sich genau umgekehrt. Damit wird sichergestellt, dass der Muskel seine Ruhelänge weitgehend erhalten kann und damit auch seine Kraft.

Aus gesundheitlichen Gründen darf der Aspekt der Bewegungsgeschwindigkeit nicht unberücksichtigt bleiben. Grundsätzlich ist eine lineare Bewegungsgeschwindigkeit gefordert. Linear heisst in

Abb. 5: Tiefe Hantelkniebeuge (squat) zur funktionellen Kräftigung der Beinstreckmuskelkette.

diesem Zusammenhang gleich bleibend oder konstant, was Beschleunigung und damit Kraftspitzen am Umkehrpunkt der Bewegung ausschliesst. Langsames Bewegungstempo bedeutet gleichmässige, höhere Muskelspannung und damit auch Verbesserung des aktiven Gelenkschutzes. In einer Studie von W. Westcott, 1994, wurde der Trainingseffekt bei unterschiedlichen Bewegungsgeschwindigkeiten untersucht. Als gleich wirksam haben sich für 10 Wiederholungen Belastungszeiten (Sekunden) von 4 (2/2), 6 (2/4) und 8 (4/4) Sekunden erwiesen. Die lokale Ermüdung muss dabei innerhalb einer Belastungsdauer von 40 und 80 Sekunden erfolgen.

Schlussfolgerungen

Abb. 4: Unphysiologische Belastung ohne Widerstandsadaptation durch Cam (exzentrische Umlenkrolle).

• Mit langsamer Bewegungsgeschwindigkeit – zum Beispiel 2 Sekunden Gewicht heben, 4 Sekunden Gewicht kontrolliert senken – ist eine signifikante Verbesserung der Kraft garantiert (Minimierung des Drehmomentes bei Maximierung der Muskelspannung).

• Widerstandsgeräte erlauben bei allgemein einfacher Bedienung eine gute Dosierbarkeit der Belastung. Die passive Stabilisation des Körpers ist meist gegeben. Aufgrund der ausgesprochenen Selektivität können Einzelmuskeln lokal optimal ausgereizt werden. Voraussetzung ist aber eine adaptierte Kraftübertragungsmechanik. Die Trainingswirkung basiert primär auf Prozessen der lokalenergetischen Energiebereitstellung ohne Umsetzung auf der neuromuskulären Ebene. • Das Training mit Freien Gewichten bedingt eine gute Körperwahrnehmung (Bewegungs- und Kraftsinn) und die Fähigkeit zur willkürlichen Gelenk- und Wirbelsäulenstabilisation. Die grosse Übungsvariabilität erlaubt individuelle Anpassungen an die geforderte Alltagsoder Sportbelastung. Die bewegungskoordinative Komponente ist meist zwingend enthalten. Für Trainingsunerfahrene ist die Instruktion durch eine kompetente Fachperson aber unerlässlich.

Trends & Wissen

Durch die lineare Bewegung des Massenschwerpunktes wird, im Gegensatz zur angulären Bewegung, keine übermässige Zu- bzw. Abnahme der Drehmomente generiert. Als weiterer Aspekt kommt jener der Koordination und Stabilisation hinzu. Die gleichgewichtserhaltende Feinregulierung der Rohkraft und die stabilisierende Kraft der Rumpfmuskulatur zum aktiven Schutz der Lendenwirbelsäule sind wertvolle Zusatzeffekte. Auf der entsprechenden Kraftmaschine «Beinpresse» sind diese sensomotorischen Fähigkeiten nicht zu erwarten.

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Die sanfte Trainingsmethode

Pilates – Körper und Geist in Harmonie Text: Beatrice Eggimann, Pilates Bern; Bilder: zvg

Die Pilates Methode ist eine einzigartige Trainingsmethode, die mit Konzentration, gezielten Bewegungen und Atmung innere Kraft schenkt und dem Körper Ausdauer, Stärke und Geschmeidigkeit verleiht. Körper und Geist werden gleichzeitig beansprucht und das Wohlbefinden wird gefördert.

Trends & Wissen

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Im Pilates geht es nicht um Quantität, sondern um Qualität: Ein wesentlicher Grundsatz des Trainings ist die kontrollierte Ausführung aller Übungen und Bewegungen. Durch die Kontrolle werden die Übungen sicher und die Effizienz wird gesteigert. Genaue Ausführungen helfen die gewünschte Wirkung zu erzielen. Alle Übungen werden in fliessenden Bewegungen ausgeführt, ohne längere Unterbrechungen. Mit der Kontinuität werden neue Bewegungsmuster erlernt und gespeichert. Ziel ist es, Pilates in den Alltag einfliessen lassen und ein neues Bewegungsgefühl zu erhalten. Mit Hilfe der Imagination und Visualisierung werden kleinste Aktivitäten ausgelöst, welche die Methode unterstützen.

Was bewirkt Pilates? • Pilates verbessert die Haltung • Mobilisiert und stabilisiert die Wirbelsäule • Kräftigt den Rumpf • Schenkt mehr Kraft und Beweglichkeit • Schult die Körperwahrnehmung • Verhilft zu mehr Entspannung und Harmonie • Verbessert die Balance Pilates ist ein ganzheitliches Training, welches Körper und Geist gleichzeitig

beansprucht. Bewegungsmuster werden analysiert und können verbessert werden, Verspannungen und Fehlhaltungen kann entgegengewirkt werden. Die Pilates Methode arbeitet mit Prinzipien, welche sich optimal ergänzen:

Die 7 Prinzipien von Pilates (nach der PILATES Bodymotion Methode) • • • • • • •

Zentrierung Atmung Bewegungslänge und -weite Gewichtsverlagerung und Alignement Lockerheit und Entspannung Schultergürtelorganisation Gelenkartikulation

Das Pilates kann in den verschiedensten Formen ausgeführt werden Für gesunde Personen verschiedenster Altersklassen und Fitness ist das generelle Pilates Training auf der Matte in der Gruppe geeignet. Gruppen können jedoch auch spezifisch auf ein Thema wie beispielsweise Schwangerschaft und Rückbildung, Seniorentraining, Rückenbeschwerden, Osteoporose, sportspezifisch etc. ausgelegt und das Pilates Training angepasst werden. Optimal berücksichtigt

Joseph Pilates (1880–1967) Pilates wurde von Joseph Hubertus Pilates entwickelt. Schon im Kindesalter litt er an Rachitis, Asthma und rheumatischem Fieber. Pilates war fest entschlossen, diese gesundheitlichen Probleme zu überwinden, und so widmete er sich dem körperlichen Training. 1912 verliess Joseph Pilates seine Heimat in der Nähe von Düsseldorf, um nach England zu gehen. Während des Ersten Weltkrieges war er Gefangener in einem Lager und kümmerte sich um die Kriegsverletzten. Gerade unter diesen Umständen entwickelte er seine Trainingsmethode weiter. Sein Ziel war es, eine Art Rehabilitationstraining zu entwickeln. Bettlägerige Patienten sollten die Übungen ausführen können, um so Kraft und Flexibilität zu entwickeln. So entstanden die ersten Geräte mit Federnwiderstand. Nach dem Krieg zog es Joseph Pilates nach Amerika, in New York eröffnete er 1923 sein erstes Studio. Er starb im Jahre 1967.

werden die Ziele und Schwachstellen eines Klienten beim Pilates Personal Training. Pilates kann von Kindern bis hin zu Senioren praktiziert werden und wird ebenfalls in der Rehabilitation und Physiotherapie angewendet.


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Gesunderhaltung mit Pilates Pilates soll in erster Linie der Gesunderhaltung und dem individuellen Fitnessmanagement dienen. Besonders im Pilates Personaltraining werden durch eine ausführliche Haltungsanalyse die Schwachstellen aufgedeckt. Ein individueller Trainingsplan wird unter der Berücksichtigung von Krankheits- und Beschwerdebildern erstellt und falsche Haltungs- und Bewegungsmuster können korrigiert werden.

Pilates für Senioren Mit zunehmendem Alter reduziert sich Beweglichkeit, Muskelspannung und Muskelkraft jedes Menschen. Diese Reduzierungen vermindern die allgemeine Aktivität ebenso wie die Konzentrationsfähigkeit und Motivation. Diesem Leistungsverlust kann jedoch durch Training wie Pilates entgegengewirkt werden. Anzeige

Viele Einflüsse der modernen Zivilisation beeinträchtigen das gesunde Bewegungsverhalten des Kindes. Langes Sitzen in der Schule, vor dem Fernseher oder dem Computer, intensive, zu einseitig belastende Sportarten oder Übergewicht führen zu Haltungsschwächen und muskulären Dysbalancen. Das Kinder Pilates unterstützt das Kind, sich besser wahrzunehmen, sich zu entspannen und Ruhe zu finden. Die Konzentration des Kindes wird gefördert und die Kreativität gesteigert. Mit einem spielerischen Pilates Training wird die Stabilität in der Tiefe, Balance, Aufrichtung erhöht und somit eine gesunde Haltung erzielt.

Für welche Kinder ist Pilates geeignet? Grundsätzlich ist Pilates für alle Kinder im Schulalter geeignet. Insbesondere aber für Kinder mit: • Haltungsschwächen • Fehlhaltungen der Wirbelsäule oder Beinlängsachse • Körperwahrnehmungsschwierigkeiten • chronischen Atemwegserkrankungen

mehr empfiehlt es sich, bei einer ausgebildeten Fachperson die Einsteigertrainings zu besuchen. Ein professioneller Pilates Trainer fragt zuerst nach gesundheitlichen Beschwerden und kann so auf die körperlichen Schwachstellen des Kunden eingehen. Im Training werden die Übungen erlernt, und der Pilates Trainer überprüft die richtige Ausführung.

Über Pilates Bern Pilates Bern wurde von Beatrice Eggimann im September 2004 gegründet und entwickelt sich seither stetig weiter. Von einer med. Masseurin zur Physiotherapeutin, von Tänzern zu Bewegungspädagogen, einer Hebamme und Erwachsenenbildnerin bildet das Team von Pilates Bern eine wunderbare ergänzende Einheit von Pilates Trainern, deren Leidenschaft es ist, die Pilates Methode zu vermitteln und Erfahrungen weiterzugeben.

Der beste Einstieg in die Pilates Methode

Weitere Informationen: Pilates Bern Studio für Pilates und Personal Training Beatrice Eggimann, dipl. Pilates Trainerin E-Mail: info@pilates-bern.ch Web: www.pilates-bern.ch Mobile: + 41 79 600 22 09

Pilates anhand eines Buches oder einer DVD zu erlernen, ist enorm schwierig und kann ohne präzise Anleitung gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Umso

Partner für Ausbildungen Pilates Bodymotion www.pilates-bodymotion.ch

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Pilates für Kinder

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Medienmitteilung physioswiss

Physiotherapie verboten? Die letzte Januarausgabe des «Beobachters» hat es auf den Punkt gebracht: Die Wirtschaftlichkeitsverfahren von santésuisse nehmen derzeit ungewöhnliche Formen an, die gravierende Auswirkungen auf die Physiotherapie haben. Die Ärzte sehen sich gezwungen, die durch sie veranlassten Kosten drastisch zu reduzieren und so keine oder deutlich weniger Physiotherapie zu verordnen. Im Kanton Tessin beispielsweise hat das Volumen neu verordneter Physiotherapie gemäss einer aktuellen Erhebung von physioswiss um mehr als 30 % abgenommen. Dies mit gravierenden Folgen für Patient und Physiotherapiepraxis.

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Die Krankenversicherer haben gemäss KVG den gesetzlichen Auftrag, die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringer zu kontrollieren. santésuisse verpflichtet die in ihrer Kostenstruktur auffälligen Ärzte (in der Regel jene, die signifikant über den durchschnittlichen Kosten liegen) zur Rechenschaft und Begründung der Kosten. Im Positionspapier von santésuisse vom 25.10.2007 zu den Wirtschaftlichkeitsverfahren steht: «Damit (gemeint sind die Wirtschaftlichkeitsverfahren für die Ärzte) soll der Anreiz, Leistungen zu verschreiben statt sie selber auszuführen, verkleinert werden.» Indes berücksichtigt santésuisse bei der Messung der Kosten nur einen Teil der verordneten Leistungen (Eigenleistungen, Medikamente, Labor und Physiotherapie). Andere veranlasste Leistungen werden demgegenüber nicht berücksichtigt. Für die Physiotherapie, die in der Grundversicherung ausschliesslich auf ärztliche Verordnung erfolgt, hat dies gravierende Folgen.

Der Arzt wird angehalten, auf die medizinisch indizierte Verordnung von Physiotherapie zu verzichten, oder er weicht auf eine andere paramedizinische Leistung aus, obwohl Physiotherapie im jeweiligen Fall wirksamer, zweckmässiger und wirtschaftlicher wäre. physioswiss verurteilt ein solches Vorgehen in aller Form und spricht sich gegen eine verdeckte Leistungsbeschränkung aus. Die Umsetzung der Wirtschaftlichkeitskontrolle zeigt regionale Unterschiede. Der Kanton Tessin ist gegenwärtig sehr stark betroffen. Bereits sind Physiotherapiepraxen gezwungen, Angestellte zu entlassen oder deren Arbeitspensum zu reduzieren, weil die Zahl der Patienten innert kürzester Zeit drastisch abgenommen hat. Die Physiotherapie hilft erwiesenermassen Kosten zu sparen. Seit zehn Jahren werden PhysiotherapeutInnen für ihre Leistungen mit dem gleichen Preis entschädigt und mussten in der Folge einen

Physioswiss Die Physiotherapie ist mit den Ärzten und den Pflegenden eine der grossen Berufsgruppen im Gesundheitswesen. physioswiss – der Schweizer Physiotherapie Verband – vertritt die Interessen von über 7’500 selbstständig erwerbenden und angestellten PhysiotherapeutInnen.

Kaufkraftverlust ihres Einkommens von über 10 % hinnehmen. Es ist nicht akzeptabel, dass sie nun auch noch unter einer in dieser Form unsinnigen Wirtschaftlichkeitskontrolle zu leiden haben. Auskunft erteilt Ihnen gerne die Geschäftsstelle von physioswiss, Tel. 041 926 07 80 oder info@physioswiss.ch. Für ein Praxisbeispiel zum geschilderten Problem wende man sich an: Physiotherapie M. Schuurmans Stekhoven, Zürich, Tel. 044 383 12 11 oder info@physiotherapie-zuerich.ch Anzeige


Möbel

Checkliste Stuhl Mit dieser Checkliste können Sie prüfen, ob Ihre Stühle gut genug sind und worauf Sie bei einem Kauf achten sollten.

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Stühle können sehr unterschiedlichen Zwecken dienen und werden auf sehr unterschiedliche Art genutzt. Dementsprechend sind auch die Anforderungen sehr vielfältig. Grundsätzlich gilt: Je mehr Zeit man auf einem Stuhl verbringt, desto wichtiger ist es, dass er die Anforderungen an die Ergonomie erfüllt: Richtige Sitzhöhe, richtige Länge, Neigung und Beschaffenheit der Sitzfläche, Arm- und Rückenlehnen, Stütze des Rückens an der richtigen Stelle, insbesondere beim dynamischen Sitzen. Die vollständige Checkliste ist in erster Linie für Bürostühle gedacht, bei denen sämtliche Punkte erfüllt sein müssen. Bei jenen Stühlen, auf die man sich in der Regel nur kurze Zeit setzt und die für alle passen sollten, kann man die Punkte überspringen, die sich auf individuelle Abstimmung beziehen.

Zweck des Stuhls • Stellt höchste Anforderungen an die Ergonomie. • Gemischte Büroarbeiten: Stellen hohe Anforderungen an die Ergonomie. • Gespräche, Konferenzen, Symposien: Bequem, rückenschonend, ergonomisch. • Essen und Trinken: Bequem, praktisch, stabil, gut zu reinigen. • Ausruhen: Gute, atmungsaktive, nicht zu weiche Polsterung.

Nutzungsart des Stuhls • Dauer des Sitzens kurz oder lang. • Abwechslung zwischen Stehen und Sitzen oder dauerndes Sitzen. • Arbeit oder Entspannung und Erholung.

Text: ChiroSuisse

• Geben stabilen Halt auch bei stärkerem Aufstützen. • Erlauben beim Bürostuhl dynamisches Sitzen.

Richtige Sitzhöhe • Die Füsse stehen flach auf dem Boden, ohne dass die Sitzfläche Druck auf die Oberschenkel ausübt. • Die Oberschenkel sind annähernd waagrecht, leicht nach vorne abfallend. • Bei einem Bürostuhl ist die Sitzhöhe stufenlos verstellbar.

Richtige Länge der Sitzfläche • Bei aufrechter Haltung des Rückens wird dieser von der Rückenlehne gestützt, ohne dass die vordere Kante der Sitzfläche in den Kniekehlen spürbar ist. • Zwischen vorderer Kante der Sitzfläche und den Kniekehlen bleibt nicht wesentlich mehr Raum frei als eine Handbreite.

Richtige Neigung der Sitzfläche • Die Sitzfläche ist leicht nach vorne geneigt. • Bei einem Bürostuhl ist die Neigung der Sitzfläche stufenlos verstellbar.

Richtige Höhe der Rückenlehne • ca. 50 cm, gemessen von der Sitzfläche.

Richtige Stütze des Rückens • Bürostuhl: Die Rückenlehne stützt den Rücken deutlich oberhalb der Beckenkante und deutlich unterhalb der Schulterblätter, an der Stelle des «hohlen Kreuzes» (Lordose). • Bürostuhl: Die Rückenlehne folgt dem Rücken bei der Bewegung nach vorne, nach hinten und zur Seite mit einem möglichst konstanten Druck (dynamisches Sitzen). • Essstuhl: Die Rückenlehne gibt dem Rücken bei Bedarf festen Halt und stützt optimal zwischen Beckenkante und Schulterblättern. • Polsterstuhl: Die Rückenlehne ist weich, aber doch fest gepolstert und mit einem atmungsaktiven Material überzogen.

Dynamisches Sitzen Beschaffenheit der Sitzfläche • Es sind keine harten Kanten spürbar. • Bei einem Bürostuhl ist die Sitzfläche so hart gepolstert, dass sie guten Halt gibt, und so weich, dass keine Druckstellen zu spüren sind. • Bei einem Polstermöbel ist die Sitzfläche so weich gepolstert, dass sie bequem ist, aber so hart, dass man nicht einsinkt. Sie ist mit einem atmungsaktiven Material überzogen.

Armlehnen • Erlauben Abstützen der Unterarme oder Ellbogen bei normaler Sitzposition.

• Wechsel zwischen aufrechter Position der Wirbelsäule und Neigung bis etwa 45 Grad nach hinten, bei steter Stütze des Rückens. • Wechsel zwischen aufrechter Position und Neigung nach links oder rechts, bei steter Stütze des Rückens. • Wechsel zwischen freier aufrechter Sitzposition und Stütze im Kreuz, zwischen Beckenkante und Schulterblättern. • Aufstützen auf der Armlehne, links und/oder rechts. • Rotieren des Rumpfs nach links oder nach rechts, mit oder ohne Stütze im Rücken.

gesundsitzen_2008  

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