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04/2007/08 · gesundsitzen

Inhaltsverzeichnis 15 Editorial 16 Life Style Gut belichtet am Arbeitsplatz.

17 Life Style Belux – Interview mit Benny Riz.

9 Promitalk SESShaft in Bern – Interview mit Andrea Jansen.

7 Life Style: Gut belichtet am Arbeitsplatz. Der Einfluss von Licht auf die Leistungsfähigkeit.

12 Trends & Wissen «Der Stuhl muss weg» – Interview mit Karl Müller, Erfinder der Kybun-Bewegungs-Philosophie.

15 Design & Werkstoffe Klima Sitz® – das patentierte Vlies für höchsten Sitzkomfort.

16 Trends & Wissen «Stuhlosophisches ...»

20 Trends & Wissen Wie gut ist mein Trainingszentrum?

21 Medizin & Rücken Grinberg: Die Methode, die Ihr Wohlbefinden berührt.

Trends & Wissen:

Rückenschmerzen müssen nicht sein.

26 Trends & Wissen Die Unternehmenskultur bestimmt den Sitzkomfort am Arbeitsplatz.

«Stuhlosophisches ...»

28 Medizin & Rücken Balance zwischen Sitzen und Stehen.

29 Trends & Wissen Stuhlgeschichten.

33 Trends & Wissen Schuhe müssen schon zu Beginn passen.

34 Trends & Wissen Kinderrücken in Gefahr.

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36 Trends & Wissen

Medizin & Rücken:

Ein Drittel des Lebens verbringen wir im Bett – Gute Nacht.

Testen Sie Ihre Rumpfmuskulatur.

Gewinner des Leserwettbewerbs «Gratis sitzen im Kino» (06/07) Erika Oppliger, Thun . Peter Franke, Zürich . Doris Müller, Frick Wir gratulieren zum Gewinn von je vier Gratis-Tickets in einem Kino Ihrer Wahl in der Schweiz.

IMPRESSUM gesundsitzen • Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause • Erscheint 1x jährlich • Ausgabe 4 • Auflage 150 000 Exemplare • Erscheinung: August 2007 Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Gesundes Sitzen, Kurt Schneider (Ergonomische Beratungen), Postfach 252, CH-3612 Steffisburg, Mobile 079 651 67 61, E-Mail: info@anatom.ch • Redaktion und Gestaltung: Fruitcake Werbeagenturen, Worb-Bern; Redaktion/Koordination/Realisation: Urs Berger, Jamie Wong-li; Layout: Stephan Dürig • Fotos zvg • Druck: bentelihallwag AG, Wabern-Bern • Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.

Inhalt

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22 Medizin & Rücken

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Sind Sie im Gleichgewicht? Der Gleichgewichtssinn macht mit der Kraft, der Ausdauer und der Koordination die Fitness erst vollkommen. Wir kontrollieren mit dem Gleichgewichtssinn die Körperhaltung, und wir orientieren uns im Raum. Das Zentrum des Gleichgewichtsorgans liegt im Innenohr und im Kleinhirn; es ist mit den Augen, dem Tastsinn und den Reflexen verbunden. Unser Test zeigt, ob Ihr Gleichgewichtssinn in Ordnung ist: Er beurteilt die Funktion des Innenohrs, die Rückmeldungen aus den Beinen und den Händen und das Gleichgewicht mit geschlossenen Augen. Test: Dr. Marco Vogelsang, Chiropraktor, Zürich

1 Sie stehen mit dem Rücken zur Wand, eine Handbreit von ■ der Wand entfernt auf beiden Beinen; die Füsse stehen eng nebeneinander, die Hände liegen an der Wand. Sie nehmen die Hände von der Wand, falten sie vor ihrer Brust und schliessen die Augen. Sie können so 15 Sekunden stehen bleiben: 1 Punkt Sie müssen sich an der Wand auffangen: 8 Punkte Sie können in der gleichen Position mit geschlossenen Augen en Kopf einige Male schnell nach links und rechts drehen: 0 Punkte

Test

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2 Sie machen die obige Übung, aber auf einem Bein, ■ mit offenen Augen: Die Übung gelingt: Die Übung gelingt mit geschlossenen Augen: Die Übung gelingt nicht:

1 Punkte 0 Punkte 2 Punkte

3 Sie hüpfen in beide Richtungen über einen Strich ■ am Boden, ohne den Strich zu berühren. 10 Sprünge ohne Pause: Die Übung gelingt nicht:

6 Sie gehen zügig auf einem fünf Meter langen Strich, setzen einen ■ Fuss vor den anderen und treten nicht neben den Strich. Kein Fehltritt: 2 Punkte Kein Fehltritt, wenn Sie die Armen ausgestreckt nach oben halten: 1 Punkte Kein Fehltritt, wenn Sie auf den Zehenspitzen gehen: 0 Punkte Ein oder mehrere Fehltritte: 8 Punkte 7 Sie balancieren 15 Sekunden einen Besenstiel ■ oder ein Billardqueue auf der Handfläche. Funktioniert auf der dominanten Hand: Funktioniert auf der nicht dominanten Hand: Der Besenstiel fällt vor 15 Sekunden von der dominanten Hand: Der Besenstiel fällt vor 15 Sekunden von der nicht dominanten Hand:

1 Punkte 0 Punkte 3 Punkte 2 Punkte

8 Wenn Sie Treppen steigen, müssen Sie sich nicht am Geländer ■ 0 Punkte 2 Punkte

festhalten, um das Gleichgewicht zu halten. Stimmt: Stimmt nicht:

0 Punkte 3 Punkte

4 Sie können Fahrrad, Trottinett oder Rollbrett fahren ■ oder Skier, Langlaufskier oder das Snowboard benützen. Ja: 0 Punkte Nein: 2 Punkte 5 Sie sitzen auf beiden Gesässbacken, lehnen leicht nach ■ hinten und heben Beine und Arme Sie halten 15 Sekunden durch: Die Übung gelingt nicht:

0 Punkte 3 Punkte

Machen Sie diesen Test vorsichtig und nur, wenn Sie sich sicher fühlen. Bitten Sie eine kräftige Hilfsperson anwesend zu sein, die sie allenfalls stützt.

Auswertung: Weniger als 3 Punkte:

Sie scheinen keine Gleichgewichtsstörungen zu haben.

3 bis 7 Punkte:

Sie können Ihr Gleichgewichtsgefühl wahrscheinlich mit Übungen, zum Beispielen den oben aufgeführten, verbessern.

Ab 8 Punkten:

Wir empfehlen Ihnen, einen Arzt oder Chiropraktor zu konsultieren; er wird Ihnen sagen, woher Ihre Gleichgewichtsstörungen rühren.


04/2007/08 · gesundsitzen

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Hinter dem Titel «gesundsitzen», eine Kurzfassung eines weiten Themenfeldes, verbirgt sich mehr. Wir versuchen neue Wege zu beschreiten, um Ihnen wertvolle Erkenntnisse über Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause zu vermitteln. Wohlbefinden in jeder Lebenslage ist das Ziel, ohne den Anspruch, die Themen abschliessend behandelt zu haben.

Kybun kommt aus dem Koreanischen und heisst so viel wie Befinden/Gefühlszustand. Und da kommt einer und sagt provokativ: «Der Stuhl muss weg!» – lesen Sie dazu den Beitrag über die Bewegungsphilosophie von Karl Müller. Gleich danach in Anlehnung daran die amüsanten und tief schürfenden Darstellungen über «Stuhlosophisches».

Andrea Jansen, die junge, quirlige und sympathische TV-Moderatorin aus Bern, ist unser Gast im Promitalk. Sie verkörpert die junge Generation unserer Leserschaft, denn unsere Themen richten sich an alle Altersgruppen. Es wächst allgemein die Einsicht, dass Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit unschätzbare Güter sind.

Wie stark sind Sie? Mit unserem Test auf Seite 23 können Sie mit drei simplen Übungen Ihre Rumpfkraft ermitteln. Nehmen Sie sich Zeit, die drei Testübungen zu absolvieren, dann wissen Sie sogleich, ob Sie sich in Zukunft doch noch etwas mehr bewegen sollten.

Gutes Licht hat nicht nur auf den Körper, sondern auch auf den Geist einen positiven Einfluss, und abwechselndes Stehen und Sitzen bei der Arbeit als sinnvolle Kombination erhält auch in Grossbetrieben ein immer stärkeres Gewicht.

Gutes Sitzen beginnt schon lange, bevor Sie sich einen neuen Stuhl anschaffen. Am Beispiel Vitra erfahren Sie, was sich in Sachen neuer Werkstoffe tut. Und am Beispiel der UBS erhalten Sie einen Einblick in die «Sitzkultur» einer der ganz grossen Unternehmungen der Schweiz.

Unter dem Titel «Kinderrücken in Gefahr» lesen Sie, dass gutes Sitzen schon im Kindesalter wichtig ist. Und wer geglaubt hat, dass es egal ist, was für Schuhe man trägt, sollte unbedingt den Beitrag «Schuhe müssen schon zu Beginn passen» lesen. Es ist ein volles Programm geworden – mit wertvollen Hinweisen und Tipps und im Mittelteil mit einer grossen Auswahl an Wohlfühl-Sitzmöbeln, die wir von Herstellern ergonomischer Produkte aus aller Welt für Sie ausgewählt haben. Für mehr Informationen wenden Sie sich an eines der Rückenzentren in Ihrer Nähe – die Adresse finden Sie auf der letzten Umschlagseite. Nun wünschen wir Ihnen gute Gesundheit, Erfolg und viel Spass beim Lesen von «gesundsitzen». Arbeitsgemeinschaft Gesundes Sitzen

Editorial

Kurt Schneider

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Wohlbefinden und Produktivität

Gut belichtet am Arbeitsplatz Text: Urs Berger, Fotos: Belux AG

Licht gehört neben Luft, Wasser und der Nahrung zu den vier Grundelementen, die Leben auf unserem Planeten erst möglich machen. Der Einfluss des Lichts, insbesondere des Sonnenlichts, auf das Wohlbefinden und die Stimmung von uns Menschen ist evident. Zu viel Sonnenlicht kann sich aber auch schädlich auswirken. Zu wenig Licht wirkt sich negativ auf das allgemeine Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit aus.

Life Style

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Physikalisch gesehen, ist Licht der sichtbare Bereich der elektromagnetischen Strahlung und besteht aus Wellenlängen von 380 bis 780 Nanometer (nm). In allen Kulturen wird das Licht bzw. die Sonne als Sinnbild für göttliches Wirken interpretiert. Denn ohne Licht würde es auf der Erde kein Leben geben.

Mit der Entdeckung des Feuers und später durch die Erfindung der Glühbirne als Lichtquellen konnte erstmals in der Menschheitsgeschichte die belastende Dunkelheit überwunden und die Nacht zum Tage gemacht werden. Das Licht, insbesondere die wärmenden Sonnenstrahlen, bestehend unter anderen aus der Wärme spendenden Infrarot-Strahlung (IR), der sichtbaren Strahlung (Licht) und der ultravioletten Strahlung (UV), beeinflusst unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit auf unterschiedliche Art und Weise. Neben der Intensität der Bestrahlung ist aber auch die Qualität des Lichtes von grosser Bedeutung.

Licht fördert den Stoffwechsel Ein wesentlicher Teil des Lichtes wird über die Augen aufgenommen. Ebenso gelangt Licht über die Haut und über die Nahrung in den menschlichen Körper und fördert unter anderem die Bildung lebenswichtiger Vitamine und wirkt zudem heilend bei Krankheiten. Licht hebt eindeutig die Lebenslust und stärkt das Immunsystem.

Licht steigert das Wohlbefinden am Arbeitsplatz Je nach Arbeitsplatz variiert der Lichtbedarf. Wer in der freien Natur arbeitet, ist besser «beleuchtet» als diejenigen, die in Büros, Werkstätten oder Fabrikhallen tätig sind. Der Nutzen des Lichts lässt sich gemäss Ch. Schierz, ETH Zürich, in drei Kategorien aufteilen: Sehen mit Licht – Aktivieren mit Licht – Wohlfühlen mit Licht. Sehen und Wahrnehmen werden in einem Raum durch die Lichtquellen beeinflusst. Ältere Menschen benötigen in der Regel mehr Licht als jüngere. Es ist also darauf zu achten, dass die Raumbeleuchtung so abgestimmt wird, dass es weder zu Blend-


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gesundsitzen wollte von Benny Riz, Leiter Lichtplanung bei der Belux AG, erfahren, was in der Raumbeleuchtung heute im Trend ist.

Die psychologisch-biologische Aktivierung ist laut Schierz möglicherweise die wichtigste Lichtwirkung im Büro. Durch die moderne Bildschirmtechnik (Flachbildschirme) kann der Gestaltung der Raumbeleuchtung mehr Gewicht gegeben werden. Mit welcher Raumbeleuchtung kann das subjektive Wohlbefinden der Menschen gehoben werden? Eine Frage, die sich nicht nach generellen DIN-Normen über einen Leisten schlagen lässt. Oft wird das Tageslicht als optimale Lichtvoraussetzung verstanden. Nur ist das natürliche Tageslicht sehr unterschiedlich in seiner Intensität. Wer möchte schon das gleissende Licht der Mittagssonne oder die zunehmende Dunkelheit bei aufziehenden Gewitterwolken in seinem Büro reproduzieren.

Überzeugende Lichtkonzepte für Büro und zu Hause kommen aus Birsfelden Herauszufinden, welche Lichtform und -quelle für Büro-, Produktions- und Wohnräume sich am besten eignen, gehört bei der Belux AG aus Birsfelden seit 40 Jahren zur täglichen Arbeit. Belux AG wurde 2001 zu einem Teil der Vitra-Gruppe und produziert seit 1970 technisch durchdachte Beleuchtungskonzepte, die sowohl im Office- wie im Homebereich für grosse Aufmerksamkeit sorgen.

gesundsitzen: Was hat sich in den letzten 10 Jahren im Wesentlichen verändert? Durch die technische Entwicklung wurden die Lichtquellen und Betriebsgeräte verkleinert und effizienter. Halbleitertechnik (LED) hat die Niedervolttechnik abgelöst. Farbstimmungen durch Lichtfarbenmischung wurden dank ausgereifter Technik zu einem Trend.

gesundsitzen: Wie sieht ein optimales Raumbeleuchtungskonzept für ein Einzelbüro und wie für ein Grossraumbüro aus? Grundsätzlich fühlt man sich unter dem Sonnenlicht am behaglichsten, denn das Sonnenlicht deckt sämtliche Lichtfarben ab (Vollspektrumquelle) und hat eine hohe Intensität. Diese Tatsache unterstützen wir bei der Entwicklung von Licht für Arbeitsplätze. Unsere Leuchten verteilen 70% des Lichtes indirekt über die Decke und 30% direkt auf den Arbeitsplatz. So erscheinen die Räume hell und freundlich. Zusätzlich soll durch Regelung von Kunstlicht und Naturlicht die Energieeffizenz gesteigert werden. Eine gute Lichtplanung berücksichtigt zudem die Tätigkeit wie auch die individuelle Lichtanforderung jedes Menschen. gesundsitzen: Kürzlich konnte man in den Medien lesen, dass die gute alte Glühbirne verboten werden soll. Ist die Lichtstoffröhre besser oder gibt es neue Lichtquellen mit weniger Stromverbrauch bzw. besserem Wirkungsgrad?

Life Style

effekten noch Kontrastreduktionen kommen kann. Gegenlicht ist besonders beim Arbeiten am Bildschirm zu vermeiden.

gesundsitzen: Herr Riz, Licht ist nicht gleich Licht, besonders in Räumen. Wo setzen Sie die Prioritäten beim Entwickeln von neuen Beleuchtungskörpern? Benny Riz: Leuchten sollen im professionellen Bereich den Normen entsprechen, formal gut verpackt und haptisch gefällig sein. Wir legen Wert auf gefällige Innovationen, welche im Bürobereich auch den Normen entsprechen.

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Grundsätzlich hat jede Lichtquelle ihre Vor- und Nachteile. So deckt die Glühlampe im Gegensatz zu den Fluoreszenzlampen das volle Lichtspektrum ab, lässt sich beliebig schalten und einfach dimmen und benötigt keine Betriebsgeräte. Die Leuchtstofflampen eignen sich bestens für homogenes, wirtschaftliches Grundlicht bei langer Brenndauer. Die Lampenlebensdauer einer Leuchtstofflampe ist bei 12’000 Brennstunden im Vergleich zu Glühlampen (1000 Std.) sehr hoch. So gesehen hat jede Lichtquelle ihre eigenen Vorteile und Einsatzgebiete. Die Diskussion beschränkt sich auf das Licht vermutlich deshalb, weil Licht die einzige sichtbare Form von Energie ist und wir deshalb darauf sensibilisiert sind. Ich denke eher, dass jede Lichtquelle in der Lichtplanung einfach richtig eingesetzt werden sollte. Das Verbot soll seltsamerweise Halogenlampen nicht einschliessen. gesundsitzen: Gibt es allgemeine Trends in der Raumbeleuchtung? Die Beleuchtung wird wieder persönlicher. Energiesparleuchten auf dem Arbeitstisch, Lichtinseln mit beweglichen Tischleuchten und individuelle Steuerung sind sehr im Trend. Bei Grossraumbüros werden durch Steuerung und Regelung energieeffiziente Anlagen geplant.

Life Style

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gesundsitzen: Wie kann eigentlich das Wohlbefinden von Menschen durch die Raumbeleuchtung beeinflusst werden? Je nach Tätigkeit benötigen wir anderes Licht. Helligkeitsunterschiede (Lichtinseln), Farbtemperaturen, Farbwiedergaben und Lichtfarbe spielen dabei eine wichtige Rolle sowohl im Heim- wie auch im Bürobereich. Dynamisches Licht, welches dem Tagesablauf nachempfunden ist, kann sich ebenfalls auf das Wohlbefinden positiv auswirken. Bei der Wahl des Lichtes soll immer die Tätigkeit im Mittelpunkt stehen. gesundsitzen: Wie ist eigentlich Ihr Büro beleuchtet? Zwei Lichtbänder können bis 2000 Lux stufenlos regulieren. Die Leuchten verteilen das Licht mit 70% indirektem und 30% direktem Licht. An der Wand befindet sich eine Lichtskulptur in roter Farbe, welche ebenfalls regulierbar ist. gesundsitzen: Benny Riz – wir danken Ihnen für das Gespräch.

BLOSSOM

Mehr Infos: www.belux.com


Promitalk

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SESShaft in Bern Text: Jamie Wong-li, Fotos: Oliver Öttli

Wache Augen, warmes Lachen: Auch von Angesicht zu Angesicht bezaubert die populäre TV-Moderatorin Andrea Jansen mit ihrer gewinnenden Persönlichkeit. Nationale Bekanntheit erlangte sie mit «Joya rennt» in Sat.1 Schweiz und als «Music Star»-Moderatorin auf SF1. «gesundsitzen» lud die selbstbewusste junge Frau zu Cappuccino und Gespräch im Kornhaus Bern ein.


Promitalk

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Andrea Jansen empfängt uns in Bern im Kornhauscafé. «Ich bin viel hier, ist doch gemütlich? Ausserdem wohne ich ganz in der Nähe», erklärt sie ihre Ortswahl. Warum aber Wohnort Bern, wo doch die Medien, besonders das Fernsehen, vor allem in Zürich agieren? «Meine Familie, die engsten Freunde und mein Partner wohnen hier. Ich brauche mein Umfeld ohne diesen ganzen TV-Mikrokosmos. Zudem studiere ich in Fribourg, das ist von Bern aus näher zu erreichen», meint Andrea Jansen.

Früh übt sich, wer eine gute Moderatorin werden will Unweit von unserer behaglichen Bundeshauptstadt entfernt, wuchs Andrea Jansen in Ittigen auf. In jungen Jahren schon entdeckte sie ihr rhetorisches Talent. «Ich hatte nie Mühe, vor Menschen zu reden. Ich liebte es, in der Schule Vorträge und vor meinen Verwandten Ansprachen zu halten.» Hand in Hand mit ihrer Begabung, frei zu reden, ging auch ihr Schreibtalent einher. Sie nahm

an Literaturwettbewerben teil und jobbte in ihren Ferien als Redaktorin und Übersetzerin. Als Krönung ihrer Matur, erhielt sie die Auszeichnung für den besten Aufsatz. Und so ist wohl ihr Studium der Medienwissenschaften, Journalistik und Zeitgeschichte die logische Folge davon.

Erste Schritte vor der Kamera ... «Als ich letzthin bei mir aufgeräumt habe, entdeckte ich in meinem Fundus das Video mit meinen ersten Moderatoren-Bemühungen – eine ziemlich üble Angelegenheit ...», lacht Andrea Jansen und meint damit ihre ersten Gehversuche als Moderatorin für die Sendung «Videogang» auf Tele24. Das liegt nun bereits fast 10 Jahre zurück. Hat sie denn heute überhaupt noch Lampenfieber, wollten wir wissen? «Aber ja, unbedingt», meint sie prompt, «ich brauche diesen Kick, ob ich eine Sendung oder eine private Veranstaltung moderiere. Es steigert meine Konzentrationsfähigkeit und

verleiht mir auf der Bühne oder vor der Kamera die richtige Präsenz.»

... und auf dem Glatteis Nach Beginn ihres Studiums und den Erfahrungen als Radiomoderatorin absolvierte Andrea Jansen beim Schlittschuhclub Bern (SCB) ein Praktikum als Medienverantwortliche. Sie war die erste Frau in diesem Job: «Eine sehr anstrengende, aber interessante Zeit, in der ich gelernt habe, mich auch in schwierigen Situationen zu behaupten», blickt sie mit einem verschmitzten Lächeln auf ihre kurze ‹Eishockeykarriere› zurück.

Und plötzlich ist frau Promi Den Durchbruch erlebte sie 2004 mit der Sendung «Joya rennt», die auf Sat.1 Schweiz ausgestrahlt wurde. Ende 2003 wurde sie aus 400 Bewerberinnen als Moderatorin der temporeichen Dating-Show ausgewählt. Trotz ihrer Popularität landauf und landab und ihrer Schlagfertigkeit beim Moderieren ist ihr eine gewisse Zurück-


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Talken mit Menschen

© SF / Christian Lanz

Welche Moderatorin und welcher Moderator träumt nicht von einer eigenen Sendung? Doch nicht immer kann ein Sender gleich ein

passendes Format anbieten. Da wird lange zum Voraus geplant, auf Trends geachtet und Schwerpunkte gesetzt. Ein Glücksfall, wenn die Nachfrage auf das gewünschte Profil stimmt. Und im Moment sei das eben nicht der Fall, meint Andrea Jansen, zu deren beruflichen Vorbildern übrigens die Medienfrau Mona Vetsch gehört (siehe «gesundsitzen», Ausgabe 2005/06). Doch was wäre denn für sie eine ideale Sendung? «Zum Beispiel Begegnungen mit verschiedenen Leuten, die spezielle Berufe ausüben oder besondere Fähigkeiten besitzen. Diese Menschen zu besuchen, in deren Welt einzutauchen und dann das Erlebte weiterzugeben, das wäre spannend!», ist sie überzeugt.

«Ich bin sehr diszipliniert und perfektionistisch», schiesst es gleich aus ihr hervor, um sofort hinzuzufügen, «aber nur in meiner Arbeit. Egal, wie klein der Auftrag ist, ich gebe immer alles. Dafür lassen meine sportlichen Ambitionen eher zu wünschen übrig ...» Trotzdem mache sie regelmässig Power-Yoga und schwinge sich auch mal auf ihren Crosstrainer, und sie ernähre sich möglichst von Frischprodukten. In ihrer Freizeit geniesse sie vor allem das Zusammensein mit Freunden, die sie auch mal gerne bekocht, köstlichen Wein und ausgiebige Streifzüge durchs Nachtleben. Welche Qualitäten mag sie besonders an sich? «Meine Direktheit und Ehrlichkeit. Ich habe ein

gutes Einfühlungsvermögen und kann gut zuhören.» Doch ungeduldig sei sie und beschreibt dabei ihre eigene Vorstellung von Tortur: «Die Hölle besteht wahrscheinlich aus einer unendlichen Schlange an der Migros-Kasse oder einer niemals endenden Tramfahrt im Hochsommer.»

Ihr Sitz-Liebling? Eine Lieblingssitzgelegenheit habe sie in dem Sinne nicht, lässt Andrea Jansen wissen, aber sie sitze am liebsten auf ihrem Sofa, «... total eingekuschelt und mit Decke und so». Sie habe ausserdem einen 15 Jahre alten und «unglaublich hässlichen» Bürostuhl, auf dem sie sitzend momentan ihre Lizenziatsarbeit schreibt. Aus unerfindlichen Gründen habe sie ihn aber noch nicht ausgewechselt. «Guten Tag», begrüsst uns unvermittelt eine freundliche Dame während des Fotoshootings mit Andrea Jansen. «Das isch mys Mami», kommt von Andrea Jansen die Erklärung über den aufgetauchten Besuch. Das macht die ganze Begegnung noch sympathischer – familiär und ungezwungen.

Promitalk

Andrea Jansen über sich

© Benjamin Zurbriggen

haltung, ja gar Schüchternheit zu eigen. Sympathisch. Die charmante Bernerin ist ganz und gar ‹auf dem Boden› geblieben. «Als ich Music Star moderierte, erlebte ich hautnah, was schneller Ruhm anrichten kann. An einem Tag wurden die Kandidaten von den Medien hochgejubelt, am nächsten Tag bereits wieder totgeschwiegen. Wenn man sich nicht darauf vorbereiten kann, dass man nur temporär im Mittelpunkt steht, kann sich das verheerend auf die Psyche auswirken», weiss Andrea Jansen aus ihrer Music-Star-Zeit zu erzählen. «Obschon ich mich durch mein Studium auf den Rummel meines Jobs etwas vorbereiten konnte, erlebte ich selber immer wieder eine gewisse Überforderung. Eine Fernsehproduktion ist immer sehr intensiv. Zeitweise konnte ich nicht mehr richtig ‹runterfahren› – bis mich mein Körper dann gebremst hat. Einmal wurde ich zwei Stunden nach Drehschluss mit einer Blinddarmentzündung ins Spital eingeliefert.» Der Nimbus einer TV-Präsentatorin ruft manchmal auch privat unangenehme Situationen hervor. So werde sie im Ausgang von Wildfremden mit dem Handy abgelichtet oder mitten in einem privaten Gespräch von Unbekannten unterbrochen: «... als könne jeder jederzeit über mich verfügen.»

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Federleichtes Stehen und Bewegen, das den Alltag verändert

«Der Stuhl muss weg» Interview mit Karl Müller, Erfinder der kybun Bewegungsphilosophie

Menschen vom passiven Sitzen zum aktiven Stehen zu bewegen, genau das ist die Vision von MBT-Erfinder Karl Müller aus Roggwil im Thurgau. Nach dem Verkauf seines MBT-Imperiums im 2006 präsentiert er nun mit kybun neue, innovative Lösungen.

Trends & Wissen

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gesundsitzen: Warum haben Sie MBT verkauft? Karl Müller: Ich wollte MBT in ein Trainingstherapie-Programm weiter entwickeln. Meine Partner sahen darin aber eine Lifestyle-Marke in der Schuhbranche. Der Glaube an das noch grössere Potenzial von kybun hat mich zum Verkauf von MBT bewogen. gesundsitzen: Was genau ist kybun? Karl Müller: Der Name kybun stammt aus dem Koreanischen und bedeutet «Gefühl, Befinden» und ist eine von mir entwickelte, neuartige Trainingsmethode, die den Gefühlszustand von Menschen mit Gehschmerzen, Übergewicht oder Bewegungsmangel verbessert. Das Knowhow für die kybun Bewegungstechnologie habe ich mir in den vergangenen zehn Jahren im Zusammenhang mit der Entwicklung des MBTs am eigenen Körper angeeignet. Dazu kam die Schulung tausender Kunden und Weiterbildungen im Bereich Biomechanik, Medizin sowie funktioneller Trainings- und Bewegungslehre.

gesundsitzen: Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen? Karl Müller: Vier Dinge: 1. Der Mensch bewegt sich besser, lieber und schmerzfreier auf sehr weichen Unterlagen. 2. Er sollte sich möglichst nie schonen – auch nicht bei orthopädischen Problemen. 3. Er sollte die Art der Bewegung immer wechseln und 4. Er sollte stehen statt sitzen. gesundsitzen: Mit welchen Mitteln wollen Sie dies umsetzen? Karl Müller: Aus meinen Erfahrungen heraus habe ich den weichen, elastischen Federboden – den kyBounder – entwickelt. Der spezielle Schaumstoff hat einen hohen Rückfederungseffekt. Alleine das Stehen darauf trainiert vor allem die Stand- und Haltungsmuskulatur, die dabei ständig aktiv sein muss, um das Gleichgewicht zu wahren.

kyBounder

Das Micro Intervall Laufband – den kyTrainer – erfand ich, weil ich erkannt habe, dass man nach Balancierübungen immer wieder locker traben muss, um Muskelverspannungen zu lösen. Das Laufband automatisiert diese Geschwindigkeitswechsel. Noch revolutionärer ist für mich der kyDesk, das Geh- und Fitnesspult. Es lässt sich mühelos ans Micro Intervall Laufband anbringen oder zusammen mit

kyTrainer mit kyDesk

dem kyBounder benutzen. Ich gehe so während meiner Arbeit am Laptop zwischen 10 bis 25 Kilometer – und das täglich. Der Effekt: Ich werde nicht müde, baue dafür Stress ab, verbrauche eine Menge Kalorien und habe ohne Zeitverlust ein Training inklusive. gesundsitzen: Wo sehen Sie Ihre Zielgruppen? Karl Müller: Es gibt vier Hauptgruppen. 1. Im Alltag: Federleicht stehen vor dem Fernseher, in der Küche, am Bügeltisch oder im Bad beim Föhnen. 2. In der Therapie: Unsere Erfahrungen aus den kybun Centern St. Gallen, Luzern, Roggwil und Villach (Österreich) zeigen, dass die Kombination Federboden / Laufband vor allem bei orthopädischen Problemen der Füsse, Knie, Hüfte und des Rückens Wirkung zeigt. 3. In der Schule: Es gibt keinen Grund, warum Kinder im Unterricht sitzen müssten. Federleicht auf dem kyBounder stehen fördert die Konzentration, macht intelligent, trainiert


04/2007/08 · gesundsitzen

Mehr Komfort mit neuen Werkstoffen

Klima Sitz® – das patentierte Vlies für höchsten Sitzkomfort

Mehr Sitzkomfort dank neuem Vlies

Spürbare Innovation «Design ist unsichtbar», formulierte Lucius Burckhardt, Schweizer Nationalökonom bereits Anfang der 1980er Jahre. Auch technologische Innovationen sind mitunter unsichtbar. Beim Klima Sitz® lässt sich das Resultat allerdings spüren. Im Gegensatz zum Design lässt es sich sogar genau messen und quantifizieren. Die Wirksamkeit des patentierten Klima Sitz®, der 1999 im Rahmen des Vitra-Projektes «Sitzen ohne Schwitzen!» entwickelt wurde, ist wissenschaftlich belegt. Untersuchungen des Hohensteiner Instituts und des Ergonomie Instituts München bestätigten: Bezogen auf den thermophysiologischen Sitzkomfort ist Klima Sitz® allen anderen derzeit erhältlichen Lösungen weit überlegen.

Klima Sitz®-Vlies Abstandsgewirke «Skin»

Einzigartig ist die Kombination von Klima Sitz® mit dem von Vitra verwendeten dreidimensionalen Abstandsgewirke «Skin». «Skin» ist ein Maschenstoff, der aus zwei textilen Aussenflächen besteht, die mit Abstandsfäden (Polfäden) verbunden sind und von diesen gleichzeitig auf Distanz gehalten werden. «Skin» ermöglicht auch unter Belastung eine stark verbesserte Luftzirkulation und verfügt zudem über eine angenehme Haptik. Die Verbindung der Feuchtigkeitsabsorption des Klima Sitz® mit der Luftdurchlässigkeit von «Skin» fördert den Sitzkomfort enorm.

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Test bestanden Steigt die Luftfeuchtigkeit beim Sitzen über 80 Prozent an, spricht man vom Diskomfortbereich. Das Sitzen wird unangenehm und es kommt zum Feuchtigkeitsempfinden bei den Sitzkontaktflächen. Tests mit «Klimadummys» ergaben, dass selbst eine stark schwitzende Person, die an einem warmen Sommertag 8 Stunden lang nie aufstehen würde, den Diskomfortbereich mit Klima Sitz® erst nach circa 6 bis 8 Stunden erreicht. Mit herkömmlichen Polstern wird unter den gleichen Bedingungen die Grenze bereits nach einer Stunde überschritten.

Grosses Interesse Die physikalischen Eigenschaften des Klima Sitz® sind so überzeugend, dass diese patentierte Vitra-Entwicklung derzeit von namhaften Herstellern der Autoindustrie erprobt wird und auch weitere Anwendungsbereiche denkbar sind.

Design by Mario Bellini und Claudio Bellini

Bei hohen Temperaturen kann längeres Sitzen im Büro unangenehm werden, denn in herkömmlichen Polsterstühlen staut sich der Wasserdampf. Vitra hat diese Problematik analysiert und eine Lösung entwickelt, die das Sitzklima mit der technischen Innovation Klima Sitz® deutlich verbessert. Das dünne poröse Vlies zwischen Sitzbezug und Polsterung besteht aus Polyester. Über die Polyesterfaser wird ein spezielles Absorbermaterial polymerisiert, es entsteht ein Gerüst aus vielen kleinen Teilen mit einer stark vergrösserten Oberfläche, die eine optimale Wasserdampfaufnahme ermöglicht.

Ideale Kombination

Design & Werkstoffe

Klima Sitz®, eine patentierte Entwicklung von Vitra, ist ein unter den Sitzbezug gelegtes, atmungsaktives Vlies. Es ist ein so genannter Superabsorber, der das 400-fache seines Eigengewichtes an Wasserdampf speichern und binnen kürzester Zeit wieder an die Umgebung abgeben kann.

Neu von Vitra: Bürostuhl HeadLine Er ist der Stuhl für alle, die bei der Arbeit gesünder sitzen wollen. Der flexible Rücken der zweiteiligen Rückenlehnenkonstruktion passt sich automatisch und in jeder Position an – beim Zurücklehnen wird die obere Wirbelsäule entlastet. www.vitra.com/headline


04/2007/08 · gesundsitzen

Mehr Komfort mit neuen Werkstoffen

Klima Sitz® – das patentierte Vlies für höchsten Sitzkomfort

Mehr Sitzkomfort dank neuem Vlies

Spürbare Innovation «Design ist unsichtbar», formulierte Lucius Burckhardt, Schweizer Nationalökonom bereits Anfang der 1980er Jahre. Auch technologische Innovationen sind mitunter unsichtbar. Beim Klima Sitz® lässt sich das Resultat allerdings spüren. Im Gegensatz zum Design lässt es sich sogar genau messen und quantifizieren. Die Wirksamkeit des patentierten Klima Sitz®, der 1999 im Rahmen des Vitra-Projektes «Sitzen ohne Schwitzen!» entwickelt wurde, ist wissenschaftlich belegt. Untersuchungen des Hohensteiner Instituts und des Ergonomie Instituts München bestätigten: Bezogen auf den thermophysiologischen Sitzkomfort ist Klima Sitz® allen anderen derzeit erhältlichen Lösungen weit überlegen.

Klima Sitz®-Vlies Abstandsgewirke «Skin»

Einzigartig ist die Kombination von Klima Sitz® mit dem von Vitra verwendeten dreidimensionalen Abstandsgewirke «Skin». «Skin» ist ein Maschenstoff, der aus zwei textilen Aussenflächen besteht, die mit Abstandsfäden (Polfäden) verbunden sind und von diesen gleichzeitig auf Distanz gehalten werden. «Skin» ermöglicht auch unter Belastung eine stark verbesserte Luftzirkulation und verfügt zudem über eine angenehme Haptik. Die Verbindung der Feuchtigkeitsabsorption des Klima Sitz® mit der Luftdurchlässigkeit von «Skin» fördert den Sitzkomfort enorm.

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Test bestanden Steigt die Luftfeuchtigkeit beim Sitzen über 80 Prozent an, spricht man vom Diskomfortbereich. Das Sitzen wird unangenehm und es kommt zum Feuchtigkeitsempfinden bei den Sitzkontaktflächen. Tests mit «Klimadummys» ergaben, dass selbst eine stark schwitzende Person, die an einem warmen Sommertag 8 Stunden lang nie aufstehen würde, den Diskomfortbereich mit Klima Sitz® erst nach circa 6 bis 8 Stunden erreicht. Mit herkömmlichen Polstern wird unter den gleichen Bedingungen die Grenze bereits nach einer Stunde überschritten.

Grosses Interesse Die physikalischen Eigenschaften des Klima Sitz® sind so überzeugend, dass diese patentierte Vitra-Entwicklung derzeit von namhaften Herstellern der Autoindustrie erprobt wird und auch weitere Anwendungsbereiche denkbar sind.

Design by Mario Bellini und Claudio Bellini

Bei hohen Temperaturen kann längeres Sitzen im Büro unangenehm werden, denn in herkömmlichen Polsterstühlen staut sich der Wasserdampf. Vitra hat diese Problematik analysiert und eine Lösung entwickelt, die das Sitzklima mit der technischen Innovation Klima Sitz® deutlich verbessert. Das dünne poröse Vlies zwischen Sitzbezug und Polsterung besteht aus Polyester. Über die Polyesterfaser wird ein spezielles Absorbermaterial polymerisiert, es entsteht ein Gerüst aus vielen kleinen Teilen mit einer stark vergrösserten Oberfläche, die eine optimale Wasserdampfaufnahme ermöglicht.

Ideale Kombination

Design & Werkstoffe

Klima Sitz®, eine patentierte Entwicklung von Vitra, ist ein unter den Sitzbezug gelegtes, atmungsaktives Vlies. Es ist ein so genannter Superabsorber, der das 400-fache seines Eigengewichtes an Wasserdampf speichern und binnen kürzester Zeit wieder an die Umgebung abgeben kann.

Neu von Vitra: Bürostuhl HeadLine Er ist der Stuhl für alle, die bei der Arbeit gesünder sitzen wollen. Der flexible Rücken der zweiteiligen Rückenlehnenkonstruktion passt sich automatisch und in jeder Position an – beim Zurücklehnen wird die obere Wirbelsäule entlastet. www.vitra.com/headline


Betrachtungen

«Stuhlosophisches ...» Bewegungsfanatiker bezeichnen das Sitzen immer wieder als unphysiologisch und widernatürlich. Uns wird suggeriert, dass das menschliche Individuum entweder zum Liegen oder Laufen geschaffen ist. Zweifelhafte Vergleiche mit «Naturvölkern», bei denen der Stuhl nach wie vor inexistent sei, werden als Beweisführung herbeigezogen. Dies führt uns zur unvermeidbaren Frage, ob denn Sitzen unmenschlich ist? Unser Aktionsradius ist rund 20 km

Trends & Wissen

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Tatsache ist, dass der Mensch von seinem Bewegungsapparat und Stoffwechsel her für einen täglichen Aktionsradius (dies erst noch in leichtem Trab!) von 15 bis 20 km geschaffen ist. Wie sieht es aber in Tat und Wahrheit aus? Diverse Arbeiten an unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ergeben einen Durchschnitt von 700 bis 800 m täglich, dazu futtert der ausgewachsene Mitteleuropäer 700 Kalorien täglich mehr als noch vor hundert Jahren, obwohl er sich um 90 (neunzig!) Prozent körperlich weniger anstrengt. Diese «Bilanz» ist der Ursprung epidemieartig sich ausbreitender Stoffwechselerkrankungen sowie von Beschwerden am Bewegungsapparat, insbesondere der Wirbelsäule.

Der Stuhl als «Übeltäter»? Ist damit der Stuhl als der Übeltäter schlechthin in unserem Gesundheitswesen überführt? Der Stuhl gewissermassen als der Hauptrisikofaktor obenstehender Beschwerden, vielleicht nach dem Motto «erst der Stuhl macht das Fett»? Müssen jetzt auch Stühle mit einer Warnung des Bundesamtes für Gesundheitswesen versehen werden: «Übermässiges Sitzen kann zum Tode führen!»?

Was der Volksmund sagt Begeben wir uns kurz in die gemeinen Niederungen des Volksmundes, begegnen uns auch dort nicht nur vorteilhafte StuhlZusammenhänge: «Diese Situation muss er nun aussitzen.» oder «Er muss die Gefängnisstrafe absitzen.» – Obschon dort entweder auf den Pritschen gelegen oder im Gefängnishof gegangen wird, was wiederum ja der Forderung nach Liegen oder Laufen absolut entspricht und uns zeigt, dass zumindest die Bewegungsphysiologie im Strafvollzug ihre korrekte Umsetzung im Sinne der humanen Anatomie findet und damit einen wesentlichen Beitrag zur Prävention der selbstinduzierten menschlichen Metamorphose vom Menschen als Bewegungstier zum homo curvatus sedans, zum sitzenden Krümmling leistet. «Die Angst sitzt ihr im Nacken.» – Interessant ist, dass gerade der Nacken im Bereich des Sitzens und der damit assoziierten Möbelindustrie bisher eine stiefmütterlich behandelte quantité négligeable darstellte. Zu Unrecht:

Veränderte Blickrichtung Durch die Veränderung unseres Schreibinstrumentariums von der Schreibmaschine mit relativ hartem Anschlag und entsprechender Forderung der Handgelenksstrukturen, insbesondere bei langer repetitiver Anwendung, zum PC mit «weichem» Keyboard, aber vollständig veränderter Blickrichtung, haben sich auch die Beschwerden zum Nacken hin verschoben. Das phasenweise beinahe Eintauchen des Kopfes in den Bildschirm mit der entsprechenden Zugwirkung auf die Halswirbelsäule, unterstützt durch gravitatorisch auf den Kopf wirkende Kräfte in zunehmender Vorneigung desselben, führt bereits bei jungen Menschen nach wenigen Jahren zu teilweise erstaunlichen, nicht selten schmerzhaften Verspannungen und Verhärtungen. Da sitzt nicht die Angst, sondern der Computer


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Bedeutet Sitzen Ruhe? Betrachten wir unsere Geistesnahrung, stellen wir auch dort Dualität fest: Lehrten etwa Peripathetiker wie Alexander der Grosse ihre Schüler in leichtem Trab, so waren mittelalterliche Mystiker wie der Meister Eckhart der Meinung, dass Sitzen Ruhe bedeutet: «Wer sitzt, ist bereiter, klare Dinge hervorzubringen, als wer geht oder steht.» Wissenschaftlich bewiesen ist, dass die Hirndurchblutung unter moderat erhöhter Herzfrequenz (aerob = unter Sauerstoff-Überschuss) deutlich gesteigert ist. Geistesblitze oder Kreativitätsstürme werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nach langem Sitzen mit bedrohlicher Verkürzung des NasenTischplatten-Abstandes erzeugt, sondern unter körperlicher Aktivierung. Die Umsetzung und Kanalisierung derselben braucht dann allerdings die wahrscheinlich von Meister Eckhart gemeinte (Sitz)Ruhe.

Sitzen soll so dynamisch wie möglich gestaltet werden: • Unterbrechen des Sitzens durch kurzes Management by walking around • Kompensation der sitzenden Tätigkeit durch regelmässige ausgleichende Körperaktivität, die das Bedienen der Maus, des Gaspedals sowie des Liftknopfes deutlich übersteigt ... • Während des Sitzprozesses kann nur gelten: «Veränderbares Sitzen = bequemes Sitzen = richtiges Sitzen!» • Der «Körperrest» (= alles ausser dem Kopf) ist nicht nur für den Transport desselben zuständig ... © Dr. med. Marco Caimi, Basel/Frenkendorf/Liestal

Kommunikativ gesehen ist das Sitzen die zumindest industriell induzierte bevorzugte Grundhaltung. Daher spricht man auch von Sitzung. Betrachtet man jedoch oft das Endprodukt solcher Sitzungen, wäre es durchaus sinnvoll, dass in den täglichen Neuerscheinungen der Management-Literatur selbstberufener Führungsgurus durchaus auch Stehungen oder gar Laufungen in Ergänzung zu den Sitzungen zumindest hirnphysiologisch in Erwägung gezogen werden sollten.

Körper und Geist Der Mensch lebt aber nicht nur von seinem Körper, sondern auch von seiner Seele. Die Bekömmlichkeit und Sinnlichkeit eines Gespräches, verbunden mit einem guten Glas Wein, dürfte durch eine entspannte Sitzhaltung wahrscheinlich mehr Auftrieb erhalten als durch ein Silbenstakkato mit Spuckschäumchen auf holprigem Waldboden bei erhöhter Herzfrequenz und dem Konsum des Weines aus einer umgeschnallten Trinkflasche.

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im Nacken. Oder ist es die Angst vor dem Computer oder dessen intermittierenden Sinnkrisen, genannt Abstürze? Wie war das mit der Gesellschaft und dem Menschen ...?

Worklife-Balance Der Begriff der Worklife-Balance hat, wenn auch nur zögerlich, bereits Einzug in der obenstehenden erwähnten ManagementLiteratur gehalten. Dabei geht es um die Ausgewogenheit beruflichen, privatpartnerschaftlichen und sozialen Engagements sowie der Quality-Time für sich selbst. Die Mind-Body-Balance steht noch vor deren Toren: Für viele rein kopforientierte Zeitgenossen/-innen ist das Leben südlich des Kehlkopfes fragwürdig, ja teilweise gar inexistent. Da helfen dann auch ausbalancierte Sitzsysteme wenig, da der Fisch bekanntlich am Kopf zu stinken beginnt ...

Das Leben besticht durch seine Polarität: Auf Tag folgt Nacht, auf Ebbe Flut, auf Spannung Entspannung, auf Regen Sonnenschein, auf Arbeit Ruhe. Diese in sich banale Feststellung führt uns abschliessend erneut zum Volksmund, der da sagt: «Das eine tun und das andere nicht las-

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sen!» Wahrscheinlich gilt dies für Sitzen, Liegen und Laufen genauso. Wer aber sich herausnimmt, Stühle zu produzieren, sollte sich immer bewusst werden, was er dem Menschen antut – im Positiven wie im Negativen. Dr. med. Marco Caimi, ÄQUILIBRIS REHAB, Rehabilitationszentrum für den Bewegungsapparat, spez. Wirbelsäule, Basel und Frenkendorf/Liestal, Schweiz Mehr Infos: www.aequilibris.ch


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Ja 3

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3 Werde ich vor dem ersten Training zu meiner Gesundheit ■ und meiner Fitness befragt? Ja 5 Nein 0 Nein 0

5 Stehen im Zentrum ein Chiropraktor oder ein Arzt als ■ medizinisch ausgebildete Ansprechperson zur Verfügung? Ja 5 Nein 0

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7 Werden in der Einführungsphase, bis etwa zum ■ dritten Training, die Geräte und mein Trainingsaufbau auf verständliche Weise instruiert? Ja 5 Nein 0 8 Kann die Betreuungsperson meine Fragen kompetent ■

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Grinberg: Die Methode, die Ihr Wohlbefinden berührt

Schwachstellen im Rücken Langes Sitzen in einer relativ fixen Position kann Verspannungen oder Schmerzen im Rücken verstärken. Aber nicht alle haben dieselben Schwachstellen: Der eine verspürt ein Schwäche im Kreuzbereich, während die Kollegin nebenan auf demselben Stuhl vor allem ein unangenehmes Ziehen zwischen den Schulternblätter spürt.

Funktionen (Gedanken, Handlungen, Gefühle, Bedürfnisse) mit ein. Die Art, wie wir unseren Körper halten und ihn bewegen, ist für uns oft selbstverständlich oder «natürlich». Nur ein Teil dieser Körperhaltungen ist jedoch angeboren; einen grossen Teil haben wir als Kind unbewusst gelernt, sei es durch Imitation oder durch bestimmte Erlebnisse.

Schmerzen als Warnsignal Mit der Grinberg Methode individuell arbeiten Viele Beschwerden, Schwächen und Schwierigkeiten sind das Resultat von wiederholten Verhaltensweisen und Mustern. Das Ziel der Grinberg Methode besteht darin, diese Zustände im körperlichen Ausdruck differenziert wahrzunehmen und dadurch die Möglichkeit für deren bewusste Verminderung oder Auflösung zu schaffen. Die Grinberg Methode konzentriert sich nicht nur auf Körperempfindungen, sondern bezieht alle menschlichen

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Die Grinberg Methode versteht Schmerz als Warnsignal des Körpers. Rückenschmerzen entstehen z.B. durch ein Zuviel oder ein Zuwenig an Spannung der Muskeln. Mit der Grinberg Methode soll dieser meist unbemerkte Vorgang bewusst gemacht werden. In einer Therapie-Sitzung nach Grinberg macht man Sie auf alte Angewohnheiten aufmerksam. Die Praktikerin zeigt Ihnen durch Berührung, Bewegung und Atmung neue Optionen, welche Ihrem Körper weniger Schaden zufügen sollen.

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Medizin & Rücken

Rückenschmerzen sind individuell und haben unterschiedliche Ursachen. Die Grinberg Methode lehrt, wie man das Entstehen von Schmerzen erkennen, sie vermindern oder gar zum Verschwinden bringen kann.

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Rückenschmerzen müssen nicht sein Text: Urs Geiger, dipl. Physiotherapeut, GYM medico, Basel

Eine gut trainierte Rumpfmuskulatur schützt am besten vor Rückenschmerzen. Ist die Muskulatur einseitig belastet oder ausgebildet, hat das Fehlhaltungen zur Folge. Dabei wird in der Regel die Wirbelsäule beeinträchtigt, was zu Abnützungserscheinungen führen kann. Wie stark die Rumpfmuskulatur tatsächlich ist, lässt sich anhand des nachfolgend beschriebenen Selbsttests rasch ergründen.

Medizin & Rücken

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Das Verstehen des Mechanismus, welcher chronische Rückenschmerzen verursacht, ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Selbsttherapie. Jeder Schmerz führt mehr oder weniger unbewusst zu einer Schonung der betroffenen Region. Diese Immobilisation oder Reduktion der automatisierten Bewegungen bewirkt eine Verminderung der aktiven Kompensationsmöglichkeiten. Gerade die tiefe Rücken- und Bauchmuskulatur wird unbewusst vom Nervensystem gehemmt, sodass diese schon nach kurzer Zeit abschwächen (Abb.1). Gleichzeitig traut sich die betroffene Person immer weniger zu, was den chronischen Nichtgebrauch noch zusätzlich verstärkt. Die daraus resultierende Verminderung der physischen Leistungsfähigkeit begünstigt die Entstehung von zusätzlichen Beschwerden, weil die Stabilität der Wirbelsäule dadurch noch mehr vermindert wird (Abb.1).

Abb. 1. Wirkungsmechanismus zwischen Beschwerden und verminderter Aktivität.

Das Anforderungsprofil der Rumpfmuskulatur Die vielfältigen Aufgaben der Rückenmuskulatur sind durch ihre Halte-, Stütz- und Bewegungsfunktion gekennzeichnet (Abb. 2).

Abb. 2: Darstellung der angulären Beweglichkeit der verschiedenen Wirbelsäulenabschnitte in Beugung und Streckung (nach I.A. Kapandji).

Abb. 3: schematische Darstellung der muskulären Stabilisation der Wirbelsäule in beidbeiniger und einbeiniger Belastung (nach I.A.Kapanji).

Verschieden aufgebaute Muskelsysteme üben dabei spezifische Funktionen aus. Oberflächliche lange Muskelgruppen dienen primär der Erhaltung der physiologischen Form der Wirbelsäule und der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes in der Vertikalen. Das tief liegende und schräg verlaufende Muskelsystem ist für die Feineinstellung und Führung der kleinen Wirbelgelenke verantwortlich (vgl. Abb. 3).

Die viel zitierte Aussage «ein starker Rücken kennt keine Schmerzen» beinhaltet einen wichtigen Teilaspekt im Zusammenhang mit der Problematik einer störungsfreien Funktion der Wirbelsäule. Damit die elementar wichtige Fähigkeit zur Stabilisation der Wirbelkörper untereinander garantiert ist, müssen auch die seitlichen und vorderen Rumpfmuskeln einen wichtigen Teil dazu beitragen können. Nur wenn alle beteiligten Muskeln – ähnlich einem fest angezo-


Normalwerttabelle zu den drei Testübungen Geschlecht/Alter

M 20

F 20

M 40

F 40

M 60

F60

Test 1

Normwert

15

12

12

9

8

5

Ihr Wert

_________

_________

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Normwert

20

16

15

11

15

11

Ihr Wert

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_________

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Normwert

20

16

15

11

15

11

Ihr Wert

_________

_________

_________

_________

_________

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Testen Sie Ihre Rumpfmuskulatur Ist meine Muskulatur stark genug? Diese Frage können Sie sich nach Durchführung der nachfolgend beschriebenen Rehatrain®-Krafttests selber beantworten. Gemäss den vorangegangenen Überlegungen sind also drei Muskelgruppen auf ihre Kraftleistung hin zu prüfen. Es sind dies der gerade Bauchmuskel, die schrägen Bauchmuskeln und die Rückenmuskeln des Lendenbereichs. Die Rehatrain®-Krafttests sind ausgesuchte Übungen, die ohne Hilfsmittel durchgeführt werden können. Mittels dieser Testübungen kann die Leistungsfähigkeit der beteiligten Muskeln überprüft und quantifiziert werden.

Test 2

Test 3 M = Männer

F = Frauen

grund der erreichten Wiederholungszahl, die mit den Normwerten verglichen wird, kann auf ein mögliches muskuläres Defizit geschlossen werden. Der jeweilige Test und damit das Zählen der Wiederholungen wird dann abgebrochen, wenn die Übung nicht mehr korrekt über den vollen Bewegungsradius oder gleichmässig ausgeführt werden kann.

Durchführung der Tests Die Testübungen werden in einem langsamen Bewegungsrhythmus, aber flüssig und ohne Unterbrechung ausgeführt. Auf-

Auswertung/Empfehlung Wenn Sie bei allen drei Tests die Normwerte erreicht haben, dürfen Sie von einer ge-

nügend kräftigen Rumpfmuskulatur ausgehen. Gratulation! Wenn Sie bei allen Tests unter den Normwerten liegen, sollten Sie dringend etwas für Ihre Muskulatur tun. Wenn Sie nur im Test 1 oder 2 ungenügend sind, besteht bei Ihnen eine muskuläre Dysbalance, welche die Gefahr für die Entstehung chronischer Rückenbeschwerden deutlich erhöht. In diesem Fall können Sie sich an eine Physiotherapie Ihres Vertrauens wenden.

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genen Gurt – synchronisiert zusammenarbeiten, ist die Wirbelsäule vor allem im Lendenbereich ausreichend geschützt

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Test 1 Legen Sie ein festes Polster unter die Lendenwirbel. Überschlagen Sie gemäss Abbildung die Beine. Schieben Sie die zusammengehaltenen Hände aus Rückenlage (Kopf bleibt immer abgehoben) so weit als möglich neben dem Oberschenkel des abgestellten Beines nach vorn. Wiederholen Sie diese Rumpfbeugung mit Drehung, bis Sie die erstmalige Reichweite nicht mehr erreichen. Tragen Sie Ihre gültige Wiederholungszahl in der Tabelle ein und vergleichen Sie den Wert mit dem angegebenen Normwert.

Test 2 Legen Sie sich auf einen stabilen Tisch und halten Sie sich mit den vorgestreckten Armen an den Tischkanten fest. Die Beine hängen bei stark gebeugten Knien und überschlagenen Füssen frei nach unten. Ziehen Sie mit Ihrer Rückenmuskulatur das Becken so weit als möglich nach oben, bis sich ein maximal mögliches Hohlkreuz bildet; vermeiden Sie dabei ein Strecken der Hüft- und Kniegelenke.

Test 3 Legen Sie sich seitlich auf einen stabilen Tisch und lassen Sie die in Hüft- und Kniegelenken 90° gebeugten Beine herunterhängen. Mit der oben liegenden Hand halten Sie sich oben an der Tischkante fest. Ziehen Sie mit Ihrer seitlichen Rumpfmuskulatur das Becken seitlich maximal nahe zu den unteren Rippen; die Füsse machen dabei gleichzeitig eine Kreisbewegung nach oben.


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Sitztrends in Unternehmen

Die Unternehmenskultur bestimmt den Sitzkomfort am Arbeitsplatz Stephan Widmer Associate Director, Procurement Procurement Center 1, Basel

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UBS ist eines der führenden globalen Finanzinstitute und der weltweit grösste Anbieter im Wealth-Management-Geschäft. UBS gehört zu den wichtigsten Investmentbanken und Wertschriftenhäusern und zählt zu den führenden Vermögensverwaltern weltweit. Im Privat- und Firmenkundengeschäft in der Schweiz ist UBS Marktführerin. Trotz EDV und Bancomat, elektronischem Schalter und Zahlungsverkehr – im Zentrum allen Tuns steht immer noch der Mensch als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin und natürlich als Kunde. gesundsitzen hat sich mit dem Verantwortlichen für die Infrastruktur und Möblierung der Arbeitsplätze – Stephan Widmer – über die Sitztrends bei der UBS unterhalten. gesundsitzen: 27 000 Arbeitsplätze zu bestücken und zu unterhalten, ist nicht ein Halbtages-Job. Was sind die wesentlichen Herausforderungen in Ihrer Arbeit? Stephan Widmer: Nein, nur 50% Arbeitseinsatz reichen hierzu wahrlich nicht aus. Es ist aber sehr spannend, sich mit dieser Materie beruflich auseinander zu setzen. Es liegt auf der Hand, dass ich diesen Job nicht im Alleingang bewältigen kann. Mir stehen in meiner Abteilung rund 3 Personen zur Verfügung, die sich mit der operativen und strategischen

Beschaffung sowie der Realisation der verschiedenen Möblierungs- und Infrastruktur-Projekte befassen. Für Planungsund Move-Aufträge arbeiten wir mit externen Partnern zusammen. gesundsitzen: Gibt es eine Art Philosophie für die Arbeitsplatzgestaltung bei der UBS? Widmer: Nicht direkt. Wir sind aber mit unserer Tätigkeit in die Unternehmensphilosophie eingebettet, die für unsere Arbeit die Leitplanken darstellt. Wir sind eine interne Dienstleistungsstelle mit dem Auftrag, die Arbeitsplätze nach den aktuellen ergonomischen und arbeitsmedizinischen Gesichtspunkten zu gestalten und auszurüsten. gesundsitzen: Alles spricht vom dynamischen Sitzen, ist das auch ein Thema bei Ihnen? Widmer: Meinen Sie etwa damit, dass man sich oft vom Arbeitsplatz erheben

und auch mal stehend arbeiten soll? Nun ja, wir propagieren das natürlich auch und schalten zu diesem Thema auf unserem Intranet immer wieder entsprechende Informationen und Fachartikel auf mit dem Ziel, dass sich unsere Mitarbeitenden Gedanken über ihre Sitzgewohnheiten machen. Es ist bei uns aber nicht eine Doktrin, dass alle nur noch im Stehen bzw. am Stehpult arbeiten sollen. gesundsitzen: Wie sieht nun ein durchschnittlicher UBS-Arbeitsplatz aus? Widmer: Wir bieten grundsätzlich zwei Konzepte an, welche die kompletten ergonomischen Anforderungen und Suvarichtlinien erfüllen, damit wir unseren Mitarbeitenden das bestmögliche Produkt anbieten und aktiv ihr Wohlbefinden stärken können. Konzept A beinhaltet einen konventionellen Arbeitsplatz mit höhenverstellbarem Pult, Stuhl auf Rollen und den erforderlichen Ablagemöbeln. Konzept B umfasst die gleiche Grundaus-


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gesundsitzen: Welche Stuhlbezüge werden heute hauptsächlich bei der UBS bevorzugt? Widmer: Also ganz klar ist der Stoffbezug

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an erster Stelle. Leder ist nach wie vor gefragt, wird aber eher im Kundenbereich und im Sitzungszimmer verwendet. Weitere Bezüge sind wiederum nach individuellen Anforderungen denkbar. gesundsitzen: Werden bei Ihnen auch alternative Sitzgelegenheiten wie bspw. Sitzbälle eingesetzt? Widmer: Nein – eigentlich nicht. Sitzbälle oder z.B. Kniestühle eignen sich aus meiner Sicht nicht für den Arbeitsalltag. Als zusätzliches Gymnastikgerät ja. Was wir zusätzlich anbieten, sind sogenannte «Stehhilfen». gesundsitzen: Herr Widmer sitzen Sie ergonomisch richtig? Widmer: (lacht) Ja, ich denke schon – denn ich komme eigentlich nicht viel zum Sitzen. Bei mir trifft der Begriff dynamisches Sitzen voll zu. Stephan Widmer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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rüstung mit zusätzlich einer Stehpulteinheit (Caddy) auf Rollen, die bewegt werden kann. Bei Personen mit speziellen Rückenleiden arbeiten wir grundsätzlich, auf ärztliche Empfehlung, mit ausgewiesenen Physiotherapeuten zusammen, welche diese Mitarbeiter gezielt mit therapeutischen Arbeitsstühlen und wenn nötig mit elektrisch höhenverstellbaren Sitzen / Stehen-Arbeitstischen ausrüsten können.

gesundsitzen: Ist die Büroausstattung bei der UBS abhängig von der Hierarchie: Kleiner Angestellter erhält kleines Pult – Chef erhält grosses Pult und einen Ledersessel mit Armlehnen? Widmer: (schmunzelt) Diese Zeiten sind seit langem vorbei. Heute zählt die Funktionalität, und die wiederum ist abhängig von der Aufgabe bzw. Tätigkeit, die an einem entsprechenden Arbeitsplatz ausgeführt wird. Alle Arbeitsplätze sind grundsätzlich gleich ausgestattet. Wir haben Standardsarbeitsplätze im Backund Frontoffice, welche in der ganzen Schweiz zum Einsatz kommen. Im Frontoffice, d.h. in dem Bereich, wo der Kundenkontakt stattfindet, ist das Mobiliar auf die Kundenerwartungen ausgerichtet und grundsätzlich schlicht / elegant gehalten.

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Stehen und Sitzen

Balance zwischen Sitzen und Stehen Beide Haltungen haben ihre Vor- und Nachteile. Die Vorteile kommen am besten bei einem häufigen Wechsel zum Tragen, während längeres Verharren in der gleichen Haltung eher die Nachteile verstärkt. Stehen und Sitzen erleben wir vor allem als Gegensätze, doch worauf es am meisten ankommt, ist ein sinnvolles Zusammenspiel. Denn beide Haltungen wirken auf unterschiedliche Art auf den Rücken und auf den ganzen Bewegungsapparat. So wirkt das Stehen

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Im Stehen sind die Haltemuskeln des Rückens aktiver als im Sitzen, und der Rücken hat mehr Bewegungsfreiheit. Jedoch kommt es auf eine gute, das heisst aufrechte Haltung an. Vor allem die unteren Bereiche der Lendenwirbelsäule sind beim Stehen in einer aktiven, natürlichen, nicht gebeugten Position. Das Stehen aktiviert die Muskeln am Bauch und am Gesäss, die bei sitzender Lebensweise oft verkümmern, aber auch die Beinstrecker und die Muskeln an den Waden und an den Füssen. Auf der negativen Seite steht die Belastung der Beine und der Füsse, die sich vor allem bei längerem Stehen bemerkbar macht. Fuss- und Knieprobleme können sich dadurch verstärken. Grundsätzlich gilt: Wer Probleme mit dem Rücken hat, sollte eher stehen als sitzen; wer Probleme mit Füssen und Beinen hat, sollte eher sitzen als stehen. In beiden Fällen ist aber ein häufiger Wechsel der

Position besser als ein langes Verharren im Stehen oder im Sitzen. Bei Problemen der Wirbelsäule kommt es sehr darauf an, wo die Beschwerden auftreten. Ist die Halswirbelsäule betroffen, ist beim Arbeiten am Bildschirm das Sitzen entgegen der Faustregel oft besser als Stehen, da an den meisten Arbeitsplätzen der Bildschirm im Stehen zu tief liegt. Das wäre aber mittels eines Stehpultes zu korrigieren.

So stehen Sie richtig Sehr wichtig sind gute Schuhe, um Müdigkeit vorzubeugen. Das Gewicht ist leicht auf den Vorfuss verlagert, die Gesässund Bauchmuskeln sind ganz leicht angespannt, die Schultern locker auswärts gedreht, der Blick geradeaus. Immer leicht in Bewegung bleiben, Gewicht seitwärts verlagern. Regelmässige Sitzpausen machen. Mit etwas Training gewöhnt man sich schnell an längeres Stehen.

So wirkt das Sitzen Die Lendenwirbelsäule ist nur wenig stärker belastet als im Stehen, jedoch oft auf eine ungünstige Weise, vor allem bei schlechter Sitzhaltung. Dem Rücken mangelt es an Bewegung, ausser mit modernen Sitzhilfen. Sitzen verführt oft zu Trägheit, weil man das Aufstehen als Anstrengung empfindet. Auf der positiven Seite entlastet das Sitzen die Füsse und die Beine.

Eher sitzen als stehen sollte, wer an einem klassischen Büroplatz mit Bildschirm arbeitet, eher Probleme mit dem Nacken hat, wer sonst genug Bewegung hat, zum Beispiel durch Sport, wer Beschwerden in den Füssen und Beinen hat.

So sitzen Sie richtig Sehr wichtig sind Möbel, die aktives Sitzen durch Haltungswechsel erlauben. Möbel und Sitzhilfen korrekt einstellen. Wechsel zwischen Sitzhilfen, die unterstützen und solchen, die zur Bewegung animieren. Die Füsse stehen auf dem Boden; die Knie bilden einen Winkel von weniger als neunzig Grad. Im Beckenbereich auf ausreichende Biegung der Wirbelsäule achten; nicht «lümmeln». Im Schulterbereich aufrechte Haltung. Die Lehne übernimmt einen Teil des Gewichts und entlastet so den Rücken. Häufiger Wechsel mit Aufstehen und Gehen ist zu empfehlen.


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Sitzmöbel und Geschichte

Stuhlgeschichten

Sitzen als Entlastung

Stühle und ihre Charaktere

Die ersten Darstellungen von sitzenden Menschen zeigen oft Gebärende, später Herrschende. In beiden Fällen also Menschen, die ihre gesamte Energie ganz gezielt einsetzen müssen und sich darum durch eine sitzende Stellung zu entlasten versuchen. In der Bibel bedeutet «Stuhl» fast immer «Herrscherstuhl». Sogar wenn dem Menschen die Zügel der Herrschaft entglitten sind, pflegt er sich noch sitzend aus dem Staube zu machen. Früher erfolgte das in der hintersten Ecke der Postkutsche sitzend, jetzt gibt es dafür den Schleudersitz.

Der Melkstuhl ist an den Stall gebunden, so wie das Taburett in die Küche gehört. Der Fauteuil steht im Wohnzimmer, der Bürostuhl hat im Schlafzimmer ebenso wenig zu suchen wie der Barhocker in der Toilette, und Sitzbadewannen in Kirchenräumen sind bis anhin nicht belegt. Stühle sind gelegentlich auch abstrakte «Wesen». Der Ausdruck «Stuhl» steht für ein Amt oder eine Stellung. Als «Lehrstuhl» wird an einigen Universitäten eine Professur bezeichnet. Der Ledersessel mit hochgezogener Rückenlehne gebührt dem Manager oder der Managerin. Ein «Alterssitz» ist eine repräsentative Wohnung im Alter, ein «Amtssitz» ist der Ort, wo Amtsgeschäfte getätigt werden, und der «Damensitz» ist konkret wie abstrakt als besondere Position zu verstehen.

Sprichwörter, die sitzen Auch im Bereich der Tätigkeitswörter gibt es einige geläufige Ausdrücke: «sitzen lassen» ist so viel wie verlassen oder aufgeben, und zwar mit besonders verwerflicher Gesinnung. «Besitzen» kommt aus altem Recht, als der Käufer einer Immobilie eine Zeitlang darauf sitzen musste, um sich seinen Besitzanspruch zu sichern.

Wer «besessen» ist, wird wohl von einer tückischen Eigenheit vereinnahmt; «zu Füssen seines Lehrers sitzen» bedeutet ein Vorbild bewundern und nachahmen; und «dort sitzen, wo die Spötter sitzen» heisst, sich bei den Spöttern aufhalten, ohne Rücksicht auf die Stellung, während wir alle gerne «bei der Quelle sitzen», weil wir dann als Erste von etwas Neuem profitieren können. Sitzgelegenheiten haben sich schliesslich in den Sprichwörtern ihren Platz gesichert: «Auf zwei Stühlen sitzen» ist wie «auf zwei Hochzeiten tanzen», d.h. zwei Dinge tun, die man nicht gleichzeitig tun kann; «zwischen Stuhl und Bank» fällt jemand, der sich nicht zwischen zwei Dingen entscheiden kann. Stühle sind, vom einsamen Thron abgesehen, gesellschaftliche und gesellige «Wesen». Man kann sie daher nicht isoliert betrachten, sondern muss sie auch in ihrer Ordnung würdigen. Quelle: Quirinus Reichen, Konservator Frühe Neuzeit – Bernisches Historisches Museum 1996

Mehr Informationen E-Mail quirinus.reichen@bhm.ch Tel. 031 350 77 55 . Fax 031 350 77 99

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Im Gegensatz zum Stehen und Liegen erfordert das Sitzen ein Hilfsmittel. Der urgeschichtliche Mensch musste sich mit Steinen oder Baumstrünken zufrieden geben. Durch die Geschichte der Menschheit war der «Sitz» immer ein wichtiger Ort beziehungweise ein wichtiges Utensil.

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Schuhe müssen schon zu Beginn passen Text: www.chirosuisse.ch

Unbequeme Schuhe zwingen zur Schonhaltung beim Gehen und Stehen. Sie stören die Funktion der Wirbelsäule und anderer Gelenke, sie schmerzen und führen zu oft langwierigen Schäden. Gute Gründe also, Schuhe sorgfältig auszuwählen.

Nicht zu empfehlen Hohe Absätze zwingen ihre Trägerin zur Gewichtsverlagerung nach vorne und zu einem Hohlkreuz. Sie belasten Lendenwirbelsäule und Fussgelenke und bereiten Beschwerden. Zu harte und zu starre Sohlen dämpfen den Schritt nicht. Zu weiche Schuhe sind weder Schutz noch Stütze, und zu wenig hohe Wanderschuhe stützen das obere Sprunggelenk nicht. Zu enge Schuhe und Modelle mit ungünstigem Fussbett zwingen den Fuss in eine unnatürliche Haltung und stören die Durchblutung. Oft führen sie zu Fehlstellungen wie Hammerzehen und Hallux valgus.

Der perfekte Schuh Schuhe sind ein Teil der Mode und dürfen das Auge erfreuen. Ihre wichtigste Aufgabe aber ist der Schutz des Fusses: Sie stützen seine Längs- und Quergewölbe und – als hohe Schuhe – sein oberes Sprunggelenk. Daraus leiten sich Bauart und Material eines guten Modells ab: Es bietet eine Gelenkstütze in der Sohle und stabilen Halt an Seiten und Ferse. Sein Absatz ist flach. Wer einen absatzlosen Schuhe kauft und trägt, spürt gelegentlich einen schwachen Muskelkater, bis sich der Körper wieder auf die natürliche Haltung und Gangart umgestellt hat. In Länge und Breite lassen die Schuhe dem Fuss genügend Freiraum. Eine dicke und flexible Sohle dämpft die Tritte und lässt das Abrollen zu. Das Schuh-Innenleben besteht aus feinem Leder, das die Feuchtigkeit um den Fuss reguliert und so dem Fusspilz vorbeugt. Mehr braucht es nicht – zu viel Zubehör ist meist am falschen Ort und stört.

Saison im Einsatz; dann sind sie zu klein für den wachsenden Fuss.

Preis und Lebensdauer Bei etwa 250 Franken liegt der Preis für ein Paar Qualitätsschuhe. Das ist sicher nicht zu viel, wenn man bedenkt, dass gute Schuhe ihren Dienst über mindestens fünf Jahre leisten. Sie können natürlich auch neu besohlt werden und danken gute Pflege mit einem längeren Schuhleben. Fachleute raten, den Schuhen eine Pause zu gönnen, wenn man sie einen Tag getragen hat, damit sie auch innen trocknen. Zudem sollten Schuhspanner aus Holz verwendet werden, welche die Feuchtigkeit aufnehmen! Einseitig abgelaufene Schuhe können auf eine Asymmetrie oder eine Fehlstellung in Fuss oder Becken hinweisen, die oft chiropraktisch behandelt werden können.

Kopf gegen Fuss Für die Kinder Kinder können die richtige Schuhgrösse nicht immer selbst bestimmen. Doch besonders Kinderschuhe dürfen nicht zu klein sein: «Am besten fertigt man deshalb von den Kinderfüssen eine um fünf bis sieben Millimeter zu grosse Kartonschablone an und legt diese in die Schuhe.» Kinderschuhe sind etwa eine

Seit Jahrhunderten zwängen sich Menschen in modische Schuhe, die ihren Füssen nichts Gutes tun. Kein Wunder, ist die – etwa vom Chiropraktor dringend empfohlene – Umstellung auf bequeme Schuhe anfänglich von Zweifeln begleitet. Doch immer wieder zeigt sich: Der Fuss liebt bequeme Schuhe. Anpassen muss sich jeweils nur der Kopf.

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Schuhverkäufer wissen ein Lied zu singen vom «Auswahlverfahren» ihrer Kunden: «Manche nehmen sich überhaupt keine Zeit. Sie schlüpfen im Sitzen schnell in einen der beiden Schuhe und meinen, das reiche!» So einfach geht’s nicht. Gut tut, wer vom Wissen und vom Rat einer erfahrenen Verkäuferin oder eines erfahrenen Verkäufers im Schuhgeschäft profitiert: «Der Schuh passt sich dem Fuss nicht an, wie immer wieder und wieder behauptet wird. Ein Schuh, der im Laden nicht passt, wird nie passen.» Wer klug ist, geht also Probe und achtet darauf, dass seine Füsse nicht eingeengt sind und sich frei bewegen können. In Zweifelsfällen gibt ein gutes Schuhgeschäft seinen Kunden das Wunschpaar zum Testgehen im Wohnzimmer mit nach Hause.

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Der Kinderrücken

Kinderrücken in Gefahr Text: www.chirosuisse.ch

Weil er noch wächst, sind seine Knochen weniger hart und stabil. Deshalb ist der Rücken von Kindern bei Überlastung eher verletzlich und neigt, wenn ständig falsch belastet, zu Haltungsschäden. Anatomisch unterscheidet sich der Rücken eines Kindes von dem eines Erwachsenen durch knorpelige Zonen, die noch nicht verknöchert sind. In diesen findet das Wachstum des Rückens statt. Knorpel ist weich und formbar, daher kann eine dauernd falsche Haltung ernste Folgen haben. Gefahren für den Kinderrücken

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Zu hohe und falsche Belastungen sind die Hauptursache für Schäden am Rücken von Kindern und Jugendlichen. Krankheiten spielen nur selten eine wesentliche Rolle. Zu den häufigsten Rückenschäden zählt die Skoliose, eine Verkrümmung der Wirbelsäule, die beim Blick von vorne oder hinten sichtbar wird. Der Buckel (Morbus Scheuermann), eine Kyphose im Bereich der Brustwirbelsäule, zeigt sich vor allem beim Blick von der Seite. Anders als eine Kyphose durch schlechte Haltung ist ein Morbus Scheuermann starr und lässt sich auch mit grösster Anstrengung nicht aufrichten. Er entsteht oft in den Jugendjahren, wenn der Körper rasch in die Länge wächst. Bisweilen kommt es dann auch zu einem Bruch in einem Wirbel. Der vordere Teil des Wirbels gleitet dann oft nach vorne – dieses Gleiten wird Spondylolistese genannt – was zu Schmerzen führt und Alter

die Haltung weiter verschlechtert. Durch den beengten Brustraum ist oft auch die Atmung beeinträchtigt.

Rückenschäden vorbeugen Die wichtigste Regel lautet: den Kinderrücken nicht überlasten. Ein Kind sollte nie mehr als zehn bis zwölf Prozent seines eigenen Gewichtes als Last tragen. Beim Schultornister ist es sehr wichtig, die Riemen auf die passende Länge einzustellen, sodass die Last weder zu hoch noch zu tief am Rücken sitzt, sondern bequem in der Mitte. Mappen sind in der Regel nicht zu empfehlen; besser sind zwei leichte Taschen, die das Kind je an einer Hand oder am Arm oder über die Schulter tragen kann. Durch zu viel Gewicht droht der Rücken zu überlasten: Dies gilt auch für das eigene Körpergewicht! Zu dicke Kinder bewegen sich meistens zu wenig; auch dies schadet dem Rücken. Bewegungsmangel und

Jungen Grösse cm MW±SD

Sport ja, aber richtig

Mädchen Gewicht kg MW±SD

Grösse cm MW±SD

Gewicht kg MW±SD

1 Jahr

77±3

10,44±1,21

74±2

9.44±0,80

2 Jahre

90±3

14,00±1,49

89±3

12.96±1,41

3 Jahre

96±3

14,90±1,74

95±3

14.28±1,79

4–6 Jahre

111±2

19,48±2,73

111±8

19.40±3,83

7–9 Jahre

131±8

28,09±6,74

133±8

27.52±4,42

10–12 Jahre

149±6

39,30±5,38

145±9

37.45±8,80

13–14 Jahre

164±11

51,95±9,44

161±5

45.84±9,04

15–18 Jahre

176±8

64,88±10,26

168±6

59.87±9,17

Legende: MW = Mittelwert ± SD = Standardabweichung

ungesunde Ernährung durch zu viel Fett, zuviel Zucker und zu wenig Ballaststoffe sind die Hauptursachen für Übergewicht bei Kindern. Gefahr für den kindlichen Rücken droht auch von falsch eingestellten Schulmöbeln. Diese müssen ständig an die Grösse des wachsenden Kindes angepasst werden. Auch sollten Kinder nie zu lange stillsitzen müssen. Die Situation ist alarmierend: Eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO hat ergeben, dass bis zur Hälfte aller Kinder und Jugendlichen an Haltungsschwächen und -fehlern leidet. Ein Drittel der Jugendlichen hat Rückenschmerzen, und viele nehmen deswegen Schmerzmittel. So haben schlecht eingestellte Schulmöbel weitreichende, schmerzhafte und teure Folgen: Die volkswirtschaftlichen Kosten von Rückenschmerzen belaufen sich in der Schweiz auf Hunderte von Millionen Franken jährlich.

Auch beim Sport ist Vorsicht vor Überlastung geboten. Viele bei Kindern sehr beliebte Sportarten wie Trampolinspringen sind für den Rücken sehr belastend. Dies gilt für Sprünge ganz allgemein, etwa beim Wasserspringen oder im Kunstturnen. Im Kraftsport sollten Kinder nicht mit zu hohen Gewichten trainieren, und beim Radfahren nicht zu hohe Gänge treten. Wenn ein Kind diese Regeln beachtet, ist Sport für den Rücken sehr zu empfehlen.


Bett und Stuhl

Ein Drittel des Lebens verbringen wir im Bett – Gute Nacht. Text: www.chirosuisse.ch

Was ist besser für den Rücken: Liegen oder Sitzen? Auf diese Frage gibt es, wie so oft, keine einfachen Antworten. Diese hängen zum einen vom Zustand des Rückens ab, zum anderen auch davon, wie gut Bett und Stuhl auf den Körper abgestimmt sind. Sitzen, Stehen, Liegen – alles hat seine Zeit, und viel Abwechslung tut dem Rücken gut. Im Bett verbringen wir etwa ein Drittel unseres Lebens. Da lohnt es sich, sehr gut auf den richtigen Komfort zu achten. So wirkt das Bett auf den Rücken

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Entspannend ist das Liegen, weil die Muskeln des Rückens dabei fünfmal weniger leisten müssen als im Sitzen. Dies aber nur dann, wenn der Rücken gesund und die Weichheit des Bettes richtig auf das Körpergewicht abgestimmt ist. Dann kommt die Wirbelsäule in die natürliche, neutrale Stellung, die sie auch beim Stehen einnimmt. Bei Rückenschmerzen kann aber das Liegen auch auf optimaler Unterlage zur Qual werden. Dann ist es ratsam, das Liegen phasenweise auf den Tag zu verteilen.

Faustregeln: Schwere Menschen und solche mit geraden Formen (eher Männer) benötigen eine härtere Unterlage, leichte Menschen und solche mit kurvigen Formen (eher Frauen) eine weichere. So wählen Sie richtig: Nehmen Sie sich beim Probeliegen Zeit; bleiben Sie je einige Minuten auf dem Rücken und auf der Seite liegen und vergleichen Sie das Gefühl mit jenem in einem anderen Bett. In der Hüftund in der Schulterpartie sollte das Bett bei Seitlage nachgeben, die Taille sollte

leicht unterstützt sein, sodass die Wirbelsäule in eine neutrale, gerade Lage kommt. Deshalb ist es für Ehepaare oft richtig, verschiedene Lattenroste und Matratzen zu wählen.

So wirkt der Stuhl auf den Rücken Im Vergleich zum Liegen müssen die Muskeln im Sitzen deutlich mehr leisten, und das in einer nicht optimalen Stellung, die vor allem bei längerem Verharren auf dem


Stuhl der Gesundheit eher schadet. Deshalb ist es wichtig, mehrmals am Tag Pausen zu machen und generell jede Gelegenheit zum Aufstehen zu nutzen. Dann schadet das Sitzen dem Rücken sicher nicht. Bei vielen Rückenproblemen ist das Sitzen sogar weniger beschwerlich als das Liegen: Zum einen fehlt beim Liegen die Bewegung, zum anderen ist bei Entzündungen – die bei Problemen des Bewegungsapparates oft eine grosse Rolle spielen – das Sitzen auf dem Stuhl angenehmer, weil die entzündungsfördernde Bettwärme wegfällt. So wählen Sie richtig: Achten Sie beim aktiven Sitzen auf eine leicht nach vorne geneigte Sitzfläche, eventuell mittels eines Sitzkeils. Die Lehne sollte im Bereich der Lenden stützen, um einen Teil des Körpergewichts dort mitzutragen. Armlehnen können den Rücken ebenfalls entlasten. Beim passiven, erholenden Sitzen sollte der Sitz wie eine Schaukel nach hinten verstellbar und ergonomisch, das heisst der Körperform angepasst sein. Die Lehne übernimmt hier einen grossen Teil der Belastung.

Was Rückenpatienten beachten sollten Beginnt der Rücken schon nach kurzem Liegen oder Sitzen zu schmerzen, dann ist das Bett oder der Stuhl wohl nicht passend. Ein «Gesundheitsstuhl» zum aktiven Sitzen trainiert Muskeln, die bisher unterfordert waren. Deshalb sollte man es vorsichtig angehen und erst nach und nach länger darauf sitzen. Beim Liegen kann sich der Rücken in Seitlage am besten erholen, wobei das obere Bein leicht angezogen ist. Die Füsse sollten entspannt und nicht gegen die untere Bettkante gestemmt sein. Das Kissen sollte genügend hoch sein, damit der Nacken in eine gerade Lage kommt. Bei Beschwerden kann ein Würfel oder eine andere Unterlage unter den Beinen oder ein Kissen zwischen den Knien helfen. Nehmen nach Stunden des Liegens die Schmerzen im Rücken zu, sind entzündungshemmende Massnahmen angesagt: Sich bewegen, ohne den Rücken zu belasten; Eispackungen (maximal 10 Minuten, gut eingepackt). Viel trinken und

Faustregeln: Möglichst verschiedene Stühle verwenden; oft abwechseln zwischen aktivem Sitzen mit freier Wirbelsäule und passivem Sitzen mit abgestützter Wirbelsäule, damit sich die Muskeln des Rückens erholen können – zum Beispiel beim Telefonieren, Nachdenken, Tagträumen oder Pause machen.

sich gesund, ausgewogen ernähren. Nachtschmerz kann auch die Folge von bösartigen Erkrankungen sein, etwa Tumoren oder schwere Infekte. Im Zweifelsfall lohnt sich der Gang zum Arzt.

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04/2007/08 · gesundsitzen

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