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Beschwerden nach dem Fitnesstraining Gemäss Umfragen sind in der Schweiz über 700'000 Personen Mitglied in einem Fitness Center. Wie bei allen körperlichen Aktivitäten treten auch beim Fitnesstraining Verletzungen und Beschwerden auf. Fritz Zahnd, Physiotherapeut, spricht über die Gefahren, Instruktoren und Maschinen. Was sind die häufigsten Leiden von Patienten nach dem Besuch im Fitness Center? Die meisten Patienten, die intensiv Fitness betreiben, suchen den Arzt oder Therapeuten oft wegen Schulteroder Wirbelsäulenbeschwerden auf.

Life Style

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Das Risiko, sich im Fitnessstudio zu verletzen, liegt nach einer Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu in der Schweiz bei 5 Prozent. Worauf sind die Verletzungen aus dem Fitness Center zurückzuführen? Verletzungen, die direkt beim Trainieren entstehen, sind häufig auf Koordinationsmangel und strukturelle oder funktionelle Instabilität und kompensatorische Bewegungen zurückzuführen. Aber auch auf eine schlechte Bewegungstechnik oder zu grossen Widerstand, sprich zu viel Gewicht. Es kommt immer wieder vor, dass die eigenen physischen Möglichkeiten überschätzt werden. Das Verletzungsrisiko von Männern ist laut bfu-Studie um 50 Prozent höher als jenes der Frauen. Wie erklären Sie sich das? Ich würde das mit dem Konkurrenz- bzw. Imponierverhalten vieler Männer erklären. Was empfehlen Sie, um Schädigungen vorzubeugen? Erstens eine seriöse Instruktion. Dazu gehört nicht nur, sich die Funktion des Gerätes und der Trainingsmethode erklären zu lassen, sondern auch, was man während

der Ausübung einer Übung fühlen sollte. Zweitens eine gute und regelmässige Kontrolle und drittens ein regelmässiges Training. Nehmen die Betreuer in den Zentren Ihrer Meinung nach ihre Aufgabe tendenziell zu wenig ernst? Zum Teil ja, wie in jedem anderen Beruf auch. Manchmal liegt es daran, dass der Personalbestand zu wenig gross ist, um die Trainierenden seriös zu instruieren und während der Trainings zu begleiten. Worauf müsste ein Betreuer hauptsächlich achten? Die meisten Betreuer verfügen über keine medizinische Grundausbildung. Diese sollten primär darauf achten, dass die Geräte korrekt benützt werden. Zudem sollte der Betreuer die Trainierenden über eine richtige Trainingsmethodik instruieren, die Übungsausführung überwachen und eingreifen, wenn Übungen Schädigungen nach sich ziehen können. Die Betreuer sollten die Trainierenden motivieren und deren Wahrnehmung für Training und Gesundheit fördern. Worin sehen Sie die Vorteile von freien Gewichten gegenüber dem Training an Maschinen? Den grössten Vorteil sehe ich in der höheren koordinativen Beanspruchung. Mit freien Gewichten ist unter anderem je nach Übung auch das Gleichgewicht stärker gefordert. Durch die freien Gewichte ist die Bewegung auch näher an Belastungen des wirklichen Lebens. Zudem kann der Trainierende besser innerhalb der Übungen mit der Bewegung variieren. Eine

ideale Kombination der Vorteile der freien Gewichte und der Vorteile von Trainingsmaschinen bietet zum Beispiel das Gravity Training System von EFI Sportsmedicine www.efisportsmedicine.ch. Worin sehen Sie die Nachteile der freien Gewichte? Ein Nachteil ist bestimmt die Schwierigkeit der korrekten Übungsausführung. Der Einsatz von freien Gewichten ist für Anfänger nicht unbedingt geeignet. Zudem ist der Verlauf der Widerstandskurve bei freien Gewichten oft ein Nachteil. Der Widerstand ändert durch die Bewegungsbahn stark. In der Regel muss das optimale Training der Muskulatur durch die ganze Bewegungsbahn mit einer Änderung der Ausgangsstellung bewerkstelligt werden. Ein weiterer Nachteil ist der grosse Aufwand der Instruktion beziehungsweise der Kontrolle. Mit freien Gewichten ist die Gefahr von falschen Bewegungen und Verletzungen viel grösser. Welchen Tipp geben Sie Menschen mit, die neu ins Fitness Center gehen? Es sollten vor dem Vertragsabschluss verschiedene Zentren besucht werden. Bevor dann das eigentliche Training beginnt, sollte ein Fragebogen zur groben Überprüfung der Gesundheit des Herz-KreislaufSystems und des Bewegungsapparates ausgefüllt werden, wie zum Beispiel ein PAR-Q (Physical Activity Readiness Questionnaires). Falls Probleme bestehen, müssten Abklärungen durch einen Physiotherapeuten oder Arzt durchgeführt werden. Weitere Tipps: langsam beginnen, zwei bis vier Mal pro Woche trainieren und das Training einem Teil seines Lebens machen.

Schweizer Physiotherapie Verband Geschäftsstelle Stadthof/Bahnhofstrasse 7b 6210 Sursee Tel. 041 926 07 80, Fax 041 926 07 99 E-Mail info@fisio.org, Internet www.fisio.org

gesundsitzen_2005  
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Der Mensch ist nicht zum Sitzen geboren Life Style Schweizer Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause Medizin & Rücken Ausgabe...

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